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DHZC-OA PD Dr. med. Felix Hohendanner: Catecholaminergen Polymorphen Ventrikuläre Tachykardie (CPVT)“ ist eine Funktionsstörung des Herzmuskels

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Der Herzmuskel im Reagenzglas: 

Bestmögliche Therapie gegen neue Formen der CPVT

Kardiologe Felix Hohendanner ermittelt mit künstlich erzeugten Zellen die individuell bestmögliche Therapie gegen neue Formen der „CPVT“: ­

einer tückischen Krankheit, die bei jungen Menschen oft für den plötzlichen Herztod verantwortlich ist.

Das Forschungsteam hat es sich zum Ziel gesetzt, Patient:innen mit gefährlichen Mutationen in Herzmuskelzellen die damit verbundenen Belastungen und Risiken künftig ersparen zu können – mit der Möglichkeit zum Test individualisierter Therapien im Reagenzglas. 

Das Projekt basiert auf „induzierten pluripotenten Stammzellen“. 

Dr. Felix Rohendanner und Romy Grundwald.

 

Dr. Felix Rohendanner und Romy Grundwald. DHCZ / Christian Maier

http://www.atelier-bunterkunt.de/node/2

https://www.ikdt.de/de/willkommen/

In drei Stunden und 15 Minuten will Romy Grunwald den Berlin-Marathon im Jahr 2017 laufen – eine nicht unrealistische Zeit. Denn die damals 50-Jährige ist ehemalige Leistungssportlerin, passionierte Langstreckenläuferin ­– und ein Mensch, der sich ambitionierte Ziele im Leben nicht nur setzt, sondern sie dann auch konsequent verfolgt.

Doch Romy Grunwalds Lauf endet an diesem 24. September bei Kilometer 37 – und fast auch ihr Leben. Die Mutter von vier Kindern strauchelt und bricht bewusstlos zusammen. Sie wird sofort ins Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand ist kritisch.

Romy Grunwald erfährt schließlich, dass sie an einer speziellen Form einer ebenso seltenen wie tückischen Krankheit leidet: 

  • „Catecholaminergen Polymorphen Ventrikuläre Tachykardie (CPVT)“ ist eine Funktionsstörung des Herzmuskels, die jahrelang symptomlos verlaufen, unbehandelt aber bei körperlicher Anstrengung zu unvermittelten, schwersten Rhythmusstörungen in den Herzkammern führen kann – und damit zum plötzlichen Herztod, meist noch vor dem 30. Lebensjahr.

Patient:innen mit diagnostizierter CPVT muss als Schutz vor erneutem Kammerflimmern ein Defibrillator implantiert werden, außerdem kann die Erkrankung medikamentös behandelt werden.  

Doch trotz ähnlicher Symptome und Auswirkungen können der CPVT unterschiedliche, auch bisher unbekannte genetische Mutationen zugrunde liegen – und damit gleichsam unterschiedliche „Mechanismen“ der Krankheit in den Herzmuskelzellen.

Die Auswahl des besten Wirkstoffs und dessen optimale Dosierung sind für die behandelnden Ärzt:innen insbesondere dann schwierig, wenn noch unbekannte Mutationen im Erbgut der Herzmuskelzellen als Ursache der Krankheit vorliegen, so wie auch bei Romy Grunwald. Die medikamentöse Therapie folgt damit weitgehend dem „Trial and Error Prinzip“: Medikamente und Dosierungen müssen nacheinander ausprobiert werden.

Ein Forschungsteam um den Kardiologen PD Dr. med. Felix Hohendanner des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) hat es sich zum Ziel gesetzt, Patient:innen mit gefährlichen Mutationen in Herzmuskelzellen die damit verbundenen Belastungen und Risiken künftig ersparen zu können – mit der Möglichkeit zum Test individualisierter Therapien im Reagenzglas.

Das Projekt – vom Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. (DZHK) mit 75.000 Euro gefördert – basiert auf „induzierten pluripotenten Stammzellen“: 

„Normale“ Hautzellen, die unkompliziert entnommen und mit Hilfe der Gentechnik in Stammzellen „rückverwandelt“ werden – also in Zellen, die sich zu nahezu jeder Art von Körperzelle entwickeln können.

Aus diesen Stammzellen können die Wissenschaftler:innen dann Herzmuskelzellen mit dem individuellen Gen-Profil der jeweiligen Patientin bzw. dem jeweiligen Patienten entwickeln – und damit auch mit den exakten für die CPVT verantwortlichen Mutationen.

Damit lassen sich unterschiedliche Wirkstoffe, deren Dosierung und Kombination wiederholt und ohne Risiko im Labor testen, auch Medikamente im Erprobungsstadium.

Das Verfahren – insbesondere die Gewinnung der induzierten pluripotenten Stammzellen – ist sehr aufwändig, erläutert Felix Hohendanner, und daher bisher auf wenige Patient:innen mit neuartigen Mutationen beschränkt.

DHZC-Oberarzt Felix Hohendanner sieht aber durchaus breitere Perspektiven für das Verfahren und damit auch die Notwendigkeit weiterer intensiver Forschung: Denn grundsätzlich könne es perspektivisch bei jeder Art von genetisch bedingter Herzmuskelerkrankung angewendet werden.

Für Romy Grunwald konnte das individuell optimale Medikament bestimmt werden – neben klinischen Aspekten spielten die Ergebnisse „aus dem Reagenzglas“ für das Team der Rhythmologie am DHZC hierbei ebenfalls eine Rolle. 

Von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen blieb sie seitdem verschont.

Die studierte Juristin und frühere Anwältin hat 2005 ihren Lebenstraum wahr gemacht und ein eigenes Atelier mit Kunst-Kursen für alle Altersgruppen eröffnet. 

Trotz aller Hindernisse und entgegen vieler Prognosen hatte und hat sie damit Erfolg.

Auch wenn es mit Marathonläufen für sie seit 2017 vorbei ist: Romy Grunwald hat ihr aktives Leben längst wieder aufgenommen. 

Im klaren Bewusstsein der Diagnose und der damit verbundenen Einschränkungen, aber auch im Vertrauen auf ein gutes Behandlungsteam – und mit jeder Menge Lebensfreude. 

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Prof. Ingo Eitel: Implantierter Defibrillator -

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Unnötige Eingriffe vermeiden – neue DZHK-Studie 

Untersucht, wem ein implantierter Defibrillator wirklich nutzt

Zum Schutz vor dem plötzlichen Herztod bekommen zurzeit alle Patienten mit einer schweren Herzschwäche, bei der die Pumpleistung des Herzens hochgradig eingeschränkt ist, einen Defibrillator implantiert. 

  • Doch der Eingriff ist riskant und häufig unnötig. 

Jährlich löst das Gerät nur bei rund fünf Prozent der Patienten einen lebensrettenden elektrischen Schock aus. 

Eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) überprüft nun, ob Ärzte mithilfe einer Magnetresonanztomographie des Herzens schon vor dem Eingriff besser beantworten können, welche Herzschwäche-Patienten von einem implantierten Defibrillator profitieren. 

 Prof. Ingo Eitel leitet eine DZHK-Studie, die untersucht, welche Herzschwäche-Patienten von einem Defibrillator profitieren.

 Prof. Ingo Eitel leitet eine DZHK-Studie, die untersucht, welche Herzschwäche-Patienten von einem Defibrillator profitieren. Foto: privat

Je schwächer das Herz, umso häufiger treten lebensbedrohliche Rhythmusstörungen auf. 

Ein Defibrillator erkennt den unregelmäßigen Takt und feuert elektrische Signale ab, die das Herz wieder geordnet schlagen lassen. 

  • Neue Studien zeigen, dass Patienten mit einer bestimmten Form der Herzschwäche, der nicht-ischämischen dilatativen Kardiomyopathie (NIDCM), mit einem implantierten Defi keinen Überlebensvorteil haben, obwohl die Pumpleistung des Herzens stark eingeschränkt ist

„Vielen Patienten profitieren von den verbesserten Medikamenten“, sagt Professor Ingo Eitel, Direktor des Universitären Herzzentrums Lübeck und Leiter der DZHK-Studie CMR-ICD-DZHK22. 

  • Das gilt jedoch nicht für alle, denn innerhalb von fünf Jahren sterben ca. 30 Prozent von ihnen an einem durch bösartige Rhythmusstörungen ausgelösten plötzlichen Herztod.

