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Menschliche Überprägungen- sehr ungesund für die Natur - das Wirkungsgefüge von Mensch und natürlichen Prozessen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Flutkatastrophe: "Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte über die nachhaltige Nutzung von Auen"

Bei der Ursachenforschung zu der aktuellen Flutkatastrophe im Westen Deutschlands sowie in den angrenzenden Ländern wird vor allem darüber diskutiert, inwieweit menschgemachter Klimawandel und Flächenversiegelung in den Einzugsgebieten die natürlichen Flutprozesse verstärkt. 

Prof. Dr. Christoph Zielhofer, Physischer Geograph an der Universität Leipzig, sieht allerdings noch eine andere Gefahr: Bei extremen Hochfluten spielen seiner Ansicht nach die baulichen Veränderungen in den Flussauen eine große Rolle. 

Dieser Aspekt komme in der Diskussion um die Ursachen der Flutkatastrophen bisher zu kurz. 

Auf den ersten Eindruck in einem naturnahen Zustand, aber seit Jahrhunderten stark durch Menschen beeinflusst: die Aue der Unteren Havel in Brandenburg.
Auf den ersten Eindruck in einem naturnahen Zustand, aber seit Jahrhunderten stark durch Menschen beeinflusst: die Aue der Unteren Havel in Brandenburg. Foto: Prof. Christoph Zielhofer

  • „Bei extremen Niederschlagsereignissen nimmt die Bedeutung der Flächenversiegelung eher ab, da selbst offenporige Böden ab einem bestimmten Punkt kein Wasser mehr aufnehmen können“, betont er. 

Auen sind besonders dynamische Landschaften und Kernzonen des Kultur- und Naturerbes Europas.

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit sind Auen aber auch Brennpunkte früher menschlicher Eingriffe in den Naturraum. Der Mensch will Land gewinnen, Ressourcen nutzen und das Risiko etwa für Anwohner minimieren. Deshalb hat er die mitteleuropäischen Auen wegen ihrer außergewöhnlich großen Nutzungsmöglichkeiten radikal und grundlegend verändert. „Diese menschliche Überprägung kann so stark sein, dass Auen nicht mehr als solche erkennbar sind“, warnt Zielhofer. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist das Wirkungsgefüge von Mensch und natürlichen Prozessen in Auenlandschaften.

  • Stark betroffen von dieser Entwicklung sind Auenlandschaften in der Nähe von Ballungsräumen und Industrieregionen und in Regionen mit Tagebau. 
  • So werden die Überflutungsräume durch Deiche eingegrenzt, die Flussläufe begradigt oder verlagert, und die Sande und Kiese der Auen abgebaut. 

Auch der Braunkohle-Tagebau spielt bei der Verlagerung der Flussläufe eine große Rolle. 

„Kommen mehrere dieser menschengemachten Faktoren in den Auen zusammen, sind die natürlichen Abflussverhältnisse oft nicht mehr gegeben. Extreme Hochfluten können dann selbst in den Auen von kleineren Flüssen wie aktuell an der Erft zu großen Schäden führen“, so Christoph Zielhofer.

Am Fluss Erft kam es zu rückschreitender Erosion infolge der Flutung einer Kiesgrube. 

„Je größerer die Höhenunterschiede in der Aue sind und je mehr Wasser fließt, desto stärker wird die rückschreitende Erosion. 

  • In natürlichen Auen kommen diese großen Höhenunterschiede so nicht vor“, erläutert Prof. Zielhofer. 

Besonders skeptisch sieht er auch die fortschreitende Bebauung der Auenlandschaften. 

Dadurch würden diese bei extremen Hochwässern immer schadensanfälliger. 

„Flüsse haben ein langes Gedächtnis. 

  • Bei extremen Hochflutereignissen finden sie häufig wieder zurück in ihren früheren Flusslauf und durchbrechen menschengemachte Barrieren. 

Ich glaube allerdings nicht, dass wir etwas erreichen, jetzt nach Verantwortlichen vor Ort zu suchen. 

Vielmehr brauchen wir eine gesellschaftliche Debatte über die nachhaltige Nutzung von Auen“, fordert der Physische Geograph und Geomorphologe. 

Dabei müsse es darum gehen, wie wir den Flüssen ihre natürlichen Überflutungsräume zurückgeben und den menschlichen Nutzungsdruck auf die Auenlandschaften reduzieren können.

Prof. Christoph Zielhofers Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Gebiet der fluvialen Geomorphologie und dem Wirkungsgefüge von Mensch und natürlichen Prozessen in Auenlandschaften. 

Aktuell leitet er mit gemeinsam mit Forschenden der Universität Tübingen und der TU Darmstadt das Schwerpunktprogramm 2361 „Auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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Prof. Dr. Christoph Zielhofer
Institut für Geographie
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Susann Huster Universität Leipzig

Telefon: 0341 / 9735022
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04109 Leipzig
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Studieneinladung: „SMARTJOB“, wie ein gesunder Lebensstil in den Arbeitsalltag integriert werden kann! http://www.uni-mannheim.de/smartjob

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Einen gesunden Lebensstil in den Arbeitsalltag integrieren? Psychologische Studie

Um herauszufinden, wie sich ein gesunder Lebensstil in den Arbeitsalltag integrieren lässt, sucht Prof. Dr. Sabine Sonnentag vom Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Mannheim Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Metropolregion Rhein-Neckar.

Ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung in einen oftmals hektischen Arbeitsalltag zu integrieren, fällt vielen Berufstätigen nicht leicht. 

Sowohl im Büro als auch im Homeoffice ist ein gesunder Lebensstil allerdings wichtig, um langfristig leistungsfähig und fit zu bleiben. 

„Dennoch bleibt es für viele Berufstätige besonders in stressigen Arbeitsphasen nur ein Wunsch, sich mehr zu bewegen“, so Prof. Dr. Sabine Sonnentag, Inhaberin des Lehrstuhls für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Mannheim. 

„In der Realität gelingt das oft nicht. Mit diesem Spannungsfeld zwischen Wunsch und Realität befassen wir uns in unserer Forschung genauer.“

Das Team um Prof. Dr. Sabine Sonnentag und die Doktorandinnen Theresa Koch und Jette Völker untersucht im Rahmen des Forschungsprojektes „SMARTJOB“, wie ein gesunder Lebensstil in den Arbeitsalltag integriert werden kann. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Während der Pandemie haben die Forscherinnen bereits in einem ersten Teil des Forschungsprojektes online Daten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus ganz Deutschland gesammelt. Da die Pandemiesituation es nun zulässt, findet der zweite Teil des Forschungsprojektes vor Ort mit Teilnehmenden aus der Metropolregion Rhein-Neckar statt. Hier untersuchen die Forscherinnen nun, inwiefern eine Smartphone-App bei der Umsetzung eines gesunden Lebensstils helfen kann. Dafür erhalten Teilnehmende über die Dauer der Studie ein Smartphone und einen Aktivitätssensor. „Selbstverständlich führen wir unsere Studie mit einem Hygienekonzept durch“, so Sonnentag. „Der Ablauf ist konform mit den Regelungen der Universität. Alle Geräte, die wir ausgeben, werden sorgfältig desinfiziert."

