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Medizin am Abend Berlin Team - Vor Ort - Brainstorming und Trainingskurse

Sehr verehrte Medizin am Abend Berlin Beteiligte und Interessierte,

seit Freitag, den 10. Juli 2020 bis einschließlich Montag, den 20. Juli 2020 befinden wir uns als MaAB - Medizin am Abend Berlin Team im traditionellen SommerCamp auf dem Darß/Ostsee im Landkreis Vorpommern-Rügen MVP-Germany.

Versprochen: 

Wir kommen wieder mit neuen thematischen, inhaltlichen und terminlichen Schwerpunktaspekten zu Ihnen und Ihren Teams zurück.

Bleiben Sie gesund und orientiert.

Ihr Medizin am Abend Berlin Team























Professor Dr. Hendrik Bracht

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Notaufnahme der Uniklinik unter neuer Leitung

Prof. Dr. Hendrik Bracht leitet interimsweise die Zentrale Interdisziplinäre Notaufnahme am Universitätsklinikum Ulm 
 
Zum 1. Juli hat Professor Dr. Hendrik Bracht interimsmäßig die ärztliche Leitung der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme (ZINA) des Universitätsklinikums Ulm am Oberen Eselsberg übernommen. Professor Bracht ist seit 2001 am Universitätsklinikum tätig, seit 2012 als geschäftsführender Oberarzt in der Klinik für Anästhesiologie im Bereich der Interdisziplinären Operativen Intensivmedizin (IOI).

 Prof. Dr. Hendrik Bracht übernimmt interimsweise die ärztliche Leitung der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme am Universitätsklinikum Ulm
 Prof. Dr. Hendrik Bracht übernimmt interimsweise die ärztliche Leitung der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme am Universitätsklinikum Ulm
Universitätsklinikum Ulm






Der Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin mit den Zusatzbezeichnungen spezielle Intensivmedizin und Notfallmedizin tritt die Nachfolge von Dr. Alexander Dinse-Lambracht an, der in seiner norddeutschen Heimat neue Aufgaben übernimmt.


„Wir danken Professor Bracht dafür, dass er zeitweilig die ärztliche Leitung der ZINA übernimmt.

Dass wir für diese zentrale Position einen erfahrenen Intensiv- und Notfallmediziner mit langjähriger Expertise am Universitätsklinikum Ulm gewinnen konnten, freut uns sehr“, erklären Professor Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm und Professor Dr. Florian Gebhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie und Leiter des ZINA-Boards, das die Funktionsfähigkeit der ZINA überwacht und unterstützt. „Gleichzeitig geht unser Dank an Dr. Dinse-Lambracht, der sich um die Neustrukturierung der Notfallmedizin und den Aufbau der ZINA am Universitätsklinikum Ulm verdient gemacht hat“, so Professor Kaisers weiter.


In der ZINA werden grundsätzlich alle internistischen und chirurgischen Notfallpatient*innen des Standortes Oberer Eselsberg versorgt. P

Professor Bracht leitet vorläufig gemeinsam mit Oberärztin Dr. Sigrun Traub, Pflegekraft Franziska Wenzel und einem interdisziplinären Team die zentrale Anlaufstelle für Notfallpatient*innen am Universitätsklinikum Ulm.

Die Suche nach einer langfristigen Neubesetzung der Stabsstelle läuft bereits und ist für Anfang nächsten Jahres vorgesehen. 

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CAVE-Chest Pain Unit (CPU): Herzinfarktversorgung: Zeit ist Herz-Musekl

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gefährliche Angst vor dem Virus | Studie am UKU zu Herzinfarktpatienten während der Coronavirus-Pandemie

Das Coronavirus und die damit einhergehenden Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens haben den Alltag vieler Menschen stark verändert. 

  • Doch nicht nur das Virus an sich, auch die Angst vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Krankheitserreger kann schwerwiegende Folgen haben, das bestätigt eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Ulm. 

Expert*innen der Klinik für Innere Medizin II haben untersucht, welche Veränderungen es bei der Versorgung von Patient*innen mit akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen am Universitätsklinikum Ulm gab und ob sich die Anzahl der Patient*innen mit diesem Krankheitsbild verändert hat. 
(v. l. n. r. oben) Professor Wolfgang Rottbauer, Professor Armin Imhof , (v. l. n. r. unten) Dr. Manuel Rattka, PD Dr. Sinisa Markovic
 
  • „Neben der Angst vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Krankheitserreger, denken im Moment die meisten Menschen bei Symptomen wie Luftnot und Brustschmerz zunächst an eine Coronavirus-Erkrankung und nicht an einen Herzinfarkt“, so Professor Wolfgang Rottbauer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und Lungenerkrankungen des Universitätsklinikums Ulm. 
  • „Wir wissen, dass eine verzögerte Diagnostik und Behandlung eines Herzinfarktes Leben und Herzmuskel kostet – denn Zeit ist Muskel. 

