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Professor Dr. Dr. Mike P. Wattjes: Verlaufskontrollen von Multiple Sklerose (MS) Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

MHH-Neuroradiologe entwickelt internationale Richtlinien zur MRT-Bildgebung

  • Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jüngeren Erwachsenen.
  • In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft etwa 250.00 Menschen an MS, jährlich erkranken mehr als 10.000 neu. 
  •  Professor Dr. Wattjes vor zwei Monitoren mit Schichtaufnahmen von veränderten Hirnstrukturen durch Multiple Sklerose
  •  Professor Dr. Wattjes vor zwei Monitoren mit Schichtaufnahmen von veränderten Hirnstrukturen durch Multiple Sklerose Karin Kaiser / MHH
  •  

MS ist gut therapierbar, eine Heilung gibt es jedoch nicht. 

Selbst eine Diagnose kann schwierig sein, weil die meisten Anfangsbeschwerden auch denen anderer Krankheiten entsprechen.  

Eine gute Methode, um eine MS gesichert festzustellen und zu überwachen, ist die Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und des Rückenmarks.  

  • Allerdings gibt es bislang in den verschiedenen Kliniken und Gesundheitssystemen große Unterschiede, wie die MRT-Diagnostik konkret eingesetzt wird. 

Das soll sich jetzt ändern. Ein internationales Expertengremium um Professor Dr. Dr. Mike P. Wattjes vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat neue Leitlinien zur Bildgebung der Multiplen Sklerose in der klinischen Routinepraxis erarbeitet. Die Empfehlungen werden sowohl von den europäischen als auch von den nordamerikanischen MS-Organisationen unterstützt und sind in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet Neurology veröffentlicht worden.

Betriebsanleitung zur Magnetresonanztomographie


„Diese erstmals international einheitlichen Richtlinien sind ein Meilenstein in der Versorgung von MS-Patientinnen und -Patienten“, betont Professor Wattjes. „Sie beinhalten nicht nur alle Aspekte der Bildgebung der MS, wir nehmen auch ausführlich Stellung zu sehr wichtigen und aktuellen Themen wie beispielsweise dem sinnvollen Einsatz von Kontrastmitteln oder dem technisch anspruchsvollem MRT des Rückenmarks.“ Von dieser „Betriebsanleitung“ zum MRT-Einsatz bei MS profitieren in erster Linie die Betroffenen. Denn die Richtlinie gewährleistet eine standardisierte Patientenversorgung, die genaue Empfehlungen gibt, wann, wie und warum eine MRT vorgenommen werden sollte. Das betrifft sowohl die Diagnosestellung als auch die Beobachtung der Patienten während der Therapie und die Einschätzung der Prognose des Krankheitsverlaufs.
„Die Regelung ist quasi der Goldstandard in der Bildgebung bei MS und erforderlich, damit die Aufnahmen überhaupt vergleichbar sind“, sagt der Neuroradiologe. 

Denn ohne verbindliche Standards ist eine Verlaufskontrolle schwieriger, da kaum zu beurteilen ist, ob die typischen Gewebeschädigungen (Läsionen) im Hirn und Rückenmark neu entstanden, oder ob bestehende Läsionen größer oder kleiner geworden sind. 

  • Für den Vergleich mehrerer MRT-Scans ist es daher wichtig, dass etwa räumliche Auflösung der Aufnahmen, Kontrastmitteldosis, Magnetfeldstärke oder Positionierung des Gehirns im Scanner unter denselben Bedingungen erfolgt sind.


Aktuelle Forschungsergebnisse in klinische Praxis umgesetzt

Die Leitlinien bedeuteten jedoch auch für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte eine enorme Erleichterung, stellt Professor Wattjes fest. 

Sie erhalten einen konkreten Anwendungsleitfaden für unterschiedliche Patientengruppen und verschiedene Krankheitsstadien – von Kindern mit MS über Schwangere bis hin zu älteren Patienten, bei denen die Krankheit nicht mehr in den typischen Schüben, sondern schleichend verläuft. 

„Unser internationales Team hat aktuelle Forschungsergebnisse in die klinische Praxis umgesetzt und genau erarbeitet, was für welchen Patienten zu welchem Zeitpunkt sinnvoll ist“, sagt Professor Wattjes. Die genauen Anleitungen sollen Ärzten nun ermöglichen, bessere Diagnosen zu erstellen, die Wirkung von Medikamenten gegen MS individuell und gezielt überwachen und zuverlässige Prognosen zur Krankheitsentwicklung stellen können.

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Originalpublikation:

Eine Zusammenfassung der Originalarbeit finden Sie hier: https://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422(21)00095-8/fullt...


 

Prof. Dr. Beatrix Weber + Prof. Dr. Jörg Scheidt: Trotz Covid - Impfung eine Infektion: Durchbruchinfektionen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie wirksam ist die Corona-Schutzimpfung? - „CoVaKo“-Studie startet mit Datenerhebung

Ende letzten Jahres hatte das bayerische Wissenschaftsministerium die Beteiligung der Hochschule Hof an der großen bayerischen Begleitstudie zur Wirksamkeit der SARS-CoV-2-Impfung bekanntgegeben. 

Ein wesentliches Ziel der an CoVaKo-2021 beteiligten Forscherinnen und Forscher ist es, den Infektionsverlauf bei den Geimpften zu analysieren, die trotz der Impfung eine Infektion durchmachen. 

Am Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof (iisys) sind die Vorarbeiten umgesetzt worden. Prof. Dr. Beatrix Weber und Prof. Dr. Jörg Scheidt informieren über den aktuellen Stand. 

Prof. Dr. Beatrix Weber und Prof. Dr. Jörg Scheidt
Prof. Dr. Beatrix Weber und Prof. Dr. Jörg Scheidt Hochschule Hof

-Die CoVaKo-Studie wird von den sechs bayerischen Universitätskliniken in Erlangen, München, Würzburg, Regensburg und Augsburg und in enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) durchgeführt. Wie kam es zur Beteiligung der Hochschule Hof und was bedeutet das für Ihr Institut?

"Es ist für unser Institut zweifellos eine große Auszeichnung, hier mitwirken zu dürfen, und gleichsam eine Anerkennung für die Arbeit der letzten Jahre! Unsere Beteiligung hat sich in mehrfacher Hinsicht aus früheren Projekten ergeben. So arbeiten wir zum Beispiel beim Thema Migräne bei Grundschulkindern mit Professoren der LMU München zusammen, unter anderem mit Prof. von Kries. Er ist Mitglied in der Ständigen Impfkommission des RKI. Er empfahl die Hochschule Hof für die technische Umsetzung an Prof. Überla aus Erlangen, der auch Mitglied der StIKo ist und die Federführung der CoVaKo-Studie innehat. In einer weiteren Kooperation mit Ärztinnen der LMU München – hier beim Thema Kopfschmerzregister – hat sich auch die Einbindung unserer Forschungsgruppen Recht und Analytische Informationssysteme bewährt. Man hat sich darum dazu entschieden, auch bei der CoVaKo-Studie auf diese Zusammenarbeit zurückzugreifen."

-Wie kann CoVaKo zur Sicherheit der Impfungen beitragen, woraus ergibt sich also mittel- und langfristig der Nutzen für die Allgemeinheit?

