Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Hebammen und Geburtshilfen

Hebammen sichern ganz buchstäblich die Zukunft unseres Landes. 

Sie begleiten werdende Mütter und ihre Kinder während der Schwangerschaft, bei der Geburt sowie im Wochenbett und leisten damit einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur Versorgung von Familien. Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass die Zahl der Hebammen in den vergangenen Jahren in Brandenburg kontinuierlich gestiegen ist. Mit der fast abgeschlossenen Umstellung auf eine rein akademische Hebammenausbildung, mit dem Runden Tisch Hebammenhilfe und mit der Hebammenförderrichtlinie verfügt die Landesregierung aktuell über wirksame Instrumente, um auch weiterhin eine verlässliche und flächendeckende Versorgung mit Leistungen der Hebammenhilfe in allen Regionen Brandenburgs zu ermöglichen.“ 

In diesem Frühjahr haben im Land Brandenburg insgesamt 19 Absolventinnen in der fachschulischen und akademischen Hebammenausbildung erfolgreich ihre Abschluss-prüfungen absolviert. Mehr als die Hälfte der Absolventinnen wird nach ihrer Ausbildung in Brandenburg tätig sein beziehungsweise ist dies bereits – in Brandenburger Geburtskliniken, in Frauenarztpraxen oder in der freiberuflichen Niederlassung, unter anderem in Frankfurt (Oder), Cottbus, Herzberg, Potsdam und im Landkreis Spree-Neiße.


Hintergrund:

 

Seit 2023 werden Hebammen in Deutschland auf der Grundlage des Hebammengesetzes ausschließlich akademisch qualifiziert. Die Übergangsphase, in der parallel noch sowohl fachschulisch als auch akademisch ausgebildet wird, läuft in diesem Jahr in Brandenburg aus.

 

In Brandenburg bieten zwei Hochschulen duale Hebammenstudiengänge mit einer Dauer von jeweils sieben Semestern an. Im Wintersemester 2021/2022 startete der Studiengang Hebammenwissenschaften (B.Sc.) an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) am Campus in Senftenberg.  Seit dem Wintersemester 2023/2024 wird zudem an der privaten Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde (HGE) der Bachelor-Studiengang Hebamme (B.Sc.) angeboten. Die ersten Absolventinnen werden hier im Jahr 2027 ihre Abschlüsse machen.

 

2025 hatten an der BTU die ersten 13 Absolventinnen erfolgreich ihre Prüfungen abgeschlossen, in diesem Jahr waren es 14. Darüber hinaus schlossen fünf Hebammen ihre fachschulische Ausbildung an der Hebammenschule in Eberswalde ab. Dies waren – bis auf eine noch ausstehende Abschlussprüfung in diesem Herbst – die letzten fachschulischen Hebammenprüfungen in Brandenburg. Zwischen 2010 und 2026 haben damit insgesamt 183 Hebammenschülerinnen in Brandenburg ihre Ausbildung zur Hebamme an den beiden Hebammenschulen in Cottbus und Eberswalde erfolgreich abgeschlossen. Damit geht die sehr erfolgreiche und qualitativ hochwertige fachschulische Hebammenausbildung in Brandenburg zu Ende.

 

Insgesamt sind in Brandenburg derzeit rund 580 Hebammen beruflich aktiv; rund ein Viertel davon ist sowohl angestellt als auch freiberuflich tätig. Zuletzt waren laut statistischem Landesamt 2024 insgesamt 273 Hebammen in Brandenburger Geburtskliniken angestellt. Seit 2010 hat sich diese Zahl damit mehr als verdoppelt. In Brandenburg gibt es aktuell 20 Krankenhausstandorte mit einer aktiven Geburtshilfe.


Thomas Kempf Regionaldirektor Nord bei Vivantes

Seit dem 1. Mai 2026 ist Thomas Kempf Regionaldirektor Nord bei Vivantes.

Das teilte der landeseigene Berliner Krankenhauskonzern mit. Kempf führt als Geschäftsführender Direktor das Humboldt-Klinikum in Reinickendorf und das Klinikum Spandau. Der 51-Jährige folgt auf Detlev Corsepius. Corsepius hatte beide Häuser sowie die Region Nord interimsweise geleitet.
Kempf war bereits von 2002 bis 2014 für Vivantes tätig. Er arbeitete zunächst im Controlling und leitete zuletzt das Investitions- und Beteiligungscontrolling im Bereich Strategisches Finanzmanagement. „Ich freue mich sehr, nach 12 Jahren wieder zu Vivantes zurückzukehren und zur weiteren Entwicklung der Region Nord und damit des Gesamt-Unternehmens beizutragen“, sagte Kempf. „Hierbei setze ich auf eine offene, wertschätzende und konstruktive Kommunikation aller Berufsgruppen und eine klare Identifikation mit dem Unternehmen.“

Stationen im Krankenhausmanagement
Kempf ist Diplom-Kaufmann. Zuletzt arbeitete er seit Februar 2025 als Verwaltungsleiter und Prokurist am Evangelischen Herzzentrum Coswig. Parallel hatte er diese Funktion seit 2014 am Evangelischen Krankenhaus Paul Gerhardt Stift in Lutherstadt Wittenberg inne. Dort verantwortete er unter anderem Controlling, Erlösmanagement, Medizintechnik und Infrastruktur.

Seine berufliche Laufbahn begann Kempf in der Pflege. Er absolvierte eine Ausbildung zum Krankenpfleger und studierte Krankenpflegemanagement. Danach arbeitete er in der klinischen Versorgung und als Dozent, bevor er ins kaufmännische Management wechselte.

Zur Region Nord von Vivantes zählen das Humboldt-Klinikum in Reinickendorf und das Klinikum Spandau. Beide Häuser gehören zu den großen Krankenhäusern der Hauptstadt und decken ein breites medizinisches Spektrum ab.

