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Long-Covid bei Kindern

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Internationales Forschungsteam identifiziert biologische Untergruppen und liefert Hinweise für gezieltere Therapien.

Die meisten Kinder und Jugendlichen erholen sich schnell von einer Infektion mit dem Coronavirus. Doch etwa 1 bis 3 Prozent entwickeln pädiatrisches Long COVID – Beschwerden, die Wochen oder Monate nach der eigentlichen Infektion anhalten. Eine neue Studie, die im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt nun: Long COVID bei jungen Menschen ist keine einheitliche Erkrankung. Das internationale Forschungsteam, unter Beteiligung der Universitätsmedizin Magdeburg, konnte verschiedene biologische Untergruppen identifizieren, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Einheitliche Behandlungen für alle Betroffenen könnten daher zu kurz greifen.

Langzeitbeobachtung liefert neue Einblicke

Für die Untersuchung begleiteten die Forschenden 74 Kinder und Jugendliche mit Long COVID sowie 27 gesunde Vergleichspersonen über einen Zeitraum von bis zu 3,2 Jahren. Neben der Erfassung der Beschwerden wurden unter anderem Herz- und Lungenfunktionen, Blutwerte, Stoffwechselprozesse und Immunreaktionen untersucht. Nach aktuellem Kenntnisstand gehört die Studie zu den umfangreichsten europäischen Untersuchungen, die Kinder und Jugendliche mit Long COVID über mehrere Jahre hinweg so detailliert begleitet hat.

Das Ergebnis: Nur etwa 1 bis 3 Prozent der pädiatrischen SARS-CoV-2-Fälle entwickeln Long COVID, doch die Belastung kann erheblich sein: Das Krankheitsbild umfasst mehr als 200 mögliche Symptome. Von den Kindern, die Long COVID entwickelten, berichteten rund 20 Prozent über Beschwerden, die länger als ein Jahr anhalten. Die Mehrzahl erholte sich innerhalb des ersten Jahres. Gleichzeitig fanden sich keine eindeutigen Hinweise auf schwere Schäden an Herz oder Lunge. Auch typische Autoimmunreaktionen, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet, traten nicht gehäuft auf.

Unterschiedliche biologische Muster im Körper

„Unsere Analyse zeigte, dass pädiatrisches Long COVID kein einheitliches Krankheitsbild ist. Stattdessen fanden sich verschiedene biologische Subgruppen und zeitliche Verläufe. Diese unterscheiden sich unter anderem in der Aktivität des Immunsystems und im Stoffwechsel“, erklärt Prof. Dr. Monika Brunner-Weinzierl, Leiterin der Experimentellen Pädiatrie und Neonatologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Epstein-Barr-Virus (EBV), das viele Menschen im Laufe ihres Lebens durchmachen. Kinder und Jugendliche mit früherem EBV-Kontakt zeigten häufiger anhaltende Entzündungsreaktionen. Teile der Immunabwehr, die normalerweise nach einer Infektion wieder abklingen, blieben bei ihnen länger aktiv.

Bei Kindern ohne diesen Kontakt fanden die Forschenden andere Zusammenhänge: Bestimmte Blutwerte, Vitamin B1 sowie Immunbotenstoffe standen mit der körperlichen Belastbarkeit in Verbindung. So waren höhere Werte einzelner Immunstoffe oder bestimmter Blutzellen mit geringeren Einschränkungen im Alltag verbunden.

Zusätzlich wurde eine Untergruppe mit spezifischen Antikörpern identifiziert, die mit weniger Auffälligkeiten bei der Blutgerinnung einherging.

Brunner-Weinzierl betont: „Kinder sind immunologisch keine kleinen Erwachsenen. Ihr Immunsystem ist stärker darauf ausgerichtet, Infektionen zu kontrollieren und gleichzeitig Gewebe zu schützen und Reparaturprozesse zu ermöglichen. Genau deshalb bietet pädiatrisches Long COVID eine besondere Möglichkeit: An Kindern lässt sich vergleichsweise klar untersuchen, welche Reaktionen des Immunsystems nach einer Infektion zur Erkrankung beitragen – und welche möglicherweise zur Heilung.“

Ansatzpunkte für zukünftige Behandlungen

Die Studie macht deutlich, dass es bei der Behandlung von Long COVID bei Kindern nicht ausreicht, pauschal alle Immunreaktionen zu unterdrücken – etwa mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen. Denn einige der beobachteten Immunmuster könnten schützende Aufgaben erfüllen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Immunsystem von Kindern sehr unterschiedlich auf Long COVID reagiert. Einige dieser Reaktionen könnten dem Körper helfen, sich zu stabilisieren und zu erholen“, sagt die Immunologin. „Deshalb ist es wichtig, künftig genauer zu unterscheiden, welche Prozesse behandelt werden sollten und welche eher unterstützt werden könnten.“
Für die medizinische Praxis bedeutet das: Einheitliche Behandlungsansätze könnten zu kurz greifen. Stattdessen könnten individuell angepasste Therapien sinnvoll sein. Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass ein pauschales Unterdrücken des Immunsystems Risiken bergen kann, wenn dabei möglicherweise hilfreiche Prozesse beeinträchtigt werden.
Weitere Forschung ist notwendig, um die identifizierten biologischen Muster zu bestätigen und gezielte Behandlungen zu entwickeln. Auch die Frage, ob bestimmte Blut- oder Stoffwechselwerte künftig als Hinweiszeichen für den Krankheitsverlauf genutzt werden können, ist noch offen. Solche sogenannten Biomarker könnten helfen, betroffene Kinder schneller und gezielter zu behandeln.

