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Herz-Kreislauf-Stillstände

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Herz-Kreislauf-Stillstände werden häufig mit Notfällen außerhalb des Krankenhauses in Verbindung gebracht. Doch auch innerhalb von Kliniken stellen sie eine besondere Herausforderung dar. Im Rahmen der Bad Boller Reanimations- und Notfallgespräche 2026 haben Fachleute den Blick erstmals auf diesen sensiblen Bereich gelenkt – und klares Verbesserungspotenzial erkannt.

Nach aktuellen Hochrechnungen des Deutschen Reanimationsregisters, die im Rahmen der Gespräche vorgestellt wurden, kommt es jährlich zu rund 28.000 bis 38.000 Herz-Kreislauf-Stillständen im Krankenhaus. Gemeint sind dabei vor allem Ereignisse außerhalb hochüberwachter Bereiche wie Operationssaal oder Intensivstation. Besonders häufig treten sie auf Normalstationen oder in öffentlich zugänglichen Bereichen auf – also dort, wo Patientinnen und Patienten nicht kontinuierlich überwacht werden.

Trotz schneller Erstmaßnahmen sind die Prognosen oft ungünstig: In rund 91 Prozent der Fälle wird unmittelbar mit Reanimationsmaßnahmen begonnen. Dennoch überleben nur etwa 20 Prozent der Betroffenen. Das entspricht bis zu 30.000 Todesfällen pro Jahr. Gleichzeitig zeigen die Daten deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Kliniken, etwa bei der Wiederherstellung des spontanen Kreislaufs (ROSC), die zwischen 31 und 73 Prozent variieren kann.

Ausgangssituation im Krankenhaus ist besonders

Vor diesem Hintergrund standen die Bad Boller Reanimations- und Notfallgespräche 2026 erstmals im Zeichen der innerklinischen Reanimation. Zu der jährlichen Expertenrunde laden die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI), der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e. V. (BDA) sowie das Deutsche Reanimationsregister ein. „Die Stärke der Gespräche in Bad Boll liegt darin, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Gute Lösungen entstehen nur, wenn alle Beteiligten gemeinsam auf das Problem schauen“, sagt DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx. „Aus Bad Boll sind bereits wichtige Impulse für die außerklinische Reanimationsversorgung hervorgegangen“, ergänzt Prof. Dr. Grietje Beck, Präsidentin des BDA. „Daran knüpfen wir nun auch für die innerklinische Versorgung an.“

Dabei wurde deutlich, dass die Ausgangssituation im Krankenhaus eine besondere ist: „Wir dürfen nicht vergessen, dass hier viele Patientinnen und Patienten behandelt werden, deren Gesundheitszustand bereits kritisch ist“, erklärt Prof. Dr. Matthias Fischer, der die Daten für das Reanimationsregister ausgewertet hat. „Ein Teil der Herz-Kreislauf-Stillstände lässt sich deshalb trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht vermeiden.“

Gleichzeitig sieht er in den Zahlen einen klaren Handlungsauftrag: „Sie zeigen, dass wir die innerklinische Versorgung in diesen hochkritischen Situationen weiter verbessern müssen. Genau das fordern auch die aktuellen internationalen Reanimationsleitlinien – und es lohnt sich auch für die Kliniken, denn eine frühzeitige Stabilisierung kann aufwendige Intensivbehandlungen vermeiden.“

Ziel der Bad Boller Expertenrunde war daher herauszufinden, an welchen Stellschrauben gedreht werden müsse, um vermeidbare Herz-Kreislauf-Stillstände zu verhindern – und um diejenigen, die sich nicht vermeiden lassen, möglichst optimal zu versorgen.

Flächendeckende Daten machen Versorgungsqualität vergleichbar

Dabei sind zentrale Maßnahmen längst bekannt. Frühwarnsysteme, klar strukturierte Notfallteams, regelmäßiges Training und eine systematische Datennutzung können die Versorgung nachweislich verbessern – und Herz-Kreislauf-Stillstände im Krankenhaus teilweise verhindern. Ein Blick ins Ausland zeigt das Potenzial: In Schweden werden Daten zur innerklinischen Reanimation systematisch genutzt, um flächendeckend in allen Kliniken regelmäßig Rückmeldung zu geben und Versorgungsqualität vergleichbar zu machen. In Deutschland nehmen lediglich 20 Prozent der Kliniken am Deutschen Reanimationsregister teil.

