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Tb- Erreger - Tuberkulose - optimale Behandlung - Einladung Land Berlin gebaute Röntgenmobil

Medizin am Abend Fazit:  Durchbruch in der Tuberkuloseforschung: Erbgut des Erregers als Schlüssel für optimale Behandlung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Forschungszentrums Borstel, des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, des Oxford Biomedical Research Centre und des South African National Institute for Communicable Diseases haben eine neue genetische Methode entwickelt, mit der sie nicht nur voraussagen können, gegen welche Antibiotika Resistenzen bestehen, sondern auch welche Präparate gegen den jeweiligen Tuberkulose (Tb-)-Erreger wirksam sind. Die Ergebnisse sind am 24. Juni in der Onlineausgabe der internationalen Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht worden.

http://inflammation-at-interfaces.de/de/newsroom/aktuelles/2015xxxtuberkulosesequenzieren.jpg

Thomas Kohl vom FZB bei der Vorbereitung für die Genomsequenzierung.
Foto/Copyright: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung/scienceRELATIONS
 
Der Nachweis von Tb-Erregern und die genaue Ermittlung von Antibiotikaresistenzen erfolgt bisher in Kulturverfahren. 

Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales

Einladung Fototermin: Neuer Röntgenbus zur TBC-Untersuchung der Flüchtlinge im Einsatz

Seit dem 1. Juli 2015 ist das eigens für das Land Berlin gebaute Röntgenmobil im Einsatz. Mit dem Mobil gibt es nun den zweiten Röntgenstandort des Zentrums für tuberkulosekranke und –gefährdete Menschen in Lichtenberg. Es steht auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales. Es können nun deutlich mehr der in Berlin aufgenommenen Flüchtlinge direkt beim LAGeSo auf TBC untersucht werden und das Zentrum in Lichtenberg wird entlastet.

Die mobile neue Röntgeneinrichtung möchten wir Ihnen im Rahmen eines Presse- und Fototermins vorstellen. Daran werden Senator Mario Czaja und die Gesundheitsstadträtin des Bezirks Lichtenberg Dr. Sandra Obermeyer teilnehmen.

Zeit:
Donnerstag, 9. Juli 2015
11:30 Uhr

Ort:
Landesamt für Gesundheit und Soziales, gegenüber Haus A
Turmstr. 21, 10559 Berlin.

Rückfragen: Telefon: (030) 9028-1135

Diese Methode benötigt bis zu sechs Wochen, bis ein Ergebnis vorliegt. 

Wertvolle Zeit, die häufig eine effektive Behandlung verzögert. Zudem sind die Kulturverfahren relativ fehleranfällig. Sie müssen sehr präzise sein, um verlässliche und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Solche optimalen Laborbedingungen sind jedoch insbesondere in Ländern mit hohen Tuberkuloseraten oft nicht vorhanden.

Auch die in den letzten 20 Jahren eingesetzten molekulardiagnostischen Schnelltests können lediglich eine Aussage über eine begrenzte Anzahl von Mutationen und die daraus resultierenden Resistenzen treffen.

„Wir wollten einen Schritt weitergehen und therapeutische Hinweise geben, welche Kombination von Antibiotika sich zur Behandlung eines bestimmten Erregers eignen“, fasst Professor Stefan Niemann, Leiter der Forschungsgruppe Molekulare Mykobakteriologie am Forschungszentrum Borstel und Mitglied des Exzellenzclusters Entzündungsforschung, den Forschungsansatz zusammen.

„Wir bewegen uns dazu von 130 Jahren Tb-Kultivierung zu einer neuen, digitalen Ära in der Mikrobiologie.“

Dazu untersuchte das Team mittels Gesamtgenomsequenzierung das Erbgut von rund 3500 Tb-Stämmen. Die Forscherinnen und Forscher konzentrierten sich dabei auf Veränderungen im Erbgut, die sie mit Antibiotikaresistenzen und -Empfindlichkeit in Verbindung bringen können. „Wir haben eine Art Lexikon für Mutationen im Erbgut der Tb-Erreger ermittelt“, erklärt Niemann.

Findet man Veränderungen im genetischen Code eines Erregers, sind bestimmte Medikamente nicht mehr wirksam und sollten daher nicht für die Therapie verwendet werden.

Das ist ein enormer Fortschritt, insbesondere für die Behandlung von multiresistenten Erregern!“

Bis die Methode im praktischen Arbeitsalltag von Medizinerinnen und Medizinern angewendet werden kann, dauert es aber noch etwas. Dennoch habe die Methode großes Potential, glaubt Dr. Thomas Kohl, Zweitautor der Publikation:

„Auf längere Sicht ist die Genomanalyse erheblich einfacher durchzuführen und kostengünstiger als konventionelle Verfahren. Vor allem im Hinblick auf die EndTB-Strategie der WHO, die vorsieht, dass die Tuberkulose bis zum Jahr 2035 erfolgreich eliminiert werden soll, sind diese neuen diagnostischen Ansätze von großer Bedeutung.“

Tuberkulose (Tb) ist die weltweit häufigste tödliche Infektionskrankheit. 

Vermutlich ist etwa ein Drittel der Menschen weltweit mit dem Erreger infiziert. Bei den meisten Betroffenen bricht die Tuberkulose aber nie aus.  

Pro Jahr erkranken 9 Millionen Menschen an Tb – ca. 1,5 Millionen sterben an den Folgen dieser Krankheit. Insbesondere die stark zunehmenden Antibiotikaresistenzen der Erreger sind dabei ein immenses Problem. 

Diese verlängern die Behandlungsdauer erheblich und verursachen hohe Kosten.

Originalarbeit:

Walker, TM, Kohl, TA, Omar, SV, Hedge, J, Elias, CDO, Bradley, P, Iqbal, Z, Feuerriegel, S, Niehaus, KE, Wilson, DJ, Clifton, DA, Kapatai, G, Ip, C, Bowden, R, Drobniewski, FA, Allix-Béguec, C, Gaudin, C, Parkhill, J, Diel, R, Supply, P, Crook, DW, Smith, EG, Walker, AS, Ismail, N, Niemann, S, Peto, TEA und Modernizing Medical Microbiology (MMM) Informatics Group (2015): Whole-genome sequencing for prediction of Mycobacterium
tuberculosis drug susceptibility and resistance: a retrospective cohort study. The Lancet Infectious Diseases, http://dx.doi.org/10.1016/S1473-3099(15)00062-6 (ab 24. Juni, 1:00 Uhr MESZ)

Medizin am Abend DirektKontakt

Professor Dr. Stefan Niemann
Forschungszentrum Borstel/ Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
Tel.: 04537/ 188-7620
E-Mail: sniemann@fz-borstel.de

Dr. Tebke Böschen
Telefon: (0431) 880-4682, E-Mail: tboeschen@uv.uni-kiel.de
Internet: www.inflammation-at-interfaces.de

Britta Weller
Telefon: (04537)188-2890, Email: bweller@fz-borstel.de
Internet: www.fz-borstel.de

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch rele vante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an.
Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi - , mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam.

Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.100 Personen, darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,64 Milliarden Euro.

Der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces/Entzündungsforschung“ wird seit 2007 durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit einem Gesamtbudget von 68 Millionen Euro gefördert; derzeit befindet er sich in der zweiten Förderphase. Die rund 300 Clustermitglieder an den insgesamt vier Standorten: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Lübeck (Universität zu Lübeck, UKSH), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften) forschen in einem innovativen, systemischen Ansatz an dem Phänomen Entzündung, das alle Barriereorgane wie Darm, Lunge und Haut befallen kann.

Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Wissenschaftliche Geschäftsstelle, Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Telefon: (0431) 880-4850, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: spetermann@uv.uni-kiel.de

360° TOP-Thema: Hirntumore - navigierte transkranielle magnetzstimulation nTMS

Medizin am Abend Fazit:   Hirntumore: Millimeter um Millimeter zu einer besseren Prognose

Seit einigen Jahren gewinnt eine Methode in der Neurochirurgie immer stärker an Bedeutung: die navigierte transkranielle Magnetstimulation (nTMS). Sie wird unter anderem verwendet, um Gehirntumore vor der Operation bestmöglich zu kartieren und um zu testen, ob wichtige Hirnbereiche zum Beispiel für Bewegung oder Sprache betroffen sind. Mediziner der Technischen Universität München (TUM) zeigten jetzt, dass eine nTMS-Analyse für Bewegungsareale vor der Operation die Prognose von Patienten mit bösartigen Hirntumoren verbesserte. 

 
Mit der nTMS lassen sich auf vier Millimeter genau untersuchen, welche Hirnbereiche Bewegung oder Sprache steuern. „Das ist vor allem deshalb wichtig, damit bei Patienten Tumore möglichst ohne Beeinträchtigung von funktionellen Bereichen operiert, aber gleichzeitig großflächig entfernt werden können.“, erklärt Dr. Sandro Krieg, Arbeitsgruppenleiter an der Neurochirurgischen Klinik am TUM Universitätsklinikum rechts der Isar und Leiter der Studie. Die Kartierung für jeden Patienten ist auch deshalb notwendig, weil durch den Tumor wichtige Hirnareale von ihrem ursprünglichen Ort verdrängt werden können.

Karte für wichtige Bewegungsregionen

Um mit der nTMS-Methode Bewegungsareale zu ermitteln, tastet der Arzt mit einer Magnetspule feste Positionspunkte am Kopf ab. Die Spule erzeugt dabei schmerzlos kurze Stromimpulse, die an diesen Positionen Nervenzellen im Gehirn stimulieren. Aktiviert der Stromstoß an einem bestimmten Punkt Nervenzellen, die Muskelbewegungen auslösen, können die Wissenschaftler die Muskelaktivitäten mit Hilfe von Elektroden an Armen und Beinen des Patienten messen. Diese Position gilt dann als essentieller Punkt für Bewegungsabläufe.

Bis zu 150 einzelne Positionspunkte pro Patient werden dabei analysiert und kartiert. „So können wir rund um den Tumor eine Karte von wichtigen Bewegungsarealen und Nervenbahnen erstellen. Bei der OP liefern uns diese Daten eine sehr gute Orientierungshilfe, wo wir schneiden dürfen und wo nicht“, erklärt Krieg. Seit 2010 wird die Methode am Klinikum rechts der Isar eingesetzt.

nTMS-Untersuchung verbessert Prognose von Patienten

In ihrer aktuellen Studie untersuchten und kartierten Sandro Krieg und sein Team Bewegungsareale bei Patienten mit hochmalignen Gliomen (high-grade gliomas, HGG), die meist eine schlechte Prognose haben. Sie verglichen dabei zwei Personengruppen: 70 Probanden, die vor der Operation eine nTMS-Analyse bekommen hatten und 70 Patienten, die noch zu einer Zeit eine Tumoroperation erhielten, als nTMS in der Klinik nicht standardmäßig eingesetzt wurde.

Die Studienergebnisse zeigten, welche Vorteile die nTMS-Kartierung für die Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe bot: bei den Patienten mit nTMS-Analyse mussten weniger große Schädeleröffnungen durchgeführt werden und es blieben nach dem Eingriff seltener Tumorreste zurück. Zudem war ihr Klinikaufenthalt im Durchschnitt zwei Tage kürzer. Da auch der allgemeine Gesundheitszustand bei den nTMS-behandelten Patienten besser war, konnten anschließend mehr von ihnen eine Radiotherapie erhalten. Vor allem aber lebten die Patienten um einige Monate länger als die Kontrollgruppe.

„Wir müssen die Ergebnisse sicherlich mit größeren Patientengruppen bestätigen, aber ein wichtiger Punkt zeigt sich deutlich: Eine Kartierung des Tumors vor der Operation beeinflusst viele Aspekte des Eingriffs positiv“, kommentiert Krieg die Ergebnisse und ergänzt: „Manche Tumore, die sonst als inoperabel gelten, können durch diese Methodik doch entfernt werden.“

Protokolle für nTMS weiterentwickeln

Für die Zukunft ist das Ziel der Wissenschaftler, die Standardprotokolle für nTMS zu verbessern und zum Beispiel die Kartierung von Sprachregionen weiterzuentwickeln. In einer aktuellen Studie zeigten die Forscher bereits, dass ein Test mit Benennung von Objekten für die Analyse von Sprachzentren im Gehirn die zuverlässigste Methode ist. „Auch Sprachregionen lassen sich mit nTMS bereits kartieren, sind aber es sehr viel komplexer als die Bewegungsareale. Hier wollen wir höhere Standards schaffen, um Patienten mit Tumoren in diesen Regionen bestmöglich zu helfen“, so der Wissenschaftler.


