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Chest Pain Units

Mit der zweihundertsten zertifizierten Chest Pain Unit (CPU) im Jahr 2014 wurde ein weiterer wichtiger Schritt zur besseren Versorgung von Patienten mit kardial
bedingten Brustschmerzen erreicht“, berichtet Prof. Dr. Thomas Münzel
(Mainz), Vorsitzender des Gremiums zur Zertifizierung von Chest Pain Units
der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

„Eine Brustschmerzeinrichtung vom Typus CPU dient der Versorgung von Patienten mit unklarem Brustschmerz. Bislang gab es für diese Einrichtungen keine Qualitätsstandards, so dass die DGK Kriterien zum Betrieb von CPUs
erstellt hat, um nach diesen interessierte Kliniken und Krankenhäuser zu
zertifizieren. Ziel dieser europaweit vorbildlichen und einzigartigen
Maßnahme ist, bundesweit einen einheitlichen Standard einzuführen.“
Institutionen mit einer CPU soll die Möglichkeit eingeräumt werden, im
Zuge eines Evaluationsverfahrens vom jeweils aktuellen Entwicklungsstand,
aber auch von Innovationen zu profitieren, und bei Erfüllung der
Mindeststandards von der DGK zertifiziert zu werden. „Chest Pain Unit –
DGK zertifiziert“ ist eine eingetragene Marke, die diesen Standard
hervorheben möchte.
















Mindestanforderungen an eine CPU

Mindestens vier Überwachungsplätze, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr,
sowie eine Transferzeit von nicht mehr als 15 Minuten in ein Herzkatheter-
Labor sind einige der Mindestanforderungen an eine von der DGK
zertifizierte CPU. „In erster Linie profitieren Patienten mit unklaren
Brustschmerzen von einer CPU, da hier schneller diagnostiziert und auch
besser therapiert werden kann, wodurch die Prognose verbessert ist“, so
Prof. Münzel.

Generelles Ziel einer CPU ist es, einen akuten oder neu aufgetretenen
unklaren Thoraxschmerz rasch und zielgerichtet abzuklären. Bisherige Daten
aus Deutschland, den USA und England deuten auf einen prognostischen
Nutzen hin.1 Außerdem zeigen die Daten, dass Organisationsmodelle einer
CPU auch zu einer Verkürzung der durchschnittlichen Liegedauer und einer
Kostenreduktion2 durch rationelle Diagnostik und Therapie führen. Es hat
sich gezeigt, dass CPUs auch durch Patienten positiv bewertet werden.

Deutsches CPU-Register

Prof. Münzel: „Durch eine regelmäßige Überarbeitung der Kriterien sollen
zudem Änderungen der Leitlinien, aber auch Entwicklungen und Innovationen
Rechnung getragen werden.“ Eine besondere Bedeutung soll hier in Zukunft
dem Deutschen CPU-Register zukommen4, wo die postulierte und monozentrisch
bereits nachgewiesene bessere Versorgungsqualität an großen Kollektiven
nachvollzogen wird. Bisher wurden seit Dezember 2008 bereits 30.087
Patienten eingeschlossen.
„Um die Versorgungsqualität in den bestehenden CPUs weiter zu optimieren,
werden seit dem letzten Jahr Fortbildungskurse für Ärzte und
Pflegepersonen, die in einer CPU arbeiten, angeboten“, so Prof. Münzel.
„Die Qualitätssteigerung der CPUs, die unter anderem auch durch diese
Kurse erzielt wird, wird zu einer immer stärkeren nationalen und
internationalen Akzeptanz dieser Versorgungseinheit führen.“

