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Coronavirus (SARS-CoV-2) in der Muttermilch einer infizierten Frau - quantitative Echtzeit-PCR (RT-qPCR)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Möglicher Übertragungsweg von SARS-CoV-2? Erstmals neues Coronavirus in Muttermilch nachgewiesen

Virologen der Ulmer Universitätsmedizin haben das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) in Muttermilch nachgewiesen. 

Für ihren Beitrag ("letter") im Fachjournal "The Lancet" haben die Forschenden die Muttermilch von zwei Frauen untersucht, die nach der Entbindung positiv getestet worden waren. 

Bei einer Mutter gelang es tatsächlich, virale RNA des Coronavirus in der Milch nachweisen. 

Ob die Frau ihr ebenfalls infiziertes Baby über diesen oder einen anderen möglichen Übertragungsweg angesteckt hat, konnte nicht eindeutig geklärt werden. 

Die Untersuchung ist im Zuge des EU-Projekts Fight-nCoV entstanden. 

Prof. Jan Münch forscht am Institut für Molekulare Virologie der Ulmer Universitätsmedizin
 Prof. Jan Münch forscht am Institut für Molekulare Virologie der Ulmer Universitätsmedizin
Foto: Uniklinikum Ulm


  • Erstmals haben Ulmer Virologen das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) in der Muttermilch einer infizierten Frau nachgewiesen. 

Ihr Säugling erkrankte ebenfalls an COVID-19.

Ob sich das Kind tatsächlich über die Muttermilch angesteckt hat, ist allerdings unklar.

Dennoch liefert der im renommierten Fachjournal „The Lancet“ erschienene Beitrag Hinweise auf einen möglichen neuen Übertragungsweg des Erregers.

Typischerweise wird SARS-CoV-2 über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben. 

Nun ist Forschenden der Ulmer Universitätsmedizin in Zusammenarbeit mit Karin Steinhart vom Gesundheitsamt Heidenheim zudem der Nachweis von SARS-CoV-2 in Muttermilch gelungen.

Dazu haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Professor Jan Münch und Rüdiger Groß die Muttermilch von zwei infizierten Frauen auf virale RNA des neuen Coronavirus untersucht.

Der Nachweis einer möglichen Virusinfektion und die Bestimmung der Viruslast erfolgte zu verschiedenen Zeitpunkten nach den positiven Corona-Testergebnissen der Mütter.

Der Krankheitsverlauf der beiden Frauen ist dokumentiert: Nach der Entbindung teilten sich beide gesunde Mütter gemeinsam mit den Neugeborenen ein Zimmer. Als eine der Frauen Krankheitssymptome entwickelte, wurde sie mit ihrem Neugeborenen isoliert und positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Die Zimmernachbarin bemerkte erst nach der Entlassung typische Symptome wie Husten, leichtes Fieber sowie einen Verlust ihres Geruchs- und Geschmacksinns. Daraufhin wurde auch diese Frau positiv auf SARS-CoV-2 getestet.

Während sich in den Muttermilch-Proben der zuerst erkrankten Frau keine Hinweise auf das neue Coronavirus fanden, war das SARS-CoV-2 Ergebnis in den Milchproben der zweiten Mutter vier Mal hintereinander positiv.

Dabei ermöglichte die angewandte Methode, die quantitative Echtzeit-PCR (RT-qPCR), nicht nur den Nachweis einer Infektion, sondern auch eine Bestimmung der Viruslast.

Diese lag bei etwa 100 000 viralen Genomkopien pro Milliliter Muttermilch.

Nach 14 Tagen war kein Virus mehr in der Muttermilch nachweisbar und Mutter wie Kind erholten sich von COVID-19.

Seit Beginn der Symptome hatte die später erkrankte Mutter beim Umgang mit dem Säugling eine chirurgischen Mund-Nasen Schutz getragen sowie ihre Hände und Brüste desinfiziert. 

Zudem sterilisierte sie regelmäßig die verwendete Milchpumpe und weitere Stillutensilien.

Dennoch bleibt unklar, ob sich das Baby tatsächlich beim Stillen infiziert hat.