Originalpublikationen

S. M. Krieg, N. Sollman, T. Obermüller, J. Sabih, L. Bulubas, C. Negwer, T. Moser, D. Droese, T. Boeckh-Behrens, F. Ringel, B. Meyer, Changing the clinical course of glioma patients by preoperative motor mapping with navigated transcranial magnetic brain stimulation, BMC Cancer, April 2015.
DOI: 10.1186/s12885-015-1258-1

T. Hauck, N. Tanigawa, M. Probst, A. Wohlschlaeger, S. Ille, N. Sollmann, S. Maurer, C. Zimmer, F. Ringel, B. Meyer, S. M. Krieg, Task Type Affects Location of Language-Positive Cortical Regions by Repetitive Navigated Transcranial Magnetic Stimulation Mapping, PLOSone, April 2015.
DOI: 10.1371/journal.pone.0125298


Medizin am Abend DirektKontakt

PD Dr. Sandro M. Krieg
Neurochirurgische Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Tel.: +49 170 - 2039430
sandro.krieg@lrz.tum.de
Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

Lymphome - Lymphdrüsenkrebs: Wie der Tumor Immunangriffe abwehrt

Medizin am Abend Fazit:   Forscher formulieren neue Therapieansätze

Natürliche Killerzellen des Immunsystems können bösartige Zellen beim Lymphdrüsenkrebs in Schach halten und gelten daher als ein vielversprechender Therapieansatz. 

Allerdings verlieren sie in der direkten Umgebung des Tumors ihre Wirkung. 

Bisher war nicht genau bekannt, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben nun untersucht, welche Mechanismen die Killerzellen blockieren und wie man diese aufheben könnte. 
 
Die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) sind Teil des Immunsystems und vermitteln eine angeborene Immunität gegen körperfremde sowie gegen veränderte körpereigene Strukturen. 

Das könnte auch für Tumorzellen gelten, gegen die der Körper dann immun wird wie gegen Krankheitserreger, etwa Viren. 

Tumoren der Lymphdrüsen, sogenannte Lymphome, sind bösartige Neubildungen, die von den B- oder T-Zellen des lymphatischen Systems ausgehen.

Die sogenannten B-Zell-Lymphome sind allerdings nur schwer zu behandeln – daher sind innovative therapeutische Ansätze gefragt.

Frühere Versuche hatten gezeigt, dass NK-Zellen prinzipiell in der Lage sind, B-Lymphomzellen anzugreifen und daher als Ansatz für neue Behandlungsstrategien gelten.

Allerdings zeigte sich im lebenden Organismus die Tumorkontrolle durch NK-Zellen stets deutlich eingeschränkt.

NK-Zellen zeigen in Tumornähe verminderte Funktionsfähigkeit

In seinen Versuchen fand das Team um Prof. Dr. Ralph Mocikat, Institut für Molekulare Immunologie am HelmholtzZentrum München, heraus, dass die NK-Zellen in der unmittelbaren Nähe des Tumors eine verminderte Funktion zeigten. Wurden die Zellen in eine normale Umgebung gebracht, konnte ihre Funktion nach wenigen Stunden wieder hergestellt werden. Dies legt nahe, dass die Faktoren, die für die Inaktivierung der NK-Zellen verantwortlich sind, aus dem Tumor selbst stammen.

Entzündungsbotenstoff inaktiviert NK-Zellen – veränderte Oberflächenmoleküle verhindern Immunaktivierung

Tatsächlich konnten die Wissenschaftler in dem Forschungsprojekt zwei wichtige tumorspezifische Faktoren identifizieren, die mit einer NK-Zell-Funktionseinschränkung in Verbindung stehen:

Einerseits ist ein bestimmter Entzündungsbotenstoff (IL-10) an der Inaktivierung von NK-Zellen indirekt beteiligt. Darüber hinaus entwickeln die Tumorzellen Schutzmechanismen vor den Killerzellen. So konnte die Arbeitsgruppe nachweisen, dass bestimmte Oberflächenmoleküle der Tumorzellen (NKG2D-Liganden), an denen die NK-Zellen angreifen, herunterreguliert werden.

Den NK-Zellen fehlt dadurch ein wichtiger Aktivierungsmechanismus und sie sind nicht mehr in der Lage, ihre zelltötende (zytotoxische) Aktivität auszuüben.

Trotz der hemmenden Strategien der Tumorzellen produzieren die NK-Zellen in einem frühen Stadium den Immunbotenstoff Interferon-Gamma (IFN-γ), berichten die Wissenschaftler.

IFN-γ ist essentiell, um weitere Immunreaktionen zu aktivieren, die die Bekämpfung des Tumors unterstützen.

Immuntherapie durch NK-Zellen möglich – mit Optimierungspotenzial

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Transfer von NK-Zellen als mögliche Behandlungsstrategie bei B-Zell-Lymphomen in Frage kommt. Nach unseren Erkenntnissen kann der Therapieansatz optimiert werden, wenn transferierte NK-Zellen vor der Gabe bereits in vitro aktiviert werden, so umginge man das fehlende Aktivierungspotenzial in der Tumorumgebung.  

Eine zusätzliche Gabe von IFN-γ oder von Antikörpern gegen IL-10 könnte die Immunaktivität noch weiter unterstützen“, erklärt Studienleiter Mocikat.

Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden kürzlich in der Fachzeitschrift European Journal of Immunology publiziert.

Die Wilhelm Sander-Stiftung hat dieses Projekt mit rund 85.000 Euro unterstützt und bewertete es nach Abschluss als sehr erfolgreich. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere der Krebsbekämpfung. Mit über 2000 geförderten Projekten und rund 220 Millionen Euro Förderausschüttung seit ihrer Gründung nimmt die Wilhelm Sander-Stiftung heute einen herausragenden Platz in der medizinischen Forschungsförderung in Deutschland ein. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des Unternehmers Wilhelm Sander hervor und feiert im Jahr 2015 ihr 40jähriges Bestehen.

Projektname: Adoptiver Transfer von NK-Zellen: Untersuchung der Antitumor-Aktivität in einem endogenen B-Zell-Lymphom-Modell

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. med. Ralph Mocikat
Institut für Molekulare Immunologie
Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Marchioninistr. 25, D-81377 München
Tel. 49/89/3187-1302
Fax 49/89/3187-1300
mocikat@helmholtz-muenchen.de
www.helmholtz-muenchen.de/imi

Stiftungswirken und Förderung:

Wilhelm Sander Stiftung
Goethestraße 74
80336 München
Telefon +49 (0) 89/544 187-0
Telefax +49 (0) 89/544 187-20
E-Mail: info@sanst.de
Bernhard Knappe Wilhelm Sander-Stiftung

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.helmholtz-muenchen.de/imi
http://www.sanst.de

Wie Tumore bei Stress ihr eigenes Wachstum fördern Protease Cathepsin L.

Medizin am Abend Fazit:   Wie Krebszellen gegen ihr Ableben kämpfen

Freiburger Forscher entschlüsseln Mechanismen, mit denen Tumore bei Stress ihr eigenes Wachstum fördern 

Foto: Dr. Martina Tholen / Arbeitsgruppe Reinheckel

Foto: Dr. Martina Tholen / Arbeitsgruppe Reinheckel

Ein Enzym, das Tumorwachstum fördert, sammelt sich in gestressten Krebszellen verstärkt an. 

