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Die Bildung der zerstörerischen Plaques im Gehirn

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neue Erkenntnisse in der Alzheimer-Forschung

In der Alzheimer-Forschung liegt ein Forschungsschwerpunkt auf dem Amyloiden Vorläuferprotein (APP), das für die Bildung der zerstörerischen Plaques im Gehirn verantwortlich ist. Bochumer Forscher haben jetzt gezeigt, dass APP neben der Bildung dieser Plaques über einen weiteren Mechanismus an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sein könnte. 
 
Protein in der Zellmembran

Unter bestimmten Umständen bewirkt APP, dass sich im Zellkern kugelförmige Strukturen, sogenannte Sphären, bilden.

Diese beeinflussen die Aktivität einiger Gene, was zu einer Änderung der Neurotransmitteraktivität führen kann. 
  • Neurotransmitter sind biochemische Botenstoffe, die die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen übertragen. 
  • APP selbst ist ein in der Zellmembran verankertes Protein. 

Als solches besitzt es verschiedene Bindestellen, an denen andere Proteine andocken können und damit unterschiedliche Vorgänge auslösen. Eines der Adapterproteine ist FE65. Unter bestimmten Voraussetzungen kann es mit Hilfe des APP in den Kern der Zelle gelangen. Dort bildet FE65 gemeinsam mit anderen Proteinen die beschriebenen kugelförmigen Strukturen aus. Welchen Einfluss diese auf die Zelle haben, war bisher unklar.

Vergleich verschiedener Zellkulturen

Dr. Thorsten Müller vom Medizinischen Proteom-Center erklärt, wie er und seine Doktorandin Christina Looße vorgegangen sind, um mehr über den möglichen Einfluss der Sphären auf das Gehirn zu erfahren: „Wir haben in unserer Studie ein Zellkulturmodell etabliert, in dem wir die Sphärenbildung gezielt anschalten können. Die angeschalteten Zellen bringen Sphären hervor.“ Verglichen haben die Forscher sie mit ausgeschalteten Zellen, bei denen es nicht zu einer Sphärenbildung kommt. „Dabei kam heraus, dass Zellen, die Sphären ausbilden, eine höhere Expression des Bestrophin 1-Gens zeigen“, so Müller

Biochemische Botenstoffe und Alzheimer

Bestrophin 1 wurde kürzlich in Zusammenhang mit einer gestörten Neurotransmitter-Aktivität bei der Alzheimerkrankheit beschrieben.

 „Erhöhte Werte des Neurotransmitters GABA in der Rückenmarksflüssigkeit von an Alzheimer erkrankten Patienten wurden bereits beschrieben, und unsere Studie könnte Aufschluss über den Zusammenhang der Neurotransmitter-Änderungen und dem APP liefern“, beschreibt Dr. Thorsten Mülller die Relevanz seiner Forschungsarbeit für die Medizin.

Ansatzpunkt für zukünftige Therapien

  • Anders als bisher angenommen könnte das APP also insofern Einfluss auf die Entstehung der Alzheimer Krankheit nehmen, dass es sich auf eine Störung der Neurotransmitter Aktivität auswirkt, und nicht in erster Linie als Vorläufer der Plaques relevant ist. 
„Diese Hypothese könnte zukünftig interessante Ansatzpunkte für die Entwicklung von Therapien zur Behandlung der Alzheimer Krankheit bieten“, meint Thorsten Müller.

Titelaufnahme

C. Loosse, M. Pawlas, H.S. Bukhari, A. Maghnouj, S. Hahn, K. Marcus, T. Müller (2015): Nuclear spheres modulate the expression of BEST1 and GADD45G, Cellular Signalling, DOI: 10.1016/j.cellsig.2015.10.019

Förderung

Gefördert wurde diese Studie von FoRUM (Forschungsförderung Ruhr-Universität Bochum Medizinische Fakultät) F800-2014, MERCUR (Mercator Research Center Ruhr) AN-2013-0024, und DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) MU3525/3.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt


Dr. Thorsten Müller, Medizinisches Proteom-Center
Ruhr-Universität Bochum
44780 Bochum
Tel. 0234/32-29265
thorsten.t.mueller@rub.de
Raffaela Römer Ruhr-Universität Bochum

Medizinisches Proteom-Center

http://www.ruhr-uni-bochum.de/mpc/

Chronisches Herz-Kreislauf-Versagen: Patienten mit Herzunterstützungssystemen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Versorgung von Patienten mit Herzunterstützungssystemen im Fokus



  • Die Zahl von Menschen mit fortgeschrittener Herzmuskelschwäche wächst aufgrund der demographischen Entwicklung von Jahr zu Jahr. 

Rund 400.000 Patienten werden in Deutschland aufgrund von Herzmuskelschwächen in diesem Jahr behandelt werden.

1995 waren es noch unter 250.000 Patienten.

Die stets fortschreitenden Erkrankungen lassen sich dauerhaft nur begrenzt medikamentös behandeln. 

Bei schweren Verläufen kann nur die Implantation eines mechanischen Herzunterstützungssystems das Leben der Patienten retten und die Lebensqualität wieder verbessern. 

Welche Voraussetzungen notwendig sind, um die umfassende Betreuung dieser Patienten zu gewährleisten, war eines der Themen, das Herzchirurgen und Kardiotechniker im Rahmen der „44. Internationalen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik (DGfK)“ und „7. Fokustagung Herz“ der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und der DGfK vom 20.-22. November in Weimar diskutierten.

„Zunehmend mehr herzkranke Patienten in Deutschland benötigen eine mechanische Herzunterstützung. So erhielten nach Angaben der DGTHG-Leistungsstatistik 957 Patienten in Deutschland im Jahr 2014 ein derartiges System. Im Jahr 2005 waren es hingegen nur 350 Patienten. Diese steigenden Zahlen, aber auch Entwicklungen in Richtung Miniaturisierung und Innovationen zur Energieversorgung dieser Systeme erfordern besondere Kenntnisse bei Ärzten und Kardiotechnikern um diese komplexen Behandlungsformen zum Wohle der Patienten einsetzen zu können “, so Privatdozent Georg Trummer, Tagungspräsident der DGTHG.

