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Warum körperliche Nähe, also Knuddeln und Umarmen, ein wichtiger Baustein für das heutige Geburtstagskind ist....

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Körperliche Nähe als wichtiger Grundbaustein zwischenmenschlicher Beziehungen

Am 21. Januar 2022 wurde bereits zum 36. mal der Weltknuddeltag begangen. 

Ursprünglich wurde er von zwei Amerikanern ausgerufen und beginnt nun – neben einer Vielzahl weiterer Länder – seine Tradition in Deutschland zu entwickeln. 

Dabei wurde das Datum für den Weltknuddeltag nicht zufällig ausgewählt: 

Denn dieses Datum liegt zwischen dem Weihnachtsfest sowie dem Valentinstag. 

Beides Tage, die mit Liebe verbunden werden. 

Warum körperliche Nähe, also Knuddeln und Umarmen, ein wichtiger Baustein für unsere Gesellschaft ist, erklärt die Soziologin Dr. Romy Simon, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Mikrosoziologie (Institut für Soziologie).

Mit dem Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 hat sich das gesamtgesellschaftliche Leben grundlegend verändert. 

Zwei wichtige Verhaltensregeln sind dabei die Einhaltung der Abstandsregeln untereinander sowie die Beschränkung der Kontakte geworden. 

  • Zwischenmenschliche Berührungen gelten plötzlich als Gefährdung für die eigene Gesundheit und die Gesundheit der anderen. 

Damit haben sich auch die bis dato ganz selbstverständlich ausgeübten vertraulichen Begrüßungsroutinen, wie die Begrüßung per Handschlag, das Küsschen auf die Wange oder das Umarmen verändert. 

  • Die Begrüßungsrituale dienen als wichtiger Bestandteil der sozialen Beziehungen, mit denen das Gegenüber durch die unmittelbaren Sinne greifbarer gemacht werden kann. 

In kreativer Weise haben die Menschen durch die Verwendung des bis vor zwei Jahren noch unbekannten Ellenbogen- oder Fußgrußes einen Weg gefunden, sich dennoch durch spürbare Berührungen zu begrüßen bzw. verabschieden zu können. 

Wie lange sich dieses entworfene Notkonstrukt halten wird, wird die Zukunft zeigen.

Dabei sind jedoch Berührungen für das körperliche und seelische Gleichgewicht von hoher Bedeutung.  

  • Durch diese kommt es zur Ausschüttung des Hormons Oxytocin, dem sogenannten Bindungshormon, welches für das körperliche Wohlbefinden sorgt und Vertrauen sowie Empathie zwischen den Menschen fördert. 
  • Aus soziologischer Perspektive liegt die Bedeutung der zwischenmenschlichen Berührungen darin, dass diese zwischen den Individuen Beziehungen stiften, festigen, aufrechterhalten, schwächen oder gar beenden können. 
  • So können Zuneigung, Freundschaft, Freude, Anerkennung, aber auch Angst und Trost signalisiert werden. 

Unterschieden werden kann zwischen dem Berühren, d.h. der haptischen Wahrnehmung, sowie dem Berührtwerden, also dem passiven Tasten. 

  • Zwischen den Individuen entsteht hierbei eine nonverbale Interaktion, in welcher sie wechselseitig aufeinander wirken. 

Unsere Gesellschaft entsteht somit auch durch den unmittelbaren Körperkontakt ihrer Mitglieder. 

Fehlen diese konkreten Berührungen, so kann sich dies auf die empfundene Lebenszufriedenheit auswirken. 

Dies zeigt sich insbesondere bei alleinlebenden Personen.

Je nach Kultur und Sozialisierung gibt es unterschiedliche Grenzen und Toleranzen für Berührungen. 

So gibt es Kulturbereiche, in denen auf Berührungen weitestgehend verzichtet wird, aber auch Kulturen, in denen diese wichtige Bestandteile des alltäglichen Lebens sind. 

Zudem lassen sich Variationen zwischen Alter, Geschlecht, Lebensstil und anderen sozial wichtigen Merkmalen festhalten.

Weiterhin ist unsere Gesellschaft durch die zunehmende Digitalisierung der verschiedenen Lebensbereiche geprägt – sei es im familiären, freundschaftlichen oder beruflichen Umfeld. 

Insbesondere die Messenger-Dienste sowie sozialen Kommunikationsplattformen erfreuen sich großer Beliebtheit. 

Interessanterweise lassen sich bei diesen Emoticons wiederfinden, die körperliche Nähe ausdrücken, wie der Handschlag, die Darstellung zwei sich küssender bzw. an den Händen haltender Personen. 

  • Dennoch sind die in persönlichen Interaktionen vorhandenen Körperlich- und auch Sinnlichkeiten nicht ersetzbar und bedingen der Notwendigkeit physischer Präsenz, mit welcher körperliche Berührungen erst ermöglicht werden. 

Und so bleibt zu hoffen, dass vielleicht der oder die Eine am Weltknuddeltag oder an dem heutigen Geburtstag eine zusätzliche Möglichkeit fand, Nähe durch Umarmungen herzustellen.

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Dr. Romy Simon
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PD Dr. Dhayana Dallmeier: Behandlung der arteriellen Hypertonie im Alter

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Blutdruck im Alter: Je höher – desto besser? 

Höhere Zielwerte bei gebrechlichen Personen können vorteilhaft sein

Forschende der Universität Ulm und der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm kommen in einer neuen Studie zu dem Schluss, dass das Sterberisiko von älteren Personen mit Bluthochdruck stark von dem Faktor „Gebrechlichkeit“ abhängt. 

Bei stark gebrechlichen Personen könnte ein höherer Blutdruck sogar von Vorteil sein.

In einer neuen Studienarbeit haben Forschende der Universität Ulm und der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm die Sterblichkeit von älteren Personen im Zusammenhang mit dem systolischen Blutdruck und dem Faktor „Gebrechlichkeit“ untersucht. 

Das Ergebnis: 

Das durch einen höheren systolischen Blutdruck bedingte Sterberisiko im Alter unterscheidet sich stark je nach der individuellen Fitness der Personen. 

Erschienen ist die Untersuchung in „Hypertension“, einem kardiovaskulären Fachjournal, das von der American Heart Association herausgegeben wird.

