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Körperliche Aktivitäten von Kinder und Jugendlichen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bewegungszeugnis: Deutschland versetzungsgefährdet

Deutsche Kinder und Jugendliche bewegen sich deutlich weniger als Gleichaltrige in vielen anderen Staaten. 

Dies zeigt die weltweite Untersuchung der Active Healthy Kids Global Alliance, die heute rund 50 Staaten ein „Bewegungszeugnis“ ausgestellt hat. 

Der deutsche Teil wurde an der Technischen Universität München (TUM) koordiniert. 
 
Deutschland nimmt zum ersten Mal an der Initiative teil, die 2014 von kanadischen Wissenschaftlern gegründet wurde.

Ein Team von neun Forschungseinrichtungen hat unter der Leitung von Yolanda Demetriou, Professorin für Sport- und Gesundheitspädagogik an der TUM, wissenschaftliche Studien und weitere Quellen wie etwa Berichte von Ministerien ausgewertet. Unterstützt wurde Active Healthy Kids Germany von der Schwenninger Krankenkasse und der Stiftung „Die Gesundarbeiter“. Für acht Bereiche hat die Gruppe nach den Kriterien der internationalen Initiative Noten vergeben.

Dreimal Note 4-: Deutschland hinter Niederlande und England

Lediglich eine 4- bekommt Deutschland bei der „Körperlichen Aktivität insgesamt“, dem „Sitzenden Verhalten“ und beim „Aktiven Spielen“.

  • Nur rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen mindestens eine Stunde moderate oder intensive körperliche Aktivität pro Tag, wie es die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt. 
  • 80 Prozent sitzen mehr als zwei Stunden vor dem Fernseher, Computer oder Handy. 
  • Und weniger als ein Viertel spielt aktiv mehrere Stunden lang. 

Den Schulweg legen nur etwa 40 Prozent zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück – dafür gibt es die Note 3-.

Kinder und Jugendliche in anderen Staaten sind deutlich aktiver.

Besonders gut sind die Ergebnisse in afrikanischen Staaten wie Simbabwe, Ghana und Südafrika.

Aber auch viele europäische Länder wie die Niederlande und England schneiden besser ab, den besten Wert weltweit hat Slowenien.

Vereine, Schule, Familie und Kommunen bieten viel

Gute Noten bekommt Deutschland dagegen bei den Rahmenbedingungen, die der organisierte Sport, Schule, Familie und Kommunen bieten: 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind Mitglied in einem Sportverein, in der Schule steht zweimal wöchentlich Sport auf dem Stundenplan. Zwei Drittel der Eltern sind regelmäßig körperlich aktiv und damit ein Vorbild, die meisten Städte und Gemeinden legen ausreichend Spielplätze, Parks und Radwege an.

Allerdings sind auch in diesen Bereichen andere Ländern noch besser.

Beispielsweise sind in Dänemark, Kanada und Schweden die meisten Kinder und Jugendlichen in Sportvereinen. In Nepal und Slowenien bewegen sich die Erwachsenen am häufigsten. In Schweden und Australien ist die Ausstattung der Kommunen am besten.

Mit seinem Zeugnis steht Deutschland im internationalen Vergleich im oberen Drittel. Die besten Zensuren bekommt Slowenien, gefolgt von Nepal Japan und Dänemark.

„Hohes Risiko für Zivilisationskrankheiten“

„Dreimal nur knapp besser als mangelhaft – Deutschland ist versetzungsgefährdet“, sagt die Studienleiterin Yolanda Demetriou.

„Gerade für Kinder ist Bewegung unheimlich wichtig. Wer sich als Kind zu wenig bewegt, bei dem besteht ein hohes Risiko, dass er dies auch als Erwachsener tut.  

Das wiederum begünstigt die Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

In Deutschland ist körperliche Inaktivität die fünfthäufigste Todesursache.“

Warum Kinder und Jugendliche trotz guter Rahmenbedingungen so wenig aktiv sind, wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TUM deshalb weiter untersuchen.

Eine Borschüre von Active Healthy Kids Germany zeigt nicht nur die deutschen Ergebnisse, sondern auch Tipps für Bewegungsspiele und körperliche Aktivität im Tagesablauf. 

Das Zeugnis wird künftig alle zwei Jahre ausgestellt.

Partner von Active Healthy Kids Germany sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgender Einrichtungen: Technische Universität München, Goethe-Universität Frankfurt, Justus-Liebig-Universität Gießen, Karlsruher Institut für Technologie, Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Robert Koch Institut, Technische Universität Chemnitz, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

Bewegungszeugnis: Deutschland versetzungsgefährdet



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http://www.stiftung-gesundarbeiter.de Broschüre der Active Healthy Kids Germany

http://www.activehealthykids.org/global-matrix/ Weltweite Erhebung „Gobal Matrix 3.0“


Die Fetteinlagerung in der Leber: CAVE: Golgi-Apparat

Medizin am Abend Berlin Fazit: Unordnung in der Leber

Eine dauerhaft erhöhte Kalorienzufuhr führt zur Einlagerung von Fetttröpfchen in der Leber. 

