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Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Der "Staubsauger fürs Herz"

Mithilfe eines neuen Verfahrens kann am DHZB ein junger Mann aus Essen erfolgreich behandelt werden, der nach einer schweren Lungenembolie kaum noch Überlebenschancen hatte.

Marlin Koth (rechts) und Prof. Dr. med. Christoph Starck
Marlin Koth (rechts) und Prof. Dr. med. Christoph Starck
© Deutsches Herzzentrum Berlin
 
Marlin Koth kommt im November 1991 mit mehreren schweren Herzfehlern zur Welt.


Kinderherzchirurgen müssen ihm einen sogenannten „Fontankreislauf“ schaffen.

Dabei hat das Herz nur eine Kammer. Sie pumpt sauerstoffreiches Blut aus der Lunge in den Körper. Der Lungenkreislauf – also der Weg des sauerstoffarmen venösen Bluts aus dem Körper hin zur Lunge und zurück zum Herzen – muss ohne Herzpumpe auskommen.

Marlin Koth kann dennoch weitgehend normal aufwachsen. Bis zu einem Alter von 17 Jahren spielt er sogar Fußball im Verein. Seine körperliche Leistungsfähigkeit lässt zwar nach, aber es geht ihm gut.

Am 27. Juli muss Marlin Koth am Blinddarm operiert werden. Der unkomplizierte Eingriff im Uniklinikum Essen verläuft ohne Probleme. Doch drei Tage später bricht Marlin Koth im Bad seines Krankenzimmers bewusstlos zusammen.

Den Ärzten ist sehr schnell klar, wie schlecht es um ihren Patienten steht. Denn Marlin Koth hat eine schwere Lungenembolie erlitten. Dabei verstopft ein Blutpropfen (Thrombus) die Blutgefäße hin zur Lunge. In Marlin Koths Fall wirkt sich die Lungenembolie wegen seines Herzfehlers besonders drastisch aus.

Die Mediziner am Essener Uniklinikum schließen Marlin Koth sofort an eine ECMO an, eine künstliche Lunge. Die unmittelbare Lebensgefahr ist damit zwar gebannt. Doch die Ärzte wissen auch, dass sie nicht mehr für ihren Patienten tun können und nehmen Kontakt mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) auf.

Noch am selben Tag wird Marlin Koth – weiterhin angeschlossen an die ECMO – mit dem Hubschrauber in die Hauptstadt geflogen. Im DHZB erwartet ihn der leitende Oberarzt der Herzchirurgie, Professor Christoph Starck, mit einem Team aus Intensivmedizinern und Spezialisten für Angeborene Herzfehler.

Zunächst versuchen die Ärzte, die Thromben mit Medikamenten zumindest zu verkleinern. Der Versuch scheitert: Der Thrombus zerfällt zwar in mehrere Teile, blockiert aber weiterhin die Blutgefäße. Bei anderen Patienten bestünde nun die Möglichkeit, die Gerinnsel operativ zu entfernen. Doch das DHZB-Team muss auch diese Option verwerfen: „Angesichts des Zustands unseres Patienten und seiner vielen Voroperationen im Kindesalter wäre das Risiko definitiv zu hoch gewesen“, erläutert Herzchirurg Christoph Starck.

Damit bleibt nur noch eine Möglichkeit, den jungen Mann zu retten: Das sogenannte „– eine Art „Staubsauger fürs Herz“.

Dabei wird über einen wenige Zentimeter großen Schnitt am Hals oder in der Leiste ein mit einer Absaugpumpe verbundener Schlauch über die Blutgefäße unter Röntgen- und Ultraschallkontrolle bis dicht an die Gerinnsel herangeführt. Das Ende des Schlauchs wird dann zu einem Trichter aufgespannt und die Pumpe wird aktiviert. So werden die Thromben abgesaugt und ausgefiltert, das Blut wird wieder dem Körperkreislauf zugeführt.

Das Deutsche Herzzentrum Berlin hat das System aus den USA als eine der ersten Kliniken in Deutschland eingesetzt und verfügt inzwischen mit fast 100 Eingriffen auch europaweit über die meiste Erfahrung mit dem neuen Verfahren. Doch auch diese Variante kommt für Marlin Koth zunächst nicht in Frage. Denn der Thrombus liegt in einem Abschnitt einer Lungenarterie, den die Ärzte mit dem Saugtrichter nicht erreichen können.

Den Medizinern bleibt nun nur die Hoffnung, dass sich die Lage der Gerinnsel noch ändern könnte. Immer wieder wird Marlin Koth im Computertomographen untersucht. Und endlich tritt ein, worauf der Patient, seine Eltern und die Ärzte kaum zu hoffen gewagt hatten: Die Blutgerinnsel sind gewandert. Der Eingriff erscheint nun möglich.

Am Morgen des 7. August wird Marlin Koth in OP 8 gebracht. Der Eingriff mag für den Laien zwar simpel klingen. Doch Christoph Starck und sein Kollege, Herzchirurg Dr. Axel Unbehaun, wissen, dass angesichts Marlin Koths schlechten Zustands und seinen Vor-Operationen jederzeit Komplikationen auftreten können. Und dann bleibt nur noch eine Notoperation am offenen Herzen. Alle im OP sind darauf vorbereitet.

Über einen Einschnitt am Hals führen die Chirurgen den Saugschlauch so dicht wie möglich an den Thrombus heran und aktivieren die Saugfunktion. Doch zunächst geschieht nichts. Das Blutgerinnsel sitzt zu fest.