"Das Ziel der Forschung ist es grob gesagt, die Corona-Krankheitsverläufe von Patienten mit und ohne Impfung zu vergleichen, um so verlässliche Daten zur Wirksamkeit der Impfstoffe zu erhalten. Dafür verwenden wir Kriterien wie Schwere, Dauer, Symptomatik, Art und Häufigkeit von Komplikationen, die Krankenhauseinweisungen oder auch die Sterblichkeit. Außerdem wird auch die Immunantwort je nach Virusvariante untersucht, also die Frage, welche Einflussfaktoren den Infektionsverlauf beeinflussen können.
Um dies tun zu können, melden uns die Gesundheitsämter die sogenannten „Durchbruchsinfektionen“, also diejenigen, die sich trotz Impfung mit dem Virus infiziert haben. Bei Eignung und Einwilligung zur Teilnahme an der Studie fließen deren Daten ein. Wir vergleichen die Daten dann mit einer Kontrollgruppe, also mit Covid-Infizierten, die aber nicht geimpft waren.

Konkret bedeutet dies, dass die in Quarantäne befindlichen Probanden bei 5 bis 6 Terminen genau untersucht werden. Soweit die Probanden in einer Klinik behandelt werden, kann auch auf die in der Klinik erhobenen Daten zurückgegriffen werden. Hoffnung und Erwartung der medizinischen Forscherinnen und Forscher ist, dass sich bei Geimpften weniger schwere Verläufe ergeben. Damit wäre dann bewiesen, dass die Impfstoffe selbst bei den trotz Impfung Erkrankten eine positive Wirkung haben.

Für die Wissenschaft ist


dies von hoher Bedeutung: Man erhält Informationen darüber, wie viele „Durchbruchsinfektionen“ es gibt, also wie viele sich trotz Impfung infizieren. Die Auswahl der Impfstoffe und die Impfstrategie könnten so entsprechend angepasst werden."

-Was ist nun konkret die Aufgabe der Hofer Forschungsgruppen, welchen Teil der Studie decken Sie ab und wo liegen für Ihre Teams die größten Herausforderungen?

"Wir übernehmen gemeinsam mit der smartlytic GmbH – einer Ausgründung unserer Forschungsgruppe, die am digitalen Gründerzentrum Einstein 1 beheimatet ist – den technischen Teil, d.h. die Konzeption und Erstellung der Software für die Erfassung, Speicherung sowie Bereitstellung der Daten für die Auswertung. Die Herausforderung ist, dass die Visiten der Unikliniken möglichst standardisiert dokumentiert werden, so dass die Daten aller sechs Kliniken gemeinsam ausgewertet werden können. Das Kernproblem ist dabei oft die Zeit: Die Chance, Durchbruchsinfektionen zu untersuchen, bietet sich nur bei recht hoher Inzidenz. Daher musste es mit den vorbereitenden Arbeiten schnell gehen, um ausreichend Probanden für die Studie zu finden. Außerdem bewegen wir uns in einem hochkomplexen System, in das pro Visiten-Datensatz bis zu 1200 Informationen aufgenommen werden, pro Krankenhausaufenthalt nochmals bis zu 400.

Die Forschungsgruppe Recht im iisys hat die Datenerhebung und Verarbeitung datenschutzkonform konzipiert. Dazu gehört, den besonderen Schutz der Gesundheitsdaten zu berücksichtigen und eine sog. Datenschutz-Folgenabschätzung durchzuführen. Zum anderen müssen für Studien am Menschen Voten der Ethik-Kommissionen der beteiligten Universitätsklinika eingeholt werden. Hier haben wir die medizinischen Forscher bei der Einholung der Voten und insbesondere der Beachtung der medizin-rechtlichen Vorgaben bei der Umsetzung im Forschungsprojekt unterstützt."

-Das klingt nach einem hohen Aufwand. Welche Vorarbeiten waren nötig und wie viele Personen sind in Hof an den Arbeiten beteiligt?

"In der Phase der Erstellung unserer Erfassungssoftware haben 4 Mitarbeiter in Vollzeit über gut drei Monate hinweg gearbeitet. In der Phase der Datennahme und -auswertung werden ein bis zwei Mitarbeiter weiterhin im Projekt beschäftigt sein. Dazu kam viel Kleinkram. Ein Beispiel: Für die 600 Patienten wurden je 65, also insgesamt knapp 40.000 Etiketten für die Beschriftung von Probenröhrchen mit Barcodes bedruckt und an die Projektpartner verschickt."

-Bauen Sie dabei auf bestehenden Lösungen auf oder sind neue technische Entwicklungen notwendig?

"Bei der Software spielen die Erfahrungen aus bisherigen Projekten mit hinein. Müsste man bei null anfangen, wäre ein solches System in so kurzer Zeit nicht realisierbar. Aber es gibt auch immer neue Herausforderungen und Probleme, die bewältigt werden müssen.
Wir hatten schon sehr gute Expertise bei der Datennutzung für neue Technologien und auch im Gesundheitsbereich. Neu war, die besondere Situation der COVID-Patienten als Probanden zu berücksichtigen. Hierzu mussten die mehrfache Änderung des Infektionsschutzgesetzes und die aktuellen Empfehlungen der Ethik-Kommissionen gesichtet und berücksichtigt werden."

-Wie ist der aktuelle Stand und was geschieht als nächstes im Projekt?

"Die vorbereitenden Arbeiten sind nun glücklicherweise abgeschlossen, das heißt seit vergangener Woche werden Probanden in die Studie aufgenommen. Während der laufenden Datennahme werden die Systeme betreut, es wird Support für die Studienärzte geleistet und die Auswertung der Daten wird vorbereitet. Außerdem werden für das Monitoring der Datennahme regelmäßig statistische Auswertungen zur Verfügung gestellt, sodass jederzeit ersichtlich ist, ob die Alters- und Geschlechtsverteilungen in der Gruppe der Probanden sowie der Kontrollgruppe übereinstimmen. Die datenschutzrechtliche Betreuung endet nicht mit dem Start eines Projekts, sondern es fallen immer wieder aktuelle Fragen aus dem Datenschutz und dem medizinrechtlichen Bereich an."

-Der Kreis der Beteiligten hat – wie oben dargestellt – Rang und Namen. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern und wo liegen die Berührungspunkte?

"Die Konzeptionsphase zwischen Januar und Mai war natürlich durch eine intensive Zusammenarbeit geprägt - insbesondere was die Abstimmung mit der Projektkoordination an der Uni Erlangen angeht. Unzählige E-Mails, Telefonate und Zoom-Meetings haben den Beteiligten hier auch die Wochenenden „versüßt“. Natürlich aber wird es auch während der eigentlichen Durchführung regelmäßige Online-Projekttreffen aller Beteiligten geben. Wir haben uns eine große Bewunderung der beteiligten Virologen erarbeitet. Die Motivation und Genauigkeit im Detail, mit der die Forschung durchgeführt wird, ist sehr beeindruckend."

-Ein großer Punkt – gerade in Zeiten der Digitalisierung – ist die Frage von Datenschutz und Datensicherheit. Wie wird sichergestellt, dass persönliche Daten nicht in falsche Hände gelangen?

"Ein Missbrauch der Daten ist ausgeschlossen, soweit das nach dem Stand der Technik möglich ist. Das stellen wir in Hof sicher. Es werden bei uns ausschließlich anonymisierte Laboruntersuchungen und anonymisierte Probandendaten verwendet. Das bedeutet, dass weder Namen noch die Adressen der Probanden in der Forschungsdatenbank in Hof gespeichert sind. Auch die Auswertung der Daten erfolgt nur auf Basis von Probanden-Codes. Und schließlich wird auch die Datenübertragung immer verschlüsselt. Oft wird ja kolportiert, dass die Forschungsbedingungen in den USA sehr viel besser seien. Bei der medizinischen Forschung unter Nutzung von personenbezogen Daten können wir hingegen auch rechtlich Vertrauen in diese hochwertige Forschung am Standort Deutschland schaffen."

-Wann ist mit dem Projektabschluss zu rechnen?