  • In ihrer häuslichen Umgebung können die Patienten zumeist mit einer ambulanten Betreuung ein weitgehend normales Leben führen. 

So können sie wieder in gewohnter Umgebung am alltäglichen Leben teilnehmen, einer Arbeit nachgehen, und sind auch in ihrer Mobilität kaum eingeschränkt.

  • Die ambulante Begleitung und Betreuung erfordert allerdings eine gut eingespielte Logistik zwischen Patient, Klinikpersonal und Hausarzt. 

„Bei der Versorgung schwer herzkranker Patienten, die temporär oder dauerhaft auf ein Herzunterstützungssystem angewiesen sind, geht es heute um mehr als eine Lebensverlängerung.

Vielmehr ist es ein wesentliches Ziel, eine annähernd normale Lebensqualität wiederherzustellen und die Menschen unter anderem auch in ihre Arbeitswelt zu reintegrieren.

Dies erfordert eine enge Kooperation aller Beteiligten. Dazu gehören Kardiologen, Herzchirurgen und Kardiotechniker, aber vor allem der Patient selbst“, kommentierte Jörg Optenhöfel, Tagungspräsident der DGfK.

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der mehr als 1.000 in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik (DGfK) ist die Fachgesellschaft der rund 500 in Deutschland tätigen Kardiotechniker, den speziell ausgebildeten Fachleuten für die künstliche Aufrechterhaltung des Blutkreislaufes während einer Herzoperation und auf Intensivstationen.


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360°TOP-Terminhinweis: Welche Schlafstörung haben Sie - und warum frage ich mich?

Medizin am Abend Berlin Fazit:   

„Die schlaflose Gesellschaft“: Raubt uns die 24-h-Non-Stop-Gesellschaft Schlaf und Gesundheit?

23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin 3.–5.12.2015 in Mainz.

„Die schlaflose Gesellschaft“ ist das Motto der 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin vom 3. bis 5. Dezember 2015 in Mainz. Bei der größten Tagung dieses Fachgebietes in Europa treffen sich über 2.000 Mediziner, Wissenschaftler und Experten. Die Diagnostik und Behandlung von Menschen mit schlafbezogenen Erkrankungen erfordert einen interdisziplinären Austausch.


So treten Hausärzte, Internisten, Pneumologen, Kardiologen, Neurologen, Psychiater, Psychologen, Arbeits- und Verkehrsmediziner in eine fächerübergreifende Diskussion. 
 
  • Aus den aktuellen wissenschaftlichen Befunden der letzten Jahre lassen sich neue Behandlungsansätze für Schlafstörungen unterschiedlichster Genese ableiten. 

Der thematische Schwerpunkt des Kongresses beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die 24-Stunden-Non-Stop-Gesellschaft negative Auswirkungen auf Schlaf und Gesundheit ausübt und anderseits Schlaf und Schlafstörungen die Gesellschaft beeinflussen.

Es konnte gezeigt werden, dass die Industrialisierung und die damit einhergehende Schichtarbeit sowie die Zunahme der Stressbelastung am Arbeitsplatz und die Einführung der neuen Medien wie Internet und Smartphone negative Auswirkungen auf die Schlafmenge des Menschen haben.

„Für die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Schlaf und Gesundheit versucht das aktuelle Tagungsthema zu sensibilisieren, um in einen Dialog mit öffentlichen Institutionen, Medien und Entscheidungsträgern zu treten“, so Tagungspräsident Dr. Hans-Günter Weeß.

Mehr als 30 % der Schichtarbeiter klagen über Schlafstörungen. Darüber hinaus haben sie ein höheres Risiko für Magen-Darm und Herz-Kreislauf Erkrankungen. Ein erhöhtes Krebsrisiko ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig gesichert.

  • Gerade bei Schichtarbeitern ist das Unfallrisiko auf dem Nachhauseweg auf das bis zu 8-fache erhöht.
  • 6 % der Deutschen weisen behandlungsbedürftige Ein- und Durchschlafstörungen auf. 

  • Diese haben eine hohe Chronifizierungsneigung und können Herz-Kreislauf Erkrankungen, Diabetes und vor allem psychische Störungen, wie Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen begünstigen und sogar die Suizidrate erhöhen. 
  • Ungefähr 1 Million Bundesbürger nimmt aus diesem Grunde regelhaft Schlafmittel ein.
  • Ungefähr 20 % der Manager, Führungskräfte und Politiker schlafen weniger als 5 Stunden, mehr als die Hälfte der Spitzenkräfte in unserem Lande fühlt sich chronisch übermüdet und trifft doch in diesem kritischen Zustand wichtige Entscheidungen für Unternehmen und Gesellschaft.

Internet, Smartphones und PCs rauben Jugendlichen den Schlaf und führen zu Übermüdung in Schule und Unterricht. Die Zeitumstellung im Frühjahr und Herbst hat wenig beachtete Konsequenzen für die Gesundheit und erhöht das Unfallrisiko im Straßenverkehr. Die gesellschaftlich festgelegten Zeiten für den frühen Arbeits- und Schulbeginn sind nicht in Übereinstimmung mit der inneren Uhr der meisten Menschen. 

Jugendliche kommen durch den auch im europäischen Vergleich sehr frühen Schulbeginn in Deutschland in ein chronisches Schlafdefizit. 

Die Folge sind Übermüdung und Lernschwierigkeiten. Aktuelle Forderungen unserer Familienministerin Schwesig nach einem späteren Schulbeginn sind die logische Konsequenz dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Umweltlärm wie Straßen-, Bahn- und Fluglärm kann den Schlaf nachhaltig beeinträchtigen und Herz-Kreislauferkrankungen sowie bei Kindern und Jugendlichen auch Lernverzögerungen hervorrufen. 

  • Dabei wird aus wissenschaftlicher Perspektive dem Bahnlärm eine stärker beeinträchtigende Wirkung als dem Straßen bzw. Fluglärm zugeschrieben werden.

Gesunder und ausreichender Schlaf fördert hingegen das Leistungsvermögen, die Aufmerksamkeit sowie Lern- und Gedächtnisprozesse. Weiterhin wird unser emotionales Befinden gefördert und über positive Auswirkungen auf die Gesundheit die Lebenserwartung erhöht.