Diese sogenannte Fettleber kann das Organ nachhaltig schädigen. 

Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) in Martinsried bei München haben jetzt die Auswirkungen der Krankheit auf die Leberproteine untersucht. 

Sie wiesen nach, dass die Lokalisierung und Aktivität zahlreicher Proteine in der Zelle bei der Fettleber verändert sind. 

Die Studie, die in der Fachzeitschrift Developmental Cell erschien, zeigt den Effekt der Fetteinlagerung auf grundlegende zellbiologische Prozesse der Leber. 

 Die Einlagerung von Fett in Leberzellen beeinflusst deren Biologie grundlegend. Mittels Massenspektrometrie haben MPIB-Forscher die veränderte Lokalisierung zahlloser Proteine verfolgt.
 Die Einlagerung von Fett in Leberzellen beeinflusst deren Biologie grundlegend. Mittels Massenspektrometrie haben MPIB-Forscher die veränderte Lokalisierung zahlloser Proteine verfolgt. © Natalie Krahmer, Max-Planck-Institut für Biochemie
 
Die kalorien- und fettreiche Ernährung in vielen Weltregionen, inklusive Europa und Nordamerika, kann zu vielfältigen gesundheitlichen Problemen führen.

Durch das häufig entstehende Übergewicht wird das Herz-Kreislauf-System stark belastet, aber auch die Leber kann in Folge dieser Ernährung geschädigt werden.

Es wird geschätzt, dass ungefähr 30 Prozent der Bevölkerung von einer sogenannten Fettleber betroffen sind.

Dies bezeichnet eine zunächst reversible Einlagerung von Fetttröpfchen in die Leberzellen. Langfristig kann die Fetteinlagerung zu einer Entzündung und irreversiblen Schäden der Leber führen. Die Auswirkungen der Fetttröpfchen auf die Biologie der Leberzellen wurde jetzt von Forschern der Abteilung „Proteomics und Signaltransduktion“ von Matthias Mann am MPIB in Martinsried näher untersucht. Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit der Gruppe von Ralf Jungmann am MPIB sowie mit Wissenschaftlern vom Helmholtz-Zentrum München und der Universität Harvard, USA.

Unordnung in der Proteinverteilung
Die Leber ist eines der vielseitigsten Organe des Menschen. Neben der Entgiftung des Bluts nimmt sie eine zentrale Rolle im Stoffwechsel von Zuckern, Eiweißen und Fetten ein.

Die Nahrungsbestandteile können vorübergehend in Leberzellen gespeichert werden.

Leberzellen, wie auch die meisten anderen Zellen von hoch entwickelten Lebewesen, besitzen verschiedene Organellen.

Dies sind funktionell und strukturell abgegrenzte Bereiche innerhalb der Zellen. Die Forscher nutzen moderne Methoden der Massenspektrometrie, um die Gesamtheit der Proteine, das Proteom, der Zellorganellen zu bestimmen. Die Massenspektrometrie ist eine Art molekulare Waage, mit der Proteine identifiziert werden.

Die Forscher untersuchten die Proteinzusammensetzung der Organellen aus Leberproben von normal und kalorienreich ernährten Mäusen. Ähnlich wie bei Menschen führt eine erhöhte Kalorienzufuhr bei Mäusen zu einer Verfettung der Leber. 

„Bei 20 Prozent der Proteine konnten wir zeigen, dass sie durch die Fettleber in anderen Organellen vorkamen als bei gesunden Organen.

Die Fetttröpfchen in den Zellen binden an ihrer Oberfläche hunderte verschiedene Proteine.

 Diese werden dadurch von anderen Prozessen und Organellen abgezogen“, erklärt Natalie Krahmer, Postdoktorandin am MPIB und Erstautorin der Studie.

Sie ergänzt: „Die entstehende Unordnung zeigt, dass es nicht nur wichtig ist, ob und in welcher Menge Proteine in Zellen vorkommen, sondern auch wo.“ An den Fetttröpfchen fanden die Forscher zudem Proteine, deren Funktion noch gänzlich unbekannt ist.

Anstoß für einen Teufelskreis

Besonders stark betroffen von den Ortsänderungen waren die Proteine des Golgi-Apparats.

Der Golgi-Apparat ist ein Zellorganell, das für die Bildung von Transportbläschen in der Zelle verantwortlich ist. „Wir konnten einen Teufelskreis beobachten: Durch die hohe Zahl der Fetttröpfchen ist die Struktur des Golgi-Apparats verändert und die Aktivität in den Leberzellen reduziert.

  • Da der Golgi-Apparat aber für das Ausscheiden von Fett aus der Zelle notwendig ist, was der Zellverfettung entgegenwirkt, schreitet der Prozess daher umso schneller fort. 
  • Daher könnte die Wiederherstellung der Golgi-Struktur ein Therapieziel sein, um die Leberverfettung auszubremsen“, so Krahmer.