"Die Studie läuft zunächst über 2 Jahre. Aber die Auswertungen und die folgenden Veröffentlichungen der Ergebnisse werden sich sicher länger hinausziehen. Angedacht ist außerdem bereits die geschaffenen Strukturen zu nutzen und ein längerfristiges virologisches Monitoring zu etablieren, um neue Virusvarianten zu enttarnen. Wir hoffen natürlich auf eine längerfristige Zusammenarbeit der Projektpartner!"

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Prof. Dr. Stephanie Combs: Diagnose Brustkrebs (Mammakarzinom): die pathohistologische Untersuchung des Tumors (feingeweblichen)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Teilbrustbestrahlung: Richtige Indikationsstellung ist entscheidend!

  • Zwei große randomisierte Studien [1, 2] haben gezeigt, dass bei der brusterhaltenden Therapie des Mammakarzinoms das Bestrahlungsvolumen im Vergleich zur Ganzbrustbestrahlung reduziert werden kann. 

Die jetzt publizierten Langzeitergebnisse der ELIOT-Studie [3] widersprechen auf den ersten Blick diesen Ergebnissen. 

  • Denn nach 15 Jahren zeigte sich, dass das lokale Rezidivrisiko in derselben Brust nach der ELIOT-Bestrahlung signifikant höher war als nach einer Ganzbrustbestrahlung, auch wenn das Gesamtüberleben gleich war. 
  • Die wohl wesentliche Schlussfolgerung aus Gesamtschau aller Daten ist, dass der Therapieerfolg der Teilbrustbestrahlung maßgeblich von der Indikationsstellung abhängt.
  • Jede achte Frau wird in ihrem Leben mit der Diagnose Brustkrebs (Mammakarzinom) konfrontiert – es ist somit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. 
  • Bei der Therapie erfolgt im ersten Schritt meistens eine operative, möglichst vollständige Entfernung des Tumors („im Gesunden“). 

In der Mehrzahl der Fälle kann dabei heute brusterhaltend operiert werden. 

Danach wird eine Bestrahlung und/oder Chemotherapie bzw. Hormontherapie angeschlossen, um das Risiko von lokalen Rückfällen (Rezidiven), einer Metastasierung und somit die Langzeitmortalität zu senken.

Die Bestrahlung (Radiotherapie) erfolgte bis vor wenigen Jahren in der Regel von außen (extern) durch die Haut („perkutan“) unter Einbeziehung der gesamten erkrankten Brust. 

  • Die externe Strahlentherapie wird einige Wochen nach der Operation begonnen und über ca. vier bis sechs Wochen „fraktioniert“, d.h. aufgeteilt in kleine Dosen, werktäglich ambulant durchgeführt. 
  • Dabei wird mit moderner Präzisionstechnik das gesunde Gewebe weitestgehend geschont und nur in der operierten Region und der verbleibenden Brust oder Thoraxwand eine hohe Strahlendosis appliziert.

Seit einiger Zeit kann bei Tumoren in frühem Stadium mit geringem Rezidivrisiko auch eine Teilbrustbestrahlung erfolgen, in der aktuellen Leitlinie [4] heißt es: 

  • „Eine alleinige Teilbrustbestrahlung (als Alternative zur Nachbestrahlung der ganzen Brust) kann bei Patientinnen mit niedrigem Rezidivrisiko durchgeführt werden.“


Dazu stehen basierend auf randomisierte Studien mehrere Methoden zur Verfügung:
(1) Im Rahmen einer externen Bestrahlung wird nicht mehr die gesamte Brust, sondern nur das ehemalige Tumorbett mit einem Sicherheitsabstand bestrahlt. Die Behandlungsdauer kann dabei auf drei Wochen reduziert werden. [1]


(2) Postoperativ können in einem zweiten Eingriff Plastikapplikatoren in das Tumorbett eingeführt werden, über die dann innerhalb einer Woche die notwendige Bestrahlung appliziert wird. Dieses Verfahren wird auch als interstitielle Brachytherapie bezeichnet. [2]

  • Bei beiden Methoden wird zur Indikationsstellung die Ergebnisse der feingeweblichen Untersuchung des Tumors nach der Operation einbezogen und die Entscheidung für oder gegen eine Teilbrustbestrahlung gefällt. 

Doch im Gegensatz dazu wurden im Rahmen der ELIOT-Studie die Patientinnen unmittelbar nach der operativen Entfernung des Tumors einer sofortigen intraoperativen Bestrahlung mit Elektronen unterzogen. Dies hat den Vorteil, dass die Elektronen nicht so tief in das Gewebe eindringen und dadurch die Umgebung des Tumorbettes sehr gut Vorbestrahlung geschützt werden kann.

Als gravierender Nachteil hat sich allerdings herausgestellt, dass zum Zeitpunkt der Bestrahlung die pathohistologische Untersuchung des Tumors gefehlt hat. 

So wurden in die Studie in 26% der Fälle Patientinnen eingeschlossen, die bereits einen Lymphknotenbefall hatten. 

In den anderen Studien zur Teilbrustbestrahlung war dies ein wesentliches Ausschlusskriterium gewesen (Ausnahme: sehr geringfügige Befall eines Lymphknotens). Des Weiteren hatten 7% der Patientinnen ein sogenanntes „tripple negatives“ Karzinom, 10% einen HER2-positiven Tumor, die ebenfalls gemäß den Empfehlungen der DEGRO nicht mit einer Teilbrustbestrahlung behandelt werden sollten. Die genauen Indikationen zur Teilbrustbestrahlung können der DEGRO-Empfehlung [5] entnommen werden.

Diese problematische Indikationsstellung ohne abschließende Histologie hat dann zu den Ergebnissen der jüngst in „Lancet Oncology“ publizierte Studie [1] geführt. Die ELIOT-Langzeitdaten nach 15 Jahren, haben vermutlich das bisher längste Follow-Up-Studie nach Teilbrustbestrahlung. In dieser randomisierten Studie des „European Institute of Oncology“ (Mailand) wurden von 2000-2007 insgesamt 1.305 Brustkrebspatientinnen im Alter zwischen 48-75 Jahren und einem einseitigen Mamakarzinom von maximal 2,5 cm Größe (ohne Lymphknotenbefall) nach der brusterhaltenden Operation zu gleichen Teilen (1:1) randomisiert und erhielten postoperativ entweder eine Ganzbrustbestrahlung (WBI mit 25 x 2 Gy plus Boost-Bestrahlung mit 10 Gy) oder eine ELIOT-Einzeldosis. Primärer Endpunkt war ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) auf derselben Seite. Sekundärer Endpunkt war das Gesamtüberleben nach fünf, zehn und 15 Jahren.

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 12,4 Jahren (IQR 9,7-14,7) hatten in der ELIOT-Gruppe 70 Frauen (11%) und in der WBI-Gruppe 16 (2%) Frauen ein lokal-regionales Rezidiv (HR 4,62; p<0,0001). Nach fünf Jahren betrug die Rezidivrate in der ELIOT-Gruppe 4,2%, nach zehn Jahren 8,1% und nach 15 Jahren 12,6%. In der WBI-Gruppe waren es dagegen nur 0,5%; 1,1% und 2,4%. Bis März 2019 starben insgesamt 193 (15%) der Patientinnen – ohne statistisch signifikanten Gruppenunterschied (98 in der ELIOT-Gruppe und 95 in der WBI-Gruppe; HR 1,03; p=0,85).

  • Der Erhalt der Brust trotz Tumorerkrankung trägt für viele Frauen wesentlich zu ihrer Lebensqualität, der Akzeptanz des eigenen Körperbildes trotz Tumorerkrankung bei. 

Insofern ist es trotz gleicher Überlebenszeit wichtig, dass die Rezidivrate in der Brust möglichst gering bleibt. 

