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MyHeartMate App - virtuelles Herz

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Herzinfarkt vorbeugen mit Gesundheitsapp

Forscher der University of Sydney haben eine App entwickelt, die Herzinfarkt-Patienten auf spielerische Art davor schützen soll, einen zweiten Infarkt zu erleiden. 
 
In Australien gehören Herzkrankheiten zu den größten gesundheitlichen Problemen. 1,4 Millionen Menschen sind betroffen und 54.000 Menschen erleiden jährlich einen Herzinfarkt.

Ist es erst einmal so weit gekommen, sind Vorbeugungsmaßnahmen nach Herzinfarkten ein sehr wichtiger Bestandteil der Rehabilitationsphase, denen nur wenige Patienten Folge leisten.

Forscher der University of Sydney haben nun eine App entwickelt, die Betroffenen auf bequeme und ansprechende Weise das Thema vor Augen führt und dabei unterstützt, die Gesundheit ihres Herzens zu kontrollieren und zu verbessern.

In der MyHeartMate App kümmert sich der Benutzer um sein „virtuelles Herz", spielt Spiele und kann dabei im echten Leben Herausforderungen annehmen, die den Spieler sowie das digitale Herz gesund halten. So wie das digitale Herz gesünder wird, verbessert sich auch der Gesundheitszustand des Menschen.

Um den Spieler zu motivieren, nutzt die App interaktive Spiele sowie Rätsel und stellt Aufgaben, die zur Verbesserung der Gesundheit beitragen. Das können sportliche Aktivitäten sein, eine Umstellung der Essgewohnheiten, mit dem Rauchen aufhören oder Stress reduzieren.

Zudem hilft die App den Benutzern dabei, ihre Medikamenteneinnahme zu organisieren, und es können Blutdruck- sowie Blutzuckerwerte gespeichert werden.

  • Professor Gemma Figtree von der Sydney Medical School bestätigt, dass durch Programme zur Vorbeugung von Herzkrankheiten Todesfälle und neue Herzinfarkte bereits reduziert werden konnten. 

Dennoch nehmen nur wenige Patienten an solchen Maßnahmen teil.

Aus diesem Grund haben die Forscher die App entwickelt, damit Menschen die Gesundheit ihres Herzens auf eine interaktive und spaßige Weise fördern können, sollten sie nicht die Möglichkeit haben, an traditionellen Programmen teilzunehmen.

Weitere Features der App:

kostenloser Download auf Smartphones und Tablets

zugänglich für Vollzeitarbeitnehmer und Patienten in ländlichen Gegenden

kann eigenständig oder zusammen mit Gesundheitsexperten verwendet werden

speichern und dokumentieren des Fortschritts

Erhalt von Auszeichnungen für Aktivitäten im realen Leben

einladen und motivieren von Freunden

Motivation um an kardialen Rehabilitationsprogrammen teilzunehmen

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360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle - KANZEL: Diabeteserkrankungen in der Schwangerschaft - Gestationdiabetes mellitus (GDM).

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Dank Screening: Schwangerschaftsdiabetes wird jetzt früher erkannt

Diabeteserkrankungen in der Schwangerschaft werden einer aktuellen Studie zufolge in Deutschland jetzt früher erkannt. 

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) führt dies neben einer Reform der Mutterschaftsrichtlinien auch auf eine Leitlinie der Fachgesellschaft aus dem Jahr 2011 zurück, die ab der 24. Schwangerschaftswoche einen Blutzuckertest im venösen Blut vorsieht. 

  • Die Studie zeigt jedoch auch, dass werdende Mütter zunehmend übergewichtig sind und zu häufig Insulin zur Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes verordnet wird. 

DDG Experten fordern daher ein umfassendes Präventionskonzept für junge Frauen mit Kinderwunsch. 
 
  • Die Mutterschaftsrichtlinien schreiben zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche eine venöse Blutentnahme auf Schwangerschaftsdiabetes vor, den sogenannten Gestationdiabetes mellitus (GDM). 

Bei dem Screening trinkt die Schwangere zunächst im nicht-nüchternen Zustand 200 Milliliter Wasser mit 50 Gramm Traubenzucker, bevor eine Stunde später der Blutzucker im Venenblut bestimmt wird. 

Ist das Screening auffällig, muss zeitnah ein 75-Gramm-Diagnosetest über zwei Stunden im nicht-nüchternen Zustand folgen. 

„Gestationsdiabetes kann zu Komplikationen in der Schwangerschaft und bei Geburt führen, steigert das Risiko für Schwangerschaftshochdruck und fördert das übermäßige Wachstum des ungeborenen Kindes“, erläutert DDG Präsident Professor Dr. med. Baptist Gallwitz. Er erhöht außerdem bei Mutter wie Kind die Wahrscheinlichkeit, später dauerhaft an Diabetes zu erkranken. 

  •  „Jede zweite Frau nach GDM entwickelt innerhalb von zehn Jahren einen Typ-2-Diabetes. Deshalb ist frühes Erkennen und Therapieren wichtig“, so Gallwitz.

Eine Untersuchung, die das Wissenschaftliche Institut der niedergelassenen Diabetologen (windiab) jetzt in der Fachzeitschrift „Diabetologie und Stoffwechsel“ veröffentlicht hat, zeigt: Die neue Mutterschaftsrichtlinie hat die Diagnostik des Schwangerschaftsdiabetes in wenigen Jahren verbessert. „Der Anteil der Erkrankungen, die bereits zwischen der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche erkannt werden, ist innerhalb von fünf Jahren von 27 auf 33 Prozent gestiegen“, berichtet Dr. med. Helmut Kleinwechter, der die Screening-Leitlinie der DDG maßgeblich mit erarbeitet hat. Für die windiab-Studie wurden insgesamt 2334 Schwangerschaften mit GDM in den Jahren 2009/2010 analysiert und den Daten von 4640 Schwangerschaften mit GDM in 2013/2014 bereinigt gegenübergestellt. Einschränkend muss festgestellt werden, dass die erhobenen Daten weder die untersuchten Regionen noch Deutschland insgesamt repräsentieren. „Trotzdem ist es die beste bisher verfügbare Registeranalyse“, so Kleinwechter.