Zusätzlich untersuchten die Forscher das Auftreten von molekularen Proteinschaltern, sogenannten Phosphorylierungen, mithilfe der am MPIB entwickelten Methode EasyPhos. Durch Phosphorylierungen kann die Aktivität von Proteinen geändert werden. Viele der Proteine, deren Lokalisierung in der Fettleber verändert war, hatten auch Veränderungen der Phosphorylierung. „Aus den Ergebnissen können wir jedoch nicht schließen, ob dies Folge oder Ursache der veränderten Lokalisierung ist“, erläutert Krahmer.

MPIB-Direktor Matthias Mann fasst die aktuellen Forschungsergebnisse zusammen:

„Momentan gibt es – abgesehen von Ernährungsveränderungen – keine Therapieoptionen für die Fettleber.

Die zellbiologischen Auswirkungen waren aber auch noch weitgehend unverstanden. Durch unsere Ergebnisse können hoffentlich Therapieziele identifiziert werden, mit denen sich das Fortschreiten der Leberverfettung aufhalten lässt.“ Anknüpfungspunkte für weitere Forschung gäbe es mit der Beeinflussung des Golgi-Apparats, den unbekannten Proteinen an den Fetteinlagerungen und der veränderten Phosphorylierung jedenfalls genug. [CW]

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Über Matthias Mann
Matthias Mann studierte Physik an der Georg-August-Universität Göttingen und promovierte an der Yale University, New Haven, USA. In seiner Abteilung „Proteomik und Signaltransduktion“ am Max-Planck-Institut für Biochemie wird das Proteom, d. h. die Gesamtheit aller Proteine eines Organismus, anhand massenspektrometrischer Verfahren untersucht. Zusätzlich leitet Prof. Mann eine Abteilung für Proteomics an der Universität Kopenhagen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Forschung, unter anderem den Louis-Jeantet-Preis für Medizin, den Körber-Preis für die europäische Wissenschaft und den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. Mit über 200.000 Zitationen ist Matthias Mann der meistzitierte Wissenschaftler in Deutschland.

Über das Max-Planck-Institut für Biochemie
Das Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) in Martinsried bei München zählt zu den führenden internationalen Forschungseinrichtungen auf den Gebieten der Biochemie, Zell- und Strukturbiologie sowie der biomedizinischen Forschung und ist mit rund 35 wissenschaftlichen Abteilungen und Forschungsgruppen und ungefähr 800 Mitarbeitern eines der größten Institute der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. Das MPIB befindet sich auf dem Life-Science-Campus Martinsried in direkter Nachbarschaft zu dem Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Instituten der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB). http://biochem.mpg.de

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Prof. Dr. Matthias Mann
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Am Klopferspitz 18
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Deutschland
E-mail: mmann@biochem.mpg.de
hhttp://www.biochem.mpg.de/mann

Dr. Christiane Menzfeld Max-Planck-Institut für Biochemie


Am Klopferspitz 18a
82152 Martinsried
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E-Mail-Adresse: menzfeld@biochem.mpg.de
Originalpublikation:
N. Krahmer, B. Nafaji, F. Schueder, F. Quagliarini, M. Steger, S. Seitz, R. Kasper, F. Salinas, J. Cox, N.H. Uhlenhaut, T.C. Walther, R. Jungmann, A. Zeigerer, G.H.H. Borner, M. Mann: Organellar proteomics and phospho-proteomics reveal subcellular reorganization in diet-induced hepatic steatosis, Developmental Cell, Oktober 2018
DOI: 10.1016/j.devcel.2018.09.017,

Blutdruckeinstellung: Gefährliche Depressionen - depressive Stimmungslagen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neue US-Richtlinie für Bluthochdruck bietet keine Vorteile für Betroffene

Wo beginnt gefährlicher Bluthochdruck? 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Kältehilfe  

Auf diese Frage geben Ärzteorganisationen unterschiedliche Antworten. 

Beispielsweise gelten Patienten in den USA früher als krank als in Deutschland. 

Ein Team um Prof. Karl-Heinz Ladwig von der Technischen Universität München (TUM) und dem Helmholtz Zentrum München kommt zu dem Schluss, dass eine niedrige Schwelle für eine Behandlung nicht vor tödlichen Herzerkrankungen schützt – sie könnte sich sogar negativ auf die Psyche der Betroffenen auswirken.  


Ein Mann sitzt auf einer Bank und stützt den Kopf auf die Arme.

Wie Bluthochdruck und Rauchen sind auch Depressionen ein Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen. (Bild: hikrcn / fotolia.com)

Seit 2017 gibt es in den Leitlinien des American College of Cardiology eine zusätzliche Kategorie für Bluthochdruck:

„Stage 1 Hypertension“. Patientinnen und Patienten müssen demnach behandelt werden, wenn bei ihnen die entsprechenden Werte (130-139 mmHg / 80-89 mmHg) gmessen werden.

