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Professor Klaus D. Jandt: Materialien bei Herzklappen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Speziell beschichtetes Titan verringert Blutgerinnselgefahr auf Prothesen

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Jena hat einen vielversprechenden Ansatz entwickelt, die Blutgerinnung auf dem Herzklappenmaterial Titan wesentlich zu reduzieren. 

Auf sogenannten (110)-Titanoxid-Oberflächen sind die Blutplättchen kaum aktiv, was die Blutgerinnung reduziert. 

Die Ursache hierfür liegt in dem unterschiedlichen Verhalten von Fibrinogen auf den Materialoberflächen. 

Die Jenaer Doktorandin Maja Struczynska mit dem Modell eines einzelnen Fibrinogenmoleküls.

Die Jenaer Doktorandin Maja Struczynska mit dem Modell eines einzelnen Fibrinogenmoleküls. (Foto: Jens Meyer/Uni Jena)

Etwa 25.000-mal im Jahr werden Menschen in Deutschland künstliche Herzklappen eingesetzt, weil die natürlichen Herzklappen – etwa durch eine Infektion – geschädigt sind. 

Die mechanischen Herzklappen bestehen u. a. aus Titanoxid und halten viele Jahre.  

  • Weil Blut dazu neigt, im Kontakt mit diesen Materialoberflächen zu gerinnen, besteht jedoch die Gefahr, dass sich auf der Oberfläche der mechanischen Herzklappen Blutgerinnsel bilden. 
  • Das kann lebensbedrohlich werden, wenn sich diese Blutgerinnsel von den Materialien lösen. 
  • Deshalb nehmen die meisten Menschen mit mechanischen Herzklappen ein Leben lang Medikamente, die die Blutgerinnung reduzieren.


Einen vielversprechenden Ansatz, die Blutgerinnung auf dem Herzklappen-material Titan wesentlich zu reduzieren, hat jetzt ein internationales Forschungsteam entwickelt. Die Ergebnisse des Teams von den Universitäten Jena, Leipzig und Illinois Urbana-Champaign (USA) unter Leitung des Jenaer Materialwissenschaftlers Professor Klaus D. Jandt sind jetzt in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials veröffentlicht worden. Das Journal würdigt die Bedeutung und das Potenzial dieser Entdeckung auch dadurch, dass sie auf dem Titel der aktuellen Ausgabe abgebildet ist.

Aktivität der Blutplättchen verändert sich je nach Materialbeschichtung

Die Forschenden ließen auf Titanoxid mit kristallografisch verschieden orientierten Oberflächen das Blutprotein Fibrinogen abscheiden. Anschließend wurden die so beschichteten Materialoberflächen Blutplättchen (Thrombozyten) ausgesetzt, deren Aktivität zusammen mit Fibrinogen eine entscheidende Rolle bei der Bildung von Blutgerinnseln spielt. Dabei zeigten sich auf den verschieden orientierten Materialoberflächen deutliche Unterschiede der Aktivität von Blutplättchen. „Während auf sogenannten (001)-Titanoxid-Oberflächen die Blutplättchen sehr aktiv sind und damit die Blutgerinnung fördern, haben wir den gegenteiligen Effekt auf (110)-Oberflächen gefunden“, sagt die Jenaer Doktorandin Maja Struczynská. „Die Ursache hierfür liegt in dem unterschiedlichen Verhalten von Fibrinogen auf den Materialoberflächen“.

„Der Mechanismus für diesen Effekt ist physikalischer Natur,“ sagt Prof. Jandt und ergänzt für die Fachleute: 

„Fibrinogen nimmt eine bestimmte Faltung auf der hydrophoberen (110)-Fläche mit niedriger Oberflächenenergie an, was wiederum die Zugänglichkeit der von Blutplättchen erkannten primären Aminosäuresequenzen einschränkt und somit ihre Anhaftung minimiert.“ 

Jandt sieht ein enormes Potenzial darin, diese Materialien bei Herzklappen anzuwenden – dies verringere das Risiko der Blutgerinnselbildung und der damit verbundenen Komplikationen und schone so die Betroffenen. 

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Maja Struczynska, Izabela Firkowska-Boden, Nathan Levandovsky, Reinhard Henschler, Nour Kassir, and Klaus D. Jandt: How Crystallographic Orientation-Induced Fibrinogen Conformation Affects Platelet Adhesion and Activation onTiO2, Advanced Healthcare Materials 2023, DOI: 10.1002/adhm.20220250

 

Nina Mader: Zusammenhang zwischen Neurotizismus und dem Erleben von negativen Emotionen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studie der Universität Leipzig: Neurotische Menschen leiden häufiger unter Stimmungsschwankungen

Im Alltag ändern sich unsere Emotionen oft von Augenblick zu Augenblick, und Menschen erleben diese Schwankungen in unterschiedlichem Maße. 

Psycholog:innen der Universität Leipzig haben den Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitseigenschaft Neurotizismus - einem potenziellen Risikofaktor für die mentale Gesundheit - und emotionalem Erleben untersucht. 

Sie fanden heraus, dass neurotische Menschen negative Emotionen nicht nur intensiver, sondern auch mit mehr Stimmungsschwankungen erleben als andere. 

Ihre Erkenntnisse haben sie nun im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht. 

Neurotische Menschen leiden häufig unter Stimmungsschwankungen.

Neurotische Menschen leiden häufig unter Stimmungsschwankungen. Foto: Colourbox

  • „Frühere Studien sind sich einig, dass neurotische Personen stärkere negative Emotionen im Alltag erleben. 

Uneinigkeit herrschte aufgrund von neuen, widersprüchlichen Studien darüber, ob dies auch mit erhöhter Variabilität im emotionalen Erleben, also Stimmungsschwankungen, einhergeht“, sagt die Erstautorin der Studie Nina Mader vom Wilhelm-Wundt-Institut für Psychologie der Universität Leipzig. 

Die Persönlichkeitspsycholog:innen der Universität Leipzig haben einen neuen Ansatz zur Modellierung der Daten gefunden, der bisherige methodische Probleme löst. „Wir verwenden einen Ansatz aus der bayesianischen Statistik, der zusätzliche Flexibilität in der Datenmodellierung erlaubt. Diesen Ansatz haben wir zuerst in Simulationen erfolgreich getestet und dann 13 Längsschnittdatensätze erneut untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass neurotische Menschen tatsächlich eine größere Variabilität in negativen Emotionen erleben“, erklärt Mader. Insgesamt wurden 2.518 Personen zu ihren Emotionen befragt.

Neurotizismus ist eine Persönlichkeitseigenschaft.   

