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Prof. Dr. Michael Sigal: Helicobacter-Bakterien infiziertes Magengewebe - Risiko für Magenkrebs

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Magenentzündungen: wie eine bakterielle Infektion das Gewebe verändert

  • Eine Infektion der Magenschleimhaut mit dem Helicobacter-Bakterium führt zu Magenentzündungen und erhöht zudem das Risiko für Magenkrebs. 

Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) konnte nun charakteristische Veränderungen in den Magendrüsen im Zuge einer Infektion aufklären. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dabei einen bisher unbekannten Mechanismus gefunden, der die Zellteilung im gesunden Gewebe begrenzt und somit vor Krebsentwicklung schützt. 

Durch eine Mageninfektion wird dieser aber aufgehoben, so dass Zellen unkontrolliert wachsen können. 

Mit Helicobacter-Bakterien infiziertes Magengewebe. Sich teilende Zellen sind grün, Zellkerne blau dargestellt. Mit Helicobacter-Bakterien infiziertes Magengewebe. Sich teilende Zellen sind grün, Zellkerne blau dargestellt. © Charité | Michael Sigal

Eine Infektion der Magenschleimhaut mit dem Helicobacter-Bakterium führt zu Magenentzündungen und erhöht zudem das Risiko für Magenkrebs. 

Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) konnte nun charakteristische Veränderungen in den Magendrüsen im Zuge einer Infektion aufklären. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dabei einen bisher unbekannten Mechanismus gefunden, der die Zellteilung im gesunden Gewebe begrenzt und somit vor Krebsentwicklung schützt. Durch eine Mageninfektion wird dieser aber aufgehoben, so dass Zellen unkontrolliert wachsen können. Diese im Fachmagazin Nature Communications* veröffentlichten Erkenntnisse können Grundlage für die Entwicklung neuer Krebstherapien sein.

Eine Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori tritt weltweit bei etwa der Hälfte der Menschheit auf. Damit zählt sie zu den häufigsten chronischen bakteriellen Infektionen. In der Folge können sich Entzündungen des Magens (Gastritis) oder Magenkrebs entwickeln. Wegen des ständigen Kontakts mit der Magensäure erneuert sich die gesunde Magenschleimhaut innerhalb weniger Wochen komplett, wobei ihre Struktur und Zusammensetzung stets unverändert bleibt. „Bisher ging man davon aus, dass eine Helicobacter-Infektion die Drüsenzellen der Magenschleimhaut direkt schädigt“, erklärt Prof. Dr. Michael Sigal, Letztautor der Studie. „Unser Team hat nun herausgefunden, dass die komplexen Interaktionen verschiedener Zellen und Signale, die für die Stabilität des Gewebes sorgen, durch eine Infektion gestört werden.“ Prof. Sigal ist Emmy Noether-Arbeitsgruppenleiter an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité und am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehört.

Um die Veränderungen der Magendrüsen durch eine Helicobacter-Infektion nachzuverfolgen, hat sich das Forschungsteam zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie komplexe Mausmodelle zu Nutze gemacht, bei denen sich bestimmte Zellen der Magendrüsen mittels modernster Technologien – wie Bildgebung und Einzelzellsequenzierung am Gewebe – visualisieren, isolieren und genau untersuchen lassen. Darüber hinaus entwickelten sie im Labor spezielle organähnliche Mikrostrukturen – sogenannte Organoide –, um damit den Einsatz von Tiermodellen einschränken zu können. Mithilfe dieser winzigen Miniaturmägen konnten sie viele Eigenschaften der Drüsen nachempfinden und den Einfluss vielfältiger Signale auf die dortigen Stammzellen untersuchen, aus denen verschiedene Zelltypen entstehen können.

„Wir haben herausgefunden, dass die sogenannten Stromazellen, die die Drüsen umgeben, nicht – wie bisher gedacht – nur für die mechanische Stabilität verantwortlich sind. Sie produzieren auch Botenstoffe, die das Verhalten der Drüsen maßgeblich beeinflussen“, beschreibt Prof. Sigal. Zu diesen Botenstoffen gehört auch das „Bone Morphogenetic Protein“ (BMP), das für die Gewebeentwicklung von Bedeutung ist. Die Forschenden konnten zeigen, dass Stromazellen, die die Drüsenbasis umgeben, den BMP-Signalweg fortwährend unterdrücken und so die Teilung der dortigen Stammzellen anregen. Hingegen aktivieren Stromazellen an der Drüsenspitze den Signalweg und unterbinden damit dort die Zellteilung. Dieser Einfluss der Umgebung ist die Grundlage für die stabile Drüsenstruktur.  

Durch eine Helicobacter-Infektion kommt es zur Ausschüttung von Endzündungsstoffen wie Interferon-gamma (IFN-γ). 

Im Zuge dieser Entzündungsreaktion werden nun vermehrt Botenstoffe produziert, die die Zellteilung der Stammzellen in den Drüsen anregen. 

  • Das führt schließlich zur sogenannten Hyperplasie – also dazu, dass sich das Gewebe vergrößert und Krebsvorläufer entstehen können.


„Unsere Erkenntnisse zeigen, dass eine Infektion und eine damit einhergehende Entzündung viel mehr Effekte im Gewebe hat als bisher angenommen: 

klassische Entzündungsstoffe wie IFN-γ haben nicht nur eine direkte antimikrobielle Wirkung, sondern beeinflussen auch die Zellteilung und das Verhalten von Stammzellen im Gewebe.

Bei einer Gewebeschädigung kann eine schnelle Zellteilung sehr sinnvoll sein, um eine rasche Heilung zu ermöglichen. 

