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Neuer Entzündungsschub bei Morbus Crohn.....? Die Paneth-Zellen - Das Erscheinungsbild von Stammzellen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Morbus Crohn: Erhalt von entzündungsfreien Phasen

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Darms, die meist schubweise verläuft. 

Heilen lässt sich die Krankheit bisher nicht. 

Eine Forschungsgruppe unter Federführung der Technischen Universität München (TUM) hat einen Marker gefunden, mit dem auf mikroskopischer Ebene Patientinnen und Patienten identifiziert werden können, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neuer Entzündungsschub bevorsteht. 

Dies bietet die Möglichkeit, früher therapeutisch gegenzusteuern. 

Prof. Haller, Dr. Eva Rath und Dr. Amira Metwaly diskutieren ihre Forschungsergebnisse.
Prof. Haller, Dr. Eva Rath und Dr. Amira Metwaly diskutieren ihre Forschungsergebnisse.
Andreas Heddergott / TUM
 
  • Der Stoffwechsel der Stammzellen im Darm wird durch die zelleigenen Energiekraftwerke – die Mitochondrien – gefördert. 
  • Chronische Entzündungsprozesse stören den Zellstoffwechsel und führen zu einem Funktionsverlust dieser Stammzellen.

Dies hat ein Forschungsteam der TUM in einer gemeinsamen Studie mit dem Helmholtz Zentrum München und der Université de Paris herausgefunden, das Zellen des Dünndarms von Morbus Crohn-Kranken und vergleichend dazu im Mausmodell analysiert hat.

Rolle von Stammzellen und Paneth-Zellen

Stammzellen sind für den Erhalt und die Regeneration von Geweben unerlässlich. 

Die Stammzellen im Darm sind umgeben von so genannten Paneth-Zellen.

  • Diese sind für die lokale Immunabwehr verantwortlich und sorgen für eine Umgebung, in der es den Stammzellen gut geht und damit für deren Erhalt.
  • Personen, die an Morbus Crohn leiden, haben insgesamt weniger Paneth-Zellen, die noch dazu in ihrer Funktion eingeschränkt sind. 

Die Forschungsgruppe beschäftigte sich mit den Fragen, was die Veränderungen der Paneth-Zellen verursacht und inwieweit der Zellstoffwechsel in den Stammzellen eine Rolle spielt.

Dazu wurde neben Studien an Mäusen auch Darmgewebe von Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn, das operativ entfernt wurde, analysiert und genauestens kartiert. Nach sechs Monaten haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Darm der Patienten erneut endoskopisch begutachtet und nach Entzündungsanzeichen gesucht.

Morbus Crohn-Schub durch das Erscheinungsbild von Stammzellen vorhersagen

Mikroskopische Veränderungen der Stammzellen waren in der Studie besonders häufig bei Patientinnen und Patienten zu finden, die nach sechs Monaten wieder Entzündungsanzeichen im Darm zeigten.

„Das Erscheinungsbild der Stammzellen ist ein sehr frühes Anzeichen für den Beginn entzündlicher Prozesse und eignet sich, um die Wahrscheinlichkeit des Wiederaufflammens der Darmentzündung nach einer teilweisen Entfernung der betroffenen Dünndarmabschnitte abzuschätzen. 

Hier wäre ein geeigneter Ansatzpunkt für eine therapeutische Intervention“, erklärt Dirk Haller, Professor für Ernährung und Immunologie an der TUM.

Stammzellenfunktion wiederherstellen

Sowohl beim Menschen wie auch im Mausmodell wurde gleichzeitig mit den Veränderungen von Paneth-Zellen und Stammzellen auch eine verminderte Funktion der Mitochondrien festgestellt.

  • Mit dem Wissen, dass eine verminderte mitochondriale Atmung zu Veränderungen bei Stammzellen und Paneth-Zellen führt, verwendeten die Forschenden im Mausmodell eine Substanz (DCA, Dichloracetat), die unter anderem bei bestimmten Krebserkrankungen eingesetzt wird. 
  • Sie bewirkt einen Anstieg der mitochondrialen Atmung.

Diese Substanz verursacht eine Verschiebung des zellulären Stoffwechsels. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten damit im Rahmen der Studie die Funktion der Stammzellen aus dem Darm entzündeter Mäuse wiederherstellen. 

Das zeigte sich in organähnlichen Mikrostrukturen, so genannten Organoiden.

Therapieansatz zur Verlängerung von entzündungsfreien Phasen bei Morbus Crohn

„Diese Ergebnisse deuten auf einen neuen Therapieansatz zur Verlängerung von entzündungsfreien Phasen bei Morbus Crohn hin“, so Dr. Eva Rath, Wissenschaftlerin im Wissenschaftszentrum Weihenstephan und Mitautorin der Studie.

Ziel weiterer Forschungen ist es, den Effekt von DCA im Tiermodell und bei Patienten genauer zu untersuchen. 

Über eine gezielte Veränderung ihres Stoffwechsels, also eine so genannte metabolische Intervention, könnten Stammzellen und Paneth-Zellen, die die Darmbarriere bilden, vor einem Funktionsverlust bewahrt und eine nachfolgende Entzündung verhindert werden.

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Originalpublikation:
Sevana Khaloian, Eva Rath, Nassim Hammoudi, Elisabeth Gleisinger, Andreas Blutke, Pieter Giesbertz, Emanuel Berger, Amira Metwaly, Nadine Waldschmitt, Matthieu Allez, Dirk Haller: Mitochondrial impairment drives intestinal stem cell transition into dysfunctional Paneth cells predicting Crohn’s disease recurrence. Gut 2020;0:1–13. DOI:10.1136/gutjnl-2019-319514

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://gut.bmj.com/content/early/2020/02/28/gutjnl-2019-319514 (Originalpublikation)

https://www.ziel.tum.de/ (Institute for Food & Health, ein interdisziplinäres Zentralinstitut der TUM)

Kreislauf: Gedanken und Schmerzverstärkung bei Rückenschmerzen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wann Rückenschmerzen chronisch werden

Die Psyche spielt eine entscheidende Rolle, wenn aus akuten Schmerzen andauernde werden. 