Hilfe für Familien in Not

Über die Stiftung „Hilfe für Familien in Not - Stiftung des Landes Brandenburg“

Die Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ wurde im Jahr 1992 auf Initiative der damaligen Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt gegründet. Das Grundstockvermögen beläuft sich auf 4,6 Millionen Euro. Ziel der Stiftung ist es, eine kurzfristig entstandene finanzielle Schieflage von Familien zu überbrücken, um zum Beispiel Energieabschaltungen oder Wohnungslosigkeit zu verhindern, aber auch Kinderbekleidung zu kaufen, therapeutische Maßnahmen zu ermöglichen oder eine Ausbildung zu unterstützen. Wichtige Partner sind unter anderen die Schwangeren- und Familienberatungsstellen, über die bedürftige Familien ihre Anträge stellen.

 

Der Stiftungsrat besteht aus neun stimmberechtigten Mitgliedern. Der Vorsitzende des Stiftungsrates wird von der für Soziales und Familie zuständigen Ministerin für fünf Jahre berufen. Dem Stiftungsrat obliegt die Aufsicht und Kontrolle über die ordnungsgemäße Verwaltung der Stiftung. Der Stiftungsrat beschließt alle grundsätzlichen Angelegenheiten der Stiftung, unter anderen die Anlage des Stiftungsvermögens, die Genehmigung des jährlichen Wirtschaftsplanes und Satzungsänderungen.

 

Kontakt:

Stiftung "Hilfe für Familien in Not - Stiftung des Landes Brandenburg"                   

Anja-Christin Faber                                  

Breite Str. 7A | 14467 Potsdam                                                

Tel.: 0331 / ‪887 248 21‬

Mobil: 0160 / ‪7663901‬                                        

E-Mail: a.faber@familien-in-not.de


Klinisch relevanter Schulangst

space


Drei bis sieben Prozent der Kinder in Deutschland leiden Schätzungen zufolge an klinisch relevanter Schulangst. Tendenz steigend. Schulangst und Schulvermeidung können die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gravierend und langfristig beeinträchtigen. Gefragt sind daher frühe und niedrigschwellige Präventionsmaßnahmen. Das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT leitet das im März 2025 gestartete BMFTR-Verbundprojekt »angstVRei«, in dem ein Virtual-Reality-Spiel zur Behandlung von Schulangst entwickelt und erprobt wird.

Im Rahmen der BMFTR-Initiative »Interaktive und Gamification-basierte Technologien zur Förderung der psychischen Gesundheit im Kindesalter (GamKi)« entwickelt ein Forschungsteam im Verbundprojekt »angstVRei« ein interaktives psychotherapeutisches Spiel, das eine Expositionstherapie für Kinder mit Schulangst in einer Virtual-Reality-Umgebung kindgerecht umsetzt.

Das Virtual-Reality-Spiel (VR-Spiel) ermöglicht es den Kindern in Zusammenarbeit mit ihren Therapeutinnen und Therapeuten, angstbesetzte Schulsituationen virtuell zu erleben, verschiedene Verhaltensweisen auszuprobieren und so optimale Handlungsoptionen zu erlernen. Ein Biofeedback-System misst kontinuierlich den Stresslevel, um die Exposition anzupassen und die Therapieeffektivität zu evaluieren. Ein digitaler Avatar unterstützt die Kinder, indem er positives Feedback gibt und Mut macht.

Die Wirksamkeit der VR-Schulangsttherapie wird in einer Machbarkeitsstudie überprüft. Entwicklungsbegleitend werden zudem Akzeptanzfaktoren für diese neue Therapieform bei Schulangst untersucht.

Aufgabe des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT ist es, mithilfe KI-gestützter Methoden ein Stressmodell zu entwickeln und zu validieren. Das Modell bestimmt den während der Exposition erlebten Stress des Kindes anhand physiologischer Parameter wie Herzfrequenz, Herzratenvariabilität und Stimme sowie anhand des Spielverhaltens. Korrelieren diese Messwerte mit dem subjektiven Stressempfinden, lassen sich daraus auch Aussagen zur Wirksamkeit der individuellen VR-Therapie ableiten. Das Stressmodell wird in eine spezielle Anwendung für Therapeutinnen und Therapeuten integriert, die Patientinnen und Patienten verwaltet, erhobene Daten managt und mit dem VR-Spiel kommuniziert.

Im ersten Projektjahr wurde auf Basis klinischer Konzepte zur Expositionstherapie bei Schulangst eine VR-basierte Intervention spezifiziert und in ein VR-Spielkonzept überführt, das derzeit umgesetzt wird. Zusätzlich wurden in einer Studie während klassischer Expositionssitzungen mit Kindern, die unter Schulangst leiden, psychophysiologische Daten erhoben, die in die Entwicklung des Stressmodells einfließen.

Übertragung auf andere Angststörungen möglich

Im Fall einer erfolgreichen Pilotstudie mit dem VR-Therapiespiel sollen die gewonnenen Erkenntnisse zunächst in eine spezielle Version des »angstVRei«-Spiels zur Prävention von Schulangst einfließen, die in den App-Stores angeboten werden kann. Parallel dazu soll eine Vollversion als CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt für die therapeutische Anwendung vorbereitet werden. Auch lässt sich das Konzept des VR-Therapiespiels im Erfolgsfall leicht auf andere Angststörungen von Kindern und Jugendlichen übertragen.