Bei einer chronischen Entzündung im Zuge einer Helicobacter-Infektion könnte sie jedoch die Entwicklung von Krebsvorläufern begünstigen“, resümiert Prof. Sigal. 

Die Signalwege bei der Interaktion zwischen dem Immunsystem und Stammzellen, die auch für andere Organe als den Magen bedeutsam sein könnten, stellen somit einen Ansatzpunkt für neue Therapien – sowohl in der Krebsvorsorge als auch in der regenerativen Medizin – dar.

*Kapalczynska M et al. BMP feed-forward loop promotes terminal differentiation in gastric glands and is interrupted by H. pylori-driven inflammation. Nat Commun (2022). doi: 10.1038/s41467-022-29176-w

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Originalpublikation:

https://www.nature.com/articles/s41467-022-29176-w


Dr. Manuela Götzberger: Akute Pankreatitis (AP) - chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung: Genaue Differentialdiagnostik

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: S3-Leitlinie zur Pankreatitis: Ultraschall spielt bei einer entzündeten Bauchspeicheldrüse eine zentrale Rolle

Die akute Pankreatitis (AP) ist mit jährlich rund 50.000 Krankenhauseinweisungen eine der häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes – Tendenz steigend. 

Etwa jeder fünfte Betroffene hat einen komplizierten – bis hin zum lebensbedrohlichen – Verlauf und muss mit lebenslangen Beeinträchtigungen rechnen. 

  • Bei einer akuten oder chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ist daher eine frühzeitige und exakte Diagnose für die weitere Behandlung essenziell. 

Mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) ist kürzlich die erste umfassende S3-Leitlinie zur Pankreatitis in Deutschland erschienen. 

Dabei spielt der Ultraschall eine zentrale Rolle.

  • Zu den verschiedenen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gehören die akute, chronische, kindliche und autoimmune Pankreatitis sowie die Pankreatitis auf dem Boden von zystischen oder soliden Tumoren der Bauchspeicheldrüse. 

„Eine genaue Differenzialdiagnostik ist sehr wichtig, um die in ihrer Symptomatik häufig ähnlich erscheinenden, aber unterschiedlichen Krankheitsbilder exakt voneinander abzugrenzen“, führt DEGUM-Experte Professor Dr. med. Albrecht Neeße aus Göttingen aus. 

„Mit der neuen S3-Leitlinie liegt uns erstmals eine umfassende Handlungsempfehlung vor, die alle Erscheinungsformen der Pankreatitis gemäß der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage berücksichtigt und deren klinischer Bewertung durch ein großes Expertengremium vornimmt.“

Ursache für eine Pankreatitis sind meist Gallensteine, Alkohol- und Nikotinmissbrauch, ein metabolisches Syndrom, Tumore, genetische Veränderungen oder Medikamente. 

  • Eine entzündete Bauchspeicheldrüse macht sich durch sehr starke Schmerzen im Oberbauch bemerkbar. 

Chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse führen häufig zu lebenslangen Verdauungsstörungen, Schmerzen oder Diabetes mellitus. 

„Etwa jeder dritte Patient mit einer chronischen Pankreatitis kann seinen Beruf nicht mehr ausüben“, mahnt Neeße, Co-Autor der Leitlinie. „Eine frühe Diagnose und Therapie hat also auch eine hohe sozio-ökonomische Bedeutung.“

Als besonders hilfreich in der Diagnostik und Therapie hat sich die Bildgebung etabliert, die in der neuen Leitlinie eine große Aufwertung erfährt: „Insbesondere dem transabdominellen Ultraschall und der Endosonografie (EUS=endoskopischer Ultraschall) kommen darin eine herausragende Stellung zu“, sagt Dr. med. Manuela Götzberger, Sprecherin des DEGUM-Arbeitskreises Endosonografie. 

Bei der Detektion von Gallengangssteinen, die die häufigste Ursache für eine akute Pankreatitis sind, sollte der EUS die erste Wahl sein. 

„Im Vergleich zu anderen Bildgebungsverfahren kann dieser auch kleine Steine im Gallengang sichtbar machen, die meist der Auslöser der Entzündungsprozesse sind.
Diese Methode wird ebenso bei Komplikationen der Pankreatitis als erste Interventionsmethode gewählt wie zur Drainage von infizierten Nekrosearealen oder Pseudozysten“, erklärt die Gastroenterologin aus München.

Bei einem ersten Verdacht auf eine akute oder chronische Pankreatitis ist der Ultraschall durch die Bauchwand (transabdominelle Sonografie) Mittel der Wahl. Denn er ist leicht und schnell verfügbar, kostengünstig, nicht-invasiv, ohne Strahlenbelastung und kann risikofrei wiederholt werden. „Bei der diagnostischen Abklärung von Kindern ist er besonders wertvoll, da möglichst Strahlenbelastungen und Narkosen zu vermeiden sind“, betont Neeße.

Diese schonende Methode hat jedoch einen Nachteil: 

Durch die schlecht zugängliche Lage der Bauchspeicheldrüse und aufgrund von Luftüberlagerungen oder auch bei ausgedehnten Verkalkungen kann das Organ so oft nicht oder nicht ausreichend visualisiert werden.

 „Für mehr Zuverlässigkeit sind daher erfahrene Ultraschall-Expertinnen und -Experten, auch mit Erfahrung in der Anwendung von Ultraschallkontrastmittel ausschlaggebend“, so DEGUM-Präsident Professor Dr. med. Josef Menzel aus Ingolstadt.

  • Er empfiehlt daher analog zur S3-Leitlinie, die Versorgung von Pankreatitis-Patientinnen und -patienten in Spezialzentren mit besonderer Expertise – insbesondere bei schweren, komplexen Verläufen.


