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OA Dr. Eva Lücke + Prof. Dr. Jens Schreiber: Eosinophilen Granulozyten- Entzündlihe Reaktionen in den Blutgefäßen der Lunge

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Unerwartete Abwehrreaktion gegen das Corona-Virus gefunden

Wissenschaftler*innen der Universitätsmedizin Magdeburg decken eine spezielle Form einer entzündlichen Reaktion in der Lunge eines COVID-19-Patienten auf 

Ein interdisziplinäres Team aus Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen der Universitätsmedizin Magdeburg (UMMD) ist auf einen möglichen neuen Ansatz zur Entwicklung von Therapien für COVID-19- Patient*innen mit schwerem Verlauf gestoßen. 

Während der intensivmedizinischen Behandlung eines schwer erkrankten COVID-19-Patienten konnte erstmals eine spezielle Form einer entzündlichen Reaktion in den Blutgefäßen der Lunge beobachtet werden. 

Die gewonnenen Daten liefern neue Erkenntnisse über die immunologischen Mechanismen, die bei schwerer COVID-19 eine Rolle spielen und könnten somit bei der Entwicklung neuer Therapien helfen. Ihre Ergebnisse wurden in dem renommierten Wissenschaftsjournal „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht.

Das Team von Prof. Dr. Jens Schreiber, Direktor der Universitätsklinik für Pneumologie, war eine von insgesamt sieben unterschiedlichen klinischen und klinisch-theoretischen Fachrichtungen der UMMD, die mit der Behandlung des COVID-19-Patienten befasst waren. 

„Es handelte sich um einen 60 Jahre alten männlichen Patienten. 

Er kam in einem kritischen Zustand und mit schwerer COVID-19 zu uns. 

Zuvor wurde er bereits sechs Tage lang mechanisch beatmet.

Er litt an Bluthochdruck und Diabetes und war langjähriger Raucher. 

Eine allergische Vorerkrankung oder Asthma lagen nicht vor. 

Aufgrund massiver Einblutungen in die Lunge musste er notoperiert werden“, beschreibt der Pneumologe den Fall. 

Portrait Prof. Dr. med. Jens Schreiber, Direktor Universitätsklinik für Pneumologie Magdeburg

Portrait Prof. Dr. med. Jens Schreiber, Direktor Universitätsklinik für Pneumologie Magdeburg Universitätsmedizin Magdeburg

In diesem Zusammenhang konnten die Ärzt*innen eine ausgeprägte Entzündung der Blutgefäße und akute Schäden der Lungenstruktur ausmachen. 

„Die Entzündung des Blutgefäßsystems der Lungen hat sich von den bisher beschriebenen Formen unterschieden. 

Außerdem zeigte sich in der Lunge und im Blut des Patienten eine erhöhte Konzentration an eosinophilen Granulozyten“, erläutert Dr. Eva Lücke, Erstautorin der Veröffentlichung und Oberärztin in der Universitätsklinik für Pneumologie. 

Das ist eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen. 

Als Teil der körpereigenen Immunabwehr bekämpfen sie Infektionen, indem Entzündungen im Körper hervorgerufen werden. 
  • Eosinophile kommen typischerweise vermehrt bei Allergien, bakteriellen Infektionen oder bei Parasitenbefall vor. 

„Solch eine erhöhte Anzahl an Eosinophilen ist untypisch für eine Virusinfektion. 

Die genaue Ursache ist noch unklar. Wir vermuten allerdings einen Zusammenhang mit dem schweren Verlauf der Erkrankung“, so Dr. Lücke. 

Portrait Dr. med. Eva Lücke, Universitätsklinik für Pneumologie Magdeburg

Portrait Dr. med. Eva Lücke, Universitätsklinik für Pneumologie Magdeburg Melitta Schubert Universitätsmedizin Magdeburg


Für die Wissenschaftler*innen liefern die Erkenntnisse rund um diesen Fall potenzielle neue Möglichkeiten für die Behandlung von Patient*innen mit schwerem COVID-19. 

Die Expertise einer interdisziplinären medizinischen Betreuung in einem Krankenhaus der Maximalversorgung und die enge Zusammenarbeit mit wissenschaftlich-theoretischen Instituten der Universitätsmedizin sei dabei laut Prof. Schreiber von enormer Bedeutung. 

Dieser Fall zeige eindrücklich, wie wichtig die maximale Versorgungsstruktur eines Klinikums für die umfassende Behandlung von schwer erkrankten COVID-19-Patienten sei.

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Dr. med. Eva Lücke, Oberärztin und Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie, Universitätsklinik für Pneumologie, eva.luecke@med.ovgu.de, Tel.: +49 391 67 13234

Prof. Dr. med. habil. Jens Schreiber, Direktor Universitätsklinik für Pneumologie, jens.schreiber@med.ovgu.de, Tel.: +49 391 67 15421

Friederike Süssig-Jeschor Universitätsmedizin Magdeburg

Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
Deutschland
Sachsen-Anhalt

Telefon: +49-391-67-27123
E-Mail-Adresse: friederike.suessig-jeschor@med.ovgu.de
Originalpublikation:

https://www.jacionline.org/article/S0091-6749(20)31392-0/fulltext


Prof. Dr. Henning Walczak: Fas-Todesliganden (Proteine): Zusammenhänge von Zelltod und Inflammation bei Entzündungserkrankungen und Krebs

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: COVID-19: Studie mit zielgerichteter Therapie in Wien gestartet

An der Medizinischen Universität Wien startet derzeit im Rahmen der Austrian CoronaVirus Adaptive Clinical Trial (ACOVACT) eine klinische Phase II Studie zur Behandlung von PatientInnen mit COVID-19. 

Die Studie wurde als akademisch-industrielle Zusammenarbeit mit Henning Walczak und seinen Teams von der Universität zu Köln und dem University College London (UCL) sowie Apogenix AG [1], einem Biotech-Unternehmen aus Heidelberg, initiiert.

PatientInnen mit schwerem bis kritischem COVID-19-Krankheitsverlauf werden nun im Rahmen der "Austrian CoronaVirus Adaptive Clinical Trial (ACOVACT)" mit einem Immuntherapeutikum von Apogenix, einem Fas-Liganden-Blocker, behandelt. 

ACOVACT ist eine offene, von der MedUni Wien gesponserte und wissenschaftlich initiierte, randomisierte, kontrollierte, multizentrische klinische Studie. Im Rahmen von ACOVACT werden unterschiedliche Behandlungen für COVID-19 verglichen. 

Die Teilstudie von ACOVACT wurde von Henning Walczak, Michael Bergmann und Apogenix initiiert. Walczak erforscht die Zusammenhänge von Zelltod und Inflammation bei Entzündungserkrankungen und Krebs. Er ist Alexander von Humboldt-Professor für Biochemie am Exzellenzcluster für Alternsforschung CECAD der Universität zu Köln und Professor für Tumorbiologie am UCL Cancer Institute. Bergmann ist Chirurg an der MedUni Wien und erforscht den Einsatz onkolytischer Viren zur Immuntherapie von Krebs.
Neuartiger Ansatz in der Therapie von COVID-19
Die Studie basiert auf einem wissenschaftlichen Konzept, das gemeinsam von Walczak, Bergmann und Apogenix entwickelt wurde. Aus eigenen Beobachtungen in Verbindung mit weiteren veröffentlichten Ergebnissen anderer ForscherInnen konnten sie schließen, dass Gewebezerstörung und Lungenversagen bei PatientInnen mit schwerem COVID-19 tatsächlich vielmehr die Folge der Überaktivität sogenannter Todesliganden, als der Virus-Infektion selbst sein könnten.

