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Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Pilzinfektionen, Juckreiz, Schienbein-Flecken – Hautprobleme können ein Diabetes-Warnzeichen sein

Bei mindestens jedem zweiten Diabetespatienten tritt eine Hauterkrankung auf. 

  • Hautprobleme können auf eine mangelhafte Therapie hinweisen, einen lebensbedrohlichen Notfall signalisieren oder auch vor einem unentdeckten Diabetes Typ 2 warnen. 

Auf welche Beschwerden besonders zu achten und was dann zu tun ist, erklären Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Bei anhaltendem Juckreiz und chronischen Pilzinfektionen sollte in jedem Fall ein Dermatologe aufgesucht werden. 
 
„Diabetes und Haut stehen in enger Wechselbeziehung“, sagt Professor Dr. med. Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

  • „Zwischen 30 und 70 Prozent aller Diabetespatientinnen und -patienten weisen dermatologische Symptome und Erkrankungen auf.“ 
  • Experten gehen davon aus, dass mehr als 50 Hautkrankheiten in Verbindung mit der Stoffwechselerkrankung auftreten.

Warum sich die Erkrankungen gegenseitig beeinflussen, ist nicht restlos geklärt.

„Vermutlich begünstigen Entzündungsprozesse, Ablagerungen von zuckerhaltigen Substanzen in der Haut und die geschwächte Immunabwehr Pilz- und bakterielle Infektionen“, erläutert Professor Dr. med. Claudia Pföhler von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum des Saarlandes.
  • Häufiges Warnzeichen: bräunliche Flecken am Schienbein
  • Zu den häufigsten Hauterscheinungen bei Menschen mit Diabetes gehören bräunliche, narbenähnliche, rundliche Flecken, die sich meist über dem vorderen Schienbein zeigen. 
Die diabetische Dermopathie, wie die Pigmentveränderungen in der Fachsprache heißen, findet sich bei bis zu 70 Prozent aller Diabetespatienten.

„Sie ist sehr oft das erste Anzeichen eines nicht erkannten Diabetes“, berichtet Pföhler. 

Wer solche Flecken an Schienbeinen, Unterarmen oder Füßen bemerkt, sollte beim Hausarzt oder Diabetologen seinen Nüchtern-Blutzucker überprüfen lassen. Die gute Nachricht: „Die Flecken verschwinden, sobald der Diabetes eingestellt ist“, versichert die Dermatologin.

Hartnäckige Pilzinfektionen als Hinweis auf Diabetes

  • Ein weiteres Warnzeichen für Diabetes sind stark ausgeprägte, hartnäckige Pilzinfektionen an Füßen, in den Leisten oder der Achselhöhle, unter der Brust, in der Scheide oder im Analbereich. 
  • „Chronische Pilzinfektionen mit ihrem quälenden Juckreiz gelten als Marker-Erkrankung für Diabetes mellitus“, sagt Pföhler. 

Candida albicans ist der häufigste Erreger. Auch hier gilt:

Unbedingt nüchtern den Blutzucker-Wert messen lassen. 

„Sobald der Blutzuckerwert normalisiert ist, können die Pilzinfektionen oft mit örtlichen Cremes und Zäpfchen erfolgreich behandelt werden“, berichtet die Hautexpertin.

Der Fuß als Eintrittspforte für gefährliche Erkrankungen

  • Beim Nagelpilz steht nicht der Juckreiz im Vordergrund, sondern verdickte Nagelplatten, Flecken, Brüchigkeit und Risse. 
Er ist für Diabetespatienten besonders gefährlich, weil die Nagelschäden als Eintrittspforte für Bakterien dienen, die beispielsweise ein diabetisches Fußsyndrom befördern können.

„Die Sanierung von Nagelpilz bei Diabetespatienten ist deshalb keine kosmetische Frage, sondern eine medizinische Notwendigkeit und gehört in die Hände von Fachkräften“, betont DDG-Expertin Dr. med. Cornelia Woitek, die eine diabetologische Schwerpunktpraxis in Wurzen bei Leipzig leitet. Ärzte können die professionelle Fußpflege beim Podologen auf Rezept verordnen.*

Bakterien, die über kleine Fußwunden in den Körper eintreten, können sogar eine schwerwiegende Wundinfektion auslösen – ein sogenanntes Erysipel, ebenfalls bekannt unter dem Namen Wundrose.  

Ein Erysipel macht sich an der Haut als flammende Rötung bemerkbar, die sich rasch ausbreitet, bevorzugt an den Unterschenkeln oder im Gesicht“, erklärt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG.

  • Die Betroffenen entwickeln meist gleichzeitig hohes Fieber und Schüttelfrost; hier liegt ein Notfall vor. 

„Es droht die Gefahr einer Blutvergiftung, weshalb man sich sofort ins Krankenhaus begeben sollte“, betont der Diabetologe vom Universitätsklinikum Tübingen. Denn mitunter handelt es sich bei den Erregern nicht nur um Streptokokken, sondern auch um Staphylokokken, die gegen verschiedene Antibiotika resistent sein können.

Ob Blasen, Druckstellen oder Hühneraugen – Diabetespatienten müssen auf jede Hautveränderung am Fuß achten“, resümiert Gallwitz.

Unstillbarer Juckreiz – ein Alarmzeichen für Nierenschäden

Im Laufe ihrer Erkrankung leiden viele Diabetespatienten unter Hauttrockenheit. Sie löst vermutlich Pruritus aus, einen starken Juckreiz. 

Die Patienten kratzen sich an Körperstellen, die sie gut erreichen – an oberen Schultern, Armen, Unterschenkeln“, berichtet Woitek. Die Haut weist zudem feine Einrisse, eine leichte Schuppung und Rötung auf.

Lässt das Jucken durch klassische Therapien wie Kortisonsalbe oder Antihistaminika nicht nach, sollte der Arzt hellhörig werden.

CAVE-Untersucher: „Unstillbarer Juckreiz, der auf keine Therapie anspricht, ist bei Diabetespatienten ein Hinweis auf eine Nierenfunktionsstörung“, betont Woitek.

CAVE-Untersucher: „Manchmal hilft eine Lichttherapie gegen die Hautprobleme“, ergänzt Pföhler. In jedem Fall sollte ein Dermatologe hinzugezogen werden. Für die Nierenschädigung ist der Nephrologe zuständig.

Richtige Hautpflege beugt vor

Diabetespatienten können selbst etwas für ihre Hautgesundheit tun.

„Die tägliche Hautpflege ist essentiell“, so Woitek. Besonders eignen sich hierfür feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte mit den Inhaltsstoffen Glyzerin, Panthenol, Hamamelis, Aloe Vera, Vitamin E und Harnstoff.

„In der kalten Jahreszeit sollten Menschen mit Diabetes außerdem nicht zu heiß und zu lange baden und sich gut abzutrocknen, um nasse Hautstellen zu vermeiden“, rät die Diabetologin.
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*Die DDG bietet für staatlich geprüfte medizinische Fußpflegerinnen und -pfleger eine entsprechende Weiterbildung mit dem Zertifikat „Podolog/in DDG“ an:

https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/weiterbildung/podologin-ddg.html

Literatur:

Konstantinow, A. Verkannte Dermatosen. Perspektiven der Diabetologie 2/2016, Deutsches Ärzteblatt. https://cdn.aerzteblatt.de/pdf/113/43/p16.pdf?ts=24%2E10%2E2016+13%3A54%3A02

Jecht, M. Hautveränderungen bei Diabetes mellitus. Diabetologe 2009 · 5:43–56
DOI 10.1007/s11428-008-0351-3. Online publiziert: 16. Januar 2009

Vorträge auf der DDG Herbsttagung:
- Blickdiagnostik in der Praxis (Cornelia Woitek)
- Dermatosen bei Diabetes mellitus aus klinischer Sicht (Uwe Wollina)
https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/mediathek.html
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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der fast sieben Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.


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Nährstofftransport in Blutgefäßen: Vaskulären Netzwerk

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Sich dehnen für die grauen Zellen

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation zeigen wie der Nährstofftransport in Blutgefäßen gesteuert werden kann 
 
Das Zellgewebe von Tieren und Pflanzen wird von einem komplexen vaskulären Netzwerk, den Blutgefäßen durchzogen.

Dieses versorgt die Zellen in dem Gewebe mit Nährstoffen.

