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Palliativmedizin bei Herz - Kreislauferkrankungen

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Internationale Autorengruppe fordert Umdenken in der kardiovaskulären Versorgung - Palliativmedizin wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit der letzten Lebensphase gleichgesetzt. Tatsächlich ist sie jedoch weit mehr als Sterbebegleitung. Moderne Palliativmedizin setzt nicht erst dann ein, wenn eine Erkrankung als unheilbar gilt und der Tod unmittelbar bevorsteht. Vielmehr zielt sie darauf ab, Leiden frühzeitig zu lindern, Symptome zu kontrollieren und Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen über einen oft langen Krankheitsverlauf hinweg zu begleiten. Häufig ist dies ein Prozess, der sich über Wochen und Monate erstrecken kann.

Eine internationale Autorengruppe unter der Leitung von Medizinerinnen und Medizinern des Universitätsklinikums Bonn (UKB) zeigt nun in einer umfassenden Übersichtsarbeit, dass dieses Verständnis insbesondere in der Herz-Kreislauf-Medizin noch nicht ausreichend verankert ist. Die Studie wurde im renommierten European Heart Journal veröffentlicht und basiert auf der Auswertung von über 1.000 wissenschaftlichen Publikationen und Datensätzen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache, mit einer höheren Sterbewahrscheinlichkeit als viele Krebserkrankungen. Gleichzeitig hat sich ihre Behandlung in den vergangenen Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt. Moderne Medikamente, interventionelle Verfahren, implantierbare Defibrillatoren oder mechanische Herzunterstützungssysteme ermöglichen heute eine deutlich längere Versorgung der Patientinnen und Patienten. Dennoch leiden viele Betroffene über Jahre hinweg unter einer hohen Symptomlast, wiederholten Krankenhausaufenthalten sowie komplexen und belastenden Therapieentscheidungen.

Palliativmedizin verbessert Lebensqualität

Hier setzt die Palliativmedizin an. Sie versteht sich nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zur kardiologischen Therapie. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern, Symptome wie Atemnot, Schmerzen, Erschöpfung oder Angst zu lindern und gemeinsam mit den Betroffenen tragfähige Therapieentscheidungen zu treffen. „Viele Menschen verbinden Palliativmedizin noch immer ausschließlich mit der allerletzten Lebensphase“, erklären die Erstautoren Endrit Cekaj, Frederik Sand und David H. V. Vogel. „Unsere Arbeit zeigt jedoch, dass palliativmedizinische Prinzipien bereits deutlich früher eingesetzt werden sollten, damit Patientinnen und Patienten über einen langen Zeitraum davon profitieren können.“

Ein zentrales Problem sieht die Autorengruppe im fehlenden Bewusstsein sowohl auf Seiten der Betroffenen als auch im klinischen Alltag. Während viele Menschen die Schwere und Sterblichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterschätzen, wird das Potenzial palliativmedizinischer Unterstützung in der medizinischen Praxis häufig nicht ausgeschöpft. Dabei kann eine frühzeitige Integration nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, sondern auch Ärztinnen und Ärzte entlasten, indem sie komplexe Entscheidungsprozesse strukturiert begleitet.

Im Fokus stehen interdisziplinäre Zusammenarbeit und ethische Fragen

Die Übersichtsarbeit hebt insbesondere die Bedeutung einer interdisziplinären Zusammenarbeit hervor. Gerade bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz, bei wiederholten Krankenhausaufenthalten oder bei der Entscheidung über invasive Therapien ist eine enge Abstimmung zwischen Kardiologie, Herzchirurgie, Palliativmedizin sowie psychosozialen und psychiatrischen Fachbereichen entscheidend. Neben der medizinischen Behandlung spielen auch Kommunikation, psychosoziale Unterstützung und die Einbindung von Angehörigen eine zentrale Rolle.

Zugleich werfen moderne Therapien neue ethische Fragen auf. Lebensverlängernde Maßnahmen wie implantierbare Defibrillatoren oder mechanische Unterstützungssysteme können für Patientinnen und Patienten mit erheblichen Belastungen verbunden sein. In solchen Situationen hilft palliativmedizinische Expertise dabei, zwischen lebensverlängernden Maßnahmen und der Lebensqualität der Betroffenen abzuwägen und Behandlungsziele individuell auszurichten.

