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CAVE-Untersucher: Zwillingsschwangerschaften - Frühgeburten und Fehlbildungen - Künstliche Befruchtung - geriatrische Mütter

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  DEGUM und DGGG veröffentlichen neue Zwillingsleitlinie: Doppeltes Glück, doppeltes Risiko?

Die Wahrscheinlichkeit, mit Zwillingen schwanger zu werden, hat stark zugenommen. 

Etwa eine von 54 werdenden Müttern bekommt heute zwei Kinder auf einmal. 

Eine Zwillingsschwangerschaft ist immer mit Risiken verbunden: 

Frühgeburten und Fehlbildungen kommen deutlich häufiger vor. 

Eine engmaschige Begleitung durch ultraschallerfahrene Ärzte sei bei einer Zwillingsschwangerschaft essenziell, empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM). Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat die DEGUM die erste deutschsprachige AWMF-Leitlinie zur Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften (1) herausgegeben.

War 1977 nur jedes 56. Neugeborene ein Mehrling, so sind es heute nach Angaben des Statistischen Bundesamtes doppelt so viele. 

„Grund dafür ist zum einen die Zunahme von künstlichen Befruchtungen, zum anderen aber auch das höhere Durchschnittsalter der werdenden Mütter“, erklärt Privatdozent Dr. med. Kai-Sven Heling, Pränataldiagnostiker und Vizepräsident der DEGUM. 

Denn Frauen haben mit zunehmendem Alter häufiger zwei Eisprünge pro Zyklus (2). 

Gemeinsam mit der DGGG hat die DEGUM nun die erste deutschsprachige AWMF-Leitlinie zur Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften veröffentlicht. 

Denn bislang gab es keine einheitlichen deutschsprachigen Empfehlungen zum Management von Zwillingsschwangerschaften.

„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass jene Zwillingsschwangerschaften, welche einem erhöhten Risiko für Komplikationen unterliegen, frühzeitig identifiziert und kontinuierlich per Ultraschall betreut werden“, erklärt Professor Dr. med. Constantin von Kaisenberg, Bereichsleiter Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Perinatalzentrums der Medizinischen Hochschule Hannover und Leitlinienbeauftragter der DEGUM. 

„Durch regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen lassen sich durch die frühzeitige Erkennung von Komplikationen und ein daraus ableitbares Management die Mortalität und Morbidität der betroffenen Zwillinge deutlich senken“, ergänzt Professor Dr. med. Kurt Hecher vom UKE Hamburg und Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG.

Im Vergleich zu Einlingsschwangerschaften kommt es bei Zwillingen häufiger zu komplizierten Verläufen. 

Zu den Hauptrisiken zählen Fehlbildungen und eine Frühgeburt. 

Die Schwangeren haben zudem schon allein aufgrund der stärkeren körperlichen Belastung durch zwei Kinder im Bauch ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, Blutarmut und eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie). 

Gefährdet sind aber vor allem die Feten selbst. 

  • Entscheidend dabei ist vor allem, ob sich die Ungeborenen eine Plazenta und/oder eine Fruchthöhle teilen müssen.
  • Zwillingsschwangerschaften, bei denen jeder Fetus eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchthöhle hat, sind in der Regel wenig problematisch. 

„Bei diesen Schwangerschaften geht es vor allem darum, dass die Feten wenig Platz haben und zusammen ein deutlich höheres Gewicht aufbringen als ein Einling“, erklärt von Kaisenberg. 

Der Druck auf den Muttermund steige enorm, eine Frühgeburt drohe. Zwillinge werden deshalb auch spätestens in der Schwangerschaftswoche 38 geboren.

Bei jeder fünften Zwillingsschwangerschaft teilen sich die Ungeborenen hingegen eine Plazenta. 

Eine solche „monochoriale“ Schwangerschaft lässt sich bis Schwangerschaftswoche 14 mithilfe der Ultraschalldiagnostik feststellen. 

Diese Kinder sind in besonderer Weise gefährdet. 

So kann es sein, dass eine Gefäßverbindung zwischen den Zwillingen besteht, es droht die Gefahr des sogenannten fetofetalen Transfusionssyndroms (TTTS). 

Dabei kommt es zum einseitigen Blutaustausch zwischen den Ungeborenen: 

Das eine gibt Blut ab, das andere nimmt es auf. 

„Bei monochorialen Zwillingen muss ganz engmaschig betreut werden, um zu sehen, ob eines der Kinder unterversorgt ist und das andere zu viel abbekommt. 

Es könnten einer oder auch beide sterben“, sagt von Kaisenberg. 

Er rät Schwangeren, sich in dieser Situation einen Arzt oder eine Ärztin mit hoher Ultraschallkompetenz zu suchen. 

  • Wer beispielsweise eine DEGUM-Zertifizierung der Stufe zwei und/oder drei besitzt, ist ausreichend qualifiziert, um Risiken zu erkennen und frühzeitige Therapiemaßnahmen einzuleiten. 

Alle DEGUM-zertifizierten Ärzte kann man auf der Webseite der Fachgesellschaft einsehen: https://www.degum.de/service/zertifizierte-aerzte.html

„Trotz aller Risiken kommen die meisten Zwillinge heutzutage gesund und munter auf die Welt“, erklärt Heling. 

„Die neue Leitlinie leistet einen Beitrag zu einer verbesserten Versorgung – sowohl der Mütter als auch der Feten bei Zwillingsschwangerschaften.“

Literatur:
(1) AWMF LL 015-087 S24 Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften. von Kaisenberg CS*, Klaritsch P*, Ochsenbein-Kölble N, Hodel M, Nothacker M, Hecher K.
(*geteilte Erstautorenschaft) https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-087.html

(2) Beemsterboeret S.N. al.: The paradox of declining fertility but increasing twinning rates with advancing maternal age. Human Reproduction, Volume 21, Issue 6, June 2006, Pages 1531–1532, https://doi.org/10.1093/humrep/del009

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Der Haarausfall...niedrige Sauerstoffkkonzentration: Glutaminstoffwechsel und Zellatmung und Glykolyse

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Haarausfall kann verhindert werden: Neuer Mechanismus entdeckt, der die Langlebigkeit von Stammzellen steuert

Ein internationales Forschungsteam hat im Mausmodell gezeigt, dass das Protein Rictor eine Schlüsselrolle für den Zellstoffwechsel und die Langlebigkeit von Stammzellen im Haarfollikel spielt / Veröffentlichung in „Cell Metabolism“

Ein Forschungsteam aus Köln und Helsinki hat einen Mechanismus entdeckt, der Haarausfall verhindert: Haarfollikelstammzellen, die für das Nachwachsen der Haare unerlässlich sind, können ihrer Zellalterung entgegenwirken. 

