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Gehirn, Sehnerv oder Rückenmark

Medizin am Abend Berlin Fazit: Ein Muskelprotein fördert die Heilung von Nerven

  • Geschädigte Nervenfasern des Zentralen Nervensystems (ZNS) im Gehirn, Sehnerv oder Rückenmark sind normalerweise nicht regenerationsfähig. 
  • Grund dafür ist u. a., dass Nervenfasern die Proteine, die für ihr Nachwachsen notwendig sind, nicht oder nur unzureichend bilden. 

Das Team des Lehrstuhls für Zellphysiologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) unter Leitung von Prof. Dr. Dietmar Fischer konnte zeigen, dass unter bestimmten Bedingungen in verletzten Nervenzellen des ZNS ein Protein gebildet wird, das bisher nur in Muskelzellen beschrieben wurde. 

Das Muscle-LIM-Protein trug in Versuchen zur Regeneration der verletzten Nerven bei. 

Das Team berichtete in „Cell Reports“ vom 22. Januar 2019. 

Das erfolgreiche Bochumer Forscherteam: Prof. Dr. Dietmar Fischer, Dr. Philipp Gobrecht, Dr. Marco Leibinger und Alexander Hilla (von links)
Das erfolgreiche Bochumer Forscherteam: Prof. Dr. Dietmar Fischer, Dr. Philipp Gobrecht, Dr. Marco Leibinger und Alexander Hilla (von links) Foto: RUB, Marquard
 
  • Verletzungen oder Erkrankungen der Nerven im Zentralnervensystem führen zu dauerhaften Behinderungen, zum Beispiel Querschnittslähmung nach Rückenmarksverletzungen oder Blindheit nach Schädigungen des Sehnervs. 

„Klinisch anwendbare Therapien zur Nervenregeneration stehen bisher noch nicht zur Verfügung“, stellt Dietmar Fischer fest.

Das liegt daran, dass die Nervenfasern – die Axone – die Proteine, die für ihre Regeneration nötig wären, nicht oder nur unzureichend herstellen.

 „Wenn wir solche Proteine identifizieren und über Gentherapie ihre Herstellung einleiten könnten, hätten wir neue anwendbare Ansätze zur Nervenregeneration“, so Fischer.

Einen Schritt in diese Richtung hat sein Team mit der Entdeckung getan, dass das Muscle-LIM-Protein (MLP), das eine wichtige Rolle zum Beispiel im Herzen spielt, unter bestimmten Bedingungen auch in Nervenzellen des Zentralnervensystems produziert wird.

MLP stabilisiert Strukturen in Wachstumskegeln

Die Forscher konnten nachweisen, dass MLP dann besonders stark in Neuronen gebildet wird, wenn diese künstlich zum Wachstum von Nervenfasern angeregt wurden.

Das Protein sammelte sich dabei in den Spitzen der nachwachsenden Fasern an und stabilisierte dort Strukturen in den sogenannten Wachstumskegeln, die für die Regeneration besonders wichtig sind.

Blockierten die Wissenschaftler die Funktion des Proteins oder unterdrückten sie dessen Bildung, reduzierte sich die Fähigkeit der Nervenzellen zum Wachstum von Axonen erheblich.

Wenn die Forscher künstlich mittels Gentherapie dafür sorgten, dass die geschädigten Nervenzellen MLP produzierten, zeigten deren Axone eine deutlich gesteigerte Regenerationsfähigkeit. 

Das führte dazu, dass Axone bei Tieren erheblich stärker in den verletzten Sehnerv wachsen konnten als ohne die Behandlung.

Weitere Studien werden folgen

„Ob ähnliche Ansätze auch in anderen Bereichen des verletzten Gehirns oder Rückenmarks oder nach Schlaganfällen die Regeneration fördern, werden wir zukünftig am Lehrstuhl für Zellphysiologie weiter untersuchen“, so Fischer.

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Prof. Dr. Dietmar Fischer
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Tel.: 0234 32 29602
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Originalpublikation:
Evgeny Levin, Marco Leibinger, Philipp Gobrecht, Alexander Hilla, Anastasia Andreadaki, Dietmar Fischer: Muscle LIM Protein is expressed in the injured adult CNS and promotes Axon Regeneration, in: Cell Reports, 2019, DOI: S2211-1247(18)31956-9

„Mini-Schlaganfall“ transitorische ischämische Attacke, kurz TIA

Medizin am Abend Berlin Fazit: Nach „Mini-Schlaganfall“: Experten empfehlen duale Plättchenhemmung

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) schließen sich einer vor kurzem im BMJ publizierten Praxisempfehlung an, nach einem „Mini-Schlaganfall“ (transitorische ischämische Attacke, kurz TIA) oder einem leichten ischämischen Schlaganfall für eine begrenzte Zeit eine Kombinationstherapie mit den zwei Blutplättchenhemmern Aspirin und Clopidrogrel durchzuführen. 

Derzeitige Praxis ist es, die Patienten nur mit einem Thrombozytenaggregationshemmer zu behandeln, um das Risiko eines zweiten Schlaganfalls zu senken. 

Doch doppelt hält besser, so die Experten. Schließlich kann so die Rate an Schlaganfallrezidiven deutlich reduziert werden. 
 
  • Etwa neun von zehn Schlaganfällen sind ischämischer Natur, das heißt es kommt durch den Verschluss oder die Verengung eines hirnversorgenden Blutgefäßes aufgrund eines Blutgerinnsels zur Minderversorgung eines Hirnareals mit Sauer- und Nährstoffen. 
  • Infolgedessen kann es zu neurologischen Ausfällen wie etwa Sprachstörungen, Schwindel oder Lähmungserscheinungen kommen. 

Ischämische Schlaganfälle werden auch als Hirninfarkt bezeichnet. 

Wenn diese auftreten ist es entscheidend, die Blutgerinnsel mit Medikamenten möglichst schnell aufzulösen und eine weitere Verklumpung von Blutplättchen zu verhindern.

  • Unter einer solchen Behandlung können sich die neurologischen Ausfälle bei leichten Schlaganfällen zurückbilden, bei einer transitorischen ischämischen Attacke sogar innerhalb von 24 Stunden. 