Die Daten der ELIOT-Studie zeigen, dass bei ungenügender Indikationsstellung dieses Ziel nicht erreicht werden kann. 

Wie die postoperative Histologie dann in das Therapiekonzept mit eingeschlossen werden kann, müssen weitere Untersuchungen noch klären (zum Beispiel durch eine zusätzliche Ganzbrustbestrahlung). 

  • Der potenzielle Vorteil einer geringeren Strahlenbelastung des gesunden Brustgewebes wurde hier durch eine deutlich erhöhte lokale Rezidivrate „erkauft“. 
  • Bei anderen Verfahren, wie der perkutanen Teibrustbestrahlung oder der interstitiellen Teilbrustestrahlung, kann die Indikation aufgrund der postoperativen Histologie gestellt werden, daher haben sich diese Verfahren als sicher auch hinsichtlich der lokalen Kontrolle erwiesen.


„Die Bestrahlung ist ein fester Bestandteil der kurativen Therapie von Brustkrebs. 

Diese neuen Langzeitdaten machen deutlich, dass die Indikation zur Teilbrustestrahlung sehr genau und basierend auf den bislang vorliegenden Studiendaten gewählt werden muss. Dann können diese Verfahren zum Vorteil für die Patientinnen eingesetzt werden“ kommentiert Universitätsprofessorin Dr. med. Stephanie Combs, TU München, Pressesprecherin der DEGRO diese Studie.

Wie DEGRO Präsident Prof. Fietkau ausführt, „stehen heute Patientinnen mit Mammakarzinom sehr viele radioonkologische Optionen zur postoperativen Strahlentherapie von der Teilbrustestrahlung bis zur Bestrahlung der ganzen Brust und der Lymphabflussgebiete in unterschiedlichen Techniken und Bestrahlungsrhythmen (Fraktionierung) zur Verfügung. 

Die Auswahl, welche Technik, welche Bestrahlungsform für die Patientinnen am vorteilhaftesten ist, muss und kann individuell mit den Patientinnen besprochen werden, um die optimale Behandlungsform für die jeweilige Patientin herauszufinden.“


Literatur
[1] Coles CE, Griffin CL, Kirby AM et al. Partial-breast radiotherapy after breast conservation surgery for patients with early breast cancer (UK IMPORT LOW trial): 5-year results from a multicentre, randomised, controlled, phase 3, non-inferiority trial. Lancet 2017 Sep; 390 (10099): 1048-60
[2] Strnad V, Ott OJ, Hildebrandt G et al. Groupe Européen de Curiethérapie of European Society for Radiotherapy and Oncology (GEC-ESTRO). 5-year results of accelerated partial breast irradiation using sole interstitial multicatheter brachytherapy versus whole-breast irradiation with boost after breast-conserving surgery for low-risk invasive and in-situ carcinoma of the female breast: a randomised, phase 3, non-inferiority trial. Lancet 2016; 387 (10015): 229-38
[3] Orecchia R, Veronesi U, Maisonneuve P et al. Intraoperative irradiation for early breast cancer (ELIOT): long-term recurrence and survival outcomes from a single-centre, randomised, phase 3 equivalence trial. Lancet Oncol 2021 Apr 9;S1470-2045(21)00080-2. doi: 10.1016/S1470-2045(21)00080-2.
[4] Interdisziplinäre S3-Leitliniefür die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des
MammakarzinomsLangversion 4.1–September 2018;
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLl_S3_Mammakarzinom_2018-09...
[5] Strnad V, Krug D, Sedlmayer F et al. DEGRO practical guideline for partial-breast irradiation. Strahlenther Onkol 2020. https://doi.org/10.1007/s00066-020-01613-z

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Prof. Dr. Sebastian Kobold: Entzündungen und Wachstum von Tumoren

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mit Interleukinen gegen den Krebs

  • Interleukine (abgekürzt IL) sind Botenstoffe, mit denen die verschiedenen Zelltypen des Immunsystems kommunizieren. 

Seit Langem stehen sie im Fokus von Krebsforscher*innen, denn auch bei Entstehung und Wachstum von Tumoren spielen sie eine tragende Rolle. 

„Sie könnten schon bald zu einer neuen wichtigen Säule im Kampf gegen den Krebs werden“, sagt Prof. Dr. Sebastian Kobold von der Abteilung für Klinische Pharmakologie des LMU Klinikums. In der renommierten Fachzeitschrift „Nature Reviews in Cancer“ hat er jetzt mit seinen Kolleg*innen den Stand der Dinge zusammengefasst.

Es begann Ende der 1980er Jahre mit der Erstbeschreibung von Interleukin-1. 

Schon damals dachten nicht wenige Krebsforscher*innen, dass damit die Therapie von bösartigen Tumoren entscheidend verbessert werden könnte. 

Aber aus den großen Hoffnungen, sagt Sebastian Kobold, „wurde zunächst einmal nichts“. 

Denn obwohl die Familie dieser Kommunikationsmoleküle des Immunsystems auf inzwischen mehr als 40 verschiedene Moleküle wuchs, war es nicht damit getan, sie den Patient*innen einfach therapeutisch zu verabreichen. Denn die immensen Nebenwirkungen standen in keinem Verhältnis zum Effekt.

Dass dieses Forschungsfeld letztlich trotzdem durchgestartet ist, lag an den großen Fortschritten in der Molekularbiologie und der Genetik im vergangenen Jahrzehnt. In diesem Zuge, erklärt Kobold, entschlüsselten die Forscher*innen weltweit immer detaillierter das enge Zusammenspiel von Immunsystem, gesunden und bösartig entarteten Zellen – mit den Interleukinen mittendrin. 

Wobei sich die Janusköpfigkeit dieser Botenstoffe zeigte, wie Kobold es ausdrückt: 

  • „Interleukine haben sowohl eine wichtige Rolle in der Krebsentstehung als auch in der Tumorkontrolle und -zerstörung.“


Das gesteigerte Wissen zeitigt mehr und mehr Anwendungsstrategien, die oft schon in klinische Studien mit Krebspatient*innen getestet werden.

Beispiele:

• Es wurden Agenzien entwickelt, die einerseits den gewünschten Anti-Tumor-Effekt zum Beispiel von IL-2 und IL-15 imitieren – mit offenbar weniger Nebenwirkungen als die „Originale“
• Andererseits haben Forscher*innen Moleküle entworfen, die den unerwünschten tumorfördernden Effekt von zum Beispiel IL-2 und IL-15 zunichtemachen
• Die sogenannten CAR-T Zellen der Immuntherapien gegen Krebs werden in einem innovativen Ansatz zusätzlich mit Interleukinen ausgerüstet, um das Immunsystem gegen Tumore noch stärker zu aktivieren
• Sogenannte IL-1-Beta-Antikörper könnten die Entzündung bremsen, die das Wachstum von Tumoren antreibt

„Wir könnten jetzt die Endstrecke einer Idee sehen, die vor Jahrzehnten begonnen hat“, sagt Mediziner Kobold – und wünscht sich die Interleukine schon in einigen Jahren als „festen Teil eines ganzen Arsenals an unterschiedlichen Krebstherapien, die für jeden Patienten und jede Patientin individuell zusammengestellt wird, um den Effekt zu maximieren und die Nebenwirkungen zu minimieren.“

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Prof. Dr. Sebastian Kobold, M.D.
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Originalpublikation:

Interleukins in cancer: from biology to therapy
Daria Briukhovetska, Janina Dörr, Stefan Endres, Peter Libby, Charles A. Dinarello and Sebastian Kobold
Nature Reviews Cancer: https://doi.org/10.1038/s41568-021-00363-z


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.lmu-klinikum.de

 
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Abteilung-fuer-Klinische-Pharmakologie/de/in...