  • Todesliganden sind Proteine, die unsere eigenen Körperzellen normalerweise im Zuge der Immunabwehr produzieren. 

Das nun eingesetzte Immuntherapeutikum fängt den Todesliganden Fas-Ligand ab, der auch als CD95-Ligand bekannt ist. 

  • „Eine SARS-CoV-2-Infektion löst eine Überreaktion unseres Immunsystems aus, die unter anderem zur Überproduktion des Fas-Liganden führt
  • Der Fas-Ligand kann dann auch gesunde, nicht infizierte Zellen in der Lunge von COVID-19-Patienten töten und so das Organ schädigen", erklärt Walczak.

 „Das Konzept der Verhinderung von Zelltod in der Behandlung von Covid-19 ist völlig neuartig. 

Wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis dieser klinischen Studie“, fügt Bergmann hinzu. 

Bisher konzentrierte sich die Suche nach wirksamen Behandlungsmethoden für COVID-19 vor allem auf Medikamente, die darauf abzielen, entweder das Virus selbst oder die Auswirkungen des Zytokinsturms zu neutralisieren.

 „Bis die Ärzte die Patienten zu Gesicht bekommen, ist die Viruslast in der Regel jedoch bereits deutlich gesunken, und der systemische Zytokinsturm erwies sich bei COVID-19-Patienten im Vergleich zu Krankheiten wie dem septischen Schock als recht gering", sagt Bergmann. 


„Die Blockade des Fas-Liganden bietet die Chance, die Ursache der schweren Covid-19-Erkrankung zu beheben. 

Indem wir den Zelltod blockieren, der sozusagen das Feuer der Entzündung in der Lunge dieser Patienten entfacht und weiter speist, entziehen wir diesem Feuer den Treibstoff“, meint Christian Schörgenhofer, der gemeinsam mit Bernd Jilma (beide Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien) die Studie koordiniert.

[1] Henning Walczak ist Gründer und wissenschaftlicher Berater der Apogenix AG

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Dr. Patrick Honecker Universität zu Köln

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Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Dr. Patrick Honecker
Telefon: 0221 470 2202
E-Mail-Adresse: patrick.honecker@uni-koeln.de

Prof. Dr. Henning Walczak
Direktor, Institut für Biochemie I
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Gesundhdeitliche Eigenverantwortung - Gesunden Lebenstil

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neues Jahr für Lebergesundheit – Deutsche Leberstiftung gibt Tipps für 2021

Vielen Menschen ist durch die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr nochmals bewusst geworden, dass Gesundheit das Wichtigste im Leben ist. 

Noch nie waren die Erwartungen an ein neues Jahr so hoch wie an 2021: 

Die Hoffnungen sind groß, dass die Pandemie bald besiegt werden kann und ein normales Leben wieder möglich wird. 

Die Deutsche Leberstiftung erinnert zum Start in das neue Jahr an die gesundheitliche Eigenverantwortung jedes Einzelnen und an die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils, der positive Effekte auf die Lebergesundheit hat und auch das Immunsystem stärkt.

Das Jahr 2020 wird vielen Menschen in unguter Erinnerung bleiben. 

Aus einer im Dezember 2020 veröffentlichten Umfrage geht hervor, dass die Corona-Pandemie rund 30 Prozent der befragten Deutschen das Gefühl vermittelt, sich in einer Katastrophe oder Notsituation zu befinden. 

Über zwei Drittel der Befragten waren vom Ausmaß der Pandemie vollkommen überrascht und hätten damit in Deutschland nicht gerechnet. 

Und nur knapp zehn Prozent gaben an, durch Vorsorgemaßnahmen wie beispielsweise Vorratshaltung vorbereitet gewesen zu sein.

Dass zur Vorsorge für außergewöhnliche Ereignisse neben dem Bevorraten von Lebensmitteln und Hygieneartikeln auch ein guter Gesundheitszustand eine große Rolle spielt, ist ein weiterer Aspekt, den die Pandemie verdeutlicht hat. 

Ein Beispiel für ein vermeidbares erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 ist Adipositas (Fettleibigkeit), die auch als Ursache für die Entstehung von Lebererkrankungen bekannt ist. 

Warum dies seit einigen Jahren eine gefährliche – jedoch vermeidbare – Entwicklung ist, erläutert der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung, Professor Dr. Michael P. Manns: 

„Seit den siebziger Jahren hat sich in der westlichen Welt die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas, also Fettsucht, verdreifacht – auch in Deutschland. 

Damit einher geht die Zunahme von Wohlstandserkrankungen, zu der die nicht-alkoholische Fettleber (NAFL) als Ausgangspunkt möglicher Lebererkrankungen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs zählt. 

  • In seltenen Fällen kann sich eine Fettleber, beispielsweise aufgrund einer Fettstoffwechselstörung, auch bei normalem Körpergewicht unerkannt manifestieren – man spricht hier von den sogenannten dünnen Dicken.“


Vor allem jüngere Männer sind übergewichtig. 

Der im November 2020 veröffentlichte neue Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) belegt, dass in der Gruppe der 30-Jährigen die Normalgewichtigen in der Minderheit sind. 

  • 59,4 Prozent der Männer zwischen 18 und 65 Jahren sind zu dick, während bei den Frauen in dieser Altersgruppe 37,3 Prozent übergewichtig oder adipös sind. 

Das ändert sich mit zunehmendem Alter: 

  • Ab 65 sind auch bei den Frauen die Normalgewichtigen in der Unterzahl. Außerdem ist jedes siebte Kind übergewichtig oder adipös.


Experten sprachen bereits vor der Corona-Pandemie von einer dramatischen Entwicklung, die durch die „Lockdowns“ mit eingeschränkten Sportmöglichkeiten und vermehrtem Fastfood-Konsum noch verschlimmert wurde. 

Für das neue Jahr empfiehlt Professor Manns: 

„Jeder sollte sich für 2021 die Frage stellen, in welchen Lebensbereichen er mehr für seine Gesundheit tun kann. Neben einer Lebensstiländerung in den Bereichen Ernährung und Bewegung empfehlen wir auch einen kritischen Blick auf den Alkoholkonsum. Hier unterstützen wir den Aufruf der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der Leber eine Alkoholpause zu gönnen. Zu den Risiken des Alkoholkonsums zählt unter anderem die alkoholische Fettleber (AFL), die ebenso wie die NAFL zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen kann. 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der gesundheitlichen Eigenverantwortung ist außerdem das Wahrnehmen von regelmäßigen Vorsorgeuntersuchen, bei denen gegebenenfalls auch eine Überprüfung der Blut-Leberwerte (beispielsweise GPT oder auch ALT genannt) vorgenommen werden kann.“

Die Möglichkeiten, das Jahr 2021 zu einem gesünderen Lebensabschnitt zu machen, von dem auch die Leber profitiert, sind vielfältig – vorausgesetzt man verfolgt die gesetzten Ziele motiviert und fokussiert. 

 Auch die Gesundheitspolitik trägt im Jahr 2021 dazu bei, dass Lebergesundheit immer besser überprüft werden kann: 

Im Rahmen des Präventionsprogramms „Gesundheitsuntersuchung“ für gesetzlich Versicherte, bis März 2019 als „Check-up 35“ bezeichnet, besteht ab dem vollendeten 35. Lebensjahr alle drei Jahre ein Anspruch auf eine Vorsorge-Untersuchung. 

