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Mers-Virus - Überträger der Infektionskrankheit auf den Menschen

Medizin am Abend Berlin:   Strategie gegen Mers-Seuche – Kamel-Impfstoff wirksam

Ein deutsch-niederländisches Forscherteam hat Dromedare gegen das Mers-Virus erfolgreich geimpft. Sie gelten als Überträger der Infektionskrankheit auf den Menschen.  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Arzneimittel-Index 

  • Das Mers-Virus löst eine Erkrankung der Atemwege aus, die bei Menschen tödlich verlaufen kann. 
Als Überträger des Virus gelten Dromedare, einhöckrige Kamele. Forscher um Professor Dr. Albert Osterhaus von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, um Professor Dr. Gerd Sutter, Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und um Professor Dr. Bart L. Haagmans vom Erasmus Medical Center (MC) in Rotterdam haben ihren Impfstoffkandidaten MVA-MERS-S nun erfolgreich an Dromedaren getestet. „Wir haben zum ersten Mal gezeigt, dass durch unseren Impfstoff die Viruslast in Kamelen signifikant reduziert wird“, sagt Gerd Sutter. Die Ergebnisse veröffentlicht das Forscherteam im renommierten Magazin Science.


Dromedare gelten als Überträger des MERS-Virus. Das Virus löst eine Erkrankung der Atemwege aus, die bei Menschen tödlich verlaufen kann.

Dromedare gelten als Überträger des MERS-Virus. Das Virus löst eine Erkrankung der Atemwege aus, die bei Menschen tödlich verlaufen kann. Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Der Impfstoffkandidat MVA-MERS-S wurde von Gerd Sutter bereits vor zwei Jahren entwickelt. Der Virologe hat in Zusammenarbeit mit Forschern der Philipps-Universität Marburg und des Erasmus MC ein Mers-Gen in ein abgeschwächtes Pockenvirus (MVA) geschleust und so ein Impfvirus hergestellt. Die Wirksamkeit von MVA-MERS-S wurde in den vergangenen Jahren bereits in mehreren Tests nachgewiesen. In der aktuellen Untersuchung wurde der Impfstoff erstmals an Kamelen getestet.

Impfstoff schützt vor zwei Krankheiten
Das Mers-Virus wurde 2012 in Saudi-Arabien identifiziert, bislang wurden weltweit 1.400 Infektionen bei Menschen gemeldet, wovon etwa ein Drittel einen tödlichen Verlauf nahm. Eigentlich befällt das Virus Dromedare, wie Untersuchungen zeigen. In den Tieren wurden unter anderem Antikörper gegen das Virus nachgewiesen. Die Infektion verläuft bei den Tieren unauffällig, doch offenbar sind sie die Quelle für die menschlichen Infektionen.

 Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich.

Eine hochwirksame Impfung der Tiere gilt als ideale Strategie gegen das Mers-Virus: Sie würde ihm seinen Wirt nehmen, die Krankheit könnte nicht mehr zum Menschen überspringen, so die Überlegung, und die Gefahr einer Seuche wäre gebannt.

Der Impfstoff aus dem Labor von Gerd Sutter bietet einen weiteren Vorteil: „MVA-MERS-S schützt zugleich gegen die Pockenerkrankung bei Kamelen, einer den Menschenpocken sehr ähnlichen Infektion, die für die Tiere lebensgefährlich sein kann“, sagt Bart L. Haagmans vom Erasmus MC.

Bei Kamelen äußert sich eine Infektion mit dem Mers-Virus vor allem in den oberen Atemwegen. In der aktuellen Studie haben die Forscher acht Kamele gezielt mit dem Erreger angesteckt. Die eine Gruppe wurde drei Wochen zuvor sowohl intranasal als auch intramuskulär mit MVA-MERS-S geimpft. „Durch die Impfung hatten die Tiere bereits ausreichend Antikörper entwickelt, sodass eine Virusvermehrung und Erkrankung geblockt werden konnten“, sagt Dr. Asisa Volz von der LMU. Die Antikörper konnten sowohl in der Nasenschleimhaut als auch im Blut der Tiere nachgewiesen werden. Die nicht-geimpften Tiere entwickelten dagegen die typische Nasen- und Nasennebenhöhleninfektion mit Symptomen wie bei einem kräftigen Schnupfen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Impfung mit MVA-MERS-S die Anzahl ansteckender Mers-Erreger in der Nasenschleimhaut von Kamelen deutlich reduziert“, sagt Albert Osterhaus von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Klinischer Test am Menschen in Vorbereitung

MVA-MERS-S gilt auch als Impfstoffkandidat für Menschen. Nach mehreren Tests erfüllt MVA-MERS-S inzwischen bereits wichtige Voraussetzungen, um im Rahmen einer klinischen Studie erstmals am Menschen getestet zu werden. Gerd Sutter leitet dafür am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung das Projekt „GMP manufacture and Phase I clinical investigation of MVA-MERS-S, an experimental prophylactic vaccine against the Middle East Respiratory Virus Syndrome“.

Bislang gibt es noch keinen Impfstoff, der Menschen im Fall einer größeren Ansteckungswelle schützen könnte.

In Südkorea erkrankten im Frühsommer dieses Jahres mehr als 180 Menschen. Der Ausbruch ging auf einen einzelnen Patienten zurück, der zuvor arabische Länder bereist hatte.

  • Alle bisher bestätigten Infektionen hängen direkt oder indirekt mit der arabischen Halbinsel zusammen, daher heißt das Virus „Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus“ (MERS-CoV). 
  • In Deutschland gab es bislang drei Patienten mit einer Mers-Infektionen, die sich zuvor im saudi-arabischen Raum angesteckt hatten.