Warum manche Menschen gefährdeter sind als andere. 
 
  • Bei rund 35 bis 40 Prozent aller Rückenschmerzpatienten sind die Beschwerden von Dauer. 

Die Art und Weise, wie man die Schmerzen empfindet und wie sehr sie in der Folge das eigene Leben beeinträchtigen, kann jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.

Prof. Dr. Monika Hasenbring beschäftigt sich seit langem mit der Frage, welche Bedeutung die individuelle Schmerzverarbeitung für die Entwicklung chronischer Beschwerden hat, denn sie weiß, dass diese kein rein medizinisches, sondern auch ein psychologisches Phänomen sind.

Vier Risikogruppen

Als Leiterin der Abteilung für medizinische Psychologie und medizinische Soziologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat sie bereits vor Jahren ein Modell der Schmerzverarbeitung entwickelt, bei dem sie Patienten einer von vier Risikogruppen zuordnen kann.

Dieses Modell helfe, geeignete Diagnose- und Therapieformen auf die verschiedenen Risikogruppen abzustimmen.

Die erste Gruppe reagiert demnach sehr ängstlich auf Schmerz und deutet ihn typischerweise als Symptom einer schweren Erkrankung. In der Folge vermeiden diese Menschen alle möglichen Situationen, die eventuell den Schmerz auslösen könnten. Inaktivität und Muskelschwäche sind die Folgen, welche wiederum Schmerzen und die negative Stimmung begünstigen.

  • Durchhalteparolen verschlimmern den Schmerz

Zur zweiten Gruppe gehören Menschen, die die Schmerzen unterdrücken – sowohl gedanklich als auch in ihrem Verhalten. Mit Leitsätzen wie „Stell dich nicht so an“ oder „Denk nicht an den Schmerz“ zwingen sie sich selbst zum Durchhalten. Eine Strategie, die sich nicht unbedingt positiv auswirkt, denn diese Personen legen keine entspannungsfördernden Pausen ein. So kann es auch hier zu einer Verstärkung der Schmerzen kommen.

In der dritten Gruppe finden sich Patienten, die sich vom Schmerz ablenken können. Sie schaffen es, eine positive Stimmung aufrechtzuerhalten. Da sie aber auch dazu neigen, ihren Körper nicht zu schonen, kommt es bei ihnen ebenfalls häufig zu einer Verschlimmerung der Beschwerden.

  • Balance zwischen Be- und Entlastung

Einzig Personen, die sich der vierten Gruppe zuordnen lassen, schaffen es durch ihre Einstellung und ihr Verhalten, ihre Schmerzen zu reduzieren. „Diese Menschen reagieren recht flexibel auf den Schmerz“, beschreibt Monika Hasenbring ihre Erfahrungen. „Sie finden eine Balance zwischen Be- und Entlastung und legen auch mal Pausen ein, meiden Bewegungen aber nicht“, so die Wissenschaftlerin.

Auch Leistungssportler leiden unter Rückenschmerzen

Aktuell beschäftigt sich Monika Hasenbring mit der Frage, ob dieses Modell auch auf Leistungssportler mit Rückenschmerzen anzuwenden ist. Im Rahmen des bundesweiten interdisziplinären Forschungsnetzwerks Medicine in Spine Exercise, welches unter dem Label „Ran Rücken“ vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert wurde, verglich sie Daten aus der Allgemeinbevölkerung mit denen von 200 Sportlerinnen und Sportlern, die angaben, unter Rückenschmerzen zu leiden. Das Ergebnis der Befragungen: Obwohl man denken könnte, dass Leistungssportlerinnen und Leistungssportler ein besonderes Verhältnis zu ihrem Körper haben, sind sie hinsichtlich ihrer Risikofaktoren für die Chronifizierung von Rückenschmerzen der Allgemeinbevölkerung sehr ähnlich, sie passen in dasselbe Modell.

„Unsere Erkenntnisse können den Betroffenen helfen, denn die kognitive Einstellung zum Schmerz ist etwas, was wir durch Psychotherapie ändern können“, erklärt Hasenbring.

 „Wenn wir den Patientinnen und Patienten klarmachen können, in welchem Kreislauf aus Gedanken und Schmerzverstärkung sie sich befinden, können wir ihnen auch Lösungen aufzeigen, besser mit der Situation umzugehen.“

Ausführlicher Beitrag in Rubin

Einen ausführlichen Beitrag zu dem Thema finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin.

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Untersucher-CAVE: Bestimmung des Fettsäure-Status

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren lösen Morbus Crohn ähnliche Darmentzündung aus

Die Inzidenz chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist in den letzten Jahren stark angestiegen. 

Neben genetischen Komponenten wird der westlichen Ernährung eine zentrale ursächliche Rolle zugeschrieben. 

Welche Bestandteile aus der komplexen Zusammensetzung der Nahrung die treibende Kraft sind, haben Innsbrucker ForscherInnen untersucht. 

  • Nun liegen erste, überraschende Ergebnisse vor, die zeigen, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren in einer westlichen Diät eine Entzündungsreaktion im Darm auslösen können. 

Das Fachjournal Nature Communications berichtet. 
 
  • Menschen mit Morbus Crohn – rund 27.000 davon leben in Österreich – leiden aufgrund von Entzündungen der Darmschleimhaut an Symptomen wie krampfartigen Bauchschmerzen, chronischem Durchfall, Gewichtsverlust, sowie Fistel- und Abszessbildungen. 

Die chronische, oft fortschreitende Erkrankung kann symptomatisch behandelt, bislang aber nicht geheilt werden. Zwar gibt es ca. 300 identifizierte genetische Varianten, welche das Risiko für die Entwicklung einer CED beeinflussen, trotzdem kann die Genetik nur einen geringen Teil der Erkrankungen erklären.

„Migrationsstudien haben offengelegt, dass die westliche Ernährung einen zentralen Platz bei der Entstehung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen einnimmt.

