Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Blutstrominfektionen

space


Neue Studie zeigt, wie winzige Membranbläschen von Immunzellen das Überleben von Candida albicans im Blut begünstigen

Eigentlich ist unsere Immunabwehr ein ausgeklügeltes System, das uns vor Krankheitserregern schützt. Doch ein Forschungsteam der Universitäten Würzburg und Jena sowie des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) zeigt nun, dass bestimmte Bestandteile dem Hefepilz Candida albicans offenbar dabei helfen, ebendieser Abwehr zu entgehen. Die im Journal of Extracellular Vesicles veröffentlichte Studie beschreibt damit eine unerwartete Kehrseite der Immunantwort auf den pilzlichen Eindringling.

Candida albicans lebt bei vielen Menschen unauffällig auf Haut und Schleimhäuten. Breitet sich der Pilz jedoch über die Blutbahn im Körper aus, kann er insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden. Zu den wichtigsten Abwehrzellen gegen solche Eindringlinge gehören neutrophile Granulozyten. Diese weißen Blutkörperchen können Krankheitserreger erkennen, in ihr Zellinneres aufnehmen und unschädlich machen.

In der aktuellen Studie untersuchten die Forschenden die Begegnung zwischen diesen Immun- und Pilzzellen in einem Labormodell. Dazu versetzten sie das Blut gesunder Spender*innen mit Candida albicans. „Uns fiel dabei auf, dass ein kleiner Teil der Pilzzellen stets frei im Blut verblieb, obwohl genügend Abwehrzellen vorhanden waren, die sie hätten aufnehmen können“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Oliver Kurzai. „Dass ausgerechnet Bestandteile der Immunzellen selbst zu diesem Effekt beitragen, war für uns eine überraschende Beobachtung.“

Membranbläschen mit paradoxer Wirkung

Denn auf der Suche nach einer Erklärung entdeckte das Team Proteine auf der Oberfläche der frei gebliebenen Pilzzellen, die ursprünglich von neutrophilen Granulozyten, also den körpereigenen Immunzellen, stammten. Die Spur führte schließlich zu extrazellulären Vesikeln: winzigen, von einer Membran umhüllten Bläschen, die von Immunzellen in ihre Umgebung abgegeben werden. Man kann sie sich als kleine, freischwimmende „Pakete“ vorstellen, die in und auf ihrer Hülle Proteine und andere Moleküle ihrer Ursprungszelle transportieren.

Auch neutrophile Granulozyten setzen solche Vesikel frei, wenn sie mit Krankheitserregern in Kontakt kommen. Das Forschungsteam isolierte die Bläschen und zeigte, dass sie sich an Candida albicans anlagern. Dabei übertragen sie Bestandteile der Immunzellen auf die Oberfläche des Pilzes.

Das Ergebnis dieser Interaktion ist paradox: Die Vesikel enthalten zwar zahlreiche Abwehrstoffe, bremsen das Wachstum des Pilzes jedoch nicht. Stattdessen wurden Pilzzellen, die zuvor mit den Vesikeln in Kontakt gekommen waren, seltener von neutrophilen Granulozyten aufgenommen. Dieser Effekt zeigte sich sowohl in Versuchen mit isolierten Immunzellen als auch im Vollblut.

Keine aktive Verteidigungsstrategie des Pilzes

Von Candida albicans sind verschiedene aktive Strategien bekannt, um der Immunabwehr gezielt zu entgehen. Der nun beschriebene Effekt gehört jedoch nicht dazu. Er tritt sogar bei abgetöteten Pilzen auf. Zudem bietet er keinen vollumfänglichen Schutz.

„Das ist kein Schwarz-Weiß-Effekt: Die Vesikel verhindern nicht vollständig, dass Immunzellen den Pilz aufnehmen. Sie verschieben jedoch die Wahrscheinlichkeit zu seinen Gunsten, sodass ein größerer Anteil der Pilzzellen außerhalb der Abwehrzellen verbleibt“, erklärt Dr. Kerstin Hünniger-Ast, Letztautorin der Studie. „Ein Vorteil, den Candida albicans offenbar nicht selbst herbeigeführt hat. Vielmehr entsteht er als Folge unserer eigenen Immunreaktion.“

Wie der Schutz genau entsteht, ist noch offen

Warum die Vesikel die Aufnahme des Pilzes erschweren, ist noch nicht abschließend geklärt. Denkbar ist, dass die angelagerten Bläschen typische Strukturen der Pilzzellwand räumlich verdecken. Die Immunzellen könnten den Erreger dann schlechter erkennen. Möglich ist auch, dass die übertragenen körpereigenen Proteine die Pilzoberfläche für die Abwehr weniger fremd erscheinen lassen. Unter dieser vermeintlich körpereigenen Hülle könnten die Pilzzellen dem Zugriff der Immunabwehr leichter entgehen.

Die Ergebnisse erweitern das Verständnis der Rolle von extrazellulären Vesikeln im Rahmen von Pilzinfektionen. Frühere Arbeiten hatten gezeigt, dass solche Vesikel neutrophiler Granulozyten das Wachstum des Schimmelpilzes Aspergillus fumigatus hemmen können. Bei Candida albicans offenbarte sich nun eine andere Seite derselben Abwehrwerkzeuge: Trotz ihrer antimikrobiellen Fracht beeinträchtigen die Vesikel das Wachstum des Pilzes nicht. Stattdessen tragen sie dazu bei, dass er seltener von Immunzellen aufgenommen wird.

Ob der beschriebene Mechanismus so auch bei Patient*innen mit einer Candida-Blutstrominfektion abläuft und bei weiteren Krankheitserregern eine Rolle spielt, müssen künftige Studien zeigen.

Hintergrund und Förderung

Oliver Kurzai, unter dessen Federführung die Studie entstand, ist Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und leitet zugleich das am Leibniz-HKI angesiedelte Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk). An der Forschungsarbeit waren Wissenschaftler*innen der Universität Würzburg, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-HKI beteiligt.
Damit knüpft die Studie an die langjährige Zusammenarbeit der Standorte Jena und Würzburg im DFG-geförderten Sonderforschungsbereich/Transregio FungiNet an. Zentraler Forschungsgegenstand dieses Sonderforschungsbereichs waren die Wechselwirkungen zwischen krankheitserregenden Pilzen und der menschlichen Immunabwehr.