Die DEGUM setzt sich seit ihrer Gründung für die Zertifizierung von Ultraschallern, Kliniken und Zentren ein, um die Qualitätsstandards in der Ultraschallversorgung in Deutschland zu gewährleisten.

Quellen:
• S3-Leitlinie Pankreatitis: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-003.html
• Loosen, S.H. et al., Current epidemiological trends and in-hospital mortality of acute pancreatitis in Germany: a systematic analysis of standardized hospital discharge data between 2008 and 2017, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34820807/ DOI: 10.1055/a-1682-7621

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Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mehr Asthma-Patienten im Krankenhaus bei hoher Luftverschmutzung

Menschen mit Atemwegserkrankungen reagieren stärker auf Luftverschmutzung. 

Auch in Städten, in denen Richtwerte nur gelegentlich überschritten werden, sind sie besonders gefährdet. 

So steigt in Berlin die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Patientinnen und Patienten mit Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), wenn die Stickstoffdioxid-Konzentrationen erhöht sind.

  • Forschende aus dem IASS und der Charité – Universitätsmedizin Berlin untersuchten für eine Studie die Zusammenhänge zwischen erhöhter Luftverschmutzung und Krankenhauseinweisungen. 

Dafür nutzten sie Daten der Charité und des Luftgüte-Messnetzes der Stadt Berlin aus den Jahren 2005 bis 2015. Das Ergebnis: Für Asthma- und COPD-Patientinnen und -patienten war das Risiko, am Tag einer erhöhten Belastung mit dem Luftschadstoff Stickstoffdioxid (NO2) in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, deutlich erhöht. 

So kamen bei einem Anstieg der NO2-Belastung um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zehn Prozent mehr Asthma-Patientinnen und -Patienten und zwölf Prozent mehr COPD-Patientinnen und -Patienten ins Krankenhaus.

Stickstoffdioxid ist besonders gefährlich


Stickstoffdioxid wird regelmäßig gemessen und gilt als gut geeigneter ⁠Indikator⁠ zur Erfassung der Belastung der Bevölkerung durch die Mischung von Luftschadstoffen aus dem Verkehr. Die Tages-NO2-Konzentration im so genannten „städtischen Hintergrund“ in Berlin, also in einiger Entfernung von Verkehrsknotenpunkten, lag im Untersuchungszeitraum im Mittel bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, die Höchstwerte lagen bei 87 Mikrogramm. Der Richtwert für Außenluft der Weltgesundheitsorganisation WHO lag im Untersuchungszeitraum bei 40 Mikrogramm.

„Die schädlichen Wirkungen, die wir in unserer Studie beobachtet haben, könnten nicht allein auf die NO2-Konzentration zurückzuführen sein, sondern auch auf andere Substanzen des Schadstoffgemischs, die mit NO2 korrelieren. Eine häufige Exposition schon gegenüber niedrigen NO2-Werten wirkt sich ungünstig auf den Stoffwechsel, die Funktion und die Struktur der Lunge und auch auf die Anfälligkeit der Patienten für Lungeninfektionen aus“, erläutert IASS-Fellow Mariam Maglakelidze, Erstautorin der Studie. Ein erhöhtes Risiko für eine Krankenhauseinweisung durch hohe Ozon- und Feinstaubkonzentrationen ergab die Studie nicht.

Die Luft wird besser

In Berlin sind die NO2-Emissionen aus dem Verkehr nach Schätzungen für 70 bis 80 Prozent der Belastung in den innerstädtischen Wohngebieten verantwortlich. „Der Berliner Senat hat in den letzten Jahren bereits darauf reagiert und verschiedene Maßnahmen zur Luftreinhaltung umgesetzt, zum Beispiel Dieselrußpartikelfilter, Ausweitung des Öffentlichen Nahverkehrs und mehr Radwege. Die Luftqualität hat sich dadurch bereits verbessert. Im Studienzeitraum 2005 bis 2015 wurden die Grenzwerte für Stickstoffdioxid nicht und für Feinstaub nicht jedes Jahr eingehalten. 2020 hingegen gab es keine Grenzwertüberschreitungen mehr, wobei allerdings auch die Einschränkungen durch die Pandemie eine Rolle spielten“, sagt Erika von Schneidemesser, Forschungsgruppenleiterin am IASS und Ko-Autorin der Studie. Die bisherigen Bemühungen um eine bessere Luftqualität zahlten sich bereits aus, sollten aber auch im Sinne des Schutzes von Menschen mit Atemwegserkrankungen fortgesetzt werden.

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Originalpublikation:

Hoffmann, C., Maglakelidze, M., von Schneidemesser, E., Witt, C., Hoffmann, P., Butler, T. (2022): Asthma and COPD exacerbation in relation to outdoor air pollution in the metropolitan area of Berlin, Germany. - Respiratory Research 23, 64.
https://doi.org/10.1186/s12931-022-01983-1


Rene Hage: Lungenfibrose bei COVID-19 - die übersehene Lungenfibrose - post-COVID pulmonary fibrosis (PCPF)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Lungenfibrose nach COVID-19 trotz dafür untypischem Krankheitsverlauf

  • Anhaltende Atemprobleme nach einer COVID-19-Erkrankung können ein Hinweis auf eine Lungenfibrose sein, auch wenn der Krankheitsverlauf dafür keine Anzeichen gab. 

Pneumologen und Thoraxchirurgen des Universitätsspitals Zürich haben eine neue Form von Lungenfibrose bei COVID-19 als erste beschrieben und empfehlen, andauernde Atembeschwerden abzuklären.

