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Älter als 80 Jahre...? Blutdruckwerte nach Schlaganfall oder Herzinfarkt?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Im Alter gelten andere Regeln

10 Jahre BIS: Erkenntnisse zur Nierenfunktion bei Hochbetagten

Seit zehn Jahren untersuchen Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin in der Berliner Initiative Studie (BIS), wie sich die Funktion der Nieren im Alter verändert. 

Das Resultat sind zwei Formeln, mit der Ärzte die Nierenfunktion bei Älteren heute präziser abschätzen können. 
  • So lässt sich zum Beispiel eine zu hohe Dosierung von Medikamenten vermeiden. 
  • Die Studienergebnisse haben außerdem verdeutlicht, dass eine Senkung des Blutdrucks bei bestimmten Hochbetagten sogar das Sterberisiko erhöhen kann. 
 
Dass die Leistungsfähigkeit der Nieren im Alter abnimmt, ist schon lange bekannt.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: E-Zigaretten und Liquids 

Doch welche Nierenfunktion ist bei älteren Personen normal, bei wie vielen von ihnen ist sie eingeschränkt? Und wie rapide schreitet der Funktionsverlust normalerweise fort? Antworten auf diese Fragen sind insbesondere relevant für Menschen, die Medikamente einnehmen:

Wenn die Nieren einen Wirkstoff nicht mehr schnell genug ausscheiden können, droht eine Überdosierung – mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen. 

Deshalb schätzen Ärzte die Nierenleistung ab, bevor sie die Dosis bestimmter Medikamente festsetzen. Das Problem: Dazu standen ihnen nur Formeln zur Verfügung, die anhand der Daten jüngerer Menschen entwickelt worden waren.

Um das Wissen zur Nierenfunktion im Alter zu erweitern, startete das Team um Prof. Dr. Elke Schäffner, Stellvertretende Direktorin des Instituts für Public Health der Charité, 2009 die Berliner Initiative Studie. Ziel des Forschungsvorhabens war es, mehr als 2.000 Menschen ab 70 Jahren aus Berlin und Brandenburg über mehrere Jahre lang zu begleiten und in regelmäßigen Abständen eingehend zu untersuchen. „Angesichts eines durchschnittlichen Alters der Probanden von 80 Jahren, verbunden mit alterstypischen Begleiterkrankungen und häufig auch Gebrechlichkeit, war das kein leichtes Unterfangen“, betont Prof. Schäffner.

Die Teilnehmenden wurden fünf Mal im Abstand von zwei Jahren zu ihren Gewohnheiten, Erkrankungen und Medikamenten befragt. Zusätzlich wurden ihr Blutdruck und ihre Nierenfunktion gemessen sowie Blut- und Urinproben untersucht. Der Aufwand zahlte sich aus: Die Forschungsgruppe erarbeitete einen bislang einmaligen Datenschatz zum Gesundheitszustand älterer Menschen – und ihrer Lebensgewohnheiten: Ein Fünftel der Studienteilnehmenden gab an, täglich Alkohol zu trinken. Die Hälfte der Befragten hatte in ihrem Leben geraucht oder rauchte noch immer. Je ein Viertel der Personen war übergewichtig, hatte Krebs und/oder Diabetes. Und knapp 80 Prozent der Probanden nahmen blutdrucksenkende Mittel ein. Diese Patienten nahm die Forschungsgruppe für eine Untersuchung zum Einfluss des Blutdrucks auf die Gesamtsterblichkeit besonders in den Fokus.

  • Wie sie feststellte, ist es nicht für alle älteren Personen gesünder, wenn ihr Blutdruck auf unter 140/90 mmHg gesenkt wird. Im Gegenteil: 
  • Bei Menschen, die älter als 80 Jahre sind oder bereits einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt hatten, steigt das Sterberisiko sogar.

Die neuen Daten zur Nierenfunktion, der sogenannten glomerulären Filtrationsrate, zeigten außerdem:

Etwa bei der Hälfte der Probanden arbeiteten die Nieren nur eingeschränkt.

Zusätzlich stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass die bisher genutzten Gleichungen zur Einschätzung der Filtrationsrate die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Nieren bei älteren Menschen überschätzen.

