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Schleimhaut in Mund, Magen, Darm, Auge und Genital

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Forscher finden Reparaturmechanismus für defekte Schleimbestandteile: 

 


Wenn die Spucke wegbleibt


Die Schleimhäute in Mund, Magen, Darm und im Augenbereich bilden eine Schutzschicht, um Reibung und das Eindringen von Fremdkörpern zu verhindern. 

Den Hauptbestandteil des Schleims bilden die sogenannten Mucine, die Wassermoleküle binden. 

Sind die Mucine allerdings beschädigt, können sie diese Eigenschaft verlieren. Wissenschaftler um Prof. Oliver Lieleg von der Technischen Universität München (TUM) haben einen Weg gefunden, die defekten Moleküle wieder zu reparieren. 
 
Ohne Schmierstoffe läuft nichts, das gilt für Maschinen und Menschen gleichermaßen. Unter anderem im Mund, den Augen, Magen, Darm und Genitalbereich besitzen wir daher Schleimhäute, die dafür sorgen, dass es keine zu große Reibung gibt. Schleim (= Mucus) fungiert aber auch als Schutz gegen Umwelteinflüsse wie Chemikalien und Krankheitserreger.

Prof. Oliver Lieleg erforscht mit seiner Arbeitsgruppe am Zentralinstitut für Medizintechnik (IMETUM) an der TUM die grundlegenden Eigenschaften der Mucine, die strukturbildenden Bestandteile des Schleims. In einer aktuellen Studie, die im Journal „Advanced Materials Interfaces“ veröffentlicht wurde, konnten die Wissenschaftler nun zeigen wie Mucine ihre schmierende Wirkung verlieren können.

Gleichzeitig gelang es ihnen, einen Reparaturmechanismus zu entwickeln.

Verlust der schmierenden Wirkung

  • Mucine bestehen aus einem Proteinrückgrat, an das Zuckermoleküle angeheftet sind. Diese Zucker haben die Fähigkeit, Wassermoleküle zu binden und den Mucinen ihre schmierenden Eigenschaften zu verleihen. 

Die TUM-Wissenschaftler zeigten gemeinsam mit Forschern vom Massachusetts Institute of Technology und dem Unternehmen Johnson&Johnson, dass Mucine bei Verlust der Zuckeranteile nicht mehr ausreichend Wasser binden können.

Es gelang den Wissenschaftlern aber, die beschädigten Mucine im Labor erfolgreich zu reparieren, indem sie den verlorenen Zuckeranteil des Moleküls durch synthetische Moleküle ersetzten. Hierdurch wurden sowohl die Fähigkeit der Moleküle Wasser zu binden als auch ihre Schmierwirkung wiederhergestellt.

Künstliches Molekül mit Anker

Bei dem künstlichen Molekül handelt es sich um Polyethylenglycol, an dem die Wissenschaftler noch eine Lectingruppe als „Anker“ angeheftet haben. Dieser Anker sorgt dafür, dass das Molekül an das defekte Mucin gebunden wird. Wurden die Reparatur-Moleküle in eine Lösung mit defekten Mucinen gegeben, bekamen diese ihre schmierenden Eigenschaften zurück.

  • Die Ergebnisse können zu neuen Behandlungsmethoden für Patienten mit defekter Schleimbildung führen. 

  • Einige Pathogene etwa greifen gezielt die Zuckermotive an den Mucinen an, um die Barrierewirkung der Mucin-Schicht zu schwächen.

„Eine denkbare zukünftige Anwendungsform der molekularen Reparaturmotive könnten ein Spray oder Augentropfen sein, so dass die defekten Mucine direkt auf der Schleimhaut wiederhergestellt werden“, sagt Lieleg.


Originalpublikation:

T. Crouzier, K. Boettcher, A.R. Geonnotti, N.L. Kavanaugh, J.B. Hirsch, K. Ribbeck, and O. Lieleg, „Modulating mucin hydration and lubrication by deglycosylation and polyethylene glycol binding“; Advanced Materials Interfaces; DOI: 10.1002/admi.201500308

Link zur Publikation: 

http://dx.doi.org/10.1002/admi.201500308


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Prof. Dr. Oliver Lieleg
Professur für Biomechanik
Technische Universität München
Fakultät für Maschinenwesen und Zentralinstitut für Medizintechnik
oliver.lieleg@tum.de
+49 (0)89-289-10952
Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

Zahntaschen und die zentrale Rolle bei Parodontitis

Medizin am Abend Berlin Fazit:   HZI-Forscher klären neue Mechanismen rund um Parodontitis auf

Parodontitis ist die am weitesten verbreitete Infektionskrankheit auf der Welt. Etwa zehn Prozent aller Menschen sind davon betroffen, im Alter sind es sogar fünfzig Prozent. Parodontitis wird durch einen Biofilm in den Zahntaschen ausgelöst, der sich aus mehreren hundert Bakterienarten zusammensetzt. Wie diese Bakterien zusammenarbeiten, haben nun Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig durch Analyse von rund zehn Millionen aktiven Genen aus Zahntaschen erforscht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in dem neuen open-access Nature Online-Journal „Biofilms and Microbiomes“. 

Probeentnahme aus Zahntasche, Illumina-Sequenzierung (Mitte oben), Treponema-Erreger in der Zahntasche (darunter),  Metabolische Netzwerke.
Probeentnahme aus Zahntasche, Illumina-Sequenzierung (Mitte oben), Treponema-Erreger in der Zahntasche (darunter), Metabolische Netzwerke. (@HZI/ Wagner-Döbler)


  • Im Endstadium führt die Parodontitis zu Zahnverlust und erhöht zudem das Risiko für Herzschlag, Rheuma, Fehlgeburt, Autoimmunkrankheiten und andere systemische Krankheiten.