Über einen weiteren Katheter versucht Christoph Starck deshalb, den Thrombus mit feinen Drahtschlingen zu greifen. Als auch dies erfolglos bleibt, wendet der Operateur einen außergewöhnlichen Trick an: Er drückt einen dünnen Katheter mit einem zusammengefalteten Ballon an der Spitze vorsichtig am Thrombus vorbei. Hinter dem Blutgerinnsel wird der Ballon aufgepumpt. Nun können die Chirurgen den Blutpfropfen Millimeter für Millimeter an den Saugtrichter heranziehen.

Sie wissen, dass diese Phase der OP noch einmal besonders heikel ist. Denn nicht weit vom „Herz-Sauger“ liegt die Kanüle, die das Blut zur künstlichen Lunge, der ECMO, hin absaugt. Geriete der Thrombus in diese Maschine, hätte das für Marlin Koth womöglich fatale Folgen. Die Chirurgen fahren die Leistung der künstlichen Lunge also zurück, soweit es geht, ohne ihren Patienten zu gefährden. Gleichzeitig maximieren sie die Leistung des „Angiovac“. Und dann geht alles sehr schnell. Das System saugt mehrere, zusammen rund vier Zentimeter dicke Blutgerinnsel aus Marlin Koths Lungenarterie ab.

  • Das Gefäß ist damit wieder frei. 
  • Die Lunge wird wieder durchblutet. 
  • Eine knappe Woche später wird Marlin Koth zurückverlegt ins Essener Uniklinikum, wo er noch einige Zeit zur Überwachung bleiben muss.

Inzwischen ist Marlin Koth wieder zu Hause. Er hofft nun, seine Umschulung zum Automobilkaufmann wieder aufzunehmen. Und darauf, mal wieder nach Berlin zu reisen – diesmal aber unter weniger dramatischen Umständen.

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Lebensbedrohlichen Herz-Rhythmus-Störungen https://smart-mi.dzhk.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: EKG-Verfahren zeigt, wem implantierte Defibrillatoren wirklich helfen

Implantierbare Defibrillatoren können Leben retten, bergen aber auch Risiken. 

Das EKG-Verfahren „Periodic Repolarization Dynamics“ kann helfen, die Patienten zu identifizieren, die am ehesten von einer Implantation profitieren. 

Das zeigt eine große europäische Studie eines Teams um drei Forscher der Technischen Universität München (TUM), der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), und der Universitätsmedizin Göttingen, die im Fachmagazin „The Lancet“ erschienen ist. 
 
Bei lebensbedrohlichen Herz-Rhythmus-Störungen kann ein starker elektrischer Impuls den Herzmuskel wieder in den richtigen Takt bringen.

Genau das ist die Aufgabe von Defibrillatoren, die wie Herzschrittmacher in den Brustkorb eingesetzt werden.

Die aktuellen ärztlichen Leitlinien sehen vor, dass diese Geräte bei bestimmten Herzerkrankungen vorbeugend eingesetzt werden.

In der EU geschieht das jährlich mehr als 100.000-mal.

Das bedeutet nicht nur hohe Kosten für das Gesundheitssystem, die Geräte stellen auch ein Risiko dar: Schätzungen zufolge kommt es bei jedem vierten eingesetzten Defibrillator innerhalb von zehn Jahren zu erheblichen Komplikationen – von Infektionen bis hin zu spontanen Stromschlägen.

Die Großstudie EU-CERT-ICD hat daher europaweit den Nutzen von prophylaktisch implantierten Defibrillatoren untersucht. 

Ein wesentliches Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Erstautor Prof. Axel Bauer (ehemals LMU und aktuell Medizinische Universität Innsbruck) und die beiden Letztautoren Prof. Georg Schmidt (TUM) und Prof. Markus Zabel (Universitätsmedizin Göttingen) war es in einer Substudie des EU-CERT-ICD Projekts, Patienten zu identifizieren, die von der OP besonders profitieren.

PRD: ein Indikator der elektrischen Instabilität des Herzens

  • Bei jedem Herzschlag wird das Herz natürlicherweise elektrisch erregt und die Erregung anschließend wieder zurückgebildet. 
  • Bei Herzschwäche kommt es häufig zu einer Überaktivität des Sympathikus, eines Teils des autonomen Nervensystems, der unter anderem in Stresssituationen aktiv ist. 

Dadurch kann sich die Erregungsrückbildung des Herzens destabilisieren.

Ist dies der Fall, steigt das Risiko für bösartige Herzrhythmusstörungen dramatisch an. Diese gefährlichen Instabilitäten der Erregungsrückbildung können nun mit einem relativ neuen EKG-Verfahren, der sog. „Periodic Repolarization Dynamics“ (PRD), erkannt werden. „Obwohl hinter dem Verfahren intelligente Algorithmen stecken, ist die Messung doch vergleichsweise einfach“, erläutert Axel Bauer, der zusammen mit Georg Schmidt die Methode entwickelt und validiert hat.

In ihrer prospektiven Studie begleiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 1371 Patientinnen und Patienten, die die aktuellen Kriterien für den Einsatz eines Defibrillators erfüllten. 968 wurden tatsächlich operiert, bei 403 entschieden sich die behandelnden Ärztinnen und Ärzte gegen einen Defibrillator.

Hoher PRD-Wert: ein Indikator für den Nutzen eines implantierbaren Defibrillators

Insgesamt reduzierte die vorbeugende Implantation eines Defibrillators das Risiko, innerhalb der folgenden vier Jahre zu sterben um 43 Prozent. 