Weitere CPUs erforderlich

Das Zertifizierungsprogramm wird seit 2008 durchgeführt, bisher wurden 206
CPUs nach den DGK-Kriterien zertifiziert und 128 rezertifiziert.4 „Dieses
rasche Wachstum unterstreicht das Interesse am Thema CPU in Deutschland
und die Zahl der CPUs in Deutschland übersteigt die CPUs in anderen
europäischen Ländern bei Weitem. Ziel ist eine flächendeckende Versorgung
durch zertifizierte CPUs im gesamten Bundesgebiet. Hierfür sind
schätzungsweise 300 CPUs erforderlich“, sagt Prof. Münzel. „Noch bestehen
regional Unterschiede in Bezug auf die kardiologische Versorgung, die
ausgeglichen werden sollen. Wünschenswert wäre auch eine Portierung auf
die europäische Ebene. Erste Schritte wurden hier bereits vollzogen. Nach
ersten Zertifizierungen durch die DGK in der Schweiz, konkret in Zürich
und Luzern, scheint das Potenzial gegeben zu sein, derartige CPU-Netzwerke
auch in anderen Ländern Europas zu fördern. Jedes Land muss dann
entsprechend seiner Infrastruktur die in Deutsch und Englisch publizierten
Zertifizierungskriterien der DGK entsprechend anpassen.“

Medizin am Abend DirektKontakt:


Prof. Dr. Eckart Fleck
Telefon: 030/4593-2400
Fax: 030/4593-2500
E-Mail-Adresse: fleck@dhzb.de

Kerstin Krug Tel.: + 49 211 600692 43

1 Post F, Genth-Zotz S, Munzel T. Aktueller Stellenwert einer Chest Pain
Unit in Deutschland. Herz. 2007;32(5):435 - 437.
2 Dougan JP, Mathew TP, Riddell JW, et al. Suspected angina pectoris: a
rapid-access chest pain clinic. Qjm. 2001;94(12):679-686.
3 Tzikas S, Keller T, Post F, Blankenberg S, Genth-Zotz S, Munzel T.
[Patient satisfaction in acute coronary syndrome. Improvement through the
establishment of a chest pain unit]. Herz.35(6):403-409.
4 http://cpu.dgk.org/index.php?id=158 (Stand 4. 12. 2014)



Schlaganfallbehandlung www.dsg-info.de

Medizin am Abend Fazit: Metaanalyse zur Schlaganfallbehandlung: 4,5 Stunden-Zeitfenster für Lysetherapie bestätigt

In Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 260 000 Menschen einen
Schlaganfall. Da dieser für den Betroffenen in der Regel schmerzlos ist,
kommen immer noch viele Patienten zu spät auf eine
Schlaganfallspezialstation, die sogenannte Stroke Unit. Denn: Die
Behandlung muss schnellstmöglich beginnen, um bleibende neurologische
Ausfälle oder gar den Tod zu verhindern. Je früher die sogenannte
Lysetherapie einsetzt, desto besser sind die Behandlungsergebnisse für die
Patienten. Dies geht aus einer Meta-Analyse aller größeren Therapiestudien
hervor, die jetzt in der Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienen ist.

Die Untersuchung bestätigte, dass die Lysebehandlung im Zeitfenster von
4,5 Stunden nach dem Schlaganfall und auch bei älteren Menschen effektiv
ist, erklären die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).


institution logo

Vier von fünf Schlaganfällen werden durch ein Blutgerinnsel in einer
Hirnarterie ausgelöst, das bei einem Teil der Patienten durch eine
Infusion mit dem Enzym Alteplase, der sogenannten Lysebehandlung,
aufgelöst werden kann. „Die Wirksamkeit der Lysetherapie wurde vor beinahe
20 Jahren erstmals in einer klinischen Studie belegt, und mittlerweile ist
die Lyse auf allen zertifizierten Stroke Units in Deutschland fest
etabliert“, erklärt Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener, Direktor der
Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen. Durchgeführt werde die Lyse
jedoch nur bei etwa zehn Prozent der Schlaganfallpatienten in Deutschland.
„Dies liegt vor allem daran, dass nur etwa 30 bis 40 Prozent der
Schlaganfallpatienten rechtzeitig die Klinik erreichen“, fügt der
Pressesprecher der DGN hinzu. In einigen europäischen Ländern, nicht
jedoch in Deutschland, werde zudem bei leichten oder aber besonders
schweren Schlaganfällen sowie bei Menschen über 80 Jahre von der
Behandlung abgeraten.