  • Die einzelnen Persönlichkeitseigenschaften beschreiben zeitlich relativ stabile, transsituativ konsistente Merkmale einer Person. 
  • Sie umfassen sowohl unser Erleben als auch unser Verhalten und damit auch, wie wir denken (Kognitionen) und fühlen (Affekte). 
  • Menschen unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit und damit auch in ihrer Neurotizismus-Ausprägung. 

„Es gibt also nicht eine Schwarz-Weiß-Einteilung in neurotische Menschen und nicht-neurotische Menschen, sondern vielmehr ein dimensionales Kontinuum mit vielen Graustufen“, so die Psychologin.

Personen mit hohen Neurotizismus-Werten erleben negative Emotionen nicht nur stärker, sondern auch häufiger als Personen mit durchschnittlichen beziehungsweise unterdurchschnittlichen Ausprägungen. 

Sie sind öfter selbstkritisch, reagieren schlechter auf Kritik von außen und erleben vermehrt das Gefühl "nicht gut genug" zu sein. 

Studien haben gezeigt, dass Neurotizismus-Werte am höchsten während der späten Jugend sind und dann im Laufe des Erwachsenenalters wieder abnehmen und sich stabilisieren. 

Zudem weisen Frauen sowie Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status höhere Neurotizismus-Werte auf als andere Menschen.

Seit den 90er Jahren interessieren sich Persönlichkeitspsycholog:innen dafür, wie beziehungsweise ob die Persönlichkeit unser emotionales Erleben beeinflusst. In mehreren Studien wurde dazu die Persönlichkeit von einer großen Stichprobe erhoben sowie das emotionale Erleben über einen längeren Zeitraum beobachtet. So wurde beispielsweise mehrmals täglich abgefragt, wie traurig, wütend oder gelangweilt die Proband:innen auf einer Skala von 1 bis 7 waren. 

Dabei zeigte sich deutlich, dass es einen Zusammenhang zwischen Neurotizismus und dem Erleben von negativen Emotionen gibt

„Während negative Emotionen im Alltag bei Personen mit niedrigen Neurotizismus-Werten sehr selten auftreten, berichten Menschen mit hohen Neurotizismus-Werten über signifikant mehr negative Emotionen in ihrem Alltag“, erläutert Mader. 

Man spricht von einer überproportional starken Reaktion auf auslösende Umstände. 

So könnte zum Beispiel eine kleine Meinungsverschiedenheit bei Letzteren große Wut auslösen oder auch nur der Gedanke, dass die Bahn heute sehr voll sein könnte, starken Stress und Sorgen verursachen.

Originaltitel der Veröffentlichung in PNAS:

„Emotional (in)stability: Neuroticism is associated with increased variability in negative emotion after all“, doi.org/10.1073/pnas.221215412 

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Nina Mader
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Prof. Dr. Ulrike Fasbender: Das Sommerfest 2023 - Freundschaft am Arbeitsplatz?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Trotz positiver Effekte: Freundschaften am Arbeitsplatz bergen auch Risiken

Studie der Uni Hohenheim: Freundschaft am Arbeitsplatz hat positive Effekte. 

  • Sie kann aber auch zu unhöflichem und abwertendem Verhalten gegenüber Kolleg:innen führen.
  • Freundschaften am Arbeitsplatz haben nicht ausschließlich positive Auswirkungen. 

Zu diesem Schluss kommen zwei Studien des Teams um Prof. Dr. Ulrike Fasbender vom Fachgebiet Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart. 

Denn die Erwartungen an Freund:innen und Kolleg:innen können widersprüchlich sein:  

Während Kolleg:innen unparteilich sein sollten, wünscht man sich von Freund:innen Zuneigung und Bevorzugung.  

Der Konflikt aus diesen widersprüchlichen Erwartungen kann zu Problemen mit der sogenannten Selbstregulation führen, die sich dann in unhöflichem oder abwertendem Verhalten gegenüber Kolleg:innen äußert.
Nichtsdestotrotz überwiegen nach Ansicht der Forschenden die positiven Effekte von Freundschaften am Arbeitsplatz.

  • Freundschaften am Arbeitsplatz können Mitarbeitenden ein Gefühl der Zughörigkeit vermitteln, führen zu einem höheren Wohlbefinden oder fördern die Kreativität und Innovation in der Organisation. 

Doch haben diese Freundschaften ausschließlich positive Effekte? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, führte das Team um Prof. Dr. Fasbender zwei umfassende Studien durch. Dazu befragten die Forschenden jeweils über 400 Berufstätige in Großbritannien.

Ihre Erkenntnis: „Freundschaften am Arbeitsplatz können auch dazu führen, dass sich die Personen anderen gegenüber eher unsensibel, unhöflich und unfreundlich verhalten“, sagt Prof. Dr. Fasbender. 

„Dabei ist es wichtig zu wissen, dass dies kein bewusstes Verhalten ist. 

Vielmehr ist es ein Symptom dafür, dass die Ressourcen zur Selbstregulation der betreffenden Mitarbeiter:innen erschöpft sind. 

Diese also das Gefühl haben, dass ihre Energie zur Neige geht.“

Freundschaften können zu belastenden Rollenkonflikten führen


Dies passiert vor allem dann, wenn die Menschen Schwierigkeiten haben, die verschiedenen und teilweise widersprüchlichen Anforderungen der beiden Rollen „Freund:in“ und „Mitarbeiter:in“ miteinander in Einklang zu bringen. 

„Wenn zum Beispiel Mitarbeitende ihre begrenzten Ressourcen in die zeitkritische Fertigstellung eines Arbeitsberichts investieren müssen, sind sie möglicherweise nicht in der Lage, angemessen auf die Kontakt-Bedürfnisse einer befreundeten Person am Arbeitsplatz zu reagieren“, erklärt Prof. Dr. Fasbender.

 „Sie erleben einen Rollenkonflikt, weil sie entscheiden müssen, welcher Rolle sie den Vorrang geben sollen.“

Die Anstrengung, diese konkurrierenden Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen, führt zu Gefühlen der Erschöpfung. 

Diese können sich nicht nur in Konzentrationsschwierigkeiten äußern. Die Mitarbeitenden haben möglicherweise auch Schwierigkeiten, unhöfliches und unfreundliches Verhalten am Arbeitsplatz zu unterdrücken

„Sie sind nicht mehr in der Lage, die Perspektive ihrer Kolleg:innen einzunehmen, oder sie denken nicht allzu sehr über die Folgen ihres Verhaltens nach“, beschreibt die Expertin. 

