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Vorhofffllimmern

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Ein AFNET/EHRA Positionspapier

Ein internationales Expert:innengremium hat Empfehlungen zur Verbesserung der Behandlung von Ppatient:innen mit Vorhofflimmern veröffentlicht. 

Die Publikation fasst die Ergebnisse der 10. AFNET/EHRA-Konsensuskonferenz zusammen – einer zweitägigen Tagung von mehr als 80 namhaften Expert:innen aus Wissenschaft und Industrie, die im Mai 2025 gemeinsam vom Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) und der European Heart Rhythm Association (EHRA) veranstaltet wurde. Am 15. Dezember 2025 wurde der Konsensbericht in der Fachzeitschrift EP Europace publiziert (1).

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und geht mit Schlaganfall, Herzinsuffizienz und anderen schweren Komplikationen einher. 

Weltweit sind mehrere Millionen Menschen davon betroffen. Angesichts einer alternden Bevölkerung stellt Vorhofflimmern ein zunehmendes ungelöstes medizinisches Problem dar.

Während der 10. AFNET/EHRA-Konsensuskonferenz haben die eingeladenen Wissenschaftler:innen ihr interdisziplinäres Wissen über die Behandlung und Erforschung von Vorhofflimmern gebündelt und neue Perspektiven für eine bessere Versorgung diskutiert. Sie identifizierten Wissenslücken und wichtige Forschungsschwerpunkte. Die Kernaussagen ihrer Diskussionen sind in diesem Konsensbericht zusammengefasst.

Dr. Emma Svennberg, Kardiologin aus Stockholm, Schweden, und Erstautorin des Konsensuspapiers, erläutert: „Die Behandlung von Vorhofflimmern unterliegt derzeit einem erheblichen Wandel: Der Schwerpunkt liegt nicht mehr ausschließlich auf der Schlaganfallprävention, sondern zunehmend auch auf der Behandlung von Begleiterkrankungen und der Verringerung der Vorhofflimmerlast. 

Allerdings werden sowohl die Rhythmuskontrolle als auch die Therapie von Begleiterkrankungen nach wie vor zu selten eingesetzt, so dass Patient:innen mit Vorhofflimmern weiterhin schlechte Behandlungsergebnisse und damit verbundene hohe Gesundheitskosten zu verzeichnen haben. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer optimierten Behandlung, die auf Risikofaktoren, Vorhofflimmerlast und Rhythmus abzielt.“

Prof. Paulus Kirchhof, Hamburg, Deutschland, AFNET Vorstandsvorsitzender und einer der vier Vorsitzenden der Konsensuskonferenz, erklärt: „Die zunehmende Bedeutung der Rhythmuskontrolle als Behandlung, die durch die Verringerung der Vorhofflimmerlast den Krankheitsverlauf beeinflussen und kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren kann, erzeugt einen neuen Bedarf an einfachen, sicheren und wirksamen rhythmuserhaltenden Therapien. Auch wenn die Katheterablation breiter verfügbar wird, werden viele Patient:innen mit Vorhofflimmern weiterhin auf eine medikamentöse rhythmuserhaltende Therapie angewiesen sein, entweder als primäre oder als ergänzende Behandlung. Die Entwicklung neuer antiarrhythmischer Medikamente, die Optimierung des Einsatzes der vorhandenen Antiarrhythmika und neue Konzepte zur Verhinderung von Vorhofflimmern bleiben klinische Notwendigkeiten.“

Der Konsensusbericht beschreibt außerdem quantitative Merkmale, die eine Umstellung auf risikoorientierte Therapiestrategien ermöglichen könnten, die sicher, zugänglich und patient:innenorientiert sind. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz kann die Risikoabschätzung und die Auswahl personalisierter Therapien weiter verbessern.

Prof. Andreas Goette, Paderborn, Deutschland, AFNET Vorstandsmitglied und Co-Vorsitzender der Konsensuskonferenz, fasst zusammen: „All diese Bemühungen eröffnen Wege zu einem personalisierten, patient:innenzentrierten, multimodalen und zugänglichen Vorhofflimmern-Management, das Rhythmuskontrolle, Schlaganfallprävention und Therapie von Begleiterkrankungen integriert, um die praktischen Bedürfnisse von heute mit den therapeutischen Innovationen von morgen zu verbinden.“

Prof. Jose Luis Merino, Madrid, Spanien, ehemaliger Präsident der EHRA und Co-Vorsitzender der 10. AFNET/EHRA-Konsensuskonferenz, sagt: „Seit vielen Jahren sind die AFNET/EHRA-Konsensuskonferenzen ein wichtiges Forum für die internationale Zusammenarbeit zwischen anerkannten Expert:innen auf dem Gebiet des Vorhofflimmerns. Wir glauben, dass die Empfehlungen dieses Expert:innengremiums dazu beitragen werden, die Vorhofflimmertherapie zu optimieren und die Ergebnisse für viele Patient:innen mit Vorhofflimmern weltweit zu verbessern.“

Die Teilnehmer:innen der 10. AFNET/EHRA-Konsensuskonferenz kamen aus Europa, den USA, Kanada und Australien. Den Vorsitz der Konferenz hatten die vier Kardiolog:innen Prof. Andreas Goette, und Prof. Paulus Kirchhof, beide AFNET, sowie Dr. Emma Svennberg und Prof. Jose Luis Merino, beide EHRA.

Die Konferenz wurde von AFNET und EHRA gemeinsam ausgerichtet und erhielt finanzielle Unterstützung von MAESTRIA, das im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizon 2020” der Europäischen Union (EU) gefördert wird (Fördernummer 965286). Teilnehmer:innen aus der Industrie zahlten eine Teilnahmegebühr.

Publikation
(1) Svennberg E et al. Transforming Atrial Fibrillation Management by Targeting Comorbidities and Reducing Atrial Fibrillation Burden: the 10th AFNET/EHRA Consensus Conference. Europace, 15.Dez 2025. DOI: 10.1093/europace/euaf318

Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)
Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen aus Kliniken und Praxen deutschlandweit zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es, die Behandlung und Versorgung von Patient:innen mit Vorhofflimmern in Deutschland, Europa und weltweit durch koordinierte Forschung zu verbessern. Dazu führt das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. wissenschaftsinitiierte, nicht-kommerzielle, klinische Studien (investigator initiated trials = IIT) und Register auf nationaler und internationaler Ebene sowie translationale Forschungsprojekte durch. Der Verein ist aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetz Vorhofflimmern hervorgegangen. Seit Januar 2015 werden einzelne Projekte und Infrastrukturen des AFNET vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) sowie einige Projekte aus EU-Forschungsmitteln gefördert. Das AFNET verfügt über langjährige Erfahrung in der Behandlung von Vorhofflimmern, unterstützt aber auch Forschungsarbeiten in anderen Bereichen, die für die kardiovaskuläre Versorgung relevant sind. Die Erkenntnisse aus der mittlerweile 20jährigen klinischen und translationalen Forschung des Forschungsnetzes haben das Leben von Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbessert und Behandlungsleitlinien beeinflusst.