Projektpartner
• Experimentelle Pädiatrie und Neonatologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg/Universitätsklinikum Magdeburg
• Universitätsklinikum Jena
• Technische Universität Berlin
• Universität Basel/Universitätsspital Basel

Die Arbeit wurde unter durch das Bundesforschungsministerium sowie durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert.

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Prof. Dr. Monika Brunner-Weinzierl, Leiterin der Experimentellen Pädiatrie und Neonatologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Telefon: +49-391-67-24003, monika.brunner-weinzierl@med.ovgu.de



Originalpublikation:
Vilser D., Han I., Vogel K., Jakobs P. et al.; Immune-metabolic trajectories delineate subgroups in paediatric long COVID; Nature Communications 17, 4023, 2026; DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-026-72224-y

Menschen auf der Flucht

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117,3 Millionen Menschen sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks weltweit auf der Flucht. Diese Menschen müssen zumindest vorübergehend eine neue Heimat finden. Wie gute Wohnraumlösungen aussehen könnten, ist Thema der internationalen Forschungsgruppe „Deconstructing ‚Displacement‘, Reconstructing Housing“ („Vertreibung“ analysieren, Wohnen neu denken), die im Mai und Juni am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld arbeiten wird.

„Forscher*innen wie Mary Bunn berichten, wie Vertreibung, sei es aus politischen, ökologischen oder wirtschaftlichen Gründen, zu einer sich verschärfenden globalen Krise wird. Forschungsergebnisse zeigen, dass Vertriebene großen Belastungen ausgesetzt sind, durch Bedrohungen, Unsicherheit, Diskriminierung, den Verlust der Lebensgrundlage und der Identität. Wer die Heimat verliert, muss sich eine neue schaffen. Wohnen und Schutz spielen dabei eine zentrale Rolle“, berichtet die Organisationstheoretikerin Professorin Dr. Zelinna Pablo von der Torrens University in Sydney, Australien. Sie leitet die Forschungsgruppe zusammen mit Professorin Dr. Kerry London (Sydney), Expertin für Architektur und Stadtentwicklung und dem Rechtswissenschaftler Professor Dr. Rodelio Manacsa (Sewanee, Tennessee, USA).

Häufig werde die Frage der Unterbringung vertriebener Menschen jedoch nicht systematisch unter Einbeziehung aller relevanten Aspekte angegangen, die Lösungen seien entsprechend mangelhaft. Um die wichtigen Perspektiven zusammenzubringen, haben die Leiter*innen der Gruppe Forschende aus verschiedenen Disziplinen und aus fünf Ländern mit unterschiedlichen Erfahrungen in der Unterbringung von Geflüchteten und Vertriebenen ans ZiF eingeladen.

Im Mittelpunkt der Kooperation stehen Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen von Management, Architektur und Public Health, nach dem optimalen Umgang mit begrenzten Ressourcen, der Übertragbarkeit nationaler Lösungen auf andere Länder und auch nach der Messbarkeit von Fortschritten. Die Forschenden möchten nicht nur neue Perspektiven für die Wissenschaft anstoßen, sondern auch praktikable Wege für Politik, Praxis und globale Zusammenarbeit aufzeigen Ansprechpartner:

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Jörg Heeren

Sabine Mende, Universität Bielefeld
Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF)
Telefon: +49 521 106-2769
E-Mail: zif-conferencesupport@uni-bielefeld.de
Weitere Informationen finden Sie unter
Mehr Informationen zum Programm der Forschungsgruppe

Hebammen und Geburtshilfen

Hebammen sichern ganz buchstäblich die Zukunft unseres Landes. 

Sie begleiten werdende Mütter und ihre Kinder während der Schwangerschaft, bei der Geburt sowie im Wochenbett und leisten damit einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur Versorgung von Familien. Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass die Zahl der Hebammen in den vergangenen Jahren in Brandenburg kontinuierlich gestiegen ist. Mit der fast abgeschlossenen Umstellung auf eine rein akademische Hebammenausbildung, mit dem Runden Tisch Hebammenhilfe und mit der Hebammenförderrichtlinie verfügt die Landesregierung aktuell über wirksame Instrumente, um auch weiterhin eine verlässliche und flächendeckende Versorgung mit Leistungen der Hebammenhilfe in allen Regionen Brandenburgs zu ermöglichen.“ 

In diesem Frühjahr haben im Land Brandenburg insgesamt 19 Absolventinnen in der fachschulischen und akademischen Hebammenausbildung erfolgreich ihre Abschluss-prüfungen absolviert. Mehr als die Hälfte der Absolventinnen wird nach ihrer Ausbildung in Brandenburg tätig sein beziehungsweise ist dies bereits – in Brandenburger Geburtskliniken, in Frauenarztpraxen oder in der freiberuflichen Niederlassung, unter anderem in Frankfurt (Oder), Cottbus, Herzberg, Potsdam und im Landkreis Spree-Neiße.


