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Einschlafen und Aufwachen: Schlaf-Wach- Rhythmus - Schaltzentrale

Medizin am Abend Berlin Fazit: Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn

Bisher wurde vermutet, dass verschiedene Hirnregionen für das Einschlafen und
Aufwachen zuständig sind. 


Nun haben Berner Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler entdeckt, dass eine einzelne Schaltzentrale im Gehirn den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. 
  • Die Erkenntnisse sind von grosser Bedeutung für die Behandlung von Schlafstörungen und den damit verbundenen Krankheiten. 

Mit Hilfe einer Technik namens Optogenetik können die thalamischen Zellen im Gehirn mit Lichtimpulsen gesteuert werden.
Mit Hilfe einer Technik namens Optogenetik können die thalamischen Zellen im Gehirn mit Lichtimpulsen gesteuert werden. © Pascal Gugler für Insel Gruppe
 
Jede Nacht schlafen wir mehrere Stunden lang, wachen am Morgen auf und starten in den Tag.

Wie das Gehirn diesen Schlaf-Wach-Zyklus steuert, ist bislang unklar.

Unser Schlaf besteht aus zwei Phasen: 

dem sogenannten non-rapid eye movement (NREM oder Tief-)Schlaf, und dem REM- (oder paradoxen) Schlaf, in dem am intensivsten geträumt wird.

In experimentellen und klinischen Untersuchungen konnten zwar bereits wichtige Schaltkreise im Gehirn identifiziert werden, aber die zugrunde liegenden Mechanismen, die das Einschlafen und Aufwachen sowie die Erhaltung des Schlafprozesses steuern, sind noch weitgehend unbekannt.

Wenn wir einschlafen, zeigen sich im Elektroenzephalogramm (EEG) rhythmische Oszillationen unseres Gehirns, sogenannte «langsame Wellen».

Sie sind wichtig, um uns schlafen zu lassen und uns nach einem Tag voller geistiger und körperlicher Aktivität zu erholen.

Bisherige Erkenntnisse liessen darauf schliessen, dass diese langsamen Wellen in der Grosshirnrinde produziert werden, dem oberen Teil des Gehirns unmittelbar unter der Schädeldecke.

Im Gegensatz dazu wurde vermutet, dass das Aufwachen von «Aufwachzentren» verursacht würde, die sich im unteren Teil des Gehirns befinden.

Dort ist auch der Hirnstamm, der den Neocortex steuert, den stammesgeschichtlich jüngsten Teil der Grosshirnrinde, von dem motorische, sensorische und intellektuelle Funktionen ausgehen.

Nun haben Forschende des Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern und der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital Bern entdeckt, dass Nervenzellen im Thalamus, dem grössten Teil des Zwischenhirns, sowohl das Einschlafen als auch das Aufwachen steuern.  

  • Der Thalamus ist eine wichtige Schaltzentrale im Gehirn, die mit nahezu allen anderen Gehirnregionen vernetzt ist und wichtige Funktionen unterstützt wie Aufmerksamkeit, Sinneswahrnehmung, Kognition und Bewusstsein.

Ein- und Ausschalten des Schlafs

  • Die Forschenden um Prof. Dr. Antoine Adamantidis entdeckten, dass eine kleine Gruppe dieser thalamischen Nervenzellen sowohl das Aufwachen als auch das Einschlafen kontrollieren, indem sie einerseits langsame Wellen generieren, aber auch das Signal zum Aufwachen geben – je nach elektrischer Aktivität.
In ihrer Untersuchung setzten die Forschenden eine Technik namens Optogenetik ein, mit der sie Lichtimpulse einsetzten, um die thalamischen Nervenzellen von Mäusen präzise zu steuern.

Wenn sie die Nervenzellen mit regelmässigen, lang andauernden Impulsen stimulierten, wachten die Tiere auf. 

Wenn sie langsame, rhythmische Impulse verwendeten, hatten die Mäuse einen tieferen und erholsameren Schlaf.

Somit konnte zum ersten Mal eine Hirnregion bestimmt werden, die sowohl für den Schlaf als auch das Aufwachen zuständig ist.

 «Interessanterweise konnten wir auch zeigen, dass die Schlafqualität leidet, wenn die Aktivität der thalamischen Nervenzellen unterdrückt wird», sagt Dr. Thomas Gent, Erstautor der Studie. 

«In diesen Fällen war die Erholung nach einer schlaflosen Phase schlechter.

Deshalb vermuten wir, dass diese Nervenzellen für die Erholung im Schlaf nach einer längeren Wachphase von fundamentaler Bedeutung sind.» Die Studie wurde nun im Journal Nature Neuroscience publiziert.

Durchbruch für die Schlafmedizin

  • Die Ergebnisse sind laut den Forschenden wichtig, weil die aktive Bevölkerung in unserer
  • modernen Welt rund 20 % weniger schläft als vor 50 Jahren und unter chronischen Schlafstörungen leidet. 

