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CAVE: Einladung zur Studie zur Prävention psychischer Erkrankungen-Angstattacken/Paniksymptomen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Panik!? Was nun? – Psychologen suchen Studienteilnehmer für Präventionsprogramm

Am Institut für Psychologie der Universität Greifswald startet eine Studie zur Prävention psychischer Erkrankungen. 

  • Ziel ist, das Erkrankungsrisiko bei Personen mit Angstattacken mithilfe eines Präventionsprogramms zu verringern. 
 
Für die Studie werden in Greifswald und Dresden insgesamt 300 Personen mit Angstattacken gesucht.

Im Forschungsprojekt „Indizierte Prävention psychischer Störungen bei Personen mit initialen Paniksymptomen:

Untersuchung der Wirksamkeit und zugrundeliegenden Wirkmechanismen“ arbeiten die Greifswalder Wissenschaftler mit Kolleginnen und Kollegen an der TU Dresden zusammen.

Die Studie wird mit rund 720.000 Euro über drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

  • Plötzliche intensive Angst, Panik oder extreme Anspannung – etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat schon einmal eine solche Angstattacke erfahren. 
  • Personen, die solche Situationen erlebt haben, haben häufig ein erhöhtes Risiko psychische Störungen wie zum Beispiel Angststörungen, Depressionen oder Suchterkrankung zu entwickeln (1).

Laut aktueller Daten aus der Gesundheitsstudie Study of Health in Pomerania (SHIP) http://www2.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html leiden über die Hälfe der Menschen (54,8 Prozent) in Vorpommern einmal in ihrem Leben an einer psychischen Erkrankung (2).

  • Psychische Erkrankungen sind mit erheblichen Leiden, Einschränkungen und Belastungen sowie Kosten verbunden, zum Beispiel durch Fehltage am Arbeitsplatz (3). 

Eine solche Angst- oder Panikattacke kann zu einer großen Verunsicherung, zu intensiven Sorgen und Ängsten führen.

  • In der Folge beginnen machen Personen eine Vielzahl an Situationen, Orten und Aktivitäten zu vermeiden oder suchen häufig Ärzte auf. 

Sie schränken ihr Leben stark ein, ziehen sich zurück und verlassen im schlimmsten Fall nicht mehr das Haus.

Andere Menschen wiederum versuchen Panik und Ängste mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten zu lindern.

Es kommt zu einer starken Einschränkung der Lebensführung und Lebensqualität. Diese Personen sind stark belastet und leiden unter den Ängsten und Panikattacken.

Die Studie wir geleitet von Dr. Christiane Pané-Farré https://psychologie.uni-greifswald.de/43051/lehrstuehle-ii/klinische-und-physiol... von der Universität Greifswald und Prof. Dr. Katja Beesdo-Baum https://tu-dresden.de/mn/psychologie/behav_epi/die-professur/inhaber-in von der TU Dresden.

Was ist eine Angst- oder Panikattacke?
Eine Angst- bzw. Panikattacke ist eine Episode intensiver Angst oder eines Gefühls starken Unbehagens, welche mit verschiedenen Symptomen, wie beispielsweise Kurzatmigkeit, Herzklopfen und Zittern einhergeht. 

Die Angst tritt dabei abrupt und unerwartet auf.

Was ist das Präventionsprogramm?
„Um zu verhindern, dass Personen mit Angstattacken anhaltende psychische Probleme entwickeln, haben wir die aktuell wirksamsten Methoden in einem Präventionsprogramm zusammengestellt“, erklärt Studienleiterin Dr. Christiane Pané-Farré von der Universität Greifswald. In zwei kurzen Trainingssitzungen sollen Teilnehmer zusammen mit erfahrenen Trainern einen neuen Umgang mit Angst und Panik erlernen, um langfristig Angst und Belastungen bewältigen zu können.

Was wird in der Studie untersucht?
„Uns interessiert, warum manche Menschen auf unterschiedliche Situation sehr sensibel reagieren und eventuell psychische Probleme in Folge einer Angstattacke entwickelten, erklärt Dr. Christoph Benke, Mitarbeiter im Forschungsprojekt. Mithilfe von Befragungen und Untersuchungen körperlicher Reaktionen soll untersucht werden, ob sich diese Reaktion durch eine Präventionsmaßnahme verändert und welche langfristigen Effekte Angstattacken und die Präventionsmaßnahme haben.