Im November 2020 beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), dass als neuer Bestandteil dieser Untersuchung künftig einmalig der Test auf die Viruserkrankungen Hepatitis B und Hepatitis C, die ebenso wie Fettleberhepatitis für die Entstehung von Leberzirrhose und Leberzellkrebs verantwortlich sein können, in Anspruch genommen werden kann. 

  • Damit sollen bislang unentdeckte Infektionen mit den Hepatitis-Viren B (HBV) und C (HCV) erkannt werden. 

Das Inkrafttreten des Beschlusses wird in Kürze erwartet. Anspruchsberechtige können den neu eingeführten Test auf Hepatitis B und C separat nachholen, falls ihr Termin für die „Gesundheitsuntersuchung“ zeitlich vor dem endgültigen Inkrafttreten der Neuregelung liegen sollte.

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Gefäßbedingen Hirnerkrankungen: medikamentöse, neurochirurgische und minimalinvasive kathetergestützte Methoden

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neurovaskuläres Netzwerk gegründet: UKL und die Kliniken Borna, Altenburg und Altscherbitz vereinbaren Kooperation

Die Kliniken Borna, Altenburg und Altscherbitz haben sich mit dem Universitätsklinikum Leipzig in einem Netzwerk zusammengeschlossen, um die Versorgung von Patienten mit gefäßbedingten Hirnerkrankungen wie beispielsweise Schlaganfällen zu verbessern. 

Der neu gegründete Verbund sichert eine enge Kooperation der Experten und damit die weiter verbesserte Versorgung der Patienten. 

Expertinnen und Experten des UKL und der Kliniken Borna, Altenburg und Altscherbitz arbeiten zusammen, um Patienten mit Erkrankungen der Hirngefäße auch in aufwändigen Fällen bestmöglich versorgen zu können. 

 Expertinnen und Experten des UKL und der Kliniken Borna, Altenburg und Altscherbitz arbeiten zusammen, um Patienten mit Erkrankungen der Hirngefäße auch in aufwändigen Fällen bestmöglich versorgen zu können. Montage: Hagen Deichsel / UKL

Der interdisziplinäre Zusammenschluss dient allen Patienten mit Erkrankungen der Hirngefäße, die auf diese Weise auch in aufwändigen, komplizierten oder seltenen Fällen schnell die bestmögliche Therapie erhalten sollen. 

Hintergrund ist, dass gerade bei Schlaganfällen und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen des Gefäßsystems im Gehirn nicht an allen Kliniken jederzeit auch alle verfügbaren Behandlungen durchgeführt werden können. 

„Unser Ziel ist es, künftig gemeinsam schnell zu identifizieren, welches Verfahren im jeweils individuellen Fall die beste Lösung für den Patienten ist“, beschreibt Prof. Joseph Claßen, Direktor der Neurologie am UKL, die Aufgabe des Netzwerks. 

Zur Wahl stehen an den vier Kliniken dabei medikamentöse, neurochirurgische und minimalinvasive kathetergestützte Methoden. Hier wird auch besprochen, ob die weitere Behandlung in einem spezialisierten überregionalen Zentrum erfolgen muss. 

„Oft kann die Behandlung vor Ort erfolgen und ist damit die beste Wahl für die Patienten“, so Claßen.

In manchen Fällen sind aber hochspezialisierte Verfahren erforderlich, die dann ebenfalls schnell und gezielt eingesetzt werden können. Die Grundlage dafür bilden Festlegungen zur Vorgehensweise, die von den Netzwerkpartnern gemeinsam entwickelt und in den Alltag übernommen werden. Die Ausrichtung an hohen gemeinsam verabredeten Standards stellt ein wesentliches Merkmal für die Qualität der medizinischen Versorgung in solchen Netzwerken dar. Diese Art der Kooperation kann die Versorgung der oft stark gefährdeten Patienten wesentlich verbessern, das zeigen Erfahrungen aus den 15 bereits in Deutschland existierenden zertifizierten Zentren. Privatdozentin Dr. Anne-Dorte Sperfeld, Chefärztin der Klinik für Neurologie im Sächsischen Krankenhaus Altscherbitz und Leiterin einer regionalen Schlaganfalleinheit, ist überzeugt, dass über dieses Netzwerk „nachhaltige Erkenntnisse der Spitzenmedizin schnellstens die Basis der Bevölkerungsversorgung erreichen“. Um konkret für betroffene Menschen körperliche und geistige Ausfallerscheinungen zu minimieren, kommen am Universitätsklinikum Leipzig die Experten des neurovaskulären Zentrums, die Spezialisten für Neuromedizin der weiteren drei beteiligten Kliniken und unterstützender Fachgebiete zusammen: 

  • Neurologen, Neurochirurgen und Neuroradiologen, aber auch Kardiologen, Gefäßchirurgen und Anästhesisten.  

Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf die Notfallversorgung, sondern schließt alle Fälle ein.
„Wir freuen uns sehr über die Schaffung dieses Netzwerkes, da wir so gemeinsam einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Patientenversorgung in der gesamten Region leisten können“, sagt Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig.

Eine abgestimmte Versorgung von Patienten mit Gefäßerkrankungen des Gehirns sichert die spezialisierte Behandlung und damit die Chancen der Betroffenen auf Überleben und Heilung. „Der Zusammenschluss ist logische Konsequenz unserer langjährigen guten Kooperation in der Region“, betont Dr. Alexander Reinshagen, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Sana Klinikum in Borna. „Mit unserer zertifizierten überregionalen Schlaganfallstation bieten wir vor Ort alle notwendigen Behandlungen von medikamentöser Akuttherapie bis Katheterverfahren an. Von der Möglichkeit, sich mit weiteren Experten zu beraten und besonders schwierige Fälle zu den Kollegen am Universitätsklinikum Leipzig zu verlegen, haben bereits schwer kranke Patienten profitiert. Das können wir im Netzwerk zukünftig noch schneller und gezielter organisieren“.
„Und wir müssen den Blick in die Zukunft richten“, ergänzt Dr. Torsten Hantel, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie / Neuroradiologie
in Borna. „Die Ausbildung der nächsten Ärztegeneration stellt aufgrund der rasanten technischen Entwicklung höchste Anforderungen, die nur noch mit gemeinsamen Standards, fachlichem Austausch und einem stetigen Blick über den Tellerrand erfolgreich zu meistern sind.“

Prof. Dr. Jörg Berrouschot, Ärztlicher Direktor des Klinikums Altenburger Land, fügt hinzu: „Die Klinik für Neurologie des Klinikums Altenburger Land bringt ihre hervorragende Expertise in der akuten Schlaganfallversorgung in das Netzwerk ein. Wir sind ein großes überregionales Schlaganfallzentrum, betreuen unter anderem sieben internistische Kliniken telemedizinisch und sind in der Lage, rund-um-die-Uhr alle notwendigen akuten Behandlungsverfahren, zum Beispiel mechanische Thrombektomie, Thrombolyse und weitere, für Patienten mit Schlaganfall anzubieten. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten in Mitteldeutschland.“

Nicht zuletzt sollen auch die in diesem Netzwerk getroffenen therapeutischen Entscheidungen evaluiert werden. 

