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Masernwelle in Berlin - Ärzte in der Pflicht?

Medizin am Abend Fazit:  Die Masernwelle in Berlin ebbt nicht ab

Ärzte in der Pflicht - GfV fordert breiteren Einsatz auch von neuen Impfstoffen

Zu gering ist der Anteil der Menschen, die die vollständige Impfung erhalten haben. Die Verantwortung dafür tragen nach Meinung der Gesellschaft für Virologie (GfV) nicht nur die Bürger. Vor allem Hausärzte müssten ihre Patienten öfter an notwendige Impfungen erinnern. Die Fachgesellschaft begrüßt daher die verpflichtende Impfberatung vor dem Kindergarten, die das neue Präventionsgesetz vorsieht. Es dürfe aber nicht nur die Masern-Impfung im Fokus stehen. 
 
Auch beispielsweise die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bei Jugendlichen oder gegen Pneumokokken bei älteren Menschen würden noch viel zu selten eingesetzt. „Wir brauchen zudem ein langfristiges Impfkonzept für die kommenden Jahrzehnte“, so die GfV-Experten.

Auch in der 16ten Kalenderwoche Mitte April erkrankten erneut mehr als hundert Menschen in Deutschland an Masern – die meisten in Berlin, gefolgt von Sachsen und Thüringen. „Dabei könnte das Masernvirus bereits ausgerottet sein“, so Professor Dr. med. Thomas Mertens, Präsident der GfV vom Uniklinikum Ulm. Dafür sei jedoch eine sehr hohe Impfquote erforderlich.  

Diese hohe Beteiligung für die zweite Impfung habe bisher nur Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erreicht. Am schlechtesten mit weniger als 90 Prozent zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung schneiden Sachsen und Baden Württemberg ab.

Aber auch unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen bestehen erhebliche Impflücken. Mehr als die Hälfte aller Masern-Erkrankten sind in den aktuellen Ausbrüchen älter als 14 Jahre alt.

„Die Impfberatung vor dem Besuch einer Kindertagesstätte, vor allem aber die Kontrolle des Impfstatus bei jedem Arztbesuch seien wichtige Maßnahmen, um Impflücken etwa bei Masern, Röteln oder Mumps zu schließen“, so Mertens hinsichtlich des Präventionsgesetzes, das derzeit in der parlamentarischen Beratung steht.

Laut einer an der Universität Erfurt durchgeführten Studie würden sich mehr Menschen impfen lassen, wenn ihnen der Vorteil des Impfens für den Einzelnen und die Gesellschaft besser vermittelt würde. „Es ist bedauerlich, dass genau diese Beratung häufig nicht stattfindet“, so der GfV-Experte. Deshalb müsse das Thema Impfen mit allen Aspekten viel besser in die Ausbildung der Medizinstudenten eingebunden werden. Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die der Medizin zur Verfügung stehen. „Eine grundsätzliche Lösung der Probleme, vor die uns altbekannte und regelmäßig neu auftretende Viren stellen, ist ohne Impfstoffe nicht denkbar“, so Mertens.

Die Gesellschaft für Virologie fordert Ärzte zudem auf, ihre Patienten besser über neue, weniger bekannte Impfstoffe zu informieren. Für Teenager stünde beispielsweise die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs zur Verfügung, bei älteren Menschen empfiehlt sich eine Impfung gegen Pneumokokken. „Diese Impfstoffe haben sich bereits als wirkungsvoll erwiesen. Dennoch werden sie in Deutschland zu selten eingesetzt“, kritisiert Professor Dr. med. Hartmut Hengel, Vizepräsident der GfV von der Universität Freiburg.

Ein anderes Problem, das Politiker und Experten im Präventionsgesetz berücksichtigen sollten, sei die langfristige Impfplanung. „Zwar impfen wir schon Säuglinge erfolgreich etwa gegen Hepatitis B, Mumps oder Windpocken“, so Hengel. Wichtig sei zu erforschen und zu planen, wie diese Impfungen im Erwachsenenalter weitergeführt werden müssen, um einen langfristigen Schutz der Menschen zu gewährleisten. Dafür fehle jedoch die finanzielle Unterstützung der zuständigen staatlichen Stellen. Die Forschungsnotwendigkeit thematisiert auch der Nationale Impfplan. Nur mit unabhängiger Forschung und einer guten Aufklärung seitens der Ärzteschaft können Erreger dauerhaft in Schach gehalten werden.

Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 17, 27.4.2015

Infektionsepidemiologischer Wochenbericht des LAGeSo - 27.04.2015

Betsch C1, Böhm R, Korn L, Health Psychol. 2013 Sep; 32(9):978-85, Inviting free-riders or appealing to prosocial behavior? game-theoretical reflections on communicating herd immunity in vaccine advocacy, doi: 10.1037/a0031590

Ch. Rautmann - Determinanten für die Umsetzung der Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) in den alten und neuen Bundesländern, Dissertation Universität Greifswald, 2013

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Freitag, 1.-Mai-2015 Krawalle - Wer zahlt bei Schäden?

Medizin am Abend Fazit: 1.-Mai-Krawalle - Wer zahlt bei Schäden?

Der 1. Mai steht vor der Tür und damit leider vielerorts wieder Ausschreitungen und Krawalle. "Wer in Stadtteilen und Gebieten wohnt, in denen Mai-Krawalle erfahrungsgemäß zu erwarten sind, sollte soweit wie möglich Vorsorge treffen und auch seinen Versicherungsschutz überprüfen", erklärt Frank Steiner, Schaden-Experte bei der Zurich Versicherung. "Die Geschädigten sind oft unsicher, ob sie selbst für ihre zerstörten Besitztümer aufkommen müssen oder ob ihre Versicherung solche Schäden abdeckt. Bei Beschädigungen, die im Rahmen solcher Krawalle passieren, ist der Täter allerdings nur sehr selten festzustellen und damit haftbar zu machen", so Steiner. 