  • Nach einer Online-Willkommensbefragung beantworten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die an der Studie teilnehmen, auf dem zur Verfügung gestellten Smartphone dreimal täglich Fragen. 
  • Zudem wird ihre körperliche Aktivität im Laufe des Arbeitstages durch einen Aktivitätssensor aufzeichnet. 
  • Das Forschungsteam möchte auch überprüfen, wie ein gesunder Lebensstil langfristig aufrechterhalten werden kann. 
  • Daher führt es eine Nach- und Abschlussbefragung durch.


Das Forschungsprojekt richtet sich an alle volljährigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Metropolregion Rhein-Neckar und Umgebung, die mindestens 30 Stunden pro Woche arbeiten – egal ob vor Ort an einem Arbeitsplatz oder im Homeoffice. 

Teilnehmende erhalten im Rahmen der Studie wissenschaftlich basierte Tipps zur Steigerung von gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität im Arbeitsalltag. 

Außerdem können sie an einer Verlosung von Gutscheinen für (Online-)Shops aus den Bereichen Sport und Ernährung im Wert von insgesamt 1.000 Euro teilnehmen.

Weitere Informationen zur Studie und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter:


http://www.uni-mannheim.de/smartjob

 

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Theresa Koch (M.Sc.) und Jette Völker (M.Sc.)
Lehrstuhl Arbeits- und Organisationspsychologie
Universität Mannheim
E-Mail: smartjob@uni-mannheim.de

Schloss
68131 Mannheim
Deutschland
Baden-Württemberg

Linda Schädler
Telefon: 0621 181-1434
E-Mail-Adresse: schaedler@uni-mannheim.de


Jun.-Prof. Dr. Andreas Forstner: Bipolare Störungen - Manische Depression

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bislang größte genetische Studie zur bipolaren Störung

Wie tragen genetische Faktoren zur Entstehung der bipolaren Störung bei? 

Um mehr darüber herauszufinden, haben rund 320 Forschende rund um den Globus mehr als 40.000 Betroffene und 370.000 Kontrollen untersucht. 

Die Federführung lag unter anderem bei der Icahn School of Medicine, New York, der Universität Oslo und dem Universitätsklinikum Bonn. 

Die Studie erscheint in der Zeitschrift „Nature Genetics“. 

Prof. Dr. Markus M. Nöthen (links) - und Jun.-Prof. Dr. Andreas Forstner (rechts) vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn.
Prof. Dr. Markus M. Nöthen (links) - und Jun.-Prof. Dr. Andreas Forstner (rechts) vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn. Andreas Stein/UKB © Andreas Stein/UKB 

  • Genetische Faktoren tragen erheblich zur Entstehung der bipolaren Störung bei. 

Nun ist die bislang wohl größte Analyse zu den beteiligten Erbanlagen erschienen. Mehr als 40.000 Betroffene und 370.000 Kontrollen wurden in die Untersuchung eingeschlossen; rund 320 Forschende rund um den Globus waren beteiligt. Die Federführung der Arbeit lag unter anderem bei der Icahn School of Medicine, New York, der Universität Oslo und dem Universitätsklinikum Bonn. Die Ergebnisse liefern nicht nur neue Hinweise auf die genetischen Grundlagen der Erkrankung, sondern auch auf mögliche Risiko-Faktoren in Lebensumständen oder Verhalten. Sie erscheinen in der Zeitschrift „Nature Genetics“.

Der Name „bipolare Störung“ kommt nicht von ungefähr: 

  • Bei den Betroffenen pendelt die Stimmung zwischen zwei Extremen. Mitunter sind sie wochenlang so niedergedrückt, dass sie es kaum schaffen, ihren täglichen Aktivitäten nachzugehen. 
  • Dann wieder gibt es Phasen, in denen sie sich euphorisiert und voller Energie fühlen und rastlos ihre Projekte verfolgen. 
  • In der Umgangssprache hat sich daher der Begriff „manische Depression“ eingebürgert. Rund ein Prozent aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens. 
  • Der Leidensdruck, unter dem sie stehen, ist immens.


Als Risikofaktoren gelten frühkindliche traumatische Erfahrungen wie Missbrauch oder der Verlust eines Elternteils, aber etwa auch ein stressiger Lebensstil oder der Konsum bestimmter Drogen. 

Zu einem überwiegenden Teil ist die bipolare Störung jedoch eine Frage der Gene: 

Auf 60 bis 85 Prozent schätzen Experten den Beitrag der Erbanlagen. Vermutlich sind Hunderte von Genen beteiligt. „Wir kennen davon bislang aber nur einen kleinen Teil“, erklärt Jun.-Prof. Dr. Andreas Forstner. Der Forscher, der kürzlich von der Universität Marburg auf eine Juniorprofessur am Institut für Humangenetik der Universität Bonn und am Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-1) des Forschungszentrums Jülich gewechselt ist, ist einer der leitenden Autoren der aktuellen Studie.

DNA-Lexikon an Hunderttausenden von Stellen verglichen

Diese verbessert das Verständnis der genetischen Grundlagen erheblich. Das internationale Konsortium durchforstete dazu die DNA der mehr als 400.000 Teilnehmer nach Auffälligkeiten. Der genetische Bauplan jedes einzelnen Menschen gleicht einer Art riesigem Lexikon mit rund drei Milliarden Buchstaben. Der Inhalt dieses DNA-Lexikons unterscheidet sich von Person zu Person. Bei Menschen mit einer bipolaren Störung sollten sich aber zumindest die Passagen ähneln, die etwas mit der Erkrankung zu tun haben. Und diese Grundannahme machten sich die Wissenschaftler zunutze: Indem sie die DNA ihrer Probanden an vielen hunderttausend in der Bevölkerung variabel vorkommenden Stellen verglichen, konnten sie Erbgut-Regionen identifizieren, die vermutlich zu der Erkrankung beitragen.

„Wir haben auf diese Weise 64 Genorte gefunden, die mit der bipolaren Störung in Verbindung stehen“, erklärt Prof. Dr. Markus Nöthen, Leiter des Instituts für Humangenetik. „33 von ihnen waren bislang unbekannt.“ Damit liefern die Treffer auch Hinweise auf 

neue Therapieansätze. So enthalten die in den identifizierten Regionen gelegenen Gene oft Bauanleitungen für sogenannte Ionen-Kanäle. Diese sind für die Entstehung elektrischer Pulse im Gehirn wichtig, der Aktionspotenziale. 

Durch die Studie rücken insbesondere Kalziumkanäle in den Fokus der Forschung. 

„Sie scheinen an der Entstehung der Krankheit beteiligt zu sein“, erklärt Forstner. „Es gibt Medikamente, die die Funktion dieser Kanäle beeinflussen, aber bislang nur für die Behandlung anderer Krankheiten zugelassen sind. Vielleicht sind sie auch eine Option für die Therapie der bipolaren Störung.“

Rauchen ein möglicher Risikofaktor


Die genetischen Daten erlauben es zudem, besser zwischen verschiedenen Formen der Erkrankung zu differenzieren. 