„Unsere Studie zeigt, dass SARS-CoV-2 bei stillenden Frauen mit akuter Infektion in der Muttermilch nachweisbar sein kann.

Aber wir wissen noch nicht, wie oft dies der Fall ist, ob die Viren in der Milch auch infektiös sind und durch das Stillen auf den Säugling übertragen werden können“, erklärt Professor Jan Münch vom Ulmer Institut für Molekulare Virologie.

Die Untersuchung ist im Rahmen des EU-Projekts Fight-nCoV entstanden.

Über das Programm HORIZON 2020 erhält das von der Universität Stockholm geleitete Konsortium rund 2,8 Millionen Euro für zwei Jahre. Weiterhin wurde die Studie durch das Netzwerk des Ulmer Sonderforschungsbereiches 1279 zur Erforschung körpereigener Peptide unterstützt („Nutzung des menschlichen Peptidoms zur Entwicklung neuer antimikrobieller und anti-Krebs Therapeutika“).

Der Beitrag ist als „letter“ in „The Lancet“ erschienen. Anmerkung des Journals:
Correspondence pieces represent the views of the authors and not necessarily the views of The Lancet or any Lancet specialty journal. This Correspondence was peer-reviewed.

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Originalpublikation:
Rüdiger Groß, Carina Conzelmann, Janis A. Müller, Steffen Stenger, Karin Steinhart, Frank Kirchhoff, Jan Münch. Detection of SARS-CoV-2 in Human Breast Milk. The Lancet. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31181-8

Schalten Sie die kleinen und mittleren Springbrunnen ab....

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Springbrunnen bald kein Sprungbrett für Keime mehr?

Brandenburger Firma entwickelt Modul zur Wasserreinhaltung – DBU fördert
 
Über Tröpfcheninfektion werden Viren übertragen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweis: Frau Mengdi HU Business & Education Center St. Ingbert GmbH Spitalstraße 11 66386 St. Ingbert Telefon 01794246029  

Aber auch bakterielle Keime finden so ihren Weg und können so etwa Atemwegserkrankungen auslösen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Raumlufttechnische Anlagen  

  • So stellte die Firma Gebrüder Schröfel (Woltersdorf, Brandenburg) beispielsweise fest, dass es bei öffentlichen Springbrunnen vor allem im Sommer zu einer enormen Vermehrung von Bakterien, wie etwa Legionellen, kommen könne. 
  • Gerade diese Krankheitserreger könnten über den Sprühnebel in die Umgebungsluft verteilt werden und bei Aufnahme durch Einatmen teilweise schwere Erkrankungen wie eine Lungenentzündung hervorrufen. 

Innerhalb eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell mit rund 93.000 Euro geförderten Projekts will das Unternehmen daher ein Reinigungsmodul entwickeln, das die Qualität des Brunnenwassers deutlich länger erhalten soll.


Springbrunnen werden an heißen Tagen auch zum Abkühlen genutzt. Darunter leidet die Wasserqualität. Mit einem neuartigen Reinigungsmodus soll das Wasser deutlich länger nutzbar bleiben.
 Springbrunnen werden an heißen Tagen auch zum Abkühlen genutzt. Darunter leidet die Wasserqualität. Mit einem neuartigen Reinigungsmodus soll das Wasser deutlich länger nutzbar bleiben. Axel Steiner/piclease

Wasser wird im Kreislauf geführt – Qualität verschlechtert sich

„Brunnenanlagen prägen das Stadtbild vieler Städte auf der ganzen Welt“, sagt Franz-Peter Heidenreich, DBU-Fachreferent Kreislaufführung und Bautechnik. In deutschen Großstädten wie Berlin, Dresden, Bremen oder Stuttgart würden jeweils über 250 öffentliche Brunnen und Wasserspiele existieren.

Zwar würden die Brunnen mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser befüllt, und das Baden sei offiziell verboten. 

Doch das Wasser werde im Kreislauf geführt. 

Vor allem an heißen Tagen würden Erwachsene und Kinder es gerne zum Abkühlen und Spielen nutzen. Auch Vögel und Wildtiere nutzten das Wasser. 

Deshalb verschlechtere sich dessen Qualität.