So hat sich etwa die niedrige CED-Rate von Japanern, die vor rund 20 Jahren in die USA auswanderten, bereits nach einigen Jahren der nordamerikanischen Bevölkerung angepasst.“, weiß Herbert Tilg, ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Darmerkrankungen und Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I an der Medizin Uni Innsbruck. Welche einzelnen Bestandteile in einer westlichen Diät jedoch krank machen ist bislang ungeklärt.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren lösen Entzündung im Darm aus



Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Fettsäuren-Status 

Die komplexe Zusammensetzung der Ernährung erweist sich für die Ursachenforschung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen als große Herausforderung.

Ein Team um Lisa Mayr, Felix Grabherr und Timon Adolph forscht am Department für Innere Medizin I an Entzündungsprozessen im Darm.

„Auf der Suche nach entzündlichen Nahrungsbestandteilen haben wie einen neuen Ansatz verfolgt:

Wir haben für unsere Untersuchungen im Labor eine Diät zusammengestellt, die der Zusammensetzung einer westlichen Ernährungsweise entspricht.

Dabei wurden nicht nur gesättigte Fettsäuren, sondern auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die gehäuft in Fleisch, verschiedenen Ölen und Eiern vorkommen, in einer Diät angereichert und Labormäusen über drei Monate gefüttert“, so Adolph.

In ihrer Forschungsarbeit, die soeben in Nature Communications veröffentlicht wurde, konnten die Wissenschaftler zeigen, dass insbesondere mehrfach ungesättigte Fettsäuren eine Entzündungsreaktion im Darm hervorrufen, welche dem Bild eines Morbus Crohn beim Menschen ähnelt. 

  • Die Entzündungssignale werden von Darmepithelzellen, der Darm-Barriere, gebildet, und durch ein anti-oxidatives Enzym namens Glutathione Peroxidase 4 (GPX4) kontrolliert. 

GPX4, dessen Aktivität durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren gehemmt wird, schützt Darmepithelzellen vor oxidativem Stress an Membranlipiden und verhindert so das Auslösen einer Entzündungsantwort.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren werden teilweise in Lebensmitteln angereichert oder als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen.

Dem Nachweis, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren Auslöser einer Darmentzündung sind, kommt deshalb besondere Brisanz zu. „

Eine Übersetzung dieser Erkenntnisse für den Menschen muss noch erfolgen, um Rückschlüsse für CED Patienten ziehen zu können“, betont Timon Adolph, der mit seinem Team weiter an der Aufklärung dieser Entzündungsmechanismen forschen wird.

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Dr.med.univ. Timon Adolph PhD
Universitätsklinik für Innere Medizin I
E-Mail: Timon-Erik.Adolph@i-med.ac.at

Innrain 52
6020 Innsbruck
Österreich
Tirol



Doris Heidegger
E-Mail-Adresse: doris.heidegger@i-med.ac.at
Originalpublikation:
https://doi.org/10.1038/s41467-020-15646-6

Untersucher-CAVE: Schildrüsenhormone - Lern- und Gedächtniszentrum

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gut fürs Gedächtnis – Schilddrüse beeinflusst Gehirnleistung stärker als gedacht

  • Schilddrüsenhormone fördern unmittelbar die Bildung von Nervenzellen im Lern- und Gedächtniszentrum des Gehirns. 

Das belegen Forschungen der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der University of Edinburgh erstmals. 

Die Ergebnisse liefern neben wichtigen Grundlagenerkenntnissen auch neue Ansatzpunkte, wie die geistige Leistungsfähigkeit mithilfe der Medizin verbessert werden kann. 

Das renommierte Stem Cell Reports berichtet. 
 
  • In Deutschland leidet etwa jeder dritte Erwachsene an einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse. 

Produziert sie nicht ausreichend Hormone, klagen Betroffene neben einem Gefühl von Müdigkeit und Abgeschlagenheit oder depressiven Verstimmungen auch über eine verringerte kognitive Leistung. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Labor Schilddrüse Hypothyreose  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Labor Schilddrüse Hyper 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Laboruntersuchung Schilddrüse 

Letztere hängt stark davon ab, ob im Hippocampus, unserem Lern- und Gedächtniszentrum, neue Nervenzellen gebildet werden.

Als Teil eines Forschungsteams untersuchte Hormonspezialist Dr. Steffen Mayerl den Zusammenhang zwischen der Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen und der Bildung neuer Neuronen.

Vor allem deren Vorläuferzellen, die von ansässigen Stammzellen im Hippocampus produziert werden, nahm das Team in den Blick.

„Wir konnten zeigen, dass diese progenitor cells verstärkt einen Transporter bilden, der die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen vorantreibt. 

Dadurch werden Reifungsprozesse hin zu neuen funktionsfähigen Nervenzellen in Gang gebracht“, erläutert Mayerl.

Dr. Mayerl wechselte jüngst von Edinburgh an die Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Essen.

Hier wird er ein Forschungsteam aufbauen, um herauszufinden, wie Schilddrüsenhormone die Neuronenbildung zusätzlich beeinflussen. 

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert seine Untersuchungen seit 2017 mit einem Stipendium.


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Martin Rolshoven, Medizinische Fakultät, Tel. 0201/723-6274, martin.rolshoven@uk-essen.de
Dr. rer. nat. Steffen Mayerl, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel, Tel. 0201/723-5677, steffen.mayerl@uk-essen.de

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
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Ulrike Bohnsack
Telefon: 0203 / 379-2429
Fax: 0203 / 379-2428
E-Mail-Adresse: ulrike.bohnsack@uni-due.de
Originalpublikation:
Stem Cell Reports (2020): „Hippocampal Neurogenesis Requires Cell-Autonomous Thyroid Hormone Signaling“, Mayerl S, Heuer H, ffrench-Constant C,
https://doi.org/10.1016/j.stemcr.2020.03.014

 

Parasit im Zahnfleischgewebe: Parodontitis - Darmschleimhaut

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: Parodontitis gezielter behandeln: Amöben an schweren Zahnfleischentzündungen beteiligt

Forschenden an der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es erstmals gelungen nachzuweisen, dass ein im Mund häufig vorkommender einzelliger Parasit bei Gewebezerstörungen und starken Entzündungsreaktionen beteiligt ist. 

  • Die Amöbe Entamoeba gingivalis besiedelt in hoher Anzahl die Mundhöhle der meisten Patienten mit schweren, mitunter wiederkehrenden Zahnfleischentzündungen. 