  • „Das bedeutet, dass Ärzte aufgrund der ungenauen Schätzwerte möglicherweise eine Medikamentendosis festsetzen, die für die Patienten eigentlich zu hoch ist“, erläutert Prof. Schäffner. 
Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Laborrechner  

Um hier Abhilfe zu schaffen, entwickelte das Team um die Nephrologin und Epidemiologin 2012 eine Berechnungsmethode, mit der die Nierenfunktion bei Menschen ab 70 Jahren präziser als bisher abgeschätzt werden kann: die BIS1- bzw. BIS2-Formel.

„Ärztinnen und Ärzte können beide Formeln heute ganz einfach und kostenfrei über einen Online-Rechner nutzen.

Auch eine Reihe von Laborverbünden hat diese Methode mittlerweile in ihr Portfolio aufgenommen“, sagt Prof. Schäffner.

Die Medizinerin freut sich über die vielen Ergebnisse der Studie:

„Die Berliner Initiative Studie hat dazu beigetragen, dass wir mehr über den Gesundheitszustand älterer Menschen wissen und diese Altersklasse stärker in den Fokus rücken.“ Zusammen mit ihrem Team ist sie derzeit dabei, die Daten weiter zu analysieren, um beispielsweise herauszufinden, wie sich im Alter die Abnahme der Nierenfunktion über die Zeit verhält und wodurch sie beeinflusst wird.

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Prof. Dr. Elke Schäffner
Stellvertretende Direktorin des Instituts für Public Health
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 553 131
E-Mail: elke.schaeffner@charite.de


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Manuela Zingl
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Fax: 030 / 450 570 940
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Originalpublikation:
www.doi.org/10.7326/0003-4819-157-7-201210020-00003

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://bis.charite.de/ Berliner Initiative Studie (BIS)

https://www.charite.de/service/pressemitteilung/artikel/detail/den_blutdruck_zu_... Pressemitteilung zu neuen Erkenntnissen zum Blutdruck im Alter vom 7.3.2019

https://www.charite.de/service/pressemitteilung/artikel/detail/vorsorgestudie_ge... Pressemitteilung zum Start der BIS-Studie vom 17.11.2009

https://iph.charite.de/ Institut für Public Health

 

CAVE-Untersucher-MaAB-Cardiolotse: Einladung zur Herzinsuffizienz-Studie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: MHH-Ärzte wollen Therapie von Herzinsuffizienz verbessern

Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Digitoxin-Studie mit weiteren 3,8 Millionen Euro 


Professor Dr. Johann Bauersachs (links) und Professor Dr. Udo Bavendiek vor einem vergrößerten Ultraschallbild des Herzmuskels. Quelle „MHH / Karin Kaiser“
 
In Deutschland leiden etwa drei Millionen Menschen an einer chronischen fortgeschrittenen Herzschwäche. 

Die Erkrankung ist eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Patientinnen oder Patienten ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen oder an den Folgen sterben.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: IT- Sicherheit Krankenhaus  

In einer großen, multizentrischen Untersuchung prüfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Wirksamkeit des Medikamentes Digitoxin. Jetzt hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Verlängerung der „DIGIT-HF-Studie“ bis zum Jahr 2024 bewilligt. Es stellt für die zweite Förderperiode etwa 3,8 Millionen Euro zur Verfügung. Mit weiteren 700.000 Euro unterstützt die Brauckmann-Wittenberg-Herz-Stiftung das Projekt.

Unter der Leitung von Oberarzt Professor Dr. Udo Bavendiek und Klinikdirektor Professor Dr. Johann Bauersachs soll die klinische Studie klären, ob Digitoxin das Leben von Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz verlängert und Krankenhausaufenthalte verringert. An der Studie beteiligt sind auch Professor Dr. Armin Koch, Direktor des MHH-Zentrums für Biometrie, und Professor Dr. Heiko von der Leyen, Leiter des Koordinationszentrum für klinische Studien der MHH.

Mehr als 800 Patienten mit chronischer Herzschwäche in Studie eingeschlossen

Unser Herz ist ein Hochleistungsmotor.

