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HoPe – Konzept der Hoffnung in der Pflege alter Menschen

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Pflegekräfte können die Hoffnung alter Menschen stärken

Eine Studie der Universität Trier zeigt, wie Pflegekräfte Menschen bis in die letzte Lebensphase hinein Kraft geben können. 

Ein Schulungskonzept soll folgen. 

Fotos wecken Erinnerungen, regen zum Dialog an und können Hoffnung stärken.
Fotos wecken Erinnerungen, regen zum Dialog an und können Hoffnung stärken.
Universität Trier 
  • Hoffnung erweist sich gerade bei älteren Menschen als eine wertvolle Ressource und Kraftquelle. 
  • In vorhergehenden Studien wurde ein positiver Zusammenhang zwischen der persönlichen Hoffnung und der empfundenen Lebensqualität nachgewiesen. 
 Prof. Dr. Margit Haas
 Prof. Dr. Margit Haas Universität Trier

Doch inwieweit lässt sich dieser Zusammenhang beeinflussen?

Dieser Frage ist ein Forschungsteam an der Universität Trier unter Leitung von Professorin Dr. Margit Haas nachgegangen. Ziel ihrer Studie „HoPe – Konzept der Hoffnung in der Pflege alter Menschen“ war es, die Ausprägung der Hoffnung bei alten Menschen zu untersuchen und Pflegekräfte zu befähigen, Hoffnungskonstrukte positiv zu beeinflussen.

In der Studie wurden 307 pflegebedürftige Menschen ab 65 Jahren in der Region Trier sowohl in der eigenen häuslichen Umgebung als auch in Einrichtungen der Langzeitpflege zu ihrem Hoffnungskonzept befragt. 

  • Die Trierer Forscher stellten grundlegend fest, dass Hoffnung unabhängig vom Alter und vom gesundheitlichen Status beziehungsweise Versorgungsbedarf ist und auch noch am Lebensende präsent bleibt. 
  • Elementare Quellen für Hoffnung sind für ältere Menschen positive Beziehungen zu Familienangehörigen und zu anderen Menschen, Spiritualität sowie positive und aufbauende Erinnerungen.

Die Bedeutung der positiven Beziehungen zu Menschen im nahen Umfeld eröffnet Pflegenden die Möglichkeit, den individuellen Hoffnungsprozess zu unterstützen. 

  • Hoffnung muss dabei aus der Sicht der betroffenen Menschen erfasst und eingeschätzt werden. 

Dazu sind Pflegende durch ihre oft enge und vertrauensvolle Beziehung zu alten Menschen und deren Angehörigen in der Lage.

Aufbauend auf der Erkenntnis, dass Hoffnung eine wertvolle Ressource in schwierigen Zeiten ist, die durch positive Beziehungen und Erinnerungen gefördert werden kann, entstand das studentische Projekt „Hoffnungsspaziergang“. Dabei begleiten Studierende des Dualen Studiengangs „Pflegewissenschaft Klinische Pflege“ ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen entlang einer von den Studierenden erstellten Fotogalerie.

  • Die von ihnen ausgewählten hoffnungsfroh stimmenden Bilder – von Urlaubsmotiven bis zum Ultraschallbild eines Embryos – erwecken bei den älteren Menschen Erinnerungen und regen zum Dialog an.

In einem Anschlussprojekt von Professorin Dr. Margit Haas sollen für Pflegende und Angehörige Schulungskonzepte für die Versorgung alter Menschen entwickelt und umgesetzt werden. 

Ein Netzwerk aus Betroffenen, Akteuren im Gesundheitswesen und ehrenamtlich Tätigen will dafür die notwendige Basis schaffen.

Das Projekt „HoPe – Konzept der Hoffnung in der Pflege alter Menschen“ wurde von der Nikolaus-Koch-Stiftung gefördert. Dem Forschungsteam gehörten an: Prof. Dr. Margit Haas (Projektleiterin), Dr. Iris Schneider (Projektkoordinatorin), Ines Kopp (wissenschaftliche Hilfskraft), Alina Schäfer und Marie Walter (studentische Hilfskräfte).