Schäden an Fahrzeugen 

Empfehlenswert ist eine Voll- oder Teilkaskoversicherung für Fahrzeuge. Sind Fahrzeugscheiben zu Bruch gegangen, deckt diese Schäden bereits die Teilkaskoversicherung ab. "Da bei der Teilkaskoversicherung auch Gefahren wie Brand und Explosion versichert sind, greift diese zum Beispiel bei Brandstiftung durch einen Böller oder Brandsatz. In allen anderen Fällen von Vandalismus, etwa bei Blechschäden durch einen Pflasterstein, leistet eine Vollkaskoversicherung Schadenersatz", erläutert Frank Steiner.

Schäden an Gebäuden und Hausrat 

Brandschäden an Gebäuden und Hausrat, wie beispielsweise Briefkastenanlagen und Gartenmöbeln, werden in der Regel von der Wohngebäude- und Hausrat-Versicherung reguliert. Jedoch zahlt die Versicherung bei mit Eiern beworfenen Wänden oder beschädigten Türen und Fenstern nur, wenn in den Bedingungen des Vertrages böswillige Beschädigungen mitversichert sind. Zerstörte Fensterscheiben werden auch reguliert, wenn eine Glasversicherung besteht. Für Farbbesprühungen an der Hausfassade gilt: Solche Schäden sind nur gedeckt, wenn der Vertrag auch Graffitischäden einschließt. "Prüfen Sie bereits jetzt Ihre Policen und erweitern Sie gegebenenfalls Ihren Versicherungsschutz", rät der Zurich Experte.

Verletzungen von (unbeteiligten) Personen 

Für eine Übernahme der Schäden bei Demonstrationen ist ausschlaggebend, ob sich der Verletzte bewusst in die Gefahrenlage begeben hat. "Die Versicherungsgesellschaften leisten in der Regel, wenn der Geschädigte als Unbeteiligter bei einer Demonstration verletzt wird. Allerdings gilt auch hier, dass der Versicherungsschutz im Einzelfall geprüft werden muss", weiß Frank Steiner. Kommt es zu schweren Verletzungen mit Spätfolgen, die die Arbeitskraft beeinflussen, kann der Verletzte auch Leistungen aus einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung oder einer Grundfähigkeitsversicherung erhalten. Auch hier ist es sinnvoll, sich bereits frühzeitig abzusichern. 

Der 1. Mai 

In vielen Ländern - so auch in Deutschland - ist der 1. Mai ein gesetzlicher Feiertag. Seinen Ursprung hat dieser "Maifeiertag" oder "Tag der Arbeit" bei einem Generalstreik im Jahr 1886. Damals streikten viele tausend Arbeiter in den gesamten USA für einen Achtstundentag. Der 1. Mai war dort traditionell der sogenannte "Moving day": der Stichtag, an dem Arbeitsverträge ausliefen oder neu geschlossen wurden. Bei einer Kundgebung in Chicago kam es auch zu Ausschreitungen mit Toten und Verletzten. Vier Jahre später, im Jahr 1890, gab es an diesem Tag zum ersten Mal weltweit Massenstreiks und -demonstrationen. Bis heute ist der 1. Mai nicht überall ein friedlicher Feiertag. Seit den 1980er Jahren gibt es in Deutschland regelmäßig gewalttätige Ausschreitungen - besonders in Hamburg und Berlin.



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Zurich Gruppe Deutschland 

Bernd O. Engelien Poppelsdorfer Allee 25-33 53115 Bonn Deutschland Telefon +49 (0) 228 268 2725 Telefax +49 (0) 228 268 2809 bernd.engelien@zurich.com 

Neuropathie, Chronischer Schmerz - chronische Überempfindlichkeit,

Medizin am Abend Fazit: Körpereigenes Protein schützt Nervenzellen vor chronischer Überempfindlichkeit

Neu entdeckter Schutzmechanismus liefert neue Perspektive für die Therapie chronischer Schmerzen nach Nervenschäden / Heidelberger Wissenschaftler veröffentlichen in „Nature Medicine“ 

Seniorautorin Professor Dr. Rohini Kuner, Geschäftsführende Direktorin des Pharmakologischen Instituts der Universität Heidelberg
Seniorautorin Professor Dr. Rohini Kuner, Geschäftsführende Direktorin des Pharmakologischen Instituts der Universität Heidelberg
Universitätsklinikum Heidelberg


Nervenzellen schützen sich nach einer Verletzung mit einem bestimmten Protein vor chronischer Überempfindlichkeit. Ist das Protein dagegen in zu geringer Menge vorhanden, lösen bereits harmlose Reize – wie ein leichter Druck auf der Haut – Schmerzen aus. Diesen Schlüsselmechanismus der sogenannten Neuropathie haben Wissenschaftler aus Heidelberg, Israel und den USA in Laborversuchen entdeckt und nun im renommierten Journal „Nature Medicine“ veröffentlicht. Sie zeigten außerdem: Ein Medikament gegen Atemwegserkrankungen wirkt auf diesen Mechanismus ein und lindert die Schmerzüberempfindlichkeit. „Damit gibt es erstmals einen Ansatzpunkt für gezielt wirkende Medikamente gegen diese häufig therapieresistente Schmerzform“, sagt Seniorautorin Professor Dr. Rohini Kuner, Geschäftsführende Direktorin des Pharmakologischen Instituts der Universität Heidelberg. Tests mit möglichen Wirkstoffen laufen bereits.