Etwa 70 Mal schlägt es pro Minute und pumpt in dieser Zeit etwa fünf Liter Blut durch unsere Gefäße. Dabei versorgt es den Körper mit lebenswichtigen Sauerstoff und Nährstoffen. Ist diese Pumpleistung vermindert, sprechen Mediziner von chronischer Herzschwäche oder Herzinsuffizienz. Atemnot, schlechte Belastbarkeit, Wassereinlagerungen bis hin zur Unbeweglichkeit, schwere Rhythmusstörungen oder Tod sind die Folge.

„Wir haben im Rahmen der Studie schon mehr als 800 Patienten in etwa 40 Studienzentren untersucht, bei denen die üblichen Therapien ausgereizt sind“, sagt Professor Bauersachs.

  • Dazu gehören Medikamente, die bei Herzinsuffizienz überschießend aktivierte Hormonkaskaden hemmen und so das Herz entlasten (etwa Beta-Blocker) sowie entwässernde Mittel (Diuretika). Gegen akute Rhythmusstörungen helfen zudem Defibrillatoren, die als Implantat in den Körper des Patienten eingesetzt werden.

Ist Digitoxin ein Mehrwert-Medikament?

Digitoxin könnte als sogenanntes Mehrwert-Medikament eine Hoffnung für schwerkranke Menschen sein. Digitoxin gehört zur Wirkstoffgruppe der Herzglykoside (Digitalis), die ursprünglich aus dem Fingerhut gewonnen wurden. Digitalis erhöht die Kontraktionskraft des Herzens und wird in der Medizin schon seit etwa 200 Jahren eingesetzt.

Trotzdem ist der Nutzen bei Herzinsuffizienz nicht ausreichend belegt.

Bisherige Studien wurden nahezu ausschließlich mit dem Herzglykosid Digoxin durchgeführt.

Der Einsatz von Digoxin ist aber bei einer gestörten Nierenfunktion – dies ist bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz häufig der Fall – nur begrenzt möglich, da es nahezu ausschließlich über die Niere ausgeschieden wird.

Digitoxin ist für Patienten mit Nierenschwäche geeignet

„Bei Digitoxin liegt der Fall jedoch anders“, erklärt Professor Bavendiek.

  • Denn Digitoxin wird bei einer gestörten Nierenfunktion entsprechend vermehrt über den Darm ausgeschieden. 

Das bereits zugelassene Medikament ist somit auch für vorbelastete Patienten mit Nierenschwäche unproblematisch, das haben auch Ergebnisse aus bisherigen Untersuchungen bestätigt.

„Richtig dosiert ist Digitoxin eine sichere Therapie bei Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern“, sagt Professor Bavendiek.

Ob es Herzinsuffizienz-Patienten aber tatsächlich hilft, länger und besser zu leben, wollen die Wissenschaftler nun endgültig klären.

Dafür wollen sie in der zweiten Förderphase noch mehr Patienten gewinnen, die an der „DIGIT-HF-Studie“ teilnehmen.

  • Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Udo Bavendiek, 
  • Bavendiek.Udo@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-2229 
  • und Professor Dr. Johann Bauersachs, 
  • Bauersachs.Johann@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-3841.



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Ärztliche Bereitschaftsdienst: Weihnachten und Jahreswechsel

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ärztlicher Bereitschaftsdienst über die Feiertage

Leitstelle der KV Berlin ist rund um die Uhr
unter der Telefonnummer 116117 zu erreichen
Der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin ist auch über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel rund um die Uhr im Einsatz. Patienten, die in dieser Zeit akut erkranken, sollten die kostenfreie Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 anrufen. Hier erfahren die Patienten, wie dringend eine ärztliche Versorgung ist, welche Praxen im Stadtgebiet außerhalb der regulären Praxiszeiten geöffnet haben und wo sich die KV-Notdienstpraxen (inklusive aktuelle Wartezeiten) befinden. Darüber hinaus können die Anrufer direkt mit den Beratungsärzten in der Leitstelle sprechen.  

Für immobile Patienten mit akuten Beschwerden wird von der Leitstelle ein Hausbesuch ausgelöst.  

In welchen Fällen sollten sich Patienten an die 116117 wenden? 

Die Faustregel lautet: Handelt es sich um eine Erkrankung, mit der Patienten normalerweise einen niedergelassenen Arzt in der Praxis aufsuchen würden, aber die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann, dann sollten die Patienten die 116117 anrufen. 