Die European Society of Cardiology sieht bei diesen Werten noch einen „erhöht normalen Blutdruck“ und keinen zwingenden Handlungsbedarf.

„Die Idee hinter den US-Leitlinien ist, Bluthochdruck möglichst früh zu senken und durch die Diagnose einer Erkrankung Patienten zu motivieren, gesünder zu leben“, erläutert Prof. Karl-Heinz Ladwig, Forscher an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des TUM-Universitätsklinikums rechts der Isar und am Helmholtz Zentrum München.

„Motivations-Effekt“ fraglich

Anhand von Daten von knapp 12.000 Patientinnen und Patienten haben Ladwig und sein Team sich ein Bild der Situation in Deutschland verschafft.

„Wir haben untersucht, wie hoch innerhalb eines Zeitraumes von zehn Jahren das Risiko für Menschen in den verschiedenen 'Blutdruck-Kategorien' war, an einer Herz-Kreislauferkrankung zu sterben und welche anderen Risikofaktoren jeweils vorlagen“, sagt Seryan Atasoy, Erstautorin der Studie und Epidemiologin am Helmholtz Zentrum München und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

  • In der neugeschaffenen Kategorie „Stage 1 Hypertension“ waren das Risiko an einer Herz-Kreislauferkrankung zu sterben nicht signifikant höher als bei normalem Blutdruck. 

„Auch der Motivations-Effekt ist fraglich“, sagt Karl-Heinz Ladwig. 

Bei Patientinnen und Patienten mit gefährlichem Bluthochdruck, die sowohl nach US- als auch nach europäischen Leitlinien mit Medikamenten behandelt werden sollen („Stage 2 Hypertension“), sei das Risiko, an einer Herz-Kreislauferkrankung zu sterben, deutlich erhöht.

„Gleichzeitig sind Risikofaktoren wie Rauchen und Bewegungsmangel besonders ausgeprägt.

Das zeigt, dass viele trotz Diagnose ihren Lebensstil nicht umstellen.“

Gefährliche Depressionen

Während Menschen mit gefährlichem Bluthochdruck grundsätzlich seltener depressiv waren als andere, lag der Wert bei einer Teilmenge deutlich höher:

  • Bei rund der Hälfte derjenigen, die wegen des gefährlichen Bluthochdrucks Medikamente nahmen, wurden depressive Stimmungslagen festgestellt. 
  • Das war nur bei etwa einem Drittel der Nicht-Behandelten der Fall.

„Wir nehmen an, dass es sich um einen Labeling-Effekt handelt“, sagt Ladwig. „Wird man offiziell mit dem Etikett 'krank' versehen, wirkt sich das auf die psychische Gesundheit aus.“ 
  • In einer früheren Studie hatten er und sein Team gezeigt, dass Depressionen einen ähnlich hohen Risikofaktor für tödliche Herz-Kreislauferkrankungen darstellen wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit.
Mehr Kranke durch neue Richtlinien

„Das American College of Cardiology selbst hat errechnet, dass der Anteil der Erwachsenen mit der Diagnose Bluthochdruck durch die neue Leitlinie von 32 auf 46 Prozent steigt“, sagt Karl-Heinz Ladwig.

„14 Prozent werden also zusätzlich psychischem Druck ausgeliefert – ohne dass für sie eine signifikant höhere Gefahr bestehen würde, eine tödliche Herz-Kreislauferkrankung zu entwickeln und ohne, dass eine Motivationswirkung der Diagnose zu erwarten wäre.“

Eine Übernahme der US-Leitlinien in Europa wäre daher aus Ladwigs Sicht grundsätzlich falsch.

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Originalpublikation:
S. Atasoy, H. Johar, A. Peters, K.-H. Ladwig. „ Association of hypertension cut-off values with 10-year cardiovascular mortality and clinical consequences: a real-world perspective from the prospective MONICA/KORA study “. European Heart Journal (2018). DOI:10.1093/eurheartj/ehy694

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http://www.psychosomatik.mri.tum.de/forschung/ag-internistische-psychosomatik-un... 
Arbeitsgruppe an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Mezin am Abend Berlin TEAM Fortbildung: VOR ORT

Medizin am Abend Berlin Fazit: http://www.individual-med-publishing.de/index.html

Einladung zum Samstag: 01. Dezember 2018 IntensivFortbildung 

TOP Fortbildung, Samstag, 15. Dezember 2018:  Deutsches Herzzentrum Berlin - Charite Berlin



























Krankhaft übergewichtige Adipositas-Patienten: Bariatrische OP-Eingriff

Medizin am Abend Berlin Fazit: Adipositas-Chirurgie: Nachfrage extrem angestiegen

Adipositas-Zentrum des Universitätsklinikums Freiburg zum Referenzzentrum ernannt / Deutlich mehr Eingriffe als vor zehn Jahren / Kliniken haben mit aufwändiger Nachsorge zu kämpfen 
 
Das Adipositas-Zentrum an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg ist von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie zum Referenzzentrum ernannt worden.