Das hat die Gruppe des Freiburger Molekularmediziners Prof. Dr. Thomas Reinheckel zusammen mit der Freiburger Biochemikerin Prof. Dr. Sabine Rospert sowie mit Prof. Dr. Elmar Stickeler und Dr. Peter Bronsert vom Universitätsklinikum Freiburg herausgefunden. Das Team hat die Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift „Journal of Biological Chemistry“ veröffentlicht.

Wenn ein Tumor beginnt Metastasen zu streuen, um neue Tumore an anderen Stellen zu bilden, ist dies für ihn eine kritische Phase in der Entwicklung.

Dieser Prozess bedeutet für Krebszellen Stress, denn der Wirtskörper versorgt große Tumore währenddessen mangelhaft mit Nährstoffen und Sauerstoff.

Viele Krebszellen stellen daher die Produktion von neuen Proteinen ein und schaffen es nicht, in einen metastasenbildenden Zustand zu wechseln. Einige jedoch sind trotzdem in der Lage, bestimmte Enzyme herzustellen, die ihr weiteres Wachstum und die Bildung von Metastasen fördern.

Das Protein, das die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Studie untersucht haben, ist die Protease Cathepsin L.

Wenn bei Brustkrebs-Patientinnen ein hoher Spiegel dieses Enzyms vorliegt, vergrößert dies die Häufigkeit, dass sich Metastasen bilden, und die Überlebensrate verringert sich. 

Stressbedingungen veranlassen Tumorzellen dazu, die Produktion der meisten Proteine herunterzufahren. Auf diese Weise sparen sie Energie, vor allem indem sie die energieintensive Umwandlung des in der mRNA kodierten Bauplans in das entsprechende Protein hemmen. Die Wissenschaftler stellten jedoch fest: Auch wenn Krebsgewebe und -zellen von Mäusen und Menschen erhöhten Stressbedingungen ausgesetzt waren, blieb ein hoher Spiegel von Cathepsin L in ihnen erhalten.

Um den Grund dafür herauszufinden, untersuchte das Forschungsteam die Verbindung von verschiedenen mRNA zu so genannten Polyribosom-Komplexen. Die Komplexe bestehen aus mRNA und mehreren Ribosomen, die Proteine aus der mRNA herstellen. Diese Fließband-Fertigung stellt sicher, dass aus einem einzigen mRNA-Molekül eine große Proteinmenge effizient hergestellt werden kann. Die Forschenden zeigten, dass die Cathepsin-L-mRNA durchgehend mit den Polyribosom-Komplexen verbunden ist – auch unter Stressbedingungen, wenn die Produktion anderer Proteine eingestellt wurde.

Dieser Vorteil von Cathepsin-L-mRNA schien davon abzuhängen, wo in der Zelle sich Cathepsin L befindet. In einer gestressten Zelle formen sich bestimmte Ansammlungen von inaktiven Proteinen und mRNA, denen die Cathepsin-L-mRNA ausweicht und so zur Proteinsynthese zur Verfügung steht.

Thomas Reinheckel leitet eine Forschungsgruppe am Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung der Universität Freiburg. Sabine Rospert ist Abteilungsleiterin am Institut für Biochemie und Molekularbiologie der Albert-Ludwigs-Universität. Reinheckel und Rospert sind Mitglieder des Freiburger Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies. Elmar Stickeler ist Ärztlicher Leiter des Brustzentrums Freiburg und Leitender Oberarzt an der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. Peter Bronsert ist Assistenzarzt am Institut für Klinische Pathologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Originalpublikation:
Martina Tholen, Julia Wolanski, Britta Stolze, Marco Chiabudini, Mieczyslaw Gajda, Peter Bronsert, Elmar Stickeler, Sabine Rospert, and Thomas Reinheckel (2015). Stress-resistant Translation of Cathepsin L mRNA in Breast Cancer Progression. Journal of Biological Chemistry 290.25.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Thomas Reinheckel
Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-9606 oder -9607
E-Mail: thomas.reinheckel@uniklinik-freiburg.de
Rudolf-Werner Dreier Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Nicht-invasive therapeutische Ansätze gegen Darmentzündungen und Fettleibigkeit

Medizin am Abend Fazit:   Rolle des Dünndarms bei Fettleibigkeit

Forscher des CNRS [1], des INSERM [2], der UPMC [3] und der Universität Paris Descartes haben gemeinsam mit klinischen Forschern der AP-HP [4] nachgewiesen, dass schwere Adipositas mit Entzündungen des Dünndarms und einer Stärkung der Immunabwehr in diesem Bereich einhergehen, wodurch sich die Krankheit verschlimmert. 
 
Die Forscher haben Leerdarmproben von 185 Patienten mit schwerer Adipositas und von 33 Personen mit Normalgewicht studiert.

Der Leerdarm ist ein Teil des Dünndarms, der eine wichtige Rolle bei der Aufnahme von Lipiden und Kohlenhydraten spielt.

Die Forscherteams beobachteten bei übergewichtigen Menschen eine chronische Entzündung des Dünndarms und eine Kolonisierung des Leerdarmepithels durch T-Zellen.

Diese Immunzellen produzieren eine Substanz, die die Insulinempfindlichkeit der Darmzellen hemmt. 


https://www.pharma-fakten.de/news/details/183-erstattungspreise-amnog-schiedsstelle-schiedst-insulin-aus-dem-markt/ 


Da Insulin die Nährstoffaufnahme und den Blutzucker reguliert, trägt dieser Prozess zur Verschlechterung des klinischen Zustands des Patienten bei.

Zusätzliche klinische Studien haben gezeigt, dass die Erhöhung der T-Zellen-Dichte im Darm bei übergewichtigen Menschen wahrscheinlich mit Fettleibigkeit-assoziierten Komplikationen wie Lebererkrankungen (NASH) und Fettstoffwechselstörungen einhergehen.

Die Ergebnisse dieser Studie haben ebenfalls ergeben, dass die Austauschoberfläche des Dünndarms bei fettleibigen Menschen um 250% erhöht ist, wodurch sich auch die Nährstoffaufnahme erhöht. 

Dieses Phänomen, das auf eine Verringerung des Zelltods zurückzuführen ist, verstärkt die Entzündungswirkung des Immunsystems und verschlimmert so die Krankheit.

Diese Studie eröffnet neue Perspektiven für nicht-invasive therapeutische Ansätze gegen Darmentzündungen und Fettleibigkeit.