Weitere Tagungsschwerpunkte sind die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den mehr als 50 verschiedenen Schlafstörungen mit den neuesten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, 
wie zum Beispiel Insomnien, Tagesschläfrigkeit, kardiovaskuläre Bewegungsstörungen im Schlaf und Parasomnien. 

Diskutiert werden auch neue Erkenntnisse zum Schlaf im Alter sowie zum Thema Schlaf und Partnerschaft.

Auch in diesem Jahr bietet im Rahmen der Jahrestagung ein kostenfreies Patientenforum für Betroffene, Angehörige und alle Interessierten die Möglichkeit, neben einer Podiumsdiskussion mit Experten individuelle Fragen zu diskutieren.

Alle Informationen zum DGSM-Kongress sowie das gesamte wissenschaftliche Programm finden Sie unter http://www.dgsm-kongress.de.


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Wolfgang Müller M.A. AWMF
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Schildrüsen-Unterfunktion-Hypothyreose: Wie behandeln Sie diese....?

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Stammzellen für Schilddrüsenhormone

Schilddrüsen-Unterfunktion mit körpereigenen Stammzellen therapieren: Dass dies schon bald möglich sein könnte, zeigt eine eben im Journal Cell Stem Cell veröffentlichte Studie der im August tödlich verunglückten Schweizer Viszeralchirurgin Anita Kurmann. 
 
  • Wenn der Körper zu wenig Schilddrüsenhormone erhält, läuft sein Stoffwechsel langsamer als normal. 
Etwa 7 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer leiden an einer solchen Unterfunktion der Schilddrüse (in der Fachsprache Hypothyreose).

  • Die Folge ist eine verringerte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. 
Ist die Unterfunktion angeboren so kommt es beim Säugling zu schweren Entwicklungsstörungen wie einer starken Wachstumsverzögerung und Verminderung der Intelligenz.

In beiden Fällen müssen Patienten lebenslang das fehlende Hormon einnehmen.

Schilddrüsenfunktion mit eigenen Zellen reparieren

Schon bald könnte es jedoch möglich sein, die Schilddrüsenfunktion mit körpereigenen Stammzellen wiederherzustellen.

Dies konnte Dr. Anita Kurmann in einer kürzlich publizierten Arbeit zeigen, welche sie als Gastforscherin in Boston, USA erarbeitet hatte. Im Tiermodell hatten sie und ein Forschungsteam der Harvard University und Boston University nachgewiesen, dass Mäuse mithilfe modifizierter, eigener Stammzellen von einer Hypothyreose geheilt werden konnten.

Ebenso konnte in dieser Studie nachgewiesen werden, dass sich Stammzellen von Patienten mit Schilddrüsen-Unterfunktion im Reagenzglas so weiterentwickeln lassen, dass sie das fehlende Schilddrüsenhormon zu produzieren beginnen.

Mit dieser grundlegenden Arbeit wurde somit zum ersten Mal gezeigt, dass sich eine Schilddrüsenunterfunktion mittels der Transplantation körpereigener Zellen beheben lässt. 

Damit ist ein wichtiger Schritt vollzogen worden, der eines Tages dazu führen dürfte, dass auch beim Menschen eine Schilddrüsenunterfunktion mittels einer Zelltransplantation geheilt werden kann.

Über Anita Kurmann

Dr. med. Anita Kurmann war mit kurzen Unterbrüchen seit März 2008 in verschiedenen Funktionen, zuletzt als erste Oberärztin, an der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin des Inselspitals in Bern tätig. Nach einem dreijährigen Forschungsaufenthalt in Boston sollte sie per Anfang 2016 ans Inselspital Bern zurückkehren und in einer leitenden Funktion die Chirurgie der inneren Drüsen am Inselspital weiter entwickeln. Die begabte Chirurgin und Forscherin hinterlässt mit ihrer jüngsten Publikation ein vielversprechendes Vermächtnis für die Behandlung von Schilddrüsen-Patienten.

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Prof. Dr. Daniel Candinas,
Direktor und Chefarzt Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin
+41 31 632 24 04, Daniel.Candinas@insel.ch
Monika Kugemann Universitätsspital Bern


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://Studie: Regeneration of Thyroid Function by Transplantation of Differentiated Pluripotent Stem Cells, Anita A. Kurmann et al., Cell Stem Cell, October 22, 2015.

http://www.cell.com/cell-stem-cell/abstract/S1934-5909(15)00411-7

Sie sind sexuell aktiv und verhüten gut .....

Medizin am Abend Berlin Fazit:  BZgA-Studie „Jugendsexualität 2015“: Jugend nicht früher sexuell aktiv


Das kennzeichnet die heutigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. 

Kulturelle Unterschiede finden sich je nach Herkunft. Dies zeigen die aktuellen Ergebnisse der neuen Studie „Jugendsexualität 2015“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht. Bei der Verhütung verhalten sich die 14- bis 17-Jährigen ausgesprochen umsichtig. Über 90 Prozent der sexuell aktiven jungen Menschen sprechen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin über Verhütung. 
 
Neu: Erstmals auch 18- bis 25-Jährige befragt

Die repräsentative Befragung knüpft an die Vorläuferstudien der BZgA zur Jugendsexualität aus den Jahren 1980 bis 2010 an. Ein Novum der aktuellen Studie ist die Ausweitung der Befragungsgruppe auf junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Schwerpunktthemen der Befragung sind Aufklärung in Schule und Elternhaus, erste sexuelle Erfahrungen, Verhütungswissen und Verhütungsverhalten.

Einstieg ins Geschlechtsleben – kulturell unterschiedlich

Während sexuelle Aktivitäten unter den 14-Jährigen insgesamt mit durchschnittlich sechs Prozent noch die Ausnahme sind, hat im Alter von 17 Jahren mehr als die Hälfte Geschlechtsverkehr-Erfahrung. Im Alter von 19 Jahren haben 90 Prozent der jungen Frauen deutscher Herkunft das “erste Mal" erlebt
  • Junge Frauen mit ausländischen Wurzeln sind im Alter von 21 Jahren zu gut zwei Dritteln sexuell aktiv geworden (70 Prozent).