Die „Stroke Thrombolysis Trialists’ Collaborative Group“, ein
internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Dr. med. Dr.
h.c. Dipl. Psych. Werner Hacke, Senior Professor für Neurologie an der
Universitätsklinik Heidelberg, hat deshalb die Ergebnisse aus neun Studien
zusammengefasst. „Für die Meta-Analyse haben wir die Daten aller 6756
Studienteilnehmer einzeln ausgewertet, um ein möglichst unverfälschtes
Bild von der Effektivität und den möglichen Risiken zu erhalten“, erklärt
Professor Hacke.

Die Meta-Analyse bestätigte die Erfahrungen aus den Einzelstudien: Die
Lysetherapie ist umso erfolgreicher, je früher sie begonnen wird. Die
Chancen eines Patienten, den Schlaganfall ohne schwere Behinderungen zu
überleben, waren in den ersten drei Stunden um 75 Prozent höher als in der
Vergleichsgruppe, die keine Lysetherapie erhielt. Wurde die Lyse drei bis
4,5 Stunden nach dem Schlaganfall begonnen, betrug der Vorteil noch 26
Prozent. „Unsere Ergebnisse bestätigen den Effekt der Lyse im Zeitfenster
von 4,5 Stunden“, erklärt Professor Hacke. Zu einem späteren Zeitpunkt, so
der Experte, bleibe ihr Einsatz immer eine Einzelfallentscheidung.

Derzeit sind viele Ärzte bei älteren Patienten noch zurückhaltend mit der
Lysetherapie. „Die Angst vor Komplikationen ist weit verbreitet“, sagt
Professor Dr. med. Joachim Röther, Pressesprecher der DSG und Chefarzt der
Neurologischen Klinik an der Asklepios Klinik Altona. Da 1729 Teilnehmer
der Studien älter als 80 Jahre waren, liefert die aktuelle Meta-Analyse
hier erstmals zuverlässige Ergebnisse. „Die Erfolgsrate der Lysetherapie
war bei Hochbetagten keineswegs schlechter, die Ergebnisse waren
tendenziell sogar besser“, berichtet Professor Röther. Auch hinsichtlich
des Blutungsrisikos sieht der Experte bei älteren Patienten keine
Probleme.

Da das Enzym Alteplase Blutgerinnsel auflöst, sind Blutungen die am
meisten gefürchtete Komplikation. Sie sind auch der Grund, warum vor der
Lysetherapie immer eine Computer- oder eine Kernspintomografie
durchgeführt wird, um Hirnblutungen als Ursache des Schlaganfalls
auszuschließen. Die Untersuchung verzögere zwar den Therapiebeginn, doch
eine gut organisierte Stroke Unit mit entsprechend qualifiziertem Personal
könne dies ausgleichen. „Wichtig ist die Aufklärung der Bevölkerung“,
findet Professor Diener. „Die Angehörigen müssen wissen, dass ein
Schlaganfall immer ein Notfall ist, auch wenn Betroffene keine Schmerzen
haben.“

Literatur:
Emberson J, Lees KR, Lyden P, Blackwell L, Albers G, Bluhmki E, Brott T,
Cohen G, Davis S, Donnan G, Grotta J, Howard G, Kaste M, Koga M, von
Kummer R, Lansberg M, Lindley RI, Murray G, Olivot JM, Parsons M, Tilley
B, Toni D, Toyoda K, Wahlgren N, Wardlaw J, Whiteley W, Del Zoppo GJ,
Baigent C, Sandercock P, Hacke W; Stroke Thrombolysis Trialists'
Collaborative Group. Effect of treatment delay, age, and stroke severity
on the effects of intravenous thrombolysis with alteplase for acute
ischaemic stroke: a meta-analysis of individual patient data from
randomised trials. Lancet 2014; 384: 1929-35
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(14)60584-5/abstract


Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. med. Joachim Röther
Chefarzt der Neurologischen Abteilung
Asklepios Klinik Altona, Paul-Ehrlich Straße 1, 22763 Hamburg
Tel.: +49 (0)40 181881-1401
Fax: +49 (0)040 181881-4906
E-Mail: j.roether@asklepios.com

Weizen - Unverträglichkeit - Polyfructane und FODMAPs

Medizin am Abend Fazit:

Verflixter Weizen / Wissenschaftler identifizieren bisher unverdächtige Stoffe, die Weizen unverträglich machen können


Zu viele Menschen vermuten, dass sie Weizen nicht gut vertragen und befürchten eine Gluten-Intoleranz. Die ist jedoch selten.