[1] Inserm: französisches Institut für Gesundheit und medizinische Forschung
[2] CNRS: französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung
[3] UPMC: Universität Pierre und Marie Curie
[4] AP-HP – staatliche Krankenhauseinrichtung von Paris



Medizin am Abend DirektKontakt

- Edith Brot-Laroche – Inserm Forschungseinheit 1138 "Cordeliers Forschungszentrum" - Tel.: +33 1 44 27 24 11 – E-Mail: edith.brot-laroche@crc.jussieu.fr

- Karine Clément - Inserm Forschungseinheit 1166 "Forschungseinheit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen - ICAN" – Tel: +33 1 42 17 79 28 – E-Mail: karine.clement@psl.aphp.fr

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland


Wissenschaftliche Publikation: M. Monteiro-Sepulveda et al., "Jejunal T cell Inflammation in human obesity correlates with decreased enterocyte insulin signaling", Cell Metabolism, 18.06.2015

 http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1550413115002326

Quelle: "L’intestin grêle participe à l’inflammation chronique chez les personnes obèses", Pressemitteilung des Inserm, 19.06.2015 – http://presse-inserm.fr/lintestin-grele-participe-a-linflammation-chronique-chez...

Rébecca Grojsman, rebecca.grojsman@diplomatie.gouv.fr

Verordnete Medikamente

Medizin am Abend Fazit: Jedes dritte verordnete Medikament ist allein wegen der Arzneiform besonders beratungsbedürftig 

 

Es kommt nicht nur auf den Inhalt an: Jedes dritte verordnete Medikament (31 Prozent) ist - unabhängig vom Wirkstoff - allein wegen seiner Darreichungsform besonders beratungsbedürftig.

Dies hat das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut e.V. (DAPI) mit Rezeptdaten von Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für das Jahr 2014 ermittelt. Die rund 20.000 Apotheken gaben insgesamt rund 190 Millionen Packungen allein aufgrund der Darreichungsform besonders beratungsbedürftiger Medikamente zu Lasten der GKV ab.

Nicht erfasst wurde die Abgabe von Medikamenten ohne Rezept und an Privatversicherte.

"Viele Medikamente sind komplizierter anzuwenden als allgemein angenommen.

Eine Tablette unzerkaut zu schlucken ist vergleichsweise einfach. Schwieriger ist es, sich selbst Insulin zu spritzen oder mit einem Pulverinhalator richtig zu inhalieren", sagt Dr. Andreas Kiefer, Vorstandsvorsitzender des DAPI und Präsident der Bundesapothekerkammer. Werden Arzneimittel falsch angewendet, bemerken Patienten dies selbst meist nicht. Fehlanwendungen können aber die Wirksamkeit eines Präparats verändern oder zu unerwünschten Wirkungen führen. Kiefer: "Jeder Patient sollte in der Apotheke die richtige Anwendung seiner Medikamente zeigen oder erklären lassen."

Den größten Anteil der beratungsintensiven Darreichungsformen entfiel auf Darreichungsformen, die grundsätzlich nicht geteilt werden dürfen (87 Millionen Packungen).

Kiefer: "Apotheker beraten zur Teilbarkeit, weil wir aus Studien wissen, dass Patienten rund ein Viertel aller Tabletten vor der Einnahme teilen." Auf Platz zwei und drei der beratungsbedürftigen Darreichungsformen folgten Medikamente zur Injektion bzw. Infusion (29 Millionen Packungen) und Medikamente zur Inhalation (19 Millionen Packungen). Weitere erfasste Darreichungsformen waren Medikamente zur Anwendung am Auge, in der Nase, in der Vagina oder im After. Apotheker erklären auch die Zubereitung von Medikamenten wie Trockensäften oder beraten zur korrekten Anwendung von festen Darreichungsformen, die nicht einfach geschluckt werden können. Ein Beispiel für diese Arzneiformen sind Buccaltabletten, die sich langsam in der Mundhöhle auflösen sollen.

Weitere Informationen unter www.abda.de

Medizin am Abend DirektKontakt


Dr. Reiner Kern, Tel. 030 40004-132, 

Dr. Ursula Sellerberg, Tel. 030 40004-134, u.sellerberg@abda.de

Dick durch Diät-Limo / Nicht der Süßstoff macht dick

Medizin am Abend:  

Sondern der Anreiz, dann mehr essen zu können

Speckgürtel trotz Süßstoff? Bei 749 Amerikanern legten US-Forscher das Maßband an. Im Laufe von fast zehn Jahren stieg der Bauchumfang bei jenen, die täglich zu Getränken mit künstlichem Süßstoff griffen, um acht Zentimeter. Wer ganz auf Diät-Limonaden verzichtete, legte nur rund zwei Zentimeter zu, berichtet das Apothekenmagazin "Senioren-Ratgeber". Vermutlich werden die eingesparten Kalorien unbewusst durch mehr Essen wettgemacht.
Das Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber" 7/2015 liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.


Medizin am Abend DirektKontakt


Ruth Pirhalla Tel. 089 / 744 33 123 Fax 089 / 744 33 459 

Diabetisches Makula-Ödem (DMÖ) kennen nur wenige Diabetiker www.Bewahren-Sie-Ihr-Augenlicht.de

Medizin am Abend Fazit:  

Bei Diabetes auch auf die Augen achten! Studie belegt: Diabetisches Makula-Ödem (DMÖ) kennen nur wenige Diabetiker



Gerade Diabetiker müssten es eigentlich besser wissen: Auf die Frage, welche Augenerkrankungen bekannt sind, nannte spontan nur ein Prozent der Betroffenen das Diabetische Makula-Ödem (DMÖ).

Auch im Rahmen der gestützten Nachfrage war das DMÖ immer noch für drei von zehn Patienten kein Begriff.

Zu diesem Ergebnis kam das Marktforschungsinstitut "produkt+markt" in einer repräsentativen Studie1 mit 500 über 50-jährigen Teilnehmern zu Wahrnehmung und Kenntnisstand bei Augenerkrankungen.

Diese zählen zu den häufigsten Folgeerkrankungen bei Diabetikern, vor allem die Netzhaut ist betroffen.

Die Initiative "Bewahren Sie Ihr Augenlicht" leistet hier Aufklärung zu häufigen Netzhauterkrankungen. Ziel ist es, durch fundierte Informationen zu den Erkrankungen selbst sowie ihren Diagnose- und Therapiemöglichkeiten die Bevölkerung zu motivieren, augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.

Denn: Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sollten für Diabetiker zum Pflichtprogramm gehören. 

"Über die Hälfte der befragten Studienteilnehmer gab an, seltener als einmal pro Jahr zum Augenarzt zu gehen, auch bei den Diabetikern waren es immer noch über 15 Prozent", zeigt sich Dr. Peter Heinz vom Berufsverband der Augenärzte besorgt. "Das gesunde Auge gleicht die Sehbeeinträchtigungen lange aus, daher verläuft die Entstehung von Netzhauterkrankungen oft schleichend und vom Patienten unbemerkt."

