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Aufsichtsratssitzung

Am Abend vor der Aufsichtsratssitzung sitzt der Geschäftsführer noch im Büro. Der Rücktritt der Pflegedirektorin wird Thema sein. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, die Stimmung im Haus fragil bis schlecht. Erwartet wird ein klares Signal: Stabilität, Führung, Kontrolle.

Auf dem Notizblock steht: „Steuerung intensivieren. Berichtswesen nachschärfen.“ Er hält inne und beginnt ein inneres Gespräch:

  • „Warum will ich die Steuerung verschärfen? – Weil ich zeigen muss, dass die Situation im Griff ist.
  • Warum ist mir dieses Signal so wichtig? – Weil der Aufsichtsrat Sicherheit erwartet.
  • Warum trifft mich diese Erwartung so? – Weil Vertrauen schnell kippen kann und ich dafür verantwortlich bin.
  • Und warum reagiere ich darauf mit engerer Kontrolle? – Weil Kontrolle sich nach Handlungsfähigkeit anfühlt.“ Hier wird es persönlich. Es geht nicht mehr nur um Organisation, sondern um das eigene Sicherheitsbedürfnis in unsicheren Zeiten.
  • Er fragt weiter: „Dient zusätzliche Steuerung tatsächlich der Stabilität des Hauses? Oder vor allem meinem Bedürfnis, Stärke zu demonstrieren?“

Die Technik ist schlicht und wirkungsvoll: dieselbe Frage wiederholen – Warum? – und sich mit der ersten vernünftigen Antwort nicht zufriedengeben. So lange, bis sich der Fokus vom operativen Argument zum eigentlichen Motiv verschiebt.

Am Ende steht auf seinem Block etwas anderes: „Prioritäten klären. Belastung prüfen. Mandat der neuen Pflegedirektion stärken.“

Gerade bei Entscheidungsträgern entscheidet diese innere Selbstbefragung manchmal über die Qualität von Führung. Wer sie überspringt, reagiert auf Druck mit mehr Druck, wer sie zulässt, gewinnt Handlungsspielraum.

Wöchentliche und Lebensarbeitszeit

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Soziale Unterschiede in der Arbeitsmarktbeteiligung werden oft nur einseitig entweder über den Anteil der Erwerbstätigen oder über die wöchentliche Arbeitszeit in Stunden erfasst. Eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) hat nun erstmals mit dem Indikator „Lebensarbeitszeit“ beide Aspekte zusammen betrachtet. Das Ergebnis: Personen mit hoher Bildung, wie etwa einem Hochschulabschluss, verzeichnen in Deutschland durchschnittlich die längste Lebenszeit in Erwerbsarbeit, gefolgt von Personen mit mittleren und niedrigen Bildungsabschlüssen.

Aktuelle Zahlen für 2025 zeigen, dass die Lebensarbeitszeit bei Männern mit hoher Bildung bei 40,6 Jahren liegt. Damit ist sie mehr als neun Jahre länger als bei Männern mit niedriger Bildung (31,3 Jahre). Bei Frauen beträgt der Unterschied zwischen Personen mit hoher und niedriger Bildung sogar 14 Jahre (31,9 im Vergleich zu 17,9 Jahren). Insgesamt verzeichnen Männer eine Lebensarbeitszeit von 38,8 Jahren, während Frauen auf einen Wert von 28,8 Jahren kommen.

Bei der Betrachtung der Entwicklung seit 1991 wird deutlich, dass die Lebensarbeitszeit in Deutschland nach der Wiedervereinigung zunächst zurückging. Um das Jahr 2005 erreichte sie einen Tiefpunkt, bevor sie anschließend wieder relativ stetig anstieg. Dabei zeigen sich im Gesamtverlauf deutliche Unterschiede zwischen den betrachteten Gruppen. Frauen mit niedriger Bildung kamen im Jahr 2025 auf eine Lebensarbeitszeit von 17,9 Jahren und lagen damit rund zwei Jahre unter dem Niveau von 1991 (20,2 Jahre). Hoch gebildete Frauen legten dagegen zu und erreichten zuletzt 31,9 Jahre (1991: 30,8 Jahre).

Die höchsten Anstiege aller Gruppen verzeichneten Frauen mit mittlerer Bildung mit einer Zunahme von 25,7 auf 29,7 Jahre. Bei Männern mit hoher Bildung lag der Wert 2025 mit 40,6 Jahren leicht über dem von 1991 (40,4 Jahre), während niedrig gebildete Männer mit 31,3 Jahren deutlich darunterblieben (1991: 36,0 Jahre). Insgesamt sind niedrig gebildete Personen bei der Lebensarbeitszeit in den letzten Jahrzehnten gegenüber Personen mit hoher und mittlerer Bildung zurückgefallen.

„Die vergleichsweise hohe Lebensarbeitszeit von Personen mit hoher Bildung lässt sich vor allem auf ihre durchgehend höheren Erwerbstätigenquote zurückführen“, analysiert der BiB-Wissenschaftler und Mitautor der Studie, Harun Sulak. „Diese gleichen zusammen mit der höheren Wochenarbeitszeit den im Durchschnitt späteren Eintritt in das Erwerbsleben durch längere Ausbildungszeiten mehr als aus. Ein Studium führt also nicht zwangsläufig zu einer verkürzten Lebensarbeitszeit.“ Die Erwerbstätigkeit von Personen mit niedriger Bildung ist dagegen stärker von der konjunkturellen Entwicklung und der Lage auf dem Arbeitsmarkt abhängig, weshalb ihre Erwerbsbiografien öfter unterbrochen sind.

Allgemein ist die Lebensarbeitszeit heute mit 33,8 Jahren mehr als anderthalb Jahre länger als Anfang der 1990er Jahre (1991: 32,1 Jahre). Damit werden die Beschäftigungspotenziale pro Person in einem höheren Maße ausgeschöpft, was sich fördernd auf die Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme in einer alternden Bevölkerung auswirkt. Verbleibendes Potenzial sehen die Forschenden vor allem bei Frauen, bei älteren Personen und bei jüngeren und mittleren Altersgruppen mit niedriger Bildung. „Dabei ist bei Frauen und auch bei Männern weiterhin die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Thema“, erklärt Prof. Dr. Sebastian Klüsener vom BiB, Mitautor der Studie. „Bei älteren Personen sind gesundheitlicher Arbeitsschutz und lebenslanges Lernen von hoher Bedeutung.“ Die BiB-Direktorin Prof. Dr. C. Katharina Spieß verweist in diesem Zusammenhang auch darauf, dass es weiterhin einen hohen Anteil von Personen ohne beruflichen Bildungsabschluss gibt: „Wenn es uns gelingt, diesen Anteil zu reduzieren, könnten weitere Arbeitsmarktpotenziale erschlossen werden.“