Erhöhtes Risiko bei vernarbten Herzen

Mit der neuen DZHK-Studie wollen die Forscher deshalb herausfinden, ob ein vernarbtes Herz bei NIDCM-Patienten ein zusätzliches Kriterium sein könnte, mit dem die Ärzte erkennen können, wer einen Defi benötigt.  

Denn die gefährlichen Herzrhythmusstörungen treten besonders dann auf, wenn der Herzmuskel vernarbt ist

Solche auch Fibrose genannten Vernarbungen, kann man heute mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) feststellen. 

In der Studie untersuchen die Ärzte alle Patienten mit einer nicht-ischämischen dilatativen Kardiomyopathie und einer dauerhaft stark reduzierten Pumpleistung mit dem MRT. 

Patienten mit einem vernarbten Herzen werden dann in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhält einen Defibrillator, die andere nicht. Parallel werden die Studienteilnehmer gemäß den aktuellen Leitlinien zur Herzschwäche-Therapie optimal versorgt. 760 Patienten sollen an der fünfjährigen Studie teilnehmen, die an bis zu 60 Zentren in Deutschland geplant ist.

Fehlschocks können zu Depressionen führen

„Beim implantierten Defibrillator zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine auf den einzelnen Patienten abgestimmte Therapie bei Herzschwäche ist. 

Denn diese Erkrankung hat viele Ursachen und wirkt sich dementsprechend unterschiedlich aus“, so Eitel. 

Sollte sich die Hypothese der DZHK-Wissenschaftler bestätigen, könnten unnötige Defi-Implantationen bei NIDCM-Patienten zukünftig vermieden werden und damit auch unnötige Risiken: 

„Ein großes Problem sind Fehlschocks, bei denen der Defibrillator ohne Grund auslöst. 

Sie sind psychisch sehr belastend und können den Patienten traumatisieren, sodass Angststörungen und Depressionen entstehen“, sagt Eitel. 

Außerdem können Komplikationen auftreten, wenn das Gerät implantiert wird oder die Batterien ausgetauscht werden müssen.“

Positive Ergebnisse der Studie würden auch die Behandlungs-Leitlinien für diese Form der Herzschwäche verändern.

Studientitel: Cardiac Magnetic Resonance guidance of Implantable Cardioverter Defibrillator implantation in non-ischaemic dilated cardiomyopathy (CMR-ICD-DZHK23)

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Studienkoordinator: Prof. Ingo Eitel, Direktor, Medizinische Klinik II (Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin), Universitäres Herzzentrum Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, Ingo.Eitel(at)uksh.de

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Christine Vollgraf
Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de

Sarah Mempel
Telefon: 030 3465 529-18
E-Mail-Adresse: sarah.mempel@dzhk.de

 

 

CAVE-Untersucher: Schmerzen in der Brust: Nicht invasive Computertomographie (CT)

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Manchmal geht’s auch ohne invasiven Eingriff

  • Wann eine CT statt eines Herzkatheters zur Diagnose aussagekräftig ist

Klagt ein Patient über Schmerzen in der Brust, wird meist mithilfe eines Katheters überprüft, ob sein Herz noch ausreichend durchblutet ist. 


Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben jetzt festgestellt: 
  • In bestimmten Fällen kann eine nicht invasive Computertomographie (CT) eine ebenso verlässliche Diagnose liefern wie eine Herzkatheter-Untersuchung – ganz ohne Eingriff in den Körper. 

Die Studie ist in der Fachzeitschrift The BMJ* erschienen. 

Die Herz-CT ist nicht invasiv und schmerzfrei.
Die Herz-CT ist nicht invasiv und schmerzfrei. Foto: Dewey/Charité
 
Ein drückender Schmerz in der Brust oder ein Gefühl der Beklemmung: 

  • Diese Symptome können auf eine koronare Herzkrankheit (KHK) hinweisen, bei der der Herzmuskel durch Verengungen der Herzkranzgefäße schlecht durchblutet wird. 

Im schlimmsten Fall kann es dadurch zu einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt oder einem plötzlichen Herztod kommen – daher muss die Diagnose so schnell wie möglich gestellt werden.

Bisher werden Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf KHK häufig mithilfe eines Katheters untersucht, der über einen kleinen Schnitt in der Leiste oder am Arm in das Herz vorgeschoben wird.

Der Vorteil der Methode ist, dass sie Diagnostik und Therapie vereint:

Mit einem Herzkatheter lassen sich mögliche Verengungen der Blutgefäße sofort beheben.

Dennoch ist der Eingriff nicht ohne Risiko und in 58 Prozent der 880.000 Untersuchungen pro Jahr in Deutschland muss kein Gefäß aufgeweitet werden. 

Ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung der Charité konnte jetzt belegen:

  • Bei bestimmten Patientinnen und Patienten liefert die CT, ein nicht invasives bildgebendes Verfahren, eine ebenso verlässliche Diagnose.

Für die Arbeit kooperierten Forschungsgruppen aus 22 Ländern, um die Daten von 65 abgeschlossenen Studien mit mehr als 5.300 Patientinnen und Patienten zu analysieren.

  • Die statistische Auswertung ergab, dass sich die Herz-CT dann als Diagnosemethode eignet, wenn die Betroffenen eine geringe bis mittlere Wahrscheinlichkeit haben, an einer KHK zu leiden. 

„Die KHK-Wahrscheinlichkeit können Mediziner anhand von individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht und der Art des Brustschmerzes bestimmen“, sagt Prof. Dr. Marc Dewey, Stellvertretender Direktor der Klinik für Radiologie am Campus Charité Mitte und Leiter der Studie.

„Liegt diese Wahrscheinlichkeit bei 7 bis 67 Prozent, lässt sich mithilfe der CT zuverlässig ermitteln, ob Gefäßverengungen vorliegen oder nicht. 

  • Bei höheren Wahrscheinlichkeiten ist eine Herzkatheter-Untersuchung angezeigt, weil voraussichtlich therapeutisch eingegriffen werden muss.“

„Die Computertomographie des Herzens ist eine sehr schonende Methode, die nur wenige Minuten dauert“, betont Robert Haase, Erstautor der Studie und Doktorand in der Arbeitsgruppe um Prof. Dewey.

Dabei nimmt ein ringförmiger Röntgenapparat 1.000 Aufnahmen pro Sekunde aus unterschiedlichen Richtungen auf. 

Aus den Röntgenbildern wird anschließend eine dreidimensionale Abbildung des Herzens errechnet.

Durch die Gabe eines Kontrastmittels werden die Herzkranzgefäße klar sichtbar. 

„Wie unsere Arbeit zeigt, lassen sich Engstellen bei Frauen und Männern mit dieser Methode gut erkennen“, ergänzt er.


ei der Herz-CT werden tausende Röntgenaufnahmen des Herzens zu einer 3D-Abbildung verrechnet. So werden Engstellen (Pfeil) an Blutgefäßen (grau) sichtbar.
ei der Herz-CT werden tausende Röntgenaufnahmen des Herzens zu einer 3D-Abbildung verrechnet. So werden Engstellen (Pfeil) an Blutgefäßen (grau) sichtbar.
Foto: Dewey/Charité


„Unsere Ergebnisse werden Ärztinnen und Ärzten die Einschätzung erleichtern, in welchen Fällen eine Herz-CT statt einer Herzkatheter-Untersuchung zur Diagnose einer koronaren Herzkrankheit sinnvoll sein könnte“, sagt Prof. Dewey.

Der Radiologe hofft zudem, dass die Studie auch zu einer Vereinheitlichung der medizinischen Leitlinien beiträgt. 

Diese raten in unterschiedlichen Ländern bisher noch zu verschiedenen Vorgehen bei Verdacht auf KHK.

*Haase et al., Diagnosis of obstructive coronary artery disease using computed tomography angiography in patients with stable chest pain depending on clinical probability and in clinically important subgroups: meta-analysis of individual patient data. BMJ. 2019; 365:l1945. doi: 10.1136/bmj.l1945

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Prof. Dr. Marc Dewey
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Originalpublikation:
https://doi.org/10.1136/bmj.l1945

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CAVE: ZNA - Rettungsstelle: Herzmuskelentzündung und die Leber

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wehrt die Leber durch Coxsackie-Viren verursachte Herzmuskelentzündungen ab?

Herzmuskelentzündungen können viele Ursachen haben: 
  • Gifte, Infektionen oder Autoimmunreaktionen. 
  • Die weitaus häufigsten Auslöser für Herzmuskelentzündungen sind Viren - in Europa und den USA meist das Coxsackie-Virus. 