  • Mit zunehmendem Lebensalter nimmt das Risiko für Bluthochdruck (Hypertonie) zu, da unter anderem die Gefäße an Elastizität verlieren. 

Mit dem Blutdruck steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt. 

Deshalb zählt Hypertonie zu den großen vier Risikofaktoren. 

Rund dreiviertel aller 75-Jährigen leiden an Bluthochdruck. 

Deshalb gilt die Empfehlung, den systolischen Blutdruck meist medikamentös auf unter 140 mmHg zu senken. 

  • Jedoch kann eine starke Absenkung des Blutdrucks im Alter mit negativen Ereignissen wie Stürzen zusammenhängen. 

Dies ist auf die zunehmende autonome Dysregulation zurückzuführen. 

Das heißt, dass das körpereigene Kontrollsystem aus dem Gleichgewicht geraten ist. 

  • Dies kann im Zusammenspiel mit Störungen der venösen Durchblutung zu einem langanhaltenden Blutdruckabfall nach dem Aufstehen führen. 
  • Gleichzeitig gibt es Hinweise auf eine Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten, wenn der systolische Blutdruck bei Älteren deutlich unter 130 mmHg gesenkt wird. 
  • Auch andere Nebenwirkungen von blutdrucksenkenden Medikamenten wie Reizhusten, Allergien und Verdauungsprobleme sind bekannt.


„Heutzutage wird der Nutzen der intensiven Behandlung der arteriellen Hypertonie, also des Bluthochdrucks im höheren Alter, kontrovers diskutiert. 

Noch existieren keine einheitlichen Empfehlungen in den vorhandenen Leitlinien. Mit unserer Untersuchung wollen wir einen Beitrag leisten und die Datenlage verbessern“, erklärt PD Dr. Dhayana Dallmeier, Leiterin der Forschungsabteilung an der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm. Aus diesem Grund haben Dallmeier und das Team rund um Erstautor Kaj-Marko Kremer die Sterblichkeit von Älteren in Bezug mit dem Blutdruck und der Gebrechlichkeit gesetzt. In der Untersuchung griffen die Forschenden auf die Daten von über 1100 Teilnehmenden (mittleres Alter 73,9 Jahre, 41,6 Prozent Frauen) der ActiFE-Studie Ulm zurück, die vor allem die körperliche Aktivität bei Personen über 65 Jahren erfasst. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten feststellen, dass die Gebrechlichkeit das Sterberisiko stark beeinflusst. So lag bei „fitteren“ Personen das geringste Sterberisiko bei einem systolischen Blutdruck von 130 mmHg, wie auch in den aktuellen Leitlinien angegeben. Weiterhin zeigte die Untersuchung, dass bei stark gebrechlichen Älteren das Sterberisiko mit einem höheren Blutdruck tendenziell sogar sank. Das geringste Risiko verzeichneten gebrechlichen Personen mit einem Blutdruck von 160 mmHg oder höher. 

„Wie wir beobachten können, verläuft das Altern von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. 

Neben den fitten und sportlich aktiven Über-80-Jährigen gibt es gebrechliche und wenig belastbare 70-Jährige. 

Unsere Untersuchung bestätigt, wie wichtig dieser Umstand im Alter, beispielsweise in Bezug auf die Anwendung differenzierter Behandlungsansätzen, sein kann“, so Erstautor Kaj-Marko Kremer. 

Die Autorinnen und Autoren der Studienarbeit raten dazu, die körperliche und kognitive Fitness im Alter bei der patientenspezifischen Behandlung der arteriellen Hypertonie zu beachten und bei der Erarbeitung von neuen Richtlinien einfließen zu lassen.

Für ihre Untersuchung griffen die Forschenden auf Daten der ActiFE-Studie (Activity and Function in the Elderly in Ulm) zurück, die an der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm in Zusammenarbeit mit dem Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie an der Universität Ulm seit 2009 durchgeführt wird. Diese Studie wurde teilweise mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.

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PD Dr. Dhayana Dallmeier Ph.D., Leiterin der Forschungsabteilung, Agaplesion Bethesda Klinik Ulm, Tel.: 0731/1897190, dhayana.dallmeier@agaplesion.de

Daniela Stang Universität Ulm

Helmholtzstraße 16
89081 Ulm
Deutschland
Baden-Württemberg

Telefon: 0731-50-22024
E-Mail-Adresse: daniela.stang@uni-ulm.de
Originalpublikation:

Systolic Blood Pressure and Mortality in Community-Dwelling Older Adults: Frailty as an Effect Modifier; Kaj-Marko Kremer, Ulrike Braisch, Dietrich Rothenbacher, Michael Denkinger, Dhayana Dallmeier and for the ActiFE Study Group; Hypertension. 2022;79:24–32
https://doi.org/10.1161/HYPERTENSIONAHA.121.17530


Dr. Mercedes Alfonso-Prieto: Oxytocin ist als „Kuschel- und Bindungshormon https://kinderarztpraxis-st-hedwig.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Oxytocin und Autismus: 

Studie zu Rezeptorvariante liefert neue Einblicke in zelluläre Prozesse

Oxytocin ist als „Kuschel- und Bindungshormon“ bekannt. 

Die Reaktionen werden durch die Bindung des Hormons an den Oxytocin-Rezeptor im Gehirn hervorgerufen. 

Forschende der Universität Regensburg und des Forschungszentrums Jülich haben nun mithilfe von Experimenten mit Zellkulturen und Computersimulationen gezeigt, wie sich genetische Varianten des Rezeptors auf die durch das Hormon ausgelöste Signalkaskade auswirken. 

  • Die Erkenntnisse helfen zu verstehen, warum Nasensprays mit Oxytocin nicht in allen Fällen in der Behandlung von Menschen mit Autismus hilfreich sind. 

Und sie zeigen alternative Strategien auf, die langfristig zu neuen Therapien führen können. 

Struktur des Oxytocinrezeptors (links) und der mutierten Rezeptorvariante A218T (rechts) im Vergleich Struktur des Oxytocinrezeptors (links) und der mutierten Rezeptorvariante A218T (rechts) im Vergleich Mercedes Alfonso-Prieto Forschungszentrum Jülich / Mercedes Alfonso-Prieto 

  • Veränderungen im fein abgestimmten Zusammenspiel von Oxytocin und seinem Rezeptor können psychosoziale Störungen auslösen. 