Infokasten - Projektinformation

Verbundkoordinator
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, Sulzbach

Partner
Universität des Saarlandes - Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Pfeffermind Consulting GmbH, Berlin
Artificial Rome GmbH, Berlin
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät - Institut für Psychologie

Volumen
1,93 Mio. € (davon 82% Förderanteil durch BMFTR)

Laufzeit
03/‪2025 - 02‬/2028

Bekanntmachung
Interaktive und Gamification-basierte Technologien zur Förderung der psychischen Gesundheit im Kindesalter (GamKi)

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
Verbundkoordinator
Dipl.-Inform. Stephan Kiefer
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
Tel. +49 6897 9071-406
stephan.kiefer@ibmt.fraunhofer.de
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.interaktive-technologien.de/projekte/angstvrei

Urlaubsvergütung

space


Viele Beschäftigte planen derzeit ihren Urlaub und greifen dabei auf die zusätzliche Urlaubsvergütung zurück, die sie von ihrem Arbeitgeber erhalten. Wie verbreitet Urlaubsgeld und weitere freiwillige Zusatzleistungen („Fringe Benefits“) in der Metall- und Elektroindustrie aktuell sind, untersucht das ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. aktuell im Rahmen einer neuen Befragung zu Anreiz- und Vergütungssystemen. Laut Erhebung aus dem Jahr 2023 waren es rund 72 % der Unternehmen, die ihren Beschäftigten Urlaubsgeld zahlen.

Die zusätzliche Urlaubsvergütung ist ein zentraler Bestandteil vieler Vergütungssysteme und zugleich ein wichtiges Instrument für die Gewinnung und Bindung von Fach- und Führungskräften.

Sabbatical oder Workation: Auszeiten vom Job

Neben der finanziellen Komponente gewinnen Formen der Auszeit an Bedeutung. Bereits 2023 gaben Unternehmen an, ergänzend zum gesetzlichen Urlaub zusätzliche Modelle wie Sabbaticals (längere Phasen unbezahlter Freistellung) oder Workation (das Arbeiten vom Urlaubsort aus) anzubieten.

Ein Sabbatical, also ein befristeter, in der Regel unbezahlter, Sonderurlaub, wird laut der ifaa-Studie in 43 % der Unternehmen allen oder Teilen der Beschäftigten angeboten. 25 % der befragten Unternehmen ermöglichen diesen Benefit der gesamten Belegschaft. Workation als freiwillige Zusatzleistung spielt bislang noch eine untergeordnete Rolle: Während 4 % der befragten Unternehmen allen Mitarbeitenden diese Möglichkeit eröffnen, gestatten weitere 10 % dies zumindest bestimmten Beschäftigtengruppen.

Mit der aktuellen Befragung, die unter dem Link https://www.arbeitswissenschaft.net/verguetungsstudie-2026 zu finden ist, aktualisiert das ifaa seine Datenlage und analysiert, wie verbreitet Urlaubsgeld und weitere Zusatzleistungen in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie derzeit sind. Die Veröffentlichung der Studienergebnisse ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

Die Ergebnisse der letzten ifaa-Studie zu Anreiz- und Vergütungssystemen finden Sie hier: https://www.arbeitswissenschaft.net/verguetungsstudie-2023

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Christine Molketin unter c.molketin@ifaa-mail. Gerne vermitteln wir Interviews mit den verschiedenen Experten zu diesem Thema.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Andreas Heßler 

a.hessler@ifaa-mail.de

Vitamin B12

space



Strahlspaltungsansatz eröffnet neue Möglichkeiten der Untersuchung stark verdünnter Flüssigkeitsproben.

Forscherinnen und Forscher am European XFEL haben eine Methode entwickelt, um Flüssigkeitsproben zu untersuchen, die für viele gängige Experimente mit Röntgenlicht zu stark verdünnt sind. Die Methode ist äußerst sensitiv. Im ersten Experiment gelang es einer Gruppe internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich Vitamin B12 in Wasser nach der Absorption von Licht verändert. Die im Journal of the American Chemical Society veröffentlichten Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, ein viel breiteres Spektrum chemischer und biologischer Systeme zu untersuchen als bisher.

Viele wichtige Moleküle lassen sich mit Röntgenlicht nur in sehr geringen Konzentrationen untersuchen, entweder weil sie schlecht löslich sind oder weil nur geringe Mengen verfügbar sind. Das stellt eine große Herausforderung für Experimente in Flüssigkeiten dar: Das umgebende Wasser erzeugt oft ein viel stärkeres Signal als die relativ wenigen zu untersuchenden Moleküle, was die Messung extrem erschwert.

Um dieses Problem zu lösen, entwickelten Forschende am SCS-Instrument (Spectroscopy and Coherent Scattering) am European XFEL eine spezielle Vorrichtung zur Strahlteilung. Sie spaltet jeden Röntgenimpuls in drei Teile: Einer durchläuft die Probe, während die anderen beiden als Referenz dienen. Durch den Abgleich aller drei Signale kann das Team Schwankungen korrigieren und Veränderungen identifizieren, die sonst zu schwach wären, um sie zu erkennen.

„Die Normalisierung jedes einzelnen Durchgangs ist entscheidend“ sagt Benjamin Van Kuiken, Wissenschaftler am SCS-Instrument. „Das verschafft uns die nötige Empfindlichkeit, um mit verdünnten Proben zu arbeiten.“

Seit langem offene Frage beantwortet

Die Forscherinnen und Forscher wählten Vitamin B12 als anspruchsvollen Testfall. „Vitamin B12 ist eine schwierig zu untersuchende Probe“ sagt Erstautorin Nahid Ghodrati, die mittlerweile als Postdoktorandin an einem anderen European XFEL-Instrument tätig ist. „Es löst sich nur begrenzt auf, das Wasser um es herum erzeugt ein starkes Hintergrundsignal, und die Veränderungen, die wir beobachten wollen, geschehen sehr schnell.“ Die Forschenden verwendeten nur etwa 9,5 Gramm Vitamin B12 pro Liter Wasser. Selbst unter diesen Bedingungen gelang es dem Team, extrem kleine, durch Licht ausgelöste Veränderungen nachzuweisen. Eine Abweichung des gemessenen Signals von nur 0,005 % war in den Ergebnissen sichtbar. Die ultraschnellen Veränderungen wurden durch Röntgenblitze erfasst, die nur 100 Billiardstel Sekunden dauerten.