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Dr. Angelika Leute
Tel: ‪0202 2623395‬
a.leute@t-online.de

Originalpublikation:
Svennberg E et al. Transforming Atrial Fibrillation Management by Targeting Comorbidities and Reducing Atrial Fibrillation Burden: the 10th AFNET/EHRA Consensus Conference. Europace, 15.Dez 2025. DOI: 10.1093/europace/euaf318

Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de

DHZC Gentherapien

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DHZC-Forschende entwickeln System zur gezielten Behandlung einzelner Organe

Gentherapien – ebenso wie viele andere hochwirksame Medikamente – breiten sich nach der Gabe im gesamten Blutkreislauf aus. Um das eigentliche Zielorgan ausreichend zu erreichen, müssen deshalb oftmals sehr hohe Dosen eingesetzt werden. Das führt häufig zu erheblichen Nebenwirkungen und macht die Behandlung oft extrem teuer.

Ein Forschungsteam des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem sich eine Gentherapie erstmals hochkonzentriert nur in einem einzigen Organ anwenden lässt – und dies im Tiermodell eindrucksvoll belegt.

Die jetzt in der Publikation „JACC: Basic to Translational Science“ veröffentlichte Arbeit zeigt: Dieses Konzept könnte die Behandlung genetischer Erkrankungen künftig grundlegend verändern.

Im dazugehörigen Editorial der Ausgabe des Fachjournals mit dem Titel: „A Revolutionizing Turn in Gene Delivery“ bezeichnet Prof. Atta Behfar, Kardiologe an der Mayo Clinic in Rochester/USA, die am DHZC entwickelte Technologie als einen „potenziellen Gamechanger für die Applikation neuartiger Therapien“: „Emmert et al. haben eine Plattform vorgestellt, die die Lücke zwischen dem Versprechen der Gentherapie und ihrer präzisen Umsetzung schließt. [Sie] läutet damit eine neue Ära organspezifischer Interventionen ein.“

Grenzen der bisherigen Gentherapie

Bei einer herkömmlichen, systemisch verabreichten Gentherapie gelangt der sogenannte Vektor – gewissermaßen ein „Gen-Transporter“ – über die Blutbahn in den gesamten Körper, um das Zielorgan zu erreichen. Er dockt dabei an Zellen an, wird von ihnen aufgenommen und bringt ein zusätzliches oder „repariertes“ Gen in die Zelle ein.

Viele dieser Vektoren reichern sich jedoch oftmals vor allem in Leber und Milz an, statt das eigentlich kranke Organ zu erreichen. Soll die Gentherapie wirksam werden, sind entsprechend hohe Dosen nötig – verbunden mit hohen Therapiekosten und vor allem mit einem deutlich erhöhten Risiko für Nebenwirkungen, was häufig die Sicherheit der Therapie stark beeinträchtigt.

Ein neuer Ansatz: nur das Zielorgan behandeln

Das Forschungsteam des Deutschen Herzzentrums der Charité um Herzchirurg Prof. Maximilian Emmert entwickelte deshalb in Kooperation mit dem Schweizer Biotechnologieunternehmen DiNAQOR ein katheterbasiertes „Closed-Loop-Perfusionssystem“, das sich an den Prinzipien und der Funktion von Herz-Lungen-Maschinen orientiert: Über zwei speziell entwickelte Ballon-Perfusionskatheter wurde im Rahmen der Studie die Niere kurzzeitig vom Körperkreislauf getrennt und in einem eigenen „Mini-Blutkreislauf“ mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Nur in diesem geschlossenen Kreislauf wurden dann die Gentherapie-Vektoren eingebracht (siehe Abbildung).

Beeindruckende Effekte

Im isolierten Nierenkreislauf wurde eine bis zu 69.000-fach höhere Vektorkonzentration als im restlichen Körper gemessen. Die Zellen der Niere nahmen die „Gen-Transporter“ bis zu 75-fach stärker auf als bei einer herkömmlichen intravenösen Gabe – während andere Organe wie etwa die Leber oder die Milz nahezu gar nicht belastet wurden.

„Wir konnten zeigen, dass sich ein einzelnes Organ im lebenden Organismus sehr präzise und hochwirksam erreichen lässt – ohne die Risiken einer systemischen Verteilung“, sagt Maximilian Emmert. „Das eröffnet neue Perspektiven für Gentherapien, aber auch für viele andere Wirkstoffe wie z.B. Chemotherapien oder Antikörper, die lokal konzentriert und gleichzeitig für den restlichen Körper deutlich schonender verabreicht werden könnten.“

Zudem zeige die Studie, dass sich das Prinzip langfristig auch auf andere Organe wie Herz, Lunge oder Leber übertragen lasse, so Emmert.

Prof. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des DHZC, ergänzt: „Die selektive Perfusion eines Organs mit Aufrechterhaltung der Organfunktion war bisher nur außerhalb des Körpers möglich. Durch die neue Plattform ergeben sich jetzt ganz neue Behandlungsoptionen im Rahmen der Präzisionsmedizin.“

Perspektive

Besonders profitieren könnten Patient:innen mit genetischen Nierenerkrankungen wie der autosomal-dominanten Zystennierenkrankheit (ADPKD), von der Expertenschätzungen zufolge rund 50.000 Menschen in Deutschland betroffen sind. Auch das Alport-Syndrom, eine andere vererbte und schwerwiegende Nierenerkrankung, betrifft in Deutschland mehrere tausend Menschen.

Bis zur Anwendung beim Menschen sind weitere präklinische und klinische Untersuchungen notwendig – die Forschenden am DHZC sehen in dieser Methode allerdings einen ermutigenden Ansatz für deutliche Fortschritte in der Behandlung genetisch bedingter Erkrankungen.

Die Arbeit des DHZC-Forschungsteams ist abrufbar unter: https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacbts.2025.101409

Das dazugehörige Editorial von Prof. Atta Behfar ist hier nachlesbar: https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacbts.2025.101436

Weitere Informationen:

Prinzip und Herausforderungen einer Gentherapie

Bei vielen genetischen Erkrankungen ist ein bestimmtes Gen fehlerhaft. Eine Gentherapie versucht, diesen Defekt zu korrigieren – indem sie den betroffenen Zellen eine funktionsfähige Kopie dieses Gens zur Verfügung stellt.

Dazu wird ein Vektor eingesetzt, gewissermaßen ein „Gen-Transporter“: Er bewegt sich durch den Körper, dockt an Zellen an, wird von ihnen aufgenommen und bringt dort ein zusätzliches oder „repariertes“ Gen ein. Die Zelle nutzt diesen Bauplan anschließend, um wieder das richtige Protein herzustellen. Viele Vektoren bestehen aus abgeschwächten Viren (z. B. AAV-Viren), die keine Krankheit auslösen können, aber sehr gut darin sind, Erbinformationen in Zellen einzuschleusen.

Damit eine Gentherapie wirkt, müssen genügend Vektoren im kranken Organ ankommen. Genau daran scheiterte die Gentherapie bisher jedoch häufig: Im Zielorgan kommen nur wenige Prozent der verabreichten Menge an. In der Folge müssen extrem hohe Dosen verabreicht werden – mit entsprechend hohen Kosten (mehrere hunderttausend bis Millionen Euro pro Behandlung) und einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen, vor allem in der Leber und im Immunsystem.