Die Originalpublikation

An orthopoxvirus-based vaccine reduces virus excretion after MERS coronavirus infection in dromedary camels
Bart L. Haagmans, Judith M.A. van den Brand, V. Stalin Raj, Asisa Volz, Peter Wohlsein, Saskia L. Smits, Debby Schipper, Theo M. Bestebroer, Nisreen Okba, Robert Fux, Albert Bensaid, David Solanes Foz, Thijs Kuiken, Wolfgang Baumgärtner, Joaquim Segalés Coma, Gerd Sutter, Albert D.M.E. Osterhaus
Science, DOI: 10.1126/science.aad1283

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Professor Dr. Albert Osterhaus
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Research Center for Emerging Infections and Zoonoses
Tel.: +49 511 953-6140
albert.osterhaus@tiho-hannover.de

Professor Dr. Gerd Sutter
Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
Lehrstuhlinhaber Virologie
Tel.: +49 89 2180 2514
gerd.sutter@lmu.de

Professor Dr. Wolfgang Baumgärtner, PhD
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Pathologie
Tel.: +49 511 953-8620
wolfgang.baumgaertner@tiho-hannover.de
Sonja von Brethorst Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

360° TOP-TagesThema: Warum reißen Achillessehnen?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Dissertation erforscht Gründe für Achillessehnenrupturen

In den vergangenen Jahren ist eine Zunahme von Achillessehnenverletzungen feststellbar, obwohl diese die stärksten Sehnen des menschlichen Körpers sind. Eine Ursache dafür ist die ungleichmäßige Belastung der Achillessehne durch schräge Fußhaltung, aber auch hohe gleichmäßige Belastung kann zu Problemen führen. 

Die Dissertation, die M. Eng. Majid Kardeh vom Fachbereich Informatik und Ingenieurswissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) vorgelegt hat, beschäftigt sich mit einer „Methode zur Beurteilung des Achillessehnenruptur-Risikos auf Basis bildgebender Verfahren und der Finite Elemente-Methode“. 
 
Kardeh entwickelte ein virtuelles Verfahren, das die Belastung der Achillessehne unter verschiedenen Bedingungen simuliert und Schwachstellen erkennt.


 Majid Kardeh von Frankfurt UAS entwickelte ein virtuelles Verfahren, das die Belastung der Achillessehne unter verschiedenen Bedingungen simuliert und Schwachstellen erkennt.
Quelle: Privat

„Unter Berücksichtigung von Majid Kardehs Erkenntnissen können künftig vorbeugende Maßnahmen bei der Entwicklung von Schuhen getroffen werden, die dem Risiko einer Achillessehnenruptur entgegenwirken“, ordnet der Betreuer Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber von der Frankfurt UAS die Bedeutung der Dissertation ein. „Das Potenzial des genutzten Verfahrens liegt in der Entwicklung und Optimierung von Schuhen am Computer, die sowohl im Komfort als auch im Schutz besonders gefährdeter Muskeln und Sehnen verbessert werden können.“ Die Arbeit wurde in enger Kooperation mit Prof. Dr. Dr. med. Thomas J. Vogl vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main verfasst. Die radiologischen Aufgaben beinhalteten insbesondere die Entwicklung und Analyse spezifischer Magnetresonanztomographie-Sequenzen zur Bildgebung.

In das Forschungsförderungsprogramm LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) war der Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften der Frankfurt UAS im Rahmen des Schwerpunktes „Präventive Biomechanik – PräBionik“ eingebunden. Kardeh entwickelte innerhalb dieses Schwerpunktes eine Methode, welche die Interaktion von Fuß, Schuh und Untergrund simuliert. Gleichzeitig zeigt sie die Belastungen der jeweiligen Weichgewebe im Fuß auf. Mit Hilfe dieser Methode untersuchte Kardeh die besonderen Anforderungen an die Achillessehne bei verschiedenen Fußstellungen. Dabei wurden auch unterschiedliche Konstellationen der drei Parameter Fuß, Schuh und Untergrund überprüft.

Das virtuelle Verfahren ermöglicht die genaue Darstellung der inneren Belastung der Achillessehne in verschiedenen Szenarien. Die Beine von Versuchsteilnehmer(-inne)n wurden mittels des Magnetresonanztomographie-Verfahrens digitalisiert und die mechanischen Eigenschaften des Weichgewebes durch Versuche, die das hyperelastische Verhalten von Materialien ermitteln, identifiziert. In Kombination mit Laufanalysen konnten mittels eines Mehrkörpersystems, das die Berechnung der Bewegung verschiedener Körper in einem System ermöglicht, die erforderlichen Muskelkräfte für das virtuelle Modell ermittelt werden.

  • Kardeh kommt zu dem Ergebnis, dass die größte Spannung und Dehnung der Achillessehne beim Laufen in neutraler Fußhaltung im Bereich der Achillessehnentaille besteht
  • Diese Stelle wird auch als „kritische Stelle“ bezeichnet, da 80 % aller Achillessehnenrisse in diesem Bereich auftreten. Bei einer ungleichmäßigen bzw. asymmetrischen Belastung der Achillessehne ist je nach Art der Asymmetrie der innere – bei einer Eversion – oder der äußere – bei einer Inversion – Teil der Sehne stärker gefährdet. 
  • Bei einer Inversion ist das Risiko für eine Ruptur insgesamt höher als bei einer Eversion.
Kardeh hat sein Diplom in Maschinenbau und auch seinen Master in Automotive Engineering an der Frankfurt UAS absolviert. Er ist seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Materialwissenschaften und Lehrender am Fachbereich Informatik und Ingenieurswissenschaften. Seine kooperative Promotion in theoretischer Medizin schloss er im November 2015 an der Goethe-Universität Frankfurt erfolgreich ab. Sie wurde von zwei Gutachtern betreut: Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber ist Professor am Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften der Frankfurt UAS und Direktor des Instituts für Materialwissenschaften; Prof. Dr. Dr. med. Thomas J. Vogl ist Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Bereits 2012 befasste sich Christophe Then von der Frankfurt UAS in seiner Dissertation im LOEWE-Schwerpunkt „Präventive Biomechanik – PräBionik“ mit einem besseren Verständnis der biomechanischen Vorgänge bei Liegegeschwüren und zeigte Möglichkeiten zu ihrer Vermeidung auf. Der Titel der von Then in englischer Sprache verfassten Dissertation lautete: „Application of the Finite Element Method to Optimize Interaction of Human Soft Tissue and Soft Polymeric Foam Supports”.