Für junge Männer gilt dies erst zwei bzw. drei Jahre später.

„Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht“, betont Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA. „Positiv ist auch zu sehen, dass eine feste Partnerschaft jungen Menschen beim ‘ersten Mal‘ wichtig ist.“ Das Fehlen des oder der "Richtigen" ist unabhängig von Geschlecht und Herkunft der Hauptgrund für Zurückhaltung.

Für Mädchen und junge Frauen aus Migrantenfamilien spielen daneben moralische Bedenken eine wichtige Rolle.

Beispielsweise geben 28 Prozent das Motiv “vor der Ehe finde ich das nicht richtig“ als Grund für die sexuelle Zurückhaltung an. Bei Mädchen und junge Frauen deutscher Herkunft trifft das in vier Prozent zu. Für Mädchen und junge Frauen mit Migrationsgeschichte ist bis ins Erwachsenenalter hinein ein anderes Motiv relevant: die Angst, „dass die Eltern davon erfahren“ (20 Prozent). Dieses Argument teilen Mädchen und junge Frauen aus deutschen Elternhäusern in jüngeren Jahren, mit zunehmendem Alter ist es weniger von Bedeutung.

Verhütungsbewusstsein deutlich vorhanden, Entwicklungen weiter positiv 

Das Verhütungsverhalten der 14- bis 17-Jährigen ist ausgesprochen umsichtig. Über 90 Prozent der sexuell aktiven jungen Menschen sprechen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin über Verhütung. Wie sehr sich das Verhütungsverhalten verbessert hat, zeigt der Langzeitvergleich, der für deutsche Jugendliche vorliegt: 1980 trafen 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen keine Verhütungsvorkehrungen beim “ersten Mal“, heute sind es nur noch sechs bzw. acht Prozent.

Für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist ein Trendvergleich für die vergangenen zehn Jahre möglich. Bei Jungen mit ausländischen Wurzeln ging die Zahl Nichtverhütender beim “ersten Mal“ von 34 Prozent im Jahr 2005 auf heute zehn Prozent zurück, bei den Mädchen von 19 Prozent auf zwei Prozent. „Es ist eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung, dass Jugendliche schon bei den ersten Sexualkontakten ganz besonders auf das Schutzverhalten achten“, erklärt Dr. Thaiss. Das Kondom ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit deutlichem Abstand das Verhütungsmittel Nummer eins beim “ersten Mal“. 73 Prozent der 14- bis 25-Jährigen geben dies an.

Gerade für männliche Jugendliche wichtig: die Vermittlungsinstanz Schule

„Das Elternhaus spielt bei der Sexualaufklärung eine wichtige Rolle. Eltern sind für ihre Kinder wichtige Vertrauenspersonen und eine zentrale Beratungsinstanz in Verhütungsfragen,“ sagt Dr. Thaiss. Je nach Herkunft leisten Eltern unterschiedliche Aufklärungsarbeit:

  • Aktuell sprachen 63 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen deutscher Herkunft mit ihren Eltern über Verhütung, aber nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen aus Elternhäusern mit Migrationshintergrund.

Aber auch der Institution Schule kommt eine wichtige Aufgabe zu: Im Schnitt geben 93 Prozent der Jugendlichen an, Themen der Sexualaufklärung im Unterricht besprochen zu haben.

  • Auf die Frage nach der wichtigsten Bezugsperson im Rahmen ihrer Aufklärung gefragt, nennen Jungen Lehrer und Lehrerinnen an erster Stelle. Lehrer und Lehrerinnen sind gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund wichtige Bezugspersonen, weil ihnen vielfach die Eltern als Ansprechpartner fehlen.

Informationen zur Studie

Zum achten Mal wurden im Zeitraum Frühjahr bis Sommer 2014 im Auftrag der BZgA für die Studie 5.750 Interviews bundesweit geführt. 3.500 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren sowie deren Eltern und 2.250 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren wurden zu ihrer Einstellung und ihrem Verhalten zu Fragen der Sexualität und Verhütung befragt. 1.750 davon mit Migrationshintergrund. Damit sind Jugendliche und junge Erwachsene gemeint, die selbst nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder bei denen mindestens einer der Elternteile bei Geburt nichtdeutscher Staatsangehöriger war.

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Ostmerheimer Str. 220
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Deutschland
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Dr. Marita Völker-Albert

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Konsequente Blutdruckkontrolle: 120/80mmHG? Mehr Wirkstoffe einnehmen?

Medizin am Abend Berlin Fazit:   „Jugendlicher“ Blutdruck im Alter schützt auch vor Schlaganfall


Die meisten Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, hatten zuvor über viele Jahre einen erhöhten Blutdruck. Eine konsequente Blutdruckkontrolle ist deshalb die beste Präventivmaßnahme, um Behinderungen zu reduzieren oder einen vorzeitigen Tod durch einen Schlaganfall zu verhindern, empfehlen die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). 

Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der US-amerikanischen SPRINT-Studie zeigen, dass auch ältere Menschen einen „jugendlichen“ Blutdruck anstreben sollten. 
 
  • Ein gesunder jüngerer Mensch hat einen Blutdruck von 120 zu 80 mm Hg. 
  • Bei den meisten Menschen steigen mit zunehmendem Alter die Blutdruckwerte langsam an. 

Das lässt sich mit Medikamenten ausgleichen.

„Früher galt die Regel, dass der obere Wert 100 plus dem Lebensalter entsprechen darf“, sagt DSG-Pressesprecher, Professor Dr. med. Joachim Röther, Chefarzt an der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona:

 „Für einen 60-Jährigen wurde deshalb ein oberer Wert von 160 mm Hg als normal, ja sogar gesund angesehen.“

Auch in den Leitlinien werden relativ hohe Werte toleriert. Das „Joint National Committee“ (JNC 8), das in den USA Leitlinien zur Blutdruckkontrolle herausgibt, vertrat noch im vergangenen Jahr die Ansicht, dass bei Menschen über 60 ein Blutdruck bis 150/90 mm Hg toleriert werden sollte. „Die Begründung lautete, dass die Blutdrucksenkung im Alter schwierig und der Nutzen einer aggressiven Blutdrucksenkung nicht belegt sei“, erinnert sich Professor Röther.