„Dabei richtet sich das unhöfliche Verhalten eher gegen andere Kolleg:innen als gegen die befreundeten Personen am Arbeitsplatz.“

Negative Folgen lassen sich durch entsprechendes Bewusstsein minimieren

Eine vielversprechende Eigenschaft von Menschen, um die potenziellen Risiken und Nebenwirkungen von Freundschaften am Arbeitsplatz abzufedern, ist die Selbstwirksamkeit. Sie beschreibt die Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können. Aufgrund der positiven Erfahrungen, dass sie zwischenmenschliche Probleme gut bewältigen, können Personen mit hoher Selbstwirksamkeit solche Freundschaften besser gestalten und so unhöfliches Verhalten besser abfangen.

Aus Sicht der Forschenden ist es wichtig Wege zu finden, die Folgen des unhöflichen Verhaltens zu minimieren, denn es kann schwerwiegende nachteilige Folgen für Organisationen haben. 

  • Darunter fallen zum Beispiel geringere innovative und kreative Leistungen oder höhere Fehlzeiten und Fluktuation.

„Auch, wenn Freundschaften am Arbeitsplatz zahlreiche Vorteile haben und das Arbeitsleben auf eine wichtige Art und Weise bereichern können, sollten sich Mitarbeitende darüber im Klaren sein, dass diese auch mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden sind“, so Prof. Dr. Fasbender.

 „Oft genügt allein dieses Wissen schon.“

Hilfreich ist es außerdem, wenn sich Mitarbeitende mögliche Strategien überlegen, wie sie ihre sozialen Beziehungen effektiver gestalten. 

„Es kann sinnvoller sein, bestimmte Zeiten wie Mittags- oder Kaffeepausen einzuplanen, als während des Arbeitstages mit häufigen Unterbrechungen durch Freund:innen am Arbeitsplatz zurechtzukommen“, rät die Expertin. 

„Zudem sollte ein beiderseitiges Bewusstsein dafür geschaffen werden, sich bei der Arbeit möglichst objektiv zu behandeln.

Dazu gehört es beispielsweise, sich in Meetings konstruktiv kritisieren zu können, ohne dass dies als Kritik an der Freundschaft verstanden wird.“

Aber auch Unternehmen können einiges dazu beitragen, dass Freundschaften am Arbeitsplatz positiv erlebt werden. 

„Oft genügt es, das Bewusstsein für die mögliche Problematik zu fördern“, so Prof. Dr. Fasbender.

 „Dies kann beispielsweise durch kleine Artikel im Newsletter oder im Intranet geschehen. 

Auch Führungskräfte sollten sich in ihrer Ausbildung mit dem Thema auseinandersetzen.“ 

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Prof. Dr. Ulrike Fasbender, Universität Hohenheim, Fachgebiet Wirtschafts- und Organisationspsychologie, T +49 (0)711 459 24754, E ulrike.fasbender@uni-hohenheim.de

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Originalpublikation:

Fasbender, U., Burmeister, A., Wang, M. (2023). Managing the risks and side effects of workplace friendships: The moderating role of workplace friendship self-efficacy. Journal of Vocational Behavior, 143 (103875).
https://doi.org/10.1016/j.jvb.2023.103875

 

Prof. Bärbel Stecher: Evolution von Darmbakterien, die wiederholten Störungen durch Antibiotika

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Wie das Darmmikrobiom auf Antibiotika reagiert

  • Antibiotika beeinflussen Zusammensetzung und Dynamik des Darmmikrobioms. 
  • Die Behandlung mit Antibiotika führt nicht nur zu einem Verlust der mikrobiellen Artenvielfalt, sondern begünstigt häufig auch die Selektion resistenter Bakterienstämme. 

Unklar war bislang, wie sich das Mikrobiom bei einer wiederholten Antibiotikatherapie verhält. 

In einer präklinischen Studie hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung zweier DZIF-Wissenschaftlerinnen mittels Metagenom- und Kultivierungsanalysen evolutionäre Mechanismen identifiziert, die nach wiederholter Antibiotikagabe zur Resilienz der mikrobiellen Gemeinschaft beitragen. Die Studie erschien jetzt im Fachjournal Cell Host & Microbe. 

 Illustration der beschriebenen Mikrobiomforschung: keimfrei gehaltenes Mausmodell, Agarplatten mit Kulturen isolierter Darmbakterien und Antibiotikateststreifen und -plättchen, sowie Darstellung eines DNA-Sequenz-Vergleichs.

Illustration der beschriebenen Mikrobiomforschung: keimfrei gehaltenes Mausmodell, Agarplatten mit Kulturen isolierter Darmbakterien und Antibiotikateststreifen und -plättchen, sowie Darstellung eines DNA-Sequenz-Vergleichs.Bärbel Stecher Max von Pettenkofer-Institut der LMU München

Das Darmmikrobiom eines jeden Menschen enthält eine bestimmte Gemeinschaft von Mikroorganismen, die normalerweise über Jahre hinweg stabil bleibt. 

Sie kann jedoch durch Faktoren wie Ernährungsumstellungen, Infektionen oder Medikamente aus dem Gleichgewicht gebracht werden. 

Insbesondere Antibiotika haben einen starken Einfluss auf das Mikrobiom.  

Dagegen setzen Mikroorganismen verschiedene Resistenzmechanismen ein, wobei sich einzelne Bakterienpopulationen durch Selektion antibiotikaresistenter Varianten evolutionär weiterentwickeln. 

Das Ausmaß und die Mechanismen dieser Prozesse sowie ihre Auswirkungen auf die Ökologie der mikrobiellen Gemeinschaft sind jedoch nur unzureichend erforscht.

In einer umfangreichen metagenomischen Studie untersuchten nun die DZIF-Wissenschaftlerinnen Prof. Bärbel Stecher und Prof. Alice McHardy zusammen mit einem internationalen Forschungsteam die Evolution von Darmbakterien, die wiederholten Störungen durch Antibiotika ausgesetzt waren. Dazu verwendeten sie ein gnotobiotisches Mausmodell, d.h. keimfrei gehaltene Mäuse, welche stabil mit einem bekannten Bakterienkonsortium besiedelt waren. Dieses Modell erlaubt evolutionäre Studien einzelner Mitglieder der Gemeinschaft im natürlichen Wirt unter genau definierten und kontrollierbaren Bedingungen. Die Forschenden analysierten dann über einen Zeitraum von 80 Tagen die Effekte verschiedener Antibiotikaklassen auf das Mikrobiom. Mittels Metagenomanalysen verfolgten sie die Selektion von mutmaßlich Antibiotikaresistenz-fördernden Mutationen in den Bakterienpopulationen und analysierten im Nachgang die Eigenschaften von evolvierten Bakterienklonen, die aus den Gemeinschaften isoliert wurden.

  • „Wir konnten nachverfolgen, wie eine wiederholte Antibiotikatherapie zur Selektion Antibiotika-resistenter Kommensalbakterien führt. 

Dies erhöht nach einer Weile die Resilienz der mikrobiellen Gemeinschaft gegenüber bestimmten Antibiotika wie den Tetracyclinen. 