Um genau zu verstehen, wie eine Parodontitis entsteht, muss man die Aktivität des Biofilms, der sie verursacht, genau analysieren. „Bei den Mikroorganismen handelt es sich sowohl um gut untersuchte Pathogene, als auch um solche, die bisher als Begleitflora betrachtet wurden und als harmlos galten“, sagt Prof. Irene Wagner-Döbler, Leiterin der Arbeitsgruppe Mikrobielle Kommunikation am HZI.

Sie und ihre Kollegen haben eine sogenannte Metatranskriptionsanalyse durchgeführt. Dabei sequenziert man nicht die Erbinformation selber, die DNA, sondern die Messenger-RNA, also die Arbeitskopien der Gene, und zwar sämtlicher aktiven Gene aller Bakterienarten der Periodontaltasche. Diese rund zehn Millionen aktiven Gene wurden anschließend mit bioinformatischen Methoden analysiert. „Entscheidend war dabei, dass wir die Genexpression in Bakteriengemeinschaften von Menschen mit Parodontitis mit derjenigen von gesunden Probanden verglichen haben“, sagt Wagner-Döbler.

  • Dadurch konnten die Wissenschaftler zeigen, dass ein typischer Bewohner der Zahntasche, das Bakterium Prevotella nigrescens, seine Rolle verändert, je nachdem ob eine Paradontitis vorliegt oder nicht. „Sobald eine Parodontitis vorliegt, verwandelt sich das normalerweise harmlose P. nigrescens in ein sogenanntes „accessory pathogen“ und greift den Wirt an, genau wie die bereits bekannten Pathogene“, sagt Wagner-Döbler. 

Die Erkrankung wird dadurch weiter verschlimmert und lässt sich schwerer bekämpfen.

„Ging man bisher davon aus, dass man nur die Leitkeime der Infektion ausschalten muss, um die Krankheit zu besiegen, so deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass das nicht ausreichend sein wird“, sagt Wagner-Döbler.

Eine weitere neue Erkenntnis betrifft die Rolle des oralen Bakteriums Fusobacterium nucleatum, das häufig in Zahntaschen vorkommt.

  • Man hatte vermutet, dass F. nucleatum in einer entzündeten Zahntasche giftige Buttersäure produziert und dadurch zur Parodontitis beiträgt. 

Die Analyse der Genexpression zeigte aber, dass F. nucleatum immer Buttersäure produziert, bei Gesunden ebenso wie bei Kranken.

Bei Kranken tragen allerdings noch eine Reihe anderer Bakterienarten zur Butyratproduktion bei und diese Bakterienart nutzt noch weitere biochemische Stoffwechselwege dafür.

„Auch an diesem wichtigen Prozess sind unseren Ergebnissen zufolge gleich eine ganze Reihe von Bakterien beteiligt, die bisher nicht damit in Verbindung standen“, sagt Wagner-Döbler.

  • Darüber hinaus gelang es den Forschern, Biomarker für Parodontitis zu identifizieren. Biomarker sind charakteristische biologische Merkmale, die objektiv gemessen werden können und auf einen normalen oder krankhaften Prozess im Körper hinweisen. 

„Wir haben drei Gene gefunden, die regelmäßig eine besonders hohe Genexpression zeigten, wenn Patienten an Parodontitis erkrankt waren“, sagt Wagner-Döbler. Diese drei Biomarker könnten nun in einer großen Patienten-Kohorte validiert werden und im Endeffekt ermöglichen, Parodontitis in einem frühen Stadium zu diagnostizieren, so dass eine Therapie sehr viel erfolgreicher wird. Die Forscher haben also zu einem grundsätzlich neuen Verständnis einer polymikrobiellen Biofilmerkrankung beigetragen und einen wesentlichen Schritt hin zu einer früheren Diagnose gemacht.

Originalpublikation:

Szymon P Szafrański , Zhi-Luo Deng, Jürgen Tomasch, Michael Jarek, Sabin Bhuju, Christa Meisinger, Jan Kühnisch , Helena Sztajer, Irene Wagner-Döbler. Functional biomarkers for chronic periodontitis and insights into the roles of Prevotella nigrescens and Fusobacterium nucleatum; a metatranscriptome Analysis. Biofilm and Microbiomes. 2015 Sep 23. 1:15017. DOI 10.1038/npjbiofilms.2015.17

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. An seinem Standort in Braunschweig-Stöckheim blickt das Zentrum auf eine jahrzehntelange Historie zurück. Bereits 1965 begannen hier die ersten Arbeiten; 2015 feiert das HZI 50-jähriges Jubiläum. http://www.helmholtz-hzi.de

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ICOS - Diagnostischen Marker für Sarkoidose

Medizin am Abend Berlin Fazit:      Zünglein an der Waage bei Sarkoidose-Patienten entdeckt

HZI-Forscher machen wichtige Entdeckung für Prognose und Therapie von Sarkoidose

In Deutschland leben etwa 32.000 bis 40.000 Menschen mit einer Sarkoidose. 


Diese Erkrankung macht sich meist durch knotenförmige Gewebeveränderungen bemerkbar und betrifft vor allem die Lungen. 

Mediziner unterscheiden zwischen akuter oder chronischer Sarkoidose, die Ursache ist jedoch in beiden Fällen ungeklärt. 
 
Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben nun ein Molekül identifiziert, das darüber Auskunft gibt, welche der beiden Krankheitsverläufe wahrscheinlich ist und das darüber hinaus therapeutisches Potential besitzt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Journal „Clinical and Experimental Immunology“. 


Röntgenaufnahmen der Lunge eines Sarkoidose-Patienten.
 Röntgenaufnahmen der Lunge eines Sarkoidose-Patienten. HZI


Sarkoidose ist eine entzündliche Erkrankung, die in zwei Formen auftreten kann. 