Die Frankfurt UAS, die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Philipps-Universität Marburg und die Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach wurden für ihre gemeinsame Forschung im biomechanischen Bereich von 2010 bis 2013 mit rund 3,8 Millionen Euro aus dem LOEWE-Programm gefördert. Konsortialführer des LOEWE-Schwerpunkts war Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Materialwissenschaften (IfM) der Frankfurt UAS.

Das Institut für Materialwissenschaften (IfM) ist als Forschungsschwerpunkt an der Frankfurt UAS am Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften angesiedelt und widmet sich den Materialwissenschaften, der Biomedizin und der Biomechanik. Das Institut setzt sich aus den Laboren für Materialwissenschaft, Kunststoff und Kautschuk, Werkstoffe und für Computeralgebra zusammen. Geschäftsführender Direktor des Instituts ist Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber.


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Frankfurt University of Applied Sciences
Institut für Materialwissenschaften (IfM)
Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber
Telefon: 069/1533-3035
E-Mail: silber@fb2.fra-uas.de
Nicola Veith Frankfurt University of Applied Sciences


Weitere Informationen unter: http://www.frankfurt-university.de/ifm

Reizdarmpatienten: Besonders sensiblen und leicht reizbaren Darm? Nein - wirklich....!

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Reizloser Reizdarm: Darmnerven von Reizdarmpatienten sind wenig sensibel

Erstmals wurde an Biopsien von Reizdarmpatienten nachgewiesen, dass die Nerven ihrer Darmwand kaum auf einen Entzündungscocktail reagieren. Dies widerlegt die bisherige These, Reizdarmpatienten hätten einen besonders sensiblen und leicht reizbaren Darm. Die neue Studie von TUM-Wissenschaftlern ist in Kooperation mit mehreren deutschen Kliniken entstanden. 
 
Das Reizdarmsyndrom quält rund zehn bis 15 Prozent der Menschen in den Industrieländern. 
  • Die Erkrankung geht mit typischen Symptomen wie Bauchweh, Blähungen oder Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang einher. 
Lange war gemutmaßt worden, dass es eine psychosomatische Störung ist, die vor allem durch Stress ausgelöst wird. Eine eindeutige Therapie für betroffene Patienten gibt es bislang nicht, lediglich für einzelne Symptome. Unumstritten ist inzwischen jedoch, dass es sich um eine organische Erkrankung handelt. Die vielfältigen Ursachen sind allerdings mit heutigen Messmethoden im Praxisalltag noch nicht nachweisbar ist. Eine neue Studie – veröffentlicht in „Frontiers in Neuroscience“ – belegt nun erstmals, dass es zu messbaren Veränderungen an den Nerven der Darmwand von Reizdarmpatienten kommt.

Nervensensibilisierung kann ausgeschlossen werden

„Eine mögliche Ursache der Symptome bei einer Gruppe von Reizdarmpatienten ist eine erhöhte Ausschüttung von Botenstoffen“, sagt Professor Michael Schemann vom TUM-Lehrstuhl für Humanbiologie. „Die unter anderem bei entzündlichen Prozessen eine Rolle spielen.“ Basierend auf früheren, eigenen Studien postulierten die TUM Forscher daher eine Sensibilisierung der Nerven in der Darmwand von Reizdarmpatienten. Die Forscher haben deshalb die Reaktion an Biopsien von Reizdarmpatienten sowie gesunden Probanden einerseits auf elektrische Stimulation sowie auf Nikotin überprüft. Beides sind etablierte Methoden, um die Ansprechbarkeit der Darmnerven zu testen: 
  • Elektrische Stimulation führt zur synaptischen Übertragung, während Nikotin direkt die Darmnerven aktiviert
Erstaunlicherweise reagierten bei diesen Tests die Nerven beider Gruppen vergleichbar, so dass eine generelle Nervensensibilisierung ausgeschlossen werden kann.

Verblüffendes Ergebnis: Ein Reizdarm ist wenig sensibel

Andererseits wurde ein Entzündungscocktail mit Histamin, Proteasen, Serotonin und TNF-alpha verabreicht, um das Milieu in der Darmwand der Reizdarmpatienten zu simulieren und die Reaktion darauf zu untersuchen. Diese Tests förderten verblüffende Ergebnisse zutage: 
  • „Genau das Gegenteil unserer anfänglichen Vermutung war der Fall: Die Nerven der Reizdarmpatienten haben signifikant schwächer auf die von uns verabreichten Cocktails reagiert als die Biopsien der gesunden Probanden“, sagt Professor Schemann. „Die Darmwand dieser Patienten ist offenbar desensibilisiert durch eine ursprünglich zu starke Aktivierung. Das kann eine Schutzmaßnahme sein, um eine Überreizung zu vermeiden.“
Um diese Schlussfolgerung zu verifizieren, wurden Darmnerven für mehrere Stunden einer Reizung ausgesetzt. Das Ergebnis: „Sind die Nerven die ganze Zeit gereizt, regeln sie die Reaktion quasi herunter“, erklärt Schemann, der seit Jahren das Reizdarmsyndrom erforscht und betont, dass dies aufwändige experimentelle Untersuchungen seien, weit entfernt von Routine-Diagnosemethoden. „Es bleibt offen, wie die beobachtete Desensibilisierung der Nerven auf ganz bestimmte Botenstoffe die eigentlichen Symptome verursacht und ob dieses Phänomen neue Therapieoptionen eröffnet“.

Zwar beweisen die Untersuchungen eine verminderte Reaktion auf einen Entzündungscocktail, schließen aber eine mögliche Sensibilisierung durch andere Stoffe nicht aus.
Die Studie wurde möglich durch die Mitarbeit der Teams von Professor Ewert Schulte-Frohlinde vom Klinikum Freising, Professor Christian Pehl vom Krankenhaus Vilsbiburg, Professor Manfred Kurjak der Gastroenterologischen Fachpraxis in München, Professor Thomas Frieling vom Helios Klinikum Krefeld und Professor Paul Enck vom Universitätsklinikum Tübingen.