Neben Adaptation des Mikrobioms durch die Evolution einzelner Mikroorganismen fanden wir zudem Hinweise auf Resistenzentwicklung einzelner Bakterien durch Verlangsamung des Zellwachstums. 

Das Mikrobiom passt sich sozusagen an die Behandlung an und kann ihr besser standhalten“, sagt Prof. Bärbel Stecher, Koordinatorin des Forschungsbereichs Gastrointestinale Infektionen im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und Professorin für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Max von Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

  • Zudem beobachtete das Forschungsteam eine Induktion von Prophagen, ausgelöst durch die Behandlung mit bestimmten Antibiotika. 

Dabei werden Bakteriophagen, deren Genome in Bakteriengenome integriert in bakteriellen Zellen vorliegen, aktiviert. Diese vermehren sich dann und lysieren die Wirtszellen bei der Freisetzung neuer Virenpartikel. „Dies ist ein Beispiel, wie Antibiotika das Überleben von Bakterien auch indirekt beeinträchtigen können“, sagt Dr. Philipp Münch, Erstautor der Studie.

Insgesamt zeigt die Studie eine immense Vielfalt in der Antwort des Mikrobioms auf Antibiotikabehandlungen. 

Hierzu zählen beispielsweise auch ökologische Effekte wie die Hemmung eines Mikroorganismus durch die Eliminierung eines wichtigen „Partner“-Bakteriums im metabolischen Netzwerk das Darmökosystems.

„Aufgrund dieser hohen Komplexität von direkten und indirekten Reaktionen ist es selbst in gnotobiotischen Tiermodellen mit einer definierten Gemeinschaft an Mikroorganismen schwer vorherzusagen, welche Arten von der Behandlung mit einem Antibiotikum betroffen sein werden“, resümiert Prof. Alice McHardy, Co-Koordinatorin Bioinformatik und Maschinelles Lernen im DZIF und Leiterin der Abteilung Bioinformatik der Infektionsforschung am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, einer Mitgliedseinrichtung des DZIF. 

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Originalpublikation:

Münch PC et al.: Pulsed antibiotic treatments of gnotobiotic mice manifests in complex community dynamics and resistance effects, Jun 2023, Cell Host & Microbe, DOI: 10.1016/j.chom.2023.05.013


Bodenübertragene Helmintheninfektionen-Wurminfektionen: Bauchschmerzen, Durchfall, Anämie, Unterernährung,

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Behandlung von parasitären Wurminfektionen beim Menschen erweist sich als hochwirksam

Ein neuer Arzneimittelkandidat zeigt vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung parasitärer Wurminfektionen. 

Forschende des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) testeten die Wirksamkeit und Sicherheit von Emodepsid gegen die drei wichtigsten durch den Boden übertragenen Helminthen auf der Insel Pemba in Tansania. 

Emodepsid ist der erste vielversprechende Wirkstoff zur Bekämpfung parasitärer Wurminfektionen seit mehreren Jahrzehnten. 

Swiss TPH wird nun gemeinsam mit Bayer an der weiteren Entwicklung des Medikaments arbeiten.

  • Bodenübertragene Helmintheninfektionen werden durch verschiedene Arten von parasitären Würmern verursacht, zu denen Peitschenwürmer, Hakenwürmer und Spulwürmer gehören. 

Mehr als 1,5 Milliarden Menschen weltweit sind mit mindestens einem bodenübertragenen Helminthen infiziert, der Grossteil der infizierten Bevölkerung lebt in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

  • Bei den Betroffenen können Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall und Anämie auftreten, während schwere Infektionen zu Unterernährung und Beeinträchtigungen des Wachstums und der körperlichen Entwicklung führen können. 
  • In schweren Fällen kann es sogar zu einem Darmverschluss kom-men, der operativ behandelt werden muss.

Für die Behandlung von bodenübertragenen Helmintheninfektionen stehen sichere Medikamente zur Verfügung, deren Wirksamkeit jedoch sehr unterschiedlich ist. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt derzeit Behandlungen mit Albendazol und Mebendazol. 

Bei der Behandlung des Peitschenwurms Trichuris trichiura ist die Gabe von einer Dosis dieser Medikamente jedoch nur bei 17 % der infizierten Personen erfolgreich, wie diese Studie des Swiss TPH zeigt. Ausserdem werden aufgrund der zunehmenden Medikamentenresistenz dringend neue Behandlungsalternativen benötigt.

Alle behandelten Personen geheilt
Für diesen ungedeckten Bedarf nach Anthelminthika haben Forschende am Swiss TPH nun Emodep-sid im Rahmen einer Phase-IIa-Studie erstmals an Menschen eingesetzt, die mit bodenübertragenen Helminthen infiziert sind.

«In dieser Studie zeigte Emodepside hohe Heilungsraten für alle drei bodenübertragenen Helminthen», sagte Emmanuel Mrimi, Doktorand und Erstautor der Studie. Mit der niedrigsten getesteten Dosis (5 mg Emodepsid) konnten 83 % der mit dem Peitschenwurm infizierten Personen erfolgreich geheilt werden. «Eine auf 15 mg erhöhte Gabe von Emodepsid bewirkte bei allen Personen eine voll-ständige Heilung. Mit den bisherigen Anthelminthika ist die Heilung von Menschen, die mit dem Peitschenwurm infiziert sind, nicht möglich.» Weiterhin wurde auch eine hohe Wirksamkeit bei der Be-kämpfung von Spulwürmern und Hakenwürmern festgestellt.


«Das Medikament zeigt auch andere wichtige Eigenschaften. Es ist gut verträglich und die meisten unerwünschten Nebenwirkungen in der Studie waren mild», sagte Mrimi. Die Ergebnisse wurden heu-te in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Von der Innovation zur Anwendung
Emodepsid ist ein Anthelminthikum, das bisher in der Veterinärmedizin eingesetzt wurde. «Das soge-nannte Repurposing von Medikamenten ist eine Schlüsselstrategie der Forschung für die Entdeckung und Entwicklung von Anthelminthika, die jedoch vernachlässigt und nicht ausreichend finanziert wird», so Jennifer Keiser, Leiterin der Einheit «Helminth Drug Development». «Die meisten umgewidmeten Medikamente haben ihren Ursprung in der Veterinärmedizin.» Das Swiss TPH hat das Arzneimittel bereits in Laborstudien getestet. «Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse im Labor sahen wir das Potenzial für die Behandlung von Personen, die mit bodenübertragenen Helminthen infiziert sind», sagte Jennifer Keiser. Aus diesem Grund wurde das Arzneimittel weiterentwickelt. «Die jüngsten Ergebnisse der klinischen Studien sind wichtige und ermutigende Nachrichten auf dem Gebiet der vernachlässigten Tropenkrankheiten. In den letzten Jahrzehnten wurde kein neues Anthelminthikum entwickelt. Daher ist diese Studie ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Eindämmung und Elimi-nierung von bodenübertragenen Helminthiosen.»
Swiss TPH wird nun gemeinsam mit dem Pharmakonzern Bayer an der weiteren Entwicklung des Medikaments arbeiten. «Unser Ziel ist die Zulassung des Medikaments für die Verabreichung an Menschen, damit es in Zukunft bedürftigen Patientinnen und Patienten zur Verfügung steht», so Keiser.