Noch keine befriedigende Therapie bei chronischen Nervenschmerzen

Nervenschäden bei Diabetes oder Multipler Sklerose, Nervenverletzungen, etwa nach einem Unfall, Bandscheibenvorfälle oder Tumoren hinterlassen meist bleibende Spuren im Nervensystem und verursachen häufig chronische Schmerzen. Selbst wenn die ursprüngliche Verletzung geheilt ist, reagieren die Nervenzellen mit ihren Ausläufern in Armen, Beinen und Haut bereits auf leichte Reize wie Berührungen empfindlich. Bislang gibt es keine befriedigende Therapie für chronisch schmerzkranke Patienten: Bei rund der Hälfte bleiben die Schmerzen trotz Therapie weiter bestehen oder die verfügbaren Medikamente können aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen nicht ausreichend hoch dosiert werden. In Deutschland sind mehrere Millionen Menschen betroffen.

Die Suche nach den molekularen Hauptakteuren bei Neuropathien gestaltet sich schwierig: Bei einer Verletzung am Rückenmark verändert sich die Aktivität hunderter Gene und Proteine, die für Reparatur- und Heilungsprozesse, die Schmerzempfindlichkeit zur Schonung der verletzten Nervenzellen oder auch das Absterben von Nervenbereichen benötigt werden. „Es ist extrem schwierig, in diesem komplexen Zusammenspiel genau die Faktoren auszumachen, die unmittelbar mit dem Schmerzempfinden zusammenhängen“, so Kuner. Dank einer klugen Teststrategie gelang es den Kooperationspartnern der Hebräischen Universität in Jerusalem, Israel, und der Harvard Medical School in Boston, USA, gemeinsam mit dem Team um Professor Kuner, die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden.

Dabei handelt es sich um das Protein SerpinA3N, das im Tierversuch den wesentlichen Unterschied zwischen anhaltender Schmerzüberempfindlichkeit und normalem, wieder abklingendem Wundschmerz nach einer Nervenverletzung ausmachte. Während ein hoher Spiegel an SerpinA3N die Mäuse vor Überempfindlichkeit und Neuropathie schützte, hatte sein Fehlen bzw. ein Mangel eine anhaltend höhere Empfindlichkeit gegenüber leichten Druckreizen zur Folge.

Neue Wirkstoffe gegen Lungenentzündung blockieren Nervenschmerzen

Doch welcher Faktor löst die Überempfindlichkeit aus, vor der SerpinA3N schützt? Als Übeltäter erwies sich das Protein Leukozyten-Elastase, das von bestimmten Immunzellen, den Leukozyten, gebildet wird. Es wird von SerpinA3N, wenn dieses in ausreichender Menge vorhanden ist, gehemmt. „Die Leukozyten-Elastase kennt man von Entzündungsreaktionen z.B. bei Atemwegserkrankungen. Dass es eine so wichtige Rolle bei Nervenschmerzen spielt, war eine Überraschung“, sagt Lucas Vicuna, Doktorand bei Professor Kuner und Erstautor des Artikels. Zusammen mit einem Team des Deutschen Krebsforschungszentrums um Professor Dr. Bernd Armold zeigte er außerdem, dass das Protein in diesem Fall nicht von Leukozyten stammt, sondern von anderen Immunzellen, den sogenannten T-Zellen, die in das verletzte Nervengewebe einwandern. „Auch dieser Mechanismus war vorher noch völlig unbekannt“, so Vicuna.


Lucas Vicuna, Erstautor des Artikels.
Lucas Vicuna, Erstautor des Artikels. Privat

„Diese Ergebnisse liefern uns mehrere neue Ansatzpunkte für Therapien: Man könnte die Leukozyten-Elastase oder eventuell auch die Einwanderung der T-Zellen hemmen. Für beide Wege befinden sich bereits Wirkstoffe in der Entwicklung, allerdings zur Behandlung anderer Erkrankungen“, sagt Professor Kuner. So kam in der Arbeit ein Medikament zum Einsatz, das in Japan zur Therapie bei Lungenentzündungen zugelassen wurde und wie SerpinA3N die Leukozyten-Elastase blockiert. Der neu entdeckte therapeutischen Ansatz mit Hemmstoffen der Leukozyten-Elastase ist mit Unterstützung der technology transfer heidelberg GmbH, einer Tochter des Universitätsklinikums, zum Patent angemeldet.

Literatur:

Lucas Vicuña, David E Strochlic, Alban Latremoliere, Kiran Kumar Bali, Manuela Simonetti, Dewi Husainie, Sandra Prokosch, Priscilla Riva, Robert S Griffin, Christian Njoo, Stefanie Gehrig, Marcus A Mall, Bernd Arnold, Marshall Devor, Clifford J Woolf, Stephen D Liberles, Michael Costigan & Rohini Kuner. The serine protease inhibitor SerpinA3N attenuates neuropathic pain by inhibiting T cell–derived leukocyte elastase. Nature Medicine. April 2015 doi: 10.1038/nm.3852

Medizin am Abend DirektKontakt:

Professor Dr. Rohini Kuner
Geschäftsführende Direktorin
Pharmakologisches Institut
Universitätsklinikum Heidelberg
E-Mail: rohini.kuner@pharma.uni-heidelberg.de
Tel.: 06221 54-8247 (Sekr.) 
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg

Behandlungsmöglichkeiten von schmerzreichen Gelenk- und Knochenerkrankungen

Medizin am Abend Fazit: Arthritis: Zusammenwirken von Gehirn und Immunsystem

Wissenschaftler aus Jena, Erlangen, Nürnberg und Berlin erforschen bessere Behandlungsmöglichkeiten für chronisch schmerzende Knochen- und Gelenkerkrankungen. Sie untersuchen dabei, wie dass Gehirn die Immunprozesse beeinflusst, die die krankhaften Veränderungen in den Gelenken bewirken, und wie das Immunsystem zur Entstehung der Schmerzen beiträgt. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen nerven- und Immunsystem besser zu verstehen und therapeutisch nutzbar zu machen. Der Förderbescheid für den Verbund „Neuroimmunologie und Schmerz“ wurde heute (27.4.2015) von Stefan Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, übergeben. 


