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Entzündliche Erkrankung der Blutgefäße: Urtikaria-Vaskulitis : Nesselsucht

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wirksame Therapien bei Urtikaria-Vaskulitis

Meta-Analyse zu erfolgreichen und wirkungslosen Behandlungen 
 
  • Welche Therapien existieren für Patienten, die an Urtikaria-Vaskulitis, einer seltenen Entzündungserkrankung, leiden? 

Und wie effektiv sind diese Behandlungen?

Diesen Fragen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin nachgegangen. Die Ergebnisse ihrer Meta-Analyse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Journal of Allergy and Clinical Immunology* veröffentlicht. Die Arbeit zeigt, welche Therapieansätze bei Urtikaria-Vaskulitis Erfolg versprechend sind.

Die Urtikaria-Vaskulitis ist eine seltene, entzündliche Erkrankung der Blutgefäße. 

Zwischen 20.000 und 50.000 Menschen in Deutschland sind jährlich davon betroffen.

Die Erkrankung ist schwierig zu behandeln, da es bislang keine eigens dafür zugelassenen Medikamente gibt. 

Es werden jedoch verschiedene Therapien angewendet, um den Patienten zu helfen – mit großen Unterschieden, was den Erfolg der Behandlung angeht.

Aus diesem Grund hat Prof. Dr. Marcus Maurer, Forschungsdirektor an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité, mit seinem Team untersucht, welche Behandlungen bei Urtikaria-Vaskulitis wirksam sein können.

Die Wissenschaftler haben dazu in einer systematischen Meta-Analyse alle bisher publizierten 250 Studien, in denen über die Behandlung von Urtikaria-Vaskulitis-Patienten berichtet wird, ausgewertet.

  • Zentrale Erkenntnisse sind, dass Patienten mit Urtikaria-Vaskulitis von Behandlungen mit Kortison, Biologika und Immunsuppressiva profitieren. 
  • Hingegen sind Antihistaminika oder antientzündliche Medikamente für die Behandlung nutzlos.

Antihistaminika gehören zu den gängigen Therapien bei Patienten mit Urtikaria, der Nesselsucht.

Urtikaria-Vaskulitis ist allerdings keine Form dieser Hautkrankheit. 

Da Patienten bei beiden Krankheiten ähnliche Symptome, wie Juckreiz, Quaddeln, Rötungen oder Schwellungen der Haut, aufweisen, wird die Uritikaria-Vaskulitis häufig mit der Nesselsucht verwechselt.

„Unsere Arbeit trägt dazu bei, dass wir Patientinnen und Patienten mit Urtikaria-Vaskulitis nun besser behandeln können“, sagt Prof. Maurer und ergänzt:

„In unseren nächsten Forschungsprojekten wollen wir Kriterien für eine bessere Diagnose der Urtikaria-Vaskulitis erstellen und darüber hinaus Verfahren erarbeiten, mit denen wir das Ansprechen auf eine Therapie objektiv messen können.

Das ist die Grundlage, um in Zukunft gezielt Wirkstoffe für die Urtikaria-Vaskulitis entwickeln zu können.“

*Kolkhir P, Grakhova M, Bonnekoh H, Krause K, Maurer M. Treatment of urticarial vasculitis: A systematic review. J Allergy Clin Immunol. 2018 Sep 27. pii: S0091-6749(18)31356-3. doi: 10.1016/j.jaci.2018.09.007.

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Prof. Dr. Marcus Maurer
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Charité – Universitätsmedizin Berlin
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GanzKörperAnamnese bitte: Schuppen-Hautkrankheit - Ichthyosen/Verrhornungsstörungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Genfehler verursachen Schuppen-Hautkrankheit

Extrem trockene, schuppige und stark verhornte Haut: 

das sind die typischen Merkmale sogenannter Ichthyosen. 

Diese heterogene Gruppe der Verhornungstörungen gehört zu den seltenen Erbkrankheiten. 

Für einzelne Formen der Ichthyosen konnten bereits ursächliche Gendefekte identifiziert werden. 

Nun haben Forscher um Prof. Dr. Dr. Judith Fischer, Ärztliche Direktorin des Instituts für Humangenetik des Universitätsklinikums Freiburg ein neues Gen identifiziert, dessen Verlust eine Ichthyose verursacht. 

Dass die Genveränderung tatsächlich für die Krankheit verantwortlich ist, wiesen sie anhand eines im Labor gezüchteten drei-dimensionalen Hautstücks nach, dessen Zellen genetisch verändert waren. 

Links: Haut eines Gesunden; Rechts: Sowohl die Schicht lebender (blau) als auch toter (grün) Hautzellen ist bei Patienten mit Ichthyose stark verdickt. Links: Haut eines Gesunden; Rechts: Sowohl die Schicht lebender (blau) als auch toter (grün) Hautzellen ist bei Patienten mit Ichthyose stark verdickt. AJHG/Fischer
 
Das durch Zellkultur produzierte Gewebe zeigte vergleichbare Eigenschaften wie die Haut von Patienten mit Ichthyose.

Die Erkenntnisse geben wichtige Einblicke in die Entstehung gesunder Haut und könnten als Grundlage für neue Therapieansätze bei Ichthyosen dienen. 

Die Studie erschien am 1. Juni 2017 im Fachjournal The Amerian Journal of Human Genetics.

Die Genfehler fanden die Forscher mit Hilfe einer aufwändigen Analyse, dem sogenannten ‚Whole Exome Sequencing‘.

Dabei wird das gesamte proteinkodierende Erbgut, das Exom, auf ungewöhnliche Auffälligkeiten überprüft.