Zur Methodik: Die Auswertungen basieren auf repräsentativen Daten des Mikrozensus. Bei diesen wurden alle Personen in Deutschland im Alter zwischen 15 und 74 Jahren und ihre Erwerbsbeteiligung in dieser Altersspanne berücksichtigt. Die obere Altersgrenze von 74 Jahren wurde gewählt, da ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung auch über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus erwerbstätig ist. Dies ist bei Personen mit hoher Bildung besonders ausgeprägt. Die geleisteten Wochenarbeitszeiten wurden auf Basis einer 40-Stunden-Woche gewichtet, wodurch Tätigkeiten in Teilzeit anteilig berücksichtigt wurden (dies wird auch als „Vollzeitäquivalent“ bezeichnet). Zeiten der Erwerbslosigkeit wurden nicht zur Lebensarbeitszeit gerechnet. Ein konkretes Berechnungsbeispiel: Wenn etwa von sämtlichen Personen in einem bestimmten Alter 80 Prozent erwerbstätig sind und durchschnittlich 40 Stunden pro Woche arbeiten, fließen für dieses Alter 0,8 Jahre an Lebenszeit in Erwerbsarbeit in die Berechnungen ein. Der Bildungsabschluss wurde nach der ISCED-Klassifikation (ISCED 2011) abgegrenzt, wobei ISCED 0 bis 2 einem niedrigen (kein beruflicher Abschluss und kein Abitur), 3 bis 4 einem mittleren (Abitur oder Lehre oder vergleichbarer Abschluss) und 5 bis 8 einem hohen Bildungsabschluss ((Fach-)Hochschul- oder Meisterabschluss) entsprechen. Bei den Qualifikationsniveaus ist zu berücksichtigen: Erwerbstätigkeiten vor dem Erreichen eines bestimmten Bildungsabschlusses fließen jeweils in die Lebensarbeitszeit der nächstniedrigeren Bildungsgruppe ein, wodurch u. a. Erwerbstätigkeiten während der Ausbildung oder des Studiums nicht in die Lebensarbeitszeit der Personen mit mittlerem bzw. hohem Bildungsabschluss einfließen. Dies führt tendenziell zu einer leichten Unterschätzung der Lebensarbeitszeit von Personen mit mittlerem Bildungsabschluss.


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Prof. Dr. Sebastian Klüsener Sebastian.Kluesener@bib.bund.de
Harun Sulak Harun.Sulak@bib.bund.de

Originalpublikation:
Sulak, Harun; Dudel, Christian; Loichinger, Elke; Klüsener, Sebastian (2026): Trends in working life expectancy and untapped employment potential in an ageing population: The case of Germany. European Journal of Population, 42/14.
https://link.springer.com/article/10.1007/s10680-026-09773-x

Rauchende Kinder- und Jugendliche

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Der Anteil rauchender und vapender Jugendlicher ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Vor allem der Konsum neuartiger Nikotinprodukte wie Mehrweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel nimmt deutlich zu und das obwohl sie extrem ungesund sind und schnell nikotinabhängig machen können. Das zeigen repräsentative Daten der Drogenaffinitätsstudie aus dem Jahr 2025 zum Rauchverhalten junger Menschen, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai 2026 erstmals veröffentlicht.

Der Anteil rauchender und vapender Jugendlicher ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Vor allem der Konsum neuartiger Nikotinprodukte wie Mehrweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel nimmt deutlich zu und das obwohl sie extrem ungesund sind und schnell nikotinabhängig machen. Das zeigen repräsentative Daten der Drogenaffinitätsstudie 2025 zum Rauchverhalten junger Menschen, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) anlässlich des Weltnichtrauchertags 2026 (31. Mai) erstmals veröffentlicht.
Demnach rauchte 2025 fast jeder Zehnte der 12- bis 17-Jährigen (9,6 %). 2021 waren es noch 6,1 Prozent. Damit zeigt sich bei Jugendlichen eine gegenläufige Entwicklung zum langfristigen Rückgang des Rauchens bei jungen Erwachsenen. Besonders auffällig: Vor allem Mädchen rauchen deutlich mehr als noch vor fünf Jahren.
In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen sank der Anteil Rauchender von 29,8 Prozent im Jahr 2021 auf 26,3 Prozent im Jahr 2025.

Weiter auf dem Vormarsch ist bei jungen Menschen das Vapen: Der Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten nimmt deutlich zu. Bei Jugendlichen stieg der Anteil der Konsumierenden seit 2021 von 2,9 auf 6,7 Prozent bei männlichen Jugendlichen und von 1,8 auf 7,8 Prozent bei weiblichen Jugendlichen. Auch bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren hat sich der Konsum erhöht. Bei den jungen Männern nahm der Anteil der Konsumenten von 6,9 Prozent (2021) auf 13,3 Prozent (2025) zu. Bei den jungen Frauen stieg er von 4,7 auf 11,9 Prozent.
Neun von zehn Konsumierenden nutzen in den Mehrweg-E-Zigaretten nikotinhaltige Liquids, die oft mit süßen Aromen und jugendaffinem Design vermarktet werden.

Auch Nikotinbeutel gewinnen an Bedeutung und das, obwohl der Verkauf in Deutschland untersagt ist. 2025 gaben 5,5 Prozent der Jugendlichen und 18,9 Prozent der jungen Erwachsenen an, diese Produkte bereits ausprobiert zu haben. 2023 waren es noch 4,1 Prozent der Jugendlichen und 14,8 Prozent der jungen Erwachsenen.

Die Daten zeigen insgesamt eine Verschiebung im Konsumverhalten junger Menschen: Während der Konsum von Wasserpfeifen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist und auch der von Einweg-E-Zigaretten, gewinnen andere neue Nikotinprodukte an Bedeutung. Vor allem Mehrweg-E-Zigaretten, aromatisierte Liquids und Nikotinbeutel können für junge Menschen attraktiv wirken, obwohl sie gesundheitliche Risiken bergen und Nikotinabhängigkeit fördern können.