Die Studie zeigt aber auch, dass in diesem Zeitraum der Anteil übergewichtiger Frauen von 26 auf 28 und der Anteil adipöser Frauen von 32 auf 35 Prozent angewachsen ist – während der durchschnittliche Body-Mass-Index der Schwangeren in 2009/2010 noch bei 27,8 lag, belief er sich in 2013/14 auf 28,5. 

  • Zugleich stieg die Quote der Frauen, bei denen eine Insulintherapie begonnen wurde, von 34 auf 40 Prozent. „Eine ungewöhnlich hohe Insulinrate, die uns überrascht“, erklärt Kleinwechter. Zum Vergleich: International benötigen zwischen sieben und zwanzig Prozent der Schwangeren mit GDM Insulin. Die windiab-Daten belegen für Deutschland daher eine Übertherapie.

Auf die Gesundheit von Mutter und Kind wirken sich diese Trends ungünstig aus.

So fördert zu großzügiger Insulineinsatz unnötig die Kaiserschnittrate – die Geburtshelfer gehen bei einer Insulinbehandlung von einem schwereren Fall aus und beenden am errechneten Entbindungstermin die Schwangerschaft. 

„Es besteht also Schulungsbedarf für die teilnehmenden Diabetologen, die Insulintherapie auf die Fälle zu beschränken, die am ehesten davon profitieren“, betont Kleinwechter.

  • Eine Adipositas vor der Schwangerschaft wiederum verdoppelt das Fehlbildungsrisiko. 

  • Zugleich stillen adipöse Mütter, insbesondere wenn sie aus sozial schwachen Milieus stammen, seltener und kürzer. „Damit vergeben sie auch die Chance, einem Diabetes vorzubeugen“, so Kleinwechter. Denn Stillen über die Dauer von mindestens drei Monaten mindert das spätere Diabetesrisiko um dreißig Prozent.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Prävention von Adipositas zunehmend an Bedeutung bei der Betreuung der Schwangeren. „Der Fokus muss ebenso sehr auf das Erreichen eines normalen Blutzuckers wie auf die Beschränkung der Gewichtszunahme gelegt werden“, fordert Gallwitz. Dafür sei eine konsequente Lebensstiländerung erforderlich, zu der Ernährungsumstellung, mehr körperliche Bewegung und Stillen gehörten. „Es ist an der Zeit, ein Präventionskonzept für junge Frauen mit Kinderwunsch zu entwickeln, das möglichst schon vor der Schwangerschaft in gynäkologischen Praxen und bei Hausärzten greift“, erläutert Gallwitz. Ziel müsse es sein, schon vor der Schwangerschaft das Körpergewicht zu normalisieren. „In der Schwangerschaft sollte eine drastische Gewichtsabnahme vermieden werden“, meint der DDG Präsident.

Für den GDM insgesamt gilt: 

  • Je früher Blutzuckerselbstkontrolle, Ernährungsumstellung, Bewegungsförderung und intensivere Beobachtung des Kindes mit Ultraschall und – wenn notwendig –Insulintherapie einsetzen, desto eher kann kindlichen Fehlentwicklungen und Fehlprogrammierungen entgegengewirkt werden.

Für Schwangere, die sich über die richtige Ernährung informieren möchten, stellt der Aid-Infodienst Materialien zur Verfügung: http://shop.aid.de/1605/das-beste-essen-in-der-schwangerschaft.

Weiterführende Links: 

Leitlinie Gestationsdiabetes: http://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/057_D_Diabetes_Ges/057-008p_S3_Gestationsdiabetes_2011-08.pdf


Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft:
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit fast 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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Multipler Sklerose - Wann Therapiestart?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Bei ersten Anzeichen von Multipler Sklerose sofort mit Therapie beginnen

Wer Symptome von Taubheit, eingeschränktem Sehvermögen, Kraftminderung oder Gleichgewichtsstörungen verspürt, muss auf der Hut sein. 

Es könnte sich um erste Anzeichen einer beginnenden Multiplen Sklerose handeln. 

Bestätigt sich der Verdacht, kann eine frühe medikamentöse Therapie den Krankheitsverlauf langfristig günstig beeinflussen. 

Eine internationale Langzeitstudie unter Federführung von Forschenden der Universität und des Universitätsspitals Basel kommt zum Schluss, dass eine möglichst früh einsetzende Therapie den Ausbruch der Krankheit verzögern oder gar verhindern kann. 
 
Ab welchem Zeitpunkt macht es bei ersten Anzeichen von Multipler Sklerose (MS) Sinn, mit einer medikamentösen Therapie zu beginnen? Sobald erste Symptome wie Gleichgewichtsstörungen, Taubheit, Kraftminderung oder eingeschränktes Sehvermögen auftreten? Oder erst, wenn die Krankheit effektiv diagnostiziert wurde? Bisher lagen zur Klärung dieser Frage nur Studien mit Beobachtungszeiten von wenigen Jahren vor. Das ist bei einer Krankheit, die im Schnitt mehrere Jahrzehnte dauert, relativ kurz. Nun aber schafft eine internationale Langzeitstudie, bei welcher Forschende aus der MS-Forschungsgruppe der Universität und des Universitätsspitals Basel (USB) federführend waren, Klarheit über die langfristigen Auswirkungen eines frühen Behandlungsbeginns.

Studienleiter Prof. Ludwig Kappos, Chefarzt Neurologie des USB: «Unsere Studie bestärkt uns darin, Betroffenen bereits beim ersten Auftreten von hochverdächtigen MS-Symptomen dringend eine eugende Therapie zu empfehlen. Ein früher Behandvorblungsbeginn hat gegenüber einer verzögerten Therapieeinleitung nachweisbare Vorteile, weil damit der Ausbruch von MS verzögert oder sogar verhindert werden kann.»

Frühe Therapie lohnt sich

An der Studie nahmen 468 Personen mit ersten verdächtigen MS-Symptomen teil.

Bei ihnen war zwar noch keine definitive Diagnose einer MS gestellt, doch konnten andere Ursachen ausgeschlossen und im MRI mindestens zwei asymptomatische Herde nachgewiesen werden. Nach erfolgter Information und Einwilligung erhielten die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip innerhalb von maximal 60 Tagen ab Beginn der Symptome entweder das Medikament Interferon β-1b oder ein Placebo. Nach spätestens zwei Jahren oder früher, wenn bei den Betreffenden nach einem zweiten Schub MS diagnostiziert wurde, konnte die Placebo-Gruppe ebenfalls auf die Einnahme von Interferon β-1b oder eines vergleichbaren Medikaments umsteigen.