Sie ist eine Verwandte der im Darm die Amöbenruhr auslösenden Entamoeba histolytica und verhält sich ähnlich. 

Der Parasit dringt in das Zahnfleischgewebe ein, ernährt sich dort von Zellen – das Gewebe wird zerstört. 

Die Ergebnisse sind im Fachmagazin Journal of Dental Research* erschienen. 

Der Parasit Entamoeba gingivalis dringt ins Zahnfleischgewebe ein und ernährt sich dort von Wirtszellen.
Der Parasit Entamoeba gingivalis dringt ins Zahnfleischgewebe ein und ernährt sich dort von Wirtszellen. Schäfer/ Charité
 
  • Die Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparates und zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. 

In Deutschland leiden etwa 15 Prozent der Menschen an einer besonders schweren Form dieser Volkskrankheit.

  • Unbehandelt führt Parodontitis zum Zahnverlust, sie begünstigt aber auch Arthritis, Kreislauf- und Krebserkrankungen. 

Während die bakterielle Vielfalt der Mundhöhle abnimmt, steigt die Häufigkeit von Entamoeba gingivalis (E. gingivalis) bei einer schweren Parodontitis sehr stark an.

Nun konnte das Team um Prof. Dr. Arne Schäfer – Leiter der Forschungsabteilung für Parodontologie am Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité - zeigen, wie die orale Entzündung mit einer Kolonisierung der mundspezifischen Amöbe E. gingivalis einhergeht.

Das krankheitserregende Potenzial dieser Amöbengattung ist bereits durch die Darmamöbe E. 
histolytica gut bekannt. 

Diese verursacht die sogenannte Amöbenruhr, eine der weltweit häufigsten Todesursachen durch Parasiten.

Wir haben nachgewiesen, dass auch eine die Mundhöhle besiedelnde Amöbe wie E. gingivalis in die Schleimhaut eindringt und dort das Gewebe zerstört.

In der Folge können vermehrt Bakterien eintreten und die Entzündung und Gewebezerstörung weiter verstärken“, sagt Prof. Schäfer. Wie genau die Amöbe E. gingivalis zum Entzündungsgeschehen beiträgt, hat das internationale Forschungsteam nun erstmals beschrieben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten entzündete Zahnfleischtaschen und fanden die Amöben bei etwa 80 Prozent der Patienten, aber nur bei 15 Prozent der gesunden Probanden. Sie konnten beobachten, dass die Parasiten in das Zahnfleisch eindringen, sich dort fortbewegen und die Wirtszellen töten, indem sie den Inhalt der Zellen in sich aufnehmen. Zellkulturexperimente zeigten zudem, dass eine Infektion mit E. gingivalis das Wachstum von Zellen verlangsamt und schließlich zum Zelltod führt.

Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass die Rolle der Amöben während des Entzündungsprozesses deutliche Parallelen zur Entstehung einer Amöbenruhr aufweist.

„E. gingivalis trägt im Zahnfleisch aktiv zur Gewebszerstörung bei und aktiviert dieselben Abwehrmechanismen des menschlichen Wirtes wie E. histolytica während der Invasion in die Darmschleimhaut“, erklärt Prof. Schäfer. 

  • „Der durch einfache Tröpfcheninfektion übertragbare Parasit ist somit ein möglicher Verursacher schwerwiegender oraler Entzündungskrankheiten.“

Oft sind die Heilungserfolge der Parodontitis nur von geringer Dauer. 

Ursache könnte das hohe krankheitserregende Potenzial dieser bisher unbeachtet gebliebenen, aber äußerst häufigen Amöbe sein.

„Wir haben einen infektiösen Parasiten identifiziert, dessen Beseitigung die Behandlung schwerer Entzündungen des Zahnfleisches gezielt und möglicherweise langfristig verbessern könnte“, resümiert Prof. Schäfer.

 „Bislang werden weder die Infektion noch die erfolgreiche Eliminierung dieses Parasiten in der Therapie einer Parodontitis berücksichtigt.“

Aktuell soll eine klinische Studie klären, in welchem Umfang die Parodontitis durch eine Beseitigung der Amöben besser behandelt werden kann.

*Bao X et al. Entamoeba gingivalis causes oral inflammation and tissue destruction. J Dent Res (2020), DOI:10.1177/0022034520901738

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Prof. Dr. Arne Schäfer
Abteilung für Parodontologie und Synoptische Zahnheilkunde
Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 562 343
E-Mail: arne.schaefer@charite.de


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Fax: 030 / 450 570 940
E-Mail-Adresse: manuela.zingl@charite.de
Originalpublikation:
https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0022034520901738?url_ver=Z39.88-20...

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Asthmaschübe: Ketogene Ernährung bei Asthma: ketogene Diät - weniger Kohlenhydrate und Proteine

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Forscher schlagen eine spezielle Diät gegen Asthma vor

Kann eine spezielle Diät gegen bestimmte Fälle von Asthma helfen? 

Eine neue Studie an der Universität Bonn legt diesen Schluss zumindest nahe. 

Demnach zeigten Mäuse, die auf eine so genannte ketogene Ernährung umgestellt wurden, eine deutlich geringere Entzündung der Atemwege. 

Die Resultate erscheinen nun in der renommierten Fachzeitschrift „Immunity“. 
  • Asthmapatienten reagieren schon auf geringe Konzentrationen mancher Allergene mit heftigen Entzündungen der Bronchien. 
  • Diese gehen zudem mit einer verstärkten Schleimproduktion einher, die die Atmung zusätzlich erschwert. 
Eine zentrale Rolle spielen dabei Zellen des angeborenen Immunsystems, die erst vor wenigen Jahren entdeckt wurden und Innate Lymphoid Cells (ILC) genannt werden.

Sie übernehmen in der Lunge eine wichtige Schutzfunktion, indem sie geschädigte Schleimhäute regenerieren. 
  • Dazu produzieren sie Entzündungsbotenstoffe aus der Gruppe der Zytokine, welche die Schleimhautzellen zur Teilung anregen und die Schleimproduktion fördern.
Dieser Mechanismus ist eigentlich sehr sinnvoll:

Der Körper kann so durch Erreger oder schädliche Substanzen hervorgerufene Schäden schnell reparieren.