Neue Erkenntnisse haben nun aber ergeben, dass andere Substanzen im Weizen -Polyfructane, die als FODMAPs zusammengefasst werden - Beschwerden auslösen können, die bisher dem Gluten zugeschrieben wurden, erklärt Privatdozentin Dr. Walburga Dieterich von der Universitätsklinik Erlangen im Patientenmagazin "HausArzt". Besuchen Sie auch die Seite
http://www.hausarzt-patientenmagazin.de

 Wort und Bild - HausArzt - PatientenMagazin
 "Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese einen direkten Einfluss auf das Immunsystem nehmen", sagt sie. Symptome können etwa Magenkrämpfe, Blähungen, Verdauungsbeschwerden oder auch Stimmungsschwankungen sein.

Noch gibt es keine geeignete Untersuchung, ob jemand auf FODMAPs empfindlich reagiert. Die Stoffe kommen nicht nur in Weizen, sondern auch in verschiedenem Gemüse und Obst vor. Eine radikale Diät, die alle bekannten FODMAPs-Lebensmittel meidet, sei nicht ratsam, wohl aber drei bis vier Wochen weizenhaltige Produkte deutlich zu reduzieren.

Bessern sich die Symptome, kann man den Weizenanteil langsam wieder erhöhen. Dieterich rät, dem Bauchgefühl zu vertrauen: "Achten Sie einfach darauf, was Ihnen bekommt und worauf Sie lieber verzichten."


Das Patienten-Magazin "HausArzt" gibt der Deutsche Hausärzteverband in Kooperation mit dem Wort & Bild Verlag heraus. Die Ausgabe 1/2015 wird bundesweit in Hausarztpraxen an Patienten abgegeben.

Medizin am Abend DirektKontakt

Ruth Pirhalla Tel. 089 / 744 33 123 Fax 089 / 744 33 459 E-Mail: pirhalla@wortundbildverlag.de www.wortundbildverlag.de

GenderMedizin: MGW - Müttergenesungswerk

An die bundesweit 77 vom Müttergenesungswerk (MGW) anerkannten Einrichtungen zur Vorsorge und Rehabilitation werden nach Angaben der Bundesregierung methodisch und praktisch höchste Ansprüche gestellt.

So enthielten die Anforderungsprofile medizinische, strukturelle und personelle Vorgaben. Die Konzepte zur Behandlung basierten auf einem ganzheitlichen Therapieansatz, der physische, psychische und soziale Aspekte berücksichtige, heißt es in der Antwort 18/365 der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke.

Hier zur Antwort: 

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/036/1803657.pdf

Neben den mütterspezifischen Beanspruchungs- und Belastungsformen sowie Gesundheitsstörungen müssten die Einrichtungen in besonderer Weise auf die Zusammenhänge zwischen Mutter- und Mutter-Kind-Gesundheit eingehen.

Die Lebenszusammenhänge und die geschlechtsspezifischen Aspekte von Gesundheit und Krankheit sowie psychosoziale Problemsituationen seien besonders zu berücksichtigen.

Die Einrichtungen stünden unter ständiger fachärztlicher Verantwortung. Neben Ärzten zählten auch Psychologen, Physiotherapeuten, Diätassistenten, Sozialarbeiter, Sportlehrer, Krankenschwestern und Krankenpfleger sowie ein Bereitschaftsdienst der Pflege zur Personalmannschaft. Zum Behandlungsplan gehörten Krankengymnastik, Bewegungstherapie, Sprachtherapie oder Arbeits- und Beschäftigungstherapie.

Die Vergütungen seien Bestandteil der Versorgungsverträge, die zwischen Krankenkassen und Einrichtungsträgern gesondert und frei vereinbart würden.

Im Konfliktfall bestehe die Möglichkeit, in das gesetzlich vorgesehene Schiedsstellenverfahren einzutreten. Nach Ansicht der Bundesregierung ist dieses Verfahren sachgerecht.