Wie das „Closed-Loop-System“ der DHZC-Forschenden genau funktioniert

Die DHZC-Forschenden entwickelten ein Verfahren, das ein einzelnes Organ vorübergehend in einen eigenständigen „Mini-Blutkreislauf“ versetzt – ohne Operation, allein über Katheter. Die Versuche wurden im Großtiermodell durchgeführt. Dabei werden zwei spezielle Ballonkatheter über Blutgefäße bis in die Nierenarterie und -vene vorgeschoben. Sobald die Ballons vorsichtig aufgeblasen werden, ist die Niere für kurze Zeit vom natürlichen Kreislauf getrennt.

Trotz dieser Abkopplung bleibt das Organ durchblutet: Das Blut wird in einem kleinen externen Kreislauf über eine Pumpe, ein Reservoir und einen pädiatrischen Oxygenator geleitet – ein Bauteil aus der Kinder-Herz-Lungen-Medizin, das für eine präzise Sauerstoffversorgung und Blutflusskontrolle sorgt.

In diesen kontrollierten Kreislauf geben die Forschenden anschließend den Gentherapie-Vektor. Da das Volumen in diesem „Closed-Loop-System“ sehr gering ist, steigt die Konzentration des Wirkstoffs in der Niere stark an, während gleichzeitig nur minimale Mengen in den übrigen Körper gelangen.

Für welche Erkrankungen dieser Ansatz künftig relevant sein könnte

Der neue Ansatz eignet sich vor allem bei Krankheiten, bei denen ein einzelnes Organ im Zentrum einer genetischen Störung steht – im vorliegenden Fall die Niere. Viele dieser Erkrankungen lassen sich bislang nur symptomatisch behandeln, weil es kaum Möglichkeiten gibt, den zugrunde liegenden Gendefekt direkt im Organ selbst zu korrigieren.

Dazu zählen unter anderem:

• Die Autosomal-dominante Zystennierenkrankheit (ADPKD)
Sie zählt zu den häufigsten vererbten Erkrankungen überhaupt. In Deutschland sind nach Expertenschätzungen rund 50.000 Menschen betroffen. Die Krankheit führt zu immer größer werdenden Zysten in den Nieren, die langfristig Dialyse oder Transplantation erforderlich machen können.

• Das Alport-Syndrom
Diese seltenere, aber schwerwiegende vererbte Erkrankung betrifft in Deutschland mehrere tausend Patientinnen und Patienten.

Darüber hinaus eröffnet der Ansatz Perspektiven für weitere Erkrankungen, die eine hochdosierte, lokal begrenzte Therapie erfordern – etwa entzündliche oder toxische Nierenschädigungen. Da das Verfahren prinzipiell auch auf andere Organe übertragbar ist, könnten langfristig sogar Erkrankungen von Herz, Lunge oder Leber von diesem Konzept profitieren.

Wie realistisch ein Einsatz beim Menschen ist

Die vorgestellte Methode befindet sich derzeit im präklinischen Stadium. Die Experimente wurden ausschließlich im Großtiermodell durchgeführt. Bis zu einem möglichen Einsatz am Menschen sind noch mehrere Schritte notwendig.
Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können klinische Phase-I-Studien beginnen, die zunächst vor allem die Sicherheit der Methode testen.

Originalpublikation:
https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacbts.2025.101409

Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.dhzc.charite.de/news/revolutionaerer-wendepunkt-in-der-gentherapie-516/

Was offene Menschen auszeichnet

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Forschende der Universität Basel haben ein Instrument entwickelt, das misst, wann sich Menschen über die politischen Grenzen hinweg austauschen. Die Ergebnisse zeigen: Wie kontrovers ein Thema ist, spielt für die Dialogbereitschaft weniger eine Rolle als persönliche Faktoren.

«Demokratie lebt vom politischen Diskurs», sagt Dr. Melissa Jauch, Assistentin in der Abteilung für Sozialpsychologie der Universität Basel. «Es ist für eine Demokratie deshalb unverzichtbar, dass Menschen miteinander sprechen; zum einen, um die Gegenseite besser zu verstehen und im besten Fall politische Gräben zu überbrücken. Zum anderen aber auch, um die eigenen Ansichten kritisch zu hinterfragen.»

Gleichzeitig führt die zunehmende politische Polarisierung dazu, dass viele Menschen die Konfrontation mit Andersdenkenden scheuen, sei es aus Angst vor Konflikten oder aus dem Bedürfnis heraus, den Selbstwert nicht zu gefährden. «Es ist daher wichtig zu verstehen, unter welchen Umständen Menschen bereit sind, sich mit Andersdenkenden auszutauschen», so Jauch.

Die Postdoktorandin hat diese Frage zusammen mit weiteren Forschenden aus der Sozialpsychologie untersucht und die Ergebnisse vor Kurzem in der Zeitschrift «Political Psychology» veröffentlicht. Insgesamt wurden vier Studien mit Studierenden der Fakultät für Psychologie der Universität Basel sowie mit Stichprobengruppen in den USA und in Grossbritannien durchgeführt.

Interesse an anderen Meinungen

Um die Diskussionsbereitschaft zu messen, hat das Basler Forschungsteam mit WEDO (Willingness to engage with differently minded others) ein eigenes Messinstrument entwickelt. Die Funktionsweise ist einfach: Anhand von vorgegebenen hypothetischen Szenarien geben die Studienteilnehmenden in einem ersten Schritt ihre Haltung zu einem bestimmten Thema – zum Beispiel Nachhaltigkeit oder Einwanderung – auf einer mehrstufigen Skala an.

In einem zweiten Schritt werden sie gebeten, eine hypothetische Diskussionsgruppe zusammenzustellen. Dabei definieren sie den Bereich von Meinungen, den sie in dieser Gruppe als akzeptabel erachten: So kann ein Teilnehmer zum Beispiel Personen mit extrem abweichenden Meinungen ausschliessen, moderat abweichende Positionen aber zulassen. WEDO misst also nicht nur, ob jemand einen Dialog befürwortet oder verweigert. Das Instrument erfasst vielmehr die gesamte Bandbreite an Meinungen, die eine Person zu akzeptieren bereit ist.

Was offene Menschen auszeichnet

Die Untersuchung zeigt, dass Personen, die sich offen zeigen gegenüber Andersdenkenden, eher analytisch denken und ein generelles Bedürfnis haben, den Dingen auf den Grund zu gehen. «Menschen, die zu einem Schwarz-Weiss-Denken neigen und sich eher auf ihr Bauchgefühl verlassen, sind hingegen weniger bereit zum Austausch», berichtet Jauch.

Überrascht hat die Sozialpsychologin, dass es gemäss den Studien für die Dialogbereitschaft keine Rolle spielt, ob ein Thema politisch stark umstritten ist. «Wir gingen davon aus, dass bei kontroversen Themen anderslautende Meinungen eher vermieden werden. Das hat sich nicht bewahrheitet, im Gegenteil: Laut einer Studie sind Menschen bei kontroversen Fragen eher bereit, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.»

Studien gehen weiter

Die Studien seien noch nicht abgeschlossen, sagt Melissa Jauch. Noch gebe es eine Reihe offener Fragen, die näher zu untersuchen seien: Warum zeigen sich Menschen bei umstrittenen Themen manchmal eher zum Dialog bereit? Welcher Kontext ist förderlich für einen politischen Austausch? Gibt es neben analytischem und intuitivem Denkstil weitere Persönlichkeitsmerkmale, welche die Dialogbereitschaft beeinflussen? Und welche Rolle spielen Stereotype?

