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Professor Dr. med. Dr. h.c. Nikolaos E. Bechrakis: Augenkrebs: Der häufigste bösartige Tumor – das Aderhautmelanom

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Augentumore bei Kindern und Erwachsenen: Gefährlich, aber früh erkannt inzwischen besser heilbar

Augen-Tumoren sind selten, können aber unerkannt zum Tode führen. 

  • Der häufigste bösartige Tumor – das Aderhautmelanom – tritt meist im höheren Lebensalter auf. 
  • Bei Kindern bilden sich maligne Tumore meist als Retinoblastome aus den Netzhaut-Zellen. 

In den vergangenen Jahren führten bessere Frühdiagnostik und Therapieoptionen zu erheblichen Fortschritten in der Behandlung beider Tumorarten. 

Welche dies sind und wie die Heilungsaussichten bei diesen Tumorarten aussehen, berichten Experten am 21. September 2023 auf der Online-Konferenz der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), die anlässlich des Jahreskongresses der Fachgesellschaft in Berlin stattfindet.

Augenkrebs ist eher selten und daher wenig beachtet. 

  • Da Tumore im Augeninneren häufig erst spät erkannt werden, können diese nicht nur das Augenlicht gefährden, sondern auch lebensgefährlich sein. 

„Es ist daher wichtig, diese Augenerkrankungen trotz ihrer Seltenheit im Blick zu behalten. 

Zum Glück haben sich die Möglichkeiten der Früherkennung in den letzten Jahren deutlich verbessert!“, erklärt Professor Dr. med. Dr. h.c. Nikolaos E. Bechrakis, Präsident der DOG und Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Essen. 

  • So lassen sich Tumore mit modernen Früherkennungsmethoden erkennen und behandeln, bevor die Gefahr für die Sehkraft und das Leben Krebs-Betroffener zu groß werden.

Aderhautmelanom: häufigster Augenkrebs im Erwachsenenalter
In Deutschland erkranken jährlich bis zu 700 Menschen am Aderhaut-Melanom. 

  • Die Aderhaut ist die Schicht zwischen Netzhaut und Lederhaut, in der zahlreiche Zellen liegen, die für die Nährstoffversorgung der Netzhaut wichtig sind. 

„Zu erkennen ist der Tumor durch eine bräunliche Pigmentierung der Aderhaut und tritt meist zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr auf“, führt Bechrakis aus. 

Kritisch ist, dass diese Tumorart meist über Monate unentdeckt bleibt, da sie weder Schmerzen verursacht noch von außen sichtbar ist und erste Symptome wie Sehbeeinträchtigungen häufig unbemerkt oder unbeachtet bleiben. 

Die Folge: Der Krebs kann in dieser Zeit metastasieren und über die Blutbahn andere Organe befallen – vorzugsweise die Leber. „Gerade im höheren Alter denken viele bei auftretenden Sehproblemen eventuell an Altersveränderungen und nicht an einen bösartigen Tumor“, berichtet Bechrakis.
Der Experte empfiehlt, auch bei kleinsten Sehveränderungen sofort eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufzusuchen und rät davon ab, sich selbständig mit Lesehilfen zu versorgen
Das Aderhautmelanom lässt sich schnell und ohne großen Aufwand für die Patientinnen und Patienten diagnostizieren. 

Mit Hilfe spezieller Weitwinkelfotoapparate können Augenärztinnen und Augenärzte das Innere des Augapfels untersuchen. 

Bechrakis prognostiziert, dass in naher Zukunft zudem Blutuntersuchungen zur Früherkennung eingesetzt werden können. 

Die Therapie ist bei früh erkanntem Krebs sehr aussichtsreich: 

Mithilfe der Protonentherapie, die Strahlen gebündelt in das Auge projiziert, kann der Tumor in 95 Prozent der Fälle inaktiviert werden und bei etwa 80 Prozent der Betroffenen bleibt darüber hinaus auch die Sehkraft erhalten. 

Alternativ steht die Kontaktbestrahlung mit dem Radioisotop Ruthenium zur Verfügung. 

  • Die größte Herausforderung besteht noch in der Therapie von bereits metastasiertem Aderhaut-Krebs. 

Aber auch hier verzeichnet die Forschung Fortschritte: Das mittlere Überleben konnte bereits auf 6 Monate verlängert werden.

Augentumore im Kindesalter: früh erkannt gut heilbar
Mit jährlich etwa 60 Neuerkrankungen ist das Retinoblastom der häufigste bösartige Tumor des Augeninneren bei Kindern. Weltweit erkranken jedes Jahr über 8000 Babys und Kleinkinder daran. In Industrienationen konnte die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus Ophthalmologie, Onkologie, Pädiatrie und weiteren Fachgebieten die Sterblichkeit auf 5 Prozent reduzieren. „In Entwicklungsländern hingegen besteht weiterhin eine Sterberate von 50 Prozent, da dort die notwendigen sozioökonomischen Standards nicht gegeben sind“, kritisiert Bechrakis. 

Hier bestünde in der Telemedizin ein großes Potential, um den Hürden der mangelnden Expertise vor Ort positiv zu begegnen. 

