Medizin am Abend Berlin Fazit: Nach „Mini-Schlaganfall“: Experten empfehlen duale Plättchenhemmung
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche
Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) schließen sich einer vor kurzem im BMJ
publizierten Praxisempfehlung an, nach einem „Mini-Schlaganfall“
(transitorische ischämische Attacke, kurz TIA) oder einem leichten
ischämischen Schlaganfall für eine begrenzte Zeit eine
Kombinationstherapie mit den zwei Blutplättchenhemmern Aspirin und
Clopidrogrel durchzuführen.
Derzeitige Praxis ist es, die Patienten nur
mit einem Thrombozytenaggregationshemmer zu behandeln, um das Risiko
eines zweiten Schlaganfalls zu senken.
Doch doppelt hält besser, so die
Experten. Schließlich kann so die Rate an Schlaganfallrezidiven deutlich
reduziert werden.
-
Etwa neun von zehn Schlaganfällen sind ischämischer Natur, das heißt
es kommt durch den Verschluss oder die Verengung eines hirnversorgenden
Blutgefäßes aufgrund eines Blutgerinnsels zur Minderversorgung eines
Hirnareals mit Sauer- und Nährstoffen.
- Infolgedessen kann es zu
neurologischen Ausfällen wie etwa Sprachstörungen, Schwindel oder
Lähmungserscheinungen kommen.
Ischämische Schlaganfälle werden auch als
Hirninfarkt bezeichnet.
Wenn diese auftreten ist es entscheidend, die
Blutgerinnsel mit Medikamenten möglichst schnell aufzulösen und eine
weitere Verklumpung von Blutplättchen zu verhindern.
- Unter einer solchen
Behandlung können sich die neurologischen Ausfälle bei leichten
Schlaganfällen zurückbilden, bei einer transitorischen ischämischen
Attacke sogar innerhalb von 24 Stunden.
„Diese Ereignisse sind in der
Regel gut behandelbar.
Doch das Risiko für einen zweiten schweren
Schlaganfall ist bei den Betroffenen als hoch einzustufen“, erklärt
Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener aus Essen, Pressesprecher der
DGN. „Die Vorbeugung ist daher gerade bei diesen Patienten, die
vermeintlich gut weggekommen sind, von besonders großer Bedeutung.“
Ende Dezember 2018 ist im renommierten Fachjournal BMJ eine
Praxisempfehlung [1] für eine
duale Plättchenhemmung mit den
gerinnungshemmenden Medikamenten Aspirin und Clopidrogrel publiziert
worden.
„Diese Kombinationstherapie sollte mindestens 24 Stunden nach
dem Einsetzen der ersten Schlaganfallsymptome erfolgen und über zehn bis
21 Tage andauern“, sagt Professor Dr. med. Armin Grau, 1. Vorsitzender
der DSG und Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen.
Randomisierte Studie zeigt:
Duale Plättchenhemmung schützt besser vor erneuten Schlaganfällen
Die Autoren berufen sich dabei auf eine im August im New England Journal
of Medicine (NEJM) publizierte, randomisiert-kontrollierte Studie [2].
Sie zeigte, dass die Kombination von Aspirin und Clopidrogrel der
derzeit üblichen Aspirin-Monotherapie im Hinblick auf die
Rezidivprophylaxe, also dem Vermeiden eines Folge-Schlaganfalls,
überlegen ist.
Die Studie wurde sogar vorzeitig beendet, nachdem 84
Prozent der ursprünglich vorgesehenen Patienten eingeschlossen worden
waren.
Es zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt bereits ein klarer Vorteil
für die Kombinationstherapie ab.
So erlitten in der Studiengruppe, die
Aspirin und Clopidrogrel erhalten hatte, nur 121 von 2.432 Patienten ein
größeres ischämisches Folgeereignis.
In der Gruppe, die nur Aspirin und
ein Scheinmedikament eingenommen hatte, jedoch 160 von 2.449 Patienten.
- Die Autoren führen das auf eine synergistische Wirkung beider
Substanzen zurück, da Aspirin und Clopidrogrel die
Thrombozytenaggregation auf unterschiedliche, sich ergänzende Weisen
behindern.
„Die unterschiedlichen Wirkmechanismen scheinen sich zu addieren“, sagt
Professor Diener.
Mit 25 Prozent sei die Risikoreduktion unter der
Kombinationstherapie signifikant gewesen.
„Im Klartext heißt das, dass
durch die kombinierte Einnahme von Aspirin und Clopidrogrel deutlich
mehr Folge-Schlaganfälle verhindern werden können, und zwar bei
vertretbaren Risiken wie einem leicht erhöhten Blutungsrisiko“, so
Professor Grau.
Die Empfehlung wird auch in Kürze Eingang in der
Leitlinie Sekundärprävention des Schlaganfalls der DGN finden.
„Zwischenzeitlich schließen wir uns der BMJ-Praxisempfehlung an“, betont
Professor Diener.
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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen
Verantwortung, mit ihren über 9500 Mitgliedern die neurologische
Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN
Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der
Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion.
Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der
Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org
Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. med. Christian Gerloff
Past-Präsident: Prof. Dr. Gereon R. Fink
Generalsekretär: Prof. Dr. Peter Berlit
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) wurde im Dezember 2001
gegründet. Ziel der Gesellschaft ist es, die Forschung und Weiterbildung
im Bereich des Schlaganfalls zu koordinieren, zu qualifizieren und zu
fördern. Gewünscht ist auch eine politische Einflussnahme, um der
Erkrankung „Schlaganfall" eine angemessene Bedeutung zu geben.
Mit ihren Aktivitäten spricht die DSG alle Ärzte und Leistungserbringer
im Gesundheitswesen an, die in die Versorgung von Schlaganfall-Patienten
eingebunden sind.
Originalpublikation:
[1] Prasad K, Siemieniuk R, Hao Q
et al. Dual antiplatelet therapy with aspirin and clopidogrel for acute
high risk transient ischaemic attack and minor ischaemic stroke: a
clinical practice guideline. BMJ. 2018 Dec 18; 363: k5130. Link zur
OriginalpublikatiSon:
https://www.bmj.com/content/bmj/363/bmj.k5130.full.pdf
[2] Johnston SC, Easton JD, Farrant M et al. Clopidogrel and Aspirin in
Acute Ischemic Stroke and High-Risk TIA. N Engl J Med. 2018 Jul
19;379(3):215-225. Link zur Originalpublikation:
https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa1800410
Birkenstraße 67
10559 Berlin
Deutschland
Berlin
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