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Dr. Werthmann: Sturzrisiko bei älteren Menschen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Kann Bewegungstherapie Stürze verhindern?

Im Rahmen der ENTAiER-Studie untersucht der Fachbereich Integrative Medizin am Universitätsklinikum Ulm (UKU) die Wirksamkeit von achtsamen Bewegungstherapien auf das Sturzrisiko bei älteren Menschen. 

Hierfür werden Teilnehmer*innen ab 65 Jahren gesucht, deren Bewegung nicht mehr die gewohnte Sicherheit aufweist und die mindestens eine lang andauernde (chronische) Erkrankung haben.

Bewegung ist entscheidend für lebenslange Gesundheit und den Erhalt der Selbstständigkeit. 

Im Alter lassen jedoch die gewohnte Sicherheit und damit die Freude an der Bewegung nach. 

Die Gefahr zu stürzen und sich dabei zu verletzen steigt, die Angst vor Stürzen verunsichert Betroffene zusätzlich. 

Jeder dritte ältere Mensch stürzt einmal im Jahr. 

Leiden Menschen an chronischen Erkrankungen, erhöht sich das Sturzrisiko zusätzlich. 

Umgekehrt beugen Bewegung und körperliche Fitness vielen Erkrankungen vor und erleichtern den Umgang mit ihnen. 

Insbesondere sanfte, achtsame Bewegungsformen aus verschiedenen Kulturkreisen sind auch bei älteren Menschen immer beliebter. 

Vor diesem Hintergrund führen das Universitätsklinikum Freiburg und sieben kooperierende Zentren, darunter auch das Universitätsklinikum Ulm, die großangelegte ENTAiER-Studie durch. 

„Ziel der Studie ist es, herauszufinden, ob achtsame Bewegungstherapien wie Tai Chi und Eurythmie-Therapie die sichere Bewegung älterer chronisch kranker Menschen stärken und ihre Sturzgefahr vermindern“, erklärt Dr. Paul G. Werthmann, Prüfarzt der Studie im Fachbereich Integrative Medizin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am UKU. 

Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

Die ENTAiER-Studie soll 550 Menschen mit lang andauernder chronischer Erkrankung umfassen, deren Bewegung nicht mehr die gewohnte Sicherheit und damit ein erhöhtes Sturzrisiko aufweist. 

Per Zufall werden die Teilnehmer*innen einer von drei Behandlungsgruppen zugeteilt. 

Eine Gruppe praktiziert über sechs Monate regelmäßig Tai Chi, eine zweite Gruppe wendet in diesem Zeitraum regelmäßig die Eurythmie-Therapie an. 

Die dritte Gruppe nimmt in dieser Zeit ausschließlich Angebote der Regelversorgung in Anspruch. 

„Wir möchten wissen, welche Auswirkungen die Übungen auf die Teilnehmenden haben. 

Welchen Einfluss hat die Bewegungstherapie auf die Balance und die Mobilität, auf das Risiko zu stürzen und die Angst vor Stürzen? 

Gibt es Auswirkungen auf die Selbstständigkeit bei Alltagstätigkeiten, die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie Stimmung und Kognition?“, so Dr. Werthmann. 

Die Teilnehmer*innen müssen bereit sein, über sechs Monate regelmäßig zu den Therapiestunden zu kommen und zwischendurch zu Hause zu üben. 

Zudem muss täglich ein Kreuz in einen Dokumentationsbogen eingetragen werden, es gibt monatlich ein Telefonat mit der Studienzentrale und insgesamt vier Untersuchungen im Studienzeitraum. 

Auch Menschen mit wenig Bewegungserfahrung und Menschen, die sonst eher eine zurückgezogene Lebensweise pflegen, sind willkommen. 

Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos. 

Auf hohe wissenschaftliche und ethische Qualität wird in der Studie streng geachtet.

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Prof. Dr. Lars Kaestner: Regelmäßigen Marihuana-Rauchern (Haschisch, Cannabis-Raucher): CAV E: Thronmboserisiko -Gesundheitsgefahr auch für Kriegsflüchtlinge

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Cannabis-Raucher haben höheres Thromboserisiko als Nichtraucher

Ein Team um den Saarbrücker Professor Lars Kaestner, Experte für rote Blutzellen, hat beobachten können, dass bei regelmäßigen Marihuana-Rauchern unmittelbar nach dem Konsum von Cannabis die roten Blutzellen der Raucher verstärkt anschwellen. 

  • Da sich gleichzeitig die Gefäße verengen, steigt damit das Thromboserisiko kurzfristig an. 

Ob damit eine tatsächliche Gesundheitsgefahr einhergeht, ist allerdings nicht geklärt. 

Die Studie wurde im American Journal of Hematology veröffentlicht. 

Professor Dr. Lars Kaestner Professor Dr. Lars Kaestner Thorsten Mohr  Universität des Saarlandes/

 Es ist ein seit Jahren hitzig diskutiertes Thema in Deutschland: 

Die Freigabe von Cannabis für den privaten Konsum. 

Befürworter betonen, dass Haschisch, Marihuana und andere Produkte der Hanfpflanze „Cannabis sativa“ gesundheitlich keine schwerwiegenden Auswirkungen hätten.  

Gegner der Freigabe warnen vor körperlich und psychisch schwerwiegenden Auswirkungen bis hin zur Gefahr, dass Cannabis als Einstiegsdroge für härtere Drogen gelten könnte.

Wie auch immer diese Debatte letztendlich ausgeht, eine körperliche Reaktion ist nun wissenschaftlich geklärt: 

  • Regelmäßige Cannabis-Raucher haben unmittelbar nach dem Rauchen ein gesteigertes Thromboserisiko. 

Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Professor Lars Kaestner von der Universität des Saarlandes in einer Studie herausgefunden, die nun im American Journal of Hematology veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler verglichen dabei die Blutzellen von drei Marihuana-Rauchern mit den Blutzellen dreier in etwa gleichaltriger (ca. Mitte 30) Nichtraucher miteinander.

  • „Wir haben beobachten können, dass, unmittelbar nachdem Erythrozyten mit dem Cannabis-Wirkstoff Dronabinol in Berührung kommen, diese anschwellen“, erklärt Lars Kaestner, „und zwar bei regelmäßigen Marihuana Rauchern stärker als bei Nichtrauchern“. 
  • Der Effekt lasse nach kurzer Zeit wieder nach, eine dauerhafte Veränderung war nicht zu beobachten. 
  • Der im Cannabis enthaltene Wirkstoff Dronabinol – auch bekannt als Tetrahydrocannabinol (THC) – stimuliert dabei einen bestimmten Ionenkanal an den Erythrozyten namens TRPV2. 

Dieser Kanal, der die Aufnahme und Abgabe bestimmter Botenstoffe in die Zelle und aus der Zelle heraus reguliert, sorgt in der Folge dafür, dass die Konzentration von Natrium-Ionen in der Blutzelle steigt und vermehrt Wasser aufgenommen wird. 

„Dadurch schwillt die Zelle an“, erklärt Lars Kaestner.

Innerhalb einer Stunde fänden die Zellen wieder in ihre ursprüngliche, Diskus-Form zurück.

Innerhalb dieser Zeit steige jedoch das Thromboserisiko für Cannabis-Raucher leicht an, so Lars Kaestner. 

  • Dadurch, dass zum einen die Blutzellen größer und runder sind, bleiben sie in kleinen Kapillaren eher stecken. 
  • Zudem verengen sich beim Rauchen von Cannabis die Gefäße, was das Risiko für Mikro-Thrombosen ebenfalls erhöht.“ 

Dass damit tatsächlich auch eine Gesundheitsgefahr einhergehe, kann der Biophysiker allerdings nicht sagen. Diese Frage war nicht Teil der Studie.

Wer sich allerdings nun sorge, dass durchs Rauchen von Cannabis eine gefährliche Thrombose entstehe, sollte Lars Kaestners so simplen wie wirkungsvollen Ratschlag beherzigen: 

„Man kann ja auch einfach aufhören zu rauchen.“

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Originalpublikation:

Flormann, D., Qiao, M., Murciano, N., Iacono, G., Darras, A., Hof, S., Recktenwald, S.M., Rotordam, M.G., Becker, N., Geisel, J., Wagner, C., von Lindern, M., van den Akker, E. and Kaestner, L. (2022), Transient receptor potential channel vanilloid type 2 in red cells of cannabis consumer. Am J Hematol. https://doi.org/10.1002/ajh.26509


Prof. Dr. Christl Reisenauer: Belastungsinkontinenz, Mischharnkontinenz oder Dranginkontinenz auch bei Kriegsflüchtlingen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Harninkontinenz der Frau: Erste vereinheitlichte S2k-Leitlinie erschienen

Die Harninkontinenz gehört zu den häufigsten Krankheitsbildern in der Frauenheilkunde und betrifft ca. 30 Prozent aller Frauen. 

Für die Betroffenen kann die Erkrankung massive Beeinträchtigungen der Lebensqualität auf physischer, psychischer, sozialer und ökonomischer Ebene zur Folge haben und stellt somit ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem für Frauen aller Altersklassen dar. 

Zur Vereinheitlichung der Behandlung von entsprechenden Patientinnen hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) nun die erste S2k-Leitlinie zu diesem Thema veröffentlicht

„Die vorliegende Leitlinie verfolgt das Ziel, alle wissenschaftlich relevanten Informationen zur Belastungskontinenz und Überaktiven Blase/Dranginkontinenz zu bündeln, die bislang in getrennten Leitlinien dargestellt wurden“, unterstreicht Prof. Anton Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG). 

  • Auch wurde der diagnostische Teil zur Beckenbodensonographie bei Harninkontinenz einer weiteren Leitlinie in diese zusammenfassende Handlungsempfehlung integriert.


Zusammenführung mehrerer Leitlinien

Der Fokus liegt auf den diagnostischen Ansätzen und unterschiedlichen Therapieformen von Harninkontinenz. 

Erarbeitet wurde die Leitlinie unter der Federführung der DGGG e. V. mit Beteiligung zahlreicher weiterer Fachgesellschaften. 

Die Empfehlungen beziehen sich auf die Therapie von erwachsenen Frauen im ambulanten sowie stationären Versorgungsbereich.

„Mit der neuen S2k-Leitlinie ist eine umfassende Darstellung der Harninkontinenz gelungen, die dazu beiträgt eine angemessene Versorgung der betroffenen Frauen in Diagnostik und Therapie zu garantieren und individualisierte Behandlungsoptionen zu verbessern.“
Prof. Dr. Christl Reisenauer (Tübingen)
DGGG-Leitlinienkoordinatorin

Koffeinkonsum und Übergewicht als Risikofaktoren


Die ausführliche und sorgfältige Anamnese – so betonen die AutorInnen – ist der erste und grundlegende Schritt bei der Behandlung. 

Auch die Untersuchungs- und Behandlungserwartungen sollten in diesem Zuge ermittelt werden. 

