Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Broken-Heart-Syndrom: Gebrochenes Herz: Stresshormone, sog. Katecholamine

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gebrochenes Herz – erste Hilfe in Sicht

Göttinger Herzforschern ist es erstmals gelungen, genetische Ursachen bei Patienten mit dem „Broken-Heart-Syndrom“ zu identifizieren. Veröffentlichung im „Journal of the American College of Cardiology (JACC)“.

Göttinger Herzforschern ist es erstmals gelungen, genetische Ursachen bei Patienten mit dem „Broken-Heart-Syndrom“ zu identifizieren.
Göttinger Herzforschern ist es erstmals gelungen, genetische Ursachen bei Patienten mit dem „Broken-Heart-Syndrom“ zu identifizieren.

  • Schmerzen in der Brust, Luftnot, erhöhte Herzenzymwerte im Blut und Veränderungen der Herzstromkurve im EKG – in akuten Fällen deuten die Symptome zunächst auf einen Herzinfarkt hin

Doch etwa zwei Prozent aller Patienten mit der Verdachtsdiagnose Herzinfarkt leiden eigentlich an einer lebensbedrohlichen Funktionsstörung des Herzens mit ähnlichen Symptomen: 

Das Takotsubo-Syndrom (TTS) wird auch „Broken-Heart-Syndrom“ genannt. Es tritt nach einer starken seelischen Belastung, wie Trauer oder Liebeskummer, auf. Betroffen sind überwiegend Frauen nach der Menopause. 
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: KATECHOLAMINE

Wie dieses Syndrom entsteht, weiß man bislang nicht. Die zugrunde liegenden Mechanismen waren bisher noch völlig unklar und Therapieansätze wenig erfolgreich.

Forschern der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist es nun gelungen, neue und grundlegende Erkenntnisse über die Ursachen der Erkrankung und für eine Behandlungsmöglichkeit des „Broken-Heart-Syndrom“ zu bekommen. Sie haben neuartige Signalwege identifiziert und können auch bisher vermutete Annahmen für eine genetische Prädisposition untermauern. Die Erkenntnisse der Göttinger Forscher beruhen auf Untersuchungen von Stammzellen von an „Broken-Heart-Syndrom“ erkrankten Patienten, aus denen schlagende Herzzellen hergestellt wurden. Die Forschung wurde durch das Heidenreich von Siebold-Habilitationsprogramm der UMG, das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Ergebnisse sind in der renommierten Fachzeitschrift „Jour-nal of the American College of Cardiology (JACC)“ veröffentlicht.

Originalveröffentlichung: Thomas Borchert, Daniela Hübscher, Celina I. Guessoum, Tuan-Dinh D. Lam, Jelena R. Ghadri, Isabel N. Schellinger, Malte Tiburcy, Norman Y. Liaw, Yun Li, Jan Haas, Samuel Sossalla, Mia A. Huber, Lukas Cyganek, Claudius Jacobshagen, Ralf Dressel, Uwe Raaz, Viacheslav O. Nikolaev, Kaomei Guan, Holger Thiele, Benjamin Meder, Bernd Wollnik, Wolfram-Hubertus Zimmermann, Thomas F. Lüscher, Gerd Hasenfuß, Christian Templin, Katrin Streckfuß-Bömeke: Catecholamine-Dependent β-Adrenergic Signaling in a Pluripotent Stem Cell Model of Takotsubo Cardiomyopathy. Journal of the American College of Cardiology. ISSN 0735-1097, Vol 70, No 8; August 22; 2017, 975-91.

„Die Identifizierung von bisher unbekannten Signalwegen ist für die Entwicklung neuer Therapieverfahren von besonderer Bedeutung. Mit Hilfe von in der Kulturschale hergestellten Stammzellen und Herzgewebe von betroffenen Patienten konnten wir erstmals die molekularen Mechanismen der Takotsubo-Kardiomyopathie auf Patienten-spezifischer Ebene sichtbar machen“, sagt Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke, Senior-Autorin der Publikation und Leiterin der Arbeitsgruppe „Translationale Stammzellforschung“ der Klinik für Kardiologie und Pneumologie (Direktor: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß).

Die aus Stammzellen von „Broken-Heart-Syndrom“-Patienten hergestellten Herzzellen weisen eine erhöhte β-adrenerge Signalweiterleitung und eine bis auf das Sechsfache des Normalwerts gesteigerte Sensitivität auf Stresshormone, sog. Katecholamine, auf.

Diese zwei Mechanismen wurden von den Forschern als typisch für an „Broken-Heart-Syndrom“-Erkrankte identifiziert. In ihrer Studie konnten die Göttinger Herzforscher außerdem die Hypothese bestätigen, dass aufgrund familiärer Häufung eine genetische Komponente für das „Broken-Heart-Syndrom“ zugrunde liegt.

DAS VERFAHREN: SCHLAGENDE HERZZELLEN AUS PATIENTENZELLEN

Ihre Forschung zu den Ursachen des „Broken Heart Syndrom“ führten die Göttinger Herzforscher an in der Kulturschale hergestelltem Herzgewebe aus Zellen von Patienten durch, die an dem „Broken Heart Syndrom“ erkrankt sind. Diese sogenannten „induzierten pluripotenten Stammzell-Kardiomyozyten“ (iPSC-KMs) wurden aus Haut- oder Blutbiopsien von Patienten gewonnen und unter definierten Bedingungen zu schlagenden Herzmuskelzellen generiert.

„Da sie dasselbe genetische Material wie die zuvor entnommenen Zellen des Patienten enthalten, ist es möglich, die Eigenschaften der hergestellten Herzmuskeln mit dem Phänotyp des Takotsubo-Patienten in Beziehung zu setzen. So werden die funktionellen Eigenschaften der TTS-Herzmuskelzellen sichtbar und messbar“, sagt Thomas Borchert, Erstautor der Publikation und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der AG Streckfuß-Bömeke, Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG. Der Einsatz von Patienten-spezifischen iPSC-KMs erschien dem Forscherteam daher besonders erfolgsversprechend, um einen genetischen Zusammenhang bei TTS zu untersuchen. Die Zellen für die Grundlagenforschung stammten von ausgewählten Patienten im „Internationalen Takotsubo Register“ aus Zürich und Göttingen.

„Auf Basis dieser Arbeit wollen wir nun genetische Faktoren für eine Vorbelastung in einer großen TTS-Patienten-Kohorte identifizieren und therapeutische Langzeit-Behandlungsmethoden entwickeln“, sagt Dr. Streckfuß-Bömeke. Zudem soll die Wirkweise von verschiedenen Medikamenten auf die erkrankten Herzzellen weiter erforscht werden.

„Die Studie ist eine wichtige Grundlage und ein Durchbruch für ein bis dato wenig erforschtes Krankheitsbild. Forschungsvielfalt und Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen am Herzzentrum Göttingen waren die Voraussetzungen, verschiedene Sichtweisen und Ansätze zum Gewinn neuer, wichtiger Erkenntnisse beizutragen“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen und Mitautor der Studie.

Das Takotsubo-Syndrom

Erstmals beschrieben wurde das Krankheitsbild des Takotsubo-Syndroms in den 1990er Jahren von den japanischen Ärzten Keigo Dote und Hikaru Sato. Namensgeber war eine traditionelle, japanische Tintenfischfalle in Form eines ausgebuchteten Tonkrugs mit verengtem Hals. Die daran erinnernde eigentümliche Form der linken Herzkammer am Ende der Systole wurde von den Medizinern als Folge einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels angesehen. Da die Krankheit oft infolge starker seelischer Belastungen, etwa dem Verlust eines geliebten Menschen, emotionalem Stress oder Kummer auftritt, wird umgangssprachlich auch vom „Broken Heart-Syndrom“ gesprochen. Etwa zwei Prozent aller Patienten mit der Verdachtsdiagnose Herzinfarkt leiden eigentlich an einem „Broken-Heart-Syndrom“.

Gewissheit bringt erst eine Herzkatheter-Untersuchung.

