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Prof. Dr. Gerald Schwank: Vererbte Stoffwechselkrankheiten - Low-Density-Lipoproteins (LDL) + das Enzym PCSK9

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Cholesterinwerte mithilfe von Gen-Editierung stabil gesenkt

Eine neue Methode der Gen-Editierung kann einzelne Bausteine einer DNA-Sequenz sehr präzise verändern. 

Mit einer solchen Punktmutation gelang es einem internationalen Forschungsteam unter Leitung der Universität Zürich, hohe Cholesterinwerte im Blut von zwei Tiermodellen dauerhaft zu senken. 

Dies eröffnet die Möglichkeit, Patienten mit vererbten Stoffwechselkrankheiten künftig zu heilen.

  • Lipoproteine sind komplexe Partikel, die Fettmoleküle über die Blutbahnen zu allen Geweben des Körpers transportieren und die Zellen mit Energie versorgen. 
  • Das Low-Density-Lipoproteins (LDL) kann pro Partikel so beispielsweise Tausende Fettmoleküle wie Cholesterin transportieren. 
  • Ist der LDL-Wert im Blut hoch, besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 
  • LDL kann Cholesterin auch in kleinere Gefässe transportieren und damit weiter entfernte Gewebe versorgen. 
  • Dabei können die Arterien langsam verstopfen, was zu Atherosklerose führt.


Eingeschleuste Genmutation blockiert Enzym

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Zürich (UZH) konnte nun aufzeigen, dass hohe LDL-Cholesterinwerte mit einer neuartigen präzisen Methode der Gen-Editierung dauerhaft gesenkt werden können.  

Das Team schleuste eine einzelne Punktmutation in das Gen ein, welches das Enzym PCSK9 kodiert.  

Dieses Protein ist an der Aufnahme von Cholesterin aus dem Blut in die Zellen beteiligt. 

«Die genetische Veränderung, die wir in Mäusen und Makaken herbeiführten, blockierte PCSK9 erfolgreich und führte zu einer signifikanten Senkung der LDL-Cholesterin-Konzentration im Blut. 

  • Damit eröffnet sich eine neue Therapieperspektive für Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie, einer vererbten Form von hohen Cholesterinwerten», sagt Studienleiter Gerald Schwank, Professor am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der UZH.


RNA-Technologie des COVID-19-Impfstoffes adaptiert

Die in der Studie verwendete Technologie der Gen-Editierung basiert auf sogenannten Basen-Editoren. Diese Proteine können im DNA-Molekül eine Base in eine andere umwandeln – also einen einzelnen «Buchstaben» eines genetischen «Textes» auswechseln. Ein Adenin (A) wird so zum Beispiel zu einem Guanin (G). Der Vorteil: Die Basen-Editierung funktioniert viel präziser als die bisherigen CRISPR-Cas-Nukleasen, die wie eine molekulare Schere funktionieren. Um den Basen-Editor-Werkzeug kontrolliert in die Leber zu platzieren, adaptierten die Forschenden die RNA-Technologie, die in COVID-19-Impfstoffen verwendet wird. Anstatt jedoch eine RNA, die für das Spike-Protein von SARS-CoV2 kodiert, in Lipid-Nanopartikel einzuhüllen, taten sie dies mit einer RNA, die für den Adenin-Basen-Editoren kodiert.

Präzise, effizient und sicher

Die Verbindungen aus RNA und Lipid-Nanopartikeln wurden den Tieren intravenös verabreicht, was zur Aufnahme und einer vorübergehenden Produktion des Basen-Editor-Werkzeugs in der Leber führte. «Bei den Mäusen konnten bis zu zwei Drittel der PCSK9-Gene verändert werden, bei den nicht-menschlichen Primaten rund ein Drittel. In beiden Fällen führte dies zu einer deutlichen Senkung des LDL-Cholesterinspiegels», sagt Schwank. Dabei wurde sorgfältig untersucht, ob auch an anderen, unerwünschten Stellen Veränderungen auftraten. Die Forschenden fanden jedoch keinerlei Hinweise darauf.

RNA-basierte Therapien für metabolische Lebererkrankungen

«Unsere Studie zeigt, dass es möglich ist, sehr effizient und genau veränderte Basen in der Leber von nicht-menschlichen Primaten einzubauen. 

  • Etwa 30 Prozent aller erblichen, krankmachenden Mutationen werden von einzelnen fehlgeleiteten Basen verursacht, die sich im Prinzip mit Basen-Editoren korrigieren lassen», erklärt Schwank. 

Dank des neuen Ansatzes könnten in Zukunft viele Patienten mit erblichen Stoffwechselerkrankungen wie erhöhtem Cholesterinspiegel, Störungen des Aminosäuren-Haushalts oder des Harnstoffzyklus behandelt werden. 

Im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten hat die Gen-Editierung den Vorteil, dass die herbeigeführten Veränderungen dauerhaft sind: 

Wird eine Mutation also in genügend vielen Zellen repariert, ist der Patient geheilt.

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Prof. Dr. Gerald Schwank
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 59 26
E-Mail: schwank@pharma.uzh.ch

Rita Ziegler
Telefon: 0041446344460
E-Mail-Adresse: rita.ziegler@kommunikation.uzh.ch


Originalpublikation:

Tanja Rothgangl, Melissa K. Dennis, Paulo J.C. Lin et al. In vivo adenine base editing of PCSK9 in macaques reduces LDL cholesterol levels. Nature Biotechnology. 19 May 2021. DOI: 10.1038/s41587-021-00933-4

 


Prof. Dr. Michael Muders: Behandlungsmethoden des knochenmetastasierten Prostatakarzinom (Vorsteherdrüse-Prostata)- Viel Neuropilin 2

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wenn der Krebs von der Prostata in die Knochen streut

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Prof. Dr. Michael Muders von der Universität Bonn zeigt, dass eine Blockade des Proteins Neuropilin 2 neue innovative Behandlungsmethoden des knochenmetastasierten Prostatakarzinoms ermöglichen könnte. 

Die Studie ist nun im Journal “Bone Research” der Nature Publishing Group veröffentlicht. 

Prostatakarzinomzellen - mit Nachweis des Neuropilin-2-Proteins in braun. Der Nachweis erfolgte über Immunhistochemie an Formalin fixierten und in Paraffin eingebetteten Gewebe.
Prostatakarzinomzellen - mit Nachweis des Neuropilin-2-Proteins in braun. Der Nachweis erfolgte über Immunhistochemie an Formalin fixierten und in Paraffin eingebetteten Gewebe. Muderslab © Muderslab 

  • Wenn der Prostatakrebs in den Knochen streut, führt das nicht selten zum Tod des Patienten. 
  • Leider wirken in diesem Stadium etablierte Therapieoptionen nicht mehr, deshalb suchen Forscher nach neuen Wirkstoffen. 