  • Je nach Art der Erkrankung – Belastungsinkontinenz, Mischharnkontinenz oder Dranginkontinenz – wird zwischen konservativer, medikamentöser und operativer Therapie unterschieden. 
  • Die konservative Therapie erstreckt sich auf einfache klinische Maßnahmen, lebensstilbezogene Interventionen, wie etwa Koffeinreduktion, körperliche Aktivität, Gewichtsreduktion, und individuelle Verhaltens- und Physiotherapie. 
  • Für die medikamentöse Therapie wird je nach Ausprägung der Harninkontinenz der Einsatz von entsprechenden Arzneimitteln empfohlen. 

Führen konservative und medikamentöse Maßnahmen nicht zum erwünschten Erfolg sieht die Leitlinie individuelle operative Therapien vor. 

  • Zuletzt widmen sich die AutorInnen der Diagnose und Behandlung von urogenitalen Fisteln, die eine Harninkontinenz herbeiführen können.


„Diese Leitlinie bietet ein breites diagnostisches und therapeutisches Instrumentarium, dessen Anwendung sich am Leidensdruck und an der Therapiemotivation der Patientin orientiert. 

Eine fachgerechte Diagnostik und eine gut fundierte Beratung kann jeder betroffenen Frau die Chance auf eine individualisierte Behandlung eröffnen.“
PD Dr. Gert Naumann (Erfurt)
DGGG-Leitlinienkoordinator

An der Erstellung der insgesamt 262 Seiten umfassenden Handlungsempfehlung waren 32 AutorInnen aus elf Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Finanziell unterstützt wurde dieses Leitlinienprojekt durch das DGGG-Leitlinienprogramm.

Leitlinien sind Handlungsempfehlungen. Sie sind rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.

Zur Leitlinien-Detailansicht: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-091.html 

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/mitarbeiter/1737

 
https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/erfurt/unser-angebot/unsere-mitarbeite...


Originalpublikation:

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-091l_S2k_Harninkontinenz-der-Fr...


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Prof. Dr. Marc Dewey und Prof. Dr. Henryk Dreger: Entlassung ohne positiven KHK Befund

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Koronare Herzkrankheit sicher und risikoarm diagnostizieren

Führt eine Computertomografie (CT) des Herzens bei stabilen Patient:innen mit Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit zu ähnlich zuverlässigen Ergebnissen wie eine Katheteruntersuchung? 

Dieser Frage sind Forschende in 31 europäischen Einrichtungen unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin nachgegangen. 

Ziel der DISCHARGE-Studie: mit der CT eine nicht-invasive Methode zur Ergänzung der aktuellen Standarddiagnostik bei Patient:innen mit mittlerem Krankheitsrisiko zu prüfen. 

Die Hauptauswertung der Studie ist jetzt im New England Journal of Medicine* erschienen und legt nahe, dass die Erkrankung mittels CT ähnlich sicher erkannt werden kann, bei geringerem Komplikationsrisiko.

Europäisches Konsortium prüft Computertomografie als Alternative zum Herzkatheter

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist weitverbreitet. Insbesondere in entwickelten und alternden Gesellschaften zählt sie zu den häufigsten Todesursachen. Die Erkrankung ist mit einem verminderten Blutfluss in den Herzkranzgefäßen, den Koronararterien, verbunden. Diese versorgen das Herz mit Sauerstoff. Schmerzen in der Brust, Kurzatmigkeit oder eine verminderte Belastbarkeit weisen auf eine chronische oder eine akute Erkrankung hin. In beiden Fällen besteht ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder einen Herzkreislauftod, insgesamt kardiovaskuläre Ereignisse genannt. Ursache der Beschwerden sind im Laufe der Jahre entstehende Ablagerungen in den Gefäßen.



Standard für die Diagnose einer koronaren Herzkrankheit ist die minimal-invasiv durchgeführte Katheteruntersuchung. Sie zeigt, ob das Herz ausreichend über die Kranzgefäße versorgt wird oder ob Engstellen den Blutfluss behindern. Ist das der Fall, können diese während der Untersuchung sofort beseitigt werden – beispielsweise mithilfe kleiner, aufblasbarer Ballone und hauchdünner Gefäßstützen, sogenannter Stents. In Europa werden derzeit jährlich mehr als 3,5 Millionen solcher Untersuchungen in Herzkatheterlaboren durchgeführt, mit steigender Tendenz. Deutlich mehr als die Hälfte, rund zwei Millionen dieser minimal-invasiven Eingriffe, bleiben ohne Behandlung im Labor. Verengungen oder Verschlüsse der Herzkranzgefäße konnten in diesen Fällen ausgeschlossen werden.



  • Die zentrale Frage des Vorhabens DISCHARGE: Kann die risikoarme und nicht-invasive Methode der CT für bestimmte Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine KHK eine sichere Alternative zur Katheteruntersuchung darstellen? 

Beide vorhandenen diagnostischen Bildgebungsstrategien bei stabilen Brustschmerzen sind im Projekt über vier Jahre hinweg an einer Stichprobe von mehr als 3500 Teilnehmenden mit mittlerer Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit ausgewertet worden. 

Dazu wurden die Verfahren randomisiert in zwei Gruppen angewendet, Patientinnen und Patienten erhielten also im Zufallsverfahren entweder eine Computertomographie oder einen Herzkatheter. 

Blieb die Eingangsuntersuchung ohne Befund einer KHK, wurden Teilnehmende zurück an die überweisenden Ärztinnen und Ärzte zur weiteren Behandlung entlassen – daher der Name der Studie „DISCHARGE“, der englische Begriff für „Entlassung“. 

Patientinnen und Patienten mit nachgewiesener Erkrankung dagegen wurden gemäß den europäischen Leitlinien während der Studie behandelt.