Die Effekte der Coronavirus-Pandemie auf die Herzinfarktversorgung haben wir deshalb über unsere Chest Pain Unit (CPU) analysiert“, so Professor Wolfgang Rottbauer weiter. Die CPU arbeitet seit zehn Jahren für die Großregion Ulm und ist auf die notfallmäßige Behandlung von Herzpatient*innen spezialisiert.


Das Studienteam um Professor Armin Imhof hat hierzu alle Daten von Patient*innen, die zwischen dem 21. März und dem 20. April diesen Jahres notfallmäßig über die CPU aufgenommen wurden, untersucht. „Im Vergleich mit den Patientinnen und Patienten der vergangenen Jahre im gleichen Zeitraum waren die Herzinfarkte größer. 

  • Es traten häufiger schwere Komplikationen auf, wie beispielsweise Defekte der Herzscheidewand, die auch häufiger den Einsatz von Herz-Lungenmaschinen notwendig machten. 
Diese Art der Komplikationen beobachtet man seit Einführung der Chest Pain Units und durch Patientenaufklärung sonst nur noch sehr selten“ berichtet der Erstautor der Studie Dr. Manuel Rattka. 

Die Studie zeigt, dass Patient*innen – sogar wenn sie Symptome eines Herzinfarkts zeigten – später medizinische Hilfe gesucht haben als in den beiden Jahren zuvor.

„Wir haben die Laborwerte unserer Patientinnen und Patienten mit den Werten der letzten drei Jahre verglichen und festgestellt, dass die kritischen Werte während des Untersuchungszeitraums deutlich höher waren. 

Diese Erhöhung deutet darauf hin, dass zwischen den ersten Symptomen akuter Herz-Kreislauf-Probleme und der ersten medizinischen Untersuchung eine längere Zeit vergangen ist als üblich“, sagt Professor Armin Imhof. Dies bestätigt auch den Eindruck von Oberarzt PD Dr. Sinisa Markovic, Leiter der Chest Pain Unit und Mitautor der Studie.

Neben der Versorgung in der CPU haben die Herzspezialist*innen des Universitätsklinikums Ulm auch die generelle Anzahl der Akutaufnahmen an der Klinik für Innere Medizin II analysiert. Die an der Studie beteiligten Ärztinnen und Ärzte untersuchten im gleichen Zeitraum (21. März bis 20. April 2020) ob sich die Zahl der Patient*innen, die aufgrund akuter Herz-Kreislauf-Probleme in der Klinik für Innere Medizin II aufgenommen wurden, im Vergleich zu den Vorjahren verändert hat. Die Ergebnisse bestätigen, was viele schon vermuteten: „Verglichen mit den Jahren 2017 bis 2019 haben wir im untersuchten Zeitraum rund 20 Prozent weniger Patientinnen und Patienten wegen akuter Herz-Kreislauf-Probleme aufgenommen“, erklärt der Studienleiter und Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin II, Professor Armin Imhof. „Dies liegt wohl nicht daran, dass plötzlich weniger Menschen an diesen Symptomen leiden, sondern – so vermuten wir – vielmehr an der Angst vieler, sich in einer Klinik mit dem Coronavirus anzustecken.“ 

  • Hinzu kommen könnte, dass einige Patient*innen nicht zur Überlastung des Gesundheitssystems während der Coronavirus-Pandemie beitragen wollten bzw. ihre Symptome selbst als nicht kritisch einschätzten. 

Besonders in den ersten 15 Tagen der Kontaktbeschränkungen seien die Patientenaufnahmen deutlich zurückgegangen.

 „Dieser Rückgang ist eine besorgniserregende Entwicklung, denn bei vielen Krankheitsbildern, die wir in unserer Klinik behandeln, zählt jede Sekunde.

Wenn Menschen, die akute Symptome verspüren, nicht rechtzeitig in eine Klinik kommen, kann das tödliche Folgen haben“, sagt Professor Armin Imhof.

Im Zuge der Coronavirus-Pandemie wurden am Universitätsklinikum Ulm für die Patient*innen, Mitarbeiter*innen und Besucher*innen umgehend zahlreiche Schutzmaßnahmen umgesetzt.