  • Dies ist zum Beispiel bei einer Grippe, Fieber oder Erbrechen der Fall. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist nicht zu verwechseln mit dem Rettungsdienst, der in lebensbedrohlichen Fällen Hilfe leistet. 
  • Wird durch die Leitstelle der KV ein lebensbedrohlicher Fall festgestellt, wird der Anrufer direkt an die 112 weitergeleitet.

Standorte der KV-Notdienstpraxen für Erwachsene:

KV-Notdienstpraxis im Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Rettungsstelle, Landsberger Allee 49, 10249 Berlin, Öffnungszeiten: Freitag von 15 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag (inkl. 24.12. + 31.12.) von 9 bis 21 Uhr

KV-Notdienstpraxis am Unfallkrankenhaus Marzahn, Rettungsstelle, Warener Straße 7, 12683 Berlin; Öffnungszeiten: Freitag von 15 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag (inkl. 24.12. + 31.12.) von 9 bis 21 Uhr

KV-Notdienstpraxis im Jüdischen Krankenhaus Berlin, Rettungsstelle, Heinz-Galinski-Straße 1, 13347 Berlin; Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag von 14 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag (inkl. 24.12. + 31.12.) von 10 bis 17 Uhr

KV-Notdienstpraxis in den DRK-Kliniken Berlin Westend, Zentrale Notaufnahme, Spandauer Damm 130 (Zugang mit Auto über Fürstenbrunner Weg), 14050 Berlin; Öffnungszeiten: Freitag von 15 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag (inkl. 24.12. + 31.12.) von 9 bis 21 Uhr

Standorte der KV-Notdienstpraxen für Kinder und Jugendliche:

KV-Notdienstpraxis für Kinder und Jugendliche am Charité-Campus Virchow-Klinikum, Haus 8 – Kinderrettungsstelle, Mittelallee 8, 13353 Berlin; Öffnungszeiten: Freitag von 15 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag (inkl. 24.12. + 31.12.) von 9 bis 21 Uhr

KV-Notdienstpraxis für Kinder und Jugendliche am Sana Klinikum Lichtenberg, EG Haus B, Räume B012 und B013, Fanningerstraße 32, 10365 Berlin; Öffnungszeiten: Freitag von 15 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag (inkl. 24.12. + 31.12.) von 9 bis 21 Uhr

KV-Notdienstpraxis für Kinder und Jugendliche an den DRK-Kliniken Berlin Westend, Spandauer Damm 130 (Einfahrt Fürstenbrunner Weg), 14050 Berlin; Öffnungszeiten: Freitag von 15 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag (inkl. 24.12. + 31.12.) von 9 bis 21 Uhr

KV-Notdienstpraxis für Kinder und Jugendliche am St. Joseph-Krankenhaus Tempelhof, Erste-Hilfe-Stelle, Eingang Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin; Öffnungszeiten: Freitag von 15 bis 21 Uhr; Samstag/Sonntag/Feiertag (inkl. 24.12. + 31.12.) von 9 bis 21 Uhr

Weiterführende Informationen zum ärztlichen Bereitschaftsdienst finden Patienten auf www.kvberlin.de oder in der bundesweiten „116117-App“ des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, die im Apple- und im Play-Store verfügbar ist.


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Dörthe Arnold    

Kassenärztliche Vereinigung Berlin

Masurenallee 6A

14057 Berlin

Telefon: (030) 31003 - 681

Telefax: (030) 31003 - 50 - 210

E-Mail:  doerthe.arnold@kvberlin.de

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Fortgeschrittene Prostatatumore - Therapiemethode

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Pilotstudie beim fortgeschrittenen Prostatakrebs: Neuartige Strahler-Kombination wirkt bei austherapierten Patienten

Bei Männern ist mit 26 Prozent der Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung. 

Wissenschaftler haben nun in einer klinischen Studie die Wirksamkeit einer Therapiemethode nachgewiesen, die solche fortgeschrittenen Prostatatumore und ihre Metastasen sehr erfolgreich eindämmen kann, und zwar ohne gravierende Nebenwirkungen. 