Auch Blutanalysen, die im Blut zirkulierende spezifische Tumor DNA (ct-DNA) identifizieren, sind für die Frühdiagnostik vielversprechend und könnten dabei helfen, Überleben und Lebensqualität der kleinen Patientinnen und Patienten zu verbessern.

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OA Dr. Matthias Höllerhage + OA Dr. Martin Klietz: Einladung zur REM-Schlaf-Phase Studie Schlafstörungen bei Parkinson Betroffene

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Neurologie-Studie: Forschende suchen nach Wegen für frühe Parkinson-Therapie

Ein gestörter Traumschlaf kann auf eine spätere Parkinson-Erkrankung hinweisen. 

Forschende der MHH-Neurologie untersuchen jetzt die Vorphase der neurodegenerativen Erkrankung und bieten Plätze für Studienteilnehmende an. 

Wollen die Schlafstörung bei Parkinson-Betroffenen nachweisen und der Frühphase der Erkrankung auf die Spur kommen: die MHH-Neurologen Dr. Matthias Höllerhage (links) und Dr. Martin Klietz mit dem mobilen Gerät für die Video-Polysomnografie.

Wollen die Schlafstörung bei Parkinson-Betroffenen nachweisen und der Frühphase der Erkrankung auf die Spur kommen: die MHH-Neurologen Dr. Matthias Höllerhage (links) und Dr. Martin Klietz mit dem mobilen Gerät für die Video-Polysomnografie. Copyright: Karin Kaiser / MHH

  • Die Parkinson-Krankheit ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung und betrifft in Deutschland nach aktuellen Schätzungen mehr als 400.000 Menschen. 
  • Ursache ist ein fehlgefaltetes Protein namens Alpha-Synuclein, das verklumpt und sich im Gehirn ablagert. 

Dadurch sterben Nervenzellen ab. 

Die typischen Symptome wie verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifheit oder Zittern treten meist erst viele Jahre später auf, wenn das Gehirn bereits unwiderruflich geschädigt ist. 

Doch es gibt auch gesicherte Vorboten, die eine drohende Parkinson-Erkrankung anzeigen, lange bevor sich diese durch motorische Ausfälle bemerkbar macht. 

Dazu gehört eine typische Verhaltensstörung in der REM-Schlaf-Phase, in der auch die meisten Träume stattfinden. 

Forschende der Klinik für Neurologie mit klinischer Neurophysiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wollen jetzt eine Studienkohorte von Betroffenen mit REM-Schlaf-Verhaltensstörung aufbauen, um die Vorphase der Parkinson-Erkrankung besser zu erforschen und neue Biomarker für eine frühzeitige Diagnose und Therapie zu finden.

Schlafstörung als sicheres Anzeichen für Parkinson-Risiko

  • Die REM-Schlaf-Phase ist unter anderem durch schnelle Augenbewegungen (rapid eye movement, REM) bei geschlossenen Lidern gekennzeichnet. 

Bei Gesunden ist die Skelettmuskulatur in dieser Phase entspannt. 

Menschen mit einer REM-Schlafverhaltensstörung (REM sleep behaviour disorder, RBD) zeigen dagegen Muskelaktivität von leichten Zuckungen bis hin zu lebhaften Bewegungen des ganzen Körpers, oft kombiniert mit Schreien oder Sprachäußerungen. 

„Wenn keine anderen Ursachen wie etwa Drogenkonsum oder die Einnahme bestimmter Medikamente vorliegen, entwickeln 80 bis 90 Prozent der Betroffenen innerhalb der nächsten zehn Jahre Parkinson oder eine parkinsonähnliche Erkrankung“, sagt Oberarzt Dr. Martin Klietz. 

Damit sei die Störung aktuell das sicherste klinische Anzeichen für ein bestehendes Parkinson-Risiko – und ein guter Ansatz für eine erfolgreiche Behandlung.

Diagnose mittels mobiler Schlafüberwachung

„Zu diesem frühen Zeitpunkt sind noch nicht so viele Nervenzellen zerstört worden“, erklärt der Neurologe. „Bislang setzen Therapien erst an, wenn die Patientinnen und Patienten motorische Auffälligkeiten zeigen. Dann ist aber bereits mindestens die Hälfte der Nervenzellen im Gehirn untergegangen.“ Klinische Studien mit Patienten in diesem Stadium seien daher erfolglos geblieben. Gemeinsam mit seinem Kollegen Oberarzt Dr. Matthias Höllerhage möchte der Mediziner nun einen anderen Ansatz verfolgen und Betroffene in der Vorphase identifizieren. 

Dafür laden die Neurologen Patientinnen und Patienten mit möglicher REM-Schlafverhaltensstörung zu einem Telefoninterview ein und nehmen zunächst deren Daten und Krankheitsgeschichte auf. 

Im nächsten Schritt überprüfen sie, ob es sich im Einzelfall tatsächlich um RBD handelt. 

Das geschieht mittels Schlafüberwachung per Video-Polysomnografie

Dabei werden im Schlaf Hirnströme sowie die Muskelanspannung über Elektroden erfasst und außerdem der Sauerstoffgehalt des Blutes und der Luftfluss gemessen. Bild- und Tonaufzeichnungen dokumentieren zudem, ob die Patienten schnarchen, sprechen oder sich bewegen. Weil das Messgerät mobil einsetzbar ist, müssen die Teilnehmenden für die Schlafüberwachung die Nacht nicht in der Klinik verbringen.

