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Der jährlich schöne Hochzeitstag: Übermenschliche Fähigkeiten: Was ist Sehen? Was ist Schauen?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schauen ist nicht gleich Sehen

Frühjahr 2020. 

Die ganze Welt ist von der Corona-Pandemie betroffen. 

Auch die Tübinger Wissenschaftlerin Li Zhaoping, Leiterin der Abteilung für Sensorik und Sensomotorik am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und Professorin an der Universität Tübingen, hat mit den Auswirkungen von Lock Down- und Social Distancing-Maßnahmen zu kämpfen. 

Entgegen aller Hindernisse und Schwierigkeiten gelingt es ihr jedoch, Positives aus der Corona-Krise zu ziehen. 

„Die Pandemie hatte auch ihre Vorteile“, sagt sie. 

„Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte ich mich ungestört einem bestimmten Thema widmen.“ 
 Prof. Dr. Zhaoping Li
 Prof. Dr. Zhaoping Li  Berthold Steinhilber  Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik


Das Ergebnis dieser fokussierten Arbeit: eine gerade veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel „The Flip Tilt Illusion“. Darin beschreibt Zhaoping, wie wir im peripheren Blick unser Gehirn so täuschen können, dass uns ein senkrechter Balken fälschlicherweise waagrecht erscheint. In ihrem Paper stellt die Forscherin den senkrechten Balken durch ein Paar von übereinander liegenden Punkten dar.

Um unser Gehirn täuschen zu können, müssen wir wissen, welche rechnerischen oder algorithmischen Abkürzungen unser Gehirn nimmt, um die Welt visuell wahrzunehmen. 

In diesem Versuchsaufbau lässt sich das Gehirn allerdings nur hinters Licht führen, wenn die beiden Punkte verschiedene Farben vorweisen, schwarz und weiß.

Sind sie jedoch gleichfarbig, funktioniert die Illusion nicht – ebenso wenig, wenn die Punkte nicht im peripheren, sondern im zentralen Sichtfeld wahrgenommen werden. 

Pikant:

Künstliche neuronale Netze, denen gemeinhin „übermenschliche“ Fähigkeiten im Bereich der visuellen Objekterkennung attestiert werden, sind nach Aussage der Forscherin ähnlich anfällig für diese Täuschungen.

Algorithmische Abkürzungen im Gehirn

Im Gegensatz zu den meisten Illusionen "stolperte" die Wissenschaftlerin nicht zufällig über dieses Phänomen, sondern sagte es gewissermaßen voraus, und zwar auf Basis einer Idee, deren theoretisches Fundament sie wiederum durch ihre vor rund 20 Jahren begonnene Forschung legte. Damals wurde die von ihr formulierte V1-Salienzhypothese (V1SH) in der neurowissenschaftlichen Community heftig debattiert, stellte sie doch einen Bruch zu früheren Ansichten dar, wie das Gehirn seine Aufmerksamkeit von einem Ort zum anderen verlagert.

V1SH besagt, dass V1, auch als primärer visueller Kortex bezeichnet, die unbewusste oder reflexive Änderung unseres Blickfeldes steuert.

Dies war einigermaßen überraschend, da V1 im hinteren Teil des Gehirns lokalisiert ist, während das Frontalhirn gemeinhin als der „klügste“ Gehirnabschnitt angesehen wird. Das Frontalhirn wäre demnach prädestiniert dafür, die schwierige Aufgabe der Aufmerksamkeitssteuerung zu übernehmen, welche wiederum beeinflusst, wie wir die Welt wahrnehmen.


  • Was ist Schauen, was Sehen?

Um diese Theorien und Hypothesen verstehen zu können, müssen zunächst grundlegende Begriffe des visuellen Systems definiert werden, etwa „Schauen“ und „Sehen“. Während beide Begriffe umgangssprachlich oft beliebig vertauscht werden, sind sie aus wissenschaftlicher Sicht klar voneinander abgegrenzt.

„Das Sehvermögen besteht sowohl aus Schauen als auch aus Sehen.

Dabei handelt es sich um zwei verschiedene Vorgänge, die niemals gleichzeitig auftreten können“, sagt Zhaoping.
„Eine Blinde Person etwa kann zwar schauen, aber nicht sehen.“

Schauen ist stets mit Aufmerksamkeit verbunden. 

Es erfordert in der Regel eine Kopfbewegung und beschreibt die Richtung, in die der Blick eines Menschen gerichtet ist. Schauen bedeutet, diejenige Stelle im peripheren Gesichtsfeld auszuwählen, zu der die Augen bewegt werden sollen. Dadurch wird die Stelle im zentralen Gesichtsfeld erfasst – und wird „gesehen“. Sehen kommt also stets nach dem Schauen, und ohne Schauen ist umgekehrt kein Sehen möglich.

Zhaoping veranschaulicht diesen Zusammenhang an einem Beispiel: „Das zentrale Sehen ist wie durch ein Fernrohr zu blicken. Man kann versehentlich einen Vogel entdecken, der sich in den Bäumen versteckt. Aber ohne peripheres Sehen kann man nicht wissen, wohin man das Rohr als nächstes richten muss, um einen zweiten Vogel zu finden“, sagt die Forscherin.

  • Menschen mit einem Glaukom – umgangssprachlich als grüner Star bezeichnet – verlieren oft ihr peripheres Sehvermögen, während eine Makuladegeneration häufig mit dem Verlust des zentralen Sehfeldes einhergeht.

Li Zhaoping leitet die Abteilung für Sensorische und Sensomotorische Systeme am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik seit Oktober 2018. Ihrem Team gehören momentan fünf Forscherinnen und Forscher an. In Kürze sollen zwei weitere dazustoßen. Die Rekrutierung neuer Mitarbeitender sei in Zeiten von Corona nicht so einfach, räumt die Wissenschaftlerin ein. Sie plant den Aufbau eines interdisziplinär arbeitenden Teams, das ein Problem stets aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachten kann. Um das visuelle System zu untersuchen und Theorien zu überprüfen, setzt Zhaopings Abteilung auf mathematische und rechnergestützte Methoden oder führt psychologische und neurowissenschaftliche Experimente an Nagetieren, Fischen oder freiwilligen Probandinnen und Probanden durch.

Neben ihrer leitenden Position am Max-Planck-Institut ist sie als Professorin an der Universität Tübingen tätig. „Es ist schön, endlich mein Wissen und auch meine Begeisterung für die Wissenschaft an andere Forscherinnen und Forscher weitergeben zu können", sagt Zhaoping. Ihre Kurse sind dabei bewusst nur auf eine begrenzte Anzahl an Studierenden ausgelegt, was tiefere Diskussionen und intensive Debatten ermöglicht. „Meine Studenten sagen mir, sie bevorzugen diese Art von Unterricht.“

Von Shanghai, New York und London nach Tübingen

Bevor sie vor etwa eineinhalb Jahren nach Tübingen kam, lebte Zhaoping in Metropolen wie Shanghai, New York oder zuletzt London. Diese Umstellung war zunächst herausfordernd, sagt sie. „Während ich in London nur über die Straße gehen musste, um ein gutes chinesisches Restaurant zu finden, war es in Tübingen ungleich schwerer.“ Doch nach einer Weile lernte sie die Vorzüge zu schätzen, die eine kleinere Stadt mit sich bringt: „Tübingen ist eine sehr grüne Stadt. Man ist schnell in der Natur.“ Der eher ländliche Charakter lässt sie zudem, sagt sie, nostalgisch an ihre Kindheit zurückdenken. Von der verbrachte sie zwei Vorschuljahre in China auf dem Land.

Seit Kurzem beschäftigen sich Zhaoping und ihr Team zusätzlich mit dem visuellen System von Fischen – was manchen überraschen dürfte. „Beim Thema Sehen und Aufmerksamkeit kommen wohl den wenigsten als erstes Fische in den Sinn.

Tatsächlich aber ist die oftmals zufällig anmutende Bewegung von Fischen Ausdruck eines aufmerksamkeitsgesteuerten Verhaltens", erklärt Zhaoping.

Und aufgrund dieser Tatsache ließen sich Erkenntnisse, die aus dem menschlichen Sehen gelernt wurden, durchaus auf das Sehverständnis von Fischen übertragen – und womöglich auch umgekehrt.