Der Schleim transportiert die Krankheitserreger dann aus den Bronchien und schützt die Atemwege gegen einen erneuten Befall.

„Bei Asthma fällt die Entzündungsreaktion aber weit stärker und länger aus als normalerweise“, betont Prof. Dr. Christoph Wilhelm vom Institut für Klinische Chemie und Pharmakologie, der Mitglied im Exzellenzcluster ImmunoSensation der Universität Bonn ist.

Die Folge sind extreme Atembeschwerden, die sogar lebensbedrohlich sein können.

Rasante Vermehrung
  • Die ILC vermehren sich bei diesem Prozess rasant und produzieren große Mengen entzündungsfördernder Zytokine. 
Könnte man ihre Teilung bremsen, ließe sich so vermutlich die überschießende Reaktion in den Griff bekommen, hoffen Wissenschaftler.

Tatsächlich deuten die jetzt erschienenen Ergebnisse genau in diese Richtung.

„Wir haben untersucht welche Stoffwechselprozesse in den ILC aktiv sind, wenn sie in den Vermehrungsmodus schalten“, erklärt Wilhelms Mitarbeiter Dr. Fotios Karagiannis. „Dann haben wir versucht, diese Stoffwechselwege zu blockieren und so die Geschwindigkeit zu verringern, mit der sich die Zellen teilen.“

In der Tat waren bei sich teilenden ILC manche Stoffwechselwege deutlich aktiver.

Sie sichern vor allem die Versorgung der Zellen mit Energie sowie mit Bausteinen, die diese für die Vermehrung benötigen.

Zu letzteren zählen zum Beispiel Fettsäuren, die für die Herstellung der Zellmembran gebraucht werden. Diese bildet eine dünne Haut, mit der sich Zellen von ihrer Umgebung abgrenzen. „Aktivierte ILC nehmen daher Fettsäuren aus ihrer Umgebung auf und speichern sie kurzzeitig in ihrem Innern in kleinen Tröpfchen, ein wichtiger Zwischenschritt, um daraus Membranen generieren zu können“, erklärt Karagiannis.

Doch was ist, wenn man Zellen zwingt, diese Fettsäuren anderweitig zu verwenden? Um diese Frage zu beantworten, setzten die Forscher Mäuse mit Asthma auf eine Diät, die vor allem aus Fetten bestand, aber kaum aus Kohlenhydraten und Proteinen.

Bei dieser Ernährung, auch als ketogene Diät bekannt, stellt sich der Stoffwechsel von Zellen um: 

Die Energie, die sie brauchen, gewinnen sie nun aus der Fettverbrennung.

Damit fehlen ihnen aber Fettsäuren, die sie für die Bildung neuer Membranen bei der Zellteilung benötigen.

Als Konsequenz ging die Teilungsaktivität der ILC bei den entsprechend gefütterten Nagern zurück – und zwar drastisch: 

„Normalerweise erhöht sich bei Kontakt mit Allergenen die Zahl der ILC in den Bronchien um das Vierfache“, sagt Prof. Wilhelm. „In unseren Versuchstieren blieb sie dagegen nahezu konstant. Entsprechend verringerten sich sowohl die Schleimproduktion als auch andere Asthmasymptome.“

Verantwortlich dafür ist nicht nur die Umstellung auf Fette als alternative Energiequelle und die dadurch hervorgerufene Fettsäureknappheit.

Vermutlich trägt der Glukosemangel auch direkt zur verminderten Aktivität der ILC bei. 

„Asthma hat in den letzten Jahrzehnten stark an Häufigkeit zugenommen. 

Eventuell hängt das auch mit der immer zucker- und fettreicheren Ernährung zusammen“, spekuliert Wilhelm.

Die Wissenschaftler wollen nun an Patienten untersuchen, ob eine ketogene Ernährung Asthmaschübe verhindern kann. 
  • Diese ist allerdings langfristig nicht ganz ungefährlich und sollte nur nach Absprache mit einem Arzt durchgeführt werden. 

„Wir versuchen daher herauszufinden, welche Komponenten der Nahrungsumstellung für den Effekt verantwortlich sind“, erklärt Wilhelm. „Vielleicht eröffnet das Wege zur Entwicklung neuer Medikamente.“

Dass eine ketogene Diät bei manchen Erkrankungen eine wirksame Therapie sein kann, ist bekannt.

So werden Patienten mit bestimmten Formen der Epilepsie mit dieser Methode behandelt. 

Und auch bei manchen Tumoren soll die Ernährungsumstellung helfen – schließlich vermehren sich auch in ihnen die Zellen ungewöhnlich stark.

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Prof. Dr. Christoph Wilhelm
Institut für Klinische Chemie und Pharmakologie
Universität Bonn
Tel. 0228/28751721
E-Mail: cwilhelm@uni-bonn.de

Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Telefon: 0228 / 73-4728
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: j.seiler@uni-bonn.de
Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 

Originalpublikation:
Fotios Karagiannis, Schekufe Kharabi Masouleh, Klaus Wunderling, Jayagopi Surendar, Vanessa Schmitt, Alexander Kazakov, Marcel Michla, Michael Hölzel, Christoph Thiele & Christoph Wilhelm: Lipid-droplet formation drives pathogenic group 2 innate lymphoid cells in airway inflammation; Immunity; DOI: 10.1016/j.immuni.2020.03.003

 

Blutdruck: Nierennerven - die renale Denervation

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Minimalinvasiver Eingriff senkt den Blutdruck

Bluthochdruck ist die Hauptursache für Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle. 

Eine internationale Studie hat nun gezeigt, dass ein minimalinvasiver Eingriff an den Nierennerven den Blutdruck deutlich senkt. 
 
Etwa 30 bis 50 % der Bevölkerung leiden an erhöhtem Blutdruck.

Ein häufiges Problem bei der Behandlung dieser gefährlichen Erkrankung ist, dass Patienten die verschriebenen Medikamente nicht regelmäßig oder aber in zu geringer Dosierung einnehmen. 