Prof. Hans J. Grabe: Parodontitis - Risiko für den Herzinfakrt und der Demenz

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Greifswalder Studie bestätigt: Zahnfleischschwund fördert Demenzrisiko

Vorsorge und rechtzeitige Behandlung von Parodontitis wichtig

Im Rahmen der Langzeitstudie SHIP (Study of Health in Pomerania/Leben und Gesundheit in Vorpommern) wird seit 1997 der Einfluss von Zahnerkrankungen auf die Allgemeingesundheit der Menschen erforscht. 

  • Dabei konnte nachgewiesen werden, dass entzündlicher Zahnfleischschwund aufgrund von Parodontitis, welche altersabhängig 15 bis 45 Prozent der Menschen betrifft, unter anderem das Risiko für einen Herzinfarkt und Demenz erhöht. 

Die beste Vorbeugung von Zahnfleischschwund und möglichen Gefahren einer Alzheimererkrankung durch Paradontitis ist der regelmäßige Kontrollbesuch bei seiner Zahnärztin oder seinem Zahnarzt.

 Die beste Vorbeugung von Zahnfleischschwund und möglichen Gefahren einer Alzheimererkrankung durch Paradontitis ist der regelmäßige Kontrollbesuch bei seiner Zahnärztin oder seinem Zahnarzt. Foto: Yvonne Breuhahn UMG

Jetzt haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald eine neue Studie im amerikanischen Fachjournal Alzheimer’s & Dementia* veröffentlicht, in der die bisherigen Ergebnisse in Bezug auf einen Zusammenhang mit einer Alzheimer-Erkrankung bestätigt werden konnten. 

„Es ist sehr schwierig, methodisch aussagekräftige Studien zu den Auswirkungen von Parodontitis, eine häufige schwere Form der Zahnfleischerkrankung, durchzuführen. Erst kürzlich entwickelte statistische Modelle ermöglichen es, eine kontrollierte klinische Studie zu simulieren, indem verfügbare Daten von behandelten Patienten und unbehandelten Erkrankten zusammengeführt werden“, erläuterte Dr. Christian Schwahn von der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnheilkunde und medizinische Werkstoffkunde. „So konnte erstmals der Zusammenhang zwischen der Behandlung von Zahnfleischerkrankungen und beginnender Alzheimer-Krankheit in einem quasi-experimentellen Modell von 177 parodontal behandelten Patienten der Greifswalder GANI-MED-Studie (Greifswald Approach to Individualized Medicine) und 409 unbehandelten Teilnehmern aus der SHIP-Studie analysiert werden.“

Die Kontrolle der Zahnfleischtaschen (bis 3 mm gesund) mit einer speziellen parodontalen Sonde.

Die Kontrolle der Zahnfleischtaschen (bis 3 mm gesund) mit einer speziellen parodontalen Sonde. Foto: Yvonne Breuhahn UMG


Moderater bis starker Einfluss deutlich erkennbar

Als Indikator für eine beginnende Alzheimer-Krankheit wurden magnetresonanztomographische (MRT)-Daten verwendet.  

Diese wurden mit MRT-Daten der US-amerikanischen Alzheimer’s Disease Neuroimaging Initiative abgeglichen, so dass sie als individuelles Maß für den Alzheimer-typischen Verlust an Gehirnsubstanz verwendet werden konnten. 

  • Die von einem auf Zahnfleischerkrankungen spezialisierten Zahnarzt vorgenommene Behandlung der Parodontitis zeigte einen positiven Effekt auf den Verlust der Gehirnsubstanz, der als moderat bis stark eingeschätzt werden kann.

„Diese Ergebnisse sind insofern bemerkenswert, als dass die Parodontitis-Patienten zum Zeitpunkt der MRT-Untersuchung jünger als 60 Jahre waren und die Beobachtungszeit zwischen der zahnärztlichen Behandlung und der MRT-Untersuchung bei den Patienten im Durchschnitt bei 7,3 Jahren lag“, betonten die Co-Autoren Prof. Thomas Kocher, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie, Endodontologie, Kinderzahnheilkunde und Präventive Zahnheilkunde und Prof. Hans J. Grabe, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Greifswald.


„Unser Ansatz liegt klar in der Prävention und rechtzeitigen Behandlung der Zahnfleischerkrankung, die durch eine Vielzahl von Keimen ausgelöst werden kann, um derartige mögliche Folgeschäden im Vornherein zu verhindern“, so Kocher.


Im Gegensatz dazu setzt eine seit Frühjahr 2019 in den USA (https://clinicaltrials.gov/ct2/show/study/NCT03823404) laufende Studie auf die Erprobung von Medikamenten. Diese sollen bei bereits mit Alzheimer erkrankten, über 55-jährigen Probanden einen Behandlungseffekt erzielen, indem die schädlichen Auswirkungen des parodontalen Leitkeims (P. gingivalis) im Gehirn bekämpft werden.
„Wir werden auch künftig in diesem Bereich auf Beobachtungsstudien, die eine kontrollierte klinische Studie simulieren, setzen müssen“, sagte Dr. Christian Schwahn. „Eine klinische Studie mit einer Placebo-Behandlung in einer Patientengruppe, also mit absichtlich zahnärztlich unbehandelten Patienten, ist aus ethischen und medizinischen Gründen nicht durchführbar.“

Hintergrund Parodontitis


  • Parodontitis, die Entzündung des Zahnhalteapparates, zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. 

Auch in Deutschland leiden etwa 11,5 Millionen Menschen an einer schweren Form dieser Volkskrankheit. 

  • Die Parodontitis ist nach der Karies somit die zweithäufigste Erkrankung der Mundhöhle.
  • Parodontitis kann unbehandelt zu Zahnverlust führen sowie Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit und das allgemeine Wohlbefinden haben. 

Wie bei einem Eisberg verläuft die Erkrankung unterhalb der sichtbaren Oberfläche. 

Und da sie meist auch nicht schmerzt, wird sie häufig erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium erkannt. 

Es ist also wichtig, Warnsignale für eine mögliche Parodontitis zu kennen und bei ersten Anzeichen den Zahnarzt aufzusuchen. 

Denn durch frühzeitiges Erkennen und eine systematische Behandlung kann der Krankheitsprozess zum Stillstand gebracht werden. 

Ästhetische oder auch funktionelle Veränderungen lassen sich dadurch weitgehend begrenzen und der Zustand des Zahnhalteapparates deutlich verbessern.

*Originalpublikation
Alzheimers Dement. 2021 May 29.
Effect of periodontal treatment on preclinical Alzheimer’s disease—Results of a trial emulation approach
DOI: 10.1002/alz.12378
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34050719/

Die beste Vorbeugung von Zahnfleischschwund und möglichen Gefahren einer Alzheimererkrankung durch Paradontitis ist der regelmäßige Kontrollbesuch bei seiner Zahnärztin oder seinem Zahnarzt – hier Oberarzt Dr. Lukasz Jablonowski in der Greifswalder Zahnklinik.

Die Kontrolle der Zahnfleischtaschen (bis 3 mm gesund) mit einer speziellen parodontalen Sonde. Diese Kontrolle kann bei gesetzlich versicherten Patienten alle zwei Jahre vorgenommen werden.

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Prof. Dr. Hans J. Grabe (Schwerpunkt Alzheimer), Tel. 03834 86 6915, 03834 86 5080
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Originalpublikation:

Alzheimers Dement. 2021 May 29.
Effect of periodontal treatment on preclinical Alzheimer’s disease—Results of a trial emulation approach
DOI: 10.1002/alz.12378
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34050719/


PD Dr. Gerd Wagner : Besseres Verständnis suizidalen Verhaltens - CAVE: Tühringen - höchste Suizidrate in Deutschland

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Warum wollen Menschen sich selbst töten?