Ein weiteres Projekt, an dem die Forscherin seit geraumer Zeit arbeitet, hat dagegen nichts mit Wissenschaft zu tun. Stattdessen betrifft es die Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse – das diesem Beitrag zugrundeliegende Interview wurde auf Englisch durchgeführt. Li Zhaoping macht keinen Hehl daraus, dass sie mit ihrem derzeitigen Niveau nicht zufrieden ist. „Ich bin ein bisschen enttäuscht von mir selbst. Ich dachte, ich könnte in ein paar Monaten Deutsch lernen". Sie bleibt aber weiterhin optimistisch, denn in letzter Zeit habe sie erstmalig ein Gefühl für den Rhythmus der deutschen Sprache entwickelt. „Das nächste Interview“, sagt sie, „kann ich vielleicht schon auf Deutsch geben!“

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Prof. Dr. Zhaoping Li
Telefon: 07071/ 601-610
e-Mail: li.zhaoping@tuebingen.mpg.de

Tobias Herrmann Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
Max-Planck-Ring 8
72076 Tübingen
Deutschland
Baden-Württemberg


Daniel Fleiter
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Stephanie Bertenbreiter
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Originalpublikation:
Zhaoping, L. (in press). The flip tilt illusion: visible in peripheral vision as predictedby the Central-Peripheral Dichotomy (CPD). i-Perception.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.kyb.tuebingen.mpg.de/462279/looking-does-not-mean-seeing?c=52210

 

Neurodermitiker: Schwere Bindehautentzündungen - atopischen Keratokonjunktivitis (AKK)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wenn Neurodermitis ins Auge geht: Pollen können schwere Bindehautentzündung auslösen

Die Pollensaison ist in vollem Gange, und viele Menschen leider wieder unter geröteten und juckenden Augen. 

Für Neurodermitiker ist besondere Vorsicht geboten: 

Pollen können bei ihnen zu einer schweren Form der Bindehautentzündung beitragen. 

Was in diesen Fällen zu tun ist, erläutern Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). 
 
  • Nach Krankenkassen-Daten leiden bis zu fünfzehn Prozent der deutschen Bevölkerung an der entzündlichen Hauterkrankung Neurodermitis. 

Betroffen sind auch in großem Umfang Kleinkinder. 

Wer an Neurodermitis erkrankt ist, ist besonders anfällig für eine nicht-infektiöse Bindehautentzündung, die auch durch Pollen ausgelöst oder verstärkt werden kann“, erläutert Professor Dr. med. Philip Maier von der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Ein Drittel der Neurodermitiker betroffen

Dabei kommt es bei 25 bis 40 Prozent der Neurodermitis-Patienten zu einer schweren Form der Bindehautentzündung, einer atopischen Keratokonjunktivitis (AKK).

„Sie kann unbehandelt zu Hornhautkomplikationen führen und damit bedrohlich für das Sehvermögen sein“, betont der Ophthalmologe. 

Experten vermuten, dass das Strukturprotein Filaggrin Ursache dafür sein könnte.

„Bei Patienten mit Neurodermitis konnte sowohl in der Haut als auch in der Hornhaut eine fehlerhafte Filaggrin-Produktion nachgewiesen werden“, berichtet der Freiburger Forscher (1). Durch den Juckreiz bedingtes starkes Augenreiben, vor allem bei Kindern, kann einer neuen Studie zufolge Hornhautkomplikationen weiter fördern (2).

Hautrisse und Schuppen sind Alarmsignale

  • Eine AKK äußert sich zunächst wie eine „normale“ Bindehautentzündung mit juckenden, geröteten und tränenden Augen, geschwollenen Lidern und einem Fremdkörpergefühl im Auge. 
  • Wobei die Symptome häufig stärker ausfallen als bei einer rein allergischen Konjunktivitis. 

Doch es gibt wichtige Unterschiede. 

  • „Zusätzlich kommt es häufig zu typischen Verdickungen an der Lidkante, zu Hautveränderungen wie Schuppungen oder Falten sowie Hautrissen am unteren Augenlid. 

Auch zeigt die Bindehautentzündung oft über lange Zeit trotz pflegender Maßnahmen keine Besserungstendenz“, erklärt Maier. 
  • Bei schweren Verläufen können an der Hornhaut oberflächliche Defekte bis hin zu Geschwüren entstehen, oder es wachsen Blutgefäße ein, was im Extremfall bis zur Erblindung aufgrund einer vollständigen Trübung der Hornhaut führt.

„Wer unter Neurodermitis leidet und Anzeichen einer Bindehautentzündung bemerkt, sollte daher rasch einen Augenarzt aufsuchen. Dies gilt auch, wenn Neurodermitis in der Familie aufgetreten ist“, rät Maier.

Der Augenarzt erkennt durch eine Untersuchung der Lider, Binde- und Hornhaut mit dem Spaltlampen-Mikroskop, ob es sich um eine typische Konjunktivitis handelt, bei der stets beide Augen betroffen sind. 

  • „Auf das Tragen von Kontaktlinsen sollte während einer Bindehautentzündung grundsätzlich zunächst verzichtet werden“, fügt der DOG-Experte hinzu.

Regelmäßige augenärztliche Kontrollen


Zur Therapie der AKK gehört die tägliche Lidrandpflege – eine vorsichtige Reinigung der Lidränder mit feuchten Wattepads oder Wattestäbchen, begleitet vom Auflegen einer Wärmemaske, die in der Mikrowelle oder im Backofen erhitzt wird.

Gegen Trockenheit und Juckreiz helfen Gele oder Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe, die auch Pollen auswaschen.

Bei starkem Juckreiz können mehrmals täglich antiallergische Augentropfen geträufelt werden – Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren –, die die Ausschüttung von Histamin verhindern oder dessen Wirkung zumindest unterdrücken und so die Allergiebeschwerden lindern sollen.

  • „In hartnäckigen AKK-Fällen kommen immunmodulatorische Augentropfen zum Einsatz, etwa Ciclosporin A“, erläutert Maier. Mitunter sind chirurgische Eingriffe an den Augenlidern und der Augenoberfläche notwendig (3).

Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind bei einer AKK besonders wichtig, um Spätfolgen zu vermeiden.

 „Und für die Behandlung der Grunderkrankung, die Neurodermitis, muss ein Allergologe oder Dermatologe hinzugezogen werden“, betont Maier.

Quellen:
1) T. Lapp; P. Maier; T. Jakob;·T. Reinhard: Pathophysiologie der atopischen Blepharokeratokonjunktivitis, Ophthalmologe 2017 · 114:504–513
DOI 10.1007/s00347-017-0483-1

2) Ben-Eli, Hadasa; Erdinest, Nira; Solomon, Abrahama: Pathogenesis and complications of chronic eye rubbing in ocular allergy, Current Opinion in Allergy and Clinical Immunology: October 2019 - Volume 19 - Issue 5 - p 526-534
doi: 10.1097/ACI.0000000000000571
https://journals.lww.com/co-allergy/Citation/2019/10000/Pathogenesis_and_complic...

3) Maier, P.: Augenbeteiligung bei atopischer Dermatitis. Ophthalmologe 2017 · 114:496–497. DOI 10.1007/s00347-017-0496-9

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Säuglings-Folgenahrungen: Entwicklung von Intelligenz und Sehschärfe sowie des Immunsystems.

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Was gehört in Babys Fläschchen?

Stiftung Kindergesundheit und internationale Experten beanstanden die geplanten Vorgaben der EU für die Zusammensetzung von Säuglingsnahrungen

Frisch soll die Nahrung sein, vollwertig und gesund, möglichst naturbelassen und ohne Chemie - wer wollte da widersprechen? 

Babys haben kein Problem damit: 

Ihre Nahrung, die Muttermilch, entspricht diesen Forderungen optimal, betont die Stiftung Kindergesundheit. 

Die Muttermilch hat immer die richtige Temperatur und Konsistenz, enthält alles, was das Baby braucht, schmeckt gut und fließt aus einer Quelle, die kein Hersteller jemals nachahmen kann - aus der Mutterbrust. 
 