Forschende am TWINCORE haben sich auf die Spuren des Coxsackie-Virus begeben und kürzlich eine erstaunliche Entdeckung im Journal PLoS Pathogens veröffentlicht: 

  • Eine entscheidende Abwehrreaktion während der Coxsackie-Virus Infektion vermitteln Hepatozyten – die Zellen, aus denen unsere Leber aufgebaut ist. 

Das ist ein wichtiger Baustein, um durch Coxsackie-Viren ausgelöste  Herzmuskelentzündungen besser zu verstehen. 


Dr. Julia Spanier
 Dr. Julia Spanier TWINCORE
 
Normalerweise verläuft eine Coxsackie-Infektion mit milden, grippeartigen Symptomen. 

Manchmal wird jedoch auch das Herz in Mitleidenschaft gezogen, das äußert sich in Herzrhythmusstörungen. 

Chronische  Coxsackie-Virus Infektionen sind die Ursache für einen Großteil der Herztransplantationen. 

Im schlimmsten Fall führt sie sogar zum plötzlichen Herztod. 

„Die unterschiedlichen Varianten einer Herzmuskelentzündung lassen sich bisher nicht sicher mit bildgebenden Verfahren unterscheiden“, sagt der Arzt Dr. Dr. Wolfgang Koestner, Radiologe an der Medizinischen Hochschule Hannover.

„Herzmuskelentzündungen verschiedenen Ursprungs müssen grundsätzlich unterschiedlich behandelt werden.

Derzeit ist bei einer akuten, unklaren Herzmuskelentzündung die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Herzmuskel erforderlich, um zu klären, ob es sich um eine Coxsackie-Virus Infektion oder eine andere Ursache handelt.

  • Das würden wir gerne vermeiden, da Gewebeprobenentnahmen ein erhöhtes Komplikationsrisiko bedeuten und letztlich auch nicht sensitiv genug sind.“

„Ein zentraler Schritt bei der Abwehr von Virusinfektionen ist die Ausschüttung von Interferon. 

Das Interferon wird hauptsächlich von Immunzellen gebildet, wenn sie etwas Fremdes aufspüren“, sagt Dr. Julia Spanier, Wissenschaftlerin am Institut für Experimentelle Infektionsforschung. „Das Interferon stimuliert die befallenen Zellen und diese wehren so den Virenangriff ab.“ Auf dieser Basis wollten die TWINCORE-Forscherin und Wolfgang Koestner den Krankheitsverlauf einer Coxsackie-Virus Infektion studieren, um neue Diagnoseverfahren für die Coxsackie-Virus Herzmuskelentzündung zu entwickeln.


Bekannt war: Damit die Coxsackie-Viren erfolgreich abgewehrt werden können, müssen die Herzmuskelzellen einen passenden Interferon-Rezeptor auf ihrer Oberfläche tragen. So wird gewährleistet, dass der Botenstoff Signale an die infizierten Zellen weitergeben kann. Unklar war jedoch: Wo bildet der Körper das Interferon? „Wir wollten wissen, wo das Interferon herkommt, das das Virus im Herz letztlich im Normalfall in Schach hält“, sagt Julia Spanier, „daher haben wir untersucht, wo im Fall einer Coxsackie-Virus Infektion die Interferonproduktion im Organismus ansteigt.“ 

  • Das Ergebnis war überraschend, denn das Interferon stammt vornehmlich aus der Leber – und zwar nicht aus Immunzellen der Leber, sondern aus den Leberzellen selbst. 
  • Normalerweise sind Makrophagen und Dendritische Zellen, Immunzellen des angeborenen Immunsystems, für die Interferonantwort zuständig, „beim Verhindern einer Herzmuskelentzündung durch das Coxsackie-Virus spielen offenbar die Leberzellen eine wichtige Rolle – so paradox das erst einmal klingt. “ 

Und mit weiteren Beobachtungen von Julia Spanier und Wolfgang Koestner werden die Rätsel um das Virus sogar eher mehr, statt weniger:

Wenn die Hepatozyten selbst keinen Rezeptor für Interferon besitzen, ihr selbst produziertes Interferon also nicht wahrnehmen können, kollabiert das gesamte Organsystem innerhalb kürzester Zeit – die Organe werden von dem Coxsackie-Virus überflutet, die Leber entzündet sich und versagt nach wenigen Tagen vollständig. 

„Diese Erkenntnisse werfen nun wieder eine Reihe neuer Fragen auf “, sagt Prof. Ulrich Kalinke, Leiter des Instituts für Experimentelle Infektionsforschung.

  • „Bei Neugeborenen verursacht das Coxsackie-Virus eine Leberentzündung – besteht da ein Zusammenhang mit der ungewöhnlichen Interferonantwort der Leberzellen auf das Virus? 

Und wie können wir diese Erkenntnisse jetzt nutzen, um die Diagnostik für Herzmuskelentzündungen zu verbessern und den Patienten die Biopsie des Herzmuskels zu ersparen?

Das war ja unsere ursprüngliche Fragestellung.“ Fortsetzung folgt…

Originalpublikation:
Koestner W, Spanier J, Klause T, Tegtmeyer PK, Becker J, Herder V, Borst K, Todt D, Lienenklaus S, Gerhauser I, Detje CN, Geffers R, Langereis MA, Vondran FWR, Yuan Q, van Kuppeveld FJM, Ott M, Staeheli P, Steinmann E, Baumgartner W, Wacker F, Kalinke U (2018) Interferon-beta expression and type I interferon receptor signaling of hepatocytes prevent hepatic necrosis and virus dissemination in Coxsackievirus B3-infected mice. PLoS Pathog 14(8): e1007235. (IF 6,608)

Wehrt die Leber durch Coxsackie-Viren verursachte Herzmuskelentzündungen ab?



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CAVE: Ultraschall-Diagnostik für Herzrhythmustörungen - Fibrillation - Rettungsstelle

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wirbelstürme im Herzen

Göttinger Herzforscher entwickeln neue, vielversprechende Ultraschall-Diagnostik für Herzrhythmusstörungen 
 
  • Allein in Deutschland stirbt alle fünf Minuten ein Mensch am plötzlichen Herztod, verursacht durch Kammerflimmern, der häufigsten Todesursache weltweit. 

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Ärzte noch nicht verstehen, was dabei genau im Herzen passiert. 

Denn bislang war es nicht möglich, die dynamischen Vorgänge im flimmernden Herzmuskel sichtbar zu machen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Cannabis  

In der sehr aktuellen Veröffentlichung des Magazins Nature zeigt ein internationales Forscherteam um Jan Christoph und Stefan Luther vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) sowie Gerd Hasenfuß vom Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (HZG) erstmals, wie wirbelartige rotierende Kontraktionen, die dem lebensbedrohlichen Herz-flimmern zugrunde liegen, im Inneren des Herzens beobachtet werden können. Sie verwenden dafür ein neues bildgebendes Verfahren, für das in der Medizin etablierte Ultraschall-Geräte eingesetzt werden können. So können Ärzte Herzrhythmusstörungen, aber auch andere Erkrankungen des Herzens künftig besser untersuchen und neue Behandlungsmethoden entwickeln.

Wenn der Herzmuskel nicht mehr koordiniert kontrahiert, sondern nur noch flimmert, wird es lebensgefährlich. Mediziner sprechen von einer Fibrillation.

Zucken dabei die Hauptkammern des Herzens auf diese ungeordnete Weise, gibt es nur eine Rettung: Der Herzmuskel muss innerhalb weniger Minuten mit einem starken Stromstoß defibrilliert werden, der sehr schmerzhaft ist und das Herzgewebe schädigen kann.

Ein Flimmern im Vorhof hingegen führt zwar nicht unmittelbar zum Tod, kann jedoch unbehandelt fatale Folgen haben. „Der Schlüssel zu einem besseren Verständnis der Fibrillation liegt in einer neuen hochauflösenden Bildgebung, mit der sich die Vorgänge auch im Inneren des Herzmuskels beobachten lassen“, sagt Stefan Luther, Leiter der Forschungsgruppe „Biomedizinische Physik“ am MPIDS und Professor an der Universitätsmedizin Göttingen.

