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DR. MED. JOEL ZINDEL: Verwachsungen im Bauch (Adhäsionen) - Nach Entzündungen/Operationen - Labor Makrophagen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Verwachsungen im Bauch bekämpfen

Verwachsungen im Bauchraum, die etwa nach Operationen entstehen, haben oft schwerwiegende Folgen. 

Nun haben Forschende der Universität Bern und des Inselspitals, Universitätsspital Bern, in Zusammenarbeit mit kanadischen Forschenden entdeckt, wie sich solche Verwachsungen bilden. 

Die Erkenntnisse können dazu beitragen, ein Medikament zu entwickeln, um künftig Verwachsungen verhindern zu können. 

Die Studie wurde vom Fachmagazin «Science» als Titelgeschichte veröffentlicht. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Fachfilm  

Makrophagen im Bauchraum (rot) versiegeln eine mit einem Laser verursachte Verletzung (grün) innert Minuten mit Gerinnsel-ähnlichen Strukturen. Makrophagen im Bauchraum (rot) versiegeln eine mit einem Laser verursachte Verletzung (grün) innert Minuten mit Gerinnsel-ähnlichen Strukturen. Joel Zindel University of Calgary

  • Verwachsungen im Bauch, sogenannte Adhäsionen, entstehen nach Entzündungen oder Operationen. 

Sie können chronische Schmerzen und Verdauungsbeschwerden nach sich ziehen, bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen oder gar lebensbedrohliche Folgen wie einen Darmverschluss haben. 

  • Treten Verwachsungen auf, müssen diese erneut operiert werden. 
  • Zudem erschweren sie nachfolgende operative Eingriffe. 

Dies führt zu entsprechendem Leid bei den Betroffenen und ist auch ein wichtiger Kostenfaktor im Gesundheitssystem. Allein in den USA verursachen Verwachsungen Gesundheitskosten in der Höhe von 2.3 Milliarden Dollar pro Jahr.

Die Entstehung von Verwachsungen ist noch unvollständig erforscht, und es gibt bisher keine Therapie. 

«Da die Krankheit in der Forschung vernachlässigt wurde, haben wir in Bern ein Grundlagenforschungsprogramm gestartet, um mehr über die Entstehung von Adhäsionen herauszufinden», sagt Prof. Daniel Candinas, Mitautor der Studie. 

Es wurde bereits vermutet, dass bei der Entstehung spezielle Immunzellen, sogenannte Makrophagen, eine entscheidende Rolle spielen.

Dies konnte von Joel Zindel und Daniel Candinas von der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin am Inselspital und dem Department for BioMedical Research (DBMR), Universität Bern, bestätigt werden. Daher setzte Zindel seine Forschung an der University of Calgary in Kanada in der Gruppe von Paul Kubes fort, da diese als führend auf dem Gebiet der Makrophagen in der Bauchhöhle gilt.

Dr. med. Joel Zindel, Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital, Universitätsspital Bern, und Department for BioMedical Research, Universität Bern.

Dr. med. Joel Zindel, Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital, Universitätsspital Bern, und Department for BioMedical Research, Universität Bern. Pascal Triponez Insel Gruppe


Dank Zindels klinischer Expertise und dem Know-how der kanadischen Forschenden gelang es, ein neues Mikroskopiesystem zu entwickeln, um die Makrophagen sozusagen «in flagranti» dabei zu filmen, wie sie Formen bilden, die dann zu den Verwachsungen führen. Zudem konnten die Forschenden die molekularen Mechanismen dahinter beschreiben. Die Ergebnisse der Studie wurden vom Fachmagazin «Science» nun als Titelgeschichte publiziert.

Neue Technologie entwickelt

  • Makrophagen befinden sich in der Bauchhöhle in der sogenannten peritonealen Flüssigkeit, dem «Schmiermittel» zwischen dem Bauchfell, der inneren Auskleidung der Bauchwand, und einem ähnlichen Überzug der Organe in der Bauchhöhle. 

In dieser Flüssigkeit schwimmen die Makrophagen freischwebend umher, ähnlich wie Plankton im Meer. 

Zu ihren Aufgaben gehört es, Erreger zu beseitigen, aber auch Verletzungen im Bauchraum möglichst rasch zu versiegeln. Wie sie letzteres bewerkstelligen, also eine Verletzung erkennen und sich dorthin zu bewegen, war bislang unklar.

Da sich diese Zellen im Reagenzglas ganz anders verhalten als im Körper, entwickelten Zindel und Kubes ein neues Mikroskopiemodell, das es ihnen ermöglichte, die feinste Stelle der Bauchwand als Fenster zu nutzen, um durch die intakte Bauchwand hindurch in die Bauchhöhle hineinzublicken und die Makrophagen in Echtzeit zu filmen.

Wenn Makrophagen die Kontrolle verlieren

  • Gibt es innerhalb des Bauchraums eine winzige Verletzung, verklumpen Makrophagen innert Minuten dort zu Gerinnsel-ähnlichen Strukturen. 

So versiegeln sie die Verletzung und hören anschliessend auf, weiter zu verklumpen. 

Wie die Forschenden um Zindel und Kubes entdeckt haben, basiert der molekulare Mechanismus dahinter auf speziellen, unspezifischen Rezeptoren, die eine Vielzahl von Strukturen erkennen. 

  • Werden die Makrophagen nun in der Flüssigkeit bewegt, etwa durch die Atem- oder Verdauungsbewegungen, reicht dies aus, damit die Makrophagen mittels ihrer Rezeptoren an einer Wunde und aneinander haften und so verklumpen können.


Was bei kleineren Verletzungen bestens funktioniert, wird bei grossen Verletzungen, wie etwa dem operativen Öffnen der Bauchwand, oder dem Einsetzen eines Implantats, zum Problem. 

  • «Bei grösseren Verletzungen geraten die Makrophagen ausser Kontrolle – die Gerinnsel hören nicht auf zu wachsen und bilden lange Stränge bis alle Makrophagen ‹aufgebraucht› sind», erklärt Zindel. «Wir konnten zeigen, dass diese Stränge zu den Verwachsungen führen.»


Dies könnte evolutionäre Gründe haben: 

Makrophagen sind von der Evolution so optimiert, dass sie mit einer kleineren Verletzung gut umgehen können. 

«Nehmen wir als Beispiel eine Jägerin, die von einem Hirschgeweih verletzt wird», sagt Zindel. 

«Die Makrophagen versiegeln möglichst rasch alle internen Löcher – nur so kann man das überleben». 

Wenn jedoch bei einer Bauchoperation Luft in die Bauchhöhle eindringt oder Fremdkörper implantiert werden, sind die Makrophagen überfordert, denn die Evolution hat sie nicht darauf vorbereitet. «In dem Fall werden die Makrophagen schädlich und verursachen Verwachsungen», erklärt Zindel.

Patent angemeldet

Die Forschenden stellten fest, dass wenn die entsprechenden Rezeptoren im Mausmodell blockiert werden, dies zu weniger Verwachsungen führt. Der entsprechende Wirkstoff wurde zum Patent angemeldet. 

Die Erkenntnisse sind relevant für viele Forschungsgebiete, denn keine anderen Immunzellen werden so schnell «rekrutiert» wie Makrophagen in der Bauchhöhle – dies könnte in anderen Hohlräumen wie beim Herz oder der Lunge ähnlich sein, oder der entdeckte Mechanismus könnte nicht nur bei Verletzungen, sondern auch Erkrankungen wie beispielsweise bei Bauch-Tumoren eine Rolle spielen.

«Dies ist ein Beispiel dafür, dass Grundlagenforschung einen hohen translationellen Wert hat», sagt Daniel Candinas. Gemeinsam mit Calgary werden die Berner Forschenden nun Industriepartner suchen und die Wirksamkeit des Wirkstoffs in menschlichem Gewebe testen. 

  • Künftig könnten Patientinnen und Patienten etwa vor Operationen ein Medikament erhalten, das die Reaktion der Makrophagen unterdrückt und Verwachsungen verhindert.