  • Tiere können einzelne Kapillaren durch Muskeln weiten, um die Nährstoffversorgung in dem vaskulären Netzwerk anders zu verteilen. 

Wie müssen die Kapillaren geweitet werden, um mehr Nährstoffe in einen bestimmten Bereich des Zellgewebes zu transportieren?

Hängt die Änderung der Nährstoffverfügbarkeit für eine Zelle stark von der Position der Zelle im Gewebe ab?

Haben vaskuläre Netzwerke einen speziellen Aufbau, der ihnen erlaubt, die Nährstoffzufuhr präzise zu steuern, wenn nur bestimmte Bereiche des Zellgewebes mehr Nährstoffe benötigen?

Diesen Fragen gingen Felix Meigel und Karen Alim von der Arbeitsgruppe "Biologische Physik und Morphogenese" am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) nach.
In einer neuen Arbeit, gerade im Magazin Physical Review Letters veröffentlicht, haben die beiden Grundlagenforscher beschrieben, wie viele Nährstoffe in der Mikrovaskulatur entlang einzelner Kapillaren an das Gewebe abgegeben werden. Ihr Ergebnis: der Aufbau und die Struktur eines Netzwerkes sind zweitrangig, wenn der Transport der Nährstoffe entlang der Kapillaren durch den Blutfluss dominiert wird.

Netzwerke zeigen komplexe Dynamiken

Blut transportiert Sauerstoff, Hormone und Nährstoffe durch vaskuläre Systeme zu den Zellen in einem Gewebe.

Die stärkste Nährstoffabgabe erfolgt dabei in Kapillaren, die ein kompliziertes Netzwerk bilden. 
  • Falls eine Zelle einen höheren Nährstoffbedarf hat, sendet die Zelle Signalstoffe aus, die kleine Muskeln an den Kapillaren weiten oder verengen. 
So kann der Blutfluss und somit auch die Versorgung mit Nährstoffen lokal verändert werden. In Netzwerken jedoch können kleine lokale Änderungen sehr große Auswirkungen hervorrufen. Um genau vorherzusagen, wie sich der Blutfluss nach einer Kapillarerweiterung ändert, ist es notwendig, die Selbstorganisation der gesamten Netzwerktopologie zu kennen. Dabei tauchen Fragen auf wie: Ist die Kapillarerweiterung ein Problem für Zellen in einem Gewebe? Wie kann garantiert werden, dass zuverlässig mehr Nährstoffe zu den Zellen gelangen, die mehr Nährstoffe benötigen?

Mit einer Kombination aus theoretischen Modellen und Computersimulationen an experimentell vermessenen Adernetzwerken untersuchten Felix Meigel und Karen Alim, wie sich die Nährstoffversorgung ändert, wenn eine einzelne Kapillare geweitet wird. Dabei fanden die Forscher heraus, dass nicht nur der Transport zu einer Ader entscheidend ist, sondern auch inwieweit die Kapillare die Nährstoffe aufnehmen kann.

  • Verändert sich die Blutflussgeschwindigkeit oder der Durchmesser einer Kapillare, ändert sich auch die Menge der Nährstoffe, die in der Kapillare absorbiert und an das umliegende Gewebe abgegeben wird. 

Dabei gibt es drei Absorptionsmöglichkeiten, zum Beispiel, je nachdem wie schnell das Blut fließt:

  • Entweder absorbiert die Kapillare fast alle durchströmenden Nährstoffe oder es dominiert der Transport per Blutfluss durch die Kapillare oder es findet nur ein langsamer, diffuser Transport in der Kapillare statt.

Robuste Verstärkung

In mehr als 99% der Kapillaren dominiert in der Mikrovaskulatur der Transport mit dem Blutfluss, der sogenannte advektive Transport. 

Für diese Kapillaren puffert die Absorptionsdynamik die Änderungen der Transportdynamik durch das Weiten der Kapillare ab. Die Nährstoffversorgung wird somit robust verstärkt, unabhängig von der genauen Positionierung der Kapillare im komplexen vaskulären Netzwerk. Darüber hinaus gilt als Daumenregel, dass die Kapillaren, die auf die geweitete Kapillare folgen, ebenfalls eine höhere Nährstoffversorgung erhalten.

„In meiner Arbeitsgruppe arbeiten wir an der Frage, wie sich biologische Transportnetzwerke an veränderte Umwelteinflüsse anpassen.

Die Mikrovaskulatur ist ein Paradebeispiel für ein sich anpassendes Transportnetzwerk.

Wir wollen verstehen, wie Transport und Versorgung von Gewebe in einem Netzwerk zusammenhängen, das sich selbst verändern kann.“, sagt Forschungsgruppenleiterin Karen Alim.

„Wenn wir neuronale Aktivitäten diagnostisch vermessen, nutzen wir dafür die sogenannte (funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI). Dabei messen wir aber nicht die neuronale Aktivität selbst, sondern eine Veränderung des Blutflusses. Aber wie man die tatsächliche neuronale Aktivität mit einer beobachteten Veränderung der Durchblutung in Verbindung bringt, ist eine offene Frage. Mit unserem Formalismus geben wir eine Handreichung dafür, wie aus dem Blutfluss auf die Zellversorgung in einem Gewebe geschlossen werden kann. Damit können wir verstehen, wie sich die Zellversorgung ändert, wenn sich der Blutfluss ändert. Dies ist von grundlegender Bedeutung, um letztlich die Frage zu beantworten, wie eine erhöhte neuronale Aktivität mit einer Veränderung der Durchblutung verbunden ist.“, sagt Felix Meigel.

Mit der vorliegenden Arbeit gewinnen die Grundlagenforscher ein besseres Verständnis dafür, wie sich unser Gehirn selbst zu jeder Zeit selbst organisiert. Die Erkenntnisse, die die MPIDS-Wissenschaftler hier gewonnen haben, helfen aber auch in ganz anderen Bereich weiter. „In Zukunft können wir beispielsweise Medikation besser verstehen oder auch wie künstliche Gewebe funktional designt werden sollte. Aber auch für die Verbesserung chemischer Reaktoren, die oft aus porösen Medien bestehen, ist unser Formalismus hilfreich.“, sagt Gruppenleiterin Alim.

Felix J. Meigel, Peter Cha, Michael P. Brenner, and Karen Alim, "Robust increase in supply by vessel dilation in globally coupled microvasculature", Physical Review Letters 123 (2019) 228103, DOI: https://doi.org/10.1103/PhysRevLett.123.228103

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Stabilen Koronaren Herzerkrankungg (KHK)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Stentimplantation oder „nur“ Medikamententherapie – Kardiologen ordnen die neuesten Studienergebnisse ein

• Bei Patienten mit einer stabilen Koronaren Herzkrankheit wirkt die optimale medikamentöse Therapie genauso gut wie eine Stentimplantation.

• Invasive Verfahren gehen allerdings mit einer deutlichen Besserung der Lebensqualität
einher.


  • • Bei akuten Herzinfarkten ist eine Stentimplantation nach wie vor der Goldstandard und
  • verbessert die Lebenserwartung drastisch.

Ob bei einer stabilen Koronaren Herzerkrankung (KHK) eine invasive Strategie mittels Stents und gegebenenfalls einer Bypassoperation einer rein medikamentösen Therapie in Bezug auf die Rate kardiovaskulärer Ereignisse und die Überlebensrate überlegen ist, untersuchte kürzlich die ISCHEMIA-Studie.

Die Ergebnisse der Studie wurden am 16. November bei der Tagung der American Heart Association in Philadelphia präsentiert. Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) beschreiben nun, wie die Ergebnisse die gängige Praxis bei der Behandlung von Patienten mit KHK verändern werden.

ISCHEMIA untersuchte die Wirksamkeit einer Stentimplantation gegenüber einer
reinen Medikamententherapie


5.179 Patienten mit stabiler KHK und Zeichen einer moderat bis schweren Durchblutungsstörung des Herzens (87%) wurden weltweit in die ISCHEMIA Studie eingeschlossen und zu einer invasiven oder konservativen Therapiestrategie randomisiert.

In der Gruppe mit invasiver Therapiestrategie erfolgte neben der optimalen medikamentösen Therapieeinstellung eine diagnostische Herzkatheteruntersuchung, gefolgt von einer leitliniengerechten Stentimplantation (74% der Patienten) oder Bypassoperation (26% der Patienten).