Insgesamt 31 Partnereinrichtungen in 18 europäischen Ländern haben sich an dem Projekt beteiligt, die Leitung hatte ein Team um Prof. Dr. Marc Dewey, stellvertretender Direktor der Klinik für Radiologie am Campus Charité Mitte. „Es hat sich gezeigt, dass die CT-Untersuchung ein sicheres Verfahren für Patientinnen und Patienten mit stabilen, also nicht akuten Brustschmerzen und dem Verdacht auf eine KHK ist“, so Gesamtprojektleiter Prof. Dewey zu den klinischen Langzeitergebnissen der Studie. Zur Bewertung herangezogen wurde in erster Linie das Auftreten schwerer kardiovaskulärer Ereignisse über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren. „Bei Patientinnen und Patienten, die im Zuge der Studie zu einem Herzkatheter überwiesen wurden, war das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse in der CT-Gruppe und der Herzkatheter-Gruppe mit 2,1 und 3 Prozent ähnlich. Die Häufigkeit schwerer verfahrensbedingter Komplikationen war bei einer anfänglichen CT-Strategie geringer“, so der Radiologe.



Prof. Dr. Henryk Dreger, stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie der Charité, hat die Untersuchungen an der Charité im Herzkatheterlabor begleitet. Sein Fazit der Auswertung: „Für ausgewählte Patientinnen und Patienten kann die CT eine sichere Alternative zum Herzkatheter sein. Bei Patientinnen und Patienten mit geringer Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein einer KHK kann sie helfen, unnötige Herzkatheter zu vermeiden.“ In die Gesamtbetrachtung eingeflossen sind weiterhin Kriterien wie die Verbesserung der Brustschmerzen und der Lebensqualität im Verlauf. Der neue Ansatz könnte dazu beitragen, die hohe Zahl der Herzkatheteruntersuchungen zu reduzieren und auf diese Weise die Gesundheitssysteme entlasten zu helfen: „Die durch uns in der DISCHARGE-Studie standardisierte und qualitätsgesichert durchgeführte Methode könnte in der Routineversorgung für Menschen mit mittlerem Krankheitsrisiko verstärkt angeboten werden“, resümiert Prof. Dewey. Ein Nutzenbewertungsverfahren wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bereits auf den Weg gebracht. Zudem muss die für die Studie entwickelte Methode zur Einschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer KHK in einem nächsten Schritt daraufhin geprüft werden, ob sie zur Verbesserung der Routineversorgung von Patientinnen und Patienten beitragen kann.

Über das europäische DISCHARGE-Projekt

DISCHARGE ist ein multinationales Konsortium, bestehend aus 31 Mitgliedern in 18 europäischen Ländern. Kernstück des Projekts ist eine randomisierte kontrollierte Studie, die seit 2015 an 26 klinischen Einrichtungen durchgeführt wird. Das Vorhaben untersucht, für welche Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit (KHK) aufgrund von stabilen Brustschmerzen eine Computertomografie (CT) oder eine Herzkatheteruntersuchung am besten geeignet ist, basierend auf vorangegangenen Erfahrungen in der CAD-Man Studie an der Charité. Das DISCHARGE-Projekt wurde unter anderem im 7. Rahmenprogramm der Europäischen Union gefördert (Grant No. 603266 l ClinicalTrials.gov-Nummer, NCT02400229), mit einer Laufzeit von 2014 bis 2020.

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Prof. Dr. Marc Dewey
Stellvertretender Direktor der Klinik für Radiologie (mit dem Bereich Kinderradiologie)
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t: +49 30 450 527 353
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Manuela Zingl
Telefon: 030 / 450 570 400
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E-Mail-Adresse: manuela.zingl@charite.de
Originalpublikation:

*The DISCHARGE Trial Group. CT or Invasive Coronary Angiography in Stable Chest Pain. N Engl J Med. March 4, 2022. DOI: 10.1056/NEJMoa2200963


Weitere Informationen für beteiligte Medizin am Abend Berlin:

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2200963

https://radiologie.charite.de/

https://herz.charite.de/

https://www.dischargetrial.eu/


Prof. Dr. Jochen Herms: Benzodiazepine - Synapsen - Dazepam: Behandlung von Schlafstörungen/Angstzustände bei älteren Menschen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neurologie: 

Langfristiger Benzodiazepin-Gebrauch greift Synapsen an

• LMU- und DZNE-Wissenschaftler zeigen im Tiermodell, dass Benzodiazepine zum Verlust von Nervenverbindungen im Gehirn führen.

• Vor allem bei älteren Menschen kann die dauerhafte Einnahme der weit verbreiteten Beruhigungsmittel zu kognitiven Beeinträchtigungen führen.

• Die Studie liefert erstmals eine mechanistische Erklärung und kann nach Ansicht der Autoren Einfluss auf die zukünftige Behandlung von Menschen mit Demenzrisiko haben.

  • Benzodiazepine sind wirksame und weit verbreitete Medikamente zur Behandlung von Angstzuständen und Schlafstörungen. 
  • Während Kurzzeitbehandlungen als sicher gelten, kann ihre langfristige Einnahme zu körperlicher Abhängigkeit und vor allem bei älteren Menschen zu kognitiven Beeinträchtigungen führen. 

Auf welche Weise Benzodiazepine diese Veränderungen auslösen, war bisher unbekannt. 

Forscher um Prof. Jochen Herms und Dr. Mario Dorostkar vom Zentrum für Neuropathologie und Prionforschung der LMU und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen konnten nun im Tiermodell nachweisen, dass der Wirkstoff zum Verlust von Nervenverbindungen im Gehirn führt.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Immunzellen des Gehirns, sogenannte Mikroglia. 

  • Benzodiazepine binden an ein bestimmtes Protein – das Translokatorprotein (TSPO) – auf der Oberfläche von Zellorganellen der Mikroglia. 
  • Diese Bindung aktiviert die Mikroglia, die dann Synapsen, also Verbindungen zwischen Nervenzellen, abbauen und recyceln. 