Nervenzellen vor dem Untergang retten

Deuten die Anzeichen auf RBD hin, sollen weitere Untersuchungen den Verdacht auf eine Parkinson-Vorphase stützen. Das geschieht durch MRT-Bildgebung des Kopfes und mit Hilfe von Untersuchungen des Nervenwassers auf Ablagerungen des fehlgefalteten Proteins Alpha-Synuclein. Die Probandinnen und Probanden profitieren neben der Aufklärung über ihren Gesundheitszustand auch unmittelbar von der Expertise der Klinik. 

„Wir sind das einzige Zentrum für Parkinson-Erkrankungen in der Region mit einem ausgewiesenen Schwerpunkt in der Versorgung von Patientinnen und Patienten in allen Krankheitsstadien und werden die Teilnehmenden auch weiterhin begleiten“, betont der Neurologe. 

Im Rahmen der Studie wollen die Forschenden Blutproben auf mögliche Biomarker untersuchen und die Daten und das Biomaterial in einer Biobank sammeln. 

„Wir möchten mit unserer Forschung an dem Punkt ankommen, wo wir wissen, wie die Nervenzellen zu retten sind“, stellt Dr. Höllerhage fest. Langfristig wollen die Neurologen dann in klinischen Studien Therapiemöglichkeiten überprüfen, um Patientinnen und Patienten in der Parkinson-Vorphase neuroprotektiv zu behandeln und die Nervenzellen im Gehirn vor dem Untergang zu bewahren. 

„Ziel ist, dass Parkinson in Zukunft gestoppt werden kann, bevor das Gehirn massiven Schaden nimmt“, erklärt Dr. Klietz.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht

Die Klinik für Neurologie mit klinischer Neurophysiologie bietet noch Plätze zur Teilnahme an der Studie an. Patientinnen und Patienten, die die bei dem Projekt mitmachen, profitieren beispielsweise davon, dass sie während der gesamten Teilnahmezeit eine umfassende Diagnostik und Betreuung durch professionelles Personal erhalten. Weitere Informationen über die Studie und Teilnahmebedingungen erhalten Interessierte über die E-Mail-Adresse 

RBD@mh-hannover.de
 

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Martin Klietz, klietz.martin@mh-hannover.de

Neurologie-Studie: Forschende suchen nach Wegen für frühe Parkinson-Therapie

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Prof. Friedrich Köhler: Telemonitoring auch Herzinsuffizienzpatientinnen und -patienten mit erhaltener oder nur leicht reduzierter Pumpfunktion (LVEF)

Medizin am Abend Berlin - MaAB -Fazit: Telemedizin unabhängig von Herzpumpfunktion wirksam

Die prästratifizierte Sekundärauswertung der TIM-HF2-Studie durch das DZHI am Universitätsklinikum Würzburg, das Deutsche Herzzentrum der Charité in Berlin und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass ein Telemonitoring auch Herzinsuffizienzpatientinnen und -patienten mit erhaltener oder nur leicht reduzierter Pumpfunktion zu Gute kommt. 

Der Schlüssel zum Erfolg der telemedizinischen Betreuung sind spezialisierte Herzinsuffizienzschwestern und -pfleger.

Der Schlüssel zum Erfolg der telemedizinischen Betreuung sind spezialisierte Herzinsuffizienzschwestern und -pfleger. Arnika Hansen UKW / DZHI 

Rund 64 Millionen Menschen weltweit leiden an einer Herzinsuffizienz, davon mehr als 3 Millionen in Deutschland. 

Eine große Hoffnung in der Behandlung dieser Volkskrankheit liegt in der Telemedizin – also der regelmäßigen Fernüberwachung von Vitalparametern, die dem medizinischen Fachpersonal eine frühere Reaktion bei Hinweisen auf Verschlechterung ermöglicht. 

Im Dezember 2020 beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die telemedizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche in das ambulante Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenkassen mit aufzunehmen. 

  • „Allerdings haben bisher nur Patientinnen und Patienten mit einer deutlich reduzierten linksventrikulären Pumpfunktion diesen gesetzlichen Versorgungsanspruch, also erst, wenn die so genannte LVEF weniger als 40 Prozent beträgt,“ erläutert Dr. Fabian Kerwagen, Clinician Scientist am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) und Erstautor einer neuen wegweisenden Publikation im European Journal of Heart Failure. 

Darin zeigt der angehende Kardiologe in Zusammenarbeit mit Prof. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung am DZHI, und Prof. Friedrich Köhler, Leiter des Arbeitsbereichs Kardiovaskuläre Telemedizin am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC), dass Telemonitoring unabhängig von der Pumpfunktion wirksam ist.

  • Hoher Bedarf an Therapien für Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion


Neben der Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion, in der Fachsprache HFrEF (Heart Failure with reduced Ejection Fraction) genannt, gibt es die Herzinsuffizienz mit leichtgradig reduzierter Pumpfunktion und Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion, kurz HFpEF für Heart Failure with preserved Ejection Fraction. 

„Ausgerechnet für die beiden bisher von der telemedizinischen Versorgung ausgeschlossenen Formen gibt es deutlich weniger evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten als für die HFrEF. 