Seit dem ersten Auftreten von COVID-19 gehört ein akutes Lungenversagen mitunter schon wenige Tage nach den ersten Symptomen zu den bekannten und schwerwiegendsten Komplikationen bei einem schweren Krankheitsverlauf. 

Um zu überleben, benötigen diese Patientinnen und Patienten intensivmedizinische Behandlung und müssen beatmet werden, bei vielen ist der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine nötig.

  • Ursache des akuten Lungenversagens ist in vielen Fällen eine Lungenfibrose, also überflüssiges Bindegewebe, das sich häufig infolge einer viralen Infektion zwischen den Lungenbläschen und rund um die Blutgefässe bildet. 
  • Diese Veränderungen beeinträchtigen den Gasaustausch und den Kreislauf in der Lunge. 
  • Sichtbar werden diese Veränderungen im Röntgenbild oder in einer Computertomographie (CT) als glasige, wabenartige Verschattungen in den Lungen. 
  • Die Schäden im Lungengewebe können sich bei den Patienten langfristig zurückbilden, bei vielen entwickelt sich daraus aber eine fortschreitende Lungenfibrose: 

Die Gewebeverdichtung nimmt zu und die Lungenkapazität schwindet, bis nur noch eine Transplantation den Patienten retten kann. 

Früh erkannt, kann eine Lungenfibrose jedoch in einigen Fällen medikamentös verlangsamt oder sogar zum Stillstand gebracht werden.

Die übersehene Lungenfibrose

Im Verlauf der COVID-19-Pandemie beobachteten Ärzte am USZ nun bei COVID-19-Patienten eine neue Form von Lungenfibrose, die sie post-COVID pulmonary fibrosis (PCPF) nannten. 

Festgestellt wurde sie bei Patientinnen und Patienten, die aufgrund von COVID-19 zwar hospitalisiert wurden, aber nicht immer so schwer erkrankten, dass sie beatmet werden mussten oder ein Lungenversagen erlitten – zwei bekannte Risiken für die Entwicklung einer Lungenfibrose. 

Diese Patienten zeigten dennoch grössere Einbussen bei der Atemleistung als die schwersterkrankten Patienten und bei der Laboruntersuchung unter anderem höhere CRP-Werte, ein Indikator für Entzündungen. 

Auch bei diesen Patientinnen und Patienten wurden im Röntgen- und im CT-Bild Gewebeveränderungen sichtbar. 

Auffallend war jedoch, dass eine Wabenstruktur zwischen den Verschattungen nicht oder kaum mehr erkennbar war: 

für Pneumologen ein Hinweis darauf, dass eine Lungenfibrose mit einer bereits irreversiblen Schädigung des Lungengewebes vorliegt.

Untypischer Krankheitsverlauf für Lungenfibrose


Für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte war dies ein überraschendes Bild: 

«Die Patientinnen und Patienten, bei denen wir diese Lungenfibrose feststellten, zeigten damit eine für ihren Krankheitsverlauf untypische, aber schwerwiegende Folgeerkrankung», so René Hage, Lungenspezialist in der Klinik für Pneumologie. 

  • Die Gewebeveränderungen zeigten sich zudem erst vier bis zwölf Wochen nach der Infektion mit SARS-CoV-2, ein Zeitraum, in dem sie typischerweise nicht mehr auftreten und deshalb auch nicht vermutet werden. 

«Damit diese Gewebeveränderungen und möglicherweise eine Lungenfibrose frühzeitig erkannt werden, sollten COVID-19-Patienten, die nach einigen Wochen noch immer eine Einschränkung ihrer Atemtätigkeit haben und keine Verbesserung verspüren, deshalb sorgfältig mit Lungentests überwacht und fallweise mit einer Computertomographie der Lunge abgeklärt werden», so Hage.

Ihre Beobachtungen und eine erste Übersicht zu den beiden Patientengruppen hat ein Ärzteteam der Klinik für Pneumologie und der Klinik für Thoraxchirurgie des Universitätsspitals Zürich in den Annals of Medicine publiziert, auch wenn die Beschreibung dieser neuartigen Lungenfibrose noch nicht abgeschlossen ist. 

«Wir müssen den Zusammenhang mit SARS-CoV-2 noch genauer verstehen und untersuchen, ob die Behandlung in der akuten Krankheitsphase einen Einfluss auf die Entwicklung dieser Fibrosen hat», so Hage. 

»Zudem laufen schon Studien dazu, welche der verfügbaren fibrosehemmenden Medikamente bei dieser Form am wirksamsten sind.»


Originalpublikation:

Kostantinos Kostopanagiotou, Macé M. Schuurmans, Ilhan Inci & René Hage (2022) COVID-19-related end stage lung disease: two distinct phenotypes, Annals of Medicine, 54:1, 588-590, DOI: 10.1080/07853890.2022.2039954
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/07853890.2022.2039954

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Nach Ostern 2022: Die ökumenische Klinikseelsorge

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Klinikseelsorge: Begleiter und Zuhörer in Notlagen

Die Coronavirus-Pandemie bringt Krankenhäuser seit mehr als zwei Jahren an ihre Grenzen. 

Ärzte und Pflegekräfte sind rund um die Uhr für schwerkranke COVID-19-Patienten im Einsatz. 

Doch fernab von Stethoskopen, Herz-Lungen-Maschinen und COVID-Pneumonien wirken auch noch andere Menschen im Hintergrund, die immer ein offenes Ohr für Mitarbeiter, Patienten, Angehörige und Hinterbliebene haben: 

die ökumenische Klinikseelsorge des Universitätsklinikums Regensburg (UKR). 