„Wir wissen heute sehr genau, an welchen Stellen wir ansetzen können und haben auch in Deutschland Kliniken, die diesen Weg schon gegangen sind und von deren Beispielen wir lernen können“, erklärt Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters. Entscheidend sei, diese Maßnahmen flächendeckend und konsequent umzusetzen.

Aus Sicht der Expertinnen und Experten gibt es mehrere Ansatzpunkte, die teilweise kurzfristig umsetzbar sind und mit denen sie sich direkt an die Kliniken wenden.

Diese sind:

• Früherkennung kritischer Zustände durch standardisierte Frühwarnsysteme (Early Warning Score Systeme), um Herz-Kreislauf-Stillstände möglichst zu vermeiden
• niedrigschwellige Alarmierungswege, etwa einheitliche Notfallrufnummern innerhalb von Kliniken (z. B. 2222, die international bekannt ist, in Deutschland aber nur vereinzelt genutzt wird)
• strukturierte Notfallteams (Medical Emergency Teams), die frühzeitig hinzugezogen werden
• regelmäßiges Training (BLS/ALS) für alle beteiligten Berufsgruppen als Grundlage für eine sichere Erstversorgung
• konsequente Nutzung von Register- und Routinedaten, um Qualität transparent zu machen und gezielt zu verbessern
• klare Festlegung und Dokumentation des Patientenwillens (Advanced Care Planning), um zu klären, ob und in welchem Umfang Reanimationsmaßnahmen gewünscht sind

„Viele dieser Maßnahmen sind bekannt und erprobt. Es geht jetzt darum, sie flächendeckend umzusetzen und stärker in den klinischen Alltag zu integrieren“, erklärt Prof. Dr. Gräsner. „Genau hier setzen wir mit der innerklinischen Resuscitation Academy Deutschland (iRAD) an“, so Gräsner, der auch Programmdirektor der iRAD ist.

Weltweit erstmals wurde ein strukturiertes Programm für Krankenhäuser entwickelt, das zentrale Maßnahmen zur Verbesserung der Reanimationsversorgung systematisch in den Klinikalltag überträgt. Auf Basis internationaler Empfehlungen unterstützt es unter dem Dach der DGAI Kliniken dabei, Strukturen, Abläufe und Trainingskonzepte gezielt weiterzuentwickeln und nachhaltig zu verankern. Zum Start im April dieses Jahres beteiligen sich zwölf Kliniken an dem zweijährigen Programm.

Lebensbedrohlichen peripartalen Herzschwäche (PPCM)

MHH-Forschende haben den Signalweg entschlüsselt, der die Fortbewegung der Mitochondrien in den Zellen während der Herzentwicklung steuert.

Unser Herz schlägt etwa ‪100.000‬-mal am Tag – und das ein Leben lang. Die Energie für diese Leistung zieht es aus den Mitochondrien. Als „Kraftwerke der Zellen“ produzieren sie 95 Prozent des Adenosintriphosphats (ATP), der wichtigsten Energiewährung im Körper. 

Sind die Mitochondrien beeinträchtigt und können nicht richtig arbeiten, fehlt den Herzmuskelzellen die Kraft, um genügend Blut, Sauerstoff und Nährstoffe in den Körper zu pumpen. Aufgrund seines hohen Energiebedarfs besitzt das Herz die höchste Mitochondriendichte aller Organe, etwa ein Drittel des Zellvolumens. Während der Herzentwicklung wandern die Mitochondrien zu den sogenannten Sarkomeren. Diese kleinsten Bauteile der Muskelzelle ermöglichen Anspannung und benötigen hierfür Energie.

Wie die Mitochondrien den Weg zu den Sarkomeren finden, haben Forschende um Privatdozent (PD) Dr. Christian Riehle, Leiter der Arbeitsgruppe Myokardiale Energetik an der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), und Klinikdirektor Prof. Dr. Johann Bauersachs jetzt herausgefunden. 

Sie haben nachgewiesen, dass die Fortbewegung der Mitochondrien innerhalb der Herzmuskelzellen durch sogenannte RHOT-Proteine gesteuert wird. 

Dieser Vorgang spielt eine Schlüsselrolle, wenn das Herz wächst und besonders belastet ist. 

Das geschieht möglicherweise ebenso beim Leistungssport, aber auch bei krankheitsbedingten Umbauvorgängen im Herzmuskel, etwa nach einem Herzinfarkt. 