Elf Jahre nach dem Studienstart konnten die Forschenden 278 Studienteilnehmende ausführlich nachuntersuchen. Davon gehörten 167 Personen zur Gruppe mit früher Therapie und 111 Personen zur Gruppe mit verzögerter Therapie. Dabei zeigte sich, dass die Personen aus der Gruppe mit früher Therapie eine um 33 Prozent tiefere Wahrscheinlichkeit hatten, an MS zu erkranken als jene aus der Gruppe mit späterer Therapie.

Ausserdem verstrich bei der frühen Gruppe deutlich mehr Zeit bis zum ersten Rückfall der Krankheit, nämlich 1‘888 Tage im Vergleich zu 931 Tagen bei der späteren Gruppe.

Die frühe Gruppe hatte über den gesamten Zeitraum von elf Jahren eine um 19 Prozent tiefere Häufigkeit von Krankheitsschüben, interessanterweise in der Regel auch in den Jahren, in denen beide Gruppen gleichen Zugang zur Therapie hatten. Insgesamt hatten beide Gruppen nach elf Jahren nur wenig dauerhafte Beeinträchtigungen. Die mediane Änderung im EDSS, einer zehnstufigen Behinderungsskala, betrug 0,5 Punkte, und nur rund acht Prozent der Teilnehmenden waren nach elf Jahren vorzeitig berentet.

Publikation in «Neurology»

Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «Neurology» der American Academy of Neurology publiziert. An der Studie waren Spitäler und Universitäten aus zwanzig Ländern beteiligt; die Studie wurde von Bayer Healthcare Pharmaceuticals unterstützt.

Multiple Sklerose ist eine chronische entzündliche und degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene befällt und an der weltweit mehr als zwei Millionen Menschen erkrankt sind.

Originalbeitrag

Ludwig Kappos et al.
The 11-year long-term follow-up study from the randomized BENEFIT CIS trial
Neurology (2016)

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Bluthochdruck vermeiden - Ärztliche Bescheinigung

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Ärztliche Bescheinigung für Präventionskurse: Bluthochdruck vermeiden

Sportkurse, Ernährungsberatung, Rauchentwöhnung oder Entspannungstechniken: 

Ab Januar 2017 können niedergelassene Ärzte im Rahmen der Gesundheitsuntersuchungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Präventionsleistungen mittels einer ärztlichen Bescheinigung empfehlen. 

Dies ist ein Ergebnis der Arbeit des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zur Ausgestaltung des Präventionsgesetztes. Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® begrüßt diesen Beschluss und rät dazu, dass aus der Empfehlung im nächsten Schritt eine Verordnung wird. 
 
Krankenkassen unterstützen ihre Mitglieder schon seit längerem bei einer gesunden Lebensweise: 

Viele tragen die Kosten von zertifizierten Präventionskursen zu Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und Suchtmittelkonsum.

Bisher beantragten Mitglieder diese selbst, aber auch auf Grund einer formlosen ärztlichen Empfehlung. 

Letzteres wird ab Januar 2017 über ein Formular geregelt, so der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 21. Juli 2016. Dabei handelt es sich um eine ärztliche Bescheinigung, also keine ärztliche Verordnung im Sinne einer veranlassten Leistung, sondern eine Empfehlung. Diese sollen die Krankenkassen bei der Bewilligung der Kurse berücksichtigen.

„Ziel des Beschlusses ist es, im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung jene Menschen zu erreichen, bei denen der Präventionsbedarf und das gesundheitsfördernde Potenzial verhaltensbezogener Kurse besonders groß ist“, erläutert Professor Dr. med. Hans-Georg Predel, Sprecher der Sektion für Prävention und nicht-medikamentöse Hochdrucktherapie der Hochdruckliga aus Köln. Dazu gehören etwa Menschen in beruflich und familiär belastenden Lebenssituationen oder chronisch Kranke.

  • Über solche nicht-medikamentösen, verhaltensbezogenen Maßnahmen können die meisten Menschen mit einer Bluthochdruck-Erkrankung – der leichten oder mittelschweren Hypertonie – viel erreichen. 
„Denn was den Patienten hilft, ihre Erkrankung abzumildern oder in den Griff zu bekommen, hilft auch bei der Prävention“, meint Predel: Mehr Sport, weniger Gewicht, weniger Alkohol, weniger Salz und möglichst gar keine Zigaretten. Das reduziere die im Präventionsgesetz benannten Risikofaktoren und damit auch das Auftreten von Bluthochdruck. „Vor diesem Hintergrund begrüßen wir den Beschluss des G-BA ausdrücklich“, sagt Professor Predel. „Die Präventionsleistungen auf ärztliche Empfehlung mittels Formular verleihen einer ärztlichen Beratung sicherlich zusätzliches Gewicht.“ Zielgruppe dieser Empfehlungen sollten aus Sicht der Deutschen Hochdruckliga Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Hochdruckerkrankung durch Übergewicht, Bewegungsmangel oder Suchtmittelkonsum auch Patienten mit leichter oder mittelschwerer Hypertonie sein.

„Der Beschluss ist ein Schritt in die richtige Richtung“, betont auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hochdruckliga, Professor Dr. med. Martin Hausberg aus Karlsruhe. „Wir würden uns für die weitere Ausgestaltung des Präventionsgesetztes zur Gesundheitsuntersuchung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wünschen, dass die ärztliche Bescheinigung durch eine ärztliche Verordnung ersetzt würde.“ Aus dieser entstünde ein Leistungsanspruch – für den Patienten und den Arzt:

„Prävention, nicht Krankheit, muss sich in unserem Gesundheitssystem rechnen“, fordert Professor Hausberg. Dafür müsse vom G-BA auch ein Standard für das ärztliche Präventionsgespräch unter Patientenbeteiligung erarbeitet werden.