Die konservativ behandelte Vergleichsgruppe erhielt lediglich eine optimale medikamentöse Therapie. Patienten mit einer Hauptstammstenose (ca. 5%) sowie Patienten mit einem akuten Myokardinfarkt, einer KHK ohne Verengung der Blutgefäße sowie reduzierter Auswurfleistung des Herzens beziehungsweise schwersten Angina pectoris-Symptomen wurden nicht in die Studie aufgenommen.

  • Nach vier Jahren war die Rate von kardiovaskulären Todesfällen, Herzinfarkten, überlebtem Herzstillstand, Krankenhauseinweisungen wegen einer instabilen Angina und/oder einer neu aufgetretenen Herzinsuffizienz in beiden Gruppen etwa gleich (13,3 % gegenüber 15,5 % in der medikamentös behandelten Gruppe). 

Auch die kardiovaskuläre Todesrate oder die Rate der Myokardinfarkte waren ebenfalls nicht statistisch signifikant unterschiedlich (11,7 % und 13,9 %). Im invasiven Therapiearm traten im späteren Verlauf weniger spontane Herzinfarkte auf.

Bessere Symptomkontrolle durch eine invasive Therapiestrategie

  • In einer Analyse zur Lebensqualität zeigte sich, dass Patienten sehr deutlich und anhaltend von einer invasiven Strategie profitierten, in der die Durchblutung des Herzens wiederhergestellt wurde. 

28 % der Patienten, die zu Beginn dem konservativen Therapiearm zugeordnet waren, wechselten im Verlauf der Studie zu einer invasiven Therapiestrategie.

Behandlungsleitlinien der koronaren Herzerkrankung konsequent umsetzen

Die detaillierten Ergebnisse der Studie sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht publiziert und liegen nur als Tagungsbeitrag vor.

  • Schon jetzt lässt sich aber sagen, dass bei vielen Patienten mit einer stabilen KHK eine leitliniengerechten medikamentösen Therapie, die den Ursachen von Angina pectoris vorbeugt und Risikofaktoren wie Bluthochdruck, zu hohen Cholesterinwerte und Diabetes mellitus kontrolliert, sicher und effektiv zu sein scheint. 
  • Patienten, die unter medikamentöser Therapie keine Symptomfreiheit erreichten, profitierten allerdings deutlich von einer invasiven Strategie. 
  • Weitere Analysen der Studie sind zu erwarten und wurden angekündigt.

„Zu betonen ist, dass sich diese Ergebnisse lediglich auf Patienten mit stabiler KHK ohne Hochrisikomerkmale beziehen“, erklärt Prof. Dr. Christian Schulze, Mitglied der Kommission für klinische kardiovaskuläre Medizin der DGK.

 „Patienten mit einem akuten Myokardinfarkt profitieren klar von einer invasiven Wiederherstellung der Herzdurchblutung und wurden in der ISCHEMIA Studie nicht untersucht."

„Die Ergebnisse belegen die nachhaltige Verbesserung der Symptome einer koronaren Herzerkrankung durch eine Wiederherstellung der Durchblutung unter optimaler medikamentöser Therapie“, ergänzt Prof. Dr. Michael Böhm, Pressesprecher der DGK.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

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Herzinfarkt-Untersucher: Sofortige Influenza-Impfung nach Herzkatheter

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Altersmediziner empfehlen sofortige Influenza-Impfung: „Infektionen können für ältere Menschen tödlich verlaufen“

„Rund ums Impfen kursieren noch immer zu viele Mythen und Falschmeldungen“, kritisiert Dr. Anja Kwetkat, Leiterin der Arbeitsgruppe Impfen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und Direktorin der Klinik für Geriatrie am Universitätsklinikum Jena. 

Eine Folge sei, dass sich immer weniger Menschen gegen die Influenza-Viren schützen, die im Winter und Frühjahr Hochsaison haben. 

Infektionen mit Grippeviren können bei älteren Menschen tödliche Folgen haben, wenn nicht gezielt geimpft wird. 

Menschen über 60 Jahre sind dabei besonders gefährdet: 

90 Prozent der Grippe bedingten Todesfälle entfallen auf diese Altersgruppe. 

Dr. Anja Kwetkat
Dr. Anja Kwetkat privat


Die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) berücksichtigen nach Einschätzung der DGG die Bedürfnisse älterer Patienten nach wie vor nicht ausreichend. 

Im Interview spricht Anja Kwetkat über die Probleme der STIKO-Empfehlung, gibt Rat zum Grippeschutz für Ältere und enttarnt sich hartnäckig haltende Impf-Mythen.

Frau Dr. Kwetkat, wie sieht es mit der Impf-Bereitschaft der Deutschen konkret aus?

Ehrlich gesagt beobachten wir seit Jahren eine zunehmende Zurückhaltung in der Bevölkerung bei der Grippeimpfung. In der Grippe-Saison 2018/19 kam es erstmals wieder seit Jahren zu einem leichten Anstieg der Impfquoten um ein bis vier Prozent, je nach Bundesland. Während die westlichen Bundesländer nur eine Impfquote von circa 30 Prozent in der Grippe-Saison 2016/17 erreichten, lag diese für die östlichen Bundesländer bei immerhin gut 50 Prozent. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Quote von 75 Prozent, die in England, Schottland und Nordirland in den vergangenen Jahren nur knapp verfehlt wurde.

Wie erklären Sie sich diese Zurückhaltung in Deutschland?

Das hat ganz unterschiedliche Ursachen. Es hält sich zum Beispiel hartnäckig der Mythos, dass die Influenza-Impfung nur etwas für ältere Menschen sei. Die sind zwar besonders betroffen, aber auch junge Patienten sind nach der Ansteckung in der Regel arbeitsunfähig. Zudem wird kolportiert, dass die Grippe-Impfung zu teuer sei und selbst bezahlt werden müsse. Tatsächlich gibt es hier unterschiedliche Regelungen bei den Krankenkassen. Manche übernehmen die Kosten, andere verlangen eine Zuzahlung, wenn der Patient nicht zu einer der Gruppen gehört, für die die Grippe-Impfung durch die STIKO ausdrücklich empfohlen wird. In diesen Fällen wird die Impfung immer von der Krankenkasse übernommen.

Und was machen die Engländer anders?

Es gibt in England seit 2013 ein Programm zur Impfung von Kindern – unabhängig von Risikofaktoren. Die Idee ist, einerseits den Individualschutz der Kinder zu verbessern, andererseits aber auch die Übertragung der Influenza zu reduzieren. Ansonsten ist auch dort die Impfung altersunabhängig Menschen mit chronischen Krankheiten, Schwangeren, Senioren, Pflegeheimbewohnern und Arbeitskräften in Gesundheitsberufen empfohlen. Aber gerade die Empfehlung für die Kinder macht die Impfung präsenter in den Köpfen aller. Das hilft möglicherweise, die Impfraten insgesamt zu steigern, eben auch die der älteren Erwachsenen, der chronisch Kranken oder der Beschäftigen in Gesundheitsberufen.

Es hält sich auch das Gerücht, dass die verwendeten Impfstoffe die sich ständig verändernden Viren gar nicht treffend bekämpfen.

Richtig ist, dass sich die Influenza-Viren ständig durch kleinere Mutationen verändern. Daher ist auch ein jährlich wiederholter Grippe-Schutz notwendig. Bei Tetanus erfolgt die Routine-Auffrischung hingegen nur alle zehn Jahre. Traditionell erleben wir zwischen Dezember und Februar eine regelrechte Grippewelle. Die Impfstoffe auf Basis der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden aber schon etwa ein halbes Jahr davor hergestellt. In der Zwischenzeit kann es daher zu Veränderungen der kursierenden Grippeviren kommen. Die Schutzwirkung kann daher von Jahr zu Jahr und in Abhängigkeit des jeweiligen Virusstamms sehr unterschiedlich sein. Bei sehr guter Übereinstimmung der zirkulierenden Viren mit dem Impfstoff kann die Wirksamkeit bei jungen Erwachsenen bei bis zu 80 Prozent liegen, bei älteren Menschen ist diese niedriger. Es kommt daher häufiger als bei Jüngeren zu einer Erkrankung trotz Impfung, diese verläuft aber weitaus milder und bietet somit immer noch einen relevanten Schutz.