  • Die chronische Sarkoidose ist mit etwa 95 Prozent die häufigere. Rund die Hälfte aller Fälle bleibt symptomfrei.
  •  Die akute Sarkoidose, das sogenannte Löfgren-Syndrom, tritt sehr plötzlich auf und macht sich unter anderem durch Hautveränderungen und Lymphknotenschwellungen bemerkbar. Was die Erkrankung verursacht, ist bisher unbekannt.

„Wir wissen aber seit mehreren Jahren, dass Patienten eine reduzierte Anzahl regulatorischer T-Zellen und eine vergleichsweise hohe Anzahl aktivierter T-Helferzellen in der Lunge aufweisen“, sagt Prof. Dunja Bruder, Leiterin der Arbeitsgruppe „Immunregulation“ am HZI und Professorin für Infektionsimmunologie an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. „Auf diese Erkenntnis haben wir uns bei der Suche nach einem prognostischen Marker gestützt.“

  • T-Zellen übernehmen im Immunsystem verschiedene Funktionen bei der Erkennung und Abwehr von Eindringlingen.
  • Während die sogenannten regulatorischen T-Zellen verhindern, dass versehentlich intaktes körpereigenes Gewebe angegriffen wird, unterstützen T-Helferzellen hingegen die Funktion anderer Abwehrzellen.

Gemeinsam mit dem Team von Prof. Jan Wahlström, ebenfalls Letztautor der Studie, vom Karolinska Institut in Stockholm, Schweden, analysierten Bruder und ihr Team die Ausprägung des eng mit der T-Zellfunktion in Verbindung stehenden Moleküls ICOS bei Sarkoidose-Patienten. ICOS verstärkt die Wirkung von regulatorischen T-Zellen und die Forscher können diesen Zelltyp daran erkennen. „Wir konnten zeigen, dass die Anzahl von ICOS-Molekülen auf den regulatorischen T-Zellen insbesondere bei Patienten mit Löfgren-Syndrom in der erkrankten Lunge stark erhöht war“, sagt Dr. Priya Sakthivel, Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin in der Arbeitsgruppe von Bruder am HZI. „Im Blut der Patienten hingegen war das Level identisch mit dem von gesunden Menschen.“
  • Eine besonders hohe Konzentration von ICOS auf regulatorischen T-Zellen deutet also zum einen auf einen akuten Sarkoidose-Verlauf hin und könnte darüber hinaus sogar im ursächlichen Zusammenhang damit stehen, dass sich die Krankheitszeichen bei Patienten mit Löfgren-Syndrom auch ohne Behandlung wieder zurückbilden.  

„Wir haben damit erstmals einen diagnostischen Marker für Sarkoidose gefunden“, sagt Bruder. „Ein erster Schritt, um mehr über die Krankheit und ihre Ausprägung zu erfahren.“

Zumal ICOS auch noch in anderer Hinsicht von Interesse ist: „In einer früheren Studie mit Influenza-Viren haben wir gezeigt, dass ICOS von außen gezielt aktiviert und so der Verlauf der Infektion abgemildert werden kann. Durch gezielte therapeutische Manipulation können T-Zellen, die das Molekül tragen, neue Funktionen erlangen und eine völlig neue Wirkung auf seine Umgebung entfalten“, sagt Sakthivel. Dadurch wird ICOS auch für therapeutische Zwecke interessant.

Dank gezielter Aktivierung des Moleküls könnte sich die Wirkung regulatorischer T-Zellen beeinflussen lassen und damit auch der Verlauf der Sarkoidose-Erkrankung.

Originalpublikation:
Priya Sakthivel1,Johan Grunewald, Anders Eklund, Dunja Bruder andJan Wahlström
Pulmonary sarcoidosis is associated with high-level ICOS expression on lung regulatory T cells - possible implications for the ICOS/ICOS-L axis in disease course and resolution
Clinical & Experimental Immunology, DOI: 10.1111/cei.12715

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:

Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. An seinem Standort in Braunschweig-Stöckheim blickt das Zentrum auf eine jahrzehntelange Historie zurück. Bereits 1965 begannen hier die ersten Arbeiten; 2015 feiert das HZI 50-jähriges Jubiläum. http://www.helmholtz-hzi.de

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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/cei.12715/abstract - Link zur Originalpublikation

360°TOP-Thema: Harnsteine - Nierenstein - Steinbildung: Eine konsequente Nachsorge

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Harnsteine schnell analysieren

Harnsteine gehören allgemein zu den häufigsten Erkrankungen. Eine konsequente Nachsorge kann der erneuten Steinbildung nach der Operation vorbeugen. 

Hierfür muss jedoch die Zusammensetzung des Steins bekannt sein. Fraunhofer-Forscher entwickeln ein System, das die direkte Analyse nach dem Eingriff erlaubt. 
 
Immer mehr Deutsche leiden an Harnsteinen, die mitunter auch als Nierensteine bezeichnet werden. Die Zahl der Neuerkrankungen hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Harnsteine sind oft nicht größer als ein Reiskorn, einige wachsen jedoch auf einen Durchmesser von mehreren Zentimetern an. Bleiben sie im Harnleiter stecken, verursachen sie kolikartige Schmerzen.

  • Lassen sie sich nicht auflösen, werden sie per Stoßwellen behandelt oder minimalinvasiv per Endoskop zertrümmert und entfernt.


Das neue Diagnosesystem ermöglicht die OP-begleitende Analyse von Harnsteinen.