Hintergrund:

 

Seit 2023 werden Hebammen in Deutschland auf der Grundlage des Hebammengesetzes ausschließlich akademisch qualifiziert. Die Übergangsphase, in der parallel noch sowohl fachschulisch als auch akademisch ausgebildet wird, läuft in diesem Jahr in Brandenburg aus.

 

In Brandenburg bieten zwei Hochschulen duale Hebammenstudiengänge mit einer Dauer von jeweils sieben Semestern an. Im Wintersemester 2021/2022 startete der Studiengang Hebammenwissenschaften (B.Sc.) an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) am Campus in Senftenberg.  Seit dem Wintersemester 2023/2024 wird zudem an der privaten Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde (HGE) der Bachelor-Studiengang Hebamme (B.Sc.) angeboten. Die ersten Absolventinnen werden hier im Jahr 2027 ihre Abschlüsse machen.

 

2025 hatten an der BTU die ersten 13 Absolventinnen erfolgreich ihre Prüfungen abgeschlossen, in diesem Jahr waren es 14. Darüber hinaus schlossen fünf Hebammen ihre fachschulische Ausbildung an der Hebammenschule in Eberswalde ab. Dies waren – bis auf eine noch ausstehende Abschlussprüfung in diesem Herbst – die letzten fachschulischen Hebammenprüfungen in Brandenburg. Zwischen 2010 und 2026 haben damit insgesamt 183 Hebammenschülerinnen in Brandenburg ihre Ausbildung zur Hebamme an den beiden Hebammenschulen in Cottbus und Eberswalde erfolgreich abgeschlossen. Damit geht die sehr erfolgreiche und qualitativ hochwertige fachschulische Hebammenausbildung in Brandenburg zu Ende.

 

Insgesamt sind in Brandenburg derzeit rund 580 Hebammen beruflich aktiv; rund ein Viertel davon ist sowohl angestellt als auch freiberuflich tätig. Zuletzt waren laut statistischem Landesamt 2024 insgesamt 273 Hebammen in Brandenburger Geburtskliniken angestellt. Seit 2010 hat sich diese Zahl damit mehr als verdoppelt. In Brandenburg gibt es aktuell 20 Krankenhausstandorte mit einer aktiven Geburtshilfe.


Thomas Kempf Regionaldirektor Nord bei Vivantes

Seit dem 1. Mai 2026 ist Thomas Kempf Regionaldirektor Nord bei Vivantes.

Das teilte der landeseigene Berliner Krankenhauskonzern mit. Kempf führt als Geschäftsführender Direktor das Humboldt-Klinikum in Reinickendorf und das Klinikum Spandau. Der 51-Jährige folgt auf Detlev Corsepius. Corsepius hatte beide Häuser sowie die Region Nord interimsweise geleitet.
Kempf war bereits von 2002 bis 2014 für Vivantes tätig. Er arbeitete zunächst im Controlling und leitete zuletzt das Investitions- und Beteiligungscontrolling im Bereich Strategisches Finanzmanagement. „Ich freue mich sehr, nach 12 Jahren wieder zu Vivantes zurückzukehren und zur weiteren Entwicklung der Region Nord und damit des Gesamt-Unternehmens beizutragen“, sagte Kempf. „Hierbei setze ich auf eine offene, wertschätzende und konstruktive Kommunikation aller Berufsgruppen und eine klare Identifikation mit dem Unternehmen.“

Stationen im Krankenhausmanagement
Kempf ist Diplom-Kaufmann. Zuletzt arbeitete er seit Februar 2025 als Verwaltungsleiter und Prokurist am Evangelischen Herzzentrum Coswig. Parallel hatte er diese Funktion seit 2014 am Evangelischen Krankenhaus Paul Gerhardt Stift in Lutherstadt Wittenberg inne. Dort verantwortete er unter anderem Controlling, Erlösmanagement, Medizintechnik und Infrastruktur.

Seine berufliche Laufbahn begann Kempf in der Pflege. Er absolvierte eine Ausbildung zum Krankenpfleger und studierte Krankenpflegemanagement. Danach arbeitete er in der klinischen Versorgung und als Dozent, bevor er ins kaufmännische Management wechselte.

Zur Region Nord von Vivantes zählen das Humboldt-Klinikum in Reinickendorf und das Klinikum Spandau. Beide Häuser gehören zu den großen Krankenhäusern der Hauptstadt und decken ein breites medizinisches Spektrum ab.

Hilfe für Familien in Not

Über die Stiftung „Hilfe für Familien in Not - Stiftung des Landes Brandenburg“

Die Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ wurde im Jahr 1992 auf Initiative der damaligen Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt gegründet. Das Grundstockvermögen beläuft sich auf 4,6 Millionen Euro. Ziel der Stiftung ist es, eine kurzfristig entstandene finanzielle Schieflage von Familien zu überbrücken, um zum Beispiel Energieabschaltungen oder Wohnungslosigkeit zu verhindern, aber auch Kinderbekleidung zu kaufen, therapeutische Maßnahmen zu ermöglichen oder eine Ausbildung zu unterstützen. Wichtige Partner sind unter anderen die Schwangeren- und Familienberatungsstellen, über die bedürftige Familien ihre Anträge stellen.