  • Zeigt diese keine Verschlüsse der Herzkranzgefäße, handelt es sich vermutlich um ein „gebrochenes Herz“. 
  • Betroffen sind überwiegend Frauen nach der Menopause. In der akuten Phase erleiden fast ein Viertel der Patienten ernsthafte Komplikationen mit Todesfolge.


(A) Die TTS-Herzzellen zeigen eine regulär angeordnete Sarkomerstruktur und (B) haben ein mitochondriales Netzwerk (MitoSpy) wie humane Herzzellen. Größenstandard: 10µm





 (A) Die TTS-Herzzellen zeigen eine regulär angeordnete Sarkomerstruktur und (B) haben ein mitochondriales Netzwerk (MitoSpy) wie humane Herzzellen. Größenstandard: 10µm
Fotos: umg


Internationale Würdigung des Forschungsergebnisses

Die Publikation der Göttinger Forschungserkenntnisse erfährt eine große Resonanz in der Fachwelt. In einem begleitenden Editorial würdigt der prominente UK Forscher Prof. Alexander Lyon vom ‚Cardiovascular Research Centre, Royal Brompton Hospital and Imperial College London‘ die Göttinger Forschung um das erste humane ‚Takotsubo in der Kulturschale‘-Modell und gratuliert zu den komplexen Experimenten, die neue Einblicke in die Mechanismen der TTS liefern.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com















Über Google: Medizin am Abend Berlin


Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Kardiologie und Pneumologie
Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke
Telefon 0551 / 39-12667
Katrin.streckfuss@med.uni-goettingen.de
www.herzzentrum-goettingen.de

Stefan Weller Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Robert-Koch-Str. 42
37075 Göttingen
Postfach
37099 Göttingen
Deutschland
Niedersachsen


Telefon: 0551 / 39-9959
Fax: 0551 / 39-9957
E-Mail-Adresse: presse.medizin@med.uni-goettingen.de
Bettina Bulle
Telefon: 0551 / 39-9958
Fax: 0551 / 39-9957
E-Mail-Adresse: bettina.bulle@med.uni-goettingen.de

 

Oktober/November 2018: Wir kommen der Grippe zuvor......

Medizin am Abend Berlin Fazit: Influenza - vor allem ältere Menschen stark betroffen


Die Grippesaison 2016/2017 war eine schwere Grippewelle und hat vor allem ältere Menschen stark getroffen.

Das zeigt der neue Influenza-Saisonbericht, den die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut (RKI) jetzt veröffentlicht hat. „Leider sind gerade bei den Senioren die Impfquoten mit rund 35 Prozent besonders niedrig“, sagt Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des RKI. Auch wenn die Wirksamkeit der Grippeimpfung nicht optimal ist, können aufgrund der Häufigkeit der Influenza viele Erkrankungsfälle und schwere Verläufe verhindert werden. „Trotz der schwankenden Impfeffektivität ist die Impfung die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor einer Erkrankung“, unterstreicht Wieler. Um das Risiko einer Influenza-Infektion zu verringern werden zusätzlich zur Impfung regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife sowie Abstandhalten zu erkrankten Personen empfohlen.

Prof. Dr. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), erläutert das Angebot unterschiedlicher Impfstoffe. „Neben den Impfstoffen zur intramuskulären Injektion in den Oberarm gibt es in dieser Saison auch einen Impfstoff, der auch unter die Haut, also subkutan, injiziert werden kann. Zusätzlich gibt es einen Nasenspray-Impfstoff für Kinder und Jugendliche ab einem Lebensalter von zwei bis einschließlich 17 Jahren und einen Impfstoff für Personen über 65 Jahren mit Wirkverstärker.“ Drei tetravalente Influenza-Impfstoffe stehen in dieser Saison zur Verfügung, die gegen alle kursierenden Hauptstämme des Influenzavirus schützen können.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung insbesondere Menschen mit einem erhöhten Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Dies sind vor allem Personen über 60 Jahre, chronisch Erkrankte und Schwangere. Die Impfung kann mit einem tri- oder tetravalenten Influenza-Impfstoff erfolgen (drei bzw. vier Komponenten). Auch medizinisches und pflegerisches Personal sollte sich aufgrund seiner beruflichen Exposition impfen lassen. Neben dem Eigenschutz steht hier insbesondere auch der Schutz der behandelten Patienten oder betreuten Personen im Vordergrund. Die Impfquoten sind jedoch auch beim Medizinpersonal nach wie vor zu niedrig.

  • Eine in zwei Universitätskliniken durchgeführte Pilotstudie des Robert Koch-Instituts ergab, dass nur knapp 40 Prozent der Klinikmitarbeiter geimpft waren, 56 Prozent bei den Ärzten, 34 Prozent des Pflegepersonals und 27 Prozent bei therapeutischen Berufen.

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), betont: „Die wichtigsten Ansprechpersonen bei der Impfaufklärung sind nach unseren Studiendaten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowie das medizinische Personal.

Diese Berufsgruppen sollten mit gutem Beispiel vorangehen, sich selbst auch gegen Grippe impfen lassen und diese Information weitergeben.“ Auch in diesem Jahr hat die BZgA Medienpakete mit Aufklärungsmaterialien zur Grippeimpfung an wichtige Multiplikatoren wie niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, an Fachpersonal von Kliniken, Alten- und Pflegeheimen, Apotheken sowie den Öffentlichen Gesundheitsdienst verschickt.

Die darin enthaltenen Broschüren sowie weitere Informationen zur Grippeimpfung stehen auf www.impfen-info.de/grippe zum Download oder zur kostenlosen Bestellung zur Verfügung. Seit 2006 führen die BZgA und das RKI die gemeinsame Aufklärungskampagne „Wir kommen der Grippe zuvor“ zur Information über die Influenza-Impfung durch.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel die Qualität aller Impfstoff-Chargen prüft, bevor diese auf den Markt gebracht werden, hat bereits rund 17 Millionen Impfstoffdosen freigegeben. Einen hühnereiweißfreien Impfstoff gibt es in dieser Saison nicht. „Dies braucht Menschen mit einer Hühnereiweißallergie jedoch nicht zu beunruhigen“, erläutert Cichutek. Eine Untersuchung des PEI ergab, dass eine Vielzahl von publizierten klinischen Studienergebnissen inzwischen darauf hinweist, dass auch bei Personen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß schwerwiegende allergische Reaktionen auf eine Influenzaimpfung selten sind bzw. nicht häufiger auftreten als bei Personen ohne Hühnereiweißallergie. Bei bekannter Hühnereiweißallergie sollte jedoch in jedem Fall der impfende Arzt informiert werden.

Der optimale Impfzeitraum ist Oktober und November. Eine Übersicht der Influenza-Impfstoffe mit den Angaben zu der zugelassenen Altersgruppe findet sich unter http://www.pei.de/influenza-impfstoffe.

Für die Fachöffentlichkeit bietet das RKI auf der Seite http://www.rki.de/influenza-impfung unter anderem ausführliche Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Influenza-Impfung an. Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), betont:

In einer Grippesaison, in der der Influenza A(H3N2)-Subtyp dominiert, sind besonders ältere und hochbetagte Menschen von schweren Krankheitsverläufen betroffen.

Die Daten des Nationalen Referenzzentrums für Influenza im Saisonbericht zeigen, dass in der Saison 2016/2017 mehr als 90 Prozent der untersuchten Influenzaviren zu diesem H3N2-Subtyp gehörten.

Unter den Krankenhaus-Patienten mit schwerer akuter respiratorischer Erkrankung war die Betroffenheit der Altersgruppe ab 60 Jahren in der Saison 2016/17 höher als in der schweren Grippewelle 2014/15 und deutlich höher als in der moderateren Saison 2015/16. 

Die Zahl der influenzaassoziierten Arztbesuche war mit geschätzten sechs Millionen niedriger als in 2014/2015. Die im Saisonbericht für Berlin gezeigten Daten für die geschätzte, der Influenza zugeschriebene Übersterblichkeit lag mit 920 deutlich über der Saison 2014/2015 (600), bundesweite Daten liegen noch nicht vor.