  • Durchbruch für die Diagnostik

„Die mechanische Bewegung des Herzmuskels in der Fibrillation ist hochkomplex, aber sie ist gleichzeitig auch sehr charakteristisch – fast so wie ein Fingerabdruck der Fibrillation“, sagt Jan Christoph, Forscher am MPIDS sowie am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung in Göttingen und Hauptautor der Studie. Gemeinsam mit Stefan Luther und einem internationalen Team von Forschern stellt der Physiker jetzt eine diagnostische Methode vor, mit der sich das Flimmern des Herzmuskels mit einem gängigen Ultraschallgerät zeitaufgelöst in drei Dimensionen und damit viel genauer untersuchen lässt, als dies im Patienten bisher möglich war.

Die neue diagnostische Methode wird helfen, die Therapie von Kammerflimmern und möglicherweise auch vom Vorhofflimmern effektiver zu gestalten.

So dürfte das bessere Verständnis der Fibrillation, das sich mit dem Verfahren erzielen lässt, dazu beitragen, die Entwicklung der Niedrigenergie-Defibrillation voranzutreiben.

Dabei sollen schwächere, aber viel gezieltere Stromstöße das Kammerflimmern beenden als bei der heute üblichen, sehr schmerzhaften Defibrillation mit hochenergetischen Elektroschocks.

Mit der neuen Form der Ultraschalldiagnostik können Mediziner herausfinden, wie sie die Stromstöße mit niedrigerer Energie setzen müssen, um das Herz wieder in den Takt zu bringen.

Die Göttinger Forscher entwickeln die Methode zudem weiter, damit diese auch die komplexe Erregungsdynamik beim Vorhofflimmern sichtbar macht. 

Zukünftig können Kardiologen dann sehen, an welchen Stellen sie durch Ablation krankhafte Erregungsherde veröden müssen.

Hilfreich dürfte die neue Ultraschallmethode auch für die Erforschung, Diagnose und Therapie der Herzmuskelschwäche sein. 

Dabei arbeiten die Herzmuskelzellen ineffektiv, weil ihre koordinierte kontraktile Funktion gestört ist. Die Ursachen dafür könnten Ärzte mit detaillierten Ultraschalluntersuchungen ergründen, sodass sie die Herzinsuffizienz früher erkennen und effektiver behandeln können.

Elektrische Anregung verursacht mechanische Kontraktionen des Herzens

Jeder Herzschlag wird durch elektrische Erregungswellen ausgelöst, die mit hoher Geschwindigkeit durch den Herzmuskel schießen und die Herzmuskelzellen zur Kontraktion bringen. 

Kommen diese Erregungswellen durcheinander, entstehen Herzrhythmusstörungen.

Mediziner wissen bereits seit längerem, dass bei Herzrhythmusstörungen die elektrische Anregung wirbelförmig durch den Herzmuskel wandert. 

Bislang konzentrierten sie sich bei der Untersuchung von Herzrhythmusstörungen auf diese elektrischen Wirbel.

Ein vollständiges Bild der Dynamik konnten sie sich im medizinischen Alltag aber nicht machen. Die MPIDS-Forscher gingen nun einen anderen Weg und nahmen statt der elektrischen Anregung die zuckenden Kontraktionen des flimmernden Herzmuskels in den Blick.

  „Bislang wurde der Analyse von Muskelkontraktionen und -verformungen während der Fibrillation wenig Bedeutung beigemessen. Bei unseren Messungen sahen wir aber, dass die elektrischen Wirbel immer mit entsprechenden wirbelförmigen mechanischen Verformungen auftreten“, sagt Physiker Jan Christoph.

Kammerflimmern in 3D

Um die zitternden Bewegungen im Inneren des Herzmuskels in drei Dimensionen darzustellen und mit der elektrischen Erregung des Herzens in Verbindung zu setzen, entwickelten die Forscher neue hochauflösende Ultraschall-Messverfahren. Sie konnten auch nachweisen, dass diese Methoden in hochleistungsfähigen Ultraschallgeräten eingesetzt werden können, die bereits in vielen kardiologischen Einrichtungen routinemäßig genutzt werden. Indem sie die Bilddaten der Muskelkontraktionen analysierten, konnten sie in einem flimmernden Herzen genau verfolgen, wie sich Bereiche von kontrahierten und entspannten Muskelzellen wirbelförmig durch den Herzmuskel bewegen. Sie beobachteten dabei auch filamentartige Strukturen, die Physikern bisher nur in der Theorie und aus Computer-Simulationen bekannt waren. Eine solche filamentartige Struktur ähnelt einem Faden und markiert das Auge des Wirbelsturms, der sich durch den Herzmuskel bewegt. Die Zentren der Wirbel im Inneren des Muskels zu lokalisieren, ist jetzt erstmals möglich.

Parallel zu den Ultraschallaufnahmen setzten die Forscher Hochgeschwindigkeitskameras und Fluoreszenzfarbstoffe ein, welche die elektrophysiologischen Vorgänge im Herzmuskel sichtbar machen. Die so gemachten Aufnahmen bestätigten, dass die mechanischen Wirbel die elektrischen Wirbel sehr gut widerspiegeln.

Laut den Göttinger Forschern hat die Ultraschalltechnik gerade in den letzten Jahren mit Hinblick auf Bildqualität und Aufnahmegeschwindigkeiten eine gewaltige Weiterentwicklung erlebt – das Potential moderner Ultraschalltechnik ist bislang noch nicht voll ausgeschöpft. „Zusammen mit der immens gestiegenen Rechenleistung moderner Computer und den rasanten Weiterentwicklungen in der Computergrafik und digitalen Bildverarbeitung eröffnen sich komplett neue Mess- und Visualisierungsmöglichkeiten im Herzen. Diese Entwicklungen können wir heute in der Medizin nutzen.“ sagt Jan Christoph.

Von der Physik zur Medizin

Die Studie ist ein Beispiel für die erfolgreiche interdisziplinäre Zusammenarbeit von Physikern und Medizinern im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung. „Diese Entwicklung hat das Potential, die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Herzrhythmusstörungen zu revolutionieren. Bereits 2018 werden wir die neue Technik bei unseren Patienten einsetzen, um sowohl Herzrhythmusstörungen als auch Herzmuskelerkrankungen besser diagnostizieren und behandeln zu können“, sagt Gerd Hasenfuß, Mitautor der Studie, Vorsitzender des Herzforschungszentrums Göttingen und des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen. Stefan Luther ist sich sicher: „Der tiefe Blick in die innere Dynamik des Herzens ist ein Meilenstein der Herzforschung und wird das Verständnis und die Behandlung von Herzerkrankungen zukünftig ganz entscheidend prägen.“

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Carolin Hoffrogge Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Am Fassberg 17
37077 Göttingen
Deutschland
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E-Mail-Adresse: presse@ds.mpg.de

Carolin Hoffrogge
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Angeborene Herzfehler

Medizin am Abend Berlin Fazit: Lebenswichtiger Arztbesuch: Herzstiftung mahnt Erwachsene mit angeborenem Herzfehler zur Kontrolle

Umfrage für bessere Versorgung der ca. 280.000 Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH) in Deutschland gestartet / „Viele EMAHs sind nicht ausreichend versorgt“ 

Der Ratgeber "18 und wohin jetzt?"
Der Ratgeber "18 und wohin jetzt?" Cover: DHS

 
Schätzungsweise 280.000 EMAH-Patienten leben in Deutschland.

Ihre Zahl wächst jährlich mindestens um ca. 6.000. Zwar kann die große Mehrheit der angeborenen Herzfehler (AHF) heute operativ – einfachere Fehlbildungen des Herzens zum Teil ohne Operation per Kathetereingriff – so gut behandelt werden, dass die meisten ein fast normales Leben führen.

Trotzdem ist für EMAH-Patienten eine kontinuierliche fachärztliche Weiterbehandlung im Erwachsenenalter lebenswichtig, weil sie sonst schwerwiegende Spätkomplikationen wie Herzschwäche, Lungenhochdruck, eine Herzinnenhautentzündung oder sogar lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod riskieren.

„Tausende EMAH werden nicht ausreichend versorgt: 

weil sie ungenügend über ihren Herzfehler informiert sind, sie selbst die Weiterbehandlung abbrechen oder nicht ihrem Herzfehler entsprechend medizinisch betreut werden. Häufig mündet das leider in eine Einlieferung als Herznotfall“, warnt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

EMAH-Umfrage für bessere Versorgung richtet sich an EMAH und ihre Hausärzte

Mit Hilfe einer bundesweiten Umfrage, die sich unter www.vemah.info an EMAH und ihre Haus- oder Allgemeinärzte richtet, soll die EMAH-Versorgung insgesamt verbessert werden, auch um fatale Krankheitsverläufe bis hin zum Herztod zu verhindern.