Die Studie wurde von mehreren Fördermittelgebern unterstützt, darunter neben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Europäische Union und das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Prof. Dr. Oliver Kurzai

oliver.kurzai@uni-wuerzburg.de

Originalpublikation:
Patitz JJ, Nieuwenhuizen NE, Solomatina A, Bachelot Y, Krüger T, Svensson CM, Hoeppener S, Zimmermann AK, Blango MG, Martin R, Kniemeyer O, Lange T, Brakhage AA, Figge MT, Kurzai O, Hünniger-Ast K (2026) Host-to-pathogen transfer of neutrophil components via extracellular vesicles shields Candida albicans from immune attack in human blood. Journal of Extracellular Vesicles 15(9): e70363. doi: 10.1002/jev2.70363

Adipositas und Entzündungen

space


Adipositas betrifft in Deutschland etwa 19,7 Prozent der Erwachsenen. Die Fettleibigkeit belastet nicht nur die Gelenke, sondern verändert auch das Immunsystem der Betroffenen. Leipziger Forschende fanden im Blut von Menschen mit Adipositas dieselben entzündungsfördernden Immunzellen vermehrt wie bei Rheumakranken. 

Nach einer Magenband-Operation und starkem Gewichtsverlust bildeten sich die Veränderungen weitgehend zurück. Die Ergebnisse zeigen einen immunologischen Zusammenhang zwischen Adipositas und rheumatoider Arthritis (RA) – und werfen neue Fragen für die Behandlung auf.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen sogenannte intermediäre Monozyten, eine besonders entzündungsaktive Untergruppe weißer Blutkörperchen. 

Bei rheumatoider Arthritis kommen diese Zellen vermehrt vor. Sie fördern die Bildung von Th17-Zellen, die für Gelenkentzündung und Knochenabbau zentral sind. Untersuchungen an insgesamt 100 fettleibigen oder normalgewichtigen Menschen zeigten: Auch bei Adipositas verschiebt sich die Zusammensetzung der Monozyten zugunsten dieser Untergruppe von Zellen. Die Veränderung hing unter anderem mit Body-Mass-Index, Körperfettanteil, Bauchumfang, Blutfetten und Langzeitblutzucker zusammen. 

„Dass sich bei Adipositas und rheumatoider Arthritis dieselbe entzündungsfreudige Zellpopulation vermehrt, weist auf eine mögliche gemeinsame Stellschraube hin“, betont Wagner.

Gewichtsverlust verändert auch die Immunzellen
Um dies zu untersuchen, begleiteten die Leipziger Forschenden über zwölf Monate 111 Patientinnen und Patienten nach einer bariatrischen Operation, bei der diesen der Magen verkleinert worden war. Bei einem mittleren Gewichtsverlust von rund 45 Kilogramm bildete sich die erhöhte Zahl der Monozyten zurück. Auch der Entzündungsmarker CD16 nahm ab; parallel sanken die Entzündungswerte, der Langzeitblutzucker und die Blutfette. „Die entzündliche Prägung des Immunsystems bei Adipositas ist kein irreversibler Schaden. Sie lässt sich zurückdrehen“, sagt Wagner. Wie viel Gewichtsverlust dafür notwendig ist, ist noch unbekannt: In einer niederländischen Vergleichsstudie führte eine geringere Gewichtsabnahme durch ein Lebensstilprogramm nicht zu einer Normalisierung der Monozyten. Welche Auswirkungen neue Abnehm-Medikamente auf diese Immunprozesse haben könnten, ist laut Wagner eine noch ungeklärte Frage.

Entzündung als neues Behandlungsziel?


Die Leipziger Forschenden gehen nun der Frage nach, ob eine entzündungshemmende Therapie bei Adipositas auch den Stoffwechsel verbessert. Geplant ist eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 200 Menschen mit Adipositas und Insulinresistenz – mit und ohne rheumatoide Arthritis. Dabei soll geprüft werden, ob eine Behandlung mit dem Entzündungshemmer Colchicin beziehungsweise eine Interleukin-1-Blockade die Insulinempfindlichkeit verbessert. „Sollte sich die Hypothese bestätigen, wäre die bei Adipositas auftretende chronische Entzündungsreaktion nicht allein eine Begleiterscheinung, sondern ein eigenständiges Behandlungsziel. Dann könnte die Rheumatologie mit ihren entzündungshemmenden Therapien möglicherweise auch zur Behandlung von Stoffwechselstörungen beitragen“, so Wagner.

Originalpublikation:
Literatur:
• Starker A, Schienkiewitz A, Damerow S, Kuhnert R. Verbreitung von Adipositas und Rauchen bei Erwachsenen in Deutschland – Entwicklung von 2003 bis 2023. J Health Monit. 2025;10(1):e12990. doi: 10.25646/12990
• Krasselt, M., Friedrich, K., Braune, L. et al. Bariatrische Chirurgie und der daraus resultierende Gewichtsverlust führen zu einer Normalisierung der peripheren Blutmonozytose bei Adipositas. Int J Obes 50 , 1742–1750 (2026). https://doi.org/10.1038/s41366-026-02093-4
• van der Valk ES, Mulder DS, Kouwenhoven T, Nagtzaam NMA, van Rossum EFC, Dik WA, Leenen PJM. Monocyte adaptations in patients with obesity during a 1.5 year lifestyle intervention. Front Immunol. 2022 Nov 17;13:‪1022361‬. doi: 10.3389/fimmu.2022.1022361. PMID: ‪36466916‬; PMCID: PMC9716348.
• Drevinge C, Scheffler JM, Koro-Arvidsson C, Sundh D, Carlsten H, Gjertsson I, Lindholm C, Lorentzon M, Rudin A, Ekwall AH, Islander U. Intermediate monocytes correlate with CXCR3+ Th17 cells but not with bone characteristics in untreated early rheumatoid arthritis. PLoS One. 2021 Mar 26;16(3):e0249205. doi: 10.1371/journal.pone.‪0249205‬. PMID: ‪33770137‬; PMCID: PMC7996983.
• Friedrich K, Sommer M, Strobel S, Thrum S, Blüher M, Wagner U and Rossol M (2019) Perturbation of the Monocyte Compartment in Human Obesity. Front. Immunol. 10:1874. doi: 10.3389/fimmu.2019.01874

Starkes Übergewicht

space


Botenstoff des Immunsystems schützt die Leber – Studie aus der Gießener Gastroenterologie

Starkes Übergewicht kann zu einer gefährlichen Verfettung der Leber führen. Eine neue Studie zeigt nun, dass ein Botenstoff des Immunsystems dabei eine überraschende Schutzfunktion übernehmen könnte: Interleukin-13 (IL-13) hilft der Leber offenbar, überschüssiges Fett abzubauen. 

Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie unter der Leitung der Gastroenterologin Prof. Dr. Elke Roeb von der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hin, die jetzt in der Zeitschrift „Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlich wurde.

Das Forschungsteam stellte fest, dass die Konzentration von IL-13 im Blut bei Menschen mit starkem Übergewicht nach einer Gewichtsabnahme deutlich anstieg. 

Dies deutet darauf hin, dass IL-13 mit den positiven Veränderungen des Stoffwechsels nach einer Gewichtsreduktion verbunden sein könnte. 

Die Untersuchungen an Mäusen bestätigten diese Vermutung: Fehlte IL-13, sammelte sich deutlich mehr Fett in der Leber an. Gleichzeitig wurde die Verbrennung von Fettsäuren beeinträchtigt. IL-13 scheint somit wesentlich dazu beizutragen, dass die Leber überschüssiges Fett nicht nur speichert, sondern auch wieder abbauen kann.

Die Forschenden um Prof. Roeb konnten außerdem den zugrunde liegenden Mechanismus entschlüsseln. IL-13 aktiviert in den Leberzellen eine Signalkette über IL-13Rα1, JNK und FOSL2, die zentrale Stoffwechselprogramme zur Fettverbrennung anschaltet. Dadurch wird die Verarbeitung und Verbrennung von Fettsäuren gefördert und die Einlagerung von Triglyceriden in der Leber reduziert. Bemerkenswert ist, dass sich die experimentellen Befunde auch beim Menschen widerspiegelten: FOSL2 war in Lebergewebe von Patienten mit Fettleber und entzündlicher Fettlebererkrankung verstärkt nachweisbar.

„Die Ergebnisse verändern den Blick auf die Entstehung der Fettleber“, sagt Prof. Roeb. 

„Das Immunsystem ist offenbar nicht nur an Entzündungsprozessen beteiligt, sondern kann den Fettstoffwechsel der Leber direkt regulieren. IL-13 könnte dabei eine bislang unterschätzte Schutzfunktion besitzen.“ Der identifizierte IL-13-FOSL2-PPAR-Signalweg eröffne deshalb eine neue Perspektive für die Entwicklung zukünftiger Therapien. Ziel könnte es sein, die natürlichen Mechanismen der Leber zur Fettverbrennung gezielt zu stärken und dadurch die Fetteinlagerung zu vermindern. Die Studie liefert damit einen wichtigen neuen Ansatz: Nicht nur der Fettstoffwechsel, sondern auch das Immunsystem könnte ein Schlüssel zur Behandlung der Fettleber sein.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Prof. Dr. med. Elke Roeb, Professur für Gastroenterologie
Telefon: 0641 985-42338
E-Mail: elke.roeb@innere.med.uni-giessen.de

Originalpublikation:
Verena von Bülow, Dejan A. Felske, Sarah B. Riebeling, Fabian P. Schmidt, Frederik Stettler, Andreas Schmid, Thomas Karrasch, Klaus Eder, Erika Most, Gertrud Morlock, Annika Haase, Jens Bier, Heike M. Hermanns, Andreas Geier, Christopher Tuffs, Jörn Pons-Kühnemann, Martin Roderfeld, Elke Roeb: IL-13 ameliorates hepatocellular steatosis via IL-13Rα1/JNK/FOSL2 signaling pathway, Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology, 2026
https://doi.org/10.1016/j.jcmgh.2026.101879

Lipödem

space


Eine neue Studie bestätigt die Vorteile der Liposuktion bei Lipödem gegenüber der konservativen Behandlung. Gleichzeitig bedarf es bei jeder Patientin einer individuellen Risikoabwägung / Veröffentlichung in „The Lancet“

Mit der Veröffentlichung der Publikation „Liposuction versus conservative therapy for patients with lipoedema: A randomised controlled multi-centre clinical trial“ in der Fachzeitschrift The Lancet liegt erstmals eine groß angelegte, multizentrische Evidenzbasis zur operativen Behandlung des Lipödems vor. Die Ergebnisse der LIPLEG-Studie (LIP - Liposuktion, LEG – Bein), einer randomisierten kontrollierten Untersuchung an 11 Standorten in Deutschland mit insgesamt 410 Patientinnen im Stadium I bis III des Lipödems, zeigen, dass die Liposuktion der bisherigen Standardtherapie in zentralen Behandlungsergebnissen deutlich überlegen sein kann.

Das Lipödem ist eine chronische, schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft und typischerweise mit Fettansammlungen an Beinen und teils Armen, Druckschmerz sowie erhöhter Hämatomneigung einhergeht. Die bislang etablierte Standardtherapie besteht aus einer komplexen Entstauungstherapie mit Lymphdrainage, Kompression und Bewegung. Diese kann Symptome lindern, erfordert jedoch eine dauerhafte Anwendung und führt häufig nur zu begrenzter Schmerzentlastung. Die Liposuktion ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem krankhaft vermehrtes Fettgewebe gezielt abgesaugt wird.

Neben der Universität und Uniklinik Köln, insbesondere dem Zentrum für Klinische Studien (ZKS) Köln und dem Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik der Universität, war die Hautklinik des Klinikums Darmstadt als Sponsor und Studienleitung beteiligt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der die LIPLEG-Studie initiiert und aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert hatte, entschied 2025, die Liposuktion beim Lipödem unter definierten Voraussetzungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Damit wurde die operative Behandlung erstmals als reguläre Kassenleistung etabliert. Der G-BA beauftragte 2019 das ZKS Köln, gemeinsam mit der Hautklinik in Darmstadt die Studie zur Effektivität der operativen Behandlung wissenschaftlich zu begleiten und die Ergebnisse auszuwerten.

In der Studie erhielten alle Teilnehmerinnen zunächst eine mehrmonatige konservative Vorbehandlung, bevor sie randomisiert entweder der weiteren konservativen Therapie oder einer Liposuktion zugeteilt wurden. 