Dazu passen sie ihren Stoffwechselzustand dem umliegenden Gewebe, das durch eine niedrige Sauerstoffkonzentration gekennzeichnet ist, an.


Das Team wurde von Professorin Sara Wickström (Universität Helsinki und Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns) und der Dermatologin Professorin Sabine Eming (Universität Köln) geleitet und umfasst Forscher des Exzellenzclusters der Universität Köln für Altersforschung CECAD, des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns, des Sonderforschungsbereichs SFB 829 „Molekulare Mechanismen zur Regulierung der Hauthomöostase“, des Zentrums für Molekulare Medizin (ZMMK) (alle in Köln) und der Universität Helsinki. Der Artikel „Glutamine Metabolism Controls Stem Cell Fate Reversibility and Long-Term Maintenance in the Hair Follicle“ wurde in Cell Metabolism veröffentlicht.


Die Haut und ihre Bestandteile wie z.B. die Haarfollikel sind täglich Umwelteinflüssen ausgesetzt. 

Beschädigtes Zellmaterial wird kontinuierlich entfernt und erneuert. 

Im Durchschnitt werden täglich 500 Millionen Zellen und 100 Haare abgestoßen; dies entspricht etwa 1,5 Gramm Gewebe.

Das abgestoßene Gewebe wird durch Stammzellen ersetzt, die stark proliferativ und langlebig sind. Die Gewebefunktion hängt von der Aktivität und Gesundheit dieser Stammzellen ab. Eine beeinträchtigte Funktion oder eine verringerte Anzahl führt zu Alterung. „Obwohl die entscheidende Rolle von Stammzellen bei der Alterung bekannt ist, ist wenig über die Mechanismen bekannt, die eine langfristige Aufrechterhaltung der Funktion dieser wichtigen Zellen regulieren. Der Haarfollikel mit seinen gut charakterisierten Funktionen und klar identifizierbaren Stammzellen war ein perfektes Modellsystem, um diese wichtige Frage zu untersuchen“, sagt Sara Wickström.


Um die Eigenschaften besser zu verstehen, die Stammzellen funktionell von ihren differenzierten Tochterzellen unterscheiden, untersuchte das Team die Transkriptions- und Stoffwechselprofile der beiden Zellpopulationen. „Interessanterweise zeigten diese Studien, dass Stammzellen und Tochterzellen unterschiedliche Stoffwechselmerkmale aufweisen“, sagt Dr. Christine Kim, eine leitende Wissenschaftlerin der Untersuchungen. „Unsere ersten Ergebnisse in der Zellkultur gaben einen starken Hinweis darauf, dass Rictor beteiligt sein wird.“ Rictor ist eine wichtige molekulare Komponente des mTOR-Signalwegs, der grundlegende Prozesse des Zellstoffwechsels einschließlich Wachstum, Energie- und Sauerstoffverbrauch von Zellen reguliert.


In umfassenden Untersuchungen zeigte das Team, dass der Verlust der Stammzellfunktion im Haarfollikel mit einem Verlust der metabolischen Flexibilität einhergeht. 

Am Ende jedes Regenerationszyklus, in dem ein neues Haar generiert wird, kehrt ein Teil der Stammzellen in seine Stammzellnische und damit in einen gewissen metabolischen Ruhestand zurück. 

Dr. Xiaolei Ding, ein weiterer leitender Wissenschaftler der Arbeit, erklärt: „Eine wesentliche Erkenntnis der Studie ist, dass diese sogenannte ‚Schicksalsumkehrbarkeit‘ der Stammzelle, eine Verschiebung vom Glutaminstoffwechsel und der Zellatmung hin zur Glykolyse erfordert.“ 

  • Im Ruhezustand befinden sich die Stammzellen in einer Umgebung mit geringer Sauerstoffkonzentration und nutzen daher eher Glukose als Kohlenstoffquelle für die Energie- und Proteinsynthese. 
  • Die Verschiebung von Zellatmung hin zur Glykolyse wird durch die niedrige Sauerstoffkonzentration in der Stammzellnische und der Aktivierung der mTOR-Signalkaskade ausgelöst. 

Die Inaktivierung von Rictor beeinträchtigt die Fähigkeit der Stammzellen ihren Metabolismus im Ruhezustand anzupassen. 

Somit löst eine mangelnde Aktivierung der mTOR-Signalkaskade letztlich eine Erschöpfung der Stammzellen aus und bedingt einen altersbedingten Haarausfall.


Ding und Eming entwickelten vor Kurzem ein genetisches Mausmodell zur Untersuchung der Rictor-Funktion in der Epidermis. „Interessanterweise zeigten diese Mäuse, denen Rictor fehlt, mit zunehmendem Alter Haarausfall und eine Abnahme der Zahl der Haarfollikelstammzellen“, sagt Ding.


„In Zukunft wird es ein wichtiges Ziel sein zu verstehen, wie sich diese vorklinischen Befunde auf die Stammzellbiologie im Menschen übertragen lassen und möglicherweise pharmazeutisch genutzt werden könnten, um Alterungsprozessen im Haarfollikel entgegenzuwirken und Haarausfall zu vermeiden“, sagt Eming. 

„In diesem Zusammenhang erscheint uns die Beobachtung, dass durch die äußerliche Anwendung eines Glutaminase-Inhibitors die Stammzellfunktion in Mäusen mit gestörter Rictor-Funktion wiederhergestellt werden kann, besonders interessant. 