Ein internationales Forscherteam unter maßgeblicher Beteiligung von Prof. Dr. Michael Muders von der Universität Bonn zeigt, dass eine Blockade des Proteins Neuropilin 2 neue innovative Behandlungsmethoden des knochenmetastasierten Prostatakarzinoms ermöglichen könnte. 

Die Studie ist nun im Journal “Bone Research” der Nature Publishing Group veröffentlicht.

Wenn Krebs die Vorsteherdrüse (Prostata) befällt, kann er auch in die Knochen streuen. 

In Deutschland sterben etwa drei von 100 Männern daran. 

Prostatakrebs stellt damit die dritthäufigste Krebserkrankung nach Lungen- und Darmtumoren dar. 

Im fortgeschrittenen Stadium können Knochenschmerzen und spontane Knochenbrüche auftreten.

“Wenn das Prostatakarzinom bereits in das Skelett gestreut hat, sind die Heilungschancen sehr schlecht”, sagt Dr. Michael Muders, der die Stiftungsprofessur für translationale Prostatakarzinomforschung der Rudolf-Becker-Stiftung im Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Bonn (Direktor: Univ. Prof. Dr. Glen Kristiansen) innehat. Der Oberarzt sucht deshalb nach neuen Wegen, wie sich die Tumore hemmen lassen, um die Überlebenschancen der Patienten zu verbessern.

Zusammen mit Dr. Navatha Shree Polavaram und Prof. Dr. Kaustubh Datta vom University of Nebraska Medical Center (USA) sowie Wissenschaftlern der Mayo Clinic, Rochester (USA) und der Technischen Universität Dresden hat die Arbeitsgruppe um Prof. Muders die Rolle von Neuropilin 2 (NRP2) bei der Streuung der Prostatakarzinome untersucht.  

Dieses Protein befindet sich auf der Oberfläche von Krebs- und Knochenzellen (Osteoklasten). 

  • Letztere helfen bei der Regeneration des Skeletts mit, indem sie geschädigtes oder gealtertes Knochengewebe abbauen.


“Bei einer Vorstudie an der TU Dresden konnten wir zeigen, dass die Letalitätsraten der Patienten mit Prostatakarzinomen besonders hoch ist, wenn das Neuropilin 2 an den Zelloberflächen in größeren Mengen vorkommt”, berichtet Muders, der vor drei Jahren von der TU Dresden an das Universitätsklinikum Bonn kam.

Metastasen enthalten besonders viel Neuropilin 2

Metastasierte Prostatakarzinomzellen mit starker Expression des Neuropilin-2-Proteins (bräunliche Farbe). Das Gewebe wurde zunächst mit EDTA schonend entkalkt, um dann mit Hilfe von Neuropilin-2 spezifisch detektierenden Antikörpern gefärbt zu werden.

Metastasierte Prostatakarzinomzellen mit starker Expression des Neuropilin-2-Proteins (bräunliche Farbe). Das Gewebe wurde zunächst mit EDTA schonend entkalkt, um dann mit Hilfe von Neuropilin-2 spezifisch detektierenden Antikörpern gefärbt zu werden. Muderslab © Muderslab


Zusammen mit seinen Kollegen aus der Pathologie der Mayo Clinic begutachtete Prof. Muders Gewebe, das sowohl aus dem Krebs in der Prostata als auch aus den Knochenmetastasen stammte. 

“Dabei zeigte sich, dass insbesondere die Metastasen viel Neuropilin 2 enthielten”, schildert Prof. Muders seine Forschungsergebnisse. „Daneben konnten wir zeigen, dass auch spezialisierte Knochenzellen, die sogenannten Osteoklasten, viel Neuropilin 2 aufweisen“, sagt Prof. Datta, zusammen mit Muders Korrespondenzautor der Studie. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass NRP2 bei der Absiedlung der Prostatakarzinome in das Skelett eine wichtige Rolle spielt.

Die Forscher prüften diese Hypothese an Mäusen, die ebenfalls an Prostatakarzinomen litten. Wurde das Gen für NRP2 in den Tieren in den Knochenzellen oder Krebszellen stumm geschaltet, kamen weniger Metastasen vor. “Wir konnten nachweisen, dass das NRP2 nicht nur in den Krebszellen, sondern auch in den abbauenden Knochenzellen eine wichtige Rolle spielt”, sagt Muders.  

  • Unter anderem scheint das Neuropilin 2 den Kalzium-Haushalt und gleichzeitig auch die Ausdifferenzierung der Knochenzellen zu beeinflussen.


Prof. Muders war mehrere Wochen an der Mayo Clinic in den USA, um dort zusammen mit dem Pathologen Raffael Jimenez Tumorgewebe von Prostatapatienten und die Signalkaskade zwischen Krebs- und Knochenzellen zu entschlüsseln.

“Wir sind dabei, Wirkstoffe zu suchen, die das Neuropilin 2 hemmen”, sagt Muders. Ein Ansatz sind sogenannte Nanopartikel, die zusammen mit Prof. Achim Aigner von der Universität Leipzig entwickelt werden. Auch prüfen die Wissenschaftler in enger transatlantischer Kooperation, ob es bereits Medikamente auf dem Markt gibt, die das Neuropilin blockieren können.

Finanzierung und beteiligte Institutionen:

An der Studie sind das University of Nebraska Medical Center, Omaha (USA), das Universitätsklinikum und die TU Dresden, die Mayo Clinic, Rochester (USA), die School of Medicine, Salt Lake City (USA), und die Universität Bonn beteiligt. Gefördert wurde die Arbeit unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Rudolf-Becker-Stiftung und die Medizinische Fakultät der Universität Bonn (BonFor).