Nach 12 Monaten zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Gruppen: 68,3 Prozent der operierten Patientinnen erreichten eine klinisch relevante Schmerzreduktion von mindestens zwei Punkten auf einer zehnstufigen Skala, während dies in der konservativ behandelten Gruppe nur bei 7,6 Prozent der Fall war. Damit erreichten unter Liposuktion deutlich mehr Patientinnen eine relevante Schmerzverbesserung als unter Standardtherapie. Gleichzeitig zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.

„Unsere Daten zeigen erstmals, dass die Liposuktion bei Lipödem eine sehr deutliche und klinisch relevante Schmerzreduktion erreichen kann“, erklärt Professor Dr. med. Oliver A. Cornely, einer der zentral beteiligten Forschenden und wissenschaftlicher Leiter des ZKS Köln. Die nun nachgewiesene deutliche Schmerzlinderung war auch der Aspekt, der Professor Dr. med. Maurizio Podda († 2025), Leiter der Studie und Direktor der Hautklinik des Klinikums Darmstadt, am meisten erfreute und beeindruckte. „Gleichzeitig müssen wir die chirurgischen Risiken klar benennen. Es handelt sich nicht um eine triviale Intervention, sondern um eine wirksame, aber invasive Therapieoption, die sorgfältig ausgewählt und begleitet werden muss“, fügt Cornely hinzu.

Unerwünschte Ereignisse traten in der Liposuktionsgruppe häufiger auf als unter konservativer Therapie, darunter auch Komplikationen, die ausschließlich im operativen Studienarm beobachtet wurden. Daher sei wie bei allen chirurgischen Eingriffen eine sorgfältige individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig.

Für viele Jahre galt die konservative Therapie als Standard. Die neue Publikation könnte nun zu einer Neubewertung der Behandlungsstrategie führen und liefert zugleich eine wichtige Grundlage für Entscheidungen zur Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung. Neben der 12-Monats-Auswertung laufen derzeit noch Langzeitbeobachtungen über insgesamt 36 Monate, um insbesondere die Nachhaltigkeit der Effekte sowie mögliche Spätkomplikationen zu bewerten. Die Forschenden betonen, dass weitere Studien notwendig sind, um langfristige Sicherheit, optimale chirurgische Verfahren und mögliche Unterschiede zwischen Liposuktionstechniken besser zu verstehen.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Eva Schissler
Professor Dr. med. Oliver A. Cornely
Uniklinik Köln und Medizinische Fakultät der Universität zu Köln
‪+49 221 478 85523‬
oliver.cornely@uk-koeln.de

Originalpublikation:
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)00910-4/fullt...

Atherosklerose und Autoimmunerkrankung

space


Eine neue Studie an Mäusen und Patienten zeigt, dass Atherosklerose entscheidende Kriterien für eine Autoimmunerkrankung erfüllt.

Bei Autoimmunerkrankungen wendet sich das Immunsystem in Form von krankmachenden B Zellen mit hoher Affinität oder T Zellen gegen den eigenen Körper und führt zu schweren Organschäden: Multiple Sklerose (Lähmungen des Nervensystems), Diabetes Typ 1 (Risikofaktor für Atherosklerose) und Rheumatoide Arthritis (deformierende schmerzhafte Entzündung von Gelenken) sind Beispiele für solche klinisch relevanten Autoimmunerkrankungen.

Um die Atherosklerose als Autoimmunerkrankung zu definieren, konnten bisher keine beweisenden Daten erarbeitet werden trotz weltweiter Forschungsanstrengungen seit Jahrzehnten. Forschende eines internationalen Konsortiums – unter Leitung von Professor Andreas Habenicht am Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten (IPEK) des LMU Klinikums und Professor Changjun Yin an der Sun-Yat-Sen Universität in Guangzhou China – berichten jetzt in Nature Cardiovascular Research, dass die Atherosklerose laut ihren Erkenntnissen zu den Autoimmunerkrankungen gehört.

Sie identifizierten Autoantikörper, die nach dem Transfer in Mäuse die Atherosklerose deutlich erhöhen. Diese Autoantikörper richten sich gegen das körpereigene Protein Histon 2B und andere körpereigene Proteine.

Als die Forschenden die Mäuse mit Histon 2B impften, wurde die Atherosklerose verstärkt. „Dies zeigt erstmals, dass die Atherosklerose kritische Kriterien einer Autoimmunerkrankung erfüllt“, sagt Andreas Habenicht. Die experimentellen Daten in Mäusen konnten die Forscher in einer klinischen Studie von 495 Patienten bestätigen.

Habenicht kommentiert weiter: „Unsere Ergebnisse haben transformierenden Charakter, da sie die Atherosklerose erstmals als Autoimmunerkrankung definieren. Dies hat grundlegende und weitreichende Implikationen für die zukünftige Entwicklung von Diagnostika und neuen Immuntherapeutika. Die Ergebnisse eröffnen die spannende Möglichkeit präventiver Strategien, bevor die Erkrankung zu Herzinfarkt und Schlaganfällen führt. Unsere lange Reise auf dem Weg zu diesen herausfordernden Zielen wird fortgesetzt“.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Prof. Dr. med. Andreas Habenicht
LMU Klinikum
E-Mail: andreas.habenicht@med.lmu.de
Tel.: +49 (0)89/‪4400-54679‬

Originalpublikation:
Zhang, C., Zhang, X., Ran, Y. et al. Artery tertiary lymphoid organs encode a pathogenic high-affinity autoantibody−autoantigen pair in atherosclerosis. Nat Cardiovasc Res (2026).
https://rdcu.be/YkJnDBMUgcsa

Motto: "Was übrig bleibt"

space


Übrig gebliebene Speisen müssen nicht entsorgt werden. Mit dem kostenlosen Retter-Packerl 2.0 unterstützt das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Veranstaltende dabei, Lebensmittel an Gäste weiterzugeben und so Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Anlass ist die bundesweite Aktionswoche „Zu gut für die Tonne!“.

Ob Sommerfest, Jubiläum, Vereinsfeier oder Fachtagung: Bei Veranstaltungen bleiben häufig Speisen übrig, die noch bedenkenlos verzehrt werden können. Mit dem Retter-Packerl 2.0 können Gäste diese Lebensmittel ganz einfach mitnehmen. Zugleich sensibilisiert die Aktion für einen wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln.