Die Elly-Heuss-Knapp-Stiftung Deutsches Müttergenesungswerk wurde 1950 von der Frau des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss gegründet. Übergeordnetes Ziel der gemeinnützigen Spendenorganisation ist die Gesundheit und Gesunderhaltung von Müttern mit Hilfe von Kuren.

Als Trägerorganisationen im MGW zusammengeschlossen haben sich die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rotes Kreuz, der Evangelische Fachverband für Frauengesundheit, die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung und der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Detaillierte Infos zur Grippeschutzimpfung

Medizin am Abend empfiehlt:

Bitte besuchen Sie den folgenden Link:

https://www.pharma-fakten.de/news/details/95-grippeimpfung-besser-wenig-schutz-als-gar-keiner/

360° FOBI: Terminhinweis Jüdisches Krankenhaus Berlin am 14. und 28. Januar 2015


Medizin am Abend empfiehlt folgende Fortbildungstermine:

 3. Therapie-Symposium des Multiple-Sklerose-Zentrums und der Klinik für Neurologie

14.01.2015
Centrum Judaicum

http://www.juedisches-krankenhaus.de/servicenavigation/aktuelles/aktuelles/aspresse/cef8fa6b8a264006920b7a00b8ade27a/11/3-therapie-symposium-des-multiple-sklerose-zentrums-und-der-klinik-fuer-neurologie.html

 

 5. Symposium Klinik für Innere Medizin - Kardiovaskuläre Diagnostik und Therapie

28.01.2015
Grand Hotel Esplanade Berlin


http://www.juedisches-krankenhaus.de/servicenavigation/aktuelles/aktuelles/aspresse/89fad59e13b6fd2b0c5c0467f4258348/11/5-symposium-klinik-fuer-innere-medizin-kardiovaskulaere-diagnostik-und-therapie.html



Schlaganfall: Neue Therapie hilft, linke Körperseite besser wahrzunehmen

Über 250.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen
Schlaganfall. Oft kämpfen die Patienten noch lange mit den Folgen. Bei
einigen von ihnen kommt es etwa zum sogenannten visuell-räumlichen
Neglect. Dabei vernachlässigen sie alles, was sich in ihrer linken Sicht-
und Körperseite abspielt: Sie stoßen mit der linken Seite gegen Türrahmen,
pflegen nur die rechte Gesichtshälfte oder schauen beim Überqueren der
Straße nicht nach links. Klinische Neuropsychologen von der Saar-Uni haben
nun ein Therapieverfahren erprobt, das diesen Patienten hilft, die
Körperseite wieder besser wahrzunehmen. Die Methode stimuliert das
Gleichgewichtssystem mit leichten elektrischen Strömen.

Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift „Neuropsychologia“
veröffentlicht.

„Vor allem Patienten, deren rechte Gehirnhälfte geschädigt ist, leiden oft
darunter, dass sie ihre linke Körperhälfte vernachlässigen“, erklärt Georg
Kerkhoff, Professor für Klinische Neuropsychologie und Leiter der
Neuropsychologischen Universitätsambulanz an der Universität des
Saarlandes. „Trotz neuer und wirksamerer Behandlungsverfahren sind die
Heilungschancen immer noch ungünstig.“

Um diese Neglect-Patienten besser zu behandeln, haben die Saarbrücker
Forscher um Kerkhoff nun ein neuartiges Therapieverfahren in einer Studie
untersucht. Bei ihrer Methode regen die Psychologen das
Gleichgewichtssystem mit schwachen elektrischen Impulsen an.
Für diese sogenannte Galvanisch-Vestibuläre Stimulation (GVS) nutzen die
Forscher kleine Elektroden, die hinter den Ohren der Patienten angebracht
werden. „Bei diesem Verfahren gibt es keine Nebenwirkungen. Die Patienten
spüren die Reize nicht einmal, da wir unterhalb der Wahrnehmungsschwelle
stimulieren“, so Stefan Reinhart, promovierter Psychologe in Kerkhoffs
Team.