Kleine und mittlere Brunnen verfügen über keine Reinigungsanlagen

„Bei wenigen großen Springbrunnen erfolgt das Entkeimen durch chemische Reinigungsmittel, sogenannte Biozide. Diese belasten jedoch die Umwelt und benötigen zudem eine teure Anlage, um die erforderliche Dosis abzumessen“, so Heidenreich. Bei kleinen und mittleren Brunnen gebe es solche Anlagen aus Kostengründen nicht.

Das Wasser werde zwar etwa alle vier bis sechs Wochen ausgetauscht, jedoch könnten sich innerhalb dieser Zeit bakterielle Krankheitskeime stark vermehren und auf Menschen im direkten Umfeld, zum Beispiel auch über den Sprühnebel, übertragen werden. 

Besonders Kinder, Senioren sowie kranke und immungeschwächte Personen hätten ein erhöhtes Erkrankungs-Risiko.

Reinigungsmodul soll Verkeimung und Algenbildung verringern

Um bei öffentlichen Springbrunnen das Verbreiten von Legionellen in die Umgebungsluft zu verhindern, hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) eine neue Richtlinie erlassen. „Springbrunnenbetreiber müssen zukünftig gewährleisten, dass die Keimkonzentration im Wasser so gering wie möglich ist. 

Da Algen ein ideales Rückzugsgebiet für viele Mikroorganismen darstellen, ist auch ein Eindämmen des Algenwachstums ein wichtiger Aspekt, um die Wasserverkeimung erfolgreich zu verringern“, sagt Projektleiter Günter Schröfel, Geschäftsführer des Unternehmens Gebrüder Schröfel.

Das von der Firma zu entwickelnde Reinigungsmodul soll die auch aus medizinischen Produkten bekannte desinfizierende Wirkung von Silber und Kupfer nutzen.

Damit werde sowohl die Verkeimung als auch die Algenbildung verringert. 

Ein weiterer Vorteil des neuartigen Moduls sei, dass es Wasser- und Reinigungskosten spare.

„Außerdem entwickeln wir innerhalb des Projekts ein preiswertes Verfahren zur Kontrolle der Wasserqualität“, so Schröfel.

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CAVE: Grippeimpfung im Herzkatheter-Labor

Medizin am Abend Berlin Fazit: Die wichtigsten Tipps zur Grippe-Impfung: Ältere Menschen sind besonders gefährdet

Jetzt beginnt wieder die Grippezeit. 

Gerade ältere Patienten sind durch Influenza-Viren besonders gefährdet. 

Bei ihnen sind 80 Prozent der Erkrankungen auf Viren oder Bakterien zurückzuführen. 

Deswegen raten Experten jetzt im September zur gezielten Grippeschutzimpfung. 

„Für ältere Menschen eignen sich insbesondere die sogenannten tetravalenten Impfstoffen, die jeweils zwei Antigene gegen beiden Influenza-Typen A und B haben“, sagt Dr. Andreas Leischker, Impfexperte der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) sowie Chefarzt der Klinik für Geriatrie des Alexianer-Krankenhauses Krefeld. 
 
  • Im Interview beantwortet Leischker die wichtigsten Fragen zu Influenza-Viren, aktuelle Übertragungsrisiken und den optimalen Grippe-Schutz.

Herr Dr. Leischker, wie wird eine Grippe, also eine Influenza, eigentlich übertragen?

Für die Übertragung spielen zwei Wege eine entscheidende Rolle. Zum einen die Tröpfcheninfektion: Über Niesen, Husten aber auch schon beim Sprechen werden Tröpfchen gebildet und über die Luft übertragen.

Besonders hoch ist das Übertragungsrisiko in geschlossenen, überfüllten Räumen, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo Menschen eng gedrängt stehen. 

Ein zweiter Weg ist die Übertragung über die Schmierinfektion. Hier spielen die Hände eine entscheidende Rolle. Nach dem Händeschütteln oder dem Anfassen einer Türklinke bleiben die Viren auf der Haut und werden dann beispielsweise beim Griff ans eigene Gesicht übertragen.

  • Wie können wir dieses Übertragungsrisiko verringern?