„Diese Ereignisse sind in der Regel gut behandelbar. Doch das Risiko für einen zweiten schweren Schlaganfall ist bei den Betroffenen als hoch einzustufen“, erklärt Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener aus Essen, Pressesprecher der DGN. „Die Vorbeugung ist daher gerade bei diesen Patienten, die vermeintlich gut weggekommen sind, von besonders großer Bedeutung.“

Ende Dezember 2018 ist im renommierten Fachjournal BMJ eine Praxisempfehlung [1] für eine duale Plättchenhemmung mit den gerinnungshemmenden Medikamenten Aspirin und Clopidrogrel publiziert worden.
„Diese Kombinationstherapie sollte mindestens 24 Stunden nach dem Einsetzen der ersten Schlaganfallsymptome erfolgen und über zehn bis 21 Tage andauern“, sagt Professor Dr. med. Armin Grau, 1. Vorsitzender der DSG und Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen.

Randomisierte Studie zeigt:

Duale Plättchenhemmung schützt besser vor erneuten Schlaganfällen


Die Autoren berufen sich dabei auf eine im August im New England Journal of Medicine (NEJM) publizierte, randomisiert-kontrollierte Studie [2]. Sie zeigte, dass die Kombination von Aspirin und Clopidrogrel der derzeit üblichen Aspirin-Monotherapie im Hinblick auf die Rezidivprophylaxe, also dem Vermeiden eines Folge-Schlaganfalls, überlegen ist.

Die Studie wurde sogar vorzeitig beendet, nachdem 84 Prozent der ursprünglich vorgesehenen Patienten eingeschlossen worden waren.

Es zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt bereits ein klarer Vorteil für die Kombinationstherapie ab.

So erlitten in der Studiengruppe, die Aspirin und Clopidrogrel erhalten hatte, nur 121 von 2.432 Patienten ein größeres ischämisches Folgeereignis.

In der Gruppe, die nur Aspirin und ein Scheinmedikament eingenommen hatte, jedoch 160 von 2.449 Patienten.

  • Die Autoren führen das auf eine synergistische Wirkung beider Substanzen zurück, da Aspirin und Clopidrogrel die Thrombozytenaggregation auf unterschiedliche, sich ergänzende Weisen behindern.

„Die unterschiedlichen Wirkmechanismen scheinen sich zu addieren“, sagt Professor Diener.

Mit 25 Prozent sei die Risikoreduktion unter der Kombinationstherapie signifikant gewesen.

 „Im Klartext heißt das, dass durch die kombinierte Einnahme von Aspirin und Clopidrogrel deutlich mehr Folge-Schlaganfälle verhindern werden können, und zwar bei vertretbaren Risiken wie einem leicht erhöhten Blutungsrisiko“, so Professor Grau. 

Die Empfehlung wird auch in Kürze Eingang in der Leitlinie Sekundärprävention des Schlaganfalls der DGN finden.

„Zwischenzeitlich schließen wir uns der BMJ-Praxisempfehlung an“, betont Professor Diener.

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Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Prof. Dr. med. Peter Berlit
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Reinhardtstr. 27 C
10117 Berlin
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E-Mail: berlit@dgn.org

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1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Direktor der Neurologischen Klinik
Klinikum der Stadt Ludwigshafen a.Rh.
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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 9500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. med. Christian Gerloff
Past-Präsident: Prof. Dr. Gereon R. Fink
Generalsekretär: Prof. Dr. Peter Berlit
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) wurde im Dezember 2001 gegründet. Ziel der Gesellschaft ist es, die Forschung und Weiterbildung im Bereich des Schlaganfalls zu koordinieren, zu qualifizieren und zu fördern. Gewünscht ist auch eine politische Einflussnahme, um der Erkrankung „Schlaganfall" eine angemessene Bedeutung zu geben.
Mit ihren Aktivitäten spricht die DSG alle Ärzte und Leistungserbringer im Gesundheitswesen an, die in die Versorgung von Schlaganfall-Patienten eingebunden sind.

Originalpublikation:
[1] Prasad K, Siemieniuk R, Hao Q et al. Dual antiplatelet therapy with aspirin and clopidogrel for acute high risk transient ischaemic attack and minor ischaemic stroke: a clinical practice guideline. BMJ. 2018 Dec 18; 363: k5130. Link zur OriginalpublikatiSon:
https://www.bmj.com/content/bmj/363/bmj.k5130.full.pdf
[2] Johnston SC, Easton JD, Farrant M et al. Clopidogrel and Aspirin in Acute Ischemic Stroke and High-Risk TIA. N Engl J Med. 2018 Jul 19;379(3):215-225. Link zur Originalpublikation: https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa1800410

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Dennis Makoschey
Geschäftsführer
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CAVE: Untersucher - Geruchssinn + kognitive Prozesse Aufmerksamkeits- und Gedächtsnisfähigkeiten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Geruchssinn trägt wesentlich zur Entwicklung der kognitiv relevanten neuronalen Netzwerke bei

UKE-Forschende publizieren zur Rolle des Geruchssinns auf die Entwicklung des Gehirns

  • Der Einfluss sensorischer Stimuli auf die Ausbildung und Reifung kognitiv relevanter neuronaler Netzwerke wurde bisher weitgehend unterschätzt. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Neuroanatomie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben herausgefunden, dass der Geruchssinn eine zentrale Rolle bei der Entwicklung neuronaler Netzwerke spielt. 

Ihre Ergebnisse wurden jetzt im internationalen Fachmagazin PLOS Biology veröffentlicht. 
 
In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Chemosensorik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen ist es Prof. Dr. Ileana Hanganu-Opatz und ihrem Forschungsteam des Instituts für Neuroanatomie des UKE gelungen, die Bedeutung früher sensorischer Reize für die Entwicklung weitreichender Kommunikation zu entschlüsseln.

  • Kognitive Prozesse im Erwachsenenalter setzen voraus, dass zahlreiche Hirnregionen durch elektrische Aktivität von Nervenzellen miteinander kommunizieren und Netzwerke bilden. 

Die Entstehungsmechanismen dieser Netzwerke um die Geburt herum bleiben jedoch weitgehend unbekannt.

Jetzt fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heraus, dass Geruchsreize eine Aktivierung des entorhinalen Cortex anstoßen, der als „Torwächter“ die kognitiv relevanten neuronale Netzwerke steuert.

  • Sowohl eine Blockade als auch eine Überstimulation des Geruchssinns während der frühen Entwicklung des Gehirns führt zu einer fehlerhaften Kommunikation zwischen den Hirnregionen. 

Diese neuen Erkenntnisse helfen nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher zu verstehen, wie groß die Bedeutung sensorischer Erfahrungen in der frühen Kindheit später für die Aufmerksamkeits- und Gedächtnisfähigkeiten im Erwachsenenalter ist.