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Angehörigenpflege: Was pflegende Angehörige wirklich brauchen....

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Pflegende Angehörige: Hoch belastet und das Gefühl allein gelassen zu sein

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Geburtshilfe  

  • Pflegende Angehörige sind stark durch die Pflege belastet und stellen häufig ihre eigenen Bedürfnisse zurück. 
Medizin am Abend Berlin Zusathhinweis: Geburten 
 
Das sind die ersten Erkenntnisse der Studie. 

 Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko
 Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko Foto: Appelhans


Im Zeitraum zwischen November 2018 und März 2019 haben 1.429 pflegende Angehörige an der Erhebung mit dem Titel „Was pflegende Angehörige wirklich brauchen“ teilgenommen.

Es handelt sich um eine der größten Befragungen zu dieser Thematik im deutschen Sprachraum.

  • Zwei Drittel der Befragten berichten von einer hohen Gesamtbelastung durch die Angehörigenpflege. 

Etwa die Hälfte leidet darunter körperlich, mehr als 70% der Befragten sind stark bis sehr stark emotional belastet.

„Einige Menschen haben nicht nur den Fragebogen ausgefüllt, sondern uns auch angerufen und erzählt, wie allein gelassen sie sich mit ihren Sorgen und Anliegen fühlen“ berichtet die Studienleiterin Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko.

Pflegende Angehörige wünschen sich mehr Unterstützung zur Bewältigung der Pflegesituation im engeren Sinne, haben aber auch eigene Bedürfnisse.

So wünschen sie sich Informationen und Beratung auch zum Erhalt ihrer eigenen Gesundheit, zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, zur finanziellen Absicherung sowie zum Austausch mit anderen informell Pflegenden und zu Möglichkeiten einer Auszeit von der Pflege. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweis: Schweres leichter machen  

Erste Ergebnisse zeigen, dass Informations- und Beratungsangebote sowohl zur Pflegesituation wie auch zu eigenen Bedürfnissen nur teilweise bekannt sind.

„Besonders wenig bekannt und vermutlich deswegen auch kaum genutzt sind Informations- und Beratungsangebote zu den eigenen Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen“ ordnet Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko die Ergebnisse ein, „hier sehen wir Handlungsbedarf.“

In einem nächsten Analyseschritt werden die Forscherinnen unterschiedliche Gruppen (Segmente) pflegender Angehöriger mittels Clusteranalyse identifizieren und beschreiben. Auf dieser Basis können Ansätze für die bedarfsgerechte Unterstützung der einzelnen Zielgruppen entwickelt und Handlungsempfehlungen insbesondere für Kreise und Kommunen erarbeitet werden.

Die Ergebnisse werden am 13. Dezember 2019 auf einer Tagung an der Universität Witten/Herdecke präsentiert.

Das Projekt „Zielgruppenspezifische Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige“ (ZipA) wird vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und den Pflegekassen gefördert. Befragt wurden volljährige Personen, die einen Familienangehörigen, Freund oder Nachbarn regelmäßig pflegen oder betreuen.

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.600 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

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Geplanten Hüft- oder Kniegelenksersatz?

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: TU Berlin: Patienten-Nachsorge auf dem Prüfstand

Betreuungslücken nach stationärer Behandlung schließen 
 
Während man im Krankenhaus nahezu stündlich nach seinem Befinden gefragt und regelmäßig der Blutdruck gemessen wird, sind Patienten, sobald sie entlassen werden, auf sich allein gestellt.

„Wie stark sind Ihre Schmerzen?“ oder „Fühlen Sie sich ängstlich oder deprimiert?“ sind alltägliche Fragen im Rahmen der Visite während eines stationären Aufenthaltes.

„Nach der Entlassung findet aber keine standardisierte Beurteilung der Behandlungsqualität und des Heilungsverlaufs mehr statt“, erklärt Dr. Christoph Pross, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet von Prof. Dr. Reinhard Busse, Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin.