 Das neue Diagnosesystem ermöglicht die OP-begleitende Analyse von Harnsteinen. © Fraunhofer IPM

  • Bei vielen Patienten tritt das Leiden nach einer Behandlung erneut auf. Laut wissenschaftlichen Studien kann eine konsequente Nachsorge die erneute Bildung von Steinen um 50 Prozent verringern. Empfehlungen zur Änderung der Ernährung oder zur medikamentösen Prävention basieren auf der Zusammensetzung des Steins. 
  • Forscher vom Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM entwickeln im Auftrag eines Industriepartners ein Mess- und Diagnosesystem, das die schnelle, automatisierte Analyse und somit eine maßgeschneiderte Nachsorge nach der Zertrümmerung ermöglicht. Dabei arbeiten sie eng mit der Sektion Urotechnologie an der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Freiburg zusammen.
  • »Nur sehr wenige Patienten mit Harnsteinerkrankung erhalten eine umfassende Anschlussdiagnostik und Beratung nach der Behandlung«, weiß Dr. Arkadiusz Miernik, Arzt und Wissenschaftler am IPM. Der Grund: Die derzeit angewendeten konventionellen Technologien wie beispielsweise die Infrarotspektroskopie sind kostenintensiv und aufwändig. Sie erfordern die Vorbereitung der Steinproben und werden von Speziallaboren durchgeführt. Da jedoch nur wenige Zentren die Analyse anbieten, beträgt die Wartezeit zum vorliegenden Ergebnis bis zu drei Wochen. 
  • »In der Zwischenzeit ist der Patient entlassen, in der Regel zunächst beschwerdefrei und kommt nicht wieder zum Arzt. 

Zwar wird ihm empfohlen, regelmäßig ausreichend zu trinken, sich körperlich zu bewegen und eventuell vorhandenes Übergewicht abzubauen. Ein ausführliches Abschlussgespräch bezüglich weiterer vorbeugender Maßnahmen einschließlich Analyse des individuellen Risikoprofils findet in der Regel nicht statt«, sagt Miernik.

  • Bestimmte Harnsteine entstehen jedoch aufgrund von Stoffwechselstörungen. Durch eine Steinanalyse lassen sich einige davon aufdecken – der Patient könnte somit auch medikamentös behandelt werden.

Vorbereitung der Steinproben entfällt

Miernik und sein Team setzen bei der Analyse auf die Ramanspektroskopie. Sie ermöglicht eine schnelle Charakterisierung und unterscheidet die verschiedenen Steintypen eindeutig. Die Methode liefert für jedes Probenmolekül ein charakteristisches Spektrum im sichtbaren Wellenlängenbereich – einen »chemischen Fingerabdruck« des untersuchten Materials. »Die Proben werden mit Laserlicht behandelt. Dabei strahlt etwa ein Prozent der Photonen mit einem probenspezifischen Wellenspektrum zurück. Die ermittelten Spektren listen wir in einer Datenbank auf«, erklärt Miernik. Die bei der Ramanspektroskopie entstehende störende Hintergrundfluoreszenz konnten die Forscher softwareseitig extrahieren.

Die Methode kommt mit vergleichsweise günstigen optischen Komponenten aus und funktioniert auch bei nassen Proben. Die bisher erforderliche aufwändige Präparation entfällt.

»Normalerweise müssen die Steine vor der Untersuchung getrocknet und pulverisiert werden. Das ist mit unserem Mess- und Diagnosesystem nicht nötig. 

Die direkt bei dem Eingriff entnommenen Proben müssen nicht weiter zerkleinert werden, man kann sie theoretisch sofort in das Ramanspektrometer legen und analysieren«, erläutert Miernik.

  • Zwar gibt es einige wenige Speziallabore, die das Verfahren mit großen Analysegeräten bereits durchführen könnten. Doch ein kliniktaugliches kompaktes Gerät, das eine sofortige, automatisierte Diagnostik erlaubt, existiert bis dato nicht.

Das Messsystem der IPM-Forscher liegt bereits als Prototyp vor. Die Wissenschaftler haben sowohl die Hard- als auch die Software entwickelt. Es muss allerdings noch kompakter gebaut und miniaturisiert werden, bevor es zur Marktreife gelangt. Die Besonderheit des Systems ist die spektrale Datenbank, mit der die Experten zunächst die Hintergrundfluoreszenz herausrechnen und dann automatisiert die Spektren identifizieren. Die Datenbank basiert auf den Daten von neun Reinstoffen, aus denen Harnsteine zu 99 Prozent bestehen. Um die Software etablieren zu können, untersuchten die Forscher in der ersten Validierungsphase knapp 160 Harnsteinproben. Ein Referenzlabor bestätigte die Messergebnisse per Infrarotspektroskopie.

»Sobald das komplette System kliniktauglich ist, können Ärzte die Steinproben ihrer Patienten mit der Datenbank abgleichen und diagnostizieren«, so Miernik.

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Britta Widmann
Telefon: (089) 1205 - 1302
E-Mail-Adresse: britta.widmann@zv.fraunhofer.de

Chemikalie PFT: Vergiftetes Grundwasser fließt in den Rhein

WAZ: PFT-Skandal in Düsseldorf - Vergiftetes Grundwasser fließt in den Rhein

  • Die auf den Düsseldorfer Flughafen zurückgeführte Verseuchung mit der Chemikalie PFT entlädt sich jetzt in den Rhein. 
Das berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ, Samstagausgabe). Danach hat ein Giftteppich mit hohen Konzentrationen des als krebserregend geltenden Stoffes den Fluss erreicht. Entsprechende Informationen der WAZ bestätigte die Stadt Düsseldorf. Maßnahmen, die den giftigen Zustrom stoppen sollen, greifen frühestens 2016.

  • Es ist eine der bundesweit größten PFT-Kontaminationen: 

In den Düsseldorfer Stadtteilen Kaiserswerth und Lohausen sind 8,5 Quadratkilometer mit perfluorierten Tensiden (PFT) verseucht - eine Fläche von 1700 Fußballfeldern.

  • Das Gift steckte in Schäumen, mit denen die Düsseldorfer Flughafen-Feuerwehr jahrelang löschte und übte. 