Wer kann an der Studie teilnehmen?
Für die Studie werden Teilenehmerinnen und Teilnehmer gesucht,
• die innerhalb der vergangenen 12 Monate einen Angstanfall (Angstattacke/Panikattacke) erlebt haben, bei dem sie ganz plötzlich von einem Gefühl starker Angst, Beklommenheit oder Unruhe überfallen wurden,
• zwischen 18 und 40 Jahre alt sind,
• sich aktuell nicht wegen psychischer Probleme in Behandlung befinden und
• bereit sind, an einer Präventionsmaßnahme in Kombination mit verschiedenen Befragungen und körperlichen Untersuchungen teilzunehmen.
Die Präventionsmaßnahme ist kostenlos; zusätzlich erhalten Teilnehmer eine finanzielle Aufwandsentschädigung für die diagnostischen Untersuchungen im Rahmen der Studie.

Interessierte können sich für die Studie auf unserer Website anmelden und weitere Informationen erhalten: http://www.panik-was-nun.de

Gerne können sich Interessierte auch direkt an unser Studienteam wenden:
panik-was-nun@uni-greifswald.de, Telefon 03834 420 3730


Weitere Informationen
(1) Siehe Asselmann et al., 2014 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022395614001071; Pané-Farré et al., 2013 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0887618513001321
(2) Siehe Asselmann et al., 2018) https://link.springer.com/article/10.1007/s00406-018-0911-5
(3) Siehe Wittchen & Jacobi, 2005 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0924977X05000751?via%3Dihub

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Institut für Psychologie
Lehrstuhl für Physiologische und Klinische Psychologie/Psychotherapie
Dr. Christiane Pané-Farré (Studienleitung)
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Telefon 03834 420 3746
christoph.benke@uni-greifswald.de
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Einladung zur Kinder/Eltern Studie: Depressionen, Angststörungen, Sucht oder Schizophrenie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie Kinder psychisch kranker Eltern gestärkt werden können

BMBF fördert das Forschungsprojekt „COMPARE-emotion“ an den Universitäten Gießen und Bochum mit rund 1,1 Millionen Euro – Emotionsverarbeitung und -regulation im Fokus – Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Studie gesucht 
 
Psychische Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet:

Knapp 30 Prozent aller Deutschen sind im Laufe ihres Lebens mindestens einmal betroffen. 
Depressionen, Angststörungen, Sucht oder Schizophrenie sind nicht nur mit erheblichen Leiden und Beeinträchtigungen für die Betroffenen verbunden. 
Auch das soziale Umfeld leidet unter der tabuisierten Krankheit. 

Am deutlichsten wird das, wenn psychisch erkrankte Menschen minderjährige Kinder haben.

Kinder psychisch kranker Eltern stehen daher im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts an sechs deutschen Universitäten, darunter der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) unter der Leitung von Prof. Dr. Christina Schwenck (Professur für Förderpädagogische und Klinische Kinder- und Jugendpsychologie).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert im Rahmen der Initiative „Gesund ein Leben lang“ das Teilprojekt „Emotionsverarbeitung und -regulation bei Kindern von Eltern mit psychischer Erkrankung (COMPARE-emotion)“ in den kommenden vier Jahren mit insgesamt rund 1,1 Millionen Euro. Beteiligt sind daran auch die Professur für Psychotherapie und Systemneurowissenschaften der JLU (Prof. Dr. Rudolf Stark) und die Juniorprofessur für Entwicklungsneuropsychologie der Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. Sarah Weigelt).

Das mit dem Projekt verbundene Therapieangebot ist Teil des Forschungsprojekts „Children of Mentally Ill Parents at Risk Evaluation (COMPARE)” unter der Leitung von Prof. Dr. Hanna Christiansen, Professur für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Philipps-Universität Marburg.

„Ich freue mich sehr darüber, dass unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der BMBF-Förderinitiative erfolgreich waren und gratuliere ihnen herzlich zu diesem Erfolg“, so JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. „Mit ihrer Forschung tragen sie dazu bei, dringend benötigte kindgerechte Therapien und Präventionsansätze zu entwickeln, damit psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen möglichst vermieden werden können. Denn viele Therapien sind auf Menschen mittleren Alters zugeschnitten.“

Schätzungen zufolge haben rund 4,75 Millionen Minderjährige in Deutschland mindestens ein psychisch erkranktes Elternteil.  