WEDO bietet aber schon heute mehrere Vorteile: Im Vergleich zu Verhaltensstudien spart das Messinstrument Zeit und Kosten und kann leicht an verschiedene Themen und Kontexte angepasst werden. Ausserdem erlaubt es, das Spektrum an Meinungen, auf das sich die Menschen einlassen wollen, nuanciert zu bewerten – und leistet damit einen Beitrag, um die Faktoren zu identifizieren, die politische Gräben überbrücken können.

Originalpublikation:
Melissa Jauch et al.
How deep a divide do we tolerate? Measuring the willingness to engage with differently minded others (WEDO)
Political Psychology (2025)
doi: 10.1111/pops.70086

KOKA – Kompetenzorientierung im Katastrophenschutz

Extremwetter, Stromausfälle und andere Krisenlagen stellen Einsatzkräfte vor enorme Herausforderungen. 

Unter Zeitdruck und in oft unübersichtlichen Situationen müssen sie schnell, sicher und koordiniert handeln. Vor diesem Hintergrund hat das Team um Dr. Christian K. Karl von der Universität Duisburg-Essen hierzu ein organisationsübergreifendes Modell für Ausbildung und Training entwickelt. 

Es ist Teil des Forschungsprojekts KOKA – Kompetenzorientierung im Katastrophenschutz.

Im Katastrophenschutz sind Technik und Organisation unverzichtbar – doch sie allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, wie professionell Einsatzkräfte in komplexen und unsicheren Lagen handeln. „Da sich Ausbildungen im Katastrophenschutz je nach Organisation, Aufgabenbereich oder Ausbildungsebene unterscheiden, sind wir der Frage nachgegangen, wie sich diese Anforderungen systematisch erfassen und zusammenführen lassen“, erklärt Dr. Christian K. Karl von der Fachdidaktik Bautechnik der Universität Duisburg-Essen.

Dafür haben er und sein Team mehr als 300 Lernziele aus bestehenden Ausbildungsunterlagen analysiert – unter anderem von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), Rettungsdiensten, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sowie Akteuren der Wasserwirtschaft. 

Hieraus haben die Forschenden anschließend das ABCD-Modell der Katastrophenschutzdidaktik entworfen.

Es strukturiert Kompetenzen entlang der Phasen Vorsorge, Einsatz und Nachsorge und beschreibt, was professionelles Handeln unter Bedingungen von Unsicherheit, Zeitdruck und in dynamischen wie vielschichtigen Einsatzsituationen ausmacht. „Das ABCD-Modell soll helfen, die Ausbildung und das Training im Katastrophenschutz organisationsübergreifend weiterzuentwickeln“, sagt Dr. Christian K. Karl.

Analyse und Modell sind open access verfügbar und richten sich an Verantwortliche aus Einsatzpraxis, Ausbildung und Politik: 

https://duepublico2.uni-due.de/receive/duepublico_mods_00084743

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Dr. Christian K. Karl, Fachdidaktik Bautechnik, christian.karl@uni-due.de

Originalpublikation:
https://duepublico2.uni-due.de/receive/duepublico_mods_00084743


Weitere Informationen finden Sie unter


https://www.uni-due.de/bautechnik/kompetenzorientierung_katastrophenschutz.php

Pflege von Demenz - Patienten

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Universität Jena leitet bundesweites Forschungsprojekt zur Stärkung psychischer Ressourcen und Selbstfürsorge

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Demenz – die Pflege übernehmen überwiegend Angehörige. Ein von der Universität Jena geleitetes neues Forschungsprojekt nimmt die pflegenden Angehörigen in den Blick und bietet ihnen ein präventives psychotherapeutisches Unterstützungsangebot an. Das Projekt „AnDem-RoSe“ und dessen wissenschaftliche Begleitung werden vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss mit insgesamt rund drei Millionen Euro gefördert. Ziel ist es, psychische Belastungen zu reduzieren und tragfähige Versorgungsstrukturen zu entwickeln.

Hohe Belastung pflegender Angehöriger

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz findet in den meisten Fällen zu Hause statt und wird über Jahre hinweg von Angehörigen geleistet. Sie unterstützen im Alltag, organisieren Arztbesuche und geben Halt in Phasen der Orientierungslosigkeit. Oft geschieht dies neben Beruf, Familie und weiteren Verpflichtungen. Die dauerhafte Verantwortung kann zu erheblicher psychischer Belastung führen – bis hin zu Erschöpfung, depressiven Symptomen oder Ängsten.

An dieser Stelle setzt das Forschungsprojekt „AnDem-RoSe“ (Ressourcenrealisierung und Selbsthilfe für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz) an. Unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Wilz vom Institut für Psychologie der Universität Jena erprobt das Projektteam ein präventives psychotherapeutisches Unterstützungsangebot für besonders belastete pflegende Angehörige. „Mit AnDem-RoSe wollen wir Strategien vermitteln, die Belastungen verringern und das Wohlbefinden der Angehörigen langfristig fördern“, so Prof. Wilz, die sich seit vielen Jahren als Forscherin und Psychotherapeutin für die Unterstützung pflegender Angehöriger engagiert.

Psychotherapeutische Gespräche und ein Online-Selbsthilfe-Tool

Etwa 350 Personen sollen in den kommenden vier Jahren an der Studie teilnehmen. Sie erhalten das Angebot von zwölf psychotherapeutischen Gesprächen, die wahlweise per Telefon oder Videotelefonie stattfinden können. Thematisiert werden unter anderem das Verstehen krankheitsbedingter Veränderungen, der Umgang mit Erschöpfung, Sorgen und Schuldgefühlen sowie der Aufbau selbstfürsorglicher Aktivitäten im Alltag.

Ergänzt wird das Angebot durch ein zusätzliches Online-Selbsthilfe-Tool. Um dessen Wirksamkeit zu überprüfen, werden die Studienteilnehmenden zufällig einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Nach sechs sowie nach zwölf Monaten wertet das Studienteam aus, inwiefern sich die psychischen Belastungen bei den Teilnehmenden reduziert haben.

Breit aufgestelltes Konsortium für eine nachhaltige Versorgung

Neben der Universität Jena sind mehrere Konsortialpartner am Projekt beteiligt: die Robert Bosch Gesellschaft für medizinische Forschung mbH, die MSB Medical School Berlin sowie das Center for Health Economics Research Hannover der Leibniz Universität Hannover. Zudem werden Krankenkassen und Praxispartner wie Interessenverbände und regionale Alzheimer-Gesellschaften eingebunden, um belastete Angehörige gezielt zu erreichen.
Eine zentrale Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Pflegekassen – insbesondere mit der AOK Bayern als weiterem Konsortialpartner. „Fast 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut – einen großen Teil davon übernehmen pflegende Angehörige. Neben der körperlichen Belastung ist dies auch eine mentale Herausforderung, für die sie dringend Unterstützung benötigen“, sagt Alexandra Kist, Geschäftsbereichsleiterin Pflege bei der AOK Bayern. „Genau hier setzt unser gemeinsames digitales Versorgungsprojekt an.“ Langfristig soll „AnDem-RoSe“ dazu beitragen, dass innovative Unterstützungsangebote systemisch in die Versorgung pflegender Angehöriger integriert werden.