Publikation:

Reduced responses of submucous neurons from irritable bowel syndrome patients to a cocktail containing histamine, serotonin, TNF and tryptase (IBS-cocktail). Front. Neurosci. Nov. 2015
doi: 10.3389/fnins.2015.00465

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Prof. Dr. Michael Schemann
Technische Universität München
Lehrstuhl für Humanbiologie
Tel: +49 (0)8161/ 71-5483
schemann@mytum.de
Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

Schilddrüsenerkrankung: Die Hormonfabrik - TSH

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Regulierung der Hormonproduktion in der Schilddrüse

Obwohl Schilddrüsenerkrankungen in der Bevölkerung sehr häufig vorkommen, konnte die Wissenschaft bisher eine grundlegende Frage dazu nicht ausreichend beantworten: 

Wie wird die Produktion von Hormonen in der Schilddrüse eigentlich molekular reguliert? 

Wissenschaftler der Universität Leipzig haben nun unter der Leitung von Prof. Dr. Torsten Schöneberg in einer Studie wichtige Erkenntnisse über diesen Prozess gewonnen und sie in dieser Woche im Fachblatt "The Journal of Biological Chemistry" veröffentlicht. 

Die Resultate ihrer Arbeit liefern auch neue Ansätze, wie Erkrankungen der Schilddrüse und auch anderer, ähnlich funktionierender Drüsen therapiert werden könnten. 
 
Millionen Menschen in aller Welt sind von Schilddrüsenerkrankungen betroffen. Zu den bekanntesten gehören die Schilddrüsenüberfunktion, wie bei der Basedow Erkrankung, und die Schilddrüsenunterfunktion mit Kropfbildung.

Sehr viele Menschen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen wissen nicht einmal davon, jedoch können diese für Herzrhythmusstörungen, Gewichtsprobleme, Unfruchtbarkeit (Infertilität) und psychische Störungen verantwortlich sein. 
  • Deshalb werden auch Neugeborene routinemäßig auf Schilddrüsenfunktionsstörungen untersucht.
Die Schilddrüse ist eine Hormonfabrik, die unter normalen Bedingungen durch das Schilddrüsen-stimulierende Hormon TSH reguliert wird.

TSH bindet an einen speziellen Rezeptor, den TSH-Rezeptor, der sich an der Oberfläche von Schilddrüsenzellen befindet. 
  • Dieses TSH-Signal führt zu einer Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen, genannt Thyroxin und Triiodthyronin. 
  • Diese beiden Hormone sind für nahezu alle Prozesse im Körper - Stoffwechsel, Entwicklung und Wachstum, Reproduktion - essentiell. 
Manchmal jedoch können auch Autoantikörper oder Mutationen, die die gleiche Wirkung auf den TSH-Rezeptor haben, die Schilddrüse unkontrolliert aktivieren. Dies führt dann zu einer übermäßigen Hormonproduktion mit zum Teil fatalen Folgen für den Gesamtorganismus.
Ein Wissenschaftlerteam vom Institut für Biochemie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig widmete sich nun der Frage, wie TSH, Autoantikörper und Mutationen unabhängig voneinander die gleiche aktivierende Wirkung auf die Schilddrüse haben können. Die Antwort dafür lag im TSH-Rezeptor selbst.

"Wir fanden eine kurze Peptidsequenz - wir nennen diese p10, da sie aus zehn Aminosäuren besteht - innerhalb des TSH-Rezeptors. Bei Bindung des TSH oder von Autoantikörpern funktioniert diese interne Sequenz als Aktivator für den Rezeptor. Der Rezeptor schaltet sich also selber an, wenn TSH, ein Autoantikörper oder eine Mutation ihn dazu bewegen", sagt Studienleiter Schöneberg. "Bei den meisten anderen Hormon-Rezeptorsystemen im Körper aktiviert das Hormon den Rezeptor direkt", erklärt die Nachwuchswissenschaftlerin und Erstautorin der Arbeit, Antje Brüser.

Diese neu gewonnenen Informationen über den Mechanismus des An- und Ausschaltens dieser Rezeptorfamilie können Wissenschaftler nutzen, um gezielt therapeutische Substanzen zu entwickeln.

  • "Zum Beispiel ist es uns gelungen, mit modifizierten p10 Peptiden die Aktivierung des TSH-Rezeptors durch Autoantikörper zu blockieren. 
Auch wenn man diese Peptide noch nicht therapeutisch einsetzen kann, so zeigen sie, dass es prinzipiell möglich ist, solche Rezeptorfehlfunktionen direkt zu beeinflussen", erläutert Schöneberg. Diese Ergebnisse eröffnen nun die Möglichkeit zur Entwicklung von Pharmaka, die bei Schilddrüsenerkrankungen und Fertilitätsstörungen ihren Einsatz finden könnten.

Originaltitel der Veröffentlichung in "The Journal of Biological Chemistry":

"The Activation Mechanism of Glycoprotein Hormone Receptors with Implications in the Cause and Therapy of Endocrine Diseases" doi: 10.1074/jbc.M115.701102

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Prof. Dr. Torsten Schöneberg
Institut für Biochemie
Medizinische Fakultät
Telefon: +49 341 97-22150
E-Mail: torsten.schoeneberg@medizin.uni-leipzig.de
Web: http://www.uni-leipzig.de/~biochem/mbch_cms
Susann Huster Universität Leipzig


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Multiorganerkrankung: Präeklampsie + Schwangerschaftsvergiftung: Proteine sFlt-1/PlGF Quotient - Serumtest bitte!

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Durchbruch bei der Früherkennung von Schwangerschaftsvergiftung

Gefährliche Präeklampsie und ihre Folgen vermeiden 
 
Eine internationale Multicenterstudie konnte jetzt zeigen, dass das Verhältnis bestimmter Botenstoffe im Blut von Schwangeren eine Präeklampsie zuverlässig ausschließen und drohende Komplikationen vorhersagen kann.

Die Studie ist unter maßgeblicher Beteiligung von Geburtsmedizinern der Charité – Universitätsmedizin Berlin entstanden. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine* erschienen.