Diese Ergebnisse belegen somit das Prinzip, dass die Modifizierung von Stoffwechselwegen ein wirksamer Ansatz zur Steigerung der Regenerationskapazität unseres Gewebes sein könnte.“

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Prof. Dr. Sara Wickström
Außerplanmäßige Professorin Helsinki Institute of Life Science, Universität Helsinki
und
Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns
Tel: +358 2941 25640
sara.wickstrom@helsinki.fi
 

Prof. Dr. Sabine A. Eming
Professorin der Dermatologie Universität zu Köln
und
Gruppenleiterin CECAD
+49 221 478 3196
sabine.eming@uni-koeln.de

Dr. Anna Euteneuer
+49 221 478 84043
anna.euteneuer@uni-koeln.de
 

Publikation:
„Glutamine Metabolism Controls Stem Cell Fate Reversibility and Long-Term Maintenance in the Hair Follicle“ in Cell Metabolism
Digital object identifier (DOI): https://doi.org/10.1016/j.cmet.2020.08.011

Albertus-Magnus-Platz 1
50923 Köln
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Gabriele Meseg-Rutzen
Telefon: 0221/470-5601
Fax: 0221/470-5190
E-Mail-Adresse: meseg-rutzen@uni-koeln.de


Entzündung der Darmschleimhaut: Aminosäure L-Arginin Mangel...?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:

Aminosäure fördert Rückbildung von Darmentzündungen

Ein Mangel an der Aminosäure L-Arginin im Darm führt zur verstärkten Entzündung der Darmschleimhaut. 

Zu dieser Erkenntnis kam eine Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jochen Mattner, Professor für Molekulare Mikrobiologie und Infektionsimmunologie am Institut für Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). 

Gemeinsam mit weiteren Kliniken und Instituten in Erlangen und Regensburg untersuchten die Forscher, wie die Verfügbarkeit einzelner Zwischenprodukte des Stoffwechsels im Darm Entzündungsreaktionen beeinflusst.

  • L-Arginin könnte demnach eine wichtige Rolle bei der Entstehung und beim Verlauf, aber auch bei der Therapie der zwei häufigsten entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa spielen.
  • Ein menschlicher Darm enthält bis zu zehn Mal mehr Bakterien als ein ganzer menschlicher Körper Zellen. 

Die Wechselwirkung dieser Bakterien – der so genannten intestinalen Mikrobiota mit körpereigenen Zellen im Darm ist bedeutend für Verdauung und Stoffwechsel, für die Darmdurchblutung, die Durchlässigkeit der Gefäße, aber auch für die Kontrolle von Entzündungen.  

Veränderungen im Zusammenspiel der Mikrobiota mit der oberen Schicht der Darmwand – dem Darmepithel –, den Zellen an den Gefäßinnenwänden und den verschiedenen Immunzellen in der Darmwand beeinträchtigen unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. 

Bei den beiden häufigsten entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist diese Wechselwirkung empfindlich gestört. 

  • Das führt unter anderem zu einem veränderten Eiweiß-Stoffwechsel des menschlichen Organismus, aber auch zur Veränderung der intestinalen Mikrobiota.


Eine besondere Rolle für die Darmgesundheit spielt, so die aktuelle Erkenntnis, die Aminosäure L-Arginin. 

Sie ist in Nahrungsmitteln wie auch in unserem Körper weit verbreitet und an zahlreichen biologischen Funktionen beteiligt. 

So dient sie als gemeinsamer Ausgangsstoff für die beiden Enzyme Arginase 1 (Arg1) und induzierbare Stickstoffmonoxidsynthase (NOS2), die unter anderem Immunantworten entscheidend und oft gegensätzlich zueinander beeinflussen. 

Zugleich gilt L-Arginin als Quelle für weitere Stoffwechselverbindungen, wie zum Beispiel die so genannten Polyamine, die das Zellwachstum fördern. 

  • Schließlich ist die Aminosäure ein zentrales Zwischenprodukt des Harnstoffzyklus, der für die Entgiftung des Körpers sorgt.


Der Verbrauch von L-Arginin durch Arginase oder Stickstoffmonoxidsynthase, das ergab die Untersuchung von Prof. Mattner und seinem Team, verändert die Zusammensetzung der Mikrobiota entscheidend und ist schädlich für den Verlauf von Darmentzündungen: 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Labor 

  • Der L-Arginin-Mangel führte zu einer verstärkten Entzündung der Darmschleimhaut, was mit einer vermehrten Ansammlung von Entzündungszellen und einer Zunahme der Anzahl an Blutgefäßen in der Darmwand einherging. 
  • Umgekehrt wirkte sich die Aufnahme einer L-Arginin-reichen Diät oder die gentechnologische Elimination L-Arginin-verbrauchender Enzyme (Arg1, NOS2) günstig auf die Vielfalt und Reichhaltigkeit der Mikrobiota aus und beschleunigte die Rückbildung einer Darmentzündung. 

Mittels verschiedener chemischer, molekularbiologischer, genetischer und immunologischer Analysemethoden zeigten die Forscherinnen und Forscher, dass Darmbakterien bei höheren Konzentrationen von L-Arginin im Darmlumen verstärkt Polyamine bilden; diese wiederum aktivieren Gene, die Darmepithel und Blutgefäße schützen und so den Verlauf der Erkrankung eindämmen. 

Da L-Arginin-verbrauchende Enzyme auch in der Darmschleimhaut von Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sich verstärkt nachweisen lassen, könnte die Nahrungsmittelergänzung mit L-Arginin eine neue, vielversprechende Variante zur Therapie dieser verheerenden Erkrankungen darstellen.

Gefördert wurde die Studie der Forschergruppe unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des FAU Sonderforschungsbereichs 1181 („Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“).Informationen zum SFB finden sich unter www.sfb1181.forschung.fau.de

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Prof. Dr. Jochen Mattner
Mikrobiologisches Institut – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene
Tel.: 09131/85-23640
jochen.mattner@uk-erlangen.de

Schlossplatz 4
91054 Erlangen
Deutschland
Bayern

E-Mail-Adresse: presse@fau.de

Dr. Susanne Langer
E-Mail-Adresse: susanne.langer@fau.de
Originalpublikation:

https://www.jci.org/articles/view/126923

 

TAVI -Transcatheter Aortic Valve Implantation: Vollnarkose, Örtliche Betäubung, Sedierung, Schlafspritze...?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Minimalinvasiver Herzklappenersatz: Örtliche Betäubung genauso sicher wie Vollnarkose

Örtliche Betäubung oder Vollnarkose? 