 Professor Samer Ezziddin, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, hat eine neuartige Kombination der Strahlentherapie bei Prostatakrebs entwickelt - mit Erfolg, wie eine Studie zeigt.
Professor Samer Ezziddin, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, hat eine neuartige Kombination der Strahlentherapie bei Prostatakrebs entwickelt - mit Erfolg, wie eine Studie zeigt.Foto: Thorsten Mohr


Das Neuartige: 

  • Sie kombinieren dafür zwei verschiedene radioaktive Substanzen, die den Krebs millimeter- bzw. mikrometergenau bestrahlen. 

Die Pilotstudie unter Federführung des Nuklearmediziners Professor Samer Ezziddin ist nun im renommierten European Journal of Nuclear Medicine and Molecular Imaging erschienen. 
 
Nachrichten über neuartige Krebstherapien wecken oft große Hoffnungen und Erwartungen bei den Menschen, insbesondere natürlich bei den Betroffenen.

Solcherart Erwartungen möchte Samer Ezziddin, Professor für Nuklearmedizin und Direktor der gleichnamigen Klinik am Universitätsklinikum, gar nicht erst wecken. „Heilen können wir die betroffenen Patienten, wie sie an unserem Therapieprogramm teilgenommen haben, meist nicht. Uns geht es um eine Verlängerung der Lebenserwartung um einige Monate oder auch Jahre – und zwar ohne Verlust der Lebensqualität“, erläutert der Mediziner. Zwar hat der Arzt in seiner Karriere auch selbst schon erlebt, dass Patienten eine vollständige Rückbildung der Metastasen erfahren haben, bei denen kaum noch Hoffnung bestand. Aber von diesen Sonderfällen abgesehen, die wohl eher als „statistische Ausreißer“ gelten müssen denn als Wunder, ist der Kampf gegen die vielen Spielarten des Krebses eine harte und mühsame Fleißarbeit, deren Fortschritte sich in kleinen Schritten bemisst, die erst nach langer Zeit eine große Strecke erkennen lässt.

Auch die aktuelle Studie der saarländischen Nuklearmediziner ist ein kleiner Schritt, der aber ein entscheidender sein kann für weitere Therapieansätze. Die Ärzte haben Patienten mit metastasierenden Prostatatumoren einer Strahlentherapie unterzogen, die ursprünglich in Heidelberg entwickelt wurde und die die saarländischen Mediziner nun weiterentwickelt haben. Es handelt sich dabei um die so genannte Radionuklidtherapie-Methode, bei der Tumore gezielt von innen bestrahlt und damit zerstört werden, indem eine radioaktiv strahlende Substanz, über die Vene verabreicht, kontinuierlich in die Zellen eingespeist wird.

Statt allerdings nur eine einzige Sorte radioaktiver Substanz in die Tumorzellen einzuschleusen, kombinierten die Mediziner erstmals zwei unterschiedliche radioaktive Substanzen miteinander, die jeweils unterschiedlich weit strahlen können. Zum einen kam dabei Lutetium-177 zum Einsatz. Die radioaktive Substanz hat einen Wirkradius von 0,5 bis 10 Millimetern, in dem es das umliegende Gewebe zerstört. Es wirkt sehr zielgenau, da es an Bindungsstellen andockt, die nahezu ausschließlich auf der Oberfläche der Prostatatumore vorhanden sind, andere – gesunde – Körperzellen werden also nicht zerstört. Dieser winzige Wirkungsradius von Lutetium-177 kann allerdings schon zu viel sein für winzigste Tumore, wie sie entstehen, wenn sich Metastasen in anderen Regionen des Körpers bilden. Aus diesem Grund haben sich die Forscher um Professor Ezziddin dazu entschieden, ein weiteres radioaktives Nuklid für die Therapie zu verwenden: Actinium-225. „Dieser Strahler zeigt sehr gute Ergebnisse, seine Reichweite liegt weit im Sub-Millimeter-Bereich“, erläutert Samer Ezziddin den Vorteil dieses radioaktiven Stoffes.

