Medizin am Abend Berlin Fazit: Fettleber diagnostizieren und personalisiert behandeln
Fast jeder dritte Erwachsene in den Industrieländern leidet an einer
nichtalkoholischen Fettleber.
Für die Betroffenen erhöht sich damit das
Risiko an Komplikationen wie Leberzirrhose, Leberkrebs, Typ-2-Diabetes
sowie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall zu erkranken.
In einem
Übersichtsartikel in "The Lancet Diabetes & Endocrinology" fassen
u.a. DZD-Forscher aus Tübingen aktuelle Forschungsergebnisse zusammen
und zeigen auf, wie dieses Wissen künftig für eine personalisierte
Risikoprognose und individualisierte Behandlung genutzt werden kann.
Immer mehr Erwachsene aber auch etwa 34 Prozent der adipösen Kinder
leiden an einer
nichtalkoholischen Fettlebererkrankung (non-alcoholic
fatty liver disease, NAFLD).
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: BONUS-Studie
Eine ungesunde Lebensweise mit wenig
Bewegung und viel fettem sowie zucker- und fruchtzuckerhaltigem Essen
und / oder eine genetische Vorbelastung können
Ursachen dafür sein.
Doch
Fettleber ist nicht gleich Fettleber.
NAFLD ist eine komplexe und
heterogene Krankheit, die zu verschiedenen Komplikationen führen kann
wie schweren Leberschädigungen, Typ-2-Diabetes und
Herz-Kreislauferkrankungen. „Um diese Folgeerkrankungen zu vermeiden,
muss die Fettleber rechtzeitig erkannt sowie das jeweilige Risiko für
Leber-, Stoffwechsel- und Herzmuskelerkrankungen genau bewertet werden.
Dann lässt sich eine maßgeschneiderte Prävention und Behandlung
konzipieren“, erläutert Erstautor Norbert Stefan. In den vergangenen
Jahren gab es zahlreiche neue Erkenntnisse und Ergebnisse in der
NAFLD-Forschung. Diese enorme Menge an neuen Daten aus der
Grundlagenforschung und der klinischen Hepatologie- und
Endokrinologieforschung in die klinische Praxis zu integrieren, ist
schwierig. Professor Norbert Stefan und Professor Hans-Ulrich Häring –
beide vom Universitätsklinikum Tübingen und dem Institut für
Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz
Zentrums München, einem Partner des DZD, sowie Professor Kenneth Cusi
von der University of Florida (USA) haben die wichtigsten Daten der
NAFLD-Forschung ausgewertet und in einem Übersichtsartikel
zusammengestellt.
Die Autoren schlagen den Einsatz neuer Diagnose- und
Therapieansätzen in der Klinik vor, um eine spezifische Risikoprognose
für mögliche Folgeerkrankungen zu ermöglichen.
Patienten mit erhöhten Leberenzymen und dysproportionalen Fettverteilung auf Fettleber untersuchen
„Auf eine Fettleber hin sollten nicht nur Patienten mit erhöhten
Leberenzymen untersucht werden, sondern auch Personen mit einer
dysproportionalen Fettverteilung, d.h. einem hohen Anteil an Bauchfett
und/oder einem geringen Anteil an Fett um die Hüften und Beine“, sagt
Hans-Ulrich Häring, DZD-Vorstand und Ärztlicher Direktor der Abteilung
Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Tübingen.
Darüber hinaus
empfehlen die Verfasser des Reviews ein Fettleber-Screening auch für
Menschen, die an einer Insulinresistenz bzw. an Typ-2-Diabetes leiden.
Doch wie lassen sich
die Fettanteile in der Leber zuverlässig bestimmen
und
Leberschädigungen wie Entzündung und Fibrose sicher erkennen?
Dafür
eignet sich in der Primärversorgung der Einsatz von einfachen Indizes
oder Ultraschalluntersuchungen.