Die so entdeckten Fehler die auch als Mutationen bezeichnet werden, befanden sich im Gen SULT2B1, das am Cholesterin-Stoffwechsel beteiligt und für die korrekte Funktion der Haut unerlässlich ist. 

Durch die Genveränderung kommt es zu einem Funktionsverlust von SULT2B1.

Um zu prüfen, ob der Ausfall von SULT2B1 zu den entsprechenden Krankheitssymptomen führt, züchteten die Wissenschaftler im Labor eine dreidimensionale Haut, deren Zellen kein aktives SULT2B1 besaßen.

Nach zwei Wochen sahen die Forscher unter dem Mikroskop, dass sich die Hautzellen zu stark vermehrten, nur unzureichend entwickelten und übermäßig verhornten.

Original-Titel der Studie: Mutations in SULT2B1 cause autosomal recessive congenital ichthyosis in humans

DOI: 10.1016/j.ajhg.2017.05.007

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Prof. Dr. Dr. Judith Fischer
Ärztliche Direktorin
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http://www.cell.com/ajhg/abstract/S0002-9297(17)30194-5 Link zur Studie

Die Haut - Spiegel der Seele? http://www.dgpm.de

Medizin am Abend Fazit:

Haut als „Spiegel der Seele“ - Jede dritte Hautkrankheit tritt gemeinsam
mit psychischem Leiden auf

Nesselsucht als Folge unterdrückter Wut, Neurodermitis durch zu
viel Stress – eine Vielzahl von Hauterkrankungen hat seelische Ursachen.
Eine neue europäische Studie belegt nun, dass fast jeder dritte Hautkranke
auch unter psychischen Problemen leidet. In Anbetracht dieser Ergebnisse
fordert die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin (DGPM), bei
der Behandlung von Hautkrankheiten Diagnostik und Therapie gleichzeitig
auftretender seelischer Erkrankungen stärker als bisher zu
berücksichtigen.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Hauterkrankungen immer mehr
zugenommen. Neurodermitis oder Schuppenflechte etwa sind zu
Volkskrankheiten geworden. Meistens sind die Hautleiden genetisch
veranlagt. Doch darüber, ob und wann sie ausbrechen, entscheiden viele
Faktoren mit – vor allem auch die psychische Verfassung.

Dies belegt eine neue europäische Studie, in der Wissenschaftler in
dreizehn Staaten insgesamt rund 3600 Menschen mit Hautkrankheiten befragt
und untersucht haben. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass 29 Prozent
der Hautkranken gleichzeitig auch an einer psychischen Erkrankung litten.
Zum Vergleich: In der Kontrollgruppe, die aus 1400 Menschen ohne
Hautkrankheiten bestand, lag dieser Anteil bei nur 16 Prozent. Die
Forscher stellten außerdem fest, dass der Anteil von Menschen mit
Depressionen unter den Hautkranken mehr als doppelt so hoch war, und
Angsterkrankungen oder Suizidgedanken anderthalbmal so häufig vorkamen wie
in der Kontrollgruppe.

„In solch großem Umfang wurde der Zusammenhang von Haut- und psychischen
Krankheiten bisher nicht nachgewiesen“, sagt Professor Dr. med. Uwe
Gieler, der als kommissarischer Leiter der Universitäts-Hautklinik in
Gießen maßgeblich an der Studie beteiligt war und sich nun Fortschritte
bei der Behandlung Hautkranker verspricht. „Wenn eine Hauterkrankung auf
psychische Probleme zurückgeht, ist die Behandlung nur adäquat, wenn die
psychischen Probleme erkannt und mitbehandelt werden“, betont Gieler. Vor
allem bei allergischen Hauterkrankungen gebe es zunehmend Hinweise auf
seelische Ursachen. „Neurodermitis kann sich durch belastenden Stress
verschlimmern, unterdrückte Wut in Nesselsucht äußern“, erläutert der
DGPM-Experte. Ursache sind höchstwahrscheinlich Neuropeptide –
Botenstoffe, die der Körper in Stress-Situationen ausschüttet. Diese
könnten durch die Nervenbahnen bis zu den Organen gelangen und dort
Entzündungen verstärken.

„Gerade die Haut reagiert häufig als Überdruckventil der Seele“, sagt
Gieler. In der deutschen „Leitlinie Allergieprävention“, an der Gieler als
Experte der DGPM mitarbeitete, findet sich seit diesem Jahr erstmals der
Bezug zu psychischen Leiden: Schwerwiegende Lebensereignisse, wie die
Trennung der Eltern oder der Tod eines Elternteils, in der Schwangerschaft
oder in der frühen Kindheit, erhöhen das Risiko für spätere allergische
Erkrankungen der Kinder. „Diese Leitlinie verdeutlicht, wie wichtig es
ist, beispielsweise im Fall frühkindlicher Traumata gegebenenfalls
frühzeitig eine psychische Behandlung in Angriff zu nehmen, bevor das
seelische Leid in einer Allergie oder Hauterkrankung mündet “, sagt
Professor Dr. med. Harald Gündel, Ärztlicher Direktor der
Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Ulm
und Mediensprecher der DGPM.

Quelle:
Dalgard F, Gieler U et al (2014): The psychological burden of skin
diseases: a cross-sectional multicenter study among dermatological out-
patients in 13 European countries Journal of Investigative Dermatology,
epub ahead of print

Medizin am Abend DirektKontakt:

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche
Psychotherapie (DGPM)
Janina Wetzstein
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-457; Fax: 0711 8931-167