Unter dem Motto „Was übrigbleibt, darf mit nach Hause!“ enthält jedes Retter-Packerl:

• 10 große und 10 kleine Mitnahme-Boxen sowie 30 Papiertüten für Buffet- und Tellerreste,
• einen Buffet-Aufsteller, der auf die Aktion aufmerksam macht und Gäste zum Mitnehmen der Reste ermutigt,
• Informationsmaterialien rund um Lebensmittelwertschätzung und Lebensmittelrettung.

„Lebensmittelrettung muss nicht kompliziert sein. Oft reichen einfache Lösungen, um aus guten Vorsätzen konkretes Handeln zu machen. Mit dem Retter-Packerl geben wir Veranstaltenden ein niedrigschwelliges Angebot an die Hand, das Ressourcen schont und gleichzeitig das Bewusstsein für den Wert unserer Lebensmittel stärkt“, sagt Christine Röger, Leiterin des Kompetenzzentrums für Ernährung.

Kleiner Aufwand – große Wirkung

Das Retter-Packerl schafft einen Mehrwert für alle Beteiligten: Gäste können überschüssige Speisen unkompliziert mitnehmen und sich so aktiv gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Veranstaltende setzen ein sichtbares Zeichen für Nachhaltigkeit und leisten einen Beitrag zur Umsetzung des Nachhaltigkeitsziels SDG 12.3 der Vereinten Nationen, das eine deutliche Reduzierung der Lebensmittelverschwendung vorsieht.

Vor allem profitiert jedoch die Umwelt. In Bayern entstehen jedes Jahr rund eine Million Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle. Rund 18 Prozent davon fallen in der Außer-Haus-Verpflegung an, beispielsweise bei Veranstaltungen, in der Gastronomie oder in Kantinen. Lebensmittel zu retten, schont unser Klima und wertvolle Ressourcen wie Wasser, Energie und landwirtschaftliche Flächen. Tisch- oder Tellerreste zu retten ist besonders wirksam, da in die Zubereitung und Herstellung fertiger Speisen bereits große Mengen an Energie und Rohstoffen geflossen sind.

Kostenlos bestellen

Kommunen, öffentliche Einrichtungen, Vereine und gemeinnützige Organisationen in Bayern können das kostenlose Retter-Packerl ab dem 29. September 2026 beim KErn bestellen. Hierfür genügt eine E-Mail an nachhaltig@kern.bayern.de mit Angaben zur Einrichtung, einer Ansprechperson sowie dem geplanten Einsatz der Materialien.

Die Aktion läuft bis Ende des Jahres beziehungsweise solange der Vorrat reicht. Interessierten außerhalb Bayerns stehen die Informationsmaterialien zum Download bereit; Mitnahme-Boxen und Papiertüten müssen in diesem Fall selbst beschafft werden. Alle Informationen und die Download-Materialien sind unter https://www.kern.bayern.de/retterpackerl verfügbar.

Bundesweite Aktionswoche

Die bundesweite Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) findet vom 29.9. bis 06.10.2026 bereits zum siebten Mal statt und ist Teil der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung des BMLEH. Mehr Informationen und einen Überblick über alle deutschlandweit angemeldeten Aktionen gibt es auf https://www.zugutfuerdietonne.de/aktionswoche .

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

 
Kompetenzzentrum für Ernährung an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft
Pressestelle
E-Mail: presse@kern.bayern.de

Unter Gesundheitsängsten leiden

Leide ich an einer schweren Erkrankung?“, „Hat meine Ärztin oder mein Arzt etwas übersehen?“, „Was, wenn bei einem Arztbesuch eine lebensbedrohliche Krankheit entdeckt wird?“ Solche Sorgen sind für manche Menschen eine wahre Hürde im Alltag. Damit das Leben durch die Gesundheitssorgen nicht übermäßig eingeschränkt wird, entwickeln Psycholog*innen des Forschungs- und Behandlungszentrums für psychische Gesundheit der Ruhr-Universität Bochum effiziente und schnelle Hilfe. Sie bieten ein eintägiges Gruppentraining an, das hilft, besser mit Gesundheitssorgen und Ängsten umzugehen.

Um die Wirksamkeit der Behandlung zu prüfen, sucht das Team um Privatdozent Dr. André Wannemüller ab sofort Betroffene, die im Februar 2027 am kostenlosen eintägigen Gruppentraining teilnehmen möchten. Informationen zur Studie gibt es online

 (https://fbz-bochum.de/krankheitsangst

oder per E-Mail 

an 

hilfe-bei-krankheitsangst@ruhr-uni-bochum.de

Neue Erfahrungen nehmen die Angst

„Wir haben solche Großgruppenbehandlungsprogramme in den vergangenen Jahren schon erfolgreich bei Menschen mit unterschiedlichsten Angstproblemen durchgeführt, darunter situations- oder reizgebundene Ängste wie Spinnenangst, Zahnbehandlungsangst, Höhenangst, Angst vor Blut, Spritzen und Verletzungen, Waschzwang und Flugangst. Jüngst konnten wir ihre Wirksamkeit auch bei Zwangs- und Panikproblemen zeigen“, erklärt André Wannemüller.

Alle angewandten Verfahren gleichen sich darin, dass sie an nur einem Tag durchführbar sind und auf der bewährten Methode der Expositionstherapie basieren: Die Teilnehmenden setzen sich gezielt mit ihren belastenden Gedanken und Befürchtungen auseinander. „Dadurch können sie den Umgang damit verbessern und neue, angstnehmende Erfahrungen machen“, so der Studienleiter.

Theorie und Praxis

Das Training besteht aus einem theoretischen Teil, in dem die Teilnehmenden Hintergrundwissen zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Ängsten erhalten. Im praktischen Teil setzen sie sich in verschiedenen Übungen mit ihren Sorgen und Ängsten auseinander und arbeiten gemeinsam mit Psycholog*innen an einem entlastenden Umgang damit.