Davon geht die Forschung schon lange aus. 

Tatsächlich wurden bereits genetische Varianten des Oxytocin-Rezeptors mit Autismus-Spektrum-Störungen in Verbindung gebracht. 

Die zugrundeliegenden kausalen Mechanismen sind bislang noch ungeklärt. Vieles deutet darauf hin, dass es nicht nur einen einzigen Auslöser gibt.

Entsprechend wurde beobachtet, dass die simple Gabe von Nasenspray mit Oxytocin nicht in allen, sondern nur in bestimmten Fällen dazu beiträgt, die soziale Interaktion bei Kindern und Jugendlichen mit einer Autismus-Spektrum-Störung zu verbessern. 

Studien zur therapeutischen Wirkung kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen und legen nahe, dass die Wirksamkeit bei den Patienten stark variiert. 

Exemplarisch sind hier eine Arbeit von Forschenden des Forschungszentrums Jülich (DOI: 10.1038/s41386-018-0258-7) sowie eine weitere Studie, die bislang größte zu diesem Thema, die vor einigen Monaten im renommierten New England Journal of Medicine erschienen ist (DOI: 10.1056/NEJMoa2103583).

In einer aktuellen Forschungsarbeit beschreiben Forschende der Universität Regensburg und des Forschungszentrums Jülich in allen Einzelheiten, wie sich eine kleine Änderung in der DNA-Sequenz des Oxytocinrezeptors auf die durch das Hormon ausgelöste Reaktion in den Nervenzellen auswirkt.

„Der Teufel steckt hier wirklich im Detail“, erklärt Dr. Mercedes Alfonso-Prieto vom Forschungszentrum Jülich. 

„Der Oxytocinrezeptor besteht aus 389 Aminosäuren. 

Die von uns untersuchte Variante, weicht nur bei einer einzigen von dem normalen Typ ab – eine eher subtile Veränderung, die sich aber im Innern der Zelle wie durch eine Art Dominoeffekt verstärkt.“

Gemeinsam mit ihren Kollegen am Institut unter der Leitung von Prof. Paolo Carloni hat sie die Auswirkungen dieser Mutation am Computer modelliert und simuliert. „Unser Ziel war es, einen Eindruck von dem Mechanismus in der Zelle zu gewinnen. Wir wollten verstehen, wie sich die ganze Struktur des Oxytocinrezeptors verändert und wie sich diese Veränderung auf die damit zusammenhängende zelluläre Reaktion auswirkt“, erklärt Mercedes Alfonso-Prieto.
Das überraschende Ergebnis: Die mutierte Variante ist keineswegs passiver oder instabiler, sondern aktiver und stabiler als der normale Rezeptortyp – ganz im Gegensatz zu dem, was intuitiv zu erwarten wäre.

„Obwohl diese Rezeptorvariante mit Autismus in Verbindung steht, wurde sie früher als nicht-pathogen eingestuft. 

Das hat uns verwundert“, berichten Dr. Magdalena Meyer und Dr. Benjamin Jurek von der Universität Regensburg, die die Zellreaktion experimentell im Labor untersucht haben. 

Die Regensburger Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Inga Neumann forscht schon seit vielen Jahren zur neurobiologischen Wirkung von Oxytocin. 

Die aktuelle Arbeit, die in der angesehenen Fachzeitschrift Molecular Psychiatry erschienen ist, liefert nun neue Ansatzpunkte, um langfristig neue Therapien zu entwickeln.

„Da die mutierte Rezeptorvariante übermäßig auf Oxytocin reagiert, liegt es auf der Hand, dass die Erhöhung des Oxytocinspiegels durch ein Nasenspray wahrscheinlich nicht die beste therapeutische Strategie ist, um autistische Patienten mit dieser Mutation zu behandeln“, erklärt Magdalena Meyer. 

Mehr Erfolg versprechen dagegen Ansätze zur Entwicklung von Medikamenten, die darauf abzielen, Moleküle zu finden, die die normale Funktion des Rezeptors wiederherstellen.

Dr. Mercedes Alfonso-Prieto vom Institute for Computational Biomedicine des Forschungszentrums Jülich

 Dr. Mercedes Alfonso-Prieto vom Institute for Computational Biomedicine des Forschungszentrums Jülich Ralf-Uwe Limbach Forschungszentrum Jülich / Ralf-Uwe Limbach

 

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Jun.-Prof. Dr. Mercedes Alfonso Prieto
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Originalpublikation:

Magdalena Meyer, Benjamin Jurek, Mercedes Alfonso-Prieto, Rui Ribeiro, Vladimir M. Milenkovic, Julia Winter, Petra Hoffmann, Christian H. Wetzel, Alejandro Giorgetti, Paolo Carloni & Inga D. Neumann
Structure-function relationships of the disease-linked A218T oxytocin receptor variant
Molecular Psychiatry (published online 04 January 2022), DOI: 10.1038/s41380-021-01241-8

 

BundestagsDebatte HEUTE: Prof. Dr. med. Burkhart Schraven: Die Stärke der Immunantwort nach verschiedenen COVID-19-Impfstoff-Kombinationen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: COVID-19-Impfstoffe triggern keine Autoantikörper

Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Magdeburg haben in den letzten Monaten zwei Studien zu COVID-19-Impfstoffen durchgeführt. 

Ziel war es, herausfinden, ob sich die Stärke der Immunantwort nach verschiedenen COVID-19-Impfstoff-Kombinationen unterscheidet und ob diese Impfungen das Immunsystem so umprogrammieren, dass es zu einer Reaktion gegen körpereigene Strukturen durch so genannte Autoantikörper kommt. 

Diese könnten im schlimmsten Fall zu einer Zerstörung körpereigener Zellen und Organe führen, was langwierige medizinische Behandlungen erfordern würde. 