Mit der kontinuierlichen Kontrolle und richtigen Einstellung von Blutzucker und Blutdruck sowie der Senkung der Blutfettwerte können Diabetiker zwar dazu beitragen, Folgekrankheiten durch Schädigung der Blutgefäße zu vermeiden. 

Trotzdem sollten auch regelmäßige Augenuntersuchungen auf dem Terminplan stehen. "Rechtzeitig erkannt, lassen sich Erkrankungen wie die DMÖ nämlich gut behandeln und eine ernsthafte Sehbehinderung vermeiden", erklärt der Experte. So bleiben in den meisten Fällen die Lesefähigkeit und sogar die Fahrerlaubnis erhalten.

Hilfreiche und leicht verständliche Informationen sowie kostenfreie Broschüren rund um die Themen Früherkennung, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der DMÖ gibt es unter www.Bewahren-Sie-Ihr-Augenlicht.de bzw. per kostenfreiem Anruf unter Tel. 08 00 7 23 41 03.



Über die Initiative "Bewahren Sie Ihr Augenlicht" 

Die Initiative "Bewahren Sie Ihr Augenlicht" informiert ältere und diabeteskranke Menschen über die trockene und feuchte Altersabhängige Makula-Degeneration (AMD) sowie die Diabetische Retinopathie bzw. das Diabetische Makula-Ödem. Das Expertenbündnis zeigt außerdem mögliche Risikofaktoren auf sowie die unterschiedlichen Diagnosemöglichkeiten und Hilfsangebote. Gleichzeitig fordert die Initiative dazu auf, Sehverschlechterungen oder eine mögliche Erblindung im Alter nicht hinzunehmen, sondern aktiv dagegen anzugehen - z. B.

mit der jährlichen AMD-Vorsorgeuntersuchung ab dem 50. Lebensjahr oder der mindestens einmal jährlichen augenärztlichen Routineuntersuchung für alle Diabetiker. 

Um dies zu erreichen, bringen die sieben Partner, d. h. das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Novartis Pharma, Nürnberg, PRO RETINA Deutschland e.V. und die Retinologische Gesellschaft (RG), ihre Erfahrung in der Augenheilkunde ein. So überprüfen z. B. die Augenärzte alle medizinischen Aussagen. Die Selbsthilfeorganisationen wiederum liefern Erkenntnisse aus dem Umgang mit Betroffenen, Novartis Pharma und das Bayerische Gesundheitsministerium ergänzen ihr Wissen in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung. So unterhält das Staatsministerium seit 2007 die Gesundheitsinitiative Gesund.Leben.Bayern mit dem Schwerpunkt "Gesundheit im Alter".

Das Expertenbündnis "Bewahren Sie Ihr Augenlicht" arbeitet bereits seit 2008 zusammen.

1. produkt+markt, Disease Awareness Augenerkrankungen. Bevölkerungsbefragung in Deutschland, CATI Befragung, August 2014


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Telemedizin-Vorhaben Deutschland

Medizin am Abend Fazit:

Deutschlands größtes Telemedizin-Projekt „CCS Telehealth Ostsachsen“ geht in Dresden online

Eines der größten Telemedizin-Vorhaben Deutschlands hat am 1. Juli in Dresden offiziell den Pilotbetrieb begonnen. Zum Auftakt des neuartigen, offenen Telemedizin-Angebots „CCS Telehealth Ostsachsen“ übergab Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) im Herzzentrum Dresden symbolisch einen speziell ausgerüsteten Tablet-Computer zur häuslichen Nachsorge an einen Patienten des Herzzentrums. 

Herzpatient Lothar Engel übt mit Ministerin Barbara Klepsch, Prof. Ruth Strasser, Prof. D. Michael Albrecht, Dr. Jan Svitil und Dr. Axel Wehmeier den Umgang mit dem telemedizinischen Tablet.
Herzpatient Lothar Engel übt mit Ministerin Barbara Klepsch, Prof. Ruth Strasser, Prof. D. Michael Albrecht, Dr. Jan Svitil und Dr. Axel Wehmeier den Umgang mit dem telemedizinischen Tablet. Michael H. Ebner
 
Schlaganfall-Betroffene, die nach der klinischen Akutversorgung nahtlos Zuhause betreut werden. Herzpatienten, die täglich per Tablet-Computer ihre Gesundheitswerte zur Kontrolle ans Dresdner Herzzentrum schicken.

Telenurses, die die Vitaldaten täglich überwachen und im Zweifelsfall umgehend Ärzte einschalten. Pathologen, die digital erfasste Gewebeproben analysieren und sich im Konsil mit anderen Spezialisten beraten: Diese und viele anderen Chancen eröffnet die neue Telemedizin-Plattform „CCS Telehealth Ostsachsen“.

Das europäische Modellvorhaben bietet eine große Palette der Möglichkeiten in der vernetzten medizinischen Betreuung und will alte Schranken im Gesundheitswesen überwinden helfen. Das Projekt stellt dazu eine offene und universell einsetzbare IT-Plattform für die Gesundheitsbetreuung einer ganzen Region bereit - in Ostsachsen und darüber hinaus. Dank „CCS Telehealth Ostsachsen“ verbinden eigene gesicherte Datennetze Kliniken, Ärzte, Pflegekräfte, weitere medizinische Leistungserbringer und Patienten Zuhause. Die Patienten können dabei auch eine aktive Rolle übernehmen und Krankenhausmitarbeitern in Echtzeit kommunizieren.

Nach zweijähriger Aufbauarbeit läuft nun der Pilotbetrieb erster Beispielanwendungen an, wie die häusliche Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten und die ambulante Schlaganfall-Nachsorge.

Für den Pilotbetrieb wurden erste „Telenurses“ und Fallmanager geschult, sowie geeignete Patienten in das Projekt eingebunden. Auch die Kooperation verschiedener Kliniken bei der gemeinsamen Diagnose von krankhaften Geweben wird deutlich erleichtert. So können zum Beispiel hochauflösende Bilddarstellungen von Gewebeproben auf gesicherten Datenrouten verschlüsselt ausgetauscht und in Videokonferenzen von Experten erörtert werden.

Für den Aufbau von „CCS Telehealth Ostsachsen“ wurden unter anderem telemedizinische Arbeitsplätze eingerichtet, Tablets und IP-Telefone für Patienten angeschafft sowie hochleistungsfähige Server, Scanner und eine zentrale Datenbank installiert. Federführend bei „CCS Telehealth Ostsachsen“ sind die Projektträger Carus Consilium Sachsen GmbH, eine Tochter des Universitätsklinikums Dresden, und die Telekom-Tochter T-Systems International.