Das Training ist Teil eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts, das zusätzlich von experimentell-psychologischen Untersuchungen begleitet wird. Teilnehmen können Personen ab 18 Jahren, die unter Gesundheitsängsten leiden und diese als belastend erleben. Vor der Teilnahme erfolgt ein Vorgespräch in der psychotherapeutischen Sprechstunde der Ruhr-Universität Bochum, in dem die Eignung für die Studienteilnahme überprüft wird.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Privatdozent Dr. André Wannemüller
Lehrstuhls für klinische Psychologie und Psychotherapie
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel. ‪+49 234 32 23106‬
E-Mail: andre.wannemueller@ruhr-uni-bochum.de
Weitere Informationen finden Sie unter
- alle Infos zur Studie

Die Athletin

space


Ob olympische Medaille mit Babybauch oder stillen während des Ultramarathons – Kinderwunsch, Schwangerschaft und Leistungssport schließen sich nicht aus. Viele Spitzenathletinnen haben gezeigt, dass beides möglich ist. Doch wenn es um konkrete Fragen geht – etwa zur Trainingsgestaltung während der Schwangerschaft oder zur Rückkehr in den Leistungssport nach der Geburt – fehlt es häufig noch an verlässlichen und praxisnahen Informationen. Hier setzt die neue Webseite „Athletin-D“ an. Sie bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse praktisch für den Trainingsalltag auf und soll kontinuierlich weiterwachsen. Zahlreiche Materialien für Sportlerinnen und ihr Betreuungsteam stehen zum Download bereit.

„Athletinnen können während der Schwangerschaft in der Regel sicher weiter trainieren und nach der Geburt oft zu Spitzenleistungen zurückkehren. Vielmehr noch: Sie haben ein Recht darauf, dabei angemessen unterstützt zu werden“, betont Prof. Dr. Kirsten Legerlotz von der Bergischen Universität Wuppertal. Die Trainingswissenschaftlerin stellte die zentralen Ergebnisse aus dem Projekt „Schwangerschaft und Spitzensport“ am Donnerstagabend gemeinsam mit ihrer Kollegin Prof. Dr. Petra Platen von der Ruhr-Universität Bochum vor.

„Viele Frauen treiben Sport auf hohem Niveau, dann werden sie schwanger und sind plötzlich auf sich gestellt. Das Thema wird im Sport- und Medizinstudium bisher wenig thematisiert“, berichtet Sportmedizinerin Petra Platen. Auch für Athletinnen und Trainer*innen existierten bislang keine Leitlinien, die sie zu Rate ziehen konnten.

Unterstützungsbedarf sichtbar machen

Der Onlinegang der Webseite „Athletin-D“ sei ein erster Baustein, auch um das mangelnde Problembewusstsein aufzulösen. Für Aussagen wie „Eine Schwangerschaft ist keine Zeit für Höchstleistungen“ oder „Schwangere sollten sich schonen, die Zeit genießen“ gibt es keine wissenschaftliche Basis, bestätigen die Professorinnen.

Im Projekt werteten sie die aktuelle Studienlage aus, interviewten Athletinnen, diskutierten mit Expert*innen und entwickelten daraus nun erste Handlungsempfehlungen für die Praxis. Darunter zahlreiche Factsheets und Checklisten zu Themen wie Kinderwunsch im Spitzensport, Sicherheit und Wohlbefinden, Ernährung, Belastungssteuerung, Geburt, Rückkehr in den Leistungssport und Beckenbodengesundheit.

Auf der Webseite steht zudem ein aus dem Projekt heraus entstandenes Buch zum Download zur Verfügung: Die vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft herausgegebene Expertise beinhaltet den gesamten Wissensstand, den das Projekt „Schwangerschaft und Spitzensport“ erarbeitet hat.

In Zukunft werden auf der Plattform „Athletin-D“ weitere Ergebnisse aus Folgeprojekten veröffentlicht. Aktuell untersucht ein Team unter Beteiligung von Kirsten Legerlotz und Petra Platen die Leistungsoptimierung im Kontext der Menstruationszyklus-Gesundheit.

Zur Webseite: https://www.athletin-d.de

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VorOrt
Prof. Dr. Kirsten Legerlotz
Bewegungs- und Trainingswissenschaft
E-Mail legerlotz@uni-wuppertal.de

Broken-Heart-Syndrom

space


Forschungsinfrastruktur der Unimedizin Greifswald genutzt

Eine Kooperation zwischen der Universität Zürich und der Unimedizin Greifswald entwickelte eine neue Methode, um das sogenannte „Broken-Heart-Syndrom“ bereits vor einer invasiven Herzkatheteruntersuchung mit hoher Genauigkeit zu erkennen.

Die Studienleitungen erwarten dadurch eine vereinfachte Diagnose gerade in der Notfallmedizin. Die Ergebnisse wurden gerade am Europäischen Kardiologiekongress in München vorgestellt und zeitgleich im renommierten European Heart Journal veröffentlicht.
Beim als „Broken-Heart-Syndrom“ bekannten Takotsubo-Syndrom kommt es zu einer plötzlich auftretenden Funktionsstörung des Herzens. Betroffen sind überwiegend Frauen nach der Menopause; häufig geht der Erkrankung eine außergewöhnliche psychische oder körperliche Belastung voraus. Die Krankheit gilt als seltene Erkrankung. „Vermutlich ist sie bisher jedoch unterdiagnostiziert“, erklärt Prof. Christian Templin, Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B an der Unimedizin Greifswald. „Zu sehr gleichen sich die Symptome der Krankheit mit denen eines Herzinfarktes.“ In der Konsequenz muss an den Betroffenen zur Diagnose zumeist eine invasive Herzkatheteruntersuchung durchgeführt werden. „Wir haben nun jedoch einen Biomarker-Score entwickelt, der in 90 Prozent der Fälle eine zutreffende Diagnose vorab liefert“, erklärt Prof. Templin. „Daraus ergibt sich der klare Vorteil in der Notfallmedizin, dass die Unterscheidung zwischen Broken-Heart-Syndrom und Herzinfarkt schneller und zielführender erfolgen kann.“ Eine Herzkatheteruntersuchung bleibt trotz der hohen Trefferquote unerlässlich. „90 Prozent sind ein wirklich guter und unterstützender Wert zur Diagnose, aber es sind keine 100 Prozent.“

Zur Entwicklung des Scores griff das Forschungsteam auf Forschungsinfrastruktur der Unimedizin Greifswald zurück, das International Takotsubo Registry (InterTAK Registry). Prof. Christian Templin baute dieses Register zusammen mit seiner Frau Prof. Jelena Templin bereits seit 2010 weit vor den Dienstantritten in Greifswald auf. „Diese langwierige Arbeit mit Daten von tausenden spezifischen Fällen zum Syndrom aus der ganzen Welt zahlt sich nun einmal mehr aus“, sagt Frau Prof. Templin. Im Rahmen des InterTAK-Projekts entstand zudem eine Biobank, die mittlerweile an der Universitätsmedizin Greifswald am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin beheimatet ist.