Weiterführende Informationen:

Informationen zum Projekt und zur Teilnahme erhalten interessierte Personen bei Projektmitarbeiterin Sophie Geßner per Telefon (+49 3641 9-45173) oder E-Mail (andemrose@uni-jena.de). Die Telefonsprechzeit ist montags von 10 bis 12 Uhr und mittwochs von 14 bis 16 Uhr. Außerhalb der Sprechzeiten können auch Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden.

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Prof. Dr. Gabriele Wilz
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Humboldtstraße 11, 07743 Jena
Tel.: +49 3641 9-45171
E-Mail: gabriele.wilz@uni-jena.de

Notstrommanagement für Pflegeheime als Pflicht

Für Pflegeheime sind Notstromaggregate unerlässlich, um kritische Infrastruktur bei Stromausfällen zu sichern und die Bewohnerversorgung zu gewährleisten, oft mittels spezieller, leistungsstarker Diesel-Aggregate mit 72h-Autonomie oder Gas-/Hybrid-Lösungen, die eine nahtlose Hauseinspeisung über Umschaltvorrichtungen ermöglichen, wobei auch Notfall-Mietlösungen bestehen, aber die Nachrüstung durch Förderprogramme (wie in NRW) vorangetrieben wird. 
Warum Notstromaggregate in Pflegeheimen?
  • Kritische Infrastruktur: Pflegeheime sind Teil der kritischen Infrastruktur; ein Stromausfall gefährdet die Versorgung, Medizintechnik und Sicherheit der Bewohner.
  • Resilienz: Sie erhöhen die Fähigkeit der Einrichtung, einen Stromausfall zu überstehen, ohne Bewohner evakuieren zu müssen. 
Anforderungen und Arten:
  • Leistung: Muss hoch genug sein, um lebenswichtige Bereiche (Beleuchtung, Heizung, Pflegegeräte, Aufzüge) abzudecken.
  • Betriebsdauer: Längerfristiger Betrieb ist wichtig; Diesel-Aggregate eignen sich für Dauerbetrieb, Gas-Aggregate für nahezu unbegrenzte Laufzeiten.
  • Technik: Notstromschalter (z.B. von Hager, Kraus & Naimer) sind essenziell für die sichere Einspeisung ins Hausnetz und verhindern Rückspeisung.
  • Kraftstoff: Oft Diesel, aber auch Gas- oder Hybrid-Systeme sind möglich; Kraftstoffversorgung muss sichergestellt sein. 
Umsetzung:
  • Installation: Erfordert spezielle Einspeisepunkte und Sicherheitsmechanismen; Aufstellort muss belüftet sein.
  • Kosten/Förderung: Hohe Investitionen (Tausende Euro), aber Förderprogramme (z.B. Pflege-Notstrom-Richtlinie in NRW) unterstützen die Nachrüstung. 
Lösungen:
  • Kauf: Anschaffung eigener, leistungsstarker Aggregate.
  • Miete: Mobile Notstromaggregate (z.B. bei HO-MA Notstrom, acr rent) können kurzfristig gemietet werden. 
Beispiel: Ein THW-Einsatz versorgte ein 98-Betten-Pflegeheim in Berlin drei Tage lang mit Strom über ein Großaggregat, wodurch eine Evakuierung vermieden wurde. 

Lebensmittelpreise und Kinderernährung

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Wenn in einer Wirtschaftskrise die Lebensmittelpreise explodieren, trifft das vor allem die Stadtbevölkerung und Menschen mit niedriger Bildung. Die Folgen wirken sich unter Umständen ein Leben lang aus – etwa in einer geringeren Körpergröße betroffener Kinder. Das hat ein Forschungsteam der Universität Bonn jetzt am Beispiel der „Asienkrise“ in den 1990-er Jahren gezeigt. Damals kam es durch Turbulenzen am Finanzmarkt zu einer drastischen Verteuerung von Reis, dem wichtigsten Grundnahrungsmittel Indonesiens, die messbare Spuren in der Entwicklung von Kindern hinterlassen hat. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Global Food Security“ veröffentlicht.


Für ihre Studie werteten die Bonner Forschenden vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn den Indonesian Family Life Survey (IFLS) aus, der Haushalte über viele Jahre begleitet. Sie nutzten regionale Unterschiede bei der Reispreisinflation zwischen 1997 und 2000 und verknüpften diese mit Körpermaßen derselben Kinder in der Kindheit und später als junge Erwachsene. „Wir sehen, dass ein massiver Preisschock nicht nur kurzfristig belastet, sondern sich auch in der langfristigen körperlichen Entwicklung von Kindern niederschlagen kann“, sagt Elza S. Elmira, die Erstautorin der Studie. „Der krisenbedingte Preisanstieg erhöhte die chronische Unterernährung und ging mit einem Anstieg der Wachstumsverzögerung um 3,5 Prozentpunkte einher. Stark betroffene Kinder werden später also nicht nur kleiner sein als ihre nicht betroffenen Altersgenossen, sie sind auch deutlich anfälliger für Fettleibigkeit.“

Dieser Zusammenhang erstaunte die Forschenden. Elmira sieht ein mögliches Erklärungsmuster: „Familien sparen in Krisen weniger bei Kalorien als bei teureren, nährstoffreichen Lebensmitteln. Es entsteht dann ein ‚versteckter Mangel‘ an wichtigen Mikronährstoffen, der das Längenwachstum bremst, ohne dass das Körpergewicht im selben Maße sinken muss.“ Die Studie verfolgt die betroffenen Kinder bis 2014, als sie 17 bis 23 Jahre alt waren. Für die Gruppe, die während der Krise drei bis fünf Jahre alt war, zeigen sich signifikante Zusammenhänge mit dem Body Mass Index (BMI) und Adipositas.

Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen schützen

„Mangelerfahrungen im Kleinkindalter können ein Leben lang nachwirken – Wachstumsstörungen sind leichter zu messen gehen aber oft auch mit geistigen Entwicklungsstörungen einher, und mit einem erhöhten Risiko von Adipositas und chronischen Folgekrankheiten“, sagt Prof. Dr. Matin Qaim, Ko-Autor der Studie. „In derselben Krise können Unterernährung und Übergewicht zunehmen. Das unterstreicht, wie wichtig ernährungssensitive Krisenpolitik ist: Sie muss Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen gezielt schützen. Wenn Ernährungspolitik nur Kalorien absichert, kann sie am eigentlichen Problem vorbeigehen.“ Der Agrarökonom ist Mitglied des Transdisziplinären Forschungsbereichs „Sustainable Futures“ und des Exzellenzclusters „PhenoRob – Robotics and Phenotyping for Sustainable Crop Production“ der Universität Bonn.