Auch während der Hochphase der Pandemie konnten Patient*innen, die mit akuten Herz-Kreislauf-Problemen und anderen kritischen Symptomen in die Chest Pain Unit eingeliefert wurden, jederzeit sicher und effizient dort , in den Herzkatheterlaboren und der kardiologischen Intensivstation versorgt werden.

Über die Chest Pain Unit (CPU)
Auf der Chest Pain Unit der Universitätskardiologie (Klinik für Innere Medizin II) des UKU werden täglich 20-30 Patient*innen mit Verdacht auf Herzinfarkt aus der Stadt und Region Ulm behandelt. Es werden mehr als 2.500 Stentimplantationen an Herzkranzgefäßen durchgeführt, wenn nötig auch unter Einsatz der Herzlungenmaschine. In der Kardiologie des Universitätsklinikums Ulm werden mehr als 6.000 stationäre Patient*innen pro Jahr wegen Herzkrankheiten wie Herzdurchblutungsstörungen (Herzinfarkt), Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen und Herzschwäche behandelt.

Die Herzklinik des UKU ist eine der größten Universitätskardiologien Deutschlands und zählt seit Jahren im Fokus Ranking aufgrund seiner Reputation, seiner Leistungsstärke, seiner höchsten Qualitätsstandards und wissenschaftlichen Leistungen zu den Top Einrichtungen der Herzmedizin in Deutschland. 

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Nina Schnürer Universitätsklinikum Ulm
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Die Lymphozyten - weiße Blutkörperchen: Gezielte Immunabwehr

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: T-Lymphozyten spielen wichtige Rolle für Krankheitsverlauf bei COVID-19

MHH-Forschungsteam veröffentlicht erste europäische Studie dieser Art im Lancet-Journal „EBioMedicine“ 
 
  • Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 können sehr unterschiedlich verlaufen – einige Menschen bleiben völlig ohne Symptome oder zeigen einen milden Krankheitsverlauf. 

Andere müssen im Krankenhaus behandelt werden. Doch auch hier gibt es Unterschiede zwischen Patientinnen und Patienten, die auf der Intensivstation beatmet werden müssen und solchen, die weniger schwer an COVID-19 erkranken. Wie sich diese beiden in den Kliniken versorgten Gruppen immunologisch unterscheiden, hat ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) herausgefunden. Unter der Leitung des Instituts für Immunologie und der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Blut von COVID-19-Patientinnen und -Patienten untersucht.

Dabei stellten sie fest, dass für den Verlauf der Erkrankung eine bestimmte Zusammensetzung der Lymphozyten eine wichtige Rolle spielt, die für die gezielte Immunabwehr zuständig sind. 

Als erste europäische Studie dieser Art ist die Forschungsarbeit im Lancet-Journal „EBioMedicine“ erschienen. Erstautor ist Dr. Ivan Odak.

  • Zahl der T-Lymphozyten sinkt bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten

„Uns war zwar bekannt, dass schwer an COVID-19 erkrankte Patienten generell weniger Lymphozyten im Blut haben“, sagt Dr. Christian Schultze-Florey, gemeinsam mit Professor Dr. Christian Könecke verantwortlicher Leiter der Studie.

„Allerdings wussten wir nicht, welche speziellen Untergruppen und in welchen Ausmaß diese tatsächlich betroffen sind.“

  • Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und werden wie alle Blutzellen im Knochenmark gebildet. 
  • Danach müssen sie im Körper einen Reifungsprozess durchlaufen, bevor sie als T- oder B-Lymphozyten körperfremde Zellen wie Bakterien oder Viren erkennen und bekämpfen können. 
  • Bei schweren Verläufen von COVID-19 – etwa Patienten, die beatmet werden müssen – zeigten sich alle Lymphozyten-Unterarten vermindert im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen. 

Dies war bei milden COVID-19 Verläufen deutlich weniger ausgeprägt.

„Von wegweisender Bedeutung war zudem, dass die COVID-19-Patienten mit milder Erkrankung schon bei Aufnahme ins Krankenhaus mehr Effektor-T-Zellen aufwiesen als die Patienten mit einem schweren Verlauf“, erläutert Professor Könecke.

  • Effektor-T-Zellen sind besonders aktivierte T-Zellen, die entweder direkt kranke Zellen zerstören oder mit Botenstoffen das Immunsystem alarmieren und so zusätzliche Immunzellen anlocken. 

Unterschiede konnten die Forscher auch im Verlauf der COVID-19-Erkrankung feststellen.