Department for Biomedical Research (DBMR)

Über 25 Jahre biomedizinische Forschung in Bern: Das Department for Biomedical Research (DBMR) der Universität Bern wurde 1994 gegründet und hat als Institut der Medizinischen Fakultät den Auftrag, Forschenden des Inselspitals, Universitätsspital Bern und der Medizinischen Fakultät eine optimale Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Die Core Facilities entsprechen stets dem State of the Art, und die Forschenden finden im Departement bedarfsgerechte Labor- und Arbeitsplätze. Dem Departement sind 47 unabhängige Forschungsgruppen angegliedert, die fast alle Bereiche der biomedizinischen Forschung abdecken. Ziel des DBMR ist es, Brücken zwischen laborbasierter und patientenorientierter klinischer Forschung zu schlagen. Ausserdem richtet es seinen Fokus auf die Entwicklung von translationaler Forschung und die Anwendung von sogenannten Omics-Methoden.

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DR. MED. JOEL ZINDEL
Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital, Universitätsspital Bern, und Department for BioMedical Research, Universität Bern
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Originalpublikation:

J. Zindel, M. Peiseler, M. Hossain, C. Deppermann, W.Y. Lee, B. Haenni, B. Zuber, J.F. Deniset, B.G.J. Surewaard, D. Candinas, P. Kubes: Primordial GATA6 macrophages function as extravascular platelets in sterile injury, Science, 5. März 2021,https://science.sciencemag.org/content/371/6533/eabe0595



 

Prof. Dr. Roman-Ulrich Müller: Polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) Zystennieren und die Ketogene Diät

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Zystennieren: Studie untersucht Ernährung als Schlüsselfaktor bei Nierenerkrankung

An der Kölner Universität und Uniklinik startet eine klinische Studie, die eine ketogene Diät bei Patienten mit polyzystischen Nieren untersucht / 

Unterstützt wird die Studie von der amerikanischen PKD Foundation (polycystic kidney disease)

  • Ein Kölner Forschungsteam startet eine Studie zur ketogenen Ernährung bei Patienten, die von der vererbbaren polyzystischen Nierenerkrankung (ADPKD, Zystennieren) betroffen sind. 
  • Eine ketogene Diät zeichnet sich durch eine kohlenhydrat- und zuckerarme, aber fettreiche Ernährung aus. 

Unter der Leitung von Prof. Dr. Roman-Ulrich Müller, Oberarzt der Klinik II für Innere Medizin der Uniklinik Köln und Forschungsgruppenleiter am Exzellenzcluster für Alternsforschung CECAD sowie am Zentrum für Molekulare Medizin Köln (ZMMK), und Dr. Franziska Grundmann, Oberärztin und Leiterin des Studienzentrums der Klinik II für Innere Medizin, startet die „First in Men“ – Translationale Studie Keto-ADPKD mit 63 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern.

  • Durch Grundlagenforschung konnte bereits in Modellorganismen ein positiver Effekt der ketogenen Diät auf die Zystennieren-Erkrankung gezeigt werden. 

Müllers Kooperationspartner und Köln Alumnus Prof. Dr. Thomas Weimbs, University of California, Santa Barbara, veröffentlichte diese Daten 2019 im Fachjournal „Cell Metabolism“.


Weltweit ist ca. einer von 1.000 Menschen von Zystennieren betroffen, was in Deutschland in einer Zahl von rund 80.000 Menschen mit dieser Erkrankung resultiert. 

Etwa die Hälfte der Patienten leidet mit fortschreitendem Alter unter erheblichen Einschränkungen der Nierenfunktion. 

Gefördert wird die aktuelle Studie durch die amerikanische PKD Foundation, einer gemeinnützigen Organisation, die sich auf die Erforschung der polyzystischen Nierenerkrankung spezialisiert hat. 

„Darauf sind wir stolz und freuen uns sehr, dass wir diese Studie hier in Köln durchführen können. 

Es ist selten, dass Ernährungsstudien, die kostspielig und aufwendig sind, gefördert werden“, so Müller.

Nun soll erstmals – koordiniert durch das Studienzentrum der Klinik II für Innere Medizin – in drei Gruppen à 21 Patienten die Umsetzbarkeit, Sicherheit und Wirkung der ketogenen Diät bei Zystennieren im Menschen untersucht werden. 

Bei einer ketogenen Diät entstammt der Hauptanteil der zugeführten Kalorien aus Fetten, wobei hier im Rahmen der Studie explizit auf gesunde fettreiche Nahrungsmittel geachtet wird. 

Kohlenhydrate (Zucker) werden nur sehr wenige konsumiert. 

  • Der Körper passt sich der Diät an und wechselt seinen Stoffwechsel von der Kohlenhydrat-/Zuckerverbrennung (Glykolyse) zur Ketose, der Verbrennung von Fetten. 

Im Tiermodell wurde zuvor gezeigt, dass der Stoffwechselzustand der Ketose wichtig ist, um das Fortschreiten der Zystennieren-Erkrankung zu hemmen, denn die Zystenzellen können sich nicht an den geänderten Stoffwechsel anpassen. 

In der aktuellen Studie ändert eine Gruppe ihre Ernährung nicht (Kontrollgruppe), die zweite erhält einen ketogenen Ernährungsplan und die dritte Gruppe ernährt sich wie gewohnt, macht jedoch einmal im Monat über drei Tage Wasserfasten (nur Wasseraufnahme).

 
Bei der polyzystischen Nierenerkrankung sind die Funktionseinheiten der Nieren betroffen, die Nephrone. 

Diese entwickeln Zysten – mit Wasser gefüllte Säcke – welche die Nierenfunktion erheblich einschränken können. 

Mehr als 50 Prozent der Betroffenen werden im Alter von 50 bis 60 Jahren ihre Nierenfunktion endgültig verloren haben, sodass eine Dialysebehandlung (Blutwäsche) oder eine Nierentransplantation zum Ersatz der Nierenfunktion notwendig werden. 

„Der Erhalt der Nierenfunktion ist das vorrangige Ziel. 

Es ist hier enorm wichtig den Betroffenen präventive Maßnahmen mit an die Hand geben zu können. 

  • Aber auch der potenzielle Effekt der Ernährung auf das mit der Erkrankung verbundene Größenwachstum der Nieren, welches häufig Beschwerden verursacht, ist von Bedeutung“, sagt Müller.

 Grundmann ergänzt: 

„Zudem ist es von großem Interesse die wissenschaftliche Datenlage zur ketogenen Diät auszubauen. Fundierte Studien über die Sicherheit und Wirkung sind insbesondere bei Patienten mit Nierenerkrankungen bislang kaum vorhanden. 

Wir sind gespannt, ob wir bei den Patienten einen ähnlich positiven Effekt auf die Erkrankung sehen wie zuvor in den vorklinischen Studien."


Die Studie ist für einen Zeitraum von knapp eineinhalb Jahren angesetzt. 

Die ersten Ergebnisse werden im Herbst 2022 erwartet.

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Gabriele Meseg-Rutzen Universität zu Köln

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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte 


https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04680780?cond=ADPKD&draw=2&rank=1


 

Univ.-Prof. Dr. Veronika Somoza: Entzündungshemmend Resveratrol - rote Trauben: Zahnfleischentzündungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bitterrezeptor an entzündungshemmender Wirkung von Resveratrol beteiligt?

Resveratrol ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der vor allem in roten Trauben und im Japanischen Staudenknöterich enthalten ist. 

Seine synthetische Variante ist seit 2016 in der EU als Lebensmittelzutat zugelassen. 

Zumindest im Zellversuch entfaltet der Stoff entzündungshemmende Eigenschaften. 

Wie eine aktuelle Kooperationsstudie des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München und des Instituts für Physiologische Chemie der Universität Wien nun zeigt, ist der Bitterrezeptor TAS2R50 an diesem Effekt beteiligt. 

Studienleiterin Veronika Somoza und ihr Team veröffentlichten ihre Ergebnisse im Journal of Agricultural and Food Chemistry. 