Dr. rer. nat. Christoph Thurm und Institutsdirektor Prof. Dr. med. Burkhart Schraven aus dem Institut für Molekulare und Klinische Immunologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.Dr. rer. nat. Christoph Thurm und Institutsdirektor Prof. Dr. med. Burkhart Schraven aus dem Institut für Molekulare und Klinische Immunologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Sarah Kossmann Universitätsmedizin Magdeburg 

Die Studien wurden durch das Institut für Molekulare und Klinische Immunologie der Universitätsmedizin Magdeburg koordiniert. Weitere Partner waren das Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie der Universitätsmedizin Magdeburg sowie das Institut für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover.

In den Studien wurden folgende Wirkstoffkombinationen analysiert: 

  • Zwei Impfungen mit einem mRNA- 
  • oder Vektor-Impfstoff 
  • bzw. die Kombination eines Vektor-Impfstoffs, gefolgt von einem mRNA-Impfstoff. 

An den Studien haben insgesamt 120 freiwillige Proband:innen aus der Mitarbeiterschaft der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums Magdeburg teilgenommen. 

Gemäß der individuellen Impfstoffkombination wurden diese in drei Gruppen aufgeteilt. 

Bei allen Studienteilnehmenden erfolgten vier Blutentnahmen, vor der Zweitimpfung sowie zwei bzw. vier Wochen und vier Monate nach der Zweitimpfung. 

Damit konnten die Konzentrationen der Impfantikörper und Autoantikörper bestimmt und anschließend statistisch ausgewertet werden.

Der Magdeburger Immunologe und Leiter des Institutes für Molekulare und Klinische Immunologie der Universitätsmedizin Magdeburg, Prof. Dr. med. Burkhart Schraven, erläutert die Ergebnisse:

  •  „In unseren Studien konnten wir zeigen, dass die Induktion von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 nach einer zweimaligen Impfung mit dem Vektor-Impfstoff von AstraZeneca im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen um zirka 90 Prozent reduziert war. 
  • Hiermit ist vermutlich auch ein deutlich verringerter Schutz gegen eine Ansteckung mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 verbunden.“ 

Diese Informationen seien wichtig, um die Prozesse, die durch die neuen Impfstoffe angestoßen wurden, besser zu verstehen und einige offene Fragen zu beantworten.

„Wir konnten zeigen, dass keine der drei Impfstrategien eine Produktion von Autoantikörpern in gesunden Probandinnen oder Probanden induziert und dementsprechend auch keine ungewollte Immunreaktion gegen den eigenen Körper stattfindet. 

Dies ist ein sehr wichtiger Befund, da solche Autoimmun-Reaktionen im Zusammenhang mit symptomatischen COVID-19-Infektionen beobachtet wurden und daher die Möglichkeit bestand, dass auch die Impfung ähnliche Veränderungen anstößt“, erklärt der Erstautor der Studie, Dr. rer. nat. Christoph Thurm.

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Prof. Dr. med. Burkhart Schraven und Dr. rer. nat. Christoph Thurm, Institut für Molekulare und Klinische Immunologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391/67-24397, christoph.thurm@med.ovgu.de

Friederike Süssig-Jeschor Universitätsmedizin Magdeburg

Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
Deutschland
Sachsen-Anhalt

Ögelin Düzel
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Friederike Süssig-Jeschor
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E-Mail-Adresse: friederike.suessig-jeschor@med.ovgu.de
Originalpublikation:

Robust induction of neutralizing antibodies against the SARS-CoV-2 Delta variant after homologous Spikevax or heterologous Vaxzevria-Spikevax vaccination
First published: 06 December 2021 https://doi.org/10.1002/eji.202149645

Anti-SARS-CoV-2 vaccination does not induce the formation of autoantibodies but provides humoral immunity following heterologous and homologous vaccination regimens: Results from a clinical and prospective study within professionals of a German University Hospital, https://doi.org/10.1101/2021.11.01.21265737


PD Dr. Katharina Bühren: Unruhig, unaufmerksam, unbeherrscht und unverstanden – hyperaktive Kinder - „Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung“ (ADHS) https://kinderarztpraxis-st-hedwig.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: ADHS: Medikamentöse Therapie nicht verteufeln!

Die Stiftung Kindergesundheit räumt mit Irrtümern und Vorurteilen über die Behandlung unruhiger und unaufmerksamer Kinder auf

  • Unruhig, unaufmerksam, unbeherrscht und unverstanden – hyperaktive Kinder haben es nicht leicht und werden schnell zu Außenseitern im Kindergarten oder in der Schule. 

Das Problem mit dem sperrigen Terminus „Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung“ (ADHS) tritt bei Jungen häufiger auf als bei Mädchen. 

Die Kinder kaspern und zappeln, sind laut und ungeduldig und flippen schon bei Kleinigkeiten aus. 

Die Hoffnung der genervten Eltern und Lehrkräfte, das Problem werde sich mit der Zeit schon geben, geht leider nicht immer in Erfüllung, berichtet die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme:  

  • Einige Symptome können bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.  
  • Viele der früheren „Zappelphilippe“ entwickeln sich zu zerstreuten und vergesslichen, sprunghaften und launischen Erwachsenen.


ADHS ist keine neue Störung, stellt die Stiftung Kindergesundheit klar: 

Die erste lehrbuchmäßige Beschreibung einer Verhaltensstörung mit den Merkmalen von ADHS stammt vom deutschen Arzt Melchior Adam Weikard bereits aus dem Jahr 1775. Die charakteristischen Symptome des „Zappelphilipp“ sind seit 1845 im beliebten Kinderbuch „Struwwelpeter“ des Frankfurter Mediziners Heinrich Hoffmann dokumentiert. „ADHS gilt heute als die häufigste Verhaltensstörung bei Kindern“, sagt Priv.-Doz. Dr. Katharina Bühren, Oberärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie am kbo-Heckscher-Klinikum München.