Im vergangenen Jahr wurde vielerorts der Impfstoff knapp. Zu welchen Problemen kann das führen?

Landesweit betrachtet war der Influenza-Impfstoff zunächst gar nicht knapp – er war nur falsch verteilt und das musste umorganisiert werden. Möglicherweise haben sich mehr Menschen bereits früher impfen lassen. Das könnte zu der Verknappung geführt haben, da in der letzten Saison zum selben Zeitpunkt tatsächlich weniger Impfstoffdosen bereitstanden als im Vorjahr. Ein gestiegenes Interesse an der Impfung durch die Eindrücke der Grippewelle 2017/18 hat ebenfalls eine Rolle gespielt. Problematisch war allerdings wohl auch die geänderte Empfehlung der Ständigen Impfkommission auf einen quadrivalenten Grippeimpfstoff. Da somit der alte trivalente Impfstoff nicht mehr empfohlen war, wurden weniger Impfstoffdosen produziert und geliefert, was bei der gestiegenen Nachfrage dann insgesamt zu einer Verknappung führte. Aufgrund der knappen Vorlaufzeit der Produktion und auch der Produktionsart über Hühnereier ist der Grippeimpfstoff nicht kurzfristig nachproduzierbar. In diesem Jahr sollte sich aber ein solcher Engpass eher nicht wiederholen, wie auch das Paul-Ehrlich Institut, das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, versichert.

Aber wie schaffen es andere Länder, in diesen Punkten besser zu sein?

Viele Länder haben da ganz pragmatische Vorschriften, wie beispielsweise die USA:  

Wer sich als Krankenschwester oder Arzt nicht jährlich gegen Influenza impfen lässt, muss zur Grippe-Saison während der gesamten Schicht eine Atemschutzmaske tragen. Das ist so anstrengend und unangenehm, dass die Impfrate des Personals dort bei fast 100 Prozent liegt.

Wann genau ist der richtige Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Am besten ist es, sich gleich im Oktober oder November impfen zu lassen. Nach zehn bis 14 Tagen hat der Körper dann einen ausreichenden Schutz vor Ansteckung aufgebaut, der auch über die gesamte Grippe-Saison hält. Aber auch im Dezember oder Januar ist die Impfung noch immer sinnvoll, denn auch dann ist die Ansteckungsgefahr noch immer sehr hoch. Ältere sollten sich jedoch nicht zu früh impfen lassen, da bei ihnen die Antikörpertiter schneller abfallen können und dann möglicherweise nicht mehr ausreichend sind, wenn die Grippewelle ihren Höhepunkt üblicherweise Anfang des Jahres erreicht. Eine Impfung erst im November ist somit sinnvoll.

Warum ist der Grippeschutz für Ältere lebensnotwendig?

Eine durch Influenza-Viren verursachte Infektion kann für ältere Patienten tödlich verlaufen. Eine Grippe kann durch verschiedene Influenza-Viren verursacht werden. Typisch ist ein plötzlicher Beginn mit oft hohem Fieber über 38,5 Grad, trockenem Husten ohne Auswurf, Halsschmerzen, Appetitlosigkeit sowie starke Kopf- und Gliederschmerzen. Gerade ältere Menschen brauchen oft sehr lange, bis sie sich von der Infektion erholt haben.

Was spricht eigentlich dagegen, sich im Abstand von ein paar Wochen zweimal impfen zu lassen?

In der Kindermedizin wird dies erfolgreich gemacht. Kinder bis zum vollendeten neunten Lebensjahr, die noch nie gegen Grippe geimpft wurden, sollten nach einem Zeitraum von mindestens vier Wochen eine zweite Dosis bekommen. Dies bestätigen auch entsprechende Studien. Eine solche Studie gibt es bei älteren Patienten nicht. Noch effektiver und in Studien auch belegt ist aber, speziell für ältere Menschen direkt eine höhere Dosis Antigen zu verabreichen.

Mit einer vierfachen Antigen-Dosis wird bei Patienten ab 65 Jahren ein besserer Schutz vor einer Influenza-Erkrankung erreicht. Menschen über 85 Jahren profitieren besonders von dem erhöhten Antigen-Gehalt: Bei ihnen führt die Impfung mit dem Hochdosisimpfstoff zu weniger Krankenhausaufnahmen wegen Influenza und Pneumonien.

Eine Grippe erscheint vielen Menschen als unangenehm, aber harmlos. Worin liegt das Sterberisiko?

Hierfür gibt es mehrere Gründe: Oft kommt es gerade bei unterernährten Patienten oder bei Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus zu einer bakteriellen Superinfektion, die dann zu einer Lungenentzündung führt. Davon können übrigens auch junge Patienten betroffen sein. Bei der Untersuchung von Todesfällen werden in Lunge und Blut immer wieder Pneumokokken-Bakterien entdeckt, die unter anderem Blutvergiftungen verursachen können.

  • Weniger bekannt ist, dass eine Influenza-Infektion das Risiko massiv erhöht, während der Erkrankung einen Herzinfarkt zu bekommen oder auch einen Schlaganfall zu erleiden.

Eine Grippeimpfung kann also vor einem Herzinfarkt schützen?

  • Ganz genau, sozusagen eine Impfung gegen Herzinfarkt. Eine wissenschaftliche Studie mit Herzinfarkt-Patienten hat ergeben, dass eine Grippeschutzimpfung direkt nach der Herzkatheter-Untersuchung das Risiko eines erneuten Infarktes deutlich senkt.

Wer sollte sich neben den Senioren als Hochrisikogruppe noch gegen Influenza impfen lassen?

Vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen, zum Beispiel Diabetiker, Patienten mit Niereninsuffizienz, Herzkrankheiten oder Lungenerkrankungen. Ganz wichtig und leider oft vergessen: Sämtliche Personen, die mit alten Menschen zusammen sind und sie betreuen. Das sind Angehörige wie der junge Enkel, das Pflegepersonal in Heimen und bei ambulanten Diensten, aber natürlich auch Ärzte. Weil sich die Grippeviren immer wieder verändern, ist jedes Jahr eine erneute Impfung notwendig. Leider ist auch die Durchimpfungsrate von medizinischem Personal in Deutschland im internationalen Vergleich sehr niedrig.

Gibt es zum altersabhängigen Virenschutz auch verschiedene Impfstoffe?

Ja, weil normale Grippeimpfstoffe das Immunsystem älterer Menschen weniger Antikörper bilden lässt, ist für Patienten ab 65 Jahren in Deutschland ein spezieller Impfstoff mit einem Wirkungsverstärker zugelassen. Dieser wird in England auch für den Einsatz bei über 65-Jährigen empfohlen. Es gibt auch einen Impfstoff, der intradermal – also in die Haut – gespritzt wird und einen, der einen viermal höheren Antigen-Gehalt beinhaltet. Beide führen zu einer verstärkten Immunantwort, sind allerdings in Deutschland nicht zu haben. Der Impfstoff „Intanza“ wird in Deutschland nicht mehr vertrieben, der Hochdosisimpfstoff ist bisher bei uns noch nicht zugelassen.

Was kritisieren Sie an den Empfehlungen der Impfkommission?

Das Problem der STIKO-Empfehlungen ist, dass sie an entscheidender Stelle nicht auf die Besonderheiten älterer Menschen eingehen. Bei denen wirken die üblichen Standardimpfstoffe weniger gut als bei Jüngeren und Gesunden. Wir würden uns wünschen, sich hier zum Beispiel die Engländer als Vorbild zu nehmen, die bereits in der vergangenen Grippe-Saison den ajduvantierten – also wirkverstärkten – Impfstoff für die über 65-Jährigen empfohlen haben. Erste Daten zeigen auch eine deutlich bessere Wirksamkeit im Vergleich zu den Älteren, die mit anderen Grippeimpfstoffen versorgt wurden. Hier sollten die STIKO-Empfehlungen dringend nachgebessert werden.

Aktuelle Impf-Empfehlungen erhalten Hausärzte auf der Webseite der DGG-Arbeitsgruppe Impfen. Die AG hat die aktuellen STIKO-Impfempfehlungen unter geriatrischen Gesichtspunkten zusammengestellt.

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Säuglings-Folgenahrungen: Entwicklung von Intelligenz und Sehschärfe sowie des Immunsystems.