Diese Haltung wird nach Ansicht des Experten jetzt durch die Ergebnisse der SPRINT-Studie relativiert.

An der Studie hatten mehr als 9000 Hochdruckpatienten im Alter über 50 Jahre teilgenommen (keine Diabetiker).

Bei der Hälfte strebten die Ärzte eine Blutdrucksenkung auf den Wert von 120 mm Hg an, bei der anderen Hälfte waren 140 mm Hg der Zielwert.

Die jetzt auf der Jahrestagung der American Heart Association in Orlando/Florida vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die intensivere Blutdruckkontrolle bereits nach wenigen Jahren die Zahl der Herz-Kreislauf-Ereignisse um 25 Prozent und die Zahl der Herz-Kreislauf-Todesfälle um 43 Prozent vermindert hat.

  • Zwar kam es in der Patientengruppe mit niedrigem Blutdruck zu einer höheren Rate an Hypotension (niedrigem Blutdruck), Synkopen (plötzlicher Bewusstlosigkeit) und Nierenfunktionsstörungen, aber die positiven Effekte waren so eindrucksvoll, dass die Studie vorzeitig beendet wurde. 

 Professor Röther: „Dies wird in den USA und sicherlich auch in Deutschland zu einer Veränderung der Empfehlungen führen.“

„Die konsequente Normalisierung der Blutdruckwerte wird langfristig auch die Zahl der Schlaganfälle senken“, vermutet Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen.

 „In der SPRINT-Studie nahm die Zahl der Schlaganfälle zwar nur um 11 Prozent ab und der Unterschied war statistisch nicht signifikant“, berichtet der Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Dieser geringe Einfluss könnte jedoch mit der kurzen Beobachtungszeit von etwas über drei Jahren zusammenhängen, so Professor Diener:

  • „Die meisten Schlaganfälle sind die Folge einer allmählichen Gefäßverkalkung in den Hals- und Hirnarterien, die sich über viele Jahre entwickelt. Viele Langzeitstudien zeigen, dass ein normaler Blutdruck der beste Schutz vor einem Schlaganfall ist.“

Zwar wurden Schlaganfallpatienten nicht in die SPRINT-Studie eingeschlossen, dennoch vermutet Professor Röther, dass sich niedrigere Zielwerte langsam durchsetzen werden.

„Es wird sicher nicht gleich eine generelle Empfehlung für einen Zielwert unter 120 mm Hg systolisch geben, aber die JNC 8 Empfehlung, Patienten älter als 60 Jahre erst ab einem Blutdruck von 150 mm Hg zu behandeln, dürfte wieder vom Tisch sein. 

Wir werden die Patienten allerdings auch überzeugen müssen, mehr Wirkstoffe als bisher einzunehmen“, sagt der DSG-Pressesprecher.

Am langfristigen Nutzen ist aus Sicht der beiden Experten nicht zu zweifeln. In den Industrieländern, in denen die Blutdruckkontrolle sehr ernst genommen wird und entsprechend weit verbreitet ist, sei die Zahl der Schlaganfälle gesunken.


Literatur:
The SPRINT Research Group: A Randomized Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control. NEJM, November 9, 2015DOI: 10.1056/NEJMoa1511939

http://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1511939


 
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Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften


Prof. Dr. med. Joachim Röther
Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Chefarzt Neurologische Abteilung, Asklepios Klinik Altona, Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
Tel.: +49 (0)40-181881-1401, E-Mail: j.roether@asklepios.com

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen, Hufelandstr. 55, 45122 Essen
Tel.: +49 (0)201-7232460, E-Mail: h.diener@uni-essen.de

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
Dagmar Arnold
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
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360°TOP-Patienten-Thema: Vergleich von AK-DES mit DES: Deine geplanten Stents sind....?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Medikamentenfreisetzende AK-Stents bei koronarer Herzkrankheit: Kein Anhaltspunkt für Nutzen

Patientenrelevanter Nutzen von medikamentenbeschichteten AK-Stents ist unklar / Datenlage bei den meisten Endpunkten unzureichend 
 
  • Nach wie vor unklar ist der Nutzen einer Behandlung mit antikörperbeschichteten, medikamentenfreisetzenden Stents (AK-DES) im Vergleich zu allein medikamentenfreisetzenden Stents (DES) bei Patientinnen und Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK), die eine Stent-Implantation benötigen. 

Zu diesem Ergebnis kommt ein am 20. November 2015 veröffentlichter Abschlussbericht, den das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erstellt hat.

Die beiden einzigen Studien zum Vergleich von AK-DES mit DES waren zu klein, um verlässliche Aussagen zu patientenrelevanten Endpunkten abzuleiten, und die Datenlage für die meisten Endpunkte ist unzureichend.

Vergleichsstudien mit anderen Behandlungsoptionen als DES ließen sich nicht identifizieren. Auch das Stellungnahmeverfahren nach dem Vorbericht brachte keinen Zugewinn an Erkenntnissen. Deshalb gibt es keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen von AK-DES im Vergleich zu DES.

AK-DES sollen Blutverdünnung überflüssig machen

AK-DES sind auf ihrer Außenseite (zur Gefäßwand hin) mit Medikamenten zur Immunsuppression beschichtet und auf ihrer Innenseite (zur Gefäßinnenseite hin) mit Antikörpern, um das Anwachsen von Endothelzellen auf den Stent-Streben zu fördern.

  • Dadurch soll sich die Dauer der Behandlung mit Blutverdünnern verkürzen lassen, ohne das Risiko einer erneuten Gefäßverengung (Restenose) oder einer Gerinnselbildung (Thrombose) zu erhöhen.

Die Behandlung mit Blutverdünnern über mehrere Monate hinweg ist nach DES-Implantation Standard, kann aber bei bestimmten Patientengruppen problematisch sein, z. B. wenn eine größere Operation bevorsteht.

Auch wenn ein Patient bereits wegen einer anderen Erkrankung Tabletten zur Blutverdünnung dauerhaft einnehmen muss, ist eine DES-Implantation oft nicht ratsam, weil dann in der Regel gleich drei Medikamente zur Blutverdünnung parallel notwendig würden. 