Stärkerer Effekt in Städten und bei niedriger Bildung

Besonders deutlich fallen die Effekte in städtischen Regionen aus. Dort sind Haushalte stärker auf Zukauf angewiesen, während Familien auf dem Land teilweise selbst Reis produzieren. Auch der Bildungshintergrund spielt eine Rolle: Kinder von Müttern mit niedriger Bildung sind signifikant stärker betroffen als Kinder besser gebildeter Mütter. „Die Ergebnisse zeigen, dass Krisenhilfe nicht allein an Armutsgrenzen ansetzen sollte“, betonen Elmira und Qaim. „Gerade in Städten und dort, wo Wissen über ausgewogene Ernährung fehlt, kann ein Preisschock die Ernährungsqualität so verschlechtern, dass die Folgen dauerhaft spürbar bleiben.“

Warum das heute relevant ist

Die Bonner Forschenden verweisen darauf, dass Ernte-, Einkommens- und Preisschocks weltweit zunehmen – durch Konflikte, Pandemien und extreme Wetterereignisse. Die Analyse aus Indonesien liefert damit einen empirischen Hinweis, wie sich wirtschaftliche Turbulenzen über Lebensmittelpreise in langfristige Gesundheitsrisiken übersetzen können. Die Langzeitergebnisse werden in der vorliegenden Studie als statistische Zusammenhänge interpretiert; über lange Zeiträume lassen sich nicht alle Einflüsse vollständig ausschließen.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortboldungen VOR ORT

Prof. Dr. Matin Qaim
Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF)

Universität Bonn
Tel. ‪+49 228 731847‬
E-Mail: mqaim@uni-bonn.de

Originalpublikation:
Elmira E.S., Qaim M. (2026): Macroeconomic shocks and long-term nutritional outcomes: Insights from the Asian financial crisis. Global Food Security, https://doi.org/10.1016/j.gfs.2025.100900 (open access)

Gewebespenden

Eine gute Nachricht zum Jahresbeginn: 

Noch nie wurden in Deutschland so viele Gewebe gespendet wie im vergangenen Jahr. 

Obwohl es prozentual nicht mehr Zustimmungen gab als 2024, war die Anzahl der Meldungen, der Aufklärungsgespräche und damit auch der Personen, die Gewebe gespendet haben, erkennbar höher als 2024. 9.640 Patient:innen konnten mit einem Transplantat aus dem Netzwerk der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) versorgt werden. Das ist eine Steigerung von 15,2 % zum Vorjahr – ebenfalls ein Rekordwert.

Erstmals erreichten die DGFG mehr als 60.000 Meldungen potenzieller Gewebespender:innen aus mehr als 320 verschiedenen Einrichtungen. Über 12.000 Aufklärungsgespräche zur Gewebespende wurden im Jahr 2025 mit An- und Zugehörigen von Verstorbenen geführt, wobei in 4.585 Fällen eine Zustimmung zur Spende gegeben wurde. Die Zustimmungsquote lag mit 37,9 % nach einem Abwärtstrend in den vergangenen 3 Jahren mit einem Minus von 0,2 % zu 2024 nur leicht unter dem Vorjahresniveau. „Insgesamt blicken wir voller Dankbarkeit auf ein sehr Spenden-starkes Jahr 2025. Zuallererst gilt unser Dank immer den Spenderinnen und Spendern sowie ihren An- und Zugehörigen. Ihr Altruismus und ihre Solidarität machen die Gewebemedizin erst möglich. Dass wir bei gleichbleibender Zustimmungsquote mehr Spenden realisieren konnten, ist auch dem zu verdanken, dass immer mehr Kliniken in Deutschland potenzielle Spender:innen melden und die Gewebespende in ihr Selbstverständnis integrieren. Das ist in einer Zeit, in der die Kliniken und ihr Personal so stark belastet sind, keine Selbstverständlichkeit.“, sagt DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel.

Augenhornhäute – am häufigsten gespendet, am häufigsten transplantiert

Von 4.188 durchgeführten Entnahmen spendeten 4.070 Personen nach Ihrem Tod ihre Augenhornhäute. In 2025 wurden 6.370 in der Gewebebank aufbereitete Augenhornhauttransplantate zur Operation an Augenkliniken vermittelt und ermöglichten Patientinnen und Patienten ihr Augenlicht zu erhalten oder wiederzuerlangen. Das entspricht einer Steigerung um 16 % gegenüber dem Vorjahr. Und trotzdem besteht weiterhin ein Mangel an Augenhornhäuten und anderen Geweben.

Mangel an Herzklappen trotz gestiegener Spendezahl in 2025

Besonders eklatant ist der Mangel bei Herzklappen: Diese wurden zu 84,4 % im Rahmen einer Organspende entnommen, wenn das gesamte Herz für eine Organtransplantation medizinisch nicht in Frage kam. Ihre Anzahl steht somit im Zusammenhang mit den in Deutschland durchgeführten Organspenden. In diesem Jahr wurden im Netzwerk der DGFG mit einer Anzahl von ‪472 18‬,3 % mehr Herzklappen gespendet als 2024. Dennoch konnte die DGFG nur weniger als die Hälfte der Anfragen bedienen, was die Wichtigkeit des Ausbaus von Spendeprogrammen nach Herz-Kreislauf-Versterben verdeutlicht.

Innovation als Schlüssel zur besseren Patientenversorgung

Die DGFG arbeitet als gemeinnützige Organisation des Gesundheitswesens kontinuierlich daran, die Versorgungssituation mit Geweben in Deutschland zu verbessern, ob im Rahmen der Spende, Aufbereitung und Vermittlung von Gewebetransplantaten im Netzwerk oder in der Entwicklung neuer Verfahren und Gewebezubereitungen. Im Jahr 2025 feierte die DGFG das Jubiläum des LaMEK-Transplantats, das im Dezember 2015 als vorpräparierte Lamelle für die sogenannte DMEK-Operation (Descemet Membrane Endothelial Keratoplastik) vom Paul-Ehrlich-Institut genehmigt wurde. Bei diesem Operationsverfahren wird ausschließlich die geschädigte Endothelschicht der Hornhaut ersetzt; das übrige Gewebe bleibt erhalten. Für diese Technik muss das chirurgische Team im OP die lamellare Schicht der Augenhornhaut direkt vor der Transplantation präparieren – ein zeitlicher und organisatorischer Mehraufwand, der auch das Risiko des Transplantatverlusts in sich birgt. Die LaMEK bietet eine vorpräparierte, standardisierte und sichere Erleichterung, da die Lamelle im OP nur noch abgezogen werden muss. So erhalten Patient:innen ein qualitätsgeprüftes Transplantat und die Augenkliniken werden entlastet. Im Netzwerk der DGFG wurde die LaMEK seit 2015 4.371 -mal vermittelt, in 2025 allein 556-mal.