In einem nächsten Schritt sollen die praktischen Modalitäten (z. B. zur klinikübergreifenden Kommunikation) und die finanzielle Ausstattung besprochen werden. Zudem strebt das Netzwerk, das offen ist für weitere Partner, eine Zertifizierung zur Sicherung der Qualität der hier erbrachten Leistungen an. 

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Prof. Dr. Dr. Andrea S. Winkler + Prof. Dr. Stefanie Klug: Frauen mit HIV und Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Sechsfach höheres Risiko: Studie zeigt Zusammenhang zwischen HIV-Infektion und Gebärmutterhalskrebs

Ein Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) hat die Effekte einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) auf die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs quantifiziert und herausgefunden, dass Frauen, die mit HIV infiziert sind, ein sechsfach höheres Risiko haben, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. 

Besonders betroffen sind die Regionen Süd- und Ostafrika. 

 Frauen, die mit HIV infiziert sind, haben ein sechsfach höheres Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Dies fanden Dr. Dominik Stelzle und Dr. Luana Tanaka im Rahmen einer Studie des Center for Global Health heraus.

 Frauen, die mit HIV infiziert sind, haben ein sechsfach höheres Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Dies fanden Dr. Dominik Stelzle und Dr. Luana Tanaka im Rahmen einer Studie des Center for Global Health heraus. Andreas Heddergott / TUM

Gebärmutterhalskrebs ist nach Statistiken der WHO die vierthäufigste Krebsart bei Frauen. 

Im Jahr 2018 wurde bei schätzungsweise 570.000 Frauen weltweit ein Zervixkarzinom diagnostiziert, etwa 311.000 Frauen starben an dieser Krankheit.

Andererseits ist Gebärmutterhalskrebs, der meist von Humanen Papillomviren (HPV) verursacht wird, aber auch eine der am erfolgreichsten vorbeugbaren und behandelbaren Krebsarten, sofern dieser frühzeitig erkannt und wirksam therapiert wird.

  • Gebärmutterhalskrebs ist gleichzeitig die am häufigsten entdeckte Krebserkrankung bei Frauen die mit HIV leben, da deren Immunsystem durch die HIV-Infektion geschwächt ist.


Das Center for Global Health der Fakultät für Medizin sowie der Lehrstuhl für Epidemiologie der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften haben sich in der Publikation „Estimates of the Global Burden of Cervical Cancer Associated with HIV“ im renommierten Fachjournal The Lancet Global Health nun diesem relevanten Thema gewidmet.

Systematisches Review und Meta-Analyse von 24 Studien

Die Erstautoren Dr. Dominik Stelzle (Center for Global Health und Lehrstuhl für Epidemiologie) und Dr. Luana Tanaka (Lehrstuhl für Epidemiologie) haben dafür einen systematischen Review sowie eine Meta-Analyse von insgesamt 24 Studien aus den Jahren 1981 bis 2016 durchgeführt, an denen 236.127 Frauen mit HIV aus vier Kontinenten (Afrika, Nordamerika, Asien und Europa) teilgenommen hatten.

Insgesamt enthielten diese Studien 2.138 Zervixkarzinom-Fälle. Zudem wurden die Ergebnisse mit Daten von UNAIDS zur weltweiten HIV-Infektion und mit Daten der International Agency for Research on Cancer (IARC), dem Krebsforschungszentrum der WHO, zum Zervixkarzinom verbunden und ausgewertet.

„Bislang gab es immer nur Schätzungen aus Ländern mit einem hohen Netto-Einkommen“, schildert Dr. Stelzle. „Das war der Grund, warum wir uns die Zahlen der globalen Belastung des Zervixkarzinom in Verbindung mit einer HIV-Infektion angesehen haben, inklusive Schätzungen für Länder mit niedrigen Netto-Einkommen. In den meisten Teilen der Welt liegen diese Zahlen bei unter fünf Prozent. In einigen Ländern sprechen wir aber von weit über 40 Prozent der Fälle.“

Frauen mit HIV haben ein sechsfach höheres Risiko

Ziel der Studie war es, den Anteil der mit HIV lebenden Frauen unter den Frauen mit Gebärmutterhalskrebs zu berechnen. Die Autoren fanden heraus, dass weltweit 5,8 Prozent aller neuen Gebärmutterhalskrebs-Fälle im Jahr 2018 bei Frauen mit einer HIV-Infektion diagnostiziert wurden. Dies entspricht 33.000 Fällen pro Jahr, wovon 85 Prozent davon in Subsahara-Afrika auftreten.

  • Weiterhin konnte das Team auf der Basis der Ergebnisse zeigen, dass Frauen mit HIV ein sechsfach höheres Risiko besitzen, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, als Frauen ohne HIV-Infektion.


„Die Assoziation zwischen Zervixkarzinom und HIV ist einleuchtend“, erläutert Prof. Dr. Dr. Andrea S. Winkler, Co-Leiterin des Centers for Global Health. „Zervixkarzinome werden meist durch Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) verursacht, welche ebenso wie HIV sexuell übertragen werden. Aufgrund unserer Ergebnisse könnte man annehmen, dass eine Infektion mit HIV einen Risikofaktor für eine Infektion mit HPV darstellt.“

Süd- und Ostafrika sind am stärksten betroffen

Am stärksten betroffen sind die Regionen Süd- und Ostafrika, in denen 63,8 Prozent (Südafrika) bzw. 27,4 Prozent (Ostafrika) der Zervixkarzinome bei Frauen mit einer HIV-Infektion diagnostiziert wurden.

„Mit über 75 Prozent ist Eswatini im südlichen Afrika das Land mit dem höchsten Anteil an Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs in Verbindung mit einer HIV-Infektion leiden, gefolgt von Lesotho mit 69 Prozent, Botswana mit 67 Prozent, Südafrika mit 64 Prozent sowie Simbabwe mit 52 Prozent“, so Dr. Tanaka.

Anhand der Ergebnisse stellten die Autoren der TUM fest, dass Frauen mit einer HIV-Infektion ein signifikant höheres Risiko besitzen, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Insbesondere für die afrikanischen Länder südlich der Sahara seien daher HPV-Impfungen sowie frühzeitige Zervixkarzinom-Screenings von hoher Bedeutung.

„In Afrika gibt es zwar durchaus bereits Zervixkarzinom-Screenings, aber bislang hauptsächlich für Frauen, die eine höheren sozioökonomischen Status haben und es sich daher finanziell leisten können“, so Prof. Dr. Stefanie Klug, Inhaberin des Lehrstuhls für Epidemiologie der TU München. „Ziel muss es sein, diese Abhängigkeit von ökonomischen Möglichkeiten aufzubrechen und zu erreichen, dass die HPV-Impfung für Mädchen und das Screening für Frauen kostenfrei werden.“


Die Publikation ist in einer Kooperation zwischen dem Center for Global Health (Abteilung für Neurologie) der Fakultät für Medizin, dem Lehrstuhl für Epidemiologie der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften, der London School of Hygiene and Tropical Medicine, der University of Edinburgh, der University of Glasgow, der International Agency for Research on Cancer (IARC) sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entstanden. Das Projekt wurde durch die WHO über finanzielle Mittel der United States Agency for International Development (USAID) und dem U.S. President’s Emergency Plan for AIDS Relief (PEPFAR) gefördert.