Das Experiment hat nicht nur eine neue Methode demonstriert, sondern auch dazu beigetragen, eine seit langem offene Frage bezüglich Vitamin B12 zu beantworten: Was genau geschieht im Inneren des Moleküls, nachdem es Licht absorbiert hat? Die neuen Messungen deuten darauf hin, dass sich die Hauptveränderung auf das Kobaltatom im Zentrum des Moleküls konzentriert und keine größere Verschiebung von Elektronen über die gesamte Struktur hinweg stattfindet. „Die einzigartige Fähigkeit des SCS-Instruments, verdünnte Proben zu untersuchen, verschaffte uns Einblicke in die rasante Entwicklung der elektronischen Struktur des Moleküls, die wir sonst nirgendwo erhalten hätten“, sagt James Penner-Hahn, Professor an der University of Michigan, USA.

Neue Experimente werden möglich

Dies zeigt, dass der neue Ansatz selbst über schwer zu untersuchende Proben in Lösung aussagekräftige Informationen liefern kann. Die Forschungsgruppe erwartet, dass sich dadurch das Spektrum der am European XFEL möglichen Experimente erweitern wird. „Da wir nun biologisch und chemisch wichtige Moleküle untersuchen können, die bisher in Lösung und bei niedrigen Konzentrationen schwer zu untersuchen waren, rückt eine Menge neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in greifbare Nähe“, sagt Andreas Scherz, leitender Wissenschaftler am SCS. Roseanne Sension, Professorin an der University of Michigan, fügt hinzu: „Durch den Zugang zu einer neuen Reihe biologisch und chemisch wichtiger Proben hat das SCS-Instrument das Spektrum der Proben, die wir untersuchen möchten, dramatisch erweitert.“

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildingen VOR ORT


Benjamin Van Kuiken
benjamin.van.kuiken@xfel.eu
+49-40-8998-6545

Originalpublikation:
https://pubs.acs.org/doi/10.1021/jacs.6c01860
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.xfel.eu/aktuelles/news/index_ger.html?openDirectAnchor=3015&two_columns=0

Tuberkulose

space


Unter Leitung von Forschenden der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und der University of California, San Francisco (USA), hat ein internationales Forschungsteam ein neues Verfahren zur Tuberkulose(TB)-Diagnose untersucht. Damit können TB-Bakterien unabhängig von Laboren, in kürzerer Zeit als bisher und über einen einfachen Abstrich nachgewiesen werden. Die Forschenden zeigten: Der Nachweis ist diagnostisch genau und kann auch von ungeschultem Personal durchgeführt werden. Die im New England Journal of Medicine publizierten Ergebnisse trugen maßgeblich dazu bei, dass die Weltgesundheitsorganisation den weltweiten Einsatz des Verfahrens bereits empfohlen hat.


Mit dem Verfahren können TB-Bakterien (Mycobacterium tuberculosis) über einen Zungenabstrich, direkt am Ort der Probennahme und in weniger als 35 Minuten nachgewiesen werden. Für die Diagnostik kommen zwei mobile Geräte zum Einsatz: In einem werden die Bakterien aus dem Abstrich für die weitere Analyse aufgelöst. Das zweite Gerät wertet die Probe durch Detektion von Erbgut aus und zeigt über Kontrollleuchten an, ob sie „positiv“ (enthält Bakterien-Erbgut) oder „negativ“ (enthält kein Bakterien-Erbgut) ist. Wie zuverlässig die mit dem Verfahren erzielten Ergebnisse sind und ob die einzelnen Schritte auch von ungeschultem Personal sicher durchgeführt werden können, überprüften Claudia Denkinger, Professorin für „Infektions- und Tropenmedizin“ an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Ärztliche Direktorin der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), und Dr. Seda Yerlikaya, Gruppenleiterin in der Infektions- und Tropenmedizin, gemeinsam mit internationalen Forschungspartnerinnen und -partnern.

Studiendesign und zentrale Ergebnisse

Für die aktuell im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie wurden 1.380 Personen mit Verdacht auf Lungentuberkulose in ambulanten Zentren in Indien, Nigeria, Südafrika, Uganda, Vietnam, Sambia und auf den Philippinen mit dem neuen Verfahren untersucht. Die Patientinnen und Patienten gaben sowohl aus den Atemwegen abgehustetes Sekret (Sputum) als auch Zungenabstrichproben ab. Für beide Probenvarianten ermittelten die Forschenden den Anteil der korrekt erkannten Erkrankten (Sensitivität) und den Anteil der korrekt erkannten Gesunden (Spezifität). Es zeigte sich, dass der Tuberkulose-Nachweis per Zungenabstrich vier von fünf Erkrankten korrekt identifizierte (Sensitivität von 80 Prozent) und nur bei 0,5 Prozent der Untersuchten falsch positiv ausfiel (Spezifität von 99,5 Prozent). Ähnliche Werte ergaben sich für die Untersuchung von Sputum mit dem neuen Verfahren. Insgesamt sind diese Ergebnisse vergleichbar mit denen einer Goldstandard-TB-Diagnostik, bei der abgehustetes Sekret im Labor untersucht wird. Auch in einer parallelen Studie zeigten die Forschenden: Die diagnostische Genauigkeit führt dazu, dass der neue Nachweis per Zungenabstrich vergleichbar viele Patientinnen und Patienten mit Tuberkulose identifiziert wie bisherige Sputum-basierte TB-Diagnostika.

„Wir haben gezeigt, dass das Verfahren die Ansprüche der Weltgesundheitsorganisation an Tuberkulose-Diagnostika erfüllt“, fasst die Erstautorin Dr. Yerlikaya zusammen. „Die Ergebnisse sind so überzeugend, dass die WHO den Einsatz bei Jugendlichen und Erwachsenen mit TB-typischen Symptomen bereits jetzt empfohlen hat.“ Auch die Benutzerfreundlichkeit wurde vom Forschungsteam bestätigt.