 

Der Stiftungsrat besteht aus neun stimmberechtigten Mitgliedern. Der Vorsitzende des Stiftungsrates wird von der für Soziales und Familie zuständigen Ministerin für fünf Jahre berufen. Dem Stiftungsrat obliegt die Aufsicht und Kontrolle über die ordnungsgemäße Verwaltung der Stiftung. Der Stiftungsrat beschließt alle grundsätzlichen Angelegenheiten der Stiftung, unter anderen die Anlage des Stiftungsvermögens, die Genehmigung des jährlichen Wirtschaftsplanes und Satzungsänderungen.

 

Kontakt:

Stiftung "Hilfe für Familien in Not - Stiftung des Landes Brandenburg"                   

Anja-Christin Faber                                  

Breite Str. 7A | 14467 Potsdam                                                

Tel.: 0331 / ‪887 248 21‬

Mobil: 0160 / ‪7663901‬                                        

E-Mail: a.faber@familien-in-not.de


Klinisch relevanter Schulangst

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Drei bis sieben Prozent der Kinder in Deutschland leiden Schätzungen zufolge an klinisch relevanter Schulangst. Tendenz steigend. Schulangst und Schulvermeidung können die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gravierend und langfristig beeinträchtigen. Gefragt sind daher frühe und niedrigschwellige Präventionsmaßnahmen. Das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT leitet das im März 2025 gestartete BMFTR-Verbundprojekt »angstVRei«, in dem ein Virtual-Reality-Spiel zur Behandlung von Schulangst entwickelt und erprobt wird.

Im Rahmen der BMFTR-Initiative »Interaktive und Gamification-basierte Technologien zur Förderung der psychischen Gesundheit im Kindesalter (GamKi)« entwickelt ein Forschungsteam im Verbundprojekt »angstVRei« ein interaktives psychotherapeutisches Spiel, das eine Expositionstherapie für Kinder mit Schulangst in einer Virtual-Reality-Umgebung kindgerecht umsetzt.

Das Virtual-Reality-Spiel (VR-Spiel) ermöglicht es den Kindern in Zusammenarbeit mit ihren Therapeutinnen und Therapeuten, angstbesetzte Schulsituationen virtuell zu erleben, verschiedene Verhaltensweisen auszuprobieren und so optimale Handlungsoptionen zu erlernen. Ein Biofeedback-System misst kontinuierlich den Stresslevel, um die Exposition anzupassen und die Therapieeffektivität zu evaluieren. Ein digitaler Avatar unterstützt die Kinder, indem er positives Feedback gibt und Mut macht.

Die Wirksamkeit der VR-Schulangsttherapie wird in einer Machbarkeitsstudie überprüft. Entwicklungsbegleitend werden zudem Akzeptanzfaktoren für diese neue Therapieform bei Schulangst untersucht.

Aufgabe des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT ist es, mithilfe KI-gestützter Methoden ein Stressmodell zu entwickeln und zu validieren. Das Modell bestimmt den während der Exposition erlebten Stress des Kindes anhand physiologischer Parameter wie Herzfrequenz, Herzratenvariabilität und Stimme sowie anhand des Spielverhaltens. Korrelieren diese Messwerte mit dem subjektiven Stressempfinden, lassen sich daraus auch Aussagen zur Wirksamkeit der individuellen VR-Therapie ableiten. Das Stressmodell wird in eine spezielle Anwendung für Therapeutinnen und Therapeuten integriert, die Patientinnen und Patienten verwaltet, erhobene Daten managt und mit dem VR-Spiel kommuniziert.

Im ersten Projektjahr wurde auf Basis klinischer Konzepte zur Expositionstherapie bei Schulangst eine VR-basierte Intervention spezifiziert und in ein VR-Spielkonzept überführt, das derzeit umgesetzt wird. Zusätzlich wurden in einer Studie während klassischer Expositionssitzungen mit Kindern, die unter Schulangst leiden, psychophysiologische Daten erhoben, die in die Entwicklung des Stressmodells einfließen.

Übertragung auf andere Angststörungen möglich

Im Fall einer erfolgreichen Pilotstudie mit dem VR-Therapiespiel sollen die gewonnenen Erkenntnisse zunächst in eine spezielle Version des »angstVRei«-Spiels zur Prävention von Schulangst einfließen, die in den App-Stores angeboten werden kann. Parallel dazu soll eine Vollversion als CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt für die therapeutische Anwendung vorbereitet werden. Auch lässt sich das Konzept des VR-Therapiespiels im Erfolgsfall leicht auf andere Angststörungen von Kindern und Jugendlichen übertragen.

Infokasten - Projektinformation

Verbundkoordinator
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, Sulzbach

Partner
Universität des Saarlandes - Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Pfeffermind Consulting GmbH, Berlin
Artificial Rome GmbH, Berlin
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät - Institut für Psychologie

Volumen
1,93 Mio. € (davon 82% Förderanteil durch BMFTR)

Laufzeit
03/‪2025 - 02‬/2028

Bekanntmachung
Interaktive und Gamification-basierte Technologien zur Förderung der psychischen Gesundheit im Kindesalter (GamKi)

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Verbundkoordinator
Dipl.-Inform. Stephan Kiefer
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
Tel. +49 6897 9071-406
stephan.kiefer@ibmt.fraunhofer.de
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.interaktive-technologien.de/projekte/angstvrei

Urlaubsvergütung

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Viele Beschäftigte planen derzeit ihren Urlaub und greifen dabei auf die zusätzliche Urlaubsvergütung zurück, die sie von ihrem Arbeitgeber erhalten. Wie verbreitet Urlaubsgeld und weitere freiwillige Zusatzleistungen („Fringe Benefits“) in der Metall- und Elektroindustrie aktuell sind, untersucht das ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. aktuell im Rahmen einer neuen Befragung zu Anreiz- und Vergütungssystemen. Laut Erhebung aus dem Jahr 2023 waren es rund 72 % der Unternehmen, die ihren Beschäftigten Urlaubsgeld zahlen.