An der Studie haben 24 Schlaganfall-Patienten teilgenommen – etwa die
Hälfte von ihnen leidet an einem Neglect der linken Sicht- und
Körperseite. Die Probanden mussten vier Aufgaben bewältigen, die vor allem
ihre visuell-räumlichen Fähigkeiten überprüft haben: Die Teilnehmer
mussten Zahlen auf einem Bildschirm oder einem Blatt Papier suchen,
vorgegebene Bilder wie zum Beispiel ein Haus oder eine Uhr abzeichnen,
einen kurzen Text abschreiben und die Mitte einer horizontalen Linie
finden und markieren. Die Patienten haben die Aufgaben einmal während
einer GVS-Behandlung und einmal während einer Scheinstimulation
bearbeitet. Hierbei waren zwar die Elektroden angelegt, es floss aber kein
Strom. Mit dieser Scheintherapie konnten die Forscher Placeboeffekte
ausschließen.

Die Saarbrücker Psychologen haben nachgewiesen, dass eine GVS-Therapie
sich positiv auf die visuell-räumlichen Fähigkeiten der Patienten
auswirkt. „Während der Stimulation zeigten die Teilnehmer im Vergleich zur
Scheinstimulation eine um 30 bis 50 Prozent verbesserte Leistung in den
verschiedenen Aufgaben“, fasst Reinhart zusammen. „Die Patienten konnten
die vernachlässigte linke Seite wieder verstärkt wahrnehmen.“

Mit der Methode könnten Therapeuten künftig Neglect-Patienten effektiv
behandeln und ihnen so helfen, wieder in ihrem Alltag zurechtzukommen.
Außerdem sind die Ergebnisse der Studie für die Wissenschaft interessant,
da sie zeigen, wie das Gleichgewichtssystem Einfluss auf die räumliche
Aufmerksamkeit ausübt.

Hintergrund
In der Neuropsychologischen Universitätsambulanz auf dem Saarbrücker
Campus betreuen Professor Kerkhoff und sein Team Patienten mit
Hirnschädigungen. Studenten können hierbei Einblick in Diagnostik und
Therapie erhalten. Zudem entwickeln die Saarbrücker Forscher neue
Therapien für Patienten mit Schlaganfall und anderen Hirnschädigungen.

Die Studie ist erschienen unter:
Oppenländer, Keller, I, Karbach, J., Schindler, I., Kerkhoff, G.,
Reinhart, S. Subliminal galvanic-vestibular stimulation influences ego-
and object-centred components of visual neglect. Neuropsychologia, 2015,
in press. http://dx.doi.org/10.1016/j.neuropsychologia.2014.10.039
Fragen beantworten:



Medizin am Abend DirektKontakt

Dr. Stefan Reinhart
Klinische Neuropsychologie, Neuropsychologische Hochschulambulanz
E-Mail: s.reinhart(at)mx.uni-saarland.de
Tel.: +49 681 302-57383

Univ.-Prof. Dr. Georg Kerkhoff
Klinische Neuropsychologie, Neuropsychologische Hochschulambulanz
E-Mail: kerkhoff(at)mx.uni-saarland.de
Tel.: +49 681 302-57380



Professor Georg Kerkhoff, Leiter der Neuropsychologischen Universitätsambulanz an der Universität des Saarlandes.
Professor Georg Kerkhoff, Leiter der Neuropsychologischen Universitätsambulanz an der Universität des Saarlandes.
Foto: Oliver Dietze

Schlaganfall



Medizin am Abend Fazit: 
Nach dem Schlaganfall: Informationsmangel erhöht Depressionsrisiko

Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben und zu Hause leben, haben
im Allgemeinen ein erhöhtes Risiko, an Depression zu erkranken. Forschern
zufolge ist es vor allem der Mangel an Informationen, der den Patienten
Sorgen bereitet und zur Depression beiträgt. Das ist das Ergebnis einer
Studie von Gesundheitssoziologen der Universität Luxemburg. Die Depression
kann bestehende Probleme wie eingeschränkte Bewegung und verminderte
geistige Fähigkeiten, unter denen Schlaganfallpatienten häufig leiden,
weiter verschlimmern und die Genesungschancen beeinträchtigen.

„Depression ist dafür bekannt, physische, mentale und soziale Fähigkeiten
einzuschränken und das Risiko von Behinderungen und frühzeitigem Tod zu
erhöhen“, erläutert Michèle Baumann, Professorin für Gesundheitssoziologie
an der Universität Luxemburg. Das Risiko sei besonders hoch für
Schlaganfall-Patienten ohne familiäre oder soziale Unterstützung.