  • Daher wäre es hilfreich, wenn es Stents gäbe, die die Wirksamkeit von DES besäßen, jedoch keine längerfristige Blutverdünnung erforderten.
  •  
Verfügbare Studien liefern keine relevanten Unterschiede

Die Ergebnisse in den beiden einzigen verfügbaren Studien REMEDEE und REMEDEE OCT liefern keine relevanten Unterschiede zwischen AK-DES (Handelsname Combo) im Vergleich zu Stents verschiedener Hersteller, die allein mit Medikamenten beschichtet sind (DES).

In REMEDEE sollte gezeigt werden, dass AK-DES (bei 124 Patienten) den DES in der Kontrollgruppe (mit 59 Patienten) nicht unterlegen sind. In REMEDEE OCT sollte die Überlegenheit von AK-DES (bei 29 Teilnehmern) gegenüber DES (bei 31 Teilnehmern) gezeigt werden. Auf den patientenrelevanten Nutzen war keine der beiden Studien ausgerichtet, sondern auf das Einwachsverhalten des AK-DES im Vergleich zu DES.

  • Die beiden Studien liefern zwar Daten zu den patientenrelevanten Endpunkten Sterblichkeit, Herzinfarkt, kardiale Bypass-Operation, Gesamtrate schwerwiegender Nebenwirkungen, Gefäßkomplikationen, zerebrovaskuläre Ereignisse und Blutungen. 

Allerdings ist die Datenlage zu mehreren Endpunkten unzureichend und in vielerlei Hinsicht unsicher. Aufgrund der unterschiedlichen Medikamentenbeschichtung der verschiedenen DES-Typen ist auch unklar, welchen Anteil die AK-Beschichtung tatsächlich an den Studienergebnissen hat.

Nutzen oder Schaden im Vergleich zu DES unklar

Welchen Nutzen oder Schaden die neue Stent-Generation AK-DES also im Vergleich zu DES für Patientinnen und Patienten bringt, bei denen aufgrund einer KHK eine Stent-Implantation angezeigt ist, bleibt weiterhin unklar.

Aus einer Bewertung des IQWiG im Oktober 2012 (Rapid Report N12-01) ergaben sich für Patientinnen und mit Patienten hohem Restenose-Risiko Hinweise auf einen geringeren Nutzen von AK-Stents, die allein mit Antikörpern beschichtet sind, im Vergleich zu DES.

  • Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) schloss daraufhin im März 2013 die Erstattung von AK-Stent-Implantationen bei solchen Patienten, bei denen auch ein DES-Einsatz in Betracht kommt, durch die gesetzlichen Krankenversicherungen aus.

Offen ist, ob die zurzeit noch laufenden Studien HARMONEE und RECOVERY die Frage nach dem Nutzen und Schaden von AK-DES im Vergleich zu DES für Patientinnen und Patienten mit KHK und Indikation für einen Stent beantworten können. Keine der laufenden Studien ist auf den patientenrelevanten Nutzen ausgerichtet.

DES dominieren Stent-Implantationen bei KHK-Patienten

Im Jahr 2013 wurde in Deutschland bei knapp 80 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einer Indikation zur Stent-Implantation ein DES verwendet, bei den restlichen 20 Prozent kamen reine Metallstents (BMS) zum Einsatz.

  • Die BMS eignen sich vor allem dann, wenn eine Behandlung mit Blutverdünnern aufgrund der Begleiterkrankungen des Patienten problematisch ist. 

  • AK-DES spielen dagegen bisher keine relevante Rolle in der klinischen Versorgung und finden beispielsweise weder in deutschen noch in internationalen Leitlinien größere Beachtung.

Ein Grund für die steigende Zahl von Stent-Implantationen ist u. a. die ständige Weiterentwicklung der Stents. „Es zeigt sich, dass moderne DES zunehmend auch Verwendung bei Patienten finden, die früher ausschließlich mit BMS behandelt wurden“, erläutert Stefan Sauerland, Leiter des Ressorts Nichtmedikamentöse Verfahren beim IQWiG, die Versorgungssituation.

„Die Eigenschaften von DES der zweiten Generation ändern allmählich auch die Empfehlungen zur Dauer der notwendigen dualen Antiplättchentherapie im Anschluss an die Implantation: 

  • Die verkürzte Einnahme von Blutverdünnern erhöht die Zahl der Patienten, die für eine DES-Implantation infrage kommen – und senkt damit den Bedarf für AK-DES.“
Zum Ablauf der Berichtserstellung

Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG im Juli 2015 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht im September 2015 an den Auftraggeber versandt. Die eingereichten schriftlichen Stellungnahmen werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.

Einen Überblick über Hintergrund, Vorgehensweise und weitere Ergebnisse des Abschlussberichts gibt die Kurzfassung.

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Dr. Anna-Sabine Ernst
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)



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Qualität trifft Ökonomie: Deine Notaufnahme/Rettungsstelle in Deiner Nähe

Medizin am Abend Berlin Fazit:   DIVI fordert deutlich höheren Stellenwert für Notaufnahmen

Es kann so schnell gehen. Nur eine Sekunde nicht aufgepasst und man baut einen Autounfall, hat einen Fahrradcrash oder zieht sich eine schlimme Verletzung im Haushalt zu. 

Mehr als 20 Millionen Menschen müssen jedes Jahr in eine Notaufnahme, um sich behandeln zu lassen. 

Sie hoffen auf schnelle Hilfe und die bekommen sie auch. Doch das kostet Geld. Damit die Notfallversorgung zukünftig in Deutschland nicht weiter leidet, muss dringend etwas geschehen. Deshalb läuft der DIVI-Kongress 2015, der vom 02. bis 04.12.2015 in Leipzig stattfindet, auch unter dem Motto „Qualität trifft Ökonomie“. 
 
„Wenn ökonomische Zwänge zu schlechterer Qualität führen, kann das in einem Desaster enden, wie man jetzt bei VW sieht“, sagt Professor Andreas Seekamp, Sprecher der Sektion Interdisziplinäre Notaufnahme der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie Präsident des diesjährigen DIVI-Kongresses.