Denn bipolare Störung ist nicht gleich bipolare Störung: 

Die Symptome und Verlaufsformen der Erkrankung können sehr unterschiedlich sein. „Wir rechnen damit, dass es bei der Krankheit verschiedene Subtypen gibt, die möglicherweise auch jeweils eine etwas andere Behandlung erfordern“, sagt Forstner. 

  • Wir konnten zum Beispiel zeigen, dass eine häufig sehr schwer verlaufende Form der bipolaren Störung, Typ I genannt, auf genetischer Ebene stärker mit der Schizophrenie zusammenhängt. 
  • Eine etwas ,milder' verlaufende Variante - der Typ II - scheint dagegen eher mit der Depression verwandt zu sein.“


Die Wissenschaftler verglichen ihre Funde zudem mit den Ergebnissen von Studien, die nach den genetischen Grundlagen bestimmter Verhaltensweisen suchen. Dabei stießen sie auf interessante Zusammenhänge: 

So scheint Rauchen das Risiko für eine bipolare Störung signifikant zu erhöhen.  

Beim problematischen Alkoholkonsum legen die Analysen dagegen einen bidirektionalen Zusammenhang nahe: 

Menschen mit einer Veranlagung für eine bipolare Störung trinken öfter; umgekehrt scheint dieses Verhalten auch ihre Erkrankungs-Wahrscheinlichkeit zu erhöhen.

 „Wir raten aber bei der Interpretation dieser Befunde zur Vorsicht“, erklärt Forstner. 

„Die nachgewiesenen Zusammenhänge zwischen bestimmten Verhaltensweisen und der bipolaren Störung müssen zunächst noch in weiteren, großen Studien untersucht werden.“

Die Ergebnisse waren nur durch die Zusammenarbeit von rund 320 Forschenden in einem internationalen Konsortium (Psychiatric Genomics Consortium) möglich. Neben den Bonner Wissenschaftlern beteiligten sich als deutsch-schweizerischer Verbund unter anderem auch das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim (Prof. Dr. Marcella Rietschel), das Klinikum der Universität München (LMU, Prof. Dr. Thomas G. Schulze) und das Universitätsspital Basel (Prof. Dr. Sven Cichon) an den Analysen. Prof. Nöthen ist an der Universität Bonn Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Leben und Gesundheit“ sowie Mitglied im Exzellenzcluster ImmunoSensation².

Förderung:

Die Studie wurde vom US-amerikanischen National Institute of Mental Health und dem National Institute of Health sowie zahlreichen weiteren Institutionen gefördert. In Deutschland flossen unter anderem Mittel der DFG, des BMBF sowie der Dr. Lisa Oehler-Stiftung in das Projekt.

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Jun.-Prof. Dr. Andreas Forstner
Universitätsklinikum Bonn
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Prof. Dr. Markus M. Nöthen
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E-Mail-Adresse: andreas.archut@uni-bonn.de
Originalpublikation:

Niamh Mullins, Andreas J. Forstner et al.: Genome-wide association study of more than 40,000 bipolar disorder cases provides new insights into the underlying biology. Nature Genetics, DOI: 10.1038/s41588-021-00857-4


Prof. Dr. Michael Muders: Neue innovative Behandlungsmethoden des knochenmetastasierten Prostatakarzinoms

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazít: Wenn der Krebs von der Prostata in die Knochen streut

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Prof. Dr. Michael Muders von der Universität Bonn zeigt, dass eine Blockade des Proteins Neuropilin 2 neue innovative Behandlungsmethoden des knochenmetastasierten Prostatakarzinoms ermöglichen könnte. 

Die Studie ist nun im Journal “Bone Research” der Nature Publishing Group veröffentlicht. 

Prostatakarzinomzellen - mit Nachweis des Neuropilin-2-Proteins in braun. Der Nachweis erfolgte über Immunhistochemie an Formalin fixierten und in Paraffin eingebetteten Gewebe.
Prostatakarzinomzellen - mit Nachweis des Neuropilin-2-Proteins in braun. 

Der Nachweis erfolgte über Immunhistochemie an Formalin fixierten und in Paraffin eingebetteten Gewebe. Muderslab © Muderslab 

  • Wenn der Prostatakrebs in den Knochen streut, führt das nicht selten zum Tod des Patienten. 

Leider wirken in diesem Stadium etablierte Therapieoptionen nicht mehr, deshalb suchen Forscher nach neuen Wirkstoffen. Ein internationales Forscherteam unter maßgeblicher Beteiligung von Prof. Dr. Michael Muders von der Universität Bonn zeigt, dass eine Blockade des Proteins Neuropilin 2 neue innovative Behandlungsmethoden des knochenmetastasierten Prostatakarzinoms ermöglichen könnte. Die Studie ist nun im Journal “Bone Research” der Nature Publishing Group veröffentlicht.

  • Wenn Krebs die Vorsteherdrüse (Prostata) befällt, kann er auch in die Knochen streuen. 
  • In Deutschland sterben etwa drei von 100 Männern daran. 
  • Prostatakrebs stellt damit die dritthäufigste Krebserkrankung nach Lungen- und Darmtumoren dar. 
  • Im fortgeschrittenen Stadium können Knochenschmerzen und spontane Knochenbrüche auftreten.


“Wenn das Prostatakarzinom bereits in das Skelett gestreut hat, sind die Heilungschancen sehr schlecht”, sagt Dr. Michael Muders, der die Stiftungsprofessur für translationale Prostatakarzinomforschung der Rudolf-Becker-Stiftung im Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Bonn (Direktor: Univ. Prof. Dr. Glen Kristiansen) innehat. Der Oberarzt sucht deshalb nach neuen Wegen, wie sich die Tumore hemmen lassen, um die Überlebenschancen der Patienten zu verbessern.

Zusammen mit Dr. Navatha Shree Polavaram und Prof. Dr. Kaustubh Datta vom University of Nebraska Medical Center (USA) sowie Wissenschaftlern der Mayo Clinic, Rochester (USA) und der Technischen Universität Dresden hat die Arbeitsgruppe um Prof. Muders die Rolle von Neuropilin 2 (NRP2) bei der Streuung der Prostatakarzinome untersucht.  

  • Dieses Protein befindet sich auf der Oberfläche von Krebs- und Knochenzellen (Osteoklasten). Letztere helfen bei der Regeneration des Skeletts mit, indem sie geschädigtes oder gealtertes Knochengewebe abbauen.


“Bei einer Vorstudie an der TU Dresden konnten wir zeigen, dass die Letalitätsraten der Patienten mit Prostatakarzinomen besonders hoch ist, wenn das Neuropilin 2 an den Zelloberflächen in größeren Mengen vorkommt”, berichtet Muders, der vor drei Jahren von der TU Dresden an das Universitätsklinikum Bonn kam.

