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CAVE: Rettungsstellen-Mitarbeiter - Fragen Sie sich selbst einmal.....? Frühzeitiges Schmerzmanagement

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit:

Antidepressiva können das empathische Einfühlungsvermögen verringern

  • Depression ist eine Störung, die oft mit starken Beeinträchtigungen des Soziallebens einhergeht. 
  • Bisher galt die Annahme, dass auch empathisches Einfühlungsvermögen, eine wesentliche Fähigkeit für ein gelingendes Sozialleben, bei der Depression beeinträchtigt ist. 

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von ExpertInnen von der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien konnte nun gezeigt werden, dass die Beeinträchtigungen des empathischen Einfühlungsvermögens bei Schmerzwahrnehmung offenbar auch auf Antidepressiva zurückgeführt werden können. 

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry veröffentlicht.  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Die Geburt  

Medizin am Abend Berlin Einladungs-Hinweis zur Fortbildung: Schmerzmanagement  

 
Ein Forschungsteam um Claus Lamm vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden an der Universität Wien, Rupert Lanzenberger von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien und Christian Windischberger vom Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik der Medizinischen Universität Wien hat Empathie bei depressiven PatientInnen auf neurowissenschaftlicher Ebene untersucht. Die Forschung wurde durch den interdisziplinären Forschungscluster "Multimodal Neuroimaging in Clinical Neurosciences" der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien möglich gemacht.

Um die potentiell unterschiedlichen Einflüsse von akuter Depression und Antidepressiva auf das empathische Einfühlungsvermögen getrennt voneinander zu betrachten, untersuchten die ForscherInnen eine Gruppe von PatientInnen zu zwei Zeitpunkten:

Das erste Mal während einer akuten depressiven Phase, und zwar bevor sie Medikamente eingenommen hatten, und das zweite Mal nach dreimonatiger psychopharmakologischer Therapie mit Antidepressiva (hauptsächlich Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer).

Beide Male wurden die PatientInnen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie untersucht, während sie Videos von Menschen sahen, die eine schmerzhafte medizinische Prozedur durchmachten.

Ihre Hirnaktivität sowie ihre empathischen Beurteilungen der Videos wurden mit einer gesunden Kontrollgruppe verglichen.

Es zeigte sich, dass vor der Behandlung weder die Hirnaktivität noch die Beurteilungen der akut depressiven Gruppe von der Kontrollgruppe abwichen. 

Erst nach dreimonatiger Einnahme von Antidepressiva konnten deutliche Unterschiede festgestellt werden: 

  • Die Patientengruppe zeigte wesentlich geringere empathische Reaktionen sowohl auf der Hirn-, als auch auf der Verhaltensebene. 
  • Betroffen waren Hirnregionen, die eng mit dem empathischen Einfühlungsvermögen, aber auch mit dem Schmerzempfinden in Zusammenhang stehen.
CAVE: "Diese verringerte Reaktion bei der Wahrnehmung von Schmerzen anderer war nicht auf eine allgemein gesenkte Empfindsamkeit gegenüber negativen Emotionen zurückzuführen", wie Markus Rütgen, Erstautor der Studie betont:

"Der geringere emotionale Einfluss negativer Ereignisse im sozialen Bereich könnte eventuell die Genesung erleichtern.

Wie sich die verminderte empathische Reaktion aber tatsächlich auf das Sozialverhalten der PatientInnen auswirkt, wird Gegenstand zukünftiger Forschung sein."

Publikation in "Translational Psychiatry"
Rütgen, M., Pletti, C., Tik, M., Kraus, C., Pfabigan, D. M., Sladky, R., Klöbl M., Woletz, M., Vanicek T., Windischberger, C., Lanzenberger, R., Lamm, C. Antidepressant treatment, not depression, leads to reductions in behavioral and neural responses to pain empathy. Translational Psychiatry, 9(1), 164. Published June 7, 2019.
DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-019-0496-4

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Mag. Dr. Markus Rütgen
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E-Mail-Adresse: stephan.brodicky@univie.ac.at


Originalpublikation:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31175273

Wechselschichtarbeiter

Medizin am Abend Berlin Fazit: ILIGHTS: Studie bestätigt Einfluss von künstlichem Licht auf Wechselschichtarbeiter

  • Schichtarbeit bringt die innere Uhr aus dem Takt und bedeutet Stress für den Körper. 

Ursächlich dafür ist u. a. eine Störung des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus mit langen Phasen künstlicher Lichtexposition. 