Auch sie musste sich den veränderten Bedingungen der Pandemie anpassen. 

Pater Klaus Schäfer spricht über besondere Herausforderungen und ungewöhnliche Begegnungen. 

Pater Klaus Schäfer: „Ich bin Begleiter für Patienten, Angehörige, Hinterbliebene und auch für Mitarbeiter. Für ihre Sorgen, Ängste, Trauer und Wut habe ich immer ein offenes Ohr.“ Pater Klaus Schäfer: „Ich bin Begleiter für Patienten, Angehörige, Hinterbliebene und auch für Mitarbeiter. Für ihre Sorgen, Ängste, Trauer und Wut habe ich immer ein offenes Ohr.“ Franziska Holten © UKR 

  • Was sind die Hauptaufgaben eines Klinikseelsorgers? Unterscheiden sich diese stark von der Gemeindeseelsorge?

Pater Schäfer: Die Klinikseelsorge nimmt die Rolle eines Begleiters ein. 

  • Meine Kolleginnen und Kollegen aus der ökumenischen Klinikseelsorge und ich begleiten Patienten, Angehörige, Hinterbliebene und Mitarbeiter bei der Aufarbeitung und Bewältigung von Problemen, Sorgen und Ängsten. 

Wir haben einfach ein offenes Ohr für die Menschen. 

Was für ein Ergebnis bringt die Untersuchung? 

Ist die Therapie erfolgreich? 

Wie lange muss ich in der Klinik bleiben? 

In welchem Zustand komme ich wieder nach Hause? 

Aber auch Sterbebegleitung für den Sterbenden und seine Angehörigen gehört mit dazu. 

Das gilt nicht nur für unsere Patienten. 

Wenn ein Mitarbeiter des UKR stirbt, halten wir mit seinem Team gerne eine Trauerfeier. 

Dabei spielt es auch keine Rolle, welcher Konfession oder Religion der Verstorbene angehört. Im Sinne des Miteinanders werden die Trauerfeiern ökumenisch abgehalten. Gelegentlich dürfen wir Klinikseelsorger aber auch ein Kind taufen oder gar eine Hochzeit abhalten.

  • Das Coronavirus SARS-CoV-2 beschäftigt die Welt auch nach über zwei Jahren noch ausgiebig. Hat sich während der Pandemie Ihre Arbeit als Seelsorger verändert?


Pater Schäfer: Ja, sicherlich. In weiten Teilen sogar sehr. Gerade die Begleitung von Sterbenden auf den COVID-Intensivstationen war und ist schon sehr speziell. Alleine schon die äußeren Umstände. Wir mussten uns, wie Ärzte und Pflegekräfte auch, mit einer kompletten Schutzmontur, Brille, Handschuhe, Kittel und Haube, kleiden und erst dann konnten wir zu den Corona-Patienten ans Bett. Das Hygiene-Team hat uns hier bestens unterstützt und im Umgang mit den Schutzmaßnahmen geschult. Im Frühjahr 2020, als noch niemand so recht wusste, welche Sicherheitsmaßnahmen ausreichend sind - wir Klinikseelsorger arbeiten stationsübergreifend -, stellten wir die Krankenbesuche weitestgehend ein, ließen aber Kärtchen mit den Kontaktdaten der Seelsorge drucken, die zu Ostern 2020 an alle unsere Patienten verteilt wurden. Einerseits müssen wir die Patienten schützen, andererseits wollen wir für sie in ihren Nöten da sein. Somit betrieben wir für einige Wochen hauptsächlich Seelsorge per Telefon.

  • Hygiene-Regeln und Eigenschutz sind das Eine, aber wie hat sich konkret der Umgang mit den Patienten während der Pandemie verändert?


Pater Schäfer: Der Kontakt ist natürlich räumlich distanzierter geworden. Man konnte nicht die Nähe zu den Betroffenen suchen, sich nicht an das Bett setzen. So zum Beispiel bei Sterbenden auf den COVID-Intensivstationen. In vielen Fällen waren wir von der Seelsorge die einzigen, die direkt am Patienten sein konnten, während Angehörige aus Gründen des Infektionsschutzes nicht direkt ins Zimmer durften, um sich zu verabschieden. Dennoch durften wir auch Dankbarkeit von Hinterbliebenen erfahren, weil wir ihre Angehörigen auf dem letzten Weg begleiten konnten.

  • Wissen Sie beim Betreten eines COVID-Zimmers immer schon, was Sie erwartet?


Pater Schäfer: In den meisten Fällen tatsächlich, weil ich von Angehörigen oder den Kollegen von der Station gerufen werde. Ich weiß also, ob man auf Genesung hofft, ich einen Sterbenden begleiten soll oder ob der Patient bereits verstorben ist.

Auf der einen Seite stehen Patienten, Angehörige und Hinterbliebene. Auf der anderen Seite stehen Ärzte, Pflegekräfte und alle anderen Mitarbeiter im Krankenhaus, deren Alltag eng mit dem der schwerkranken Patienten auf den COVID-Stationen verwoben ist.

Pater Schäfer: Die Kollegen auf unseren Stationen leisten seit mehr als zwei Jahren Unglaubliches. Die Pandemie war für alle ein Wellenbad der Gefühle. Während sich die Situation außerhalb des Klinikums immer wieder einmal verbessert hat und die Inzidenzen rückgängig waren, hatte sich dieses Bild auf den Corona-Stationen nicht oder nur sehr langsam abgezeichnet. Und genauso wellenartig wie das Infektionsgeschehen sich am Klinikum abgezeichnet hat, so wurde auch die Seelsorge durch die Mitarbeiter angefragt. Oftmals einfach ‚nur‘, um zu reden. Allgemein lässt sich auf jeden Fall feststellen, dass die Anfragen an die Klinikseelsorge während der Pandemie deutlich gestiegen sind.