Verträumt, abgelenkt und vergesslich
Die typischen Verhaltensweisen der Störung treten in den verschiedenen Altersstufen in unterschiedlicher Ausprägung auf:

• Bei den meisten betroffenen Vorschulkindern mit ADHS steht ein ausgeprägter Bewegungsdrang im Vordergrund. Viele von ihnen haben schon im Kindergarten häufiger Streit mit anderen und handeln plötzlich und unüberlegt.
• Im Schulalter fallen die Kinder vor allem in Situationen auf, wenn von ihnen erwartet wird, lange und ruhig sitzen zu bleiben oder leise zu sein.
• Vielen Kindern fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Sie übersehen Details, machen Flüchtigkeitsfehler, haben Probleme beim Organisieren und Planen von Aufgaben, verlieren Sachen, sind verträumt, ablenkbar und vergesslich. Diese Symptome bleiben auch im Erwachsenenalter oft noch bestehen.
• Einige leiden unter einer erhöhten Impulsivität: Sie reagieren spontan und riskant, ohne über die Folgen nachzudenken, fallen anderen ins Wort oder haben heftige und mitunter verletzende Wutausbrüche, die im sozialen Miteinander zu schweren Konflikten führen können.

ADHS wurde noch bis in die 90-er Jahre oft als eine Störung angesehen, die ausschließlich das Kindes- und Jugendalter betrifft und mit dem Erwachsenwerden ausheilt. 

Mittlerweile gibt es an mehreren Universitäten Spezialambulanzen, in denen die besondere Situation der von ADHS betroffenen Erwachsenen untersucht und behandelt wird.

Nach einer druckfrischen Studie internationaler Experten tritt ADHS weltweit bei 5,9 Prozent der Kinder und 2,8 Prozent der Erwachsenen auf. Für die Studie haben 79 Wissenschaftler aus 27 Ländern und sechs Kontinenten die Fachliteratur der letzten zwanzig Jahre durchforstet, um die heutigen Möglichkeiten der Behandlung zu beurteilen und Vorurteilen und Stigmatisierungen entgegenzutreten. Die Ergebnisse wurden in einer internationalen Konsensuserklärung veröffentlicht (Faraone S. et al. 2021).

Ist das Kind nur schlecht erzogen?
Zu den wiederkehrenden Vorurteilen, Mythen und „Fakenews“ gehört die Behauptung, dass es sich bei ADHS um eine Modediagnose handelt, um eine erfundene Störung, die es gar nicht wirklich gibt, und deren medikamentöse Behandlung lediglich dazu dient, die nervigen und störenden Kinder ruhigzustellen.

Viele Eltern eines ADHS-betroffenen Kindes werden außerdem mit einem weiteren, weit verbreiteten Vorurteil konfrontiert: Man wirft ihnen vor, erzieherisch nachlässig und nicht streng genug zu sein, ihr umtriebiges Kind sei deshalb einfach schlecht erzogen, böse oder dumm.

„Die von ADHS betroffenen Kinder sind aber weder böse oder dumm noch schlecht erzogen“, unterstreicht PD Dr. Katharina Bühren mit großem Nachdruck. 

„Viele von ihnen entwickeln einen kaum zu bändigenden Bewegungsdrang, sind aufbrausend, können leicht ausrasten und mit ihren unvermittelten Wutausbrüchen Eltern, Spielkameraden und Lehrkräfte zur Weißglut bringen.
Sie wirken deshalb als ungehorsam, unwillig oder dumm, obwohl sie meist normal begabt und nicht selten sogar überdurchschnittlich intelligent sind“.

Die Schule ist oft überfordert

Zwar sitzen laut Statistik heute in jeder Schulklasse ein bis zwei von ADHS betroffene Kinder. Doch viele Lehrkräfte sind mit dem Krankheitsbild ADHS so wenig vertraut, dass sie das Kind lieber auf eine Förderschule mit Förderschwerpunkt Lernen (früher „Sonderschule“) schicken möchten, anstatt den Eltern die Untersuchung ihres Kindes bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie zu empfehlen.

Die medikamentöse Behandlung der Störung wird in diesem Jahr 85 Jahre alt: Es war 1937, als der US-amerikanische Psychiater Charles Bradley die Symptomatik des hyperaktiven Kindes genauer beschrieb und mit einem amphetamin-haltigen Medikament die ersten therapeutischen Erfolge hatte. Seither ist die Wirksamkeit der Behandlung mit Stimulanzien in weit über 6.000 Publikationen bestätigt worden.

Dennoch wird die medikamentöse Behandlung von Kindern mit ADHS seit langen Jahren kontrovers diskutiert. Manche Medien schüren immer wieder Zweifel an der Existenz des Leidens und vermuten hinter seiner Behandlung mit Stimulanzien wie „Ritalin“ eine Verschwörung zur Ruhigstellung des umtriebigen Kindes.

Das Kind braucht eine Chance
Die in den Medien oft einseitig und unsachlich geführte Debatte darf jedoch nicht dazu führen, dass den betroffenen Kindern und ihren oft verzweifelten Eltern eine nachweislich wirksame und sichere Therapie vorenthalten wird, betont die Stiftung Kindergesundheit in ihrer Stellungnahme. Bei der Therapie geht es nicht darum, die Kinder brav zu machen: Sie sollen vielmehr eine Chance erhalten auf eine Behandlung, die ihnen eine ungestörte Entfaltung ihrer Fähigkeiten ermöglicht. 

Sonst drohen das Scheitern in der Schule, Defizite in der Bildung, Arbeitslosigkeit sowie weitere psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen, ein erhöhtes Risiko für Drogenmissbrauch oder eine Delinquenzentwicklung.

Es ist nicht leicht, für das einzelne Kind mit einer ADHS die optimale Behandlung zu finden. 

Als wünschenswert gilt eine „multimodale“ Therapie, d.h. eine individuelle Kombination aus verschiedenen Therapieformen. Mögliche Elemente der Behandlung sind die Aufklärung und Beratung sowie Schulung der Eltern, eine Verhaltenstherapie, Konzentrationstrainings und die Verordnung von Medikamenten.

„Hat ein Facharzt oder eine Fachärztin bei einem Kind die Erkrankung nach einer sorgfältigen und umfassenden Untersuchung klar diagnostiziert, ist der Nutzen einer medikamentösen Behandlung eindeutig nachgewiesen“, betont PD Dr. Katharina Bühren.

Für die medikamentöse Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS sind in Deutschland verschiedene Wirkstoffe in einer Vielzahl von Arzneimitteln zur Einnahme zugelassen. 

