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Prof. Dr. Stefan Müller: Blutprobe im Rettungsdienst zum Thema Hämoglobin - https://www.krankheitslage-deutschland.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wissenschaftler der TH Lübeck entwickeln mobiles Blutanalysegerät für den Einsatz im Rettungsdienst

„moBox“ nennen die Lübecker Entwickler an der Technischen Hochschule ihr mobiles medizinisches Gerät für den Rettungsdienst. 

Bereits am Notfallort erkennt das Gerät anhand einer minimalen Blutprobe schnell und zuverlässig mögliche Veränderungen am roten Blutfarbstoff Hämoglobin und rettet Leben.

Über 7 Millionen medizinische Notfälle gibt es jedes Jahr allein in Deutschland. 

https://www.krankheitslage-deutschland.de/

Häufig ist dabei die Ursache der Probleme nicht sofort festzustellen. 

Insbesondere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Vergiftungen können jedoch schnell lebensbedrohlich werden. 

Vor solchen oder ähnlichen Situationen stehen die Rettungsdienste nicht selten. 

Sie sind es dann, die über weitere Schritte im Rettungsprozess bestimmen und letztendlich auf Basis ihrer Erfahrungen entscheiden, was gemacht wird.

„Kommt der Rettungsdienst an einen Einsatzort, ist die Lage oft nicht besonders übersichtlich. 

Im schlimmsten Fall liegt der Patient am Boden, hat einen eingeschränkten Allgemeinzustand und kann sich selbst nicht äußern. 

Der Rettungsdienst muss herausfinden, warum es dem Patienten so schlecht geht“, sagt M.Sc. Benjamin Kern, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor für Medizinische Sensor- und Gerätetechnik (MSGT) der Technischen Hochschule (TH) Lübeck.

 


 

 

 

 

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  • Kern: „Viele Veränderungen lassen sich am Blut nachweisen. 
  • Bei Vergiftungen durch Kohlenmonoxid und bestimmten Chemikalien muss beispielsweise ermittelt werden, wieviel Blut des oder der Patient:in überhaupt noch in der Lage ist, Sauerstoff zu transportieren.“

„Dazu aber gibt es aktuell noch kein Verfahren oder Gerät, das direkt am Einsatzort eine solche Diagnose zuverlässig und mit Laborgenauigkeit ermöglicht. 

Eine richtige Analyse und Diagnose wird erst in einem klinischen Labor mit entsprechenden Geräten möglich, wodurch wertvolle Zeit für die Einleitung der optimalen Therapie verloren geht“, ergänzt Professor Dr. Stefan Müller, wissenschaftlicher Projektleiter am MSGT.

  • Bis ein Patient in einem nächstgelegenen Krankenhaus ankommt, dauert es in Deutschland durchschnittlich 7-25 Minuten, weiß Benjamin Kern. 

„Wird dort festgestellt, dass der oder die Patient:in beispielsweise zu viel Kohlenmonoxid eingeatmet hat, dann muss er oder sie in eine Fachklinik gebracht werden, die über eine Überdruck-Sauerstoff-Kammer verfügt. 

Dadurch geht natürlich wertvolle Zeit verloren“, sagt Kern.

Professor Müller und sein Team, die Doktoranden Benjamin Kern und Reza Behroozian, begleitet von zahlreichen vorangegangenen Bachelor- und Masterarbeiten, forschen seit rund fünf Jahren genau an dieser Problemstellung. Mit Erfolg! 

Das Ergebnis ist ein Gerät, ausgestattet mit einem robusten, optischen Messverfahren, das lebensrettende Eigenschaften für den mobilen Einsatz besitzt. 

Das Funktionsmuster soll noch in diesem Jahr in einen Prototyp überführt und zusammen mit potenziellen Anwendern erprobt werden. 

„Das Gerät, das wir jetzt entwickelt haben, ermöglicht eine Blutanalytik direkt am Einsatzort mit der Genauigkeit von klinischen Laborgeräten. 

Damit kann bereits in wenigen Sekunden vor Ort die bestmögliche Therapie eingeleitet werden und der oder die Patient: in ohne Umwege in die entsprechende Fachklinik mit entsprechender Überdruck-Sauerstoff-Kammer gebracht werden. 

Dieses Gerät namens „mobOx“ ist in der Lage, Veränderungen am roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu erkennen. 

 Haupteinsatzgebiet ist die Diagnose von Kohlenmonoxid (CO)- aber auch anderen Arten von Vergiftungen“, sagt Professor Müller und betont dabei die schnelle und einfache Bestimmung durch den Rettungsdienst mit einer zuverlässigen Laborgenauigkeit direkt am Einsatzort. 

Bereits mit einer minimalen Blutprobe lässt sich diagnostizieren, ob der oder die Patient:in gefährdet ist oder nicht. 

Möglich wird das durch ein besonders stabiles, neues Verfahren, das künstliche Intelligenz nutzt. 

Eine zusätzliche Besonderheit des Systems liegt nach Aussage der Wissenschaftler darin, dass durch eine Anpassung der Algorithmen zukünftig weitere Messparameter ergänzt werden können, ohne Modifikationen an der Hardware durchführen zu müssen. 

„Dies eröffnet perspektivisch die Möglichkeit, weitere Anwendungsgebiete zu erschließen“. Das Ziel der Wissenschaftler ist die Erweiterung um zusätzliche Parameter, welche in erster Linie die Atmung betreffen.


Die Entwicklung wurde durch die Bundesministerien für Wirtschaft (BMWI) und für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt und gefördert.

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Prof. Dr. Stefan Müller
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Univ.-Prof. Dr. Carmen Morawetz: Aufbauende Botschaften und der Kraft sozialer Verbundenheit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Freundschaftliche Nähe hat starke Wirkung auf Emotionen

Beste Freunde sind in stressigen Situationen von besonders großem Wert, auch wenn diese nicht persönlich anwesend sind. 

Das konnte Carmen Morawetz vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in einer bildgebenden Studie belegen. 

Die im Fachmagazin NeuroImage publizierten Ergebnisse zeigen, wie das menschliche Gehirn negative Emotionen durch soziale Unterstützung abschwächen kann.

  • Gerade in Zeiten der Pandemie, in denen soziale Isolation und Quarantäne an der Tagesordnung stehen, ist es vielen Menschen nicht möglich, ihre besten Freundinnen und Freunde persönlich zu treffen und sich über ihre Ängste, Gefühle und Sorgen des Alltags auszutauschen. 

Im Angesicht von weltweiten Lockdowns gewinnt die von Universitätsprofessorin Carmen Morawetz in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Freien Universität Berlin und der Universität Melbourne im Journal NeuroImage veröffentlichte Studie an besonderer Aktualität und kommt zu folgender Schlussfolgerung: 

Aufbauende Botschaften, die zusammen mit einem Foto eines besten Freundes oder einer besten Freundin präsentiert werden, wirken sich sehr positiv auf die Fähigkeit aus, mit negativen Gefühlen umzugehen. 

Dies steht in Zusammenhang mit einer differenzierten Aktivierung in einem Netzwerk von Hirnregionen, das für die Kontrolle von Emotionen zuständig ist. 

Mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) konnte gezeigt werden, dass bestimmte Hirnregionen bei sozialer Unterstützung durch eine andere Person – egal ob Freund oder Fremder – mehr rekrutiert werden als bei dem Versuch, negative Gefühle alleine in den Griff zu bekommen.

Große Kraft sozialer Verbundenheit


Emotionen werden im Gehirn durch ein Zusammenspiel mehrerer interagierender Netzwerke kontrolliert und bei Bedarf abgeschwächt. Befinden wir uns in einer stressigen Situation, die uns vielleicht Angst macht, dann versuchen wir, durch verschiedene Strategien, das Gefühl der Angst abzuschwächen. Zum Beispiel, in dem wir probieren, die Situation als weniger negativ zu interpretieren, uns innerlich Mut zusprechen oder gedanklich ablenken.

 „Hierbei übernimmt der laterale präfrontale Kortex eine zentrale Rolle und unterdrückt Antworten in Regionen, die mit der Emotionsentstehung zu tun haben, wie der Amygdala, auch Mandelkern genannt. 