Dass für die Diagnostik ein Zungenabstrich ausreicht, vereinfache nicht nur die Probennahme, sondern vergrößere auch den Kreis der Testpersonen, so Professorin Denkinger. Denn nicht alle Patientinnen und Patienten, bei denen ein Tuberkulose-Verdacht besteht, können Sputum abgeben. Das gilt zum Beispiel für Kinder, schwer kranke und HIV-positive Personen, die ein erhöhtes Risiko für eine TB-Infektion haben. Als weitere Vorteile nennt die Infektiologin: „Die Geräte haben eine kompakte Größe, können auch von Laiinnen und Laien ohne großen Schulungsaufwand bedient werden, liefern schnell ein eindeutiges Ergebnis und laufen batteriebetrieben.“ Letzteres ist entscheidend für den Einsatz in Regionen, in denen eine kontinuierliche Stromversorgung nicht gewährleistet ist. Zudem liegen die Kosten für den Point-of-Care-Nachweis deutlich unter denen für bisherige Labortests.

Entwicklung des Verfahrens, WHO-Empfehlung und Ausblick

Professorin Denkinger und ihr Team waren bereits an der Entwicklung der neuen Methodik beteiligt – unter anderem mit technischer Expertise und begleitenden Studien. Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) der US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH), der Gates Foundation, dem US-Außenministerium (vormalig USAID) und der Europäischen Union im Rahmen der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP).

Nachdem die World Health Organization (WHO) das Verfahren als ersten „Near-Point-of-Care-Test“ für Tuberkulose empfohlen hat, wird aktuell die Pilotanwendung in verschiedenen Ländern mit hoher TB-Belastung vorbereitet. Mehrere Organisationen und Stiftungen finanzieren die Anwendung, darunter der Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria und die Children’s Investment Fund Foundation. „Damit das Diagnoseverfahren international eingesetzt werden kann, müssen nicht nur die Geräte und Materialien angeschafft werden. Die beteiligten Organisationen definieren auch Einsatzorte und Zielgruppen, informieren Interessensgruppen, schulen Personal und identifizieren ländertypische Besonderheiten“, schildert Professorin Claudia Denkinger die nun anstehenden Schritte. Von zentraler Bedeutung für den Erfolg des neuen Diagnose-Instruments sei, dass sowohl medizinische Fachkräfte als auch die untersuchten Personen Vertrauen in die neuen Testabläufe gewinnen.

Hintergrund: Die Infektionskrankheit Tuberkulose und ihre Diagnostik

Jedes Jahr sterben weltweit mehr als eine Million Menschen an Tuberkulose (TB). Allein im Jahr 2024 gab es mehr als zehn Millionen Neuerkrankungen. Die bakterielle Infektionskrankheit greift in erster Linie die Lunge an, kann aber auch andere Organe betreffen. Zu den Symptomen zählen anhaltender Husten, Fieber und Gewichtsabnahme. Tuberkulose kann mit Antibiotika behandelt werden, eine Herausforderung ist aber die Diagnostik: Bislang vorhandene Tests sind teuer, aufwendig und teilweise ungenau. In ressourcenschwachen Ländern mit hohen Infektionszahlen ist zudem der Zugang begrenzt. Häufig mangelt es an Fachpersonal, der erforderlichen Laborausstattung oder einer zuverlässigen Stromversorgung für Laborgeräte. Die Diagnostik findet in der Regel nicht am Point-of-Care statt – also dort, wo die Patientinnen und Patienten sich vorstellen. Dadurch liegt das Ergebnis zeitverzögert vor, eine gegebenenfalls erforderliche Behandlung kann nicht sofort beginnen und einige Patientinnen und Patienten werden gar nicht mehr erreicht. „Vor diesem Hintergrund setzt der TB-Nachweis per Zungenabstrich neue Maßstäbe in der TB-Diagnostik“, so Professorin Denkinger.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Julia Bird

Professorin Dr. Claudia Denkinger
Ärztliche Direktorin
Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin
Universitätsklinikum Heidelberg und Medizinische Fakultät Heidelberg
claudia.denkinger@uni-heidelberg.de

Originalpublikation:
Yerlikaya S, Masuzyo C, Adije B et al. (2026) Pulmonary Tuberculosis Detection with MiniDock MTB Using Swab Samples. New England Journal of Medicine 394(17), 1710–1722, https://doi.org/10.1056/NEJMoa2509761
Weitere Informationen finden Sie unter
Website der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am UKHD
Weitere Studie zum Verfahren in „Clinical Infectious Diseases“
„Factsheet Tuberculosis“ der Weltgesundheitsorganisation (englischsprachig)

Darm-Hirn-Achse

space


Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt erstmalig Informationen und Leitlinien für Fachkräfte, die PatientInnen mit Störungen der Darm-Hirn-Achse betreuen und fasst evidenzbasierte psychosoziale Ansätze für Erwachsene und für den pädiatrischen Bereich zusammen. Erstautorin in der neuen Ausgabe von Gastroenterology ist die Universitätsprofessorin Dr. Sigrid Elsenbruch, die sowohl an der Ruhr-Universität Bochum wie an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen im Rahmen der Sonderforschungsbereiche „Extinction Learning“ und „Treatment Expectation“ wissenschaftlich arbeitet.

Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Dyspepsie oder kurz zusammengefasst funktionelle Magendarmerkrankungen – die Liste der durch eine gestörte Darm-Hirn-Achse verursachten Beschwerden ist lang. Millionen Menschen sind betroffen. Zwischen Gehirn und Eingeweiden besteht eine direkte Verbindung, die sogenannte Darm-Hirn-Achse und. entlang dieser Achse läuft ein wichtiges Kommunikationsnetzwerk in beide Richtungen. Die Erkenntnisse über die wechselseitigen Einflüsse biologischer und psychosozialer Faktoren auf die Darmphysiologie, die Mechanismen des Gehirns sowie die belegten Erwartungseffekte haben in den vergangenen Jahren die Forschung, Diagnostik und Therapie maßgeblich beeinflusst.