Bei diesen Wirkstoffen können zwei Gruppen unterschieden werden: 

  • Einerseits die sogenannten Stimulanzien (Methylphenidat, Dexamfetamin, Lisdexamfetamin), andererseits die sogenannten Nicht-Stimulanzien (Atomoxetin und Guanfacin). 

Die Stimulanzien sind den Betäubungsmitteln zugeordnet, ihre Verordnung unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz.

  • Die Medikamente regen die Tätigkeit bestimmter Gehirnregionen an und beeinflussen das Dopamin-System, das für die Kontrolle von Aktivität und Aufmerksamkeit eine Rolle spielt. 

PD Dr. Katharina Bühren: „In vielen Fällen ermöglicht erst die Einnahme des Medikaments, dass die elterlichen Erziehungsmaßnahmen oder eine Verhaltenstherapie ihre Wirkung entfalten können“.

Medikamente beugen späteren Risiken vor
Auch die internationalen Autoren der anfangs erwähnten Studie kamen nach der Analyse der bisher vorliegenden Forschungsergebnisse zu einer eindeutig positiven Beurteilung der medikamentösen Behandlung von ADHS. Sie stellten fest:

  1. • Die medikamentöse Behandlung reduziert das Risiko von späteren Unfallverletzungen, Schädel-Hirn-Traumata, Drogenmissbrauch, Tabakkonsum, Bildungsschwäche, Knochenbrüchen, sexuell übertragbaren Infektionen, Depressionen, Suizid, kriminellen Aktivitäten und Schwangerschaften im Teenageralter. 
  2. • Die Nebenwirkungen von ADHS-Medikamenten sind in der Regel mild und können durch eine Änderung der Dosis oder des Medikaments verringert werden.
  3. Nicht-medikamentöse Behandlungen von ADHS-Symptomen sind weniger wirksam als medikamentöse Behandlungen, sie sind jedoch häufig nützlich bei Problemen, die auch nach der Verordnung des Medikaments bestehen bleiben.


Das Kind wird nicht süchti
g
Hartnäckig hält sich die Behauptung, die Medikamente zur Behandlung des ADHS-Syndroms würden das Kind süchtig machen. Diese Befürchtung sei jedoch nach dem gegenwärtigen Wissenstand unbegründet, betont die Stiftung Kindergesundheit.

Zwar unterliegen einige der zur ADHS-Behandlung eingesetzten Medikamente dem Betäubungsmittelgesetz. 

Der Grund hat aber mit den Kindern nichts zu tun: 

Der Inhaltsstoff Methylphenidat wird wegen seiner aufputschenden Wirkung häufig missbräuchlich verwendet – von Erwachsenen. 

Bei den von ADHS betroffenen Kindern wirkt es allerdings nicht aufputschend: 

Es gleicht aus, beruhigt und hilft dem Gehirn des Kindes, Umweltimpulse besser zu verarbeiten.

Zerstreut, aber höchst kreativ

Erwachsene Zappelphilippe haben oft eine gemeinsame Eigenschaft, berichtet die Stiftung Kindergesundheit: 

Wenn etwas sie besonders interessiert, können sie sich regelrecht „zusammenreißen“ und sich diesem Problem äußerst intensiv und anhaltend widmen. 

Ihre oft hohe Kreativität befähigt die zerstreuten Chaoten in manchen Berufen zu großen Leistungen.

Viele Erwachsene mit ADHS arbeiten als Manager, Vertreter, Verkäufer, Politiker, Moderatoren, Entertainer, Künstler, Wissenschaftler und Erfinder. 

Wolfgang Amadeus Mozart soll ebenso ein hyperaktives Kind gewesen sein, wie Albert Einstein, Salvador Dali oder Thomas Alva Edison

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c/o Dr. von Haunersches Kinderspital am Klinikum der Universität München, 

Lindwurmstr. 4
80337 München
Deutschland
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Giulia Roggenkamp
Generalsekretärin
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Prof. Dr. Christian Grimm: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD - die Entwicklung von Lungenemphysemen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: COPD: Ionenkanal reguliert krankheitsförderndes Molekül

Bei der Lungenerkrankung COPD ist das Recycling eines krankheitsfördernden Moleküls durch einen bestimmten Ionenkanal beeinträchtigt, wie Forschende aufzeigen.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, ist eine der häufigsten Lungenerkrankungen. 

Weltweit sind fast 300 Millionen Menschen betroffen, von denen jedes Jahr etwa drei Millionen sterben. 

  • COPD ist ein Sammelbegriff für chronisch-obstruktive Bronchitis und Lungenemphysem und entsteht vor allem als Reaktion auf Umweltschadstoffe – insbesondere Zigarettenrauch – oder aufgrund von Gendefekten. 

Der LMU-Pharmakologe Prof. Christian Grimm vom Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie konnte nun in Kooperation mit Prof. Martin Biel (Department Pharmazie) und Dr. Ali Önder Yildirim (Helmholtz Zentrum München) nachweisen, dass bestimmte Ionenkanäle in Immunzellen entscheidend an dem entzündlichen Geschehen beteiligt sind. 

Möglicherweise könnten diese Ionenkanäle nach Ansicht der Wissenschaftler Angriffsziele für neue Therapien sein.

  • Alveolarmakrophagen sind Immunzellen, die auf der Oberfläche der Lungenbläschen vorkommen. 
  • Sie sekretieren verschiedene Entzündungsmediatoren, darunter die sogenannte Makrophagenelastase MMP12. 

Von diesem Molekül war bereits bekannt, dass es die Entwicklung von Lungenemphysemen fördert, wenn es im Überschuss vorliegt. 

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun in zwei unabhängigen Mausmodellen zeigen konnten, spielt der Ionenkanal TRPML3 bei der Regulation von MMP12 eine wesentliche Rolle: 

  • Der Kanal kommt in der Lunge fast ausschließlich in Alveolarmakrophagen vor. 

Wird er ausgeschaltet, zeigten die entsprechenden Knockout-Mäuse erhöhte MMP12-Level in der Lunge. 

Lungenfunktionstests bestätigten daraus folgende Lungenschäden, die sich durch die Behandlung mit Tabakrauch oder Elastase – beides fördert COPD – verschlimmerten.