Die zusätzliche Urlaubsvergütung ist ein zentraler Bestandteil vieler Vergütungssysteme und zugleich ein wichtiges Instrument für die Gewinnung und Bindung von Fach- und Führungskräften.

Sabbatical oder Workation: Auszeiten vom Job

Neben der finanziellen Komponente gewinnen Formen der Auszeit an Bedeutung. Bereits 2023 gaben Unternehmen an, ergänzend zum gesetzlichen Urlaub zusätzliche Modelle wie Sabbaticals (längere Phasen unbezahlter Freistellung) oder Workation (das Arbeiten vom Urlaubsort aus) anzubieten.

Ein Sabbatical, also ein befristeter, in der Regel unbezahlter, Sonderurlaub, wird laut der ifaa-Studie in 43 % der Unternehmen allen oder Teilen der Beschäftigten angeboten. 25 % der befragten Unternehmen ermöglichen diesen Benefit der gesamten Belegschaft. Workation als freiwillige Zusatzleistung spielt bislang noch eine untergeordnete Rolle: Während 4 % der befragten Unternehmen allen Mitarbeitenden diese Möglichkeit eröffnen, gestatten weitere 10 % dies zumindest bestimmten Beschäftigtengruppen.

Mit der aktuellen Befragung, die unter dem Link https://www.arbeitswissenschaft.net/verguetungsstudie-2026 zu finden ist, aktualisiert das ifaa seine Datenlage und analysiert, wie verbreitet Urlaubsgeld und weitere Zusatzleistungen in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie derzeit sind. Die Veröffentlichung der Studienergebnisse ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

Die Ergebnisse der letzten ifaa-Studie zu Anreiz- und Vergütungssystemen finden Sie hier: https://www.arbeitswissenschaft.net/verguetungsstudie-2023

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Christine Molketin unter c.molketin@ifaa-mail. Gerne vermitteln wir Interviews mit den verschiedenen Experten zu diesem Thema.

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Andreas Heßler 

a.hessler@ifaa-mail.de

Vitamin B12

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Strahlspaltungsansatz eröffnet neue Möglichkeiten der Untersuchung stark verdünnter Flüssigkeitsproben.

Forscherinnen und Forscher am European XFEL haben eine Methode entwickelt, um Flüssigkeitsproben zu untersuchen, die für viele gängige Experimente mit Röntgenlicht zu stark verdünnt sind. Die Methode ist äußerst sensitiv. Im ersten Experiment gelang es einer Gruppe internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich Vitamin B12 in Wasser nach der Absorption von Licht verändert. Die im Journal of the American Chemical Society veröffentlichten Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, ein viel breiteres Spektrum chemischer und biologischer Systeme zu untersuchen als bisher.

Viele wichtige Moleküle lassen sich mit Röntgenlicht nur in sehr geringen Konzentrationen untersuchen, entweder weil sie schlecht löslich sind oder weil nur geringe Mengen verfügbar sind. Das stellt eine große Herausforderung für Experimente in Flüssigkeiten dar: Das umgebende Wasser erzeugt oft ein viel stärkeres Signal als die relativ wenigen zu untersuchenden Moleküle, was die Messung extrem erschwert.

Um dieses Problem zu lösen, entwickelten Forschende am SCS-Instrument (Spectroscopy and Coherent Scattering) am European XFEL eine spezielle Vorrichtung zur Strahlteilung. Sie spaltet jeden Röntgenimpuls in drei Teile: Einer durchläuft die Probe, während die anderen beiden als Referenz dienen. Durch den Abgleich aller drei Signale kann das Team Schwankungen korrigieren und Veränderungen identifizieren, die sonst zu schwach wären, um sie zu erkennen.

„Die Normalisierung jedes einzelnen Durchgangs ist entscheidend“ sagt Benjamin Van Kuiken, Wissenschaftler am SCS-Instrument. „Das verschafft uns die nötige Empfindlichkeit, um mit verdünnten Proben zu arbeiten.“

Seit langem offene Frage beantwortet

Die Forscherinnen und Forscher wählten Vitamin B12 als anspruchsvollen Testfall. „Vitamin B12 ist eine schwierig zu untersuchende Probe“ sagt Erstautorin Nahid Ghodrati, die mittlerweile als Postdoktorandin an einem anderen European XFEL-Instrument tätig ist. „Es löst sich nur begrenzt auf, das Wasser um es herum erzeugt ein starkes Hintergrundsignal, und die Veränderungen, die wir beobachten wollen, geschehen sehr schnell.“ Die Forschenden verwendeten nur etwa 9,5 Gramm Vitamin B12 pro Liter Wasser. Selbst unter diesen Bedingungen gelang es dem Team, extrem kleine, durch Licht ausgelöste Veränderungen nachzuweisen. Eine Abweichung des gemessenen Signals von nur 0,005 % war in den Ergebnissen sichtbar. Die ultraschnellen Veränderungen wurden durch Röntgenblitze erfasst, die nur 100 Billiardstel Sekunden dauerten.