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Prof. Dr. Michael Muders
Stiftungsprofessur für translationale Prostatakarzinomforschung
und Oberarzt
Institut für Pathologie
Universitätsklinikum Bonn
Tel. +49 228 28719397
E-Mail: michael.muders@ukbonn.de


Originalpublikation:

Navatha Shree Polavaram, Samikshan Dutta, Ridwan Islam, Arup K. Bag, Sohini Roy, David Poitz, Jeffrey Karnes, Lorenz C. Hofbauer, Manish Kohli, Brian A. Costello, Raffael Jimenez, Surinder K. Batra, Benjamin A. Teply, Michael H. Muders, Kaustubh Datta: Tumor- and osteoclast-derived NRP2 in prostate cancer bone metastases. Bone Research, DOI: 10.1038/s41413-021-00136-2


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.nature.com/articles/s41413-021-00136-2 Originalpublikation in Bone Research

Prof. Dr. med. Georgios Mantokoudis: Schwindel als Hauptsymptom für Hirnschlag (gutartiger Schwindel vs. in Folge eines Hirnschlags): HINTS-Test

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Notfallmedizin: Hirnschlag bei Schwindelpatienten zuverlässig bestimmen

Die schnelle und korrekte Diagnose eines Hirnschlags als Ursache für akuten Schwindel in der Notfallaufnahme ist von höchster Priorität. 

Einem Forschungsteam des Inselspitals, Universitätsspital Bern und der Universität Bern ist es gelungen, einen zuverlässigen Indikator im Zusammenhang mit den spontan auftretenden Augenbewegungen (Nystagmus) zu ermitteln und zu testen. 

  • Nach einem Schlaganfall kann mit einer Videobrille die unvollständige Unterdrückung des Nystagmus bei Licht nachgewiesen werden. 

Vorrichtung bei der Entwicklung des neuen Tests: Eine Videobrille, ein umgebauter Papierkorb und ein Tablet reichen technologisch vollständig aus. Vorrichtung bei der Entwicklung des neuen Tests: Eine Videobrille, ein umgebauter Papierkorb und ein Tablet reichen technologisch vollständig aus.G. Pauciello Insel Gruppe

Etwa 30 Prozent aller Erwachsenen sind einmal in ihrem Leben von Schwindel betroffen. 

Am Inselspital werden pro Jahr 2500 Personen mit Schwindel im Notfallzentrum empfangen. Das entspricht etwa jeder zehnten Einlieferung. 4 Prozent davon, also etwa 100 Patientinnen und Patienten, hatten einen Schlaganfall.  

Die korrekte Triage stellt sehr hohe Anforderungen. 

  • Es wird geschätzt, dass bei Triagen in Notfallstationen etwa 35 Prozent aller Hirnschläge mit Schwindel als Hauptsymptom unerkannt bleiben. 
  • Das hat auch damit zu tun, dass die Bildgebung mittels MRI in den besonders kritischen 24 Stunden der Anfangsphase unzuverlässig ist. 

Übersehene und verpasste Schlaganfälle haben in vielen Fällen bleibende neurologische Schäden zur Folge. 

Das kann ein lebensgefährdendes Ereignis in einer das Hirn versorgenden Blutbahn sein oder dramatische Erkrankungen, wie ein Wallenberg-Syndrom oder ein Locked-in-Syndrom, das mit dem Ausfall praktisch der gesamten Bewegungssteuerung einhergeht. 

  • Der korrekten, frühzeitigen Diagnose des Schlaganfalls im Hirnstamm bzw. im Kleinhirn als Ursache für einen akuten Schwindel kommt deshalb hohe Priorität zu.


Studienaufbau: Untersuchung der Nystagmus-Unterdrückung mit Videobrille und Tablet
 

Sowohl bei einem «gutartigen» Schwindel infolge einer Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr bei einer vestibulären Neuritis als auch bei einem Schwindelanfall in der Folge eines Hirnschlags im Kleinhirn oder im Hirnstamm treten im Dunkeln spontane, unkontrollierte Augenbewegungen (Nystagmus) auf. 

Die Lehrmeinung war bisher, dass sich ein Nystagmus bei einer gutartigen Ursache des Schwindels bei Licht unterdrücken lasse, der Blick also fixiert würde. Dagegen würde sich ein Nystagmus, der auf einen Schlaganfall zurückgeht, bei Licht nicht unterdrücken lassen, die Augenbewegung würde sich unkontrolliert fortsetzen. 


Das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Georgios Mantokoudis der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten (HNO) benutzte ein Gerät bestehend aus einer Videobrille und einem Tablet, das die genaue Bestimmung der Intensität der Augenbewegung in der Zeitachse nach einem Lichtwechsel erlaubte (Abbildung in der Beilage). Diese Vorrichtung löst die Intensität der Bewegung und den zeitlichen Verlauf der Fixierung der Augen genauer auf, als dies die Beobachtung von blossem Auge vermag.

Je nach Ursache unterschiedliche Unterdrückung des Nystagmus
Mit der Apparatur in der Versuchsanordnung konnte gezeigt werden, dass bei allen Patientinnen und Patienten die spontanen Augenbewegungen bei Licht noch sichtbar waren, sich jedoch im Vergleich zum Test im Dunkeln reduzierten. Es gab einen klaren Unterschied in der Stärke der Unterdrückung des Nystagmus:  

  • Hirnschlagpatientinnen und Hirnschlagpatienten verringerten die Augenbewegungen nach dem Übergang ins Licht weniger. 
  • Patientinnen und Patienten mit einer «gutartigen» Ursache des Schwindels konnten dagegen den Nystagmus beim Wechsel ins Licht vollständiger unterdrücken (supprimieren).  

Als bestes Unterscheidungsmerkmal konnte die Verringerung um weniger als zwei Winkelgrade pro Sekunde bei Hirnschlag bestimmt werden. Die Auswertung ergab eine hohe Zuverlässigkeit und Aussagekraft der Unterdrückung der spontanen Augenbewegung, der sogenannten Nystagmussuppression. Damit wurde ein weiterer Test für eine zuverlässige Triage gefunden.

Empfehlungen für die klinische Anwendung
Bei der Differentialdiagnose zur Unterscheidung eines «gutartigen» Schwindelanfalls aufgrund einer vestibulären Neuritis von einem Schwindel, der durch einen Schlaganfall im Hirnstamm bzw. im Kleinhirn verursacht wird, kommt eine Serie von Tests zur Anwendung (HINTS-Test). 

Die Untersuchung des Grades der Nystagmussuppression beim Wechsel von Dunkel zum Licht ist dabei ein neues, zusätzliches Element.
Der Einsatz einer Videobrille ergibt zuverlässige Resultate und ist zudem für die Patientin und den Patienten wesentlich angenehmer, schneller, kostengünstiger und der Situation besser angepasst als die Erstellung eines MRI-Bildes. Weiter kann mit dem neuen Nystagmussuppressions-Test lebenswichtige Zeit in der Frühphase nach einem Ereignis gewonnen werden. Damit können Folgeschäden durch nicht erkannte Hirnschläge weiter reduziert werden.