  • Auf dem Weg von der Brust zum Brei und Familientisch machen allerdings viele Babys eine Zwischenstation bei der Flasche. 

Manchmal klappt es mit dem Stillen nicht oder nicht mehr.

Manchmal möchte die Mutter nicht länger stillen, z.B. weil sie wieder arbeiten will.

Zum Glück ist das heute nicht weiter problematisch: Die fertigen Säuglings-Milchnahrungen haben mittlerweile eine sehr hohe Qualität und ermöglichen bei richtiger Zusammensetzung eine ungestörte Entwicklung des Babys.

Kontroverse um die „guten“ Fette

Just um diese optimale Zusammensetzung ist jedoch eine aktuelle Kontroverse entbrannt, berichtet die Stiftung Kindergesundheit.

Den Anlass dazu lieferten die neuen EU-Standards, die ab Februar 2020 für alle Säuglings- und Folgenahrungen gelten. 

Die darin enthaltenen Vorgaben zur Zusammensetzung der zur Nahrung zugesetzten Fettsäuren weichen nämlich deutlich ab von der Zusammensetzung der Fette in der Muttermilch und auch von den Zusätzen in den bisher angebotenen Säuglingsnahrungen.

  • „Es geht um die Anreicherung der Milchnahrung mit den besonders wertvollen langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die das Baby für die ungestörte Entwicklung von Gehirn, Nervensystem und Sehvermögen benötigt“, erläutert Professor Dr. Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der Universitäts-Kinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. 

Die Fettsäuren werden nach ihrer englischen Bezeichnung („long chain polyunsaturated fatty acids“) als LCPs oder LC-PUFAs abgekürzt. In einigen klinischen Studien zeigt ihre Zufuhr Nutzen für die Entwicklung von Intelligenz und Sehschärfe sowie des Immunsystems.

LC-PUFAs, insbesondere die Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure, AA) und die Docosahexaensäure (Omega-3-Fettsäure, DHA) sind für die menschliche Entwicklung und Gesundheit unentbehrlich, können jedoch vom Körper nur begrenzt aus anderen ungesättigten Fetten neu gebildet werden.

Sie werden über die Nahrung aufgenommen.

  • DHA und AA werden während des letzten Schwangerschaftsdrittels und während der ersten Wochen nach der Geburt in relativ großem Umfang im Gehirn des Kindes gespeichert, wenn sich dort die Neuronen und Gliazellen vermehren. 
  • Während der Schwangerschaft gelangen sie aus dem mütterlichen Blut durch die Plazenta in den Organismus des Ungeborenen, nach der Geburt bekommt das Baby sie über die Muttermilch.

Zuständig für die Feineinstellung des Gehirns

„Die Fettsäuren DHA und AA beeinflussen die Aktivität vieler funktionell wichtiger Enzyme in den biologischen Membranen des Nervensystems und im Neurotransmitter-Stoffwechsel“, sagt Professor Koletzko. „Einfacher ausgedrückt: Sie sind für die Feineinstellung des Gehirns und des Nervensystems sowie des Immunsystems zuständig.

Eine unausgewogene Ernährung oder eine fehlerhafte Zusammensetzung der Babynahrung können für die aktuelle Gesundheit der Kinder und sogar für ihr späteres Leben von entscheidender Bedeutung sein“.

Gemäß der neuen Standards der EU (VO2016/127) müssen künftig alle Säuglings- und Folgenahrungen ab Februar 2020 den Zusatz der Docosahexaensäure DHA in einer zwei- bis dreifach höheren Konzentration enthalten als die mittleren Gehalte in Muttermilch und bisher verwendeten Säuglingsnahrungen. 

  • Für einen Zusatz der Arachidonsäure AA besteht dagegen keine Verpflichtung mehr. Erste Fertignahrungen ohne AA werden bereits auf dem europäischen Markt angeboten.

„Die Eignung und Sicherheit dieser neuartigen Konzeption ist jedoch bisher in klinischen Studien nicht belegt“, gibt Professor Koletzko zu bedenken. „Die vorgeschlagene neue Zusammensetzung der Säuglingsnahrung weicht ganz erheblich von der Zusammensetzung der Muttermilch ab, in der DHA und AA immer zusammen enthalten sind.

Die von der Europäische Kommission vorgeschriebene Zusammensetzung der fertigen Babynahrung weicht auch von derjenigen der seit zwei Jahrzehnten in Europa und vielen anderen Ländern der Welt verwendeten Säuglingsnahrung, deren Eignung und Sicherheit in vielen klinischen Studien belegt ist“.

Die gemeinnützige Stiftung Kindergesundheit ist mit dieser Problematik seit Jahren befasst. Sie lud jüngst zum wiederholten Male internationale Experten für Kindermedizin und Ernährung sowie Vertreterinnen internationaler Elternorganisationen zu einer wissenschaftlichen Tagung hierzu ein. Ziel des Workshops war die Überprüfung des aktuellen Stands der Forschung zu DHA und AA und die Erstellung einer gemeinsamen Stellungnahme der Europäischen Akademie für Kinderheilkunde EAP (www.eapaediatrics.eu) und der Stiftung Kindergesundheit zu den geplanten Änderungen der EU-Standards.

Muttermilch – das Vorbild für das Fläschchen

  • Nach Meinung der Experten sollte grundsätzlich die Zusammensetzung der Muttermilch auch für die Wahl der Inhaltsstoffe von Flaschennahrung richtungsweisend sein. 

Muttermilch enthält immer sowohl Docosahexaensäure DHA als auch Arachidonsäure AA, in der Regel mit höheren Gehalten an AA als an DHA. 

  • Deshalb sollten frühgeborene und voll ausgetragene Babys mit der Säuglings-Formelnahrung DHA gemeinsam mit AA erhalten, und zwar in ähnlichen Mengen wie in der Muttermilch. 

Der Zusatz von DHA mit AA in solchen Mengen wird als sicher und frei von Nebenwirkungen bewertet.

Die Europäische Akademie für Kinderheilkunde und die Stiftung Kindergesundheit raten in ihrer gemeinsamen Stellungnahme dringend dazu, für nicht oder nicht vollgestillte Säuglinge auch künftig nur solche Säuglingsnahrungen zu verwenden, die neben DHA auch mindestens die gleiche Menge Arachidonsäure AA enthalten.

Die auf dem Workshop der Stiftung Kindergesundheit erarbeiteten Ergebnisse und die darauf fußenden Empfehlungen wurden in einem Positionspapier zusammengefasst, das am 26. Oktober 2019 im international hochangesehenen „American Journal of Clinical Nutrition“ in englischer Sprache veröffentlicht wurde (Koletzko B et al., Am J Clin Nutr. 2019 Oct 26. pii: nqz252. doi: 10.1093/ajcn/nqz252. [Epub ahead of print]).

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Gehirnveränderung/Rückenmarkveränderungen: Multiplen Sklerose (MS)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Studie identifiziert im Gehirn von MS-Patienten von der Multiplen Sklerose betroffene Zelltypen

Potenzieller Ansatzpunkt für neue, spezifische Therapien / Ergebnisse hochrangig in Nature publiziert 
PD Dr. Lucas Schirmer
PD Dr. Lucas Schirmer UMM
 
Wissenschaftler haben entdeckt, dass bestimmte Zellen im Gehirn, die als „Projektionsneurone“ bezeichnet werden, eine zentrale Rolle bei den Gehirnveränderungen spielen, die mit der Multiplen Sklerose (MS) einhergehen. 

Neue Forschungsergebnisse zeigen nun, dass solche Projektionsneurone durch körpereigene Immunzellen geschädigt werden und diese Schädigung die mit der MS verbundene Schrumpfung des Gehirns wie auch damit einhergehende kognitive Veränderungen unterstützen könnte. 

Die neuen Erkenntnisse bieten interessante Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer, spezifischer Therapien für die Multiple Sklerose, die auf geschädigte Gehirnzellen abzielen.

Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks, von der weltweit über zwei Millionen Menschen betroffen sind.

Die möglichen Symptome von MS sind breit gefächert.

Hierzu gehören beispielsweise Probleme mit dem Sehvermögen, der Bewegung und kognitiven Fähigkeiten. 