Mit dem Ziel, einen Überblick über die medizinische EMAH-Versorgung in allen Regionen Deutschlands zu gewinnen, wurde die Umfrage der Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler am Deutschen Herzzentrum München als Teil der von der Herzstiftung mit rund 77.000 Euro geförderten Studie „VEmaH“ (Versorgungssituation Erwachsener mit angeborenen Herzfehlern) gestartet.

„Wir appellieren an alle EMAH und ihre Haus- und Allgemeinärzte, sich an dieser wichtigen Umfrage zu beteiligen, denn nur mit ihrer Hilfe lassen sich neue zuverlässige Erkenntnisse zur Klärung vieler offener Fragen gewinnen“, so der EMAH-Spezialist Prof. Dr. Dr. med. Harald Kaemmerer und die klinische Wissenschaftlerin Rhoia Neidenbach vom Deutschen Herzzentrum München, die die Studie durchführen. Die Untersuchung geht Fragen nach z. B., ob die Befragten einen Arzt haben, an den sie sich bei Anliegen rund um ihren Herzfehler wenden können oder ob sie wissen, welche Spätfolgen ihr Herzfehler im Erwachsenenalter hervorrufen kann. Besonders hilfreich wäre es, wenn alle Betroffenen, die an der Umfrage teilnehmen, zugleich auch ihre Haus- oder Allgemeinärzte zur Teilnahme unter www.vemah.info motivieren würden.

Angeborene Herzfehler sollten bei oder zusammen mit AHF-Spezialisten behandelt werden!


Vielen EMAH-Patienten ist unklar, dass Spätkomplikationen auch erst viele Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung des Herzfehlers eintreten können und unterlassen eine regelmäßige Kontrolle ihres Herzfehlers bei einem zertifizierten EMAH-Spezialisten. Oder sie sind zwar in Behandlung, jedoch bei einem Arzt ohne AHF-Expertise. „Angesichts der Vielfalt der angeborenen Herzfehler mit ihren individuellen Verlaufs- und Behandlungsformen ist es meist nur den Spezialisten möglich, diese Krankheitsbilder sicher zu beurteilen“, erläutert Prof. Kaemmerer. „Ärzte der Basisversorgung wie Hausärzte, Allgemeinmediziner oder Internisten können – dies ist keineswegs ein Vorwurf – kaum über spezifische Kenntnisse der Probleme dieser teils sehr komplexen Herzanomalien verfügen.“

Treten aber bei EMAH Probleme neu auf, wenden sich diese Patienten häufig zuerst an ihren Haus- oder Allgemeinarzt.

„Diese Ärzte sollten dann die Weichen richtig stellen für die fachlich adäquate Diagnostik und Behandlung durch einen (Kinder-) Kardiologen mit entsprechender EMAH-Expertise. 

Diese EMAH-Spezialisten sind mit möglichen Problemkonstellationen vertraut und können dann mit ihren Zuweisern ein optimales, gemeinsames Patientenmanagement festlegen.“

Kostenfreie Informationen für Betroffene und Arztpraxen

Das kostenfreie Informationsangebot für EMAH-Patienten, die Broschüre „18 und wohin jetzt?“ der Deutschen Herzstiftung und Herzkind e. V., kann angefordert werden unter Tel. 069 955128400 und per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de.

Die Broschüre richtet sich direkt an EMAH, eignet sich aber ebenso für Ärzte nicht-kardiologischer Fachrichtungen wie Hausärzte, Internisten und Allgemeinmediziner, die beim Arztbesuch eines EMAH auf diesem Weg auf den angeborenen Herzfehler aufmerksam machen können und als Zuweiser für die Weiterbehandlung an EMAH-Spezialisten eine wichtige Rolle spielen.

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Herzschwäche: Tragen der Defibrillalatorweste

Medizin am Abend Berlin Fazit: Damit das Herz im Takt bleibt

MHH-Ärzte fanden heraus: Das längere Tragen einer Defibrillatorweste erspart vielen Patienten die Implantation eines Defibrillators 

Professor Dr. Johann Bauersachs, Privatdozent Dr. Christian Veltmann und Dr. David Duncker (von links) sowie im Vordergrund eine Defibrillatorweste.
Professor Dr. Johann Bauersachs, Privatdozent Dr. Christian Veltmann und Dr. David Duncker (von links) sowie im Vordergrund eine Defibrillatorweste. "Foto: Kaiser/MHH"
 
Jedes Jahr sterben in Deutschland 100.000 bis 150.000 Menschen am plötzlichen Herztod – besonders gefährdet sind Menschen, deren Herz etwa aufgrund eines Herzinfarktes oder einer Herzmuskelentzündung nur noch sehr vermindert pumpt. 

Deshalb bekommen diese Herzschwäche-Patienten zum Schutz oft einen Defibrillator implantiert, der Rhythmusstörungen behandeln kann.

In der Zeit bis zur Implantation werden bei ihnen nach und nach die Medikamente gegen Herzschwäche bis zur vollen Dosis gesteigert.

Zum Schutz vor bösartigen Herzrhythmusstörungen bekommen sie währenddessen sicherheitshalber eine Defibrillatorweste, welche den Herzrhythmus überwacht und die Patienten im Notfall auch durch einen Elektroschock behandelt.

Bei einigen Patienten verbessert sich die Pumpfunktion während dieser Zeit so deutlich, dass sie keine Defibrillator-Implantation mehr benötigen.

Liegt die Pumpleistung jedoch immer noch unter 35 Prozent, wird ihnen die Implantation empfohlen.
  • Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun herausgefunden, dass es sinnvoll ist, mit der Implantation eines Defibrillators noch länger zu warten: 
  • Wenn man auch nach Ablauf der drei Monate die Medikation weiterhin in optimaler Weise auf den einzelnen Patienten abstimmt, benötigen weniger Patienten die Defibrillator-Implantation. 

Die Weste muss dabei aber auf jeden Fall weiter getragen werden. 

Wenn die Pumpleistung dann auf über 35 Prozent angestiegen ist, muss die Weste nicht mehr weiter getragen werden“, sagt Dr. David Duncker.

Der Arzt der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie ist Autor dieser vom „Journal of the American Heart Association“ veröffentlichen Studie. 
„An unserer Klinik wird die Defibrillatorweste seit einigen Jahren routinemäßig bei Patienten mit neu diagnostizierter Herzschwäche und deutlich reduzierter Pumpfunktion eingesetzt“, erläutert Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie.
An der Untersuchung nahmen 265 Träger einer Defibrillatorweste teil.

Nach drei Monaten hatte sich bei 69 Patienten die Herzfunktion verbessert, die Pumpleistung lag bei mindestens 35 Prozent.

Nach einer verlängerten Tragezeit und weiterer Optimierung der Medikation stieg bei weiteren 20 Patienten die Pumpleistung auf über 35 Prozent an.

„Die Implantation eines Defibrillators ließ sich so bei insgesamt einem Drittel der Patienten vermeiden, was insofern gut ist, als dass dieser langfristig auch Komplikationen mit sich bringen kann“, erläutert Privatdozent Dr. Christian Veltmann, Bereichsleiter der Rhythmologie und Elektrophysiologie der Klinik für Kardiologie.

Diese Strategie müsse nun durch Studien gesichert werden.

Eine solche prospektive, multizentrische Studie haben die MHH-Ärzte initiiert, sie startet in Kürze.
 
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Dr. David Duncker
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Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

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E-Mail-Adresse: zorn.stefan@mh-hannover.de
Die Originalpublikation „Avoiding Untimely Implantable Cardioverter/Defibrillator Implantation by Intensified Heart Failure Therapy Optimization Supported by the Wearable Cardioverter/Defibrillator—The PROLONG Study” finden Sie im Internet unter http://jaha.ahajournals.org/.

Herzrhythmusstörungen - Nicht invasive Alternative zu Katheter-Eingriff

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff

Biophysiker von GSI und Mediziner der Universität Heidelberg sowie der Mayo Clinic in den USA haben am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung ein Verfahren entwickelt und getestet, mit dem in Zukunft Herzrhythmusstörungen behandelt werden können. 

Die bei der Tumorbehandlung erfolgreich eingesetzten Kohlenstoffionen könnten eine nicht-invasive Alternative zu der bisherigen Behandlung mit Herzkathetern oder Medikamenten darstellen. 

 Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit Ionen wird bei GSI erforscht. Im Bereich des Bragg-Peaks (schwarz) entladen die Ionen ihre Energie.
Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit Ionen wird bei GSI erforscht. Im Bereich des Bragg-Peaks (schwarz) entladen die Ionen ihre Energie.Bild: Blausen.com staff. CC BY 3.0, remix by GSI

  • In Deutschland leiden etwa 350 000 Patienten unter verschiedenen Herzrhythmusstörungen. 
  • Diese können zur dauerhaften Schädigung, etwa durch einen Schlaganfall, oder zum plötzlichen Herztod führen. 
Bei Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern oder der Herzkammertachykardie gerät das Herz aus seinem regulären Takt, der durch einen Impulsgeber, den Sinusknoten, vorgegeben wird.

Dies wird häufig mit Medikamenten oder mit einer sogenannten Katheterablation behandelt, bei der der Katheter durch Blutgefäße zum Herzen geführt und dort entsprechendes Gewebe verödet wird. Basierend auf diesem Prinzip könnte mit Ionen aus dem Teilchenbeschleuniger in Zukunft eine Behandlung ohne Katheter durchgeführt werden.

  • Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass mit den hochenergetischen Kohlenstoffionen von außen gezielt Veränderungen am Herzgewebe erzeugt werden können, die die Weiterleitung des elektrischen Signals verhindern.
Diese Methode mit Kohlenstoffionen wurde nun erstmals von Wissenschaftlern am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt in Zusammenarbeit mit Medizinern und Wissenschaftlern der Mayo Clinic (Minnesota, USA), dem Helmholtzzentrum Dresden-Rossendorf, der Universität Heidelberg, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, dem Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum und der Universität Trento (Italien) in einer Machbarkeitsstudie überprüft und die Ergebnisse im Fachmagazin Scientific Reports der Nature Reihe veröffentlicht.

Nach vorangehenden Tests an Herz-Zellkulturen und an schlagenden Herz-Präparaten mit vielversprechenden Ergebnissen hatten die Wissenschaftler eine Tierstudie ausgearbeitet.

„Die neue Methode ist ein großer Schritt in die Zukunft, da sie uns erlaubt, diese Behandlung erstmals komplett ohne Katheter und dennoch zielgerichtet durchzuführen,“ sagt Dr. H. Immo Lehmann, Mediziner und Wissenschaftler der Mayo Clinic und einer der Autoren der Studie.  

„Die Studie hat gezeigt, dass die Methode erfolgreich dazu genutzt werden kann, Herzgewebe so zu verändern, dass die Ausbreitung störender Impulse dauerhaft unterbrochen wird.

Weitere detaillierte Studien sind jedoch nötig, bis die Methode erstmals Patienten zugutekommen wird“, sagt Dr. Christian Graeff, Leiter der Arbeitsgruppe Medizinische Physik bei GSI.

Die Bestrahlung des Gewebes mit Kohlenstoffionen verspricht schonender und potentiell auch wirksamer zu sein als die Behandlung mit Katheter.

Sobald die Methode technisch ausgereift ist, wird ein Eingriff nur wenige Minuten dauern, im Vergleich zu den teilweise stundenlangen Kathetereingriffen. Ein wesentlicher Vorteil ist die nicht limitierte Eindringtiefe der Ionen. 
Da insbesondere die linke Kammerwand des Herzens besonders dick ist, ist eine effektive Verödung mit Kathetern dort oft nicht möglich, obwohl gerade an dieser Stelle besonders schwer betroffene Patienten mit sogenannter Ventrikulärer Tachykardie behandelt werden müssten.
„Es ist beeindruckend, dass der Kohlenstoff-Strahl mit chirurgischer Präzision bei der Behandlung besonders sensibler Organe eingesetzt werden könnte,“ sagt Paolo Giubellino, Wissenschaftlicher Geschäftsführer von FAIR und GSI. „Der reiche Erfahrungsschatz bezüglich Ionenstrahlen in der Medizin hier bei GSI ist die Grundlage dieser neuen, vielversprechenden Behandlungsmethode“, „Das Wissen über die biologische Wirksamkeit von Kohlenstoffionen und das technologische Know-How für die Bestrahlung von Patienten sind unerlässlich, um eine solche Idee zur Anwendungsreife zu bringen. Wir sind stolz, dass die ersten Schritte hin zu einer neuen Therapie erfolgreich gemeistert wurden.“

Die Wissenschaftler konnten bei der Studie auf viele Technologien zurückgreifen, die ursprünglich für die Krebstherapie mit Ionen entwickelt wurden, die bei GSI erstmals 1997 durchgeführt wurde.

Mit der mittlerweile etablierten Therapie wurden in der Krebstherapie weltweit schon viele tausend Patienten behandelt.

Weitere Experimente sind in Planung, um eine Umsetzung der Methode beispielsweise am Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum erreichen zu können.

 Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT




 Die GSI-Beschleunigeranlage wurde für die Untersuchung der Behandlungsmöglichkeiten für Herzrhythmusstörungen mit Ionen genutzt.

Die GSI-Beschleunigeranlage wurde für die Untersuchung der Behandlungsmöglichkeiten für Herzrhythmusstörungen mit Ionen genutzt. Foto: A. Zschau, GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung


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Sicherheit nach Herzinfarkt? Vegetativen Nervensystem -implantierbarer kardialer Monitor (ICM)

Medizin am Abend Berlin Fazit: DZHK-Studie: Implantierbarer Monitor soll mehr Sicherheit nach Herzinfarkt bringen

Ein kleiner implantierbarer Monitor könnte bei bestimmten Patienten nach Herzinfarkt drohende Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen anzeigen. 

Wenn dadurch rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen erfolgen, könnte sich die Prognose der Patienten verbessern. Ob dies wirklich funktioniert, untersucht die jetzt angelaufenen Studie SMART-MI* des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). 

 Leiter der Studie: Prof. Axel Bauer vom Klinikum der Universität München
 Leiter der Studie: Prof. Axel Bauer vom Klinikum der Universität München: Bild zu: DZHK-Studie: Implantierbarer Monitor soll mehr Sicherheit nach Herzinfarkt bringen
 
Nach einem überstandenen Herzinfarkt haben Patienten noch Jahre später ein erhöhtes Risiko, an Komplikationen zu versterben.

  • Etwa die Hälfte aller Todesfälle ereignet sich dabei als plötzlicher Herztod. Dabei kommt es aus scheinbarem Wohlbefinden heraus zu Herzrhythmusstörungen, wodurch das Herz in lebensbedrohliches Kammerflimmern verfällt und schließlich ganz aufhört zu schlagen.

Rund 280.000 Patienten pro Jahr in Deutschland überleben einen Herzinfarkt.

  • Diejenigen, deren Herz bei dem Infarkt viel Schaden genommen hat und nur noch schlecht pumpt, sind besonders gefährdet für den plötzlichen Herztod. 
  • Laut ärztlichen Leitlinien bekommen sie deshalb einen Defibrillator eingepflanzt, welcher im Ernstfall Stromstöße abgibt und so das Herz wieder in den richtigen Takt bringt.

Bei der weitaus größeren Gruppe von Patienten ist die Pumpfunktion nach einem Infarkt dank der schnellen Wiedereröffnung des Infarktgefäßes nur wenig bis mittelgradig eingeschränkt.

,Aber auch unter ihnen gibt es viele, die in der Folge am plötzlichen Herztod versterben, insgesamt sogar mehr als doppelt so viele wie in der oben genannten Hochrisikogruppe. 

Da die Ärzte bislang nicht vorhersagen konnten, welche Patienten in der Gruppe mit den weniger geschädigten Herzen besonders gefährdet sind, werden diese Patienten von den aktuellen Leitlinien hinsichtlich spezieller vorbeugender Maßnahmen auch nicht berücksichtigt.

  • Aus experimentellen Studien ist bekannt, dass bei gefährdeten Patienten Störungen im vegetativen Nervensystem bestehen können, welche die bedrohlichen Rhythmusstörungen auslösen. 

Forscher um Prof. Axel Bauer vom DZHK-Standort München (Klinikum der Universität München) haben computerbasierte EKG-Methoden entwickelt, mit denen sie diese Störungen messen können. „So konnten wir eine neue Hochrisikogruppe mit nur gering- bis mittelgradig eingeschränkter Pumpfunktion identifizieren, welche jedoch eine ähnlich schlechte Prognose wie die klassischen Hochrisikopatienten mit hochgradig eingeschränkter Pumpfunktion hat. Es handelt sich hierbei um eine zahlenmäßig relevante Gruppe von Patienten“, so der Kardiologe.

