Vivantes-Geschäftsführung scheitert mit Ultimatum – Tarifkommission lehnt Angebot einstimmig ab
Zweiter Tag des Erzwingungsstreiks: Beschäftigte der Vivantes-Töchter demonstrieren vor CDU-Landeszentrale
Die Tarifverhandlungen zwischen ver.di und Vivantes zur Beendigung der Ungleichbehandlung zwischen den Beschäftigten des Mutterkonzerns und denen der Vivantes-Töchter sind auch heute ohne Ergebnis geblieben. Die Vivantes-Geschäftsführung hat ihr bestehendes Angebot lediglich um die von der Bundesregierung anlässlich der gestiegenen Energiekosten angekündigte „Entlastungsprämie“ in Höhe von 1.000 Euro ergänzt – verbunden jedoch mit dem Ultimatum, das gesamte Angebot Ende April vom Tisch zu nehmen, sollte bis dahin keine Einigung erzielt werden. Die Tarifkommission lehnte das Angebot einstimmig ab. Die zeitgleich stattfindende Streikversammlung bestätigte diese Entscheidung.
Inhaltlich begründete die Geschäftsführung das Ultimatum mit den aktuell diskutierten Sparvorschlägen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken – ohne diese Argumentation jedoch substanziell zu untermauern. Eine konstruktive Verhandlung wird nicht durch Basta-Politik erreicht. ver.di ist weiter bereit über ein Ende der Ungerechtigkeit zügig zu verhandeln.
Ben Brusniak, Verhandlungsführer von ver.di, kritisiert dieses Vorgehen scharf: „Sich in Verhandlungen auf noch nicht spruchreife Entwicklungen im Gesundheitssystem zu berufen, während man gleichzeitig verbindliche Grundlagen wie den Berliner Koalitionsvertrag – der die Rückführung der Töchter ausdrücklich vorsieht – außer Acht lässt, ist Rosinenpickerei. Die Kolleginnen und Kollegen streiken, weil das vorliegende Angebot die bestehende Ungerechtigkeit nicht beseitigt. Daran ändert auch eine Entlastungsprämie nichts, die ursprünglich für finanzielle Entlastung oberhalb der Tarifabschlüsse konzipiert wurde."
Kamila Weiß, Reinigungskraft bei Viva Clean, bringt auf den Punkt, wie das Ultimatum bei den Streikenden ankommt: „Wenn mir gesagt wird, dass das bisherige Angebot plus 1.000 Euro nur noch bis Ende des Monats gilt – dann fühlt sich das für mich und meine Kolleginnen und Kollegen wie Erpressung an."
Jana Seppelt, ver.di-Verhandlungsführerin, weist die Strategie der Geschäftsführung entschieden zurück: „Die aktuelle Debatte um Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem zu nutzen, um den Druck auf die Beschäftigten zu erhöhen, zeigt einmal mehr, dass die Geschäftsführung nicht begriffen hat, in welcher wirtschaftlichen Lage sich viele Töchterbeschäftigte nach Jahrzehnten des Lohndumpings befinden. Was hier angedroht wird, ist die Abwälzung der Missstände im Gesundheitssystem auf genau jene, die ohnehin am schlechtesten verdienen."
Heute ist der zweite Tag des Erzwingungsstreiks mit starker Beteiligung.
Im Rahmen des Streiks zogen die Beschäftigten heute zur CDU-Zentrale, um den Regierenden Bürgermeister an sein Versprechen zu erinnern, die notwendigen Mittel für die Rückführung der Töchter in den TVöD bereitzustellen.
Am 23.4.2026 werden die Verhandlungen fortgesetzt.
Hintergrund: Vivantes ist das größte kommunale Krankenhausunternehmen Berlins. Seit Jahren kämpfen die Beschäftigten der ausgegliederten Tochterfirmen – darunter Service- und Reinigungskräfte – für eine Angleichung ihrer Arbeitsbedingungen und Löhne an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD).
Der Berliner Koalitionsvertrag sieht die Rückführung der Töchter und die Angleichung an den TVöD ausdrücklich vor.
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Jana Seppelt, jana.seppelt@verdi.de, 0151 / 15 94 88 42
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