Wie das vom Nationalen Forschungsfonds Luxemburg finanzierte
Forschungsprojekt zeigte, zählt der Mangel an Informationen zu den
Hauptsorgen der Betroffenen. Die Patienten machen sich Sorgen über
mögliche Veränderungen ihres Gesundheitszustandes und über die
Auswirkungen auf ihr Leben in den nächsten Monaten und Jahren.

Viele fragen sich, ob sie den Informationen, die sie aus verschiedenen Quellen
erhalten, trauen können. Auch fehlende Koordination zwischen
Pflegediensten wurde als Quelle von Sorgen angeführt, und viele Patienten
waren sich angesichts verschiedener möglicher Szenarien nicht sicher,
welche Hilfe ihnen in Zukunft zur Verfügung stehen könnte.

Geringverdiener und Menschen mit niedrigem Bildungsniveau sind laut der
Studie von Depression am meisten gefährdet. Wer allerdings weiter
berufstätigt bleiben konnte, war tendenziell geistig fitter. Zu den
depressiven Symptomen, die in der Studie berücksichtigt wurden, zählen
emotionale Störungen, Schlafprobleme, Kommunikationsschwierigkeiten,
Schmerzen und Müdigkeit.

Die Daten stammen von 94 Patienten im Alter von etwa 65 Jahren aus dem
Großherzogtum Luxemburg, die zwei Jahre nach einem Schlaganfall zu Hause
lebten. Die Forscher besuchten sie in ihrem Zuhause, um sie über ihre
körperliche und geistige Gesundheit zu befragen, sowie über soziale Nöte
und Pflegebedürfnisse. „Die routinierte Messung der Lebensqualität, der
Patientengenesung sowie von Informations- und Pflegebedürfnissen hilft,
Situationen zu identifizieren, die Hilfe benötigen“, fügt Michèle Baumann
hinzu. Die Studie könnte so dem Gesundheitspersonal helfen,
wirkungsvollere Hilfsprogramme zu gestalten.

Der vollständige wissenschaftliche Artikel “Associations between quality
of life and socioeconomic factors, functional impairments and
dissatisfaction with received information and home-care services among
survivors living at home two years after stroke onset”, wie in “BMC
Neurology 2014” veröffentlicht, kann hier eingesehen werden:

http://orbilu.uni.lu/handle/10993/16492


Medizin am Abend DirektKonakt


Universität Luxemburg - Université du Luxembourg, Sophie Kolb
Sophie Kolb
Telefon: +352 46 66 44 6721
E-Mail-Adresse: sophie.kolb@uni.lu

Therapie der Darmkrankheit Divertikulitis



Weniger Antibiotika, seltener operieren - so lassen sich neue Empfehlungen zur Therapie der Darmkrankheit Divertikulitis zusammenfassen. Als Divertikel bezeichnen Mediziner kleine Aussackungen in der Darmwand.

Sie können sich entzünden, aufbrechen und benachbarte Organe, wie etwa die Blase in Mitleidenschaft ziehen. Gelangt durch ein geplatztes Divertikel Darminhalt in den Bauchraum, besteht Lebensgefahr. Bisher wurden frühzeitig Antibiotika verordnet. Neue Studien haben aber gezeigt, dass dies oft keinen Vorteil bringt, berichtet die "Apotheken Umschau".

 
 Divertikel-Entzündungen (Divertikulitis) quälen die Patienten oft wiederholt. "Es war noch vor wenigen Jahren die Regel, nach dem zweiten Schub einer Entzündung zu operieren", berichtet Professor Martin Kreis, Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie an der Berliner Charité. "Diese Empfehlung besteht nicht mehr."

Hierzu hätten Studien gezeigt, dass die Komplikationsrate mit der Anzahl der Entzündungen nicht steigt. Nach neuen Therapie-Leitlinien sollen Ärzte heute öfter abwarten und erst eingreifen, falls Komplikationen dies erfordern.


Das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" 1/2015 A liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

Bilder zum Top - Kolleg Kardiologie Charité und AstraZeneca Fortbildungstag am 10.01.2015 in Berlin