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Was gehört in Babys Fläschchen?

Stiftung Kindergesundheit und internationale Experten beanstanden die geplanten Vorgaben der EU für die Zusammensetzung von Säuglingsnahrungen

Frisch soll die Nahrung sein, vollwertig und gesund, möglichst naturbelassen und ohne Chemie - wer wollte da widersprechen? 

Babys haben kein Problem damit: 

Ihre Nahrung, die Muttermilch, entspricht diesen Forderungen optimal, betont die Stiftung Kindergesundheit. 

Die Muttermilch hat immer die richtige Temperatur und Konsistenz, enthält alles, was das Baby braucht, schmeckt gut und fließt aus einer Quelle, die kein Hersteller jemals nachahmen kann - aus der Mutterbrust. 
 
  • Auf dem Weg von der Brust zum Brei und Familientisch machen allerdings viele Babys eine Zwischenstation bei der Flasche. 

Manchmal klappt es mit dem Stillen nicht oder nicht mehr.

Manchmal möchte die Mutter nicht länger stillen, z.B. weil sie wieder arbeiten will.

Zum Glück ist das heute nicht weiter problematisch: Die fertigen Säuglings-Milchnahrungen haben mittlerweile eine sehr hohe Qualität und ermöglichen bei richtiger Zusammensetzung eine ungestörte Entwicklung des Babys.

Kontroverse um die „guten“ Fette

Just um diese optimale Zusammensetzung ist jedoch eine aktuelle Kontroverse entbrannt, berichtet die Stiftung Kindergesundheit.

Den Anlass dazu lieferten die neuen EU-Standards, die ab Februar 2020 für alle Säuglings- und Folgenahrungen gelten. 

Die darin enthaltenen Vorgaben zur Zusammensetzung der zur Nahrung zugesetzten Fettsäuren weichen nämlich deutlich ab von der Zusammensetzung der Fette in der Muttermilch und auch von den Zusätzen in den bisher angebotenen Säuglingsnahrungen.

  • „Es geht um die Anreicherung der Milchnahrung mit den besonders wertvollen langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die das Baby für die ungestörte Entwicklung von Gehirn, Nervensystem und Sehvermögen benötigt“, erläutert Professor Dr. Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der Universitäts-Kinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. 

Die Fettsäuren werden nach ihrer englischen Bezeichnung („long chain polyunsaturated fatty acids“) als LCPs oder LC-PUFAs abgekürzt. In einigen klinischen Studien zeigt ihre Zufuhr Nutzen für die Entwicklung von Intelligenz und Sehschärfe sowie des Immunsystems.

LC-PUFAs, insbesondere die Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure, AA) und die Docosahexaensäure (Omega-3-Fettsäure, DHA) sind für die menschliche Entwicklung und Gesundheit unentbehrlich, können jedoch vom Körper nur begrenzt aus anderen ungesättigten Fetten neu gebildet werden.

Sie werden über die Nahrung aufgenommen.

  • DHA und AA werden während des letzten Schwangerschaftsdrittels und während der ersten Wochen nach der Geburt in relativ großem Umfang im Gehirn des Kindes gespeichert, wenn sich dort die Neuronen und Gliazellen vermehren. 
  • Während der Schwangerschaft gelangen sie aus dem mütterlichen Blut durch die Plazenta in den Organismus des Ungeborenen, nach der Geburt bekommt das Baby sie über die Muttermilch.

Zuständig für die Feineinstellung des Gehirns

„Die Fettsäuren DHA und AA beeinflussen die Aktivität vieler funktionell wichtiger Enzyme in den biologischen Membranen des Nervensystems und im Neurotransmitter-Stoffwechsel“, sagt Professor Koletzko. „Einfacher ausgedrückt: Sie sind für die Feineinstellung des Gehirns und des Nervensystems sowie des Immunsystems zuständig.

Eine unausgewogene Ernährung oder eine fehlerhafte Zusammensetzung der Babynahrung können für die aktuelle Gesundheit der Kinder und sogar für ihr späteres Leben von entscheidender Bedeutung sein“.

Gemäß der neuen Standards der EU (VO2016/127) müssen künftig alle Säuglings- und Folgenahrungen ab Februar 2020 den Zusatz der Docosahexaensäure DHA in einer zwei- bis dreifach höheren Konzentration enthalten als die mittleren Gehalte in Muttermilch und bisher verwendeten Säuglingsnahrungen. 

  • Für einen Zusatz der Arachidonsäure AA besteht dagegen keine Verpflichtung mehr. Erste Fertignahrungen ohne AA werden bereits auf dem europäischen Markt angeboten.

„Die Eignung und Sicherheit dieser neuartigen Konzeption ist jedoch bisher in klinischen Studien nicht belegt“, gibt Professor Koletzko zu bedenken. „Die vorgeschlagene neue Zusammensetzung der Säuglingsnahrung weicht ganz erheblich von der Zusammensetzung der Muttermilch ab, in der DHA und AA immer zusammen enthalten sind.

Die von der Europäische Kommission vorgeschriebene Zusammensetzung der fertigen Babynahrung weicht auch von derjenigen der seit zwei Jahrzehnten in Europa und vielen anderen Ländern der Welt verwendeten Säuglingsnahrung, deren Eignung und Sicherheit in vielen klinischen Studien belegt ist“.

Die gemeinnützige Stiftung Kindergesundheit ist mit dieser Problematik seit Jahren befasst. Sie lud jüngst zum wiederholten Male internationale Experten für Kindermedizin und Ernährung sowie Vertreterinnen internationaler Elternorganisationen zu einer wissenschaftlichen Tagung hierzu ein. Ziel des Workshops war die Überprüfung des aktuellen Stands der Forschung zu DHA und AA und die Erstellung einer gemeinsamen Stellungnahme der Europäischen Akademie für Kinderheilkunde EAP (www.eapaediatrics.eu) und der Stiftung Kindergesundheit zu den geplanten Änderungen der EU-Standards.

Muttermilch – das Vorbild für das Fläschchen

  • Nach Meinung der Experten sollte grundsätzlich die Zusammensetzung der Muttermilch auch für die Wahl der Inhaltsstoffe von Flaschennahrung richtungsweisend sein. 

Muttermilch enthält immer sowohl Docosahexaensäure DHA als auch Arachidonsäure AA, in der Regel mit höheren Gehalten an AA als an DHA. 

  • Deshalb sollten frühgeborene und voll ausgetragene Babys mit der Säuglings-Formelnahrung DHA gemeinsam mit AA erhalten, und zwar in ähnlichen Mengen wie in der Muttermilch. 

Der Zusatz von DHA mit AA in solchen Mengen wird als sicher und frei von Nebenwirkungen bewertet.

Die Europäische Akademie für Kinderheilkunde und die Stiftung Kindergesundheit raten in ihrer gemeinsamen Stellungnahme dringend dazu, für nicht oder nicht vollgestillte Säuglinge auch künftig nur solche Säuglingsnahrungen zu verwenden, die neben DHA auch mindestens die gleiche Menge Arachidonsäure AA enthalten.

Die auf dem Workshop der Stiftung Kindergesundheit erarbeiteten Ergebnisse und die darauf fußenden Empfehlungen wurden in einem Positionspapier zusammengefasst, das am 26. Oktober 2019 im international hochangesehenen „American Journal of Clinical Nutrition“ in englischer Sprache veröffentlicht wurde (Koletzko B et al., Am J Clin Nutr. 2019 Oct 26. pii: nqz252. doi: 10.1093/ajcn/nqz252. [Epub ahead of print]).

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Einladung zur Studie: Körperliches Training Prostatakrebspatienten in der Therapie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Überlebensfähigkeit bei Prostatakrebs

„Movember“-Aktion rückt Forschung zu Prostatakrebs in den Fokus 
 
Jedes Jahr im November lassen sich Männer einen Schnurrbart wachsen, um auf die Aktion „Movember“ aufmerksam zu machen, die Themen der Männergesundheit in den Blick nimmt, zum Beispiel Prostatakrebs.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland und die zweithäufigste Krebstodesursache. 

An der Deutschen Sporthochschule Köln wird erforscht, wie körperliches Training Prostatakrebspatienten in der Therapie helfen und die Überlebenschancen verbessern kann.