Metastasen enthalten besonders viel Neuropilin 2

Zusammen mit seinen Kollegen aus der Pathologie der Mayo Clinic begutachtete Prof. Muders Gewebe, das sowohl aus dem Krebs in der Prostata als auch aus den Knochenmetastasen stammte. 

“Dabei zeigte sich, dass insbesondere die Metastasen viel Neuropilin 2 enthielten”, schildert Prof. Muders seine Forschungsergebnisse. „Daneben konnten wir zeigen, dass auch spezialisierte Knochenzellen, die sogenannten Osteoklasten, viel Neuropilin 2 aufweisen“, sagt Prof. Datta, zusammen mit Muders Korrespondenzautor der Studie. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass NRP2 bei der Absiedlung der Prostatakarzinome in das Skelett eine wichtige Rolle spielt.

Die Forscher prüften diese Hypothese an Mäusen, die ebenfalls an Prostatakarzinomen litten. Wurde das Gen für NRP2 in den Tieren in den Knochenzellen oder Krebszellen stumm geschaltet, kamen weniger Metastasen vor. “Wir konnten nachweisen, dass das NRP2 nicht nur in den Krebszellen, sondern auch in den abbauenden Knochenzellen eine wichtige Rolle spielt”, sagt Muders. 

  • Unter anderem scheint das Neuropilin 2 den Kalzium-Haushalt und gleichzeitig auch die Ausdifferenzierung der Knochenzellen zu beeinflussen.


Prof. Muders war mehrere Wochen an der Mayo Clinic in den USA, um dort zusammen mit dem Pathologen Raffael Jimenez Tumorgewebe von Prostatapatienten und die Signalkaskade zwischen Krebs- und Knochenzellen zu entschlüsseln.

“Wir sind dabei, Wirkstoffe zu suchen, die das Neuropilin 2 hemmen”, sagt Muders. 

Ein Ansatz sind sogenannte Nanopartikel, die zusammen mit Prof. Achim Aigner von der Universität Leipzig entwickelt werden. Auch prüfen die Wissenschaftler in enger transatlantischer Kooperation, ob es bereits Medikamente auf dem Markt gibt, die das Neuropilin blockieren können.

Metastasierte Prostatakarzinomzellen mit starker Expression des Neuropilin-2-Proteins (bräunliche Farbe). Das Gewebe wurde zunächst mit EDTA schonend entkalkt, um dann mit Hilfe von Neuropilin-2 spezifisch detektierenden Antikörpern gefärbt zu werden.

Metastasierte Prostatakarzinomzellen mit starker Expression des Neuropilin-2-Proteins (bräunliche Farbe). Das Gewebe wurde zunächst mit EDTA schonend entkalkt, um dann mit Hilfe von Neuropilin-2 spezifisch detektierenden Antikörpern gefärbt zu werden. Muderslab © Muderslab


Finanzierung und beteiligte Institutionen:

An der Studie sind das University of Nebraska Medical Center, Omaha (USA), das Universitätsklinikum und die TU Dresden, die Mayo Clinic, Rochester (USA), die School of Medicine, Salt Lake City (USA), und die Universität Bonn beteiligt. Gefördert wurde die Arbeit unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Rudolf-Becker-Stiftung und die Medizinische Fakultät der Universität Bonn (BonFor).

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Originalpublikation:

Navatha Shree Polavaram, Samikshan Dutta, Ridwan Islam, Arup K. Bag, Sohini Roy, David Poitz, Jeffrey Karnes, Lorenz C. Hofbauer, Manish Kohli, Brian A. Costello, Raffael Jimenez, Surinder K. Batra, Benjamin A. Teply, Michael H. Muders, Kaustubh Datta: Tumor- and osteoclast-derived NRP2 in prostate cancer bone metastases. Bone Research, DOI: 10.1038/s41413-021-00136-2


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.nature.com/articles/s41413-021-00136-2 Originalpublikation in Bone Research

 

Professor Dr. Dietmar Manstein: Nein - (Heute-,) keine Butter, Sahnetorte und Lammbraten zum Sonntag

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: MHH: Weshalb Herzkranke auf Sahnetorte verzichten sollten

  • Studie untersucht den Einfluss von Rumensäure auf Herzmuskelfasern 

Professor Dr. Dietmar Manstein mit einer schematischen Darstellung der Herzmuskelproteine (bunt) und der daran bindenden Rumensäure (grau).
Professor Dr. Dietmar Manstein mit einer schematischen Darstellung der Herzmuskelproteine (bunt) und der daran bindenden Rumensäure (grau). Copyright: Karin Kaiser / MHH“

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland.  

Wichtige Auslöser dafür sind Stress, Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung. 

Jetzt hat ein Forschungsteam um Professor Dr. Dietmar Manstein, Direktor des Instituts für Biophysikalische Chemie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), einen weiteren Grund entdeckt, weshalb Menschen mit Herzproblemen auf Butter, Sahnetorte oder Lammbraten verzichten sollten: 

  • Sie enthalten Rumensäure, eine Transfettsäure, die in Kuhmilchprodukten und dem Fleisch von Wiederkäuern vorkommt. 

Die Forschungsergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift Journal of Physiology veröffentlicht.

Erhöhter Energieverbrauch

Rumensäure bindet an das kardiale Motorprotein Myosin, einen wichtigen Baustein unserer Herzmuskelfasern“, erklärt Professor Manstein. 

Schon lange beschäftigt sich der Biochemiker und Strukturbiologe mit der Frage, wie bestimmte Stoffe in der Nahrung unseren Körper chemisch und biologisch steuern und beeinflussen. Dabei stellte er in biochemischen Experimenten fest, dass die im Pansen von Wiederkäuern gebildete Rumensäure offenbar gut an das motorische Muskeleiweiß im menschlichen Herzen andocken kann. 

  • Mit der Nahrung gelangt die konjugierte Transfettsäure entweder direkt oder in Form von Vaccensäure, die erst im Körper zu Rumensäure umgewandelt wird, über den Darm in das Blut und weiter zum Herzen. 
  • Dort sorgt sie dafür, dass sich der Herzmuskel häufiger zusammenzieht und sich der Energieverbrauch des Organs erhöht. 

„Für Gesunde ist das zwar vollkommen unproblematisch“, sagt der Wissenschaftler.  

Bei einem geschädigten Herzen könne der Effekt aber negative Folgen haben – etwa für Patientinnen und Patienten, deren Herzmuskelgewebe nach einer Arteriosklerose oder einem Herzinfarkt weniger stark durchblutet ist und entsprechend schlechter mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird.

Wirkung der Medikamente herabgesetzt

Arzneistoffe, die zur Behandlung einer akut lebensbedrohlichen Herzkrankheit eingesetzt werden, senken typischerweise den Blutdruck und die Schlagfolge des Herzens. 

„Sie versetzen das Herz sozusagen in eine Art Winterruhe, damit das Herzmuskelgewebe weniger Energie verbraucht, sich erholen kann und wieder funktionsfähig wird“, sagt Professor Manstein. Rumensäure trägt in dieser Situation zum dauerhaften Verlust von funktionellem Herzmuskelgewebe bei, indem sie den Energieverbrauch erhöht. 