Moderne ganzheitliche Versorgung

„Das neue Standardwerk bietet eine fundierte und praxisnahe Orientierung, um die komplexe Darm-Hirn-Interaktion besser zu verstehen und gezielt in die Patientenversorgung zu integrieren. Es richtet sich ausdrücklich an Klinikerinnen und Kliniker aller Fachdisziplinen und nicht nur an die Gastroenterologie“, erklärt die Psychologin Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch. Professorin für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum, Mitglied der Medizinische Fakultät am Universitätsklinikum Essen und Teilprojektleiterin in zwei Sonderforschungsbereichen. Sie gibt auch Empfehlungen für Ausbildungsprogramme von Fachkräften im Bereich der psychosozialen Versorgung bei „Disorders of Gut-Brain Interactions“ (DGBI).

„Es werden zentrale Strategien zur Diagnostik beschrieben, darunter gezielte Fragen für Patientengespräche sowie Hinweise zur Interpretation der Antworten, gefolgt von empirisch gestützten psychosozialen Behandlungsansätzen, die sowohl in integrierten als auch in eigenständigen Versorgungskontexten eingesetzt werden können“, beschreibt Prof. Elsenbruch den praktischen Nutzen der Publikation. Sie will ein integratives Krankheitsverständnis vermitteln, das für die moderne Versorgung essenziell ist und eine differenzierte, ganzheitliche Betreuung von Patientinnen und Patienten unterstützt.

Angst und Stress

Besonders hervorzuheben ist, dass psychologische und verhaltensmedizinische Perspektiven – insbesondere moderne Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie – nun auf Basis eines mechanistischen Gesamtverständnisses in dem Beitrag und dem zeitgleich erschienenen Buch zentral integriert sind. Als Erstautorin freut sich Elsenbruch die grundlagenwissenschaftliche Perspektive zur Entstehung und Modulation viszeraler Schmerzen einzubringen, mit einem Fokus auf Furcht-, Stress- und Angstprozesse sowie Lern- und Gedächtnismechanismen. Die Arbeiten in den DFG-geförderten Forschungsverbünden SFB 1280 („Extinction Learning“, Ruhr-Universität Bochum) und TRR 289 („Treatment Expectation“, Universität Duisburg-Essen) haben hierfür eine wesentliche mechanistische und konzeptionelle Grundlage geschaffen. „Dass diese Beiträge nun in einem solchen internationalen Kontext sichtbar werden, ist für mich und mein Team von besonderer Bedeutung.“

Neues Standardwerk

Der Beitrag stellt ein umfassendes, evidenzbasiertes Referenzwerk für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Störungen der Darm-Hirn-Interaktion dar und ist Teil der aktuellen Arbeiten der Rome Foundation, eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die sich der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Störungen widmet. Mit der Veröffentlichung in Gastroenterology – dem offiziellen Fachjournal der American Gastroenterological Association, einer der weltweit führenden Publikationen der Inneren Medizin, ist der internationale Stellenwert dokumentiert. Die Publikation dürfte sich als neues Standardwerk in diesem Fachgebiet etablieren.

MaAB -  Ansprechpartner:
Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch

Originalpublikation:
https://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085(26)00140-X/fulltext Originalarbeit:

Elsenbruch, Sigrid & Ballou, Sarah & Keefer, Laurie & Murphy, Tasha & Oudenhove, Lukas & Van Tilburg, Miranda & Vasant, Dipesh & Levy, Rona. (2026). Biopsychosocial Aspects of Adult and Pediatric Disorders of Gut–Brain Interaction. Gastroenterology. 170. 10.1053/j.gastro.2026.02.009.n

ChatGPT-Modelle und die Gesundheit

space


Laut einer Studie der TU Berlin neigen ChatGPT-Modelle zu übervorsichtigen Empfehlungen. Für die gezielte Steuerung von Patient*innen im Gesundheitssystem reicht das aktuell nicht aus

Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend auch für gesundheitliche Fragen genutzt. Viele Menschen verwenden Tools wie ChatGPT, um Beschwerden einzuordnen und abzuschätzen, ob sie sofort medizinische Hilfe brauchen, ärztlichen Rat einholen sollten oder zunächst abwarten können. Mit speziell für den Gesundheitsbereich positionierten Versionen wie etwa ChatGPT Health in den USA entsteht dabei leicht der Eindruck besonderer fachlicher Eignung. Wie verlässlich Empfehlungen von ChatGPT tatsächlich sind, ist bislang jedoch nur begrenzt untersucht.

In einer neuen Studie aus dem Fachgebiet Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Berlin haben Forschende deshalb analysiert, wie genau ChatGPT in verschiedenen Modellversionen gesundheitliche Beschwerden einordnet, wie sich die Leistung im Zeitverlauf verändert hat und ob identische Eingaben konsistente Empfehlungen erzeugen. Das Ergebnis: Für die digitale Ersteinschätzung und eigenständige Patientensteuerung ist ChatGPT derzeit nur eingeschränkt geeignet.

22 Modellversionen, 45 reale Fälle, 9.900 Bewertungen
„Der Hauptunterschied zu unseren früheren Studien ist die längsschnittliche Analyse. Bisher wurden nur ein oder zwei Modelle untersucht. Nun haben wir alle Modelle, die über die Zeit verfügbar waren, getestet und analysiert, wie sie sich tatsächlich verändert haben“, sagt Studienleiter Dr. Marvin Kopka. „Das war uns auch deshalb wichtig, weil es immer wieder Meldungen gibt, nach denen neue Modelle in ärztlichen Zulassungsprüfungen oder Wissenstests nahezu perfekte Ergebnisse erreichen. Daraus wird dann schnell geschlossen, dass sie auch für Patient*innen verlässliche medizinische Empfehlungen geben. Genau das stimmt aber laut unserer Studie nicht.“

Für die Studie „Evaluating the accuracy of ChatGPT model versions for giving care-seeking advice“, erschienen im Journal „Communications Medicine“, testete das Forschungsteam 22 ChatGPT-Modellversionen anhand echter Fälle von 45 Patient*innen. Darunter waren Krankheitsbilder wie „eine kurzfristige Überlastung von Sehnen/Bändern am Vortag“ oder auch „einfache Verdauungsprobleme/Durchfall seit einem Tag ohne weitere Beschwerden“. Jeder Fall wurde pro Modell zehnmal eingegeben. Insgesamt entstanden so 9.900 Einzelbewertungen. Die Modelle mussten jeweils entscheiden, ob ein Fall als Notfall, als Fall für ärztliche Abklärung oder als Fall für Selbstversorgung einzustufen ist.