Daher sind RHOT-Proteine ein vielversprechender neuer Ansatz für die Behandlung einer Herzschwäche. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Circulation Research“ veröffentlicht worden.

Ohne RHOT kann sich das Herz nicht entwickeln

Auf die Proteine ist das Wissenschaftsteam über eine bioinformatische Genanalyse gestoßen. „Wir haben gesehen, dass sehr viel RHOT1 und RHOT2 im Herzen gebildet wird“, sagt PD Dr. Riehle. Die Funktion der Proteine war im Herzen bis dahin weitestgehend unbekannt. „Ihre große Menge war für uns jedoch ein klarer Hinweis, dass sie für einen Schlüsselmechanismus verantwortlich sein müssen.“ Den biologischen Signalweg haben die Forschenden dann im Mausmodell untersucht. „Wir haben die beiden Proteine RHOT1 und RHOT2 in den Herzmuskelzellen während der Embryonalentwicklung ausgeschaltet“, erklärt Dr. Natali Froese, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe und Erstautorin der Studie. „In der Folge sind die Mitochondrien nicht zu den Sarkomeren gewandert, sondern haben sich um den Zellkern herum zusammengeklumpt.“ Weil die Mitochondrien sich nun nicht mehr mit den Muskelfaserproteinen verbinden konnten, fehlte den Sarkomeren die Energie für ihre Weiterentwicklung und es kam zu Herzschwäche mit Herzversagen.

Auch bei gesteigerter Arbeitslast wichtig

Auch in erwachsenen Mäusen schalteten die Forschenden RHOT1 und RHOT2 aus. Hier hatte der Ausfall der molekularen Schalter jedoch nicht dieselbe tödliche Auswirkung. Obwohl die Beweglichkeit der Mitochondrien ebenso eingeschränkt war, blieb die ATP-Produktion an den Sarkomeren erhalten. „Das bedeutet, dass die Mitochondrien in reifen Herzmuskelzellen bereits am Ort ihrer Bestimmung sind“, erklärt PD Dr. Riehle. Die Wanderung hin zu den Sarkomeren findet also schon während der Embryonalentwicklung statt. Die zweite Erkenntnis aus der Studie lautet: Die RHOT-Proteine spielen möglicherweise auch eine wichtige Rolle bei gesteigerter Arbeitslast des Herzens – etwa nach einem Herzinfarkt, wenn das abgestorbene Herzmuskelgewebe durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt wird und die verbleibenden Herzmuskelzellen den Ausfall ausgleichen müssen. 

„In diesem Zusammenhang stellen RHOT-Proteine einen attraktiven therapeutischen Ansatzpunkt dar“, erklärt PD Dr. Riehle. Eine Möglichkeit wäre, die Aktivität der RHOT-Proteine zu steigern, damit der Herzmuskelzelle mehr Energie zur Verfügung steht. Denkbar sei hierbei ein gentherapeutischer Ansatz.

Möglicher Therapieansatz bei PPCM

Eine höhere Belastung der Herzmuskelzellen entsteht auch während der Schwangerschaft. Der Herzmuskel vergrößert sich dann um bis zu 30 Prozent. 

Das ist völlig normal, kann aber in Ausnahmefällen zu einer lebensbedrohlichen peripartalen Herzschwäche (PPCM) führen. 

Diese Erkrankung kann bei zuvor herzgesunden Frauen wenige Wochen vor oder nach der Geburt eines Kindes auftreten und binnen kurzer Zeit zu schwerem Herzversagen und sogar zum Tode führen

 „Unsere Klinik ist das europaweit führende PPCM-Zentrum mit einer Spezialambulanz, die Patientinnen in einem multiprofessionellen Team betreut“, betont Professor Bauersachs. 

Die Erkrankung wird in der Klinik nicht nur behandelt, sondern ist auch einer ihrer Forschungsschwerpunkte. „Die RHOT-Proteine könnten auch hier einen Therapieansatz bieten, um die Herzmuskelzellen von Schwangeren zu entlasten und das Herz schützen“, hofft der Klinikdirektor.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Privatdozent Dr. Christian Riehle, 

riehle.christian@mh-hannover.de

Originalpublikation:
Die Originalarbeit „RHOT Proteins Link Mitochondrial Motility to Cardiomyocyte Sarcomere Maturation“ finden Sie unter: https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCRESAHA.125.327297