Die Chemikalie sickerte ins Erdreich und breitet sich über das Grundwasser aus. Das Problem ist seit 2007 bekannt. Heute liegen PFT-Spitzen im Wasser und im Boden tausendfach über Richtwerten, berichtet die WAZ. Die Lage sei bereits "unbeherrschbar und unumkehrbar, ein GAU ersten Ranges", sagte Claudia Baitinger vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der WAZ. "Hier ist Gefahr im Verzug." Der PFT-Eintrag in den Fluss müsse "sofort gestoppt werden", um "eine flächendeckende Kontamination des Rhein-Ökosystems bis zur Mündung" zu verhindern. Der PFT-Eintrag in die Nordsee verstoße gegen Völkerrecht. "Das Mäntelchen des Schweigens auszubreiten, mit Rücksicht auf wirtschaftliche Belange des Flughafens", verbiete sich. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) macht den Flughafen und die Stadt Düsseldorf, Gesellschafterin des Airports, für die Zuspitzung verantwortlich. Vor einem Jahr habe er beide Seiten "unmissverständlich aufgefordert, ein Sanierungskonzept zu entwickeln und unmittelbar umzusetzen". Bis heute gebe es erst einen Entwurf. Danach soll Anfang 2016 kein PFT-haltiges Grundwasser mehr vom Flughafen abströmen. Wann die restliche Sanierung folge und wie lange sie laufe, sei ungewiss, so die Stadt. Die Kosten müsse der Airport tragen. Der spricht von "einem guten, aber langen Weg". Joachim Marzinkowski, Umweltchemie-Professor an der Bergischen Universität Wuppertal, geht davon aus, "dass uns dieses Thema noch 50 Jahre beschäftigen wird". Unterdessen sieht sich der Düsseldorfer Flughafen mit einer privaten Millionenklage konfrontiert. Ein Betroffener verlangt Schadensersatz für den Wertverlust seines verseuchten Grundstücks, berichtet die WAZ.

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http://www.waz.de
 
Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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Arbeitsmedizin/Umweltmedizin: Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Medizin am Abend Berlin Fazit:   

 

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, erstellt von der AG Psychische Gesundheit in der Arbeit der DGAUM

In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Handbücher bzw. Handlungshilfen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, kurz „Psychische Gefährdungsbeurteilung“ oder „GB-Psych“. Diese verweisen auf prinzipielle Voraussetzungen, Grundsätze und Anforderungen in der Durchführung dieser Gefährdungsbeurteilungen. 



Hier zum Fachbereich:



Zentrale Schritte einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Dennoch stehen Arbeitsmediziner und Betriebsärzte in der Praxis vor der beträchtlichen Herausforderung, den komplexen Prozess der GB-Psych in fachgerechter und einheitlicher Form in der betrieblichen Praxis umzusetzen bzw. beratend zu begleiten.

Das neue Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), erstellt von der AG Psychische Gesundheit in der Arbeit der Fachgesellschaft stellt übergeordnete Empfehlungen zur effektiven Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen vor.

  • Insbesondere richten sich die DGAUM-Empfehlungen an Arbeitsmediziner und Betriebsärzte sowie betriebliche Verantwortliche, die den Auftrag erhalten haben, zur Konzeption und praktischen Durchführung einer GB-Psych im Unternehmen beizutragen, oder diese mitverantworten. 

Ziel ist, zentrale Erfolgsfaktoren und Handlungsschritte zur effektiven Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen aufzuführen. Dazu wurden bei einem Expertentreffen der Arbeitsgruppe „Psychische Gesundheit in der Arbeit“ der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) die im Positionspapier dargestellten Empfehlungen zusammengetragen und vereinheitlicht.

  • Diese neun Empfehlungen sollen den Betriebsärzten nun eine Handlungshilfe in der Vorbereitung, Planung und Durchführung einer GB-Psych sein.

Die DGAUM wurde 1962 gegründet und ist eine gemeinnützige, wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft der Arbeitsmedizin und der klinisch orientierten Umweltmedizin. Ihr gehören heute fast 1.000 Mitglieder an, die auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin und Umweltmedizin arbeiten, vor allem Ärztinnen und Ärzte, aber auch Angehörige anderer Berufsgruppen wie etwa Natur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die Mitglieder der Fachgesellschaft engagieren sich nicht nur in Wissenschaft und Forschung, um so bereits bestehende Konzepte für die Prävention, die Diagnostik und Therapie kontinuierlich zu verbessern, sondern sie übernehmen die ärztliche und medizinische Beratung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an der Schnittstelle von Individuum und Unternehmen. Darüber hinaus beraten die Mitglieder der DGAUM alle Akteure, die ihren Beitrag zu der medizinischen Versorgung leisten und auf Fachwissen aus der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention, der arbeits- und umweltbezogenen Diagnostik und Therapie, der Beschäftigungsfähigkeit fördernden Rehabilitation sowie aus dem versicherungsmedizinischen Kontext angewiesen sind.

Die DGAUM-Empfehlungen zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen sind Online verfügbar unter: http://www.dgaum.de


Medizin am Abend Berlin DirekKontakt:

Prof. Dr. med. Peter Angerer
Leiter der AG Psychische Gesundheit bei der Arbeit der DGAUM
Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsstraße 1
D-40225 Düsseldorf
Tel.: +49 (0) 211 / 81 14 72 1
Fax: +49 (0) 211 / 81 15 33 4
E-Mail: peter.angerer@uni-duesseldorf.de
Dr. Thomas Nesseler 
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.


Stillen: Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Stillen gehört zum Leben

Anlässlich der Weltstillwoche empfiehlt die Nationale Stillkommission am BfR Maßnahmen, um Müttern das Stillen in der Öffentlichkeit zu erleichtern 
 
  • Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge: Sie ist gut verdaulich, enthält Abwehrstoffe, ist immer verfügbar, hygienisch einwandfrei, richtig temperiert und muss nicht zubereitet werden. 