Patienten mit einem PRD-Wert größer oder gleich 7,5 Grad profitierten deutlich mehr, ihr Sterberisiko wurde um 75 Prozent reduziert. 

Lag der PRD-Wert unter 7,5 Grad, wurde die Sterberisiko nur um 31 Prozent reduziert.

„PRD könnte zu einer wichtigen Entscheidungshilfe für Ärztinnen und Ärzte werden“, sagt Georg Schmidt, Leiter der Arbeitsgruppe Biosignalverarbeitung am Klinikum rechts der Isar der TUM. „Durch die zusätzliche Information könnten wir Menschen, die von einem Defibrillator wahrscheinlich nicht profitieren werden, das Risiko eines Implantats ersparen.

Stattdessen können wir uns auf diejenigen konzentrieren, deren Leben durch das Gerät mit großer Wahrscheinlichkeit verlängert wird.“

Allerdings müssen die Ergebnisse erst in weiteren Studien bestätigt werden, bevor sie Eingang in medizinische Leitlinien finden können.

 „Wichtig wäre unter anderem eine Untersuchung über einen längeren Zeitraum“, sagt Markus Zabel, Leiter der EU-CERT-Gesamtstudie.

Mehr Informationen:
Für die Studie EU-CERT-ICD (kurz für European Comparative Effectiveness Research to Assess the Use of Primary Prophylactic Implantable Cardioverter Defibrillators) wurden seit 2014 Patientinnen und Patienten in 44 Zentren in 15 EU-Staaten untersucht.

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Studiendetails  

Die Studie wurde durch die Europäische Union finanziert.

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Prof. Dr. Georg Schmidt
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Dr. Ulrich Marsch
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E-Mail-Adresse: presse@tum.de

Originalpublikation:
A. Bauer, M. Klemm, KD. Rizas, W. Hamm, L. v. Stülpnagel, M. Dommasch, A. Steger, A. Lubinski, P. Flevari, M. Harden, T. Friede, S. Kääb, B. Merkely, C. Sticherling, R. Willems, H. Huikuri, M. Malik, G. Schmidt, M. Zabel, and the EU-CERT-ICD investigators. "Prediction of mortality benefit based on periodic repolarisation dynamics in patients undergoing prophylactic implantation of a defibrillator: a prospective, controlled, multicentre cohort study ". The Lancet (2019). DOI: 10.1016/S0140-6736(19)31996-8
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(19)31996-8/fullt...

Die Zentrale Schlafapnoe - mittelschwerer bis schwerer

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schrittmacher-Therapie für Patienten mit Schlafstörungen

Eine aktuelle Langzeit-Studie belegt nun nachhaltige Behandlungsvorteile bei zentraler Schlafapnoe 

PD Dr. Henrik Fox, Kardiologe am HDZ NRW, Bad Oeynhausen
PD Dr. Henrik Fox, Kardiologe am HDZ NRW, Bad Oeynhausen
(Foto: Armin Kühn).
 
  • Die zentrale Schlafapnoe ist eine schwerwiegende Erkrankung, welche vornehmlich als nächtliche Atmungsstörung in Erscheinung tritt und das normale Atmungsmuster während des Schlafs stört, aber dabei auch Herzfunktion und Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen kann. 

Hier kann ein neuartiger Schrittmacher helfen, der Stimulationsimpulse an den Zwerchfellnerv abgibt und so das Auftreten der Aussetzer der Atemmuskulatur überbrücken kann. 


Das belegt nun eine weltweit durchgeführte Patientenstudie, in der die Langzeittherapieergebnisse über 36 Monate mit dieser neuartigen Behandlungsmethode des derzeit einzigen implantierbaren Geräts zur Behandlung von zentralen Atmungsstörungen (Typ Remedé, Hersteller Respicardia, USA), unter federführender Mitwirkung der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Rudolph am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, in der Fachzeitschrift SLEEP veröffentlicht wurde.  

Am HDZ NRW besteht mit dieser Technologie bereits eine jahrelange Erfahrung und zählt weltweit zu den Einrichtungen mit den meisten durchgeführten Implantationen.

„Bei 500 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer zentraler Schlafapnoe konnte in der Studie eine anhaltende Verbesserung der Schlafmetriken nachgewiesen werden“, erläutert Oberarzt PD Dr. Henrik Fox als Autor der erschienenen wissenschaftlichen Publikation. Die Ergebnisse zeigen insbesondere eine Langzeitsicherheit in der Anwendung der Stimulationstherapie auf das Zwerchfell, die nach 36-monatiger Therapie nun nachhaltig bestätigt werden konnte.

Das Remedē-System hatte im Oktober 2017 die Zulassung der US-amerikanischen Behörden erhalten.

Für Europa besteht die CE Zertifizierung.

Bereits vier Jahre zuvor hatte eine erste internationale multizentrische Pilot-Studie, an der ebenfalls die Bad Oeynhausener Kardiologen maßgeblich beteiligt waren, auf das bahnbrechende implantierbare System aufmerksam gemacht, das die schädlichen Auswirkungen der zentralen Schlafapnoe durch Wiederherstellung eines normaleren Atmungsmusters während des Schlafs behandelt.