Sie werden täglich mit Tod, Trauer, Sorgen, Ängsten und vielen weiteren Problemen Ihrer Mitmenschen konfrontiert. Wie schaffen Sie es, nicht zu viel an sich selbst heranzulassen?

Pater Schäfer: Es ist ja so, dass ich mir meine Arbeit ausgesucht habe, weil ich darin meine Stärken sehe. Klar, in vielen Situationen stehen zu Beginn erst einmal die Trauer und der Abschied. Dieser Trauer muss man auch den Raum geben, um das Geschehene zu verarbeiten. Dabei helfe ich den Betroffenen. Oft sind es einfach nur die kleinen Gesten, ein kurzes, anerkennendes Nicken oder eben das offene Ohr. Oder, wie es mir in meiner Zeit als Klinikseelsorger erst einmal passiert ist, eine kurze Umarmung.

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Matthias Dettenhofer Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

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Dr. Isolde Schäfer
Telefon: 0941 944-4210
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Präventio und Behandlung: Diabetes-Screening mit Langzeitblutzuckermessung nach COVID-19 Erkrankung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Spätfolgen von COVID-19: Studie zeigt erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes nach Corona-Infektion

Eine aktuelle Studie weist auf ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes nach einer überstandenen Corona-Infektion hin. 

Die ausgewerteten Daten stammen aus deutschen Praxen, die Diabetes mellitus nach einem überwiegend milden Corona-Verlauf nachweisen. 

Ausgehend von den gewonnenen Ergebnissen fordert die DDG eine aktive Untersuchung der Glukoseregulation aller Betroffenen nach Infektionen, besonders nach einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Erreger.

  • Betroffene mit COVID-19 entwickeln im Vergleich zu Menschen mit Atemwegsinfektionen häufiger einen Typ-2-Diabetes. 

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums, die im März 2022 veröffentlicht wurde.  

  • Das relative Risiko, nach einer Corona-Infektion an Diabetes zu erkranken, ist um 28 Prozent höher als nach einer Atemwegsinfektion, die häufig ebenfalls durch Viren verursacht wird.  

In Zahlen ausgedrückt erkranken über einen Zeitraum von einem Jahr ca. 3-4 Personen pro 1000 Menschen mehr an Diabetes nach einer COVID-19 Infektion als nach einer anderen Atemwegsinfektion. „Diese Risikoerhöhung erscheint zunächst gering“, sagt Professor Dr. med. Wolfgang Rathmann, Erstautor der Studie. „Doch damit haben wir eine neue Risikogruppe für Typ-2-Diabetes. Und das werden alle Menschen sein, die sich mit COVID-19 infiziert haben und infizieren werden. In Deutschland sind das zum jetzigen Zeitpunkt über 22 Millionen Menschen.“

Insgesamt wurden die Daten von über 70.000 Patientinnen und Patienten ausgewertet. Diese stammen aus einer bundesweiten Praxisdatenbank (Disease Analyzer; IQVIA Frankfurt). „Die Stichprobengröße war größer als in früheren, meist krankenhausbasierten Studien. Außerdem verwendeten wir Originaldaten aus den Praxen, die uns valide Angaben zu Prävalenz und Inzidenz von Typ-2-Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen geben können“, so Rathmann, stellvertretender Direktor des Instituts für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Die Studie weist aber auch verschiedene Einschränkungen auf wie beispielsweise die geringe Fallzahl von Typ-1-Diabetes, die es nicht ermöglichte, die Inzidenz zu untersuchen. Es ist außerdem eine langfristige Beobachtung von Betroffenen notwendig, um zu klären, ob Typ-2-Diabetes nach einer Corona-Infektion nur vorübergehend auftritt oder zu einer chronischen Erkrankung führt.

„Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Schwäche sind Symptome, die sowohl bei Typ-2-Diabetes als auch nach einer COVID-19 Erkrankung als Corona-Langzeitfolge auftreten können“, sagt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Stellvertretender Direktor an der Medizinischen Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen und Pressesprecher der DDG. Er rät daher Betroffenen und behandelnden Ärztinnen und Ärzten, auch an das Neuauftreten eines Diabetes zu denken. 

  • „Daher sollte nach einer Corona-Infektion unbedingt auch ein Diabetes-Screening mit Langzeitblutzuckermessung durchgeführt werden“, so Gallwitz.


Ob sich der Stoffwechsel wieder normalisiert oder der Diabetes bestehen bleibt konnte die Studie noch nicht beantworten. 

Wie auch bei einem – nicht nach einer Viruserkrankung auftretenden – Diabetes Typ 2 könnten jedoch gezielte Präventionsmaßnahmen einer Manifestation, das heißt einer chronischen Erkrankung, entgegenwirken. 