Diese emotionale Kontrolle kann durch soziale Unterstützung verbessert werden“, verdeutlicht Carmen Morawetz, die an der Universität Innsbruck das Affective Neuroscience Lab eingerichtet hat und dort erforscht, wie sich Emotionen in neuronalen Prozessen abbilden. „Wir wissen aus zahlreichen anderen Studien, dass Menschen Gefühle durch soziale Nähe besser bewältigen können“, ergänzt sie. Das Spannende an der aktuellen Studie war aber laut Morawetz, dass sich diese soziale Unterstützung auf das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen selbst dann auswirkt, wenn diese nur „virtuell“ erfolgte, die unterstützend wirkende Person also nicht selbst im Raum anwesend war.  

Dabei wird die Hirnaktivierung durch die soziale Nähe zum Unterstützer beeinflusst.

 „Das heißt, es macht für unser Gehirn einen Unterschied, ob wir Hilfe von uns nahestehenden Menschen, wie in diesem Fall unserem/unserer besten Freund*in bekommen, oder ob es sich um eine für uns unbekannte Person handelt“, betont Carmen Morawetz.

Erkenntnisse in Pandemie besonders bedeutend

„Auch wenn die Daten zur Studie vor Corona entstanden sind, sind die Erkenntnisse jetzt umso bedeutsamer“, meint die Wissenschaftlerin. Gerade junge Leute kommunizieren – noch mehr in Zeiten von Social Distancing – schriftlich, tauschen sich über Messenger-Apps über Gefühle aus und suchen so auch Hilfe. Nicht ganz unähnlich sind die Bedingungen, die Carmen Morawetz für ihren Versuch geschaffen hat: Während des fMRT Experiments wurde den Probandinnen und Probanden negative Bilder präsentiert und sie wurden angewiesen, ihre dadurch entstandenen Gefühle abzuschwächen. Dies geschah unter drei Bedingungen: Die Versuchteilnehmerinnen und -teilnehmer sollten versuchen, ihre negativen Emotionen (1) alleine ohne Hilfe abzuschwächen, (2) mit Hilfe ihres besten/er Freundes/in oder (3) mit Hilfe einer fremden Person. Die soziale Unterstützung erfolgte durch einen aufbauenden Satz zusammen mit einem Foto des besten Freundes oder eines Fremden. In der Kontrollbedingung sollten die Probanden ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Aufwändig waren aber nicht nur die bildgende Versuche, sondern auch die Vorbereitungen, in denen die tatsächliche soziale Nähe der Probanden und ihrer Freunde ermittelt wurde. „Auch wenn unsere Stichprobe mit 37 Teilnehmern vergleichsweise klein erscheint, sind unsere Ergebnisse auf die Allgemeinheit übertragbar, weil wir sehr harte statistische Kriterien und Analysen einsetzen“, so die Wissenschaftlerin.

Amygdala unterscheidet


Neben der Kraft sozialer Verbundenheit, die in der Studie gezeigt werden konnte, gibt es ein weiteres spannendes Detail. 

Von den ganzen aktivierten Hirnregionen, die an der Abschwächung der Emotionen beteiligt sind, differenziert einzig die Amygdala zwischen Freunden und Fremden. 

„Obwohl wir das gesamte neuronale Netzwerk der Emotionsregulation untersucht haben, zeigte nur die Amygdala unterschiedliche Aktivierung für Fremde im Vergleich zu Freunden. 

Sie ist bei der Hilfe durch Unbekannte stärker aktiviert“, erklärt Morawetz.


Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass soziale Nähe einen wichtigen Faktor für die effektive Integration von sozialer Unterstützung in herausfordernden Situationen darstellt und eine positive Wirkung auf unsere Fähigkeit, Emotionen zu kontrollieren, hat. 

„In diesem Sinne, unterstützen die Ergebnisse der Studie das alte Lied: ‚Ein Freund, ein guter Freund, ist das Beste, was es gibt auf der Welt!‘“, so die Wissenschaftlerin abschließend.

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Originalpublikation: Carmen Morawetz, Stella Berboth, Stefan Bode: With a little help from my friends: the effect of social proximity on emotion regulation-related brain activity. In: NeuroImage, 30. Januar 2021 DOI: https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2021.117817


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CAVE-Untersucher: Die Bedeutung der parodontalen Gesundheit + die Zahnbetterkrankung Parodontitis bei COVID-19 Verlauf

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Parodontitis - Risikofaktor für schweren COVID-19-Verlauf

Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Vorliegen einer Parodontitis und einem schweren COVID-19-Verlauf. 

Demnach haben COVID-19-Patienten mit Parodontitis ein höheres Risiko für die Aufnahme auf Intensivstation, die Notwendigkeit einer unterstützten Beatmung und sogar einen tödlichen Ausgang der Erkrankung, als parodontal gesunde COVID-19-Patienten.

Damit unterstreicht diese Studie die Bedeutung der parodontalen Gesundheit hinsichtlich der Prävention und möglicherweise sogar des Managements von COVID-19-Komplikationen.

Seit einem Jahr hält die Coronapandemie die Welt in Atem. 

Obwohl schätzungsweise 80% der Patienten einen milden bis mäßigen Verlauf haben, bringen die Auswirkungen der Pandemie die Menschen und das Gesundheitssystem an die Belastungsgrenze, da Patienten mit schweren Verläufen auf Intensivstationen behandelt oder gar künstlich beatmet werden müssen. Daher ist es wichtig, das Risiko für einen schweren Verlauf im Vorfeld zu minimieren.

Bisher ist bekannt, dass eine Reihe von Vorerkrankungen das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe erhöhen. 

Eine aktuelle, in Katar durchgeführte Studie zeigt nun, dass die Zahnbetterkrankung Parodontitis ebenfalls als Risikofaktor für einen schweren Verlauf anzusehen ist. Zwischen Februar und Juli 2020 wurde die Fall-Kontroll-Studie mit 568 Patienten unter Verwendung der nationalen elektronischen Patientenakten, die medizinische und zahnmedizinische Daten enthielt, durchgeführt. Dabei kam es bei 40 Personen im Laufe der COVID-19-Infektion zu Komplikationen (Tod, Aufnahme auf die Intensivstation oder unterstützte Beatmung).
 

Die Studie ergab, dass nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Nikotinkonsum und Body-Mass-Index, Covid-19-Patienten mit Parodontitis 3,5-mal häufiger auf die Intensivstation eingewiesen wurden, 4,5-mal häufiger ein Beatmungsgerät benötigten und fast neunmal häufiger sterben, als diejenigen ohne Zahnfleischerkrankungen.  

Ebenso waren mit Entzündungen verbundene Biomarker bei COVID-19-Patienten mit Parodontitis erhöht.

Diese Studie hilft dabei besser zu verstehen, welche Faktoren den Verlauf von COVID-19-Infektionen beeinflussen. Indem sie aufzeigt, dass Parodontitis ein Risikofaktor sein könnte, unterstreicht diese Studie die Bedeutung der parodontalen Gesundheit für die Prävention und möglicherweise sogar das Management von COVID-19-Komplikationen.

Mariano Sanz, einer der Autoren der Studie, stellte fest, dass orale Bakterien bei Patienten mit Parodontitis eingeatmet werden und die Lunge infizieren können, insbesondere bei Patienten, die ein Beatmungsgerät verwenden. 

  •  "Dies kann zur Verschlechterung von Patienten mit COVID-19 beitragen und das Todesrisiko erhöhen", sagte er und empfiehlt, dass das Krankenhauspersonal COVID-19-Patienten mit Parodontitis identifizieren und bei ihnen orale Antiseptika verwenden sollte, um die Übertragung von Bakterien zu verringern.


DG PARO-Präsidentin Prof. Bettina Dannewitz ergänzt: „Die Feststellung und Aufrechterhaltung der parodontalen Gesundheit kann ein wichtiger Bestandteil der Versorgung von COVID-19-Patienten werden. Mundpflege sollte Teil der Gesundheitsempfehlungen sein, um das Risiko für schwere COVID-19-Ergebnisse zu verringern. Daher sollten regelmäßige zahnärztliche Kontrollen auch und besonders in der Pandemiesituation durch die Patienten in Anspruch genommen werden, um so vermeidbare Risikofaktoren für einen schweren COVID-Verlauf zu verhindern."