Welchen Einfluss das auf Psyche und Physis hat, untersuchte Fraunhofer UMSICHT mittels eines experimentellen Lichtsystems im BMW-Group-Werk München. 
 
Rund 6 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland im Schichtsystem – Tendenz steigend.

Das stresst den Körper. 

  • Die Folgen sind vielfältig und reichen von Schlafproblemen, Herz-, Kreislauf- bis zu Magen-Darm-Erkrankungen. 

Meist leiden das Sozialleben und das psychische Wohlbefinden.

»Machen wir die Nacht zum Tag, gerät unsere innere Uhr aus dem Takt, denn unser natürlicher Schlaf-Wach-Rhythmus orientiert sich am Verlauf der Sonne«, wissen ILIGHTS-Gesamtprojektleiter Rasit Özgüc, Abteilung Photonik und Umwelt beim Fraunhofer UMSICHT, und Projektpartner Dr. Alfred Wiater, Schlafmediziner im Krankenhaus Porz am Rhein.



Der Fitnesstracker zeigt: Kaltweißes bis neutralweißes Licht in der Spätschicht wirkt sich positiv auf das Schlaf-Wach-Verhalten aus.
Der Fitnesstracker zeigt: Kaltweißes bis neutralweißes Licht in der Spätschicht wirkt sich positiv auf das Schlaf-Wach-Verhalten aus. BMW Group


Photorezeptor reagiert auch auf Kunstlicht

Aber nicht nur die Sonne allein übt Einfluss auf uns aus. Die Forschung zeigt, dass auch Kunstlicht – wie es z. B. in der Schichtarbeit vorkommt – eine nicht-visuelle Wirkung auf den Körper hat.

Im Jahr 2002 entdeckten Forschende neben den bereits bekannten Stäbchen und Zapfen einen dritten Photorezeptor: die intrinsisch photosensitiven retinalen Ganglienzellen. Ihre höchste Sensitivität liegt im blauen Bereich des Lichtspektrums.

Doch inwieweit und in welcher Form wirkt Kunstlicht auf Psyche und Physis?

Welche Beleuchtungsparameter sind für welchen Anwendungsbereich ideal?


Welches Licht steigert die Zufriedenheit von Mitarbeitern? Bei der Beantwortung dieser Fragen steht die Forschung noch am Anfang: Es fehlen Daten und experimentelle Methoden, um die komplexen Interaktionen zwischen Arbeitnehmer, Arbeitsaufgabe und Beleuchtungssituation unter Realbedingungen zu untersuchen.

Gezielte Auswahl von Lichtszenarien

Hier setzt das Projekt ILIGHTS an. In einem Studienzeitraum von 6 Monaten und einem Gesamtprojektzeitraum von 30 Monaten haben Forschende vom Fraunhofer UMSICHT und Schlafforscher des Krankenhaus Porz am Rhein den nicht-visuellen Nutzen von LED-Technologie mit dem Ziel untersucht, die Beleuchtungssituation für Arbeitnehmer mit Wechselschicht zu verbessern. Zu den untersuchten Parametern zählten u. a. das Schlafverhalten, die kognitive Leistungsfähigkeit sowie die Tagesschläfrigkeit. Im BMW Group Werk München wurde ein Produktionsabschnitt mit einem eigens entwickelten Lichtsystem ausgestattet. Das neuartige LED-Experimentalsystem des Fraunhofer UMSICHT ermöglicht unter anderem, die Beleuchtung dynamisch zu steuern. »Neben der Lichtintensität sind einzelne Wellenlängenbereiche des Vollspektrums präzise regulierbar«, erklärt Özgüc.

Schlafforscher des Krankenhaus Porz am Rhein untersuchten die schlafassoziierten Parameter der Schichtarbeiter im Werk. Sie haben die Auswirkungen von fünf Lichtphasen mit unterschiedlichen Einstellungen der Farbtemperatur, melanopischen und visuellen Beleuchtungsstärke berücksichtigt (melanopische Beleuchtungsstärke = mit einem biologischen Wirkungsspektrum Smel bewertete spektrale Beleuchtungsstärke mit einer maximalen Empfindlichkeit im blauen Bereich, bei einer Wellenlänge von λP=480 nm). Für die Erfassung des Schlaf-Wach-Verhaltens wurden insgesamt 83 BMW Mitarbeitende mit einem Fitnesstracker ausgestattet.

Wohlbefinden gesteigert

Die Auswertung der Zufriedenheit mit der mit dem Experimentalsystem nachgestellten bisherigen Beleuchtungssituation (Baseline) zeigte, dass diese bei den Teilnehmenden bei warmweißem und dynamischem Licht am geringsten war.