Nächste Forschungsvorhaben und Weiterentwicklung der Methode
Die zunächst monozentrisch am Inselspital erhobenen Resultate sollen nun in einer grösseren Untersuchung ausgedehnt werden, in die auch kleinere Spitäler und dezentrale Notfallstationen einbezogen werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Telenotfallmedizin, die Topfachwissen aus dem Universitätsspital direkt den lokalen Standorten zur Verfügung stellen kann. Weiter sollen Algorithmen der Künstlichen Intelligenz so trainiert werden, dass die Ergebnisse der Nystagmus-Untersuchung mittels Videobrille direkt ausgewertet werden und die Resultate den untersuchenden Ärztinnen und Ärzten praktisch in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden können.

Prof. Dr. med. Georgios Mantokoudis, Leitender Arzt, Leiter CI-Zentrum und Schwindelzentrum Bern, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie, Inselspital, Universitätsspital Bern

 Prof. Dr. med. Georgios Mantokoudis, Leitender Arzt, Leiter CI-Zentrum und Schwindelzentrum Bern, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie, Inselspital, Universitätsspital Bern, G. Pauciello, Insel Gruppe

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Prof. Dr. med. Georgios Mantokoudis, Leitender Arzt, Leiter CI-Zentrum und Schwindelzentrum Bern, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie, Inselspital, Universitätsspital Bern


 Prof. Dr. Marco Domenico Caversaccio, Klinikdirektor und Chefarzt Universitätsklinik HNO, Universitätsspital Bern


 Prof. Dr. med. Thomas Sauter, MME, Leitender Arzt, Leiter Telenotfallmedizin und Digital Health, Universitäres Notfallzentrum, Inselspital, Universitätsspital Bern und Stiftungsprofessur TCS Telenotfallmedizin Universität Bern


 Prof. Dr. med. Roger Kalla, Co-Leiter Schwindelzentrum, Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital, Universitätsspital Bern


3010 Bern
Schweiz
Bern

Marcel Wyler
Telefon: 0041 31 632 3720
E-Mail-Adresse: marcel.wyler@insel.ch

 

 

Prof. Dr. Stephan Willems: Vorhoffflimmern - Ablation - Gewichtsabnahme + Eventrecorder + strukturierten Diatprogramm

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erste kontrollierte Studie zeigt: Abnehmen verbessert Ergebnisse von Katheterablation

  • Vorhofflimmern, eine weit verbreitete Herzrhythmusstörung, kommt bei Übergewichtigen nicht so schnell wieder, wenn sie abnehmen, nachdem krankhafte Bereiche ihres Herzmuskels operativ verödet wurden. 

Das zeigt die vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) unterstützte Studie SORT-AF, an der 133 Patienten teilnahmen. 

Professor Stephan Willems untersuchte in der Studie SORT-AF, wie sich Abnehmen auf Herzrhythmusstörungen bei Übergewichtigen auswirkt. Professor Stephan Willems untersuchte in der Studie SORT-AF, wie sich Abnehmen auf Herzrhythmusstörungen bei Übergewichtigen auswirkt. Asklepios Kliniken Hamburg

Erste kontrollierte Studie zeigt: Abnehmen verbessert Ergebnisse von Katheterablation

  • Die Studie fand den Effekt bei Patienten mit länger anhaltendem Vorhofflimmern, deren Herz für mehr als eine Woche aus dem Takt gerät oder erst wieder durch einen ärztlichen Eingriff in den richtigen Rhythmus gebracht werden kann. 
  • Reduzierten sie nach einer Katheterablation ihr Übergewicht, kam das Vorhofflimmern bei ihnen seltener zurück als bei Patienten, die nicht abnahmen. 
  • Bei Patienten mit anfallartigem Vorhofflimmern, bei dem sich der Herzschlag in der Regel nach einigen Stunden oder wenigen Tagen von selbst beruhigt, wirkte sich das Abnehmen nicht aus.


Die Studienteilnehmer hatten einen BMI zwischen 30 und 40 und wurden zufällig der Gruppe mit oder ohne Diätprogramm zugeordnet. 

Dabei handelte es sich um ein strukturiertes Programm zur Gewichtsabnahme, das sogenannte interdisziplinäre multimodale Stufenkonzept. 

Es kombiniert Ernährungsberatung, Bewegung und psychosomatische Betreuung unter ärztlicher Aufsicht und fand in spezialisierten Adipositas-Ambulanzen statt. 

Alle Patienten litten unter der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern, die durch eine Katheterablation beseitigt werden sollte. 

Bei diesem Verfahren veröden die Ärzte mithilfe eines Katheters krankhafte Bereiche im Herzmuskel. Diätpatienten verloren durchschnittlich fünf Kilogramm, womit sie ihren BMI von 34,9 auf 33,4 senken konnten. In der Gruppe ohne Diät nahmen die Teilnehmer nicht ab.

Ein Rekorder unter der Haut als Zeuge

Nach dem Eingriff wurden die Patienten 12 Monate begleitet. Um zu überprüfen, wie häufig Vorhofflimmern nach der Ablation wieder auftrat, bekamen sie einen sogenannten Eventrekorder unter die Haut gesetzt. Das ungefähr USB-Stick große Gerät pflanzten die Ärzte mit einem kleinen Schnitt an der linken Seite des Brustkorbs ein, die Patienten waren dabei nur örtlich betäubt. Der Eventrekorder war so programmiert, dass er Rhythmusstörungen selber aufzeichnen konnte. Denn manchmal bleiben diese unbemerkt.

„Die Studienteilnehmer fanden das Gerät toll, denn es hat ihnen Sicherheit gegeben, da es ihre Beschwerden zuverlässig dokumentierte. Viele von ihnen kennen das Phänomen, dass das Herz zu Hause stolpert, aber sobald sie beim Arzt sind, wieder gleichmäßig schlägt und befürchten dann, nicht ernst genommen zu werden“, so Studienleiter Professor Stephan Willems von der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg. Die vom Eventrekorder aufgezeichneten Daten wurden von den Wissenschaftlern anschließend ausgewertet. Alle Rhythmusstörungen, die länger als 30 Sekunden andauerten, zählten sie als Vorhofflimmern.

Mehr als nur Beobachtung

„Unsere Arbeit ist die erste prospektive, randomisierte Studie, die systematisch dokumentiert, wie sich ein Gewichtsverlust bei übergewichtigen Patienten auf ihre Herzrhythmusstörungen nach einer Katheterablation auswirkt“, sagt Erstautorin Dr. Nele Geßler. 