„Wir brauchen weitere Forschung, um den Zusammenhang von Infektionserkrankungen und Diabetes mellitus zu verstehen“, betont Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Vizepräsident der DDG vom Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz-Zentrums München an der Universität Tübingen. „Wir können es uns jedoch nicht leisten abzuwarten, bis es möglicherweise zu spät ist. Deshalb erneuern wir unseren Appell an die Politik, unsere bereits bekannten Forderungen mit höherer Priorität endlich umzusetzen: Wir brauchen ein umfangreiches Maßnahmenbündel zur Prävention und Behandlung von Diabetes.“

Literatur:

Rathmann W, Kuss O, Kostev K. Incidence of newly diagnosed diabetes after Covid-19. Diabetologia 2022 Mar; 16:1–6. DOI: 10.1007/s00125-022-05670-0

Mulder H, Fall T. Die COVID-19-Pandemie mag zurückgehen, aber die Diabetes-Pandemie wütet weiter. Diabetologia 2022 Mar; 16:1-2. DOI: 10.1007/s00125-022-05683-9

Robert Koch-Institut. COVID-19: Fallzahlen in Deutschland und weltweit (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html) (12.04.2022). Im Internet: Fallzahlen in Deutschland und weltweit; Stand: 12.04.2022
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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9200 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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Die Diagnostik und die Behandlung von Adipositas nach Ostern 2022 - DMP-Programm Entwicklung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Adipositas: Leitlinien decken alle wichtigen Versorgungsaspekte für ein DMP ab

Die vorläufigen Ergebnisse der IQWiG-Leitlinien-Recherche für die strukturierte Behandlung adipöser Erwachsener liegen vor. Bitte um Stellungnahmen bis zum 16.05.2022.

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) recherchiert und bewertet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) derzeit die medizinischen Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Adipositas. 

Die abschließenden Arbeitsergebnisse werden dem G-BA als wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung eines Disease-Management-Programms (DMP) Adipositas dienen.

Für den jetzt veröffentlichten Vorbericht „Leitliniensynopse Adipositas Erwachsene“ hat das Institut die Empfehlungen aus 22 aktuellen evidenzbasierten Leitlinien ausgewertet und vorab festgelegten Versorgungsaspekten zugeordnet. Dabei konnte das Projektteam zu allen Versorgungsaspekten potenziell DMP-relevante Inhalte identifizieren.

Zu diesem Vorbericht bittet das IQWiG nun bis zum 16.05.2022 um Stellungnahmen.

Etwa 24 Prozent der Menschen in Deutschland sind stark übergewichtig

  • Von krankhaftem Übergewicht (Adipositas) spricht man, wenn der Fettanteil übermäßig hoch ist. 
  • Er gilt als zu hoch, wenn der Body-Mass-Index (BMI, kg/m2) über 30 liegt. 
  • Eine Adipositas erhöht das Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 2, Arthrose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Zu den Faktoren, die zu Übergewicht führen können, gehören unter anderem die Ernährung und der Lebensstil, die genetische Veranlagung, bestimmte Krankheiten sowie psychologische und soziale Faktoren. 

Auch bestimmte Medikamente können eine Gewichtszunahme bewirken. 

Nach Daten des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland etwa 24 Prozent aller Männer und Frauen stark übergewichtig.

Die strukturierte Behandlung adipöser Erwachsener

DMPs sind strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch Kranke, die auf den Erkenntnissen der evidenzbasierten Medizin (EbM) beruhen. Patientinnen und Patienten mit bestimmten chronischen Krankheiten können sich in ein DMP einschreiben und erhalten dann eine Versorgung, die das Risiko von Folgeschäden und akuten Verschlechterungen der Krankheit so weit wie möglich verhindern und die Lebensqualität verbessern soll. Ziel eines DMP ist unter anderem, die Behandlung zu optimieren, die Zusammenarbeit der Leistungserbringer zu fördern und Abläufe besser miteinander zu verzahnen.

Als Grundlage für die Entwicklung eines neuen DMP Adipositas Erwachsene hat das IQWiG 98 infrage kommende medizinische Leitlinien gesichtet, wovon sich schließlich 22 als für die Fragestellung relevant erwiesen. Die einzige umfassende deutsche S3-Leitlinie zum Thema („Adipositas – Prävention und Therapie“) stammt aus dem Jahr 2014, bildet deshalb nicht mehr den aktuellen Versorgungsstandard ab und konnte nicht berücksichtigt werden. Wann die federführende Fachgesellschaft (Deutsche Adipositas-Gesellschaft, DAG) die begonnene Überarbeitung der Leitlinie abgeschlossen haben wird, ist offen.

In den 22 eingeschlossenen Leitlinien fanden sich insgesamt 961 Empfehlungen, die das Projektteam analysierte und folgenden Versorgungsaspekten zuordnete: 

Diagnostik, Therapieziele, allgemeine Grundsätze der Therapie, therapeutische Maßnahmen, Kooperation der Versorgungssektoren, Langzeitbetreuung, Schulungen, digitale medizinische Anwendungen, Komorbiditäten und schwangere Frauen.

Anschließend bewertete das Institut die identifizierten und zugeordneten Empfehlungen in Hinblick auf DMP-Relevanz. Vorläufiges Ergebnis: Zu allen definierten Versorgungsaspekten konnten in den 22 eingeschlossenen Leitlinien DMP-relevante Inhalte identifiziert werden.

Bis zum 16.05.2022 können Interessierte Stellungnahmen zum Vorbericht abgeben.


Zum Ablauf der Berichterstellung

Den Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im Oktober 2021 vorgelegt. Stellungnahmen zum Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer wissenschaftlichen Erörterung eingeladen. Im Anschluss erstellt das IQWiG den Abschlussbericht. Dieser wird bis Ende August 2022 an den G-BA versendet und vier Wochen später veröffentlicht.


Originalpublikation:

https://www.iqwig.de/projekte/v21-05.html

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Lebensstil-Faktoren an Ostern 2022: Serum-Biomarker Laboruntersuchungen einplanen - Vorhersagekraft für die Lebenserwartungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Lebenserwartung präziser vorhersagen mit Blutmarkern plus Lebensstil

Eine kombinierte Analyse von Lebensstil-Faktoren und fünf alterungsbezogenen Serum-Biomarkern hat hohe Vorhersagekraft für die Lebenserwartung. 