Dadurch kann der Blutdruck nicht ausreichend gesenkt und die in den europäischen Behandlungsleitlinien empfohlenen Werte können nicht erreicht werden.

Mediziner suchen daher nach alternativen Möglichkeiten zur Behandlung des hohen Blutdrucks.

Das Problem an der Quelle behandeln

Eine solche Möglichkeit könnte die renale Denervation sein, die in medizinischen Kreisen schon seit einigen Jahren diskutiert wird und sich jetzt in einer internationalen, US-amerikanischen Zulassungsstudie als wirksam erwiesen hat. 
  • Das Ziel der renalen Denervation ist, die Regulierung des Blutdrucks bereits am Entstehungsort zu beeinflussen, nämlich den Nieren. 
  • Die Nieren regulieren den Blutdruck, indem sie das Stressnervensystem des Menschen und damit die Versorgung des Körpers mit Wasser und Natrium und den Widerstand der Blutgefäße regulieren. 
  • Bei der renalen Denervation wird ein Katheter in die Nierenarterie eingeführt, mit dem punktgenau, an bestimmten Stellen die an der Gefäßaußenwand verlaufenden Stressnervenfasern der Nierenarterien zu veröden, wodurch die Reizweiterleitung unterbrochen wird.

Internationale Studie mit deutlichen Ergebnissen

An 46 Zentren aus neun Ländern wurde die Wirksamkeit des Verfahrens und in einer Studie der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Federal Drug Administration) untersucht. Die Ergebnisse veröffentlichten die Studienautoren kürzlich beim Online-Kongress des American College of Cardiology. Insgesamt wurden 331 Patienten mit einem Blutdruck zwischen 140 und 180 mmHg, die keine medikamentöse Therapie erhielten, in zwei Gruppen unterteilt, die entweder mit einer renalen Denervation oder einer Scheintherapie behandelt wurden. Als Scheineingriff wurde eine Angiographie durchgeführt.

Renale Denervation senkt Blutdruck signifikant

Über drei Monate hinweg wurde der Blutdruck sowohl in den Studienzentren als auch über 24-Stunden-Messungen dokumentiert. „In der Gruppe, die mit der renalen Denervation behandelt wurde, zeigte sich in diesem Zeitraum eine Senkung des Praxisblutdrucks um 9,2 mmHg und 4,7 mmHg in der Langzeitblutdruckmessung“, berichtet Professor Böhm, Pressesprecher der DGK, der die Studie während des Kongresses präsentierte. Professor Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum des Saarlandes, ist einer der Initiatoren der Studie. „Die statistische Analyse zeigt eine 99,9%-ige Wahrscheinlichkeit, dass die renale Denervation in ihrer Wirksamkeit einem Scheineingriff überlegen ist.“

Die Studie war zunächst auf eine Laufzeit von drei Monaten begrenzt, da die Patienten über diesen Zeitraum medikamentös unbehandelt blieben. Eine derzeit parallel durchgeführte Studie untersucht, ob sich ähnliche Effekte bei Patienten zeigen, deren Bluthochdruck bereits medikamentös behandelt wird.

„Wir können aus den jetzigen Studienergebnissen schließen, dass eine renale Denervation bei Patienten mit nicht eingestellter Hypertonie eine weitere Therapiealternative neben Lebensstilveränderungen und medikamentöser Behandlung bietet“, so Professor Böhms Fazit. „Über die breite Zulassung der renalen Denervation wird derzeit beraten.“

Literatur:
Michael Böhm et. al.: Efficacy of catheter-based renal denervation in the absence of antihypertensive medications (SPYRAL HTN-OFF MED Pivotal): a multicentre, randomised, sham-controlled trial.
https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30554-7


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Drogenkonsum-Trends bei synthetischen Opioiden

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: EU-Projekt untersucht Missbrauch synthetischer Opioide in Europa und Nordamerika

Gefahr durch inflationäre Verschreibung: 

Studie unter Federführung der Frankfurt UAS zu Drogenkonsum-Trends soll dramatischer Entwicklung wie in den USA vorbeugen 
 
Die Auswirkungen des Gebrauchs und Missbrauchs synthetischer Opioide in Europa und Nordamerika untersucht das EU-Projekt „Synthetic Opioids Health Systems:

Improving health system responses on the prevalence and use of Synthetic Opioids in Europe (SO-Prep)“ (Gesundheitssysteme und synthetische Opioide: Verbesserung der Reaktionen von Gesundheitssystemen auf die Verbreitung und den Gebrauch synthetischer Opioide (SO-Prep).

Federführend dabei ist das Institut für Suchtforschung Frankfurt (ISFF) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) unter der Leitung von Prof. Dr. Heino Stöver.

Ziel ist es, das Verständnis gegenwärtiger Drogenkonsum-Trends bei synthetischen Opioiden zu verbessern, um innerhalb der Europäischen Union auf diesbezügliche Gesundheitsrisiken bzw. Gesundheitsschäden besser vorbereitet zu sein und schneller reagieren zu können.

Insgesamt fließen in das Projekt 500.000 Euro Fördermittel über eine Laufzeit von 24 Monaten. 80 Prozent der Mittel kommen von der EU-Kommission, die restlichen 20 Prozent sind Eigenmittel.

Das Auftakt-Meeting des internationalen Forschungsprojekts fand Ende Februar 2020 in Utrecht in den Niederlanden statt. Prof. Dr. Heino Stöver (Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung Frankfurt (ISFF)) und Babak Moazen (wissenschaftlicher Mitarbeiter) haben als Vertreter der Frankfurt UAS an dem Meeting teilgenommen.

Synthetische Opioide (SO) sind synthetisch hergestellte Stoffe, die morphinartige Eigenschaften aufweisen und an Opioidrezeptoren im Körper wirken. 

Sie werden als Schmerzmittel in der Anästhesie (bei Narkosen) sowie zur Therapie akuter und chronischer Schmerzen eingesetzt, bekannt ist z. B. Fentanyl. 

  • „Die Forschung im Bereich der SO ist deshalb so wichtig, weil in den USA die inflationäre Verschreibung von synthetischen Opioiden – vor allem von Fentanyl – zu einer Welle von Abhängigkeiten und tödlichen Überdosierungen geführt hat“, erläutert Stöver. 