Prof. Dr. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen: „Die Drogenaffinitätsstudie ist ein klares Warnsignal. Jugendliche rauchen und vapen wieder häufiger, und Nikotinprodukte sind für junge Menschen heute leichter sichtbar, leichter verfügbar und oft gezielt attraktiv gemacht. Hier dürfen wir nicht einfach nur zusehen. E-Zigaretten und Nikotinbeutel sind nicht harmlos. Nikotin macht abhängig, belastet Herz und Kreislauf und kann junge Menschen früh an dauerhaften Konsum binden. Bei E-Zigaretten werden zusätzliche Stoffe inhaliert, die in Mund, Rachen und Lunge gelangen. Bei Nikotinbeuteln wird Nikotin direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen. Das ist kein Lifestyleprodukt, sondern ein Gesundheitsrisiko. Besonders verantwortungslos ist die Aufmachung vieler Produkte. Wenn Nikotin nach Cola, Kiwi, Kaugummi oder Menthol schmeckt und in bunten Verpackungen daherkommt, dann ist das keine zufällige Produktgestaltung. Das senkt die Hemmschwelle und macht Nikotin für junge Menschen attraktiv. Zum Teil sind diese Zusatzstoffe gesundheitsschädlich oder krebserregend und gehören nicht in die Lungen – erst recht nicht in die Lunge von Jugendlichen. Deshalb brauchen wir klare Regeln für Inhaltsstoffe, Aromen, Werbung und Verpackung. Gesundheitsschädliche und jugendaffine Aromen gehören verboten. Nikotin darf nicht über Geschmack und Design bei jungen Menschen landen. Nikotinbeutel dürfen in Deutschland nicht verkauft werden. Zigaretten und E-Zigaretten gehören nicht in Jugendhände – an unter 18-Jährige dürfen sie nicht verkauft werden, aber das muss auch durchgesetzt werden.“

Dr. Johannes Nießen, Kommissarischer Leiter des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit: „Die meisten Jugendlichen leben rauchfrei, das ist erst einmal eine gute Nachricht. Gleichzeitig rauchen wieder mehr Jugendliche und auch Mehrweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel werden häufiger konsumiert. Das bereitet uns Sorge, denn Nikotin macht schnell abhängig und kann den Einstieg ins Rauchen erleichtern. Deshalb klären wir früh auf, unterstützen beim Ausstieg und setzen uns für klare Regeln ein, die junge Menschen schützen.“

Ein Faktenblatt mit ausgewählten Grafiken und weiteren Ergebnissen der Repräsentativbefragung steht hier zum Download bereit: https://www.bioeg.de/presse/daten-und-fakten/suchtpraevention/

Der Teilband „Tabak und andere nikotinhaltige Produkte“ der Drogenaffinitätsstudie 2025 findet sich hier: https://www.bioeg.de/forschung/studien/abgeschlossene-studien/studien-ab-1997/su...

Studie „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2025“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit:
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit untersucht regelmäßig mit wiederholt durchgeführten Repräsentativbefragungen den Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland. Für die Drogenaffinitätsstudie 2025 wurden 7.001 junge Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren im Zeitraum April bis Juni 2025 befragt.

Übersicht der Unterstützungsangebote des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit für den Rauchstopp:
• Kostenfreie Informationsmaterialien, u.a. zu neuartigen Nikotinprodukten: https://shop.bioeg.de/themen/suchtvorbeugung/foerderung-des-nichtrauchens/
• Online-Ausstiegsprogramm: Infos und Tipps rund um die Themen Rauchen und Nichtrauchen mit Forum und persönlichen rauchfrei-Lotsinnen und Lotsen unter: https://www.rauchfrei-info.de/mein-rauchstopp/
• rauchfrei-Chat: Unter Leitung einer Fachperson tauschen sich Gleichgesinnte über ihre Erfahrungen mit dem Rauchstopp aus, an jedem Dienstag zwischen 20:00 und 22:00 Uhr
• Telefonische Beratung zur Rauchentwöhnung: Kostenlose Rufnummer ‪0 800 8 31 31 31‬ – erreichbar montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr
• Kostenfrei bestellbare Informationsbroschüren: „Ja, ich werde rauchfrei“ und „Rauchfrei in der Schwangerschaft und nach der Geburt“. Die Broschüren können bestellt oder direkt heruntergeladen werden im Shop unter: https://shop.bioeg.de/
• rauchfrei-Kanäle auf Instagram und TikTok:
https://www.instagram.com/rauchfrei_info
https://www.tiktok.com/@rauchfrei_crew


Bestellung der kostenlosen Materialien des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit unter:
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, 50819 Köln
Online-Bestellsystem: https://shop.bioeg.de/
E-Mail: bestellung@bioeg.de

Das Kaufverhalten

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Eye-Tracking-Studie untersucht Aufmerksamkeit und Kaufverhalten von Menschen

Wer im Supermarkt zu gesunden Produkten greifen möchte, braucht klare Signale. Nährwertkennzeichnungen wie das Nutri-Score-Label sollen dabei helfen. Es wird üblicherweise in Ampelfarben auf Verpackungen abgebildet. In dieser Form lenkt es die Blicke laut einer aktuellen Studie häufiger und länger auf sich, als wäre es in Graustufen gestaltet. Einige Supermärkte drucken zusätzlich eine graue Version des Labels auf die Preisschilder – dabei bekäme auch hier die bunte mehr Beachtung.


Das fanden Forschende der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit der Hochschule Osnabrück, dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik und der Universität Gießen heraus. Sie untersuchten in einer nachgestellten Einkaufssituation, wohin die Teilnehmenden schauten und welches Produkt sie letztlich kaufen würden. Besonders häufige und lange Blicke auf das dunkelgrüne A oder das gelbe C gingen dabei meist mit der Wahl des jeweiligen Produkts einher. Das rote E zeigte hingegen nicht die erhoffte warnende Wirkung: Auch bei häufiger Betrachtung dieser ungünstigen Bewertung landeten die Produkte weiterhin im Einkaufskorb. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Food Quality and Preference veröffentlicht.

Anhand von Eye-Tracking-Daten analysierten die Forschenden das Verhalten von 199 Teilnehmenden. Diese befanden sich in einer simulierten, realitätsnahen Einkaufssituation und konnten dort jeweils ein Produkt auswählen. Dabei verglichen die Forschenden vier Gruppen, denen sie je eine Variante der Kennzeichnung präsentierten: mehrfarbige oder graustufige Nutri-Score-Labels auf Verpackung und Preisschild, kein Label sowie den aktuellen Standard im Supermarkt: ein einziges mehrfarbiges Label auf der Vorderseite der Verpackung.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Nutri-Score-Label in Ampelfarben auch auf Preisschildern deutlich besser wahrgenommen wird als in Graustufen“, sagt Erstautorin Isabelle Weiß, Doktorandin an der Universität Göttingen. „Die höhere Sichtbarkeit der Labels kann dabei den Produktvergleich erleichtern und dadurch gesundheitsbewusstere Entscheidungen unterstützen. Je mehr Unternehmen den Nutri-Score auf ihren Produkten abbilden, desto fundierter kann verglichen werden.“ Studienleiterin Dr. Clara Mehlhose ergänzt: „Der Nutri-Score soll eine einfache Orientierung im Supermarkt bieten. Entscheidend ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Informationen auf einen Blick erkennen und verstehen können. Ein mehrfarbiges Label kann dabei hilfreich sein.“

Die Studie verdeutlicht, wie entscheidend die Farbgestaltung und Platzierung von Nährwertkennzeichnungen für die visuelle Aufmerksamkeit und damit für Kaufentscheidungen sind. Politik und Handel sollten daher Nutri-Score-Labels in Ampelfarben auch auf dem Preisschild bevorzugen, um die Wirksamkeit im Alltag zu erhöhen.