Stillende Mütter sind daher unabhängig und könnten ihre Säuglinge jederzeit und an jedem Ort bei Bedarf stillen.

Die Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt deswegen Maßnahmen, um die Akzeptanz des Stillens in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Das Stillen sollte sowohl im beruflichen Umfeld als auch im täglichen Leben möglich sein.

Das diesjährige Motto der Weltstillwoche lautet „Stillen und Beruf - gemeinsam geht’s!"

Stillen sollte für berufstätige Mütter kein Hindernis sein, ihrem Beruf nachzugehen. Auch sollte die Rückkehr in den Beruf kein Grund zum Abstillen sein. Die praktische Umsetzung ist allerdings nicht immer leicht.
,
  • Das deutsche Mutterschutzgesetz gibt den rechtlichen Rahmen für den Schutz der stillenden Mütter am Arbeitsplatz vor. 

Der Gesetzgeber erkennt damit die besondere Schutzbedürftigkeit der berufstätigen stillenden Mutter und gleichzeitig auch die besondere Schutzwürdigkeit des Stillens an.

  • Die Nationale Stillkommission hat praktische Hinweise zusammengefasst, wie Berufstätigkeit und Stillen miteinander vereinbart werden können.

Stillen und Berufstätigkeit

http://www.bfr.bund.de/cm/343/stillen_und_berufstaetigkeit.pdf

Mütter sollten ihre Säuglinge zu jeder Zeit an jedem Ort stillen können. Damit dies möglich ist, empfiehlt die Nationale Stillkommission, den Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit zu verbessern und die öffentliche Akzeptanz durch Aufklärung und weitere Initiativen, wie zum Beispiel öffentliche Stillräume, zu fördern.

Stillen in der Öffentlichkeit sollte ungestört möglich sein

http://www.bfr.bund.de/cm/343/stillen-in-der-oeffentlichkeit-sollte-ungestoert-m...

Die Nationale Stillkommission wurde 1994 mit dem Ziel gegründet, die Entwicklung einer neuen Stillkultur in der Bundesrepublik Deutschland zu unterstützen und dazu beizutragen, dass Stillen zur normalen Ernährung für Säuglinge wird. Der Kommission gehören Mitglieder aus medizinischen Berufsverbänden und Organisationen an, die sich für die Förderung des Stillens in Deutschland einsetzen.

Weitere Informationen zur Arbeit der Nationalen Stillkommission sind auf der folgenden Website veröffentlicht:

http://www.bfr.bund.de/de/nationale_stillkommission-2404.html


 
Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Max-Dohrn-Str. 8-10
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Deutschland
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Dr. Suzan Fiack
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E-Mail-Adresse: newsletter@bfr.bund.de

360° TOP-Thema: Was kostet Lungenkrebs?

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Lungenkrebs 

Ist mit jährlich über 50.000 Neuerkrankungen eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Trotzdem liegen bis dato kaum Zahlen zur Versorgungssituation der Betroffenen und den damit verbundenen Kosten vor. Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München haben nun anhand von umfangreichen Krankenkassendaten untersucht, was die Erkrankung kostet und welche Behandlung die beste Prognose hat. Die Ergebnisse sind im Fachjournal ‚Lung Cancer‘ erschienen. 

 

Dr. Larissa Schwarzkopf und Prof. Reiner Leidl
 Dr. Larissa Schwarzkopf und Prof. Reiner Leidl
Quelle: Helmholtz Zentrum München (HMGU)
 
Die Wissenschaftler um Dr. Larissa Schwarzkopf und Prof. Reiner Leidl vom Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen untersuchten dafür die Daten von über 17.000 Lungenkrebspatienten (ca. 12.000 Männer und ca. 5.000 Frauen). „Unsere Ergebnisse beruhen auf den bundesweiten Leistungsdaten der AOK. Erfasst wurden Lungenkrebsfälle aus dem Jahr 2009, deren Entwicklung dann über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet wurde“, erklärt die Erstautorin Larissa Schwarzkopf.

  •  Dabei registrierten die Wissenschaftler Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen.

20.000 Euro pro Patient


Die Forscher vom Helmholtz Zentrum München, die auch Teil des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) sind, fanden heraus, dass die höchsten Kosten in den ersten sechs Monaten nach der Diagnose anfallen. Dies sei vor allem bedingt durch einen stationären Aufenthalt der Betroffenen, so die Forscher.

  • Ambulante onkologische Betreuung spiele demnach eine untergeordnete Rolle. Der durchschnittliche finanzielle Aufwand pro Fall von Lungenkrebs betrug etwa 20.000 Euro. Je nach Art der Behandlung variiert dieser Wert aber sehr stark.* 

  • Auffällig: etwa ein Fünftel der Patienten erhielt keine krebsspezifische Therapie.

Prognose bei OP am besten


Insgesamt stellten die Wissenschaftler fest, dass etwa ein Drittel der Patienten durch eine Operation behandelt wurde. Die Prognose dieser Gruppe war im Vergleich mit anderen Behandlungsarten wie Bestrahlung oder Chemotherapie (insgesamt knapp 47% der Betroffenen) deutlich besser. Die Experten geben allerdings zu bedenken, dass nicht in jedem Fall ein operativer Eingriff möglich oder sinnvoll ist. In diesem Zusammenhang gewinnt nach Ansicht des Forscherteams die Weiterentwicklung von Früherkennungsmaßnahmen an Bedeutung. 

Medizin am Abend Berlin Fachlink - Hinweis

Denn auf diese Weise erhöht sich die Chance einer Diagnosestellung in einem noch operablen Krankheitsstadium.