Der Bedarf an wirksamen Therapien für diese beiden Formen ist daher besonders hoch“, bemerkt Fabian Kerwagen zu den Hintergründen seiner Analyse.

TIM-HF2 legte Grundstein für neue Telemedizin auf Rezept

Die neuen Einsichten beruhen auf einer Sekundärauswertung der im Jahr 2018 im Journal The Lancet veröffentlichten TIM-HF2-Studie (Telemedical Interventional Management in Heart Failure II). Diese kontrollierte multizentrische Versorgungsforschungsstudie wurde unter der Leitung von Friedrich Köhler an der Charité Berlin deutschlandweit unter Einbeziehung von 1.538 Patientinnen und Patienten durchgeführt. „TIM-HF2 zeigte, dass sich im deutschen Gesundheitssystem das Leben von Herzinsuffizienzpatienten durch telemedizinische Unterstützung verlängern und die Krankenhauswiederaufnahme reduzieren lässt. Damit haben die Ergebnisse von TIM-HF2 entscheidend dazu beigetragen, dass der neue Versorgungsansatz als erstes digitales Behandlungsprogramm überhaupt in die Regelversorgung aufgenommen wurde“, berichtet der Studienleiter der TIM-HF2 Studie, Friedrich Köhler.

In der prästratifizierten Sekundärauswertung wurde untersucht wie sich die zwölfmonatige telemedizinische Betreuung auf die Zahl der ungeplanten Krankenhaustage und Todesfälle bei den drei Formen der Herzinsuffizienz auswirkt: 

Also bei Herzinsuffizienz mit höhergradig reduzierter, mit leicht reduzierter oder mit erhaltener Pumpfunktion. 

Die statistische Auswertung der Studie erfolge am Institut für Biometrie und Epidemiologie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

„Wir konnten zeigen, dass alle Patientinnen und Patienten von einer telemedizinischen Mitbetreuung profitieren – unabhängig von der Pumpfunktion“, konstatiert Fabian Kerwagen erfreut.
„Das hochkomplexe Krankheitsbild benötigt eine umfassende Betreuung“

Stefan Störk, Letztautor der Studie, freut sich über dieses wichtige Ergebnis und hofft, dass die telemedizinisch unterstützte Versorgung bald für alle Herzinsuffizienz-Patientinnen und Patienten zugänglich sein wird. „Wir setzen uns schon sehr lange für diesen Versorgungsansatz ein. Denn das hochkomplexe Krankheitsbild Herzinsuffizienz benötigt eine umfassende Betreuung.“ Um drohende Entgleisungen frühzeitig zu erkennen und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, das Leben zu verlängern und die Lebensqualität zu verbessern, wurde am DZHI auf dem Gelände des Universitätsklinikums Würzburg das Versorgungsprogramm HeartNetCare-HFTM entwickelt. Der Schlüssel zum Erfolg dieses Programms, das in abgewandelter Form auch in TIM-HF2 zur Anwendung kam, sind spezialisierte Herzinsuffizienzschwestern und -pfleger.

Über die telemedizinische Mitbetreuung im Rahmen der TIM-HF2 Studie

Die Fernüberwachung bestand aus einer ärztlich geleiteten telemedizinischen Unterstützung rund um die Uhr durch das telemedizinische Zentrum (TMZ) am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC). 

Das TMZ-Team bestand aus Ärztinnen und Ärzten sowie spezialisierten Herzinsuffizienz-Pflegekräften. 

Alle Patientinnen und Patienten erhielten ein Telemonitoring-System für zu Hause, das ein Mobiltelefon, ein digitales Tablet und vier externe Geräte für die Messung eines Dreikanal-Elektrokardiogramms (EKG), der peripheren kapillaren Sauerstoffsättigung (SpO2), des nicht-invasiven Blutdrucks und des Körpergewichts umfasste. 

Nach Installation und Einweisung in das Telemonitoring-System vor Ort wurden alle Studienteilnehmenden von den spezialisierten Herzinsuffizienz-Pflegekräften geschult. 

Das TMZ nutzte die als Medizinprodukt zertifizierte telemedizinische Analysesoftware "Fontane". Damit wurden Patientendaten übermittelt, die elektronische Gesundheitsakte überwacht und die Kommunikation zwischen TMZ, Studienteilnehmenden und ihrer hausärztlichen oder kardiologischen Praxis durchgeführt. Die Patientendaten einschließlich der Vitalparameter und Medikation wurden täglich überprüft. Darüber hinaus kontaktierten die Pflegekräfte die Patientinnen und Patienten monatlich oder bei Bedarf auch häufiger, um ein strukturiertes Telefongespräch zu führen, das Lehr- und Überwachungselemente enthielt. Die Kombination aus Telemonitoring mit externen Geräten und bedarfsorientiertem Telefonkontakt durch spezialisierte Herzinsuffizienz-Pflegekräfte gewährleistete eine mehrdimensionale, individualisierte Behandlung inklusive emotionaler Unterstützungsfunktion, Aufdosierung von Herzinsuffizienz-Medikamenten oder Einleitung eines Krankenhausaufenthalts, falls erforderlich. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Studien 

Spezielle mit Sensoren ausgestattete Messgeräte übertragen die Gesundheitswerte der Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten täglich drahtlos an das Telemedizinzentrum der Charité, sodass bei auffälligen Messwerte sofort reagiert werden kann.