Zusätzlich bindet die Rumensäure in der gleichen Myosin-Region wie eine neue Klasse therapeutischer Wirkstoffe, die bei Herzinsuffizienz zum Einsatz kommen und hebt deren Wirkung teilweise auf. 

„Somit kann eine unangepasste Ernährung die therapeutische Wirksamkeit dieser vielversprechenden Wirkstoffe erheblich einschränken“, stellt Professor Manstein fest. 

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Professor Dr. Dietmar Manstein

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Die Originalarbeit „Allosteric modulation of cardiac myosin mechanics and kinetics by the conjugated omega-7,9 trans-fat rumenic acid” finden Sie unter https://physoc.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1113/JP281563



Prof. Dr. med. Jörg Steinmann: Mit Resistenzen von humanpathogenen Pilzen gegenüber Medikamenten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die zweite Gefahr: Warum Pilzinfektionen für COVID-19-Patienten besonders gefährlich sind

Kaum ein anderes Land ist durch die COVID-19-Pandemie so gebeutelt worden wie Indien. 

Zwar gehen auch dort aktuell die Neuinfektionen zurück, gleichzeitig breiten sich neue, hochanstechende Varianten aus. 

Hinzukommt: 

Viele indische COVID-19-Patienten erkranken an einer oft tödlichen Pilzinfektion. 

Was es mit dem „Schwarzen Pilz“, der Mukormykose, auf sich hat, und wie das Klinikum Nürnberg generell mit Pilzinfektionen umgeht, erklärt Prof. Dr. Jörg Steinmann, Ärztlicher Leiter der Klinikhygiene, im Interview.

Sie sind nicht nur Experte für Infektiologie, Mikrobiologie und Klinikhygiene – sondern zudem ein ausgewiesener Fachmann für Mykologie. Im vergangenen Jahr sind Sie mit dem Forschungsförderpreis der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft ausgezeichnet worden. Woran forschen Sie aktuell?

Prof. Steinmann: „Ich interessiere mich seit meiner Tätigkeit im Labor für die Medizinische Mykologie und bin seit 2017 auch Fellow der European Confederation of Medical Mycology (FECMM). Ich beschäftige mich vor allem mit Resistenzen von humanpathogenen Pilzen gegenüber Medikamenten und arbeite an Projekten zur schnelleren und verbesserten Diagnostik von Pilzinfektionen. Zurzeit erforschen wir, wie man Schimmelpilze daran hindern kann, sogenannte Biofilme zu bilden – hauchdünne Schleimschichten, die einen exzellenten Schutz vor Antimykotika ermöglichen. Wir erhoffen uns dadurch neue therapeutische Ansätze.“

Welche Formen von Pilzerkrankungen gibt es?

Prof. Steinmann: „Am häufigsten sind Haut- und Schleimhautmykosen, die in der Regel harmlos verlaufen. 

  • Personen mit Risikofaktoren für systemische Pilzinfektionen wie der Candidämie oder Aspergillose sind hauptsächlich Patienten mit Immundefekten, aber auch Patienten mit Diabetes oder chronischen Lungenerkrankungen. 
  • Auch größere operative Eingriffe bergen ein Risiko – und natürlich sind Intensiv-Patienten mit viralen Infektionen durch Influenza oder COVID-19 besonders gefährdet.“


Invasive Pilzerkrankungen zählen zu den Todesursachen, die bei Intensivpatienten besonders häufig übersehen werden. Können Sie das bestätigen?

Prof. Steinmann: „Die Vermutung liegt nahe. Wenn man früh genug und gezielt sucht, findet man in der Regel auch die verursachenden Erreger. Das Problem ist, dass manche Pilzinfektionen schwer nachzuweisen sind und deshalb nicht entdeckt werden. Durch neue und verbesserte Nachweismethoden kann man relevante Pilze detektieren. Mein Team und ich beraten viel mit Blick auf eine optimierte Diagnostik und eine wirkungsvolle Therapie.“

Wie ist die Lage im Klinikum Nürnberg? Gibt es Screenings, um Pilzinfektionen zu diagnostizieren?

Prof. Steinmann: „In den Risikobereichen wie der Hämato-Onkologie oder auf den Intensivstationen weisen wir regelmäßig Hefepilze wie Candida oder Schimmelpilze wie Aspergillus nach. Insbesondere bei Schimmelpilzen ist nicht immer eindeutig, ob der Nachweis mit einer Infektion einhergeht. Deshalb ziehen wir andere klinische und diagnostische Parameter zur Bewertung hinzu.
Es gibt verschiedene Pilzantigene, sogenannte Biomarker, die wir frühzeitig im Serum oder durch eine Probe aus den unteren Atemwegen nachweisen können. Bei manchen Hochrisikopatienten kann man diese Verfahren als Screeningtest verwenden. Mittlerweise werden aber auch PCR-Verfahren zum Pilznachweis eingesetzt.“

Aktuell machen Schlagzeilen von sogenannten „Killer-Pilzen“ die Runde – die Mukormykose, die geschwächte COVID-19-Patienten befällt. Der sogenannte Schwarze Pilz ist in Indien, in Chile und in Uruguay nachwiesen worden. Kommt eine neue Seuche auf uns zu?

Prof. Steinmann: „Eine Mukormykose wird durch Fadenpilze der Ordnung Mucorales verursacht. Besonders gefährdet sind abwehrgeschwächte Patienten und Diabetiker. Bei den COVID-19 Patienten ist die Lunge schwer beeinträchtigt, und es werden häufig Kortisonpräparate verabreicht.  

Dies sind Risikofaktoren für eine Mukormykose.  

Diese Pilze fühlen sich zum Glück in wärmeren Ländern wie Indien oder Chile deutlich wohler als bei uns in Mitteleuropa.“

Warum ist eine Mukormykose so verheerend? Was passiert dabei im Körper?

Prof. Steinmann: „Nach der Inhalation der Sporen wächst der Pilz invasiv lokal in das Gewebe ein. Der Pilz frisst sich durch die Haut, er zerstört Muskeln und manchmal sogar auch die Knochen. Verschiedene Virulenzfaktoren sorgen für den Zelltod des Gewebes und der Immunzellen – welches sich als „schwarz“ imponierende Nekrose darstellt; der Nasen- und Rachenraum färbt sich schwarz. Bei Patienten mit einem stark geschwächten Immunsystem kann es dann zu Streuung kommen und alle Organe befallen.“

  • Neben dem schwarzen Pilz ist auch ein gelber Pilz aufgetaucht, Mucor septicus – eine Pilzerkrankung, die bislang nur bei Reptilien zu finden war. Von Tier auf Mensch – sind Pilze und Viren hier vergleichbar?


Prof. Steinmann:  

„Bei der Übertragung von Erregern von Tier auf Mensch spricht man von einer Zoonose. 

  • Bei Pilzen sind Übertragungen von Hautpilze durch Haustiere wie Meerschweinchen oder Zwergkaninchen allgemein bekannt. 
  • Das gibt es auch bei selteneren Schimmelpilzen. Pilzinfektionen gibt es auch nach Verletzungen, Traumata oder Beinahe-Ertrinken.