Das regelmäßige Waschen der Hände kann das Übertragungsrisiko deutlich verringern. Noch wirksamer ist es, wenn die Hände mit einem alkoholischen Präparat desinfiziert werden. Händedesinfektionsmittel in Gelform gibt es mittlerweile in jeder Drogerie – auch als kleine Pocketversion für die Handtasche.

  • Wie unterscheidet sich die echte Influenza-Grippe von einem grippalen Infekt?

Die „echte“ Grippe wird durch Influenzaviren verursacht, grippale Infekte durch eine Vielzahl von Viren.

Typisch für die echte Grippe ist ein plötzlicher Beginn mit hohem Fieber über 38,5 Grad, trockenem Husten ohne Auswurf, Halsschmerzen, Appetitlosigkeit sowie starken Kopf- und Gliederschmerzen. 
Gerade ältere Menschen brauchen oft sehr lange, bis sie sich von der Infektion erholt haben. Der entscheidende Punkt ist: Gerade bei alten Menschen kann eine Influenza auch zu Todesfällen führen. Deshalb ist die Impfung für ältere Menschen so wichtig.

Der Volksmund sagt, eine Grippe sei unangenehm, aber harmlos. Warum können Menschen daran sterben?

Hierfür gibt es mehrere Gründe: Oft kommt es gerade bei unterernährten Patienten oder bei Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus zu einer bakteriellen Superinfektion, die dann zu einer Lungenentzündung führt. Davon können übrigens auch junge Patienten betroffen sein. 1918 wurden Verstorbene obduziert, die an der „Spanischen Grippe“ verstorben sind. Bei fast allen Verstorbenen fanden sich in den Lungen und im Blut Pneumokokken - das sind Bakterien, die unter anderem Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und Mittelohrentzündungen verursachen können.

Weniger bekannt ist, dass eine Influenzainfektion das Risiko massiv erhöht, während der Erkrankung einen Herzinfarkt zu bekommen.

Schützt die Grippeimpfung also auch vor einem Herzinfarkt?

Ja, das belegt auch eine Studie. Patienten mit einem akuten Herzinfarkt wurden noch im Labor direkt nach der Herzkatheter-Untersuchung gegen Grippe geimpft. Eine andere Gruppe bekam eine Kochsalzlösung in den Arm gespritzt. Diejenigen mit dem Impfstoff bekamen deutlich seltener einen erneuten Herzinfarkt.

Also ist die Grippeimpfung auch eine „Impfung gegen Herzinfarkt“?

Wenn Sie es so nennen wollen ist das richtig.

  • Manche Menschen beklagen Nebenwirkung nach Impfung, kann das sein?

Das kann gut sein. Als Nebenwirkung können bei einigen Menschen unter anderem Muskelschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle und leichte Kopfschmerzen auftreten – jeder reagiert da unterschiedlich. Diese Symptome zeigen, dass der Körper auf die Impfung mit der Bildung von Antikörpern reagiert.

Andere beklagen nach dem Impfen hohes Fieber, Husten oder eine verstopfte Nase. Das Anzeichen für das Auftreten einer echten Grippe?

Das glauben viele, ist aber unmöglich. Bei der Injektion zur Influenza-Impfung handelt es sich um einen Totimpfstoff. In der Injektionslösung kann sich also kein einziges lebendes Viruspartikel befinden.

  • Warum haben dann so viele Menschen diese Erfahrung gemacht?

Die Erklärung ist einfach. Wir impfen meist im Oktober, teilweise auch bis in den November hinein. Zu diesem Zeitpunkt zirkulieren schon viele Erkältungsviren. Vermutlich haben sich einige schon vor der Grippeimpfung mit einem Erkältungsvirus infiziert. Zudem schützt die Influenza-Impfung nur vor der echten Grippe, nicht aber vor grippalen Infekten.

  • Sie hatten bereits die Senioren als Hochrisikogruppe genannt. Wer sollte sich noch gegen Influenza impfen lassen?

Ganz wichtig - und leider oft vergessen – sind alle Personen, die mit alten Menschen zusammen sind und sie betreuen. Das sind auch Angehörige wie die Enkelkinder, das Personal in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten, aber natürlich auch Ärzte.

Da sprechen Sie einen wunden Punkt an: Die Durchimpfungsrate von medizinischem Personal in Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr niedrig.