Die Wissenschaftlerin Dr. Sylvia Müller bearbeitet im Durchflusszytometrielabor eine  immunologische Fragestellung des Verbundes.
 Die Wissenschaftlerin Dr. Sylvia Müller bearbeitet im Durchflusszytometrielabor eine immunologische Fragestellung des Verbundes. Foto: Michael Szabo, UKJ
 
Europaweiten Studien zufolge leidet etwa jeder fünfte Erwachsene an chronischen Schmerzen, meist im Rücken oder den Gelenken. Neben der individuellen Belastung für die Betroffenen stellt das ein enormes gesundheitsökonomisches Problem dar. Ein jetzt gestarteter Verbund von Immunologen, Schmerzforschern, Orthopäden und Rheumatologen verfolgt mit einem translationalen Ansatz das Ziel, die Behandlung solcher chronischer Schmerzen zu verbessern.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den auf vier Jahre angelegten Forschungsverbund mit insgesamt 3,8 Millionen Euro. „Wir unterstützen den Aufbau interdisziplinärer Forschungsverbünde zu Erkrankungen des Bewegungsapparats. Ziel der Verbünde ist es, gemeinsam Behandlungsmethoden und Präventionsansätze zu verbessern. Entscheidend ist, dass die Forschungsergebnisse rasch in der Patientenversorgung ankommen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Stefan Müller, heute (27.4.2015) bei der Übergabe des Förderbescheides in Jena.


Stefan Müller (li.) überreichte den Förderbescheid an den Verbundkoordinator Prof. Dr. Hans-Georg Schaible.
 Stefan Müller (li.) überreichte den Förderbescheid an den Verbundkoordinator Prof. Dr. Hans-Georg Schaible. Foto: Michael Szabo, UKJ


„Bei schmerzreichen Gelenk- und Knochenerkrankungen wie Arthritis und Rheuma, aber auch bei Osteoporose beeinflusst das Nervensystem das Krankheits- und Entzündungsgeschehen. Die Krankheitsprozesse und das Immunsystem haben wiederum langfristig einen prägenden Einfluss auf Schmerzempfinden und Schmerzgedächtnis“, erklärt Prof. Dr. Hans-Georg Schaible, Neurophysiologe am Universitätsklinikum Jena, der den Verbund koordiniert. „Diese Wechselwirkung von Nerven- und Immunsystem wollen wir besser verstehen und auf Ansatzpunkte für die bessere Behandlung der chronischen Schmerzen untersuchen.“

Ein Teilprojekt in Erlangen erfasst beispielsweise die schmerzbedingte Hirnaktivität bei chronischer Arthritis mittels Magnetresonanzbildgebung. Die Wissenschaftler wollen dabei herausfinden, ob sich diese Schmerzaktivität im Gehirn ändert, wenn Entzündungsbotenstoffe blockiert werden. Eventuell lassen sich durch die Neutralisation dieser Zytokine sogar Veränderungen der Hirnstruktur, die durch den chronischen Arthritisschmerz eingetreten sind, rückgängig machen.

Ob und wie schnell sich die Hirnaktivität bei der medikamentösen Neutralisation der Entzündungsstoffe ändert, erlaubt möglicherweise auch eine Voraussage darüber, ob sich so der ansonsten in den betroffenen Gelenken fortschreitende Krankheitsprozess langfristig aufhalten lässt.

Der Projektteil der Immunologen am Uniklinikum Jena beschäftigt sich mit den Mechanismen der Arthritis, insbesondere mit der Steuerung von Fibroblasten und Osteoklasten durch das autonome Nervensystem. Diese Zellen sind maßgeblich an der fortschreitenden Gelenkerstörung beteiligt. „Wir wissen, dass die Aktivität von Lymphozyten und Makrophagen als wichtigen Zellen des Immunsystems vom autonomen Nervensystem moduliert werden. Noch ist unbekannt, ob das bei nsynovialen Fibroblaste und Osteoklasten auch der Fall ist“, beschreibt Prof. Dr. Thomas Kamradt seinen Ansatz. „Von der gezielten Beeinflussung der neuronalen Prozesse und der Kombination mit Wirkstoffen gegen die Entzündung und gegen den Gewebeabbau versprechen wir uns eine bessere Behandlung der Arthritis.“

Weitere Teilprojekte untersuchen zum Beispiel die Rolle des peripheren Nervensystems bei der Heilung von Knochenbrüchen, die typisch sind für Osteoporose, oder, wie das körpereigene Opioidsystem bei Arthritis reguliert wird. Zum Verbund gehört auch eine klinische Studie, die an der Charitè durchgeführt wird.

Darin wollen die Berliner Rheumatologen testen, ob Entzündungsgrad und Schmerzen bei Arthritispatienten durch eine Gabe von Morphin direkt in das betroffene Gelenk gelindert werden können.

Das Forschungsprogramm der Wissenschaftler baut auf den Ergebnissen früherer gemeinsamer Kooperationen auf und zielt auf die Überführung im Labor gewonnener Erkenntnisse in klinische Projekte. „Wir arbeiten daraufhin, dass die Wechselwirkungen von Nerven- und Immunsystem bei muskoloskelettalen Erkrankungen größeren Eingang in umfassende klinische Studien finden“, so Professor Schaible.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Hans-Georg Schaible
Institut für Physiologie I,
Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641-938810
E-Mail: Hans-Georg.Schaible[at]med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna Universitätsklinikum Jena

 

Sprechen und Stottern

Medizin am Abend Fazit: Sprechen und Stottern von linker Hirnhälfte gesteuert

Göttinger Forscher klären, welche Hirnhälfte die Sprechvorbereitung steuert und finden Ursachen für Stottern. Veröffentlicht in „Brain“. 