Quellen:
Pressemitteilung des G-BA zu Präventionsempfehlungen, Stand 21.07.2016
https://www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/629/

Beschlusstext und Tragende Gründe zur Änderung der gesundheitsuntersuchungs-Richtlinien, Stand 21.07.2016
https://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/2658/


Praxisnachrichten, Ärzte können ab 2017 Präventionsempfehlungen geben, 28.07.2016
http://www.kbv.de/html/1150_23864.php
§ 20 SGB V Primäre Prävention und Gesundheitsförderung

Über die Deutsche Hochdruckliga DHL® - Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention:
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® bündelt die Expertise zur arteriellen Hypertonie in Deutschland. Gegründet 1974, engagiert sie sich seitdem für eine bessere Versorgung von Menschen mit Bluthochdruck. Weltweit bleibt Bluthochdruck die größte Gefahr für die Gesundheit. Deshalb verfolgt die DHL® das Ziel „30-50-80“: Jeder Mensch ab 30 Jahren sollte seinen Blutdruck kennen. Ab 50 sollte der Blutdruck bei jedem kontrolliert und gut eingestellt sein. Menschen mit 80 sollten nicht an Folgeschäden des Bluthochdrucks wie Schlaganfall oder Herzinfarkt leiden.

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Die Befruchtung - Wachstum neuer Nervenzellen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Das Wachstum neuer Nervenzellen wird streng reguliert

Die Entstehung neuer Nervenzellen im Gehirn wird äußerst strikt reguliert. 

In einer aktuellen Studie der Universität Bonn und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wurde nun ein Schlüsselmechanismus dieser Regulation identifiziert. 

Die Erkenntnisse eröffnen die Möglichkeit, die Gewinnung von Nervenzellen aus Stammzellen genau zu steuern. 

Auch für die Behandlung von Hirntumoren ergeben sich eventuell neue Perspektiven. Die Studie wurde am 9. August in der Zeitschrift „Stem Cell Reports“ veröffentlicht. 


Das Mikroskopie-Bild zeigt humane neurale Stammzellen, bei der durch eine so genannte Immunfluoreszenzfärbung stammzelltypische Proteine farbig markiert wurden.
Das Mikroskopie-Bild zeigt humane neurale Stammzellen, bei der durch eine so genannte Immunfluoreszenzfärbung stammzelltypische Proteine farbig markiert wurden.© AG Brüstle, Universität Bonn


  • Schon wenige Tage nach Befruchtung der Eizelle beginnt im werdenden Kind die Entwicklung des Gehirns.
  • Bis zur Geburt bilden sich hier im Schnitt jede Minute rund 250.000 neue Nervenzellen. 
  • Wenn der Säugling das Licht der Welt erblickt, warten in seinem Kopf rund 100 Milliarden dieser Neuronen auf Input.

Diese enorme Menge an Nervenzellen stammt von einigen wenigen Vorläuferzellen ab, den neuralen Stammzellen. 

Diese müssen sich zunächst vermehren, um genügend Ausgangszellen zu bilden.

Nach und nach schlägt dann ein Teil der Zellen einen anderen Weg ein und beginnt, in die gewebespezifischen Zellen des Gehirns (Neurone und Gliazellen) auszureifen.

Der Übergang zwischen Zellvermehrung und Ausreifung muss dabei genau austariert werden: 

Eine Veränderung des Gleichgewichtes hätte fatale Folgen und könnte zum Beispiel die Entstehung von Gehirntumoren auslösen.

Um dies zu verhindern, wird das Schicksal der neuralen Stammzellen augenscheinlich äußerst strikt reguliert. 

Die Bonner Wissenschaftler haben nun einen dieser Regulationsmechanismen entschlüsselt.

Regelkreis für die Nervenproduktion


Während der embryonalen Entwicklung müssen neuralen Stammzellen kontrolliert von der Zellvermehrung (Proliferation) in die Ausreifung (Differenzierung) übergehen.
Während der embryonalen Entwicklung müssen neuralen Stammzellen kontrolliert von der Zellvermehrung (Proliferation) in die Ausreifung (Differenzierung) übergehen.
© AG Brüstle, Universität Bonn

Für ihre Experimente nutzten sie neurale Stammzellen, aus denen sich menschliche Nervenzellen erzeugen lassen. „Wir konnten zeigen, dass an der Regulation dieser Zellen zwei verschiedene Komponenten beteiligt sind“, erklärt Dr. Laura Stappert vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn. Beide Komponenten kontrollieren sich quasi gegenseitig. Sie bilden so einen Regelkreis, der die Stammzell-Aktivität während der Gehirnentwicklung bis ins Feinste austariert.

  • Der eine Akteur in diesem Regelkreis ist der so genannte Notch-Signalweg. 
  • Er sorgt dafür, dass sich die Stammzellen munter vermehren. Gleichzeitig verhindert er, dass sich die Zellen spezialisieren, also in Neuronen oder Gliazellen umwandeln. Sie verbleiben in ihrem unreifen Zustand.

Gegenspieler des Notch-Weges ist ein Molekül mit dem kryptischen Namen miR-9/9*. Dieses unterbindet die Teilung der Stammzellen. Stattdessen sorgt es dafür, dass sie den Karrierepfad in Richtung Nervenzellen einschlagen. Zugleich hemmt miR-9/9* den Notch-Signalweg.
  • MiR-9/9* steht also für die Ausreifung und Differenzierung von Stammzellen, Notch für ihre Vermehrung. 

„Interessanterweise bewirkt Notch zusätzlich noch eine vermehrte Produktion von miR-9/9*“, erläutert Dr. Beate Roese-Koerner, die gemeinsam mit Stappert Erstautorin der Studie ist: „Notch erzeugt also seinen eigenen Hemmstoff.“

„Dieser Mechanismus verhindert augenscheinlich, dass sich die Stammzellen zu schnell teilen: Jedem Tritt aufs Gaspedal folgt direkt ein Tritt auf die Bremse“, ergänzt Professor Dr. Oliver Brüstle, Direktor des Instituts für Rekonstruktive Neurobiologie. Möglicherweise eignet sich miR-9/9* daher auch, um das Wachstum von Tumoren zu unterbinden. Die Forscher wollen diese These nun weiter untersuchen.

Die Bonner Wissenschaftler haben sich auf die Gewinnung von Nervenzellen aus Stammzellen spezialisiert. Sie setzen diese für den Zellersatz im Gehirn ein. Dazu müssen sie genau wissen, auf welche Weise der Ausreifungsprozess kontrolliert wird. Neu identifizierte Regulationsfaktoren wandern direkt in die Werkzeugkiste der Forscher, da sie noch mehr Kontrolle über die Zellen erlauben. Die neuen Erkenntnisse sind in diesem Zusammenhang von großer Relevanz.