Prof. Dr. Veronika Somoza 

 Prof. Dr. Veronika Somoza Joseph Krpelan

Bittere Lebensmittelinhaltsstoffe beeinflussen nicht nur den Geschmack einer Speise, sondern entfalten oft auch weitere physiologische Wirkungen. 

  • So schmeckt Resveratrol nicht nur bitter, sondern vermindert die Freisetzung von Signalstoffen, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind. 
  • Hierfür sprechen verschiedene zellbasierte sowie klinische Studien an Patienten mit Stoffwechselerkrankungen. Ob hierbei auch Bitterrezeptoren eine Rolle spielen, hatte bisher noch keine Forschungsgruppe untersucht.


Zahnfleischzellen als Testsystem

Um dieser Frage nachzugehen, führte das Team um Veronika Somoza Versuche mit einer menschlichen Zelllinie durch, die einer Zahnfleischbiopsie entstammt. Die Zellen dieser Zelllinie sind ein geeignetes Testsystem, um Wechselwirkungen zwischen Bitterstoffen, Bitterrezeptoren und der Freisetzung von Entzündungsmarkern zu untersuchen. Denn, wie das Team erstmals zeigt, verfügen diese Zellen über aktive Bitterrezeptorgene und sind zudem immunkompetent. 

  • Das heißt, behandelt man die Zellen mit Oberflächenantigenen von Bakterien, die Zahnfleischentzündungen auslösen, setzen sie quantifizierbare Mengen des Entzündungsmarkers Interleukin-6 frei.


Resveratrol reduziert Entzündungsmarker

In der aktuellen Studie reduzierte Resveratrol die freigesetzte Entzündungsmarker-Menge um etwa 80 Prozent. 

Eine zusätzliche Gabe der bitter-maskierenden Substanz Homoeriodictyol verringerte diesen entzündungshemmenden Effekt um etwa 17 Prozent. 

„Dies ist bemerkenswert, denn Homoeriodictyol ist eine natürliche Substanz, die nachweislich die über bestimmte Bitterrezeptoren vermittelte Bitterkeit von Nahrungsstoffen verringert. Zu diesen Rezeptoren zählt unter anderem der Bitterrezeptor TAS2R50, den auch die Zellen unseres Testsystems exprimieren“, erklärt Veronika Somoza, stellvertretende Vorständin des Wiener Instituts für Physiologische Chemie und Direktorin des Freisinger Leibniz-Instituts. „Diese Beobachtung und zusätzlich von uns durchgeführte Knock-down-Experimente sowie computergestützte Struktur-Funktions-Analysen legen nahe, dass dieser Rezeptortyp an der Vermittlung der entzündungshemmenden Resveratrol-Wirkung beteiligt ist.“

Somoza ergänzt: „Natürlich besteht noch sehr viel Forschungsbedarf. Dennoch liefern die Studienergebnisse schon jetzt neue Bausteine, die dazu beitragen, die molekularen Wechselwirkungen zwischen bitter schmeckenden Lebensmittelinhaltsstoffen, Bitterrezeptoren und Immunreaktionen aufzuklären." Spannend sei zukünftig auch die Frage, ob Bitterstoffe und Bitterrezeptoren im Hinblick auf entzündliche Zahnfleischerkrankungen wie Parodontose eine Rolle spielen könnten, so die Wissenschaftlerin weiter.

Originalpublikation: Tiroch J, Sterneder S, Di Pizio A, Lieder B, Hoelz K, Holik AK, Pignitter M, Behrens M, Somoza M, Ley JP, Somoza V (2021) J Agric Food Chem, DOI: 10.1021/acs.jafc.0c07058. Bitter Sensing TAS2R50 Mediates the trans-Resveratrol-Induced Anti-inflammatory Effect on Interleukin 6 Release in HGF-1 Cells in Culture https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.jafc.0c07058

Hintergrundinformation

  • Synthetisch hergestelltes trans-Resveratrol ist als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und ist ausschließlich für Erwachsene bestimmt. 
  • Die empfohlene maximale tägliche Aufnahmemenge liegt bei 150 Milligramm. 

Die gesundheitsfördernden Wirkungen von Resveratrol werden derzeit vielfältig untersucht und lassen sich aktuell noch nicht abschließend beurteilen. V

Verbraucher sollten bedenken, dass es bei übermäßigem Konsum von 1 Gramm Resveratrol pro Tag zu Durchfall oder anderen Störungen des Magen-Darmtraktes kommen kann.

Quellen:

1. https://www.bzfe.de/fileadmin//resources/import/pdf/eif_11-12_2016_24_lebensmitt...;

2. https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2016.4368

3. Trabrizi R et al. (2018) Food Funct, 9(12):6116-6128, DOI: 10.1039/c8fo01259h. The effects of resveratrol supplementation on biomarkers of inflammation and oxidative stress among patients with metabolic syndrome and related disorders: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials https://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2018/FO/C8FO01259H#!divAbstract

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Univ.-Prof. Dr. Veronika Somoza
Direktorin
Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München
Lise-Meitner-Str. 34, 85354 Freising
Tel.: +49 8161 71 2700
E-Mail: v.somoza.leibniz-lsb@tum.de

Dr. Gisela Olias
Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München
Lise-Meitner-Str. 34, 85354 Freising
Tel.: +49 8161 71 2980
E-Mail: g.olias.leibniz-lsb@tum.de
www.leibniz-lsb.de


Informationen zum Institut

Das Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München (Leibniz-LSB@TUM) besitzt ein einzigartiges Forschungsprofil. Seine Wissenschaftler kombinieren Methoden der biomolekularen Grundlagenforschung mit Analysemethoden der Bioinformatik und analytischen Hochleistungstechnologien. Ihr Ziel ist es, die komplexen Inhaltsstoffprofile von Rohstoffen bis hin zu den finalen Lebensmittelprodukten zu entschlüsseln und deren Wirkung auf den Menschen aufzuklären. Basierend auf ihrer Forschung entwickelte Produkte sollen dazu beitragen, die Bevölkerung auch in Zukunft nachhaltig und ausreichend mit gesundheitsfördernden, wohlschmeckenden Lebensmitteln zu versorgen. Darüber hinaus sollen die neu gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu dienen, personalisierte Ernährungskonzepte zu entwickeln, die zum Beispiel Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit helfen, ohne dass die Lebensqualität eingeschränkt und die Gesundheit gefährdet ist.

Das Leibniz-LSB@TUM ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 96 selbständige Forschungseinrichtungen verbindet. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.000 Personen, darunter 10.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.

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Originalpublikation:

Tiroch J, Sterneder S, Di Pizio A, Lieder B, Hoelz K, Holik AK, Pignitter M, Behrens M, Somoza M, Ley JP, Somoza V (2021) J Agric Food Chem, DOI: 10.1021/acs.jafc.0c07058. Bitter Sensing TAS2R50 Mediates the trans-Resveratrol-Induced Anti-inflammatory Effect on Interleukin 6 Release in HGF-1 Cells in Culture https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.jafc.0c07058


Weitere Informationen:

https://www.bzfe.de/fileadmin//resources/import pdf/eif_11-12_2016_24_lebensmittelrecht.pdf Informationen des BZfE zu trans-Resveratrol

https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2016.4368 Informationen der EFSA zu trans-Resveratrol


https://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2018/FO/C8FO01259H#!divAbstract Meta-Analyse, Auswertung von klinischen Studien #Resveratrol, #Entzündungsmarker, #Stoffwechselerkrankungen, #metabolisches Syndrom


PD Dr. rer. nat. Eva Hoch: THC- Cannabis-Konsum - Anlass für eine Drogentherapie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Cannabis-Konsum und Cannabis-Konsumstörung

Privatdozentin Dr. Eva Hoch, Psychologin am LMU Klinikum München, ist als einzige Europäerin und als einzige Frau Co-Autorin eines Artikels in der Zeitschrift „Nature“. Zusammen mit fünf Wissenschaftlern aus Australien, Kanada und den USA arbeitete Dr. Hoch ein Jahr an der 24 Seiten langen Übersichtsarbeit.