Die Studie wurde von der LI Food - Landesinitiative Ernährungswirtschaft des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Bauen gefördert.

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Isabelle Weiß


Thomas Richter
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte
E-Mail: isabelle.weiss@uni-goettingen.de

Originalpublikation:
Weiß, I., Teuber, R., Enneking, U., Kircher, C., Mehlhose, C. Polychrome versus monochrome Nutri-Score shelf labels: An eye-tracking study of consumer attention and choice. Food Quality and Preference (2026). https://doi.org/10.1016/j.foodqual.2026.105933

Das Sporthormon

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Sport ist bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Er kann Symptome wie Fatigue oder Spastik lindern und könnte dazu beitragen, Nervenzellen vor Schäden oder Absterben zu schützen. Nun haben Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Mass General Brigham (USA) einen möglichen dahintersteckenden Mechanismus erforscht. Sie haben mithilfe eines Mausmodells herausgefunden, dass der durch Sport freigesetzte hormonähnliche Botenstoff Irisin den durch die MS ausgelösten Neuronen- und Synapsenverlust reduzieren könnte. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden im Fachmagazin Nature Metabolism veröffentlicht.


Bei der Multiplen Sklerose spielen sowohl Entzündung als auch Neurodegeneration, also der fortschreitende, unumkehrbare Verlust von Struktur und Funktion von Nervenzellen, eine zentrale Rolle. Aktuelle Therapien behandeln vor allem die entzündlichen Prozesse wirksam. Davon bleibt aber die Neurodegeneration weitgehend unbeeinflusst. „Unsere Studie liefert einen neuen, vielversprechenden therapeutischen Ansatz, wie Sport dem Neuronen- und Synapsenverlust bei einer MS entgegenwirken könnte“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Sina Rosenkranz, Erstautorin und Leiterin der Arbeitsgruppe Behaviorale Interventionen am Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS) des UKE. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Studie die Weiterentwicklung von Irisin als Therapeutikum insbesondere für die progrediente MS vorantreiben wird“, ergänzt Prof. Dr. Christiane Wrann, Letztautorin und Leiterin des Programms zur Neuroprotektion durch Bewegung am Mass General Brigham Neuroscience Institute (Boston, USA).

In der Arbeit konnten die Wissenschaftler:innen zeigen, dass sowohl Mäuse, die acht Wochen lang über den Tag (24 Stunden) verteilt durchschnittlich acht Kilometer in einem Laufrad gelaufen sind, als auch Mäuse, in denen die Wissenschaftler:innen das durch Sport aus dem Muskel abgegebene Hormon Irisin künstlich vermehrt haben, einen geringeren Nervenzellverlust des zentralen Nervensystems aufwiesen. Im Vergleich dazu, konnte Sport bei Mäusen, bei denen das Vorläufergen des Irisins ausgeschaltet war (Knockout), nicht vor dem neuronalen Verlust schützen. Mittels Sequenzierung konnte gezeigt werden, dass vor allem synaptische und mitochondriale Gene in Nervenzellen durch das Sporthormon induziert werden, was in einer höheren synaptischen Dichte und erhöhten Mitochondrien-Aktivität im Rückenmark führte.


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Priv.-Doz. Dr. Sina Cathérine Rosenkranz
Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: 040 7410-51729
s.rosenkranz@uke.de

Originalpublikation:
Publikation: Rosenkranz et al. The exercise hormone irisin has neuroprotective effects in a mouse model of multiple sclerosis. Nature Metabolism. 2026.
DOI: https://doi.org/10.1038/s42255-026-01527-7

Gute und schnelle Entscheidungen

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Bei komplexen strategischen Entscheidungen geht eine kürzere Überlegensdauer mit einer höheren Qualität der Entscheidung einher. Das zeigt Ökonom Uwe Sunde in einer Studie am Beispiel des Schachspiels.

Im Schachspiel sind schnellere Entscheidungen von einer höheren Qualität. Das ist das Ergebnis einer Studie, die aktuell in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift PNAS erschienen ist. Das Forschungsteam, dem neben Professor Uwe Sunde von der LMU Wissenschaftler der Erasmus-Universität Rotterdam und der FernUni Schweiz angehören, analysierte Daten aus professionellen Schachpartien. Ihr Ziel war es, zu untersuchen, wie die Zeit, die für eine Entscheidung benötigt wird, mit deren Qualität zusammenhängt. Sunde und seine Kollegen sehen in dem Ergebnis einen Hinweis darauf, dass die Entscheidungsdauer die subjektiv empfundene Schwierigkeit des Problems widerspiegelt, die sich je nach Situation verändern kann.

Zusammenhang zwischen Schnelligkeit und Qualität

Als Verhaltensökonom interessiert sich Uwe Sunde dafür, wie Menschen Entscheidungen treffen. „Bisher haben die meisten Studien zu Entscheidungsdauer und Qualität relativ einfache Entscheidungen analysiert, häufig in standardisierten Laborsettings mit Studierenden“, sagt Sunde. „Oft müssen wir uns in der Forschung bei der Untersuchung tatsächlicher Entscheidungen außerhalb des Labors auf Beobachtungen beziehen, die nicht streng vergleichbar sind.“

Gemeinsam mit seinem Team fand der Ökonom einen alternativen Weg, um komplexe strategische Entscheidungen zu untersuchen: Sie analysierten einzelne Züge von Spielern in professionellen Schachturnieren. Dabei maßen sie die Zeit, die die Spieler für ihre Entscheidung brauchten, und glichen das Ergebnis mit den Benchmarks von Schachcomputern ab, um die Qualität objektiv zu bestimmen. Die Forschenden verglichen dabei Entscheidungen, die ein Spieler in unterschiedlichen Konfigurationen auf dem Schachbrett gegen denselben Gegner traf.

Die Bedeutung der Intuition

Die Ergebnisse zeigen, dass schnellere Entscheidungen mit höherer Entscheidungsqualität einhergehen – selbst unter Berücksichtigung der rechnerischen Komplexität der Entscheidung, der Unterscheidbarkeit der Entscheidungsalternativen und des Zeitdrucks. „A priori ist der Zusammenhang zwischen der Schnelligkeit, mit der komplexe strategische Entscheidungen getroffen werden, und der Qualität dieser Entscheidungen unklar“, sagt Sunde. Sich mehr Zeit zu nehmen, um eine Entscheidung zu treffen, kann zu einer besser durchdachten Entscheidung führen, kann aber auch Ausdruck dafür sein, dass die zu entscheidende Frage als schwieriger empfunden wird, was mit geringerer Entscheidungsqualität einhergehen kann.