Über die Studie
Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Public Health Laboratory Ivo de Carneri (PHL-IdC) auf der Insel Pemba in Tansania durchgeführt. In die Studie wurden insgesamt 442 Teilnehmer und Teil-nehmerinnen aufgenommen, die mit einem oder mehreren der drei wichtigsten bodenübertragenen Helminthen Trichuris trichiura (Peitschenwurm), Hakenwurm und Ascaris lumbricoides (Spulwurm) infiziert waren. Die Studienteilnehmer und Studienteilnehmerinnen wurden dann nach dem Zufalls-prinzip in Behandlungsgruppen aufgeteilt, die Emodepsid, Albendazol oder Placebo erhielten.

DOI: 10.1056/NEJMoa2212825 (online ab 17. Mai, 23:00 Uhr CET / 17:00 Uhr ET) 

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New England Journal of Medicine: DOI: 10.1056/NEJMoa2212825 (online ab 17. Mai, 23:00 Uhr CET / 17:00 Uhr ET)

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Dr. Jürgen Frech: Der Prozess des Metastasen-Wachstums bei Krebserkrankungen und diversen Stadium

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Was Krebsmetastasen besonders gefährlich macht

Nicht alle Krebsmetastasen wirken gleich zerstörerisch. 

Forschende weisen im Experiment unterschiedliche Mechanismen nach.

Bei den meisten Krebserkrankungen bestimmt nicht das Wachstum des Primärtumors die Prognose für den Patienten, sondern ob es zu einer Streuung und Ausbildung von Tochtergeschwüren kommt, der sogenannten Metastasierung. 

Dieser Prozess ist sehr komplex. 

  • Zwischen der ursprünglichen Ausbreitung und dem tatsächlich aggressiven Wachstum der Metastasen, die viele Organe wie etwa Lunge, Leber oder Gehirn angreifen können, liegen oft Monate oder sogar Jahre. 

Forschende am Hautkrebszentrum der Ruhr-Universität Bochum, des Helmholtz-Zentrums München, des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg und der Eidgenossenschaftlichen Technischen Hochschule Zürich haben die Umstände des Metastasen-Wachstums bei Brustkrebs untersucht. 

Dazu wurden auch Biopsien von zehn betroffenen Patientinnen untersucht. Sie berichten in der Zeitschrift Cell Reports vom 30. Mai 2023.

Zellen wechseln ihre Identität

Die Forschenden betrachteten einen speziellen zellulären Mechanismus, die sogenannte epithelial-mesenchymale Transition (EMT). 

Dadurch gewinnen die an sich sesshaften Krebszellen Mobilität, können zunächst in das umgebende Gewebe eindringen und schließlich über Blut- und Lymphbahnen in entfernte Organe transportiert werden. 

  • Dabei wechseln die Krebszellen, wie der Begriff EMT beschreibt, ihre zelluläre Identität von „epithelial“ nach „mesenchymal“, was anhand verschiedener Marker nachgewiesen werden kann.

In den Metastasen-Biopsien waren jedoch beide Arten von Zellen vorhanden. 

Anschließende Experimente zeigten, dass diejenigen Zellen, die ihre ursprüngliche epitheliale Identität bewahrt hatten, neue Metastasen bilden konnten, also die Krebserkrankung vorantrieben. 

Die Forscher wiesen nach, dass ein komplexes zelluläres Programm die zelluläre Identität der Krebszellen schützt und verhindert, dass diese ihre Fähigkeit verlieren, sich zu vermehren.

Künftige Arbeiten müssen Erkenntnisse in Therapie überführen

„Über die genaue Relevanz des EMT-Mechanismus in Metastasen gibt es unterschiedliche, sich teilweise widersprechende Daten“, betont Co-Autorin Dr. Christina Scheel von der Dermatologischen Universitätsklinik Bochum im St. Josef-Hospital (Katholisches Klinikum).

 „Wir glauben jedoch, dass unsere Studie einen wichtigen Fortschritt gebracht hat, indem wir beschreiben, wie verschiedene zelluläre Programme in Krebszellen auf molekularer Ebene zusammenwirken, um das Voranschreiten der Erkrankung zu bewirken. 

Der Prozess des Metastasen-Wachstums ist hier besonders wichtig, da Krebserkrankungen grundsätzlich in diesem Stadium am schwierigsten zu behandeln sind.“ 

Es wird nun Aufgabe künftiger Forschung sein herauszufinden, wie diese experimentellen Erkenntnisse für eine Therapie der aggressivsten Krebszellen genutzt werden können.

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Dr. Jürgen Frech
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Meike Drießen Ruhr-Universität Bochum

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Massimo Saini et al.: Resistance to mesenchymal reprogramming sustains clonal propagation in metastatic breast cancer, in: Cell reports, DOI: 10.1016/j.celrep.2023.112533, https://www.cell.com/cell-reports/fulltext/S2211-1247(23)00544-2


Prof. Andreas Birkenfeld,: Das zentrale Nervensystem den peripheren Energie- und Glukosehaushalt steuert CAVE: Insulinresistenz im Gehirn

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Diabetes beginnt im Gehirn – Neuste Forschungserkenntnisse beim DGE-Kongress

Mit einem Symposium "Hormonwirkung im Gehirn und sein Einfluss auf den Körperstoffwechsel" ist das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) auf dem derzeit in Baden-Baden stattfindenden 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie vertreten. Die Forschenden stellten ihre aktuellen Ergebnisse am 7. Juni,  vor.

Das Gehirn bestimmt, ob der Stoffwechsel funktioniert. 

  • Reagiert es nicht empfindlich genug auf Insulin, nehmen Leber-, Fett- und Muskelgewebe zu wenig Glukose auf und der Blutzuckerspiegel steigt. 

Gewichtszunahme und Typ-2-Diabetes können die Folge sein. Im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) arbeiten Wissenschaftler:innen und Mediziner:innen aus den Bereichen Neurowissenschaften und Diabetologie eng zusammen. In einem spannenden Symposium auf dem 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie vom 5. bis 7. Juni 2023 in Baden-Baden beleuchteten sie, wie das zentrale Nervensystem den peripheren Energie- und Glukosehaushalt steuert.