Der darauf basierende Biomarker-Score zur Erkennung des Takotsubo-Syndroms bezieht das Geschlecht der Patienten ebenso ein wie verschiedene Messwerte aus dem Herz-Kreislauf-System. Ein KI-gestütztes Verfahren half dabei, aus diesen Daten die besonders aussagekräftige Kombination auszuwählen. Dazu gehören zwei Eiweiße, die neue Hinweise auf die Entstehung der Erkrankung liefern: Eines ist an der Steuerung von Stress- und Angstreaktionen, Gefäßspannung und vegetativem Nervensystem beteiligt. Das andere steht in Verbindung mit der Festigkeit von Ablagerungen in den Gefäßen. Die Ergebnisse unterstreichen damit den Einfluss der Kommunikation zwischen Gehirn und Herz. Zugleich sprechen sie dafür, dass dem Takotsubo-Syndrom andere Mechanismen zugrunde liegen als einem durch Atherosklerose verursachten Herzinfarkt. Die Laboruntersuchungen wurden unter Leitung von Prof. Thomas Lüscher an der Universität Zürich vorgenommen.

In Greifswald wird weiter am Syndrom geforscht, um die Krankheit mit ihren Abläufen genauer zu ergründen. „Diese Krankheit entsteht neurologisch, aber wir sehen die Symptome am Herzen. Das müssen und wollen wir ergründen“, sagt Templin. An der Klinik von Prof. Templin gibt es daher anknüpfende Forschungsprojekte mit der Klinik und Poliklinik für Neurologie unter Leitung von Prof. Agnes Flöel und ein weiteres Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung.
„Hier zeigt sich, wie Künstliche Intelligenz medizinische Forschung in eine konkrete diagnostische Unterstützung übersetzen kann“, sagt Prof. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald. „Der neue Score ermöglicht eine frühzeitige Einschätzung und kann dazu beitragen, die weiteren Untersuchungen gezielter zu planen. Das ist ein gutes Beispiel für das Potenzial von KI im Gesundheitssystem.“

Pressestelle:
Hauke Meier
‪+49 3834‬ – 86 – 6521
Hauke.Meier@med.uni-greifswald.de
http://www.unimedizin-greifswald.de
http://www.facebook.com/UMGreifswald
http://www.linkedin.com/company/universitaetsmedizin-greifswald
Instagram @UMGreifswald

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VorOrt

Hauke Maier

Prof. Dr. Christian Templin
christian.templin@med.uni-greifswald.de
‪+49 3834 8680500‬

Originalpublikation:
Takotsubo syndrome diagnosis: the biomarker-based BioTAK score
European Heart Journal, ehag597, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehag597
Published: 31 August 2026

Akute Brustschmerzen

space



Neuer Institutsleiter Prof. Jasper Boeddinghaus startet am UKB mit zwei hochrangigen Publikationen im Fachjournal The Lancet

Wie schnell lässt sich bei Menschen mit akutem Brustschmerz sicher feststellen, ob ein Herzinfarkt vorliegt oder ausgeschlossen werden kann? Mit dieser Frage beschäftigen sich zwei große internationale Forschungsarbeiten, deren Ergebnisse am vergangenen Wochenende beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München vorgestellt wurden. Maßgeblich daran beteiligt ist Prof. Jasper Boeddinghaus, der kürzlich vom Universitätsspital Basel an das Universitätsklinikum Bonn (UKB) gewechselt ist und dort das neue Institut für klinische Herz-Kreislaufforschung aufbaut. Die internationale Studie „PRESC1SE-MI“ wurde zeitgleich im renommierten Fachjournal The Lancet veröffentlicht. Eine zweite Arbeit ist dort bereits zur Veröffentlichung angenommen und wird zeitnah erscheinen.

Akute Brustschmerzen gehören weltweit zu den häufigsten Gründen für eine Vorstellung in der Notaufnahme. Mehr als 30 Millionen Patientinnen und Patienten werden jedes Jahr weltweit in Notaufnahmen untersucht. Für die behandelnden Teams stellt sich dabei häufig die entscheidende Frage: Liegt tatsächlich ein Herzinfarkt vor oder kann er sicher ausgeschlossen werden?

Im Mittelpunkt der Diagnostik steht dabei das herzspezifische Troponin, ein Biomarker, dessen Konzentration im Blut Hinweise auf eine Schädigung des Herzmuskels liefert. Internationale Leitlinien empfehlen für die schnelle Abklärung bei Verdacht auf einen Herzinfarkt den sogenannten 0/1-Stunden-Algorithmus als bevorzugte Strategie. Dabei wird der Troponinwert bei Aufnahme und bereits nach einer Stunde erneut bestimmt.

Eine der größten randomisierten Studien der kardiovaskulären Medizin

Mit PRESC1SE-MI untersuchte ein internationales Forschungsteam, wie sicher und effektiv die Einführung dieses beschleunigten Verfahrens im Vergleich zum bisherigen 0/3-Stunden-Vorgehen unter realen Bedingungen in Notaufnahmen ist. In die große randomisierte Studie flossen über 67.000 Patientenvorstellungen an 19 Krankenhäusern in zehn Ländern ein. Als zentrale Endpunkte untersuchten die Forschenden zum einen Tod oder einen neuen Typ-1-Herzinfarkt innerhalb von 30 Tagen und zum anderen die Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme. Boeddinghaus ist Co-Principal Investigator und Erstautor der im Lancet erschienenen Arbeit.

Die Ergebnisse zeigen: Hinsichtlich des kombinierten Sicherheitsendpunkts aus Tod jeglicher Ursache oder einem neuen Typ-1-Herzinfarkt innerhalb von 30 Tagen war das 0/1-Stunden-Verfahren dem 0/3-Stunden-Verfahren nicht unterlegen. Bei den beiden Einzelkomponenten zeigte sich allerdings ein gegenläufiges Bild, das nach Einschätzung der Forschenden weiter untersucht werden muss. Gleichzeitig erfolgte die zweite Troponinmessung beim schnelleren Verfahren im Median knapp zwei Stunden früher. Dies führte jedoch nicht zu einer kürzeren Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme: Sie betrug in beiden Gruppen im Median 309 Minuten.