Mithilfe verschiedener Methoden untersuchten die Forscher daraufhin die Expression und Funktion von TRPML3 in der Lunge, um aufzuklären, wie die MMP12-Konzentration reguliert wird. 

„Zu unserer Überraschung fanden wir, dass bei COPD nicht die Sekretion von MMP12 beeinträchtigt ist, sondern die Endocytose. 

  • Durch die Entzündung wird also nicht mehr MMP12 ausgeschüttet, sondern die Wiederaufnahme von überschüssigem MMP12 durch TRPML3 funktioniert nicht genügend“, sagt Grimm.

 „Dazu passt auch, dass wir mithilfe der Patch-Clamp-Technologie nachweisen konnten, dass der Kanal vor allem in den sogenannten frühen Endosomen exprimiert wird, deren Funktion es ist, Partikel aufzunehmen.“

  • Der Vergleich von Proben menschlicher Patienten mit und ohne COPD zeigte, dass TRPML3 bei COPD-Patienten sehr stark hochreguliert ist, also verstärkt gebildet wird. 

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Körper auf diese Weise versucht, schädlichen Einflüssen entgegenzusteuern, indem möglichst viel von dem schädlichen MMP12 abgebaut wird. 

Insgesamt deuteten diese Ergebnisse demnach darauf hin, dass TRPML3 ein wichtiger Regulator der MMP-12-Aufnahme durch Alveolarmakrophagen ist und als therapeutisches Ziel für COPD dienen könnte

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Prof. Dr. Christian Grimm
Professor für Molekulare Pharmakologie
Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Medizinische Fakultät
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Deutschland
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Constanze Drewlo
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Thomas Pinter
Telefon: 089 - 2180 3664
E-Mail-Adresse: pinter@lmu.de
Originalpublikation:

Lung emphysema and impaired macrophage elastase clearance in mucolipin 3 deficient mice
Barbara Spix, Elisabeth S. Butz, Cheng-Chang Chen, Anna Scotto Rosato, Rachel Tang, Aicha Jeridi, Veronika Kudrina, Eva Plesch, Philipp Wartenberg, Elisabeth Arlt, Daria Briukhovetska, Meshal Ansari, Gizem Günes Günsel, Thomas M. Conlon, Amanda Wyatt, Sandra Wetzel, Daniel Teupser, Lesca M. Holdt, Fabien Ectors, Ingrid Boekhoff, Ulrich Boehm, Jaime García-Añoveros, Paul Saftig, Martin Giera, Sebastian Kobold, Herbert B. Schiller, Susanna Zierler, Thomas Gudermann, Christian Wahl-Schott, Franz Bracher, Ali Önder Yildirim, Martin Biel, Christian Grimm
Nature Communications 2022


Prof. Cora Weigert: Nicht-alkoholisch bedingten Lebererkrankung (NAFLD, auch metabolische Lebererkrankung MAFLD genannt)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie regelmäßiger Sport vor Fettleber-assoziierten Erkrankungen schützen kann

  • Sport trainiert nicht nur die Muskeln, sondern kann auch die Entstehung einer Fettleber verhindern. 

Eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), Helmholtz Munich und dem Universitätsklinikum Tübingen zeigt, welche molekularen Anpassungen insbesondere der Mitochondrien der Leber dabei zu beobachten sind. 

Die Studie ist in ‘Molecular Metabolism’ erschienen.

  • Weltweit leidet jeder vierte Mensch an einer nicht-alkoholisch bedingten Lebererkrankung (NAFLD, auch metabolische Lebererkrankung MAFLD genannt). 
  • Die Betroffenen haben häufig auch einen Typ-2-Diabetes sowie ein erhöhtes Risiko für Leberzirrhose und kardiovaskulären Erkrankungen. 

Zudem ist NAFLD mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. 

Als eine Ursache für die Erkrankung wird eine Dysbalance von Energiezufuhr und -verbrauch diskutiert. 

  • Das führt zur Fettablagerung in der Leber und beeinträchtigt mit der Zeit die Funktion der Mitochondrien* – beides Risikofaktoren für die Entstehung einer hepatischen Insulin-Resistenz und Leberentzündung.


Wie Sport die Anpassung der Leber an eine erhöhte Energiezufuhr verändert

  • Um NAFLD vorzubeugen und zu behandeln, wird eine Veränderung des Lebensstils mit erhöhter körperlicher Aktivität empfohlen. 

In wieweit regelmäßiger Sport die Anpassung der Leber an eine erhöhte Energiezufuhr verändert und welche Rolle der Skelettmuskel dabei spielt, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie am Universitätsklinikum Tübingen und am Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen bei Helmholtz Munich an der Universität Tübingen untersucht. Dabei haben sie mit dem Institut für Experimentelle Genetik (IEG) am Helmholtz Zentrum München, dem Leibniz Institut für Analytische Wissenschaften in Dortmund und dem Dalian Institute of Chemical Physics in China zusammengearbeitet.

Sport kann vor Leberfetterkrankungen durch zu viel Essen schützen

In der von Dr. Miriam Hoene und Dr. Lisa Kappler durchgeführten Studie wurden Mäuse mit einer energiereichen Nahrung gefüttert. Ein Teil der Mäuse erhielt zusätzlich regelmäßiges Laufbandtraining. Im Anschluss an die sechswöchige Intervention untersuchten die Forschenden die Lebern und Muskeln der Tiere auf Veränderungen bei den Genen, die abgelesen werden (Transkriptom), bei den in den Mitochondrien gebildeten Proteinen (mitochondriales Proteom), der Lipidzusammensetzung und der Mitochondrienfunktion.

  • Dabei zeigte sich, dass durch das Training in der Leber wichtige Enzyme des Glukose- und Fruktose-Abbaus sowie des mitochondrialen Pyruvatmetabolismus reguliert werden. 
  • So kann der Substratüberschuss für die mitochondriale Atmung und die Lipidsynthese verringert werden. 

Die Folge: 

Es wird weniger Fett in der Leber gespeichert – und weniger spezielle Lipide wie Diacylglycerol. 

Zudem verbessert sich die Glukosekontrolle in den trainierten Mäusen. 

Zusätzlich entlastet eine erhöhte Atmungskapazität der Skelettmuskeln den Stoffwechsel in der Leber.