Die Studie SMART-MI widmet sich nun erstmals dieser Patientengruppe. Der Hälfte der 400 „neuen“ Hochrisikopatienten wird zu Beginn der Studie ein implantierbarer kardialer Monitor (ICM = insertable cardiac monitor) eingesetzt, mit dem die Ärzte Vorläufer lebensbedrohlicher Rhythmusstörungen telemetrisch erfassen können. Die andere Hälfte der Patienten dient als Kontrollgruppe.

Der implantierte Monitor sendet kontinuierlich Signale an eine Datenzentrale im Klinikum der Universität München.

Bei Vorboten von gefährlichen Rhythmusstörungen werden die Patienten umgehend einbestellt. 

Die Ärzte suchen dann nach möglichen Ursachen wie beispielsweise einem erneuten drohenden Herzinfarkt, die dann entsprechend behandelt werden können.

Mit der Implantation der Monitore haben die Mediziner viel Erfahrung, schon seit langem werden sie bei Patienten mit unklaren Ohnmachtsanfällen oder zur Therapiekontrolle nach Vorhofflimmerablation im Routinebetrieb eingesetzt.

Die Studie SMART-MI soll nun zeigen, ob die ICM in der Lage sind, bei der oben genannten Gruppe von Postinfarkt-Patienten zuverlässig die Vorboten von drohenden Komplikationen wie gefährlichen Rhythmusstörungen anzuzeigen und ob sich dadurch deren Überlebenschancen verbessern.

Neben den 17 klinischen Partnern des DZHK werden weitere Kliniken Patienten in die Studie einschließen.

Originalstudientitel:

* Implantierbare kardiale Monitore bei Hochrisiko-Postinfarkt-Patienten mit kardialer autonomer Dysfunktion und mittelgradig reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion (SMART-MI)

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Christine Vollgraf
DZHK
Tel.: 030 4593 7102
christine.vollgraf@dzhk.de

360° TOP-Hinweis Rettungsstellen-KANZEL: Risiko Ausdauersport und Herzschäden?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Mediziner finden keine Hinweise für Herzschäden durch langjährigen Sport

Belgische Wissenschaftler haben 2012 eine Studie veröffentlicht, die in die These mündet, dass wiederholte intensive Ausdauerbelastungen auf Leistungssport-Niveau zu einer krankhaften Vergrößerung der rechten Herzkammer führen können. 

Damit entstünden Gefahren bis hin zum plötzlichen Herztod. 

In der Fachwelt hat diese Arbeit für viel Aufsehen gesorgt. 

Sportmediziner der Universität des Saarlandes haben sie nun erstmals an sogenannten Masterathleten, älteren Leistungssportlern, gezielt überprüft. 

Ihr Ergebnis widerlegt die Annahmen ihrer belgischen Kollegen. Die Studie wurde im renommierten Fachmagazin „Circulation“ veröffentlicht. 
 
Ausdauersportler, die an einem plötzlichen Herztod versterben, sind in trauriger Regelmäßigkeit Teil der medialen Aufmerksamkeit. Auch vor einigen Wochen ging eine Nachricht durch Fernsehen, Zeitungen und Internet: Der niederländische Radprofi Gijs Verdick erlag im Krankenhaus zwei Herzattacken, die er eine Woche zuvor bei einem Rennen erlitten hatte. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema Link: Pflegeberufereformgesetz – PflBRefG)

Mögliche Gefahren des Ausdauersports für das Herz werden bereits seit über hundert Jahren in der medizinischen Fachwelt diskutiert.

Obwohl mittlerweile weitgehend Konsens besteht, dass es sich beim vergrößerten Sportherz um eine gesunde Anpassungsreaktion an regelmäßig betriebenen Ausdauersport handelt, lassen manche Studien auch sportbedingte krankhafte Veränderungen vermuten.

So auch eine Arbeit belgischer Kardiologen und Sportmediziner, die 2012 publiziert wurde und weltweite Beachtung fand  http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22160404.

Die Forscher stellten darin einen Zusammenhang zwischen Extrem-Ausdauersport und der akuten Vergrößerung und Funktionseinschränkung der rechten Herzkammer unmittelbar nach Belastung her. Genauer gesagt, beobachteten sie eine Vergrößerung und Funktionseinschränkung der rechten Herzkammer nach mehrstündigen Ausdauerwettkämpfen. 
  • Allerdings wurde die daraus abgeleitete Hypothese einer langfristigen Schädigung der rechten Herzkammer durch Ausdauersport, zwischenzeitlich auch als „belastungsinduzierte Arrhythmogene Rechtsventrikuläre Cardiomyopathie (ARVC)“ bezeichnet, bislang nicht durch längsschnittliche Untersuchungen bestätigt. 
Deshalb war noch unklar, ob die von den Belgiern festgestellte und in der Fachwelt häufig diskutierte akute Vergrößerung der rechten Herzkammer nach Extrem-Ausdauersport tatsächlich in einen gefährlichen Dauerzustand mündet.

Für die Saarbrücker Forscher um Prof. Dr. Jürgen Scharhag, Kardiologe und Sportmediziner, und Dr. Philipp Bohm war die Hypothese:

„Ausdauersport führt zu krankhafter Vergrößerung der rechten Herzkammer“, nicht unmittelbar einleuchtend. 

Am Saarbrücker Institut für Sport- und Präventivmedizin untersuchen die Wissenschaftler seit Jahrzehnten Spitzensportler aus vielen Disziplinen, darunter Triathleten, Schwimmer und Profi-Fußballer. Anzeichen, die die belgische These untermauerten, fanden die Saar-Forscher dabei nie. Daher beschlossen sie, die Hypothese zu überprüfen.

Dafür untersuchten sie 33 sogenannte Elite-Masterathleten (im Schnitt 47 Jahre alt) und verglichen sie mit einer Kontrollgruppe (ebenfalls 33 Männer), die ihnen in Alter, Größe und Gewicht ähnelte, aber keinerlei Ausdauersport betrieben hat. Die Athleten, unter denen ehemalige Olympia-Teilnehmer ebenso wie ehemalige professionelle Ironman-Sieger und Teilnehmer zu finden waren, sind seit rund 30 Jahren leistungssportlich aktiv und trainieren nach wie vor rund 17 Stunden pro Woche.
  • Die saarländischen Wissenschaftler konnten zwar feststellen, dass die Herzen der langjährigen Spitzensportler erwartungsgemäß deutlich größer und kräftiger waren als die der Kontrollgruppe.
 „Aber wir fanden keine Hinweise für eine dauerhafte Schädigung, krankhafte Vergrößerung oder Funktionseinschränkung der rechten oder linken Herzkammer durch langjährig betriebenen intensiven Ausdauersport“, erläutert Philipp Bohm, der inzwischen am universitären Herzzentrum Zürich arbeitet.
Der Rückgriff auf hochtrainierte und leistungssportlich aktive Masterathleten ist ein Kniff, den die Saarbrücker Forscher angewendet haben:  

Da die beste Methode, das Herz und insbesondere die rechte Herzkammer zu untersuchen, die kardiale Magnetresonanztomographie (MRT) ist, diese jedoch noch nicht lange genug zur Verfügung steht und auch kein Routineverfahren zur Untersuchung von Sportlern darstellt, wird es auf absehbare Zeit keine systematischen kernspintomographischen Verlaufsstudien zum Sportherzen geben können.

Eine Längsschnitt-Studie, bei der die Probanden vielleicht sogar über mehrere Jahrzehnte begleitet werden, wäre demnach mittels MRT noch gar nicht möglich. „Diese sogenannten Mastersportler repräsentieren derzeit also am besten den Langzeitverlauf langjährig betriebenen Ausdauerwettkampfsports”, erklärt Jürgen Scharhag.

Hintergrund:
Die Saarbrücker Sportmedizin hat eine lange Tradition in der Erforschung medizinischer Aspekte des Spitzensports und der Sportkardiologie. So erforschen die saarländischen Mediziner beispielsweise mit dem Weltfußballverband FIFA den plötzlichen Herztod bei Fußballern. Institutsdirektor Professor Tim Meyer ist als Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft tätig wie bereits sein Vorgänger Professor Wilfried Kindermann. Jürgen Scharhag betreut in derselben Funktion die U-21-Auswahl des DFB. Darüber hinaus betreuen und betreuten die Mediziner des Instituts diverse deutsche Olympiamannschaften und Nationalteams sowie die Athleten des hiesigen Olympiastützpunktes.