Dr. Nicole Neef 
Dr. Nicole Neef Foto: privat

Fließend zu sprechen, kann eine Herausforderung sein – auch für politische oder mathematische Genies wie Winston Churchill oder Alan Turing. Neue Forschungsdaten von Wissenschaftlern aus Göttingen zeigen nun, wie Bewegungsbereiche des Gehirns das Sprechen vorbereiten, und was dabei bei Menschen gestört ist, die seit der Kindheit stottern. Die Ergebnisse überraschten: Anders als gedacht, spielt für das Sprechen vor allem die linke Hirnhälfte eine Rolle. Veröffentlicht sind die Untersuchungen in der März-Ausgabe der medizinischen Fachzeitschrift „Brain“.

Originalpublikation: Speech dynamics are coded in the left motor cortex in fluent speakers but not in adults who stutter. Neef NE, Hoang TN, Neef A, Paulus W, Sommer M. Brain. 2015 Mar;138(Pt 3):712-25.

Bekannt ist: Die Bewegung des rechten Armes und des rechten Beines wird von der gegenüberliegenden linken Gehirnhälfte gesteuert. Dagegen sind die mittelliniennahe Sprechorgane wie Zunge, Lippen, Kiefer und Stimmlippen beidseitig gesteuert: Beide Hirnhälften innervieren beide Muskeln beider Seiten. Man hätte also annehmen können, dass auch die Sprechvorbereitung in beiden Hirnhälften gesteuert wird.

Dr. Nicole Neef und Prof. Dr. Martin Sommer, beide aus der Klinik für Klinische Neurophysiologie der Universitätsmedizin Göttingen, haben zusammen mit Dr. Andreas Neef, Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Göttingen, die Frage erstmals geklärt. Sie verwendeten dafür eine Technik mit hoher zeitlicher Auflösung: Sie stimulierten mit kurzen elektromagnetischen Impulse während des Sprechens die Bereiche des Gehirns, die die Zunge steuern. Elektroden auf der Zungenmuskulatur machten es erstmals möglich, Änderungen in der lokalen Hirnerregbarkeit während des Sprechvorganges zu verfolgen.


Bei der Kontrollgruppe nicht stotternder Erwachsener zeigte vor allem die linke Hirnhälfte während des Sprechvorgangs eine dynamische Regulierung der Erregbarkeit, die die Zungenbewegung steuert. Diese Modulation fehlt bei Stotternden, abhängig von der Stotterschwere. Je schwerer die untersuchten Probanden gestottert haben, desto schlechter funktioniert die Bewegungsvorbereitung im linksseitigen motorischen Areals des Gehirns.

ERGEBNISSE
Die Untersuchungen der Göttinger Forscher zeigen: Sprechvorgänge werden überwiegend von der linken Hirnhälfte aus gesteuert. Dies war bislang zwar für die Sprachverarbeitung geklärt, für die Sprechvorbereitung aber nicht klar. 

Diese Ergebnisse integrieren strukturelle und neurophysiologische Befunde in ein plausibles Modell der Sprech-Pathophysiologie für Stottern, das in der Kindheit entstanden ist. Die Ergebnisse zeigen, an welcher Stelle des Gehirns bei Stotternden die Ausführung des Sprechvorgangs gestört ist. „Die Wechselbeziehung zum Ausmaß des Stotterns legt darüber hinaus eine funktionelle Bedeutung des Befundes nahe“, sagt Prof. Dr. Martin Sommer, Letzt-Autor der Publikation. Der linke Motorkortex und die seine Erregbarkeit beeinflussenden, verbundenen Hirnbereiche können nun gezielt untersucht und beeinflusst wer-den, um flüssiges Sprechen zu erleichtern.

Prof. Dr. Martin Sommer


Prof. Dr. Martin Sommer Foto: privat

Medizin am Abend DirektKontakt

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Klinische Neurophysiologie
Prof. Dr. Martin Sommer, Telefon 0551 / 39-8463
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
msommer@gwdg.de
Stefan Weller Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

ARDS - akutem Lungenversagen / Notruf-Hotline Krankenhaus

Medizin am Abend Fazit: Notfall-Hotline des Dresdner Uniklinikums unterstützt Intensivmediziner regionaler Krankenhäuser

Experten der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden unterstützen die Krankenhäuser der Region mit einer Notruf-Hotline. Sie sind unter dieser Nummer rund um die Uhr erreichbar, um ihre Krankenhaus-Kollegen aus Ostsachsen bei der Behandlung von Patienten mit akutem Lungenversagen (ARDS) zu beraten. Dieses Angebot und weitere Netzwerk-Konzepte aus dem Bereich der Notfall- und Intensivmedizin bilden einen der Schwerpunkte auf dem Deutschen Anästhesiecongress, der unter der Präsidentschaft von Klinikdirektorin Prof. Thea Koch vom 7. bis 9. Mai in Düsseldorf stattfindet. 