  • „Die Lücke in der Qualitätskontrolle zwischen dem stationären Bereich und dem ambulanten ist riesig. 
  • Messungen der stationären Behandlungsqualität allein zeigen eine besorgniserregende Spannbreite im Ergebnis von Eingriffen – mit erheblichen Folgen für die Patienten und negativen ökonomischen Auswirkungen für das deutsche Gesundheitssystem.“

Mit dem im April gestarteten Kooperationsprojekt PROMoting Quality soll jetzt untersucht werden, wie die stationäre Akut- und ambulante Nachbehandlung stärker an den qualitativen Ergebnissen für den Patienten ausgerichtet werden kann. 

Finanziert wird das vierjährige, mit 3,5 Millionen Euro geförderte Projekt vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss.  

Unter Federführung der TU Berlin beteiligen sich neun Klinken mit einem Schwerpunkt in der Endoprothetik aus ganz Deutschland, die Krankenkassen BARMER und der BKK-Dachverband, das Digital Health Unternehmen Heartbeat Medical und das aQua Institut an dem Forschungsprojekt.

  • „Die teilnehmenden Kliniken zeigen ein großes Interesse daran, ihre Behandlungen noch mehr an den Bedürfnissen der Patienten auszurichten und stärker erfolgsorientiert zu arbeiten. 

Damit nehmen sie eine führende Rolle in der Diskussion um die Qualität deutscher Kliniken ein“, so Christoph Pross, Co-Leiter des Projektes am Fachgebiet Management im Gesundheitswesen.

Ab Oktober 2019 werden zwei Jahre lang rund 10 000 Patient*innen deutschlandweit an einem online-Verfahren zur Messung der Behandlungsqualität nach einem stationären Aufenthalt teilnehmen.

„Wir teilen die Patientinnen und Patienten, die einen geplanten Hüft- oder Kniegelenksersatz bekommen haben, randomisiert in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe.

Die Kontrollgruppe wird während der stationären Behandlung und ein Jahr nach der Behandlung einen detaillierten Fragebogen mit Hilfe einer App ausfüllen. Die Interventionsgruppe wird den identischen Fragebogen ebenfalls während der stationären Behandlung und dann im Abstand von einem, drei, sechs und zwölf Monaten ausfüllen“, erklärt Laura Oschmann, Projektmanagerin des Vorhabens und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Management im Gesundheitswesen.

Die Fragebögen folgen dabei standardisierten Messparametern.

Ermittelt wird unter anderem der Grad der Schmerzen, die Beweglichkeit, der psychische Zustand, Vorerkrankungen, Betreuungsmöglichkeiten, klinische Ergebnisse und vieles mehr. Aber auch statistisch relevante Daten wie zum Beispiel, welche Behandlungsmethoden eingesetzt wurden, wie lange der Klinikaufenthalt gedauert hat, wie viele Schmerzmittel verabreicht wurden oder ab wann Patient*innen wieder aufstehen konnten. Die Ergebnisse werden digital an speziell geschulte Mitarbeiter*innen der Kliniken übermittelt. „Unser Ziel ist es, die Software so zu programmieren, dass die Klinikmitarbeiter*innen bei bestimmten kritischen Gesundheitszuständen automatisch eine Warnung erhalten. So wollen wir dafür sorgen, dass die Patientinnen oder Patienten bei Problemen rechtzeitig aufgefordert werden, ihren niedergelassenen Facharzt aufzusuchen“, konkretisiert PD Dr. Alexander Geissler, Co-Leiter des Projektes und Leiter des Bereichs stationäre Versorgung am Fachgebiet Management im Gesundheitswesen.

Mit Hilfe der App soll nicht nur die Betreuungslücke zwischen stationärer und ambulanter Behandlung geschlossen und so der Behandlungserfolg durch das rechtzeitige Einleiten von unterstützenden Maßnahmen gesteigert werden.

Parallel erwarten die Wissenschaftler, dass sich diese digitale Betreuung auch positiv auf die Kosten auswirkt, da mögliche Nachbehandlungen rechtzeitig eingeleitet werden können.