Frühere Forschungen hatten gezeigt, dass eine als Cortex bezeichnete Hirnregion bei MS-Patienten mit der Zeit schrumpft, ein Prozess, der als kortikale Atrophie bezeichnet wird. Bislang war jedoch unklar, welche Mechanismen diese kortikale Schrumpfung auslösen.

In einer neuen internationalen Studie, unter der Beteiligung der Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät Mannheim, der University of Cambridge und der University of California in San Francisco, nutzten die Forscher Gehirnproben von verstorbenen MS-Patienten, um an diesen Proben eine Vielzahl von verschiedenen Zelltypen zu studieren, von denen vermutet wird, dass sie eine Rolle bei der Multiplen Sklerose spielen. Ihre an diesen Gehirnproben gewonnenen Ergebnisse verglichen sie mit denen von Menschen ohne MS.

"Wir wollten verstehen, warum einige Zellen anfälliger für Schäden bei der MS sind als andere und setzten dafür eine neue Methode, das Single-Nuclei RNA-Sequencing, ein.

Wir können damit die genetische Ausstattung einzelner Gehirnzellen untersuchen", führt Privatdozent Dr. Lucas Schirmer, leitender Wissenschaftler in diesem Projekt, aus. Der Neurologe forschte früher an der University of California in San Francisco und ist heute Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM).

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die als Projektionsneuronen bezeichneten Nervenzellen besonders anfällig für Schäden im Gehirn von MS-Patienten sind."

Projektionsneurone sind bei gesunden Menschen an der Informationsvermittlung zwischen verschiedenen Bereichen des Gehirns beteiligt.

Es scheint daher wahrscheinlich, dass die Schädigung dieser Zellen die kognitiven Fähigkeiten bei MS-Patienten beeinträchtigen kann.

  • Darüber hinaus erklärt der Verlust dieser bestimmten Zelltypen auch, warum das Gehirn von MS-Patienten mit der Zeit schrumpft – je mehr Zellen beschädigt werden und verloren gehen, desto weniger Platz nimmt das Gehirn ein.
  • Die Forscher konnten außerdem zeigen, dass Immunzellen im Gehirn von MS-Patienten auf Projektionsneuronen abzielten und die Zellen dabei stressten und schädigten. 

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Zelltherapien, die auf die Immunzellen abzielen, Projektionsneurone schützen und damit eine neuartige Behandlung für die progressive MS darstellen könnten“, sagt Professor David Rowitch, leitender Wissenschaftler an der University of Cambridge, der die Forschung koordiniert hat.

Dr. Dmitry Velmeshev und Professor Arnold Kriegstein von der University of California in San Francisco haben gemeinsam die Techniken entwickelt, mit denen der genetische Code in den einzelnen Gehirnzellen analysiert werden kann. "Diese neuen Techniken haben eine breite Anwendbarkeit für das Verständnis von neurologischen Entwicklungsstörungen und neurologischen Erkrankungen des Menschen", sagt Professor Arnold Kriegstein.

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PD Dr. Lucas Schirmer
Neurologische Klinik
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Originalpublikation:
Neuronal vunerability and multilineage diversity in multiple sclerosis.
L. Schirmer, D. Velmeshev, S. Holmqvist, M. Kaufmann, S. Werneberg, D Jung, S. Vistnes, J. Stockley, A. Young, M. Steindel, B. Tung, N. Goyal, A. Bhaduri, S. Mayer, J. Broder Engler, O. Bayraktar, R. Franklin, M. Haeussler, R. Reynolds, D. Schafer, M. Friese, L. Shiow, A. Kriegstein and D. Rowitch is
published in Nature (accepted: 12 June 2019)
DOI: 10.1038/s41586-019-1404-z

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://youtu.be/7FyQ5yOEnnY Video-Statement von PD Dr. Schirmer

 

ZNA - Rettungsstelle-KANZEL Augenklinik: Seitengleichen Gesichtsfeldausfall homonyme Hemianopsie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Nach Studie bei Gesichtsfeldausfall: Kinder können wieder Tennis und Bowling spielen

Mediziner des Universitätsklinikums Tübingen veröffentlichen eine Studie mit Kindern, die unter Gesichtsfeldausfällen leiden. 

Durch ein Training lernen sie eine Strategie kennen, die es ihnen ermöglicht, ihr gesamtes Blickfeld zu erweitern, um somit besser zu sehen. 

Die Studie wurde im Fachmagazin PLOS ONE publiziert.  
  • Bei Kindern, die eine Schädigung der Sehbahn, zum Beispiel aufgrund von Tumorerkrankungen oder epilepsiechirurgischen Eingriffen, erlitten haben, kommt es zu seitengleichen Gesichtsfeldausfällen (homonyme Hemianopsie). 
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Schwerpunkt - Apotheken für Zytostatika

Vor beiden Augen fehlt dieselbe Hälfte des Gesichtsfelds.

Die Folge: 

Auf der Seite des Ausfalls können die betroffenen Kindern Gegenstände oder Personen nicht wahrnehmen; ihr Sehvermögen ist massiv eingeschränkt. 

Unfälle und eine Einschränkung der Lebensqualität sind die Folgen.

„Schätzungsweise sind in Deutschland jährlich mehrere hundert Kinder neu betroffen, weltweit sind es einige tausend“, sagt Stephan Küster von der Forschungseinheit für Visuelle Rehabilitation am Department für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Tübingen.

Die Tübinger Forscher führten nun erstmals eine Studie mit Kindern durch, die unter seitengleichen Gesichtsfeldausfällen leiden.

Über einen Zeitraum von mehreren Wochen nahmen sie an einem speziell konzipierten Computertraining für zuhause zur Rehabilitation ihres Gesichtsfeldausfalles teil.

Hierbei lernten sie spielerisch ihre Augenbewegungen im gesamten Blickfeld einzusetzen und damit den Gesichtsfeldausfall auszugleichen.

Die visuelle Rehabilitation verfolgt das Ziel, das Restsehvermögen zu optimieren. 


22 Kinder mit Gesichtsfeldausfall trainierten mit dem Programm sechs Wochen, zweimal täglich 15 Minuten, an fünf Tagen in der Woche.

Um Vergleichswerte für die Messungen zu erhalten, wurden ebenfalls 16 gesunde Kinder untersucht.

21 der 22 erkrankten Kinder zeigten eine Verbesserung der Suchzeiten während des Trainings.

Die Untersuchung der Augenbewegungen in der Klinik zeigte, dass die Kinder nach der Therapie deutlich öfter in ihre blinde Seite schauen als vor dem Training und dies mit größeren und effizienteren Augensuchbewegungen tun.


Die Kinder erlernten eine Strategie, wie sie schneller und effizienter suchen können.

„Wir haben gezeigt, dass die Strategie, die während des computergestützten Trainings entwickelt wurde, auch bei alltäglichen Aufgaben angewendet werden kann“, sagt Küster.

Einige Kinder berichteten, dass sie im Alltag nun viel besser zurechtkommen.

Ein Kind berichtete, dass es wieder Tennis spielen konnte, ein anderes Bowling.

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Forschungseinheit für Visuelle Rehabilitation,
Leitung Prof. Dr. med. S. Trauzettel-Klosinski,
Department für Augenheilkunde,
Universitätsklinikum Tübingen
Stephan Küster
Tel.: 07071 29-83701
E-Mail: Stephan.kuester@uni-tuebingen.de

Hoppe-Seyler-Str. 6
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Bianca Hermle
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Telefon: 07071 / 29 81032
E-Mail-Adresse: oeffentlichkeitsarbeit@med.uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0197285

Der Hausarzt und die fahrenden Senioren - Frauen haben nur halb so viel Rentenanspruch wie Männer

Medizin am Abend Berlin Fazit: Fahrtauglichkeit: Individuelle Gesundheitschecks für Senioren

Eingebrannt hat sich das Bild vom älteren Unfallverursacher schnell. 

Forderungen, wonach das Autofahren ab einem bestimmten Alter nur noch mit einem Leistungszertifikat oder verpflichtenden Gesundheitschecks erlaubt sein soll, erteilt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) eine Absage. 