 Spezielle mit Sensoren ausgestattete Messgeräte übertragen die Gesundheitswerte der Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten täglich drahtlos an das Telemedizinzentrum der Charité, sodass bei auffälligen Messwerte sofort reagiert werden kann. DHZC

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Originalpublikation:

Remote patient management of heart failure across the ejection fraction spectrum: a pre-specified analysis of the TIM-HF2 trial.
Fabian Kerwagen, Kerstin Koehler, Eik Vettorazzi, Verena Stangl, Magdalena Koehler, Martin Halle, Friedrich Koehler, Stefan Störk.
European Journal of Heart Failure (2023)
https://doi.org/10.1002/ejhf.2948


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736(18)31880-4.pdf TIM-HF2 Studie


Prof. Dr. Caroline Tonus, PD Dr. Silke Tribius: Patient:innen mit fortgeschrittenen oder wiederauftretenden Tumoren im Bauchraum und Sarkomen

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Intraoperative Strahlentherapie: Asklepios Klinik St. Georg führt neues Behandlungsverfahren ein

• Einziges Behandlungsangebot dieser Art in Norddeutschland: Bessere Heilungschancen für Patient:innen mit fortgeschrittenen oder wiederauftretenden Tumoren im Bauchraum und Sarkomen durch hochpräzise Bestrahlung
• Intraoperative Strahlentherapie ermöglicht Bestrahlung des Tumorgebietes schon während der Operation
• Asklepios Kliniken Hamburg GmbH investieren 2,25 Millionen Euro in das neue strahlentherapeutische Behandlungsangebot 

Prof. Dr. Caroline Tonus, Chefärztin Viszeralchirurgie der Asklepios Klinik St. Georg

Prof. Dr. Caroline Tonus, Chefärztin Viszeralchirurgie der Asklepios Klinik St. Georg Asklepios

  • Als eine von drei Kliniken bundesweit und als einzige Klinik in Norddeutschland bietet die Asklepios Klinik St. Georg mit der intraoperativen Strahlentherapie ein neues Behandlungsangebot für Patient:innen mit lokal fortgeschrittenen oder wiederauftretenden Tumoren im Bauchraum und bei Sarkomen (Weichteiltumoren). 
  • Bei dieser Bestrahlungsform wird das Tumorumfeld noch während der Operation mit einer hohen Effektivität zielgenau bestrahlt. 
  • Die Belastung umliegender gesunder Organe und Strukturen wird dadurch deutlich reduziert. 

Chirurg:innen, Strahlentherapeut:innen und Medizinphysikexpert:innen der Asklepios Klinik St. Georg arbeiten bei der intraoperativen Strahlentherapie eng zusammen. Die Asklepios Kliniken Hamburg GmbH hat insgesamt 2,25 Millionen Euro in das neue strahlentherapeutische Angebot investiert.

„Wir freuen uns sehr, mit der intraoperativen Strahlentherapie unser Leistungsspektrum zu erweitern und Patienten mit bestimmten Tumorerkrankungen ein zusätzliches weiteres Behandlungsangebot machen zu können“, sagt Thomas Rupp, Geschäftsführender Direktor der Asklepios Klinik St. Georg. 

  • Anders als bei der Bestrahlung nach einer Operation wird bei der intraoperativen Strahlentherapie die Strahlendosis nicht von außen in das Körperinnere geführt, sondern das Tumorgebiet wird direkt während der Operation gezielt bestrahlt.  

„Unmittelbar nach der chirurgischen Entfernung des Tumors und noch vor dem Verschließen der Operationswunde setzen Chirurgen in Kooperation mit einem Strahlentherapeuten und einem Medizinphysikexperten in der Afterloading-Technik einen Strahlenapplikator in das Tumorbett ein, um nicht vollständig entfernbare Tumorreste zu zerstören“, erklärt Prof. Dr. Carolin Tonus, Chefärztin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Ärztliche Direktorin der Asklepios Klinik St. Georg. 

Die Fachärztin für Chirurgie mit der Schwerpunktbezeichnung spezielle Viszeralchirurgie, die sich mit dieser Behandlungsform vor Jahren habilitiert hat, hat das neue Behandlungsangebot in St. Georg gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Silke Tribius, Chefärztin des Hermann-Holthusen-Instituts für Strahlentherapie der Asklepios Klinik St. Georg, etabliert. 

Begleitet wurde die Einführung durch das international renommierte Fraunhofer Institut. 

„Durch die sehr präzise Positionierung kann das Zielgebiet präzise mit einer relativ hohen Einzeldosis bestrahlt werden. 

Gesunde Nachbarorgane und -strukturen werden geschont, da die Reichweite des verwendeten Strahlers begrenzt ist und somit nicht tief in das Gewebe eindringen kann“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Silke Tribius. 