„Darüber hinaus ermöglichen uns die so gewonnenen Daten viele neue Erkenntnisse über den Erfolg, die Qualität und die Patientenorientierung der verwendeten Behandlungsmethoden“, so Reinhard Busse, der seit Jahren die Umgestaltung der deutschen Versorgungslandschaft hin zu einer stärker konzentrierten, leistungsorientierten Versorgung fordert. „Wir sehen das Projekt als einen Vorreiter für eine qualitativ hochwertige stationäre Versorgung, die sich primär an tatsächlichen Ergebnissen für die Patienten orientiert.“

Beteiligte Projekt-Partner:


Kliniken:
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover im Diakovere Annastift
Helios ENDO-Klinik Hamburg
VAMED Ostseeklinik Damp
RoMed Klinik Prien am Chiemsee
Sana Kliniken Sommerfeld
Schön Klinik Hamburg Eilbek
Schön Klinik Neustadt

Krankenkassen:
BARMER
BKK Dachverband

Software/IT-Partner:
Heartbeat Medical

Evaluation:
aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen

Link zur Projektseite:

https://www.mig.tu-berlin.de/menue/research/aktuelle_projekte/promoting_quality/

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Fr. Laura Oschmann
Projektmanagement PROMoting Quality
TU Berlin
Fachgebiet Management im Gesundheitswesen
Tel.: 030/314-26933
E-Mail: oschmann@tu-berlin.de

Stefanie Terp Technische Universität Berlin
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
Deutschland
Berlin


Stefanie Terp
Telefon: 030 / 314 - 23922
Fax: 030 / 314 - 23909
E-Mail-Adresse: steffi.terp@tu-berlin.de

Erweiterte Kriterien Spenderorgane: Sauerstoffpersufflation

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Organtransplantate verbessern: Mit Sauerstoff und langsamer Erwärmung

Wie können auch nicht-optimale Lebertransplantate aufbereitet werden und Menschen ein neues Leben schenken? 

Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) und des Universitätsklinikums Essen haben sich die Faktoren und Prozesse angesehen, die Einfluss auf die Qualität der Transplantate und das langfristige Überleben ihrer Empfänger haben. 

Ihre Erkenntnisse haben sie in zwei aktuellen Publikationen veröffentlicht. 
 
Gespendete Organe werden zunächst gekühlt, in der Regel auf 4° Celsius. 

  • Hier kommt der Stoffwechsel weitgehend zum Erliegen. 

Bei der Implantation wird durch den Wiederanschluss an die Blutversorgung abrupt Wärme zugeführt. „Das hat Organschäden zur Folge, insbesondere wenn das Transplantat bereits vorgeschädigt ist, zum Beispiel durch eine lange kalte Lagerung,“ so Prof. Dr. Thomas Minor. Er leitet die Abteilung chirurgische Forschung in der Klinik für Transplantation am Universitätsklinikum Essen.

Immer häufiger stammen die dringend benötigten Spenderorgane von älteren Menschen: 

  • Sie haben Vorerkrankungen, und ihre Leber weist altersbedingt Schädigungen auf. 

Für solche sogenannten „erweiterte Kriterien Spenderorgane“ eignet sich ein Verfahren, bei dem das Transplantat vor der Operation an eine Maschine angeschlossen wird und mit nährstoffhaltiger Lösung und Sauerstoff durchspült wird. 

So kann der Wiedererwärmungsschaden abgemildert werden.

  • Das Team von Prof. Minor konnte zudem zeigen, dass es sich empfiehlt, zu transplantierende Organe in der Maschine langsam und in mit Sauerstoff angereicherter Lösung zu erwärmen. 
  • „Je schonender der Stoffwechsel wiederhergestellt wird, umso besser erfüllt das Transplantat später seine Funktion“, so Minor.

In einer zweiten Studie zeigten die Wissenschaftler eine weitere Methode zur Verbesserung der nicht-optimalen Spenderlebern.
  • „Wird das Organ für mehr als zwei Stunden vor der Implantation mit reinem Sauerstoff durchgast, werden die Energiespeicher der Leber wieder aufgefüllt und die Zellen können ihre Arbeit schneller wieder aufnehmen“, so der Professor. 

„Die positiven Effekte dieser Sauerstoffpersufflation zeigten sich nicht nur im Stoffwechsel der zu transplantierenden Leber.