Sie ist eine der profundesten Forscherinnen zum Thema Cannabis: 

Privatdozentin (PD) Dr. Eva Hoch, Psychologin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am LMU Klinikum, beschäftigt sich schon seit fast 20 Jahren wissenschaftlich mit den Effekten von Cannabis. 

Jetzt ist sie als einzige Europäerin und als einzige Frau Co-Autorin des Artikels „Cannabis use and cannabis use disorder“ (dt: Cannabis-Konsum und Cannabis-Konsumstörung) in der aktuellen Ausgabe des britischen Wissenschafts-Magazins „Nature“. Das ist eine Ehre und eine Bestätigung ihrer Arbeit.

Hoch widmet sich dem Thema Cannabis schon sehr lange, unter anderem weil sie vor ihrer Zeit am LMU Klinikum für die Bundesregierung den alljährlichen Drogenbericht verfasste: „Mitte der 2000er Jahre bemerkten wir, dass der Cannabis-Konsum zunimmt“, erzählt PD Dr. Hoch. 

„Damals wurde unter Experten noch diskutiert, ob Cannabis überhaupt abhängig macht.“ 

Heute weiß man es besser: Die Folgen von intensivem Cannabis-Konsum sind nach Schätzungen der WHO der häufigste Anlass für eine Drogentherapie.

Einer von zehn Konsumenten entwickelt eine Cannabiskonsumstörung

Nach Angaben der Vereinten Nationen nutzen etwa 193 Millionen Menschen pro Jahr Cannabis, das aus der Hanfpflanze gewonnen wird. Und anderem mit diesen Konsequenzen: 

  • Neben dem kurzfristigen, berauschenden Gefühl verringert Cannabis die Aufmerksamkeit und schränkt die Psychomotorik ein, das Risiko für Arbeits- und Verkehrsunfälle steigt. 
  • Zudem kann bei genetischer Vorbelastung schon einmaliger Konsum eine Psychose auslösen, das Risiko für psychische Störungen ist ebenfalls erhöht.
  • Teenager, die Cannabis konsumieren, haben häufiger Schulprobleme, brechen ihre Ausbildung öfter ab. 

Einer von zehn Konsumenten entwickelt eine Cannabiskonsumstörung. 

Aber nicht jeder hat das gleiche Risiko dafür. 

„Neben einer genetischen Vulnerabilität gibt es verschiedene psychische und soziale Risikofaktoren.  

  • Ob sich aus dem Cannabiskonsum eine Abhängigkeit entwickelt, hängt auch davon ab, wie intensiv man vor dem 16. Lebensjahr konsumiert“, erklärt PD Dr. Hoch.
  •  „Besonders in der Pubertät bis hin zum jungen Erwachsenenalter verändert Cannabis die Struktur und die Funktion des Gehirns."


Cannabis hat sich seit 1970er Jahren stark verändert

Seit den Hippie-Zeiten in den 1970er Jahren hat sich die Droge stark verändert. 

In den letzten zehn Jahren hat sich der psychoaktive Hauptwirkstoff in der Hanfpflanze, das Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), durch spezielle Züchtungen fast verdoppelt. 

Das nicht-berauschende Cannabidiol (CBD), dem schützende Eigenschaften zugeschrieben werden, ist oftmals nicht mehr in der Droge vorhanden. Die Pflanze enthält nach heutigem Kenntnisstand mindestens 150 Cannabinoide, die wenigsten davon sind erforscht.

Kaum Studien über Wirkungen und Nebenwirkungen von CBD

Cannabis ist inzwischen auch gesetzlich als Arznei bei schwerkranken Menschen zugelassen.  

Beispielsweise bei chronischen Schmerzen kann es ergänzend zu Analgetika eingesetzt werden. 

„Auch die medizinische Wirkung von CBD wird gerade viel diskutiert, aber wir haben noch kaum Studien über seine Wirkungen und Nebenwirkungen“, sagt PD Dr. Hoch. 

  • Unter anderem wird diskutiert, ob hohe Dosen CBD eventuell Embryonen, Spermien und Leber schädigen könnten.

Was aber längst klar ist: 

Cannabisabhängigkeit ist eine Suchterkrankung und sollte auch als solche behandelt werden, beispielsweise mit einem klinischen Entzug und Verhaltenstherapie. 

  • Untersuchungen haben gezeigt, dass Veränderungen am Gehirn reversibel sind, wenn man den Konsum dauerhaft beendet. 

„Cannabis ist ein hochkomplexes Thema, bei dem wir mit unserem Wissen immer noch am Anfang stehen“, sagt PD Dr. Hoch. „Es liegt noch viel Arbeit vor uns.“

Originalpublikation:

Cannabis use and cannabis use disorder. Nat Rev Dis Primers 7, 17 (2021). https://doi.org/10.1038/s41572-021-00256-3

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Originalpublikation:

https://www.nature.com/articles/s41572-021-00256-3


Prof. Dr. med. Manfred Beutel: Einladung zur PTBS - Posttraumatische Belastungsstörung Patientenstudie ENHANCE - Behandlungsstudie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: ENHANCE – Teilnehmer für Trauma-Behandlungsstudie nach Gewalt oder Missbrauch in Kindheit und Jugend gesucht

BMBF-geförderte Studie erforscht Behandlungsverfahren für die Posttraumatische Belastungsstörung

Menschen, die als Kinder oder Jugendliche Opfer von Gewalt oder Missbrauch wurden, spüren die Folgen dieser traumatischen Erfahrungen häufig noch im Erwachsenenalter. 

Eine nicht selten auftretende Traumafolgestörung ist die sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). 

  • Die PTBS ist unter anderem durch unwillkürliches Wiedererleben der traumatischen Erfahrungen in Form von sich aufdrängenden Erinnerungen an das Trauma und Albträumen gekennzeichnet. 

Auch die Vermeidung von traumabezogenen Reizen und Gedanken ist ein Merkmal. 

  • Intensive Schuld- und Schamgefühle sowie starke körperliche Reaktionen wie erhöhte Schreckhaftigkeit stellen ebenfalls Symptome einer PTBS dar.


Für die PTBS existieren mehrere effektive psychotherapeutische Behandlungsverfahren, deren Wirksamkeit noch weiter verbessert werden soll. 

Die ENHANCE-Studie ist eine bundesweite, durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Behandlungsstudie, in der zwei Behandlungsverfahren für die PTBS miteinander verglichen werden: 

die traumafokussierte psychodynamische und die traumafokussierte kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung. 

Sowohl die Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin als auch die Forschungs- und Lehrambulanz der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) beteiligen sich an der multizentrischen ENHANCE-Behandlungsstudie.

Aktuell werden weitere Interessierte für eine Behandlung im Rahmen der ENHANCE-Behandlungsstudie gesucht. 

 Medizin am Abend Berlin ZusatzFachhinweis: Kinder- und Jugendarztpraxis

Interessierte sollten zwischen 18 und 65 Jahre alt sein, unter Symptomen einer PTBS leiden und in der Kindheit und/oder der Jugend körperliche oder sexualisierte Gewalt durch eine Bezugs- oder Autoritätsperson erlebt haben.

Beide in ENHANCE eingesetzte Behandlungsverfahren umfassen 24 Therapiesitzungen. 

Da es sich um eine wissenschaftliche Studie handelt, ist es notwendig, dass die Teilnehmenden zufällig einem der beiden Verfahren oder einer Wartegruppe zugeteilt werden. 

Sollten Teilnehmende in die Wartegruppe kommen, dürfen sie nach sechs Monaten selbst das Behandlungsverfahren auswählen. 

Behandlungsort ist Mainz. 

Wenn jedoch einer der anderen Studien-Standorte – Berlin, Dresden, Gießen oder Ulm – geeigneter sein sollte, können wir gerne den Kontakt zu den anderen Standorten vermitteln.