Zwischen 1999 und 2017 seien nach Behördenangaben fast 400.000 Menschen in den USA an den Folgen von Opioid-Missbrauch gestorben, berichtet der Suchtforscher. 

Allein 2017 starben 48.000 Amerikaner/-innen an den Folgen ihrer Opioid-Sucht. 

„Das sind jeden Tag über 130 Tote, mehr als täglich im Straßenverkehr oder durch Schusswaffen in den USA insgesamt ums Leben kamen“, bilanziert Stöver.

  • Das EU-Projekt will vor allem verhindern, dass es in den EU-Mitgliedsländern zu einer solchen Entwicklung kommt. 

Das soll erreicht werden, indem das Projekt die Reaktionen verschiedener europäischer Gesundheitssysteme auf die Verbreitung und den Gebrauch synthetischer Opioide in Europa verbessern soll.

Außerdem will es zu einem besseren Verständnis gegenwärtiger Drogenkonsum-Trends bei synthetischen Opioiden beitragen.

Zu den spezifischeren Unterzielen zählt zum einen, einen besseren Einblick und ein besseres Verständnis der gegenwärtigen Nutzung von synthetischen Opioiden zu gewinnen.

  • Außerdem sollen aus jüngsten Erfahrungen mit der Nutzung synthetischer Opioide in Nordamerika und – wo das Problem auch bereits entstanden ist – in Estland Lehren gezogen werden. 

Auch eine Übersicht der Praktiken zum Notfall-Gesundheitsschutz bzw. zu Notfall-Gesundheitsreaktionen bei synthetischen Opioiden will das Forscherteam erstellen und ein Modell der SO-Bereitschaft ausarbeiten. Dadurch sollen mögliche Risiken und Schäden angegangen und Richtlinien zu SO in den nationalen Gesundheitssystemen der fünf Länder Estland, Niederlande, Belgien, Finnland und Deutschland entwickelt werden.

Zudem wollen die Forschenden den Politikerinnen und Politikern und anderen wichtigen Interessenvertretern gezielte Werkzeuge wie strategische Kurzanleitungen und Informationsblätter an die Hand geben. Schließlich sollen die Länder Unterstützung bei der Implementierung und der Verbreitung der Ergebnisse über folgende Tools bekommen: die Organisation nationaler Treffen, ein Seminar und eine Web-Plattform.

Das deutsche Team unter Prof. Heino Stöver wird folgende Aufgaben bearbeiten:




Prof. Dr. Heino Stöver
Prof. Dr. Heino Stöver Frankfurt University of Applied Sciences


- aktuelle epidemiologische Daten und Informationen zur Verfügbarkeit, Verwendung und Verbreitung von synthetischen Opioiden in Europa und Nordamerika sammeln, aufzeichnen und analysieren;

- wichtige Erfahrungen aus der SO-Historie in Nordamerika sammeln, um möglichst dortige Fehler nicht zu wiederholen;

- eine Fallstudie des Gebrauchs von SO und von SO-Märkten in Estland als Modell durchführen;

- beurteilen, wie gut nationale Regierungen in sechs Ländern auf bevorstehende Probleme mit synthetischen Opioiden vorbereitet sind.

Neben der Frankfurt UAS nehmen folgende Hochschulen an dem Projekt teil: das Trimbos Institute aus den Niederlanden, das Estonian Health Institute aus Estland, das Finnish Health Institute aus Finnland, das Euro Harm Reduction Network „Correlation“ aus den Niederlanden, und die Universität Gent aus Belgien.

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Frankfurt University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit & Gesundheit
Prof. Dr. Heino Stöver
Telefon: +49 69 1533-2823
E-Mail: hstoever@fb4.fra-uas.de

Oliver Klinke Frankfurt University of Applied Sciences
Nibelungenplatz 1
60318 Frankfurt am Main
Deutschland
Hessen


Nicola Veith
Telefon: 069/1533-3047
E-Mail-Adresse: veith@kom.fra-uas.de


Sarah Blaß
Telefon: 069/1533 3041
Fax: 069/1533 2403
E-Mail-Adresse: blass@kom.fra-uas.de

Stressinduziertem Essverhalten: Fettleibigkeit, metabolisches Syndrom, Essstörungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die Widerstandskraft, nicht esssüchtig zu werden

Überkonsum von kalorisch sehr dichtem und schmackhaftem Essen war evolutionär von Vorteil, als Nahrung knapp war. 

Dieses Verhalten hatte die Überlebenschancen erhöht. 

In der jetzigen Zeit jedoch, durch die Verfügbarkeit von kalorienreicher Nahrung und stress-induziertem Essverhalten, kann diese Strategie Schaden anrichten und Fettleibigkeit, metabolisches Syndrom und Essstörungen verursachen. 

  • Interessanterweise entwickeln nicht alle Individuen eine Esssucht; einige zeigen eine Widerstandskraft und sind resilient, andere sind anfällig. 
 
Eine Studie, die kürzlich im Fachjournal „Nature Communications“ publiziert wurde, untersuchte die Schaltkreise und neuronalen Signalwege im Gehirn, welche dieses Verhalten regulieren.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Beat Lutz (Institut für Physiologische Chemie, Universitätsmedizin Mainz und Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz), Prof. Rafael Maldonado (Universität Barcelona) und Prof. Susanne Gerber (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) berichten darüber,

wie das Lipidsignalwege durch Endocannabinoide und den Neurotransmitter Dopamin Esssucht regulieren, indem diese die Cannabinoid CB1-Rezeptoren und Dopamin D2-Rezeptoren im präfrontalen Kortex aktivieren.

Die Autoren untersuchten in einem Esssucht-Modell das Verhalten von Mäusen, denen der CB1-Rezeptor in kortikalen erregenden Neuronen fehlte. Dieses Modell, in welchem die Mäuse trainiert werden, sich Schokoladenfutter selbst zu verabreichen, ermöglicht das Messen von drei Kriterien einer Sucht:

Motivation, Impulsivität und zwanghaftes Verhalten. 

Die Mäuse ohne CB1-Rezeptoren waren widerstandsfähig gegenüber jedem Kriterium der Sucht.

