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Die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich hat sich im Jahre 2025 stabilisiert. Zuvor war sie mehr als ein Jahrzehnt lang kontinuierlich gestiegen. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden lag bei 9,59 Millionen und blieb damit gegenüber den 9,58 Millionen des Vorjahres nahezu unverändert. Dies stellt eine deutliche Wende gegenüber den rasanten Zuwächsen dar, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine zu verzeichnen waren. Dem ging jetzt ein weiterer Rückgang der Asylanträge voraus: Ihre Zahl sank im Jahr 2025 auf 770.000, nach 1,01 Millionen im Jahr 2024 und 1,1 Millionen im Jahr 2023. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse eines neuen Berichts des Centre for the Research and Analysis of Migration bei der ROCKWOOL Foundation Berlin (CReAM@RFBerlin). „Der Rückgang in Deutschland lässt sich weitgehend durch Einbürgerung und Integration erklären, während sich die Zahlen in Polen aufgrund eines Stillstands bei der Zuwanderung stabilisiert haben. Diese Beispiele zeigen, dass Veränderungen bei den Flüchtlingszahlen nicht einfach als Veränderungen bei den Ein- oder Ausreisen interpretiert werden können“, sagt Christian Dustmann, Direktor von RFBerlin und Professor für Wirtschaftswissenschaften am University College London.
„Viele Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, leben weiterhin hier. Sie erscheinen jedoch nicht mehr in der Flüchtlingsstatistik, weil sie inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben.“ Im Jahre 2025 wurden in Deutschland mehr als 65.000 Syrerinnen und Syrer sowie fast 14.000 Irakerinnen und Iraker eingebürgert. Die Zahl der freiwilligen Rückkehrer war dagegen vergleichsweise gering. Daneben spielte auch ein deutlicher Rückgang neuer Asylanträge eine wichtige Rolle, insbesondere bei Syrern.
„Die Phase des raschen Wachstums der Flüchtlingsbevölkerung in Europa scheint zu Ende gegangen zu sein“, sagte Tommaso Frattini, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mailand und stellvertretender Direktor von CReAM@RFBerlin. „Die Flüchtlingszahlen sind zwar nach wie vor historisch hoch, aber die Kräfte, die sie beeinflussen, verändern sich.“
„Besonders auffällig ist, dass sich hinter der allgemeinen Stabilität der Flüchtlingsbevölkerung in Europa sehr unterschiedliche nationale Entwicklungen verbergen“, fügt Dustmann hinzu. Hinter der stabilen Gesamtzahl verbergen sich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Auch Italien verzeichnete einen Rückgang bei den Flüchtlingen, um 17,9 Prozent. Gleichzeitig war in Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich weiterhin ein Anstieg zu beobachten.
Europaweit gingen die neuen Asylanträge im Jahre 2025 um fast 18 Prozent zurück, wobei der stärkste Rückgang bei den Syrern zu verzeichnen war, die nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes Ende 2024 über 70 Prozent weniger Asylanträge stellten. Die Zahl der Anträge sank zudem um 15 Prozent bei Afghanen, um 46 Prozent bei Türken, um 60 Prozent bei Kolumbianern und um 15 Prozent bei Bangladeschern. Unter den wichtigsten Herkunftsländern bildet Venezuela eine Ausnahme: Die Anträge von venezolanischen Staatsangehörigen stiegen um 24 Prozent auf 91.000. Sie gingen vor allem nach Spanien. Generell wird die Flüchtlingsbevölkerung zunehmend durch Einbürgerungen, Statusänderungen, Rückführungen und Verwaltungsprozesse geprägt und weniger durch große neue Zuströme.
Mit Blick auf die Zukunft werden die Entwicklungen in der Ukraine entscheidend sein. Die Ukrainer machen fast die Hälfte aller Flüchtlinge und Asylsuchenden in der EU und im Vereinigten Königreich aus, sodass groß angelegte Rückführungen oder Änderungen an den Regelungen zum vorübergehenden Schutz die Flüchtlingsbevölkerung in Europa erheblich verringern könnten. Gleichzeitig dürfte der EU-Pakt über Migration und Asyl, der 2026 in Kraft treten soll, die Grenzverfahren und Rückführungen verstärken. Die größte Unsicherheit bleibt jedoch geopolitischer Natur: Ein neuer großer Konflikt in der Nähe Europas könnte die derzeitige Stabilisierung schnell umkehren.
Die Analyse basiert auf Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) und von Eurostat.
MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT Prof. Christian Dustmann; cd@rfberlin.com; Tel.: 0044 7818 048 380 Prof. Tommaso Frattini; tf@rfberlin.com; Tel.: 0039 347 640 38 45
Originalpublikation: “The Refugee Population in Europe in 2025: A Decade of Growth Comes to a Halt”, CReAM-Bericht 05/2026, von Christian Dustmann, Tommaso Frattini, Camilla Piovesan und Giuseppe Pulito. https://www.rfberlin.com/cream-report/05-2026/
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