Die Abteilung Molekulare und Zelluläre Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln ist an einer der weltweit größten internationalen Studien zum Prostatakrebs beteiligt und sucht hierfür weiterhin Männer mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs als Studienteilnehmer. 

Das Hauptaugenmerk der Studie liegt auf der Überlebensfähigkeit der Patienten.

Der Globale Aktionsplan (GAP) der „Movember Foundation“ setzt auf eine gemeinsame, grenzüberschreitende Forschung, die Innovationen und Wissen teilt und die Dopplung von Arbeit vermeidet.

GAP gliedert sich in fünf Aktionspläne, von denen sich GAP4 der körperlichen Bewegung und dem gesunden Stoffwechsel bei Prostatakrebspatienten widmet. 

Insgesamt sollen hierzu weltweit 866 Männer in die Studie eingeschlossen werden.

Unter den Studienzentren in Australien, Nordamerika und Europa ist der Kölner Standort das einzige deutsche Untersuchungszentrum, an dem die Deutsche Sporthochschule Köln mit der Uniklinik Köln zusammenarbeitet; hier sollen mindestens 45 Patienten rekrutiert werden. Gefördert wird die Studie von der „Movember Foundation“, die sich weltweit für die Männergesundheit einsetzt.

„Zusätzlich zu ihrer medizinischen Therapie erhalten die Patienten ein zweijähriges, individuell abgestimmtes Trainingsprogramm und psychosozialen Support. 

Anschließend wird die Nachhaltigkeit des Trainings bezogen auf Lebensqualität und Überlebensdauer überprüft“, erklärt Dr. Moritz Schumann, der zusammen mit Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Bloch die Studie am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln betreut.

„Bei einer mittleren Lebenserwartung der einzuschließenden Patienten von wenigen Jahren können so sehr gut die Effekte auf das Überleben überprüft werden“, skizziert Schumann das Untersuchungsziel.
  • Kern der Intervention ist ein regelmäßiges körperliches Training, das unter Anleitung durchgeführt wird. 
  • Hierbei wird bei der Übungsauswahl insbesondere auf die Knochenmetastasen Rücksicht genommen. 

Die Patienten werden im Rahmen der Studie geschult, sodass sie das Training nach und nach selbstständig durchführen können.

Die Teilnahme an der Studie ist kostenfrei.

Gesucht werden vor allem Patienten aus dem Kölner Raum, weil die Untersuchungen und das Training zunächst in Köln stattfinden.

Für weitere Informationen können Sie sich an die Studienleitung wenden.



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Dr. Moritz Schumann
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CAVE-Untersucher: Autistische Personen - Magen/Darm-Trakt und Speiseröhre

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Genveränderungen bei Autismus auch für Störungen des Magen-Darm-Traktes verantwortlich

Heidelberger Humangenetiker entdeckten, dass eine bestimmte Form des Autismus sowie gleichzeitig auftretende Verdauungsprobleme und eine Erkrankung der Speiseröhre eine gemeinsame genetische Ursache haben / Veröffentlichung in PNAS 
 
  • Autistische Personen weisen häufig auch Störungen im Magen-Darm-Trakt auf. 

Wissenschaftler aus Heidelberg, Würzburg und Ulm haben erstmals an Mäusen gezeigt, dass die Entwicklungsstörung und die bisher wenig beachteten Verdauungsprobleme der Patienten in direktem Zusammenhang stehen können. Der Nachweis gelang ihnen, wie sie aktuell in der Fachzeitschrift PNAS berichten, bei dem Gen Foxp1, das nicht nur im Gehirn, sondern auch im Verdauungstrakt aktiv ist. Angeborene Defekte an dieser Stelle des Erbguts äußern sich daher sowohl im Auftreten einer sogenannten Autismus-Spektrum-Störung unter anderem mit sozialen Defiziten, stereotypem Verhalten und verminderten kognitiven Fähigkeiten, als auch – bei vielen der Betroffenen – in einer Beeinträchtigung der Darmtätigkeit sowie in einer Funktionsstörung der Speiseröhre.

„Falls sich dieses Forschungsergebnis auf den Menschen übertragen lässt, könnte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Beratung von Patienten und Angehörigen haben“, sagt Seniorautorin Professor Dr. Gudrun Rappold, Direktorin der Abteilung Molekulare Humangenetik, Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg: „Der eingeschränkten Speiseröhren- und Darmfunktionalität könnte man beispielsweise mit einer angepassten Ernährung sowie medikamentösen Behandlung begegnen.

  • Vor allem ist jetzt klar, dass die Magen-Darm-Problematik nicht nur – wie bisher häufig angenommen – von den Medikamenten, die Betroffene einnehmen müssen, oder ihrem abweichenden Essverhalten hervorgerufen wird.“

Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes oder Verdauungsprobleme treten bei Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung – das belegen internationale Studien der letzten Jahre – überdurchschnittlich häufig auf.

Systematisch erfasst werden diese Beschwerden allerdings bislang nicht. 
Zudem können sich manche Betroffene aufgrund von eingeschränkten kommunikativen und intellektuellen Fähigkeiten nur schwer mitteilen, wenn zum Beispiel Schlucken oder Verdauung Beschwerden verursachen. 

Beim sogenannten FOXP1-Syndrom, das zu den häufigeren Autismus-Erkrankungen zählt, werden bei mehr als der Hälfte der Erkrankten auch Magen-Darm-Probleme beschrieben. Die Zusammenhänge untersuchten die Teams um Gudrun Rappold am Institut für Humangenetik und Prof. Dr. Andreas Friebe, Physiologisches Institut der Universität Würzburg nun erstmals systematisch an Mäusen mit dem gleichen Gendefekt, die ein dem Menschen entsprechendes Krankheitsbild entwickeln.

  • Die Mehrheit der Gene, die mit Autismus in Verbindung stehen, ist in Gehirn und Verdauungstrakt aktiv

Die Mäuse zeigten ein abweichendes Fressverhalten und nahmen weniger Futter und Wasser auf als Mäuse ohne diese genetische Veränderung.

Der Dickdarm und die Speiseröhre zeigten eine verminderte Dicke der Muskelschicht. 

Der Ringmuskel am Mageneingang wies eine gestörte Funktion auf, die dazu führt, dass er beim Schluckvorgang nicht richtig öffnet (Achalasie). 

Da die Nahrungspassage somit erschwert ist, kann dies auf lange Sicht zu einer starken Schädigung und Aussackung der Speiseröhre führen. 

Außerdem war die Darmpassage signifikant verlangsamt.

„Die bei dem Mausmodell nachgewiesene Achalasie und die Veränderung der Darmperistaltik ist höchstwahrscheinlich der Grund für die bei Patienten mit FOXP1-Syndrom häufig vorkommenden Schluckbeschwerden und Verstopfung“ schlussfolgert der Erstautor der Studie, Dr. Henning Fröhlich.

Das Gen Foxp1 enthält den Bauplan eines Proteins, das wiederum die Aktivität zahlreicher anderer Gene steuert. Einige davon, die bereits im Gehirn identifiziert wurden, werden auch in der Speiseröhre durch Foxp1 reguliert, wie die Wissenschaftler herausfanden.

„Tatsächlich ist die überwiegende Mehrheit der Gene, die unmittelbar mit Autismus in Verbindung stehen, sowohl im Gehirn als auch im Magen-Darm-Trakt aktiv.

Es ist daher anzunehmen, dass Defekte in diesen Genen sowohl die Funktion des Gehirns als auch des Darms beeinträchtigen.

Das gilt es noch zu klären“, sagt Gudrun Rappold.

„Das Verständnis der Rolle dieser Gene in der Entstehung von Darmfunktionsstörungen bei Autismus kann uns langfristig auch helfen, genetische Ursachen von häufigen funktionellen Magen-Darmerkrankungen, bei denen die Kommunikation zwischen Bauch und Kopfhirn gestört ist, aufzuklären“, ergänzt Prof. Dr. Beate Niesler, Leiterin der Arbeitsgruppe „Genetik neurogastroenterologischer Störungen“ am Institut für Humangenetik.

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Prof. Dr. Gudrun Rappold
Direktorin Abteilung Molekulare Humangenetik
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Originalpublikation:
Fröhlich H, et al. (2019) Gastrointestinal dysfunction in autism displayed by altered motility and achalasia in Foxp1+/- mice. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America.