Experimente der Wissenschaftler zeigten, dass der Synapsenverlust bei Mäusen, die mehrere Wochen lang täglich eine schlaffördernde Dosis des Benzodiazepins Diazepam erhalten hatten, zu kognitiven Beeinträchtigungen führte.

„Es war zwar bekannt, dass Mikroglia sowohl während der Gehirnentwicklung als auch bei neurodegenerativen Erkrankungen eine wichtige Rolle bei der Beseitigung von Synapsen spielen“, sagen Dr. Yuan Shi und Mochen Cui, Ko-Autoren der Studie. 

„Sehr überraschend war für uns aber, dass so gut untersuchte Medikamente wie Benzodiazepine diesen Prozess beeinflussen.“ 

Nach Absetzen von Diazepam hielt der Effekt noch länger an, war letztlich aber reversibel.

  • Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte die Studie Auswirkungen auf die Behandlung von Schlafstörungen und Angstzuständen bei Menschen mit einem Demenzrisiko haben. 

„Medikamente, von denen bekannt ist, dass sie keine Affinität zu TSPO haben, sollten, wenn möglich, bevorzugt werden“, so die Autoren.

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Dr. Mario Dorostkar
Zentrum für Neuropathologie
Tel.: +49 89 2180 78065
Mario.Dorostkar@med.uni-muenchen.de
https://www.neuropathologie.med.uni-muenchen.de/mitarbeiter/institutsleitung/dor...

Prof. Dr. Jochen Herms
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und
Munich Cluster for Systems Neurology (SyNergy)
Tel.: +49 89 4400 46427
Jochen.Herms@med.uni-muenchen.de
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Geschwister-Scholl-Platz 1
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Constanze Drewlo
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Simon Kirner
E-Mail-Adresse: simon.kirner@lmu.de

Thomas Pinter
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E-Mail-Adresse: pinter@lmu.de
Originalpublikation:

The benzodiazepine diazepam impairs dendritic spine plasticity via microglial translocator protein (TSPO)
Yuan Shi, Mochen Cui, Katharina Ochs, Matthias Brendel, Felix L. Strübing, Nils Briel, Florian Eckenweber, Chengyu Zou, Richard B. Banati, Guo-Jun Liu, Ryan J. Middleton, Rainer Rupprecht, Uwe Rudolph, Hanns Ulrich Zeilhofer, Gerhard Rammes, Jochen Herms, Mario M. Dorostkar
Nature Neuroscience 2022


PD Dr. Robert Preißner: Cholisterinsenker Statine und Hemmung der Tumorzellen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Cholesterinsenker können Metastasen ausbremsen

Viele Menschen müssen Statine einnehmen, um ihren Cholesterinspiegel zu senken. 

Doch Statine können möglicherweise noch mehr: Forscher*innen um Ulrike Stein vom ECRC und Robert Preißner von der Charité berichten in „Clinical and Translational Medicine“, dass sie ein Gen hemmen, das Krebszellen metastasieren lässt.

  • Die wenigsten Krebspatient*innen sterben an einem Primärtumor, sondern an dessen Metastasen – auch nach einer geglückten Tumoroperation. 
  • Denn Krebszellen können sich früh auf Wanderschaft im Körper begeben, wenn der Tumor noch sehr klein, vielleicht noch gar nicht entdeckt worden ist. 
  • Dafür müssen sie sich aus ihrem Zellverband lösen, in benachbarte Lymph- oder Blutgefäße ein- und von dort wieder auswandern, sich in neuem Gewebe niederlassen und vermehren.


Die molekularen Mechanismen der Metastasierung zu verstehen, ist daher ein wichtiges Puzzlestück im Kampf gegen Krebs. 

Vor über zehn Jahren ist es Professorin Ulrike Stein mit ihrer Arbeitsgruppe am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) gelungen, im menschlichen Darmkrebs einen wichtigen Treiber dieses Prozesses ausfindig zu machen: 

das Metastasis-Associated in Colon Cancer 1-Gen (MACC1). 

Das ECRC ist eine gemeinsame Einrichtung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Ein Screening führte zu den Statinen

Um sich zu vermehren, fortzubewegen und in anderes Gewebe einzudringen, exprimieren diese Krebszellen MACC1. 

„Viele Krebsarten streuen nur bei den Patientinnen und Patienten mit hoher MACC1-Expression“, erläutert Ulrike Stein. 

Diese Rolle von MACC1 als Schlüsselfaktor und Biomarker für Tumorwachstum und Metastasierung haben mittlerweile viele andere Forscher*innen weltweit untersucht und in mehr als 300 Veröffentlichungen bestätigt – nicht nur bei Darmkrebs, sondern bei mehr als 20 soliden Tumoren, etwa Magen-, Leber- oder Brustkrebs. 

Nun hat Ulrike Stein zusammen mit PD Dr. Robert Preißner von der Charité entdeckt, was den Metastasenantrieb in solchen Fällen stören könnte: 

Statine, die als Cholesterinsenker verschrieben werden, hemmen die MACC1-Expression in Tumorzellen. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler*innen im Fachjournal „Clinical and Translational Medicine“ vor.

Auf der Suche nach MACC1-Inhibitoren führten die Forschenden zusammen mit Kolleg*innen am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg Hochdurchsatz-Medikamentenscreenings durch. 

Und stießen unabhängig voneinander auf Statine. 

An verschiedenen Tumorzelllinien überprüften sie diese Entdeckung – mit positivem Ergebnis: 

Alle sieben getesteten Medikamente verminderten die MACC1-Expression in den Zellen, allerdings nicht alle gleich stark. 