Das bedeutet, dass auch winzigste Tumore, im Prinzip sogar einzelne Tumorzellen, mit dem Präparat von innen bestrahlt werden können, nachdem sie „huckepack“ über den Rezeptor in die Krebszelle hineingeschmuggelt worden sind. „Umliegendes Gewebe wird dadurch nicht zerstört, da die Reichweite des Actiniums gerade einmal drei, vier Zelldurchmesser beträgt“, so der Nuklearmediziner weiter. Bisherige Radionuklid-Therapien, die auf Actinium-225 basieren, haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: 

  • Die Speicheldrüsen der Patienten nehmen es auf, eine extreme Mundtrockenheit kann die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen.

In dem nun erschienenen Fachartikel, die die Wirkung der Tandem-Therapie erstmals als Pilotstudie beschreibt, konnten die saarländischen Forscher zeigen, dass diese Nebenwirkungen nicht mehr auftreten, wenn man Lutetium und Actinium miteinander auf bestimmte Weise kombiniert. „Lutetium ist für die meisten Tumorgrößen sehr gut verträglich“, erklärt Professor Ezziddin den Grund dafür. „Daher konnten wir die Dosierung von Actinium in unserem Ansatz deutlich reduzieren, so dass die Therapie sehr nebenwirkungsarm ablaufen kann.“


Professor Samer Ezziddin, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, hat eine neuartige Kombination der Strahlentherapie bei Prostatakrebs entwickelt - mit Erfolg, wie eine Studie zeigt.
 Professor Samer Ezziddin, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, hat eine neuartige Kombination der Strahlentherapie bei Prostatakrebs entwickelt - mit Erfolg, wie eine Studie zeigt. Foto: Thorsten Mohr

Die Studie analysiert die Erfahrungen an 20 Patienten im Alter von 57 bis 88 Jahren mit metastasierendem Prostatakarzinom, die sich im sehr weit fortgeschrittenem Stadium befanden und deren Tumore bereits nicht mehr auf eine Therapie alleine mit Lutetium-177 reagiert haben. „Diese Patienten waren also bereits sehr stark vortherapiert. Bei vielen hätte man bisher gesagt, dass man nichts mehr machen kann“, erläutert Samer Ezziddin. Bei 14 von 20 Patienten konnte während der Behandlung mit dem Tandem-Präparat ein starker Rückgang des Tumormarkers beobachtet werden, des Wertes also, der anzeigt, wie viel Tumormasse sich noch im Körper befindet. Während das Tumorwachstum nach Beginn der Tandemtherapie auf diese Weise im Median für ca. viereinhalb Monate stabilisiert werden konnte, bevor die Erkrankung wieder voranschritt, lag die Überlebensdauer nach Beginn der Tandemtherapie im Median bei elf Monaten – und zwar ohne gravierende Einschränkungen der Lebensqualität.

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Fax: 0681/302-2609


Originalpublikation:
Fadi Khreish, Niklas Ebert, Martin Ries, Stephan Maus, Florian Rosar, Hendrik Bohnenberger, Tobias Stemler, Matthias Saar, Mark Bartholomä, Samer Ezziddin: 225Ac-PSMA-617/177Lu-PSMA-617 tandem therapy of metastatic castration-resistant prostate cancer: pilot experience; European Journal of Nuclear Medicine and Molecular Imaging, https://doi.org/10.1007/s00259-019-04612-0

CAVE-Untersucher: Schlafstörungen - Augenerkrankungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlaflose Nächte und grüner Star gehen oft Hand in Hand – DOG rät zu augenärztlicher Abklärung

  • Menschen, die an der Augenerkrankung grüner Star (Glaukom) leiden, sind häufig auch von Schlafstörungen betroffen. 
  • Eine aktuelle Studie zeigt, dass verschiedene Probleme beim Ein- oder Durchschlafen mit einem grünen Star verbunden sind (1). 

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Schlafstörungen entweder ein Risikofaktor für das Glaukom oder eine Folge dessen sein könnten. 

Die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft erinnert vor diesem Hintergrund daran, dass der grüne Star nur durch eine augenärztliche Untersuchung entdeckt werden kann und unbehandelt zu den häufigsten Erblindungsursachen in Deutschland zählt. 
 
Über zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an einem Glaukom. Die Erkrankung schädigt den Sehnerv: 

Die Betroffenen sehen im Verlauf immer schlechter und können letztendlich sogar erblinden.