Diese Mäuse zeigten auch eine erhöhte synaptische Aktivität im Präfrontalkortex und auch im Nucleus Accumbens, ein zentraler Bestandteil des Belohnungssystems im Gehirn.

Selektive Verringerung der neuronalen Aktivität der Projektion vom Präfrontalkortex zum Nucleus Accumbens verstärkte die Gefahr, eine Esssucht zu entwickeln.

Die Analyse des Transkriptoms im Präfrontalkortex ergab, dass die Expression des Dopamin D2 Rezeptors in esssüchtigen Mäusen gesteigert ist. 

Die genetische Manipulation, diesen Signalweg zu verstärken, führte ebenfalls dazu, eher Esssucht zu entwickeln; insbesondere das zwanghafte Verhalten wurde erhöht.

Die Studie konnte zeigen, dass der Präfrontalkortex eine zentrale Rolle bei Esssucht spielt und dass die erregende Aktivität von dieser Gehirnregion zum Nucleus Accumbens die Widerstandskraft gegenüber Esssucht verstärkt. 

Diese Erkenntnisse ermöglichen neue Ansätze zur Therapie von Esssucht, z. B. durch Stimulation des Präfrontalkortex in Patienten.


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Univ.-Prof. Dr. Beat Lutz
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Martina Diehl
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Originalpublikation:
Domingo-Rodriguez L1, Ruiz de Azua I1, Dominguez E, Senabre E, Serra I, Kummer S, Navandar M, Baddenhausen S, Hofmann C, Andero R, Gerber S, Navarrete M, Dierssen M, Lutz B2, Martín-García E2, Maldonado R2 (2020) A specific prelimbic-nucleus accumbens pathway controls resilience versus vulnerability to food addiction. Nat Commun 11:782. doi: 10.1038/s41467-020-14458-y (1,2shared first and senior position, respectively)

Mortalität von COVID-19 - die fatalen Entdeckungsraten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: COVID-19: In Deutschland werden nur 15 Prozent der SARS-Cov-2-Infektionen erkannt

Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist womöglich in allen betroffenen Ländern deutlich höher als bislang angenommen. 

  • Wissenschaftler der Universität Göttingen vermuten, dass weltweit bislang im Durchschnitt nur etwa sechs Prozent aller Infektionen nachgewiesen wurden. 
 
Um die Qualität der offiziellen Fallaufzeichnungen zu prüfen, nutzten die Entwicklungsökonomen Dr. Christian Bommer und Prof. Dr. Sebastian Vollmer Schätzungen der Mortalität von COVID-19 und der Zeit bis zum Tod aus einer kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases veröffentlichten Studie.

Ihre Berechnungen implizieren, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten weltweit bereits mehrere zehn Millionen erreicht haben könnte.

Ihre Ergebnisse sind online unter www.uni-goettingen.de/vollmer verfügbar.

Unzureichende und verzögerte Tests könnten erklären, warum einige europäische Länder wie Italien und Spanien viel höhere Opferzahlen (im Vergleich zu den gemeldeten bestätigten Fällen) aufweisen als Deutschland.

  • Hier wurden bislang schätzungsweise 15,6 Prozent der Infektionen festgestellt, verglichen mit nur 3,5 Prozent in Italien oder 1,7 Prozent in Spanien. 

Die Entdeckungsraten sind in den USA (1,6 Prozent) und in Großbritannien (1,2 Prozent) sogar noch niedriger – zwei Länder, die von Expertinnen und Experten des öffentlichen Gesundheitswesens wegen ihrer verzögerten Reaktion auf die Pandemie weithin kritisiert wurden.

In scharfem Gegensatz dazu scheint Südkorea fast die Hälfte aller seiner SARS-CoV-2-Infektionen entdeckt zu haben. 

Die Autoren schätzen, dass bis zum 31. März 2020 in Deutschland 460.000 Infektionen aufgetreten waren.

Auf der Grundlage der gleichen Methode berechnen sie, dass in den USA über zehn Millionen, in Spanien über fünf Millionen, in Italien etwa drei Millionen und in Großbritannien etwa zwei Millionen Infektionen aufgetreten sind.

Am selben Tag berichtete die Johns Hopkins University, dass es weltweit weniger als 900.000 bestätigte Fälle gab, was bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der Infektionen bislang unentdeckt blieb.

„Diese Ergebnisse bedeuten, dass Regierungen und politische Entscheidungsträger bei der Interpretation der Fallzahlen zu Planungszwecken äußerste Vorsicht walten lassen müssen. 

Solche extremen Unterschiede in Umfang und Qualität der in den verschiedenen Ländern vorgenommenen Tests bedeuten, dass die offiziellen Fallzahlen keine hilfreichen Informationen liefern“, erklärt Vollmer. Bommer ergänzt:

„Die Fähigkeit, neue Infektionen zu erkennen und damit die Ausbreitung des Virus einzudämmen, muss dringend verbessert werden.“

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Prof. Dr. Sebastian Vollmer
Georg-August-Universität Göttingen
Waldweg 26, 37073 Göttingen
Telefon: +49 (0)551 39-8170
E-Mail: svollmer@uni-goettingen.de
http://www.uni-goettingen.de/vollmer

Dr. Christian Bommer
Georg-August-Universität Göttingen
Waldweg 26, 37073 Göttingen
Telefon: +49 (0)160 8567497
E-Mail: christian.bommer@wiwi.uni-goettingen.de
http://www.uni-goettingen.de/de/510738.html

Wilhelmsplatz 1
37073 Göttingen
Deutschland
Niedersachsen


Romas Bielke
Telefon: 0551/39-12172
E-Mail-Adresse: romas.bielke@zvw.uni-goettingen.de

Originalpublikation:
Originalveröffentlichung: Bommer C & Vollmer S (2020) Average detection rate of SARS-CoV-2 infections is estimated around six percent. http://www.uni-goettingen.de/vollmer

Hintergrundpublikation: Verity et al. Estimates of the severity of coronavirus disease 2019: a model-based analysis. The Lancet Infectious Diseases 2020. DOI: 10.1016/S1473-3099(20)30243-7