Die systembiologischen Daten bieten einen umfassenden Einblick in die molekulare Anpassung von Leber und Muskel an eine energiereiche Diät, an Training, und kombinatorische Effekte. „Die Ergebnisse passen sehr gut zu Ansätzen laufender klinischer Studien, in denen Inhibitoren gegen einige der hier gefundenen Targets wie z.B. den mitochondrialen Pyruvattransporter getestet werden“, sagt DZD-Wissenschaftlerin Prof. Dr. Cora Weigert.

 „Sie zeigen auch, wie durch regelmäßige körperliche Aktivität gleichzeitig viele, kleine Veränderungen an zentralen Schaltstellen des Metabolismus stattfinden, was durch eine Monotherapie nicht erreicht werden kann“, führt die Leiterin der Studie und Professorin für Molekulare Diabetologie am Universitätsklinikum Tübingen weiter aus.

*Mitochondrien
Aufgabe der Mitochondrien ist es, Energie für die Zelle verfügbar zu machen. 

Dies geschieht durch Zellatmung. 

Dabei handelt es sich um einen Stoffwechselvorgang, bei dem in Glukose und anderen organischen Substanzen gespeicherte Energie durch das Aufbrechen der chemischen Verbindung gewonnen wird. 

Bei diesem Vorgang wird Adenosin-Triphosphat, kurz ATP gewonnen. 

Das ist das wichtigste Energiemolekül im Körper. 

Mitochondrien gelten deswegen auch als Kraftwerke der Zelle.

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Prof. Cora Weigert
Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen
bei Helmholtz Munich an der Universität Tübingen
Otfried-Müller-Str. 10
72076 Tübingen
Telefon: 07071 29-8567
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Birgit Niesing Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

ngolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
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E-Mail-Adresse: contact@dzd-ev.de

Dr. Astrid Glaser
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Birgit Niesing
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Originalpublikation:

Hoene, M. et al.: Exercise prevents fatty liver by modifying the compensatory response of mitochondrial metabolism to excess substrate availability. Molecular Metabolism; DOI: https://doi.org/10.1016/j.molmet.2021.101359


 

TOP-Einladung zur Studie: Die Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Entspannung auf die Hirnfunktionen, das Immunsystem und die Darmgesundheit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Machen Ausdauer und Entspannung auch Gehirn und Darm fit?

Ein Forschungsteam am Universitätsklinikum Jena sucht gesunde ältere Personen für eine kontrollierte Studie, in der die Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Entspannung auf die Hirnfunktionen, das Immunsystem und die Darmgesundheit untersucht werden. 

Die Studie ist Teil eines internationalen Forschungsnetzwerkes, das den Einfluss der Darmflora auf Alterungsprozesse im Hirn untersucht. 

Ein UKJ-Forschungsteam sucht ältere Studienpersonen für seine Studie zu den Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Entspannung auf die Hirnfunktionen, das Immunsystem und die Darmgesundheit. Ein UKJ-Forschungsteam sucht ältere Studienpersonen für seine Studie zu den Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Entspannung auf die Hirnfunktionen, das Immunsystem und die Darmgesundheit. Simon Schrenk Universitätsklinikum Jena 

  • Physische Bewegung und gezielte Entspannung wirken sich positiv auf das körperliche und geistige Befinden aus, das ist bekannt. 
  • Aber lässt sich dieser Effekt auch anhand von Hirnbildgebung und Laborwerten messen? 

Und was wirkt mehr – Aktivität oder Entspannung? 

Dieser Frage geht Simon Schrenk an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Jena nach und startet dafür im Rahmen des Forschungsnetzwerkes SmartAge eine prospektive kontrollierte Studie. Mit Förderung der EU erforscht der Psychologe gemeinsam mit 14 Nachwuchswissenschaftlern aus 10 Ländern, welche Rolle das Darm-Mikrobiom bei altersbedingten Änderungen von Hirnfunktionen spielt. Die Mikroben im Darm sind nicht nur wichtig für die Verdauung, mit ihren Stoffwechselprodukten moderieren sie auch Immunprozesse oder beeinflussen die Leistungsfähigkeit des Gehirns. In seinem Projekt untersucht Simon Schrenk, ob sich Maßnahmen, die auf die Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen abzielen, auch auf Immunsystem und Darmflora auswirken.

An der Studie sollen insgesamt 100 Personen im Alter von 60 bis 75 Jahren teilnehmen.

 „Sie sollten nicht an Herz-Kreislauf-, neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen leiden, gegen COVID-19-geimpft sein und Zugriff auf ein Smartphone haben“, zählt Simon Schrenk die Voraussetzungen auf. 

Die Eingangstests bestehen aus einer MRT-Messung, kognitiven Untersuchungen wie Aufmerksamkeits- und Gedächtnistests sowie Blut- und Stuhlanalysen. 

Für das achtwöchige Studienprogramm werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen geteilt: 

Die eine absolviert ein Programm, das auf körperliche Aktivität und Ausdauertraining setzt, für die zweite Gruppe sind Entspannungsübungen bestimmt. 

Die jeweiligen Übungen absolvieren die Studienpersonen zu Hause nach einer Online-Anleitung, dabei dient eine Pulsuhr der Aufzeichnung von Trainingsparametern.

Im Anschluss erfolgen erneut MRT-Untersuchung, kognitives Tests und Laboranalysen, um die Daten mit den Ergebnissen der Eingangstest zu vergleichen. Simon Schrenk: 

„Wir suchen nach einem Effekt der Übungen auf das biologische Hirnalter, Immun- und Entzündungsmarker und die Darmgesundheit, um mehr über das Zusammenspiel von Darmmikrobiom und kognitiver Leistungsfähigkeit im Alter zu lernen.“ 

An der Studie Interessierte können sich bei ihm unter Simon.Schrenk@med.uni-jena.de oder Telefon 03641/9396666 melden. 

Neben dem ideellen Mehrwert, einen Beitrag zur Alternsforschung zu leisten und dem umfassenden Screening im Rahmen der Untersuchungen erhalten die Teilnehmenden die in der Studie genutzte Pulsuhr.

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Simon Schrenk
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Dr. Uta von der Gönna Universitätsklinikum Jena

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