Daraufhin verabreichten die Wissenschaftler*innen die Cholesterinhemmer genetisch veränderten Mäusen mit erhöhter MACC1-Expression. 

Die Tiere bildeten daraufhin kaum noch Tumore und Metastasen aus. 

„Besonders bemerkenswert ist, dass dies bei den Tieren auch dann noch funktioniert hat, nachdem wir die Dosis im Verhältnis zur Menge, die Menschen normalerweise einnehmen, verkleinert haben“, sagt Ulrike Stein.

Der Vorteil: Statine sind bereits zugelassen

Robert Preißner und Wissenschaftler*innen der Universität von Virginia analysierten außerdem die Daten von insgesamt 300.000 Patient*innen, denen Statine verschrieben worden waren. Dabei stießen sie auf eine Korrelation: „Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung war bei den Patient*innen, die Statine einnehmen, die Krebshäufigkeit um die Hälfte niedriger“, fasst Robert Preißner zusammen.
Von einer präventiven Einnahme der Statine ohne ärztliche Beratung und Check der Lipidwerte rät Ulrike Stein ab, damit eventuelle schwerwiegende Nebenwirkungen unter Kontrolle bleiben.

„Wir stehen noch ganz am Anfang“, betont die Wissenschaftlerin. „Zelllinien und Mäuse sind keine Menschen, wir können die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragen.“ Nach den experimentellen Untersuchungen und der retrospektiven Datenanalyse sei nun eine klinische Studie geplant. 

Erst danach könne man mit Gewissheit sagen, ob Statine die Metastasierung bei Patient*innen mit hoher MACC1-Expression tatsächlich verhindern oder abschwächen.

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

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Prof. Dr. Ulrike Stein
AG Translationale Onkologie solider Tumore
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
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E-Mail: ustein@mdc-berlin.de

Jana Ehrhardt-Joswig Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin
Deutschland
Berlin

E-Mail-Adresse: jana.ehrhardt-joswig@mdc-berlin.de
Originalpublikation:

Bjoern-O Gohlke et al (2022): Real-world Evidence for Preventive Effects of Statins on Cancer Incidence: A Trans-Atlantic Analysis, in: Clinical and Translational Medicine, DOI: https://doi.org/10.1002/ctm2.726 

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https://www.mdc-berlin.de/de/stein - AG Stein, Translationale Onkologie solider Tumore
http://www.mdc-berlin.de - Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Biologie in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)

 

Professor Surzykiewicz.: Behandlung, Versorgung und Beratung von Suchtkranken https://www.sucht.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Von der Sucht ins Erwerbsleben: 

Medizinische und berufliche Rehabilitation stärker verknüpfen

Alkoholsucht und Arbeitslosigkeit bilden einen Teufelskreis: 

Wer keine Erwerbstätigkeit hat, ist nachweislich anfälliger für Suchterkrankungen – und wer suchtkrank ist, läuft wiederum Gefahr, seinen Job zu verlieren. 

„In der Rehabilitation von Erkrankten, die alkoholabhängig sind, ist die Erwerbstätigkeit deshalb ein wesentlicher Erfolgsfaktor. 

Aber nur ein geringer Teil von ihnen beantragt nach der medizinischen auch eine berufliche Rehabilitation“, erklärt Prof. Dr. Joachim Thomas, Inhaber der Professur für Psychologische Diagnostik und Intervention an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU).

Welche Hürden es für die Betroffenen nach der Entwöhnung gibt, um vorhandene Hilfen auf dem Weg ins Erwerbsleben zu nutzen, wird er gemeinsam mit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Fanny Loth und Prof. Dr. Dr. Janusz Surzykiewicz, Lehrstuhl Sozialpädagogik an der KU, untersuchen. 

Gefördert wird das zweieinhalbjährige Projekt „RehaConnect“ von der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland. Kooperationspartner ist das Berufsförderungswerk Thüringen GmbH.

Nur ein kleiner Teil der Betroffenen findet nach der Entwöhnungsbehandlung den Weg in die berufliche Rehabilitation und darüber zurück ins Erwerbsleben – trotz der sehr guten und ausdifferenzierten Angebote an Beratungsstellen und stationären Einrichtungen in Deutschland. 

Dies belegt etwa eine Erhebung des Fachverbandes Sucht, in dem sich bundesweit Einrichtungen der Behandlung, Versorgung und Beratung von Suchtkranken zusammengeschlossen haben. Der Verband befragt regelmäßig Patientinnen und Patienten ein Jahr nach Abschluss ihrer medizinischen Rehabilitation. Von 4000 befragten Personen des Entlassjahres 2017 – mehr als 90 Prozent von ihnen wurden wegen einer Alkoholstörung behandelt – war fast die Hälfte ein Jahr später noch erwerbslos bzw. nicht erwerbstätig. Über ein Viertel war nach einem Jahr akut rückfällig. Gerade einmal zwei Prozent dieses Jahrgangs befand sich zwölf Monate später in einer beruflichen Rehabilitationsmaßnahme, die offiziell als „Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben“ (LTA) bezeichnet werden. Ein zentraler Anbieter solcher Leistungen sind die Berufsförderungswerke. Sie sind gemeinnützige, außerbetriebliche Bildungseinrichtungen zur Aus- und Weiterbildung von Erwachsenen.

„Die Datenanalyse in einer Fachklinik zeigte, dass nicht einmal zehn Prozent der Patientinnen und Patienten einen LTA-Antrag stellen“, berichtet Professor Surzykiewicz. Ziel und Anliegen des Projektes ist es deshalb, an der Schnittstelle von medizinischer und beruflicher Rehabilitation zu untersuchen, wie sich Barrieren senken und Übergänge zwischen diesen beiden Phasen glätten lassen. 