Für sie ist es ganz besonders schwierig zu verstehen, warum Mama oder Papa sich plötzlich anders verhalten, nicht mehr mit ihnen spielen oder lachen können. 

Viele Kinder psychisch erkrankter Eltern müssen mehr Verantwortung übernehmen, als es in ihrem Alter angemessen ist. 

Sie machen sich Sorgen um ihre Eltern und suchen die „Schuld“ für das Verhalten der Eltern bei sich selbst, weil sie nicht wissen oder verstehen, worunter die Eltern leiden.
  • Hinzu kommt, dass Kinder psychisch erkrankter Eltern selbst ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, an einer psychischen Störung zu erkranken. 
Dieses erhöhte Risiko ist einerseits damit zu erklären, dass psychische Störungen teilweise genetisch bedingt sind.

Zum anderen sind die Kinder durch die Erkrankung der Eltern stärker belastet.

„Es ist daher dringend notwendig, präventive Angebote zu initiieren, um den Teufelskreislauf zu durchbrechen und zu verhindern, dass die Kinder selbst erkranken“ , so Projektleiterin Schwenck.  

„Faktisch bestehen in unserem Gesundheitssystem jedoch kaum Möglichkeiten, sich diesen Kindern zu widmen, solange sie selbst noch nicht erkrankt sind.“

Auch in der Forschung wurde das Thema Kinder psychisch erkrankter Eltern bislang kaum behandelt. Im Rahmen der BMBF-geförderten multizentrischen Studie sollen Eltern, die unter einer psychischen Störung leiden und Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren haben, psychotherapeutisch behandelt werden. Die Hälfte der Eltern erhält zusätzlich ein Elterntraining, das sogenannte Positive Erziehungsprogramm (Triple P)
  • Das Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob sich diese zusätzliche Maßnahme positiv auf die Gesundheit der Kinder auswirkt. Für die Eltern ist die therapeutische Behandlung kostenlos, sie wird von den Krankenkassen getragen.
Am Standort Gießen werden zudem mögliche Übertragungswege der psychischen Erkrankung von den Eltern auf die Kinder untersucht. 

Dabei geht es vor allem darum, wie Kinder psychisch erkrankter Eltern Gefühle wahrnehmen, verarbeiten und steuern. 

Die Kinder nehmen an verschiedenen Verhaltensexperimenten teil. 

Von einem Teil der Kinder untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die Gehirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT).

 „Von dieser Studie erhoffen wir uns Aufschluss über Ansatzpunkte präventiver Maßnahmen für die Kinder psychisch erkrankter Eltern“, so Schwenck.

Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gesucht
  • Für die Studie sucht das Gießener Wissenschaftlerteam ab Januar 2018 noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer. 
  • Teilnehmen können Eltern mit einer psychischen Erkrankung, die Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren haben, und sich einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung unterziehen wollen.
  • Gleichzeitig werden Eltern ohne psychische Erkrankung mit Kindern im Alter zwischen 6 und 12 Jahren gesucht, um die Gefühlsverarbeitung der Kinder beider Gruppen vergleichen zu können. 

Selbstverständlich unterliegen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei allen Erhebungen der Schweigepflicht.

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Caroline Link Justus-Liebig-Universität Gießen
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Arbeits- und Berufsunfähigkeit: Psychsiche Erkrankungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Paul-Martini-Symposium: Neue Ansätze für die medikamentöse Therapie psychischer Erkrankungen

„Psychische Erkrankungen einschließlich Sucht bedeuten großes Leid für die direkt Betroffenen und ihre Angehörigen; und zudem verursachen sie jährlich mehr als 152 Milliarden Euro Kosten allein in Deutschland, insbesondere durch Arbeits- und Berufsunfähigkeit.

Aus beiden Gründen ist es dringend geboten, neue Therapien zu entwickeln.“ 

Dies erklärte Prof. Dr. Peter Falkai, LMU München, beim Symposium „Neue Targets und Therapieansätze bei psychischen Erkrankungen“, das er zusammen mit Prof. Dr. Stefan Endres, LMU München, leitete. 
 
Veranstalter des Symposiums am 17. und 18. November in Berlin war die Paul-Martini-Stiftung (PMS) in Verbindung mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Auf die etablierten Klassen von Psychopharmaka sprechen immerhin etwa zwei Drittel der Patienten mit schweren und mittelgradigen Verlaufsformen psychischer Erkrankungen an.