Weitere Informationen

http://www.impfen-info.de/grippe

http://www.pei.de/influenza-impfstoffe
 
http://www.rki.de/influenza

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin  
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Robert Koch-Institut (RKI)
Nordufer 20
13353 Berlin
www.rki.de

Paul-Ehrlich-Institut (PEI)
Paul-Ehrlich-Str. 51-59
63225 Langen
www.pei.de

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Maarweg 149-161
50825 Köln
www.bzga.de

Susanne Glasmacher (RKI)
Tel.: 030-18754-2286
E-Mail: presse@rki.de

Dr. Susanne Stöcker (PEI)
Tel.: 06103-77-1030
E-Mail: presse@pei.de

Dr. Marita Völker-Albert (BZgA)
Tel.: 0221-8992-280
E-Mail: marita.voelker-albert@bzga.de

 

Fett in der Bauchgegend - Dauerentzündung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Forscher finden Grund für gestörten Fettabbau im Alter

Forscher der Universitäten Yale und Bonn haben eine mögliche Ursache dafür gefunden, dass alte Menschen vermehrt Fett in der Bauchgegend einlagern. 

Folge können chronische Erkrankungen sein. 

Die Studie eröffnet möglicherweise auch neue Therapieoptionen. Sie erschien im renommierten Fachmagazin „Nature“.
 Prof. Dr. Joachim Schultze vom LIMES-Institut der Universität Bonn untersuchte, warum es im Alter zu einem gestörten Bauchfettabbau kommt.
Prof. Dr. Joachim Schultze vom LIMES-Institut der Universität Bonn untersuchte, warum es im Alter zu einem gestörten Bauchfettabbau kommt. © Foto: Volker Lannert/Uni Bonn 
  • Alte Menschen haben in der Regel mehr Fett „auf den Hüften“, selbst wenn sie nicht übergewichtig sind. 
Grund ist, dass bei ihnen der Fettabbau in der Bauchgegend gestört ist: 
  • Wenn ihr Körper Energie benötigt, werden die dort befindlichen Fettspeicher nur sehr unzureichend angezapft.

Warum das so ist, war bislang unbekannt. Wissenschaftler der Universität Yale sind dieser Frage jedoch nun in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Bonn einen wichtigen Schritt näher gekommen. Dazu haben sie das Fettgewebe von Labormäusen unter die Lupe genommen. Auch die Nager bauen im Alter Fett nur noch unzureichend ab.

Als Auslöser hatte die Gruppe aus Yale einen bestimmten Zelltyp im Bauchfett von Mäusen in Verdacht, eine neue Art von Makrophagen.

Makrophagen sind weiße Blutkörperchen, die unter anderem bei der Vernichtung von Krankheitserregern eine wichtige Rolle spielen.

Die US-Forscher hatten entdeckt, dass auch im Fettgewebe derartige Makrophagen sitzen, und zwar stets in der Nähe von Nervenzellen. 

Wenn Mäuse Hunger leiden, produzieren diese Nervenzellen Botenstoffe, die die Fettverbrennung stimulieren. 

Die Wissenschaftler vermuteten, dass die Makrophagen in diesen Kommunikationsweg eingreifen. Wie genau, wussten sie jedoch nicht.

Um diese Frage zu beantworten, isolierten sie aus den Makrophagen im Bauchfett sämtliche aktiven Gene, das so genannte Transkriptom. Diesen Schritt führten sie sowohl bei jungen als auch bei alten Tieren durch, die sie zuvor auf Diät gesetzt hatten. Die Transkriptoms-Daten schickten sie dann ans Life & Medical Sciences Institut (LIMES) der Universität Bonn. „Wir haben diese Daten analysiert“, erklärt Prof. Dr. Joachim Schultze vom LIMES-Institut. „Wir konnten so herausfinden, welche Gene sich hinsichtlich ihrer Aktivität in den alten und jungen Tieren unterscheiden. Darunter mussten auch die Erbanlagen sein, die für den verlangsamten Fettstoffwechsel im Alter verantwortlich sind.“

Aufwändige Analyse

Eine derartige Analyse ist sehr aufwändig, da die Aktivitätsunterschiede äußerst klein sein können. Zudem liefert ein Transkriptom-Vergleich in der Regel zahllose Kandidatengene, die weiter untersucht werden müssen. „Aufgrund unserer immunologischen Expertise konnten wir die Zahl jedoch erheblich eingrenzen“, erklärt der Wissenschaftler der Universität Bonn.

Mit diesem Wissen konnten die US-Forscher zeigen, auf welche Weise die Makrophagen in den Fettstoffwechsel eingreifen:  

Bei Hunger schütten die Nervenzellen im Bauchfett den Neurotransmitter Noradrenalin aus und kurbeln so den Fettabbau an. 
  • Im Alter schalten jedoch die Makrophagen permanent in eine Art Entzündungsmodus um. 
Dadurch produzieren sie unter anderem vermehrt ein Enzym namens MAOA. 

Es zerstört wiederum das Noradrenalin – die Mäuse können das gespeicherte Fett nicht mehr abbauen.

Bislang gelten diese Ergebnisse nur für Mäuse.

Die Forscher vermuten aber, dass es beim Menschen einen analogen Mechanismus gibt – eine These, der sie momentan nachgehen.

Falls sie stimmt, eröffnen sich auch neue therapeutische Optionen:

Interessanterweise wird MAOA nämlich durch manche Antidepressiva gehemmt. 

„Theoretisch könnte man diese Medikamente einsetzen, um den Stoffwechsel in älteren Menschen zu verbessern“, erläutert Prof. Dr. Vishwa Deep Dixit von der Yale Universität.

Prof. Dr. Joachim Schultze ist Mitglied des Exzellenzclusters ImmunoSensation der Universität Bonn. Das Cluster untersucht die Funktionsweise des angeborenen Immunsystems. Makrophagen sind ein wichtiger Bestandteil dieses evolutiv gesehen sehr alten Abwehr-Systems.

Publikation: Christina D. Camell, Jil Sander, Olga Spadaro, Aileen Lee, Kim Y. Nguyen, Allison Wing, Emily L. Goldberg, Yun-hee Youm, Chester W. Brown, John Elsworth, Matthew S. Rodeheffer, Joachim L. Schultze & Vishwa Deep Dixit: Inflammasome-driven catecholamine catabolism in macrophages blunts lipolysis during ageing; Nature; DOI: 10.1038/nature24022

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com






 








Über Google: Medizin am Abend Berlin 

 
Prof. Dr. Joachim Schultze
LIMES-Institute
Universität Bonn
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Tel. 0228-7362787
E-Mail: j.schultze@uni-bonn.de

Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
E-Mail-Adresse: kommunikation@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut
Telefon: 0228 / 73-7647
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: andreas.archut@uni-bonn.de



Johannes Seiler
Telefon: 0228 / 73-4728
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: j.seiler@uni-bonn.de
 

CAVE: Entzündungsmarker im Blut

Medizin am Abend Berlin Fazit: Entzündungsmarker im Blut sagt das Überleben von Dialysepatienten voraus

Erste Ergebnisse der bayerischen Dialysestudie ISAR

Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München haben einen Stoff im Blut identifiziert, mit dem sich die Überlebensaussichten von Nierenkranken, die Dialyse benötigen, vorhersagen lassen. 


Weitere Studien müssen zeigen, ob durch die Senkung dieses Blutmarkers die hohen Sterberaten bei Dialysepatienten verringert werden können, ähnlich wie dies mit niedrigeren Cholesterinwerten bei Herzinfarktpatienten der Fall ist. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Impfen in Berlin  


Priv.-Doz. Dr. Christoph Schmaderer und Dr. Georg Lorenz mit Dialysepatient Priv.-Doz. Dr. Christoph Schmaderer und Dr. Georg Lorenz mit Dialysepatient Johannes Schmal, Klinikum rechts der Isar
 
Derzeit werden in Deutschland etwa 80.000 Patienten langfristig mit Dialyse versorgt, weil ihre Nieren versagen.

Menschen, die dauerhaft auf diese Nierenersatztherapie angewiesen sind, versterben oft vorzeitig.