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Prof. Dr. Dr. Andrea S. Winkler und Dr. Dominik Stelzle
Center for Global Health,
Technische Universität München,
Klinikum rechts der Isar, Abteilung für Neurologie,
Ismaninger Straße 22, 81675 München
E-Mail: andrea.winkler@tum.de – dominik.stelzle@tum.de

Prof. Dr. Stefanie Klug und Dr. Luana Tanaka
Technische Universität München, Lehrstuhl für Epidemiologie
Georg-Brauchle-Ring 56, 80992 München
Tel.: +49 89 289 24950 – E-Mail: sekretariat.klug@tum.de – luana.tanaka@tum.de

Dr. Andreas Battenberg Technische Universität München

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80333 München
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Dr. Ulrich Marsch
Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388
E-Mail-Adresse: presse@tum.de
Originalpublikation:

Dominik Stelzle, Luana F. Tanaka, Kuan Ken Lee, Ahmadaye Ibrahim Khalil, Iacopo Baussano, Anoop S. V. Shah, David A. McAllister, Sami L. Gottlieb, Stefanie J. Klug, Andrea S. Winkler, Freddie Bray, Rachel Baggaley, Gary M. Clifford, Nathalie Broutet, Shona Dalal
Estimates of the global burden of cervical cancer associated with HIV
The Lancet Global Health, 16.11.2020 – DOI: 10.1016/S2214-109X(20)30509-X


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://doi.org/10.1016/S2214-109X(20)30509-X Originalpublikation

https://www.med.tum.de/de/center-global-health Website des Center for Global Health der TUM

 

Prof. Dr. Jonas Marschall: Prof. Dr. Daniel Surbek: Optimalen Schutzes von Mutter und Kind bei Kaiserschnitt-Geburten: Antibiotikagabe

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Antibiotikaprophylaxe bei Kaiserschnitt: Mutter und Kind optimal schützen

In der Zeitschrift «Antimicrobial Resistance and Infection Control» publizierte  ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Universitätsspitals Bern die bisher grösste, multizentrische Studie zur Frage des optimalen Schutzes von Mutter und Kind bei Kaiserschnitt-Geburten. 

  • Es konnte nachgewiesen werden, dass die Mutter keinem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt ist, wenn Antibiotika nach der Abnabelung statt vor dem Schnitt verabreicht werden. 
  • Für das Neugeborene entsteht damit ein erheblicher Vorteil, da eine potentielle Belastung durch Antibiotika ausgeschlossen werden kann. 

Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Chefarzt und Co-Direktor Klinik für Frauenheilkunde am Inselspital, Universitätsspital Bern, Vorstandsmitglied SGGG, gynécologie suisse
Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Chefarzt und Co-Direktor Klinik für Frauenheilkunde am Inselspital, Universitätsspital Bern, Vorstandsmitglied SGGG, gynécologie suisse Insel Gruppe

Bei Kaiserschnitt-Geburten werden gemäss Schweizerischen und internationalen Guidelines, inklusive den WHO-Empfehlungen, seit Jahrzehnten weltweit der Mutter vor dem Schnitt Antibiotika verabreicht. 

 Dies geschieht zum Schutz vor allfälligen, nachgeburtlichen Infektionen. 

Der grosse Nachteil: Bei dieser Methode gelangen Antibiotika zum Neugeborenen. 

Damit ist eine mögliche Beeinträchtigung des Mikrobioms im Darm des Neugeborenen verbunden.


Bisher grösste Studie

In der vorliegenden, weltweit grössten Studie zu diesem Thema wurden in 75 Spitälern der Schweiz zwischen 2009 und 2018 total 55 901 Kaiserschnitte ausgewertet. 

Die Beziehung zwischen dem Zeitpunkt der antimikrobiellen Prophylaxe vor dem Schnitt bis zur Abnabelung und dem Eintreten einer Infektion in Bereich des Bauchschnittes wurde untersucht. 

Verglichen wurden 26 405 Eingriffe mit Antibiotikagabe vor dem Hautschnitt und 29 496 Eingriffen mit Antibiotikaprophylaxe nach der Kindsabnabelung. 

Insgesamt 846 Wundinfektionen wurden festgestellt. 

Erstautor PD Rami Sommerstein betont: «Die Studie ist in Bezug auf die Zeitdauer und den Umfang gut fundiert. Die Ergebnisse sind klar: Es konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Methoden festgestellt werden.»

Keine Nachteile für die Mutter – Vorteile für das Kind
Diese Resultate können weitreichende Auswirkungen auf die Praxis des Kaiserschnittes haben. 

Der Schutz der Darmflora des Neugeborenen ist von grösster Bedeutung für zahlreiche Aspekte seiner Entwicklung. 

Eine Beeinträchtigung des Mikrobioms durch Antibiotikagabe kann Auswirkungen zum Beispiel auf die Entwicklung des Immunsystems oder auf die Hirnentwicklung zur Folge haben. 

Aufgrund der hier vorgestellten, neuen Forschungsergebnisse wird es möglich, dieses Risiko erheblich zu vermindern. 

Prof. Jonas Marschall, Mitglied von Swissnoso und Chefarzt an der Universitätsklinik für Infektiologie am Inselspital, Universitätsspital Bern hält fest:

  •  «Die Antibiotikagabe nach der Abnabelung hat aufgrund der Studienergebnisse keine Nachteile für die Mutter, verbessert die Situation für das Neugeborene jedoch erheblich.»

Prof. Dr. med. Jonas Marschall, Chefarzt Universitätsklinik für Infektiologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Mitglied Swissnoso

Prof. Dr. med. Jonas Marschall, Chefarzt Universitätsklinik für Infektiologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Mitglied Swissnoso Insel Gruppe


Welche Folgen haben die Ergebnisse der Studie?

Die Studienergebnisse sind als robust anzusehen. Die Studie lief zehn Jahre und umfasste eine ansehnliche Stichprobenzahl. Es gab wenige Ausfälle und die Qualität der erhobenen Daten war dank einem rigorosen Validierungssystem sehr hoch. Die statistische Auswertung lieferte somit zuverlässige Daten. «Es ist davon auszugehen», folgert Prof. Daniel Surbek, «dass aufgrund der Studienergebnisse die gängige Praxis der Antibiotikaprophylaxe beim Kaiserschnitt künftig weltweit angepasst werden wird.» 

Wissenschaftliche Ansprechpartner sind:

• Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Chefarzt und Co-Direktor Klinik für Frauenheilkunde am Inselspital, Universitätsspital Bern, Vorstandsmitglied SGGG, gynécologie suisse
• Prof. Dr. med. Jonas Marschall, Chefarzt Universitätsklinik für Infektiologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Mitglied Swissnoso
• PD Dr. med. Rami Sommerstein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Universitätsklinik für Infektiologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Leiter Forschung und Entwicklung Swissnoso


Originalpublikation:

https://doi.org/10.1186/s13756-020-00860-0

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Rodeln nur mit Helm! Kinder sitzen hinten! https://youtu.be/I9g5fym5ysA

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: Rodelunfälle: Ohne Helm schon bei geringen Geschwindigkeiten schwerste Verletzungen

Crashtests kennt man eigentlich nur von der Verkehrssicherheitsforschung. 

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit hat nun gemeinsam mit der Technischen Universität Graz in einem computersimulierten Crashtest erstmalig Rodelunfälle untersucht. 

Mit alarmierenden Ergebnissen: 

Ohne Helm sind tödliche Kopfverletzungen bei Kollisionen z.B. mit einem Baum schon bei geringen Geschwindigkeiten möglich. 

Das Tragen eines Helmes und die richtige Sitzposition verringern das Verletzungsrisiko für Kinder beim Rodeln dramatisch. 