Das Experiment hat nicht nur eine neue Methode demonstriert, sondern auch dazu beigetragen, eine seit langem offene Frage bezüglich Vitamin B12 zu beantworten: Was genau geschieht im Inneren des Moleküls, nachdem es Licht absorbiert hat? Die neuen Messungen deuten darauf hin, dass sich die Hauptveränderung auf das Kobaltatom im Zentrum des Moleküls konzentriert und keine größere Verschiebung von Elektronen über die gesamte Struktur hinweg stattfindet. „Die einzigartige Fähigkeit des SCS-Instruments, verdünnte Proben zu untersuchen, verschaffte uns Einblicke in die rasante Entwicklung der elektronischen Struktur des Moleküls, die wir sonst nirgendwo erhalten hätten“, sagt James Penner-Hahn, Professor an der University of Michigan, USA.

Neue Experimente werden möglich

Dies zeigt, dass der neue Ansatz selbst über schwer zu untersuchende Proben in Lösung aussagekräftige Informationen liefern kann. Die Forschungsgruppe erwartet, dass sich dadurch das Spektrum der am European XFEL möglichen Experimente erweitern wird. „Da wir nun biologisch und chemisch wichtige Moleküle untersuchen können, die bisher in Lösung und bei niedrigen Konzentrationen schwer zu untersuchen waren, rückt eine Menge neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in greifbare Nähe“, sagt Andreas Scherz, leitender Wissenschaftler am SCS. Roseanne Sension, Professorin an der University of Michigan, fügt hinzu: „Durch den Zugang zu einer neuen Reihe biologisch und chemisch wichtiger Proben hat das SCS-Instrument das Spektrum der Proben, die wir untersuchen möchten, dramatisch erweitert.“

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Benjamin Van Kuiken
benjamin.van.kuiken@xfel.eu
+49-40-8998-6545

Originalpublikation:
https://pubs.acs.org/doi/10.1021/jacs.6c01860
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.xfel.eu/aktuelles/news/index_ger.html?openDirectAnchor=3015&two_columns=0

Tuberkulose

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Unter Leitung von Forschenden der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und der University of California, San Francisco (USA), hat ein internationales Forschungsteam ein neues Verfahren zur Tuberkulose(TB)-Diagnose untersucht. Damit können TB-Bakterien unabhängig von Laboren, in kürzerer Zeit als bisher und über einen einfachen Abstrich nachgewiesen werden. Die Forschenden zeigten: Der Nachweis ist diagnostisch genau und kann auch von ungeschultem Personal durchgeführt werden. Die im New England Journal of Medicine publizierten Ergebnisse trugen maßgeblich dazu bei, dass die Weltgesundheitsorganisation den weltweiten Einsatz des Verfahrens bereits empfohlen hat.


Mit dem Verfahren können TB-Bakterien (Mycobacterium tuberculosis) über einen Zungenabstrich, direkt am Ort der Probennahme und in weniger als 35 Minuten nachgewiesen werden. Für die Diagnostik kommen zwei mobile Geräte zum Einsatz: In einem werden die Bakterien aus dem Abstrich für die weitere Analyse aufgelöst. Das zweite Gerät wertet die Probe durch Detektion von Erbgut aus und zeigt über Kontrollleuchten an, ob sie „positiv“ (enthält Bakterien-Erbgut) oder „negativ“ (enthält kein Bakterien-Erbgut) ist. Wie zuverlässig die mit dem Verfahren erzielten Ergebnisse sind und ob die einzelnen Schritte auch von ungeschultem Personal sicher durchgeführt werden können, überprüften Claudia Denkinger, Professorin für „Infektions- und Tropenmedizin“ an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Ärztliche Direktorin der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), und Dr. Seda Yerlikaya, Gruppenleiterin in der Infektions- und Tropenmedizin, gemeinsam mit internationalen Forschungspartnerinnen und -partnern.

Studiendesign und zentrale Ergebnisse

Für die aktuell im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie wurden 1.380 Personen mit Verdacht auf Lungentuberkulose in ambulanten Zentren in Indien, Nigeria, Südafrika, Uganda, Vietnam, Sambia und auf den Philippinen mit dem neuen Verfahren untersucht. Die Patientinnen und Patienten gaben sowohl aus den Atemwegen abgehustetes Sekret (Sputum) als auch Zungenabstrichproben ab. Für beide Probenvarianten ermittelten die Forschenden den Anteil der korrekt erkannten Erkrankten (Sensitivität) und den Anteil der korrekt erkannten Gesunden (Spezifität). Es zeigte sich, dass der Tuberkulose-Nachweis per Zungenabstrich vier von fünf Erkrankten korrekt identifizierte (Sensitivität von 80 Prozent) und nur bei 0,5 Prozent der Untersuchten falsch positiv ausfiel (Spezifität von 99,5 Prozent). Ähnliche Werte ergaben sich für die Untersuchung von Sputum mit dem neuen Verfahren. Insgesamt sind diese Ergebnisse vergleichbar mit denen einer Goldstandard-TB-Diagnostik, bei der abgehustetes Sekret im Labor untersucht wird. Auch in einer parallelen Studie zeigten die Forschenden: Die diagnostische Genauigkeit führt dazu, dass der neue Nachweis per Zungenabstrich vergleichbar viele Patientinnen und Patienten mit Tuberkulose identifiziert wie bisherige Sputum-basierte TB-Diagnostika.