  • Die Lebenserwartung eines Dialysepatienten liegt in etwa bei der eines Patienten mit einer bösartigen Krebserkrankung. 

Daher ist das Ziel der Dialyseforschung Faktoren zu identifizieren, die zu dieser hohen Sterblichkeit beitragen, und diese Faktoren mit neuen Behandlungsansätzen zu verändern. Einer Arbeitsgruppe von Nierenspezialisten am Klinikum rechts der Isar ist nun die Identifikation eines neuen möglichen Risikofaktors für Dialysepatienten gelungen.

Das Eiweiß, das bei Dialysepatienten erhöht ist, trägt die Bezeichnung YKL-40.

  • Dieses körpereigene Eiweiß ist bei einer Vielzahl von entzündlichen Erkrankungen im Blut erhöht. 
Entzündungsreaktionen helfen dem Körper, z.B. eindringende Bakterien oder Pilze abzuwehren.

Unter bestimmten Umständen kann eine solche Entzündung aber auch ohne Bakterien ̶ sozusagen ohne erkennbaren Grund ̵̶ auftreten und Gefäße und Organe schädigen.  

  • Dialysepatienten leiden häufig unter solchen niedrigschwelligen permanenten Entzündungsreaktionen. die vermutlich wesentlich zu der hohen Sterblichkeitsrate beitragen.

Wie die Wissenschaftler um Dr. Georg Lorenz und Priv.-Doz. Dr. Christoph Schmaderer von der Abteilung für Nephrologie in der ISAR Dialyse-Studie zeigen konnten, ist YKL-40 an diesem Prozess beteiligt.

Hohe Werte dieses Entzündungsmarkers im Blut zeigten ein erhöhtes Risiko an, dass der Patient versterben wird. 

Dabei unterscheidet sich YKL-40 von bisher bekannten Entzündungsmarkern: 

die Forscher gehen davon aus, dass es andere Facetten der entzündlichen Erkrankung von Dialysepatienten widerspiegelt.

„Inwieweit YKL-40 wirklich ursächlich an der erhöhten Sterblichkeit der Dialysepatienten beteiligt ist“, so Lorenz, „lässt sich anhand der vorliegenden Daten leider noch nicht sicher sagen, ist aber Teil unserer aktuellen Forschung“.

Dazu Schmaderer, der Studienleiter der ISAR Dialyse-Studie:

„In Deutschland und international findet die Dialyseforschung viel zu wenig Beachtung.

In vielen Köpfen ist verankert, dass die Dialyse technisch nicht verbessert werden kann und damit das Schicksal der Patienten besiegelt ist.

 Damit wollten wir uns nicht abfinden und haben daher die ISAR Dialyse-Studie durchgeführt.

Wir danken vor allem den über 500 Dialysepatienten und den Dialyseärzten im Großraum München, die zum Gelingen der Studie wesentlich beigetragen haben. Nur zusammen kann es uns gelingen, das Leben zukünftiger Generationen von Dialysepatienten zu verlängern und vor allem zu verbessern“.

Die Studie ist im Fachjournal Kidney International erschienen. Link zum Originalartikel:

http://www.kidney-international.org/article/S0085-2538(17)30540-9/abstract

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com



 









Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

PD Dr. Christoph Schmaderer, geschäftsführender Oberarzt
Dr. Georg Lorenz, klinischer Wissenschaftler
Abteilung für Nephrologie
Klinikum rechts der Isar
Ismaninger Str. 22
81675 München
089-4140-5053 oder 6704
christoph.schmaderer@mri.tum.de
georg.lorenz@mri.tum.de

Tanja Schmidhofer
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Ismaninger Straße 22
81675 München
Postfach
81664 München
Deutschland
Bayern

Telefon: (089) 4140 - 2046
Fax: (089) 4140 - 4870
E-Mail-Adresse: tanja.schmidhofer@mri.tum.de

Stress-MRT - kardialer MRT Bildgebung - MRI Core Lab

Medizin am Abend Berlin Fazit: Professur für Sebastian Kelle

Der DHZB-Oberarzt ist auf die Diagnostik von Herz-Kreislauferkrankungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT) spezialisiert und betreibt in diesem Bereich seit vielen Jahren intensive Forschung 

Prof. Dr. med. Sebastian Kelle
Prof. Dr. med. Sebastian Kelle DHZB
 
PD Dr. med. Sebastian Kelle, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin – Kardiologie am Deutschen Herzzentrum Berlin (Leitung: Prof. Dr. Burkert Pieske) ist zum W2-Universitätsprofessor für „molekulare und funktionelle koronar-vaskuläre MRT-Bildgebung“ an der Charité Universitätsmedizin Berlin (in Kooperation mit dem DHZB) berufen worden.

  • Bundesweit gibt es nur 3 vergleichbare Universitätsprofessuren.

Sebastian Kelle ist sowohl Facharzt für Innere Medizin als auch für Kardiologie mit der Zusatzbezeichnung: „Kardiale MRT“ und seit 2002 am DHZB tätig.

Seitdem beschäftigt er sich intensiv mit kardialer MRT-Bildgebung. Nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt an der Johns-Hopkins-University in Baltimore von 2007-2009 habilitierte er sich 2012 mit einer Arbeit zur klinischen Wertigkeit von sogenannten „Stress-MRT“ -Untersuchungen und ist von mehreren internationalen Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, European Association of Cardiovascular Imaging, Society for Cardiovascular Magnetic Resonance) zertifizierter Level III-Experte (höchster Grad) für die kardiale MR-Diagnostik. Sebastian Kelle besitzt zudem die 12-monatige Weiterbildungsermächtigung der Berliner Ärztekammer für kardiale MRT.

Am DHZB wird die kardiale MRT bereits seit 1996 eingesetzt, das Zentrum spielt in der Entwicklung dieser modernen diagnostischen Methode seit langem eine international führende Rolle. Seit drei Jahren betreibt Prof. Kelle maßgeblich den Aufbau eines „MRI Core Lab“, um diese große Erfahrung und Expertise besser für die Forschung nutzbar zu machen.

„Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine Datenbank mit MRT-Befunden in Verbindung mit detaillierten Daten über den Patienten, seinem Krankheitsverlauf sowie der bisherigen Behandlung“, erklärt Prof. Kelle, „diese Verbindung aus Daten und Know-how stellen wir auf Antrag für Studien zur Verfügung und begleiten dann auch deren Durchführung.“

Zusätzlich erfolgen qualitative Auswertungen als geblindetes MRI-Core-Lab. Dies erfolgt schon heute im Rahmen mehrerer Studien des Deutschen Zentrums für Herzkreislaufforschung (DZHK), multizentrischer Forschungsstudien sowie im Auftrag für klinische Phase I, II und III-Studien.

Als Universitätsprofessor kann sich Kelle nun neben der klinischen Tätigkeit noch intensiver mit der Forschung beschäftigen.

„Viele unserer bisherigen Ergebnisse werden bereits in der klinischen Routine umgesetzt“, sagt Kelle, „mit einigen Studien stehen wir in der letzten Phase vor der Zulassung neuer Medikamente, in anderen Bereichen stehen wir noch am Anfang und freuen uns auf die Herausforderung.“
  • Kelle versteht seine Berufung als „Verpflichtung den Patienten gegenüber, weiterhin intensive und klinisch umsetzbare Forschung zu betreiben“ – und als „Würdigung der Arbeit unserer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe sowie des ganzen Teams aus Ärzten und Pflegekräften“. 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Christian Maier Deutsches Herzzentrum Berlin


Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Deutschland
Berlin
E-Mail-Adresse: nickolaus@dhzb.de

Christian Maier
Telefon: 493045931211
Fax: 493045932100
E-Mail-Adresse: cmaier@dhzb.de


Überdiagnostik bei Asylsuchenden?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gesundheitsuntersuchung bei Asylsuchenden: Überdiagnostik treibt Kosten in die Höhe

Untersuchungen auf Infektionskrankheiten in Erstaufnahmeeinrichtungen: 

Studie ermittelt diagnostische Kosten im Jahr 2015 in Höhe von 10,3 Millionen Euro bei einem Einsparpotenzial von 3,1 Millionen Euro / bundesweit keine einheitliche Regelung / Spektrum der Diagnostik in einigen Bundesländern zu breit und nicht durchgängig evidenzbasiert / Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und der Universität Bielefeld veröffentlichen in renommierter Fachzeitschrift Eurosurveillance 
 
Asylsuchende werden in Erstaufnahmeeinrichtungen auf Infektionskrankheiten untersucht, um diese früh zu erkennen um eine Ausbreitung in Sammelunterkünften zu vermeiden.