„Diese Ergebnisse sind ein erster Schritt zu einem besseren Verständnis der Versorgungs- und Kostenstrukturen bei Lungenkrebs in Deutschland und bilden eine wichtige Referenz“, so Studienleiter Reiner Leidl. „Für eine bessere Einschätzung der Versorgungsrealität wäre darüber hinaus eine genauere Untersuchung der angewendeten Arzneimitteltherapie von Interesse.“ Hierfür wollen die Wissenschaftler weitere Daten erheben. Die Arzneimitteltherapie in der Onkologie befindet sich in einem laufenden Wandel, so Schwarzkopf: „Erst gegen Ende des Studienzeitraums kamen moderne, gezielte Therapieansätze wie monoklonale Antikörper in die Versorgung. Diese Therapieansätze spielen – therapeutisch und ökonomisch – eine zunehmend wichtige Rolle. Hier würde sich ein künftiger Vergleich mit unseren Referenzdaten anbieten.“

Weitere Informationen

Hintergrund:
* Während die Strahlentherapie und die Operation mit etwa 26.000 beziehungsweise 20.000 Euro zu Buche schlugen, gab es auch Patienten, die keine spezifische Therapie erhielten und für die lediglich 4.200 Euro aufgewendet wurden. Pro Jahr, was die Patienten überlebten, beliefen sich die Kosten im Schnitt auf 15.500 Euro.

Original-Publikation:

Schwarzkopf, l. et al. (2015). Cost-components of lung cancer care within the first three years after initial diagnosis in context of different treatment regimens, Lung Cancer, DOI: 10.1016/j.lungcan.2015.09.005

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. http://www.helmholtz-muenchen.de/index.html

Das Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) untersucht Ansätze zur Verbesserung der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung. Das Gesundheitssystem steht vor der Herausforderung, allen Bürgern eine qualitativ hochwertige und finanziell tragbare medizinische Versorgung zu gewährleisten. Der rasche medizinisch-technische Fortschritt und die demographischen Veränderungen verschärfen das beschriebene Spannungsverhältnis. Eine fundierte Evaluation der Strukturen und Prozesse der gesundheitlichen Versorgung unter den Gesichtspunkten von Effektivität und Effizienz ist eine unabdingbare Voraussetzung für rationales Handeln. http://www.helmholtz-muenchen.de/igm/index.html

Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) ist ein nationaler Verbund, der Experten auf dem Gebiet der Lungenforschung bündelt und Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung verzahnt. Standorte sind Borstel/Lübeck/Kiel/Großhansdorf, Gießen/Marburg/Bad Nauheim, Hannover, Heidelberg und München. Ziel des DZL ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Erforschung von Lungenkrankheiten zu finden und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie zu leisten. http://www.dzl.de/index.php/de/

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Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2238 - Fax: +49 89 3187 3324 -

Dr. Larissa Schwarzkopf, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Nachwuchsgruppe Economics and Management of Lung Diseases, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 3994 - E-Mail: l.schwarzkopf@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0169500215300490 - Link zur Original-Publikation

Charité - Neuer Leiter der Neuroradiologie Prof. Dr. Thomas Liebig (interventionelle Behandlung von Schlaganfällen)

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Neuer Leiter der Neuroradiologie


Prof. Dr. Thomas Liebig leitet ab heute das Institut für Neuroradiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Gleichzeitig übernimmt er die Professur für Neuroradiologie. Der 50-jährige Mediziner hat sich auf die interventionelle Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert.

  • „Mein wissenschaftliches Interesse gilt insbesondere der interventionellen Behandlung von Aneurysmen und Gefäßfehlbildungen des Gehirns sowie der modernen Schlaganfalltherapie“, sagt Prof. Liebig. Der Radiologe hat mit seiner Arbeit entscheidende Impulse zur Etablierung der Thrombektomie in der Schlaganfallbehandlung gegeben. 

 Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink:   https://www.sqg.de/startseite

Bei diesem Verfahren entfernen Mediziner mithilfe eines Katheters ein Blutgerinnsel aus einem Hirngefäß. „Eine erfolgreich durchgeführte Thrombektomie führt bei vielen Patienten zu raschen Genesungsfortschritten, die allein durch die medikamentöse Standardtherapie kaum zu erreichen ist“, hebt Prof. Liebig hervor.

  • Weiterhin entwickelte er gemeinsam mit US-Forschern ein neuartiges Kontrastmittel für die Kernspintomografie.

Der gebürtige Bremer absolvierte von 1986 bis 1993 ein Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover mit Auslandsaufenthalten an der University of Florida und der Harvard Medical School. Nach einer fünfjährigen wissenschaftlichen Mitarbeit in den Kliniken für Radiologie und Neurochirurgie der Charité legte er im Jahr 2000 seine Facharztprüfung in der diagnostischen Radiologie ab.

Der Mediziner leitete bis vor kurzem die Neuroradiologie am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Uniklinik Köln und kehrt jetzt an die Charité zurück.


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Prof. Dr. Thomas Liebig
Leiter des Instituts für Neuroradiologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 527 102


Die mechanische Thrombektomie:

Medizin am Abend Berlin Fazit:     Eine Revolution in der Schlaganfalltherapie

Gleich fünf positive Studien innerhalb eines Jahres brachten bei schweren Schlaganfällen so eindeutige Vorteile der mechanischen Thrombektomie, dass vier von ihnen aus ethischen Gründen vorzeitig abgebrochen werden mussten. „Die Ergebnisse sind so klar, dass derzeit von einer Revolution in der Schlaganfalltherapie gesprochen wird“, sagte Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie  auf dem 88. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Düsseldorf. Er erklärt die Entwicklung, wie es dazu kam und worin die Herausforderung für die Patientenversorgung besteht. 