  • Erholen sich die Patienten von der Infektion mit SARS-CoV-2 und verbessert sich ihr Gesundheitszustand, nimmt auch die Anzahl der Effektor-Zellen im Blut deutlich zu. 

Auch Gedächtniszellen, die als eine besondere Form der T-Zellen Krankheitserreger bei einer erneuten Infektion wiedererkennen und dadurch schneller bekämpfen können, lassen sich im Laufe der Genesung wieder verstärkt nachweisen.

Bleibt eine Besserung der Erkrankung aus, kommt es hingegen nicht zu einem solchen Anstieg.

Gezieltere Diagnose und effektivere Behandlung möglich

„Die T-Zell-Immunantwort scheint bei COVID-19 eine entscheidende Rolle zu spielen“, sagt Professor Förster, Leiter des Instituts für Immunologie.

  • Die generelle Abnahme der Lymphozyten-Unterarten und der Effektor-T-Zellen könnten daher als Biomarker dienen, um über die Messung des Immunstatus den Schweregrad der Erkrankung frühzeitig einzuschätzen. 

„Das ist wichtig, weil manche Patienten bei der Aufnahme ins Krankenhaus klinisch zunächst stabil erscheinen, jedoch schon wenig später ein schwerer COVID-19 Verlauf eintritt“, betont Studienleiter Schultze-Florey.

Diese Patienten könnten durch eine gezielte Diagnose schneller und effektiver behandelt werden.

Auch der Therapieverlauf ließe sich mit Hilfe der T-Zell-Marker möglicherweise vorhersagen. 

So könnte bereits während der Behandlung kontrolliert werden, ob die Patienten darauf ansprechen und sich ihr Gesundheitszustand voraussichtlich verbessert.

Die Forschungsarbeit „Reappearance of Effector T Cells Is Associated With Recovery from COVID-19“ wurde finanziert durch das Corona-Forschungsförderprogramm des Landes Niedersachsen, den Exzellenzcluster „RESIST“und den Sonderforschungsbereich (SFB) 900 der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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Originalpublikation:
Die Originalpublikation ist online verfügbar unter

https://authors.elsevier.com/sd/article/S2352396420302607

 

CAVE-Untersucher: Körperhaltung und Bewegungsmuster von Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Auf die Haltung kommt es an: Wie sich die Körperhaltung auf Psyche und Handeln auswirkt

In einer aktuellen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse konnten Psychologen belegen, dass es eine eindeutige Auswirkung der Körperhaltung und von Bewegungsmustern auf die Psyche gibt. 

Beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Aarhus in Dänemark, der Columbia University in New York und der Universität Witten/Herdecke. 

Die Arbeit ist jetzt in der renommierten Zeitschrift „Perspective on Psychological Science“ erschienen. (https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1745691620919358

Prof. Dr. Johannes Michalak
Prof. Dr. Johannes Michalak Jürgen Appelhans
 
Einer der Autoren, Prof. Johannes Michalak von der Universität Witten/Herdecke, sagt:

„Uns hat vor allem interessiert, ob der Effekt von Bewegungen und Körperhaltungen wirklich robust ist, sich also in unterschiedlichen Studien immer wieder findet oder ob er eher darauf zurückzuführen ist, dass in wissenschaftlichen Zeitschriften vor allem positive Befunde veröffentlicht werden und keine Null-Befunde“.

Mit speziellen Verfahren zu statistischen Kontrolle des sogenannten Publikationsbias wurden Ergebnisse von über 70 Studien analysiert.

Es zeigte sich, dass der Effekt des Körpers auf die Psyche robust ist und unterschiedliche emotionale und verhaltensbezogene Variablen, wie Gefühle, das emotionale Gedächtnis oder die Risikobereitschaft durch das motorische System beeinflusst werden.

  • Effekte auf das Hormon-System konnte allerdings nicht robust nachgewiesen werden. 

Und noch ein wichtiges Ergebnis zeigte die Studie. Prof. Michalak:

  • „Unsere Analysen haben ergeben, dass eine zusammengesunkene Körperhaltung sich negativ auf den Zustand der Probanden auswirkt. 
  • Allerdings haben wir keine Hinweise für die positiven Effekte einer betont expansiven Körperhaltung im Sinne des Power-Posing gefunden.“

Zum Hintergrund und der wissenschaftlichen Diskussion:

Ein großes öffentliches Interesse an dieser Frage hatte 2010 eine Studie des Forscherteams um Dana Carney und Amy Cuddy von der Harvard Business School zum sogenannten Power-Posing ausgelöst. In dieser Studie zeigten Probanden, die eine weite, offene und raumeinnehmende Körperhaltung, die Macht verkörpern sollte, einnahmen im Gegensatz zu Probanden, die eine zusammengesunkene Köperhaltung einnahmen, mehr Risikobereitschaft, mehr Gefühle der Macht und Veränderungen im Hormonspiegel (höhere Testosteron und verringerte Cortisol-Konzentrationen).