Bundesweit einheitlich geregelt ist dabei nur eine Röntgenuntersuchung der Lunge zum Ausschluss einer ansteckenden Tuberkulose, vom Robert Koch-Institut als Mindeststandard empfohlen. 

  • Die konkrete Ausgestaltung der weiteren verpflichtenden Diagnostik bestimmen die Bundesländer. 

Die Folge: Asylsuchende werden zum Teil pauschal auf weitere Infektionserkrankungen untersucht - ohne evidenzbasierte Grundlage.

Dadurch entstehen hohe diagnostische Kosten bei nur wenigen tatsächlich erkrankten Personen.

Dies zeigt eine Studie von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg und der Universität Bielefeld, aktuell veröffentlicht in der Fachzeitschrift Eurosurveillance.

„Unsere Schätzung der Gesamtkosten für diagnostische Verfahren im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung in Deutschland im Jahr 2015 beläuft sich auf 10,3 Millionen Euro - darin sind die Kosten des medizinischen Personals, weiterer Folgediagnostik oder etwaiger Doppeluntersuchungen nicht enthalten“, sagt Dr. Kayvan Bozorgmehr, Autor der Publikation und Leiter der Forschergruppe RESPOND an der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Die Forscher errechneten ein Einsparpotenzial von rund 3,1 Millionen Euro im Jahr 2015.


„In einigen Bundesländern wurde eine große Anzahl an Personen aus unterschiedlichen Herkunftsländern auf Erkrankungen wie z.B. Salmonellen, Syphilis und HIV getestet“, erklärt Dr. Kayvan Bozorgmehr.

„Nur wenige dieser Menschen sind tatsächlich erkrankt. Die diagnostischen Kosten pro Patient sind also sehr hoch.“ So errechneten die Forscher Diagnosekosten von ca. 80.200 Euro für einen Fall von Shigellose, einer eher seltenen Durchfallerkrankung in den Herkunftsländern der Asylsuchenden im Jahr 2015. Sehr kostspielig wurde auch die Untersuchung auf Salmonellen und Syphilis. Für die Studie führten die Wissenschaftler epidemiologische Daten mit den Regelungen der Länder, den Kosten entsprechender diagnostischer Tests und der Anzahl der Asylsuchenden je Bundesland zusammen. Danach wurden von den 441.899 Erstantragstellern im Jahr 2015 88 Prozent auf Tuberkulose, 23 Prozent auf pathogene Darmkeime wie Salmonellen und Shigellen, 17 Prozent auf Hepatitis B, 13 Prozent auf Syphilis und 11 Prozent auf HIV verpflichtend getestet.

Im Jahr 2015 untersuchten Bayern, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen auf ein breites Spektrum von meist seltenen Infektionserkrankungen. In diesen fünf Bundesländern betrugen die Ausgaben für die Gesundheitsuntersuchung pro Asylsuchendem durchschnittlich das 2,8-fache der Ausgaben jener Bundesländer, die gemäß der bundesweiten Mindestvorgaben ausschließlich auf Tuberkulose untersuchten. Seit 2015 haben einige Bundesländer ihre Vorgaben zur Gesundheitsuntersuchung geändert und das Spektrum der Untersuchungen reduziert. Die aktuellen Studienergebnisse unterstützen dieses Vorgehen. „Wir fordern bundeseinheitliche Regelungen, die sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen und das individuelle und herkunftslandspezifische Erkrankungsrisiko stärker berücksichtigen“, so Bozorgmehr.

Überdiagnostik birgt ethisches Dilemma

„Die Durchführung überflüssiger medizinischer Untersuchungen ist nicht nur zu teuer. Sie ist auch aus einer ethischen Perspektive inakzeptabel. Das gilt sowohl für den Einzelnen, da die Untersuchungen verpflichtend sind, als auch im Hinblick auf die verfügbaren Ressourcen des Gesundheitssystems“, sagt Katharina Wahedi, Ko-Autorin der Studie. 

Aus Sicht der Forscher werden Ressourcen dadurch ineffizient genutzt: Asylsuchende haben in Deutschland nur eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung. Durch das Asylbewerberleistungsgesetz sollen die Gesundheitsausgaben gering gehalten und keine Anreize zur Asylsuche in Deutschland geboten werden.

„Während Asylsuchenden medizinisch notwendige und sinnvolle Maßnahmen möglicherweise vorenthalten werden, leisten sich einige Bundesländer gesetzlich verordnete, unnötige Untersuchungen auf Infektionskrankheiten“, fasst Ko-Autor Professor Dr. Oliver Razum, Dekan der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, die Situation zusammen.

„Aus bevölkerungsmedizinischer Sicht könnten die Ressourcen in anderen Bereichen sinnvoller zum Einsatz kommen“, betont auch Dr. Kayvan Bozorgmehr.

„Mit den Mitteln, die in die Überdiagnostik flossen, hätten im Jahr 2015 die Erstaufnahmestellen der betreffenden fünf Bundesländer mit einer halben Psychologenstelle pro 1000 Asylsuchenden ausgestattet werden können“.

Literatur:
Bozorgmehr K, Wahedi K, Noest S, Szecsenyi J, Razum O. Infectious disease screening in asylum-seekers: range, coverage and economic evaluation in Germany, 2015. Euro Surveill. 2017. https://doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2017.22.40.16-00677

Wahedi K, Noest S, Bozorgmehr K. Die Gesundheitsuntersuchung von Asylsuchenden: Eine bundesweite Analyse der Regelungen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl (2017) 60: 108. https://doi.org/10.1007/s00103-016-2489-2

Robert Koch-Institut (RKI). Vorscreening und Erstaufnahmeuntersuchung für Asylsuchende. Stand 20.11.2015. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung...

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com




 










Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Dr. Kayvan Bozorgmehr (MSc)
AG Soziale Determinanten, Equity & Migration, BMBF-Nachwuchsgruppenleiter
Abteilung Allgemeinmedizin & Versorgungsforschung
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel. + 49 6221 - 56 385 81
Email: kayvan.bozorgmehr@med.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Oliver Razum (MSc)
AG Epidemiologie & International Public Health
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Universität Bielefeld
Tel. +49 171-7894389
Email: oliver.razum@uni-bielefeld.de

Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg


Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Deutschland
Baden-Württemberg


Doris Rübsam-Brodkorb
Telefon: 06221565052
Fax: 06221564544
E-Mail-Adresse: doris.ruebsam-brodkorb@med.uni-heidelberg.de


Julia Bird
Telefon: 06221 564537
Fax: 06221 564544
E-Mail-Adresse: julia.bird@med.uni-heidelberg.de


Demenzerkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Unterschiede zwischen früh und spät einsetzender Demenz

Denksport 


Für die palliative Versorgung bei Patienten mit Demenzerkrankungen gibt es in Deutschland bisher keine fundierten Erkenntnisse Für die palliative Versorgung bei Patienten mit Demenzerkrankungen gibt es in Deutschland bisher keine fundierten Erkenntnisse Foto: M. Stobrawe, Klinikum rechts der Isar

Innovative Studie untersucht Unterschiede zwischen Patienten mit früh und spät einsetzender Demenz am Lebensende

Welche Versorgung benötigen Patienten, die an Demenz leiden, am Lebensende? Eine neue Studie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München untersucht die Palliativversorgung von Menschen mit verschiedenen Formen von Demenz in Deutschland.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Menschen, die schon im jüngeren Alter an einer Demenz erkranken.