„Mit der Studie konnten wir zeigen: Wenn man die objektiv messbare Schwierigkeit der Entscheidung konstant hält, trifft jemand, der länger nachdenkt, offenbar schlechtere Entscheidungen“, so der Forscher. Wer länger grübelt, empfindet möglicherweise die Komplexität subjektiv höher. Eine kürzere Entscheidungsdauer könnte umgekehrt darauf hinweisen, dass der Spieler eine starke Intuition hat, also ein Gefühl dafür, was der beste Zug ist. „Das unterscheidet den Menschen von Maschinen: Der Mensch kann oft situativ erkennen, was gut ist oder was nicht gut ist. Wenn der Mensch das jedoch nicht schnell erfasst, tut er sich schwer, das Problem rational weiter zu berechnen“, sagt Uwe Sunde.

Der LMU-Forscher hält es für möglich, dass das Ergebnis auch auf Situationen außerhalb des Schachspiels übertragbar ist, in denen komplexe Entscheidungen gefällt werden müssen.

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Prof. Dr. Uwe Sunde
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Volkswirtschaftslehre
Telefon: ‪+49 89 2180 1280‬
E-Mail: uwe.sunde@lmu.de

Kardiomyopathie

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Eine Studie des Standortes Heidelberg/Mannheim des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) identifiziert die Überaktivität von CaMKIIδ als zentralen Treiber der RBM20-Kardiomyopathie.

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg um den Erstautor Maarten van den Hoogenhof haben in Nature Cardiovascular Research einen entscheidenden Mechanismus einer erblichen Form der Herzschwäche beschrieben. Ihre Studie zeigt, dass nicht allein eine gestörte Genverarbeitung im Herzen die Erkrankung antreibt. Vielmehr spielt die Überaktivierung eines Signalproteins eine zentrale Rolle. Die Arbeit eröffnet damit erstmals die Perspektive auf eine ursachenorientierte Therapie für Patientinnen und Patienten mit RBM20-Kardiomyopathie und unterstreicht das Potenzial genetisch zugeschnittener Behandlungsstrategien in der Kardiologie.

Wenn der „Schnitt“ der Gene nicht mehr stimmt

Damit Zellen funktionieren, werden Gene zunächst als Rohfassung abgelesen. In einem zweiten Schritt, dem sogenannten Splicing, wird diese Rohfassung bearbeitet: Unnötige Abschnitte werden entfernt, andere neu zusammengesetzt. So entsteht die Bauanleitung für ein Protein. Dieser Prozess findet in nahezu allen Zellen statt, wird aber je nach Gewebe unterschiedlich reguliert.

Im Herz übernimmt das Protein RBM20 eine Schlüsselrolle bei der Steuerung des Splicing. Ist das entsprechende Gen verändert, gerät dieser fein abgestimmte Prozess aus dem Gleichgewicht. Die Folge ist eine besonders schwere Form der dilatativen Kardiomyopathie, die häufig früh im Leben auftritt und mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen einhergeht.

Diese Form der Herzschwäche ist selten: Nur ein kleiner Teil der Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz ist betroffen. Innerhalb der genetisch bedingten dilatativen Kardiomyopathien machen RBM20-Mutationen nur wenige Prozent aus – der Verlauf ist jedoch oft schwer und betrifft viele Betroffene bereits in jungen Jahren.

Der entscheidende Befund: Ein überaktiver Signalweg

Die neue Studie zeigt nun, dass die Erkrankung nicht allein durch das veränderte Splicing entsteht. Zwar beeinflusst der RBM20-Defekt die Zusammensetzung verschiedener Proteinvarianten, darunter auch des wichtigen Signalproteins CaMKIIδ. Entscheidend ist jedoch, dass CaMKIIδ in der Folge überaktiv wird. Dieses Protein steuert zentrale Prozesse im Herzmuskel, insbesondere den Calciumhaushalt, und wirkt wie ein Verstärker für zelluläre Signale.

In Mausmodellen konnten die Forschenden zeigen: Tiere mit einem RBM20-Defekt entwickeln eine ausgeprägte Herzschwäche. Wird CaMKIIδ jedoch ausgeschaltet, bleibt die Herzfunktion weitgehend erhalten. Wird das Protein wieder aktiviert, kehrt die Erkrankung zurück. Die Daten belegen damit, dass die Überaktivität von CaMKIIδ der zentrale krankmachende Schritt ist.

Der genaue molekulare Übergang zwischen verändertem Splicing und erhöhter Aktivität des Signalproteins ist noch nicht vollständig geklärt. Klar ist jedoch: Die Überaktivität von CaMKIIδ ist der Punkt, an dem die Erkrankung wirksam wird. Das gestörte Splicing setzt den Prozess in Gang, treibt die Krankheit aber nicht allein.

Therapeutische Perspektiven

In weiteren Experimenten behandelte das Team ein Mausmodell mit einer menschlichen RBM20-Mutation mit einem Wirkstoff, der CaMKII hemmt. Die Herzfunktion verbesserte sich deutlich – obwohl der genetische Defekt unverändert blieb.

Der eingesetzte Wirkstoff ist kein zugelassenes Medikament, sondern ein Forschungswerkzeug. Er zeigt jedoch, dass das Prinzip funktioniert: Wird die übermäßige Aktivität von CaMKIIδ gebremst, lässt sich die Erkrankung beeinflussen.
Die Ergebnisse sind auch deshalb relevant, weil CaMKII bereits als therapeutisches Ziel verfolgt wird. Selektivere Hemmstoffe befinden sich in klinischer Entwicklung, derzeit allerdings für andere Herzkrankheiten. Die vorliegende Arbeit liefert nun eine klare Begründung, diese Ansätze gezielt bei Patientinnen und Patienten mit RBM20-Mutationen zu prüfen.

Ein möglicher Weg zu ursachenorientierten Therapien

Bislang werden genetische Herzschwächen meist mit allgemeinen Standardtherapien behandelt. Die Studie weist einen anderen Weg: Sie verbindet eine klar definierte genetische Ursache mit einem behandelbaren Signalweg. Damit unterstreichen die Ergebnisse auch die Bedeutung genetischer Diagnostik bei dilatativen Kardiomyopathien. Nur wenn die zugrunde liegende Mutation bekannt ist, könnten Patientinnen und Patienten künftig gezielt von solchen ursachenorientierten Therapien profitieren.

Noch handelt es sich um präklinische Ergebnisse. Bevor daraus eine Anwendung in der Klinik entsteht, sind weitere Untersuchungen notwendig. Dennoch eröffnet die Arbeit die Perspektive, bestimmte Formen der Herzschwäche künftig ursachenorientiert behandeln zu können.