„Sehr häufig sind hierbei Patienten betroffen, die unter einer Herzschwäche leiden“, betont PD Dr. Fox. „Aus medizinischer Sicht kann eine solche Behandlung empfohlen werden, wenn eine klassische Maskentherapie nicht zum erwünschten Ziel führt, da die permanenten Unterbrechungen des Tiefschlafs durch Atempausen ein Absinken des Sauerstoffgehalts im Blut verursachen. Das kann die Herzfunktion und die Lebensqualität von Herzpatienten beeinträchtigen.“

Eine weitere große klinische Beobachtungsstudie, in der 500 Patienten in Europa und den USA untersucht werden sollen, soll nun auch Verbesserungen der typischen Symptome einer Schlafapnoe, wie Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche und Einschlafneigung, aber auch Auswirkungen auf die Lebensqualität und auf Herzinsuffizienz-Parameter erfassen.

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.000 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Die Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Volker Rudolph ist spezialisiert auf die Behandlung der Koronaren Herzkrankheit, Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen und entzündliche Herzerkrankungen. In der Klinik werden jährlich mehr als 5.000 kathetergestützte Verfahren durchgeführt. Modernste diagnostische und bildgebende Verfahren, ein Schlaflabor sowie alle modernen Kathetertechniken sichern die bestmögliche und schonende medizinische Versorgung der Patienten. Die Klinik ist Europäisches und Nationales Exzellenz-Zentrum zur Bluthochdruckbehandlung, anerkanntes Brustschmerzzentrum (CPU – Chest Pain Unit) sowie als überregionales Zentrum zur Versorgung Erwachsener mit angeborenem Herzfehler (EMAH) zertifiziert.


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PD Dr. med. Henrik Fox
Herz- und Diabeteszentrum NRW
Bad Oeynhausen
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Originalpublikation:
Henrik Fox et al, Long-term efficacy and safety of phrenic nerve stimulation for the treatment of central sleep apnea, Sleep 2019.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
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Medizin am Abend Berlin - MaAB-TEAM zur Fortbildung VOR ORT

Medizin am Abend Berlin Fazit: 

































Sexuellen Missbrauchs- oder Gewaltdeliktes verurteilt

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Weibliche und männliche Sexualstraftäter unterscheiden sich

Studie der Universität Tübingen untersucht erstmals Sexualkriminalität von Frauen 
 
  • Weibliche und männliche Sexualstraftäter unterscheiden sich in ihrem Tatvorgehen und der Wahl ihrer Opfer. 
  • So stellte eine Studie über Sexualstraftäterinnen beispielsweise fest, dass diese häufig gemeinsam mit Männern Taten begehen, ohne dass es zu Körperkontakt zwischen Opfer und Täterin kommt. 

Die Juristin Dr. Ulrike Hunger hat in einer am Institut für Kriminologie (IFK) der Universität Tübingen entstandenen Untersuchung Strafakten von 104 Täterinnen analysiert, die aufgrund eines sexuellen Missbrauchs- oder Gewaltdeliktes verurteilt wurden. Sie verglich diese mit einer männlichen Gruppe von 98 sexuellen Missbrauchs- und Gewalttätern. Es ist die erste Studie, die sich in Deutschland mit der Gruppe der verurteilten Sexualstraftäterinnen auseinandersetzt. Die Arbeit ist im Duncker & Humblot Verlag erschienen.

Die Erkenntnisse können helfen, individuelle Therapiekonzepte zu entwickeln.

Bei sexuellen Missbrauchsdelikten werden Machtverhältnisse ausgenutzt, dazu zählt zum Beispiel der sexuelle Missbrauch von Kindern.

  • Dagegen wird bei sexuellen Gewaltdelikten Gewalt angewendet oder angedroht, um sexuelle Handlungen zu erzwingen. 
  • Darunter fallen die sexuelle Nötigung sowie die Vergewaltigung.

Ulrike Hunger fand in ihrer kriminologischen Studie „Verurteilte Sexualstraftäterinnen – eine Analyse sexueller Missbrauchs- und Gewaltdelikte“ deutliche Unterschiede, was die Sexualkriminalität von Männern und Frauen betrifft: So waren bei mehr als der Hälfte der Täterinnen, die wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden, an den Straftaten Mittäter beteiligt – 95 Prozent davon waren Männer.

Als Motive nannten die Frauen die sexuelle Befriedigung der Mittäter, ihre Liebesbeziehung zu diesen sowie das eigene Bedürfnis nach Nähe. 

Typischerweise kam es bei vielen Taten nicht zu Körperkontakt zwischen den Täterinnen und ihren Opfern.

Charakteristisch für die Frauen war zudem, dass sie gleichermaßen männliche und weibliche Opfer missbrauchten und ein großer Anteil der Geschädigten mit ihnen verwandt waren.

Die Männer der Vergleichsgruppe hingegen verübten die Missbrauchstaten fast alle alleine und hauptsächlich zur eigenen sexuellen Befriedigung.  

Als Opfer wählten sie größtenteils weibliche Betroffen aus, wobei sie kaum verwandte Opfer missbrauchten, fasst die Studienautorin zusammen.

Auch in der Gruppe der sexuellen Gewalttäterinnen waren typischerweise bei fast allen Taten weitere Personen beteiligt. Die Täterinnen hatten selbst oftmals keinen Körperkontakt zu ihrem Opfer, sondern forderten zu sexuellen Handlungen auf oder sahen dabei zu. Als Hauptbeweggründe nannten sie die Angst, vom Mittäter verlassen oder körperlich misshandelt zu werden. Über drei Viertel der Opfer waren weiblich. Sämtliche Opfer waren mit den Frauen bekannt oder verwandt ‒ bei sexuellen Gewalttaten von Männern hingegen kannten sich Täter und Opfer in etwa einem Drittel der Fälle vor der Tat nicht. Die Männer präferierten fast ausschließlich weibliche Opfer.