„Dieses pauschale Vorgehen ist aus medizinischer Sicht grundsätzlich abzulehnen“, sagt Professor Jürgen M. Bauer, DGG-Präsident und Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg sowie Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg. 

Professor Jürgen M. Bauer, DGG-Präsident und Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg sowie Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg 
Professor Jürgen M. Bauer, DGG-Präsident und Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg sowie Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg


Auch Zahlen des ADAC belegen: 

  • Menschen ab dem 65. Lebensjahr sind vielmehr gefährdet, als dass von ihnen eine Gefahr ausgeht. 

30 Prozent der Verkehrstoten in Deutschland sind 65 Jahre alt und älter. Fast jeder zweite getötete Radfahrer oder Fußgänger fällt in die gleiche Altersklasse.

  • „Was wirklich hilft, sind regelmäßige, freiwillige Gesundheitschecks aus einer geriatrischen Perspektive, bei denen auch Mehrfacherkrankungen, die Medikamentenversorgung und altersbedingte Einschränkungen gezielt untersucht werden“, so Bauer.

In einigen Regionen Deutschlands werden Senioren mit kostenlosen Nahverkehrstickets belohnt, wenn sie freiwillig den Führerschein abgeben.

Doch hilft das wirklich? Die Zahlen aus der aktuellen ADAC-Studie wurden 2015 erhoben. Demnach sind lediglich 15 Prozent der Pkw-Fahrer ab 65 Jahre Hauptverursacher eines Unfalls mit Personenschaden. In 172 Fällen waren 65- bis 74-Jährige schuld an Unfällen mit Todesopfern. Zum Vergleich: Mehr als doppelt so oft, insgesamt 379 Mal, waren 18- bis 24-Jährige Hauptverursacher solcher Unfälle.

Altersbedingte Beeinträchtigungen können kompensiert werden

„Um wirklich einen Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr zu leisten, sind gerade im Alter regelmäßige und vor allem individuelle Gesundheitschecks unumgänglich“, sagt der DGG-Fahrtauglichkeitsexperte Dr. Dirk Wolter, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie an der LVR-Klinik Bonn. 

„Denn nimmt das Hör- oder Sehvermögen ab und ist die Reaktionsgeschwindigkeit eingeschränkt, kann ein älterer Fahrer tatsächlich zur Gefährdung im Straßenverkehr werden. Auch Herz, Leber und Nervensystem sollten regelmäßig gecheckt werden“, so der Mediziner. 

Gerade chronische Erkrankungen, Demenz und Einschränkungen des Bewegungsapparates könnten zur Gefahr werden.

Die meisten älteren Kraftfahrer kompensieren ihre Einschränkungen erfolgreich durch taktische oder strategische Anpassungen.

 „Senioren können auf Automatik-Getriebe umsteigen, um so ihre volle Aufmerksamkeit dem Straßenverkehr zu widmen.

Außerdem sollten Stoßzeiten vermieden werden, ebenso das Autofahren bei schlechten Wetterbedingungen oder in der Dunkelheit“, sagt Wolter.

Er rät zu regelmäßigen Gesundheitschecks unter geriatrischen Gesichtspunkten statt zu einem pauschalen Fahrverbot für Ältere.

DGG setzt sich für individuelle Gesundheitschecks zur Fahrtauglichkeit ein

Für regelmäßige Gesundheitschecks könne beispielsweise der Hausarzt herangezogen werden. 

„Hausärzte könnten umfassend beraten und intensiv aufklären, wenn es Probleme gibt“, so Wolter.

Das gelte vor allem für die Medikamentenversorgung.

Zahlreiche Autofahrer über 65 Jahre nehmen Medikamente ein, die müde machen oder den Blutdruck senken können – und somit die Fahrtüchtigkeit einschränken. 

Wolter rät allen älteren Autofahrern:

„Sprechen Sie das Thema der Fahrtauglichkeit bei Ihrem Arzt unbedingt an!“ Dennoch unterstützt der DGG-Experte eine verpflichtende Einführung von Gesundheitschecks nicht: „Das muss von Fall zu Fall individuell betrachtet werden.“ Zudem müsse genau geklärt werden, welche Untersuchungen ein solcher Test im Einzelfall abdecken soll. Schon ein Sehtest für ältere Kraftfahrer müsse ganz andere Bedingungen erfüllen als für junge Fahrer. Auch Fahrschulen seien hier in der Pflicht, ergänzt Dirk Wolter.

 Dr. Dirk Wolter, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie an der LVR-Klinik Bonn
Dr. Dirk Wolter, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie an der LVR-Klinik Bonn
LVR-Klinik Bonn

„Eine Fahrstunde hat schon so manchen überzeugt, das Auto stehen zu lassen. 

Nur in Ausnahmefällen sollten die Behörden älteren Fahrern den Führerschein dauerhaft entziehen können.“

Es sei auch wichtig, im Training zu bleiben.

„Wer keine Fahrpraxis mehr hat, baut auch mehr Unfälle. Wenn man sich beim Autofahren sehr unwohl und unsicher fühlt, sollte man ganz aufhören. Als Kompensation einfach nur weniger zu fahren, ist keine Lösung“, so der Experte. Wolter weist auf eine Reihe von Arbeitsmaterialien hin, die Medizinern beim Abklären der Fahreignung im höheren Lebensalter helfen soll. Diese stehen zum kostenlosen Download auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie zur Verfügung.

Den Verlust von Autonomie und Selbstbewusstsein verhindern

„Die Mobilität älteren Menschen und somit auch die Fahrtauglichkeit sei eine Aufgabe, der sich Mediziner stellen müssen“, sagt Dirk Wolter.

„Für diese speziellen Fälle sind Geriater ausgebildet und kennen die Bedürfnisse älterer, oft mehrfach erkrankter Patienten ganz genau.“

  • Das Ziel aller beteiligen Mediziner müsse es sein, die Mobilität der Älteren so lange wie möglich zu erhalten. 

„Andernfalls verlieren viele Menschen zu früh an Autonomie und Selbstbewusstsein, was im Alter schwerwiegende Gesundheitsfolgen haben kann“, sagt der Chefarzt. 

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Medizin am Abend Berlin ZusatzThema heute: 

Frauen haben nur halb so viel Rentenanspruch wie Männer – Abstand bei gesetzlicher Rente geringer als bei betrieblicher Vorsorge

Bei der Altersversorgung haben Frauen das Nachsehen: Der „Gender Pension Gap“ liegt bei 53 Prozent, zeigt ein neuer Report des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.*

Die aktuelle Auswertung des WSI-Gender-Daten-Portals macht deutlich, wie es um die Geschlechtergerechtigkeit im Ruhestand steht. WSI-Forscherin Dr. Christina Klenner hat gemeinsam mit Dr. Alexandra Wagner und Dr. Peter Sopp vom Forschungsteam Internationaler Arbeitsmarkt in Berlin die Einkommen von Rentnern und Rentnerinnen verglichen. Ihrer Analyse zufolge schneiden Frauen bei allen drei Säulen der Alterssicherung schlechter ab als Männer.


Multipler Sklerose - Wann Therapiestart?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Bei ersten Anzeichen von Multipler Sklerose sofort mit Therapie beginnen

Wer Symptome von Taubheit, eingeschränktem Sehvermögen, Kraftminderung oder Gleichgewichtsstörungen verspürt, muss auf der Hut sein. 

Es könnte sich um erste Anzeichen einer beginnenden Multiplen Sklerose handeln. 

Bestätigt sich der Verdacht, kann eine frühe medikamentöse Therapie den Krankheitsverlauf langfristig günstig beeinflussen. 

Eine internationale Langzeitstudie unter Federführung von Forschenden der Universität und des Universitätsspitals Basel kommt zum Schluss, dass eine möglichst früh einsetzende Therapie den Ausbruch der Krankheit verzögern oder gar verhindern kann. 
 