Eine randomisierte Studie hat nun erstmals geklärt, dass bei TAVI (Transcatheter Aortic Valve Implantation) eine örtliche Betäubung genauso sicher ist wie eine Vollnarkose. 

Bislang waren sich die Ärzte in diesem Punkt nicht einig. 

Das minimalinvasive TAVI-Verfahren kommt zum Einsatz, wenn die Aortenklappe ersetzt werden muss.

Wenn die Klappe zwischen Hauptschlagader (Aorta) und Herz ersetzt werden muss, steht den Ärzten ein minimalinvasives Verfahren zur Verfügung, die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation TAVI (Transcatheter Aortic Valve Implantation). 

Dabei wird die neue Klappe mittels eines Katheters über die Leistenarterie geschoben und im Herz platziert.  

Eine Studie des Herzzentrums Leipzig in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hat nun erstmals geklärt, dass bei TAVI eine örtliche Betäubung genauso sicher ist wie eine Vollnarkose. 

Bislang waren sich die Ärzte in diesem Punkt nicht einig. 

Die Anästhesisten sprachen sich für eine Vollnarkose aus, sogenannte Registerstudien zeigten, dass eine örtliche Betäubung sicherer sei.

Es fehlte eine randomisierte Studie, in der die Patienten zufällig entweder eine Vollnarkose oder eine örtliche Betäubung während der TAVI erhielten. „Bei Registerstudien besteht immer die Gefahr und die Tendenz, dass die Ergebnisse verzerrt sind. Etwa, weil eher kränkere Patienten eine Vollnarkose erhalten, da sie bei ihnen als sicherer angesehen wird“, erklärt Studienleiter Professor Holger Thiele, Direktor des Universitätsklinikums für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig.

Die Ergebnisse der randomisierten SOLVE-TAVI Studie zeigen, dass 30 Tage nach dem Eingriff sowohl die Sterblichkeit, als auch die Anzahl der Komplikationen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Infektionen bei beiden Narkoseverfahren gleich war. 

447 Patienten mit einer hochgradig verengten Aortenklappe, die über 75 Jahre alt waren und ein hohes Risiko für eine konventionelle Operation hatten, nahmen an der Studie teil.

Wahl der Betäubung hängt von Klinik ab

Welche der beiden Narkosen zurzeit verwendet wird, hängt laut Thiele von der jeweiligen Klinik ab.  

  • Größere Zentren würden meistens schon seit Jahren nur die Lokalanästhesie anwenden, da dies schneller gehe als eine Vollnarkose. 
  • Schließlich dauert es auch nur 35 bis 40 Minuten, die neue Herzklappe einzusetzen. 

Die Entscheidung liegt dabei beim Anästhesisten, der per Gesetz bei dem Eingriff anwesend sein muss

  • Neben der örtlichen Betäubung bekommen die Patienten bei TAVI auch eine leichte Beruhigungsspritze. 

Als nächstes plant Thiele eine Studie, die vergleicht, ob eine Lokalanästhesie ohne diese sogenannte Sedierung genauso sicher ist wie mit der Schlafspritze.

Das minimalinvasive Verfahren TAVI wurde zunächst nur bei sehr kranken und alten Patienten angewendet, bei denen der chirurgische Herzklappenersatz zu riskant erschien. 

Während dieser Operation wird der Brustkorb geöffnet und eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. 

In der Zwischenzeit gibt es viele Studien, die gezeigt haben, dass die TAVI der Operation mindestens ebenbürtig bzw. sogar überlegen ist, sodass Ärzte das minimalinvasive Verfahren nun auch bei Patienten mit einem mittlerem oder niedrigem OP-Risiko durchführen. 

In Deutschland ersetzen Ärzte die Aortenklappe mittels TAVI jährlich rund 21.000 Mal, während die Operation nur noch 8.000- bis 9.000-mal durchgeführt wird.

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Professor Holger Thiele, Herzzentrum Leipzig, Universitätsklinik für Kardiologie, Holger.Thiele(at)medizin.uni-leipzig.de

Potsdamer Str. 58
10785 Berlin
Deutschland
Berlin

Christine Vollgraf
Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de
Originalpublikation:

General versus Local Anesthesia with Conscious Sedation in Transcatheter Aortic Valve Implantation: The Randomized SOLVE-TAVI Trial. Thiele H, Kurz T, Feistritzer HJ, Stachel G, Hartung P, Lurz P, Eitel I, Marquetand C, Nef H, Doerr O, Vigelius-Rauch U, Lauten A, Landmesser U, Treskatsch S, Abdel-Wahab M, Sandri M, Holzhey D, Borger M, Ender J, Ince H, Öner A, Meyer-Saraei R, Hambrecht R, Fach A, Augenstein T, Frey N, König IR, Vonthein R, Rückert Y, Funkat AK, Desch S, Desch S, Berggreen AE, Heringlake M, de Waha-Thiele S; SOLVE-TAVI Investigators. Circulation. 2020 Aug 21.
https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.046451

 

Operationsfreien Diagnostik für Melanome

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: 

Team aus Hannover und Rostock will schwarzen Hautkrebs künftig mit Haut-Scanner erkennen

Leibniz Universität Hannover und Universitätsmedizin Rostock erhalten Förderung für Entwicklung einer operationsfreien Diagnostik für Melanome 

 Prof. Bernhard Roth (l.) und sein Doktorand Anatoly Fedorov Kukk beim Testen mit einem Demonstrator-Aufbau. Die Spezialbrillen schützen die Wissenschaftler vor der eingesetzten Laserstrahlung.

 Prof. Bernhard Roth (l.) und sein Doktorand Anatoly Fedorov Kukk beim Testen mit einem Demonstrator-Aufbau. Die Spezialbrillen schützen die Wissenschaftler vor der eingesetzten Laserstrahlung. Foto: Sonja Smalian/PhoenixD

Der schwarze Hautkrebs (kutanes Melanom) breitet sich immer weiter aus. 