Publikation: Roese-Koerner et al., Reciprocal Regulation between Bifunctional miR-9/9* and its Transcriptional Modulator Notch in Human Neural Stem Cell Self-Renewal and Differentiation, Stem Cell Reports (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.stemcr.2016.06.008

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Thrombozyten (Blutplättchen) - Herz- Kreislauf-Erkrankung und Thrombosen

Medizin am Abend Berlin:  Rolle der Blutplättchen bei Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombosen entschlüsselt

Menschen mit vergrößerten Thrombozyten (Blutplättchen) tragen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombosen in sich. Ursächlich für ein erhöhtes Thrombozytenvolumen sind sowohl genetische als auch nicht genetische Faktoren. Das fand Dr. Marina Panova-Noeva vom Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz heraus. Ihrem Forschungsergebnis liegen entsprechende Daten der Gutenberg Gesundheitsstudie zugrunde. Das Thrombozytenvolumen lässt sich möglicherweise als Marker für die Risikobewertung hinsichtlich gefäßverschließender Erkrankungen nutzen. 
 
In ihrer Arbeit hat Dr. Panova-Noeva die bekannten genetischen und nicht-genetischen Faktoren analysiert, die das mittlere Thrombozytenvolumen (mean platelet volume, MPV) bestimmen. Gleichzeitig hat sie geschlechterspezifische Unterschiede in den Einflussfaktoren des MPV entdeckt. Die Wissenschaftlerin des CTH hat dabei auf Daten der Gutenberg-Gesundheitsstudie zurückgegriffen, bei der der Gesundheitszustand von rund 15.000 Probanden im Alter von 35 bis 74 Jahren aus Mainz und dem Landkreis Mainz-Bingen über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht wurde.
  • Die Ergebnisse der Analyse Dr. Panova-Noeva zeigen, dass das Alter, kardiovaskuläre Risikofaktoren wie zum Beispiel Rauchen und Bluthochdruck sowie ein erhöhter Blutzucker-Wert bei männlichen Personen mit einem höheren durchschnittlichen Thrombozytenvolumen verbunden sind. 
  • Für Frauen ließen sich die Einnahme oraler Verhütungsmittel sowie die Menstruation als Einflussfaktoren auf das Plättchen-Volumen ermitteln. 

Zusätzlich konnte die bereits bestehende Vermutung, dass eine erhöhte Thrombozytengröße mit erhöhter Sterblichkeit einhergeht, für Studienteilnehmer männlichen Geschlechts bestätigt werden. 

Für weibliche Probanden ließ sich ein solcher Zusammenhang nicht feststellen.

In seinem Kommentar zur Studie bescheinigt Giuseppe Lippi, Professor am Department of Neurosciences, Biomedicine and Movement Sciences der Universität Verona, den CTH-Wissenschaftlern, „neuartige und wichtige Erkenntnisse im Zusammenhang mit Thrombozytenbiologie und deren Beziehung zu Thrombose“ hervorgebracht zu haben. Auch Univ.-Prof. Dr. Philipp Wild, Sprecher des Forschungszentrums für Translationale Vaskuläre Biologie (CTVB) und einer der Senior-Autoren der Veröffentlichung, ist von der Bedeutung der Studie überzeugt: „Die Daten belegen das Potential eines im klinischen Alltag bisher eher unbedeutenden Markers und erweitern unser Wissen zu seiner klinischen Rolle. Die Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass sich das Thrombozytenvolumen als Marker für die Risikobewertung hinsichtlich thrombotischer Erkrankungen nutzen lässt.“


Originalpublikation: Sex-Specific Differences in Genetic and Nongenetic Determinants of Mean Platelet Volume: Results from the Gutenberg Health Study. Panova-Noeva, M., Schulz, A., Hermanns, M. I., Grossmann, V., Pefani, E., Spronk, H. M., Laubert-Reh, D., Binder, H., Beutel, M., Pfeiffer, N., Blankenberg, S., Zeller, T., Münzel, T., Lackner, K. J., Ten Cate, H. & Wild, P. S. Blood 127, 251-259, (2016)
DOI: 10.1182/blood-2015-07-660308.

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Über das CTVB
Das Forschungszentrum Translationale Vaskuläre Biologie ist einer der drei Forschungsschwerpunkte im Bereich Translationale Medizin der Johannes Gutenberg-Universität. Ziel des CTVB ist die Verbesserung der translationalen Vernetzung von Grundlagenforschung und klinischer Forschung im Bereich kardiovaskuläre und präventive Medizin. Hierdurch sollen neue Therapieansätze und wirksame Präventionsmaßnahmen für Herz- und Gefäßkrankheiten erarbeitet werden. Seit dem Jahr 2007 besteht das Forschungszentrum als ein interdisziplinärer Zusammenschluss von Forschern verschiedener medizinischer Einrichtungen. Das CTVB gliedert sich in drei Forschungsbereiche, welche als institutionelle Plattformen zur translationalen Vernetzung dienen: Die Gutenberg Gesundheitsstudie (GHS), das Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) sowie das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK).

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de
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Aufruf zur Studienteilnahme: Familie hauptamtlicher Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes der DDR

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Forscher suchen Kinder hauptamtlicher Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes

  • Inwieweit hat sich das Leben in einer Familie hauptamtlicher Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes der DDR auf die Kinder in diesen Familien ausgewirkt? 
Auf diese Frage soll ein Forschungsprojekt Antworten finden. 

Für das gemeinsame Forschungsprojekt der Universitätsmedizin Greifswald, des Helios Hanseklinikums Stralsund und der Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes werden Betroffene gesucht, die bereits sind die Fragen der Forscher zu beantworten. 
  • Im Jahr 1989 arbeiteten etwa 90.000 Hauptamtliche für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. 

Entsprechend viele Kinder sind in den gut 40 Jahren des Bestehens der DDR mit Eltern aufgewachsen, die hauptberuflich im Dienst der Stasi standen.