 
Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am AbendBerlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Janine Diehl-Schmid
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Klinikum rechts der Isar der TUM
Tel. 089 4140-6488
E-Mail: janine.diehl-schmid@tum.de

Ismaninger Straße 22
81675 München
Postfach
81664 München
Deutschland
Bayern

Tanja Schmidhofer

Telefon: (089) 4140 - 2046
Fax: (089) 4140 - 4870
E-Mail-Adresse: tanja.schmidhofer@mri.tum.de

Beträchtlicher Mangel am Botenstoff Dopamin?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Parkinson-Krankheit: früh erkennen, früh handeln

„Es gibt nicht nur eine Parkinson-Krankheit – es gibt viele“, sagte Professor Daniela Berg heute zum Auftakt des Neurologiekongresses in Leipzig. 

Die Forscherin aus Kiel ist mit aktuellen Studien den zahlreichen möglichen Auslösern in den Genen und aus der Umwelt auf der Spur. 

Und das soll ganz praktische Konsequenzen haben. 

Denn: 

„Wenn wir die Ursache der Parkinson-Krankheit in einem möglichst frühen Stadium erkennen, können wir dem Betroffenen besser helfen.“ 

Daran arbeitet nicht allein die Direktorin des Kieler Universitätsklinikums, sondern eine große internationale Forschergemeinde. 

 "Parkinsontherapie ist immer individuell", betont Prof. Daniela Berg aus Kiel beim DGN-Kongress
"Parkinsontherapie ist immer individuell", betont Prof. Daniela Berg aus Kiel beim DGN-Kongress
DGN/Hauss
  
Was diese jetzt schon herausgefunden hat und wie Patienten davon profitieren, erläuterte die Neurologin heute auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Von der Parkinson-Krankheit sind in Deutschland nach aktuellen Untersuchungen mehr als 400.000 Menschen betroffen.

Die typischen Erkennungszeichen sind:
Verlangsamung der Bewegungsabläufe,
kleinschrittiger Gang,
Sprachstörungen,
Zittern und Steifigkeit.
Auch dezente Auffälligkeiten der Bewegung wie das verminderte Mitschwingen eines Armes beim Gehen, Störungen der Feinmotorik oder ein verändertes Schriftbild können Hinweis auf eine beginnende Parkinson-Erkrankung sein. 

„Nicht jedes Zittern bedeutet Parkinson“, betont Professor Berg. 

„Im Gegenteil, die Mehrzahl der Menschen, die zittern, haben keinen Parkinson.“

Hilfreich für eine frühe Diagnose sei die Tatsache, dass neben Auffälligkeiten der Bewegung weitere Symptome auftreten können: etwa eine verminderte Geruchswahrnehmung, eine Traumschlafstörung, Veränderungen beim Wasserlassen, Verstopfung oder Depressionen.

„Auf den ersten Blick haben diese Beschwerden scheinbar nichts mit dem, was weit verbreitet unter Parkinson verstanden wird, zu tun“, so Berg. „Sie können aber auf das Vorliegen einer Parkinson-Erkrankung hinweisen.“ Diese Symptome sind jedoch so unspezifisch, dass man nicht gleich an Parkinson denkt. Oft dauert es viele Jahre, bis die Erkrankung erkannt wird.

Neue Studien: wie sich Parkinson über Jahre einschleicht

Ursache für diese unspezifischen Symptome ist die Tatsache, dass die Parkinson-Krankheit sich über Jahre schleichend im ganzen Nervensystem ausbreitet.

Neue Studien stützen die Hypothese, dass die Parkinson-Krankheit im Magen/Darm entsteht und über die Nervenbahnen ins Gehirn wandert“, sagt Professor Berg. 

Eine Schlüsselrolle spielt dabei das fehlgefaltete Eiweißmolekül Alpha-Synuklein, das sich in den erkrankten Nervenzellen ablagert. „An Parkinson erkrankte Nervenzellen können andere Nervenzellen quasi anstecken“, so Berg. Erkrankungstypische Ablagerungen von Alpha-Synuklein finden sich auch außerhalb des Gehirns, etwa im Darm, in den Speicheldrüsen oder in der Haut. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Marburger und Würzburger Neurowissenschaftlern konnte bei Risikopatienten die Erkrankung bereits vor Ausbruch der motorischen Symptome anhand einer Hautprobe nachweisen. Mit dem Test können Forscher Parkinson-Patienten in frühen Stadien identifizieren und ihnen eine Teilnahme an klinischen Studien anbieten, die untersuchen, wie sich das Fortschreiten der Krankheit verhindern lässt.

Herausforderung Frühdiagnose

Das Dilemma der Parkinson-Diagnostik: Wenn sich die ersten motorischen Symptome zeigen, sind bereits mehr als 50 Prozent der dopaminergen Neurone im Mittelhirn abgestorben. Der Erkrankungsprozess läuft dann bereits Jahre bis Jahrzehnte. Die Krankheit früher zu erkennen gelingt anhand der spezifischen Konstellation von Bewegungsauffälligkeiten und nicht-motorischen Symptomen. „Schon wer dezente Veränderungen seiner Armbewegung, der Feinmotorik oder des Schriftbildes feststellt, sollte sich neurologisch untersuchen lassen“, rät Professorin Berg – insbesondere, wenn noch Störungen der Geruchswahrnehmung, chronische Verstopfung, Depressionen, Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Traumschlafstörungen dazukommen.


Medizin am Abend Berlin ZusatzFachInfo: DOPAMIN


Neue Therapien sollen Parkinson an der Wurzel packen

Auch wenn aktuell noch kein Medikament das Nervenzellsterben stoppen kann, hat eine frühe Diagnosestellung Konsequenzen für die Therapie. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass Patienten schon in der Anfangsphase von einer Therapie mit Dopamin oder Dopamin-ähnlichen Substanzen profitieren. „Wenn die Diagnose Parkinson gestellt wird, herrscht schon lange ein beträchtlicher Mangel am Botenstoff Dopamin. Das Gehirn kann diesen Mangel aber einige Zeit lang ausgleichen. Therapeutisches Dopamin entlastet das Gehirn, hilft ihm – wie Öl in einem Motor – regelhaft zu arbeiten, was zu einer besseren Beweglichkeit beiträgt“, erklärt Berg. „Heute sind Menschen, die mit Parkinson leben, auch nach vielen Jahren in der Regel weniger eingeschränkt als noch vor 15 bis 20 Jahren.“
Auch stehen in Zentren, die sich mit der Erforschung und Therapie der Parkinson-Erkrankung beschäftigen, erstmals im Rahmen von Studien Therapieansätze zur Verfügung, die an den Ursachen des Nervenzellsterbens angreifen und die Ausbreitung des Krankheitsprozesses auf noch gesunde Nervenzellen verhindern sollen. Dies sind u.a. Studien für familiäre, also vererbbare Formen der Parkinson-Erkrankung sowie Impfstudien. Mit einem „Parkinson-Impfstoff“ – einem Antikörper gegen das Eiweiß Alpha-Synuklein – könnte es gelingen, die Ausbreitung der Krankheit im Keim zu ersticken.

Aktiv bleiben, beweglich bleiben

Zudem mehren sich die Hinweise, dass auch die Erkrankten selbst positiv zu dem Verlauf beitragen können. Lebensstilfaktoren wie ausreichende körperliche Aktivität und der Konsum von vitamin- und polyphenolhaltigen Lebensmitteln wie Kaffee, grüner/schwarzer Tee oder roten Beeren können hier hilfreich sein.
Eine Umsetzung dieser Erkenntnisse ist auch für die gesunde Bevölkerung von vorbeugender Bedeutung: In mehreren Studien wurde klar belegt, dass Menschen mit ausreichender körperlicher Aktivität ab dem mittleren Erwachsenenalter im Alter weniger häufig an Parkinson erkranken.

Literatur:

Liu B et al. Vagotomy and Parkinson disease: A Swedish register-based matched-cohort study. Neurology 2017; 88: 1996¬2002. doi: 10.1212/WNL.0000000000003961. Epub 2017 Apr 26.