Die Juristin verglich unter anderem die demographischen Merkmale der Täterinnen, ihren familiären Hintergrund, Geschlecht und Alter der Opfer, die an der Tat Mitwirkenden, die Tathandlung und die Urteile.

Danach waren in der Gruppe der sexuellen Missbrauchsdelikte die Täterinnen durchschnittlich 33 Jahre alt.

Das Durchschnittsalter der Opfer lag bei nur zwölf Jahren.  

Die Männer hingegen waren durchschnittlich 37 Jahre alt. 

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern waren hohe Bildungsabschlüsse selten, etwa dreiviertel beider Tätergruppen lebten in Partnerschaften und hatten eigene Kinder.

  • In der Gruppe der sexuellen Gewaltdelikte waren die Täterinnen mit durchschnittlich 23 Jahren deutlich jünger, viele waren zur Tatzeit noch Jugendliche. 
  • Die Opfer waren durchschnittlich 22 Jahre alt. 
  • In der männlichen Vergleichsgruppe hingegen waren die Täter älter, ihr Durchschnittsalter lag bei 39 Jahren. 
  • Die Geschädigten waren durchschnittlich 25 Jahre alt.

Den empirischen Hintergrund bildete eine Aktenanalyse zu 104 Täterinnen, die von 2003 bis 2012 in Bayern und Baden-Württemberg wegen eines sexuellen Missbrauchs- oder Gewaltdeliktes verurteilt wurden. Die männliche Vergleichsgruppe setzte sich aus 98 sexuellen Missbrauchs- und Gewalttätern aus den gleichen Bundesländern und demselben Zeitraum zusammen.

Frauen, die Sexualstraftaten begehen, sind zwar in Statistiken immer noch ein seltenes Phänomen, geraten aber immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit.

Über den „Staufener Missbrauchsfall“ wurde viel berichtet:

Die Täterin wurde zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. „In dieser Studie liegt zum ersten Mal der Fokus auf der kleinen Gruppe der Sexualstraftäterinnen, die sich durch ganz eigene Täter-, Opfer- und Tatmerkmale auszeichnet“, sagt Hunger. „Die Erkenntnisse über die Täterinnen können für die Prävention hilfreich sein, indem auf dieses Thema aufmerksam gemacht wird. Außerdem lassen sich mit Hilfe der Ergebnisse individuelle Therapiekonzepte entwerfen“.

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Dr. Ulrike Hunger
Universität Tübingen
Juristische Fakultät
Telefon +49 7071 29-72931 (Sekretariat)
ulrike.hunger[at]gmx.de

Wilhelmstr. 5
72074 Tübingen
Deutschland
Baden-Württemberg 

Alisa Koch
Telefon: 07071 29-76724
E-Mail-Adresse: alisa.koch@verwaltung.uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
Ulrike Hunger: Verurteilte Sexualstraftäterinnen – eine empirische Analyse sexueller Missbrauchs- und Gewaltdelikte, Duncker & Humblot Berlin, 2019.

Die Umsetzung von Infektionsprophylaxe-Maßnahmen für Personen in Haft

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ansteckungsraten in Gefängnissen können reduziert werden!

HIV/AIDS und Hepatitiden eindämmen: Forschungsteilprojekt der Frankfurt UAS untersuchte Ansätze zur Schadensminimierung bei Gefangenen in Europa,

 
  • Infektionskrankheiten sind unter Gefangenen überrepräsentativ häufig verbreitet. 

Gefängnisse gelten als Katalysatoren für die Übertragung von HIV/AIDS und Hepatitis B/C. 

Oft geht dieses Problem mit der Drogenabhängigkeit der Gefangenen einher. Deshalb untersuchte Prof. Dr. Heino Stöver, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung (ISFF) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), mit seinem Team Ansätze der Schadensminimierung (Harm Reduction) in Gefängnissen. Das Forschungsteilprojekt „Harm reduction and continuity of care in prisons“ des ISFF war eines von acht Arbeitspaketen des Projekts „The Joint Action on HIV and Co-infection Prevention and Harm Reduction (HA-REACT)“ der Europäischen Union. „Die Projektergebnisse werden von vielen Justizministerien, Gefängnisbehörden und Nicht-Regierungsorganisationen für eine Reform der gesundheitlichen Versorgungsstrukturen von Gefangenen genutzt“, freut sich Projektleiter Stöver.

Stöver erklärt, warum Harm Reduction – allgemein und insbesondere in Gefängnissen – ein zentraler Ansatz ist, wie folgt: „Harm Reduction ist der pragmatischste Ansatz gerade im Bereich der Drogenabhängigkeit, weil dieses Verhalten nicht über Nacht verändert werden bzw. aufgegeben werden kann. Bis zur Aufgabe des Verhaltens braucht es Zeit und bis dahin muss der Mensch ohne weitere gesundheitliche Schäden überleben können.