Einige dieser Kinder wussten noch während der laufenden Tätigkeit, für wen die Eltern arbeiteten, Andere erfuhren erst nach dem Ende der DDR davon. Manche verpflichteten sich selbst zur Tätigkeit für das MfS oder arrangierten sich mit den Gegebenheiten, Andere gingen mehr oder weniger offen in den Widerstand gegen den Staat und die Position der Eltern. In jedem Fall wurde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des MfS auch im Privaten geheimdienstliche Kontrolle und Beeinflussung erwartet, die in unterschiedlicher Form und Ausmaß stattfand, und ihre Kinder in besonderer Weise aus nächster Nähe betraf.

In jüngerer Zeit finden sich zunehmend Kinder von Stasihauptamtlichen in Gruppen zusammen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen, oder gehen mit ihren Geschichten teilweise auch an die Öffentlichkeit, auch wenn oder gerade weil sie diese als ein gesellschaftliches Tabu erleben. Ein breites Publikum erreichte das Thema im Jahr 2013 durch das Buch „Stasi-Kinder – Aufwachsen im Überwachungsstaat“ der Journalistin Ruth Hoffmann.

Inwieweit das Aufwachsen unter den Augen des Staatssicherheitsdienstes und die Rolle der Eltern in diesem Apparat sich auf die Gesundheit und den weiteren Lebensweg der Kinder auswirkten, ist auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der DDR jedoch noch kaum erforscht. 

Um diesen Aspekt der DDR wissenschaftlich zu beleuchten, arbeiten die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald am Helios Hanseklinikum Stralsund und die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR an einer Studie, für die Kinder von damaligen Stasihauptamtlichen als Probandinnen und Probanden gesucht werden.

Aufruf
Wenn Ihr Vater oder Ihre Mutter oder auch beide hauptamtlich bei der Staatssicherheit tätig waren, während Sie schon am Leben waren, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie sich zur Teilnahme an unserer Studie bereitfinden würden. 

Die Untersuchung wird einerseits im Ausfüllen bewährter diagnostischer Fragebögen und andererseits in einem ein- bis zweistündigen Interview bestehen.

Das Interview kann je nach Ihrem Wunsch bei Ihnen zu Hause oder in den Räumen der Klinik in Greifswald oder Stralsund stattfinden.

Alle Personen, die im Rahmen der Erhebungen und Auswertungen der Daten der Studie beschäftigt sind, sind selbstverständlich zur Einhaltung der Bestimmungen laut Datenschutzgesetz verpflichtet und unterliegen der Schweigepflicht.

Sofern Sie Interesse haben, an der Studie teilzunehmen, bitten wir um eine telefonische Kontaktaufnahme mit unserem Sekretariat (Telefon 03831 452100) oder per E-Mail mit dem Studienleiter, Prof. Dr. Harald J. Freyberger (freyberg@uni-greifswald.de).


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Universitätsmedizin Greifswald
Prof. Dr. Harald J. Freyberger
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
am HELIOS Hanseklinikum Stralsund
Rostocker Chaussee 70
18437 Stralsund
Telefon 03831 452100
Telefax 03831 452105
freyberg@uni-greifswald.de
Jan Meßerschmidt Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
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Bananen-Aprikosen-Duft erweitern Bronchien

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Riechrezeptoren in den Bronchien entdeckt

Bochumer Forscher haben in Muskelzellen der menschlichen Bronchien zwei Typen von Riechrezeptoren entdeckt. Einer der Rezeptoren reagiert auf den fruchtigen Duft Amylbutyrat. 

  • Bindet der Riechstoff an den Rezeptor, entspannt das die Muskeln und erweitert die Bronchien – ein potenzieller Ansatz für die Asthmatherapie. 

Das Team der Ruhr-Universität Bochum berichtet die Ergebnisse gemeinsam mit Kollegen verschiedener Kliniken in Bochum, Köln und Herne in der Zeitschrift „Frontiers in Physiology“. 
 Hanns Hatt fand mit seinem Team bereits in vielen Organen Riechrezeptoren.
Hanns Hatt fand mit seinem Team bereits in vielen Organen Riechrezeptoren.
© RUB, Marquard
 
In den Muskelzellen der menschlichen Bronchien haben Forscher zwei Typen von Riechrezeptoren entdeckt. Aktivieren die passenden Düfte diese Rezeptoren, erweitern oder verengen sich die Bronchien – ein potenzieller Ansatz für die Asthmatherapie.

Zu diesem Ergebnis kam ein Team um Prof. Dr. Dr. Dr. habil Hanns Hatt und Dr. Benjamin Kalbe vom Bochumer Lehrstuhl für Zellphysiologie. Gemeinsam mit Kollegen verschiedener Kliniken in Bochum, Köln und Herne berichten die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift „Frontiers in Physiology“.

Bananen-Aprikosen-Duft erweitert Bronchien

Die neu auf den Muskelzellen entdeckten Rezeptoren tragen die Bezeichnungen OR2AG1 und OR1D2. Die Forscher identifizierten auch die zu den Riechrezeptoren passenden Düfte sowie die Signalwege, die diese in der Zelle auslösen.

Amylbutyrat, ein fruchtiger Duft mit Bananen- und Aprikosennoten, aktiviert den Rezeptor OR2AG1. Bindet der Riechstoff, entspannt und erweitert das die Bronchien. 

  • Der Effekt war im Experiment so stark, dass er die Wirkung von Histamin aufheben konnte. Diesen Stoff schüttet der Körper bei allergischem Asthma aus, wodurch sich die Bronchien verengen.

Ansatz für die Asthmatherapie

„Amylbutyrat könnte bei Asthma helfen, die Luftzufuhr zu verbessern“, folgert Hanns Hatt. „Vermutlich kann es nicht nur den Effekten von Histamin entgegenwirken, sondern ebenso denen von anderen Allergenen, die das Atmen behindern.“ 

Auch für die Behandlung anderer Krankheiten, etwa der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, könne der Rezeptor interessant sein.

Die Forscher zeigten außerdem, dass Amylbutyrat in den Muskelzellen die gleichen Signalwege in Gang setzt wie in den Riechzellen der Nase.

Zweiter Rezeptor mit gegenteiligem Effekt
  • Der zweite Rezeptor OR1D2 ist empfänglich für Düfte mit blumigen, öligen Noten, etwa Lilial oder Bourgeonal. Bindet der Riechstoff an den Rezeptor, passiert das Gegenteil wie beim Rezeptor OR2AG1: Die Bronchialmuskeln kontrahieren. Außerdem werden in den Zellen entzündungsfördernde Stoffe freigesetzt.