„Wir haben gezeigt, dass das Verfahren die Ansprüche der Weltgesundheitsorganisation an Tuberkulose-Diagnostika erfüllt“, fasst die Erstautorin Dr. Yerlikaya zusammen. „Die Ergebnisse sind so überzeugend, dass die WHO den Einsatz bei Jugendlichen und Erwachsenen mit TB-typischen Symptomen bereits jetzt empfohlen hat.“ Auch die Benutzerfreundlichkeit wurde vom Forschungsteam bestätigt.

Dass für die Diagnostik ein Zungenabstrich ausreicht, vereinfache nicht nur die Probennahme, sondern vergrößere auch den Kreis der Testpersonen, so Professorin Denkinger. Denn nicht alle Patientinnen und Patienten, bei denen ein Tuberkulose-Verdacht besteht, können Sputum abgeben. Das gilt zum Beispiel für Kinder, schwer kranke und HIV-positive Personen, die ein erhöhtes Risiko für eine TB-Infektion haben. Als weitere Vorteile nennt die Infektiologin: „Die Geräte haben eine kompakte Größe, können auch von Laiinnen und Laien ohne großen Schulungsaufwand bedient werden, liefern schnell ein eindeutiges Ergebnis und laufen batteriebetrieben.“ Letzteres ist entscheidend für den Einsatz in Regionen, in denen eine kontinuierliche Stromversorgung nicht gewährleistet ist. Zudem liegen die Kosten für den Point-of-Care-Nachweis deutlich unter denen für bisherige Labortests.

Entwicklung des Verfahrens, WHO-Empfehlung und Ausblick

Professorin Denkinger und ihr Team waren bereits an der Entwicklung der neuen Methodik beteiligt – unter anderem mit technischer Expertise und begleitenden Studien. Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) der US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH), der Gates Foundation, dem US-Außenministerium (vormalig USAID) und der Europäischen Union im Rahmen der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP).

Nachdem die World Health Organization (WHO) das Verfahren als ersten „Near-Point-of-Care-Test“ für Tuberkulose empfohlen hat, wird aktuell die Pilotanwendung in verschiedenen Ländern mit hoher TB-Belastung vorbereitet. Mehrere Organisationen und Stiftungen finanzieren die Anwendung, darunter der Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria und die Children’s Investment Fund Foundation. „Damit das Diagnoseverfahren international eingesetzt werden kann, müssen nicht nur die Geräte und Materialien angeschafft werden. Die beteiligten Organisationen definieren auch Einsatzorte und Zielgruppen, informieren Interessensgruppen, schulen Personal und identifizieren ländertypische Besonderheiten“, schildert Professorin Claudia Denkinger die nun anstehenden Schritte. Von zentraler Bedeutung für den Erfolg des neuen Diagnose-Instruments sei, dass sowohl medizinische Fachkräfte als auch die untersuchten Personen Vertrauen in die neuen Testabläufe gewinnen.

Hintergrund: Die Infektionskrankheit Tuberkulose und ihre Diagnostik

Jedes Jahr sterben weltweit mehr als eine Million Menschen an Tuberkulose (TB). Allein im Jahr 2024 gab es mehr als zehn Millionen Neuerkrankungen. Die bakterielle Infektionskrankheit greift in erster Linie die Lunge an, kann aber auch andere Organe betreffen. Zu den Symptomen zählen anhaltender Husten, Fieber und Gewichtsabnahme. Tuberkulose kann mit Antibiotika behandelt werden, eine Herausforderung ist aber die Diagnostik: Bislang vorhandene Tests sind teuer, aufwendig und teilweise ungenau. In ressourcenschwachen Ländern mit hohen Infektionszahlen ist zudem der Zugang begrenzt. Häufig mangelt es an Fachpersonal, der erforderlichen Laborausstattung oder einer zuverlässigen Stromversorgung für Laborgeräte. Die Diagnostik findet in der Regel nicht am Point-of-Care statt – also dort, wo die Patientinnen und Patienten sich vorstellen. Dadurch liegt das Ergebnis zeitverzögert vor, eine gegebenenfalls erforderliche Behandlung kann nicht sofort beginnen und einige Patientinnen und Patienten werden gar nicht mehr erreicht. „Vor diesem Hintergrund setzt der TB-Nachweis per Zungenabstrich neue Maßstäbe in der TB-Diagnostik“, so Professorin Denkinger.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Julia Bird

Professorin Dr. Claudia Denkinger
Ärztliche Direktorin
Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin
Universitätsklinikum Heidelberg und Medizinische Fakultät Heidelberg
claudia.denkinger@uni-heidelberg.de