Ein TED-Talk, bei dem Amy Cuddy ihre Ergebnisse vorstellte und Power-Posing als Weg zur Veränderungen von Verhalten und psychologischen Zuständen präsentierte, wurde mehr als 50 Millionen mal geschaut.

Allerdings wurde diese Studie schnell wegen methodischer Mängel und gemischter Replikationsergebnisse kritisiert.

Mittlerweise sind eine Vielzahl von Studien zu der Frage durchgeführt worden, wie sich Körperhaltung und Bewegungsmuster auf Emotionen und Verhalten auswirken. 

„Die Forschung ist nämlich wichtig, um Menschen mit depressiven Erkrankungen in Zukunft besser helfen zu können.

In den Studien, die in die Metanalyse aufgenommen worden sind, wurden immer nur kurzeitige Effekte untersucht.

In Zukunft sollte man Studien dazu durchführen, ob sich ein Training von Körperhaltung oder Bewegungsmustern auch längerfristig auf den Zustand und die Symptome von depressiven Patienten auswirken, empfiehlt Michalak.

Elkjær, E., Mikkelsen, M.B., Michalak, J., Mennin, D. S. & O’Toole, M.S. (2020). Expansive and contractive postures and movement: A systematic review and meta-analysis of the effect of motor displays on affective and behavioral responses. Perspectives on Psychological Science. doi: 10.1177/1745691620919358


Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.700 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.
Originalpublikation:
Elkjær, E., Mikkelsen, M.B., Michalak, J., Mennin, D. S. & O’Toole, M.S. (2020). Expansive and contractive postures and movement: A systematic review and meta-analysis of the effect of motor displays on affective and behavioral responses. Perspectives on Psychological Science. doi: 10.1177/1745691620919358

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Kinderherzmedizin - MRT-Untersuchungen mit Dr. Hanna Münzfeld - Studie bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Frühe und präzise Einblicke

Bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern können bereits im Mutterleib auch Veränderungen des Gehirns auftreten. 

In einer neuen Studie wollen DHZB-Forscherinnen mithilfe von MRT-Untersuchungen herausfinden, wie sich diese Veränderungen auf die kognitive Entwicklung auswirken und wie ihnen durch gezielte Fördermaßnahmen entgegengewirkt werden kann. 
 
Dank intensiver Forschung und damit immer besseren Möglichkeiten der Kinderherzmedizin haben auch Kinder mit schweren angeborenen Herzfehlern heute in den meisten Fällen die Aussicht auf eine hohe Lebenserwartung und -Qualität. 

  • Nach wie vor besteht aber ein erhöhtes Risiko für eine verzögerte Entwicklung der Kinder in Bezug auf Sprache, Motorik und Kognition.

Als wahrscheinlichste Ursache hierfür galten bisher die bei ausgeprägten angeborenen Herzfehlern nötigen, sehr komplexen Herzoperationen mit entsprechend hohen Belastungen für den kindlichen Organismus. 

Der bestmögliche Schutz insbesondere des Gehirns während dieser Eingriffe ist daher seit vielen Jahren das Ziel intensiver Forschung am DHZB.

  • Mittlerweile haben neue Studien aber auch gezeigt, dass bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern bereits im Mutterleib Veränderungen der Hirnstruktur auftreten können. 
Ob und wie sie sich auf die weitere Entwicklung auswirken, ist aber noch völlig unklar.

Diese Wissenslücke will ein Forschungsteam am Deutschen Herzzentrum Berlin unter Leitung von Prof. Dr.med. Katharina Schmitt und PD Dr.med. Constanze Pfitzer mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) schließen.

  • Dabei sollen werdende Mütter, bei deren Kindern im Ultraschall ein angeborener Herzfehler diagnostiziert wurde, noch vor der Geburt des Kindes im MRT untersucht werden. 