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Prof. Dr. Ileana Hanganu-Opatz
Institut für Neuroanatomie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Falkenried 94
20251 Hamburg
Telefon: 040 7410-58966
hangop@zmnh.uni-hamburg.de

Saskia Lemm Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Deutschland
Hamburg

Telefon: (040) 7410 56061
E-Mail-Adresse: s.lemm@uke.de

Originalpublikation:
Gretenkord S, Kostka JK, Hartung H, Watznauer K, Fleck D, Minier-Toribio A, et al. (2019) Coordinated electrical activity in the olfactory bulb gates the oscillatory entrainment of entorhinal networks in neonatal mice. PLoS Biol 17 (1): e2006994. DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pbio.2006994

 

Entzündliche Herzerkrankung: Die Myokarditis - Zytokin Midkine

Medizin am Abend Berlin Fazit: Herzmuskelentzündung - Zu viel des Guten

LMU-Forscher identifizieren ein Zytokin, das eine überschießende Immunantwort bei entzündlichen Herzerkrankungen auslösen kann. 
 
  • Die Myokarditis, eine entzündliche Herzerkrankung, kann Menschen jeden Alters treffen. 

Häufig heilt sie ohne weitere Folgen ab.

  • Bei einigen Patienten entwickelt sich eine chronische Entzündung des Herzen, die zum Herzversagen führen kann. 

LMU-Forscher konnten nun in einer Studie zeigen, dass das Zytokin Midkine eine wesentliche Rolle für den Verlauf der Entzündung spielt.

Über ihre Ergebnisse berichtet das Team um Professor Barbara Walzog und Dr. Ludwig Weckbach aus dem Sonderforschungsbereich „Immunzellwanderung bei Entzündung, Entwicklung und Krankheit“ aktuell in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Medicine.

Die LMU-Forscher haben Gewebeproben von Patienten mit einer Herzmuskelentzündung untersucht. 

Dabei konnten sie erstmals sogenannte Neutrophil Extracellular Traps (NETs) nachweisen.

  • Sie sind Teil der angeborenen Immunantwort und können bei einer überschießenden Reaktion das Herzgewebe schädigen. 

Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher zudem gezeigt, dass das Zytokin Midkine die Bildung der NETs sowie die Einwanderung der neutrophilen Granulozyten verstärkt, aus deren DNA die NETs bestehen.

Eine anschließende Untersuchung im Tiermodell bestätigte ihre Vermutung:

„Die Hemmung von Midkine und der NETs konnte die Herzfunktion signifikant verbessern und das Herz vor dem gefürchteten fibrotischen Umbau schützen“, sagt Barbara Walzog. 

Die Studie könnte einen neuen Ansatzpunkt für die Behandlung eröffnen:

„Das Zytokin Midkine stellt eine neue therapeutische Zielstruktur bei entzündlichen Herzerkrankungen dar“, sagt Ludwig Weckbach.

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Prof. Dr. rer. nat. Barbara Walzog
Institut für Kardiovaskuläre Physiologie und Pathophysiologie
Walter-Brendel-Zentrum für Experimentelle Medizin
Biomedizinisches Centrum
LMU München Tel.: +49 (0) 89/2180- 71514
E-Mail: walzog@lrz.uni-muenchen.de

Dr. med. Ludwig Weckbach
Medizinische Klinik und Poliklinik
Klinikum der LMU
Tel.: +49 (0) 89/2180 75405
E-Mail: Ludwig.Weckbach@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Deutschland
Bayern

Telefon: 089 / 2180-2706
Fax: 089 / 338297
E-Mail-Adresse: dirscherl@lmu.de

Originalpublikation:
Ludwig T. Weckbach u.a.: Midkine drives cardiac inflammation by promoting neutrophil trafficking and NETosis in myocarditis, in: Journal of Experimental Medicine2019
http://jem.rupress.org/content/early/2019/01/14/jem.20181102

Depression und Suizidalität: Mädchen und Frauen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Selbstmord durch Pille – das ist falsch

Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) vereint im German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) 
 
Soeben hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM einen Warnhinweis herausgebracht, dass die Verwendung hormoneller Verhütungsmittel die Selbstmordgefahr erhöhen könnte (1).

Das Institut stützt sich auf einen Warnhinweis der Europäischen Arzneimittelagentur EMA (2) und diese wiederum auf zwei dänische Kohortenstudien aus dem Jahr 2016 (3) und 2017 (4).

„Diese dänischen Studien haben so erhebliche methodische Fehler, dass sie wertlos sind“, erläutern Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und Prof. Dr. med. Anton Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, gemeinsam Präsidenten des German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG).

Hier die wesentlichen Kritikpunkte:

1. Auswertung nur aus den Bevölkerungsregistern

Es wurden lediglich die Daten aus den dänischen Bevölkerungs- und Gesundheitsregistern verwendet. Es wurden keine ärztlichen Diagnosen in die Studie mit einbezogen. In diesen Studien wurde festgestellt, dass Mädchen und Frauen, die aktuell hormonell verhüteten, häufiger Antidepressiva bekamen (2,2% gegenüber 1,7%) als Mädchen und Frauen ohne hormonelle Verhütung und dass in dieser Gruppe häufiger Selbstmordversuche (0,15% gegenüber 0,18%) und Selbstmorde (0,0006% gegenüber 0,0019% pro Jahr) auftraten.

2. Vergleich hormonelle Verhütung versus keine hormonelle Verhütung unvollständig

Junge Mädchen und Frauen, die hormonell verhüten, sind in der überwiegenden Zahl sexuell aktiv. Man kann davon ausgehen, dass junge Mädchen und Frauen, die nicht hormonell verhüten, in weit geringerem Maß sexuell aktiv sind. Im Grunde genommen wurde also in beiden dänischen Studien ein Vergleich gezogen zwischen sexuell aktiven und sexuell nicht aktiven Mädchen und Frauen und zwar mit völlig unklaren Überschneidungen.

3. Arztkontakte – wer, wann, wie oft?

Hormonelle Verhütungsmittel sind verschreibungspflichtig. Es sind deshalb regelmäßige Arztbesuche notwendig zur Verordnung und für Kontroll-Untersuchungen. Von den Mädchen und Frauen in den dänischen Studien, die keine hormonellen Verhütungsmittel verwendeten, ist unbekannt, ob und wie häufig sie einen Arzt aufsuchten. Bei regelmäßigen Arztbesuchen können auch weitere Diagnosen gestellt werden, von Bluthochdruck bis Depression. Bleiben Arztbesuche aus, werden diese Erkrankungen später oder gar nicht diagnostiziert.
In der Studie zur Depressivität wurden also junge Mädchen und Frauen mit gesicherten, regelmäßigen Arztkontakten verglichen mit solchen, bei denen nichts über mögliche Arztbesuche bekannt war.