An der Umsetzung beteiligen sich im ersten Schritt das Herzzentrum Dresden, das Universitätsklinikum Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, das Sächsische Krankenhaus Arnsdorf und das Klinikum Oberlausitzer Bergland in Zittau. Dies ist aber erst der Anfang. „CCS Telehealth Ostsachsen ist eine Lösung für alle. Es ist nicht auf einzelne medizinische Fachgebiete und Regionen begrenzt, sondern auf nahezu alle Bereiche der Gesundheitsversorgung erweiterbar“, betonte Prof. Dr. med. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. „Damit sollen eine hochwertige, schnelle und wohnortnahe medizinische Betreuung der Bevölkerung gesichert und Versorgungsunterschiede zwischen urbanen Zentren und ländlichen Regionen verhindert werden.“

Der Aufbau der Telemedizin-Plattform wurde mit insgesamt 9,8 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und aus Mitteln des Freistaates Sachsen gefördert. Damit war es das größte geförderte Projekt im Programm des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) zur Förderung innovativer Ansätze im Bereich der Gesundheitswirtschaft der Strukturfondsförderperiode 2007 bis 2013. „Mit dem Projekt nimmt Sachsen eine Vorreiterrolle in der Telemedizin ein: Wir sind uns sicher, dass wir damit auch überregionaler Impulsgeber für eine innovative und zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung sein werden. Denn auch andere Regionen stehen vor ähnlichen demographischen Herausforderungen. Wir leisten hier einen wichtigen Beitrag, um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zukunftsweisend zu gestalten. Wir wollen Patienten genauso erreichen wie all jene, die mit medizinischer Versorgung zu tun haben“, sagte Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU). Die Ministerin übergab zudem symbolisch ein speziell ausgerüstetes Tablet an einen Herz-Patienten.

Grundanliegen der neuen Angebotsplattform ist die leichte Übertragbarkeit auf unterschiedliche medizinische Anwendungen und alle Regionen in Europa. Für potentielle Anbieter telemedizinischer Leistungen wird der technische und wirtschaftliche Aufwand, den der jeweilige Aufbau eines neuen eigenen Netzwerkes mit sich bringen würde, deutlich reduziert. „Mit unserem gemeinsamen Telemedizin-System ist Sachsen heute in der Gesundheitsversorgung der Zukunft angekommen. Die Patienten im Land werden schnell erleben, welche Vorteile sie durch telemedizinische Betreuung haben“, sagte Axel Wehmeier, der das Gesundheits-IT-Geschäft der Telekom verantwortet. „Ich bin mir sicher: Wir können das System schon bald ausbauen. Partner können sich mit Ihren Lösungen wie an eine Steckerleiste andocken. Wer mitmacht, spart Geld und Zeit und erreicht mehr medizinische Partner und Patienten. Viele Unternehmen haben sich schon gemeldet und wollen dabei sein“, so Wehmeier weiter.

Die Fernanwendung „Telecoaching“ ermöglicht zum Beispiel die Fern-Nachsorge von Patienten mit Herzschwäche, die mit einem Tablet-PC regelmäßig persönliche Vitaldaten an eine Fachkraft im Dresdner Herzzentrum schicken und im persönlichen Kontakt via Video-Telefonie mit der Telenurse stehen, um schnelle Reaktionen bei Beschwerden gewährleisten zu können. Das Herzzentrum Dresden und auch der angeschlossene Lehrstuhl für Innere Medizin und Kardiologie der Technischen Universität Dresden wirkten maßgebend in der medizinischen Entwicklung und der Pilotphase mit. Das Herzzentrum wird dadurch zukünftig auch die Aufgabe als Kompetenzzentrum wahrnehmen können. „Eine flächendeckende Versorgung von Patienten mit Herzschwäche hat eine enorme Bedeutung“, betonte die Ärztliche Direktorin des Herzzentrums Dresden und Lehrstuhlinhaberin Prof. Dr. med. habil. Ruth H. Strasser, auf deren Grundidee die telemedizinische Anwendung basiert. „Die Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten internistischen Erkrankungen mit geschätzt mehr als zehn Millionen Betroffenen in Europa. Sie ist in Deutschland der häufigste Grund für eine stationäre Krankenhausaufnahme.“ Erste Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Sterblichkeit bei Patienten mit Herzschwäche dank des Einsatzes der Telemedizin spürbar gesenkt werden könne, betonte Strasser.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
Annett Hofmann
Tel.: 0351 564 5615
Mobil: 01525 6461288
Fax: 0351 564 5614
Email: presse@sms.sachsen.de

Carus Consilium Sachsen
Dr. Olaf Müller
Geschäftsführer
Tel.: 0351 458-5039
Fax: 0351 458-4318
Email: info@carusconsilium.de
Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden


Weitere Informationen international Medizin am Abend Beteiligte:
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360° TOP-Thema: Arteriosklerotische Engstellen in den beiden kleineren Hirnarterien

Medizin am Abend Fazit:  

Schlaganfall durch Verschluss der Wirbelsäulenarterien: Stent oder Medikation?

Arteriosklerotische Engstellen in den beiden kleineren Hirnarterien rechts und links der Wirbelsäule sind bisweilen Auslöser von Schlaganfällen in hinteren Gehirnregionen. Solche Vertebralisstenosen können zwar von Neuroradiologen durch das Setzen von Stents behandelt und die Arterien damit für den Blutfluss ins Gehirn offengehalten werden. Allerdings musste jüngst eine niederländische Studie vorzeitig abgebrochen werden, weil sich bald zeigte, dass diese interventionelle Therapie keine Vorteile gegenüber einer optimalen konservativen Therapie mit Medikamenten besitzt. Die Arbeit sorgt für Diskussionsstoff: 

Bei näherer Betrachtung zeigen sich aber deutliche Mängel im Studiendesign. 
 
Zahlreiche Fragen bleiben offen, die in weiteren Studien geklärt werden müssen, erklären die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR).

Trotz des negativen Ausgangs ist diese Form der endovaskulären Therapie nicht abgeschrieben. Experten diskutieren, warum sie eine Behandlungsoption bleibt.

Das Blut gelangt nicht allein über die beiden großkalibrigen Halsschlagadern ins Gehirn. Zwei kleinere Arterien (A. vertebralis), die beiderseits der Wirbelsäule verlaufen, versorgen wichtige hintere Abschnitte des Gehirns wie das Kleinhirn, den Hirnstamm, das Zwischenhirn und das zentrale Sehzentrum. 

Ist eine Arteria vertebralis verengt oder blockiert, kann dies einen Schlaganfall auslösen. Seit einigen Jahren ist es möglich, diese Engstellen durch einen Stent zu beseitigen, der entweder von der Leiste aus oder über eine Arterie des Arms bis in die Wirbelarterie vorgeschoben wird.

Die verbesserte Durchblutung und die Abdeckung der Arteriosklerose durch den Stent sollen die Patienten vor einem erneuten Schlaganfall schützen.