Diese – für Mutter und Kind völlig gefahrlose – Untersuchungsmethode ermöglicht einen detaillierten Blick in das Gehirn des Kindes und damit die Untersuchung, ob und welche Veränderungen bereits intrauterin (in der Gebärmutter) vorhanden sind.
  • Im Alter von etwa drei bis vier Monaten werden die Kinder erneut im MRT untersucht. 
  • Außerdem führt eine erfahrene Psychologin im Alter von 12 Monaten einen Test durch, wie gut die psychomotorischen Fähigkeiten sich entwickelt haben.
„Je früher wir Veränderungen des Gehirns feststellen können und je besser wir verstehen, wie sie sich auf die Entwicklung des Kindes auswirken, desto besser können wir einer verzögerten Entwicklung durch gezielte Fördermaßnahmen schon im Säuglingsalter entgegenwirken“, fasst PD Dr. Constanze Pfitzer das Ziel der Studie zusammen.
Im ersten Schritt sollen zehn Schwangere in die Studie eingeschlossen werden.

Ihre Rekrutierung erfolgt im Rahmen der regulären Schwangerschaftskontrolluntersuchungen im Ambulanten Gesundheitszentrum für Pränatale Diagnostik und Therapie an der Klinik für Geburtsmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Diagnostik und Therapie  

Die Auswertung der MRT-Aufnahmen erfolgt in der Klink für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin durch Dr. Hanna Münzfeld.

Die MRT-Diagnostik wird in diesem Fall nicht von den Krankenkassen übernommen.

  • Das Forschungsprojekt wird deshalb von der Gesellschaft der Freunde des Deutschen Herzzentrums Berlin e.V., kurz Herzfreunde, gefördert.

„Wir sind überzeugt, mit dieser Studie bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern den Grundstein für einen noch besseren Start ins Leben legen zu können“, sagt PD Dr. Constanze Pfitzer, „den Herzfreunden gilt dafür unser herzlicher Dank!“

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CAVE Typ-2 Diabetiker-UNTERSUCHER: Darmmikrobiom im Tagesverlauf

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Darmbakterien verbessern Prognose von Typ-2-Diabetes

  • Im Tagesverlauf verändern sich Anzahl und Zusammensetzung der im Darm des Menschen aktiven Bakterien, das so genannte Darmmikrobiom. 

Dies haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Federführung der Technischen Universität München (TUM) am Zentralinstitut Food & Health (ZIEL) in Freising in einer der größten Studien zum Thema Mikrobiom und Diabetes mit mehr als 4000 Personen gezeigt. 

  • Bei Typ-2-Diabetikern jedoch gehen diese tageszeitlichen Schwankungen verloren

Prof. Dirk Haller und sein Team
Prof. Dirk Haller und sein Team A. Heddergott / TUM
 
Die mikrobielle Zusammensetzung des Darms ist komplex und individuell sehr unterschiedlich. 

  • Viele Faktoren, wie Umwelteinflüsse, Lebensstil, Genetik oder Erkrankungen beeinflussen das Ökosystem der hilfreichen Bakterien im Darm.

Dirk Haller, Professor für Ernährung und Immunologie an der TUM, und sein Team haben die Bedeutung tageszeitlicher Schwankungen des Mikrobioms im Zusammenhang mit der Erkrankung Diabetes Typ 2 bei mehr als 4000 Personen analysiert und damit die erste Studie auf diesem Gebiet mit humanen Probanden vorgelegt.

Die Rolle von Darmbakterien bei Erkrankungen

„Um festzustellen, ob Änderungen im Darmmikrobiom Rückschlüsse auf Erkrankungen erlauben, bedarf es so genannter prospektiver Kohortenstudien“, sagt Prof. Haller.

In solchen prospektiv-vorausschauenden Kohortenstudien wird ein Querschnitt aus der Bevölkerung beobachtet, ohne dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer irgendwelche Symptome einer Krankheit zeigen. Die Population wird im Laufe der Zeit nachbeobachtet. So lässt sich erkennen, ob eine bestimmte Beobachtung typisch für das spätere Auftreten einer Erkrankung ist.

Verbesserte Diagnose und Prognose von Typ-2-Diabetes möglich

  • „Wenn bestimmte Darmbakterien keine tageszeitliche Rhythmik aufweisen, sich also in Zahl und Funktion im Laufe des Tages nicht verändern, kann man auf eine mögliche Erkrankung mit Typ-2-Diabetes schließen. 

Dieses Wissen verbessert sowohl die Diagnose als auch Prognostik von Typ-2-Diabetes“, sagt Chronobiologin Dr. Silke Kiessling, die ebenfalls an der Studie beteiligt ist.

  • Diese Bakterien, die sich im Tagesverlauf nicht mehr verändern, also arrhythmisch sind, sind Marker für eine potenzielle Erkrankung. 