Dies ermittelten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Deutschen Krebsforschungszentrum. 

  • So müssen Männer mit den ungesündesten Lebensgewohnheiten und einem ungünstigen Biomarker-Profil* mit einem voraussichtlichen Verlust von über 22 Lebensjahren rechnen.

Dass ein ungesunder Lebensstil Lebensjahre rauben kann, ist durch zahlreiche Studien belegt. 

Wie groß die schädlichen Effekte tatsächlich sein können, haben Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) bereits vor einigen Jahren präzise ermittelt: 

Menschen, die alle Empfehlungen zur Gesundheitsprävention beherzigen, leben bis zu 17 Jahre länger als Zeitgenossen mit sehr ungesunden Lebensgewohnheiten**.

  • Doch das biologische Altern hängt nicht nur von diesen beeinflussbaren Lebensstilfaktoren ab.
  • Auch sozioökonomische Faktoren spielen eine Rolle, ebenso die individuelle genetische Ausstattung. 

Der funktionelle biologische Abbau spiegelt sich in einer Vielzahl an Blut-Biomarkern wider. 

„Wir wollten nun wissen, ob wir die Lebenserwartung noch präziser vorhersagen können, wenn wir zusätzlich geeignete Serum-Biomarker bestimmen“, sagt Rudolf Kaaks, Epidemiologe am DKFZ.

Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen hatten kürzlich ein Panel an Blut-Biomarkern ausgewählt, die eng mit der Lebenserwartung korrelieren und zuverlässig und einfach messbar sind. 

Die fünf Marker, die das Heidelberger Team nun aus diesem Panel auswählte, sind relevante physiologische Indikatoren für verschiedene Aspekte des biologischen Alterns. 

Der Growth differentiation factor 15 (GDF-15) zeigt oxidativen Stress, Entzündungen und Mitochondrien-Fehlfunktion an, 

der Cystatin C-Spiegel gibt Hinweis auf die Nierenfunktion,

und NT-proBNP zeigt Herzschäden an. 

Erhöhte Werte des so genannten „Glykohämoglobin“ HbA1c signalisieren Diabetes und ungesunden Stoffwechsel, 

das C-reaktive Protein CRP ist ein Marker für systemische Entzündung.

Für die aktuelle Untersuchung konnten die DKFZ-Epidemiologen auf die Blutproben der Heidelberger EPIC-Teilnehmer zugreifen. Das DKFZ ist seit über 20 Jahren an dieser gesamteuropäischen Untersuchung zum Zusammenhang von Ernährung, Lebensstilfaktoren und Krebs beteiligt. Die Heidelberger EPIC-Kohorte umfasst über 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im mittleren bis höheren Lebensalter. 2571 Teilnehmer waren zum Ende der Nachbeobachtungsperiode (2014) verstorben.

Das DKFZ-Team ermittelte für alle Studienteilnehmer ein Profil von lebensstilbezogenen Risikofaktoren (Rauchen, Body Mass Index, Hüftumfang, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Diabetes, Bluthochdruck). Berücksichtigten die Forscher allein dieses Profil, so lag die Lebenserwartung von Männern mit dem günstigsten Profil 16,8 Jahre höher als die von Studienteilnehmern mit den ungesündesten Lebensgewohnheiten*. Bei den Frauen betrug dieser Unterschied nur 9,87 Jahre.

Wurden zusätzlich zum Lebensstil die Serummarker einberechnet, so ergab sich eine Differenz von 22,7 Lebensjahren zwischen Männern mit den ungünstigsten Werten gegenüber der günstigsten Gruppe. Bei den Studienteilnehmerinnen betrug diese Differenz 14 Jahre.

„Der voraussichtliche Verlust an Lebenserwartung ist ein geeigneter und leicht verständlicher Messwert, den beispielsweise Ärzte nutzen können, um ihre Patientinnen und Patienten zu motivieren, ungesunde Gewohnheiten aufzugeben. Auch könnten damit Menschen mit besonders hohen gesundheitlichen Risiken identifiziert werden, die von direkten Interventionen profitieren könnten“, erklärt Erstautor Bernard Srour.

„Durch die Kombination von Lebensstilfaktoren plus Serummarkern kann die Vorhersagekraft für die Lebenserwartung noch weiter verbessert werden.“

Aktuelle Publikation:
Bernard Srour, Lucas Cory Hynes, Theron Johnson, Tilman Kühn, Verena A. Katzke, Rudolf Kaaks: Serummarkers of biological ageing provide long-term prediction of life expectancy – a longitudinal analysis in middle-aged and older German adults. Age & Aging 2022, DOI: 10.1093/ageing/afab271

* Die Studienteilnehmer wurden anhand der Werte ihres Lebensstil-Risikoprofils bzw. ihrer Blutmarker-Werte gruppiert. Für die Auswertungen verglichen die Forscher die 20 Prozent der Teilnehmer mit den günstigsten Werten mit den 20 Prozent der Teilnehmer, die die ungünstigsten Werte aufwiesen.

** Kuanrong Li, Anika Hüsing und Rudolf Kaaks: Lifestyle risk factors and residual life expectancy at age 40: a German cohort study. BMC Medicine 2014, http://www.biomedcentral.com/1741-7015/12/59


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Originalpublikation:

Bernard Srour, Lucas Cory Hynes, Theron Johnson, Tilman Kühn, Verena A. Katzke, Rudolf Kaaks: Serummarkers of biological ageing provide long-term prediction of life expectancy – a longitudinal analysis in middle-aged and older German adults. Age & Aging 2022, DOI: 10.1093/ageing/afab271