Ab welchem Zeitpunkt macht es bei ersten Anzeichen von Multipler Sklerose (MS) Sinn, mit einer medikamentösen Therapie zu beginnen? Sobald erste Symptome wie Gleichgewichtsstörungen, Taubheit, Kraftminderung oder eingeschränktes Sehvermögen auftreten? Oder erst, wenn die Krankheit effektiv diagnostiziert wurde? Bisher lagen zur Klärung dieser Frage nur Studien mit Beobachtungszeiten von wenigen Jahren vor. Das ist bei einer Krankheit, die im Schnitt mehrere Jahrzehnte dauert, relativ kurz. Nun aber schafft eine internationale Langzeitstudie, bei welcher Forschende aus der MS-Forschungsgruppe der Universität und des Universitätsspitals Basel (USB) federführend waren, Klarheit über die langfristigen Auswirkungen eines frühen Behandlungsbeginns.

Studienleiter Prof. Ludwig Kappos, Chefarzt Neurologie des USB: «Unsere Studie bestärkt uns darin, Betroffenen bereits beim ersten Auftreten von hochverdächtigen MS-Symptomen dringend eine eugende Therapie zu empfehlen. Ein früher Behandvorblungsbeginn hat gegenüber einer verzögerten Therapieeinleitung nachweisbare Vorteile, weil damit der Ausbruch von MS verzögert oder sogar verhindert werden kann.»

Frühe Therapie lohnt sich

An der Studie nahmen 468 Personen mit ersten verdächtigen MS-Symptomen teil.

Bei ihnen war zwar noch keine definitive Diagnose einer MS gestellt, doch konnten andere Ursachen ausgeschlossen und im MRI mindestens zwei asymptomatische Herde nachgewiesen werden. Nach erfolgter Information und Einwilligung erhielten die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip innerhalb von maximal 60 Tagen ab Beginn der Symptome entweder das Medikament Interferon β-1b oder ein Placebo. Nach spätestens zwei Jahren oder früher, wenn bei den Betreffenden nach einem zweiten Schub MS diagnostiziert wurde, konnte die Placebo-Gruppe ebenfalls auf die Einnahme von Interferon β-1b oder eines vergleichbaren Medikaments umsteigen.

Elf Jahre nach dem Studienstart konnten die Forschenden 278 Studienteilnehmende ausführlich nachuntersuchen. Davon gehörten 167 Personen zur Gruppe mit früher Therapie und 111 Personen zur Gruppe mit verzögerter Therapie. Dabei zeigte sich, dass die Personen aus der Gruppe mit früher Therapie eine um 33 Prozent tiefere Wahrscheinlichkeit hatten, an MS zu erkranken als jene aus der Gruppe mit späterer Therapie.

Ausserdem verstrich bei der frühen Gruppe deutlich mehr Zeit bis zum ersten Rückfall der Krankheit, nämlich 1‘888 Tage im Vergleich zu 931 Tagen bei der späteren Gruppe.

Die frühe Gruppe hatte über den gesamten Zeitraum von elf Jahren eine um 19 Prozent tiefere Häufigkeit von Krankheitsschüben, interessanterweise in der Regel auch in den Jahren, in denen beide Gruppen gleichen Zugang zur Therapie hatten. Insgesamt hatten beide Gruppen nach elf Jahren nur wenig dauerhafte Beeinträchtigungen. Die mediane Änderung im EDSS, einer zehnstufigen Behinderungsskala, betrug 0,5 Punkte, und nur rund acht Prozent der Teilnehmenden waren nach elf Jahren vorzeitig berentet.

Publikation in «Neurology»

Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «Neurology» der American Academy of Neurology publiziert. An der Studie waren Spitäler und Universitäten aus zwanzig Ländern beteiligt; die Studie wurde von Bayer Healthcare Pharmaceuticals unterstützt.

Multiple Sklerose ist eine chronische entzündliche und degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene befällt und an der weltweit mehr als zwei Millionen Menschen erkrankt sind.

Originalbeitrag

Ludwig Kappos et al.
The 11-year long-term follow-up study from the randomized BENEFIT CIS trial
Neurology (2016)

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360° TOP-Hinweis: Altersbedingter Makula-Degeneration (AMD) + Blinder Fleck auf der Netzhaut

Medizin am Abend Berlin Fazit: Blinder Fleck auf der Netzhaut: Spezialsprechstunde am UKJ

Steigende Behandlungszahlen wegen altersbedingter Makula-Degeneration an Jenaer Uni-Augenklinik
 

Buchseiten, die urplötzlich hinter einem buchstäblich blinden Fleck verschwinden, zu Wellen verschwimmende Spalten auf dem Busfahrplan – wenn Patienten ihm solche Symptome schildern, ist Dr. Kai Wildner, Oberarzt an der Augenklinik des Universitätsklinikums Jena, alarmiert.

 Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Kontroll-HerzkatheterUnterstuchung


Mit solchen Anzeichen kündigt sich meist eine Augenerkrankung an, die je nach Ausprägung innerhalb weniger Wochen zur Erblindung führen kann: 

 die altersbedingte Makuladegeneration (AMD).
  • In den westlichen Industrieländern ist diese Netzhauterkrankung der häufigste Grund für Altersblindheit. 
Vor allem die feuchte Variante ist tückisch, weil sie den Betroffenen innerhalb weniger Wochen das Sehvermögen rauben kann – wenn nicht schnellstmöglich behandelt wird. Erst seit wenigen Jahren gibt es durch neu entwickelte Medikamente dafür wirksame Behandlungsmöglichkeiten, auch am UKJ.

Oberarzt Dr. Kai Wildner betreut die Makula-Sprechstunde an der Klinik für Augenheilkunde am UKJ.
Oberarzt Dr. Kai Wildner betreut die Makula-Sprechstunde an der Klinik für Augenheilkunde am UKJ.
Foto: UKJ/ Schleenvoigt

„Bei der feuchten Makuladegeneration wuchern kleine Blutgefäße in die Netzhaut, wo sie gar nicht hingehören“, erklärt Dr. Wildner, der die Makula- Spezialsprechstunde an der Augenklinik betreut.
Die brüchigen Gefäße, aus denen Flüssigkeit austritt, schädigen das Sehzentrum, die Makula. 
Die modernen Wirkstoffe blockieren die unerwünschte Gefäßneubildung. Dazu werden sie direkt ins Auge gespritzt. 

Mehr als 2 000 solche ambulanten Spritzenbehandlungen hat die Augenklinik im vergangenen Jahr durchgeführt, Tendenz steigend. Zumeist kommen die Patienten aus Ostthüringen und Sachsen-Anhalt.

Der Behandlung voraus geht eine gründliche Diagnostik, deren Bestandteil neben der klassischen augenärztlichen Untersuchung die sogenannte Fluoreszenz- Angiografie ist.

Dabei wird ein Farbstoff in den Blutkreislauf gespritzt, mit dem sich untypische Blutgefäße im Auge sichtbar machen lassen. Außerdem wird mit einem speziellen bildgebenden Verfahren, der optischen Cohärenztomografie (OCT), die Netzhaut auf Flüssigkeitsansammlungen untersucht. 

Solche Netzhautveränderungen zeigen sich auch schon im Frühstadium der Erkrankung, wenn die Patienten noch nicht über Beschwerden klagen, wie Dr. Wildner erklärt.

„Damit kann die Behandlung schon frühzeitig begonnen werden, was das Wichtigste ist.“

 Oft kämen Betroffene aber erst mit einer fortgeschrittenen Netzhautschädigung in die Makula-Sprechstunde.

„Heilen können wir die feuchte Makuladegeneration mit der Spritzentherapie nicht“, stellt Dr. Wildner klar. „Aber wir können die Erkrankung in die trockene Form überführen – und damit bremsen.

Für die Betroffenen bedeute dies einen Gewinn an Lebensqualität.


Wegen der Bevölkerungsentwicklung rechnet der Experte mit einem weiteren Anstieg der Behandlungszahlen.

„Unsere Patienten werden immer älter, da wird die AMD auch in Zukunft ein großes Thema sein.“

Angesichts der steigenden Behandlungszahlen hat die Klinik ihre Makula- Sprechstunde bereits auf tägliche Sprechzeiten erweitert.