Personen, die an einer Teilnahme an der ENHANCE-Studie Interesse haben, können per E-Mail über ENHANCE@uni-mainz.de oder per Telefon über 06131 17-6149 Kontakt zum Studienteam in Mainz aufnehmen und ihre telefonischen Kontaktdaten sowie eine Erreichbarkeit hinterlassen. 

Das Studienteam wird sich daraufhin zeitnah zurückmelden. 

Weitere Informationen sind unter www.enhance-traumatherapie.de zu finden.

Weitere Links:
https://www.unimedizin-mainz.de/psychosomatik/forschung/psychotherapie-versorgun... - ENHANCE an der Universitätsmedizin Mainz 


https://klipsy.uni-mainz.de/forschung/enhance/ - ENHANCE an der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie

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Lina Krakau
Prof. Dr. med. Manfred Beutel
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin
und
Karoline Sophie Sauer
Prof. Dr. Michael Witthöft
Forschungs- und Lehrambulanz der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel.: 06131 17-6149
E-Mail: ENHANCE@uni-mainz.de
www.enhance-traumatherapie.de 

Petra Giegerich Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Forum universitatis 3
55128 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz

Petra Giegerich
Telefon: 06131 39-22369
Fax: 06131 39-24139

Bettina Leinauer
E-Mail-Adresse: bettina.leinauer@uni-mainz.de

 

Prof. Dr. Frank M. Brunkhorst: https://www.remapcap.org/ Den Einsatz von monoklonalen Antikörpern bei COVID-19-Erkrankungen mit sehr schwerem Verlauf

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: COVID-19: Neue Behandlungsempfehlungen auf Intensivstation

In einer internationalen Kooperation testet die REMAP-CAP-Studiengruppe bekannte Wirkstoffe in der Behandlung von COVID-19. 

https://www.remapcap.org/

Ihre jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse belegen für schwer erkrankte Patienten den Nutzen monoklonaler Antikörper in Ergänzung zu Kortisonpräparaten. 

 Behandlung von COVID-19-Patienten auf der Intensivstation im Universitätsklinikum Jena: Ergebnisse der REMAP-CAP-Studiengruppe belegen den Nutzen monoklonaler Antikörper für schwer erkrankte Patienten.

 Behandlung von COVID-19-Patienten auf der Intensivstation im Universitätsklinikum Jena: Ergebnisse der REMAP-CAP-Studiengruppe belegen den Nutzen monoklonaler Antikörper für schwer erkrankte Patienten. Universitätsklinikum Jena

Die REMAP-CAP-Studiengruppe ist ein von Intensivmedizinern und Infektiologen aufgebauter Zusammenschluss von Intensivstationen in 14 Ländern in Europa, Kanada, USA, Australien, Neuseeland und Saudi-Arabien. 

In dieser einzigartigen weltweiten Kooperation führt die Gruppe randomisierte klinische Tests in einer laufenden internationalen, multifaktoriellen, adaptiven Plattformstudie durch, um die Wirksamkeit bekannter Medikamente in der COVID-19-Pandemie zu untersuchen. 

  • Die aus derzeit 25 Intensivstationen bestehende Studienbeteiligung in Deutschland wird am Zentrum für Klinische Studien des Universitätsklinikums Jena (UKJ) koordiniert.


In einer jetzt im New England Journal of Medicine erschienenen Arbeit berichten die Ärzte von einer Studie, die den Einsatz von monoklonalen Antikörpern bei COVID-19-Erkrankungen mit sehr schwerem Verlauf testete. 

Die Wirkstoffe Tocilizumab und Sarilumab werden seit Jahren bei rheumatischer Arthritis eingesetzt.

 Sie blockieren den Rezeptor für Interleukin-6, einen entzündungsfördernden Immunbotenstoff. 

  1. Auf diese Weise, so die Studienhypothese, könnte die organschädigende Entzündungsantwort gemildert werden. 

Diese Vermutung konnte die randomisierte kontrollierte Studie mit 800 Intensivpatienten, von denen 70% eine künstliche Beatmung erhielten, bestätigen.

Die Hälfte der Patienten erhielt die Studienmedikamente innerhalb eines Tages, nachdem eine Unterstützung der Organfunktionen notwendig geworden war. 

„In der Folge benötigten diese Patienten zehn Tage weniger eine Organunterstützung als die Kontrollgruppe, auch konnte das Risiko zu versterben um ein Viertel gesenkt werden“, fasst Frank Brunkhorst das Ergebnis zusammen. 

Der Leiter des Studienzentrums und Professor für klinische Sepsisforschung am UKJ ist als Mitglied der globalen Lenkungsgruppe mitverantwortlich für Design und Protokolle der REMAP-CAP-Studien. 

„Neben den Kortikosteroiden steht uns damit eine zweite gut bekannte und sichere Wirkstoffgruppe zur Verfügung, deren Einsatz bei der Behandlung schwerer COVID-19-Verläufe nachweislich wirksam ist.“ 

  • Die kürzlich als Preprint veröffentlichten Ergebnisse der britischen RECOVERY-Studiengruppe haben den Nutzen von Tocilizumab auch bei weniger schwer kranken hospitalisierten Patienten eindrucksvoll bestätigt.
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Prof. Dr. Frank M. Brunkhorst
Zentrum für Klinische Studien, Universitätsklinikum Jena
E-Mail: frank.brunkhorst@med.uni-jena.de
Telefon: +49 3641 9-396687

Dr. Uta von der Gönna Universitätsklinikum Jena

Bachstraße 18
07743 Jena
Deutschland
Thüringen

Dr. Uta von der Gönna
Telefon: 03641/ 9391108
Fax: 03641/ 9391102
E-Mail-Adresse: pr-dekanat@med.uni-jena.de


Originalpublikation:

REMAP-CAP Investigators: Interleukin-6 Receptor Antagonists in Critically Ill Patients with Covid-19, February 25, 2021, N Engl J Med 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2100433


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

http://www.remapcap.org Homepage der Studiengruppe


PD Dr. Axel Unbehaun: TAVI - Transcatheter Aortic Valve Implantation vs. Transplantation

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: TAVI statt Transplantation

In „European Heart Journal – Case Reports“ beschreiben Ärzte des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB), wie sie einem schwer herzkranken Jugendlichen mit einer herzmedizinischen Weltpremiere entscheidend helfen konnten – und dabei auf eine spannende wissenschaftliche Spur gestoßen sind. 

PD Dr. med. Axel Unbehaun PD Dr. med. Axel Unbehaun C.Maier DHZB

Niklas P. aus dem niedersächsischen Isenbüttel kommt im September 2005 mit mehreren Herzfehlern zur Welt. 

Unter anderem ist die Aortenklappe, also das Ventil zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader, fehlgebildet und hochgradig verengt.

Die Ärzt*innen können die verengte Aortenklappe mit einem Ballonkatheter vorsichtig dehnen und damit sein Leben retten. Niklas wächst zunächst weitgehend normal auf, spielt Fußball im Verein und gehört im Sportunterricht zu den Besten.

Doch im Alter von etwa elf Jahren zeigt sich: 

Niklas‘ Aortenklappe hat sich wieder etwas verengt. 

Zudem ist Klappe undicht: 

  • Bei jedem Herzschlag „schießt“ ein Teil des sauerstoffreichen Blutes zurück in die Herzkammer, was einen Rückstau des Blutes in die Lungenvenen und damit einen bedrohlichen Lungenhochdruck bewirkt.
  • Und schließlich wird auch eine „linksventrikuläre non-compaction Kardiomyopathie (LVNC)“ diagnostiziert: 
  • Diese seltene, schwammartige Veränderung des Herzmuskels in der linken Herzkammer verringert die Pump-Leistung des Herzens erheblich.


Niklas‘ Zustand verschlechtert sich stetig. 

Eine herzchirurgische Korrektur der erkrankten Aortenklappe kommt für die Ärzt*innen der behandelnden Fachklinik nicht in Frage, das OP-Risiko ist wegen des geschädigten Herzmuskels zu hoch.

Die einzige Chance für Niklas scheint die Herztransplantation zu sein. 