  • Allein in Deutschland diagnostizieren derzeit Ärzte bei rund 25.000 Frauen und Männern diese gefährlichste aller Hautkrebsvarianten im Jahr, Tendenz steigend. 

Je später der Krebs erkannt wird, desto geringer sind die Heilungschancen. 

Die durchschnittlichen Behandlungskosten je Patientin/Patient steigen von wenigen tausend Euro (Stadium I) auf mehrere hunderttausend Euro (Stadium III/IV) deutlich. 

  • Derzeit kann nur nach der chirurgischen Entnahme einer Hautveränderung und einer Laboranalyse eine eindeutige Diagnose gestellt werden. 
  • Bestätigt sich der Verdacht auf ein Melanom, muss in einer zweiten Operation verbliebenes Tumorgewebe mit Sicherheitsabstand gänzlich entfernt werden, und die angrenzenden Lymphknoten häufig gleich mit.


Damit künftig die Diagnose sicherer, schneller und kostengünstiger erfolgen kann, arbeitet ein Physikerteam der Leibniz Universität Hannover zusammen mit Medizinerinnen und Medizinern der Universitäts-Hautklinik Rostock an einem neuen nicht-invasiven Diagnoseverfahren. Das Team des Hannoverschen Zentrums für Optische Technologien HOT unter Leitung von Prof. Dr. Bernhard Roth entwickelt dabei das optische, nicht-invasive Verfahren, die „optische Biopsie“. Die diagnostische Validierung und Erprobung im Klinikalltag erfolgt im Team von Prof. Dr. Steffen Emmert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie der Universitätsmedizin Rostock. Die beiden Wissenschaftler haben in mehrjährigen Vorprojekten bereits wichtige Vorarbeiten für die Entwicklung eines Demonstrators geleistet.

Der geplante „Haut-Scanner“ soll sowohl die Gut- oder Bösartigkeit (Dignität) eines Leberflecks als auch die Eindringtiefe zuverlässig erkennen. 

Dafür werden drei optische Verfahren miteinander kombiniert: 

Die Optische Kohärenztomografie soll Aufschluss über die Beschaffenheit dünnerer Hautmale geben. 

Sie ist vergleichbar mit Ultraschall, nur dass Lichtwellen anstelle von Schallwellen verwendet werden. 

Mit der Optoakustik wird mit einem Laser eine Schallwelle im Gewebe erzeugt, um dickere Hautmale zu analysieren. Als drittes wird die Raman-Spektroskopie eingesetzt, bei der die Streuung von Licht durch die Haut ausgenutzt wird. Dadurch hinterlässt jeder Leberfleck einen „Fingerabdruck“, der seine Gut- oder Bösartigkeit zeigt. „Derzeit kann keine andere Technologie eine nicht-invasive Diagnostik ermöglichen. Unser Ansatz ist daher eine echte Innovation auf dem Gebiet“, sagt Roth, der auch im Exzellenzcluster PhoenixD neue optische Messtechniken für breite Anwendungen z.B. in Medizin oder Umweltanalytik erforscht.

Das Verfahren bietet gleich mehrere Vorteile: 

Die „optische Biopsie“ könnte künftig das Skalpell bei der Diagnose ersetzen. 

Denn die Hautmale werden nur nicht-invasiv durch das Auflegen des Messgerätes auf die Haut gescannt. 

Die Entnahme einer Hautprobe und deren Analyse im Labor entfallen ebenso wie die Zeit der Ungewissheit, bis das Laborergebnis eintrifft. 

Künftig wissen die Ärztinnen und Ärzte sowie ihre Patientinnen und Patienten direkt nach dem Scan, ob es sich bei der Hautveränderung um einen bösartigen Tumor handelt oder nicht. 

Dadurch könnten die Kosten für überflüssige Gewebeuntersuchungen eingespart werden, denn derzeit sind 86 bis 95 Prozent der entnommenen Gewebeproben unauffällig bzw. gutartig. 

Nahaufnahme einer Messsonde des optischen Systems, die für den klinischen Einsatz weiterentwickelt wird.

Nahaufnahme einer Messsonde des optischen Systems, die für den klinischen Einsatz weiterentwickelt wird. Foto: Sonja Smalian/PhoenixD

Der neue Hautscanner arbeitet mit Künstlicher Intelligenz. 

Dadurch kann die Diagnostik kontinuierlich verbessert werden. 

„Es ist unser Ziel, dass die Untersuchungen künftig nicht mehr ausschließlich von einem Arzt durchgeführt werden müssen, sondern auch von nicht-medizinischen Personal“, sagt Anatoly Fedorov Kukk, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt.

„Wenn nur zehn Prozent der Melanome in einem früheren Stadium erkannt würden, könnte das den Krankenkassen Kosten in vielfacher Millionenhöhe pro Jahr einsparen“, schätzt Emmert und fügt hinzu: 

„Das neue Gerät könnte auch für andere Hautkrankheiten eingesetzt werden und zu ganz neuen Ansätzen in der Therapiekontrolle führen.“ Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Erforschung der „optischen Biopsie“ mit rund 1,1 Millionen Euro und insgesamt drei Mitarbeiterstellen in Hannover und Rostock über eine Laufzeit von drei Jahren.

Der Exzellenzcluster PhoenixD

Im Exzellenzcluster PhoenixD der Leibniz Universität Hannover forschen mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fachdisziplinen Physik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie, Informatik und Mathematik fachübergreifend zusammen. Der Cluster lotet die Möglichkeiten aus, die sich durch die Digitalisierung für neuartige optische Systeme sowie ihre Fertigung und Anwendung ergeben. In den Jahren 2019 bis 2025 wird der der Cluster mit rund 52 Millionen Euro vom Bund und dem Land Niedersachsen über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Kooperationseinrichtungen des Clusters sind die Technische Universität Braunschweig, das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut), die Physikalisch-Technische Bundesanstalt und das Laser Zentrum Hannover e.V.