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Klinik für Augenheilkunde
Makula-Sprechstunde
Bachstr. 18, 07740 Jena
Tel.: 03641 9-33146
Stefan Dreising Universitätsklinikum Jena

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Frühgeborne und ihr Wohlbefinden im Kindes, Jugend- und Erwachsenenalter

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Kein Knick im Wohlbefinden älterer Frühchen

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Vater/Mutter-Kind Kuren  

Während Frühgeborene nicht der Meinung sind, dass sich ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität im Übergang vom Jugend- in das Erwachsenenalter verschlechtert hat, machen sich deren Eltern mehr Sorgen um das Wohlbefinden ihrer Sprösslinge. Diese Ergebnisse liefert eine Studie von Wissenschaftlern der University of Warwick (England) und des Universitätsklinikums Bonn. Die Daten wurden im Zuge der Bayerischen Entwicklungsstudie erhoben und nun im angesehenen US-Fachjournal „Pediatrics“ veröffentlicht. 

Prof. Dr. Dr. Peter Bartmann von der Forschungsgruppe Langzeitstudien des Universitätsklinikums Bonn.
 Prof. Dr. Dr. Peter Bartmann von der Forschungsgruppe Langzeitstudien des Universitätsklinikums Bonn.
© Foto: privat
 
Werden Säuglinge vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren, spricht man von einer Frühgeburt. 

Nicht ausgereifte Organe und ein unreifes Immunsystem können vor allem bei extremen Frühgeburten zu bleibenden Problemen führen und durch Einschränkungen der Gesundheit die Lebensqualität beeinträchtigen.

Wissenschaftler der University of Warwick (England) und des Universitätsklinikums Bonn haben insgesamt 260 sehr kleine Frühgeborene, die vor 32 Schwangerschaftswochen oder mit einem Gewicht von weniger als 1500 Gramm geboren wurden, sowie deren Eltern zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität der zu früh Geborenen befragt. Zum Vergleich wurde die Umfrage auch unter 229 gleichaltrigen Personen durchgeführt, die zum normalen Geburtstermin entbunden wurden.

Die Daten wurden im Zuge der Bayerischen Entwicklungsstudie erhoben, die seit 1985 eine repräsentative Gruppe einerseits aus Frühgeborenen und andererseits zum normalen Termin Entbundene beobachtet. Wissenschaftler befragten die Studienteilnehmer und deren Eltern im Alter von 13 Jahren und erneut mit 26 Jahren, um gesundheitsbezogene Veränderungen mit dem Lebensalter zu dokumentieren.

Die Fragen drehten sich unter anderem um das Seh- und Hörvermögen, die sprachliche und emotionale Entwicklung sowie auch körperliche Geschicklichkeit, die Informationsverarbeitung im Gehirn und das Auftreten von Schmerzen.

Frühgeborene haben höheres Risiko für Gesundheitsprobleme

„Sehr Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für Gesundheitsprobleme und eine bis in das Erwachsenenalter bleibende geringere gesundheitsbezogene Lebensqualität als Termingeborene“, sagt Mitautor Prof. Dr. Dr. Peter Bartmann, Neonatologe am Universitätsklinikum Bonn.

  • Bei der Befragung zeigte sich, dass die betroffenen Frühgeborenen nicht der Meinung sind, dass sich ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität vom Jugend- zum Erwachsenenalter verschlechtert hat. 
  • Ihre Eltern hingegen schätzten in der Umfrage ein, dass mit zunehmendem Lebensalter Gesundheit und Lebensqualität ihrer Sprösslinge abgenommen haben. „Offenbar machen sich die Eltern mehr Sorgen um das Wohlbefinden der Frühgeborenen als die Betroffenen selbst“, sagt Prof. Bartmann.
Eine frühere Studie aus Kanada befand, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Frühgeborenen zum Erwachsenenalter hin abnimmt.

 „Unsere Studie hingegen konnte zeigen, dass dies nur für die Beurteilung durch die Eltern gilt“, sagt Erstautorin Nicole Baumann von der Abteilung Psychologie der University of Warwick.

Die Eltern sehen insbesondere in den gesundheitsbezogenen Bereichen Emotionen und Schmerzen negative Entwicklungen. 

Die betroffenen Frühgeborenen dagegen berichteten über keine Veränderung ihrer Lebensqualität in dem untersuchten Zeitraum. 

„Dies ist eine wichtige Aussage für die Einschätzung der Lebensqualität von ehemals sehr kleinen Frühgeborenen im Erwachsenenalter“, sagt Korrespondenzautor Prof. Dr. Dieter Wolke von der University of Warwick.
  • Die Untersuchung umfasste auch Fragen zu Freunden, Partnerschaften und zur Arbeit. 
  • Dabei zeigte sich, dass eine geringe gesundheitsbezogene Lebensqualität damit einherging, dass die Befragten häufiger arbeitslos waren sowie weniger Freunde und Partner hatten – und zwar unabhängig davon, ob es sich um Frühgeborene handelt oder nicht. 

„Dieses Ergebnis zeigt, dass zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität nicht nur körperliche Faktoren, sondern auch psychosoziale Aspekte gehören“, sagt Prof. Bartmann.

  • Das Wohlbefinden von Frühgeborenen im Jugend- und Erwachsenenalter hänge auch wesentlich von den Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt sowie intakten Freund- und Partnerschaften ab.

Publikation: Health-Related Quality of Life Into Adulthood After Very Preterm Birth, „Pediatrics“, DOI: 10.1542/peds.2015-3148

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Prof. Dr. Dr. Peter Bartmann
Forschungsgruppe Langzeitstudien
Universitätsklinikum Bonn
Tel. 0228/28733408
E-Mail: Peter.Bartmann@ukb.uni-bonn.de
Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

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Lieber ein kürzeres Leben als verlorenes Augenlicht

Medizin am Abend Berlin:   Gutes Sehen wird hochgeschätzt aber oft vernachlässigt 
 
Vom 8. bis 15. Oktober findet die Woche des Sehens statt. Doch wie wichtig ist den Menschen ihr Sehsinn?

Laut einer internationalen Studie von 2012 würden knapp drei Viertel der Befragten eher auf zehn Lebensjahre verzichten als auf ihr Sehvermögen. Doch nur 21 Prozent haben ihre Augen in den letzten fünf Jahren untersuchen lassen. Und das, obwohl die Anzahl der Augenerkrankungen in Deutschland kontinuierlich steigt.

Dieser Widerspruch ist alarmierend. Als Grund, warum ihre Augen in den letzten fünf Jahren nicht untersucht wurden, nannten 65 Prozent der Teilnehmer, dass sie "keine Symptome verspürten".

So das Ergebnis einer Umfrage zum Gesundheitsverhalten, die in elf Ländern - darunter auch Deutschland - durchgeführt wurde. Doch gerade die gefährlichen Augenkrankheiten der späteren Lebensjahre bleiben lange Zeit beschwerdefrei. Eine entsprechende Vorsorge ist wichtig, um die eigene Sehfähigkeit zu erhalten.

  • Rund sieben Millionen Deutsche sind derzeit von den Augenkrankheiten Grauer Star, Glaukom und Altersbedingte Makuladegeneration betroffen, Tendenz steigend. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt: Altersbedingte Sehverschlechterungen werden in den entwickelten Ländern zu den Krankheiten zählen, die für den Verlust gesunder Lebensjahre verantwortlich sind.

Je früher diese "Volkskrankheiten" erkannt werden, desto besser sind die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung.

  • Deshalb sollten die Augen ab Vierzig alle zwei Jahre getestet, später in kürzeren Intervallen ärztlich untersucht werden. 

Eine Sehbehinderung im Alter bedeutet einen spürbaren Verlust an Lebensqualität.

  • Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben wird mühsamer, die Gefahr von Stürzen steigt, die Mobilität nimmt ab. 

  • Doch nicht immer werden diese Einschränkungen mit dem Sehen in Verbindung gebracht. 

Eine Untersuchung der Augen kann Aufschluss geben und die Freude am Leben erhalten.


Medizin an Abend Berlin DirektKontakt

Kerstin Kruschinski

Kuratorium Gutes Sehen e.V.(KGS)

Werderscher Markt 15

10117 Berlin

Telefon: 030 / 41 40 21-22

Fax: 030 / 41 40 21-23

Mail: presse@sehen.de

Web: www.sehen.de 
 
 

360° TOP - Einladung zur Kommentierung: NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes

Medizin am Abend Fazit:

NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes - 

Zur Kommentierung freigegeben

Die komplett überarbeitete "Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes" steht ab sofort bis zum 29.07.2015 zur öffentlichen Konsultation bereit. Fachkreise und Interessierte sind eingeladen, die Leitlinie kritisch zu begutachten und zu kommentieren. 
 