  • Ein Projektteam an Universitätsklinikum Jena und Sainte-Anne Hospital in Paris untersucht die neuronalen und kognitiven Veränderungen bei Menschen, die einen Suizidversuch unternommen haben. 

Dabei sollen Methoden der kognitiven Neurowissenschaften, die Analyse genetischer Faktoren und KI-basierte Methoden zur Datenmodellierung eingesetzt werden. 

Die Studie zielt auf ein besseres Verständnis suizidalen Verhaltens und wird von der American Foundation for Suicide Prevention gefördert. 

PD Dr. Gerd Wagner (Universitätsklinikum Jena, li.) und Prof. Fabrice Jollant (Université de Paris, re.) untersuchen die neuronalen und kognitiven Veränderungen bei Menschen, die einen Suizidversuch unternommen haben.
PD Dr. Gerd Wagner (Universitätsklinikum Jena, li.) und Prof. Fabrice Jollant (Université de Paris, re.) untersuchen die neuronalen und kognitiven Veränderungen bei Menschen, die einen Suizidversuch unternommen haben. Heiko Hellmann Universitätsklinikum Jena

  • Jedes Jahr begehen in Deutschland ungefähr 10.000 Menschen Suizid; Thüringen ist dabei das Bundesland mit einer der höchsten Suizidraten.  
  • Damit sterben in Deutschland mehr Menschen durch Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen zusammen. 
  • Die Zahl der Suizidversuche liegt um ein Vielfaches höher. 

Psychiatrische, psychotherapeutische und psychosoziale Netzwerke entwickeln spezielle Präventionsangebote und versuchen, enge Bezugspersonen suizidgefährdeter Menschen zu sensibilisieren. 

Jedoch bleiben Suizid und Suizidversuche als denkbar größte seelische Notfälle bislang wenig verstandene Handlungen und die Möglichkeiten einer Vorhersage unbefriedigend.

Psychologen und Psychiaterinnen des Universitätsklinikums Jena und des Sainte-Anne Hospitals in Paris wollen neue Untersuchungsinstrumente einsetzen und Erklärungsmodelle entwickeln, um dieses komplexe und multifaktoriell bedingte Verhalten besser zu verstehen. 

Das jetzt startende Kooperationsprojekt wurde von der American Foundation for Suicide Prevention für die Förderung ausgewählt und wird mit 300.000 US-Dollar unterstützt. 

Wir wollen untersuchen, welche kognitiven bzw. neuronalen Prozesse bei Patientinnen und Patienten mit einem Suizidversuch verändert sind, insbesondere, wenn dafür ‚harte᾽, also nichtmedikamentöse Suizidmethoden gewählt wurden“, so Projektleiter PD Dr. Gerd Wagner von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena. 

„Uns interessiert vor allem, welche Strukturen im Gehirn für die veränderten Entscheidungsprozesse verantwortlich sind und wie diese mit spezifischen genetischen Ausprägungen zusammenhängen.“

Ursachen des suizidalen Verhaltens besser verstehen

  • Menschen, die „harte“ Suizidmethoden wählen, haben ein viel höheres Risiko für den zukünftigen Suizid. 

Bestimmte kognitive Prozesse, wie riskantere Entscheidungen und eine eingeschränkte Kontrolle des Verhaltens, können zu einem erhöhten Suizidrisiko beitragen. 

Mithilfe funktioneller Magnetresonanzbildgebung und neuropsychologischer Testungen wollen die Wissenschaftler diese neurokognitiven Funktionen, insbesondere das Entscheidungsverhalten, und die damit assoziierten Hirnfunktionen bzw. Hirnstrukturen untersuchen. 

Dabei werden für die Datenmodellierung Methoden des maschinellen Lernens zum Einsatz kommen.

Das Projektteam analysiert auch, ob beim suizidalen Verhalten spezifische genetische Faktoren mit veränderten Entscheidungsprozessen, sowie mit veränderter Gehirnstruktur und Funktion assoziiert sind. 

Hierzu werden anhand von Blut bestimmte Varianten des genetischen Codes erfasst und mit den neurokognitiven Daten sowie neuronalen Parametern verglichen.

Bestandteil des Projektes sind auch Gastaufenthalte am jeweiligen Partnerstandort. Im Rahmen dessen arbeitet der renommierte Suizid-Forscher Prof. Fabrice Jollant von der Université Paris Descartes seit April als Gastwissenschaftler in Jena. Gerd Wagner: „Wir freuen uns, in dieser anspruchsvollen Studie mit den französischen Kollegen zusammenarbeiten zu können. Das Projekt soll uns helfen, die komplexen und multifaktoriellen Ursachen des suizidalen Verhaltens besser zu verstehen und spezifische Parameter für eine verbesserte Vorhersage von Suizidversuchen zu identifizieren. Unsere Kooperation soll auch Weichen für eine größere internationale wissenschaftliche Strategie stellen, um die Neurobiologie des suizidalen Verhaltens besser zu verstehen und damit auch besser zu behandeln. Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Suizidprävention.“

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Priv.-Doz. Dr. Gerd Wagner
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Jena
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Dr. Uta von der Gönna Universitätsklinikum Jena

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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://afsp.org/ American Foundation for Suicide Prevention


https://afsp.org/grant/the-choice-of-a-violent-suicidal-means-a-mri-study-with-c... Project homepage


http://www.nest-thueringen.de Netzwerk für Suizidprävention in Thüringen


Prof. Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke: Erkrankung des Herzmuskel (die Kardiomyopathien + Stresshormon Adrenalin )

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzkrankheiten im Blick

Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke hat an der Universität Würzburg eine Professur für molekulare Pharmakologie übernommen. 

  • Sie ist Expertin für Erkrankungen des Herzmuskels, die Kardiomyopathien. 

Katrin Streckfuß-Bömeke
Katrin Streckfuß-Bömeke privat

Wie und wo wirken Herzmedikamente? 

Wie werden sie in den Körper aufgenommen, verteilt und verstoffwechselt? 

Wann wirken sie toxisch? 

Diese und ähnliche Fragen werden bei den Vorlesungen der neuen Professorin Katrin Streckfuß-Bömeke zur allgemeinen Pharmakologie der Herzkrankheiten im Mittelpunkt stehen.

Dazu kommen Lehrveranstaltungen zu ihren Spezialgebieten: zur translationalen Stammzellforschung und zu den molekularen Ursachen von Herzkrankheiten. Die Ergebnisse dieser Forschungen kommen direkt den Patientinnen und Patienten zu Gute. Interessierten Studierenden steht ihr Labor für Praktika und Doktorarbeiten offen.

Hautzellen werden zu Stamm- und dann zu Herzmuskelzellen

Ein Schwerpunkt von Katrin Streckfuß-Bömeke liegt auf sogenannten Kardiomyopathien

  • Das ist eine Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen, bei denen die Struktur des Herzmuskelgewebes defekt ist. Oft kommt es zu einer Erweiterung oder zu einer Verdickung einer Herzkammer. Die Pumpkraft des Herzens ist dadurch eingeschränkt, die Betroffenen sind nicht mehr so leistungsfähig und haben typische Beschwerden einer Herzschwäche. An Kardiomyopathien erkranken Menschen jedes Alters, und häufig liegen genetische Ursachen vor.


Um diese genetischen Ursachen der Kardiomyopathien zu klären, setzt die Biologin auf Stammzellen: Sie verwendet Blut- oder Hautzellen, die Patienten entnommen wurden, und programmiert sie zu pluripotenten Stammzellen um. Bei diesem Verfahren werden die Zellen in ein sehr frühes Stadium ihrer Entwicklung zurückversetzt. Sie lassen sich dann so steuern, dass sie sich zu verschiedenen Zelltypen des Körpers weiterentwickeln können.