Starke Belege: Parkinson-Erkrankung könnte im Magen beginnen. Pressemitteilung der DGN vom 8. Juni 2017 (www.dgn.org/presse)

Doppler K et al. Dermal phospho-alpha-synuclein deposits confirm REM sleep behaviour disorder as prodromal Parkinson’s disease. Acta Neuropathologica 2017; doi: 10.1007/s00401-017-1684-z

LaHue SC, Comella CL, Tanner CM. The best medicine? The influence of physical activity and inactivity on Parkinson’s disease. Mov Disord. 2016 Oct;31(10):1444–1454.

Speelman AD, van de Warrenburg BP, van Nimwegen M, Petzinger GM, Munneke M, Bloem BR. How might physical activity benefit patients with Parkinson disease? Nat Rev Neurol. 2011 Jul 12;7(9):528–34

Xu Q, Park Y, Huang X, Hollenbeck A, Blair A, Schatzkin A, Chen H. Physical activities and future risk of Parkinson disease. Neurology. 2010 Jul 27;75(4):341–8.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 
www.medizin-am-abend.blogspot.com




 









Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.
 
Prof. Dr. med. Daniela Berg
Klinik für Neurologie, UKSH, Campus Kiel
Christian-Albrechts-Universität, Arnold-Heller-Str. 3, Haus 41, 24105 Kiel
Tel.: +49 (0)431 50019010; Fax: +49 (0)431 50024028
E-Mail: Daniela.Berg@uksh.de

Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o albertZWEI media GmbH, Oettingenstraße 25, 80538 München
Tel.: +49 (0)89 46148622, Fax: +49 (0)89 46148625, E-Mail: presse@dgn.org
Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 8000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsident: Prof. Dr. med. Gereon R. Fink
Stellvertretende Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Past-Präsident: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org

CAVE: Grippeimpfung im Herzkatheter-Labor

Medizin am Abend Berlin Fazit: Die wichtigsten Tipps zur Grippe-Impfung: Ältere Menschen sind besonders gefährdet

Jetzt beginnt wieder die Grippezeit. 

Gerade ältere Patienten sind durch Influenza-Viren besonders gefährdet. 

Bei ihnen sind 80 Prozent der Erkrankungen auf Viren oder Bakterien zurückzuführen. 

Deswegen raten Experten jetzt im September zur gezielten Grippeschutzimpfung. 

„Für ältere Menschen eignen sich insbesondere die sogenannten tetravalenten Impfstoffen, die jeweils zwei Antigene gegen beiden Influenza-Typen A und B haben“, sagt Dr. Andreas Leischker, Impfexperte der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) sowie Chefarzt der Klinik für Geriatrie des Alexianer-Krankenhauses Krefeld. 
 
  • Im Interview beantwortet Leischker die wichtigsten Fragen zu Influenza-Viren, aktuelle Übertragungsrisiken und den optimalen Grippe-Schutz.

Herr Dr. Leischker, wie wird eine Grippe, also eine Influenza, eigentlich übertragen?

Für die Übertragung spielen zwei Wege eine entscheidende Rolle. Zum einen die Tröpfcheninfektion: Über Niesen, Husten aber auch schon beim Sprechen werden Tröpfchen gebildet und über die Luft übertragen.

Besonders hoch ist das Übertragungsrisiko in geschlossenen, überfüllten Räumen, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo Menschen eng gedrängt stehen. 

Ein zweiter Weg ist die Übertragung über die Schmierinfektion. Hier spielen die Hände eine entscheidende Rolle. Nach dem Händeschütteln oder dem Anfassen einer Türklinke bleiben die Viren auf der Haut und werden dann beispielsweise beim Griff ans eigene Gesicht übertragen.

  • Wie können wir dieses Übertragungsrisiko verringern?

Das regelmäßige Waschen der Hände kann das Übertragungsrisiko deutlich verringern. Noch wirksamer ist es, wenn die Hände mit einem alkoholischen Präparat desinfiziert werden. Händedesinfektionsmittel in Gelform gibt es mittlerweile in jeder Drogerie – auch als kleine Pocketversion für die Handtasche.

  • Wie unterscheidet sich die echte Influenza-Grippe von einem grippalen Infekt?

Die „echte“ Grippe wird durch Influenzaviren verursacht, grippale Infekte durch eine Vielzahl von Viren.

Typisch für die echte Grippe ist ein plötzlicher Beginn mit hohem Fieber über 38,5 Grad, trockenem Husten ohne Auswurf, Halsschmerzen, Appetitlosigkeit sowie starken Kopf- und Gliederschmerzen. 
Gerade ältere Menschen brauchen oft sehr lange, bis sie sich von der Infektion erholt haben. Der entscheidende Punkt ist: Gerade bei alten Menschen kann eine Influenza auch zu Todesfällen führen. Deshalb ist die Impfung für ältere Menschen so wichtig.

Der Volksmund sagt, eine Grippe sei unangenehm, aber harmlos. Warum können Menschen daran sterben?

Hierfür gibt es mehrere Gründe: Oft kommt es gerade bei unterernährten Patienten oder bei Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus zu einer bakteriellen Superinfektion, die dann zu einer Lungenentzündung führt. Davon können übrigens auch junge Patienten betroffen sein. 1918 wurden Verstorbene obduziert, die an der „Spanischen Grippe“ verstorben sind. Bei fast allen Verstorbenen fanden sich in den Lungen und im Blut Pneumokokken - das sind Bakterien, die unter anderem Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und Mittelohrentzündungen verursachen können.

Weniger bekannt ist, dass eine Influenzainfektion das Risiko massiv erhöht, während der Erkrankung einen Herzinfarkt zu bekommen.

Schützt die Grippeimpfung also auch vor einem Herzinfarkt?

Ja, das belegt auch eine Studie. Patienten mit einem akuten Herzinfarkt wurden noch im Labor direkt nach der Herzkatheter-Untersuchung gegen Grippe geimpft. Eine andere Gruppe bekam eine Kochsalzlösung in den Arm gespritzt. Diejenigen mit dem Impfstoff bekamen deutlich seltener einen erneuten Herzinfarkt.

Also ist die Grippeimpfung auch eine „Impfung gegen Herzinfarkt“?

Wenn Sie es so nennen wollen ist das richtig.

  • Manche Menschen beklagen Nebenwirkung nach Impfung, kann das sein?

Das kann gut sein. Als Nebenwirkung können bei einigen Menschen unter anderem Muskelschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle und leichte Kopfschmerzen auftreten – jeder reagiert da unterschiedlich. Diese Symptome zeigen, dass der Körper auf die Impfung mit der Bildung von Antikörpern reagiert.

Andere beklagen nach dem Impfen hohes Fieber, Husten oder eine verstopfte Nase. Das Anzeichen für das Auftreten einer echten Grippe?

Das glauben viele, ist aber unmöglich. Bei der Injektion zur Influenza-Impfung handelt es sich um einen Totimpfstoff. In der Injektionslösung kann sich also kein einziges lebendes Viruspartikel befinden.

  • Warum haben dann so viele Menschen diese Erfahrung gemacht?

Die Erklärung ist einfach. Wir impfen meist im Oktober, teilweise auch bis in den November hinein. Zu diesem Zeitpunkt zirkulieren schon viele Erkältungsviren. Vermutlich haben sich einige schon vor der Grippeimpfung mit einem Erkältungsvirus infiziert. Zudem schützt die Influenza-Impfung nur vor der echten Grippe, nicht aber vor grippalen Infekten.

  • Sie hatten bereits die Senioren als Hochrisikogruppe genannt. Wer sollte sich noch gegen Influenza impfen lassen?

Ganz wichtig - und leider oft vergessen – sind alle Personen, die mit alten Menschen zusammen sind und sie betreuen. Das sind auch Angehörige wie die Enkelkinder, das Personal in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten, aber natürlich auch Ärzte.

Da sprechen Sie einen wunden Punkt an: Die Durchimpfungsrate von medizinischem Personal in Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr niedrig.

Ja, leider!

  • Wie schaffen es andere Länder, in diesem Punkt besser zu sein?