Gewebespende soll in der Öffentlichkeit zunehmend sichtbarer werden

„Im Gegensatz zur Organspende ist die Gewebespende der breiten Bevölkerung oft unbekannt. Viele Menschen kennen die Option einer Spende bis ins hohe Alter und nach Herz-Kreislauf-Versterben nicht“, erklärt Martin Börgel. In Deutschland wurden 88,3 % der gespendeten Gewebe nach Herz-Kreislauf-Versterben realisiert, der Großteil der spendenden Personen liegt in einer Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren (37,1 %). 32 % der Personen, die Gewebe gespendet haben waren älter als 75. Oft wissen Angehörige nicht, wie und ob die verstorbene Person sich zur Gewebespende geäußert hat. 69 % der Zustimmungen und 62,9 % der Ablehnungen wurden, dem Transplantationsgesetz (TPG) entsprechend, von Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der Verstorbenen entschieden. „Deshalb arbeiten wir konstant daran, die Gewebemedizin in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Für 2026 wünschen wir uns, dass der Aufklärungsgrad zur Gewebespende weiter zunimmt. Wird das Thema zu Lebzeiten mit An- und Zugehörigen besprochen, erleichtert man ihnen eine schwierige Entscheidung in einer mehr als herausfordernden Situation.“

Anbindung von Gewebespendeeinrichtungen an das Organspenderegister

Ein weiteres Hilfsmittel der Willensäußerung ist das im März 2024 in Betrieb genommene Organspende Register (OGR). Seitdem haben dort 448.681 Menschen ihre Zustimmung oder ihre Ablehnung zur Organ- und Gewebespende festgehalten (Quelle: www.organspende-info.de, Stand 30. Dezember 2025). 

Im Jahr 2026 soll nach Verabschiedung des Dritten Gesetzes zur Änderung des Transplantationsgesetzes die rechtliche Grundlage geschaffen sein, damit auch Gewebespendeeinrichtungen auf das Register und dessen Eintragungen zugreifen können. 

Das Gesetzesvorhaben war im November 2024 mit dem Bruch der Regierungskoalition zunächst eingestellt, im Sommer 2025 vom Bundesgesundheitsministerium aber wieder aufgenommen worden.

Körperlich aktiver Lebensstil 2 0 2 6 !

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Alzheimer und Schlaganfall sind zwei häufige und gefürchtete neurologische Krankheiten. Doch man kann aktiv vorbeugen und damit sein persönliches Risiko, eine der beide Diagnosen zu erhalten, deutlich absenken. Gerade Bewegung und Sport lohnen sich. Das zeigte eine aktuell zu Weihnachten publizierte Studie aus „BMC Public Health“ [1]. Ein aktiver Lebensstil und ausreichend Schlaf hatten sogar einen schützenden Effekt bei Menschen mit genetischer Vorbelastung für diese Krankheiten. Diese Maßnahmen lohnen sich also für alle Menschen und sollten ganz oben auf der Liste der guten Vorsätze für 2026 stehen.

In den nächsten Jahren wird ein dramatischer Anstieg von Demenz-Erkrankungen erwartet: Derzeit leben in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen mit einer diagnostizierten Demenz. Nach Angaben des Deutsches Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) könnte diese Zahl im Jahr 2030 auf bis zu 1,9 Millionen ansteigen, im Jahr 2040 auf bis zu 2,3 Millionen und im Jahr 2050 bis zu 2,7 Millionen erreichen [2]. Auch im Hinblick auf den Schlaganfall wird mit einem Anstieg der Fallzahlen gerechnet. Derzeit erleiden jährlich in Deutschland rund ‪270.000‬ Menschen einen Schlaganfall. Gemäß dem Report der „Stroke Alliance for Europe“ (SAFE) [3] wird die Zahl der Menschen, die mit den Folgen eines Schlaganfalls leben müssen, zwischen 2017 und 2040 allein um 35 % ansteigen.

Eine aktuelle prospektive Kohortenstudie aus Großbritannien [1] untersuchte, wie viel Einfluss der Lebensstil auf das Schlaganfall- und Demenzrisiko nehmen kann. Aus der „UK-Biobank“ wurden 474.983 Personen im Alter von 37–73 Jahren ohne vorbekannten Schlaganfall oder Demenz untersucht. Für jeden Teilnehmenden wurde ein Score (0 - 4 Punkte) berechnet, je nach Lebensstil. Darin flossen regelmäßige körperliche Aktivität, eine Schlafdauer von 7 bis 8 Stunden pro Tag, eine tägliche Sitzdauer von weniger als 6 Stunden und eine Handgriffstärke über dem geschlechsspezifischen Medianwert als Marker für die allgemeine Muskelkraft. Regelmäßige körperliche Aktivität wurde dabei definiert als mindestens 150 Minuten moderate Aktivität oder 75 Minuten intensive Aktivität pro Woche (oder eine gleichwertige Kombination aus beidem) oder moderate Aktivität an mindestens 5 Tagen pro Woche oder intensive Aktivität an mindestens 3 Tagen pro Woche (jeweils ≥ 10 Minuten am Stück).

Das Follow-up betrug im Median 10,1 Jahre. Als primäre Endpunkte wurden inzidente Schlaganfälle und Demenzdiagnosen (mit Subtypen wie Alzheimer- und vaskuläre Demenz) erfasst. Im Verlauf der Studie traten 4.992 Schlaganfälle und 2.120 Demenzerkrankungen auf. Und die Analyse belegte einen deutlichen Schutz durch den Lebensstil; je mehr gesunde Faktoren erfüllt waren, desto höher war der Schutzeffekt. Das Schlaganfall-Risiko nahm um 15 % ab, wenn 2 der 4 Kriterien erfüllt wurden, sank um 29 % bei 3 Kriterien und bei Erfüllung aller 4 Kriterien sogar um 35 %. Noch größer waren die Effekte auf das Demenzrisiko. Bei Erfüllung von 2 Kriterien sank das Risiko um 26 %, bei 3 um 36 % und bei 4 Kriterien um 57 %.

Offensichtlich kann man sein persönliches Erkrankungsrisiko auch bei genetischer Prädisposition maßgeblich beeinflussen

„Das sind sehr beeindruckende Zahlen“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit. „Wer über zehn Jahre konsequent körperlich aktiv ist, also regelmäßig Sport treibt, am Tag wenig sitzt und darüber hinaus ausreichend schläft, kann dieser aktuelle Erhebung zufolge sein Demenzrisiko mehr als halbieren.“ Besonders aufschlussreich sei zudem, dass diese Schutzwirkungen auch bei Personen beobachtet wurden, die als genetisch vorbelastet gelten. Die Vorteile eines gesünderen Lebensstils auf Schlaganfall und Demenz zeigten sich unabhängig vom Vorliegen der APOE-ε4-Genvariante, die für die Entwicklung von Demenz-Erkrankungen und neuen Erkenntnissen zufolge auch mit Schlaganfällen bei jüngeren Menschen [4] in Zusammenhang steht. „In der Studie hatten die Lebensstilmaßnahmen auch bei Menschen mit diesem Risiko-Gen signifikante Schutzwirkungen. Das bedeutet, dass man sein persönliches Erkrankungsrisiko trotz genetischer Prädisposition maßgeblich beeinflussen kann.“

Ein körperlich aktiver Lebensstil ist die halbe Miete

Mut mache das hohe Ausmaß der Schutzwirkung von lediglich zwei Maßnahmen, einem körperlich aktiven Lebensstil und ausrechender Schlafdauer. Den großen Effekt von Bewegung hatte bereits eine Anfang November im Fachjournal „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie [5] gezeigt, in der bei 296 kognitiv unbeeinträchtigten Personen longitudinal über einen Zeitraum von bis zu 14 Jahren die mittels Schrittzähler gemessene körperliche Aktivität, Aβ- und Tau-PET-Daten sowie die Ergebnisse der jährlichen kognitiven Untersuchung ausgewertet wurden. Analysiert wurde, ob körperliche Aktivität mit einem langsameren kognitiven und funktionellen Rückgang durch unterschiedliche Ausprägung der Aβ- und Tau-Akkumulation verbunden ist. Diese Hypothese bestätigte sich im Ergebnis. Es zeigte sich eine „dosisabhängige“ Wirkung von Bewegung bei einem täglichen Pensum von 5.000 bis 7.500 Schritten, und der Effekt dieses im Verhältnis moderaten Bewegungspensums war enorm: Im Vergleich zu inaktiven Personen war der kognitive Abbau bei steigender körperlicher Aktivität bis zu 51 % geringer.