Die Ursachen einer Präeklampsie, umgangssprachlich auch Schwangerschaftsvergiftung genannt, sind bislang nicht vollständig geklärt. 
  • Doch die Multiorganerkrankung zählt heute zu den Hauptursachen für Komplikationen während der zweiten Schwangerschaftshälfte. 
  • Bei zwei bis fünf Prozent aller werdenden Mütter tritt diese Erkrankung mit den typischen Merkmalen Bluthochdruck und einer erhöhten Ausscheidung von Eiweiß im Urin auf. Da eine Präeklampsie häufig zu spät erkannt wird, kann sie im schlimmsten Fall zum Tod von Mutter und Kind führen.
  • Bisher konnten ein erhöhter Blutdruck und Eiweißausscheidungen im Urin die Erkrankung und die dadurch bedingten Komplikationen nur ungenau vorhersagen. 

In der PROGNOSIS-Studie** ist es den Forschern gelungen, einen sogenannten Trennwert für den sFlt-1/PlGF-Quotienten zu ermitteln, der die Erkrankung zuverlässig innerhalb einer Woche ausschließen und auch das Auftreten der Erkrankung und dadurch bedingter Komplikationen prognostizieren kann. 

Das Verhältnis der Proteine sFlt-1 und PlGF, die beide in der Plazenta produziert werden und im mütterlichen Blut zirkulieren, spielt eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung. 
Mit einem Serumtest kann dieser Quotient aus den beiden plazentaren Faktoren bestimmt werden und auch bei fehlenden Symptomen anzeigen, ob eine Frau eine Präeklampsie oder dadurch verursachte Komplikationen entwickeln wird. 
In der Multicenterstudie sind über tausend Schwangere untersucht worden, die ein hohes Risiko oder klinische Anzeichen für die Erkrankung hatten.
  • „Das Hauptproblem an der Präeklampsie ist, dass die Symptomatik häufig nicht eindeutig oder das klinische Bild unklar ist. 
Der sFlt-1/PlGF Quotient kann uns helfen, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Erkrankung oder deren Verlauf besser einzuschätzen“, betont Privatdozent Dr. Stefan Verlohren von der Klinik für Geburtsmedizin der Charité und korrespondierender Autor der Studie. Er fügt hinzu:  

„So können wir vermeiden, dass eine Schwangere zu früh entbunden oder zu spät behandelt wird. Vor allem ist es jetzt möglich, die Erkrankung sicher für eine Woche auszuschließen und das trägt entscheidend zur Beruhigung der Patientinnen bei.“

An der Studie nahmen insgesamt 1.273 Schwangere mit Verdacht auf Präeklampsie aus 14 Ländern teil. Bei allen wurde der sFlt-1/PlGF-Quotient im Blut mittels eines Serumtests bestimmt. 

  • Bei einem Wert von unter 38 konnte eine Präeklampsie mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb einer Woche ausgeschlossen werden. 
  • War der Wert von 38 überschritten, so betrug die Vorhersagewahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Präeklampsie innerhalb der nächsten vier Wochen 36,7 Prozent. 
  • Das Auftreten von mütterlichen oder kindlichen Komplikationen einer Präeklampsie innerhalb der nächsten vier Wochen konnte mit einer 65,5 prozentigen Genauigkeit vorhergesagt werden.

* Harald Zeisler, Elisa Llurba, Frederic Chantraine, Manu Vatish, Anne Cathrine Staff, Maria Sennström, Matts Olovsson, Shaun P. Brennecke, Holger Stepan, Deirdre Allegranza, Peter Dilba, Maria Schoedl, Martin Hund und Stefan Verlohren: Predictive Value of the sFlt-1/PlGF Ratio in Women with Suspected Preeclampsia. In: New England Journal of Medicine (NEJM).
2016;374:13-22. DOI:10.1056/NEJMoa1414838.

** PROGNOSIS: Prediction of short-term outcome in pregnant women with suspected preeclampsia study

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Privatdozent Dr. Stefan Verlohren
Klinik für Geburtsmedizin
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 664 445
stefan.verlohren@charite.de
Manuela Zingl Charité – Universitätsmedizin Berlin

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ADHS bei Erwachsenen: Psychologische Behandlungen sind ......

Medizin am Abend Berlin Fazit:   ........einer medikamentösen Therapie unterlegen

Von der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene betroffen. Ob ein medikamentöser oder ein psychotherapeutischer Behandlungsansatz erfolgreicher ist, war bislang unklar. Forscher des Universitätsklinikums Freiburg zeigen jetzt in der weltweit größten Studie, dass eine Medikation mit Methylphenidat einer ADHS-Gruppentherapie überlegen ist. 

Der Erfolg der medikamentösen Behandlung wurde durch eine zusätzliche Gruppentherapie nicht gesteigert. 

Die Studie erschien Anfang Dezember im Fachjournal JAMA Psychiatry. 
 
  • Bei etwa zwei Prozent der Erwachsenenbevölkerung bleibt eine in der Kindheit aufgetretene Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bis ins Erwachsenenalter bestehen. 
Über die geeignetste und wirksamste Form der Behandlung, die sehr häufig zu massiven sozialen Problemen und anderen psychischen Folgeerkrankungen wie Depressionen und Angststörungen oder Suchterkrankungen führt, besteht bisher Unklarheit.
Ist eine medikamentöse Therapie mit Methylphenidat erforderlich oder ist eine passgenau auf die Störung ausgerichtete Gruppenpsychotherapie beziehungsweise eine Kombination beider erfolgversprechender?
In der weltweit bisher größten Studie, die an sieben deutschen Universitätskliniken gleichzeitig durchgeführt wurde, unter der Leitung von Prof. Dr. Alexandra Philipsen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg und seit 2014 Lehrstuhlinhaberin an der Universität Oldenburg, wurde bei 419 erwachsenen ADHS-Patienten untersucht, ob eine zwölfmonatige spezifische Gruppenpsychotherapie mit insgesamt 22 Sitzungen bessere Ergebnisse erbringt, wenn sie mit einer Methylphenidat-Medikation kombiniert wird. Zum Wirksamkeitsvergleich der Gruppenpsychotherapie diente die Behandlung mit 22 unterstützenden Einzelgesprächen, die nicht spezifisch auf die ADHS-Krankheit gerichtet waren.