Die USA sind da ganz pragmatisch: Wer sich dort als Krankenschwester oder Arzt nicht jährlich gegen Influenza impfen lässt, muss in der Grippesaison während der gesamten Schicht eine Atemmaske tragen. Das ist so anstrengend und unangenehm, dass die Impfrate des Personals dort bei fast 100 Prozent liegt.
  • Wer sollte zusätzlich noch geimpft werden?

Unbedingt auch alle Menschen mit chronischen Erkrankungen. Zum Beispiel Diabetiker, Patienten mit Niereninsuffizienz, mit Herzkrankheiten oder Lungenerkrankungen. Auch Reisende sollten vorsorgen. Wenig bekannt ist, dass es auch in den Tropen Influenza gibt -sogar das ganze Jahr über. Zu beachten ist, dass die Länder der Südhalbkugel ihre Grippesaison zu unserer Sommerzeit haben.
  • Wie häufig muss gegen Grippe geimpft werden?

Gegen Grippe muss leider jedes Jahr neu geimpft werden. Die Grippeviren verändern sich immer wieder.
  • Gibt es dafür verschiedene Impfstoffe?

Ja. Die konventionellen Impfstoffe haben drei Antigene – zwei gegen Influenza A und eines gegen Influenza B. Wir nennen sie deshalb trivalent. Seit einigen Jahren gibt es tetravalente Grippeimpfstoffe mit einem zusätzlichen Antigen gegen Influenza B. Diese wirken insbesondere dann besser, wenn in der jeweiligen Saison neue Influenza-Viren vom Typ B zirkulieren.
  • Werden die tetravalenten Impfstoffe auch von der Krankenkasse bezahlt?

Das ist innerhalb von Deutschland unterschiedlich und wird von der jeweiligen kassenärztlichen Vereinigung geregelt. Dazu sollte jeder seinen Hausarzt oder Geriater vor Ort fragen.
  • Gibt es spezielle Grippeimpfstoffe für ältere Menschen?

Ja, die gibt es. Bei älteren Menschen wirken die normalen Grippeimpfstoffe nicht so gut, weil das Immunsystem weniger Antikörper bildet. In Deutschland sind deshalb speziell für Menschen ab dem 65. Lebensjahr Impfstoffe mit einem Wirkungsverstärker zugelassen.
  • Warum wird dann nicht jeder mit diesen Impfstoffen geimpft?

Weil dieser Wirkungsverstärker oft zu verstärkten Lokalreaktionen führt. So kann der Arm anschwellen und schmerzen.
  • Gibt es dann Alternativen dafür?

Auch die gibt es mittlerweile. In den USA ist ein Impfstoff mit vierfachem Antigengehalt zugelassen, der auch bei älteren Menschen sehr gut wirkt. Leider ist dieser Impfstoff in Deutschland noch nicht verfügbar.
  • Schützt die Grippeimpfung auch gegen die sogenannte Schweinegrippe?

Das funktioniert. In den Grippeimpfstoffen ist seit der letzten H1N1-Pandemie auch eine Komponente gegen Schweinegrippe enthalten.
  • Herr Dr. Leischker, wie schützen Sie sich als Arzt gegen Influenza?

Als Geriater habe ich täglich Kontakt mit alten Patienten – die möchte ich natürlich nicht anstecken. Ich lasse mich deshalb jedes Jahr gegen Influenza impfen. Übrigens auch mit einem tetravalenten Impfstoff.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com



















Über Google: Medizin am Abend Berlin  
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Torben Brinkema
medXmedia Consulting KG
Nymphenburger Str. 19
80335 München
Tel: +49 (0)89 / 230 69 60 21
Fax: +49 (0)89 / 230 69 60 24
E-Mail: presse@dggeriatrie.de


Nymphenburger Str. 19
80335 München
Deutschland
Bayern
E-Mail-Adresse: presse@dggeriatrie.de


Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Ärzte, die sich auf die Medizin der späten Lebensphase spezialisiert haben. Wichtige Schwerpunkte ihrer Arbeit sind neben vielen anderen Bewegungseinschränkungen und Stürze, Demenz, Inkontinenz, Depressionen und Ernährungsfragen im Alter. Häufig befassen Geriater sich auch mit Fragen der Arzneimitteltherapie von alten Menschen und den Wechselwirkungen, die verschiedene Medikamente haben. Bei der Versorgung geht es darum, den alten Menschen ganzheitlich zu betreuen und ihm dabei zu helfen, so lange wie möglich selbstständig und selbstbestimmt zu leben. Die DGG wurde 1985 gegründet und hat heute rund 1700 Mitglieder.

Tag der Deutschen Einheit: Tätowierungen, Piercings und Körperhaarentfernung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schönheitstrend: Tattoos und Körperhaarentfernungen werden bei den Deutschen immer beliebter

Körpermodifikationen wie Tätowierungen, Piercings und Körperhaarentfernung liegen weiter im Trend, und sie nehmen zu. 

Die Deutschen lieben es, ihre Haut mit Zeichnungen und Schmuck zu verschönern, wie eine aktuelle Studie der Universität Leipzig belegt. 
 
  • Jeder fünfte Deutsche ist tätowiert. Und es werden mehr. 


Die Lust an der Körpermodifikation nimmt vor allem bei Frauen und älteren Menschen zu. 

Rund die Hälfte aller Frauen zwischen 25 und 34 Jahren sind tätowiert, das sind 19 Prozent mehr als im Jahr 2009. In der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen gibt es - im Vergleich zu 2009 - 15 Prozent mehr Tattooträgerinnen. Auch Piercings bleiben vorrangig Frauensache. Rund ein Drittel der Frauen zwischen 14 und 34 Jahren sind gepierct.

  • Bei den gleichaltrigen Männern sind es 14,4 Prozent - das sind dennoch so viele wie noch niemals zuvor in dieser Altersgruppe.

Werteverschiebung

War es früher vor allem die junge Generation, die sich mit Farben und Schmuck die Haut verschönerte, so sind Zeichnungen auf der Haut heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Elmar Brähler, emeritierter Professor für Psychologie an der Universität Leipzig, der gemeinsam mit Dr. Ada Borkenhagen die Erhebung zur Verbreitung von Tätowierungen, Piercing und Körperhaarentfernung in Deutschland initiiert hat, sieht darin eine Werteverschiebung. 

"Früher gehörten Tattoos und Piercings in die Schmuddelecke. Seemänner und Prostituierte waren tätowiert.

Heute gelten Menschen mit Körpermodifikationen als aufgeweckte, interessierte Menschen, die sich zu einer sozialen Gruppe bekennen", sagt Brähler.

Im Herbst 2016 wurden bundesweit 2.510 Personen im Alter zwischen 14 und 94 Jahren befragt.

Die Ergebnisse der Studie wurden mit Befragungen aus den Jahren 2003 und 2009 verglichen.

  • Dabei wurde festgestellt, dass Frauen sowie Männer immer häufiger ihre Körperhaare entfernen. Rasieren, epilieren oder waxen an den Beinen, in den Achselhöhlen und im Genitalbereich ist zur Körpernorm geworden.

Die Arbeit am Körper nimmt stetig zu, und damit wächst auch der Schönheitsmarkt. 

"Körper sollen heute möglichst jugendlich aussehen", erklärt die Psychologin Ada Borkenhagen. 

Aber auch der normative Druck spiele eine Rolle. 

Wenn sich der Großteil der eigenen sozialen Gruppe pierct, tätowiert oder rasiert, dann sei es schwerer, es nicht zu tun. 

Die soziale Herkunft ist ebenfalls von Bedeutung. 

So haben Personen, die ein Tattoo tragen, häufiger einen geringeren Bildungsabschluss, als Menschen ohne eine Tätowierung. 

Die Studie beschreibt, dass der Umgang mit dem eigenen Körper auch immer Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels von Schönheitsidealen ist. 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com









Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Peggy Darius Universität Leipzig
Telefon: 0341-9715798
Fax: 0341-9715789
E-Mail-Adresse: peggy.darius@medizin.uni-leipzig.de

Ritterstraße 26
04109 Leipzig
Deutschland
Sachsen