Für das übrige Drittel richtet sich die Hoffnung auf neue Wirkstoffklassen.

In der Pharmazeutischen Industrie, in der derzeit nur vergleichsweise geringe Entwicklungsaktivitäten auf psychische Erkrankungen entfallen, kann es bald neuen Schub für mehr Innovationen geben. Das zeigte Dr. Siegfried Throm vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), Berlin. Die Grundlage dafür seien u.a. Fortschritte in der Genforschung, der molekularen Aufklärung von Signalwegen und bei bildgebenden Diagnoseverfahren. Hierzu hätten insbesondere gemeinsame Forschungsprojekte von Wissenschaft und Industrie im Rahmen der Innovative Medicines Initiative beigetragen, die gemeinsam von der EU und der Industrie finanziert wird.

In den letzten Jahren wurde unter anderem die Bedeutung neuro-epigenetischer Prozesse für psychische Krankheiten herausgearbeitet, wie Prof. Dr. André Fischer (Universität Göttingen) erläuterte. Beispielsweise konnte im Tiermodell gezeigt werden, dass sich Kognition mit Inhibitoren der Histon-Deacetylasen – einer Gruppe von für epigenetische Genomveränderungen wichtigen Enzymen – verbessern lässt.

Repurposing
  • Manchmal zeigen neue Einsichten in die Pathophysiologie psychischer Erkrankungen auch, dass für bestimmte Indikationen zugelassene Medikamente erfolgreich auch für ein anderes Therapiegebiet umgewidmet werden können (Repurposing).
So könnte das zugelassene Diuretikum Spironolacton laut Prof. Dr. Moritz Rossner (LMU München) möglicherweise einen Beitrag zur Schizophrenie-Therapie leisten.

Laut Prof. Dr. Josef Priller (Charité, Berlin) gehen schizophrene Psychosen auch mit (Auto-)Immunprozessen einher. Das deutet auf Behandlungsmöglichkeiten mit verfügbaren Immunmodulatoren hin.

Zu diesen zählen als Add-On-Medikation beispielsweise nichtsteroidale Antiphlogistika und das zugelassene Antibiotikum Minocyclin, die die Aktivierung von Mikroglia verhindern können.

Laut Prof. Dr. Isabella Heuser (Charité, Berlin) ist für Minocyclin auch eine antide-pressive Anwendung vorstellbar, da auch bei Depressionen aktivierte Mikroglia eine Rolle zu spielen scheint. Gegen diese Krankheit wird zudem seit einigen Jahren von Pharmaunternehmen und Forschungsinstituten, neben anderen Wirkstoffen, das von einem Narkosemittel abgeleitete S-Ketamin erprobt, wie Dr. Michael Friede vom Unternehmen Lundbeck (Hamburg) ausführte.

Das bisher in der Geburtsmedizin eingesetzte Hormon Oxytocin hat ebenfalls Potenzial für die Psychiatrie. 
Seine vielfältigen Wirkungen scheinen laut Prof. Dr. Sabine Herpertz (Universität Heidelberg) adaptives Verhalten in der sozialen Umwelt zu fördern.
Allerdings sei die Wirkung bei Männern und Frauen zum Teil konträr.
  • In Studien habe Oxytocin zum Beispiel bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen oder sozialen Ängsten positive Effekte erzielt.
Ebenfalls lange schon für andere Zwecke zugelassen ist der Wachstumsfaktor Erythropoietin.
Mit diesen lassen sich möglicherweise auch kognitive Defizite bei bestimmten psychischen Krankheiten lindern. Wie Prof. Dr. Dr. Hannelore Ehrenreich (MPI für Experimentelle Medizin und DFG-Forschungszentrum Göttingen) berichtete, regt es in Tierversuchen die Bildung neuer Neuronen und Oligodendrozyten aus Vorläuferzellen an. In klinischen Prüfungen hat es bei Patienten mit Schizophrenie oder affektiven Störungen positive Wirkungen auf Kognition gezeigt.

Zur Behandlung der Schizophrenie werden schließlich auch Medikamente mit Wirk-prinzipien erprobt, die bisher nur bei anderen psychischen Erkrankungen genutzt wurden; sie adressieren beispielsweise die glutamaterge oder GABAerge Neurotransmission.

Weitere Fortschritte in der Schizophreniebehandlung seien aber vor allem durch früheren Therapiebeginn und bessere Abstimmung medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapiemaßnahmen zu erzielen. 