Neben den Hamburger Kliniken Universitäres Herz- und Gefäßzentrum UKE Hamburg und Asklepios Klinik St. Georg beteiligten sich das Universitäre Herzzentrum Lübeck sowie das Universitätsklinikum Köln an der Studie. 

  • Dass es sich positiv auswirkt, wenn übergewichtigen Personen Gewicht verlieren, war bereits aus mehreren Beobachtungsstudien bekannt. 

Bei diesen wurde das Vorhofflimmern jedoch unterschiedlich behandelt und das erneute Auftreten nur mit einem EKG und daher nicht so kontinuierlich überwacht.

Sicheres Verfahren, auch bei Übergewicht

Für alle Teilnehmer der SORT-AF-Studie zeigte sich, dass die Katheterablation ein sicheres Verfahren ist, um ihre Herzrhythmusstörungen zu behandeln. 

Denn Komplikationen wie Blutungen in dem Raum zwischen Herz und Herzbeutel blieben aus. 

Gerade bei übergewichtigen Patienten ist das Risiko für Komplikationen während der Katheter-OP gefürchtet. 

Ebenso wurde deutlich, dass Katheterablationen erfolgreich bei allen Patienten durchgeführt werden konnten, denn anschließend kam es in beiden Studiengruppen zu deutlich weniger Vorhofflimmern. 

„Vom strukturierten Diätprogramm profitierten zwar insbesondere die Patienten mit hartnäckigerem Vorhofflimmern, allerdings ist es dennoch für alle Patienten wichtig“, so Geßler. 

„Denn neben dem Nutzen für das Vorhofflimmern hilft es, kardiovaskuläre Risiken zu verringern, beispielsweise einen Herzinfarkt.“

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Professor Stephan Willems, Asklepios Klinik St. Georg, s.willems@asklepios.com

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Christine Vollgraf
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Sarah Mempel
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E-Mail-Adresse: sarah.mempel@dzhk.d 
Originalpublikation:

Supervised Obesity Reduction Trial for AF Ablation Patients: Results from the SORT-AF trial. Gessler N, Willems S, Steven D, Aberle J, Akbulak RO, Gosau N, Hoffmann BA, Meyer C, Sultan A, Tilz R, Vogler J, Wohlmuth P, Scholz S, Gunawardene MA, Eickholt C, Lüker J.Europace. 2021 Apr 25:euab122. DOI: 10.1093/europace/euab122 https://academic.oup.com/europace/advance-article/doi/10.1093/europace/euab122/6...


Dr. Alexander U. Brandt: Progrecienten MS-Multiplen Sklerose - N-Acetylglucosamin - GlcNAc

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Zu wenig Zucker bei schwerer Multipler Sklerose?

Forschende des Berliner ECRC sind gemeinsam mit einem Team aus den USA und Kanada auf ein Zuckermolekül gestoßen, dessen Konzentration im Blut von Patient*innen mit besonders schwerer Multipler Sklerose verringert ist. 

Wie sie im Fachblatt „JAMA Neurology“ berichten, könnte ihre Entdeckung eine neue Therapieoption eröffnen.

Die Multiple Sklerose, kurz MS, äußert sich bei jedem Menschen etwas anders. 

Man nennt sie daher auch die Krankheit der tausend Gesichter. 

Ein besonders düsteres Gesicht trägt die MS bei Patient*innen, die an der chronisch fortschreitenden Verlaufsform erkrankt sind. 

Denn anders als bei der häufigeren schubförmigen Variante, bei der die Betroffenen oft monate- oder gar jahrelang beschwerdefrei sind, verschlechtert sich der Zustand der Patient*innen bei der auch als progredient bezeichneten Form der MS kontinuierlich.

Die schlecht isolierten Nervenzellen sterben ab

Heutige Therapieansätze gehen davon aus, dass ein fehlgesteuertes Immunsystem irrtümlich die Myelinschicht der Nervenzellen angreift.  

  • Dabei handelt es sich um eine isolierende Schutzhülle, die die langen Ausläufer der Zellen, die Axone, umgibt. 

„Bei der progredienten MS kommt es zu vermehrten neurodegenerativen Prozessen. 

Dadurch sterben immer mehr Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark ab“, erläutert Dr. Alexander Brandt, Erstautor der jetzt in der Fachzeitschrift „JAMA Neurology“ veröffentlichten Studie. „Die genauen Ursachen für diese Variante der Erkrankung sind jedoch noch immer unbekannt.“ Das US-amerikanische National Institute of Allergy and Infectious Disease, das National Center for Complimentary and Integrative Health sowie das deutsche Exzellenzcluster NeuroCure förderten die Studie.

Nun hofft Dr. Brandt zusammen mit Professor Friedemann Paul vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), sowie elf weiteren Forschenden aus Berlin, Irvine und Toronto, etwas mehr Licht ins Dunkel gebracht zu haben. Wie das Team in seiner Studie berichtet, könnte der Einfachzucker N-Acetylglucosamin, kurz GlcNAc genannt, eine wichtige Rolle bei der Entstehung der progredienten MS spielen. 

Im Organismus ist GlcNAc gemeinsam mit anderen Zuckermolekülen kettenartig an Proteine auf der Zelloberfläche gebunden. Dieser als Glykosylierung bekannte Mechanismus kontrolliert über eine Verzweigung dieser Zuckerketten diverse Zellfunktionen.

Das Zuckermolekül konnte als ein Biomarker dienen

„Wir haben 120 Probandinnen und Probanden aus Irvine untersucht und konnten zeigen, dass bei dieser besonders schweren Form der Erkrankung deutlich geringere Konzentrationen an N-Acetylglucosamin im Blutserum vorliegen als bei gesunden Menschen oder Patientinnen und Patienten mit schubförmiger MS“, sagt Brandt.  

Zum Zeitpunkt der Untersuchungen leitete der Mediziner das „Translational Neuroimaging Laboratory“ in Pauls Arbeitsgruppe für Klinische Neuroimmunologie der Charité. Inzwischen ist Brandt als Dozent für Neurologie zur School of Medicine der University of California in Irvine (UCI) gewechselt, bleibt der Charité aber weiterhin als Gastwissenschaftler erhalten.

