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Rheumatische Genese: Plantarfasziitis: Der Fersenschmerz

Medizin am Abend Berlin Fazit: Volkskrankheit „Fersenschmerz“: Stoßwellentherapie als Kassenleistung

Stechende Schmerzen beim Auftreten und keine sichtbare Veränderung am Fuß?! 

Wer das kennt, leidet wahrscheinlich unter der Plantarfasziitis – einer Gewebeveränderung in der Sehnenplatte der Fußsohle. 

Eine wirksame Methode ist die extrakorpale Stoßwellentherapie (EWST). 

  • Der Gemeinsame Bundeausschuss (G-BA) hat entschieden, dass diese Therapie ab sofort zur Kassenleistung wird. 

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) begrüßt das. 

Sie fordert jedoch auch, dass Patienten diese Therapie frühzeitiger in Anspruch nehmen können sollten und betont, dass es für den Therapieerfolg unerlässlich sei, dass Ultraschall-Experten diese durchführen. 
 
Die Plantarfasziitis verursacht bei Betroffenen einen starken Fersenschmerz. 

„In Anbetracht der Erkrankungshäufigkeit und weil viele Patienten sogar bis zu zehn Jahre mit diesen Fersenschmerzen leben müssen – was ihre Lebensqualität erheblich einschränkt – begrüßen wir die G-BA-Entscheidung zur Erstattung der ESTW", betont Dr. med. Rainer Berthold, stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Bewegungsorgane der DEGUM und niedergelassener Orthopäde.

  • Eine Plantarfasziitis entsteht üblicherweise, wenn der Fuß längerfristig stark belastet wird und sich die Sehnen an der Fußsohle im Bereich der Ferse entzünden. 

Ursache hierfür sind:

meist starkes Übergewicht,
Tragen von Schuhen mit harten Absätzen
Überbelastung beim Sport
stehende Berufe
eine genetisch bedingte Verkürzung des Waden- oder Oberschenkelmuskels
ein Hohl- beziehungsweise Plattfuss.

Die Patienten klagen über Anlaufschmerz in der Ferse bei den ersten morgendlichen Schritten und nach längerem Sitzen.

Der Schmerz an der medio-plantaren Ferse („loco tipico“) wird als stechend beschrieben. Er bessert sich häufig nach einigen Schritten oder im Laufe des Tages. Zudem leiden Betroffene an einer Bewegungseinschränkung im oberen Sprunggelenk. Im Erkrankungsverlauf klagen sie über einen dumpfen Schmerz unterschiedlicher Lokalisation, der teilweise auch in Ruhe besteht.

  • Helfen konservative Therapien mit Schuheinlagen, Dehnübungen, Medikamenten oder Physiotherapie nicht, kann die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESTW) eingesetzt werden.
  • „Üblicherweise gilt die Extrakorpale Stoßwellentherapie (ESTW) für rund zehn Prozent der Betroffenen als letzte Therapiemöglichkeit bevor es zu einer Operation kommt", erläutert Berthold. 

Bei der ESTW werden über die Haut Ultraschallstoßwellen in die betroffene Region gebracht.

Dadurch wird eine mechanische Reizung der Plantaraponeurose am so genannten kalkanearen Ursprung bewirkt. Die Reizung führt zu Mikrorissen, die einen reaktiven Heilungsprozess des Körpers auslösen, was wiederum die Durchblutung erhöht. Ferner wirkt die ESTW häufig schon während der Anwendung schmerzstillend. Die Methode hat wegen ihres guten Erfolgs in der physikalischen Therapie zur Bewegungsverbesserung und Schmerzreduktion zunehmend an Bedeutung gewonnen.

„Da die Behandlungskosten im Vergleich zu den sonst übrigen Pauschalen der gesetzlichen Krankenversicherung relativ hoch sind, hat der G-BA nun entschieden, dass nur chronisch Erkrankte und Patienten, die auf andere konservative Maßnahmen nicht ansprechen, eine Erstattung durch die Krankenkasse erhalten", erklärt Berthold. 