Quelle: Reference: Marouf N, Cai W, Said KN, et al. Association between periodontitis and severity of COVID-19 infection: a case-control study. J Clin Periodontol. 2021. doi:10.1111/jcpe.13435.

Zur Gesellschaft:
Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e. V. (DG PARO) entwickelte sich aus der Arbeitsgemeinschaft für Paradentosenforschung, welche 1924 gegründet wurde und ging 1970 in die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e. V. (DGP) über. 2013 erfolgte die Umbenennung der Gesellschaft in DG PARO.
Die DG PARO nimmt wissenschaftliche und fachliche Aufgaben auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, insbesondere der Parodontologie wahr. Für ihre fast 5000 Mitglieder sowie zahnärztliche Organisationen ist sie seit nahezu 100 Jahren beratend und unterstützend in parodontologischen Fragen tätig. Zu den Aufgaben der DG PARO gehört u. a. die Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Auswertung, Verbreitung und Vertretung der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wesentliche Tätigkeitsschwerpunkte neben der Durchführung von wissenschaftlichen Tagungen, sind die Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Ausrichtung entsprechender Veranstaltungen. Zudem vergibt die Gesellschaft jährlich Forschungsförderung und Wissenschaftspreise. Die DG PARO arbeitet, auch interdisziplinär, intensiv mit anderen wissenschaftlichen Gesellschaften, Arbeitsgemeinschaften und Institutionen des In- und Auslandes zusammen. Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. 

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Jasmin Andrea Auer
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Sabine Hellerbrand
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Dr. Manfred Gogol + Dr. Lambert Herold: Der Schenkelhalsbruch - Alterstraumatologisches Zentrum (ATZ) - Die besonderen Bedürfnisse

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: MHH-Unfallchirurgie: Ausgezeichnete Versorgung älterer Sturzpatienten

Fachklinik erhält Zertifikat als Alterstraumatologisches Zentrum (ATZ DGU®) 

 Krankenpflegerin Janina Seeger, Dr. Manfred Gogol und Dr. Lambert Herold (von links) bei der Visite am Bett einer älteren Patientin.

 Krankenpflegerin Janina Seeger, Dr. Manfred Gogol und Dr. Lambert Herold (von links) bei der Visite am Bett einer älteren Patientin. Copyright: Ilka Kosmalski/MHH.

  • Erleiden ältere Menschen Knochenbrüche – beispielsweise durch einen Sturz –, zieht das oft Komplikationen nach sich. 

Bestes Beispiel: der Schenkelhalsbruch. 

Viele der betroffenen Seniorinnen und Senioren kommen danach im wahrsten Sinne des Wortes nicht wieder auf die Beine und verlieren ihre Selbstständigkeit. 

Die Zahl älterer Patientinnen und Patienten mit Knochenbrüchen steigt stetig an. Zudem leiden sie immer häufiger unter schweren Vorerkrankungen. 

Auf diese Herausforderungen hat die Unfallchirurgische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) unter der Leitung von Professor Dr. Christian Krettek reagiert und ein Alterstraumatologisches Zentrum (ATZ) aufgebaut. Dort arbeiten Unfallchirurginnen und -chirurgen und Altersmedizinerinnen und -mediziner eng mit Pflegekräften und Therapeutinnen und Therapeuten zusammen, um auf die besonderen medizinischen Bedürfnisse älterer Sturzpatientinnen und -patienten einzugehen und ihre Versorgung zu verbessern. Im Dezember 2020 wurde die Klinik erfolgreich von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) als „AltersTraumaZentrum DGU®“ zertifiziert.

Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen

Während die Zahl der Verkehrsunfälle immer mehr abnimmt, moderne Sicherheitssysteme die Schwere der Verletzungen verringern und Therapiekonzepte auf hohem Niveau die Behandlungsergebnisse bei den Opfern von Verkehrsunfällen deutlich verbessert haben, stellen ältere Patientinnen und Patienten mit Knochenbrüchen die Unfallchirurgie vor große Aufgaben.  

Hüftgelenksnahe Frakturen und Brüche der Wirbelkörper, des Beckens, des Oberarms und des Handgelenks sind die häufigsten knöchernen Verletzungen im höheren Lebensalter. 

Unabhängig von der Wahl der Behandlungsmethode haben ältere Menschen schlechtere Voraussetzungen für eine komplikationsfreie Behandlung als junge. 

„Fast alle haben nicht nur einen Knochenbruch, sie bringen auch ernste Vorerkrankungen wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder Niereninsuffizienz mit und nehmen viele Medikamente. 

Der Organismus ist insgesamt schon geschwächt, so dass zu befürchten ist, dass sie den Unfall selbst und die eventuell erforderlichen Operationen nicht gut verkraften“, erklärt Dr. Lambert Herold, Oberarzt in der Klinik für Unfallchirurgie. „Diese Patientengruppe braucht eine ihrem Alter angepasste strukturierte Versorgung.“

Fach- und berufsübergreifendes Team

Genau hier setzt die Alterstraumatologie an, die in den vergangenen zwei Jahren von einem interprofessionellen und interdisziplinären Team in der Klinik für Unfallchirurgie etabliert wurde. Dabei geht es vor allem um drei Fragen: Wie lassen sich Komplikationen während des stationären Aufenthalts vermeiden? Wie kann die Selbstständigkeit erhalten bleiben? Wie kann die Sterblichkeitsrate gesenkt werden? Die Alterstraumatologie antwortet darauf mit fach- und berufsübergreifender Kooperation von Unfallchirurgie und Geriatrie. Unverzichtbar ist auch das herausragende Engagement der Pflegekräfte und der Therapeutinnen und Therapeuten aus Physio- und Ergotherapie sowie des Casemanagements und Ärztinnen und Ärzten aus der Allgemeinmedizin, der Gerontopsychiatrie und der Inneren Medizin.

Ganzheitliche Behandlungskonzepte

Durch gemeinsame Visiten und Fallbesprechungen können ganzheitliche Behandlungskonzepte verfolgt werden, die auch die Vor- und Begleiterkrankungen der älteren Patientinnen und Patienten mit einbeziehen. Komplikationsmöglichkeiten können so früher erkannt und vermieden werden. „Die strukturierte interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit senkt die Sterbe- und Komplikationsraten deutlich“, sagt Dr. Manfred Gogol, Oberarzt Geriatrie in der Unfallchirurgischen Klinik. Auch der Erhalt der Selbstständigkeit scheint mit diesem Konzept besser gewährleistet zu sein.

Gut vorbereitet auf wachsende Patientengruppe

Professor Dr. Christian Krettek, Dr. Lambert Herold und Dr. Manfred Gogol (von links) mit dem Zertifikat.

Professor Dr. Christian Krettek, Dr. Lambert Herold und Dr. Manfred Gogol (von links) mit dem Zertifikat. Copyright: Almuth Siefke/MHH. 

Mit dem Zertifikat als Alterstraumatologisches Zentrum wird der Unfallchirurgischen Klinik der MHH bescheinigt, dass sie sich strukturell und organisatorisch in besonderem Maße auf die Versorgung älterer Patientinnen und Patienten mit unfallbedingten Knochenbrüchen vorbereitet. Über die Auszeichnung freut sich auch der Klinikdirektor: „Durch den demografischen Wandel wird diese Patientengruppe zukünftig noch größer werden. Mit dem Team der Alterstraumatologie können wir den speziellen Bedürfnissen der älteren Generation am besten gerecht werden. Als Unfallchirurgische Universitätsklinik forschen wir außerdem intensiv zu den Besonderheiten bei der Versorgung dieser Patientengruppe“, erklärt Professor Dr. Christian Krettek. „Wir entwickeln insbesondere Behandlungskonzepte, die eine möglichst schonende Wiederherstellung der Mobilität ermöglichen oder Operationen ganz vermeiden helfen.“ Zudem gehe es dem Team auch darum, herauszufinden, wie noch besser vorbeugend gearbeitet werden könne, um weitere Frakturen möglichst zu vermeiden. „Mit unserem modernen Versorgungskonzept und richtungsweisender Forschung wollen wir die Spitzenstellung der MHH im Bereich Traumatologie weiter ausbauen“, sagt Professor Krettek.