Auch die Patienten können deutlich länger damit leben.“

Link zu den Originalpublikationen:


Oxygen Persufflation in Liver Transplantation Results of a Randomized Controlled Trial: https://www.mdpi.com/2306-5354/6/2/35

Rewarming Injury after Cold Preservation: https://www.mdpi.com/1422-0067/20/9/2059

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Prof. Dr. Thomas Minor
Chirurgische Forschung in der Klinik für Transplantation
Tel. 0201/723-2007
thomas.minor@uk-essen.de

Milena Hänisch
Medizinische Fakultät
Tel. 0201/723-6274
milena.haenisch@uk-essen.de
Originalpublikation:
https://www.mdpi.com/2306-5354/6/2/35
  https://www.mdpi.com/1422-0067/20/9/2059

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 

Cathrin Becker
Telefon: 0203/379-1488
Fax: (0203) 379-2428
E-Mail-Adresse: cathrin.becker@uni-due.de



Lungenkrebssterblichkeit: MSCT-Niedrigdosis-Mehrschicht-Computertomographie-Untersuchung ansetzen

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Lungenkrebs-Screening: Frauen profitieren erheblich

Ist die Computertomographie geeignet, Lungenkrebs in einem sehr frühen und damit noch gut behandelbaren Stadium zu erkennen? 

Das haben Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum mit der 2007 gestarteten LUSI-Studie untersucht. 

Nun liegen die Ergebnisse der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von der Dietmar Hopp Stiftung finanzierten Studie vor: 

Bei beiden Geschlechtern zusammengenommen reduzierte das Screening die Lungenkrebssterblichkeit leicht, aber nicht signifikant. 

Bei den Frauen dagegen beobachteten die Forscher eine signifikante Reduktion des relativen Risikos um 69 Prozent. 
 
Die Ergebnisse bestätigen vergleichbare europäische Studien, die zusammengenommen starke Argumente für die Einführung eines systematischen Lungenkrebs-Screenings für Hochrisikogruppen liefern.

Hinter der Abkürzung LUSI verbirgt sich die German Lung Cancer Screening Intervention-Studie.

Etwa 4000 Menschen aus Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen, dem Rhein-Neckar- sowie dem Neckar-Odenwald-Kreis, die eine jahrzehntelange Raucherkarriere hinter sich hatten, nahmen seit 2007 an der Studie teil. Die Hälfte der 50 bis 69 Jahre alten Teilnehmer unterzog sich über vier Jahre jährlich einer Niedrigdosis-Mehrschicht-Computertomographie (MSCT), die trotz geringer Strahlendosis aussagekräftige Bilder liefert.

LUSI wurde vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Heidelberg geleitet. Mit der Studie wollten die Forscher prüfen, ob die MSCT geeignet ist, bei Menschen mit hohem Risiko Lungenkrebs, der noch keine Symptome bereitet, früh und damit in einem möglicherweise noch heilbaren Stadium zu entdecken.

Während der Beobachtungszeit von im Mittel 8,8 Jahren wurden in der Screening-Gruppe 85 Lungenkarzinome entdeckt, 67 waren es in der Kontrollgruppe. Am Lungenkrebs verstarben 29 der Screening-Teilnehmer sowie 40 Patienten aus der Kontrollgruppe. Damit war das lungenkrebsspezifische Sterberisiko mit Screening zwar um 26 Prozent niedriger, doch der Unterschied nicht statistisch signifikant.

  • Berechneten die Forscher allerdings separat die Lungenkrebssterblichkeit der weiblichen LUSI-Teilnehmerinnen, so ergab sich eine signifikante Risikoreduktion von 69 Prozent in der Screening-Gruppe.

Parallel zu LUSI liefen in Italien, Dänemark, Belgien und den Niederlanden fünf weitere, teilweise kleinere Studien zur Lungenkrebs-Früherkennung per CT. Auch hier zeigte sich tendenziell, dass Frauen stärker von Screening profitieren, doch wurde auch bei Männern eine signifikante Risikoreduktion beobachtet.