„Hier sehen wir das Problem, dass viele Patienten zunächst einen langen Leidensweg von mindestens sechs Monaten gehen müssen, bis sie die ESTW kostenfrei erhalten können. Wir riskieren damit, dass diese Patienten über die Plantarfasziitis hinaus noch einen größeren Fersensporn entwickeln und Zeiten unnötiger Arbeitsunfähigkeit hinzukommen.

Die DEGUM weist überdies darauf hin, dass bei der Diagnose und Therapie der Ultraschall-Anwender eine Schlüsselrolle einnimmt, die der G-BA in seinem Beschluss nicht berücksichtigt hat.

Als schonendste und günstigste Diagnosemaßnahme gilt der Ultraschall.

Dieser sollte jedoch durch einen ausgewiesenen Ultraschall-Spezialisten erfolgen.

„Nur ein erfahrener Sonografie-Spezialist kann zum Beispiel bei beidseitigem Befall eine generalisierte Enthesiopathie rheumatischer Genese – also eine schmerzhafte Erkrankung des Sehnenansatzes – schnell erkennen und so eine nicht sinnvolle Behandlung vermeiden", erklärt Berthold.

„Die Plantarfaszie – also die Sehnenplatte an der Unterseite des Fußes – hat bei einem gesunden Menschen eine Dicke von drei bis vier Millimetern, während bei einer Plantarfasziitis die Faszienschichten oft auf sieben bis zehn Millimeter verdickt sind."

Auch diffuse hypoechogene Strukturen, die als Ödeme aufgrund von kleinsten Rissen interpretiert werden - im Ultraschall dunkel dargestellte Flächen - kann der Spezialist erkennen.

„Der Erfolg einer ESWT-Therapie hängt ebenso wie die Diagnostik stark vom Anwender ab", betont Berthold. Der Experte empfiehlt deshalb, sich an DEGUM-zertifizierte Orthopäden zu wenden, die Erfahrungen mit dieser Therapie haben. Denn es komme bei der ESWT neben Dauer, Intensität und Frequenz auch auf die exakte Applikation der Stosswellen an.

Es gibt bislang kein einheitliches Behandlungsschema bei der Stosswellentherapie.

Daher ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt langjährige Erfahrungen vorzuweisen hat", so Berthold abschließend.

Quellen:
G-BA: Extrakorporale Stoßwellentherapie kann zukünftig auch ambulant zur Fersenschmerz-Behandlung eingesetzt werden
https://www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/743/

Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM-zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de

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Fersenschmerz - Extrakorporale Stoßwellentherapie....ESWT

Medizin am Abend Berlin Fazit: Extrakorporale Stoßwellentherapie beim Fersenschmerz: Vorbericht publiziert

Im Vergleich zu Placebo Belege für Nutzen / Gegenüber aktiven Vergleichstherapien durchwachsene Ergebnisse / IQWiG bittet um Stellungnahmen 
 
Im Juli 2015 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beauftragt, den Nutzen einer Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Fersenschmerz mit extrakorporaler Stoßwellentherapie (ESWT) zu untersuchen.

Die vorläufigen Ergebnisse dieser Nutzenbewertung liegen nun vor.

  • Demnach ist für die Endpunkte Schmerz und körperlicher Funktionsstatus ein Nutzen gegenüber Scheininterventionen belegt. 
  • Gegenüber aktiven Vergleichstherapien ist das Ergebnis durchwachsen: 

In einigen Vergleichen zeigten sich Vorteile der ESWT, in anderen Nachteile, in wieder anderen Fällen gab es keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen. 

Bis zum 8. Dezember 2016 können interessierte Personen oder Institutionen zu diesem Vorbericht Stellungnahmen abgeben.

Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit

Eine Reizung und Entzündung der plantaren (d. h. die Fußsohle betreffenden) Sehnenplatte am Fersenbein, die primär durch mechanische Einflüsse einen degenerativen Umbau des Gewebes herbeiführt, kann zu Fersenschmerzen führen. 