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Prof. Dr. Bernhard Roth, Leiter der Task Group F1 - Precision Metrology im Cluster PhoenixD und Geschäftsführer HOT - Hannoversches Zentrum für Optische Technologien, Tel. +49 511 762 17907, E-Mail: bernhard.roth@hot.uni-hannover.de

Prof. Dr. Steffen Emmert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Universitätsmedizin Rostock, Tel. +49 381 494 9700, E-Mail: Steffen.Emmert@med.uni-rostock.de 

Mechtild Freiin v. Münchhausen Leibniz Universität Hannover

Welfengarten 1
30167 Hannover
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Mechtild Freiin v. Münchhausen
Telefon: 0511 / 762 - 5355
E-Mail-Adresse: kommunikation@uni-hannover.de


 

Herbsturlaub bis Sonntag, den 27. September 2020

 Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:

Guten Tag MaAB-Beteiligte -

wie geplant, befindet sich das interdisziplinäre Team von Medizin am Abend Berlin

im wohlverdienten Herbsturlaub 2020.

Am Montag, den 27. September 2020 werden wir wieder ganz aktiv für SIE persönlich

am Start sein.

Für Ihre dringlichsten, unaufschiebaren MaAB-Medizin am Abend Berlin Anfragen wenden Sie sich bitte an unseren Ltd. Facharzt Herrn Julien Dufayet 

Kontakt: jdufayet@aol.com

WhatsApp: +49 (0) 174 - 9125682

https://www.praxis-fuer-integrative-medizin.eu/


 

Beste Grüße von

 



 

Spezielles Verfahren der Regionalanästhesie, die sogenannte Adduktorenkanal-Blockade: Knie-Operation

Medizin am Abend Berlin MaAB-Fazit: Schmerzen nach der Knie-Operation zielgenau ausschalten

Priv.-Doz. Dr. Christine Meyer-Frießem ist mit dem renommierten August-Bier-Preis 2020 ausgezeichnet worden. 

Die Mitarbeiterin des BG Universitätsklinikums Bergmannsheil erhielt die Auszeichnung für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Regionalanästhesie. 

Der mit 2500 Euro dotierte Forschungspreis – gestiftet von der Firma PAJUNK Medical Produkte GmbH – wird jährlich von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) verliehen. In diesem Jahr teilen sich zwei Preisträgerinnen diese renommierte Auszeichnung: Priv.-Doz. Dr. Christine Meyer-Frießem (Bochum) und Dr. Ann-Kristin Schubert (Marburg).

 Priv.-Doz. Dr. med. Christine Meyer-Frießem

Priv.-Doz. Dr. med. Christine Meyer-Frießem Bildnachweis: Bergmannsheil

Im Fokus der Analyse von Priv.-Doz. Dr. Meyer-Frießem stand ein spezielles Verfahren der Regionalanästhesie, die sogenannte Adduktorenkanal-Blockade. 

Dieses Verfahren wird häufig bei einer Knie-Operation in Ergänzung zur Vollnarkose des Patienten angewandt. 

  • Dabei werden die Nerven, die im Adduktorenkanal verlaufen, mit einem Lokalanästhetikum betäubt. 

Durch dieses Verfahren können Anästhesisten den Einsatz von Narkosemitteln reduzieren. 

Auch die postoperative Schmerztherapie wird erleichtert. 

In ihrer Analyse hat die Forscherin gemeinsam mit Kollegen die Wirksamkeit und Sicherheit der Adduktorenkanal-Blockade erstens mit Placebo und zweitens mit anderen Verfahren der Regionalanästhesie verglichen, die bei Schmerzen von Patienten nach einer Knie-Operation eingesetzt werden.

Über das Bergmannsheil

Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil zählt zu den größten Akutkliniken der Maximalversorgung im Ruhrgebiet. 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung verunglückter Bergleute begründet, vereint das Bergmannsheil heute 23 hochspezialisierte Kliniken und Fachabteilungen unter einem Dach. Rund 2.200 Mitarbeiter stellen die qualifizierte Versorgung von rund 84.000 Patienten pro Jahr sicher. Weitere Informationen: www.bergmannsheil.de

Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil gehört zur Unternehmensgruppe der BG Kliniken. Die BG Kliniken sind spezialisiert auf die Akutversorgung und Rehabilitation schwerverletzter und berufserkrankter Menschen. In neun Akutkliniken, einer Klinik für Berufskrankheiten und zwei Ambulanzen versorgen über 14.000 Beschäftigte mehr als 560.000 Fälle pro Jahr. Träger der BG Kliniken sind die gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Weitere Informationen: www.bg-kliniken.de

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Robin Jopp
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Tel.: 0234 / 302-6125
E-Mail: robin.jopp@bergmannsheil.de

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Das psychische Wohlergehen werdender Mütter während der Schwangerschaft

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gelassen durch die Schwangerschaft: Besserer Umgang mit Stress vorteilhaft für das Neugeborene

Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnte nachweisen, dass sich das psychische Wohlergehen werdender Mütter während der Schwangerschaft positiv auf die neugeborenen Kinder auswirkt. 

Längere Telomere – Schutzkappen an den Enden der Chromosomen – weisen darauf hin, dass ihre Zellalterung verringert ist, was sich auf die zukünftige Gesundheit der Kinder auswirken könnte. 

Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin American Journal of Psychiatry* veröffentlicht.

Verschiedene Aspekte während der Schwangerschaft können sich auf die Entwicklung des Kindes auswirken. 

Bisher wurden vor allem negative Einflüsse von Stress, Übergewicht oder schlechter Ernährung untersucht – etwa auf die Funktion der Plazenta, Frühgeburten oder die allgemeine Kindesgesundheit. 

Auf zellulärer Ebene können sich verschiedene Einflüsse während der Schwangerschaft direkt auf die Telomere auswirken – spezielle Strukturen, die die Enden von Chromosomen bei der Zellteilung schützen und die durch das Enzym Telomerase verlängert werden können

  • Die Telomerlänge ist ein molekularbiologischer Marker der Zellalterung, der mit der Lebensdauer und einer Reihe altersbedingter Erkrankungen in Zusammenhang steht. 

Obwohl der Einfluss von mütterlichem Stress gut untersucht ist, gibt es bisher nur sehr wenige Befunde zu protektiven mütterlichen Faktoren und ihren positiven Effekten auf die Kindesentwicklung.

Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Sonja Entringer am Institut für Medizinische Psychologie der Charité konnte nun zeigen, dass die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress – die sogenannte Resilienz – während der Schwangerschaft mit der Telomerlänge zusammenhängt. 