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Dr. Manfred Gogol, gogol.manfred@mh-hannover.de
 

Dr. Lambert Herold, herold.lambert@mh-hannover.de 

Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

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Professor Dr. Karl Forchhammer: Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2: Bilden sich normal elf bis 16 Tage nach Auftreten der Symptome aus

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Neuer Schnelltest zum Nachweis von Corona-Antikörpern entwickelt

Ergebnis in nur zwölf Minuten – Neues Testverfahren übertrifft ELISA-Methode – „Meilenstein in der Entwicklung der immunologischen Diagnostik“

Ein internationales Forschungsteam der Universitäten Paraná (Brasilien) und Tübingen hat einen Schnelltest entwickelt, der innerhalb von Minuten Antikörper gegen den Covid-19 Erreger SARS-Cov2 im Blut zuverlässig nachweisen kann. 

Wie die Forscherinnen und Forscher in der Fachzeitschrift ACS Sensors berichteten, lässt sich das neue Verfahren aufgrund eines einfachen Messprinzips ohne teure Instrumente durchführen und ist daher auch für mobile Teststationen oder für Labore in wirtschaftlich weniger entwickelten Regionen geeignet.  

Die neue Diagnosemethode sei zudem deutlich schneller als das sogenannte ELISA-Verfahren, das in der Labordiagnose von Antikörpern seit Jahrzehnten als Goldstandard gilt.

„Nur eine kleine Probenmenge wird für den Test benötigt: 

Gerade mal ein Tropfen reicht aus, der zwei Mikroliter Serum enthält“, sagte der Erstautor der Studie, Professor Luciano F. Huergo von der Universität Paraná: „Zudem ist es möglich, Vollblut einzusetzen, das heißt die normalerweise notwendige Abtrennung der löslichen Blutbestandteil kann für die Diagnose entfallen.“  

Das ermögliche den Einsatz des Tests an Pflege- und Teststationen vor Ort. 

„Ein ausgestattetes Labor sowie der Einsatz spezieller Geräte ist für die Durchführung nicht unbedingt erforderlich“ Darüber hinaus sei die Gesamtreaktionszeit 15-mal kürzer als die des klassischen ELISA-Tests, wie Huergo erläutet: „Dadurch können Hunderte von Proben in wenigen Stunden getestet werden.“

Das neue Testverfahren basiert auf magnetischen Nanopartikeln, die mit viralen Antigenen beschichtet sind. Zur Durchführung des Tests wird Blutserum oder Blut auf die Testoberfläche aufgetragen. Nach ungefähr zwei Minuten werden die Nanopartikel gewaschen und mit einer Entwickler-Reagenz behandelt. Weist die Blutprobe Antikörper gegen das Coronavirus auf, kommt es zu einem Farbumschlag

  • Während beim traditionellen ELISA-Test das Ergebnis nach etwa drei Stunden vorliegt, benötigt die neue Methode nach den Ergebnissen der Studie nur zwölf Minuten.


Einsatz bei akut Erkrankten und bei Genesenen möglich


  • Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 bilden sich im Allgemeinen elf bis 16 Tage nach Auftreten der Symptome aus. 
  • Einige Patienten produzieren jedoch bereits zwei bis vier Tage nach den ersten Krankheitssymptomen Antikörper in nachweisbaren Konzentrationen. 

Immunologische Tests können daher als zusätzliche Instrumente zur Identifizierung von Patienten in der akuten Phase der Covid-19-Erkrankung beitragen oder von Patienten, die in der PCR-Untersuchung als falsch negativ getestet wurden.

Unser Test schnitt insbesondere bei Proben mit niedrigen Antikörpertitern besser ab als das ELISA-Verfahren.“, sagte Professor Karl Forchhammer vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen. „Die Methode arbeitete mit einer Sensitivität von 87 Prozent sowie einer Spezifität von 99 Prozent der getesteten Covid-19-Proben.“ Bereits mit dem bloßen Auge könnten positive und negative Ergebnisse festgestellt werden. Durch den Einsatz zusätzlicher Instrumente, wie eines Microplate-Readers, könne die Präzision des Tests weiter gesteigert werden. „Ein weiterer Vorteil gegenüber dem ELISA-Verfahren besteht darin, dass das Farbergebnis unseres neuen Verfahrens direkt proportional zur Antikörperkonzentration ist“, sagte Huergo. 

  • „Mit anderen Worten, die neue Methode liefert Daten über die Menge an Antikörpern und nicht nur über ihr Vorhandensein oder Nichtvorhandensein.“


Darüber hinaus zeigt die Studie, dass die neue Technologie auch auf die serologische Diagnose anderer Krankheiten angepasst werden kann. Professor Huergo sagte, das neue Verfahren habe das Potenzial, den seit den 1970er Jahren verwendeten ELISA-Test zu ersetzen: 

 „Wir glauben, dass diese Technik einen Meilenstein in der Entwicklung der immunologischen Diagnostik darstellt.“ 

In der Forschungsliteratur gebe es keine Berichte über einen immunologischen Test für Covid-19, der so schnell, mit so hoher Genauigkeit und vor allem so geringen Kosten Daten liefere.

Die Autorinnen und Autoren der Studie gehen davon aus, dass das neue Verfahren künftig zu vergleichbaren Kosten für jeweils eine Diagnose wie der ELISA-Test angeboten werden kann. 

„Der Test erfordert nur minimale Instrumentierung in allen Produktionsphasen und soll nun mit einer größeren Anzahl von Proben sowie für die Massenproduktion evaluiert werden“, sagt Dr. Khaled Selim, der Leiter des deutschen Teams an der Universität Tübingen. 

„Wir glauben, dass unsere schnelle und quantitative Methode zum Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörpern dabei helfen kann, Fälle von Covid-19 zu verfolgen, insbesondere in Entwicklungsländern wie Brasilien, die nicht den Luxus haben, regelmäßige PCR-basierte Tests im Rahmen der Krankenversorgung durchzuführen.“ 

Die Technologie steht für Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationspartnerschaften über die Innovationsagentur der Universität Paraná zur Verfügung, die über die gesetzlichen und Patentrechte verfügt.

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Antje Karbe Eberhard Karls Universität Tübingen

Professor Dr. Luciano F. Huergo
Universidade Federal do Paraná
Telefon: +55 41996765856
luciano.huergo@gmail.com

Professor Dr. Karl Forchhammer
Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin
Telefon: +49 7071 29-72096
karl.forchhammer@uni-tuebingen.de

Dr. Khaled Selim
Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin
Telefon: +49 7071 29-72096
khaled.selim@uni-tuebingen.de

Wilhelmstr. 5
72074 Tübingen
Deutschland
Baden-Württemberg

E-Mail-Adresse: sekretariat-kommunikation@verwaltung.uni-tuebingen.de

Dr. Karl Guido Rijkhoek
Telefon: 07071 / 29 -767 88
E-Mail-Adresse: karl.rijkhoek@uni-tuebingen.de

Antje Karbe
Telefon: 07071-29-76789
E-Mail-Adresse: antje.karbe@uni-tuebingen.de
Originalpublikation:

Luciano F. Huergo, Khaled A. Selim, Marcelo S. Conzentino, Edileusa C. M. Gerhardt, Adrian R. S. Santos, Berenike Wagner, Janette T. Alford, Nelli Deobald, Fabio O. Pedrosa, Emanuel M. de Souza, Meri B. Nogueira, Sônia M. Raboni, Dênio Souto, Fabiane G. M. Rego, Dalila L. Zanette, Mateus N. Aoki, Jeanine M. Nardin, Bruna Fornazari, Hugo M. P. Morales, Vânia A. Borges, Annika Nelde, Juliane S. Walz, Matthias Becker, Nicole Schneiderhan-Marra, Ulrich Rothbauer, Rodrigo A. Reis, and Karl Forchhammer. Magnetic Bead-Based Immunoassay Allows Rapid, Inexpensive, and Quantitative Detection of Human SARS-CoV-2 Antibodies.
ACS Sens, January 26, 2021; https://doi.org/10.1021/acssensors.0c02544


Dipl.-Psych. Hanna Preuss-van Viersen: Bulimia nervosa (BN) und die Binge-Eating-Störung (BES) Essstörungen im Kindes- und Jugendalter (Einladung zum Therapieangebot)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Raus aus den Essanfällen – neues Therapieangebot an der Universitätsmedizin Mainz

Interventionsstudie zu Essstörungen startet

Die Universitätsmedizin Mainz will die Behandlungsangebote und -ergebnisse von Jugendlichen mit essanfallsbezogenen Störungen verbessern. 