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Dr. Maarten van den Hoogenhof, Universitätsklinikum Heidelberg, Abtl. Molekulare Kardiologie und Epigenetik
maarten.vandenhoogenhof@med.uni-heidelberg.de

Originalpublikation:
van den Hoogenhof MMG, Duran J, Britto-Borges T, et al. CAMK2D causes heart failure in mice with RBM20 cardiomyopathy. Nat Cardiovasc Res. 2026;5(5):479-491. doi:10.1038/s44161-026-00818-2 https://www.nature.com/articles/s44161-026-00818-2

Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen schwerer Komplikationen

Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen schwerer Komplikationen bei Müttern und Neugeborenen. Ein aktueller Cochrane Review zeigt: Wird die Geburt bei Schwangeren mit Bluthochdruck ab der 34. Woche früh eingeleitet, erleiden diese Frauen nur noch gut halb so viele Komplikationen wie wenn man abwartet – ohne dass die Kaiserschnittrate steigt. In Ländern mit niedrigem Einkommen fanden sich in den Daten Hinweise, dass eine geplante frühe Geburt die Zahl an tot geborenen Kindern verringern könnte. Ob dieser Effekt auf die Versorgungssituation in Deutschland übertragbar ist, bleibt unklar.


Der passend zum Welt-Präeklampsie-Tag (22.5.) veröffentlichte Cochrane Review hat sechs randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 3.491 Frauen ausgewertet. Verglichen wurde eine geplante frühzeitige Geburtseinleitung oder – sofern medizinisch erforderlich – ein Kaiserschnitt mit einem abwartenden Management, bei dem die Schwangerschaft unter engmaschiger Überwachung fortgeführt wird, solange keine schwerwiegenden Komplikationen auftreten.

Die eingeschlossenen Studien wurden zwischen 2002 und 2022 durchgeführt. Fünf der sechs Studien stammen aus Ländern mit hohem Einkommen (Großbritannien, Niederlande, USA), eine Studie wurde in zwei Ländern mit niedrigem bzw. niedrig-mittlerem Einkommen durchgeführt (Sambia und Indien). Die Studien schlossen Frauen mit verschiedenen Bluthochdruckerkrankungen ein: Präeklampsie, Schwangerschaftsbluthochdruck und chronischer Bluthochdruck. Der Zeitpunkt der geplanten Geburt variierte je nach Studie zwischen der 34. und der 41. Schwangerschaftswoche.

Der Cochrane Review, der von einem internationalen Forscherinnen-Team um die Erstautorin Dr. Alice Beardmore-Gray (King’s College London) erstellt wurde, zeigt im Detail: Eine geplante frühe Geburt senkt das insgesamte Risiko der Schwangeren, eine von mehreren verschiedenen schweren Komplikationen zu erleiden. Damit waren verschiedene schwere Erkrankungen wie etwa epileptische Krampfanfälle, Lungenödeme, Nierenversagen und das lebensbedrohliche, so genannte HELLP-Syndrom sowie der Tod der Mutter gemeint. Ohne eine geplante frühe Geburt erlitten etwa 47 von 1.000 Schwangeren mit Bluthochdruckerkrankungen irgendeine dieser schweren Komplikationen. Mit geplanter früher Geburt waren es nur etwa 25 von 1.000 Schwangeren. (RR 0,54; 95%-KI: 0,37 bis 0,77; 6 Studien, 3.491 Teilnehmerinnen; Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: hoch)

Und wie beeinflusst eine geplante frühe Geburt das Risiko für eine bestimmte, einzelne schwere Komplikation – also beispielsweise das Risiko nur für ein Lungenödem oder das Risiko nur für eine schwere Nierenfunktionsstörung? Diese Frage lässt sich auf Basis der vorliegenden Daten nicht beantworten. Die verschiedenen einzelnen Komplikationen traten in den Studien nämlich jeweils zu selten auf, um daraus sichere Schlüsse ableiten zu können.

Auf die Sterblichkeit der Mütter hat eine geplante frühe Geburt möglicherweise keinen oder nur einen geringen Einfluss. Allerdings ist die Datenlage bei dieser Frage sehr beschränkt: Es kam nämlich nur in 2 der 6 ausgewerteten Studien überhaupt zu Todesfällen – und zwar zu lediglich 4 Todesfällen insgesamt (3 bei abwartendem Management und 1 bei geplanter früher Geburt). Wegen der dünnen Datenbasis ist dieses Teil-Ergebnis des Reviews mit einer relativ großen Unsicherheit behaftet und weitere Forschung könnte das Ergebnis noch ändern. (6 Studien mit 3491 Teilnehmerinnen, Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: low)

Zugleich erhöht eine früh eingeleitete Geburt das Kaiserschnittrisiko nicht: Von 1.000 Schwangeren mit Bluthochdruckerkrankung, bei denen unter engmaschiger Überwachung abgewartet wurde, brachten etwa 429 ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Von 1.000 Schwangeren, bei denen die Geburt früh eingeleitet wurde, waren es etwa 403. (RR 0,94; 95%-KI: 0,83 bis 1,06; 6 Studien, 3.539 Teilnehmerinnen; Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: hoch)

„Wenn man Frauen eine frühe Einleitung anbietet, lautet ihre erste Frage: Erhöht das nicht mein Risiko für einen Kaiserschnitt? Diese Frage klar mit Nein beantworten zu können, ist eine wirklich wichtige Information, wenn wir sie über den besten Zeitpunkt für die Geburt beraten“, erklärt Review-Erstautorin Dr. Alice Beardmore-Gray, Oberärztin am King’s College London. „Mit der Einschätzung, ab wann wir eine Geburt einleiten sollen, ringen wir klinisch jeden Tag. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Mutter und Kind durch weiteres Zuwarten mehr Zeit gewinnen. Tatsächlich aber verzögert man damit oft nur eine unvermeidliche Notgeburt – zu einem Zeitpunkt, an dem es beiden möglicherweise schlechter geht.“

Hinweise auf weniger tot geborene Kinder durch eine frühe Geburtseinleitung fanden sich ausschließlich in der einzigen Studie aus Ländern mit niedrigem beziehungsweise niedrig-mittlerem Einkommen. (In den Studien aus Ländern mit hohem Einkommen wurden keine Totgeburten berichtet.) Wartete man bei Schwangeren mit Bluthochdruckerkrankung unter engmaschiger Überwachung ab, werden laut der einen ausgewerteten Studie etwa 7 von 1.000 Kindern tot geboren. Mit einer früh eingeleiteten Geburt sind es wahrscheinlich etwa 2 pro 1.000. Die Übertragbarkeit dieses Teilergebnisses auf Deutschland bleibt allerdings unklar. (RR 0,25; 95%-KI: 0,07 bis 0,87; 5 Studien, 3.407 Teilnehmerinnen, Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: moderat)

Die Forschenden wollten auch herausfinden, ob eine früh eingeleitete Geburt dafür sorgt, dass weniger lebend geborene Kinder in den ersten Tagen sterben oder schwer erkranken. Die Ergebnisse der einbezogenen Studien weichen allerdings stark voneinander ab, sodass sich dazu keine verlässlichen Aussagen ableiten ließen. (RR 1,06; 95%-KI: 0,75 bis 1,51; 6 Studien mit 3576 Teilnehmerinnen, Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: sehr niedrig).