4. Depressionen und Suizidalität von der Hormontyp und -dosis unabhängig

Wenn die Einwirkung der Hormone aus den Verhütungsmitteln eine depressive Symptomatik verstärken würde, dann müssten bei Mädchen und Frauen, die Arzneimittel mit einer höheren Dosierung erhalten, häufiger Depressionen zu sehen sein. Das ist nicht der Fall. Die Verordnung von Antidepressiva ist völlig unabhängig von der Hormondosis, die in den Verhütungsmitteln verwendet wurde.

Zudem haben unterschiedliche Östrogene und Gestagene auf die Psyche sehr unterschiedliche, teilweise gegensätzliche Wirkungen. Was das Selbstmordrisiko angeht, so wäre zu erwarten, dass Verhütungsmittel, von denen ein stärkerer Einfluss auf die Stimmung bekannt ist, zu einem höheren Suizidrisiko führen. Das ist nicht der Fall.  

Die Erhöhung des der Selbstmordgefahr ist unabhängig davon, welche Hormondosierungen, welche Östrogen- und Gestagentypen verwendet wurden.

Alle diese Faktoren sprechen dafür, dass es sich lediglich um einen zeitlichen Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung, Verordnung von Antidepressiva bzw. Suizidalität handelt, dass aber keine ursächlichen Zusammenhänge bestehen.

5. Depressivität – zu selten diagnostiziert

Depressionen treten bei Jugendlichen und jungen Frauen in einer Häufigkeit von über 10% auf, wie eine sehr sorgfältige Studie des Robert-Koch-Instituts gezeigt hat (5). Aber sie können nur diagnostiziert und behandelt werden, wenn sich die Erkrankten bei einem Arzt vorstellen. Da der Krankheitswert der Depression oft gar nicht von den Betroffenen selbst erkannt wird, wird die Diagnose häufig anlässlich eines Arztkontaktes aus einem anderen Grund gestellt. In der dänischen Studie von 2016 nahmen 2,2% der Frauen, die hormonell verhüteten, Antidepressiva ein, dagegen nur 1,7% derer, die nicht hormonell verhüteten. Auch wenn die Verordnung eines Antidepressivums nicht bei allen depressiven Erkrankungen indiziert ist, kann man aus diesen Zahlen vermuten, dass bei Frauen, die sich nicht bei einem Arzt vorstellen, bei Weitem zu selten die Diagnose „Depressive Erkrankung“ gestellt wird.

6. Sexuelle Aktivität – explodierende Gefühle

Zu sexueller Aktivität gehören Leidenschaft, Verliebtheit und Liebe, aber auch Kränkung, Verlassenwerden, Eifersucht, Gewalt, ebenso wie Konflikte mit den Erziehungsberechtigten.

Der Beginn der sexuell aktiven Zeit ist als wesentlicher Auslöser für depressive Episoden bekannt. 
 
Beide Studien ignorieren, dass die Verwendung hormoneller Verhütungsmittel einen grundlegenden biographischen Einschnitt für junge Mädchen und Frauen darstellt und vielfach den Beginn eines konfliktreichen Lebensabschnitts markiert.

7. Selbstmord – Pille oder Gewalt?

Bei Jugendlichen, die einen Suizidversuch unternehmen, ist fast immer eine Krisensituation vorausgegangen.

Häufig werden Trennungen der Eltern, Drogen- und Alkoholkonsum, Gewalt und sexueller Missbrauch als auslösendes Ereignis angegeben (6).


Die dänische Studie aus 2017 ist nicht in der Lage, zwischen Krisensituationen im Zusammenhang mit Partnerschaften und sexueller Aktivität einerseits und hormoneller Verhütung andererseits zu unterscheiden.

Fazit

„Die Zahlen aus den beiden dänischen Studien beschreiben einen zeitlichen Zusammenhang, aber mehr auch nicht“, erläutert Dr. med. Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Um die Frage zu beantworten, ob ein Arzneimittel bestimmte Nebenwirkungen hervorruft, und um dabei zufällige Zusammenhänge auszuschließen, muss man aufwendige, am besten doppelblinde Studien durchführen, bei der weder Arzt noch Studienteilnehmer wissen, ob sie ein Plazebo oder das Arzneimittel bekommen“, erläutert Prof. Dr. med. Anton Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. In solchen Studien, die es auch für hormonelle Verhütungsmittel durchaus gibt, wurden bisher widersprüchliche Ergebnisse gefunden, sowohl positive als auch negative Veränderungen. Es konnte aber auch gezeigt werden, dass sich vor allem Frauen, bei denen bereits vor der Behandlung eine depressive Verstimmung oder ein starkes prämenstruelles Syndrom vorhanden war, die psychischen Symptome verstärken konnten – andererseits aber kann eine geeignete hormonelle Verhütung bei schwerem prämenstruellem Dysphorie-Syndrom auch hilfreich sein.

  • „Es gibt sehr unterschiedliche hormonelle Verhütungsmittel mit Wirkstoffen, die sehr unterschiedlich auf die Psyche wirken können“, wie Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener, Sprecher des GBCOG, zusammenfassend betont. 
  • Wenn ein Mädchen oder eine Frau unter einer bestimmten Art der Verhütung Stimmungsveränderungen beobachtet, dann sollte sie das mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt besprechen, sodass eine andere, möglichst ebenso zuverlässige Verhütung gefunden werden kann. _______________________________________________________________________________
QUELLEN:

(1) Bundesinstitut für Arzneimittel, Rote-Hand-Briefe. 21.01.2019 https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2019...

(2) European Medicines Agency, Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) 01.-04.10.2018 https://www.ema.europa.eu/documents/prac-recommendation/prac-recommendations-sig... S. 6

(3) Skovlund, CW, Mørch LS, Kessing LV, Lidegaard Ø. Association of Hormonal Contraception With Depression. JAMA Psychiatry. 2016;73(11):1154-1162. doi:10.1001/jamapsychiatry.2016.2387 https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2552796

(4) Skovlund CW, Mørch LS, Kessing LV, Lange T, Lidegaard Ø. Association of Hormonal Contraception With Suicide Attempts and Suicides. Am J Psychiatry. 2018 Apr 1;175(4):336-342. doi: 10.1176/appi.ajp.2017.17060616. Epub 2017 Nov 17. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29145752

(5) Robert-Koch-Institut zum Weltgesundheitstag 2017: Daten und Fakten zu Depressionen https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung...