Solche Stammzellen werden im Labor der Professorin zu Herzmuskel-, Blutgefäß-, und Bindegewebszellen, aber auch zu Neuronen umgewandelt, die genau dieselbe genetische Ausstattung und damit auch genau dieselben Mutationen haben wie die Patienten.

Die Zellen lassen sich dann zu kleinen Geweben vereinigen oder zu organähnlichen Strukturen, sogenannten Organoiden, die über Wochen intakt bleiben. An ihnen lässt sich studieren, welche Ursachen für die Krankheit verantwortlich sind.

Verbesserung der individuellen Therapie

Bei ihrer Forschung hat Katrin Streckfuß-Bömeke immer die Patientinnen und Patienten im Blick. Ihr Team untersucht darum an den Geweben und Organoiden unter anderem, welche Medikamente im Einzelfall die besten Effekte bringen.

  • Wenn sie beispielsweise im Labor erkennt, dass sich die kardiomyopathischen Herzmuskelzellen durch Kalziumkanal-Hemmstoffe besser regulieren lassen als durch Betablocker, wie sie eigentlich in der Klinik verwendet werden, könnten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die Medikation umstellen.


Die Biologin erforscht auch, ob man die genetischen Defekte der Kardiomyopathie mit der Genschere CRISPR/Cas beseitigen kann. Bislang lassen sich nur die Symptome der Krankheit behandeln. Langfristiges Ziel dieser Arbeiten ist es, den Betroffenen eine echte Chance auf Heilung zu eröffnen.

Ursache für das Broken-Heart-Syndrom gefunden

Neue Erkenntnisse hat die Professorin an ihrem früheren Standort in Göttingen (Niedersachsen) unter anderem über die Takotsubo-Kardiomyopathie gewonnen, die auch als Broken-Heart-Syndrom bekannt ist. Der Hintergrund: Starke emotionale oder körperliche Belastungen können das Herz tatsächlich „brechen“. Es kontrahieren dann nur noch bestimmte Areale des Herzmuskels, die anderen bleiben bewegungslos.

„Wir haben herausgefunden, dass die Herzmuskelzellen von Betroffenen viel empfindlicher auf Adrenalin reagieren“, erklärt Streckfuß-Bömeke.  

Außerdem funktioniere die Desensibilisierung nicht mehr – dieser Selbstschutz-Mechanismus mache die Herzmuskelzellen im Normalfall unempfindlich gegen Adrenalin, wenn dieses Stresshormon längere Zeit in hohen Mengen auf sie einwirke.

Für diese Arbeiten wurde die Wissenschaftlerin mit dem Franz-Maximilian-Groedel-Preis 2018 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ausgezeichnet. Zum Broken-Heart-Syndrom gebe es aber weiterhin Forschungsbedarf, sagt die Neu-Würzburgerin: „Ich bin sicher, dass bei jedem einzelnen Patienten eine andere Ursache vorliegt.“

Werdegang der neuen Professorin

Katrin Streckfuß-Bömeke, Jahrgang 1976, hat Biologie an der Universität Göttingen studiert. An der dortigen Universitätsmedizin absolvierte sie auch ihre weitere akademische Laufbahn. Die Promotion schloss sie 2006 ab. Die Habilitation in Molekularer Medizin folgte 2018. Dafür erhielt sie den Habilitationspreis der Universitätsmedizin Göttingen.

In Göttingen leitete die Biologin ab 2013 eine eigene Arbeitsgruppe für translationale Stammzellforschung am Institut für Kardiologie und Pneumologie. Dem Ruf auf die Professur für molekulare Pharmakologie an der Universität Würzburg folgte sie zum 1. April 2021.

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Prof. Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke

Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universität Würzburg

T: +49 931 31-84618

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97070 Würzburg
Deutschland
Bayern 

Robert Emmerich
Telefon: 0931/31-82750
Fax: 0931/31-2610
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PD Dr. Matthias Matter: Wie das Coronavirus die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse befällt und zerstört (Neuropilin 1 - NRP1 und ACE2)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Covid-19 kann Diabetes auslösen

Einige Covid-19-Betroffene entwickeln im Zuge der Infektion einen Diabetes. 

Eine internationale Studie mit Beteiligung der Universität Basel hat entschlüsselt, wie das Coronavirus die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse befällt und zerstört. 

Dabei identifizierten die Forschenden auch eine Möglichkeit, diese Zellen zu schützen.

  • Diabetes gilt als Risikofaktor für einen schweren Verlauf einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. 
  • Dass auch umgekehrt eine schwere Covid-19-Erkrankung zu einem Diabetes führen kann, ist weniger bekannt. 
  • Verschiedene Studien haben jedoch gezeigt, dass im Schnitt um die 15 Prozent der hospitalisierten Covid-19-Patientinnen und -Patienten einen neu diagnostizierten Diabetes erleiden.


Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Stanford University School of Medicine, an der auch Forschende der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel beteiligt waren, konnte nun zeigen, dass das Coronavirus tatsächlich die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse infizieren kann.  

Davon berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachjournal «Cell Metabolism». Beta-Zellen produzieren das Hormon Insulin, das Gewebezellen dazu anregt, Zucker aus dem Blut aufzunehmen – und dadurch den Blutzucker zu senken.

Alternative Eintrittspforte

  • Anders als im Lungengewebe, wo das Coronavirus vor allem ein Protein namens ACE2 als Eintrittspforte in die Zellen benutzt, besitzen die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse nur geringe Mengen ACE2. 

Daher war bisher unklar, ob und wie das Virus in diese Zellen eindringt. 

Um diese Frage zu beantworten, analysierten die Forschenden Gewebeproben sieben verstorbener Covid-19-Patientinnen und -Patienten aus Basel.

Die Analyse zeigte, dass sich in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse der Verstorbenen SARS-CoV-2 nachweisen liess. 

  • Zudem enthielten diese Zellen grosse Mengen eines Proteins, welches das Virus alternativ zu ACE2 als Eintrittspforte nutzen kann: Neuropilin 1 (NRP1). 
  • Laborversuche mit kultivierten Beta-Zellen zeigten zudem, dass infizierte Zellen weniger Insulin produzierten und Zeichen des Absterbens aufwiesen. 

Wenn die Forschenden zudem Neuropilin 1 mit einem Hemmstoff blockierten, gelang es dem Virus viel schlechter, in die Zellen einzudringen.

Möglicher Schutz


Dass sich die Infektion der Beta-Zellen zumindest im Laborversuch so reduzieren liess, zeigt, dass man diese Zellen womöglich auch bei Patientinnen und Patienten mit schwerem Covid-19-Verlauf schützen könnte.

«Ob sich der Zuckerstoffwechsel nach einer überstandenen Infektion bei allen Covid-19-Patientinnen und -Patienten wieder normalisiert und ob und wie häufig ein bleibender Diabetes entstehen kann, lässt sich nach derzeitiger Studienlage nicht mit Sicherheit sagen», erklärt Pathologe PD Dr. Matthias Matter von der Universität Basel und vom Universitätsspital Basel, Leiter der Anteile der Studie, die in Basel durchgeführt wurden. 

Es gebe Hinweise, dass bei Betroffenen mit Long-Covid, also anhaltenden Beschwerden nach der Infektion, auch mehrere Wochen bis Monate danach noch ein Diabetes feststellbar sei. 

Eine Möglichkeit zu entwickeln, bleibende Schäden der Bauchspeicheldrüse zu verhindern, sei daher sinnvoll.