Deshalb haben wir State-of-the-art-Methoden der HIV/AIDS- und Hepatitis B/C-Prävention auf die Gefängnissen übertragen und dort etabliert.“ Eine Situationsanalyse der einzelnen Länder der EU hat gezeigt, dass es erhebliche Unterschiede in der Versorgung gibt. Diese großen Unterschiede haben uns die Handlungsbedarfe aufgezeigt. Einzelne Präventionsprojekte wurden entwickelt und getestet, die wiederum auf andere EU-Länder übertragen werden können. So ist beispielweise die Kondomvergabe via Automaten in tschechischen Gefängnissen auf andere Anstalten übertragen worden. Zudem erfolgte eine Best-Practice-Sammlung auf einer eigenen Website (http://www.harmreduction.eu), die die einzelnen Strategien erläutert. Zu den Hintergründen für das Initiieren des Projekts erläutert Stöver: „Unser Projekt war Teil eines JOINT ACTION-Projekts der EU-Kommission. Solche Programme werden immer dann bei (Gesundheits-)Problemen aufgelegt, wenn kurzfristig und schnell Lösungen für ein Problem generiert werden sollen.“

Die Umsetzung von Infektionsprophylaxe-Maßnahmen für Personen in Haft umfasste neben der Kondomvergabe via Automaten beispielsweise die Weiterentwicklung der Opioid-Substitutionsbehandlung in polnischen Gefängnissen, die detaillierte Diskussion über die notwendige Einführung der Vergabe steriler Einwegspritzen in Europa inklusive der Entwicklung von Ideen wie mögliche Widerstände gegen diese Maßnahme überwunden werden können, die Entwicklung von E-Learning-Tools für schadensminimierende Ansätze, die Gefängnisangestellten als Lerntools dienen können, und schließlich die Entwicklung von lebensweltnahen und zielgruppenspezifischen Informationsmaterialien sowohl für die Gefangenen als auch für diejenigen, die mit den Gefangenen arbeiten. „Insgesamt hat sich in Begleitstudien gezeigt, dass die entwickelten Maßnahmen auf eine große Resonanz stoßen und die Materialien umfassend genutzt werden“, so Stöver.

Das Tool sowie die Infomaterialien stehen unter http://www.harmreduction.eu bereit.

Weitere Informationen zum Institut für Suchtforschung unter:

 http://www.frankfurt-university.de/isff; mehr zum Projekt HA-REACT auf 

http://www.hareact.eu/en

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Prävention von drogenbezogenen Todesfällen nach Haftentlassung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die ersten 48 Stunden in Freiheit entscheiden über Leben und Tod

Forschungsprojekt der Frankfurt UAS beschäftigte sich mit Drogenabhängigen nach der Haft 

Prof. Dr. Heinrich Stöver
Prof. Dr. Heinrich Stöver Frankfurt UAS
Zur Person Stöver:
Prof. Dr. Heino Stöver ist Dipl.-Sozialwissenschaftler und Professor am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS. Sein Tätigkeitsschwerpunkt ist die sozialwissenschaftliche Suchtforschung. Er ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung (ISFF) der Frankfurt UAS. Zurzeit ist er u.a. an BMBF-Verbundvorhaben und an mehreren EU-Verbundprojekten beteiligt.



  • Vor allem in der ersten Woche nach der Haftentlassung besteht für (ehemalige) Drogenabhängige ein besonders großes Risiko, an einer Überdosierung zu sterben. 
  • Am kritischsten sind die ersten 48 Stunden in Freiheit. 

Mit diesem Fakt sowie mit möglichen Präventivmaßnahmen beschäftigten sich Prof. Dr. Heino Stöver und sein Team vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS). Stövers Forschungsprojekt „My first 48hrs. out - Comprehensive approaches to pre and post prison release interventions for drug users in the criminal justice system” hatte das Ziel, Harm-Reduction-Konzepte (Ansätze zur Schadensminimierung) zur Prävention von drogenbezogenen Todesfällen nach Haftentlassung zu untersuchen, das Bewusstsein hierfür zu erhöhen, aufzuklären und für die Verschreibung von Opioid-Agonisten (z.B. Methadon und Buprenorphin) und -Antagonisten wie Naloxon zu sorgen.

„Das ist zu einem großen Teil gelungen: 

Die Ergebnisse wurden von Justizbehörden in Europa sehr wohlwollend aufgenommen – Beispiele für eine Umsetzung in einigen Haftanstalten lassen sich bereits aufzeigen“, zieht Stöver Bilanz. Das Projekt wurde von der Europäischen Union über eine Laufzeit von zwei Jahren mit 400.000 Euro gefördert.

  • Eingebunden in die Untersuchungen wurden sowohl Sozialarbeiter/-innen und Beratungsstellen, Gefängnisleitungen und -bedienstete, Justizministerien wie auch die Drogenabhängigen selbst. 

Da ein Großteil der drogenbezogenen Not- und Todesfälle nach Haftentlassung nicht nur in Notunterkünften, sondern auch im häuslichen Rahmen stattfindet, wurde auch das Drogennotfalltraining von Mitkonsumierenden, Freunden und Familienmitgliedern, das sie für den Fall einer Überdosis als Ersthelfer ausbildet, ausgearbeitet.

Entstanden sind hieraus empirische Untersuchungen über die Zeit ‚danach‘:

Wie gehen aus der Haft entlassene Drogenabhängige mit dem Rückfall und Mortalitätsrisiken um?

Drogenabhängige Haftentlassene verfügen durchaus über ein eigenes Repertoire an Regeln und Vorsichtsmaßnahmen.

Werden sie jedoch wieder rückfällig, sind sie oft extrem vulnerabel, weil sie den Reinheitsgehalt des Heroins auf der Straße nicht kennen und ihr Körper keine Toleranz gegenüber Opioiden aufweist. 