Vorher soll der Patient an ein Kunstherz angeschlossen werden, um den Lungenhochdruck langsam zu senken. 

Gelingt auch dies nicht, bleibt nur eine kombinierte Transplantation von Herz und Lunge.

Niklas‘ Mutter Nadine sucht eine Zweitmeinung und stellt ihren Sohn im August 2018 zum ersten Mal im Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) vor.

Niklas und seine Mutter Nadine

Niklas und seine Mutter Nadine C.Maier DHZB


Neue Hoffnung

Auch dort sehen die Ärzt*innen in Niklas‘ undichter Aortenklappe das drängendste Problem. 

Ihre Annahme: Wenn sie den Herz-Lungen-Kreislauf durch die Beseitigung dieser Engstelle entlasten könnten, könnte die Behandlung der Herzmuskelschwäche – notfalls durch Transplantation – noch aufgeschoben werden.

Zwar erscheint auch den Berliner Spezialist*innen eine OP am offenen Herzen als zu riskant. Doch sie sehen eine weitere Möglichkeit für Niklas:  

Eine TAVI.


"Transcatheter Aortic Valve Implantation",
 

Dieses Kürzel steht für englisch  also den Ersatz einer erkrankten Aortenklappe, ohne dass dabei eine Operation am offenen Herzen nötig wird.

Die Segel der Ersatzklappe aus Tiergewebe sind dabei an einem Metallgerüst befestigt, das zusammengefaltet durch einen Katheter bis zum Herzen vorgeschoben wird. Unter Röntgenkontrolle wird die Ersatzklappe genau an Stelle der erkrankten Klappe aus dem Katheter freigesetzt und aufgespannt.  

Der Brustkorb muss nicht eröffnet und das Herz nicht stillgelegt werden.  

In den meisten Fällen ist auch keine Narkose nötig. 

In der Regel dauert der Eingriff weniger als eine Stunde.

  • Insbesondere wegen fehlender wissenschaftlich gesicherter Langzeit-Erkenntnisse werden TAVI-Prozeduren aber nur empfohlen, wenn ein erhöhtes Risiko für die etablierte OP zum Aortenklappenersatz besteht und sich die Patient*innen im höheren Alter (in der Regel 75 Jahre oder älter) befinden.


Ohnehin ist die Verengung und Verkalkung der Aortenklappe eine Alterserkrankung. 

Bei jungen Menschen wird ein Ersatz meist – wie in Niklas‘ Fall – nur bei angeborenen Herzfehlern notwendig. Aber auch dann ist das TAVI-Verfahren nicht zugelassen und eigentlich auch nicht sinnvoll: Denn um die TAVI-Klappe sicher verankern zu können, sollte die erkrankte Klappe altersbedingte Verkalkungen aufweisen.

Noch nie wurde nach Wissen der Berliner Ärzt*innen eine TAVI bei einer Patientin oder einem Patienten mit Niklas‘ komplexen Krankheitsbild vorgenommen. Dennoch sehen die Ärzt*innen in diesem speziellen Fall Erfolgsaussichten und entscheiden sich gemeinsam mit Niklas und seiner Familie für den Versuch.

Am 29.11.2018 gegen 8 Uhr morgens beginnt das Team unter Leitung von Oberarzt PD Dr. med. Axel Unbehaun mit dem Eingriff. Er gelingt problemlos. Die neue Klappe sitzt exakt, fest und schließt vollständig. Sowohl der „Rückstoß“ des Blutes in die linke Herzkammer als auch die Engstelle als Ursache für den Lungenhochdruck sind damit beseitigt.

Bereits vier Tage später kann Niklas aus dem DHZB entlassen werden. Er erholt sich schnell und umfassend, nimmt bereits im Sommer 2019 wieder am Schulsport teil.

Neue Theorie

Eine Listung zur Herz- oder gar zur Herz-Lungen-Transplantation ist nicht mehr angezeigt. 

Denn auch die Schwäche des Herzmuskels im Bereich der linken Herzkammer hat sich deutlich gebessert – obwohl die TAVI daran unmittelbar nichts geändert hat.

Wie die Berliner Ärzte jetzt in „European Heart Journal – Case Reports“ schreiben, legt das die Vermutung nahe, dass der ständige Rückstrahl des Blutes aus der undichten Aortenklappe gegen die Wand der Herzkammer die eigentliche Ursache für die schwammartige Umbildung des Herzmuskels sein könnte.

„Das hieße im günstigsten Fall, dass sich der Herzmuskel dauerhaft erholen oder zumindest lebenslang so gut funktionieren könnte, dass Niklas nie für eine Transplantation gelistet werden muss“, erläutert Herzchirurg Dr. Axel Unbehaun. 

„Bislang ist das nur eine Theorie, der wir als Wissenschaftler aber weiter nachgehen werden. 

Als Ärzte beobachten wir Niklas‘ weitere Entwicklung sorgfältig – und freuen uns mit ihm und seiner Familie sehr darüber, dass es ihm so gut geht.“


Originalpublikation:

https://academic.oup.com/ehjcr/article/5/2/ytab034/6138225?login=true

 

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Prof. Dr. med. Peter Berlit: CAVE-Untersucher: Neurologische Manifestationen bei COVID-19 - Impfungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Update der S1-Leitlinie zu „Neurologischen Manifestationen bei COVID-19“ veröffentlicht

Im August 2020 wurde die S1-Leitlinie zu „Neurologischen Manifestationen bei COVID-19“ unter Federführung von Prof. Dr. med. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN, veröffentlicht. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Covid-19 und Neurologie 

Nun folgte ein erstes Leitlinien-Update [1], denn es gab zwischenzeitlich relevante Erkenntnisse im Hinblick auf neurologische Manifestationen, ihre Therapien sowie die besondere Risikokonstellation von Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen. 

  • Eine wichtige Botschaft ist, dass bei ihnen keine Kontraindikation gegen die SARS-CoV-2-Impfung vorliegt. 

Eine weitere bedeutsame Erkenntnis: 

  • Menschen, die in der Vergangenheit einen Schlaganfall erlitten haben, sind eine COVID-19-Hochrisikogruppe.
  • Bei COVID-19-Erkrankungen kann es zum Auftreten von neurologischen Manifestationen wie Riech- und Geschmacksstörungen, Enzephalopathien, Enzephalomyelitiden, ischämischen Schlaganfällen und intrazerebralen Blutungen sowie neuromuskulären Erkrankungen kommen. 

Unter Federführung von Prof. Dr. med. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN, wurde aktuell ein Update der S1-Leitlinie zu „Neurologischen Manifestationen bei COVID-19“ veröffentlicht.

 „Die Forschungsaktivität zu SARS-CoV-2/COVID-19 ist enorm hoch und wir haben in den letzten sechs Monaten neue, relevante Erkenntnisse im Hinblick auf neurologische Manifestationen, ihre Therapien sowie die besondere Risikokonstellation von Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen gewinnen können“, so Berlit. 

  • Eine gute Nachricht und besonders zentral in der aktuellen Situation sei demnach die Erkenntnis, dass eine vorbestehende neurologische Erkrankung nach jetzigem Wissensstand keine Kontraindikation gegen eine SARS-CoV-2-Impfung ist.


„Wir können nun auch genauer als vor einem halben Jahr die Risikogruppen benennen“, so der Experte. 

Nach aktueller Datenlage scheinen Patientinnen und Patienten mit neuroimmunologischen Erkrankungen wie z.B. der Multiplen Sklerose, kein erhöhtes Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion oder schwere COVID-19-Verläufe zu haben. 

  • Lediglich für jene, die mit einem monoklonalen Antikörper gegen das CD20-Antigen (Rituximab und Ocrelizumab) behandelt werden, liegen Berichte vor, die auf ein erhöhtes Infektions- und Mortalitätsrisiko hindeuten. 

Ebenso scheinen Patientinnen und Patienten mit präexistenten neuromuskulären Erkrankungen entgegen anfänglicher Befürchtungen keine besondere Gefährdungslage zu haben. 