(6) AWMF, S2K-Leitlinie Suizidalität im Kindes- und Jugendalter, Dt. Ges. f. Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-031l_S2k_Suizidalitaet_KiJu_201...

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Die Gehirnveränderung bei Jugendlichen/jungen Erwachsenen: Zu hoher Blutdruck

Medizin am Abend  Berlin Fazit: Blutdruck über Normalwert kann schon bei jungen Erwachsenen auf Hirnschäden hinweisen

Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) kann es zu Veränderungen im Hirnvolumen führen, wenn der Blutdruck bei Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren leicht erhöht über dem Normalwert liegt. 

Die Studie unter der Leitung von Prof. Arno Villringer wurde am 23. Januar 2019 in der Online-Ausgabe von Neurology veröffentlicht, der Fachzeitschrift der American Academy of Neurology (AAN). 

Ein gesunder Blutdruck liegt unter 120/80 Millimeter Quecksilber (mmHg). Ein erhöhter Blutdruck liegt über 140/90 mmHg.
Ein gesunder Blutdruck liegt unter 120/80 Millimeter Quecksilber (mmHg). Ein erhöhter Blutdruck liegt über 140/90 mmHg. ©Albina_Glisic/Shutterstock.com/MPI CBS

 
  • Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am MPI CBS in Leipzig herausfanden, hatten Menschen mit Blutdruck über dem Normalwert in bestimmten Bereichen des Gehirns häufiger geringere graue Substanz als Personen mit normalem Blutdruck. 

Ein gesunder Blutdruck liegt unter 120/80 Millimeter Quecksilber (mmHg).

Ein erhöhter Blutdruck liegt über 140/90 mmHg.

„Zuvor war die Annahme, dass Hirnschäden im Zusammenhang mit einem über Jahre hinweg bestehenden Bluthochdruck eine offensichtliche Folge dieser Erkrankung sind, aber unsere Studie legt nahe, dass schon geringfügige Veränderungen in der grauen Substanz des Gehirns bei jungen Erwachsenen beobachtet werden können, bei denen noch nie ein Bluthochdruck diagnostiziert wurde. “, sagt Studienautor Arno Villringer. "Es muss noch weiter erforscht werden, ob dadurch das Risiko für Schlaganfall, Demenz oder andere zerebrovaskuläre Erkrankungen im späteren Leben erhöht werden kann."

Villringer ergänzt, die Forschung könne auch dazu beitragen, festzustellen, ob, wann und wie der Blutdruck über dem Normalwert bei jungen Erwachsenen überwacht und gesteuert werden sollte.

Lina Schaare, Erstautorin und Forscherin im Team von Arno Villringer, hat den umfangreichen Datensatz für die Studie ausgewertet. 423 Personen mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren haben daran teilgenommen, sie unterzogen sich mindestens einem MRT-Gehirnscan und einer Blutdruckwertmessung.

Einundvierzig Prozent der Teilnehmer hatten einen normalen Blutdruck, 29 Prozent hatten einen Blutdruck zwischen 120/80 und 129/84, 19 Prozent zwischen 130/85 und 139/89, und 11 Prozent hatten einen hohen Blutdruck.

  • „Unsere Messungen zeigen: Menschen mit einem Blutdruck über dem Normalwert hatten eher ein geringeres Volumen an grauer Substanz in Bereichen des Gehirns, einschließlich der Stirn- und Parietallappen – also in Abschnitten des Großhirns, sowie des Hippocampus, der Amygdala und des Thalamus.“, erklärt sie. 

Die Auswirkungen waren selbst dann vorhanden, wenn der Blutdruck als kontinuierliche Messung betrachtet wurde, was zeigte, dass das Volumen der grauen Substanz niedriger war, je höher der systolische oder diastolische Blutdruckwert war. 

  • Als systolischer Blutdruck wird der Wert angegeben, der entsteht, während das Herz pumpt – denn dann wird mehr Druck ausgeübt. 
  • Der Blutdruck, der entsteht, während das Herz entspannt, wird als diastolischer Druck angegeben.

„Obwohl die Studie nicht beweist, dass der über dem normalen Wert liegende Blutdruck diese Veränderungen der grauen Substanz im Gehirn als Ursache hervorruft, deutet diese Studie doch darauf hin, dass die Behandlung von Bluthochdruck oder die Aufrechterhaltung eines niedrigeren Blutdrucks im frühen Erwachsenenalter wesentlich dafür sein kann, zu verhindern, dass die Kaskade von stillen Gehirnveränderungen ohne Symptome zu letztlich schädlichen Bedingungen für die Organe wie Schlaganfall und Demenz führt.“, so Villringer.

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Prof. Dr. Arno Villringer
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Originalpublikation:
Neurology
https://www.aan.com/AAN-Resources/Details/press-room/
https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000006947



Schlaganfall Aneurysma bedingten Hirnblutung: Bluthochdruck und Rauchen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Blutdruck und Rauchen scheinen das Risiko für eine Hirnblutung erheblich zu beeinflussen

Metaanalyse deckt erstmals weltweite Abnahme des Auftretens von Aneurysma-bedingten Hirnblutungen parallel zur Abnahme von Bluthochdruck und Rauchen auf 
 
Eine aneurysmatische Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine spezielle Form des Schlaganfalls, bei der Blut in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidalraum gelangt, welcher Gehirn und Rückenmark schützend umgibt.

Diese Form der Hirnblutung tritt häufig auf, wenn ein Aneurysma, eine sackförmige Erweiterung einer Arterie, an der Hirnbasis reißt. 
Subarachnoidalblutungen machen zwar nur etwa 5 Prozent aller Schlaganfälle aus, aber die Folgen sind höchst bedrohlich: 

Die Hälfte der Betroffenen ist jünger als 55 Jahre, ein Drittel stirbt innerhalb der ersten Tage bis Wochen nach dem Auftreten der Blutungen und etwa ein Drittel der Überlebenden bleibt dauerhaft auf Hilfe angewiesen. 