„Die Teile des Gehirns, die auf das Hormon Insulin reagieren, sind wichtig für die Nahrungsaufnahme und den Stoffwechsel. 

Aktuelle Studien zeigen, dass eine Insulinresistenz im Gehirn zu massiven Stoffwechselstörungen führen kann, die eine Fettleibigkeit verstärken und in Diabetes münden können“, erläutert DZD-Sprecher Prof. Andreas Birkenfeld, der das DZD-Symposium zusammen mit Prof. Baptist Gallwitz, Tübingen, leitete. „Unser Ziel ist es, präzise Behandlungsformen für Menschen zu finden, deren Gehirn nicht mehr ausreichend auf das Stoffwechselhormon reagiert.“

„Mit dem Kongressmotto „Endokrinologie Pur und Interdisziplinär“ betonen wir, dass das
Gebiet der Endokrinologie Schnittstellen mit vielen anderen Disziplinen hat“, ergänzt DGE-Kongresspräsident und Neurochirurg Prof. Jürgen Honegger aus Tübingen. „Ich freue mich deshalb, dass wir auf diesem Kongress auch die wichtige Rolle des Gehirns bei der Entstehung der großen Volkskrankheit Typ-2-Diabetes beleuchten werden.“

Auch das Gehirn kann insulinresistent werden
DZD-Wissenschaftler:innen haben herausgefunden, dass Insulin offenbar nicht nur im Leber-, Muskel- und Fettgewebe wirkt, sondern auch im Gehirn. 

Auf diese Weise kann es den Stoffwechsel im gesamten Körper beeinflussen. Dieser Prozess stellt sicher, dass nach der Nahrungsaufnahme Energie im Körper gespeichert und der Stoffwechsel gut kontrolliert wird. Leider sind etliche Menschen von einer Insulinresistenz des Gehirns betroffen, was langfristig eine Gewichtszunahme fördert. Betroffene Menschen speichern Fett vor allem im Bauch und in der Leber, wodurch ihr Risiko für Folgeerkrankungen steigt. Prof. Martin Heni gibt einen Überblick über neue Untersuchungen, die zeigen, dass die Insulinresistenz des Gehirns behandelbar sein könnte.  

Sowohl die Gabe des SGLT2-Inhibitors Empagliflozin als auch regelmäßiger Sport hatten einen messbaren Effekt auf die Insulinresistenz des Gehirns.

Neuronale Insulinresistenz stört die Energieproduktion
Prof. André Kleinridders erläutert in dem Symposium die Effekte der Insulinwirkung auf Mitochondrien und Metabolismus im Zentralnervensystem. Auf zellulärer Ebene erhöht Insulin die Aktivität der Mitochondrien, um ausreichende Mengen an Energie für eine gesunde Funktion des Nervensystems zu generieren.  

  • Dementsprechend kommt es bei einer neuronalen Insulinresistenz zu einer mitochondrialen Dysfunktion, Adipositas und Kognitionsstörungen.  
  • Im Umkehrschluss beeinflusst die mitochondriale Funktion die neuronale Insulinsensitivität und den Stoffwechsel maßgeblich. Das Wissen darum könnte dazu beitragen, neuartige Interventionsstrategien zu entwickeln, um Adipositas und Typ-2-Diabetes, aber auch kognitiven Einschränkungen vorzubeugen.


Insulin wirkt bei Frauen und Männern unterschiedlich
Die Wirkung von Insulin in Hirnregionen, die wichtig für Gedächtnis, Belohnung und Kognition sind, unterschiedet sich maßgeblich zwischen Frauen und Männern.  

  • Prof. Stephanie Kullmann und ihr Team haben herausgefunden, dass Frauen vor allem mit zunehmendem Alter eine Insulinresistenz im Hippocampus zeigen. 
  • Auch die hormonellen Veränderungen während der Lutealphase des Menstruationszyklus dämpfen offenbar die Wirkung von Insulin in Hirnregionen, die wichtig für Gedächtnis und Belohnungsprozesse sind.


Neue Erkenntnisse zum Wirkmechanismus der Polyagonisten
Da die Ursachen für Adipositas und Typ-2-Diabetes auch im Gehirn liegen, zielen neue Medikamente auch darauf ab, das Zentralnervensystem ansteuern. 

Dieses ist mit der Entwicklung von Polyagonisten gelungen, welche die Effekte von körpereigenen Darmhormonen wie etwa GLP-1 und GIP zu hochwirksamen Ko-Agonisten kombinieren und im Gehirn regulierend in relevante Stoffwechselprozesse eingreifen. 

So senken GLP-1:GIP Ko-Agonisten das Körpergewicht effektiver als GLP-1-Monoagonisten wie etwa Semaglutid. 

Doch welche Rolle spielt der GIP-Rezeptor für die Wirksamkeit dieser neuen Substanzklasse? 

DZD-Wissenschaftler Prof. Timo Müller und sein Team haben die Wirkmechanismen von GIP und GIP:GLP-1-Ko-Agonisten untersucht und zeigen, dass GIP über dessen Wirkung am GIP-Rezeptor von entscheidender Bedeutung für die Wirksamkeit der Ko-Agonisten ist.


Hormonwirkung im Gehirn und sein Einfluss auf den Körperstoffwechsel

Vorsitz:
Prof. Andreas Birkenfeld, DZD-Sprecher
Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen von Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik IV Innere Medizin – Diabetologie, Endokrinologie, Nephrologie am Universitätsklinikum Tübingen
Prof. Baptist Gallwitz
Stellvertretender Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik IV Innere Medizin – Diabetologie, Endokrinologie, Nephrologie am Universitätsklinikum Tübingen

Vorträge:
Einfluss von Geschlecht und Alter auf die zentrale endokrine Regulation des Essverhaltens
Prof. Dr. Stephanie Kullmann, Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen von Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung
Insulinresistenz im Gehirn und deren Auswirkung auf periphere Organe
Prof. Dr. Martin Heni, Professor für Endokrinologie und Diabetes an der Universität Ulm, Sektionsleiter für Endokrinologie und Diabetologie der Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Ulm
Effekte der Insulinwirkung auf Mitochondrien und Metabolismus im Zentralnervensystem
André Kleinridders, Universität Potsdam und Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD)
Zentralnervöse Wirkmechanismen der Inkretinhormone GLP-1 und GIP sowie von deren Doppel- und Mehrfachagonisten
PD Dr. rer. nat. Timo Müller, Kommissarischer Direktor des Instituts für Diabetes und Adipositas Forschung bei Helmholtz Munich, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD)

Über das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung
Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind Helmholtz Munich – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen von Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden von Helmholtz Munich am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. www.dzd-ev.de 