Die Forschenden nennen dies eine Risikosignatur. „Auch mathematische Modelle zeigen, dass diese mikrobielle Risikosignatur, die aus arrhythmischen Bakterien besteht, zur Diagnose von Diabetes mit beiträgt“, so die Erstautorin Sandra Reitmeier.

Primär wurden die Daten aus einer bestehenden unabhängigen Kohorte des Helmholtz Zentrums München analysiert. Die Ergebnisse zum Diabetes wurden mit weiteren Kohorten aus Deutschland validiert. „Aus dem Vergleich mit Kohorten in England konnten wir zeigen, dass unter anderem der regionale Einfluss auf das mikrobielle Ökosystem erheblich ist.

Demnach ergibt sich der Bedarf, lokal spezifische arrhythmische Risikosignaturen zu finden“, erklärt Haller.

Der Ernährungswissenschaftler betont:

„Neben Bakterien und deren Unterschiede je nach Tageszeit spielen noch weitere Parameter wie der Body-Mass-Index eine Rolle, um ein späteres Erkranken einer Person besser vorhersagen zu können.“

  • Tag-Nacht-Rhythmus der Bakterien im Darm als Basis weiterer Forschung
  • Eine Angabe zur Tageszeit der Stuhlprobennahme in der Humanforschung kann die Diagnose von Erkrankungen stark beeinflussen. 
„Die Dokumentierung dieser Zeitangaben ist zur Verbesserung von Risikomarkern essenziell“, ist sich Prof. Haller sicher.

Die Untersuchungen untermauern die Hypothese, dass Veränderungen im Mikrobiom einen Einfluss auf ernährungsrelevante Erkrankungen haben.

Welchen Einfluss eine Darmflora, die sich im Tagesverlauf (nicht) verändert, auf andere Mikrobiom-assoziierte Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Darmkrebs hat, könnte das Thema weiterer Forschungen werden.

Die Ergebnisse dieser Studie sind insbesondere von großer Bedeutung für die weitere Arbeit im Sonderforschungsbereich „Microbiome Signatures“, denn gerade im klinischen Bereich bieten Kohortenstudien wichtige Vergleichsmöglichkeiten der Daten gesunder und kranker Probanden.


Prof. Haller und seine Mitarbeiterinnen
Prof. Haller und seine Mitarbeiterinnen A. Heddergott / TUM


Mehr Informationen:
An der Studie beteiligt waren der Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie und das TUM Zentralinstitut ZIEL Institute for Food & Health, das Helmholtz Zentrum München, das University College Cork, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die University of London und das King's College London.

Aus folgenden Kohorten wurden Daten analysiert: KORA Kohorte des Helmholtz Zentrums München (https://www.helmholtz-muenchen.de/kora/fuer-wissenschaftler/ueberblick-kora-koho...), FoCuS-Kohorte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (https://www.endokrinologie.uni-kiel.de/forschung/focus/) und Kohorte des enable-Clusters am Wissenschaftszentrum Weihenstephan (https://www.enable-cluster.de/).

Die Arbeit wurde im Rahmen eines Sonderforschungsbereichs der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG SFB1371; https://www.sfb1371.tum.de/) und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF / JPI DINAMIC) durchgeführt.

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Prof. Dr. Dirk Haller
Technische Universität München
Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie
ZIEL – Institute for Food & Health
Tel.: +49 8161 71 2026
Dirk.Haller@tum.de

Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

Arcisstr. 21
80333 München
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Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388
E-Mail-Adresse: presse@tum.de
Originalpublikation:
Reitmeier, Sandra, Kiessling, Silke, et al., Haller, Dirk. (2020): "Arrhythmic gut microbiome signatures predict risk of Type 2 Diabetes" in: Cell Host & Microbe. DOI: 10.1016/j.chom.2020.06.004
(https://www.cell.com/cell-host-microbe/fulltext/S1931-3128(20)30343-7)

Weitere Informationen für International Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.ziel.tum.de/ (ZIEL – Institute for Food & Health)

https://www.bflm.wzw.tum.de/startseite/ (Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie)


https://www.professoren.tum.de/haller-dirk/ (Profil Prof. Haller)


Lungenentzündung hospitalisiert

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: „Es ist entscheidend, mit welcher Dynamik die Schwelle von Corona-Neuinfektionen durchbrochen wird“

Die Epidemie habe in den vergangenen zwei Wochen eine neue Dynamik entwickelt, sagt Prof. Dr. Markus Scholz vom Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. 

Neben einzelnen Schulschließungen entwickeln sich immer wieder lokale Hotspots. 

Welche Gegenmaßnahmen dann einzuleiten sind und wie eine zweite Infektionswelle aussehen könnte, hat Scholz mit seinem Team in einem eigenen epidemiologischen Modell analysiert. 
 