„In einer weiteren Untersuchung von 180 Patientinnen und Patienten mit schubförmiger oder progredienter MS aus Berlin haben wir zudem festgestellt, dass niedrige Serumspiegel von GlcNAc mit einem progressiven Krankheitsverlauf, klinischer Behinderung und Neurodegeneration assoziiert sind“, ergänzt der korrespondierende Autor der Studie, Professor Michael Demetriou von der UC Irvine. „Dies eröffnet neue potenzielle Wege, um Erkrankte mit einem erhöhten Risiko für einen progredienten Verlauf frühzeitig zu identifizieren und ihre Therapie entsprechend anzupassen.“

Therapiestudien am Menschen sind in Planung

Bereits im Herbst 2020 hatten Brandt, Demetriou und weitere Forschende um den damaligen Erstautor Dr. Michael Sy von der UC Irvine im „Journal of Biological Chemistry“ berichtet, dass sie GlcNAc säugenden Mäusen verabreicht hatten. Die Tiere gaben den Zucker, der übrigens auch in der menschlichen Muttermilch enthalten ist, an ihre Nachkommen weiter. Dies stimulierte die primäre Myelinisierung der Nervenzellausläufer bei den Jungtieren. „In den Mäuseexperimenten konnten wir zudem beobachten, dass N-Acetylglucosamin die Vorläuferzellen des Myelins aktiviert und auf diese Weise sowohl die primäre Myelinisierung als auch die Reparatur von beschädigtem Myelin fördert“, sagt Brandt.

Die Forschenden hoffen daher, dass sich GlcNAc nicht nur als Biomarker für die progrediente MS eignet, sondern darüber hinaus eine neue Therapieoption eröffnen könnte. 

„Unsere Hoffnung ist es, dass wir mit GlcNAc und der verbundenen Glykosylierung die Myelinreparatur fördern und so die Neurodegeneration verringern“, sagt Brandt. 

In einer ersten gerade abgeschlossenen, aber noch unveröffentlichten Phase-I Studie mit rund 30 Proband*innen haben die Wissenschaftler*innen untersucht, ob eine Einnahme von GlcNAc in bestimmten Dosierungen sicher ist. Sollte sich dieses bestätigen, hofft das Forschungsteam, in weiteren Studien mögliche Effekte als MS-Therapie untersuchen zu können.

Über das ECRC

Als gemeinsame Einrichtung von MDC und Charité fördert das Experimental and Clinical Research Center die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenwissenschaftler*innen und klinisch Forschenden. Hier werden neue Ansätze für Diagnose, Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Krebs sowie neurologischen Erkrankungen entwickelt und zeitnah am Patienten eingesetzt. Die AG Klinische Neuroimmunologie unter Leitung von Prof. Dr. Friedemann Paul erforscht Ursachen und Therapien von autoimmun neuroinflammatorischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose. 

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Dr. Alexander U. Brandt
Leiter, Translational Neuroimaging Laboratory
AG Klinische Neuroimmunologie
Experimental and Clinical Research Center (ECRC)
Charité – Universitätsmedizin Berlin
mailto:alexander.brandt@charite.de

Jana Ehrhardt-Joswig 

jana.ehrhardt-joswig@mdc-berlin.de 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft


Originalpublikation:

Alexander Brandt et. al. (2021): „Association of a Marker of N-Acetylglucosamine With Progressive Multiple Sclerosis and Neurodegeneration“, JAMA Neurology, DOI:10.1001/jamaneurol.2021.1116


Weitere Informationen für internatonbal Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.mdc-berlin.de/de/paul - AG Paul, Klinische Neuroimmunologie


https://paul.neurocure.de/en/index.html - NeuroCure Clinical Research Center


https://www.mdc-berlin.de/de/hochschulambulanz-fuer-neuroimmunologie - Hochschulambulanz für Neuroimmunologie

Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm: Prostatakrebs - Tumorerkrankung bei Männern

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Umfangreiches Update der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom jetzt online

Prostatakrebs bleibt mit jährlich rund 60.000 Neuerkrankungen in Deutschland mit Abstand die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern. 

Deshalb ist die S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom von zentraler Bedeutung in der Urologie und wird nach dem Prinzip einer Living-Guideline regelmäßig aktualisiert. 

Das inzwischen fünfte und sehr umfangreiche Update der „S3-Leitlinie Prostatakarzinom“ wurde erneut unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) erstellt und ist ab sofort online abrufbar.

Die Konsultationsphase der Leitlinie, in der die (Fach-)Öffentlichkeit Gelegenheit zur Kommentierung hatte, war am 12.04.2021 abgelaufen; die eingegangenen Kommentare und Überarbeitungsvorschläge wurden geprüft und die S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom in der Version 6 im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie veröffentlicht. „Der gesamte Aktualisierungsprozess hat dank der engagierten Arbeit aller beteiligten Leitlinienautoren und -autorinnen, Fachgesellschaften und Organisationen in einem vergleichsweise schnellen Zeitrahmen eine große Zahl wesentlicher Neuerungen mit sich gebracht, welche einen Rahmen für die Patientenversorgung auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft aufzeigt“, sagt Leitlinienkoordinator und DGU-Vorstandsmitglied Professor Dr. Marc-Oliver Grimm.

Grundlegende Änderungen und Neuerungen gab es in insgesamt vier Kapiteln unter anderem zu folgenden Themen: Früherkennung: 

Multiparametrische MRT (mpMRT) in der Primärdiagnostik, 

Brachytherapie, 

fokale Therapie, 

adjuvante Strahlenbehandlung, 

lokale Therapien beim oligometastasierten Prostatakarzinom,

PSMA-PET/CT in der Ausbreitungsdiagnostik.  

  • Die Kapitel zur systemischen Therapie (hormonsensitives und kastrationsrefraktäres metastasiertes sowie nicht-metastasiertes kastrationsrefraktäres Prostatakarzinom) wurden vollständig überarbeitet. 
  • Außerdem wurde auf Basis der aktuellen Evidenz ein neues Kapitel zur lokalen Therapie bei metastasiertem Prostatakarzinom erarbeitet. 

„Die neuen Empfehlungen zur mpMRT in der Primärdiagnostik, zur PSMA-PET für den Nachweis von Prostatakarzinom-Metastasen und vor allem die komplette Überarbeitung der Kapitel zur systemischen Therapie auf der Basis neuer Evidenz zählen zu den wichtigsten Neuerungen dieser Leitlinien-Aktualisierung“, betont Grimm.