Computersimulierte Crashtests des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und des Instituts für Fahrzeugsicherheit der TU Graz demonstrieren das Verletzungsrisiko beim Schlittenfahren.
Computersimulierte Crashtests des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und des Instituts für Fahrzeugsicherheit der TU Graz demonstrieren das Verletzungsrisiko beim Schlittenfahren. Computersimulation © TU Graz – VSI

Mehr als 2.200 Menschen verletzen sich jährlich bei Rodelunfällen in Österreich. 

Im Schnitt enden zwei davon tödlich. 

In der Rodelsaison 2019/20 starben sogar fünf Menschen

Dabei zählen Kollisionen mit stehenden Hindernissen wie z.B. einem Baum zu den häufigsten Todesursachen

Forschende des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und des Instituts für Fahrzeugsicherheit der TU Graz untersuchten nun anhand von Berechnungen und Computersimulationen mit virtuellen Menschmodellen, welche Maßnahmen das Verletzungsrisiko beim Rodeln verringern können. „Rodeln ist beliebt. Doch Jahr für Jahr ereignen sich schwerste Unfälle. Detaillierte Untersuchungen z.B. welche Geschwindigkeiten welche Verletzungen verursachen sind für die Präventionsarbeit essentiell. Die Ergebnisse unserer Crash-Simulation sind alarmierend. Denn die Sicherheit eines einfachen Rodelausflugs ist trügerisch, spätestens dann, wenn man ohne Helm auf ein annähernd starres Hindernis wie einen Baum trifft“, so KFV Sprecherin Dr. Johanna Trauner-Karner.

Sicherheitsfaktor Helm

Die Simulationen zeigen deutlich: 

Bei Kindern, die ohne Helm rodeln, besteht bereits ab ca. 10 km/h ein erhebliches Risiko für schwere Kopfverletzungen. 

Ab einer Geschwindigkeit von ca. 20km/h steigt zu den Kopfverletzungen zudem das Risiko für Rippen- und Oberschenkelfrakturen. 

  • „Die Untersuchungen belegen, dass ein Helm das Kopfverletzungsrisiko deutlich reduziert – und zwar unabhängig von der Geschwindigkeit und unabhängig davon, ob die Person frontal oder seitlich gegen ein Hindernis prallt“, so Stefan Smit, Forscher am Institut für Fahrzeugsicherheit.


Zu zweit am Schlitten: Sicherster Platz für Kinder ist HINTER dem Erwachsenen

Einfluss auf den Verletzungsgrad bei Kindern hat außerdem deren Sitzposition, wenn sie gemeinsam mit Erwachsenen rodeln: 

Sitzt das Kind vorne am Schlitten, besteht neben dem Kopfverletzungsrisiko auch ein erhebliches Risiko für Verletzungen des Thorax bzw. der Oberschenkel des Kindes, so das KFV und die TU Graz: 

„In allen unseren Simulationsszenarien wurde das Kind durch den dahinter sitzenden Erwachsenen förmlich in den Baum ‚gedrückt‘. 

Während für den Kopf schon allein der Anprall am Baum kritisch ist, sind Thorax und Oberschenkel durch das Gewicht der erwachsenen Person und durch die Interaktion mit dem Schlitten so einer extremen zusätzlichen Belastung ausgesetzt.“ 

Das Kind wird zwischen Baum und Erwachsenen eingeklemmt. 

Sitzt das Kind hingegen hinten, hat es mit dem Rücken der erwachsenen Person mehr oder weniger einen zusätzlichen Aufprallschutz für den Kopf, zumal der Rücken naturgemäß weicher ist als ein Baum oder eine Liftsäule.

Weitere Details zur Simulationsmethode

Die Forschenden verwendeten für ihre Untersuchungen virtuelle Modelle (Finite Elemente Modelle) des menschlichen Körpers. 

Diese wurden in einer typischen Rodelhaltung auf einem Schlittenmodell platziert. 

Als Unfallszenario wurde der Anprall an einem Baum gewählt, eine der häufigsten Ursachen für schwere und tödliche Rodelunfälle. 

Diese Unfallsituation wurde mit verschiedenen Anprallgeschwindigkeiten und unterschiedlichen Anprallwinkeln simuliert. 

Zur Bewertung des Schutzeffekts eines Helmes wurden Simulationen eines allein fahrenden Kindes sowohl mit als auch ohne Helm durchgeführt. 

In den Simulationen, in denen das Kind den Schlitten gemeinsam mit einer erwachsenen Person benutzte, saß das Kind einmal vorne und einmal hinten. 

Das Verletzungsrisiko wurde auf Basis etablierter Verletzungskriterien bewertet.

Fazit der Experten: Rodeln nur mit Helm! Kinder sitzen hinten!

Das Tragen eines Helmes ist beim Rodeln besonders wichtig. 

Die richtige Sitzposition – für Kinder hinter dem Erwachsenen - verringert das Verletzungsrisiko beim Rodeln stark.

Diese Forschung ist an der TU Graz im Field of Expertise „Mobility & Production“ verankert, einem von fünf strategischen Forschungsschwerpunkten der Universität.

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https://www.tugraz.at/institute/vsi/home/ (Institut für Fahrzeugsicherheit der TU Graz)


https://www.kfv.at/ (Kuratorium für Verkehrssicherheit)

Video verfügbar: https://youtu.be/I9g5fym5ysA

 

 

PD Dr. Marie Ottilie Frenkel: Stressbelastung von Polizeikräften im Streifendienst https://shotpros.eu/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Stressbelastung von Polizeikräften im Streifendienst

Mit einer „mittleren Stressbelastung“ haben Polizeikräfte im Außendienst in den ersten Monaten der Corona-Pandemie auf neue Anforderungen reagiert. 

Allerdings schwankte das individuelle Erleben der Belastung sehr stark. 

  • So haben beispielsweise eine geringe Diensterfahrung oder die Wahrnehmung, unvorbereitet zu sein, als Risikofaktoren zu einer hohen Stressbelastung beigetragen. 

Insgesamt jedoch konnte der Großteil mit den Herausforderungen gut umgehen, wie die Befragung von Beamten in Deutschland sowie vier weiteren europäischen Ländern gezeigt hat. 

Die Studie von Dr. Marie Ottilie Frenkel von der Universität Heidelberg enthält auch Vorschläge für verbessertes Krisenmanagement.

Stressbelastung von Polizeikräften im Streifendienst
Heidelberger Studie erfasst Stressoren – Klare Gesetzeslage und effektive Kommunikation gefordert

Dazu gehört unter anderem eine effektive Kommunikation, auch über die Medien.

Im Rahmen der Studie, die Teil eines europäischen Forschungsprojektes ist, wurden mehr als 2.500 Beamtinnen und Beamte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Spanien befragt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von fünf Universitäten erhoben insbesondere die Stressoren im beruflichen und im privaten Umfeld ebenso wie individuelle, organisatorische und staatliche Bewältigungsstrategien sowie unterstützende Maßnahmen in der Polizeiarbeit. Sie arbeiteten dabei mit einem „Mixed Methods“-Ansatz, bei dem eine quantitative Erhebung von Daten durch eine qualitative Befragung mit individuellen Erfahrungsberichten ergänzt wurde. Insgesamt wurden vier Erhebungen zwischen Ende März und Anfang Juni dieses Jahres durchgeführt.

Während ein knappes Viertel der Befragten zu Beginn des Lockdowns angab, in der Polizeiarbeit selbst keine Auslöser für Stress zu erleben, waren rund 70 Prozent der Beamtinnen und Beamten im Streifendienst von unterschiedlichen Stressfaktoren betroffen.  