Diese Schmerzen können sowohl beim Anlaufen als auch nach längeren oder stärkeren Belastungen auftreten; sie beeinträchtigen unter Umständen die Bewegungsfähigkeit und die Lebensqualität.

Bei vielen Betroffenen verschwinden sie ohne Behandlung. Ist das nicht der Fall, kommen verschiedene Behandlungen infrage, etwa Einlagen zur Entlastung des Fußes, Dehnübungen, die Einnahme von Entzündungshemmern, Steroid-Injektionen oder Physiotherapie.

  • Halten die Schmerzen länger an, kann eine Operation oder eine ESWT angezeigt sein.

Auch die Therapie kann schmerzhaft sein

Stoßwellen sind stark gebündelte Druckwellen, die Schallwellen ähneln. 

Sie werden unter anderem zur Zertrümmerung von Nierensteinen eingesetzt. Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie wird in der Regel die schmerzhafteste Stelle am Fuß behandelt

  • Ab einer gewissen Intensität kann die Behandlung mit Stoßwellen schmerzhaft sein, sodass die Stelle häufig vorher lokal betäubt wird. 
  • Für gewöhnlich werden über ein bis zwei Wochen etwa drei bis fünf jeweils 5- bis 60-minütige Sitzungen durchgeführt.

Mehrere Vergleichstherapien betrachtet

Da der G-BA keine bestimmte Vergleichstherapie festgelegt hat, hat das IQWiG Studien ausgewertet, in denen eine ESWT entweder mit einer Scheinbehandlung oder mit verschiedenen aktiven Therapien oder aber mit einer anderen ESWT-Variante verglichen wurde. Insgesamt konnten 28 Studien in die Auswertung einbezogen werden.

Eigentlich ist es sinnvoll, die langfristigen Auswirkungen der Behandlungen zu untersuchen, beispielsweise nach einem Jahr. In manchen Studien wurden aber frühe Ergebnisse berichtet, die sechs Wochen bis sechs Monate nach der Intervention erfasst wurden. Eine weitere Herausforderung stellen die unterschiedlichen Operationalisierungen des patientenrelevanten Endpunkts Schmerz dar. Durch eine gleichzeitige Behandlung mit schmerzstillenden Mitteln können zudem alle Endpunkte verzerrt sein: Mehrere Studien konnten nicht ausgewertet werden, da der Konsum schmerzstillender Mittel nicht nachvollziehbar war.

ESWT „besser als nichts“

Die Auswertung von 15 Studien, in denen ESWT mit Scheinbehandlungen verglichen wurde, ergab bei den Endpunkten Schmerz und körperlicher Funktionsstatus Belege für einen Nutzen der ESWT. 

  • Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität gibt es dagegen keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen.

Bei zwei von sechs aktiven Vergleichstherapien ergaben sich Hinweise beziehungsweise Anhaltspunkte für einen höheren Nutzen der ESWT, und zwar gegenüber Ultraschall und gegenüber einer konventionellen Behandlung, nämlich Iontophorese (Aufnahme von Arzneimitteln durch die Haut mithilfe eines schwachen elektrischen Stroms) plus Einnahme schmerzstillender Mittel.

Kein klarer Vorteil gegenüber Operation oder Ultraschall

Bei zwei weiteren aktiven Vergleichstherapien, nämlich Operation und Ultraschall plus Dehnübungen, ergaben sich keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen. 

  • Im Vergleich zu Dehnübungen allein und gegenüber Glukokortikoid-Injektionen schnitt die ESWT schlechter ab, wobei ein Publikationsbias nicht ausgeschlossen werden kann: In beiden Fällen gibt es unveröffentlichte Studien.

Aus den sechs Studien schließlich, in denen verschiedene ESWT-Varianten verglichen wurden, ließen sich keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen einer dieser Varianten ableiten.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den vorläufigen Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im November 2015 vorgelegt und um Stellungnahmen gebeten. Diese wurden zusammen mit einer Würdigung und dem überarbeiteten Berichtsplan im April 2016 publiziert. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen. 

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