Veränderungen der Netzhaut als Folge einer Diabetes-Erkrankungen können das Sehvermögen dauerhaft schädigen und schlimmstenfalls zur Erblindung führen.

Ziel der "NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes" ist es, die Versorgung von Menschen mit Diabetes mit drohenden oder bereits existierenden Netzhautschäden zu verbessern. Dazu soll unter anderem der Informationsfluss zwischen den an der Patientenversorgung beteiligten Ärzten – Hausärzte, Diabetologen und Augenärzte – optimiert werden, beispielsweise durch standardisierte Bögen zur Befundübermittlung.

Zudem soll das Bewusstsein von Menschen mit Diabetes für das Risiko von Netzhautveränderungen geschärft und ihre Bereitschaft zur Teilnahme an regelmäßigen Untersuchungen der Augen erhöht werden.

Die komplett überarbeitete "NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes" steht zur öffentlichen Konsultation bereit.

Fachkreise und Interessierte sind eingeladen, ihre Kommentare bis einschließlich 29.07.2015 abzugeben.

Diese können nur dann bearbeitet werden, wenn sie mit dem Kommentierungsbogen per E-Mail an nvl@azq.de gesendet werden.

Die eingegangenen Kommentare werden nach Ablauf der Konsultationsphase an den NVL Expertenkreis weitergeleitet.

Diese Autorengruppe entscheidet dann nach sorgfältiger Prüfung über deren Berücksichtigung.

Das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL) steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.

Mit der Durchführung wurde das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin beauftragt. Zu ausgewählten Krankheitsbildern arbeiten Experten verschiedener Organisationen zusammen, um im Rahmen der strukturierten Versorgung chronisch kranker Menschen die angemessene und evidenzbasierte Patientenversorgung darzustellen.



Medizin am Abend DirektKontakt 

TiergartenTower Straße des 17. Juni 106 - 108
10623 Berlin
Deutschland
Berlin
E-Mail-Adresse: mail@azq.de

Corinna Schaefer M.A.
Telefon: 030 / 4005 - 2526
Fax: 030 / 4005 - 2555
E-Mail-Adresse: schaefer@azq.de


Martina Westermann
Telefon: 030 / 4005 - 2501
E-Mail-Adresse: westermann@azq.de
Corinna Schaefer Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/diabetes-mellitus/dm-netzhautkomplika... - Konsultationsfassung "NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes"

http://www.leitlinien.de/mdb/edocs/word/kommentierungsbogen-dm-netzhautkomplikat... - Kommentierungsbogen

http://www.leitlinien.de/nvl/ - Programm für Nationale Versorgungsleitlinien

Menschen mit Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes haben mehr Vitamin A (Retinol) im Blut

Medizin am Abend Fazit: Ghana:   Mehr Vitamin A (Retinol) im Blut

Wie ein internationales Forscherteam um Ina Danquah vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und Florian J. Schweigert von der Universität Potsdam zeigt, haben Ghanaer, die unter hohem Blutdruck sowie Typ-2-Diabetes leiden, vergleichsweise höhere Spiegel des Vitamin-A-Markers Retinol im Blut als nicht erkrankte Personen. „Die höheren Retinolwerte sind nach unseren Daten jedoch hauptsächlich auf eine verminderte Nierenfunktion zurückzuführen und nicht auf eine bessere Vitamin-A-Versorgung der Patienten“, sagt Danquah. „Ärzte sollten dies künftig bei der Einschätzung des Vitamin-A-Status der Bevölkerung in Subsahara-Afrika berücksichtigen.“ 

 Dr. Ina Danquah
 Dr. Ina Danquah DIfE
 
Das Wissenschaftlerteam, zu dem auch Forscher des Instituts für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit der Charité in Berlin sowie der University of Science and Technology in Kumasi, Ghana, gehören, veröffentlichte seine Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift American Journal of Clinical Nutrition (Danquah et al., 2015, doi: 10.3945/ajcn.114.101345).

Paradoxerweise ist die afrikanische Bevölkerung südlich der Sahara nicht nur von Mangelernährung, sondern zunehmend auch von Übergewicht-assoziierten Krankheiten wie Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes betroffen. 

Die Ursachen hierfür liegen nach Meinung der Ernährungswissenschaftler vermutlich in den veränderten Lebens- und Umweltbedingungen. So ist die heutige Ernährung der städtischen Bevölkerung Ghanas zwar oft kalorienreich, aber eher einseitig. Daher können auch übergewichtige Erwachsene unter einem Vitamin-A-Mangel leiden, der unter anderem das Immunsystem und das Sehvermögen beeinträchtigt.

Um die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Vitamin-A-Status in einer ghanaischen Bevölkerungsgruppe erstmals zu erforschen, untersuchten die Wissenschaftler 1.219 größtenteils weibliche Studienteilnehmer um die 50. Von diesen waren 197 an Typ-2-Diabetes erkrankt, 354 der Teilnehmer waren von Bluthochdruck betroffen, und 340 Personen litten an beiden Krankheiten. Neben verschiedenen klinischen Parametern, wie zum Beispiel dem Retinol-Wert im Blut, überprüften die Wissenschaftler auch die Körpermaße der Teilnehmer und ermittelten zudem ihre Vitamin-A-Zufuhr mit Hilfe von Fragebögen.

Obwohl alle Studienteilnehmer über ihre Nahrung in etwa gleich viel Vitamin A aufnahmen, hatten diejenigen, die unter Bluthochdruck litten, im Vergleich zu gesunden Teilnehmern um 21 Prozent erhöhte Retinol-Spiegel. Die Retinol-Werte der Teilnehmer, die sowohl unter Bluthochdruck als auch Typ-2-Diabetes litten, waren sogar um 38 Prozent erhöht. Ein Großteil der Personen mit Bluthochdruck und Diabetes waren übergewichtig.

Gleichzeitig beobachteten die Wissenschaftler, dass bei den Patienten mit höheren Retinol-Werten die Nierenfunktion eingeschränkt war.

„Unsere Beobachtungen betonen, welche bedeutende Rolle Stoffwechselerkrankungen für die noch ungelösten Gesundheitsprobleme in Subsahara-Afrika spielen.

Daher ist es notwendig, für diese strukturschwachen und ressourcenarmen Regionen Präventions- und Behandlungsstrategien zu entwickeln, die sowohl Mangel- als auch Überernährung effektiv und effizient bekämpfen. Im konkreten Fall stellt sich die Frage, ob Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und deren Begleiterkrankungen künftig herangezogen werden sollten, um den Vitamin-A-Status einer Person besser einzuschätzen“, sagt Studienleiterin Danquah.

Hintergrundinformationen:

Nach Angaben der World Health Organization (WHO) hat in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara die Zahl der Menschen deutlich zugenommen, die von nicht-übertragbaren Erkrankungen betroffen sind.

Zu diesen gehören zum Beispiel Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Etwa ein Viertel der Todesfälle in dieser Region sind auf solche Krankheiten zurückzuführen (Quelle: World Health Organization. Global status report on noncommunicable diseases 2010. Geneva: World Health Organization, 2011). Nach Aussage der International Diabetes Federation wird sich die Zahl der Menschen, die in dieser Region von Diabetes betroffen sind, bis zum Jahr 2035 von 20 Millionen auf 42 Millionen Menschen mehr als verdoppelt haben (International Diabetes Federation. IDF diabetes atlas. 6th ed. Brussels (Belgium): International Diabetes Federation; 2013).

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Näheres unter http://www.dzd-ev.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen - u. a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi -, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.100 Personen, darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,64 Milliarden Euro. Weitere Informationen unter http://www-leibniz-gemeinschaft.de.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. Ina Danquah
Abteilung Molekulare Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 33200 88-2453
E-Mail: Ina.Danquah@dife.de

Dr. Gisela Olias
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 33200 88-2278/-2335
E-Mail: olias@dife.de
oder presse@dife.de
http://www.dife.de

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