Seit der Gründung des Adipositas-Zentrums im Jahr 2007 hat sich die Zahl der Eingriffe von 25 auf über 250 im Jahr 2017 verzehnfacht.

Gründe dafür sind unter anderem die steigende Zahl stark übergewichtiger Menschen – fast jeder Vierte in Deutschland ist betroffen – sowie die hohe Akzeptanz der chirurgischen Methode und nicht zuletzt die zunehmende Zahl an Diabetespatienten, die ihre Zuckerkrankheit chirurgisch therapieren lassen. 

  • Doch mittlerweile macht die große Zahl der Nachsorgepatienten den Adipositaszentren schwer zu schaffen. 

Denn jeder Patient muss ein Leben lang in einem Spezialzentrum betreut werden. 

Lösungsansätze für dieses Problem skizzierten die Freiburger Chirurgen am 4. September 2018 in der Fachzeitschrift Der Chirurg.

„Für krankhaft übergewichtige Patienten kann eine Adipositas-Operation lebensrettend sein.
Außerdem beendet sie eine oft jahrelange seelische Belastung“, sagt Prof. Dr. Goran Marjanovic, Ärztlicher Leiter des Adipositas-Zentrums und Oberarzt an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg.

Seit 2003 gilt Adipositas als eigenständige Krankheit. 

Viele der Betroffenen leiden zudem unter schwerem Diabetes.

„Eine Operation verbessert die Diabetes-Erkrankung, so dass die Patienten die Medikamente häufig reduzieren oder sogar ganz absetzen können“, sagt Prof. Marjanovic.

Strenge Kriterien für Referenzzentren


Das Adipositas-Zentrum des Universitätsklinikums erfüllt als Referenzzentrum strenge Auflagen. Gefordert werden zur Zertifizierung 100 Operationen im Jahr. Mit der aktuellen Operationsfrequenz besitzt das Freiburger Zentrum extrem viel Erfahrung sowohl in Primäreingriffen als auch in den häufiger werdenden Zweiteingriffen.

Daneben verfügt es entsprechend der Zertifizierung über Zimmer und Operationseinheiten, die auf Adipositas-Patienten angepasst sind. 

Auch die wissenschaftlichen Leistungen gelten als Kriterium.

  • Am Freiburger Adipositas-Zentrum arbeiten Fachleute der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie unter anderem eng mit der Sektion für Ernährungsmedizin und Diätetik, der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie sowie vielen anderen Experten zusammen.

Adipositas-chirurgische Verfahren

Bundesweit werden jährlich rund 15.000 Eingriffe durchgeführt.

Adipositas-chirurgische Verfahren werden auch als bariatrische Eingriffe bezeichnet. 

Sie lassen sich grob in zwei Bereiche unterteilen:

restriktive und malabsorptive Verfahren. 

Bei restriktiven Verfahren (Schlauchmagen, Magenbypass) wird der Magen verkleinert oder umgangen. Dadurch können die Betroffenen viel weniger essen. 

Bei den malabsorptiven und eher selteneren Verfahren wird die Aufnahmestrecke für die Nahrung im Dünndarm verringert.

Gerade beim Magenbypass wird der Zwölffingerdarm umgangen, was schlagartig eine Reihe an hormonellen Umstellungen im Körper verursacht und dadurch vor allem der Diabetes eine Verbesserung schon eine Woche nach Operation erfährt. 

Für viele Diabetespatienten kann diese Operation nach den neuesten Internationalen Leitlinien für Diabetestherapie ein wichtiger Therapiebaustein werden.

Zentren kämpfen mit dem Erfolg

Doch mit dem Erfolg der Methode kommen die durchführenden Zentren auch an ihre Grenzen.

Denn derzeit muss die lebenslange Nachsorge aller operierten Patienten an einem Adipositas-Zentrum stattfinden.

Dadurch wächst die Zahl der Nachsorgepatienten rasant.

„Wir müssen die Nachsorge auf mehrere Schultern im Gesundheitswesen verteilen.

Dabei ist eine spezifische Ausbildung ambulant tätiger Ärzte unumgänglich“, sagt Prof. Marjanovic.


Adipositas-Chirurgie: Nachfrage extrem angestiegen



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Prof. Dr. Goran Marjanovic
Leiter des Zentrums für Metabolische und Adipositaschirurgie
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Universitätsklinikum Freiburg
goran.marjanovic@uniklinik-freiburg.de

Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg

Breisacher Straße 153
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Baden-Württemberg 

Telefon: (0761) 270 - 19090
Fax: (0761) 270 - 19030
E-Mail-Adresse: benjamin.waschow@uniklinik-freiburg.de


Originalpublikation:
Originaltitel der Publikation: Der deutsche Schneeball-Effekt
DOI: 10.1007/s00104-018-0722-2

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https://www.uniklinik-freiburg.de/index.php?id=1053 Zentrum für Adipositas und Metabolische Chirurgie

http://www.springermedizin.de/der-deutsche-schneeball-effekt/16096644 Link zur Studie

Überlastungsanzeige: Studie zur Gesundheit von Schulleitungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studie zur Gesundheit hessischer Schulleitungen gestartet

Befragung soll erstmals wissenschaftliche Erkenntnisse zur Arbeitsbelastung und Gesundheit der Führungskräfte liefern. 
 