„Ein Faktor dabei ist zum Beispiel die Wartezeit bis zum Beginn einer beruflichen Rehabilitation. Obwohl diese nachweislich mit einer Abstinenz von bis zu 80 Prozent verbunden ist, müssen Betroffene zum Teil neun Monate auf den Beginn einer solchen Maßnahme warten“, schildert Dr. Fanny Loth.

Bei ihrer Forschung wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur untersuchen, wie sich dieses Verfahren raffen lassen könnte, sondern auch gezielt auf die Patientinnen und Patienten von zwei Akut- und vier Rehakliniken zugehen, um diese zu befragen: Welche persönlichen Faktoren der Betroffenen und welche Aspekte in ihrem Umfeld führen dazu, dass sie trotz bestehender Motivation keine berufliche Rehabilitation beantragen? Wie lässt sich die Bereitschaft fördern? Wie wirkt sich die Dauer der Übergangszeit von der Entwöhnung bzw. medizinischen Rehabilitation bis zur erfolgreichen Teilnahme an der beruflichen Rehabilitation aus?

Professor Thomas betont: „Eine bessere Wahrnehmung von Unterstützungsangeboten sowie ein träger- und einrichtungsübergreifendes Schnittstellenmanagement stellen zentrale Bedingungen für eine nachhaltige Abstinenz und erfolgreiche Wiedereingliederungen der Zielgruppe in das Erwerbsleben dar.“ Die wissenschaftliche Analyse der Schnittstellen solle konkrete Schlussfolgerungen für die Praxis des Systems der beruflichen Rehabilitation erbringen: Von einer Verbesserung des Übergangsmanagements durch frühzeitige und an die individuellen Bedürfnisse der Zielgruppe angepasste Angebote über die Beschleunigung von Antragsprozessen bis hin zu einer Identifikation „kritischer Phasen“, um den Teufelskreis von Sucht und Arbeitslosigkeit zu durchbrechen. „Die von uns erwarteten Forschungsergebnisse sollen wichtige Impulse zur Weiterentwicklung des Versorgungssystems im Bereich der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben geben. So können die im Rahmen dieses Projektes generierten Ansätze in einem nächsten Schritt evaluiert und bei entsprechend positiven Ergebnissen im Sinne aller Beteiligten multipliziert und bundesweit verstetigt werden“, ergänzt Professor Surzykiewicz.

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Dr. Fanny Loth (fanny.loth@ku.de)

Prof. Dr. Joachim Thomas (joachim.thomas@ku.de) sowie 

Prof. Dr. Dr. Janusz Surzykiewicz (janusz.surzykiewicz@ku.de

Dipl.-Journ. Constantin Schulte Strathaus  Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

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Prof. Thomas Klockgether: Prof. Stefan Teipel: Unklare Demenz: Amyloid-Positronen-Emissionstomografie (Amyloid-PET)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bundesweite Studie: Hilft PET bei „unklarer Demenz“?

Ein bundesweites Konsortium unter Federführung des DZNE erhält den Auftrag, zu erforschen, ob Patientinnen und Patienten mit Demenz unklarer Ursache von einer Untersuchung des Gehirns mittels Amyloid-Positronen-Emissionstomografie (Amyloid-PET) profitieren. 

Auftraggeber und Förderer dieser Studie – die Ergebnisse sollen 2026 vorliegen – ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen.

  • Bei Menschen mit einer Demenzerkrankung unklarer Ursache ist der Nutzen der Amyloid-PET bislang nicht hinreichend belegt, weshalb solche bildgebenden Untersuchungen von den Krankenkassen im Allgemeinen nicht bezahlt werden. 

Die Studienergebnisse sollen es dem G-BA ermöglichen, über Nutzen und Notwendigkeit solcher Untersuchungen zu entscheiden – das Votum hätte Auswirkungen auf die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 300.000 Menschen an Demenz. 

  • Bei mehr als 100.000 von ihnen – so Schätzungen –, bleibt unklar, ob der Auslöser die relativ häufige Alzheimer-Erkrankung ist oder eine andere aus dem Spektrum der Demenzerkrankungen. 

Im medizinischen Jargon heißt das „Demenz mit unklarer Ursache“. Die aktuelle Studie hat das Ziel, solche unbestimmten Diagnosen zu präzisieren, um die Behandlung und letztlich die Lebensqualität der betroffenen Menschen zu verbessern. Dafür sollen mehr als 1.100 Patientinnen und Patienten mit einer Demenz unklarer Ursache in die Untersuchungen eingeschlossen werden. Geprüft wird dabei der Nutzen der Amyloid-PET: Mit diesem bildgebenden Verfahren lassen sich im Gehirn sogenannte Amyloid-Plaques – diese Eiweißablagerungen sind typisch für eine Alzheimer-Erkrankung – nachweisen.

Bundesweites Konsortium

Unter der Federführung des DZNE werden bundesweit 24 Studienzentren, die an Universitätskliniken verortet sind, sowie Einrichtungen aus dem zertifizierten niedergelassenen Bereich mitwirken. Darüber hinaus engagieren sich Fachgesellschaften aus den Bereichen Neurologie, Nuklearmedizin und Radiologie im wissenschaftlichen Beirat des Projekts; ein technischer Beirat und Vertreter der Industrie unterstützen bei technischen Aspekten.

„Dieses Forschungsvorhaben ist eine konzertierte Aktion zahlreicher Partner aus Wissenschaft und Versorgung, mit dem Ziel, die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Demenz zu verbessern. Eine zentrale Rolle spielen dabei das bundesweite klinische Netzwerk des DZNE und unsere enge Kooperation mit Universitätskliniken. Darüber hinaus beteiligen sich viele weitere Akteure an diesem europaweit einzigartigen Projekt“, so Prof. Thomas Klockgether, Leiter der klinischen Forschung am DZNE.