Palliativmedizin wird meist zu spät eingebunden

Internationale Studien zeigen bereits, dass eine frühzeitige palliativmedizinische Begleitung zu einer besseren Symptomkontrolle, höherer Zufriedenheit von Patientinnen und Patienten und Angehörigen sowie zu weniger belastenden Krankenhausaufenthalten führen kann. Dennoch erfolgt die Einbindung palliativmedizinischer Angebote in der Kardiologie bislang häufig zu spät. „Eine moderne kardiovaskuläre Medizin muss nicht nur das Überleben verlängern, sondern auch die Lebensqualität konsequent in den Mittelpunkt stellen“, betonen die Letztautoren Prof. Lukas Radbruch, Prof. Alexandra Philipsen, und Prof. Enzo Lüsebrink. Prof. Radbruch und Prof. Philipsen sind beide Mitglied des Transdisziplinären Forschungsbereichs (TRA) „Life & Health“ der Universität Bonn. „Die frühzeitige Integration palliativmedizinischer Expertise kann Betroffenen sowie ihre Familien in schwierigen Krankheitsphasen erheblich unterstützen.“

Für die klinische Praxis empfiehlt die Autorengruppe daher eine stärkere strukturelle Verankerung palliativmedizinischer Inhalte in der Herzmedizin. Dazu gehören interdisziplinäre Versorgungsteams, gemeinsame Behandlungsmodelle sowie eine intensivere Ausbildung in Kommunikation und Symptomkontrolle. Auch in der medizinischen Ausbildung sollte Palliativmedizin stärker berücksichtigt werden.

Die Botschaft ist für den Letztautor der Studie, Prof. Lüsebrink, sowie den Direktor der Klinik für Kardiologie des UKB, Prof. Georg Nickenig, klar: Palliativmedizin sollte in der Kardiologie Standard und nicht Ausnahme sein. Denn eine zukunftsfähige Herzmedizin wird sich nicht allein daran messen lassen, wie lange Menschen leben, sondern vor allem daran, wie gut sie leben können.

Publikation: Endrit Cekaj,, Frederik Sand, David H.V. Vogel: Palliative Care in Cardiovascular Medicine; European Heart Journal; DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehag219

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Felix Heyder
Pressesprecher des Herzzentrums am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Telefon: 0228 / ‪287 11904‬
E-Mail: felix.heyder@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn:
Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 9.900 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist unter den Universitätsklinika bundesweit den zweithöchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB im vierten Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de

Prof. Dr. Dr. Enzo Lüsebrink
Kardiologe am Herzzentrum
Universitätsklinikum Bonn
E-Mail: Enzo.Luesebrink@gmx.de

Prof. Dr. Lukas Radbruch
Direktor der Klinik für Palliativmedizin
Universitätsklinikum Bonn
TRA „Life & Health“, Universität Bonn
E-Mail: Lukas.Radbruch@ukbonn.de

Prof. Dr. Alexandra Philipsen
Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Bonn
TRA „Life & Health“, Universität Bonn
E-Mail: Alexandra.Philipsen@ukbonn.de

Originalpublikation:
Endrit Cekaj,, Frederik Sand, David H.V. Vogel: Palliative Care in Cardiovascular Medicine; European Heart Journal; DOI:10.1093/eurheartj/ehag219
Weitere Informationen finden Sie unter
Publikation

Papillomavirus (HPV)

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Eine aktuelle Studie der Universität Zürich zeigt: Rund jede vierte erwachsene Person in der Schweiz ist gegen das humane Papillomavirus (HPV) geimpft. Entscheidend sind dabei neben Alter und Geschlecht vor allem Wissen, Einstellungen sowie Empfehlungen von Ärztinnen und Ärzten.

Das humane Papillomavirus (HPV) ist die weltweit häufigste sexuell übertragbare Infektion und kann verschiedene Krebserkrankungen auslösen. Eine vorbeugende HPV-Impfung ist sehr wirksam und wird in der Schweiz seit 2007 für Mädchen und junge Frauen im Alter von 11 bis 26 Jahren empfohlen – seit 2015 auch für Jungen und junge Männer. Für Frauen ist zudem eine Nachholimpfung bis zum Alter von 45 Jahren möglich.