Die mechanische Thrombektomie
 Die mechanische Thrombektomie (c) Covidien


Als ich 1975 meine Facharztausbildung zum Neurologen begann, war der Schlaganfall das ungeliebte Kind in der Neurologie. Da es keine Bildgebung gab, war es nicht möglich, zwischen cerebralen Ischämien und Blutungen zu unterscheiden. Die meisten Patienten mit Schlaganfall wurden in einer Klinik für Innere Medizin abgelegt. Dann wurde abgewartet, ob der Patient das Ereignis überlebt oder nicht.

Erfolgsgeschichte Stroke Unit

In den Folgejahren realisierten die Neurologen, dass es sich beim Schlaganfall um eine Erkrankung des Gehirns handelt, und begannen damit, sich aktiv um das Krankheitsbild zu kümmern. 1994 wurde die erste Stroke Unit (SU) in Deutschland in Essen eröffnet, und es stellte sich rasch heraus, dass durch eine Behandlung auf der Stroke Unit sowohl bei cerebralen Ischämien wie auch bei cerebralen Blutungen die Mortalität und die permanente Morbidität signifikant reduziert werden können. Heute existieren in Deutschland 256 zertifizierte Stroke Units. 107 von ihnen sind überregionale SU, die technisch und personell besser ausgestattet sind und die weiteren 159 regionalen SU bei der Behandlung unterstützen. Das System der Stroke Units in Kombination mit den neuen Behandlungsoptionen rettet heute jedes Jahr Zehntausenden Menschen das Leben und bewahrt unzählige Patienten vor schwersten Behinderungen.

Denn im Jahr 2002 wurde die systemische Thrombolyse mit rt-PA in einem Zeitfenster von drei Stunden innerhalb der europäischen Union zugelassen. Damit gab es zwei wissenschaftlich belegte Therapien für den akuten Schlaganfall.

  • Ein Nachteil der systemischen Thrombolyse war, dass es bei Verschlüssen der großen proximalen Hirnarterien wie der distalen Arteria carotis interna und der proximalen Arteria cerebri media nur bei der Hälfte der Patienten zu einer Rekanalisierung mit entsprechender klinischer Verbesserung kommt.

Großer Erfolg nach ersten Enttäuschungen

Ein wesentlicher technischer Fortschritt war die Entwicklung von Katheter-Systemen, mit denen es gelang, ähnlich wie in der Kardiologie, eine Thrombektomie durchzuführen. Die ersten drei randomisierten Studien, die diese Therapie untersuchten, verliefen allerdings negativ, was auf einer Vielzahl von methodischen Mängeln dieser Studien beruhte. In der Folgezeit wurden dann fünf große randomisierte Studien begonnen bei Patienten mit distalen Verschlüssen der Arteria carotis interna und der proximalen Arteria cerebri media, in denen eine systemische Thrombolyse im Zeitfenster von 4,5 Stunden mit einer systemischen Thrombolyse und zusätzlicher Thrombektomie mit einem sogenannten Stent-Retriever untersucht wurde.

Alle fünf Studien brachten innerhalb eines knappen Jahres positive Ergebnisse, und vier der Studien mussten wegen eindeutiger Überlegenheit der Thrombektomie vorzeitig abgebrochen werden. Nimmt man die fünf Studien mit ihren 633 Patienten mit Thrombektomie zusammen und vergleicht die Ergebnisse mit den 650 Patienten mit systemischer Thrombolyse, führte die Thrombektomie zu einer 2,42-fachen Wahrscheinlichkeit, den Schlaganfall nur mit minimalen neurologischen Ausfällen zu überleben. Bezüglich der Sterblichkeit ergab sich ein positiver Trend, und es bestanden keine erhöhten Raten an intrakraniellen Blutungen. Mit den Ergebnissen dieser fünf positiven Studien ist ein wichtiger Meilenstein in der Schlaganfalltherapie erreicht worden.

  • Im Gegensatz zur systemischen Thrombolyse, bei der die Rekanalisationsraten zwischen 40 und 50 % liegen, wurden hier Rekanalisationsraten von 70 bis 90 % erreicht.

Die flächendeckende Versorgung

Die gesundheitspolitische Herausforderung wird sein, die Versorgung von Schlaganfallpatienten in Stroke Units und Schlaganfallzentren so zu organisieren, dass möglichst viele Patienten von dieser neuen Therapie profitieren. Vor allem gilt es sicherzustellen, dass die rund 10.000 zusätzlichen radiologisch-interventionellen Eingriffe pro Jahr auch wirklich mit der notwendigen hohen Qualität durchgeführt werden können.

Referenzen
• Saver JL, Goyal M, Bonafe A, Diener HC, Levy EI, Pereira VM et al. Stent-Retriever Thrombectomy after Intravenous t-PA vs. t-PA Alone in Stroke. N Engl J Med. 2015
• Jovin TG, Chamorro A, Cobo E, de Miquel MA, Molina CA, Rovira A et al. Thrombectomy within 8 Hours after Symptom Onset in Ischemic Stroke. N Engl J Med. 2015
• Campbell BC, Mitchell PJ, Kleinig TJ, Dewey HM, Churilov L, Yassi N et al. Endovascular Therapy for Ischemic Stroke with Perfusion-Imaging Selection. N Engl J Med. 2015
• Goyal M, Demchuk AM, Menon BK, Eesa M, Rempel JL, Thornton J et al. Randomized Assessment of Rapid Endovascular Treatment of Ischemic Stroke. N Engl J Med. 2015
• Berkhemer OA, Fransen PS, Beumer D, van den Berg LA, Lingsma HF, Yoo AJ et al. A randomized trial of intraarterial treatment for acute ischemic stroke. N Engl J Med. 2015; 372(1): 11–20




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Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen
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Tel.: +49 (0) 201 7232460
E-Mail: h.diener@uni-essen.de

Deutschen Gesellschaft für Neurologie
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Englmannstr. 2, 81673 München
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Tel.: +49 (0) 89 46148622
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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren rund 8000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.

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3. Vorsitzender: Prof. Dr. Gereon R. Fink
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