  • „Es zeigte sich, dass eine Methylphenidat-Medikation einer ADHS-Gruppentherapie überlegen war. 

Entgegen der Hypothese wurde die Wirkung der Medikation auch nicht durch eine zusätzliche Gruppenpsychotherapie verbessert“, sagt Prof. Philipsen.

Der hohe Stellenwert der Medikation zeigte sich auch, wenn man die supportive Einzelgesprächstherapie mit Methylphenidat kombinierte. Prof. Dr. Mathias Berger, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, fasst zusammen:

  •  „Diese große Studie zeigt, dass die hier angewandten psychologischen Behandlungen nicht ausreichend erfolgreich sind, um eine Medikation zu ersetzen.“ Nach Ansicht der Forscher sollte jetzt in weiteren Studien geprüft werden, ob aufwändigere störungsspezifische Einzeltherapien bessere Einjahresergebnisse als die zurzeit stark favorisierten Gruppentherapien erbringen.

Original-Titel der Arbeit: Effects of Group Psychotherapy, Individual Counseling, Methylphenidate, and Placebo in the Treatment of Adult Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: A Randomized Clinical Trial.

DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2015.2146

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Prof. Dr. Alexandra Philipsen
Klinikdirektorin
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universität Oldenburg
Telefon: 0441 9615-1501
alexandra.philipsen@uni-oldenburg.de

Prof. Dr. Mathias Berger
Ärztlicher Direktor
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-65010
mathias.berger@uniklinik-freiburg.de
Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26536057 Link zur Studie

http://www.uniklinik-freiburg.de/psych/klinische-schwerpunkte/adhs-im-erwachsene... Universitätsklinikum Freiburg Schwerpunkt ADHS im Erwachsenenalter

360° TOP - Hinweis: Chronische Nierenerkrankung - CKD: Nordostdeutschland - Vorpommern

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Prävalenz der chronischen Nierenerkrankung europaweit am höchsten in Vorpommern?

So das Ergebnis einer aktuell im JASN publizierten Studie. DGfN unterstreicht die Forderung nach einem Register. 
 
  • Etwa 10% der europäischen Bevölkerung ist von einer chronischen Nierenerkrankung („chronic kidney disease“/CKD) – sei es nun leichtgradig oder im Endstadium mit Bedarf einer Nierenersatztherapie (Dialyse oder Nierentransplantation) – betroffen.
Bislang ging man davon aus, dass die Verteilung zwischen einzelnen europäischen Regionen relativ homogen sei. 

Eine aktuelle Studie [1], die in der Zeitschrift JASN, dem Organ der amerikanischen Nierenfachgesellschaft und weltweit das renommierteste Journal dieses Fachs, publiziert wurde, zeigt nun deutliche Unterschiede in der Verteilung auf. Die Arbeitsgruppe um Dr. Katharina Brück vom „Academic Medical Center“ in Amsterdam hatte insgesamt 19 Bevölkerungsstudien aus 13 europäischen Ländern, darunter auch die sogenannte „SHIP-Studie“ [2] („Study of Health in Pomerania“, eine prospektive epidemiologische Kohortenstudie der erwachsene Bevölkerung in der Region Vorpommern), analysiert – und kam zu einem überraschenden Ergebnis:

  • Die europaweit höchste CKD-Prävalenz liegt in Nordostdeutschland, also in Vorpommern, vor. 
Während die CKD-Prävalenz (alle Stadien) in Norwegen lediglich 3,3% betrug, ergab die Analyse von Brück et al. einen Anteil von 17,3% in Nordostdeutschland. Selbst wenn man nur die späteren und damit klinisch relevanten CKD-Stadien 3-5 in Betracht zog, blieb Vorpommern Spitzenreiter: Dann war immer noch ein Anteil von 5% der Bevölkerung betroffen, während der Anteil in z.B. Mittelitalien mit nur 1% am niedrigsten lag.

„Diese Daten sind beunruhigend“, erklärt Prof. Dr. Jan Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN).

„Bekannt ist, dass die chronischen Erkrankungen in Mecklenburg-Pommern ansteigen – bedingt durch Abwanderung, schwache Geburtenrate und resultierende Überalterung der Bevölkerung [2].

Doch laut der Autoren der Studie soll der Unterschied in der CKD-Prävalenz unabhängig von Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Fettleibigkeit bestehen – alles sind prädisponierende Faktoren für eine chronische Nierenerkrankung und treten häufiger bei älteren Menschen auf .“

Die Studienautoren führen Gründe wie genetische Faktoren und Unterschiede in der Gesundheitsversorgung, insbesondere hinsichtlich bestehender Präventions- und Früherkennungsprogramme an, räumen aber auch methodische Schwächen ein: Die 19 in die Analyse einbezogenen Bevölkerungsstudien sind sehr heterogen und wendeten u.a. auch unterschiedliche Methoden für die Bestimmung von Kreatinin und Albuminurie an.

„Es ist ein großes Manko, dass es in Deutschland kein umfassendes, bundesweites CKD-Register gibt. Wir können diese Daten nicht validieren – und haben auch keinen Vergleich, wie es in den anderen Bundesländern aussieht. Letztlich kennen wir nicht einmal die genaue Zahl der Dialysepatienten in Deutschland, sondern rechnen sie vage anhand zehn Jahre alter Daten hoch. Dabei ist eine genaue Erfassung wichtig für die Einschätzung der Inzidenz und die Ermittlung des zukünftigen Versorgungsbedarfs – selbst Länder wie Litauen, Griechenland oder Rumänien sind diesbezüglich weiter als wir und haben Dialyse-Register!“

Literatur
[1] Brück K, Stel VS, Gambaro G et al. CKD Prevalence Varies across the European General Population. Published online before print December 23, 2015
http://jasn.asnjournals.org/content/early/2015/12/20/ASN.2015050542.abstract

[2] John U, Greiner B, Hensel E, et al.: Study of Health in Pomerania (SHIP): A health examination survey in an east German region. Objectives and design [Study of Health in Pomerania (SHIP) – Ein Gesundheitssurvey in einer ostdeutschen Region: Ziele und Design]. Soz Praventivmed 2001; 46: 186–94

[3] Siewert U, Fendrich K, Doblhammer-Reiter F et al. Versorgungsepidemiologische Auswirkungen des demografischen Wandels in Mecklenburg-Vorpommern. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(18): 328-34
http://www.aerzteblatt.de/archiv/74604/Versorgungsepidemiologische-Auswirkungen-...