  • Um ihr Ziel zu erreichen, erhalten weibliche Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ein neues Therapieangebot. 

Im Rahmen der Studie EXI(ea)T vergleichen Experten dann die Wirksamkeit dieser innovativen, nahrungsbasierten Intervention mit einer Standardintervention der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT). 

  • Interessenten für eine Studienteilnahme können sich unter exieat@unimedizin-mainz.de melden. 

Anlass für die Studie ist unter anderem die pandemiebedingte Zunahme an Rückfällen sowie an Neuerkrankungen.

Die Universitätsmedizin Mainz will die Behandlungsangebote und -ergebnisse von Jugendlichen mit essanfallsbezogenen Störungen verbessern. 

Deshalb führen Experten der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz in Kooperation mit der LWL-Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie die multizentrische, randomisiert kontrollierte Kurzinterventionsstudie EXI(ea)T durch. 

Sie dient dazu, die Wirksamkeit einer innovativen, nahrungsbasierten Intervention mit einer Standardintervention der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) zu vergleichen. 

Zu diesem Zweck erhalten weibliche Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ein neues Therapieangebot: 

Sie erlernen neue Fertigkeiten, die ihnen helfen können, ihr Verlangen und ihre Impulsivität hinsichtlich bestimmter Lebensmittel zu reduzieren und ihr Essverhalten besser kontrollieren zu können.

Essstörungen gelten als eine der häufigsten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.  

Essanfallsbezogene Störungen, wie die Bulimia nervosa (BN) und die Binge-Eating-Störung (BES), sind gekennzeichnet durch Essanfälle, bei denen die Betroffenen sehr viel Nahrung zu sich nehmen und dabei aber nicht in der Lage sind, diesen Prozess der erhöhten Nahrungsaufnahme zu kontrollieren bzw. willentlich zu beenden. 

Die meisten Betroffenen schämen sich für ihre Erkrankung, verschweigen ihr Leiden lange und sind häufig erst in einer späten Krankheitsphase für Hilfsangebote offen.  

Daher werden essanfallsbezogene Störungen oftmals als „heimliche“ Essstörungen bezeichnet – und das, obwohl diese Formen deutlich verbreiteter sind als die Anorexia nervosa, auch als Magersucht bekannt.

Pandemiebedingt ist darüber hinaus aktuell eine Zunahme an Rückfällen sowie an Neuerkrankungen zu verzeichnen. 

Gerade während Quarantänemaßnahmen stellt der Griff in den Kühlschrank eine leicht umzusetzende Strategie dar, um belastende Zukunftsängste und Einsamkeit zu bewältigen. Aber auch weil feste Alltagsstrukturen, wie sie beispielsweise Schule oder Ausbildung vorgeben, weniger vorhanden sind, treten bei Jugendlichen vermehrt Essstörungen auf. Zudem sind die Möglichkeiten, sich mit Gleichaltrigen zu treffen und auszutauschen sehr eingeschränkt, jedoch sind diese sozialen Kontakte für die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen sehr wichtig. 


Unbehandelt können essanfallsbezogene Störungen chronisch verlaufen, d.h., der Teufelskreis aus emotionalem Essen und Kontrollverlust – zum Teil auch verbunden mit Erbrechen als kompensatorischer Verhaltensweise – verfestigt sich. In der Folge können langfristig schwere psychische Probleme, wie beispielsweise Angsterkrankungen auftreten.

Doch obwohl das Thema Essstörungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesamtgesellschaftlich relevant ist, gibt es gerade für das Störungsbild essanfallsbezogene Störungen keine spezialisierten Behandlungsangebote für Jugendliche. 

Zwar hat sich die Kognitive Verhaltenstherapie als bisherige Standardbehandlung für die Behandlung im Kindes- und Jugendalter als zufriedenstellend erwiesen, zu Therapieende erlebt allerdings noch immer rund die Hälfte der Patienten Essanfälle. Auch gelang es mit dieser Therapieform nur unzureichend, das oftmals mit essanfallsbezogenen Störungen einhergehende Übergewicht zu reduzieren.

Neuste Studien weisen darauf hin, dass die Fähigkeiten eines Menschen, seine Impulse und Gefühle regulieren bzw. kontrollieren zu können, Einfluss auf die Störung haben könnten. Und zwar dann, wenn er mit schmackhaften Lebensmitteln, wie beispielsweise Schokolade konfrontiert wird, und daraufhin der Wunsch entsteht zu essen, obwohl kein Hungergefühl da ist. 

Nahrungsbasierte Interventionen, in denen Fertigkeiten direkt bei Konfrontation mit relevanten Nahrungsmitteln geübt werden, haben sich bereits bei Erwachsenen als sehr hilfreich erwiesen, wenn es darum ging, den direkten Konsum von schmackhaften Nahrungsmitteln und den Wunsch zu essen sowie folglich auch die Essanfälle zu reduzieren.

Darauf aufbauend wollen die Wissenschaftler im Rahmen der Kurzinterventionsstudie EXI(ea)T bei weiblichen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren die Wirksamkeit einer innovativen nahrungsbasierten Intervention mit einer Standardintervention der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) vergleichen. Zentrale Fragestellungen sind hierbei: Lassen sich Therapieformen, die bei Erwachsenen erfolgreich zum Einsatz kommen, auf Kinder und Jugendliche übertragen – und falls ja, wie? Sind ergänzende Therapieelemente eine Möglichkeit, um schnellere und stabilere Behandlungserfolge zu erzielen? Und lässt sich so frühzeitig verhindern, dass die Betroffenen übergewichtig und / oder dass die essanfallsbezogenen Störungen chronisch und damit ein Risikofaktor für damit verbundene weitere Erkrankungen werden?

Die EXI(ea)T-Studienteilnehmerinnen nehmen an zwei Einzelsitzungen mit approbierten erfahrenen Psychotherapeuten in der Essstörungsbehandlung teil und erhalten umfangreiche Übungsmaterialien für zuhause, um auch nach Studienende ihre Fertigkeiten weiter trainieren zu können. 

Zudem erhalten die Studienteilnehmerinnen eine umfassende Diagnostik nach aktuellen evidenzbasierten Goldstandards neben einer Aufwandsentschädigung von insg. 50 Euro für die Teilnahme an der Abschlussdiagnostik und der Follow-up-Untersuchung nach drei Monaten.

Das neuartige und kostenlose Therapieangebot EXI(ea)T wurde basierend auf langjährigen Erfahrungen in der Essstörungsforschung von therapeutisch versierten Wissenschaftlern der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz in Kooperation mit der LWL-Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie entwickelt.

  • Bei Interesse an der Studie können sich weibliche Jugendliche und ihre Eltern bei der Studienleiterin Dipl.-Psych. Hanna Preuss-van Viersen von der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz melden. Sie steht montags bis donnerstags, von 7.00 bis 12.00 Uhr unter der Telefonnummer 06131 17 – 3281 sowie per E-Mail unter exieat@unimedizin-mainz.de für Fragen und Anmeldungen zur Verfügung.


Weitere Studieninformationen: 

https://www.unimedizin-mainz.de/kinderpsychiatrie/forschung/exieat-raus-aus-den-...



Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.400 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

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Studienleiterin Dipl.-Psych. Hanna Preuss-van Viersen,
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz,
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Barbara Reinke M.A. Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz

Telefon: 06131 17-7428
Fax: 06131 17-3496
E-Mail-Adresse: barbara.reinke@unimedizin-mainz.de


Prof. Dr. Bernhard G. Herrmann: Die Vorwärtsbewegung der Spermien mit RAC1 und t-Spermien

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Nicht alle Spermien sind gleich

Unter Spermien herrscht harte Konkurrenz – sie alle wollen möglichst schnell ihr Ziel erreichen, doch nur der Erste darf die Eizelle befruchten. 

Ein Forschungsteam aus Berlin zeigt nun an Mäusen, dass die Vorwärtsbewegung der Spermien von dem Protein RAC1 abhängt. 

  • Spermien mit der optimalen Menge des aktiven Proteins setzen sich gegen die Konkurrenten durch, während eine gestörte Aktivität zur Unfruchtbarkeit der Männchen führt. 