  • „Die intraoperative Strahlentherapie dauert je nach vom Strahlentherapeuten verordneter Dosis und Stärke der Quelle 40 bis 60 Minuten und ist für den Patienten aufgrund der Narkose während der OP nicht wahrnehmbar. 
  • Vorteile dieser Therapiemethode sind neben der hochpräzisen direkten Bestrahlung kürzere Gesamtbehandlungszeiten und insgesamt geringere Nebenwirkungen durch die Bestrahlung“, so die Medizinerin weiter.

Bauliche Voraussetzung für die Durchführung der intraoperativen Strahlentherapie ist ein den Strahlenschutzbestimmungen entsprechender Operationssaal mit einer speziellen Bestrahlungskammer. 

Hierfür hat die Asklepios Klinik St. Georg einen ihrer zwölf Operationssäle mit umfangreichen Baumaßnahmen umgerüstet und bleiverstärkte Wände eingebaut sowie modernste medizinische Kamera- und Überwachungstechnik installiert. 

Insgesamt sind 60 Tonnen Blei verbaut und die tragende Konstruktion des Raumes ist mit Strahlträgern bis auf die Grundmauern mit 6 Tonnen Stahl verstärkt worden. 

PD Dr. Silke Tribius, Chefärztin des Hermann-Holthusen-Instituts für Strahlentherapie, Asklepios Klinik St. Georg

 PD Dr. Silke Tribius, Chefärztin des Hermann-Holthusen-Instituts für Strahlentherapie, Asklepios Klinik St. Georg

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Dr.med. Franz Jürgen Schell  Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

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Prof. Dr. Bernhard Nieswandt: Das akute ARDS - Lungenversagen - ITS - Patient mit Atemnotsyndrome CAVE: Thrombozyten - Neutrophilen - Labor

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Wenn die Blutplättchen außer Kontrolle geraten

  • Das akute Lungenversagen (ARDS für Acute Respiratory Distress Syndrom) ist ein lebensbedrohlicher Zustand. 
  • Eine von Thrombozyten befeuerte überschießende Immunreaktion verschlechtert zusätzlich die Lungenfunktion.

Forschende der Universitätsmedizin Würzburg haben nun herausgefunden, wie diese schwere Entzündungsreaktion unterdrückt werden kann. 

Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme zeigt die Interaktion von Thrombozyten (cyan) mit Entzündungszellen (gelb) im Lungengewebe, sowie eine eingewanderte Entzündungszelle außerhalb des Blutgefäßes (magenta) innerhalb des Lungenbläschens.

Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme zeigt die Interaktion von Thrombozyten (cyan) mit Entzündungszellen (gelb) im Lungengewebe, sowie eine eingewanderte Entzündungszelle außerhalb des Blutgefäßes (magenta) innerhalb des Lungenbläschens. RVZ, Uni Würzburg, AG Nieswandt

In der von Prof. Dr. Bernhard Nieswandt geleiteten Studie wird ein bedeutender Fortschritt in dem Verständnis des akuten Lungenversagens aufgezeigt. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Blood veröffentlicht.

Eine von zehn intensivmedizinisch behandelten Personen entwickelt ein akutes Lungenversagen (ARDS). 

  • Die meisten dieser Atemnotsyndrome, von denen die milde Form auch als ALI (Acute Lung Injury) bekannt ist, werden durch eine Lungenentzündung verursacht, aber auch 
  •  Blutvergiftungen, 
  • äußere Verletzungen, 
  • Blutkrebs- und Autoimmun-Erkrankungen oder eine sogenannte 
  • Fremdkörperaspiration können die Lungenfunktion lebensbedrohlich beeinträchtigen. 

Allen Ursachen gemeinsam sind entzündliche Prozesse, welche das Lungengewebe schädigen

Trotz verbesserter Behandlungsmöglichkeiten ist das Sterberisiko hoch. 

Die therapeutischen Ansätze zur Bekämpfung des ARDS sind hauptsächlich unterstützend und konzentrieren sich auf eine lungenschonende mechanische Beatmung.

Schädigung des Lungengewebes unaufhaltsam

  • Selbst mit vermeintlich wirksamen Antibiotika hält die Entzündung oft an und schadet der Schutzbarriere der Blutgefäße in der Lunge, was zu einer immunvermittelten Verletzung des Lungengewebes führt. 

Die Hauptverantwortlichen für diesen schädigenden Prozess sind Neutrophile Granulozyten. 

Diese Art der weißen Blutkörperchen hilft dem Körper eigentlich dabei, Infektionen zu bekämpfen und Verletzungen zu heilen. 

Beim akuten Lungenversagen dringen die Neutrophilen in einem mehrstufigen Prozess in das Lungengewebe ein und durchbrechen die Auskleidung der Blutgefäße schon früh in der Entzündungsphase. 

  • Dabei unterstützen Thrombozyten die Rekrutierung und Aktivierung der Neutrophilen maßgeblich.

Thrombozyten können akute Entzündungsprozesse vorantreiben

Einer der die komplexen Funktionen von Blutplättchen schon seit Jahren erforscht und nun einen Ansatz gefunden hat, die Infiltration von Neutrophilen ins Lungengewebe zu unterbinden, ist Prof. Dr. Bernhard Nieswandt, Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I und Forschungsgruppenleiter am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging (RVZ) der Universität Würzburg und Direktor des Instituts für Experimentelle Biomedizin am Universitätsklinikum Würzburg. 