Neuro-Musiktherapie: Tinnitus und unbehandelte Schwerhörigkeit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Besseres Hören – bessere Effekte der Musiktherapie bei Tinnitus!

Hörgeräte verdreifachen den Therapieerfolg der Heidelberger Neuro-Musiktherapie 
 
Seit über 10 Jahren wird die Neuro-Musiktherapie bei Tinnitus angeboten.


Dieses Konzept erreicht bei ca. 75% der bislang rund 1.000 behandelten Patienten eine bis zu 5 Jahre nach Ende der Therapie stabile und klinisch relevante Reduktion der Tinnitussymptomatik.


Bei rund 25% ist keine Verbesserung erreicht worden – eine mögliche Ursache könnte eine unbehandelte Schwerhörigkeit sein.
  • Analysen haben gezeigt, dass derzeit lediglich rund 15% der Patienten mit einem Hörgerät versorgt sind, obwohl bei rund zwei Dritteln aller Tinnitusbetroffenen eine Schwerhörigkeit vorliegt.
  • Ein Grundsatz der Neuro-Musiktherapie ist die Ausrichtung der musiktherapeutischen Übungen an der Tonhöhe des jeweiligen Tinnitusgeräuschs. 

Wenn die Töne durch eine Schwerhörigkeit aber nicht gut gehört werden können, leidet vermutlich der Therapieerfolg darunter.


In einer aktuellen Studie wurde untersucht, welchen Einfluss das Hörvermögen allgemein und insbesondere Hörgeräte auf den Effekt der Musiktherapie haben.

Erwartet wurde, dass bei bestehender Schwerhörigkeit der Einsatz von Hörgeräten einen substantiellen Zuwachs an Hörfähigkeit ermöglicht und damit die Therapieaussichten deutlich verbessert sind. 


Die Daten von 120 Patienten, die an einer Musiktherapie teilgenommen hatten und an chronisch-tonalem Tinnitus litten, gingen in die Auswertung ein.

Dabei wurden drei Gruppen mit jeweils 40 Probanden verglichen: Patienten in Gruppe A wiesen eine ausgeprägte Hörminderung auf, die jedoch durch ein Hörgerät ausgeglichen wurde, Patienten in Gruppe B waren schwerhörig, hatten jedoch kein Hörgerät und Patienten in Gruppe C hatten keine Hörminderung.

Die drei Gruppen waren hinsichtlich Tinnitusbelastung vor Beginn der Musiktherapie, Alter, Geschlechterverteilung und (sofern eine Hörminderung vorlag) Hörvermögen vergleichbar.


Als Zielwert wurde die Tinnitusbelastung nach der Neuro-Musiktherapie erhoben (Tinnitus-Fragebogen).


Insgesamt konnte bei allen Patienten eine signifikante Verbesserung der TF-Werte beobachtet werden.

Allerdings gab es gravierende Unterschiede zwischen den Gruppen:

Während sowohl in Gruppe A (Hörverlust, mit Hörgerät) als auch Gruppe C (normalhörend) etwa 80% der Patienten eine klinisch relevante Verringerung des Tinnitus erreichte, lag dieser Wert in der Gruppe B (Hörverlust ohne Hörgerät) bei nur rund 33%.


Dies entspricht einem Chancenverhältnis von rund 1:3, d.h. Patienten mit Hörminderung, die sich vor einer Musiktherapie für ein Hörgerät entscheiden, haben eine dreifach höhere Aussicht auf Therapieerfolg. 


  • Insgesamt spricht dies eindeutig dafür, dass zunächst eine Hörgeräteversorgung angestrebt werden sollte und eine Neuro-Musiktherapie erst im Anschluss daran erfolgen sollte. 


Die Ergebnisse wurden im Journal of Biomusical Engineering (DOI: 10.4172/2090-2719.S1-005) veröffentlicht und können kostenlos heruntergeladen werden.


Da diese Daten aus einer retrospektiven Studie stammen, sollen diese Daten nun weiter überprüft werden.

Wir suchen für diese Studie noch 40 Patienten mit Tinnitus und Hörminderung. 

Vor Beginn der Therapie erfolgt eine umfassende audiologische Untersuchung, um insbesondere den Grad des Hörverlustes zu erfassen.

Alle Patienten mit Schwerhörigkeit sollen mit einem Hörgerät versorgt werden (dies ist in der Regel eine Kassenleistung).

Um einen optimalen Nutzen des Hörgeräts zu erreichen, besteht für die Hörgeräte-Anwärter die Möglichkeit, kostenlos an einem zusätzlichen Hörtraining teilzunehmen.

Die Neuromusiktherapie wird dann im Rahmen einer Kompakttherapie von fünf Tagen durchgeführt.

  • Weitere Informationen für Patienten sind telefonisch erhältlich unter 06221 – 79 63 101 oder per E-Mail unter tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM eines der größten musiktherapeutischen Forschungsinstitute in Europa und vereint Forschung und Praxis unter einem Dach. 

Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.


Außer dem Forschungsinstitut gehören eine Tinnitus- sowie eine CI-Ambulanz zum DZM.


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Ansprechpartner: Natascha Schettler-Brox
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Internet: www.dzm-heidelberg.de

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Natascha Schettler-Brox
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Originalpublikation:
Journal of Biomusical Engineering (DOI: 10.4172/2090-2719.S1-005)

Chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: COPD behandeln: Wie Forschende der chronischen Atemwegserkrankung weiter den Kampf ansagen

2,1 Mio. EUR Forschungszuschuss zur Entwicklung einer künstlichen Lunge bei chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD) 

Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis
 Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis

Atemnot, Husten und allgemeine Trägheit:

Wer unter COPD leidet, also an einer chronischen Verengung der Atemwege, leidet an einer nicht heilbaren Krankheit.

Auslöser kann die Schadstoffbelastung in der Umwelt, das Rauchen oder das eigene Erbgut sein.

COPD ist mittlerweile einer der häufigsten Todesursachen weltweit.

Umso wichtiger ist es, dass Forscherinnen und Forscher daran arbeiten, diesem traurigen Trend etwas entgegenzusetzen.

Ein Projektzusammenschluss um die enmodes GmbH aus Aachen, die Lungenklinik Köln-Merheim/Universität Witten-Herdecke und der ECC-Forschungsgruppe des Instituts für Physiologie der Uniklinik RWTH Aachen erhält nun für die Erforschung eines innovativen Lungenunterstützungssystems für COPD Patienten rund 2,1 Mio. EUR. Das Projekt wurde als eines von 10 Projekten ausgewählt, die aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union als Leuchtturmprojekt gefördert werden.

Lebensqualität und Selbstbestimmung zurückgewinnen

Der Verbund erforscht ein Lungenunterstützungssystem, dass dauerhaft ausreichend CO2 aus dem Blut entfernen, und letztendlich die Anwendung im heimischen Umfeld ermöglichen soll.

Durch die Neuentwicklung sollen Risiken bereits existierender Kurzzeit-Systeme erheblich reduziert werden, und eine dauerhafte Anwendung ermöglichen. Durch diesen Ansatz sollen Patienten ein hohes Maß an Lebensqualität und Selbstbestimmung zurückgewinnen.

Neben der hohen Anzahl von Patienten sind die Krankheitsschwere und die damit einhergehende Einschränkung der Lebensqualität sowie die hohen Dauerkosten in der Behandlung eine enorme Belastung für Patienten und das Gesundheitssystem. Insbesondere Patienten in fortgeschrittenen Stadien sind in Ihrer Mobilität erheblich eingeschränkt oder bettlägerig. Die einzig rettende Maßnahme wäre eine Lungentransplantation, die aber bei dem enormen Organmangel in Deutschland nur für etwa 100 Patienten pro Jahr in Betracht kommt. In Anbetracht von vielen hunderttausend Patienten in fortgeschrittenen Stadien stellt dies keine echte Alternative dar. Daher sind dauerhafte künstliche Lungen ein Weg, um den Patienten ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Die Partner erhalten anteilig vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union, genauer aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), 2,1 Mio. EUR für die Erforschung erster Prototypen. Im Rahmen des Projektwettbewerbes Leitmarktwettbewerb LifeSciences.NRW werden rund 17 Mio. Euro an die zehn besten Anträge ausbezahlt. Dabei konnte sich das Konsortium gegen 50 konkurrierende Projektideen durchsetzen.