Das generelle Wohlbefinden fiel unter kaltweißem Licht mit hoher visueller und melanopischer Beleuchtungsstärke am positivsten aus.

Bei Konzentrationstest und Messung der Tagesschläfrigkeit mittels Pupillographen zeigten die Teilnehmenden in den Lichtphasen mit dynamischem und neutralweißem Licht bessere Ergebnisse als in der Ausgangssituation vor Lichtinstallation und bei warmweißem Licht.

 »Der positive Effekt im Konzentrationstest kann jedoch auch nur ein Übungseffekt sein«, merkt Prof. Andrea Rodenbeck, Biologin und Schlafforscherin, an.

Hier bedarf es weiterer Tests.

Bei Betrachtung der Subgruppe von Teilnehmenden mit erhöhtem Wert auf der Epworth Sleepiness Scale – einem Fragebogen zur Erfassung von Tagesschläfrigkeit – zeigte sich eine klinisch bedeutsame Verbesserung der Tagesschläfrigkeit sowie eine subjektive Verbesserung des Allgemeinzustands.

Bei einer gezielten Betrachtung einiger Teilnehmenden mit einem geringeren Gesamtschlaf in Baseline verlängerte sich der Schlaf deutlich.

Positive Auswirkungen auf den Schlaf-Wach-Rhythmus



Produktionsmitarbeiter Karosseriemontage: an der Mütze ein neuentwickeltes Sensormodul zur Erfassung von Lichtkonsum, Umgebungstemperatur und Blaulichtanteil über den Schichtverlauf.
Produktionsmitarbeiter Karosseriemontage: an der Mütze ein neuentwickeltes Sensormodul zur Erfassung von Lichtkonsum, Umgebungstemperatur und Blaulichtanteil über den Schichtverlauf. BMW Group

  • Wie von den Forschenden erwartet, zeigte die statistische Untersuchung der durch die Fitnesstracker erfassten Daten zum Schlaf-Wach-Verhalten keine signifikanten Veränderungen der Parameter in der Frühschicht.
  • In der Spätschicht zeichnete sich jedoch der Trend ab, dass sich kaltweißes bis neutralweißes Licht positiv auf den Rhythmus auswirkt.

»Die einzelnen Lichtphasen dauerten durchschnittlich vier Wochen an.

Jetzt gilt es zu untersuchen, wie sich die Effekte in Langzeitstudien verhalten«, so Monika Owczarek, Psychologin und Teammitglied von Özgüc. Zudem müsse in Zukunft mittels einer »light history« auch der individuelle Lichtkonsum außerhalb der Arbeitsstätte berücksichtigt werden.

Gesamtlichtkonzept der Produktionsbereiche

Özgüc gibt einen Ausblick: »Bei der Abschlusspräsentation des Projekts waren sich alle einig. Sowohl Elisabeth Wolf, Abteilung Innovationen, Digitalisierung Netzwerkmanagement BMW Group, die die Teilprojektleitung für die BMW Group übernahm, als auch Gabriele Klyszcz, leitende Sicherheitsingenieurin der BMW Group, regten tiefergehende Studien an.« Dies sei auch sinnvoll, weil die Ergebnisse zwar signifikant sind, aber eine hohe Standardabweichung haben. Özgüc weiter: »Potenzial könnte ein biodynamisches Licht mit Einbeziehung von Lichtkomponenten aus den Lichtphasen mit neutral- und kaltweißem Licht bei moderater bis hoher melanopischer und visueller Beleuchtungsstärke haben. Gemeinsam mit dem Projektteam der BMW Group haben wir angeregt, die Ergebnisse in ein Gesamtlichtkonzept der Produktionsbereiche zu überführen und umzusetzen; idealerweise mit einer anschließenden Evaluierung mit höheren Fallzahlen und längerem Zeitraum als bei ILIGHTS.«

UMSICHT: zur Sache!

Mehr zu den Ergebnissen können Sie am 11. April 2019 im Rahmen des Workshops »Umsicht: zur Sache!« beim Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen erfahren. Das Thema: »Licht und Gesundheit«. Weitere Informationen zur Veranstaltung demnächst auf der Homepage von Fraunhofer UMSICHT.

Das Projekt

Das Verbundprojekt »ILIGHTS« lief von Mitte 2016 bis Ende 2018 und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderinitiative »Intelligente Beleuchtung« finanziell unterstützt (FKZ: 13N14043).

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