Während die nationale Impfquote bei Jugendlichen gut dokumentiert ist und zwischen 2020 und 2022 bei 71 Prozent für Mädchen bzw. 49 Prozent für Jungen lag, gibt es bisher nur begrenzt Daten zur HPV-Impfung bei Erwachsenen sowie zu den Faktoren, die deren Impfverhalten beeinflussen. Eine landesweite Befragung des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Präventionsmedizin der Universität Zürich mit überprüften Impfdaten schliesst nun diese Lücke.

Grosse Unterschiede bei Alter und Geschlecht
Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Von den rund 3’850 befragten Erwachsenen im Alter von 18 bis 45 Jahren haben gut 27 Prozent mindestens eine Impfdosis erhalten. Während bei den 18- bis 26-Jährigen knapp 59 Prozent geimpft sind, liegt die Quote bei den 27- bis 45-Jährigen nur bei rund 16 Prozent. Auch zwischen den Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Knapp 43 Prozent der Frauen sind geimpft, aber nur rund 12 Prozent der Männer. «Die Unterschiede lassen sich auf die vergleichsweise späte Einführung der HPV-Impfung und die anfängliche Empfehlung nur für jugendliche Mädchen zurückführen. Gleichzeitig zeigen sie, wo die Impfangebote noch verbessert werden können», sagt Erstautorin Kyra Zens.

Die Befragten lassen sich zudem grob in drei Profile einteilen – je nachdem, wie gut sie über HPV informiert sind und wie sie zur Impfung stehen. In der gut informierten Gruppe sind rund 41 Prozent geimpft. In der skeptischen Gruppe sinkt die Quote auf knapp 14 Prozent, und in der Gruppe mit wenig Wissen sogar auf nur noch 8 Prozent. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Impfentscheidungen stark danach unterscheiden, was Menschen wissen und wie sie das Risiko einschätzen», hält Kyra Zens fest.»

Zu wenige Empfehlungen durch Ärzteschaft
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Gespräch in der Arztpraxis. Viele Geimpfte nennen die Empfehlung durch Ärztinnen und Ärzte als ausschlaggebend für ihre Entscheidung. Gleichzeitig geben mehr als die Hälfte der ungeimpften Personen an, dass sie keine solche Empfehlung erhalten haben.

Die Gründe für eine fehlende Impfung unterscheiden sich zwischen den Gruppen. Personen mit wenig Wissen sind oft unsicher über die Bedeutung von HPV und die Vorteile der Impfung. Gut informierte Personen verzichten hingegen häufig auf eine Impfung, weil sie davon ausgehen, nicht mehr zur empfohlenen Altersgruppe zu gehören, oder weil sie keine klare ärztliche Empfehlung erhalten haben.

Gezielte Information und Ansprache
Gleichzeitig zeigt sich ein grosses Potenzial: In der gut informierten Gruppe würden rund 60 Prozent der ungeimpften Personen eine Impfung noch in Betracht ziehen. Selbst in der Gruppe mit wenig Wissen ist etwa jede zweite Person offen dafür. «Die Ergebnisse legen nahe, dass gezielte Information und persönliche Ansprache entscheidend sind. Besonders Gespräche im medizinischen Alltag bieten eine wichtige Gelegenheit, offene Fragen zu klären und Vertrauen zu schaffen», sagt Kyra Zens.

Literatur
Kyra Zens, Nora Baer, Phung Lang. Knowledge, Attitudes, and Behaviors Toward Human Papillomavirus Vaccination Among Adults in Switzerland. Jama Network Open. 23 March 2026. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.2780

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Kyra Denise Zens, PhD, MPH

Melanie Huber


Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention
Universität Zürich
Tel. ‪+41 44 634 46 72‬
E-Mail: zens@immunology.uzh.ch

Originalpublikation:
Kyra Zens, Nora Baer, Phung Lang. Knowledge, Attitudes, and Behaviors Toward Human Papillomavirus Vaccination Among Adults in Switzerland. Jama Network Open. 23 March 2026. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.2780