Das Public Health Zentrum an der Hochschule Fulda hat in Kooperation mit der Leuphana Universität in Lüneburg eine Studie zur Gesundheit von hessischen Schulleitungen gestartet.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Gesundheitswissen  

Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Arbeitsbelastungen und die möglichen Folgen für die Gesundheit der Führungskräfte an den allgemeinbildenden Schulen in Hessen will die Studie auch die Rolle der Schulleitungen in der schulischen Gesundheitsförderung erfassen.

„Die Studienergebnisse werden uns konkrete Hinweise darauf geben, an welchen Stellen Unterstützungs- und Präventionsbedarf besteht“, erklärt der Leiter der Studie, Prof. Dr. Kevin Dadaczynski. Er lehrt und forscht am Fachbereich Pflege und Gesundheit der Hochschule Fulda im Bereich Gesundheitskommunikation und Patienteninformation. Erste Ergebnisse der Studie werden im März 2019 erwartet.

Bislang habe die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften im Fokus gestanden; über die Gesundheit der Führungsebene in den Schulen und ihre Rolle bei der Gesundheitsförderung wisse man hingegen kaum etwas, so der IHS Interessenverband Hessischer Schulleiterinnen und Schulleiter e.V., der ein weiterer Kooperationspartner dieser Studie ist.

In den vergangenen Jahren sei eine Zunahme der Arbeitsbelastungen bei Schulleitungen zu beobachten, die in vielen Fällen zu Überlastungsanzeigen geführt habe.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Gewaltschutzambulanzen  
  • Da Schulleitungen eine zentrale Rolle in der schulischen Gesundheitsförderung einnehmen, hängt es wesentlich von ihrem Interesse und ihrer Unterstützungsbereitschaft ab, ob Gesundheit ein Thema für die ganze Schule ist.  
  • Hierfür bedarf es gesunder Schulleitungen, die ihrer pädagogischen Führungsrolle gerecht werden und Innovationen wie Gesundheitsförderung aktiv unterstützen können“, betont Prof. Dadaczynski.

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Mit und ohne Diabetes: Schutz von Herz und Niere

Medizin am Abend Berlin Fazit: Vielversprechende Studie zum Herz- und Nierenschutz mit Empagliflozin gestartet

In der großen klinischen Studie EMPA-REG OUTCOME mit Patienten mit Herzerkrankung und Typ-2-Diabetes haben Würzburger Forscher bereits nachgewiesen, dass Empagliflozin nicht nur den Blutzucker senkt, sondern auch die Todesfälle infolge einer Herzerkrankung reduziert und positive Auswirkungen auf die Nieren hat. 

Nun bauen neue klinische Studien auf diese wichtigen Ergebnisse auf. 

Gerade gestartet ist die EMPA-KIDNEY-Studie, die den Herz- und Nierenschutz mit Empagliflozin auch bei Patienten ohne Diabetes zeigen soll. 
 
Insgesamt werden 5.000 Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung in den USA, Kanada, China, Japan, Malaysia, Großbritannien und Deutschland untersucht. Die Studienzentrale ist in der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Uniklinikums Würzburg angesiedelt.

Die Wissenschaftler untersuchen in dieser Studie, ob die einmal tägliche Einnahme einer Empagliflozin-Tablette eine Verschlechterung der Nierenerkrankung oder den Tod infolge einer Herzerkrankung bei Patienten mit einer Nierenerkrankung verhindern kann. 

Dazu erhält die Hälfte der Studienteilnehmer eine Empagliflozin-Tablette, die sie einmal täglich einnehmen muss, während die andere Hälfte ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff, ein so genanntes Placebo, erhält.

Professor Dr. Christoph Wanner, Leiter der Klinischen Prüfung: „Ich freue mich, dass wir unsere langjährige Zusammenarbeit mit der University of Oxford fortsetzen und die EMPA-KIDNEY-Studie auf den Weg gebracht haben. Das Uniklinikum Würzburg hat bereits seit dem Jahr 2005 mit den Wissenschaftlern aus Oxford mehrere große Studien wie SHARP und REVEAL erfolgreich koordiniert und abgeschlossen. Gemeinsam möchten wir nun herausfinden, ob sich die einmal tägliche Einnahme von Empagliflozin bei Patienten mit einer Nierenerkrankung aber ohne Diabetes ebenfalls positiv auswirkt.

  • Somit können wir hoffentlich das Leben von Patienten mit Nierenerkrankungen retten und die Notwendigkeit einer Dialysebehandlung in Zukunft verringern.“

Auch Patienten mit Herzerkrankungen dürfen hoffen.