Prof. Dr. med. Nima Etminan

Prof. Dr. med. Nima Etminan  UMM

Die umfassende Metaanalyse wurde von Wissenschaftlern der Neurochirurgischen Klinik an der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) gemeinsam mit Wissenschaftlern der Neurologischen Klinik der Universität Utrecht, Niederlande, im Fachjournal JAMA Neurology publiziert. Das Ziel war, nicht nur Licht in die sowohl zeitlich als auch räumlich offenbar recht heterogene Verteilung der Inzidenz der SAB zu bringen, sondern auch potenzielle Determinanten nachzuweisen, die für einen Rückgang dieser Erkrankung verantwortlich sein könnten.

Ausgangspunkt des Projektes waren jüngst veröffentlichte, zum Teil widersprüchliche Daten verschiedener registerbasierter oder regionaler Studien, die einen Rückgang des Auftretens von Subarachnoidalblutungen dokumentieren.

In die systematische Übersichtsarbeit flossen Metadaten aller weltweiten, bevölkerungsbasierten Schlaganfallstudien der letzten 60 Jahre ein.

Zum einen erfasst die Studie dabei das Auftreten von aneurysmatischen Hirnblutungen regional und deren Häufigkeit im zeitlichen Verlauf. Darüber hinaus stellt die Metaanalyse erstmals die Entwicklung der Faktoren Blutdruck und Rauchen in Relation zur SAB-Inzidenz. Es zeigen sich dabei deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von aneurysmatischen Hirnblutungen und den Risikofaktoren Bluthochdruck und Rauchen.

Konkret zeigt die Analyse der Daten von 75 Studien mit insgesamt mehr als 8.000 Personen aus 32 Ländern, dass das Auftreten von Hirnblutungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen hat:

Zwischen 1980 und 2010 nahm die Inzidenz für eine aneurysmatische Subarachnoidalblutung weltweit insgesamt um etwa 40 Prozent ab. Hierbei wurden jedoch große regionale Unterschiede nachgewiesen: In Europa sank die Inzidenz um 41 Prozent, in Asien um 46 Prozent und in Nordamerika um 14 Prozent. Hingegen stieg die Inzidenz für SAB in Japan in den letzten drei Jahrzehnten um 59 Prozent. Das Auftreten einer SAB ist außerdem nach Alter und Geschlecht unterschiedlich verteilt.

  • Auffallend ist, dass die Entwicklung bzw. Abnahme der SAB-Inzidenz weltweit parallel zu der Abnahme des systolischen Blutdrucks und der Raucherprävalenz im selben Zeitraum verläuft. 

„Ein Gedankenspiel:

Stünde die Abnahme der SAB-Inzidenz tatsächlich unmittelbar mit der Senkung des systolischen Blutdrucks in Verbindung, so hieße dies, dass die SAB-Inzidenz mit jedem Rückgang des Blutdrucks um 1 mmHg um 7,1 Prozent abnähme. Und bezogen auf die Raucherprävalenz bedeute dies, dass die SAB-Inzidenz um 2,4 Prozent pro Prozent Rückgang der Raucherprävalenz abnähme“, erläutert Professor Dr. Nima Etminan, Leitender Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik der UMM und Erstautor der wissenschaftlichen Publikation.

Selbstverständlich lässt die parallele Entwicklung von Blutdruckabfall und Raucherprävalenz mit der Inzidenz für Subarachnoidalblutungen einen kausalen Zusammenhang lediglich vermuten.

Einen Beleg dafür können die vorhandenen Daten nicht liefern, dafür wären quantitative Daten für diese Risikofaktoren auf Bevölkerungsbasis oder auf der Ebene individueller Patienten notwendig. Nichtsdestotrotz unterstützt die in der Studie gefundene Assoziation die präventiven Ansätze, die Risikofaktoren Bluthochdruck und Rauchen zu kontrollieren, um die Gefahr von aneurysmatischen Hirnblutungen zu reduzieren.

Parallel hierzu gehen die Autoren aktuell auch der wissenschaftlichen Frage nach, ob sich eine Senkung des Blutdrucks bei Patienten mit zufällig entdeckten Aneurysmen, welche nicht primär behandelt sondern mittels Bildgebung kontrolliert werden, günstig auf die Entwicklung der Aneurysmen auswirkt. Dies geschieht im Rahmen der prospektiven Phase III Studie PROTECT-U (www.protect-u-trial.com/) an verschiedenen neurovaskulären Zentren in Deutschland, den Niederlanden und bald auch in Kanada.

Die vorliegende Arbeit bietet außerdem Ansatzpunkte für weitere Studien, deren Ergebnisse – wenn sie in entsprechende Strategien der Primärprävention münden – tatsächlich dazu beitragen könnten, das Risiko für aneurysmatische Hirnblutungen weiter zu reduzieren:

Dies wäre die genauere Untersuchung der regionalen Unterschiede der Inzidenz von SAB und deren Verringerung, der regionalen Unterschiede bei alters- und geschlechtsspezifischen Inzidenzen sowie deren Beziehung zu genaueren, quantitativen Daten zum Rauchverhalten.

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Originalpublikation:
Worldwide incidence of aneurysmal subarachnoid hemorrhage according to region, time period, blood pressure and smoking prevalence - a systematic review and meta-analysis
Nima Etminan, Han-Sol Chang, Katharina Hackenberg, Nicolien K. de Rooij, Mervyn D.I. Vergouwen, Gabriel J.E. Rinkel, Ale Algra
JAMA Neurology, published online January 19, 2019

Behandlung von Multiple Sklerose: Isolierende Ummantelung von Nervenzellen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Multiple Sklerose: Hilfe zur zellulären Selbsthilfe

Körpereigener Mechanismus der Hirnregeneration entschlüsselt

  • Bei Krankheiten wie der Multiplen Sklerose ist die isolierende Ummantelung von Nervenzellen geschädigt. 

Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben jetzt herausgefunden, wie der Körper seinen eigenen Reparaturmechanismus in Gang setzt, um diese Schäden zu begrenzen. 

Die Ergebnisse bilden die Basis für die Entwicklung neuer Wirkstoffe zur Behandlung der Multiplen Sklerose. 

 Sie wurden in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications* veröffentlicht.


Myelin-Reparaturzellen (Oligodendrozyten) einer Maus in der Kulturschale. Sie stellen Myelin her (grün), das sie für die Reparatur der Nervenzell-Ummantelung verwenden. Zellkerne sind blau angefärbt.
 Myelin-Reparaturzellen (Oligodendrozyten) einer Maus in der Kulturschale. Sie stellen Myelin her (grün), das sie für die Reparatur der Nervenzell-Ummantelung verwenden. Zellkerne sind blau angefärbt. Staroßom/Charité


Es ist die häufigste Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems: Geschätzt mehr als 200.000 Menschen sind in Deutschland von Multipler Sklerose betroffen.