Gibt es Medikamente oder vorbeugende Maßnahmen?

Prof. Steinmann: „Ja, es gibt sogenannte Antimykotika. 

Wenn möglich, sollten die befallen Gewebe und Organe operativ vom Pilzbefall befreit werden, was in vielen Fällen nicht möglich ist. 

Medikamentös wird teilweise eine Kombinationstherapie verabreicht, die jedoch Nebenwirkungen verursachen kann. 

Trotz chirurgischer und medikamentöser Therapie liegt die Letalität – natürlich in Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Erkrankung – leider bei rund 40- 80 Prozent.“

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Prof. Dr. med. Jörg Steinmann
Ärztliche Leitung
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und Klinische Infektiologie
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90419 Nürnberg

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Virale Enzephalitis - Hilferuf aus dem Gehirn + Tollwutvirus

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ein Hilferuf aus dem Gehirn

Wie Immunzellen bei Enzephalitis ins Gehirn gelockt werden

Bestimmte Viren können eine Entzündung der Hirnhäute oder sogar des gesamten Hirns, die sogenannte Virus-Enzephalitis, hervorrufen. 

  • Dazu gehört neben dem Tollwutvirus und dem West Nil-Virus im Mausmodell auch das vesikuläre Stomatitis Virus (VSV). 

Die für die Bekämpfung der Infektion notwendigen Immunzellen müssen zunächst aus der Peripherie des Körpers ins Gehirn gelangen. 

Dazu produziert das Immunsystem Botenstoffe als Lockmittel. 

Dr. Luca Ghita, der Erstautor der Studie, bei der Arbeit im Labor
Dr. Luca Ghita, der Erstautor der Studie, bei der Arbeit im Labor Felix Schmidt © TWINCORE / F. Schmidt 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Institut für Experimentelle Infektionsforschung am TWINCORE konnten nun zeigen, dass diese Signalkette bei der VSV-Infektion in den infizierten Nervenzellen selbst ihren Ausgangspunkt hat. 

Diesen Befund veröffentlichen sie jetzt im internationalen Top-Journal „Science Immunology“.

Die virale Enzephalitis ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung. 

Häufig sind bleibende Nervenschäden die Folge, die durch anhaltende Entzündungsreaktionen hervorgerufen werden. 

Als erste Abwehrmaßnahme bei einer Virusinfektion setzen die Zellen des angeborenen Immunsystems Moleküle frei, die einerseits direkt antiviral wirken. 

  • Andererseits werden auch Chemokine gebildet, die weitere Immunzellen an den Infektionsort locken.

Das ist wichtig, denn die direkte antivirale Wirkung der Botenstoffe reicht meist nicht aus, um die Infektion im Gehirn zu heilen.

Die CD8-T-Zellen sind die wichtigsten Effektorzellen für die Bekämpfung von Viren. 

  • Sie werden in den Lymphknoten im Körper gebildet und dort für ihre spezifischen Aufgaben trainiert. 
  • An ihren Einsatzort werden sie durch Botenstoffe gelockt. Dabei handelt es sich unter anderem um Chemokine, die von anderen Immunzellen, aber auch von virusinfizierten Zellen freigesetzt werden.


„Im Falle einer VSV-Infektion durch die Nase wandern die Viren über die sensorischen Nerven aus der Nasenschleimhaut bis in den Riechkolben im Gehirn“, sagt Dr. Luca Ghita, Erstautor der Arbeit. 

„Wir konnten zeigen, dass dort die infizierten Neuronen die Infektion erspüren und über ein Adaptermolekül namens MyD88 eine Signalkette in Gang bringen. Am Ende steht die Ausschüttung von jenen Chemokinen, die die CD8-T-Zellen aus der Peripherie in das zentrale Nervensystem locken.“ Ghita war Doktorand und Postdoktorand am Institut für Experimentelle Infektionsforschung am TWINCORE und forscht mittlerweile an der Stanford University im US-amerikanischen Kalifornien.

Bemerkenswert ist, dass diese Signalkette von den infizierten Nervenzellen selbst ausgelöst wird. 

„Dieses Phänomen konnten wir als Erste im Zusammenhang mit einer viralen Enzephalitis zeigen. 

Das ist wie ein Hilferuf aus dem Gehirn an das Immunsystem“, ergänzt Ghita. Bisher war nicht ganz klar, welche Zellen im Gehirn VSV infiziert und wie die Immunreaktion ausgelöst wird.

„Wichtig ist, dass dieser Hilferuf auch gehört wird“, sagt Prof. Ulrich Kalinke, Direktor des Instituts für Experimentelle Infektionsforschung und Geschäftsführender Direktor des TWINCORE. „Wenn er verhallt und die adaptive Immunreaktion ausbleibt, können die entzündlichen Prozesse und die Virusvermehrung schwere Nervenschäden hervorrufen, die letztlich sogar tödlich sein können.“

Das verbesserte Verständnis vom Zusammenspiel der infizierten Zellen mit dem Immunsystem könnte zukünftig helfen, die Behandlung der Virus-Enzephalitis zu verbessern. 

„Das Ziel ist es, die Immunantwort gegen die Viren so anzupassen, dass die gefährlichen entzündlichen Prozesse unter Kontrolle bleiben“, sagt Kalinke.

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Originalpublikation:

Luca Ghita, Julia Spanier, Chintan Chhatbar, Felix Mulenge, Andreas Pavlou,
Pia-Katharina Larsen, Inken Waltl, Yvonne Lueder, Moritz Kohls, Klaus Jung, Sonja M. Best,
Reinhold Förster, Martin Stangel, Dietmar Schreiner, Ulrich Kalinke
MyD88 signaling by neurons induces chemokines that recruit protective leukocytes to the virus-infected CNS
Sci. Immunol. 6, eabc9165 (2021)


Leberkrebs + Biliäre Karzinome + Hepatozelluläres Karzinom

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erstmals S3-Leitlinienempfehlungen für Gallenblasen- und Gallenwegkrebs erschienen

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e. V. (DGVS) die S3-Leitlinie zum hepatozellulären Karzinom aktualisiert und um die Tumorentität der biliären Karzinome erweitert. 

Somit gibt es nun erstmals S3-Leitlinienempfehlungen zu biliären Karzinomen, zu denen das Gallenblasenkarzinom und Tumoren der Gallenwege zählen. 

Die Leitlinie soll dazu beitragen, für Betroffene mit Leberkrebs oder biliären Karzinomen eine angemessene und evidenzbasierte Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

  • Leberkrebs zählt – wie auch die biliären Karzinome – in Deutschland zu den seltenen Krebserkrankungen. 

Im Jahr 2016 haben 2.750 Frauen und 6.220 Männer die Diagnose Leberkrebs erhalten (Quelle: Robert Koch-Institut). Die relativen 5-Jahresüberlebensraten sind niedrig, sie liegen bei Frauen und Männern bei 15 Prozent. Biliäre Karzinome zählen zu der Gruppe der Leberkrebstumoren, sie treten noch seltener auf. Laut dem Robert Koch-Institut erkrankten im Jahr 2016 2.740 Frauen und 2.550 Männer daran. Auch hier sind die relativen 5-Jahresüberlebensraten niedrig, bei Frauen liegen sie bei 18 Prozent, bei Männern bei 22 Prozent.