  • Je positiver die werdenden Mütter eingestellt sind, desto länger sind auch die Telomere in Zellen der Kinder. 
  • „Positive mütterliche psychologische Charakteristika werden also biologisch beim Fötus eingebettet und wirken sich protektiv aus“, sagt Prof. Entringer.


Bereits in einer vorhergehenden Studie hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersucht, wie sich mütterlicher Stress während der Schwangerschaft auf die Telomerlänge der Nachkommen auswirkt. 

Für die aktuelle Arbeit konnte das Team um Prof. Entringer – zusammen mit Forschenden um Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn von der University of California sowie einem Team in Finnland – auf eine große Probandengruppe mit über 650 Mutter-Kind-Paaren zurückgreifen. 

Die Telomerlänge wurde bereits bei Geburt in Zellen des Nabelschnurblutes bestimmt. 

Die positive Einstellung von Schwangeren trotz Stressbelastung bestimmten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch einen Index der Resilienz, in den auch das psychische Wohlergehen und die wahrgenommene soziale Unterstützung einflossen.

„Die Studie unterstreicht die Wichtigkeit des psychischen Wohlergehens der Mutter während der Schwangerschaft für die Programmierung von Krankheit und Gesundheit des Kindes während des gesamten Lebens, sowie die Bedeutung verbesserter Maßnahmen zur psychosozialen Betreuung während der Schwangerschaft“, erklärt Prof. Entringer, die auch Associate Professor an der University of California in Irvine ist. Bereits 2016 war sie mit einem „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats (ERC) ausgezeichnet worden, durch dessen Finanzierung sie eine eigene Forschungsgruppe aufbauen konnte. 

Aktuell widmet sich die Gruppe molekularen Mechanismen, die bei der Verankerung der psychosozialen Effekte in den Zellen des ungeborenen Kindes zugrunde liegen. 

In einem weiteren Schritt ist eine Interventionsstudie zur Stressreduktion im Alltag von Schwangeren geplant.

*Verner G et al. Maternal psychological resilience during pregnancy and newborn telomer length: a prospective study. Am J Psychiatry (2020), DOI:10.1176/appi.ajp.2020.19101003

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Prof. Dr. Sonja Entringer
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Originalpublikation:

https://ajp.psychiatryonline.org/doi/10.1176/appi.ajp.2020.19101003


Haben Sie heute noch Lust auf Sex...?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Sex um die 60: Heute wichtiger als früher

Studie zeigt, dass sich die empfundene Bedeutung der Sexualität für 55- bis 65-Jährige über die letzten zwei Jahrzehnte verändert hat

Forscher*innen der Humboldt-Universität zu Berlin und der Vrije Universiteit Amsterdam haben untersucht, ob und wie sich die Wichtigkeit von Sexualität und die Freude am Sexualleben im mittleren Lebensalter über die vergangenen 20 Jahre hinweg gewandelt haben. 

Damit ergänzen sie bereits vorliegende Studien, nach denen Menschen heute bis in das hohe Alter hinein sexuell aktiver sind als noch vor 20-30 Jahren. 

Wichtigstes Ergebnis der Studie: 

Im Vergleich zu 55- bis 65-Jährigen, die Anfang der 1990er Jahre befragt wurden, berichteten Gleichaltrige 20 Jahre später, dass Sexualität für sie wichtiger sei.  

Den stärksten Anstieg verzeichneten die Studienautor*innen bei alleinstehenden 55-65-jährigen Frauen.  

Bei gleichaltrigen Männern, die Singles waren, fand die Studie über die Zeit hinweg in dieser Hinsicht keine messbaren Veränderungen.  

„Es kann verschiedene Gründe dafür geben, dass Erwachsene um die 60, die in den 50er Jahren geborenen wurden, ihre Sexualität als wichtiger wahrnehmen, als diejenigen, die vor dem II. Weltkrieg geboren wurden,“ kommentiert die Erstautorin der Studie, Karolina Kolodziejczak. 

„Unter anderem vermuten wir, dass gesellschaftliche Bewegungen, wie die sogenannte ‚sexuelle Revolution‘ der 60-70er Jahre, die Einstellungen zur Sexualität weitreichend verändert haben. 

Auch die feministischen Bewegungen seit dieser Zeit mögen das Bild von weiblicher Sexualität in der Hinsicht geprägt haben, dass alleinstehende Frauen ihre Sexualität heute freier und ungezwungener ausleben und genießen können.“ 

Anders als erwartet nahm jedoch die Freude am Sexualleben nicht zu. 

Der Anstieg in der berichteten Wichtigkeit von Sexualität geht also nicht zwangsläufig mit mehr Spaß daran einher. 

Prof. Dr. Denis Gerstorf, Mit-Autor der Studie und Experte für Altersfragen: 

„Wie diese Befunde zustande kommen, werden wir in unserer zukünftigen Arbeit darzulegen versuchen: 

Welche Rolle spielen historische Veränderungen im tatsächlichen Verhalten? 

Und welchen Anteil haben historische Veränderungen in der Wahrnehmung der eigenen Sexualität und Veränderungen in der Freizügigkeit, über das eigene Sexualleben zu berichten?“ 

Für die Studie wurden mit 20 Jahren Abstand zwei unabhängige Gruppen von jeweils 55- bis 65-Jährigen (im Durchschnitt etwa 60 Jahre alt) in den Niederlanden befragt: 

718 Erwachsene, die 1928-1937 geboren und 1992-1993 befragt wurden, und 860 Erwachsene, die zwischen 1948-1957 geboren und 2012-2013 befragt wurden. 

Der Artikel ist heute in der Fachzeitschrift Sexuality Research and Social Policy erschienen.