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Prof. Tirone David: Klassische Herzchirurgie versus interventioneller Verfahren

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Konventionelle Herzchirurgie präsentiert sich mit überragenden Langzeitdaten

Eindrücke vom amerikanischen Herzchirurgenkongress in Los Angeles:

 Im Mai dieses Jahres trafen sich Herzchirurginnen und Herzchirurgen aus aller Welt in Los Angeles zum Kongress der amerikanischen Herz- und Thoraxchirurgie (American Association for Thoracic Surgery - AATS):


- Patienten profitieren von der Ross-Prozedur
- Bei angeborenen Anomalien der Aortenklappe zeigt herzchirurgische Operation besseres Langzeitüberleben
- Minimalinvasive Operationstechniken sind sicher und mit einer schnelleren Rehabilitation und Mobilisation assoziiert
- Herzchirurgische Bypass-Versorgung: auch für ältere Patienten besseres Langzeitüberleben

  • Klassische Herzchirurgie, die in den meisten Fällen durch einen direkten Zugang zum Herzen über eine Eröffnung des Brustbeins durchgeführt wird, hat in den letzten Jahren „Konkurrenz“ bekommen. 

Grund dafür ist die Entwicklung mehr und mehr sog. interventioneller Verfahren, die ebenfalls in der Lage sind, Probleme an den Herzklappen oder den Herzkranzgefäßen zu behandeln, aber ohne Eröffnung des Brustbeins, sondern mit Hilfe eines Katheters, der über die Leiste oder den Arm zum Herzen vorgeführt wird. 

Diese interventionellen Verfahren, die von spezialisierten Kardiologen durchgeführt werden, haben erheblich an Beliebtheit bei Patienten und an Anzahl der Anwendungen gewonnen. 

  • Allerdings sind die Langzeitergebnisse dieser Interventionen oft nicht bekannt.

Beim diesjährigen Kongress der amerikanischen herzchirurgischen Gesellschaft präsentierte die konventionelle Herzchirurgie herausragende Langzeitergebnisse, was in den folgenden „Highlights“ des Kongresses zum Ausdruck kommt:

Patienten profitieren von der Ross-Prozedur
Ein Gigant der internationalen Herzchirurgie, Sir Magdi Yacoub aus London, präsentierte Daten von 108 Patienten, die eine Ross Operation erhielten. Bei dieser komplexen Operation wird eine erkrankte Aortenklappe durch die eigene Pulmonalklappe des Patienten ersetzt. 

Die dann fehlende Pulmonalklappe wird wiederum durch eine konservierte menschliche Spenderklappe ausgetauscht. Diese Operation ist prominent geworden durch die Anwendung bei dem österreichisch-amerikanischen Schauspieler Arnold Schwarzenegger Ende der 1990er Jahre und war über Jahre umstritten. 


Die Studie von Sir Magdi Yacoub zeigt eine herausragende Langzeithaltbarkeit und ein Überleben, welches sich nicht von dem der altersangepassten Normalbevölkerung unterscheidet. Prof. Tirone David, einer der renommiertesten Aortenklappenchirurgen der Welt, kommentierte diesen Höhepunkt und unterstrich die besondere Bedeutung dieser Operation. Er betonte allerdings im Kontext, dass eine besondere operative Expertise nötig sei, um derart gute Ergebnisse erzielen zu können.
Aus Patientensicht sind diese Ergebnisse besonders wertvoll, da es sich bei dieser Operation um eine biologische Lösung handele, von der vor allem junge Patienten profitieren. Diese werden ansonsten meist mit einer mechanischen Klappenprothese sinnvoll versorgt, bei der eine Normalisierung der Lebenserwartung bisher nicht ganz erreicht werden konnte, und bei der zudem die lebenslange Zugabe von Blutgerinnungshemmern nötig ist.

  • Bei angeborenen Anomalien der Aortenklappe zeigt herzchirurgische Operation besseres Langzeitüberleben

Eine zweite interessante Studie verglich den konventionellen, chirurgischen Ersatz einer verengten Aortenklappe (AKE) mit den neuen Transkatheterverfahren (TAVI) bei Patienten, die eine angeborene Anomalie der Aortenklappe aufweisen (sog. biskuspide Aortenklappe), was oft zu einer verfrühten Degeneration führt. Diese Patienten wurden in den standardisierten Vergleichen (sog. randomisierte Studien) bisher ausgeschlossen.

Die Autoren (Chen und Kollegen aus Los Angeles, USA) analysierten ein großes amerikanisches Register und wendeten statistische Verfahren zur Risikoangleichung an.  

In diesem Vergleich zeigte sich initial kein echter Vorteil durch das Katheterverfahren und nach drei Jahren war bei der klassischen Chirurgie die Sterblichkeit signifikant niedriger.  

Diese Daten, die an Patienten mit recht niedrigem Operationsrisiko erhoben wurden, bestätigen andere bisher veröffentlichte Registerstudien, die die Langzeitergebnisse der neuen interventionellen Verfahren in Frage stellen (derartige Daten gibt es aus Deutschland, Italien, Frankreich und Polen).

  • Minimalinvasive Operationstechniken sind sicher und mit einer schnelleren Rehabilitation und Mobilisation assoziiert

Trotz dieser herausragenden Therapieerfolge der klassischen Herzchirurgie bleibt die Sorge um die Eröffnung des Brustbeins bei Patienten und konservativen Medizinern groß. Auch hier konnten auf dem Kongress wesentliche neue Erkenntnisse präsentiert werden. Prof. Akowuah von den South Tees Hospitals in England präsentierte die „Mini-Mitral Studie“, bei den Rekonstruktionen der Mitralklappe entweder über ein eröffnetes Brustbein oder über einen minimalinvasiven Zugang an der rechten Brust durchgeführt wurden. Die Studie zeigte keine Unterschiede im Ergebnis nach 12 Wochen, konnte aber eine schnellere Mobilisierbarkeit und eine frühere Entlassung der Patienten aus dem Krankenhaus belegen. Eine Eröffnung des Brustbeins ist damit für eine erfolgreiche Reparatur einer Mitralklappe in den Händen von Experten nicht mehr nötig.

Im gleichen Kontext faszinierte auch eine Präsentation von Prof. Oleksander Babliak aus Kiew. Seine Gruppe versorgte über einen minimal-invasiven Zugang an der linken Brust nicht nur das Herz mit koronaren Bypässen, sondern rekonstruierte gleichzeitig eine erkrankte Mitralklappe.

Herzchirurgische Bypass-Versorgung: auch für ältere Patienten besseres Langzeitüberleben
Schließlich wurde auch ein Vergleich zwischen der interventionellen Behandlung der koronaren Herzerkrankung (Stentimplantation) mit der klassischen Bypassoperation bei Patienten im Alter von über 80 Jahren präsentiert. 