 Erster! In direkter Konkurrenz zueinander setzen sich t-Spermien beim Wettlauf um die Eizelle mit Hilfe genetischer Tricks gegen ihre normalen Konkurrenten (+) durch

 Erster! In direkter Konkurrenz zueinander setzen sich t-Spermien beim Wettlauf um die Eizelle mit Hilfe genetischer Tricks gegen ihre normalen Konkurrenten (+) durch Alexandra Amaral MPI f. mol. Genet.

Es ist ein buchstäblicher Wettlauf um das Leben, wenn Millionen von Samenzellen auf die Eizellen zu schwimmen, um sich mit ihnen zu vereinigen.  

Doch entscheidet reines Glück über den Sieger? 

Wie sich herausstellt, gibt es bei Mäusen Unterschiede in der Konkurrenzfähigkeit der einzelnen Spermien. 

  • Ein natürlich vorkommender DNA-Abschnitt agiert „egoistisch“. Er bricht mit den Gesetzen der genetischen Vererbung – und beschert den Spermien, die ihn besitzen, eine Erfolgsquote von bis zu 99 Prozent.


In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PLoS Genetics beschreibt ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik (MPIMG) in Berlin, wie der Erbfaktor mit dem Namen „t-Haplotyp“ Spermien bevorteilt.

Ein Signalprotein ist entscheidend für die Vorwärtsbewegung

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erbrachten erstmals den experimentellen Nachweis, dass Spermien mit dem t-Haplotyp sich schneller vorwärtsbewegen als ihre „normalen“ Kollegen

Auf diese Weise verschaffen sie sich bei der Befruchtung ihren Vorteil. 

Die Forscherinnen und Forscher analysierten einzelne Spermien und stellten fest, dass die meisten Zellen, die nur wenig Strecke machten, genetisch „normal“ waren, während die sich auf gerader Bahn bewegenden Spermien meist den t-Haplotyp enthielten.

Vor allem aber verknüpften sie die Unterschiede in der Bewegungsfähigkeit mit dem Molekül RAC1. 

Hierbei handelt es sich um einen molekularen Schalter, der Signale aus der Umgebung der Zelle nach innen weiterleitet und dort andere Proteine aktiviert. Das Molekül lenkt etwa weiße Blutkörperchen oder Krebszellen in die Richtung von Zellen, die chemische Signale ausschütten. Die neuen Daten deuten nun darauf hin, dass RAC1 möglicherweise auch daran beteiligt sein könnte, Spermien gen Eizelle zu lenken, wenn diese ihren Weg zum Ziel „erschnüffeln“.

  • „Die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Spermien scheint von einer optimalen Menge an aktivem RAC1 abzuhängen; sowohl eine reduzierte als auch eine übermäßige RAC1-Aktivität stört die effektive Vorwärtsbewegung“, sagt Alexandra Amaral, Wissenschaftlerin am MPIMG und Erstautorin der Studie.


t-Spermien vergiften ihre Konkurrenz


„Spermien mit dem t-Haplotyp behindern ihre Konkurrenten, die ihn nicht haben “, sagt Bernhard Herrmann, Direktor am MPIMG und Direktor des Instituts für Medizinische Genetik der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie Korrespondenzautor der Studie. „Der Trick ist, dass der t-Haplotyp sämtliche Spermien quasi ‚vergiftet‘, aber gleichzeitig ausschließlich in den t-Spermien ein Gegengift produziert und diese so schützt“, erklärt der Wissenschaftler. 

  • „Es ist, als würden vor einem Marathon alle Teilnehmer vergiftetes Trinkwasser bekommen, das sie müde macht, aber einige Läufer auch ein Gegenmittel einnehmen“, sagt Herrmann.


Wie der Wissenschaftler und sein Team herausfanden, enthält die Sequenz des t-Haplotyps Genvarianten, die Regelprozesse in der Zelle stören. Diese Störfaktoren werden in der frühen Phase der Spermienentwicklung gebildet und verteilen sich in allen Spermien. Sie sind das „Gift“, das die Vorwärtsbewegung beeinträchtigt.

Das „Gegengift“ kommt erst ins Spiel, nachdem der Chromosomensatz während der Spermienreifung gleichmäßig auf alle Zellen aufgeteilt wurde. Jede Samenzelle enthält dann lediglich die Hälfte der Chromosomen, und folglich kann auch nur jene Hälfte der Spermien mit dem t-Haplotyp den Faktor produzieren, der den Störfaktoren entgegenwirkt. Dieser Schutzfaktor wird nicht verteilt, sondern in den t-Spermien zurückgehalten.

Auf sich gestellt haben t-Spermien keinen Vorteil

Der Rolle von RAC1 kamen die Forschenden durch eine Reihe von Experimenten auf die Spur. Sie gewannen Spermien von Mäusen, die auf einem der beiden Chromosomen 17 den t-Haplotyp aufwiesen, jedoch nicht auf dem anderen. Diese Zellen behandelten sie mit einer Substanz, die RAC1 hemmt. Nun schwammen auch die „normalen“ Spermien vorwärts. Der Vorteil der t-Spermien war verschwunden, eine zu hohe RAC1-Aktivität hatte also die Fortbewegung gestört.

Die Ergebnisse erklären zudem, warum männliche Mäuse mit zwei Kopien des t-Haplotyps – jeweils eine auf jedem der beiden Chromosomen 17 – zeugungsunfähig sind. 

Sie produzieren ausschließlich Spermien, die den t-Haplotyp tragen. 

Diese Zellen enthalten viel mehr aktives RAC1 als Spermien von genetisch normalen Mäusen, wie die Forschenden nun herausfanden, und sind nahezu unbeweglich.

Doch auch eine zu geringe RAC1-Aktivität ist von Nachteil. 

Spermien von normalen Mäusen, die mit dem RAC1-Hemmer behandelt wurden, verloren ebenfalls die Fähigkeit, sich geradeaus fortzubewegen. 

Möglicherweise liegen ähnliche Störungen der RAC1-Aktivität auch bestimmten Formen der Unfruchtbarkeit bei Männern zugrunde, spekulieren die Forschenden.

„Unsere Daten zeigen, dass Spermien rücksichtslose Konkurrenten sind“, sagt Herrmann. 

Das Beispiel des t-Haplotyps zeige außerdem, wie manche Gene mit „schmutzigen Tricks“ nachhelfen, um ihre Weitergabe zu begünstigen. 

„Genetische Unterschiede können einzelnen Spermien einen Vorteil im Wettlauf ums Leben verschaffen und so die Weitergabe bestimmter Genvarianten an die nächste Generation fördern“, fasst Herrmann zusammen.

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Prof. Dr. Bernhard G. Herrmann
Direktor und Leiter der Abteilung für Entwicklungsgenetik
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik
+49 30 8413-1409
herrmann@molgen.mpg.de

Dr. Alexandra Amaral
Wissenschaftlerin
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik
+49 30 8413-1606
amaral@molgen.mpg.de 

Dr. Martin Ballaschk Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

hnestraße 63 - 73
14195 Berlin
Deutschland
Berlin

Dr. Patricia Marquardt
Forschungskoordinatorin
Telefon: 030 / 8413-1716
E-Mail-Adresse: patricia.marquardt@molgen.mpg.de

Telefon: 030 8413-1160
E-Mail-Adresse: ballaschk@molgen.mpg.de 
Originalpublikation:

Alexandra Amaral and Bernhard G Herrmann (2021): RAC1 controls progressive movement and competitiveness of mammalian spermatozoa. PLoS Genetics
http://journals.plos.org/plosgenetics/article?id=10.1371/journal.pgen.1009308

 

Prof. Dr. Matthias Weigl: Patientensicherheit verbessern und erhöhen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Arbeitspsychologe Prof. Matthias Weigl ist neuer Direktor des Instituts für Patientensicherheit

Das Institut für Patientensicherheit (IfPS) am Universitätsklinikum Bonn erforscht die vielschichtigen Ursachen von Fehlern in der Patientenversorgung und überprüft die Effektivität von Maßnahmen zu deren Vermeidung. 

Es ist deutschlandweit das einzige Forschungsinstitut mit dieser Schwerpunktsetzung. Prof. Dr. Matthias Weigl übernimmt jetzt die Leitung des IfPS. 