Für die Studie untersuchten die Forscher menschliche Zellkulturen, die das Team um Privatdozent Dr. Jürgen Knobloch vom Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil zur Verfügung stellte. Dabei handelte es sich um glatte Muskulatur, die im Gegensatz zur quergestreiften Muskulatur nicht der willentlichen Kontrolle unterliegt.

Förderung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte die Arbeiten im Rahmen der Sonderforschungsbereiche SFB 874 und SFB 642. Weitere Unterstützung kam von der Ruhr-University Research School.

Originalveröffentlichung

Benjamin Kalbe et al.: Olfactory receptors modulate physiological processes in human airway smooth muscle cells, in: Frontiers in Physiology, 2016, DOI: 10.3389/fphys.2016.00339

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Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt
Lehrstuhl für Zellphysiologie
Fakultät für Biologie und Biotechnologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 24586
E-Mail: hanns.hatt@rub.de
Dr. Julia Weiler Ruhr-Universität Bochum
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Spinaler Muskelatrophie (SMA)

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neue Therapiemöglichkeit bei Spinaler Muskelatrophie - Bisher unerkannte zelluläre Ursache aufgedeckt

Spinale Muskelatrophie (SMA) ist die häufigste genetische Todesursache im Kindesalter. In Europa und den USA leiden zurzeit etwa 30.000 Personen daran. Bei etwa der Hälfte der Patienten ist die Krankheit so stark ausgeprägt, dass sie innerhalb der ersten beiden Lebensjahre versterben. Bisher gibt es für SMA keine Therapie. In der Arbeitsgruppe von Professor Brunhilde Wirth am Institut für Humangenetik der Uniklinik Köln hat die weltweite langjährige Suche nach dem zellulären Mechanismus der SMA zum Erfolg geführt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im renommierten Forschungsmagazin The American Journal of Human Genetics. 
 Doktorandin Miriam Peters, Prof. Dr. Brunhilde Wirth und Postdoktorand Seyyedmohsen Hosseinibarkooie (v.l.n.r.)
Doktorandin Miriam Peters, Prof. Dr. Brunhilde Wirth und Postdoktorand Seyyedmohsen Hosseinibarkooie (v.l.n.r.) Uniklinik Köln
 
Spinale Muskelatrophie (SMA) führt zur Degeneration der Motoneuronen im Rückenmark, die für die Bewegung in unserem Körper zuständig sind.

  • Die molekulare Ursache dieser Krankheit liegt in dem Verlust des SMN1-Gens, was zum Absterben der Motoneuronen führt. 

Das SMN1-Gen ist die Grundlage für die Herstellung des SMN-Proteins. Dieses ist ein lebenswichtiges Eiweiß und kommt in allen unseren Zellen vor. Motoneuronen jedoch benötigen besonders viel dieses Proteins – 50mal mehr als jede andere Zelle.

Motoneuronen sind einzigartige Zellen: ihr Zellkörper liegt im Rückenmark, daraus entstehen Fortsätze, die länger sind als einen Meter – die sogenannten Axone
  • Diese führen zu den Muskeln und stimulieren diese, was die Kontraktion der Muskeln ermöglicht. 
  • Zwischen dem Nerv und dem Muskel befindet sich die größte Synapse in unserem Körper, die sogenannte neuromuskuläre Synapse. 
  • Genau diese ist bei SMA-Patienten in ihrer Funktion gestört. Allerdings ist der genaue zelluläre Mechanismus noch nicht verstanden.
Da SMN ein essentielles Protein ist, eröffnet sich die Frage, weshalb Motoneuronen besonders von dem SMN-Verlust betroffen sind. Um dieser Frage nachzugehen, hat sich die Arbeitsgruppe von Prof. Wirth eine einzigartige Beobachtung zu Nutze gemacht. In seltenen Fällen finden sich in einigen SMA-Familien Mitglieder, die dieselben SMN1-Mutationen und dieselbe Anzahl von SMN2-Kopien wie ihre erkrankten Geschwister oder Familienangehörige haben. Ansonsten jedoch sind sie völlig gesund. Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass diese Menschen modifizierende Gene in ihrem Erbgut tragen, die sie vor der Erkrankung schützen.

Prof. Wirth und ihre Arbeitsgruppe haben vor einigen Jahren das bisher einzig bekannte Gen gefunden, dass SMA schütz – Plastin 3 (PLS3). Das protektive Gen PLS3 sowie ein mit PLS3 interagierendes Protein, Coronin 1C (CORO1C), hat die Gruppe zum zellulären Mechanismus der Krankheit geführt.

Der Postdoktorand Seyyedmohsen Hosseinibarkooie hat durch seine Arbeit gezeigt, dass geringe SMN-Mengen zu einer gestörten Aufnahme von Feststoffen oder Flüssigkeiten durch eine Zelle (Endozytose) führen. Diese Fehlfunktion, kann aber durch PLS3 oder CORO1C wiederhergestellt werden. 

Durch Endozytose wird nicht nur der Neurotransmitter Acetylcholin sondern auch andere wichtige Moleküle im Motorneuron aufgenommen. Die Endozytose ist für Motoneuronen unabdingbar und wird durch unterschiedliche Endozytose-Typen sichergestellt.

Der Doktorandin Miriam Peters ist durch eine kombinierte Therapie von geringen Mengen an SMN-Antisense Oligonukleotiden (ASOs) in Kombination mit der PLS3-Überexpression eine Lebensverlängerung des SMA-Mausmodels von 10 auf 250 Tage gelungen. Diese Situation kann mit der von schwer betroffenen Pateinten mit SMA verglichen werden, wo eine ASO-Therapie einen leichten Anstieg von SMN ermöglicht, der aber nicht ausreicht, um diese Menschen zu heilen. Eine kombinierte Therapie mit einem zweiten Wirkstoff, der PLS3, Endozytose oder F-Aktin erhöht, könnte eine langfristige therapeutische Option für die Behandlung von Menschen mit SMA darstellen.

„Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dieser Forschung könnten wichtige Verknüpfungen auch zu anderen neurodegenerativen Erkrankungen, wie Alzheimer, Parkinson, Ataxie, Hereditäre sensorische Motoneuropathie (CMT2) und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) darstellen“, so die Leiterin der Arbeitsgruppe Prof. Brunhilde Wirth.


Originalarbeit:
Hosseinibarkooie SM*, Peters M*, Torres-Benito L, Rastetter RH, Hupperich K, Hoffmann A, Mendoza-Ferreira N, Kaczmarek A, Janzen E, Milbradt J, Lamkemeyer T, Rigo F, Bennett F, Guschlbauer C, Büschges A, Hammerschmidt M, Riessland M, Kye MJ, Wirth B. The power of human protective modifiers: PLS3 and CORO1C unravel impaired endocytosis in spinal muscular atrophy and rescue SMA phenotype.
Am J Hum Genet. 2016, DOI; http://dx.doi.org/10.1016/j.ajhg.2016.07.014
*gleichberechtigte Erstautoren


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Eng verzahnte Kooperation zwischen klinischer und ambulanter Betreuung der Herzschwächepatienten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Herzschwäche braucht neue Versorgungsstrukturen

Das Fehlen der Versorgungskontinuität für chronische Herzschwächepatienten nach dem Krankenhaufaufenthalt belastet die Betroffenen schwer, warnt jetzt ein Zusammenschluss führender deutscher Herzspezialisten aus dem DZHI (Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz) und den beiden ärztlichen Dachverbänden DGK (Dt. Gesellschaft für Kardiologie) und DGTHG (Dt. Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie) in der Fachzeitschrift „Der Kardiologe“. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweisd: Herzkatheteruntersuchungen  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Aufbau und Organisation von Herzinsuffizienz-Netzwerken 

 Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Medikament-Bewertungen

Die Mediziner empfehlen neben einer verbesserten kardiologischen Infrastruktur die sektorenübergreifende, eng verzahnte Kooperation zwischen klinischer und ambulanter Betreuung der Herzschwächepatienten. 

 Heart Failure Units in Krankenhäusern gibt es in Deutschland noch zu selten, die Behandlung der Herzschwäche muss optimiert werden, so ein Zusammenschluss führender deutscher Kardiologen.
Heart Failure Units in Krankenhäusern gibt es in Deutschland noch zu selten, die Behandlung der Herzschwäche muss optimiert werden, so ein Zusammenschluss führender deutscher Kardiologen.
DZHI


Als häufigste Ursache einer Krankenhauseinweisung und mit kontinuierlich steigenden Fallzahlen ist die Herzinsuffizienz (Herzschwäche) eine der großen medizinischen Herausforderungen, denen sich das Gesundheitssystem und Versorger derzeit stellen müssen.

Die bislang nicht heilbare Erkrankung geht mit einer hohen Sterberate und häufigen Hospitalisierungen einher, die Krankheitskosten steigen. 

Auch, weil Herzinsuffizienz dank intensiver Forschung immer besser behandelt wird.

  • Doch noch profitieren Patienten zu wenig davon.
Intensivieren der Zusammenarbeit von klinischem und nicht-klinischem Bereichen notwendig

„Klassischerweise müssen chronische Herzschwächepatienten im Verlauf ihrer Erkrankung drei bis vier Mal stationär aufgenommen werden“, erklärt Kardiologe Professor Georg Ertl, Sprecher des DZHI.

  • Im Krankenhaus, so der Experte weiter, erhalten die Patienten die bestmögliche Behandlung, wenn das Haus über spezialisierte Versorgungseinheiten für Herzinsuffizienz verfügt. 

Bislang seien diese jedoch kaum vorhanden.

  • Hinzu kommt, dass der Patient nach dem Krankenhausaufenthalt in eine Versorgungskette aus Kardiologen, Hausärzten und nichtärztlichen Leistungserbringern entlassen wird, deren Mitglieder nicht effektiv genug miteinander kommunizieren und kooperieren. 

„Viele Studien haben gezeigt, dass die Langzeitprognose bei Herzschwäche signifikant verbessert werden kann, wenn neue, sektorenübergreifende Behandlungsstrategien und Versorgungskonzepte umgesetzt würden“, so Professor Ertl.

Gemeinsam mit weiteren führenden Herzspezialisten der ärztlichen Berufsverbände DGK und DGTHG sowie der Arbeitsgemeinschaft der Leitenden Kardiologischen Krankenhausärzte (ALKK) und dem Bundesverband der Niedergelassenen Kardiologen (BNK) spricht sich der Kardiologe für den organisatorischen Zusammenschluss der verschiedener Leistungsträger in neu zu etablierenden Herzinsuffizienz-Netzwerken aus.

  • Sie sollen strukturell sicherstellen, dass stationäre und post-stationäre Versorgung Hand in Hand nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen verläuft. 

„Wir empfehlen ein Netz aus Versorgungskomponenten, das lokale und überregionale Versorgungseinheiten kombiniert:

  • Schwerpunktpraxen oder –ambulanzen mit entsprechender technischer Ausstattung und spezialisiertem Pflegepersonal sollen lokal erste Anlaufstelle sein, Schwerpunktkliniken in den Krankenhäusern sind die nächst größere Anlaufstelle, in denen zusätzlich die vielen, komplizierten Begleit- und Folgeerkrankungen behandelt werden. 

Zuletzt stellen große, überregionale Zentren für Herzinsuffizienz Infrastruktur für chirurgische Eingriffe und Akutsituationen dar.

Notwendig wird dies etwa beim Einbringen von Ersatzherzen oder Schrittmacher.

Kommunikation entscheidend

Viel Arbeit liegt also vor den Medizinern und Gesundheitswirtschaftlern, die diese Strukturen zum Leben erwecken wollen.

„Zentral ist für uns auch die Kommunikation über Sektorengrenzen hinweg.
  • Wir empfehlen daher, dass in den Netzwerken Raum geschaffen wird für mehr Interaktion mit behandelnden Hausärzten, Pflegepersonal, Angehörigen und Palliativbetreuern - etwa durch Schulungen. 
  • Zudem müssen die Netze auch ein neues Entlassmanagement aus den fachmedizinischen Spezialzentren der Krankenhäuser in die hausärztliche und ambulant kardiologische Versorgung koordinieren, damit die chronischen Patienten bedarfsgerecht medizinisch betreut sind.“ 

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