Deutlich höheres Risiko durch Stents im Vergleich zur medikamentösen Therapie:

Diese Behandlung ist für die Betroffenen nicht ohne Risiken, wie die jetzt in der Fachzeitschrift Lancet Neurology veröffentlichte Studie Vertebral Artery Stenting Trial (VAST) zeigt:

Bei drei der insgesamt etwa 50 mit einem Stent versorgten Patienten kam es innerhalb von 30 Tagen zu einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer tödlichen Gefäßerkrankung (Komplikationsrate: 5 Prozent). Bei zwei dieser drei Patienten handelte es sich allerdings um intrakranielle Stenosen, also Gefäßverengung in unmittelbarer Nähe des Gehirns, bei denen bereits aus anderen Studien ein erhöhtes Behandlungsrisiko bekannt ist.

In der Vergleichsgruppe gab es lediglich ein einziges Ereignis (1 Prozent). Die Vergleichsgruppe erhielt keine Gefäßstütze, aber eine optimale medikamentöse Therapie.

Das niederländische Forscherteam hatte Patienten mit einem leichten Schlaganfall oder der Vorstufe TIA (Transitorische ischämische Attacke) untersucht. Die Beschwerden gingen bei allen Patienten auf eine Verengung in einer Wirbelarterie zurück.

„Ein gewisses Risiko durch die Katheterbehandlung war bekannt“, sagt Professor Dr. med. Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Asklepios Klinik Altona in Hamburg und Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG): „Dieses Risiko sollte jedoch durch einen späteren Schutz vor weiteren Schlaganfällen wieder wettgemacht werden.“ Doch hierfür liefert die Studie keine Anzeichen. In den ersten drei Jahren nach der Stent-Behandlung erlitten sieben Patienten (12 Prozent) erneut einen Schlaganfall. In der Kontrollgruppe waren es nur vier Patienten (7 Prozent).

Studienlage zur Schlaganfalltherapie mit Stents:

Zweifel an dem Nutzen der Stent-Behandlung kamen bereits vor vier Jahren auf, als es in einer US-Amerikanischen Studie (SAMMPRIS) nach dem Stenting von intrakraniellen Stenosen zu vermehrten Schlaganfällen kam und eine Vorbeugung künftiger Schlaganfälle nicht erkennbar war.

„In SAMMPRIS war die Behandlung nicht auf die Beseitigung von Stenosen in der Arteria vertebralis beschränkt.

Die meisten Stents wurden in intrakraniellen Ästen der Halsschlagader platziert“, erläutert Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Außerdem sei ein Stent verwendet worden, der aus heutiger Sicht veraltet ist.

Die aktuelle Studie VAST konnte wegen eines anderen Studiendesigns und der Anwendung moderner Stents durchgeführt werden. Als es dann aber zu einem Todesfall nach einer Stent-Behandlung kam, musste sie doch vorzeitig abgebrochen werden.

Die Reaktion der niederländischen Kollegen sei verständlich, so Professor Diener. Das vorzeitige Ende der Studie habe jedoch dazu geführt, dass die Frage nach einem Nutzen der Therapie nicht abschließend geklärt werden konnte.

Die Indikation für einen Stent liegt danach nur noch bei Patienten mit distalen hochgradigen Stenosen der Arteria vertebralis vor, bei denen trotz optimaler medikamentöser Therapie TIAs auftreten, weil der Blutfluss zum Gehirn eingeschränkt ist, so Professor Diener.

Dies ist der Fall, wenn von Geburt an die zweite Arteria vertebralis nicht richtig angelegt oder bereits verschlossen ist.

TIAs treten bei einer hochgradigen Einengung der verbliebenen Arterie und Blutdruckabfall auf.

Zahlreiche mögliche Gründe für das schlechte Ergebnis – weitere Studien notwendig:

Die Gründe für diese ungünstigen Ergebnisse vermutet Professor Dr. med. Christoph Groden, Leiter der Abteilung für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Mannheim, in der Auswahl der Patienten:

„Eine Katheterbehandlung ist nur bei Patienten mit einem hohen Schlaganfallrisiko sinnvoll, bei hochgradigen Stenosen und insbesondere wenn die andere Arteria vertebralis auch betroffen ist“, erläutert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR).

„Eine Behandlung sollte dann erwogen werde, wenn der Stenosegrad über 70 Prozent liegt, ähnlich wie bei Stenosen der vorderen Halsschlagader. 

In der Studie war aber nur eine 50-prozentige Stenose gefordert. Außerdem sollte man zwischen einer Stenose im Anfangsabschnitt der Wirbelarterie außerhalb des Gehirns und einer intrakraniellen Stenose – die direkt am Gehirn liegt – unterscheiden.

Diese intrakraniellen Stenosen haben beim Stenting ein erhöhtes Komplikationsrisiko. Solche Stenosen wurden aber in die Studie auch mit eingeschlossen und waren für zwei der drei Komplikationen verantwortlich. Die Hälfte der Patienten hatte nur eine TIA, aber keinen Schlaganfall erlitten. Ein Nachteil war aus Sicht von Professor Groden auch die lange Wartezeit.

Nur 28 Prozent der Patienten wurden innerhalb von 14 Tagen nach einem zerebrovaskulären Ereignis mit Stents behandelt.

Alle drei Experten hoffen auf weitere Studien, in denen moderne Stents eingesetzt werden. Im Bereich dieser endovaskulären Therapien habe es in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gegeben, wie in jüngerer Zeit das Beispiel der Thrombektomie verdeutlicht hat. Daher müssen einige neuere Methoden einer gründlichen Neubewertung unterzogen werden.

Literatur:
A. Compter, H. B. van der Worp, W. J. Schonewille, J. A. Vos, J. Boiten, P. J. Nederkoorn, M. Uyttenboogaart, R. T. Lo, A. Algra, L. J. Kappelle; VAST investigators. Lancet Neurology 2015; 14(6): 606-14. doi 10.1016/S1474-4422(15)00017-4. Abstract

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. med. Joachim Röther
Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Chefarzt Neurologische Abteilung, Asklepios Klinik Altona, Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
Tel.: +49 (0)40-181881-1401, E-Mail: j.roether@asklepios.com

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen, Hufelandstr. 55, 45122 Essen
Tel.: +49 (0)201-7232460, E-Mail: h.diener@uni-essen.de

Prof. Dr. med. Christoph Groden
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
Direktor der Abteilung für Neuroradiologie Universitätsklinikum Mannheim, Theodor-Kutzer-Ufer 1-3, 68167 Mannheim
Tel.: +49 (0)621 383-2443, E-Mail: christoph.groden@umm.de

Medizin Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften


Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
Dagmar Arnold
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