Seine Forschungsschwerpunkte reichen von Teamarbeit in der Akutversorgung bis hin zur Arbeitssituation im Gesundheitswesen. 

Dazu erforscht der 44-Jährige auch Effekte von Digitalisierung auf Stress und Leistungsfähigkeit sowie für die Qualität der klinischen Versorgung. 

 Experte widmet sich der Gestaltung sicherer Patientenversorgung: Arbeitspsychologe Prof. Matthias Weigl ist neuer Direktor des Instituts für Patientensicherheit (IfPS) am Universitätsklinikum Bonn.

 Experte widmet sich der Gestaltung sicherer Patientenversorgung: Arbeitspsychologe Prof. Matthias Weigl ist neuer Direktor des Instituts für Patientensicherheit (IfPS) am Universitätsklinikum Bonn. © Rolf Müller / UK Bonn

Prof. Weigl kommt von der LMU München wo er am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin 15 Jahre tätig war. Internationale Forschungsaufenthalte führten ihn an das Center for Patient Safety and Service Quality des Imperial College London sowie mehrfach in die USA.

„Patienten sollten keinem unnötigem Risiko ausgesetzt sein. Aber was trägt dazu bei, dass sie gut versorgt werden?“, beschreibt Prof. Weigl eine zentrale Fragestellung für Patientensicherheit. 

Obwohl es in Deutschland weltweit gesehen eine sehr hohe Sicherheit gibt, kritisiert er, dass im europäischen Vergleich kein übergreifendes Monitoring unerwünschter Ereignisse – wie das anonymisierte CIRS-Meldesystem in Krankenhäusern – praktiziert wird. 

„Wir brauchen aber auch die methodisch schwer zu erfassenden Daten aus dem niedergelassenen Bereich und den Pflegeheimen, um den Status Quo zu sehen. Denn nur, wenn wir Sicherheitsprobleme und unerwünschte Ereignisse erfassen, wissen wir auch, wo wir uns verbessern können.“

Weg von plakativen Aussagen über Lösungen

Der neue Institutsdirektor betont aber auch, dass es für Patientensicherheit keine Patentrezepte gibt, sondern erfolgreiche Verbesserungen eher aus vielfältigen Mosaiksteinen zu einem großen Ganzen bestehen. Dazu gehören beispielweise die Versorgungsfinanzierung, Arbeitsorganisation und Qualifizierung, aber vor allem auch die Wertschätzung für die Arbeit des Personals im Gesundheitswesen. Laut Prof. Weigl seien das zentrale Stellschrauben: „Wir müssen aber weg, von plakativen Aussagen über Lösungen. Das wird der Komplexität des Systems mit seinen vielen Einflüssen, Möglichkeiten aber auch Widrigkeiten nicht gerecht.“

Teamarbeit in der Notfallversorgung senkt Fehlerrate

Sein wissenschaftliches Augenmerk legt Prof. Weigl unter anderem auf die Arbeitssituation und interprofessionelle Teamarbeit, gerade dort wo schnell gearbeitet werden muss, also in der Akutversorgung und im Operationssaal. Neben der fachlichen Kompetenz spielen für die Versorgungsqualität gerade hier Koordination, Kommunikation, Kooperation, Führung und Aufmerksamkeit eine zentrale Rolle – aber auch auf das Stresserleben. „Man kann als Chirurgin und Chirurg noch so gut sein, wenn man nicht kommunikativ ist, leidet die Teamarbeit und somit steigt auch das Fehlerpotenzial“, sagt Prof. Weigl. 

In dem Zusammenhang untersuchte er auch die Wirkung von Arbeitsunterbrechungen. 

„Solche sind für eine schnelle, patientenorientierte Versorgung wie bei einem Notfall ein Stück weit nötig“, betont der neue Institutsdirektor und denkt dabei beispielweise an die Mitteilung wichtiger Informationen wie Laborbefunde. Auf der anderen Seite bergen häufige Unterbrechungen bei der Versorgung ein hohes Stresspotenzial und können sogar zu gesundheitlichen Problemen führen. Auch haben Unterbrechungen, die ihre Ursache auch in schlechter Organisation haben, direkt Auswirkungen auf die Patientensicherheit, da der Arzt häufiger einen Fehler macht.

Arbeitssituation spielt Rolle bei der Versorgungsqualität

Auch die Digitalisierung bringt neben vielen positiven Effekten auch Stress für die Mitarbeiter im Gesundheitswesen mit sich. So ist eine roboter-assistierte Operation zwar besonders schonend für den Patienten, aber das OP-Team hat neue Barrieren: Es sieht sich nicht mehr und die Kommunikation ist eingeschränkt. Neben vielen Vorteilen der elektrischen Patientenakte ist es zunächst schwieriger und zeitaufwendiger die Daten dort einzutragen. Laut Prof. Weigl müsse jeder zur Selbstpflege auch lernen, auf sich selbst zu achten: „Bei den Arbeitsbedingungen geht es schnell, eine Depression oder ein Burnout zu entwickeln – eine weitere Gefahrenquelle für Fehler.“

Leuchtturm für die Forschung zu Patientensicherheit

Trotz europaweit ähnlicher Probleme im Gesundheitswesen ist Deutschland bezüglich der Forschung zur Patientensicherheit nicht optimal aufgestellt. Als Ursache dafür sieht Prof. Weigl auch, dass es deutschlandweit nur ein einziges Institut für das Fach „Patientensicherheit“ gibt – und zwar das IfPS in Bonn. „Ein schon bemerkenswertes Alleinstellungsmerkmal, das bisher aber auch dazu führte, dass es vergleichsweise wenige Forschungsarbeiten hierzulande gibt“, konstatiert Prof. Weigl. Für eine Belebung von Forschungsaktivitäten strebt er daher an, das IfPS als wissenschaftliches Kompetenzzentrum nicht nur vor Ort am Universitätsklinikum Bonn und in NRW sondern auch überregional und international noch stärker zu vernetzen. Auch freut Prof. Weigl sich über eine Verankerung seines Fachs im Lehrplan zukünftiger Mediziner. Zudem setzt er auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS), das vor zwölf Jahren zusammen mit der Medizinischen Fakultät das IfPS an der Universität Bonn einrichtete und bis 2017 durch eine Stiftungsprofessur unterstützte.

„Es ist insgesamt eine interessante fachliche Aufgabe und bestärkt mich in meiner Entscheidung für Bonn“, sagt Prof. Weigl, der hofft als relativ frischgebackener Pilot mit einem Motorflieger seine neue Heimat zu erkunden.

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Prof. Dr. Matthias Weigl
Direktor des Instituts für Patientensicherheit (IfPS)
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-13783
E-Mail: Matthias.Weigl@ukbonn.de 

Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Dr. Andreas Archut
Telefon: 0228 / 73-7647
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: andreas.archut@uni-bonn.de

Dr. Inka Väth
Medizinredakteurin
Telefon: 0228/73-4727
Fax: 0228/73-7451
E-Mail-Adresse: inka.vaeth@uni-bonn.de


Prof. Dr. Ulf Landmesser: Durchblutungsstörungen kleiner Herzgefäße (Mikrozirkulation)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studie untersucht, welche Medikamente bei Durchblutungsstörungen kleiner Herzgefäße helfen

Durchblutungsstörungen am Herzen können zwei Ursachen haben: 

Die großen Blutgefäße können verengt sein, was zum Beispiel mit einem Stent behandelt werden kann, oder die kleinen, fein verästelten Adern sind nicht mehr durchlässig. 

Letzteres wird als gestörte Mikrozirkulation am Herzen bezeichnet. 

Eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf Forschung (DZHK) zusammen mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin prüft nun erstmals systematisch, wie dieses Krankheitsbild am besten behandelt werden kann. 

Dafür führen die Forscher genauere Untersuchungen am Herzen durch und vergleichen zwei Medikamente, Betablocker und Kalziumkanal-Antagonisten.


Prof. Ulf Landmesser und Dr. Barbara Stähli erforschen, warum Durchblutungsstörungen an kleinen Herzgefäßen auftreten und wie sie am besten behandelt werden können. ​ ​ Prof. Ulf Landmesser und Dr. Barbara Stähli erforschen, warum Durchblutungsstörungen an kleinen Herzgefäßen auftreten und wie sie am besten behandelt werden können. Bild Landmesser: Charité – Universitätsmedizin Berlin | Bild Stähli: privat

Wer mit Brustschmerzen, Engegefühl und Atemnot ins Krankenhaus kommt, wird zunächst häufig mit einem Herzkatheter untersucht. 