Darüber berichtete Dr. Ludger Hargarter vom Unternehmen Janssen (Neuss).

Suchterkrankungen

Intensiv widmete sich das Symposium dem Thema Sucht. Bei deren Entwicklung spielen das Belohnungssystem und die Ausbildung automatisierter Gewohnheiten eine zentrale Rolle. Wie Prof. Dr. Rainer Spanagel (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim) berichtete, führt Neuroadaption zu einer reduzierten Wirkung von nicht-drogenassoziierten Reizen und alternativen Belohnungen sowie erhöhter Stress-Reaktivität. An der Abhängigkeitsentwicklung sind laut Prof. Dr. Helge Frieling (MHH Hannover) auch epigenetische Prozesse beteiligt. Diese Erkenntnisse könnte zu neuen Biomarkern für Sucht und zu individualisierten Behandlungen führen.

Stand und Perspektive zur Alkoholabhängigkeit stellte Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz (Charité, Berlin) vor.

  • Drei zugelassene Medikamente unterstützten die Konsumreduktion bzw. Aufrechterhaltung der Abstinenz. 

Verhaltenstraining sei geeignet, intensiv positive Reaktionen auf die Verfügbarkeit von Alkoholika vermeiden zu lernen. Die Rolle von Baclofen (zugelassen zur Spastik-Therapie), das die Dopamin-Reaktion auf Alkohol dämpft, müsse weiter erforscht werden, ebenso die Eignung bestimmter Antiepileptika gegen Alkoholsucht.

Neue Ansatzpunkte bei Angst- und Depressionsstörungen

Für die Behandlung von Angst- und Depressionsstörungen konnten in den letzten Jahren neue Ansatzpunkte herausgearbeitet werden.

So haben glial/neuronale Interaktionen für die Wirkung von Antidepressiva eine Bedeutung, wie Prof. Dr. Rainer Rupprecht (Universität Regensburg) darstellte. Neue anxiolytische Medikamente könnten am Translokator-Protein (TSPO) ansetzen, das sich u.a. in steroidbildenden Zellen des zentralen Nervensystems findet. Der daran bindende experimentelle Wirkstoff XBD173 zeige in Probandenstudien im Unterschied zu Benzodiazepinen eine anxiolytische Wirkung ohne Sedierung oder Absetzphänomene auf.

Stress zählt zu den stärksten Risikofaktoren für die Entwicklung von Angst- und Depressionsstörungen. Stressfolgen lassen sich aber möglicherweise mit Antagonisten des Chaperon-Proteins FKBP5 inhibieren. In Tierversuchen haben sie erste vielversprechende Ergebnisse gezeigt, wie Prof. Dr. Dr. Elisabeth Binder (MPI für Psychiatrie, München) berichtete.

Nach Ausführungen von Prof. Dr. Johannes Kornhuber (Universität Erlangen) könnte das Ceramid-System und das darin aktive Enzym Acid Sphingomyelinase (ASM) ein wichtiger Ansatzpunkt für die Therapie der schweren Depression sein. Dafür spricht, dass viele tri- und tetrazyklische Antidepressiva dieses Enzym hemmen und dass hohe Ceramid-Konzentration im Tiermodell zu depressionsähnlichem Verhalten führt.

Prävention

Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim) betonte, wie wichtig es sei, psychischen Krankheiten künftig besser vorzubeugen. Dafür wesentliche Faktoren seien in bestimmten Umweltfaktoren, die auf das sich entwickelnde Gehirn einwirken, gefunden worden. Daraus ließen sich primärpräventive Ansätze ableiten.

Fazit

„Bei Autoimmun- und Krebserkrankungen ist es in den letzten Jahren durch Aufklärung der molekularen Pathomechanismen gelungen, wesentlich wirksamere Therapien zu entwickeln. Das Symposium zeigt, dass sich auch die Psychiatrie auf diesem Weg befindet. Dies macht Hoffnung, auch Patienten mit bisher therapierefraktären Erkrankungen künftig helfen zu können – immer in bestmöglicher Abstimmung und Ergänzung zu nicht-medikamentösen Therapien“, so Co-Leiter Prof. Dr. Stefan Endres (LMU München) abschließend.

Die Paul-Martini-Stiftung

Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden Pharmaindustrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden. Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, der als Verband derzeit 43 forschende Pharma-Unternehmen vertritt.

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