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Therapie von Rückenschmerzen

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Internationale Studie zeigt Grenzen konservativer Behandlungen auf.

Eine großangelegte Analyse eines internationalen Forscherteams geführt von der Hochschule Bochum zeigt: Nicht-operative Behandlungen wie Massagen, Bewegungstherapie oder Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen können Beschwerden zwar lindern – allerdings meist nur für wenige Wochen. Langfristig bleiben für Patient*innen relevante Verbesserungen aus.
Die Studie wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Belavy (Hochschule Bochum) gemeinsam mit Partnern unter anderem aus Australien, Großbritannien und China durchgeführt und am 30. Juni 2026 im Fachjournal BMJ Medicine veröffentlicht.
Kurzfristige Effekte – aber keine nachhaltige Wirkung
Die Forschenden werteten Daten aus 551 randomisierten Studien mit über 71.000 Patientinnen und Patienten aus. Untersucht wurden zahlreiche konservative Therapien, darunter Bewegungstraining, manuelle Therapie, Akupunktur, psychologische Ansätze und medikamentöse Behandlungen.
Das zentrale Ergebnis: Viele dieser Behandlungen führen zu einer spürbaren Verbesserung von Schmerzen und Funktion – allerdings vor allem kurzfristig, in einem Zeitraum von etwa 10 bis 12 Wochen. „Wir sehen, dass verschiedene Therapieformen durchaus wirken – aber dieser Effekt hält in der Regel nicht lange an“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Daniel Belavy, Professor für Physiotherapie an der Hochschule Bochum. Nach etwa einem Jahr zeigten sich keine klinisch relevanten Vorteile mehr, auch wenn einzelne Effekte statistisch noch nachweisbar waren.
Aktiv oder passiv? Unterschied geringer als gedacht
Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Aktive Therapien wie beispielsweise Bewegungstherapie und passive Behandlungen wie manuelle Therapie oder Massage sind in ihrer Wirkung ähnlich. Das widerspricht teilweise verbreiteten Annahmen in der Versorgung. „Wir müssen weg von der Vorstellung, dass eine einzelne Behandlung das Problem löst“, sagt Belavy. „Stattdessen brauchen wir im deutschen Gesundheitssystem Strategien, die Menschen dazu befähigen, ihre Schmerzen langfristig selbst zu bewältigen.“
„Rückenschmerzen haben meist nicht nur eine Ursache, sondern mehrere, weiß der Rückenschmerzexperte. Das müsse bei der Behandlung stärker berücksichtigt werden, so Belavy. „Wir wissen aus anderer Forschung, dass nur etwa ein Drittel des Behandlungserfolgs auf die eigentliche Behandlung selbst zurückzuführen ist. Aus diesem Grund brauchen wir Ansätze, die Patient*innen mit anhaltenden Rückenschmerzen dabei helfen, sich selbst besser zu helfen – zum Beispiel durch Gesundheitscoaching.“
Solche Strategien umfassen unter anderem Selbstmanagement, Lebensstil- und Verhaltensänderungen sowie eine kontinuierliche Begleitung statt kurzfristiger Therapiezyklen. „Das deutsche Gesundheitssystem unterstützt solche Ansätze bisher noch nicht ausreichend“, so Belavy. „Erste Ergebnisse dazu sind vielversprechend, aber es braucht noch mehr Forschung.“
Herausforderungen der bestehenden Studien
Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Die untersuchten Studien zeigten deutliche Unterschiede in der Durchführung der einzelnen Behandlungsformen und wie sehr Patient*innen davon profitierten. „Dies spiegelt jedoch auch die Realität im Klinikalltag wider. Behandlungen variieren in der Praxis - und auch der Nutzen, den Patienten mit Rückenschmerzen daraus ziehen,“ kommentierte Prof. Belavy. Zukünftige Studien sollten stärker auf langfristige Wirksamkeit, Selbstmanagement, Patientenbeteiligung und Lebensstilveränderungen ausgerichtet sein, so die Forschenden.