Die Studie im Internet:

„Right and Left Ventricular Function and Mass in Male Elite Master Athletes“ (12. April 2016): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27073129

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Prof. Dr. Jürgen Scharhag
Tel.: (0681) 30270400
E-Mail: juergen.scharhag@uni-saarland.de

Dr. med. Philipp Bohm
E-Mail: philipp.bohm@usz.ch
Thorsten Mohr Universität des Saarlandes

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Einladung zur Studie: Den plötzlichen Herztod vermeiden - hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)

Medizin am Abend Berlin Fazit:

Mit dem Ziel, das Risiko für einen plötzlichen Herztod besser abschätzen zu können, untersucht eine groß angelegte, internationale Studie Patienten, die unter einem verdickten Herzmuskel leiden. Bei jungen Menschen ist diese Erkrankung, die sogenannte hypertrophe Kardiomyopathie, eine der häufigsten Ursachen für einen plötzlichen Herztod. Für die von den National Instituts of Health (NIH) finanzierte Studie haben Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) die Leitung für die klinische Prüfung der beteiligten Forschungseinrichtungen in Deutschland übernommen.

  • Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)  ist eine genetisch bedingte Verdickung der Muskulatur der linken Herzkammer und bei jungen Menschen eine der häufigsten Ursachen für einen plötzlichen Herztod. 
Die Erkrankung ist nicht selten:

Einer von 500 Menschen besitzt Erbanlagen für eine krankhafte Vergrößerung des Herzmuskels.

Allerdings erleiden nur zwei bis drei Prozent der Patienten wirklich einen plötzlichen Herztod. Dennoch besteht ein Risiko, das nur schwer einzuschätzen ist: „Das Gefährdungspotenzial lässt sich nicht ausschließlich am Grad der Verdickung des Herzmuskels messen“, sagt Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger, Leiterin der Hochschulambulanz für Kardiologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité und des MDC. „Auch HCM-Patienten ohne sichtbare Verdickung sind gefährdet. Es spielen nicht nur die Erbanlagen sondern auch weitere bislang noch unbekannte Faktoren eine Rolle.“

Welche Ursachen das sind und wie sie genau zusammenspielen, soll nun die Studie klären.

Mit Hilfe genetischer Tests, Blutuntersuchungen sowie moderner bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) wird nach aussagekräftigen Risikofaktoren gefahndet.

Insgesamt sind 42 Forschungsstandorte in den USA, Großbritannien, Kanada und Europa beteiligt.

Das Team von Prof. Schulz-Menger, das im Bereich der Kardio-MRT auch mit dem HELIOS Klinikum Berlin-Buch kooperiert, gehört mit ihrem Team zu den drei an der Studie beteiligten deutschen Forschungseinrichtungen mit MRT-Expertise. „Dies ist die bislang größte und wichtigste Studie zur hypertrophen Kardiomyopathie, die die Therapie und Prognose von HCM-Patienten in Zukunft deutlich verbessern wird“, sagt Prof. Schulz-Menger.

 „Unser Ziel ist es, mit der Kombination verschiedenster Verfahren, Patienten mit hohem Risiko für den plötzlichen Herztod zu erkennen, um diese in Zukunft besser und beraten und behandeln zu können – und so das individuelle Risiko für plötzlichen Herztod zu minimieren.“

Es werden noch Studienteilnehmer gesucht:

Interessierte Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit bestätigter hypertropher Kardiomyopathie (HCM) oder Verdacht auf HCM können sich jederzeit unter der Telefonnummer +49 30 450 540 625 (Anrufbeantworter) oder per Mail unter simone.fritschi@charite.de melden und an der Studie teilnehmen. 

Weitere Informationen zur Studienteilnahme und Ansprechpartnern hier.



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Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger
Experimental and Clinical Research Center (ECRC) – Kardiologie
Campus Berlin Buch
t: +49 30 450 553 749/ 940153536

Sportler: Plötzlicher Herztod - besser ist: der angemessenen „Dosis Sport“

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Achtung Athletenherz

Ist weniger Sport mehr? Expertendiskussion im Herz- und Diabeteszentrum NRW:
Warum Sportler ein höheres Risiko haben, einen plötzlichen Herztod zu erleiden. 

 
Eigentlich leben Sportler doch gesünder, so sollte man meinen. Tatsächlich haben Athleten statistisch gesehen ein deutlich größeres Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden. Warum das so ist, erläuterte PD Dr. Frank van Buuren in seinem Eröffnungsvortrag zur zweitägigen Fortbildungsveranstaltung für Sportmediziner, die am vergangenen Wochenende unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Dieter Horstkotte, Chefarzt der Kardiologie, den Oberärzten PD Dr. Frank van Buuren und Dr. Klaus-Peter Mellwig sowie Dr. Ulrich Schneider, Leiter der Abteilung Sportmedizin der Sportklinik Hellersen, im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, stattfand.

„Die Interpretation der medizinischen Daten von Sportlern ist oft schwierig“, sagt PD Dr. van Buuren.

„Zum Beispiel kann es EKG-Abweichungen geben, die bei Nicht-Sportlern auf eine Herzkrankheit hinweisen würden.  

Eine dicke Wand der linken Herzkammer ist für jeden Arzt ein Alarmsignal für eine krankhafte Herzvergrößerung.

Bei einem gut trainierten Sportler muss dies jedoch nichts bedeuten.“ 

  • Dadurch seien tatsächliche Risiken bei Sportlern nicht einfach zu erkennen.

Mit dem Athletenherz befasst sich die Medizin etwa seit Ende des 19. Jahrhunderts. Während es zunächst darum ging, wie sich ein Sportherz bei zunehmendem Trainingspensum entwickelt und worauf zu seinem Schutz geachtet werden muss, stehen heute spezielle Themen der Sportkardiologie, insbesondere der Vorbeugung von Herzerkrankungen mittels Sport, im Vordergrund.

  • Dass zuviel Sport der Gesundheit schaden kann, darauf wies Dr. Ulrich Schneider in seinem Vortrag hin. 

Insbesondere Extremsportarten, bei denen über 5.000 Höhenmeter überwunden werden und deren Wettkämpfe bis zu 19 Stunden dauern können, sollten nicht ohne medizinische Begleitung durchgeführt werden, warnte der Facharzt.

Die deutsche Zehnkampfnationalmannschaft lässt sich bereits seit fünf Jahren regelmäßig von den Sportkardiologen des HDZ NRW untersuchen. Ihr Manager Claus Marek stellte den systematischen Trainings- und Leistungsaufbau seiner jungen Mannschaft vor, die sich zur Zeit in Südafrika auf die olympischen Sommerspiele 2016 vorbereitet. „Das Wohl unserer Athleten steht für uns an erster Stelle. Ganz wichtig sind die Hinweise, die wir von der Gesundheits- und Leistungskontrolle mit Hinblick auf jede individuelle Trainingssituation erhalten“, sagt Marek. „Wir wollen bei den kommenden Herausforderungen alles richtig machen und vertrauen auf den erfahrenen medizinischen Partner an unserer Seite.“

Auch Oberarzt Dr. Klaus-Peter Mellwig, Leiter der Sportkardiologie, blickt in die Zukunft: „Im nächsten Jahr werden wir uns mit der angemessenen „Dosis Sport“ für Ältere beschäftigen. Dazu werden wir gewiss wieder bekannte Gäste aus der Sportszene als Referenten gewinnen.“

Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist ein international anerkanntes Zentrum zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Mit 37.000 Patienten pro Jahr, davon 15.000 in stationärer Behandlung, ist das HDZ NRW ein führendes Spezialklinikum in Europa. Unter einem Dach arbeiten vier Universitätskliniken und Institute seit 30 Jahren interdisziplinär zusammen. Das HDZ NRW ist Universitätsklinik und zugleich Akademisches Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum.

(v.l.) Claus Marek, Dr. Klaus-Peter Mellwig, Dr. Ulrich Schneider und Privatdozent Dr. Frank van Buuren (v.l.) Claus Marek, Dr. Klaus-Peter Mellwig, Dr. Ulrich Schneider und Privatdozent Dr. Frank van Buuren
(Foto: Armin Kühn).


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