Herr Professor Scholz, einige Landkreise und Städte überschreiten den Grenzwert von 50 Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 pro 100.000 Einwohner pro Woche.
Sie haben neue Erkenntnisse zur Anwendung dieses Grenzwerts aus Ihren Modellen gewonnen.
Welche sind das, auch bezogen auf die lokalen Ausbrüche aktuell?

Wir haben die Regelung, die inzwischen auch Gesetzeskraft hinsichtlich flächendeckender Testungen in einzelnen Kreisen hat, mit Hilfe von Modellen näher analysiert. Dabei zeigte sich, dass es entscheidend ist, mit welcher Dynamik diese 50er-Schwelle durchbrochen wird. 

Erreicht man sie allmählich, ist es problematisch. 

Steigt der Wert jedoch sprunghaft über die Grenze, wie jetzt in Gütersloh geschehen, können wir davon ausgehen, dass die Epidemie vor Ort schon eine Weile unentdeckt fortgeschritten ist. Die Situation ist dann deutlich gefährlicher. In Gütersloh wurde die Schwelle mit einem hohen R-Wert überschritten. Zudem zeichnet sich durch die flächendeckenden Testungen ab, dass die Epidemie bereits in die Bevölkerung eingetragen wurde. Ein Lockdown ist dann zumindest in den betroffenen Kreisen wieder zwingend erforderlich. Dieser sollte möglichst schnell und umfassend erfolgen, um eine weitere Verbreitung über die betroffenen Kreise hinaus noch zu vermeiden. Dies bedeutet explizit auch Reiseeinschränkungen in beide Richtungen, also die Ein- und Ausreise in den Hotspot.

Woran erkennen wir eigentlich, dass sich eine zweite Welle anbahnt? Was sagen Ihre Modelle voraus?

Unser neues Bulletin zeigt, dass die Reproduktionszahlen Ende Juni deutlich über 1 lagen, sowohl für Deutschland als auch für Sachsen und andere Bundesländer. Wenn solche Trends über längere Zeit bestehen, kann die Situation außer Kontrolle geraten und eine zweite Welle entstehen, wie aktuell zum Beispiel in Israel und den USA. Inzwischen schätzen wir diese Werte aber wieder unter 1, sodass wir aktuell noch nicht mit einer zweiten Welle rechnen. (Stand 29. Juni: Deutschland R=0.89 (95%-Konfidenzintervall 0.86-0.91), Sachsen R=0.52 (95%-Konfidenzintervall 0.38-0.67))

Es kommt auch in Zukunft darauf an, ob verhindert werden kann, dass lokale Ausbrüche großflächig in die Bevölkerung getragen werden. Die Situation ist diesbezüglich als deutlich fragiler einzuschätzen als noch vor einigen Wochen. So steigen auch in Leipzig aktuell wieder die Zahlen, nachdem hier über fast vier Wochen praktisch keine Fälle mehr auftraten. Dies bestätigt unsere Modellvorhersage, nach der kein wesentlicher Spielraum für weitere Lockerungen mehr besteht.

Zusammen mit Wissenschaftlern der Charité hat Ihr Institut kürzlich den Zuschlag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für das Projekt PROVID zur Erforschung des Schwereverlaufs bei Covid-19 eingeworben. Worum geht es da?

Diese Untersuchung baut auf der PROGRESS-Studie auf, die wir seit 15 Jahren mit betreuen. Hier beobachten wir Patienten, die wegen einer Lungenentzündung hospitalisiert werden, engmaschig und longitudinal. Diese Abläufe übertragen wir im Projekt PROVID nun auf COVID-19-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Wir können sofort starten, da wird die bestehende Infrastruktur auf die neue Studie übertragen können. In circa zehn PROGRESS-Zentren begleiten wir diese Patienten und erfassen molekulare Faktoren und Vitalparameter im Zeitverlauf. Daraus wollen wir Faktoren identifizieren, die vorhersagen, wie schwer die Krankheit verläuft. Ziel ist eine Vorhersage des Verlaufs aufgrund von neuen Biomarkern. Wir erhoffen uns zudem weitere Erkenntnisse über die molekularen Mechanismen der Erkrankung: Wie kommt es zum Lungenversagen? Wie stark sind weitere Organe involviert? Unser Institut ist in der Studie das Datenzentrum, wir bereiten die Daten auf, halten die Datenbank vor, schulen die Zentren, verfolgen die Probenflüsse und führen Analysen der klinischen und molekularen Daten durch.

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