Prof. Dr. Thea Koch, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie.
Prof. Dr. Thea Koch, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie. Foto: Uniklinikum Dresden/Christoph Reichelt
 
Als Präsidentin des Deutschen Anästhesiecongresses 2015 hat sich Prof. Koch unter anderem für das Thema Telemedizin in der Intensiv- und Notfallversorgung von Patienten stark gemacht. Zwar sind bereits erste Projekte etabliert, die mithilfe von Telekommunikation die klinikübergreifende Zusammenarbeit fördern. Doch anders als in der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten durch Neurologen fehlt es den Anästhesisten und Notfallmedizinern noch an finanziellen Mitteln zum Aufbau regionaler Strukturen in der Telemedizin. Prof. Thea Koch warnt vor den sich daraus ergebenden Einschränkungen in der Krankenversorgung aber auch in der Forschung: „Die Telemedizin ermöglicht schwerkranken Patienten unabhängig von ihrem Wohnort die bestmögliche Behandlung. Deshalb ist es wichtig, solche Netzwerke zu fördern und auszubauen. Als Partner der Medizin ist hier auch die Politik in der Pflicht, die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen und vielversprechende Konzepte finanziell abzusichern.“

Seit drei Jahren engagiert sich die Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie dafür, regionale Krankenhäuser bei der Versorgung von Intensivpatienten zu unterstützen. Mediziner aus umliegenden Kliniken können im Rahmen einer Notruf-Hotline rund um die Uhr erfahrene Oberärzte der Klinik kontaktieren. Genutzt wird dies unter anderem bei gravierenden Lungenproblemen von intensivmedizinisch versorgten Patienten. Verschlechtert sich deren Zustand im Laufe der Therapie weiter, bietet das Uniklinikum eine Verlegung des Patienten nach Dresden an. Dieses Angebot wird von vielen Medizinern aus dem Umland hochgeschätzt. Die Verlegung bietet den entscheidenden Vorteil, dass modernste Medizintechnik, wie zum Beispiel die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO), bereitsteht. Hierbei übernimmt eine Maschine die Funktion der Lunge und reichert das Blut des Patienten außerhalb des Körpers mit Sauerstoff an. Für die Dauer der Behandlung kann die Lunge somit maximal geschont werden.

„Leider gibt es aber auch immer wieder Fälle, in denen wir vor der Verlegung Zeit verlieren, da wir Voruntersuchungen vornehmen müssen, die sich mit telemedizinischen Möglichkeiten wie einer gemeinsamen Datenbank, einer Web-Cam-Zuschaltung oder einer digitalen Übersicht zu den Vitalwerten des Patienten vermeiden ließen“, erklärt Privatdozent (PD) Dr. Peter Spieth, der die Notruf-Hotline seit ihrer Gründung begleitet. Das bestehende Programm wird im Sommer 2015 weiter ausgebaut. Durch die Inbetriebnahme eines in Dresden stationierten und mit Ärzten des Uniklinikums besetzten Intensiv-Krankentrans¬portwagens (ITW) lässt sich die Verlegung von schwerstkranken Patienten deutlich verbessern.

Dresdner Uniklinikum ist Vorreiter bei Medizin-Netzwerken

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus ist bundesweit Vorreiter beim Aufbau von Netzwerken zur medizinischen Versorgung von Patienten. Die Basis bildet dabei die 2008 gegründete Carus Consilium Sachsen GmbH, eine Tochterfirma des Uniklinikums, die mit verschiedensten Partnern aus Sachsens Wirtschaft, Forschung und Politik zusammenarbeitet, um die Krankenversorgung in der Region zu verbessern. Die Chancen speziell der telemedizinischen Vernetzung zeigen sich heute bereits deutlich an der Klinik für Neurologie. Hier werden Schlaganfallpatienten aus ganz Ostsachsen im Rahmen des SOS-NET-Programms, dem unter anderem eine Web-Cam-Betreuung zugrunde liegt, telemedizinisch versorgt. „Die Vernetzung und damit auch Durchdringung des ländlichen Raums wird in Zukunft immer wichtiger werden“, sagt Prof. Thea Koch. „Die Erweiterung unseres bestehenden Programms ist daher ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nun gilt es aber auch die Möglichkeiten der neuen Kommunikationsmittel auszuschöpfen und massiv in den Ausbau der telemedizinischen Versorgung zu investieren, um in der Krankenversorgung unabhängig vom Behandlungsort zeitgemäße Spitzenmedizin leisten zu können.“

Medizin am Abend DirektKontakt

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Direktorin: Prof. Dr. Thea Koch
Tel. 0351/ 4 58 34 53 (Sekretariat)
E-Mail: thea.koch@uniklinikum-dresden.de 
Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Bakterium E. coli-536 – ein ungebetener Gast im Darm

Medizin am Abend Fazit: Bakterium E. coli-536 – ein ungebetener Gast im Darm

Kleine Löcher in der Darmwand führen zu entzündlichen Darmerkrankungen

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin entschlüsseln einen bislang unbekannten Mechanismus im Kontext chronisch entzündlicher Darmerkrankungen. Kolibakterien, die das Protein Alpha-Hämolysin produzieren, sind wesentlich an entzündlichen Vorgängen im Darm beteiligt. Wie die Mediziner und Biologen des Instituts für Klinische Physiologie der Charité jetzt festgestellt haben, führt der Giftstoff Alpha-Hämolysin zu kleinen Löchern in der Darmwand – Kanäle für entzündungsauslösende Stoffe. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Gut* veröffentlicht. 

 
Die meisten Bakterienstämme der Escherichia coli werden als symbiotische Gäste in der Darmflora angesehen, einige besitzen probiotische, gesundheitsförderliche, Eigenschaften. 

Andere Kolibakterien hingegen, insbesondere solche, die Harnwegserkrankungen auslösen – beispielsweise E. coli-536, besitzen Eigenschaften, die zu entzündlichen Darmerkrankungen führen oder diese verstärken. Wie die Forscher um Prof. Dr. Jörg-Dieter Schulzke im Tiermodell und anhand menschlicher Zellproben nachweisen konnten, verursacht das Zellgift Alpha-Hämolysin dieser Kolibakterien kleine Löcher in der Darmwand. Die Wissenschaftler nennen sie „focal leaks“. Durch die focal leaks können in der Folge Stoffe aus dem Darm in den Körper übertreten und somit Entzündungen begünstigen.