Die Ärzte können so feststellen, ob die großen Herzkranzgefäße blockiert sind und diese gegebenenfalls weiten. 

  • Bei etwa 40 Prozent der Patienten ergeben spezielle Tests während der Katheteruntersuchung, dass die kleinen Gefäße des Herzens nicht durchlässig sind und dadurch die Beschwerden entstehen.
  • Solche Mikroverengungen können mit Betablockern und Kalziumkanalantagonisten behandelt werden – und manchmal auch gar nicht. 

Denn welcher der beiden Wirkstoffe wann eingesetzt werden soll, dazu fehlen eindeutige wissenschaftliche Daten. 

„Das ist ein großes Problem, denn bei einer gestörten Mikrozirkulation droht zwar kein Herzinfarkt, aber die Beschwerden, wie Beklemmung und drückende Schmerzen in der Brust, sind für die Patienten sehr belastend. 

Unbehandelt können sich schwere Folgeschäden wie eine Herzschwäche entwickeln“, sagt Prof. Ulf Landmesser von der Charité, der die Studie EXAMINE-CAD-DZHK22 zusammen mit Privatdozentin Dr. Barbara Stähli leitet.

Gestörte Funktion oder Krämpfe?

Dass die kleinen Herzgefäße nicht ausreichend durchlässig sind, kann an einer gestörten Funktion der Gefäßinnenwand oder an krampfenden Gefäßen liegen. 

In der DZHK-Studie untersuchen die Berliner Forscher zusammen mit fünf weiteren DZHK-Zentren, welches der beiden Medikamente für welche Patienten am besten geeignet ist. 

Die Patienten werden dabei mithilfe koronarphysiologischer Tests in zwei Gruppen unterteilt. 

  • „Wir nehmen an, dass Patienten mit Verkrampfungen der kleinen Blutgefäße von den Kalziumkanal-Antagonisten profitieren und Betablocker besser bei einer gestörten Gefäßfunktion helfen“, so Landmesser.


Beide Patientenuntergruppen erhalten zeitlich versetzt entweder den Betablocker oder den Kalziumkanalantagonisten. 

Wie erfolgreich die Behandlungen sind, ermitteln die Forscher mit Fragebögen zur Lebensqualität und zu den Symptomen der Patienten. 

Landmesser und seine Kollegen hoffen, mit ihrer Studie eine wichtige Wissenslücke zu schließen und den Weg für größere klinische Studien zu bahnen, um die Erkenntnisse schnell in die Behandlungsleitlinien zu überführen.

Studientitel: First prospective randomized trial to examine a differential therapeutic response in symptomatic patients with non-obstructive coronary artery disease after coronary physiological testing (EXAMINE-CAD-DZHK22)

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Studienkoordinatoren: Prof. Dr. Ulf Landmesser, Direktor der Medizinischen Klinik für Kardiologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, ulf.landmesser(at)charite.de

PD Dr. Barbara Stähli, Oberärztin, Medizinische Klinik für Kardiologie, Charite´– Universitätsmedizin Berlin, barbara-elisabeth.staehli(at)charite.de

Potsdamer Str. 58
10785 Berlin
Deutschland
Berlin

Christine Vollgraf
Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de

Sarah Mempel
Telefon: 030 3465 529-18
E-Mail-Adresse: sarah.mempel@dzhk.de



Erwartenden Wettersituation mit Dauerfrost und Schneefall

 Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:

Wer ein Bett braucht, bekommt auch eins: 

Berlin eröffnet weitere 24/7-Einrichtungen für obdachlose Menschen

Wegen der zu erwartenden Wettersituation mit Dauerfrost und Schneefall erweitert Berlin seine Angebote für obdachlose Menschen.

In einem Hostel an der Boxhagener Straße in Friedrichshain stehen obdachlosen Menschen ab diesem Sonnabend 18 Uhr 100 Plätze Tag und Nacht zur Verfügung.

Auf dem Gelände der früheren Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf wird am Sonntag eine 24/7-Einrichtung mit 100 Plätzen eröffnen.

Ab Dienstag wird die Platzzahl auf 200 erhöht.

Ein Hostel an der Köpenicker Straße in Kreuzberg im 24/7-Betrieb erhöht die bestehende Kapazität von 100 Plätzen um weitere 20 Plätze, darunter sind auch Plätze für obdachlose Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer.

In den bestehenden Einrichtungen der Kältehilfe stehen aktuell 1.090 Notübernachtungsplätze zur Verfügung. Vergangene Woche blieben davon 121 frei.

Im Stadtgebiet sind aktuell 5 Busse mit Sozialarbeitenden in der aufsuchenden Hilfe unterwegs, um obdachlosen Menschen zu unterstützen und sie in Einrichtungen zu bringen.

Wärmebus erreichbar ab 18 Uhr unter: 030 600 300 1010

täglich unterwegs von 18 bis 24 Uhr

Kältebus erreichbar ab 20.30 Uhr unter: 0178 523 5838

täglich unterwegs von 20.30 bis 2 Uhr

KARUNA Sub – Taskforce für obdachlose Menschen

Rund um die Uhr erreichbar unter 0157 8 059 78 70

Hilfe Hotline für Obdachlose erreichbar Mo-Fr 9-17 Uhr unter:

0157 80 59 78 70

Kältehilfetelefon erreichbar Mo-So 19-23 Uhr unter: 030 81 05 60 425

  • Hinweis an alle Berlinerinnen und Berliner: Wenn Sie vermuten, dass eine Person unter Kälte und Witterung leidet, sprechen Sie sie höflich an und fragen, ob sie etwas braucht oder ob sie Hilfe annehmen will. Besonders im Winter kann es lebensgefährlich werden, auf der Straße zu schlafen. Sehen Sie bitte nicht weg, wenn Sie eine Erfrierungsgefahr vermuten. Rufen Sie eine der oben genannten Nummern an.


Im Notfall wählen Sie: 110 (Polizei) oder 112 (Feuerwehr/Rettungsdienst)

Alle aktuellen Angebote der Kältehilfe unter: “https://www.kaeltehilfe-berlin.de(Berliner Kältehilfe)//:www.kaeltehilfe-berlin.de

Für sofortige beratende und unterstützende Hilfe stehen wir auch unter 0172-3884960 persönlich zur Verfügung, so Günter K.V. Vetter - maab-cardiolotse@email.de




WARNLAGEBERICHT für
Brandenburg und Berlin

ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Samstag, 06.02.2021, 14:30 Uhr

Dauerfrost und Glätte. Zum Sonntag Schneefall, Sturmböen und teils
unwetterartige Schneeverwehungen.

Entwicklung der WETTER- und WARNLAGE:
Eine markante Luftmassengrenze liegt nahezu ortsfest über dem
Südwesten Brandenburgs. Weite Landesteile liegen dabei im Zustrom
kalter Luftmassen polaren Ursprungs.

FROST/GLÄTTE:
Landesweit Dauerfrost. Höchstwerte tagsüber zwischen -2 und 0 Grad.
In der Nacht zum Sonntag verbreitet Frost zwischen -5 und -9 Grad, in
der Uckermark teils strenger Frost bis -11 Grad.

GLÄTTE/SCHNEE/SCHNEEVERWEHUNGEN (UNWETTER):
Ab dem späten Nachmittag streckenweise Glätte durch überfrierende
Nässe. In der Nacht zum Sonntag von Süden aufkommender Schneefall. Im
Südwesten Brandenburgs und in Teilen von Potsdam-Mittelmark bis zum
Mittag 10 bis 15 cm, bis in die Nacht zum Montag lokal um 20 cm. In
der gesamten Südwesthälfte Schneeverwehungen, unwetterartige
Auswirkunken auf Straßen und Schienen nicht ausgeschlossen!

WIND:
Heute einzelne Windböen bis 60 km/h (Bft 7) nicht ausgeschlossen. In
der Nacht zum Sonntag zunehmender Wind, dann verbreitet Windböen bis
60 km/h, am Sonntag auch einzelne stürmische Böen bis 70 km/h (Bft
8).

Deutscher Wetterdienst, RWB Potsdam, PZ