„Die kleinen kernlosen Blutzellen können sehr viel mehr als Blutungen stillen und Infarkte auslösen, zum Beispiel Entzündungsprozesse in Gang bringen. 

Der Mechanismus wird als Thrombo-Inflammation bezeichnet“, schildert Bernhard Nieswandt die Funktionen der Thrombozyten, die in unserem Knochenmark kontinuierlich aus Megakaryozyten gebildet werden. In der neuesten, im Fachjournal Blood publizierten, Untersuchung hat die Arbeitsgruppe von Bernhard Nieswandt einen vielversprechenden Angriffspunkt gefunden, um die akute Entzündung, die ALI/ARDS verursacht, zu reduzieren. 

Das aktivierende Thrombozytenrezeptor-Glykoprotein VI (GPVI) könnte nämlich eine entscheidende Rolle bei der Aktivierung und Ausbreitung von Thrombo-Inflammation spielen.

GPVI ist ein vielversprechender Angriffspunkt

„Unsere Daten zeigen, dass die gezielte Hemmung von GPVI, das sich auf der Oberfläche von Blutplättchen befindet, durch einen Antikörper den verheerenden Einstrom von Neutrophilen ins Lungengewebe und die daraus resultierende Gewebeschädigung der entzündeten Lunge deutlich reduziert, ohne das Risiko von Entzündungsblutungen zu erhöhen", erläutert Bernhard Nieswandt und resümiert: 

„Die Ergebnisse könnten den Weg für neue therapeutische Ansätze zur Bekämpfung dieser lebensbedrohlichen Erkrankungen ebnen.“

Philipp Burkard, Wissenschaftler am Würzburger Institut für Experimentelle Biomedizin und Erstautor der Studie fügt hinzu: 

„Wenn wir GPVI gezielt mit einem Antikörper unterdrücken, können wir das Ausmaß der überschießende Immunreaktion unterbinden, wodurch sich die Barrierefunktion der Blut-Luft-Schranke und damit auch das klinische Ergebnis verbessert.“

In einer weiteren Studie werden die Forschenden die Wirkung eines blockierenden GPVI-Antikörpers in einem humanisierten Mausmodell untersuchen, in dem die Blutplättchen die menschliche Version von GPVI exprimieren. Dies bringt sie näher an die Situation beim Menschen heran und wird den Nutzen einer Anti-GPVI-Behandlung noch besser bestätigen.

Abbildung links zeigt die unkontrollierte Entzündungsreaktion in der Lunge mit vermehrter Einwanderung von Entzündungszellen (Neutrophile Granulozyten) in die Lungenbläschen, was zur Zerstörung des Lungengewebes im akuten Atemnotsyndrom (ARDS) führt.

Abbildung links zeigt die unkontrollierte Entzündungsreaktion in der Lunge mit vermehrter Einwanderung von Entzündungszellen (Neutrophile Granulozyten) in die Lungenbläschen, was zur Zerstörung des Lungengewebes im akuten Atemnotsyndrom (ARDS) führt. RVZ, Uni Würzburg, AG Nieswandt

Förderung

Diese Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert (Projekt SFB/TR240 und SFB 1525).

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Dr. Daniela Diefenbacher, Pressestelle, Rudolf Virchow Center - Center for Integrative and Translational Bioimaging, University Würzburg, +49 931 31-88631, daniela.diefenbacher@uni-wuerzburg.de

Kirstin Linkamp, Universitätsklinikum Würzburg, +49 931 201 59 458, Linkamp_K@ukw.de 

Josef-Schneider-Str. 2, Haus D15
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Dr. Judith Flurer

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Prof. Dr. Bernhard Nieswandt (Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg & Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I, Universitätsklinikum Würzburg) Tel.: + 49 931 31-80405, bernhard.nieswandt@virchow.uni-wuerzburg.de


Originalpublikation:

A key role for platelet GPVI in neutrophil recruitment, migration and NETosis in the early stages of acute lung injury. Burkard P, Schonhart C, Vögtle T, Köhler D, Tang L, Johnson D, Hemmen K, Heinze KG, Zarbock A, Hermanns HM, Rosenberger P, Nieswandt B. Blood. 2023 Jul 13 / doi: 10.1182/blood.2023019940. Online ahead of print. PMID: 37441848


Univ.-Prof. Dr. rer. medic. Ralph Möhler: FEM - Freiheitsentziehende Maßnahmen nach Werdenfelser Weg (Orginal)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Cochrane Review: So lassen sich freiheitsentziehende Maßnahmen im Pflegeheim reduzieren

Organisationsbezogene Interventionen können den Einsatz von freiheitsentziehenden Maßnahmen in Pflegeheimen reduzieren, ohne das Sturzrisiko zu erhöhen, so das Hauptergebnis eines aktuellen Cochrane Reviews. 

Für andere Interventionen, fand der Review dagegen keine überzeugenden Belege.

Maßnahmen zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit wie Bettgitter oder Gurtfixierungen werden in Pflegeheimen  und Krankenhäusern regelmäßig eingesetzt. 

Solche freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) sind ethisch problematisch, weil sie meist bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen, dehydrierten, delierten z.b. nach Operationen eingesetzt werden, die dem Einsatz von FEM nicht selbst zustimmen können. 