  • So kann Schlaf, der etwa durch irreguläre Arbeitszeiten verloren geht, nur selten nachgeholt werden. 
  • Schlafmangel wird zunehmend mit einer Vielzahl von psychischen Krankheiten in Verbindung gebracht und schwächt das Immunsystem.

 «Wir sind davon überzeugt, dass ein besseres Verständnis des Schlaf-Wach-Zyklus der Schlüssel zu neuen Schlaftherapien in einer zunehmend schlaflosen Gesellschaft ist», sagt Prof. Antoine Adamantidis.






Prof. Dr. Antoine Adamantidis.Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn Prof. Dr. Antoine Adamantidis. © Tanja Läser für Insel Gruppe

Publikation:
Thomas Gent, Mojtaba Bandarabadi, Carolina Gutierrez Herrera, and Antoine Adamantidis: Thalamic control of sleep and wakefulness. Nature Neuroscience. In Press. doi:10.1038/s41593-018-0164-7

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Prof. Dr. Antoine Adamantidis
Department of BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern, Forschungsgruppe Neurolo-gie, und Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital Bern
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antoine.adamantidis@dbmr.unibe.ch

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Bipolare Depression und die Schilddrüsenhormone: Limbischen Zuckerstoffwechsel beachten / Gehirnzucker-Stoffwechsel

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Dresdner Wissenschaftler belegen Wirksamkeit von Schilddrüsenhormonen

  • Schilddrüsenhormone bewirken Veränderungen des Stoffwechsels im Gehirn und gehen so mit einer positiven therapeutischen Wirkung bei bipolaren Depressionen einher. 
Eine von Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, geleiteten Studie liefert deutliche Belege für Auswirkungen der Gabe von Levothyroxin L-T4. 

Placebo-Präparate dagegen zeigten fast keine Wirkung. Die Ergebnisse der internationalen, randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie publizierte Prof. Bauer mit seinen Kollegen von der UCLA Los Angeles und der Charité Berlin in Molecular Psychiatry (doi: 10.1038/mp.2014.186). 
 Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.
Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Foto: Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden/Stephan Wiegand
 
Die Gabe von Levothyroxine (L-T4) in über dem normalen körpereigenen Spiegel liegenden Dosen im Rahmen einer Standardbehandlung für bipolare Depressionen hat vielversprechende Wirkungen erzielt.

  • In einer vorgelagerten Pilot-Studie hat die L-T4 Behandlung die Depressionsrate herabgesetzt und die Gehirnaktivitäten im limbischen System reduziert. 

Jetzt wurde dieser Forschungsansatz in einer internationalen, randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie durch eine Forschergruppe um Prof. Bauer intensiver untersucht. Dabei konnten die Wissenschaftler Belege für Auswirkungen der Gabe von Levothyroxin L-T4 auf die Symptome und auf den limbischen Zuckerstoffwechsel bei bipolaren Depressionen finden. Die genauen Mechanismen, die dieser klinischen Verbesserung zugrunde liegen, sind jedoch noch unbekannt.

Für die Studie untersuchten die Forscher den Gehirnzucker-Stoffwechsel mittels der Positronen-Emissions-Tomographie und [F-18] Fluorodeoxyglucose vor und sechs Wochen nach der Behandlung mit L-T4 oder einem Placebo. Die Gabe von L-T4 hat einen bedeutenden Rückgang der Depressionsrate während der sechswöchigen Behandlung erzeugt.

Im Gegensatz zur Placebo-Behandlung kam es während der Schilddrüsenhormontherapie zu deutlichen Verbesserungen des Gehirnstoffwechsels des Limbischen Systems,
einem Netzwerk von Regionen (u.a. Mandelkern (Amygdala), Hippocampus und Thalamus), die im menschlichen Gehirn für die Steuerung von Emotionen, Gedächtnis und Angst verantwortlich sind.

„Diese Ergebnisse zeigen klar, dass die Gabe von supraphysiologischen, also über dem normalen Blutspiegel liegenden Mengen des Schilddrüsenhormons L-T4 die Symptome von Patienten mit einer bipolar Depression verbessert“, unterstreicht Prof. Michael Bauer.

„Dies geschieht durch das Modulieren der Hirnfunktion in Teilen des vorderen limbischen Netzwerks, das für die Verarbeitung von Emotionen eine ganz zentrale Bedeutung besitzt.“

„Darüber hinaus belegen diese Ergebnisse den seit langem bekannten engen Zusammenhang zwischen der Schilddrüse und der Depression, indem sie zeigen, dass auch das Gehirn des Erwachsenen ein Zielorgan für das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin ist“.

Publikation
Bauer, Berman , Samm, Plotkin, Adli, Pilhatsch, London, Hellemann, Whybrow, Schlagenhauf: Levothyroxine effects on depressive symptoms and limbic glucose metabolism in bipolar disorder: a randomized, placebo-controlled positron emission tomography study. In: Molecular Psychiatry. 2016 Feb; 21(2):229-36. doi: 10.1038/mp.2014.186. Epub 2015 Jan 20.

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Prof. Dr. Dr. Michael Bauer
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Telefon:0351-458 2760
E-Mail: michael.bauer@uniklinikum-dresden.de
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