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PD Dr. Matthias Matter, Universität Basel, Institut für Pathologie, Universitätsspital Basel, Tel. 061 328 64 71, E-Mail: matthias.matter@usb.ch


Originalpublikation:

Chien Ting-Wu et al.
SARS-CoV-2 infects human pancreatic β-cells and elicits β-cell impairment
Cell Metabolism (2021), doi: 10.1016/j.cmet.2021.05.013

Petersgraben 35, Postfach
4001 Basel
Schweiz
Basel-Stadt

Reto Caluori
Telefon: +41 61 207 24 95
Fax: +41 61 207 30 13
E-Mail-Adresse: reto.caluori@unibas.ch

Dr. Angelika Jacobs
Telefon: +41 61 207 63 04
E-Mail-Adresse: angelika.jacobs@unibas.ch
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://brc.ch/research/sars-cov-2-interactions-with-human-tissues/

 
https://www.unibas.ch/de/Aktuell/Coronavirus/Covid-19-Forschungsprojekte.html


Prof. Dr. med. Lorenz Hofbauer: Patienten mit Post-Covid-Sydrom in der Fach- und Rehaklinik

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Fachkliniken für Geriatrie Radeburg und Uniklinikum Dresden bieten Post-Covid-Versorgung für ältere Menschen an

Gemeinsam aus der Corona-Krise durch integrierte Versorgung: 

  • Grundlage ist eine patientenorientierte und klinikübergreifende Behandlung altersmedizinischer Patientinnen und Patienten mit Post-Covid-Syndrom. 

Im Anschluss an die Akutbehandlung einer Covid-Erkrankung im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden bieten die Fachkliniken Radeburg als Zentrum für Altersmedizin des Freistaats Sachsen ab sofort für ältere Menschen gemeinsam mit dem Dresdner Uniklinikum abgestimmte individuelle Versorgungsangebote. 

Diese decken das komplette Behandlungsspektrum von der stationären Akutgeriatrie über Rehabilitationsmaßnahmen bis zur Tagesklinik ab. 

Prof. Lorenz Hofbauer verantwortet das Post-Covid-Behandlungsangebot für ältere Menschen
Prof. Lorenz Hofbauer verantwortet das Post-Covid-Behandlungsangebot für ältere Menschen Universitätsklinikum Dresden Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

„Gerade die tagesklinische Versorgung ist ein Novum, denn hier können die älteren Menschen werktags die Vorzüge eines hoch-qualifizierten Therapieteams mit dem Schlafen in den eigenen vier Wänden verbinden“, sagt Prof. Lorenz Hofbauer, Ärztlicher Direktor der Fachkliniken Radeburg und Direktor des Interdisziplinären Zentrums für Gesundes Altern am Universitätsklinikum Dresden.

„Die Corona-Pandemie führte in der zweiten und dritten Welle wiederkehrend zur Auslastung der Kapazitäten in den Akut-Krankenhäusern. 

Der hohe Anteil älterer Patientinnen und Patienten mit Post-Covid-Syndrom verlagert diesen Behandlungsbedarf nun in die Fach- und Rehakliniken. 

Genau daher haben wir in dieser im Freistaat bisher einmaligen Kooperation die Kräfte gebündelt. 

Aktuell sehen wir bereits eine stark wachsende Nachfrage von Seiten der Betroffenen und ihrer Familien, denen wir mit unserem Therapiespektrum gerecht werden wollen.“, so Prof. Hofbauer weiter.

Der besondere Behandlungsbedarf älterer Menschen nimmt einen besonders hohen Stellenwert in der Versorgung von Patientinnen und Patienten ein, die unter den Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion leiden (Post-Covid-Syndrom). 

  • Der Anteil älterer PatientInnen die aufgrund einer Sars-CoV-2-Infektion stationär behandelt werden mussten, ist überdurchschnittlich hoch. 
  • 72 Prozent der Erkrankten sind über 60 Jahre und 32 Prozent sind sogar über 80 Jahre alt.


Von den im Krankenhaus behandelten Betroffenen leiden rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten unter dem Post-Covid-Syndrom. 

Sie benötigen eine spezielle Nachsorgebetreuung, engmaschige Untersuchungen und spezialisierte Therapien. 

  • Dazu zählen vielfältige Spätfolgen unter  anderem 
  • kognitive Langzeitfolgen, 
  • neurologische Schäden, 
  • Schädigungen des Herz- und Kreislaufsystems
  • Veränderungen der Lungen,
  • Muskelschwäche, 
  • erhöhte Sturzgefahr..


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Prof. Dr. Sonja Utz: Heute Abend EM - parasozialen Beziehung zwischen Fans und Fußballspielern im LGBTQI- Fussball-Spiel-Stadion

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Im Falle eines frühen EM-Aus: Studie zeigt, worauf Mannschaft und Spieler auf Social Media achten sollten

Droht der Fußballnation Deutschland nach 2018 bei dieser Europameisterschaft die nächste große Enttäuschung? 

Für den Fall der Fälle gilt: 

  • Schlechte Nachrichten in den Sozialen Medien werden von den Fans positiver gewertet, wenn sie von den Spielern selbst kommen. 

Das fanden Forschende des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) und der Universität Tübingen heraus. 

Schlechte Nachrichten in den Sozialen Medien werden von den Fans positiver gewertet, wenn sie von den Spielern selbst kommen.
Schlechte Nachrichten in den Sozialen Medien werden von den Fans positiver gewertet, wenn sie von den Spielern selbst kommen. iStock by Getty Images 

Der EM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft lief alles andere als rund. 

Der Fußballnation Deutschland droht nach dem frühen Aus bei der Weltmeisterschaft 2018 die nächste große Enttäuschung bei einem internationalen Turnier. Millionen Fans verfolgen dabei gespannt die Social-Media-Aktivitäten der Spieler und des Deutschen Fußball-Bunds (DFB). 

„Hiobsbotschaften können hier in Windeseile Shitstorms auslösen“, sagt Prof. Dr. Sonja Utz, die am IWM zu Sozialen Medien forscht. 

Damit das nicht passiert, ist vor allem entscheidend, wer die schlechte Nachricht überbringt.

Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Tübingen untersuchte sie nach dem WM-Aus 2018, wie Fans auf Facebook-Einträge der DFB-Elf sowie der einzelnen Spieler Manuel Neuer und Thomas Müller reagierten. 

„Obwohl Neuer und der DFB am Tag nach der Niederlage eine identische Stellungnahme posteten, erhielt der Kapitän dafür deutlich weniger negative Emojis als die DFB-Mannschaft. 

Thomas Müller, der erst fünf Tage später einen Beitrag auf Facebook veröffentlichte, erhielt zwar mehr negative Reaktionen als Neuer aber weniger als der DFB“, so die Leiterin der Studie Prof. Dr. Sonja Utz.

Dass Spieler nach der Niederlage positiver von den Fans bewertet wurden als die Mannschaft, zeigte sich auch in zusätzlich erhobenen Fragebogendaten und lässt sich unter anderem mit der sogenannten parasozialen Beziehung zwischen Fans und Fußballspielern erklären. 

Damit wird die Beziehung bezeichnet, die Menschen zu medialen Persönlichkeiten aufbauen, also etwa Fans zu ihren Fußballidolen. 

„Regelmäßiges Lesen von Social-Media-Posts verstärkt diese Beziehung“, erklärt die IWM-Wissenschaftlerin.

Je enger also die Fan-Spieler-Beziehung in guten Zeiten, desto milder fällt die Reaktion der Fans nach einem verlorenen Spiel aus. 

Eine Erkenntnis, die auch für Sponsoren relevant sein kann. 

Dennoch: 

  • Egal, wie gut die Krisenkommunikation ist, ein gewonnenes Spiel ist immer die bessere Option.
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Originalpublikation:

https://journals.humankinetics.com/view/journals/jsm/35/1/article-p44.xml