Professor Dr. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI):

„Die EMPA-REG- OUTCOME Studie, an der das DZHI in der Person von Professor Wanner ebenfalls beteiligt war, zeigte, dass Empagliflozin die Anzahl von Todesfällen infolge einer Herzerkrankung um 38 Prozent und von Krankenhauseinweisungen aufgrund einer Herzinsuffizienz um 35 Prozent senkt. 
  • Aufgrund dieser Ergebnisse wird Empagliflozin inzwischen weltweit bei Patienten mit Diabetes und erhöhtem Risiko für eine Herzerkrankung oder bereits bestehender Herzerkrankung eingesetzt. 

Nun gilt es zu prüfen, ob Empagliflozin auch Patienten ohne Diabetes zugutekommt und es für weitere Indikationen zugelassen werden kann. 
  • Parallel zur EMPA-KIDNEY-Studie, die sich an Patienten mit chronischer Nierenerkrankung richtet, haben wir zwei klinische Funktionalitätsstudien namens EMPERIAL gestartet, bei denen untersucht wird, ob Empagliflozin bei Patienten mit Herzinsuffizienz die körperliche Belastbarkeit verbessert. 
Ich freue mich, dass das Uniklinikum Würzburg und unser Clinical Trial Office vom DZHI zu diesem möglichen und wichtigen Therapiefortschritt einen Beitrag leisten können.“

Professor Dr. Christoph Maack, Sprecher des DZHI und Leiter des Departments Translationale Forschung begrüßt ebenfalls das neue Studienprogramm, zumal der Fokus seiner Forschung unter anderem auf der Wechselwirkung von Herzinsuffizienz und Diabetes liegt. Als Ergebnis eines internationalen Expertenworkshops der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Brüssel, an dem auch Christoph Wanner teilnahm, hat Maack vor kurzem ein Positionspapier zu diesem Thema veröffentlicht.

„Immer mehr Menschen leiden hierzulande an Herzinsuffizienz und an Diabetes mellitus. Auch die Kombination aus Diabetes mellitus und Herzinsuffizienz steigt mit der Zunahme von Adipositas stetig. 

Umso wichtiger ist es, eine medikamentöse Therapie zu finden, die sich positiv auf alle Erkrankungen auswirkt.“

Die Behandlung von Patienten mit Diabetes und Herzinsuffizienz ist Christoph Maack zufolge bislang ein klinisches Dilemma. 

„Obwohl viele Medikamente den Blutzucker senken, haben sie sehr unterschiedlich den Verlauf von Herz-Kreislauferkrankungen beeinflusst“, erklärt der Kardiologe.

„Dies legt nahe, dass nicht die Blutzuckersenkung an sich, sondern womöglich andere Effekte auf den Stoffwechsel und/oder das Herz-Kreislaufsystem die Effektivität verschiedener Medikamente bestimmen. 

Im Falle von Empagliflozin, Dapagliflozin und anderer Medikamente aus dieser Substanzklasse werden neben dem Schutz der Nierenfunktion auch Blutdrucksenkung, Entwässerung mit Gewichtsreduktion sowie Beeinflussung des Elektrolythaushalts und Stoffwechsels des Herzens als zugrundeliegende Mechanismen diskutiert.

Die zukünftigen Studien sollen zeigen, ob die Gliflozine auch bei Patienten ohne Diabetes eine Herzschwäche und Nierenschwäche günstig beeinflussen.“

Information über den Wirkstoff: Empagliflozin wurde ursprünglich zur Behandlung von hohen Blutzuckerwerten bei Diabetespatienten entwickelt.

Es sorgt dafür, dass vermehrt Blutzucker - etwa 10 Teelöffel pro Tag - über den Urin ausgeschieden wird. 
  • Dies kann zu einer leichten Abnahme von Gewicht und Blutdruck führen. 
  • Und das wirkt sich wiederum positiv auf Herz und Nieren aus. 

Vielversprechende Studie zum Herz- und Nierenschutz mit Empagliflozin gestartet



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Originalpublikation:
https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehy600/...

Die Diabetes und ihre Wundheilung: physikalische kalte Plasma

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg startet mit innovativen Forschungsprojekten

Das Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg (KDK) ist eine
Kooperationsinitiative des Klinikums Karlsburg und des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung
und Technologie (INP), um innovative Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten auf dem
Gebiet von Diabetes und Wundheilung zu entwickeln. 

 
Am Mittwoch, dem 21. November 2018, informierten Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann, Direktor und Vorstandsvorsitzender des INP Greifswald, Prof. Dr. Wolfgang Motz, Direktor des Klinikums Karlsburg, und Dr. Stefan Rudolph, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, in Karlsburg über die Umsetzung einer im Jahr 2013 entstandenen deutschlandweit einzigartigen Idee, die Expertenwissen und Erfahrungswerte aus unterschiedlichen Forschungsbereichen zu einem Projekt und somit praxisnaher Forschung und klinischer Behandlung unter einem Dach vereint.