Welche Möglichkeiten der Unterstützung sehen Professionelle, um Risiken zu minimieren?

Wichtig ist es, Versorgungsunterbrüche zwischen zwei Systemen (Haft und Freiheit) durch die durchgängig gesicherte Opiatsubstitutionsbehandlung zu vermeiden, Naloxon-Vergabe bei Haftentlassung sicherzustellen und vor allem aber für gesicherten Wohnraum zu sorgen.

„Housing first“ sollte laut Stöver die Devise sein, denn in Notunterkünften sei das Rückfallrisiko nach der Haftentlassung enorm hoch.

Für Gefangene mit einer Drogenvorgeschichte, insbesondere bei Heroin-Konsum, ist die unmittelbare Zeit nach der Entlassung deshalb so kritisch, weil die Rückfallrate enorm hoch ist und die Opiat-Toleranz aufgrund der Inhaftierungszeit (mit ggf. nur sporadischem Konsum) gleichzeitig extrem niedrig ist, so dass Überdosierungen besonders häufig zum Tod führen. 

„Unsere Ergebnisse müssen aufgegriffen werden, um sicherzustellen, dass Menschen mit einer langjährigen Drogengeschichte ausreichend betreut werden, wenn sie aus dem Gefängnis entlassen werden.

Dies ist aktuell leider nicht der Fall. 

Oft werden sie ab dem Zeitpunkt der Entlassung im Stich gelassen.

Durch die Zusammenarbeit zwischen Gefängnissen, Gesundheitsdienstleistern (z.B. Drogenberatungs- und -behandlungseinrichtungen) und Nicht-Regierungsorganisationen müsste mehr Gewicht auf eine Kontinuität der Betreuung gelegt werden“, erklärt Stöver.

„Schadensreduzierungsmaßnahmen müssen so konzipiert werden, dass sie sowohl in den Gefängnissen funktionieren, als auch in Freiheit greifen und sich dieser Situation anpassen.“

Das Ziel des Projektes wurde erreicht: Es galt die Lücken in der Kontinuität der Betreuung von Langzeitdrogenkonsumenten im Gefängnis und nach der Entlassung zu schließen, indem Harm-Reduction-Maßnahmen und Unterstützungsmaßnahmen aufgezeigt und ihre Implementation beispielhaft vorgeführt wurde.

Hier ging es vor allem um eine durchgehende Behandlung chronischer Erkrankungen (Drogenabhängigkeit, AIDS-Medikation) und die psycho-soziale Unterstützung durch entsprechend vorbereitete Beratungsstellen.

Die Handlungsfelder des Projekts waren im Einzelnen:

1. Um mehr über das Risikoverhalten von Drogenkonsumierenden in und nach der Haft zu erfahren, wurden Konsumierende aus vier europäischen Ländern durch Befragungen in die Forschung eingebunden. Daraus resultierte eine detaillierte „Innenansicht“ der Übergangsprobleme und Rückfallrisiken von der Haft in die Freiheit. Wichtiges Ergebnis waren die individuellen Vorsorgestrategien der Entlassenen, die professionell weiter ausgebaut und unterstützt werden müssen. Dabei galt es die eigenen Regeln der Entlassenen zu eruieren und Schutzmechanismen gegen Rückfälligkeit zu identifizieren, z.B. bestimmte Bekannte und Quartiere zu meiden.

2. Es wurden Leitlinien für politische Entscheidungsträger und Praktiker aus dem Gefängnisgesundheitswesen zur Förderung von Präventionsangeboten erstellt, um die fachspezifische Ausbildung in diesem Bereich zu verbessern und den nötigen Kapazitätsaufbau darzulegen. Diese Leitlinien für professionelle Mitarbeiter/-innen und ein darauf aufbauendes Comic-Heft für Gefangene wurden bereits in mehrere Sprachen übersetzt und von vielen Mitarbeitenden und Betroffenen angenommen. Ebenso ein E-Learning-Kurs zur Problematik und den Anforderungen bei Haftentlassung für Menschen, die in der Straffälligenhilfe mit Gefangenen und Entlassenen arbeiten.

3. Entwicklung und Verteilung von zielgruppenspezifischen, lebensweltnahen Schulungsmaterialien (z.B. Trainingscurriculum) und Broschüren (z.B. über den Umgang mit dem lebensrettenden Naloxon), die zusammen mit Gefängnisbediensteten und Gefangenen erarbeitet wurden. Diese Materialien wurden bereits in mehrere Sprachen übersetzt.

4. Verbreitung von Wissen und bewährten Verfahren zur Kontinuität der Versorgung – einschließlich medizinischer Versorgung und medikamentöser Behandlung (z.B. Substitutionstherapie, Naloxon-Vergabe)

5. Schaffung einer breiten europäischen Öffentlichkeit für das Thema Haftentlassung Drogenabhängiger und Förderung einer aktiven Interaktion zwischen Stakeholdern aus verschiedenen Ländern über ein Web-Portal mit kostenlosem Zugang (http://www.harmreduction.eu). Mit der Website steht zudem eine umfangreiche Ressource an Material zu dem Thema zur Verfügung.