Betroffene gesucht
Begleitend zur aktuellen Forschung untersucht die Hochschule Bochum in einer randomisierten Pilotstudie, wie viel Bewegungstraining tatsächlich notwendig ist, um chronische unspezifische Rückenschmerzen wirksam zu lindern. Für die laufende Studie werden aktuell noch Patient*innen mit chronischen Rückenschmerzen gesucht. Interessierte können durch ihre Teilnahme dazu beitragen, zukünftige Therapieangebote gezielter, individueller und wirksamer zu gestalten. Im Rahmen der Studie absolvieren die Teilnehmenden ein sechs­wöchiges betreutes Bewegungstraining.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Prof. Dr. Daniel Belavy daniel.belavy@hs-bochum.de, Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften

Originalpublikation:
https://bmjmedicine.bmj.com/content/5/1/e001908

Blutstrominfektion

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Internationale SNAP-Studie vergleicht erstmals gängige Medikamente direkt und liefert wichtige Erkenntnisse für neue Standardtherapie bei lebensbedrohlichen Blutstrominfektionen durch Staphylokokken.

Eine internationale Studie mit Beteiligung der Universitätsmedizin Magdeburg zeigt: Die Antibiotika Cefazolin und Penicillin wirken bei schweren Blutstrominfektionen durch das Bakterium Staphylococcus aureus genauso gut wie das bisher gängige Standardpräparat Flucloxacillin – verursachen aber deutlich seltener schwere Nebenwirkungen. Die Ergebnisse wurden in den führenden medizinischen Fachjournalen New England Journal of Medicine und The Lancet veröffentlicht. In Deutschland ist die Universitätsmedizin Magdeburg der Koordinator für 19 deutsche Studienzentren innerhalb der SNAP-Studie (Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform Studie) – die weltweit bislang größte Studie dieser Art.

Staphylococcus aureus (S. aureus) zählt zu den gefährlichsten bakteriellen Krankheitserregern. Gelangt es in die Blutbahn, entstehen schwere Infektionen, die weltweit jährlich etwa ‪300.000‬ Todesfälle verursachen. Auch in Deutschland sterben – trotz bestmöglicher Versorgung – jährlich ca. 3.300 Patientinnen und Patienten an den Folgen einer solchen Infektion.

1.341 Patientinnen und Patienten in acht Ländern

Bei der Untersuchung von Cefazolin wurden 1.341 Patientinnen und Patienten aus acht Ländern per Zufallsprinzip zwei Behandlungsgruppen zugewiesen: Die eine erhielt Cefazolin, die andere Flucloxacillin. Diese zufällige Zuteilung ist wichtig, damit die Ergebnisse vergleichbar sind.

Das Ergebnis nach 90 Tagen: In der Cefazolin-Gruppe verstarben 15 Prozent der Patientinnen und Patienten, in der Flucloxacillin-Gruppe 17 Prozent. Damit zeigte sich kein Nachteil für Cefazolin in der Wirksamkeit. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich jedoch bei den Nebenwirkungen. Unter der Behandlung mit Cefazolin traten deutlich weniger Fälle von akutem Nierenversagen als unter Flucloxacillin auf. Dabei handelt es sich um eine schwere Komplikation, bei der die Nieren plötzlich ihre Funktion verlieren und das Blut nicht mehr ausreichend reinigen können.

Bei Penicillin-empfindlichen Erregern wurde in einer zweiten Studie Penicillin gegeben und ebenfalls mit Flucloxacillin verglichen. Auch hier gab es weniger Nierenversagen als bei Flucloxacillin und daher wurde die Studie frühzeitig beendet.

Ein Meilenstein für die Infektionsmedizin

Bislang fehlten belastbare Vergleichsstudien zu diesen seit Jahrzehnten verwendeten Antibiotika. In Deutschland wird bisher meist Flucloxacillin verwendet, während in anderen Ländern wie den USA häufiger Cefazolin eingesetzt wird. Penicillin wird seltener verwendet. Die SNAP-Studie schließt diese Wissenslücke.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere Cefazolin für die Patientinnen und Patienten mindestens genauso wirksam wie Flucloxacillin, aber besser verträglich ist“, sagt Studienärztin Jana Butzmann von der Universitätsmedizin Magdeburg.

Prof. Achim Kaasch, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Leiter der SNAP-Studie in Deutschland und Mitglied im globalen Lenkungsausschuss, ergänzt: „Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Meilenstein. Sie werden dazu führen, dass Cefazolin die neue Standardbehandlung für die meisten Erwachsenen mit dieser Infektion wird. Die SNAP-Studie ist auch in puncto globaler Zusammenarbeit richtungsweisend, da Studien dieser Größenordnung bei Blutstrominfektionen bislang nicht durchgeführt wurden.“