Dazu gehörten insbesondere das Risiko einer Infektion (23 Prozent) und eine als unübersichtlich erlebte Kommunikation (14 Prozent). 

Im Laufe der folgenden Monate stieg der Anteil der Polizeikräfte ohne wahrgenommene Stressoren auf mehr als ein Drittel. 

Gleichzeitig sank der Einfluss der stressauslösenden Faktoren „Infektionsrisiko“ (13 Prozent) sowie „Kommunikation“ (zwei Prozent). 

  • Die Sorge, sich möglicherweise mit dem Corona-Virus zu infizieren, war in den Niederlanden über den gesamten Erhebungszeitraum mit rund 30 Prozent am stärksten ausgeprägt. 
  • In der Schweiz und Spanien spielten Fragen einer unzulänglichen Kommunikation mit rund drei Prozent nur eine sehr untergeordnete Rolle. 

Die Höhe der Stressbelastung eines „durchschnittlichen“ Teilnehmers der Befragung lag auf einer Skala von eins bis sieben bei rund 3,5 – leicht abnehmend im Befragungszeitraum. 

Die höchsten Belastungswerte mit im Durchschnitt 4,0 zeigten sich bei den deutschen Beamtinnen und Beamten.

„Im Vergleich zu anderen kritischen, aber zeitlich begrenzten Polizeieinsätzen etwa bei Terroranschlägen stellt die Pandemie eine globale und langandauernde Bedrohung dar. 

Dadurch sind Polizeikräfte mit ganz neuen Anforderungen konfrontiert, die sich belastend auf sie auswirken können“, betont Dr. Frenkel. 

Nach den Worten der Wissenschaftlerin ist es jedoch die „Kernkompetenz der Polizei“, auf neuartige und unsichere Situationen reagieren zu können. „Deshalb verfügen die Beamtinnen und Beamten auch über verschiedene Bewältigungsstrategien, die sie auf Stresssituationen vorbereiten. Ihre Wirksamkeit bestimmt, wie stark auch die Belastung während der Pandemie ist. Insbesondere die im Einsatztraining vermittelten Kompetenzen zur Kommunikation und Eigensicherung helfen ihnen, mit den Bürgerinnen und Bürger sicher zu interagieren“, sagt die Stressforscherin, die aus den Ergebnissen der Befragungen einen Katalog an Maßnahmen für einen besseres Krisenmanagement in der Pandemie-Situation abgeleitet hat.

Auf Regierungsebene bedarf es, so Dr. Frenkel, einer eindeutigen Gesetzeslage und einer effektiven Medienkommunikation, um eine höhere öffentliche Zustimmung für die Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit und polizeiliche Interventionen zu erreichen. 

  • Die Polizeibehörden sollten unter anderem durch klare interne Kommunikationskanäle und situationsbezogene Trainings zu einer größeren Handlungssicherheit der Beamtinnen und Beamten im Außendienst beitragen. 
  • „Durch eine gezielte Aktivierung von bereits erlernten Bewältigungsstrategien und professionelle Hilfsangebote kann die wahrgenommene Stressbelastung reduziert und das Krisenmanagement langfristig verbessert werden“, erläutert die Wissenschaftlerin, die am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg forscht.


Die Studie „SHOT-COVID19“ ist eingebunden in das internationale Projekt SHOTPROS, das im Rahmen von „Horizon 2020“, dem Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union, gefördert wird. In dem Verbundvorhaben arbeiten verschiedene Partner aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Rumänien und Schweden mit dem Ziel zusammen, ein innovatives Trainingsverfahren zu entwickeln, mit dem sich Entscheidungs- und Handlungsprozesse von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in stressigen und hochriskanten Einsatzsituationen verbessern lassen. 

Dazu gehört auch eine Virtual-Reality-Lösung, um den Umgang mit kritischen Szenarien effizienter trainieren zu können.

Die Ergebnisse der Studie wurden im „Journal of Criminal Justice“ veröffentlicht.

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Privatdozentin Dr. Marie Ottilie Frenkel
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Originalpublikation:

M.O. Frenkel, L. Giessing, S. Egger-Lampl, V. Hutter, R.R.D. Oudejans, L. Kleygrewe, E. Jaspaert, H. Plessner: The impact of the COVID-19 pandemic on European police officers: Stress, demands, and coping resources. Journal of Criminal Justice (published online 19 October 2020), doi: 10.1016/j.jcrimjus.2020.101756


Weitere Informationen für international Medizien am Abend Berlin Beteiligte

https://shotpros.eu/

 

CAVE-Untersucher: Nächtliche Atemfrequenz

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Atemfrequenz sagt Therapieeffekt bei Herzkranken voraus

Herzrhythmusstörungen zählen zu den häufigsten Herzerkrankungen. 

Eine Studie unter der Leitung von Prof. Georg Schmidt von der Technischen Universität München (TUM) zeigt erstmals auf, dass die nächtliche Atemfrequenz bei einer wichtigen Vorhersage helfen kann: 

  • Sie zeigt an, ob ein Defibrillator bei Menschen mit Herzrhythmusstörungen lebensverlängernd wirkt oder nicht.

Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen in westlichen Industrienationen. 

Er kann durch die Implantation eines Kardioverter-Defibrillators (ICD) verhindert werden. 

Dieser erkennt automatisch gefährliche Rhythmusstörungen und beendet sie durch Stromimpulse. 

Die Leitlinien empfehlen die Implantation eines ICDs bei Menschen mit einer deutlich eingeschränkten Pumpfunktion der linken Herzkammer. Mehr als 42.000 Defibrillatoren wurden laut dem Deutschen Herzbericht 2018 in Deutschland implantiert.

Der Effekt der Implantation des ICDs ist jedoch mitunter fraglich. 

Auch der aktuelle Herzbericht der Deutschen Herzstiftung merkt kritisch an, dass der Nutzen der Defibrillator-Therapie nicht so ausgeprägt sei, wie bisher angenommen. 

Dem Nutzen gegenüber stehen zudem nicht selten Komplikationen beim oder nach dem Einsetzen des Implantats.

Die Aussagekraft der nächtlichen Atemfrequenz

Forscher der TUM haben nun gezeigt, dass die bislang wenig beachtete nächtliche Atemfrequenz der Herz-Patientinnen und -Patienten als Prädiktor für den Erfolg einer ICD-Behandlung herangezogen werden kann. Sie beobachteten zwischen Mai 2014 und September 2018 insgesamt 1.971 Herzkranke in 44 europäischen Herzzentren. 1.363 der Patienten bekamen einen Kardioverter-Defibrillator implantiert, die Kontrollgruppe wurde konservativ behandelt. Die jeweiligen Behandlungsvarianten waren durch die unterschiedlichen Verfügbarkeiten der ICD-Therapie in den teilnehmenden europäischen Zentren vorgegeben. Es handelt es sich also um eine nicht randomisierte Studie, wobei dadurch ausgelöste Verzerrungen der Ergebnisse durch ausgefeilte statistische Analysemethoden ausgeglichen wurden. Die Studie erschien nun im „eClinicalMedicine“-open-access Journal der renommierten Fachzeitschrift Lancet.