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Smartphone und Laptops am Abend für ADHS-Patienten ist riskant....

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Warnleuchte: Warum die Nutzung von Smartphone und Laptops am Abend für ADHS-Patienten riskant ist

Über die Funktion der Inneren Uhr und die Zusammenhänge von Licht und seelischen Erkrankungen berichten zwei Beiträge in der soeben erschienenen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ zum Jahr des Lichts. 
 
Unsere biologische Uhr muss täglich neu gestellt werden, um den inneren Rhythmus von ungefähr 24 Stunden mit dem Rhythmus der Außenwelt zu synchronisieren. Licht spielt in diesem komplexen Prozess eine besondere Rolle. Ist die Innere Uhr falsch getaktet, kann dies gravierende Folgen haben:

  • Schlaf- und Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen, aber auch Veränderungen des Immunsystems sowie vermehrter Konsum von Genussmitteln. 
Über die Funktion der Inneren Uhr berichtet in der soeben erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Goethe-Universität „Forschung Frankfurt“ der Neurobiologe Prof. Dr. Horst-Werner Korf, während sich die Psychiater Prof. Andreas Reif und Dr. Christine Reif-Leonhard in ihrem Beitrag mit den Zusammenhängen zwischen Licht und seelischen Erkrankungen beschäftigen.

  • Lichtreize, welche die Innere Uhr takten, werden in erster Linie von circadianen Photorezeptoren wahrgenommen, die den Sehfarbstoff Melanopsin enthalten und erst vor 20 Jahren entdeckt wurden. 
  • Während die klassischen Photorezeptoren der Netzhaut, die Stäbchen und Zapfen, uns die Orientierung im Raum ermöglichen, dienen die circadianen Photorezeptoren der Orientierung in der Zeit. 
Sie liegen in der Tiefe der Netzhaut und vermitteln Informationen über die Umgebungshelligkeit an die Hauptuhr im Gehirn, die in den „bilateral angeordneten suprachiasmatischen Kernen“, kurz „SCN“, verortet ist.

Hier tickt ein molekulares Uhrwerk: „Im Zentrum steht ein Ensemble von Uhrengenen, die in sogenannten transkriptional-translationalen Rückkopplungsschleifen interagieren. Ihre Proteinprodukte sind hemmende oder aktivierende Transkriptionsfaktoren, die Gene an- oder abschalten“, erläutert Korf, Direktor der Dr. Senckenbergischen Anatomie und des Chronomedizinschen Instituts. Inzwischen konnten mehr als 3000 Gene identifiziert werden, die unter Kontrolle dieses Uhrwerks stehen.

Besonders sensibel reagieren die circadianen Photorezeptoren übrigens auf das Licht im blauen Bereich des sichtbaren Spektrums.

  • „Deshalb können Menschen, die spät am Abend vor Smartphone, Tablet oder Laptop sitzen, häufig schlecht schlafen“, ergänzt der Neurobiologe. 
  • Besonders nachteilige Folgen zeigt der Gebrauch dieser Geräte am Abend bei Menschen, die unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) leiden. 
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Patienten eine genetische Veranlagung zu einer leicht veränderten molekularen Uhr haben. „Wird diese dann noch zusätzlich durch Beleuchtungsmuster – wie das blaue Licht – desynchronisiert, führt dies über noch unbekannte Mechanismen zur Erkrankung,“ so Andreas Reif, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uni-Klinikums.

„Deshalb gilt: bei ADHS haben iPhone & Co nachts Pause!“

Licht ist gut für die Seele, dies ist die gängige Auffassung; doch ganz so einfach ist es nicht, wie schon das ADHS-Beispiel zeigt.

Saisonale Stimmungsschwankungen werden häufig als „Winterdepression“ bezeichnet. Zwar lässt sich ein eindeutiges Nord-Süd-Gefälle erkennen: So leiden fast 10 Prozent der in Alaska Lebenden an dieser Depression, in Florida sind es dagegen nur 1,5 Prozent. Aber vielleicht hatten die Menschen, die im Norden leben, deshalb eine höhere Anfälligkeit, weil ihr genetisches Risiko für Stimmungserkrankungen in einer Region mit geringerer Sonnenscheindauer eher zur Ausprägung kommen kann. So haben der Dresdner Psychiater Prof. Michael Bauer und sein Team in diesem Jahr herausgefunden, dass auch weniger Sonnenscheindauer am Geburtsort zu einer früheren Ersterkrankung bei bipolar affektiven Störungen (früher „manisch-depressive Erkrankung“) führen kann. Weitere Untersuchungen, an denen auch das Team von Prof. Reif beteiligt war, belegen die These, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Ersterkrankungsalter bei bipolaren Störungen und der regionalen Sonneneinstrahlung gibt.

Die aufhellende Wirkung des Lichts zeigt bei saisonaler Depression gute Wirkung: Als „therapeutisches Licht“ wird eine helle Lichtquelle (10.000 Lux) circa 30 Minuten bei offenen Augen angewendet. „Auch bei nichtsaisonaler Depression zeigt die ‚Bright Light Therapy‘ eine gute Wirkung. Allerdings gibt es hier noch zu wenige Studien“, sagt die Psychiaterin und Neurologin Dr. Christine Reif-Leonhard. Unter Frankfurter Leitung startet im nächsten Jahr ein internationales Forschungskonsortium, um den therapeutischen Effekt von Licht bei ADHS weiter zu untersuchen.