 „In der Medizin darf so etwas nicht passieren. Ein Autobauer kann einen Rückruf starten, wir haben dann oft nur den Nachruf.“

Das größte Problem: Die Notfallversorgung ist chronisch unterfinanziert. 

Krankenkassen schlagen zwar eine Querfinanzierung über die stationären Fälle vor, doch das deckt bei weitem nicht die Kosten.

Die Folge: Für die Kliniken ist die Notfallversorgung ein Minusgeschäft.

Laut einer Studie bekommt ein Krankenhaus pro Notfall im Durchschnitt 32 Euro, die Kosten liegen aber bei 126 Euro. 
„So entwickeln sich die Notfallstationen zu einer Bad Bank für die Krankenhäuser und das darf natürlich nicht sein“, sagt der Experte, der Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel ist. „Aufgrund der Unterfinanzierung entsteht ein Personalmangel und das, obwohl qualifizierte Ärzte grundsätzlich zur Verfügung stehen.“

„Unter ökonomischen Gesichtspunkten könnte man z.B. erwägen, regionale Notfallzentren einzurichten, anstatt in Flächenstaaten mit wenig Bevölkerung, wie Schleswig Holstein, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern, unrentable Kliniken zu betreiben, nur damit eine Notfallversorgung sicher gestellt ist“, sagt Professor Seekamp.

„Sie können Patienten aufnehmen und dann gezielt weiterleiten.“ Als Vorbild dient hier das Traumanetzwerk, das sich um die Versorgung von Unfallverletzten kümmert. Dabei kommt die so genannte Triagierung zur Anwendung. Dabei handelt es sich um eine Abstufung der Schweregrade von Verletzungen. Kleine Häuser behandeln leichte Verletzungen, schwere und schwerste Verletzungen kommen in größere Kliniken. „Die Transportwege sind dabei heute kein Problem mehr“, sagt der DIVI-Sektionssprecher. „Wir können in ganz Deutschland den Luftweg nutzen. Fakt ist, dass wir an ökonomischen Zwängen nicht vorbeikommen.

Medizin muss auch wirtschaftlich sein und nicht jedes Krankenhaus braucht eine Notaufnahme.“

Hoffnung macht jetzt das neue Krankenhausstrukturgesetz, das zum 1. Januar 2016 in Kraft treten soll. Es verbessert die Wertigkeit der Notaufnahmen. Allerdings nur dann, wenn auch alle Punkte umgesetzt werden. Zu den wichtigsten Zielen zählen eine flächendeckende Verbesserung und nachhaltige Finanzierung der ambulanten, präklinischen und klinischen Versorgung von Patienten mit akuten Erkrankungen und Verletzungen, die eine rasche und kompetente Versorgung erfordern. Das ist nur möglich, wenn der Notfallmedizin eine angemessene Priorität im Gesundheitswesen eingeräumt wird.

Wichtige von der DIVI in diesem Zusammenhang geforderte Punkte sind: Eine notfallmedizinische Versorgung, die schwerpunktmäßig in klinischen oder ambulanten interdisziplinären Notfallzentren mit enger Anbindung der kassenärztlichen Notdienste, der Notärzte und des Rettungsdienstes erfolgt. Diese Notfallzentren könnten in drei Kategorien unterteilt werden. Zur Kategorie I zählen überregionale Zentren und zur Kategorie II gehören regionale Versorgungskrankenhäuser mit eingeschränkter Anzahl an stationären Fachabteilungen. Zur Kategorie III schließlich zählen ambulante Versorgungszentren, z.B. in ländlichen Gebieten ohne eigenes Krankenhaus. Diese Notfallzentren müssen mit den klinischen Notfallzentren der Kategorie I und II auf vereinbarten Wegen kooperieren. „Die Entscheidung für eine ambulante oder stationäre Behandlung muss dabei grundsätzlich nach medizinischen und darf nicht nach primär wirtschaftlichen Kriterien erfolgen“, fordert Professor Seekamp. „Selbstverständlich müssen unnötige stationäre Aufnahmen vermieden werden. Notwendige stationäre Aufnahmen dürfen dagegen von den angeschlossenen Krankenhäusern nicht verzögert oder gar verweigert werden. Es muss eine Übernahmepflicht bestehen und im stationären Bereich müssen ausreichende Kontingente für Notfallpatienten eingeplant werden.“

DIVI-Kongress 2015 „Qualität trifft Ökonomie“
Das Thema „Notfallversorgung“ ist einer der Schwerpunkte des DIVI-Kongresses 2015, der vom 02. bis 04.12. im CCL Congress Center in Leipzig stattfindet. In Anbetracht der 15. Veranstaltung kann man von einem kleinen Jubiläum sprechen. Ein Grund für das wachsende Interesse an der DIVI insgesamt ist, dass Medizin heute mehr als je zuvor interdisziplinär betrieben wird und die Notfall- und Intensivmedizin dafür ein Paradebeispiel darstellt.

Mehr als 500 Vorträge und 40 verschiedene praktische Workshops stehen in den drei Tagen unter dem diesjährigem Motto „Qualität trifft Ökonomie“ auf dem Programm. Zudem kann sich das Fachpublikum in Live-Demonstrationen z.B. über Intensiv-Telemedizin informieren oder an Führungen durch eine Neonatologische Intensivstation teilnehmen.

Aus aktuellem Anlass wird auch Flüchtlingshilfe und deren medizinische Herausforderungen ?in einer eigenen Sitzung " Bewältigung der Flüchtlingswelle" thematisiert. In drei Vorträgen stellen Vertreter des Landes Schleswig-Holstein, des dortigen Universitätsklinikums und des Friedrich-Ebert-Krankenhauses ihre praktischen Erfahrungen vor.