Gerechtfertigt wird der Einsatz von FEM meist mit dem Schutz vor Stürzen und damit einhergehenden Verletzungen. 

Allerdings ist der Nutzen von FEM nur gering und steht zahlreichen negativen Folgen einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit gegenüber. 

Diese kann sich ungünstig auf die körperliche Verfassung und Beweglichkeit auswirken und damit das Risiko für Stürze und letztlich den Pflegebedarf sogar erhöhen. 

Die Maßnahmen können außerdem Ängste oder aggressives Verhalten auslösen oder verstärken. 

Daher wird in Leitlinien und von Expertinnen und Experten die Vermeidung von FEM in der Pflege empfohlen.
Doch wie lässt sich das in der Praxis umsetzen? 

Ein erstmals 2011 veröffentlichter und nun auf den aktuellen Stand der Forschung gebrachter Cochrane Review analysiert die wissenschaftliche Evidenz zu Maßnahmen und Strategien, die den Einsatz von FEM vermeiden oder reduzieren sollen. Das Team von Autor*innen um Ralph Möhler vom Centre for Health and Society (chs) am Universitätsklinikum Düsseldorf konnte elf relevante Studien mit insgesamt 19.003 Teilnehmenden identifizieren, die unterschiedliche Interventionen untersucht haben.

Die beste Evidenz fanden die Autor*innen in ihrer Auswertung für sogenannte organisationsbezogene Interventionen, die in vier Studien mit 17.954 Teilnehmenden untersucht wurden. 

Organisationsbezogene Interventionen zur Vermeidung von FEM bestehen aus verschiedenen einzelnen Maßnahmen, die als Paket darauf abzielen, das Wissen sowie die Fähigkeiten und Strategien zur Vermeidung von FEM sowohl bei den Pflegenden als auch den Leitungspersonen zu verbessern. 

In drei Studien wurden beispielsweise sogenannte Multiplikator*innen, also Mitarbeitende der Einrichtungen, geschult, individuelle Strategien zur Vermeidung von FEM für ihre Einrichtung zu entwickeln und umzusetzen. Die Leitungspersonen der Pflegeheime sollten die Vermeidung von FEM und die Multipikator*innen unterstützen, z. B. durch Entlastung von anderen Tätigkeiten, damit die Multipikator*innen ausreichend Zeit für ihre Aufgabe hatten.

Das wichtigste Ergebnis des Reviews: Solche Interventionen können die Zahl der Bewohner und Bewohnerinnen mit FEM in Pflegeheimen wahrscheinlich um 14% reduzieren. Die Zahl der Bewohner*innen mit Stürzen oder schweren Verletzungen durch Stürze blieb dabei in den Studien insgesamt unverändert. Auch die Verordnung von sedierenden Medikamenten, die manchmal anstelle von FEM eingesetzt werden, erhöhte sich nicht. Außerdem gab es keine Hinweise auf unerwünschte Wirkungen der Programme. Auf Basis der Studiendaten berechneten die Autor*innen, dass die Anzahl der Personen mit FEM bei der Umsetzung dieser Interventionen von 274 auf 236 je 1000 Personen reduziert werden kann. Der Fokus auf Veränderungen auf Organisationsebene ist vermutlich wichtig, um einen nachhaltigen Nutzen bei der Vermeidung von FEM zu erreichen. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz stufen die Autor*innen als recht gut ein (nach der international etablierten GRADE-Systematik „moderat“, der zweithöchsten von insgesamt vier Stufen).

Sechs Studien untersuchten Schulungsprogramme, die das Wissen und die Haltungen bezüglich der Anwendung von FEM adressieren, aber nicht durch weitere Maßnahmen ergänzt wurden. Die Ergebnisse dieser Studien waren widersprüchlich und einzelne Studien wiesen methodische Limitierungen auf. Daher lässt sich auf Basis der Studienergebnisse nicht sagen, ob solche Schulungsprogramme den Einsatz von FEM reduzieren können.

„Die Ergebnisse dieses Reviews zeigen, dass freiheitsentziehende Maßnahme in Pflegeheimen reduziert werden können, ohne dass die Zahl der Stürze oder sturzbedingten Verletzungen ansteigt. 

Auch gab es in den ausgewerteten Studien keine Hinweise, dass stattdessen häufiger sedierende Medikamente verordnet wurden“, sagt Erstautor Ralph Möhler. 

 „Allerdings reichen Schulungen des Personals alleine vermutlich nicht aus, eine entscheidende Rolle spielt die Unterstützung der Leitungskräfte.“

Hinweis: Der Cochrane Review „Interventions for preventing and reducing the use of physical restraints in long‐term geriatric care“ ist ab Freitag, 28.7.2023 unter diesem Link abrufbar: https://www.cochranelibrary.com/resolve/doi?DOI=10.1002/14651858.CD012476.pub3
Zuvor ist ein PDF des Reviews auf Anfrage erhältlich. 

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Originalpublikation:

Möhler R, Richter T, Köpke S, Meyer G. Interventions for preventing and reducing the use of physical restraints for older people in all long-term care settings. Cochrane Database of Systematic Reviews TBD, Issue TBD. Art. No.: CD007546. DOI: 10.1002/14651858.CD007546.pub3.