Die Genauigkeit steigt kaum noch
Die Auswertung zeigt: Die Genauigkeit stieg mit den ersten Modellversionen zunächst deutlich an. Seit der dritten Modellgeneration (gpt-4) gab es jedoch nur noch geringfügige Verbesserungen. Das beste getestete Modell erreichte eine Treffergenauigkeit von 74 Prozent. Zwar empfahlen neuere Modelle häufiger überhaupt Selbstversorgung, insgesamt blieb die Leistung in diesem Bereich aber begrenzt.

Besondere Schwächen bei harmlosen Beschwerden
Besonders gut waren die getesteten Modelle darin, behandlungsbedürftige Fälle zu erkennen. Die meisten Fehler traten dagegen bei Fällen auf, in denen Selbstversorgung ausreichend gewesen wäre: 70 Prozent aller Fehler entfielen auf diese Gruppe. Kein einziger der 13 Selbstversorgungsfälle wurde von allen Modellen in allen Durchläufen korrekt gelöst.

Lediglich einzelne Modelle, etwa o4, o3 oder GPT 5, empfahlen überhaupt jemals Selbstversorgung. Bei allen anderen getesteten Modellen wurde durchgängig zur ärztlichen Abklärung geraten. Das ist problematisch, weil ein erheblicher Teil der Beschwerden tatsächlich nicht gefährlich ist, von allein wieder weggeht oder selbst behandelt werden kann.
Die Studie zeigt damit ein strukturelles Muster: Fast alle Modelle neigen dazu, Beschwerden vorsichtshalber als behandlungsbedürftiger einzustufen, als es medizinisch erforderlich wäre.

Die Forschenden bezeichnen dieses Muster als konservatives Triagierungsverhalten. „Uns haben die Ergebnisse in dieser Klarheit selbst überrascht“, so Dr. Marvin Kopka. „Denn sie zeigen explizit, dass die für Patient*innen relevanten Fragen durch neuere Modelle nicht automatisch besser beantwortet werden. Bessere Test- oder Prüfungsergebnisse bedeuten eben nicht zwangsläufig einen höheren praktischen Nutzen in der Versorgung.“

Entscheidend ist der praktische Nutzen
„Entscheidend ist aus unserer Sicht nicht nur, ob ein Modell einzelne Fälle richtig einordnet, sondern welchen praktischen Nutzen die Empfehlungen im Alltag tatsächlich haben. Wenn ein System bei sehr vielen Beschwerden vorsorglich zur medizinischen Abklärung rät, wirkt das zunächst sicher für Nutzer*innen – es bietet aber faktisch keine echte Entscheidungshilfe mehr, wenn die Empfehlung fast immer gleich ausfällt“, so Dr. Marvin Kopka.

Gleiche Eingabe, nicht immer gleiche Empfehlung
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Modelle antworten nicht durchgängig konsistent. Bei identischen Eingaben kam es je nach Modell zu teils deutlichen Schwankungen. Neuere Modelle hatten zwar seltener Fälle, die nie korrekt gelöst wurden, zugleich aber häufiger Fälle mit inkonsistenten Empfehlungen über mehrere Durchläufe hinweg. Besonders deutlich zeigte sich das bei GPT 5: Bei 42 Prozent aller Fälle waren die Empfehlungen bei mehrfacher Eingabe desselben Falls mal richtig und mal falsch – trotz exakt gleicher Eingabe.

Im Experiment zeigte sich zwar, dass sich die Genauigkeit verbessern lässt, wenn dieselbe Frage mehrfach gestellt und anschließend die niedrigste Dringlichkeitsstufe aus mehreren Antworten ausgewählt wird. Auf diese Weise stieg die Gesamtgenauigkeit im Mittel um vier Prozentpunkte, die Genauigkeit bei Selbstversorgungsfällen sogar um 14 Prozentpunkte. Die Forschenden betonen aber ausdrücklich, dass dies keine Empfehlung für Endnutzer*innen ist, weil dabei im schlimmsten Fall Notfälle übersehen werden könnten.

Relevanz für die Debatte um Primärversorgung
Die Ergebnisse sind auch gesundheitspolitisch relevant, so Kopka. In Deutschland wird intensiv über ein Primärversorgungssystem und über Formen digitaler Patientensteuerung diskutiert. Die TU-Studie legt nahe, dass allgemeine Sprachmodelle wie ChatGPT dafür derzeit kein geeignetes allein einsetzbares Instrument sind. Wenn ein System in der Praxis überwiegend zur ärztlichen Abklärung rät, entsteht kaum ein echter Steuerungseffekt – unnötige ärztliche Inanspruchnahme kann dann sogar zunehmen.

Potenzial eher in qualitätsgesicherten Anwendungen
„Das Potenzial großer Sprachmodelle sehen wir deshalb derzeit weniger in einer Nutzung im Chatfenster der Hersteller als in einer sinnvollen Integration in qualitätsgesicherten Anwendungen, also in Symptom-Checker-Apps. Dort könnten sie helfen, Informationen verständlich aufzubereiten, Empfehlungen zu erläutern und Menschen besser durch bestehende Versorgungswege zu lotsen – vorausgesetzt, die medizinische Qualitätssicherung erfolgt im Hintergrund“, so Marvin Kopka.