Die Autoren (Kirov und Kollegen aus Jena in Deutschland) fassten alle verfügbaren Daten zu diesem Thema in einer Meta-Analyse zusammen und demonstrierten auch bei diesen Patienten, die oft als zu alt für eine Operation angesehen werden, eine signifikanten Überlebensvorteil für die Bypassoperation gegenüber dem Stent. 

Dieser Vorteil hatte den Preis einer etwas höheren operativen Sterblichkeit, war aber mit deutlich weniger Herzinfarkten der bypassoperierten Patienten vergesellschaftet, was von den Autoren als Ursache für den Effekt angesehen wird.

Privat-Doz. Dr. Färber (Universitätsklinikum Jena) präsentierte relevante Daten aus einem der größten Register für minimalinvasive Mitralklappenchirurgie (Mini-Mitral International Registry). An der Studie waren 17 Herzzentren in Europa, Amerika, Ozeanien und Asien mit ca. 6.500 Patienten beteiligt. Prof. Oleksander Babliak aus Kiew präsentierte im Kontext Daten, bei denen Herzpatienten über einen minimal-invasiven Zugang an der linken Brust nicht mit Bypassgrafts versorgt wurden, sondern gleichzeitig die erkrankte Mitralklappe rekonstruiert wurde.

All diese Arbeiten betonen die herausragenden Therapieerfolge mit konventionellen herzchirurgischen Verfahren. 

Insofern kann Patienten, bei denen sowohl interventionelle als auch herzchirurgische Verfahren in Frage kommen, nur geraten werden, in jedem Falle auch die herzchirurgische Meinung vor einer Behandlung einzuholen bzw. eine Konsens-Entscheidung vom etablierten Herz-Team zu fordern, wie es auch die Leitlinien vorsehen und vorgeben.

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PD Dr. Ulrich Grabmaier:Prof. Steffen Massberg: Inflammatorischen Kardiomyopathie: DCM - dilattativen Kardiomyophatien

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue DZHK-Studie: Immunsuppressiva für eine bessere Herzfunktion

Bei Patienten mit inflammatorischer Kardiomyopathie ist der Herzmuskel dauerhaft entzündet, obwohl keine Virusinfektion mehr vorliegt. 

Für diese Gruppe überprüfen Forscher in der Studie TRINITY-DZHK26, ob es hilft, das Immunsystem zeitlich begrenzt mit Medikamenten zu unterdrücken.

Wie Patientinnen und Patienten mit einer inflammatorischen Kardiomyopathie behandelt werden sollten, ist bislang nicht ausreichend erforscht. 

Daten von zwei kleineren randomisierten klinischen Studien weisen darauf hin, dass sich Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, positiv auf die Herzfunktion auswirken. 

Diese Studien sind jedoch nur hypothesengenerierend, sodass die Behandlungsleitlinien der European Society of Cardiology (ESC) bislang nicht empfehlen, entzündliche Kardiomyopathien mit Immunsuppressiva zu behandeln. 

Die Studie TRINITY-DZHK26 ist die erste kontrollierte klinische Studie, die an mehreren Zentren erforscht, ob Immunsuppressiva Patienten mit einer inflammatorischen Kardiomyopathie helfen.

Ursachenforschung anhand von Gewebeproben aus dem Herzmuskel

  • Kardiomyopathien sind eine Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen, bei denen der Herzmuskel geschädigt und somit weniger leistungsfähig ist. 

Wenn er sich vergrößert, spricht man von einer dilatativen Kardiomyopathie, kurz DCM.  

  • DCM-Patienten leiden unter Herzrhythmusstörungen und den Symptomen einer Herzschwäche. 
  • Sie erhalten Medikamente gegen die Herzschwäche, die ihre Beschwerden lindern.

„Bei manchen Patienten bleibt das Herz schwach, obwohl sie optimal mit Medikamenten behandelt werden“, sagt Privatdozent Dr. Ulrich Grabmaier vom Klinikum der Universität München, der die Studie TRINITY-DZHK26 zusammen mit Prof. Steffen Massberg leitet. 

Die Ärzte entnehmen dann eine Gewebeprobe aus dem Herzmuskel, um der Ursache auf den Grund zu gehen. 

  • Bei bis zu 35 Prozent der Patienten liegt eine chronische Entzündung des Herzmuskels vor, was als inflammatorische Kardiomyopathie bezeichnet wird. 

Dabei kann das ursprünglich für den Ausbruch der Erkrankung verantwortliche Virus häufig nicht mehr nachgewiesen werden, vielmehr scheinen Autoimmunprozesse das Entzündungsgeschehen am Laufen zu halten.

Häufig sind es junge Patienten, im Schnitt vierzig Jahre alt, deren Zustand sich trotz Herzschwächetherapie nicht verbessert oder sogar weiter verschlechtert. 

„Es ist wichtig, diese Patienten früh abzuholen, um die schädlichen Umbauprozesse im Herz aufzuhalten“, so Grabmaier.

Sechs Monate, zwei immunsupprimierende Medikamente

130 Patientinnen und Patienten mit einer inflammatorischen Kardiomyopathie werden an der DZHK-Studie teilnehmen. Sie werden nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) einer der beiden Studiengruppen zugeordnet. Eine Gruppe erhält zusätzlich zur Herzschwächtherapie sechs Monate lang die beiden immunsupprimierenden Medikamente Prednisolon und Mycophenolat-Mofetil (MMF), letzteres wird seit langem in der Transplantationsmedizin oder aber in der Therapie von rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Die andere Gruppe nimmt weiterhin die Medikamente gegen die Herzschwäche und ein Placebo ein. Weder die Ärzte noch die Patienten wissen, ob sie die Medikamente oder das Placebo erhalten, solche Studien nennt man doppelblind. 

Während der sechsmonatigen Behandlung werden die Studienteilnehmer engmaschig kontrolliert. 

Davor und danach wird ihre Herzfunktion mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) gemessen, um zu beurteilen, ob die Immunsuppressiva diese verbessern konnten.

Studientitel: A multicenter, randomized, double-blind, placebo-controlled trial evaluating immunosuppressive treatment in patients with chronic virus-negative inflammatory cardiomyopathy (TRINITY-DZHK-26) 

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Priv.-Doz. Dr. med. Ulrich Grabmeier, Klinikum der Universität München, Medizinische Klinik und Poliklinik I, ulrich.grabmaier(at)med.uni-muenchen.de

Prof. Dr. med. Steffen Massberg, Klinikum der Universität München, Medizinische Klinik und Poliklinik I, steffen.massberg(at)med.uni-muenchen.de

Christine Vollgraf Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

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