Ja, leider!

  • Wie schaffen es andere Länder, in diesem Punkt besser zu sein?

Die USA sind da ganz pragmatisch: Wer sich dort als Krankenschwester oder Arzt nicht jährlich gegen Influenza impfen lässt, muss in der Grippesaison während der gesamten Schicht eine Atemmaske tragen. Das ist so anstrengend und unangenehm, dass die Impfrate des Personals dort bei fast 100 Prozent liegt.
  • Wer sollte zusätzlich noch geimpft werden?

Unbedingt auch alle Menschen mit chronischen Erkrankungen. Zum Beispiel Diabetiker, Patienten mit Niereninsuffizienz, mit Herzkrankheiten oder Lungenerkrankungen. Auch Reisende sollten vorsorgen. Wenig bekannt ist, dass es auch in den Tropen Influenza gibt -sogar das ganze Jahr über. Zu beachten ist, dass die Länder der Südhalbkugel ihre Grippesaison zu unserer Sommerzeit haben.
  • Wie häufig muss gegen Grippe geimpft werden?

Gegen Grippe muss leider jedes Jahr neu geimpft werden. Die Grippeviren verändern sich immer wieder.
  • Gibt es dafür verschiedene Impfstoffe?

Ja. Die konventionellen Impfstoffe haben drei Antigene – zwei gegen Influenza A und eines gegen Influenza B. Wir nennen sie deshalb trivalent. Seit einigen Jahren gibt es tetravalente Grippeimpfstoffe mit einem zusätzlichen Antigen gegen Influenza B. Diese wirken insbesondere dann besser, wenn in der jeweiligen Saison neue Influenza-Viren vom Typ B zirkulieren.
  • Werden die tetravalenten Impfstoffe auch von der Krankenkasse bezahlt?

Das ist innerhalb von Deutschland unterschiedlich und wird von der jeweiligen kassenärztlichen Vereinigung geregelt. Dazu sollte jeder seinen Hausarzt oder Geriater vor Ort fragen.
  • Gibt es spezielle Grippeimpfstoffe für ältere Menschen?

Ja, die gibt es. Bei älteren Menschen wirken die normalen Grippeimpfstoffe nicht so gut, weil das Immunsystem weniger Antikörper bildet. In Deutschland sind deshalb speziell für Menschen ab dem 65. Lebensjahr Impfstoffe mit einem Wirkungsverstärker zugelassen.
  • Warum wird dann nicht jeder mit diesen Impfstoffen geimpft?

Weil dieser Wirkungsverstärker oft zu verstärkten Lokalreaktionen führt. So kann der Arm anschwellen und schmerzen.
  • Gibt es dann Alternativen dafür?

Auch die gibt es mittlerweile. In den USA ist ein Impfstoff mit vierfachem Antigengehalt zugelassen, der auch bei älteren Menschen sehr gut wirkt. Leider ist dieser Impfstoff in Deutschland noch nicht verfügbar.
  • Schützt die Grippeimpfung auch gegen die sogenannte Schweinegrippe?

Das funktioniert. In den Grippeimpfstoffen ist seit der letzten H1N1-Pandemie auch eine Komponente gegen Schweinegrippe enthalten.
  • Herr Dr. Leischker, wie schützen Sie sich als Arzt gegen Influenza?

Als Geriater habe ich täglich Kontakt mit alten Patienten – die möchte ich natürlich nicht anstecken. Ich lasse mich deshalb jedes Jahr gegen Influenza impfen. Übrigens auch mit einem tetravalenten Impfstoff.

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Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Ärzte, die sich auf die Medizin der späten Lebensphase spezialisiert haben. Wichtige Schwerpunkte ihrer Arbeit sind neben vielen anderen Bewegungseinschränkungen und Stürze, Demenz, Inkontinenz, Depressionen und Ernährungsfragen im Alter. Häufig befassen Geriater sich auch mit Fragen der Arzneimitteltherapie von alten Menschen und den Wechselwirkungen, die verschiedene Medikamente haben. Bei der Versorgung geht es darum, den alten Menschen ganzheitlich zu betreuen und ihm dabei zu helfen, so lange wie möglich selbstständig und selbstbestimmt zu leben. Die DGG wurde 1985 gegründet und hat heute rund 1700 Mitglieder.