  • Überraschend ist hingegen die Erkenntnis, dass Menschen mit zerebrovaskulären Erkrankungen in der Anamnese oft sehr schwer an COVID-19 erkranken und eine besonders vulnerable Gruppe darstellen. 

Der Experte bringt es so auf den Punkt: 

  • „Wer bereits einen Schlaganfall gehabt hat, ist COVID-19-Risikopatientin/-patient, sollte sich in besonderem Maße vor dem Virus schützen, die Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln strikt einhalten und ein Impfangebot unbedingt wahrnehmen!“


Das Auftreten verschiedener neurologischen Manifestationen während der COVID-19-Erkrankung beeinflusst, wie man heute weiß, die Prognose der Betroffenen. 

  • Während der Viruserkrankung auftretende Enzephalopathien (Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen und Gedächtnisprobleme) zeigen eine klare Assoziation mit höherer Morbidität und Mortalität.


Das Leitlinien-Update beleuchtet alle wesentlichen neurologischen Aspekte der COVID-19-Erkrankung und gibt Informationen zur Pathogenese, der Prognose, zur Diagnostik und Therapie – übrigens auch im Hinblick auf anhaltende Symptome. 

  • Bekannt ist, dass bei vielen Betroffenen die COVID-19-assoziierten Riechstörungen über eine lange Zeit anhalten. 
  • Die Leitlinie empfiehlt, dass bei einer Dauer von über vier Wochen eine neurologische und HNO-ärztliche Vorstellung mit weiterführender Diagnostik erfolgen sollte. 

Empfohlen wird dann ein konsequentes, strukturiertes „Riechtraining“, während die Datenlage für Kortikoid-haltige Nasensprays noch zu heterogen sei, um eine gesicherte Empfehlung auszusprechen. 

Offensichtlich sind neben Riech- und Geschmacksstörungen eine abnorme Erschöpfbarkeit (Fatigue) und neurokognitive Probleme eine häufige COVID-19-Krankheitsfolge, welche auch nach leichten Verläufen der Akuterkrankung fortbestehen können.  

„Diese COVID-19-Spätfolgen werden wir in unserer DGN-Leitlinie behandeln, sobald zuverlässige Daten zu den Ursachen und zum Management dieser neurologischen Folgekomplikationen vorliegen“, verspricht Prof. Berlit. Die bestehende Leitlinie wurde als „Living Guideline” angelegt, bei der eine jährliche Aktualisierung mit kontinuierlicher Überprüfung vorgesehen ist.

Literatur
[1] Berlit P. et al., Neurologische Manifestationen bei COVID-19 – Update vom 22.02.2021. Abrufbar unter https://dgn.org/leitlinien/neurologische-manifestationen-bei-covid-19

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Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o Dr. Bettina Albers, albersconcept, Jakobstraße 38, 99423 Weimar
Tel.: +49 (0)36 43 77 64 23
 Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
E-Mail: presse@dgn.org

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als wissenschaftliche Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 10.000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern und zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsident: Prof. Dr. med. Christian Gerloff
Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. Gereon R. Fink
Past-Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Generalsekretär: Prof. Dr. Peter Berlit
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org


Originalpublikation:

https://dgn.org/leitlinien/neurologische-manifestationen-bei-covid-19


TOP-CAVE-Untersucher: Die Hepatitis-E-Virus Intektion (HEV) und der Cholesterin-Stoffwechsel und die Verwendung von Lipidsendkern

Medizin am Abend Berlin  - MaAB-Fazit: Cholesterin mal anders – Cholesterin-Stoffwechsel als Angriffspunkt im Kampf gegen Hepatitis-E-Viren

Bei einer Hepatitis-E-Virus-Infektion kommt es zu einem Wechselspiel mit dem Cholesterinstoffwechsel. 

Eine Forschungskooperation unter Leitung des Paul-Ehrlich-Instituts fand jetzt heraus, dass niedrige intrazelluläre Cholesterinspiegel die Freisetzung des Virus begünstigen. 

Umgekehrt führen hohe intrazelluläre Cholesterinspiegel zum Abbau der Viren innerhalb der infizierten Zelle. 

Die Ergebnisse könnten Implikationen für die Therapie von Patientinnen und Patienten mit Hepatitis-E-Infektion haben und zudem neue Therapieoptionen eröffnen. 

Über die Ergebnisse berichtet Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology in seiner Online-Ausgabe vom 15.02.2021. 

Hepatitis E
Hepatitis E Shutterstock, Kateryna Kon Cholesterin mal anders – Cholesterin-Stoffwechsel als Angriffspunkt im Kampf gegen Hepatitis-E-Viren

Das Hepatitis-E-Virus (HEV) ist in einem Großteil der Entwicklungsländer verbreitet und stellt ein zunehmend großes Risiko auch für Europa und Nordamerika dar. 

In den letzten Jahren wurden weltweit bis zu 20 Millionen Neuinfektionen pro Jahr registriert, die bis zu 44.000 Todesfälle pro Jahr verursachen können.  

Einen Impfstoff gibt es außerhalb Chinas nicht.  

Derzeit beschränken sich die Behandlungsmöglichkeiten entweder auf das Virostatikum Ribavirin, bei dem es zur Entwicklung einer Medikamentenresistenz kommen kann, oder auf pegyliertes Interferon (PEG-74 IFN). Beide Behandlungsoptionen können schwere Nebenwirkungen verursachen.

Es ist bekannt, dass das HEV für seine Freisetzung aus den infizierten Zellen das sogenannte endosomale System des Wirts "kapert". 

Endosomen und daraus hervorgehende Exosomen sind membranumschlossene, funktionelle Bereiche (Organellen) in den Zellen, die am Transport von Proteinen und Lipiden zwischen und innerhalb von Zellen beteiligt sind. Diese endosomalen Strukturen sind in hohem Maße von Cholesterin abhängig.

Welche Auswirkungen hat die Infektion mit HEV auf den Cholesterin-Stoffwechsel? Und umgekehrt: Wie beeinflusst der intrazelluläre Cholesteringehalt die Freisetzung der HEV aus den Zellen und könnten Cholesterin-Modulatoren möglicherweise therapeutisch genutzt werden? Diesen Fragen gingen Mirco Glitscher und Kolleginnen und Kollegen im Paul-Ehrlich-Institut unter Leitung von Prof. Eberhard Hildt, Leiter der Abteilung Virologie, im Verbund mit Wissenschaftlerinnen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), der Universitätsklinik Aachen und der Charité Universitätsmedizin Berlin nach.

Mithilfe verschiedener Methoden wies das Forschungskonsortium nach, dass eine HEV-Infektion die Serum-Lipidkonzentrationen senkt. 

In infizierten Zellen sind die Cholesterinwerte herabgesetzt. 

  • Eine Behandlung mit Statinen, einer bestimmten Wirkstoffgruppe von Lipidsenkern, erhöht die Virusspiegel (Virus-Titer) und damit die Viruslast in chronisch infizierten Patientinnen und Patienten. 
  • Auch in Zellkultur wurden nach Senkung der intrazellulären Cholesterinspiegel durch eine Behandlung mit dem Statin Simvastatin verstärkt Hepatitis-E-Viren freigesetzt. 

Umgekehrt wird durch Erhöhung des intrazellulären Cholesterins durch Lipoproteine niederer Dichte (low-density lipidprotein, LDL) oder 25-Hydroxycholesterin die Virusfreisetzung reduziert. 

Dies geschieht, indem die HEV in Zellorganellen, den Lysosomen, abgebaut werden. 

Die Abnahme der Virusfreisetzung ließ sich auch durch die Erhöhung des intrazellulären Cholesterins über medikamentöse Wirkstoffe wie Fenofibrat erzeugen. 

Fenofibrat ist ebenfalls ein Lipidsenker, gehört jedoch zu einer anderen Wirkstoffklasse als die Statine.

  • "Unsere Untersuchungen zeigen die Bedeutung der Wechselwirkung zwischen Cholesterin und dem Hepatitis-E-Virus für die Viruslast und den Krankheitsverlauf. 