Das starke wissenschaftliche Fundament des Zentrums bilden die disziplinübergreifenden Kompetenzen des Leibniz-Instituts und seiner Partner, insbesondere bei der Entwicklung von Plasmamedizin und Hygieneverfahren sowie weltweit führender Anwendungen.

Das starke medizinische Know-how bietet der Standort Karlsburg.

Das wegweisende Konzept steht auf drei Säulen:

Forschung, Entwicklung und Transfer in die industrielle und medizinische Praxis. Es stellt den Rahmen dar, um bahnbrechende Lösungen für die Therapie und Diagnostik der Volkskrankheit Diabetes sowie weiterer Indikationen zu erarbeiten.

In direkter Nachbarschaft findet künftig die klinische Behandlung der Diabetespatienten sowie eine interdisziplinäre und praxisnahe Forschung statt. Dadurch können Forschungsergebnisse im Zusammenspiel mit Unternehmen aus der Medizinbranche deutlich schneller in die klinische Anwendung übertragen werden, was den Patienten zugutekommt.

In Deutschland leiden derzeit acht Millionen Menschen an Diabetes mellitus, betonte Prof. Dr. Wolfgang Kerner, Direktor der Klinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten in Karlsburg und Vorsitzender des Präsidiums des KDK, bei der Vorstellung des Zentrums. Ziel ist es, innovative Medizinprodukte und Verfahren zu entwickeln, die Diabetespatienten mit chronischen Wunden helfen.

Hierzu zählt der diabetische Fußulkus, eine der schwerwiegendsten Komplikationen. 

Die charakteristischen chronischen Wunden, die meist von Infektionen begleitet werden, führen allein in Deutschland zu 45.000 Amputationen im Jahr, was die Lebensqualität der Betroffenen dramatisch eingeschränkt und mit hohen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden ist. Die Therapiemöglichkeiten sollen nunmehr durch die am INP Greifswald entwickelten medizinischen Plasmageräte erweitert werden.

„Das physikalische kalte Plasma hat eine desinfizierende und antibakterielle Wirkung – auch bei multiresistenten Keimen - und befördert die Wundheilung.

Das haben zahlreiche Studien und praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Plasmamedizin ergeben. In einer weiteren großen klinischen Studie soll dies wissenschaftlich detaillierter erhärtet werden“, erklärte Prof. Weltmann. Klinikchef Prof. Motz fügte hinzu: „Ich freue mich, dass es gelungen ist, die bürokratischen Hürden für unsere gemeinsame Arbeit zu meistern. Der Diabetespatient wird in Karlsburg künftig von Innovationen profitieren, die weltweit führend sind.“

In den vergangenen Monaten wurde das Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg mit Laboreinrichtungen und wissenschaftlichen Geräten ausgestattet. Die Ausrüstung wurde vom Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der EU mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert. Staatssekretär Dr. Stefan Rudolph sagte zum Forschungsstart: „Wir haben das Wachstumspotential der Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Durch unser Engagement hier in Karlsburg wird die Zusammenarbeit von Forschung, Wirtschaft, Medizin und Ingenieurskunst potenziert werden. Ich erwarte neue innovative Lösungen, Produkte und Dienstleistungen der Gesundheitswirtschaft, die sowohl marktfähig sind als auch mehr Wohlstand in unserem Land generieren. Nur das kann unser Anspruch sein.“

Vorgestellt wurden am Mittwoch weitere große Forschungsschwerpunkte.

Die Greifswalder Firma OT aktiv GmbH sucht nach telemedizinischen Lösungsansätzen, um dem diabetischen Fußulkus vorzubeugen.

Der Orthopädietechnik-Spezialist aus MV, der Diabetespatienten seit vielen Jahren mit fachgerechtem Schuhwerk versorgt, hat es sich zum Ziel gesetzt, eine intelligente Einlegesohle zu entwickeln, die auf Temperaturerhöhungen des menschlichen Fußes und damit Anzeichen von entzündlichen Prozessen hinweist. 

  • Denn Diabetespatienten, die häufig auch unter einer Neuropathie leiden, haben ein geringes Schmerzempfinden und bemerken Druckläsionen oft viel zu spät, so dass sich Wunden ausbilden können. 

Das Projekt „Smart Shoe Insole“ umfasst den Datentransfer zur telemedizinischen Therapiekontrolle, die Visualisierung der Fußsohlentemperatur, ein Bewegungsmonotoring und eine Alarmfunktion.

Alles darstellbar auf einer Smartphone-App.

Ein weiteres ambitioniertes Projekt wird im KDK gemeinsam mit dem Schweriner Unternehmen human med GmbH entwickelt.

Fettstammzellen sollen zur besseren Wundheilung eingesetzt werden. 

Erste kleine Studien zum Einsatz des körpereigenen Fettes sind vielversprechend.

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