Damit zeigt die Studie zugleich, dass eine schnellere Labordiagnostik allein nicht automatisch zu einer schnelleren Versorgung führt. Nach Einschätzung der Forschenden spielen vielmehr auch die weiteren diagnostischen und organisatorischen Abläufe in den Notaufnahmen eine entscheidende Rolle.

Daten von mehr als ‪110.000‬ Patientinnen und Patienten ausgewertet

Unmittelbar nach PRESC1SE-MI wurden beim ESC-Kongress auch die Ergebnisse einer zweiten großen Forschungsarbeit vorgestellt, die Boeddinghaus selbst in München präsentierte. Für diese systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse wurden die individuellen Patientendaten aller verfügbaren randomisierten Studien zum Vergleich des 0/1- mit dem 0/3-Stunden-Verfahren zusammengeführt und nach einheitlichen Kriterien neu ausgewertet. Insgesamt umfasst die Analyse 110.933 Patientenvorstellungen aus fünf randomisierten Studien, 46 Studienzentren und 14 Ländern.

Auch diese übergreifende Analyse zeigt, dass die frühere Wiederholung der Troponinmessung allein im Durchschnitt weder die Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme verkürzt noch den Anteil der Patientinnen und Patienten erhöht, die direkt aus der Notaufnahme entlassen werden können. Kurzfristige schwerwiegende Ereignisse waren insgesamt selten. Die Forschenden kommen deshalb zu dem Schluss, dass die Entscheidung für einen 0/1-Stunden-Algorithmus nicht allein von der Erwartung bestimmt werden sollte, die Abläufe in einer Notaufnahme zu beschleunigen. Vielmehr müssen auch die diagnostischen und organisatorischen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.

Die Arbeit ist von The Lancet bereits zur Veröffentlichung angenommen und soll im Laufe des Septembers erscheinen.

Biomarker und Künstliche Intelligenz für eine präzisere Diagnostik

Die beiden Arbeiten stehen exemplarisch für einen zentralen Forschungsschwerpunkt von Prof. Boeddinghaus. Er beschäftigt sich insbesondere mit Biomarkern und neuen diagnostischen Verfahren bei akuten Herzerkrankungen sowie mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Herzdiagnostik. Am Cardiovascular Research Institute Basel legte er den Grundstein für seine heutige Forschung und leitete zuletzt zwei Forschungsgruppen. Arbeiten zum Einsatz von KI in der kardiovaskulären Diagnostik, die während seiner Tätigkeit an der University of Edinburgh entstanden, publizierte er unter anderem in Nature Medicine. 2025 wurde er mit dem Forschungspreis der Schweizerischen Herzstiftung ausgezeichnet.

„Das herzspezifische Troponin ist ein Eiweiß in den Muskelzellen des Herzens und ein wunderbarer Biomarker im Blut für die Erkennung von akuten Herzschädigungen, wie sie zum Beispiel bei einem Herzinfarkt auftreten. Da jedoch die heutigen Troponin-Tests hochempfindlich sind, wird bei vielen Menschen ein Herzinfarkt vermutet“, sagt Prof. Boeddinghaus. Sein Ziel sei es deshalb, neue Verfahren zu entwickeln, mit denen ein Herzinfarkt rascher und genauer diagnostiziert oder ausgeschlossen werden kann.

Neben der kardiovaskulären Biomarkerforschung und der Entwicklung neuer diagnostischer Algorithmen beschäftigt sich Boeddinghaus mit neuen Behandlungsmöglichkeiten der koronaren Herzkrankheit. Dazu gehören unter anderem Verfahren, bei denen verengte Herzkranzgefäße anstelle konventioneller permanenter Stents mit medikamentenbeschichteten Ballons oder sich wieder auflösenden Gefäßstützen behandelt werden.

Neuer Baustein im kardiovaskulären Forschungsschwerpunkt

Die neue Professur und das Institut am UKB sind Ergebnis der erfolgreichen Entwicklung des kardiovaskulären Forschungsschwerpunkts am Standort Bonn. Maßgeblich dazu beigetragen hat der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Transregio-Sonderforschungsbereich TRR 259 „Aortenerkrankungen“, dessen Sprecher der Bonner Klinikdirektor Prof. Georg Nickenig ist.

„Mein Ziel ist, ein erfolgreiches Forschungsinstitut für die klinische kardiovaskuläre Forschung aufzubauen, das den Standort Bonn nachhaltig wissenschaftlich stärkt und eine Strahlkraft entwickelt – über die Grenzen Bonns und hoffentlich auch über die Grenzen Deutschlands hinaus“, sagt Prof. Boeddinghaus. Dabei setzt er auf seine internationale Vernetzung ebenso wie auf eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Kardiologie und der kardialen Diagnostik sowie mit anderen Instituten und dem Exzellenzcluster ImmunoSensation³.

Besonders wichtig ist Boeddinghaus zudem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Bereits in Basel betreute er zahlreiche Masterstudierende und Promovierende und ermöglichte Medizinstudierenden frühzeitig Einblicke in die klinische Forschung. „Je früher man die jungen Menschen heranführt, desto eher können sie ihre Interessen feststellen. Und ich glaube, so gewinnt man früher talentierten Nachwuchs für die Kardiologie, sowohl für die Klinik als auch für die Forschung“, sagt Boeddinghaus. „Nicht zuletzt möchte ich auch möglichst viele Kolleginnen und Kollegen aus der Kardiologie für die Forschung gewinnen und mit ihrer Unterstützung das Institut aufbauen.“

Publikation: Jasper Boeddinghaus, Paolo Bima et al.: Safety and efficacy of the 0/1-hour pathway for myocardial infarction in the emergency department: an international, pragmatic, stepped-wedge, cluster-randomised, controlled trial; The Lancet; DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)01654-5

Felix Heyder
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228 / 287-11904
E-Mail: felix.heyder@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 9.900 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist unter den Universitätsklinika bundesweit den zweithöchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB im vierten Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Dr. Jasper Boeddinghaus
Direktor des Instituts für Herz-Kreislauforschung
Universitätsklinikum Bonn, Universität Bonn
E-Mail: Paul.Boeddinghaus@ukbonn.de

Originalpublikation:
Jasper Boeddinghaus, Paolo Bima et al.: Safety and efficacy of the 0/1-hour pathway for myocardial infarction in the emergency department: an international, pragmatic, stepped-wedge, cluster-randomised, controlled trial; The Lancet; DOI: 10.1016/S0140-6736(26)01654-5