Möglicherweise können die Erkenntnisse aus dieser Forschungsarbeit genutzt werden, um neue Therapieoptionen klinisch zu prüfen, insbesondere im Hinblick auf die Verwendung von Lipidsenkern. 

Gerade Fibrate könnten hier eine günstige und effiziente Alternative zu derzeitigen Behandlungsoptionen darstellen.", erläutert Hildt die Bedeutung der Ergebnisse.


Originalpublikation:

Glitscher M, Heiler Martín D, Woytinek K, Schmidt B, Tabari D, Scholl C, Stingl JC, Seelow E, Choi M, Hildt E (2021): Targeting cholesterol metabolism as efficient antiviral strategy against the Hepatitis E virus.
Cell Mol Gastroenterol Hepatol Feb 15 [Epub ahead of print].

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Dr. Susanne Stöcker  

Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

Paul-Ehrlich-Str. 51 - 59
63225 Langen
Deutschland
Hessen

Dr. Susanne Stöcker
Telefon: 06103 / 77-1030
Fax: 06103 / 77-1262
E-Mail-Adresse: presse@pei.de

 

Prof. Dr. Rolf Wachter: Vorhofflimmern und Schlaganfall - Stummes Vorhofflimmern und Zusammenarbeit mit hausärztlichen Praxen

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Mobiles Rhythmuspflaster kann Vorhofflimmern frühzeitig erkennen

Ein mobiles Rhythmuspflaster erkennt Vorhofflimmern bei Risikopatienten zehn Mal häufiger, als die herkömmliche Diagnostik. 

Das ist das Ergebnis einer neuen transatlantischen Studie, an der Forscher aus Kanada und Deutschland beteiligt waren. 

  • Das mobile Verfahren könnte sich damit zur Früherkennung von Vorhofflimmern eignen und so Schlaganfällen vorbeugen.  

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, von der über 30 Millionen Menschen weltweit betroffen sind. 

 In das Rhythmuspflaster ist eine EKG-Aufzeichnungseinheit integriert, die den Herzschlag für zwei Wochen durchgehend aufzeichnet.

 In das Rhythmuspflaster ist eine EKG-Aufzeichnungseinheit integriert, die den Herzschlag für zwei Wochen durchgehend aufzeichnet. Foto: Williamson Adams

Durch den unregelmäßigen Herzschlag kann das Blut in den Vorhöfen verklumpen. 

  • Gelangen solche Gerinnsel ins Gehirn und verschließen Gefäße, entsteht ein Schlaganfall. Bei älteren Menschen ist Vorhofflimmern eine der wichtigsten Ursachen für einen Schlaganfall.


Stummes Vorhofflimmern erkennen

Häufig macht Vorhofflimmern keine Beschwerden und ist deshalb nur schwer zu erkennen. 

"Wir hoffen, dass wenn wir stummes Vorhofflimmern besser erkennen, mehr Menschen frühzeitig behandelt und Schlaganfälle verhindert werden könnten", sagt der kanadische Studienleiter Dr. David Gladstone vom Sunnybrook Health Sciences Centre und der Universität Toronto. Die Studie wurde am Population Health Research Institute in Hamilton, Kanada, koordiniert.

In der multizentrischen, randomisierten Studie mit dem Namen SCREEN-AF wurde ein Rhythmuspflaster untersucht, das jeden Herzschlag aufzeichnet und stummes Vorhofflimmern aufspüren kann. 

An der Studie nahmen 856 Personen aus 48 Hausarztpraxen im Zeitraum von 2015 bis 2019 teil. Die Teilnehmer waren 75 Jahre oder älter und hatten einen hohen Blutdruck, aber kein bekanntes Vorhofflimmern.

Die Hälfte der Teilnehmer erhielt das Rhythmuspflaster, das zweimal für jeweils zwei Wochen auf die Brust aufgeklebt wurde. 

Die andere Hälfte erhielt die medizinische Standardversorgung. 

In das Rhythmuspflaster ist eine EKG-Aufzeichnungseinheit integriert, die den Herzschlag für zwei Wochen durchgehend aufzeichnet. 

Das Pflaster wurde nach zwei Wochen abgenommen und zur Auswertung eingeschickt. Alle Teilnehmer wurden sechs Monate lang beobachtet.

  • Blutverdünner können vor Schlaganfällen schützen


Die Studie ergab, dass das Rhythmuspflaster von den Teilnehmern gut vertragen und Vorhofflimmern zehn Mal häufiger erkannt wurde. In der Rhythmuspflastergruppe wurde bei 23 Teilnehmern Vorhofflimmern festgestellt, in der Kontrollgruppe nur bei 2. Von den Vorhofflimmerpatienten erhielten 75 Prozent ein blutverdünnendes Medikament zum Schutz vor Schlaganfällen.

  • „Die Vorhofflimmerepisoden, die wir gefunden haben, waren meist mehrere Stunden lang. Blutverdünner sind allgemein bei Vorhofflimmerpatienten sehr effektive Medikamente und können das Schlaganfallrisiko um fast 70 Prozent senken. 

Allerdings ist für die von uns identifizierten Patienten die bestmögliche Therapie noch nicht ausreichend untersucht", sagt Ko-Studienleiter Prof. Dr. Rolf Wachter* vom Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen und vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Standort Göttingen.

Rund ein Drittel der Teilnehmer wurden in Deutschland über hausärztliche Kooperationspraxen der DZHK-Partnereinrichtungen Göttingen und Hamburg erreicht.  

„Für zukünftige Studien zum Vorhofflimmerscreening eignen sich Hausarztpraxen sehr gut“, ergänzt Prof. Dr. Eva Hummers vom Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen. 

Sie hat die Zusammenarbeit mit den hausärztlichen Praxen geleitet.

Vorhofflimmern kann gefährlich sein, denn es kann zur Bildung von Blutgerinnseln und zu Schlaganfall führen. 

Weltweit ist Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache bei Erwachsenen und eine der Hauptursachen für Behinderungen und Demenz. 

„Eine Verbesserung der Diagnostik von Vorhofflimmern und die Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten ist einer der Forschungsschwerpunkte im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung. 

Dazu leisten die Ergebnisse der SCREEN-AF-DZHK15-Studie einen wichtigen Beitrag“, sagt Prof. Dr. Stefanie Dimmeler, Sprecherin des Vorstandes des DZHK.

*Rolf Wachter ist seit 2019 Professor für Klinische und Interventionelle Kardiologie am Universitätsklinikum der Universität Leipzig.

Ko-Studienleiter Prof. Rolf Wachter und Prof. Eva Hummers. Die Allgemeinmedizinerin leitete die Zusammenarbeit mit den hausärztlichen Praxen.

Ko-Studienleiter Prof. Rolf Wachter und Prof. Eva Hummers. Die Allgemeinmedizinerin leitete die Zusammenarbeit mit den hausärztlichen Praxen. Foto: Herzzentrum Göttingen

Studie:
Home-Based Screening for Early Detection of Atrial Fibrillation in Primary Care Patients Aged 75 Years and Older (SCREEN AF) https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02392754

Der in Deutschland durchgeführte Teil der Studie unter dem Namen SCREEN-AF-DZHK15 nutzt die Klinische Forschungsplattform des DZHK https://dzhk.de/forschung/klinische-forschung/klinische-forschungsplattform/

Förderung:
Diese Studie wurde durch das Canadian Stroke Prevention Intervention Network (CSPIN) und das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) finanziert, ergänzt durch Mittel von Boehringer Ingelheim und Sachleistungen von Microlife Corporation, ManthaMed und iRhythm Technologies Inc.

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Prof. Dr. med. Rolf Wachter, Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für Kardiologie, Rolf.Wachter@medizin.uni-leipzig.de

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E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de

Sarah Mempel
Telefon: 030 3465 529-18
E-Mail-Adresse: sarah.mempel@dzhk.de

 

Originalpublikation:

JAMA Cardiol. Published online February 24, 2021. doi:10.1001/jamacardio.2021.0038
https://jamanetwork.com/journals/jamacardiology/fullarticle/2776728