Herausgeber der S3-Leitlinie Prostatakarzinom ist das Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Deutschen Krebshilfe (DKH). Die 5. Aktualisierung haben Leitlinienautor*innen und Patientenvertreter des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) unter Federführung der DGU und in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen und Fachgesellschaften gemeinsam erarbeitet. Methodische Begleitung und Redaktion lagen u.a. beim Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin. Die Aktualisierung der begleitenden Patientenleitlinie wird zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar:

https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert. Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier herunterladen: 

https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und die Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen. Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 30 S3-Leitlinien, die zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen. Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home/

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)
Mit rund 7.000 Mitgliedern ist die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) die größte Vertretung deutscher Fachärztinnen und Fachärzte für Urologie. Als medizinische Fachgesellschaft fördert die DGU Wissenschaft, Forschung, Innovation, Fort- und Weiterbildung in der Urologie. Damit schafft sie die Voraussetzungen für eine flächendeckende hochqualifizierte Versorgung urologischer Patientinnen und Patienten in Deutschland. Das eigene Wissenstransferzentrum UroEvidence ermöglicht die systematische Evidenzaufarbeitung und organisatorische Unterstützung für Leitliniengruppen innerhalb der Urologie. Mehr unter: https://www.urologenportal.de/ 

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Prof. Dr. Bernhard Hemmer: MS - Multiplen Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue S2k-Leitlinie für Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose

Vor kurzem wurde die aktualisierte und erweiterte S2k-Leitlinie der DGN zur Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose (MS) publiziert. 

Neu sind unter anderem konkrete Angaben, ob, wann und welche der verlaufsmodifizierenden Immuntherapien indiziert sind. 

So werden zunehmend neue Substanzen der letzten Jahre Eingang in die tägliche Praxis finden, wodurch die individuell angepasste Behandlung der MS-Patienten weiter verbessert werden kann. 

Adressaten sind alle mitbetreuenden Versorgungsbereiche. 

Erstmals haben an der konsensbasierten Leitlinie auch zwei betroffene Patientenvertreterinnen mitgearbeitet. Herausgeber ist die Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Jährlich erhalten mehr als 10.000 Menschen in Deutschland die Erstdiagnose Multiple Sklerose (MS). 

Insgesamt gibt es derzeit in Deutschland über 250.000 Betroffene. 

  • Die MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die meistens zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr beginnt, zu Beginn in Schüben verläuft und im Verlauf von Jahren zu bleibenden neurologischen Einschränkungen führen kann.


Durch die intensive MS-Forschung in den letzten Jahren gibt es neue Erkenntnisse zur Diagnostik und zahlreiche neue Therapieoptionen, so dass eine Aktualisierung der Leitlinie von 2012 erforderlich wurde. Herausgeber dieser vollständig überarbeiteten, erweiterten Leitlinie ist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) e. V. Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen sind die Schweizerische Neurologische Gesellschaft (SNG-SSN), Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN), Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) e. V., Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) e. V., Deutsche Fachgesellschaft für Aktivierend-therapeutische Pflege (DGATP) e. V., Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) e. V., Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Bundesverband e. V., Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V., Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP) e. V. , NeurologyFirst, eine unabhängige Initiative von Neurologen, und die Neuromyelitis optica Studiengruppe (NEMOS). Erstmals haben an der konsensbasierten S2k-Leitlinie auch Betroffene bzw. Patientenvertreter mitgearbeitet, um deren Perspektiven besser zu berücksichtigen. Leitlinienkoordinator und federführender Autor war Prof. Dr. Bernhard Hemmer von der Universitätsklinik der TU München.

Was ist neu?
Die MS-Diagnostik wurde durch die Revision der McDonald-Diagnosekriterien 2017 vereinfacht (Liquoruntersuchung sowie MRT-Untersuchung mit definierten Sequenzen; erweiterte Labordiagnostik nur bei entsprechendem klinischem Verdacht). 

Neu wurden der MS verwandte Erkrankungen wie die Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) und die MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen als eigenständige Krankheitsentitäten aufgenommen.

Die verlaufsmodifizierenden MS-Medikamente (DMT/„disease modifying therapies“) wurden in drei Wirksamkeitskategorien eingeteilt – anstelle des bisherigen Behandlungs-Stufenschemas. Die Eingruppierung erfolgte anhand der Schubratenreduktion aus den Zulassungsstudien. Zur Wirksamkeitskategorie 1 gehören Betainterferone, Dimethylfumarat, Glatirameroide und Teriflunomid, zur Kategorie 2 Cladribin, Fingolimod sowie Ozanimod und zur Kategorie 3 Alemtuzumab, CD20-Antikörper (Ocrelizumab, off label Rituximab) und Natalizumab. Mit zunehmender Wirksamkeit nehmen allerdings auch die seltenen unerwünschten schweren Arzneimittelwirkungen zu.

Die immuntherapeutische Behandlung wird der Erkrankungsaktivität zugeordnet. Auch werden definierte Einstiegs-, Wechsel- und auch Ausstiegsszenarien vorgestellt, und es wird auf spezielle Situationen eingegangen (z. B. Schwangerschaft und Stillzeit sowie MS bei Älteren und Kindern/Jugendlichen).

 Die Medikamenten-Neuzulassungen werden explizit benannt. Dazu gehören drei sogenannte Sphingosin-1-Phosphat-(S1P-)Rezeptormodulatoren: Fingolimod (auf dem Markt seit 12/2018) ist jetzt auch für Jugendliche und Kinder ab zehn Jahren mit hochaktiver, schubförmige MS zugelassen. Bei aktiver, sekundär progredienter MS (SPMS; Nachweis durch Schübe und MRT) steht nun Siponimod (seit 1/2020) zur Verfügung und schließlich Ozanimod (seit 5/2020) zur Behandlung bei aktiver schubförmig-remittierender MS (RRMS).

Ocrelizumab, ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen CD20 (ein Antigen der B-Lymphozyten) ist als erste Therapie der frühen PPMS (primär progrediente MS) zugelassen (2/2018). Für schubförmige Erkrankungen des Neuromyelitis-optica-Spektrums (NMOSD) mit positiven AQP4-Antikörpern wird der humanisierte monoklonale Antikörper Eculizumab empfohlen (verfügbar seit 8/2019).