„Es ist uns wichtig, für alle Akteure, die zur Verhütung von drogenbedingten Todesfällen nach der Haftentlassung beitragen können – also vom Gefängnisbediensteten über den/die Sozialarbeiter/-in, die Gefängnisleitung, die Gefängnisärzte, bis hin zum Justizminister –, entsprechende Ansätze zu definieren, wie diese bestmöglich für die Problematik sensibilisiert werden können“, betont Stöver. Als Projektergebnis könnten gute Ansätze der Lösung von Übergangsproblemen Drogenabhängiger ehemaliger Gefangener und eine breite Sensibilisierung in europäischen Justizvollzugsanstalten verzeichnet werden. „Denn nur wenn letztlich alle an einem Strang ziehen und Hand in Hand arbeiten, können wir die Drogenabhängigen nach der Haft schützen“, betont Stöver.


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Herzinfarkt: Mitten in der Nacht? Am hellichten Tag?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ausmaß eines Herzinfarkts unabhängig von Tageszeit

Ob ein Herzinfarkt mitten in der Nacht oder am helllichten Tag auftritt, bestimmt nicht, wie schwer seine Folgen sind. Herausgefunden haben das Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Deutschen Herzzentrum München, Klinik an der Technischen Universität München (TUM). 

Die Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Inflammation von PD Dr. Hendrik Sager (4. v. l.)
Die Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Inflammation von PD Dr. Hendrik Sager (4. v. l.)
Deutsches Herzzentrum München
 
Die Brust schmerzt und Tonnen scheinen auf dem Brustkorb zu liegen – so kann es sich anfühlen, wenn ein Herzinfarkt das Leben bedroht. In diesem Notfall gilt es, sofort die Rettungskräfte zu alarmieren.  

Am häufigsten treten die gefährlichen Attacken zwischen sechs Uhr morgens und zwölf Uhr mittags auf.

Auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder plötzlicher Herztod scheinen einem Tagesrhythmus zu folgen, sie ereignen sich ebenso gehäuft morgens oder vormittags. 

Einige Studien deuten außerdem darauf hin, dass der Zeitpunkt, zu dem die Beschwerden beginnen beziehungsweise der Herzinfarkt einsetzen, beeinflusst, wie Herzerkrankungen verlaufen.

Privatdozent Dr. Hendrik Sager, Dr. Thorsten Kessler und ihre Kollegen sind diesem Aspekt genauer nachgegangen. In einer Studie mit rund 1.200 Patienten haben sie untersucht, ob die Uhrzeit, zu der sich der Herzinfarkt ereignet, auch bestimmt, welche Folgen er hat.  

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass es nicht von der Tageszeit abhängt, wie ein Herzinfarkt sich langfristig auswirkt.

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler den Tag in vier Zeitfenster unterteilt: 0 bis 6 Uhr, 6 bis 12 Uhr, 12 bis 18 Uhr und 18 bis 24 Uhr. In allen untersuchten Fällen lag ein sogenannter ST-Hebungsinfarkt (STEMI) vor und ein verschlossenes Blutgefäß im Herzen, nämlich ein Herzkranzgefäß, löste den Infarkt aus.

  • Dadurch wird das Herz schlechter durchblutet und Herzmuskelzellen sterben ab.

Blutfluss sichtbar machen

Bei einem Herzinfarkt eröffnen die Ärzte das verschlossene Blutgefäß mithilfe eines Katheters.

Noch vor diesem Eingriff bekamen alle Studienteilnehmer eine Substanz gespritzt.

Die Substanz reichert sich im Herzen überall da an, wo das Blut fließt.

Dadurch konnten die Mediziner bei der anschließenden Aufnahme des Herzens mit einer speziellen Kamera bestimmen, welche Bereiche des Herzens nicht durchblutet sind.

Sieben Tage nach dem Eingriff verabreichten sie die Substanz erneut, um zu beurteilen, welche Bereiche des vormals nicht durchbluteten Herzgewebes durch das Wiedereröffnen des verschlossen Herzkranzgefäßes gerettet werden konnten.

Außerdem ermittelten Sager und seine Kollegen auch, wie viele der Patienten nach fünf Jahren noch lebten.

Hiermit konnten sie Rückschlüsse ziehen, ob die Tageszeit, zu der ein Herzinfarkt auftritt, die langfristige Prognose verändert.

„Natürlich gibt es viele Faktoren, die bestimmen, wie schwer ein Herzinfarkt verläuft“, sagt DZHK-Wissenschaftler Sager.

„Etwa wie lange es dauert, bis das Gefäß wiedereröffnet wird oder welches der drei Herzkranzgefäße verschlossen ist. Diese Faktoren haben wir herausgerechnet.“

Bisherige Studien lieferten widersprüchliche Ergebnisse, ob sich die Tageszeit auf Infarktgröße und Überlebensrate auswirkt.

Den Grund hierfür sieht Sager in den zu kleinen Patientenkollektiven und zu kurzen Beobachtungszeiträumen dieser Untersuchungen.

Mit ihrer umfangreichen Analyse haben die Forscher nun erstmals eindeutig geklärt, dass die Tageszeit den Verlauf eines Herzinfarktes nicht beeinflusst und die Ärzte bei der Behandlung ihrer Patienten nicht berücksichtigen müssen, zu welcher Uhrzeit der Herzinfarkt auftrat.

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Dr. Thorsten Kessler, Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen
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Christine Vollgraf

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Originalpublikation:
Time-of-day at symptom onset was not associated with infarct size and long-term prognosis in patients with ST-segment elevation myocardial infarction. Sager HB, Husser O, Steffens S, Laugwitz KL, Schunkert H, Kastrati A, Ndrepepa G, Kessler T. J Transl Med. 2019 May 29;17(1):180. DOI: 10.1186/s12967-019-1934-z