  • Sie leiden an Seh- und Empfindungsstörungen sowie Einschränkungen der Koordinationsfähigkeit bis hin zu Lähmungen. 

Grund für diese Symptome ist eine gestörte Weiterleitung von Signalen im Gehirn oder Rückenmark:

  • Bei Multipler Sklerose greift das körpereigene Immunsystem die sogenannten Myelinscheiden an, die die Nervenzellen ummanteln und elektrisch isolieren. 

Ohne intakte Myelinscheiden ist die Kommunikation zwischen Nervenzellen beeinträchtigt.

Weltweit suchen Wissenschaftler nach Möglichkeiten, die Myelinscheiden bei Menschen mit Multipler Sklerose wieder zu reparieren, um deren neurologische Symptome zu lindern. 

Diesem Ziel sind Forschende der Charité nun einen entscheidenden Schritt nähergekommen.

Dazu haben sie die Selbstheilungskräfte des Körpers genauer untersucht. 

Denn: Das zentrale Nervensystem ist unter bestimmten Bedingungen durchaus in der Lage, geschädigte Myelinscheiden auszubessern. Auf spezifische molekulare Signale hin können sich Stammzellen zu Myelin-Reparaturzellen, den sogenannten Oligodendrozyten, umwandeln.

Sie wandern dann aus einer kleinen Nische im Gehirn an den Ort der Schädigung, wo sie die elektrische Isolierung der Nervenzellen wiederherstellen.

Die molekularen Signale, die diesen körpereigenen Regenerationsmechanismus in Gang setzen, waren bisher kaum bekannt.

„Wir haben jetzt herausgefunden, dass der Eiweißstoff Chi3l3 eine zentrale Rolle für die Myelin-Reparatur spielt“, sagt Dr. Sarah-Christin Staroßom vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité. Die Erstautorin der Studie forscht im Exzellenzcluster NeuroCure und am Experimental and Clinical Research Center (ECRC). Dr. Staroßom erklärt:

„Das Protein Chi3l3 bewirkt, dass sich neuronale Stammzellen zu Myelin-Reparaturzellen entwickeln, die die elektrische Isolierung der geschädigten Nervenzellen wiederherstellen.“

  • Das Forscherteam konnte im Mausmodell zeigen, dass eine Verringerung der Chi3l3-Menge im Gehirn die körpereigene Regeneration von Myelinscheiden erheblich beeinträchtigt. 
Umgekehrt führte eine Infusion des Proteins zu einer vermehrten Bildung von Myelin-Reparaturzellen. 

In der Petrischale konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Reaktion auch bei menschlichen Zellen beobachten.

„Dieses Wissen wollen wir nun nutzen, um eine neue Generation von Medikamenten für die Behandlung der Multiplen Sklerose zu entwickeln“, erklärt Dr. Staroßom.

„Im nächsten Schritt werden wir deshalb weiter erforschen, ob sich die neurologischen Symptome bei Multipler Sklerose mithilfe von Chi3l3 oder verwandten Proteinen lindern lassen.“

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Dr. Sarah-Christin Staroßom
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E-Mail-Adresse: manuela.zingl@charite.de

Originalpublikation:
*Starossom SC et al., Chi3l3 induces oligodendrogenesis and reduces disease severity in an experimental model of autoimmune neuroinflammation. Nat Comm 2019 Jan 15. doi: 10.1038/s41467-018-08140-7
https://www.nature.com/articles/s41467-018-08140-7

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://immunologie.charite.de/

Untersucher-CAVE: Die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schwangerschaft: Gewichtszunahme durch Beratung schwer zu beeinflussen

Nehmen Schwangere übermäßig zu, kann das für Mutter und Kind Probleme mit sich bringen. 

Als Lösungsansatz werden regelmäßige Beratungstermine vorgeschlagen. 

Anhand von Ergebnissen mit 2286 Frauen hat ein Team an der Technischen Universität München (TUM) und dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) nun aber gezeigt, dass Beratungen im Rahmen der Routinevorsorge Schwangere zwar zu einem gesünderen Lebensstil anregen, die Gewichtszunahme aber nicht verringern. 


  • Steigt das Gewicht von Frauen während der Schwangerschaft zu stark an, kann das ein Grund für Schwangerschaftsdiabetes, ein erhöhtes Kaiserschnittrisiko oder ein zu hohes Geburtsgewicht des Kindes sein. 

Ziel der bayernweiten Studie „Gesund leben in der Schwangerschaft“ (GeliS) war es, Schwangere für die Problematik zu sensibilisieren und ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten zu verbessern.

An der Studie waren über 70 Arzt- und Hebammenpraxen in Bayern beteiligt.

Frauen in der Studiengruppe erhielten während der Schwangerschaft ab der 12. Woche drei Beratungsgespräche (30-45 min) und ein weiteres Gespräch einige Wochen nach Entbindung im Rahmen ihrer Vorsorgeuntersuchungen sowie zusätzlich Informationsmaterial. Zudem bekamen die Schwangeren Formulare, mit denen sie die Gewichtszunahme und ihr Bewegungsverhalten selbstständig dokumentieren und überwachen konnten. Die Kontrollgruppe erhielt nur das Informationsmaterial.

Kindliches Gewicht leicht verringert

Studienleiter Professor Hans Hauner, Ordinarius für Ernährungsmedizin an der TUM, erläutert erste Ergebnisse: „Leider zeigte das Beratungskonzept nicht den gewünschten Erfolg – es hatte keine messbare Auswirkung auf die Gewichtszunahme der Mütter.“ Trotz der Beratung nahmen über 45 Prozent der Teilnehmerinnen mehr zu als der internationale Standard des Institute of Medicine (IOM) empfiehlt.  

Im Durchschnitt waren das über 14 kg. Auch Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck oder vorzeitige Wehen verringerten die Beratungen nicht.

Aber die Forscherinnen und Forscher stellten dennoch positive Effekte fest:

  • Ein erster Blick auf die weiteren Daten zeigte, dass viele Schwangere durchaus auf ihre Ernährung geachtet und sich regelmäßig bewegt hatten. 

Zudem machten über 85 Prozent der Frauen das Programm bis zum Schluss mit und waren bereit, Ratschläge anzunehmen und umzusetzen.