Originalpublikation:
Yerlikaya S, Masuzyo C, Adije B et al. (2026) Pulmonary Tuberculosis Detection with MiniDock MTB Using Swab Samples. New England Journal of Medicine 394(17), 1710–1722, https://doi.org/10.1056/NEJMoa2509761
Weitere Informationen finden Sie unter
Website der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am UKHD
Weitere Studie zum Verfahren in „Clinical Infectious Diseases“
„Factsheet Tuberculosis“ der Weltgesundheitsorganisation (englischsprachig)

Darm-Hirn-Achse

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Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt erstmalig Informationen und Leitlinien für Fachkräfte, die PatientInnen mit Störungen der Darm-Hirn-Achse betreuen und fasst evidenzbasierte psychosoziale Ansätze für Erwachsene und für den pädiatrischen Bereich zusammen. Erstautorin in der neuen Ausgabe von Gastroenterology ist die Universitätsprofessorin Dr. Sigrid Elsenbruch, die sowohl an der Ruhr-Universität Bochum wie an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen im Rahmen der Sonderforschungsbereiche „Extinction Learning“ und „Treatment Expectation“ wissenschaftlich arbeitet.

Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Dyspepsie oder kurz zusammengefasst funktionelle Magendarmerkrankungen – die Liste der durch eine gestörte Darm-Hirn-Achse verursachten Beschwerden ist lang. Millionen Menschen sind betroffen. Zwischen Gehirn und Eingeweiden besteht eine direkte Verbindung, die sogenannte Darm-Hirn-Achse und. entlang dieser Achse läuft ein wichtiges Kommunikationsnetzwerk in beide Richtungen. Die Erkenntnisse über die wechselseitigen Einflüsse biologischer und psychosozialer Faktoren auf die Darmphysiologie, die Mechanismen des Gehirns sowie die belegten Erwartungseffekte haben in den vergangenen Jahren die Forschung, Diagnostik und Therapie maßgeblich beeinflusst.

Moderne ganzheitliche Versorgung

„Das neue Standardwerk bietet eine fundierte und praxisnahe Orientierung, um die komplexe Darm-Hirn-Interaktion besser zu verstehen und gezielt in die Patientenversorgung zu integrieren. Es richtet sich ausdrücklich an Klinikerinnen und Kliniker aller Fachdisziplinen und nicht nur an die Gastroenterologie“, erklärt die Psychologin Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch. Professorin für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum, Mitglied der Medizinische Fakultät am Universitätsklinikum Essen und Teilprojektleiterin in zwei Sonderforschungsbereichen. Sie gibt auch Empfehlungen für Ausbildungsprogramme von Fachkräften im Bereich der psychosozialen Versorgung bei „Disorders of Gut-Brain Interactions“ (DGBI).

„Es werden zentrale Strategien zur Diagnostik beschrieben, darunter gezielte Fragen für Patientengespräche sowie Hinweise zur Interpretation der Antworten, gefolgt von empirisch gestützten psychosozialen Behandlungsansätzen, die sowohl in integrierten als auch in eigenständigen Versorgungskontexten eingesetzt werden können“, beschreibt Prof. Elsenbruch den praktischen Nutzen der Publikation. Sie will ein integratives Krankheitsverständnis vermitteln, das für die moderne Versorgung essenziell ist und eine differenzierte, ganzheitliche Betreuung von Patientinnen und Patienten unterstützt.

Angst und Stress

Besonders hervorzuheben ist, dass psychologische und verhaltensmedizinische Perspektiven – insbesondere moderne Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie – nun auf Basis eines mechanistischen Gesamtverständnisses in dem Beitrag und dem zeitgleich erschienenen Buch zentral integriert sind. Als Erstautorin freut sich Elsenbruch die grundlagenwissenschaftliche Perspektive zur Entstehung und Modulation viszeraler Schmerzen einzubringen, mit einem Fokus auf Furcht-, Stress- und Angstprozesse sowie Lern- und Gedächtnismechanismen. Die Arbeiten in den DFG-geförderten Forschungsverbünden SFB 1280 („Extinction Learning“, Ruhr-Universität Bochum) und TRR 289 („Treatment Expectation“, Universität Duisburg-Essen) haben hierfür eine wesentliche mechanistische und konzeptionelle Grundlage geschaffen. „Dass diese Beiträge nun in einem solchen internationalen Kontext sichtbar werden, ist für mich und mein Team von besonderer Bedeutung.“

Neues Standardwerk

Der Beitrag stellt ein umfassendes, evidenzbasiertes Referenzwerk für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Störungen der Darm-Hirn-Interaktion dar und ist Teil der aktuellen Arbeiten der Rome Foundation, eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die sich der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Störungen widmet. Mit der Veröffentlichung in Gastroenterology – dem offiziellen Fachjournal der American Gastroenterological Association, einer der weltweit führenden Publikationen der Inneren Medizin, ist der internationale Stellenwert dokumentiert. Die Publikation dürfte sich als neues Standardwerk in diesem Fachgebiet etablieren.

MaAB -  Ansprechpartner:
Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch

Originalpublikation:
https://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085(26)00140-X/fulltext Originalarbeit:

Elsenbruch, Sigrid & Ballou, Sarah & Keefer, Laurie & Murphy, Tasha & Oudenhove, Lukas & Van Tilburg, Miranda & Vasant, Dipesh & Levy, Rona. (2026). Biopsychosocial Aspects of Adult and Pediatric Disorders of Gut–Brain Interaction. Gastroenterology. 170. 10.1053/j.gastro.2026.02.009.n