Informationen: Prof. Dr. Horst-Werner Korf, Dr. Senckenbergischen Anatomie und Dr. Senckenbergisches Chronomedizinschen Institut, Fachbereich Medizin, Tel. 069/6301 6040, Korf@em.uni-frankfurt.de; Prof. Andreas Reif und Dr. Christine Reif-Leonhard, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum, Campus Niederrad, Tel. 069/6301-5222, andreas.reif@kgu.de, christine.reif-leonhard@kgu.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, die sich mit ganz unterschiedlichen Facetten des Lichts beschäftigt, können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."


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ScreeningangebotsZiel für 2016: Alkoholprobleme + Darmkrebsrisiko + Früherkennungsuntersuchungen

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Gastroenterologen rufen zum Handeln auf: Alkoholsucht therapieren – Darmkrebsrate senken

Alkohol gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Darmkrebs: 

Etwa jede zehnte Erkrankung steht im Zusammenhang mit dem Konsum von Bier, Wein, Schnaps und anderen Spirituosen. 

Menschen mit Alkoholproblemen finden trotz wirksamer Behandlungsmöglichkeiten noch immer zu selten den Weg in eine Therapie, mahnt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). 

Die Fachgesellschaft unterstützt einen Aufruf ihres europäischen Dachverbandes, Alkoholmissbrauch im Zusammenhang mit Darmkrebserkrankungen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. 
 
Mit ihrem „Call for Action“ will die Gastroenterologen-Vereinigung „United European Gastroenterology“ (UEG) dazu beitragen, die Zahl der Darmkrebsfälle und anderer alkoholbedingter Folgeschäden in Europa zu senken.

  • In Deutschland trinken laut Bundesministerium für Gesundheit etwa 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen. 
  • 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig, nur etwa jeder zehnte nimmt therapeutische Hilfe in Anspruch. 

„Die Aufgabe von uns Ärzten und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen ist es, die Menschen über die Gefahren des Alkoholkonsums aufzuklären“, sagt UEG-Vizepräsident Professor Dr. med. Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover. 
  • Alkoholprobleme müssten bereits in der Primärversorgung, also zum Beispiel beim Hausarzt, aber auch in der fachärztlichen Behandlung thematisiert werden. 
„Die Betroffenen müssen wissen, dass es sehr erfolgsversprechende Therapieansätze gibt, mit denen ihnen aus der Sucht geholfen werden kann“, so Manns.

  • Darüber hinaus sollten Mediziner bei Patienten mit Alkoholproblemen auch immer das erhöhte Darmkrebsrisiko bedenken und frühzeitig entsprechende Früherkennungsuntersuchungen veranlassen.

Wie Studien zeigen, steigt das Risiko für Dickdarmkrebs mit der Menge an konsumiertem Alkohol.

Demnach erhöht ein „moderater“ Alkoholkonsum von ein bis vier alkoholischen Getränken, beziehungsweise weniger als 50 Gramm reinem Alkohol täglich, das Darmkrebsrisiko um 21 Prozent.

Wer mehr trinkt, erhöht sein Darmkrebsrisiko sogar um 50 Prozent. 

„Leider gibt es nach unten hin keine exakte Grenze“, erklärt DGVS-Mediensprecher Professor Dr. med. Christian Trautwein, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin (Medizinische Klinik III) an der Uniklinik RWTH Aachen.

  • Statistisch gesehen wirkt sich schon ein Glas Wein am Tag negativ auf das Krebsrisiko aus.

Um die Darmkrebsraten zu senken, sei das Minimieren verschiedener Risikofaktoren ein wichtiger Ansatz, so der Experte. 

Neben Alkohol zählen Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel und häufiger Verzehr von rotem Fleisch und Wurst zu den anerkannten Risiken. 

Mindestens ebenso entscheidend sei es jedoch, die Bevölkerung zur Darmkrebsfrüherkennung zu bewegen. „Selbst eine rundum gesunde Lebensweise ist kein Garantieschein gegen Krebs, deshalb sollte jeder das Screeningangebot nutzen – in den meisten Fällen gibt es das gute Gefühl, gesund zu sein“, betont Trautwein.
  • Alle Krankenversicherten können ab dem 50. Lebensjahr jährlich kostenlos Stuhlproben auf Blutspuren untersuchen lassen. 

Diese geben Hinweise auf gegebenenfalls vorliegende Tumore. 

  • Ab dem 55. Lebensjahr haben Patienten Anspruch auf eine Darmspiegelung, die alle zehn Jahre wiederholt werden sollte. 

Finden Gastroenterologen dabei gefährliche Krebsvorstufen oder bereits vorhandene Tumore, können sie diese noch während der Untersuchung entfernen.

Die DGVS im Internet:

http://www.dgvs.de/

“Call for Action” der „United European Gastroenterology” (UEG): 

http://www.ueg.eu/press/releases/ueg-press-release/article/reducing-the-risk-of-...

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

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360°TOP-Hinweis: Übergriffe in Köln in der Sylvesternacht?

Medizin am Abend Berlin Fazit Übergriffe in Köln in der Sylvesternacht? Soziologe Dr. Schielke steht für
Interviews zur Verfügung


Der Soziologe und Anthropologe Dr. Samuli Schielke vom Berliner Zentrum
Moderner Orient (ZMO) befasst sich seit langem u.a. mit dem Thema sexual
harassment in Ägypten. Dr. Schielke arbeitet derzeit am ZMO zu Migration,
Arbeit, Liebe und Ehe, spirituelles und politisches Engagement sowie
Motivationen und Folgen literarischen Schreibens in Alexandria nach 2011.

Von 2011 bis 2014 schrieb Dr. Schielke den Blog "You'll be late for the
revolution" >samuliegypt.blogspot.de< über religiöses und politisches
Kommitment, Liebe, Ehe und Intimität in den Umbrüchen in Ägypten.

Seine Forschungsschwerpunkte sowie relevanten Publikationen finden sich
unter >www.samuli-schielke.de/research.htm#2<



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Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ), Dr. Sonja Hegasy,

Interviewanfragen (Deutsch/Englisch/Arabisch/Finnisch) bitte an:
yasser.mehanna@zmo.de

Weitere Informationen finden Sie unter

http://www.zmo.de/publikationen/WorkingPapers/schielke_2014.pdf

There will be blood. Expecting violence in Egypt 2011 - 2013. ZMO-Working paper