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Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis
Leiter ARDS und ECMO Zentrum Köln-Merheim
Professur für extrakorporale Lungenersatzverfahren der Universität Witten/Herdecke
Leitender Oberarzt Lungenklinik
Abteilung Pneumologie, Intensiv- und Beatmungsmedizin
Ostmerheimer Str.200
51109 Köln
Tel +49-221-8907-18809
karagiannidisc@kliniken-koeln.de



Alfred-Herrhausen-Str. 50
58448 Witten
Deutschland
Nordrhein-Westfalen



Kay Gropp
Referent
Telefon: 02302/926-805
Fax: 02302/926-803
E-Mail-Adresse: kay.gropp@uni-wh.de
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.



Ischämischem Schlaganfall oder TIA (transitorische ischämische Attacke, auch „Mini-Schlaganfall genannt)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Studie zeigt: Weniger Folgeschlaganfälle durch intensivere LDL-Cholesterinsenkung

Eine gestern Abend im „New England Journal of Medicine“ publizierte Studie [1] zeigte, dass Schlaganfallpatienten von einer Senkung des LDL-Cholesterins auf unter 70 mg/dl profitierten. 

  • Da fast jeder fünfte Schlaganfallpatient binnen fünf Jahren mit einem Folgeschlaganfall rechnen muss, ist jede wirksame Maßnahme zur Risikoreduktion willkommen. 

Doch wie tief soll man senken, „the lower, the better?“ – Nicht wirklich, denn letztlich fehlen Daten, welcher LDL-Cholesterin-Zielkorridor nach Schlaganfall oder TIA optimal ist. 
 
Eine wichtige Maßnahme, um bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder TIA (transitorische ischämische Attacke, auch „Mini-Schlaganfall genannt) ein Folgeereignis zu verhindern, ist neben der Blutdruckeinstellung und Beeinflussung der Gerinnung durch Plättchenfunktionshemmer oder orale Antikoagulantien die Lipidsenkung.

Sie wird in der S3-Leitlinie „Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke“ [2] der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) allen Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder TIA (ischämischen Ursprungs) mit Empfehlungsgrad A und Evidenzebene Ia empfohlen.

Das angestrebte Ziel der Lipidsenkung war bislang relativ großzügig gehalten, in der Leitlinie ist nachzulesen:

„Basierend auf den Ergebnissen kardiovaskulärer Studien sollte auch bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten ein LDL-Cholesterinwert < 100 mg/dl (< 2,6 mmol/l) angestrebt werden.“ Da Evidenzen zu diesem Zeitpunkt fehlten, wird die Empfehlung mit „good clinical practice“ begründet.

Eine gestern Abend im „New England Journal of Medicine“ publizierte Studie [1] zeigte, dass Patienten nach ischämischen Insult von einer Senkung des LDL-Cholesterins auf unter 70 mg/dl profitierten.

Im Vergleich zu der Studiengruppe, deren LDL-C-Werte auf 90-110 mg/dl gesenkt wurde, wiesen die Patienten der „Niedrig-Cholesterin-Gruppe“ ein signifikant geringeres Risiko für nachfolgende kardiovaskuläre Ereignisse auf (der primäre Studienendpunkt umfasste u.a. ischämische Folge-Schlaganfälle, Myokardinfarkte und kardiovaskuläre Mortalität).

Die randomisierte Studie war an 61 Zentren in Frankreich und 16 Zentren in Südkorea durchgeführt worden. In beiden Studienarmen wurden jeweils 1430 Patienten eingeschlossen, die in ihren Charakteristika sehr ähnlich waren. Der durchschnittliche LDL-Spiegel betrug in beiden Gruppen 135 mg/dl zu Studienbeginn. Das Studienziel erreichten 121 Patienten der „Niedrig-Cholesterin-Gruppe“ und 156 Patienten, bei denen eine moderatere LDL-C-Senkung auf 90-110 mg/dl erfolgt war. Die Patienten, die auf LDL-Werte unter 70 eingestellt wurden, profitierten also signifikant (8,5% vs. 10,9%; HR: 0,78, p=0,04).

  • Das Einstellen auf die LDL-Zielwerte war durch die Gabe eines Statins erreicht worden, bei 33,8% der Patienten der „Niedrig-Cholesterin-Gruppe“ wurde zusätzlich auch der Cholesterol-Resorptions-hemmer Ezetimib gegeben (vs. bei 5,9% der Patienten, die auf die höheren LDL-Werte eingestellt worden waren).
  • „Fast jeder fünfte Schlaganfallpatient muss innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einem Folgeschlaganfall rechnen“ [3], erklärt Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener aus Essen, Pressesprecher der DGN. „Es ist also wichtig, alles zu tun, um das Rezidivrisiko dieser Patienten zu senken.“

Welche LDL-Spiegel ideal sind, muss aber noch weiter untersucht werden. 

Bei LDL-C-Werten unter 70 mg/dl zeigte die vorliegende Studie [1] eine 22%ige Risikoreduktion, also jeder 5. Folgeschlaganfall konnte verhindert werden. 

Zwar war das Risiko für Hirnblutungen in Folge in der „Niedrig-Cholesterin-Gruppe“ numerisch erhöht (18 Fälle vs. 13 Fälle in der Vergleichsgruppe), aber nicht signifikant. 

„Dass das Hirnblutungsrisiko unter der LDL-C-Senkung ansteigt, haben wir auch schon in anderen Studien gesehen. 

Wir können uns daher nicht unreflektiert der „the lower, the better“-Devise anschließen. 

Während beispielsweise die ESC/EAS-Fettstoffwechsel-Leitlinien [5] bei Hochrisikopatienten mit Lipidstörungen sowohl zur Primär- als auch zur Sekundärprävention Werte <55 mg/dl empfehlen, muss bedacht werden, dass eine solche radikale Senkung das Risiko für Hirnblutungen erhöhen kann und daher nicht einfach auf Schlaganfallpatienten übertragbar ist. 

Allerdings sollte die bisherige Empfehlung von 100 mg/dl in unserer S3-Leitlinie kritisch überdacht werden – eine Absenkung dieses Wertes auf 70 mg/dl ist vermutlich sinnvoll“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit.

Eine formale Einschränkung der vorliegenden Studie sei jedoch, dass sie vorzeitig abgebrochen wurde. 

Eigentlich sollte die Studie laufen, bis 385 primäre Endpunkte erreicht werden, der Sponsor brach sie aber bereits nach 277 erreichten Endpunkten ab, weil die Studie ansonsten drei Jahre länger hätte finanziert werden müssen. 

„Eine weitere Schwäche war, dass sie mit nur etwa 200 TIA-Patienten in jedem Studienarm entsprechend wenig Aussagekraft für diese Patientengruppe hat“, so Prof. Diener. 

„Für eine definitive Festlegung des Grenzwertes sind weitere Studien erforderlich.“

Literatur
[1] Amarenco P, Kim JS, Labreuche J et al. A Comparison of Two LDL Cholesterol Targets after Ischemic Stroke. NEJM November 18, 2019. DOI: 10.1056/NEJMoa1910355
[2] S3-Leitlinie „Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke“, abrufbar unter: https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2014/PDFs_Download/030-133_lang_S3_...
[3] Stahmeyer JT, Stubenrauch S, Geyer S et al. Häufigkeit und Zeitpunkt von Rezidiven nach inzidentem Schlaganfall. Deutsches Ärzteblatt | Jg. 116 | Heft 42 | 18. Oktober 2019. https://cdn.aerzteblatt.de/pdf/116/42/m711.pdf?ts=09%2E10%2E2019+18%3A29%3A59
[4] François Mach, Colin Baigent, Alberico L Catapano et al. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk: The Task Force for the management of dyslipidaemias of the European Society of Cardiology (ESC) and European Atherosclerosis Society (EAS). European Heart Journal 2019. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehz455

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 9900 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. med. Christian Gerloff
Past-Präsident: Prof. Dr. Gereon R. Fink
Generalsekretär: Prof. Dr. Peter Berlit
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter





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Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin,
Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org
Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o albersconcept, Jakobstraße 38, 99423 Weimar
Tel.: +49 (0)36 43 77 64 23
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
E-Mail: presse@dgn.org

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Originalpublikation:
DOI: 10.1056/NEJMoa1910355