Spezialisten wie Hepatologen,
Endokrinologen und Radiologen könnten bei Bedarf weitere Untersuchungen
wie zum Beispiel spezielle Kernspintomografien (MRI) einsetzen.
Leiden Patienten an einer Fettleber, lassen sich mit einer
Lebensstilintervention oft positive Effekte erzielen.
So kann man durch
eine Abnahme von etwa fünf Prozent Gewicht den Fettgehalt in der Leber
um bis zu 30 Prozent reduzieren.
- Um das Risiko für Leberentzündungen und
Fibrosen zu verringern, bedarf es jedoch eines Gewichtsverlustes von
etwa zehn Prozent.
„Wenn eine solche Gewichtsreduktion nicht erreicht
werden kann oder sie nicht ausreicht, um die NAFLD zu verbessern, sollte
eine
pharmakologische Behandlung in Betracht gezogen werden“, sagt
Kenneth Cusi. Zwar sei bis heute noch kein Medikament für die NAFLD
zugelassen.
„Unter bestimmten Bedingungen wie etwa dem Auftreten von
Diabetes und NAFLD oder Adipositas und NAFLD können jedoch spezifische
Medikamente eingesetzt werden, die unterschiedliche Auswirkungen auf
Leberfettgehalt, Entzündung und Fibrose haben“, so Cusi.
Genetisch bedingte NAFLD ist mit einem höheren Risiko für Leberfibrose und Leberkrebs verbunden
Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine genetisch bedingte
NAFLD mit einem höheren Risiko für Leberfibrose und Leberkrebs verbunden
ist.
Allerdings haben die Betroffenen ein geringes Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Um die Betroffenen richtig behandeln zu
können, ist es wichtig zu wissen, ob eine Fettleber genetisch bedingt
ist.
Die Autoren des Reviews meinen, dass die Anwendung dieser Konzepte
künftig eine personalisierte Risikoprognose und eine individualisierte
Behandlung einer nichtalkoholischen Fettleber ermöglicht. Zudem können
Forscher in Zukunft auf Grundlage der verschiedenen Aspekte dieser
Krankheit gezielt Lebensstiländerungen und Medikamente für die
jeweiligen Untertypen entwickeln.
http://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(18)30154-2/fullte...
Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der
sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten
auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung,
Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen
neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur
erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des
Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz
Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und
Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche
Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut
für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz
Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das
Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte
Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und
München sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen:
http://www.dzd-ev.de
Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum
für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die
Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie
Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür
untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und
Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden
Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300
Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18
naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische
Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören.
http://www.helmholtz-muenchen.de
Das 1805 gegründete Universitätsklinikum Tübingen gehört zu den
führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin. Als eines der 33
Universitätsklinika in Deutschland trägt es zum erfolgreichen Verbund
von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei. Weit über 400 000
stationäre und ambulante Patienten aus aller Welt profitieren jährlich
von dieser Verbindung aus Wissenschaft und Praxis. Die Kliniken,
Institute und Zentren vereinen alle Spezialisten unter einem Dach. Die
Experten arbeiten fachübergreifend zusammen und bieten jedem Patienten
die optimale Behandlung ausgerichtet an den neuesten
Forschungsergebnissen. Das Universitätsklinikum Tübingen forscht für
bessere Diagnosen, Therapien und Heilungschancen, viele neue
Behandlungsmethoden werden hier klinisch erprobt und angewandt.
Neurowissenschaften, Onkologie und Immunologie, Infektionsforschung und
Vaskuläre Medizin mit Diabetes-Forschung sind Forschungsschwerpunkte in
Tübingen. Das Universitätsklinikum ist in vier der sechs von der
Bundesregierung initiierten Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung
verlässlicher Partner.
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Originalpublikation:
Original-Publikation:
Norbert Stefan, Hans-Ulrich Häring, Kenneth Cusi. Non-alcoholic fatty
liver disease: causes, cardiometabolic consequences, and treatment
strategies. The Lancet Diabetes & Endocrinology 2018, DOI:
10.1016/S2213-8587