Was der Review hingegen zeigen konnte: Wahrscheinlich hat eine geplante frühe Geburt keinen oder nur einen kleinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, dass Neugeborene anschließend auf eine Neugeborenenstation aufgenommen werden müssen (RR 1,11; 95%-KI: 0,90 bis 1,37; 6 Studien mit 3.560 Teilnehmerinnen; Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: moderat)

Langfristige Daten zur kindlichen Entwicklung nach einer späten Frühgeburt – also ab der 34. Schwangerschaftswoche – und zur dauerhaften kardiovaskulären Gesundheit der Mütter, die während der Schwangerschaft an einer Bluthochdruckerkrankung litten, fehlen bislang. Die Cochrane-Autorinnen empfehlen, diesen Fragen in künftiger Forschung nachzugehen.

Die Ergebnisse des Reviews stützen im Wesentlichen die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie „Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft“ (AWMF 015-018, Stand: Juli 2024). Die Leitlinie empfiehlt bei Präeklampsie, die Schwangerschaft nicht über die 37+0 Schwangerschaftswoche hinaus fortzuführen und den Geburtszeitpunkt ab der 34+0 Schwangerschaftswoche individuell anhand der Risiken für Mutter und Kind abzuwägen. Der Cochrane Review liefert hierfür die aktuellste und umfassendeste Evidenzgrundlage und schließt erstmals auch Daten zu chronischem Bluthochdruck ein.

Sowohl die deutsche Leitlinie als auch die Review-Autorinnen betonen, dass bei der Entscheidung über den Geburtszeitpunkt die Präferenzen der Frau sowie die Art, die Anzahl und die Schwere ihrer Krankheitssymptome berücksichtigt werden müssen. Für Länder mit niedrigem Einkommen heben die Autorinnen zudem hervor, dass es besonders wichtig sei, diese Zeichen zeitnah zu erkennen und eine geplante frühe Geburt zügig durchzuführen, um die dort deutlich höhere Sterblichkeit bei Müttern und Neugeborenen zu senken.

„Diese Ergebnisse geben Ärzt*innen und Frauen eine klarere Orientierung, wann der richtige Zeitpunkt für die Geburt ist, wenn sich in der Schwangerschaft Bluthochdruck entwickelt“, ordnet Prof. Catherine Cluver, Seniorautorin des Reviews von der Stellenbosch University und dem Tygerberg Hospital in Südafrika den Review ein. „Insbesondere für Frauen mit Präeklampsie unterstützt die Evidenz das Vorgehen, ihnen eine geplante frühe Geburt ab der 34. Schwangerschaftswoche anzubieten – spätestens aber bis zur 37. Woche.“


Das Herz und die Herzmedizin bei einer Frau

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Warum Herzmedizin Frauen anders in den Blick nehmen muss

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen – dennoch orientieren sich viele diagnostische und therapeutische Standards bis heute überwiegend am männlichen Patienten. Gleichzeitig zeigen Studien seit Jahren: Frauen erkranken oft anders, entwickeln andere Symptome und haben andere Risikofaktoren als Männer. Das kann schwerwiegende Folgen haben – bis hin zu schlechteren Überlebenschancen bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Anlässlich des Internationalen Tags der Frauengesundheit am 28. Mai startet das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) deshalb die Initiative „Klartext Frauenherzen“. Ziel ist es, über geschlechterspezifische Unterschiede in der Herzmedizin aufzuklären und das interdisziplinäre Behandlungsangebot für Patientinnen sichtbarer zu machen.

Am DHZC und an der Charité bestehen dafür spezialisierte interdisziplinäre Angebote – unter anderem für Frauen mit Risikoschwangerschaften, Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, geschlechterspezifischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder nach überstandenen Krebserkrankungen.

Drei Beispiele für die Relevanz dieses Themas:
• Das Risiko für Frauen unter 60 Jahren, an einem schweren Herzinfarkt zu versterben, ist höher als für Männer derselben Altersgruppe. Der Hintergrund: Frauen haben bei Herzinfarkten häufig andere Beschwerden als Männer. Dennoch gelten die bei Männern häufiger auftretenden Symptome oft weiterhin als „typisch“, während Beschwerden bei Frauen eher als „atypisch“ beschrieben werden. So verlieren viele Patientinnen wertvolle Zeit bis zur Diagnose und Behandlung.

• Frauen werden bei einem Herzstillstand in der Öffentlichkeit seltener reanimiert als Männer – oft aufgrund von Unsicherheiten, falschen Annahmen oder weil Symptome falsch gedeutet werden.

• Viele Frauen überleben Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs oder andere gynäkologische Tumorerkrankungen heute über viele Jahre. Gleichzeitig können bestimmte Krebstherapien – ebenso wie gemeinsame Risikofaktoren von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – das spätere Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

„Frauen sind keine weiblichen Männer: Sie erkranken anders, zeigen andere Symptome, haben andere Risikoprofile und durchlaufen mit Schwangerschaft und Menopause Lebensphasen, die sich besonders auf das Herz-Kreislauf-System auswirken können“, sagt Dr. Julia Lueg, Fachärztin für Kardiologie an der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Charité Mitte.

Geschlechterspezifische Herzmedizin soll deshalb stärker interdisziplinär gedacht werden: Die DHZC-Kardiolog:innen arbeiten mit der Gynäkologie, Geburtsmedizin, Onkologie, Nephrologie und weiteren Fachbereichen der Charité eng zusammen, um Risiken früher zu erkennen und Patientinnen individueller zu behandeln.

Schwangerschaft und Menopause können das Herz fordern
Bestimmte Komplikationen in der Schwangerschaft wie Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes oder -bluthochdruck gelten heute als wichtige Hinweise auf ein dauerhaft erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die aktuellen Leitlinien empfehlen deswegen eine langfristige Versorgung der Patientinnen, für die jedoch häufig die notwendige Infrastruktur fehlt.

Patientinnen mit erhöhtem Risiko werden am DHZC und an der Charité daher interdisziplinär vor, während und nach der Geburt betreut. „Unser Ziel ist, Risiken frühzeitig zu erkennen, Komplikationen zu vermeiden und die Herzgesundheit der Patientinnen langfristig zu schützen“, erklärt PD Dr. Kun Zhang, Oberärztin und Leitung der Ambulanz an der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Virchow-Klinikum.

Auch die Menopause verändert das kardiovaskuläre Risikoprofil deutlich. Sinkende Östrogenspiegel beeinflussen Gefäße, Stoffwechsel und Blutdruck und erhöhen so ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mehr als jede zweite Frau entwickelt beispielsweise in den ersten Jahren nach der Menopause einen Bluthochdruck.