Prof. Wolfgang Mohnike, Ärztlicher Direktor des DTZ Berlin, ein zertifiziertes medizinisches Versorgungszentrum mit Schwerpunkt Nuklearmedizin, ergänzt: „Dieses Vorhaben hat eine lange Vorgeschichte, die zu einem ersten Treffen von Vertretern des PET e.V., der Industrie, der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. und des DZNE mit dem G-BA im April 2017 führte.“

Es handelt sich bei diesem Forschungsprojekt um eine Erprobungsstudie: Ziel einer Erprobungsstudie nach §137e SGB V ist es, Evidenz für den Nutzen einer neuen diagnostischen oder therapeutischen Methode zu gewinnen, um auf dieser Grundlage eine Entscheidung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu treffen.

Messung der Alltagskompetenz

Der Aufnahme von Patientinnen und Patienten in die Studie wird im Sommer dieses Jahres beginnen. Sie werden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt: Die Probanden der einen Gruppe werden mit Amyloid-PET untersucht, die anderen nicht. „So wollen wir herausfinden, ob ein Hirnscan mit Amyloid-PET zu einer genaueren Diagnose führt und ob die Behandlungsmaßnahmen, die sich daraus ergeben, bewirken, dass die Patientinnen und Patienten im täglichen Leben besser zurechtkommen als Probanden der Vergleichsgruppe. Diese Alltagskompetenz werden wir nach wissenschaftlichen Kriterien über einen Zeitraum von zwei Jahren erfassen“, erläutert Studienleiter Prof. Stefan Teipel, Demenzforscher am DZNE-Standort Rostock/Greifswald und Leiter der Sektion Gerontopsychosomatik und demenzielle Erkrankungen der Universitätsmedizin Rostock.

Ist es Alzheimer?

„Bei einer Demenz sind die Therapie-Möglichkeiten zwar begrenzt, dennoch gibt es abhängig von der Art der Demenz spezifische medizinische Maßnahmen, die dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Wenn die Art der Demenz jedoch ungeklärt bleibt, bedeutet dies, dass diese Patientinnen und Patienten eventuell nicht die bestmögliche Behandlung erfahren“, so Teipel.  

„Wichtig für eine genaue Diagnose ist es, eine Alzheimer-Erkrankung zu bestätigen oder auszuschließen. Im Allgemeinen geschieht dies mit Hilfe verschiedener Verfahren. 

Dazu gehören insbesondere Gedächtnistests, 

Labordiagnostik und Untersuchungen des Gehirns per Magnetresonanztomografie.“

Kennzeichen Amyloid

Schafft dieses Vorgehen keine Klarheit, kommt eine Analyse des Nervenwassers, auch „Liquor“ genannt, infrage. 

„Dabei wird die Konzentration sogenannter Amyloid-Proteine bestimmt. 

Bei einer Alzheimer-Erkrankung sammeln sich diese Eiweißstoffe im Gehirn und der Messspiegel im Liquor ist ein Indikator dafür, was im Gehirn geschieht“, so Teipel. 

„Dieses Verfahren wird allerdings relativ selten eingesetzt. 

Viele Patientinnen und Patienten scheuen sich davor.“

Ablagerungen werden markiert

Eine Möglichkeit, Ansammlungen dieser Eiweißstoffe im Gehirn direkt nachzuweisen, bietet die Amyloid-PET – sie wird insbesondere im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen und Arzneimittelstudien eingesetzt. Den untersuchten Personen wird dazu eine radioaktive Substanz – „Tracer“ genannt – verabreicht, die an die Amyloid-Plaques bindet und somit markiert. Die Strahlung, die von den Molekülen des Tracers ausgeht, wird dann von einem Scanner gemessen und bildlich dargestellt. Auf diese Weise werden Position und Konzentration der abgelagerten Eiweißstoffe erfasst. „Das ist ein sehr empfindliches Verfahren. Was es im konkreten Fall von Menschen mit unklarer Demenz bewirken kann, muss sich aber noch zeigen. Untersuchungen aus den USA deuten darauf hin, dass der Einsatz von Amyloid-PET bei dieser Gruppe von Patientinnen und Patienten von Nutzen sein kann. Inwieweit dies unter den Bedingungen der deutschen Regelversorgung gilt, wollen wir nun klären“, so Prof. Bernd Joachim Krause, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Rostock und Koordinator der PET-Untersuchungen im Rahmen der Studie.

„Die Verfügbarkeit ausreichender Kapazitäten für die PET-Untersuchungen im Rahmen der Studie wird durch Nuklearmedizinische Zentren an den Universitätsklinika und den DZNE-Standorten wie auch durch niedergelassene PET-Zentren gewährleistet“, berichtet PD Dr. Konrad Mohnike, Vorsitzender des PET e.V., Verein zur Förderung und Verbreitung der Positronen-Emissions-Tomographie.

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Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Das DZNE ist eine Forschungseinrichtung, die sich mit sämtlichen Aspekten neurodegenerativer Erkrankungen (wie beispielsweise Alzheimer, Parkinson und ALS) befasst, um neue Ansätze der Prävention, Therapie und Patientenversorgung zu entwickeln. Durch seine zehn Standorte bündelt es bundesweite Expertise innerhalb einer Forschungsorganisation. Das DZNE kooperiert eng mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Institutionen im In- und Ausland. Es wird öffentlich gefördert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft. Website: https://www.dzne.de

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Dr. Marcus Neitzert Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

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