Spannende News sind auch eine hochkarätig besetzte Delegation aus China zum diesjährigen Kongress. Sie wird in der "Präsidentensitzung" am 03.12. über die chinesische Intensiv- und Notfallmedizin berichten. Die DIVI betrachtet diesen Besuch als Auftakt für eine internationale Kooperation entsprechend § 2 der DIVI-Satzung. Ein Entwurf für ein Kooperationsabkommen in der Intensivmedizin und Notfallmedizin zwischen der DIVI und der HHRDC liegt bereits vor. Die HHRDC (The Health Human Development Center) ist eine Institution im chinesischen öffentlichen Gesundheitswesen, die für die Personalqualifikation und -entwicklung zuständig ist. Geplant sind u.a. gegenseitige Hospitationen und Einladungen zu Tagungen und Vorträgen.

Am 03. und 04.12. führt die Feuerwehr Leipzig jeweils von 12:00 bis 12:30 Uhr eine Höhenrettung im Atrium des CCL durch und die Bundeswehr präsentiert jeweils von 10:00 bis 10:30 Uhr auf einem eigenen Stand die praktische Arbeit der Sanitätskräfte im Einsatz. Kongressteilnehmer können außerdem eine Intensivrettung an Bord eines Hubschraubers erleben, zu der wir auch die Presse herzlich einladen. Ein weiterer Höhepunkt des Kongresses und mittlerweile schöne Tradition ist der DIVI Charity Lauf am 04.12., dessen Erlös an die Organisation „Kinderhilfe Organtransplantation – Sportler für Organspende e.V.“ geht. Schirmherr des Laufes ist der Olympiasieger im Gehen Hartwig Gauder, der selbst seit 1997 ein Spenderherz hat.

DIVI weltweit einzigartig
Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 2000 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften und persönlichen Mitgliedern.

Der Experte der DIVI:
Professor Andreas Seekamp ist Sprecher der DIVI-Sektion „Interdisziplinäre Notaufnahme“ und Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

Gerne vermitteln wir Ihnen unseren Experten für Ihre Anfragen und Interviews sowie Bildmaterial. Um Belegsendung wird im Veröffentlichungsfall gebeten.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 

Larissa Vogt
Luisenstraße 45
10117 Berlin
Telefon: 0173/6194422
E-Mail: pressestelle@divi-org.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.divi2015.de
Webseite zum 15. Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

http://www.divi.de
Webseite der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2015/bilder/hu_Spermium_wnt-Rezeptor.jpg

Kehlkopfentfernung - Kehlkopfkrebs

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Erste totale Kehlkopfentfernung mit dem Da-Vinci-Roboter in der Schweiz

Erstmals in der Schweiz haben Ärzte des UniversitätsSpitals Zürich eine totale Kehlkopfentfernung mit dem Da-Vinci-Operationsroboter durchgeführt. Für die Patienten bringt der Eingriff mittels Roboter einige Vorteile. Für die Ärzte bedeutet er einen weiteren Schritt zur besseren Patientenversorgung. 

 Bildlegende: Erstmals in der Schweiz führten Ärzte des UniversitätsSpitals Zürich eine totale Kehlkopfentfernung mit dem Da-Vinci-Operationsroboter durch.
Bildlegende: Erstmals in der Schweiz führten Ärzte des UniversitätsSpitals Zürich eine totale Kehlkopfentfernung mit dem Da-Vinci-Operationsroboter durch. USZ
 
Kehlkopfkrebs wird aufgrund von ersten Symptomen (Heiserkeit) meistens früh diagnostiziert und eine organ- und funktionserhaltende Behandlung ist möglich.

 In fortgeschrittenen Stadien oder aber bei Nichtansprechen auf eine Radio(chemo)therapie ist eine organerhaltende Therapie nicht mehr möglich und die vollständige Entfernung des Kehlkopfs (Laryngektomie) wird meistens unumgänglich.

Der Zugang zum Kehlkopf erfolgt dabei über einen grossen Halsschnitt.

Die Operation und der mit der Kehlkopfentfernung verbundene Verlust der normalen Stimme sowie die bleibende Öffnung der Luftröhre am Hals (ein sog. Tracheostoma) sind eine schwere Belastung für die Patienten.

Ein Team um PD Dr. Gerhard Huber von der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des UniversitätsSpitals Zürich hat Ende Juli 2015 zum ersten Mal in der Schweiz zur totalen Entfernung eines Kehlkopfes bei einer 77-jährigen Patientin den Da-Vinci-Roboter eingesetzt.

  • Die Operation erfolgte damit ohne den sonst nötigen Halsschnitt. 

Der Tumor konnte mit dem Roboter vollständig entfernt werden, der Patientin geht es postoperativ gut.

Aus der Sicht von Gerhard Huber bringt die Methode für gewisse Patienten Vorteile:

  • «Die Entfernung des Kehlkopfes ist insgesamt weniger belastend und die Patienten können nach der Operation rascher schlucken und das Training mit der Ersatzstimme aufnehmen als bei einem Halsschnitt. 

Für die Ärzte ist mit dem Da-Vinci-Roboter der Zugang zu tief liegenden, sonst nur schwer erreichbaren Bereichen möglich. Durch die Kamera beim Operationsort ist die Sicht besser, was für die vollständige Entfernung von Tumoren entscheidend ist.» Noch ist die Methode nur für ausgewählte Fälle geeignet, beispielsweise wenn der Tumor klar auf den Kehlkopf begrenzt ist.

Der Da-Vinci-Roboter wird zwar schon seit einigen Jahren vermehrt auch bei Operationen im Kopf- und Halsbereich eingesetzt, um an unzugänglichen Stellen zu operieren.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind jedoch beschränkt, weil die Instrumente für diesen Bereich noch recht gross und die Operationen dadurch anspruchsvoll sind. Seit einiger Zeit sind feinere Instrumente in der Entwicklung, welche die Anwendung des Da-Vinci-Roboters auf weitere Bereiche und Patientengruppen ausweiten werden. «In absehbarer Zeit werden deshalb noch viel mehr Patientinnen und Patienten von dieser Methode profitieren können.

Die Laryngektomie mit dem Da-Vinci-Roboter ist eine wichtige Erfahrung auf diesem Weg», so Huber. «Und für die betroffene Patientin war sie die beste Wahl.»



Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 

PD Dr. Gerhard Huber
UniversitätsSpital Zürich, Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie
gerry.huber@usz.ch, +41 044 255 58 69
sic. phil. Martina Pletscher Unternehmenskommunikation
UniversitätsSpital Zürich