Einschränkungen der Studie
Die Forschenden weisen zugleich daraufhin, dass der Fokus dieser Studie auf Bevölkerungsrepräsentativität lag. Da echte Notfälle im Alltag selten sind und dementsprechend auch seltener bei der Nutzung von ChatGPT auftreten, enthielt auch der Datensatz nur wenige Notfälle und untersuchte hauptsächlich Entscheidungen für oder gegen das Aufsuchen von ärztlicher Hilfe. Die Genauigkeit bei der Erkennung von echten Notfällen sollte in weiteren Studien untersucht werden.

Studie:
Kopka, M., He, L. & Feufel, M.A., Evaluating the accuracy of ChatGPT model versions for giving care-seeking advice. Commun Medicine (2026). https://www.nature.com/articles/s43856-026-01466-0

MaAB - Medizin am Abend Berlin VOR ORT

Dr. Marvin Kopka
Fachgebiet Arbeitswissenschaft
Fakultät V – Verkehrs- und Maschinensysteme
Technische Universität Berlin
E-Mail: marvin.kopka@tu-berlin.de

Der Heilmittelbericht

space


Fachkräftemangel, Digitalisierung und verzerrte Branchendebatten

Der Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hat hohe Wellen geschlagen. Im März hatte der Spitzenverband der Heilmittelverbände eine offizielle Beschwerde gegen diesen Bericht eingelegt. Jetzt erheben auch Forscher der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) ihre Stimme gegen ein verzerrtes Bild der Branche, welches teilweise auf ungeeigneten Datengrundlagen basiere und die Realität in den Praxen nicht korrekt darstelle.


Um die wirtschaftliche Situation der Heilmittelbranche ist eine hitzige Diskussion entstanden. So argumentiert der Bericht des WIdO beispielsweise, dass sich die Einführung der Blanko-Verordnung als Kostentreiber entwickelt habe. Jene erlaubt es niedergelassenen Therapeutinnen bei gewissen Diagnosen selbst Methode und Umfang der Therapie wählen zu dürfen. Der Unterstellung einer Selbstbereicherung widerspricht Dr. Norbert Lichtenauer aufs Schärfste. Er ist Mitgestalter des THD-Bachelorstudiengangs „Ergotherapie“ und auch selbst Ergotherapeut: „Die Heilmittelbranche mit den Therapieberufen der Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Podologie und Ernährungsberatung macht gerade mal fünf Prozent der Kosten im Gesundheitssystem aus. Dafür bietet sie ihren Patienten eine individuelle und persönlich zugeschnittene Hilfestellung im Alltag. Hier wird zugehört und auf die Problemlagen der Menschen spezifisch eingegangen.“ Die Argumentation des WIdO vergesse außerdem die Zunahme an Behandlungsfällen durch chronische Erkrankungen einer immer älter werdenden Bevölkerung mit immer mehr Diagnosen. „Gleiches gilt für die Zunahme an psychischen Beeinträchtigungen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen nach der Corona-Pandemie“, ergänzt Lichtenauer.

Ohne Frage spielen Ergotherapeutinnen eine zentrale Rolle in der Versorgung von Menschen in jedem Lebensalter, etwa bei der Rehabilitation nach Unfällen oder bei chronischen Erkrankungen. Gleichzeitig verschärft sich seit Jahren der Fachkräftemangel in den Heilberufen und die Wartezeiten für eine Therapie bei niedergelassenen Praxen und Einrichtungen erhöhen sich dramatisch. „Eine unbehandelte Diagnose, beispielsweise im Bereich der Feinmotorik von Kindern beim Erlernen des Schreibens, kann neue Probleme mit sich bringen. Im schlimmsten Fall führen die Herausforderungen des Kindes beim Erlernen von Buchstaben und Zahlen zu einer Frustration und genereller Schulunlust“, berichtet der erfahrene Ergotherapeut Lichtenauer. Dies könne am Ende das gesamte Lernen in der Schule und den weiteren Bildungsweg des Kindes betreffen.

Um dieser Relevanz gerecht zu werden, habe die THD im Wintersemester 2025/26 den Bachelor Ergotherapie gestartet. „Wie bei der Pflege auch, ist das ist unsere Antwort auf den wachsenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften und auf die umfassenden digitalen Veränderungen im Gesundheitswesen“, sagt Studiengangsleiter Prof. Dr. Patrick Ristau. Man wisse an der Hochschule natürlich um die Brisanz, falle doch der Start dieses ersten studiengebühren-freien Bachelors der Ergotherapie an einer staatlichen bayerischen Hochschule in eben jene Phase sehr emotional geführter Diskussionen um die wirtschaftliche Situation der gesamten Heilmittelbranche.

Aber vor diesem Hintergrund gewinne die akademische Ausbildung sogar noch mehr an Bedeutung. „Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die nicht nur praktisch arbeiten, sondern auch die strukturellen Herausforderungen im Gesundheitswesen verstehen und interdisziplinär denken“, so Ristau. An der THD würden daher neben praktischen Kompetenzen auch wissenschaftliche, interdisziplinäre und gesundheitsökonomische Inhalte vermittelt. Ein besonderer Fokus liege auf der evidenzbasierten Praxis. „Es kann nicht sein, dass Deutschland das einzige Land in Europa ist, das standardmäßig noch keine akademische Ausbildung in der Ergotherapie anbietet“ postuliert Lichtenauer und Ristau ergänzt: „Die Zukunft der Heilmittelberufe liegt in qualifizierter Ausbildung, fundierter Datenbasis – und einer differenzierten Betrachtung der tatsächlichen Herausforderungen der Branche.“

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Dr. Jörg Kunz

Prof. Dr. Patrick Ristau
Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften
Technische Hochschule Deggendorf
patrick.ristau@th-deg.de

Dr. Norbert Lichtenauer
Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften
Technische Hochschule Deggendorf
norbert.lichtenauer@th-deg.de