Biliäre Karzinome

  • Tumoren der Gallenblase und Gallenwege werden oftmals operativ entfernt und aufgrund des hohen Rezidivrisikos im Anschluss noch mit einer Systemtherapie behandelt. 

„Biliäre Karzinome können molekulare Veränderungen aufweisen, die Angriffspunkte für neue gezielte Therapeutika darstellen. 

  • Art und Häufigkeit der Veränderungen unterscheiden sich aber erheblich zwischen den verschiedenen Typen, umso wichtiger ist eine histologische, immunhistologische und gegebenenfalls auch molekularpathologische Differenzialdiagnostik.  

Die Leitlinie gibt hier entsprechende Empfehlungen“, so Prof. Nisar Malek, Medizinische Klinik Universitätsklinikum Tübingen. Zusammen mit Prof. Peter Galle, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Prof. Michael Bitzer, ebenfalls vom Uniklinikum Tübingen, ist er Koordinator der S3-Leitlinie.

Hepatozelluläres Karzinom
„Angesichts der schlechten Prognosen beim Leberkrebs ist die Weiterentwicklung der therapeutischen Verfahren, insbesondere im Bereich der medikamentösen Therapie, sehr wichtig“, sagt Galle. 

Bisher konnte für Leberkrebs in der Leitlinie nur ein Proteinkinaseinhibitor evidenzbasiert empfohlen werden. „Inzwischen sind aber weitere Substanzen – unter anderem eine Kombinationstherapie zur Behandlung des fortgeschrittenen hepatozellulären Karzinoms – hinzugekommen, deren Wirksamkeit in mehreren Studien belegt werden konnte. Die Leitlinie haben wir entsprechend aktualisiert“, so Galle.

  • Als kurative Behandlungsformen können eine Lebertransplantation, eine Operation oder eine Thermoablation, also das Zerstören des Tumorgewebes durch Hitze, infrage kommen. 
  • Als Standardmethode der lokalablativen Verfahren war bisher nur die Radiofrequenzablation empfohlen. 

Aufgrund neuer Studien zur Mikrowellenablation ist dieses Verfahren nun auch in die S3-Leitlinie mit aufgenommen worden. 

Die Mikrowellenablation ist eine minimal-invasive Behandlungsmethode, bei der eine Sonde in den Tumor eingeführt wird und das Gewebe von innen durch Mikrowellen zerstört wird. 

Darüber hinaus gibt die S3-Leitlinie auch modifizierte Empfehlungen für weitere interventionelle Therapieverfahren, wie etwa der transarteriellen Chemoembolisation, bei der ein Chemotherapeutikum in den Tumor eingebracht wird und die Blutgefäße, die diesen versorgen, verschlossen werden.

Steht eine Lebertransplantation an, werden in Deutschland die sogenannten Mailand-Kriterien zur Priorisierung herangezogen. „Als wichtige Ergänzung stellt die Leitlinie fest, dass eine Lebertransplantation auch bei geeigneten Patienten außerhalb der Mailand-Kriterien erfolgen kann, wenn die UCSF-Kriterien erfüllt sind: Diese fordern eine Tumorgröße ≤ 6,5 cm bei einem solitären Herd oder maximal 3 HCC-Herde mit einem Maximaldurchmesser ≤ 4,5 cm bei einer maximalen Summe der addierten Tumordurchmesser ≤ 8 cm", so Bitzer.

An der S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms und biliärer Karzinome waren insgesamt 60 ehrenamtlich arbeitende Fachexpert*innen aus 33 Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/hcc-und-biliaere-karzinom...

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert. Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier herunterladen: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen. Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 30 S3-Leitlinien, die zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen. Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home/

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
Die DGVS wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS, die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten. Mehr unter: https://www.dgvs.de/

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Prof. Dr. Tamam Bakchoul: VITT - Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie - Impfkomplikationen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studien zur Thrombose nach SARS-CoV-2-Impfung

Zur Bekämpfung der Pandemie werden weltweit Impfstoffe verabreicht, die hochwirksam sind, jedoch mit minimalen unerwünschten Wirkungen einhergehen können. 

In jüngster Zeit hat der AstraZeneca-Impfstoff gegen das SARS-CoV-2-Virus die Öffentlichkeit mit Bedenken hinsichtlich der seltenen, aber schwerwiegenden Entwicklung von thrombotischen Ereignissen alarmiert. 

Dieses seltene Syndrom wird als Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie bezeichnet. 

Im Rahmen mehrerer Studien hat ein Forschungsteam des Zentrums für Klinische Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Tübingen nun die Entstehung, Diagnose und mögliche Behandlungsmethoden der seltenen Erkrankung untersucht.

  • Die sogenannte Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie (VITT) ist ein neu definiertes Syndrom, das zur Gerinnselbildung an seltenen Stellen wie den Gehirn- oder Bauchgefäßen und zu einer verminderten Blutplättchenzahl führt. 

Die rechtzeitige Diagnose der impfinduzierten Thrombose ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Behandlung. 

Einem internationalen Forschungsteam, dem auch Mediziner des Uniklinikums Tübingen angehören, ist es bereits kurz nach Bekanntwerden des Syndroms gelungen, erste Richtlinien zur Erkennung, Diagnose und Behandlung von Patientinnen und Patienten, die an dieser seltenen Impfkomplikation leiden, aufzustellen. 

  • Die Ergebnisse sind im Journal of Thrombosis and Hemostasis veröffentlicht. Eine VITT erfordert eine sofortige klinische Erkennung, gefolgt von einer bestätigenden Labordiagnostik mithilfe spezieller Tests, die nur an wenigen Zentren durchgeführt werden. 

Unter der Ärztlichen Leitung von Professor Dr. Tamam Bakchoul etablierte das Zentrum für Klinische Transfusionsmedizin (ZKT) in Tübingen diese Tests in seinem Labor und bietet sie auch anderen Krankenhäusern und medizinischen Versorgungszentren an.

Erste Erfahrungen in der Diagnose und der Behandlung von Patientinnen und Patienten, die thrombotische Ereignisse nach der SARS-CoV-2-Impfung entwickelten, zeigten, wie die Antikörper-vermittelte Aktivierung der Blutplättchen zur Entwicklung der VITT beiträgt. 

Darüber hinaus wiesen die weiteren Untersuchungen darauf hin, dass die Aktivierung der Blutplättchen durch eine Immunglobulintherapie gehemmt werden kann, was für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit VITT von großer Bedeutung sein kann. 

Für ihren Bericht untersuchte die Arbeitsgruppe um Dr. Karina Althaus acht Patientinnen und Patienten (5 weiblich, 3 männlich) im Alter von 24 bis 53 Jahren, die sechs bis 20 Tage nach der SARS-CoV-2-Impfung eine VITT entwickelten. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der renommierten Fachzeitschrift Haematologica publiziert.