Wie schnell der Sehverlust voranschreitet, wird von mehreren Einflüssen bestimmt. Der wichtigste Risikofaktor ist der erhöhte Augendruck. „Aber auch andere Faktoren können eine Rolle spielen“, sagt DOG-Experte Professor Dr. med. Hagen Thieme, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Magdeburg.

„Vor diesem Hintergrund scheint auch erholsamer Schlaf eine Rolle zu spielen.“

Die US-amerikanische Studie, die kürzlich im Journal auf Glaucoma erschien, untersuchte die Schlafgewohnheiten von 6.700 Glaukom-Patienten.

  • Abgefragt wurden Schlafdauer, Ein- und Durchschlafstörungen, schlafbezogene Erkrankungen wie Schlafapnoe, die Einnahme von Schlafmitteln und Tagesmüdigkeit. 

Die Ergebnisse zeigen, dass Schlafstörungen mit dem Glaukom verbandelt sind: 

  • CAVE: Menschen, die weniger als drei oder mehr als zehn Stunden pro Nacht schliefen, zeigten dreimal häufiger Sehnervenschäden durch einen grünen Star als Probanden mit sieben Stunden Nachtruhe. 
  • Teilnehmer, die sich tagsüber häufig schläfrig fühlten, hatten ein erhöhtes Risiko, einen Teil ihres Gesichtsfelds zu verlieren. 
  • Nicht bestätigt hat sich hingegen der Verdacht, Schlafapnoe und grüner Star würden sich gegenseitig begünstigen. 

Wie eine Untersuchung ergab, litten von 100 Patienten mit diagnostizierter Schlafapnoe zwei Prozent zugleich an einem Glaukom – das entspricht dem Bevölkerungsdurchschnitt (2).

Worin nun der Zusammenhang zwischen Glaukom und Schlafmangel genau besteht, lässt sich anhand der US-Daten nicht sagen, so Thieme.

Die Verbindung zwischen Schlaf und Glaukom scheint aber so deutlich, dass weitere Studien auf diesem Gebiet angebracht sind.“

  • Schlafstörungen könnten ein Risikofaktor sein, der die Entstehung eines Glaukoms begünstigt. 
Sie könnten aber auch als Folge beispielsweise von Stress auftreten, der im Rahmen der Erkrankung entsteht.

Studien haben gezeigt, dass Glaukom-Patienten empfindlicher auf Stress reagieren (3) als gesunde Menschen: 

Das Fortschreiten der Erkrankung, der Sehverlust und die Angst zu erblinden beschleunigen sich gegenseitig.

Aus diesem Grund haben Experten auch spezielle Entspannungsmethoden mit autogenem Training und Musik entwickelt, die die Ängste der Betroffenen abbauen sollen.

„Solche Methoden können die augendrucksenkende Behandlung ergänzen, aber nicht ersetzen“, betont Hagen Thieme.

Die beste Voraussetzung, um Erblindung und Sehbehinderung durch ein Glaukom zu vermeiden, sei eine frühe Diagnose, die nur durch eine augenärztliche Untersuchung gestellt werden könne.

Es ist sinnvoll, den Sehnerven ab dem 40. Lebensjahr beim Augenarzt untersuchen zu lassen, ab dem 60. Lebensjahr ist ein jährlicher Sehnervencheck anzuraten“, empfiehlt der Magdeburger Augenexperte.

Quellen:

(1) Qiu, Ramulu, Boland. Association Between Sleep Parameters and Glaucoma in the United States Population. National Health and Nutrition Examination Survey. Journal of Glaucoma: February 2019 - Volume 28 - Issue 2 - p 97–104

(2) N.J. Gross, J. Funk, M. Pache, M. van der List, A. Laubmann-Volz, S. Sorichter, W.A. Lagrèze. Glaukomprävalenz bei obstruktiver Schlafapnoe. Ophthalmologe 2015 112:580–584. DOI 10.1007/s00347-014-3146-5

(3) T Bertelmann, I Strempel. Entspannungsmethoden bei Glaukom – Stellenwert von autogenem Training, Hypnose und Musikmedizin. Ophthalmologe 2016 113:102–110

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DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7.750 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.

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