„Durch die innovativen Medikamente können die Schubfrequenz und die messbare Krankheitsaktivität erfolgreich gesenkt werden“, erläutert Prof. Dr. Bernhard Hemmer, München, federführender Autor und Leitlinienkoordinator. „Die heute verfügbaren Optionen erlauben eine individuelle, nach Verlauf, Krankheitsaktivität und persönlichem Risikoprofil adaptierte Therapie. Die neuen Leitlinien haben dabei beratenden Charakter – natürlich ohne der ärztlichen Therapiefreiheit zu enge Grenzen zu setzen.“

„Diese neuen, handlungsorientierten Empfehlungen waren dringend notwendig, um die optimale Versorgung der MS-Patienten nach aktuellem Wissensstand zu gewährleisten“, kommentieren Prof. Steinmetz, Frankfurt, und Prof. Kastrup, Essen, die Vorsitzenden der Kommission Leitlinien der DGN. „Durch die schnelle Entwicklung der neurologischen Forschung und Implementierung der Studienergebnisse in die tägliche Routine kann ein Verlust an Lebensqualität der Betroffenen zunehmend besser aufgehalten oder sogar verhindert werden.“

Literatur
[1] Hemmer B et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen, S2k-Leitlinie, 2021, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 10.05.2021)


Originalpublikation:

www.dgn.org/leitlinien

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MaAB-Medizin am Aberlin Team im Frühjahr 2021 - https://www.herzcheck.org/startseite/

Sehr verehrte Damen und Herren,

das internationale medizinische-kaufmännische interdisziplinäre Fach-Team von Medizin am Abend Berlin befindet sich bis einschließlich Sonntag, 16. Mai 2021 im Brainstorming-, praktisches Training und Aus- und Fortbildungsurlaub-Weiterbildung.

Ab Montag, den 17. Mai 2021 stehen wir Ihnen wieder persönlich mit Rat und Tat zur Verfügung.

Bitte nehmen Sie bis dorthin an dieser Studie teil:

Herzgesund? Wir checken es!

Jetzt die Chance nutzen und Ihre Herzgesundheit checken lassen - wohnortnah im mobilen MRT.

HerzCheck: Darum geht es

Etwa 2,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzinsuffizienz. Wird eine Herzinsuffizienz früh erkannt und gezielt behandelt, können Lebensqualität und Lebenserwartung der Patientinnen und Patienten gesteigert werden.

Die Herzinsuffizienz kann am besten mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) diagnostiziert werden. HerzCheck ermöglicht eine moderne Herzinsuffizienz-Diagnostik in Wohnortnähe: Mit Hilfe mobiler MRT-Einheiten (MRT-Trailer; hochmoderne LKW-Spezialkonstruktionen) und telemedizinischer Betreuung durch Ärzte mit langjähriger Erfahrung.

Die HerzCheck-Untersuchung findet im Rahmen einer Studie unter der medizinischen Leitung des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) zum Thema innovative Herzinsuffizienz-Diagnostik und bessere medizinische Versorgung in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern statt und richtet sich an Versicherte der AOK Nordost. Die Teilnahme und Terminierung erfolgt in Zusammenarbeit mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

 https://www.herzcheck.org/startseite/

 









 




Prof. Sabine Koch: Kunsttherapie bei Krankheit - https://www.kunstplanet.com

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Kunsttherapie für Brustkrebs-Patientinnen: Teilnehmerinnen für neue digitale Studie gesucht

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. 

Sowohl die Erkrankung als auch die Behandlung belasten die Betroffenen seelisch und körperlich sehr stark. 

Seit Februar 2020 bietet das Universitätsklinikum Bonn (UKB) in Kooperation mit der Alanus Hochschule ein kunsttherapeutisches Behandlungsangebot für Krebspatientinnen an: 

Am 12. April 2021 startete eine neue Studie, welche die künstlerischen Therapien nach der Erstdiagnose von Brustkrebs zum Einsatz bringt. 

Diese ist zunächst als Pilotstudie konzipiert, die die Effektivität von Kunsttherapie in einem virtuellen Rahmen testet. 

Dafür sucht das UKB noch Teilnehmerinnen.

Im Rahmen der digitalen Begleitstudie nehmen die Betroffenen über zwei Monate an acht kostenlosen Kunsttherapiestunden teil, die von einer ausgebildeten Kunsttherapeutin begleitet werden. 

  • Daran teilnehmen können Brustkrebspatientinnen nach Erstdiagnose vor und während der Chemotherapie – unabhängig davon, ob sie im UKB/CIO Bonn behandelt werden oder nicht.

„Es ist sehr wichtig, auch und gerade während der Corona-Pandemie, eine Alternative für die Patientinnen zu schaffen, die es ihnen ermöglicht, weiterhin ein Therapieangebot wahrzunehmen“, sagt Prof. Sabine Koch, Leiterin des Forschungsinstituts für Künstlerische Therapienan der Alanus Hochschule. 

Sie sieht dem Projekt positiv entgegen, da bereits im vergangenen Jahr eine wissenschaftliche Arbeit von Dr. Dominik Havsteen-Franklin an der Brunel University London zeigte, dass die Kunsttherapie im digitalen Rahmen eine zukunftsorientierte Variante der Therapie darstellt, die auf großes Interesse und Akzeptanz traf. 

„Die Studie zur Online-Therapie ist eine Initiative, die den Menschen die Möglichkeit gibt, von zu Hause aus das Hilfsangebot zu nutzen“, so Koch. Auch Prof. Ingo Schmidt-Wolf, Direktor der Abteilung für Integrierte Onkologie am UKB, betont: 

„Gerade jetzt, wo sich Krebspatienten isolieren müssen, um sich selber zu schützen, ist ein digitales Angebot unumgänglich und wichtiger denn je. 

Ich bin sehr froh, dass wir unsere Patientinnen weiterhin unterstützen können.“ 

Auch Prof. Andree Faridi, Direktor des Brustzentrums am UKB, findet: 

„Diese Studie hat den vorbildlichen Ansatz, Kreativität und Leidenschaft als begleitende Therapie für die Krankheitsbewältigung einzusetzen – ob für sich allein, in der Gruppe oder eben auch online.“

Verschiedene aktuelle Studien zeigen, dass die Kunsttherapie Patienten helfen kann, mit der Krankheit besser zurechtzukommen. 

„Oft fällt es Menschen in solchen Extremsituationen schwer, ihre Empfindungen in Worte zu fassen. 

Künstlerische Therapien eignen sich deshalb besonders zur Behandlung in existenziellen Lebenssituationen: 

Sie erlauben, widersprüchliche Emotionen, Gedanken und Empfindungen zu integrieren und diese nonverbal zu kommunizieren“, erläutert Harald Gruber, Professor für Kunsttherapie an der Alanus Hochschule

  • Wie auch in der Hauptstudie, wird in der Begleitstudie untersucht, ob eine Verbesserung der Befindlichkeit und Selbstwirksamkeit sowie eine Symptomreduktion in Hinblick auf Stress, Angst und Schmerz erwartet werden kann. 

Zudem wird eine Befragung zur Akzeptanz durchgeführt, die sich zusätzlich auf den virtuellen Rahmen der Studie bezieht.

Weitere Informationen gibt es unter 0228/287-58678 oder per E-Mail an CIO@ukbonn.de.

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