„Beide Studien zeigen, dass ausreichend Bewegung bereits die halbe Miete in Sachen Demenzprävention ist“, fasst DGN-Generalsekretär Berlit zusammen. Neben Bewegungsmangel sind viele weitere Demenzrisikofaktoren bekannt, wie z. B. schlechtes Seh- oder Hörvermögen, soziale Isolation oder ungesunde Ernährung. „Das alles sind Stellschrauben, über die jeder sein persönliches Demenzrisiko beeinflussen kann. Und die Korrektur vieler dieser Risikofaktoren schützt auch vor anderen neurologischen Krankheiten wie Schlaganfall oder Parkinson. Ein gesunder Lebensstil lohnt sich also für alle!“

[1] Chen LH, Chen CL, Hong Y, Yin X, Liu Z, Lu Y, Chen Z, Tan Y, Li FR, Li Y, Chen GC, Liu T, Tian H. Physical activity, muscle strength, sedentary behavior, sleep, and genetic risk of stroke and dementia: findings from a large cohort study. BMC Public Health. 2025 Dec 24;25(1):4305. doi: 10.1186/s12889-025-25305-4. PMID: ‪41444571‬; PMCID: PMC12729355.
[2] https://www.dzne.de/aktuelles/hintergrund/faktenzentrale
[3] Stroke Alliance for Europe (SAFE). AT WHAT COST THE ECONOMIC IMPACT OF STROKE IN EUROPE- A summary. https://www.safestroke.eu/economic-impact-of-stroke/
[4] Lagging C, Lorentzen E, Stanne TM, Pedersen A, Söderholm M, Cole JW et al. APOE ε4 is associated with younger age at ischemic stroke onset but not with stroke outcome. Neurology. 2019;93(19):849–53.
[5] Yau WW, Kirn DR, Rabin JS et al. Physical activity as a modifiable risk factor in preclinical Alzheimer's disease. Nat Med. 2025 Nov 3. doi: 10.1038/s41591-025-03955-6. Epub ahead of print. PMID: ‪41184638‬.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Prof. Dr. Peter Berlit
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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 13.500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern und zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsidentin: Prof. Dr. Daniela Berg
Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. Dr. Sven Meuth
Past-Präsident: Prof. Dr. Lars Timmermann
Generalsekretär: Prof. Dr. Peter Berlit
Geschäftsführer: David Friedrich-Schmidt
Geschäftsstelle: Budapester Str. 7/9, 10787 Berlin, Tel.: ‪+49 (0)30 531437930‬, E-Mail: info@dgn.org

Originalpublikation:
doi: 10.1186/s12889-025-25305-4

Chronische Nasennebenhöhlenentzündung


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Nach mehr als zweijähriger intensiver Vorbereitung ist es soweit: Das Deutsche Register für Chronische Rhinosinusitis (CRS-Register) ist offiziell gestartet. Das Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) und des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (AeDA) setzt neue Maßstäbe in der strukturierten Erfassung von Diagnostik, Therapie und Krankheitsverlauf bei Patient:innen mit chronischer Rhinosinusitis.

Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (CRS) ist eine weit verbreitete Erkrankung – dennoch fehlen bislang strukturierte Daten zur Wirksamkeit verschiedener Behandlungsansätze bei unterschiedlichen Ausprägungen. Unter Leitung eines interdisziplinären Komitees aus führenden Expert:Innen beider Fachgesellschaften will die Koordinierungsstelle Deutsches CRS-Register (German National Registry for CRS: GENRE-CRS) diese Lücke schließen. Mit Hilfe einer deutschlandweiten Datensammlung werden Gesundheitsinformationen von CRS-Patient:innen – nicht nur punktuell erfasst, sondern sollen über viele Jahre hinweg analysiert werden.

Beim offiziellen Start des Deutschen CRS-Registers wiesen die beiden Leiter des Projekts Professor Ludger Klimek (Wiesbaden) für den AeDA und PD Sven Becker (Tübingen) für die DGHNO-KHC auf die besondere Bedeutung von GENRE-CRS für die Erforschung der Erkrankung hin: „Das Deutsche CRS-Register ist ein weltweit einmaliges Projekt, dass in idealer Weise moderne digitale Tools für die Krankheitsbegleitung mit Künstlicher Intelligenz in der Verarbeitung der riesigen Datenmengen verbindet. Wir sind sehr glücklich, dass nach über 2-jähriger Vorbereitung der Start noch vor Weihnachten 2025 erfolgen konnte.“

Beide wiesen auch auf die Besonderheit in der Finanzierung des Projekt hin: „GENRE-CRS wurde komplett aus Eigenmitteln ohne öffentliche Förderung oder Sponsorengelder finanziert. Damit können wir die Unabhängigkeit und Neutralität garantieren – das CRS-Register dient allein der Wissenschaft und unseren Patient:innen.“ Nach Klimek und Becker wird somit die Grundlage geschaffen, um mit den gewonnenen Daten zukünftige Leitlinien, Therapieentscheidungen und Forschungsprojekte zu ermöglichen und zielgerichteter zu gestalten.

Das GENRE-CRS-Register ist auf eine langfristige Beobachtung ausgelegt und läuft unbegrenzt, sodass Krankheitsverläufe über viele Jahre hinweg dokumentiert werden können. Die Datenerfassung erfolgt digital: Ärztinnen und Ärzte geben alle relevanten Informationen direkt während der Konsultation über eine benutzerfreundliche Eingabemaske ein. Die erfassten Daten können anschließend als Arztbrief oder strukturierter Bericht (PDF) exportiert und problemlos in das Praxis- oder Klinikdokumentationssystem integriert werden. Zusätzlich werden Patient:innen aktiv eingebunden: Sie dokumentieren ihre Symptome in einem digitalen Tagebuch und beantworten begleitende Fragebögen über eine Smartphone-App.

Die deutschlandweite prospektive Datenerhebung startet im Frühjahr 2026. Ärztinnen und Ärzte sind herzlich eingeladen, sich bereits jetzt zu beteiligen und den Start in ihrer Praxis oder ihrem Zentrum vorzubereiten.

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. fördert die wissenschaftliche und praktische Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und unterstützt die Weiter- und Fortbildung anderer wissenschaftlicher Gesellschaften, Gesundheitsbehörden und Einrichtungen bei Belangen der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Website: https://www.hno.org/

Der Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA) wurde 1969 als "Ärztliche Arbeitsgemeinschaft für angewandte Allergologie" in Form eines gemeinnützigen Vereins gegründet. Der AeDA ist in erster Linie ein Verband von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, deren Interesse besonders der angewandten Allergologie gilt. 

Website: https://aeda.de

Deutsche Gesellschaft für Hals- Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO-KHC)

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