In einer Folgestudie, die fünf Patientinnen und Patienten miteinschloss, untersuchte Dr. Günalp Uzun mit Forschenden der Arbeitsgruppe von Prof. Bakchoul die Wirksamkeit der Immunglobulintherapie bei Patientinnen und Patienten mit VITT. 

  • Dabei zeigte sich, dass eine Immunglobulintherapie zusammen mit einer Antikoagulation (Medikamentengabe zur Hemmung der Blutgerinnung) die Thrombozytenzahl schnell erhöhen und eine Gerinnungsaktivierung hemmen kann, ohne dabei ein zusätzliches Risiko für eine Hirnblutung zu stellen. 

Die Ergebnisse der Studie sind in der bekannten medizinischen Fachzeitschrift Blood veröffentlicht.

Um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, kommen die Tübinger Forscherinnen und Forscher zu dem Schluss, dass der Einsatz einer Immunglobulintherapie als Behandlungsoption bei Patientinnen und Patienten mit VITT empfohlen werden kann.

Titel der Originalpublikationen
Nazy I, Sachs UJ, Arnold DM, McKenzie SE, Choi P, Althaus K, Ahlen MT, Sharma R, Grace RF, Bakchoul T. Recommendations for the clinical and laboratory diagnosis of VITT against COVID-19: Communication from the ISTH SSC Subcommittee on Platelet Immunology. J Thromb Haemost. 2021 Jun;19(6):1585-1588. https://doi.org/10.1111/jth.15341

Althaus K, Möller P, Uzun G, Singh A, Beck A, Bettag M, Bösmüller H, Guthoff M, Dorn F, Petzold GC, Henkes H, Heyne N, Jumaa H, Kreiser K, Limpach C, Luz B, Maschke M, Müller JA, Münch J, Nagel S, Pötzsch B, Müller J, Schlegel C, Viardot A, Bäzner H, Wolf M, Pelzl L, Warm V, Willinek WA, Steiner J, Schneiderhan-Marra N, Vollherbst D, Sachs UJ, Fend F, Bakchoul T. Antibody-mediated procoagulant platelets in SARS-CoV-2- vaccination associated immune thrombotic thrombocytopenia. Haematologica. 2021 May 20. https://doi.org/10.3324/haematol.2021.279000

Uzun G, Althaus K, Singh A, Möller P, Zieman U, Mengel A, Rosenberger P, Guthoff M, Petzold GP, Müller J, Büchsel M, Feil K, Henkes H, Heyne N, Maschke M, Limpach C, Nagel S, Sachs UJ, Fend F, Bakchoul T. The use of intravenous immunoglobulin in the treatment of vaccine-induced immune thrombotic thrombocytopenia. Blood. In Press
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34166507/
https://doi.org/10.1182/blood.2021012479

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Originalpublikation:

https://doi.org/10.1111/jth.15341

 
https://doi.org/10.3324/haematol.2021.279000

 
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34166507/

 
https://doi.org/10.1182/blood.2021012479


 

Dr. Bernadette von Dawans: Die Pille und das Sozialverhalten von Frauen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die Pille beeinflusst das Sozialverhalten

Eine Studie der Universität Trier hat ergeben, dass Frauen ohne hormonelle Verhütung einfühlsamer sind und häufiger mit anderen teilen.

Während zur Pille generell bereits viel geforscht wurde, weiß man immer noch wenig zu ihren Auswirkungen auf das Sozialverhalten. 

Diese Wissenslücke zu schließen, hat sich die Abteilung Biologische und Klinische Psychologie der Universität Trier zum Ziel gesetzt.

In einer gerade veröffentlichten Studie, die in Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz entstanden ist, konnten die Forschenden erste Anhaltspunkte dafür finden, dass die Pille Sozialverhalten beeinflusst. 

Konkret wurden das Erkennen und Mitfühlen von Emotionen anderer sowie die Bereitschaft, mit anderen zu teilen, untersucht.


„Uns geht es bei unserer Forschung nicht darum, Frauen davon abzuraten, die Pille zu nehmen. 

Vielmehr wollen wir wissenschaftlich basierte Kenntnisse liefern, die bei der Entscheidung für oder gegen die Pille helfen“, sagt Dr. Bernadette von Dawans.

Im Rahmen der Studie führten die Forschenden Experimente durch, an denen 83 Frauen teilnahmen. Ein Teil der Probandinnen verhütete mit der Pille, der andere Teil ohne Pille oder andere hormonelle Methoden. Bei einem Spiel mussten die Probandinnen entscheiden, ob sie einer anderen Person genug vertrauen, um ihr Geld zu geben. 

Dabei stellte sich heraus, dass nicht-hormonell verhütende Frauen eher dazu bereit waren zu teilen als Frauen, die mit der Pille verhüten. Auch in einem weiteren Test verhielten sich die nicht-hormonell verhütenden Frauen prosozialer.

Bei einem zweiten Experiment wurden den Frauen Bilder von Personen in unterschiedlichen Stimmungslagen gezeigt. Beide Gruppen an Probandinnen erkannten gleich gut die Emotionen. 

Einen Unterschied gab es jedoch beim Miterleben der Emotionen: Probandinnen, die ohne die Pille verhüten, gaben an, die Emotionen stärker mitzufühlen.

  • Als Ursache für die Unterschiede vermuten die Trierer Forschenden den durch die Pille erzeugten veränderten Hormonspiegel. 

„Auch wenn wir andere Einflussfaktoren probiert haben auszuschließen, ist es schwer, mit Sicherheit zu sagen, dass diese Unterschiede nur auf der Einnahme der Pille beruhen“, erklärt von Dawans. 

Auch während des weiblichen Zyklus werden Hormone gebildet, die in der Pille enthalten sind.

In einer aktuell laufenden Studie wollen die Forschenden daher diese Zyklusphasen und Sozialverhalten beleuchten. 

Dafür ist die Abteilung fortlaufend auf der Suche nach gesunden Frauen, die mit Pille verhüten oder keine hormonellen Verhütungsmittel einnehmen und zwischen 18 und 35 Jahre alt sind. Interessierte, die an der Online-Studie teilnehmen wollen, können sich unter dem Betreff „019 Online Studie zu Hormonen und sozialen Entscheidungen“ an die Mailadresse biostudien@uni-trier.de wenden.

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Dr. Bernadette von Dawans
Biologische und Klinische Psychologie
Mail: vondawans@uni-trier.de 

Peter Kuntz Universität Trier

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54296 Trier
Deutschland
Rheinland-Pfalz

Telefon: 0651 201 4238
Fax: 0651 201 4247
E-Mail-Adresse: kuntzp@uni-trier.de 
Originalpublikation:

Julia Strojny, Gregor Domes, Urs Fischbacher, Bernadette von Dawans: The modulation of social behavior and empathy via oral contraceptives and female sex hormones. In: Psychoneuroendocrinology 131 (2021). https://doi.org/10.1016/j.psyneuen.2021.105250