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Karolina Kolodziejczak
Institut für Psychologie Humboldt-Universität zu Berlin
mail: karolina.kolodziejczak@hu-berlin.de

Frank Aischmann Humboldt-Universität zu Berlin

Unter den Linden 6
10099 Berlin
Deutschland
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Telefon: +49 30 2093-2694
E-Mail-Adresse: frank.aischmann@hu-berlin.de
Originalpublikation:

Kolodziejczak, K., Drewelies, J., Deeg, D. J. H., Huisman, M., & Gerstorf, D. (2020, September 11). Perceived importance and enjoyment of sexuality in late midlife: Cohort differences in the Longitudinal Aging Study Amsterdam (LASA). Sexuality Research and Social Policy. Advance online publication. doi:10.1007/s13178-020-00486-2
https://link.springer.com/article/10.1007/s13178-020-00486-2


CAVE-Untersucher: Die Entstehung von Nierenfibrosen: Unerwünschter Bindegewebezuwachs bei Organfibrose

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Narben im Körper: Wie ein körpereigener Rezeptor die Zell-zu-Zell-Kommunikation entscheidend beeinflusst

Eine Studie von Wissenschaftler*innen der Universitätsmedizin Magdeburg deckt neue Mechanismen bei der Entstehung von Nierenfibrosen auf und bringt damit ein weit verbreitetes Dogma ins Wanken. 

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Notch-3-Rezeptor.

Diabetes, Bluthochdruck oder chronische Entzündungen können mit der Zeit zu Vernarbungen von Organen führen. 

Diesen unerwünschten Bindegewebszuwachs nennt man Fibrose. 

Im schlimmsten Fall werden Organe so verändert, dass sie nicht mehr richtig arbeiten können und am Ende nur noch eine Organtransplantation hilft. 

Dr. Sabine Brandt, Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie Magdeburg
 Dr. Sabine Brandt, Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie Magdeburg Christian Morawe Universitätsmedizin Magdeburg (UMMD)

Das Team um Wissenschaftlerin Dr. Sabine Brandt von der Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie Magdeburg hat die Prozesse zur Entstehung einer Organfibrose am Beispiel der Niere genauer untersucht und dabei eine bedeutende Entdeckung gemacht. 

„Wir haben herausgefunden, dass die Einwanderung der Immunzellen in entzündetes Gewebe und die Vernarbung des Organs zwei getrennte Ereignisse sind. 

Beide hängen aber von dem gleichen Rezeptor Notch3 ab“, erläutert Dr. Brandt das Ergebnis ihrer Studie und stellt damit gleichzeitig den bisherigen Stand der Wissenschaft in Frage. 

Fibrosen sind Reparaturprozesse im Körper, die immer dem gleichen zentralen Mechanismus unterliegen: 

Kommt es zu einer Nierenverletzung, werden unzählige Immunzellen aktiviert, die in das entzündete Gewebe „einwandern“. 

Man spricht von der sogenannten Immunzellinfiltration. 

Bei einer unkontrollierten Immunzelleinwanderung kommt es zu einer Überaktivierung von Bindegewebszellen und der Entwicklung von Narben innerhalb des betroffenen Organs.

Ihre Ergebnisse, die in dem renommierten Wissenschaftsjournal „Journal of the American Society of Nephrology“ veröffentlicht wurden, konnten die Forscher in Versuchen mit Mäusen stützen. 

Wurde der Rezeptor in einer Immunzelle induziert, sorgte er dafür, dass die Immunzellen in das entzündete Gewebe einwanderten. 

Im umgekehrten Fall löste der Rezeptor in der Bindegewebszelle die Vernarbung aus. 

Laut Erstautorin Dr. Brandt ist das ein klarer Beleg: 

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass dieser Prozess keine Einbahnstraße ist und die Funktionen des Rezeptors zellabhängig reguliert werden. Der Notch3-Rezeptor arbeitet dabei als eine Art Vermittler in beiden Prozessen.“ Rezeptoren sind kleine, sehr bedeutsame Protein-Bausteine im menschlichen Körper. Sie fungieren als Antennen, um Signale von Zelle zu Zelle zu übertragen.

Von den Erkenntnissen erhoffen sich die Wissenschaftler*innen, nun gezielte Behandlungsstrategien zu entwickeln, die zum einem der Entzündung der Niere und zum anderen deren Narbenbildung entgegenwirken. 

Ob sich die Ergebnisse auch auf andere Fibrosearten übertragen lassen, ist noch unklar. 

Dennoch ist Dr. Brandt überzeugt: 

„Organfibrose ist ein häufiges Problem in allen Bereichen der Inneren Medizin und man geht davon aus, dass Fibrosen für jeden zweiten Todesfall mitursächlich sind

Deshalb glaube ich, dass diese Forschungsarbeit auch für diese Bereiche von enormer Bedeutung sein kann.“

Das Forschungsprojekt wurde unter der Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Peter R. Mertens innerhalb des Sonderforschungsbereiches 854 „Molekulare Organisation der zellulären Kommunikation im Immunsystem“ durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und in Kooperation mit hiesigen Arbeitsgruppen (Institut für Molekulare und Klinische Immunologie, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinik für Hämatologie und Onkologie) sowie der Uniklinik RWTH Aachen, dem Leibniz-Institut für Alternsforschung Jena und dem Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig umgesetzt. Das Thema wird im Rahmen des Magdeburger Gesundheitscampus Immunologie, Infektiologie, Inflammation (GC-I3) bearbeitet.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt  www.medizin-am-abend.blogspot.com




 

 

 

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Dr. rer. nat Sabine Brandt

Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie Magdeburg, Tel.: 0391/67-13236, sabine.brandt@med.ovgu.de

Friederike Süssig-Jeschor Universitätsmedizin Magdeburg

Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
Deutschland
Sachsen-Anhalt

Telefon: +49-391-67-27123
E-Mail-Adresse: friederike.suessig-jeschor@med.ovgu.de 
Originalpublikation:

https://jasn.asnjournals.org/content/early/2020/08/27/ASN.2019121289

Originalarbeit: Brandt, Sabine; Ballhause, Tobias; Bernhardt, Anja; Becker, Annika; Salaru, Delia; Le-Deffge, Hien; Fehr, Alexander; Fu, Yan; Philipsen, Lars; Djudjaj, Sonja; Müller, Andreas; Kramann, Rafael; Ibrahim, Mahmoud; Geffers, Robert; Siebel, Chris; Isermann, Berend; Heidel, Florian; Lindquist, Jonathan; Mertens, Peter

Fibrosis and immune cell infiltration are separate events regulated by cell-specific receptor Notch3 expression