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Armin Willingmann betont: „Die exzellente globale Zusammenarbeit zum Wohle von Patientinnen und Patienten ist bemerkenswert. Wir sind stolz darauf, dass die Universitätsmedizin Magdeburg an dieser richtungsweisenden Studie maßgeblich mitwirkt und wir sie dabei unterstützen können. Hier zeigt sich, wie wichtig Internationalität und Vernetzung für die medizinische Forschung sind: Sachsen-Anhalt setzt jedenfalls weiterhin darauf – im Interesse der Menschen und der Wissenschaft!“

Große Studie mit vielen Beteiligten

Diese Ergebnisse sind die ersten wichtigen Erkenntnisse der laufenden SNAP-Studie. Das Ziel der Studie ist es, die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit S. aureus-Infektionen weltweit zu verbessern. Da es sich um eine sogenannte „Plattform“-Studie handelt, ist es möglich, verschiedene Behandlungen gleichzeitig zu untersuchen. Bislang nahmen insgesamt mehr als 6.000 Patientinnen und Patienten an der Studie teil. Sie wird in mehr als 150 Krankenhäusern in Australien, Deutschland, Frankreich, Israel, Kanada, den Niederlanden, Neuseeland, Singapur, Südafrika, Schweden, Spanien und dem Vereinigten Königreich durchgeführt.

Initiiert wurde die Studie von Forscherinnen und Forschern der University of Melbourne und der University of Newcastle (Australien). Die europäische Koordination übernimmt das Universitair Medisch Centrum Utrecht und Ecraid. International wird die Studie durch eine Vielzahl von nationalen Institutionen unterstützt. Mehr Informationen unter www.snap.com.au

In Deutschland wird die SNAP-Studie durch das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt sowie durch das Netzwerk Universitätsmedizin (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) gefördert.

Originalpublikationen:

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Cefazolin for Methicillin-Susceptible Staphylococcus aureus bacteremia. The New England Journal of Medicine (NEJM) (2026). DOI: http://doi.org/10.1056/NEJMoa2506905

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Benzylpenicillin versus flucloxacillin or cloxacillin for the treatment of penicillin-susceptible Staphylococcus aureus bacteraemia (SNAP): an international, multicentre, open-label, non-inferiority randomised controlled trial. The Lancet 2026. DOI: http://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00761-0

MaAB - Medizin am Abend Berlin VOR ORT

Prof. Dr. Achim Kaasch, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391-67-13392, E-Mail: achim.kaasch@med.ovgu.de

Originalpublikation:
The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Cefazolin for Methicillin-Susceptible Staphylococcus aureus bacteremia. The New England Journal of Medicine (NEJM) (2026). DOI: http://doi.org/10.1056/NEJMoa2506905

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Benzylpenicillin versus flucloxacillin or cloxacillin for the treatment of penicillin-susceptible Staphylococcus aureus bacteraemia (SNAP): an international, multicentre, open-label, non-inferiority randomised controlled trial. The Lancet 2026. DOI: http://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00761-0

Hilfe für Familien in Not

Über die Stiftung „Hilfe für Familien in Not - Stiftung des Landes Brandenburg“

Die Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ wurde im Jahr 1992 auf Initiative der damaligen Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt gegründet. Das Grundstockvermögen beläuft sich auf 4,6 Millionen Euro. Ziel der Stiftung ist es, eine kurzfristig entstandene finanzielle Schieflage von Familien zu überbrücken, um zum Beispiel Energieabschaltungen oder Wohnungslosigkeit zu verhindern, aber auch Kinderbekleidung zu kaufen, therapeutische Maßnahmen zu ermöglichen oder eine Ausbildung zu unterstützen. Wichtige Partner sind unter anderen die Schwangeren- und Familienberatungsstellen, über die bedürftige Familien ihre Anträge stellen.

 

Der Stiftungsrat besteht aus neun stimmberechtigten Mitgliedern. Der Vorsitzende des Stiftungsrates wird von der für Soziales und Familie zuständigen Ministerin für fünf Jahre berufen. Dem Stiftungsrat obliegt die Aufsicht und Kontrolle über die ordnungsgemäße Verwaltung der Stiftung. Der Stiftungsrat beschließt alle grundsätzlichen Angelegenheiten der Stiftung, unter anderen die Anlage des Stiftungsvermögens, die Genehmigung des jährlichen Wirtschaftsplanes und Satzungsänderungen.

 

Kontakt:

Stiftung "Hilfe für Familien in Not - Stiftung des Landes Brandenburg"                   

Anja-Christin Faber                                  

Breite Str. 7A | 14467 Potsdam                                                

Tel.: 0331 / ‪887 248 21‬

Mobil: 0160 / ‪7663901‬                                        

E-Mail: a.faber@familien-in-not.de