Kardioonkologie: Herzgesundheit nach Krebs mitdenken
Wie wichtig eine interdisziplinäre Betreuung ist, zeigt sich besonders in der Kardioonkologie: Viele Frauen überleben Brustkrebs oder andere gynäkologische Tumorerkrankungen heute über viele Jahre. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei diesen Patientinnen langfristig zu einer entscheidenden Gesundheitsgefahr werden können – teilweise mit gravierenderen Folgen als die ursprüngliche Krebserkrankung selbst. „Kardiovaskuläre Langzeitfolgen sind kein isoliertes Problem einzelner Tumorentitäten, sondern betreffen Frauen mit nahezu allen Krebserkrankungen“, erklärt PD Dr. Hannah Woopen, Leiterin der Arbeitsgruppe Cancer Survivorship der Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie an der Charité, Campus Virchow-Klinikum.

Herzgesundheit endet deshalb nicht mit einer erfolgreichen Tumorbehandlung. Vielmehr benötigen viele Patientinnen eine langfristige kardiologische Begleitung und Prävention. „Die Zusammenarbeit zwischen Gynäkologie, Onkologie, Kardiologie und weiteren Fachbereichen ist entscheidend, um Patientinnen ganzheitlich zu begleiten und gezielt zu behandeln. Nur ein Organ isoliert zu betrachten, reicht dafür nicht aus“, betont Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie an der Charité, Campus Virchow-Klinikum.

Das interdisziplinäre Angebot des DHZC und der Charité umfasst spezialisierte Beratung, moderne Diagnostik und individuell abgestimmte Therapiekonzepte. Darüber hinaus forschen Wissenschaftler:innen des DHZC und der Charité zu geschlechterspezifischen Unterschieden in der Herzmedizin.

„Geschlechterspezifische Herzmedizin ist kein Nischenthema, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Präzisionsmedizin. Unser Ziel ist eine Versorgung, die individuell, wissenschaftlich fundiert und interdisziplinär gedacht ist – für jede Patientin und jeden Patienten“, sagt Prof. Dr. Ingo Hilgendorf, Direktor der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Virchow-Klinikum.

Mit der Kommunikationsinitiative „Klartext Frauenherzen“ möchten DHZC und Charité wissenschaftlich fundierte Informationen verständlich aufbereiten und für mehr Aufmerksamkeit für das Thema sorgen.

Weitere Informationen, Hintergrundmaterialien und Ansprechpartner:innen gibt es unter:
www.dhzc.charite.de/frauenherzmedizin

Patientengeschichte: Schwangerschaft trotz schwerer Diagnose
Wie wichtig eine spezialisierte Versorgung von Frauen mit Herz- und Gefäßerkrankungen sein kann, zeigt auch der Fall von Vivien F. aus Hennigsdorf. Die heute 33-jährige Theologin war früher gesund und sportlich. Anfang 2021 bemerkte sie erstmals, dass ihre körperliche Leistungsfähigkeit langsam nachließ. Zunächst vermutete sie ein vorübergehendes „Trainingstief“, später wurden die Beschwerden als mögliche Folge einer Covid-Erkrankung eingeordnet. Erst Anfang 2023 erhielt sie die Diagnose „idiopathische pulmonale Hypertonie“.

Bei dieser seltenen Erkrankung handelt es sich um einen krankhaft erhöhten Blutdruck in den Gefäßen der Lunge. Das Herz muss dadurch dauerhaft gegen einen erhöhten Widerstand anpumpen, was insbesondere die rechte Herzhälfte stark belasten kann. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden.

Trotz der Risiken entschieden sich Vivien F. und ihr Partner Benedikt, getragen von ihrem Glauben, bewusst für ein gemeinsames Kind. Die Schwangerschaft galt aus medizinischer Sicht als Hochrisikoschwangerschaft. Deshalb wurde die Patientin von den behandelnden Kardiolog:innen an die Frauenherzmedizin des Deutschen Herzzentrums der Charité überwiesen.

In der 28. Schwangerschaftswoche verschlechterte sich der Zustand der Patientin deutlich, sodass ein fachübergreifendes Team aus Kardiologie, Geburtshilfe, Anästhesie, Intensivmedizin und Neonatologie gemeinsam die Entbindung plante. Ende April wurde schließlich Sohn Juda Michael geboren und unmittelbar durch das Team der Charité-Geburtshilfe versorgt. Mutter und Kind haben sich bereits sehr gut erholt.

Reproduktionsmedizin

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Wir möchten gerne auf die heute erschienene wissenschaftliche Publikation des Deutschen IVF-Registers (D·I·R) sowie auf das begleitende Editorial im Deutschen Ärzteblatt aufmerksam machen, die sich einem unserer und einem der zentralen Themen der modernen Reproduktionsmedizin widmen: dem Single Embryo Transfer (SET). Kernfrage: Sollte ein Double Embryo Transfer (DET) im Frischzyklus einem SET im Frischzyklus mit einem sich ggf. anschließenden SET im Auftauzyklus bevorzugt werden?


Die Entwicklung in Deutschland ist bemerkenswert. Während die Mehrlingsrate nach assistierter Reproduktion vor einigen Jahren noch bei über 20 % lag, wird sie nach ersten Blicken in das kommende D·I·R® Jahrbuch 2025 für das Jahr 2024 nur noch rund 6 % betragen!

Damit verbunden stellen sich wichtige Fragen und unsere Publikation gibt umfangreiche und wissenschaftlich fundierte Antworten:

Führt die konsequentere Anwendung des Single Embryo Transfers zu sinkenden Schwangerschafts- und Geburtenraten?

Werden dadurch tatsächlich deutlich weniger Kinder geboren?

Oder gelingt es, Mehrlingsschwangerschaften und Frühgeburten zu reduzieren, ohne die Erfolgsaussichten wesentlich zu beeinträchtigen?

Die vorliegende Publikation sowie das zugehörige Editorial geben hierzu fundierte und differenzierte Antworten und unterstreichen die große Bedeutung des Single Embryo Transfers für Patientensicherheit, Qualitätssicherung und eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung der Kinderwunschmedizin.

Publikation mit Dank für die Federführung durch Herrn Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/einzelner-oder-doppelter-embryonentransfer-bei...

Editorial zur Publikation von Herrn Prof. Dr. med. Heribert Kentenich:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/weniger-fruehgeburten-nach-assistierter-reprod...

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, Düsseldorf

Originalpublikation:
Publikation mit Dank für die Federführung durch Herrn Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, Düsseldorf:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/einzelner-oder-doppelter-embryonentransfer-bei...
Weitere Informationen finden Sie unter
zur Publikation von Herrn Prof. Dr. med. Heribert Kentenich, Berlin:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/weniger-fruehgeburten-nach-assistierter-reproduktion-ac39b41f-02a2-43a5-a083-dfc8f8c216d0