„Bei Patienten mit Colitis ulcerosa, einer häufigen, chronisch entzündlichen Darmerkrankung, konnten wir ein vermehrtes Auftreten des Alpha Hämolysins in der Darmwand nachweisen. Das zeigt, dass diese Kolibakterien zum Krankheitsgeschehen beitragen, zusätzlich zu gegebener genetischer Veranlagung“, sagt Dr. Roland Bücker, Erstautor der Studie. Bakterien, die die abdichtende Funktion der Darmschleimhaut schädigen, wie Alpha-Hämolysin tragende E. coli, werden bei der künftigen Betrachtung entzündlicher Darmerkrankungen von größerer Bedeutung sein.

Die vorliegende Studie liefert zudem Grundlagenwissen, um neue Therapiemethoden wie die Bakteriotherapie oder gezielte Impfungen zu entwickeln.

*Roland Bücker, Emanuel Schulz, Dorothee Günzel, Christian Bojarski, In-Fah Lee, Lena J. John, Stephanie Wiegand, Traute Janßen, Lothar H. Wieler, Ulrich Dobrindt, Lothar Beutin, Christa Ewers, Michael Fromm, Britta Siegmund, Hanno Troeger, Jörg-Dieter Schulzke: α-Haemolysin of Escherichia coli in IBD: a potentiator of inflammatory activity in the colon. Gut, Dec. 2014. doi: 10.1136/gutjnl-2013-306099.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Jörg-Dieter Schulzke
Medizinische Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 8445 2666
E-Mail: joerg.schulzke@charite.de
Dr. Julia Biederlack Charité – Universitätsmedizin Berlin

Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.charite.de
http://gastro.charite.de/klinik/team/klinikleitung/

Was fressen unsere Kühe

Medizin am Abend Fazit: Kein Weidegras in Sicht / Was fressen Kühe, wenn draußen nichts wächst? 

 

Pro Tag frisst eine Kuh rund 50 Kilogramm Futter - und zwar zu jeder Jahreszeit. Derzeit ist das Sommerfutter einer Kuh, frisches Weidegras, nicht verfügbar. "Die Landwirte haben nur zwei Möglichkeiten, das Futter für ihre Tiere haltbar zu machen: Entweder zu Heu trocknen oder zu Silage silieren", so Dr. Maria Linderer von der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft. Die Herstellung von Heu reicht in der Regel nicht aus, um den Futterbedarf zu decken und die Trocknung ist stark vom Sonnenschein abhängig. Ergänzt wird die Fütterung daher durch sogenannte Silage, diese ist schneller herzustellen und daher witterungsunabhängiger. Außerdem ist sie ein sehr nährstoffreiches Futter.

Milchsäure macht Gras haltbar


 Kein Weidegras in Sicht / Was fressen Kühe, wenn draußen nichts wächst?

 
Zur Herstellung von Silage braucht man ebenso wie für Heu frisch gemähtes Gras oder andere Pflanzen, beispielsweise Mais. Der Vorteil ist, dass das Gras nicht so lange trocknen muss: Es wird kurz nach dem Mähen gepresst oder in einem Silo unter Luftverschluss gelagert. Anschließend beginnen die im Gras enthaltenden Milchsäurebakterien Zucker in Säuren (in erster Linie Milchsäure) umzuwandeln. Dabei fällt der ph-Wert ab, die Silage wird sauer und lange haltbar. Eine ausgewogene Futtermischung enthält sowohl Heu als auch Silage. Maria Linderer erklärt: "Die Gras- oder Maissilage ist sozusagen das Sauerkraut der Kuh, die zu jeder Zeit wertvolle Nährstoffe liefert."


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Anabolika - mit Bedacht zu betrachten

Medizin am Abend Fazit: Unfruchtbarkeit, Impotenz, Damenbart und Akne Die dunklen Seiten der Anabolika

Testosteron und seine Abkömmlinge, die anabolen androgenen Steroide (AAS), fördern nicht nur den Aufbau der Muskeln, sondern angeblich auch die sexuelle Leistungsfähigkeit von Männern und Frauen. Das jedenfalls versprechen viele Anbieter von Anabolika im Internet. Sie verschweigen dabei, dass Anabolika negative Auswirkungen auf Potenz und Sexualleben haben können. Auch die Hoffnung auf einen schöneren Körper kann schnell enttäuscht werden, wenn sich unter hohen Dosierungen gefährliche Nebenwirkungen entwickeln, warnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) im European Journal of Endocrinology. 
 
Testosteron wird natürlicherweise im Hoden gebildet und fördert nicht nur die Bildung der Spermien, sondern ist auch für die Ausbildung und Erhaltung des männlichen Körpers verantwortlich. Wird das Hormon oder eines seiner Varianten von außen zugeführt, kann dies schnell die gegenteilige Wirkung haben. „Ab einer gewissen Dosis wird die Spermienbildung so weit gedrosselt, dass die Männer unfruchtbar werden“, erklärt Professor Dr. med. Dr. h. c. Eberhard Nieschlag. „Testosteron ist deshalb sogar als Verhütungsmittel für den Mann in der Diskussion“, fügt der ehemalige Direktor des heutigen Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Münster hinzu, der als Spezialist im Einsatz von Testosteron bei Erkrankungen mit Unterfunktion der Hoden gilt.

Einen chronischen Missbrauch des Hormons kann der international renommierte Experte manchmal an der Größe der Hoden erkennen. „Da 95 Prozent des Hodens aus den Samenkanälchen bestehen, tritt mit dem Mangel an Spermien auch ein Schrumpfungsprozess der Hoden ein“, erklärt Professor Nieschlag. Betroffen sind aber nicht nur die Hoden. Bei einigen Anabolika-Anwendern komme es auch zu einem Verlust von Libido und Erektionsfähigkeit. Der Endokrinologe erklärt dies mit der Verstoffwechselung einiger Anabolika zu Östrogenen. Ein Überschuss dieser weiblichen Hormone kann dazu führen, dass nicht nur die Muskeln wachsen, sondern sich auch eine weibliche Brust (Gynäkomastie genannt) bildet.