 „Offensichtlich reichte das aber nicht aus, um ihr Gewicht zu reduzieren. 

Was wir aber sahen ist, dass Größe und Gewicht der Kinder der Frauen, die am Programm teilgenommen hatten, geringer waren.

Und auch das ist ein kleiner, wichtiger Erfolg.“, so Hauner.

Das Studienteam empfiehlt auch, die Beratung schon vor der 12. Woche zu beginnen.

Alltagstauglichkeit als Hauptkriterium

Zudem war das Besondere an der Studie, dass die Termine in die normalen Vorsorgeuntersuchungen integriert wurden. 

Es ist weltweit die größte Studie mit diesem Ansatz.

„Uns war wichtig, dass das Konzept alltagstauglich ist.

Die Schwangeren mussten keine neuen Termine wahrnehmen und die Ärztinnen, Ärzte und Hebammen hatten einen überschaubaren Aufwand.

Nur solche Lösungsansätze sind praxistauglich.“

Viele andere Studien hätten die Schwangeren im Rahmen eigener Termine regelmäßig betreut und überwacht, so Hauner.

„Selbst wenn das einen positiven Effekt hat, lässt sich das so nicht für alle Schwangeren umsetzen – und das sollte Ziel sein.“, so Hauner.

Weitere Informationen

An der Studie waren folgende Partner beteiligt: Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck, Regensburg, Bayreuth, Fürth und Würzburg, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, AOK Bayern, Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie

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Prof. Hans Hauner
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Dr. Ulrich Marsch
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E-Mail-Adresse: presse@tum.de


Originalpublikation:
J. Kunath and J. Günther et al. : Effects of a lifestyle intervention during pregnancy to prevent excessive gestational weight gain in routine care – the cluster-randomised GeliS trial, BMC Medicine, January 14, 2019, DOI: 10.1186/s12916-018-1235-z, https://bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12916-018-1235-z

Rauh K. & Kunath J et al.: Healthy living in pregnancy: A cluster-randomized controlled trial to prevent excessive gestational weight gain - rationale and design of the GeliS study, BMC Pregnancy Childbirth 2014; DOI: 10.1186/1471-2393-14-119, https://bmcpregnancychildbirth.biomedcentral.com/articles/10.1186/1471-2393-14-1...

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.professoren.tum.de/de/hauner-hans/ - Profil von Prof. Hans Hauner

http://www.kem.wzw.tum.de/ - Institut für Ernährungsmedizin der TUM


Chronische Schlafprobleme: Sensibilisierung des Hausarztes

Medizin am Abend Berlin Fazit: Millionenprojekt soll Menschen mit Schlafstörungen helfen

Sechs Millionen Euro Förderung für Projekt zur flächendeckenden Behandlung von Schlafstörungen

Stufenmodell aus hausärztlicher und Online-Behandlung soll lange Wartezeiten für Psychotherapie vermeiden

Koordination am Universitätsklinikum Freiburg 


Menschen, die unter chronischen Schlafproblemen leiden, soll künftig direkter geholfen werden. 

Dafür wird jetzt unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg das Projekt „GET SLEEP – Stepped Care Modell für die Behandlung von Schlafstörungen“ mit mehr als sechs Millionen Euro durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert.

Das geplante Versorgungsmodell basiert vor allem auf der fundierten Beratung durch den jeweiligen Hausarzt und einer speziellen Online-Behandlung der Betroffenen. 

Rund 500 Hausärzte in Baden-Württemberg und Bayern sollen an dem vier Jahre laufenden Projekt teilnehmen sowie mehrere tausend Betroffene behandelt werden.

„Der flächendeckende Umgang mit Schlafstörungen widerspricht schon seit Jahren den medizinischen Leitlinien.

Statt wie empfohlen Psychotherapie zu machen, nehmen die meisten Betroffenen Medikamente ein; Nicht zuletzt, weil Plätze bei Therapeuten rar sind“, sagt Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder, Stellvertretender Abteilungsleiter Psychophysiologie und Schlafmedizin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.

„Mit unserem Ansatz erhalten die Betroffenen direkt die Hilfe, die sie dringend brauchen“, so Prof. Spiegelhalder weiter, der das Projekt gemeinsam mit Abteilungsleiter Prof. Dr. Dieter Riemann leitet.

Hilfsangebote sollen leichter zugänglich sein

Das Programm sieht eine mehrstufige Behandlung vor:

Zunächst klärt ein entsprechend geschulter Hausarzt mögliche Ursachen für die Schlafstörungen. 

 „Der Hausarzt kennt die gesundheitliche Situation seines Patienten meist sehr gut und sollte deshalb der erste Ansprechpartner bei Schlafstörungen sein“, sagt Prof. Spiegelhalder.

„Ein wesentlicher Teil des Projekts ist darum die Weiterbildung und Sensibilisierung von Hausärzten für neue Therapieansätze von Schlafstörungen.“ 


In vielen Fällen empfiehlt der Hausarzt eine psychotherapeutische Behandlung.

„Das von uns entwickelte Online-Behandlungsprogramm ist speziell auf Schlafstörungen zugeschnitten und basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie von Insomnien“, erklärt Prof. Riemann.

In vier bis acht Sitzungen von je 25 Minuten erhalten die Betroffenen Informationen zu Schlafstörungen und deren Bewältigung.

Im Anschluss bespricht der Patient die Ergebnisse mit seinem Hausarzt.

Sollte keine Besserung eingetreten sein, kann der Patient an ein schlafmedizinisches Zentrum überwiesen werden.

Was wirkt besser: Live-Chat oder vorgefertigte Inhalte?

Im Rahmen des Projekts werden die Wissenschaftler mehrere Abläufe der Online-Behandlung vergleichen:

Ein Teil der Patienten wird die Schulung anhand von Videos und Texten erhalten.

Ein weiterer Teil wird per Live-Chat mit einem Therapeuten verbunden, der die Schulung durchführt.

In einer dritten Gruppe erhalten die Teilnehmer eine Kombination aus Live-Chat und vorgefertigter Schulung.


Unter der Leitung des Universitätsklinikums Freiburg sind folgende Konsortialpartner am Projekt beteiligt: der Lehrbereich Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Freiburg, das GET.ON Institut aus Hamburg, die Universität Ulm, das Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Würzburg, das Zentrum für Schlafmedizin Nürnberg, die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin sowie die Barmer Krankenkasse.

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