Flüchtlingshilfe in Berlin: Schwindsucht - Tuberkulose (TB) - Behandlungskonzepte

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Tuberkulose: Aktuelle Empfehlungen zur Therapie

Die Tuberkulose zählt weltweit zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten, ihre Behandlung ist nach wie vor langwierig und schwierig. Ärzte und Wissenschaftler am Klinischen Tuberkulosezentrum des DZIF entwickeln neue Therapien, behandeln Patienten und beraten Kollegen in ganz Deutschland. Der aktuelle Stand der Tuberkulosetherapie wurde nun in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine zusammengefasst. 

Prof. Christoph Lange (li) mit Patient
 Prof. Christoph Lange (li) mit Patient  DZIF/ Foto: ScienceRELATIONS
 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachthema: Diagnosedaten in Kliniken  


Mehr als neun Millionen Menschen erkranken jährlich neu an einer Tuberkulose (TB); 1,5 Millionen sterben an den Folgen der Erkrankung. 

Die Krankheit – im Volksmund Schwindsucht genannt – wird durch Bakterien ausgelöst und per Tröpfcheninfektion durch Husten übertragen.

  • Tuberkulose ist eine Krankheit, die nach der Infektion mit den Erregern bis zu einem Jahr braucht, bis sie ausbricht.  

Therapiert wird sie mit einer Kombination aus verschiedenen Antibiotika, die über viele Monate genommen werden müssen.

  • Besonders kompliziert wird die Tuberkulosetherapie durch die Ausbreitung Antibiotika-resistenter Stämme der Tuberkulosebakterien. Nebenwirkungen, hohe Behandlungskosten und mangelnde Aufklärung führen häufig zum Therapieabbruch.

Das Klinische Tuberkulosezentrum des DZIF am Forschungszentrum Borstel gehört weltweit zu den führenden medizinischen Einrichtungen, in denen Grundlagenforschung und klinische Anwendung für Tuberkulose eng verbunden sind. Hier ist man auch auf die Behandlung multiresistenter Tuberkulosen (MDR-TB) spezialisiert. „Wir setzen zunehmend auf maßgeschneiderte Behandlungskonzepte, bei denen die Antibiotika individuell zusammengestellt werden“, erklärt Dr. Christoph Lange, Ärztlicher Leiter der Klinischen Infektiologie in Borstel und Professor für International Health/Infectious Diseases an der Universität Lübeck.

Die neuesten Behandlungsmöglichkeiten haben die Wissenschaftler nun in einer Veröffentlichung zusammengefasst.

In einer interaktiven Graphik können Ärzte weltweit für unterschiedliche Behandlungssituationen eine geeignete Therapie finden.

Daneben bietet ein 6-köpfiges Ärzte-Team um Professor Lange einen umfassenden klinischen Beratungsservice zu Fragen der Tuberkulose und Erkrankungen durch nicht-tuberkulöse Mykobakterien an (04537/188 2110). 

Für die Therapieberatung von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose haben sie mit Mitteln des DZIF ein nationales TB-Online-Consilium (http://dzif.fz-borstel.de) aufgebaut.

„In Deutschland ist die Tuberkulose selten geworden.

Doch gerade in ärmeren Ländern und Krisenherden ist unser Engagement gefragt, denn dort fehlen die Ressourcen, um die Tuberkulose zu bekämpfen und die Menschen zu heilen“, erklärt Christoph Lange.

Und mit den Flüchtlingen werde die Krankheit auch unseren Ärzten wieder häufiger begegnen, ist der Arzt und Wissenschaftler sich sicher.

Publikation
N Engl J Med. 2015 Nov 26; 373(22):2149-2160.
Treatment of Tuberculosis.
Horsburgh CR Jr, Barry CE 3rd, Lange C
DOI: 10.1056/NEJMra1413919

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Janna Schmidt und Karola Neubert
T +49 531 6181 1170/1154
Karola Neubert Deutsches Zentrum für Infektionsforschung


Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit rund 300 Wissenschaftler aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte 
http://www.dzif.de