In beiden Gruppen maßen die Wissenschaftler die durchschnittliche nächtliche Atemfrequenz zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens auf Basis eines EKG-Protokolls. Die Defibrillator-Träger hatten einen Überlebensvorteil von 31,3 Prozent gegenüber den Kontrollpatienten. Zugleich zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen niedriger nächtlicher Atemfrequenz und einer reduzierten Sterblichkeit: ICD-Träger mit einer Frequenz von weniger als 18 Atemzügen pro Minute hatten durch das Gerät einen Überlebensvorteil von 50 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe. Bei einer höheren nächtlichen Atemfrequenz hatten sie hingegen keinen Überlebensvorteil durch den ICD.

Ein von der Kardiologie vernachlässigtes Biosignal

„Die Atemfrequenz ist ein Biosignal, das bislang in der Kardiologie weitgehend ignoriert wurde“, sagt Prof. Georg Schmidt, Leiter der Arbeitsgruppe Biosignalverarbeitung am Klinikum rechts der Isar der TUM und Letztautor der Studie. „Unsere Erkenntnisse rücken diesen Parameter nun wieder in den Fokus.“ Die Studie belege die prädiktive Aussagekraft der Atemfrequenz für den Therapieeffekt. „Gerade in Grenzfällen kann ein Blick auf die Atemfrequenz die Therapieentscheidung erleichtern.“

Randomisierte Studie nötig

Vor diesem Hintergrund hält es Schmidt, der auch der Ethikkommission der TUM vorsitzt, für vertretbar, im nächsten Schritt eine randomisierte Untersuchung gegen die etablierten Leitlinien anzustreben. „Dabei würden jene Patienten, bei denen wir in unserer Studie keinen Benefit durch die ICD-Implantation beobachtet haben, in zwei Gruppen geteilt. Während die eine Gruppe einen ICD implantiert bekommt, wird die andere konservativ behandelt. Wenn sich in einer solchen randomisierten Studie zeigt, dass Herzpatienten mit hoher nächtlicher Atemfrequenz nicht von der ICD-Implantation profitieren, könnte diesen in Zukunft der Eingriff erspart werden.“

Mehr Informationen:

Erstautoren der von der Europäischen Union geförderten Studie sind Michael Dommasch und Alexander Steger der TUM. Sie wurde an 44 Zentren in 15 Ländern durchgeführt. Prof. Markus Zabel vom Herzzentrum Göttingen organisierte das europaweite Set-up. Das Institut für Medizinische Statistik der Universität Göttingen unter der Leitung von Prof. Tim Friede betreute das statistische Datenmanagement.

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Prof. Dr. Georg Schmidt
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Originalpublikation:

M. Dommasch, A. Steger, G. Schmidt et. al.: Nocturnal respiratory rate predicts ICD benefit: a prospective, controlled, multicentre cohort study. EClinicalMedicine (2020). DOI: 10.1016/j.eclinm.2020.100695
https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2020.100695


24. Dezember 2020: Ökumenischen Gottesdienst Christnacht Live: MDR 22.40 Uhr

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Live-Weihnachtsandacht aus dem Universitätsklinikum Dresden

Der Mitteldeutsche Rundfunk sendet am 24. Dezember eine Christnacht live aus dem Seelsorgezentrum am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. 

Der katholische Bischof Heinrich Timmerevers aus dem Bistum Dresden-Meißen und der evangelische Landesbischof Tobias Bilz führen zusammen mit Pfarrer und Klinikumsseelsorger Christoph Behrens durch den Ökumenischen Gottesdienst. 

„Wir freuen uns sehr, in diesem von Herausforderungen geprägten Jahr Gastgeber für diese Christnacht am Heiligen Abend sein zu dürfen“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum. 

Im Seelsorgezentrum am Universitätsklinikum Dresden werden Kerzen angezündet.
Im Seelsorgezentrum am Universitätsklinikum Dresden werden Kerzen angezündet. UKD/Christoph Reichelt

„Wir sehen dies als besonderes Zeichen der Wertschätzung für unsere Mediziner, Pflegekräfte und Mitarbeiter, die in diesem Jahr alle Kraft für die Versorgung der Covid-Patienten aufgebracht haben und dies auch über die Feiertage und den Jahreswechsel hinweg tun.“ 

Das Seelsorgezentrum wurde auch ausgewählt, weil im Advent 2020 das Jubiläumsjahr der Einrichtung begonnen hat. Am 1. Advent 2001 wurde der moderne Neubau für das Seelsorgezentrum eingeweiht – 2021 steht so auch für das 20-jährige Jubiläum der seelsorgerischen Arbeit hier.

Der Gottesdienst am Heiligen Abend im MDR Fernsehen kommt in diesem Jahr aus dem Seelsorgezentrum des Uniklinikums Dresden. 

Am 24. Dezember, 22.40 Uhr, begrüßen die Bischöfe Tobias Bilz und Heinrich Timmerevers die Zuschauer an den Fernsehgeräten. 

In der ökumenischen Christnacht schauen sie zusammen mit Klinikumsseelsorger Christoph Behrens auf die Zumutungen und Herausforderungen des Jahres zurück. In Liedern, Texten und Gebeten sollen aber vor allem der Trost und die Hoffnung der Weihnachtsbotschaft ausgedrückt werden. Die passende Atmosphäre für den Gottesdienst bildet das Seelsorgezentrum mit seiner warmen Architektur. „Die Christnacht am Heiligen Abend findet damit am Ort der Bekämpfung von Covid19 statt. Wenn wir Weihnachten feiern, kämpfen Ärztinnen und Ärzte sowie viele Pflegekräfte um das Leben der Covid-Patienten oder versorgen die anderen Patienten – nicht nur in unserem Klinikum“, sagt Christoph Behrens, katholischer Pfarrer und Klinikumsseelsorger. Was das für die Helfer bedeutet, hat er in den vergangenen Monaten erlebt. Immer wieder wurde der Seelsorger auf die Corona-Stationen gerufen und hat dort nicht nur den Patientinnen und Patienten Beistand gegeben. Auch für die Mediziner und Pflegekräfte ist die Situation herausfordernd. „Diese Christnacht lenkt die Aufmerksamkeit auf die Coronasituation und mahnt uns alle zu Vorsicht, Abstand, Hygiene und Infektionsschutz“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand.

Für Pfarrer Behrens sowie die anderen drei Seelsorger am Klinikum, Pfarrerin Katrin Wunderwald, Pfarrer Michael Leonhardi und Dipl.-Theologe Peter Brinker, ist dieser ökumenische Gottesdienst im Seelsorgezentrum zugleich festlicher Auftakt für das bevorstehende Jubiläumsjahr. 

2021 jährt sich die feierliche Einweihung des Gebäudes mitten im Campus des Uniklinikums zum 20. Mal. 

Die Klinikseelsorge können sowohl Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige, aber auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Anspruch nehmen. 

Dabei steht die Konfession der Ratsuchenden für die Seelsorgenden nicht automatisch im Vordergrund. Im ökumenischen Seelsorgezentrum finden regelmäßig Gottesdienste und Andachten statt und mit dem Raum der Stille gibt es eine Möglichkeit des In-Sich-Gehens. 

Die Klinikseelsorger nehmen sich zudem Zeit für Gespräche und Beistand und kommen dafür auch auf die Station.

Die ökumenische Christnacht am Heiligen Abend aus dem Seelsorgezentrum des Universitätsklinikums Dresden wird am 24. Dezember, 22.40 Uhr, live im MDR Fernsehen übertragen. 

Gottesdienstbesucher sind aufgrund der Regeln zum Infektionsschutz nicht zugelassen.

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