Auch bei Frauen ist die regelmäßige Einnahme von muskelfördernden AAS häufig mit Störungen der Fruchtbarkeit verbunden. „Zyklusstörungen oder ein längeres Ausbleiben der Menstruation sind eine häufige Folge des Anabolikakonsums“, berichtet Dr. med. Elena Vorona vom Zentrum für Endokrinologie, Diabetologie und Rheumatologie in Dortmund. Starke sportliche Aktivität aber auch Essstörungen können die Fruchtbarkeit weiter beeinträchtigen, erklärt die Mitautorin des Fachartikels. Der Einfluss der einzelnen Faktoren sei für Reproduktionsmediziner häufig schwer voneinander zu trennen. Auffällig sei aber, dass sportliche Frauen mit Anabolikamissbrauch oft die geringsten Chancen auf eine Schwangerschaft haben.

Äußerst störend sind für viele Frauen auch die Auswirkungen von Anabolika auf die Haut. Die vermehrte Talgproduktion führt zu einer fettigen Haut, die zur Akne neigt. Viele Frauen leiden auch darunter, dass Anabolika Bartwuchs fördern. Gleichzeitig komme es zum vermehrten Ausfall der Haupthaare. Auch eine Verkleinerung der Brüste könne das Selbstbild vieler Frauen stören. Die meisten dieser Wirkungen bilden sich nach dem Absetzen der Hormone zurück, erklärt die Expertin. Eine Vertiefung der Stimme, die auf einer Vergrößerung des Kehlkopfs beruht, bleibe allerdings bestehen.

Andere Risiken, die Androgenen häufig nachgesagt werden, haben sich in Studien nicht bestätigt. Die Anabolika führten weder zur Vergrößerung der Prostata noch kommt es hier häufiger zum Auftreten neuer Krebserkrankungen. Auch bei Frauen, welche Androgene zum Doping zugeführt haben, gebe es keinen Hinweis auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Es kann jedoch zu schweren Schädigungen von Leber, Herz und Psyche kommen, berichtet DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Bochum: „In den Händen eines versierten Arztes sind Testosteron-Präparate ein sicheres Medikament. Die Einsatzgebiete reichen von der gezielten Einleitung der Pubertät bei Entwicklungsstörungen von Knaben bis zur gezielten Behandlung des Androgenmangels im Alter.“

Literatur:
Nieschlag E., Vorona E.: Mechanism in Endocrinology: Medical consequences of doping with anabolic androgenic steroids (AAS): effects on reproductive functions. Eur J Endocrinol. 2015 Mar 24. pii: EJE-15-0080. Artikel: http://eje-online.org/content/early/2015/03/24/EJE-15-0080.long

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Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Dagmar Arnold
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Fax: 0711 8931-167
arnold@medizinkommunikation.org
http://www.endokrinologie.net

Blutgerinnungshemmer bei schwerer Influenza-Infektionen / Grippe?

Medizin am Abend Fazit: Blutgerinnungshemmer gegen Grippe

Forscher des INRA [1], des INSERM [2] und der Universität Claude Bernard Lyon 1 haben herausgefunden, dass Blutplättchen eine wichtige Rolle bei grippevirusbedingten Lungenentzündungen spielen. Sie konnten nachweisen, dass blutgerinnungshemmende Medikamente bei schweren Formen der Grippe wirksam sind. Ihre Ergebnisse wurden am 1. April 2015 in der Fachzeitung American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlicht. 
 
Weltweit erkranken jährlich drei bis fünf Millionen Menschen an schwerer Grippe, 250 000 bis 500 000 davon mit Todesfolge.




Die Forscher untersuchten die Rolle der Blutplättchen (Thrombozyten) [3] bei grippalen Virusinfektionen an Mäusen. Dabei konzentrierten sie sich vor allem auf die Mechanismen, die für schwere Pneumonien verantwortlich sind, zu der es bei den schwersten Fällen kommt. Sie konnten einen massiven Strom an aggregierten und aktivierten Blutplättchen nachweisen und somit ihre direkte Beteiligung an den Prozessen, die mit einer schweren Pneumonie einhergehen.

In einem zweiten Schritt wiesen sie die Verbindung zwischen Thrombozytenaktivierung und Ausbildung der schweren Pneumonie nach: Bei Überaktivierung der Blutplättchen stieg die Sterblichkeit. Wiesen die Mäuse jedoch eine Fehlfunktion der Thrombozyten auf, waren sie geschützt. Sie konnten damit den positiven Einfluss von Blutgerinnungshemmern auf schwere Fälle von Pneumonien nachweisen. Bei der Verabreichung einer subletalen Dosis des Virus (Sterblichkeitsrate bei 50%) konnte eine Überlebensrate von fast 100% erreicht werden.

Diese Arbeiten zeigen, dass Blutgerinnungshemmer zur Entwicklung von Medikamenten für die Behandlung schwerer Influenza-Infektionen genutzt werden können. In einem nächsten Schritt müssen diese Ergebnisse aus der biologischen Forschung in der klinischen Forschung überprüft werden, um ihre wirksame Anwendung beim Menschen zu testen.

[1] INRA - Institut für Agrarforschung
[2] INSERM - Institut für Gesundheit und medizinische Forschung
[3] Blutplättchen sind wichtig für die Blutgerinnung.

Quelle: "Des antiplaquettaires pour limiter la sévérité de la grippe", Pressemitteilung des INSERM, 02.04.2015 - http://presse-inserm.fr/des-antiplaquettaires-pour-limiter-la-severite-de-la-gri...



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