„Wir müssen die LUSI-Ergebnisse im Kontext der anderen europäischen Untersuchungen betrachten. Jede dieser eher kleinen Studien ist für sich allein nicht sehr aussagekräftig. Doch zusammengenommen ist die Evidenz jetzt eindeutig zugunsten der Einführung eines systematischen Lungenkrebs-Screenings für Hochrisikogruppen in Europa“, erläutert DKFZ-Epidemiologe Rudolf Kaaks, der die Auswertung von LUSI leitete.

  • Lungenkrebs ist die führende Krebstodesursache, da die Diagnose meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt wird. 
  • Dadurch sterben 85 bis 90 Prozent der Patienten im Laufe von fünf Jahren nach der Diagnose. 
  • Wird die Erkrankung dagegen frühzeitig entdeckt, können bis zu 70 Prozent der Betroffenen mindestens fünf Jahre überleben.

Doch wie erklären sich die Forscher die europaweit beobachteten Differenzen zwischen den Geschlechtern bei der Reduktion der Lungenkrebssterblichkeit?

Lungenkrebs ist eine vielgestaltige Erkrankung;

die Tumoren nehmen in verschiedenen Zelltypen des Lungengewebes ihren Ursprung. 

Die weiblichen LUSI-Teilnehmerinnen erkrankten deutlich häufiger an einem Adenokarzinom der Lunge als die männlichen Probanden.

„Es ist möglich, dass sich diese Krebsart besonders effizient im früheren Stadium nachweisen lässt, einfach, weil sie häufig im peripheren Lungengewebe auftritt, wo sie in einer CT-Untersuchung leicht nachweisbar ist.

Andere Arten von Lungenkrebs entstehen häufig zentral an den Bronchien, wo sie auch mit der CT erst auffallen, wenn sie größer sind“, erklärt Stefan Delorme, der leitende Radiologe der Studie.

Nikolaus Becker, Erna Motsch, Anke Trotter, Claus P. Heussel, Hendrik Dienemann, Philipp A. Schnabel, Hans-Ulrich Kauczor, Sandra G. Maldonado, Anthony B. Miller, Rudolf Kaaks, and Stefan Delorme: Lung cancer mortality reduction by LDCT screening—Results from the randomized German LUSI trial.
International Journal of Cancer 2019, DOI: 10.1002/ijc.32486

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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Dr. Sibylle Kohlstädt
Deutsches Krebsforschungszentrum
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69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
E-Mail: presse@dkfz.de
www.dkfz.de

Originalpublikation:
Nikolaus Becker, Erna Motsch, Anke Trotter, Claus P. Heussel, Hendrik Dienemann, Philipp A. Schnabel, Hans-Ulrich Kauczor, Sandra G. Maldonado, Anthony B. Miller, Rudolf Kaaks, and Stefan Delorme: Lung cancer mortality reduction by LDCT screening—Results from the randomized German LUSI trial.
International Journal of Cancer 2019, DOI: 10.1002/ijc.32486

 

Durchblutungsstörung des Herzmuskels (kardiovaskuläre MRT-Befund)

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Schonender Blick ins Herz

Die nicht-invasive Messung der Herzdurchblutung mit Magnetresonanztomographie (MRT) ist dem Herzkatheter ebenbürtig. 

Das zeigt eine internationale Studie unter Federführung der Goethe-Universität, die in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine erschienen ist. 


Durchblutungsmessung des Herzmuskels mit Magnetresonanztomographie (oben). 
Der dunkle Bereich im Herzmuskel (Pfeile) zeigt eine ausgeprägte Durchblutungsstörung an. Die Herzkatheteruntersuchung des gleichen Patienten (unten) zeigt eine deutliche Engstelle in einer Arterie. Copyright: Eike Nagel, Goethe Universität

 

  • Bei Patienten mit Brustschmerzen und vermuteter stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK) hängt die Therapie in erster Linie davon ab, wie stark die herzversorgenden Gefäße (Koronararterien) verengt sind. 
  • Dies wird oft durch das Einführen eines Herzkatheters untersucht. 
  • Im Zweifel wird zusätzlich der Druck in den Koronararterien gemessen. 

Die Kombination beider Methoden ist der derzeit anerkannte Standard für Therapieentscheidungen.
Eine vielversprechende Alternative, die Durchblutung des Herzmuskels nichtinvasiv und direkt zu erfassen, ist die kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie (MRT).

  • Im Gegensatz zur Computertomograpie (CT) kommt das MRT ohne ionisierende Strahlung aus und liefert obendrein präzisere Messungen des Blutdurchflusses als herkömmliche Techniken. 

Das konnte das Team um Prof. Eike Nagel, Direktor des Instituts für Experimentelle und Translationale Kardiovaskuläre Bildgebung an der Goethe-Universität, jetzt zeigen. Im Rahmen der MR-INFORM-Studie untersuchte es an 918 Patienten mit einer Indikation zur Herzkatheteruntersuchung, ob die Untersuchung mit dem MRT zu gleichen Ergebnissen führt wie die derzeitige invasive Technik.

Hierfür wurden die Patienten zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe erhielt die Standarddiagnostik mit Herzkatheter mit einer zusätzlichen Druckmessung in den Koronararterien, während die andere Gruppe nichtinvasiv mit MRT untersucht wurde. Wenn im MRT eine beeinträchtigte Durchblutung des Herzens nachgewiesen wurde, planten die Forscher mit Hilfe einer Katheter-Untersuchung das weitere Vorgehen.

In jedem Studienarm wurden verengte Herzkranzgefäße erweitert, wenn dies aufgrund der Untersuchung angezeigt war.

Innerhalb des folgenden Jahres dokumentierten die Ärzte, wie viele Patienten starben, einen Herzinfarkt erlitten oder eine erneute Gefäßerweiterung benötigten. Außerdem erfassten sie, ob die Herzbeschwerden weiterhin bestanden.

Das Ergebnis: in der Gruppe der mit MRT untersuchten Patienten benötigten weniger als die Hälfte einen diagnostischen Herzkatheter und weniger Patienten bekamen eine Gefäßerweiterung (36% vs 45%). 

Das bedeutet: durch eine vorgeschaltete MRT-Untersuchung lassen sich Herzkatheter-Untersuchungen sowohl zu diagnostischen als auch zu therapeutischen Zwecken einsparen. 

  • Beide Gruppen unterschieden sich jedoch nicht bezüglich weiterbestehender Beschwerden oder des Auftretens erneuter Beschwerden, Komplikationen oder Todesfällen.

„Damit können Patienten mit stabilen Brustschmerzen, die bisher einen Herzkatheter bekommen, alternativ mit einer Durchblutungsmessung mit MRT untersucht werden“, folgert Prof. Eike Nagel. 

„Die Ergebnisse für den Patienten sind genauso gut, die Untersuchung mit MRT hat jedoch viele Vorteile:

Sie dauert weniger als eine Stunde, Patienten erhalten lediglich eine kleine Kanüle in den Arm und werden keiner Strahlung ausgesetzt.“

  • Die Hoffnung des Mediziners ist, dass die schonende Untersuchung nun als Methode erster Wahl eingesetzt wird und so Herzkatheteruntersuchungen eingespart werden können.
  • Im Gegensatz zu Großbritannien, wo eine MRT-Untersuchung des Herzens von der nationalen Krankenkasse (NHS) bezahlt wird, ist dies in Deutschland nach wie vor oft schwierig und muss meist einzeln verhandelt werden. 

Auch hier hofft Nagel, dass die Studie zur Anerkennung der schonenden Diagnostik einen Beitrag leisten und die Versorgung verbessern kann.

Die finanzielle Unterstützung erfolgt unter anderem durch das britische National Institute of Health Research (NIHR) über das biomedizinische Forschungszentrum (BRC) am Guy’s & St. Thomas’ Krankenhaus, durch das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und durch das Unternehmen Bayer AG Deutschland.

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Prof. Dr. Eike Nagel
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Originalpublikation:
Eike Nagel, et al.: Magnetic Resonance Perfusion or Fractional Flow Reserve in Coronary Disease, in: N Engl J Med 2019;380:2418-28.
DOI: 10.1056/NEJMoa1716734