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TOP-CAVE-Spezial: Intensivstation: Stressbedingte Magengeschwüre

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neue Daten zur Ulkus-Prophylaxe auf Intensivstationen

Patienten auf Intensivstationen scheinen ein besonderes Risiko für stressbedingte Magengeschwüre zu haben. 

Diese können zu lebensbedrohlichen Blutungen führen. 

  • Eine neue Studie [1] untersuchte, ob die Ulkus-Prophylaxe mit Pantoprazol die Mortalität bei neurochirurgischen/neurologischen Intensivpatienten senken kann. 

Wie sich zeigte, ist das nicht eindeutig der Fall, obwohl weniger Blutungen unter der Medikation auftraten. 

Neurologische Experten sprechen sich daher für ein individualisiertes Vorgehen aus. 
 
  • Stress – so auch ausgeprägter Krankheits- und Behandlungsstress – erhöht unter anderem die Magensäureproduktion. 

In der Folge können Magen-/Darmgeschwüre (Ulzera) entstehen. 


Ein besonderes Risiko scheint auch bei Patienten nach Schädel-Hirn-Traumen zu bestehen [2].

Solche Ulzera können lebensbedrohliche Blutungen verursachen, die eine gefürchtete Komplikation auf neurologischen/neurochirurgischen Intensivstationen (ITS) darstellen.

  • Weitere Risikofaktoren für Ulkusblutungen auf Intensivstationen:
  • Polytraumen, 
  • Verbrennungen, 
  • künstliche Beatmung, 
  • Blutgerinnungsstörungen, 
  • Schock,
  • Sepsis, 
  • Kortikoidtherapie, 
  • frühere Magen-Darm-Blutungen,
  • /Geschwüre,
  • Leber
  • Nierenversagen [2].

Zur Prophylaxe wird Intensiv-Patienten oft ein Säurehemmer verabreicht, um die Magensäureproduktion zu senken und damit den pH-Wert zu erhöhen. 

  • „Viele frühere Studien zeigten, dass die medikamentöse Anhebung des Magen-pH-Wertes das Auftreten von Magen-Darm-Blutungen deutlich senken kann“, erklärt Prof. Dr. med. Dr. Hagen Huttner, Universitätsklinikum Erlangen. 

Daher wird eine medikamentöse Stressulkus-Prophylaxe auch in einigen Leitlinien, z.B. den „Surviving Sepsis Campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock: 2016“ [3] empfohlen.

Insgesamt sind Ulkusblutungen auf ITS-Stationen jedoch selten (1,5% [2]), und es besteht zunehmender Konsens, dass keinesfalls alle Intensivpatienten routinemäßig einer solchen Prophylaxe bedürfen.  
  • Neuere Studien zeigten außerdem, dass eine Verminderung der Magensäure andere Komplikationen fördern kann [2], da die Magensäure ihre schützende Funktion vor bakterieller Besiedlung des oberen Magen-Darmtraktes nicht mehr erfüllen kann. 
So können pathogene Erreger, die sonst im sauren Magenmilieu abgetötet würden, unter einer Säureblockade zu schweren Infektionen des Dickdarms führen (Clostridien-Kolitis) oder auch zu Lungenentzündungen, wenn es zu einem Übertritt von Magensekret ins Bronchialsystem kommt. 

„Nutzen und Risiken der Ulkus-Prophylaxe mit Säureblockern werden daher kontrovers diskutiert“, so Prof. Huttner.

Ergebnisse einer neuen prospektiven, doppelblinden, randomisierten Studie
Eine prospektive, doppelblind randomisierte Studie versuchte nun, die Datenlage zum Thema weiter zu verbessern [1]. Die europäische Multicenterstudie (33 Zentren aus Dänemark, Finnland, Niederlande, Norwegen, Schweiz und Großbritannien) analysierte 3.298 Patienten, die wegen akuter Erkrankungen auf Intensivstationen behandelt wurden und die zusätzlich mindestens einen Risikofaktor für gastrointestinale Blutungen aufwiesen (z. B. Kreislaufschock, künstliche Beatmung, Blutgerinnungsstörung oder blutgerinnungshemmende Therapie, Lebererkrankung, Dialyse wegen Nierenversagen). Die Patienten erhielten 1:1 randomisiert 40 mg/Tag Pantoprazol i.v. oder Placebo für die Dauer des ITS-Aufenthaltes. Primäres Untersuchungsziel war die 90-Tages-Mortalität, sekundäres waren Komplikationen (als Endpunkt-Kombination: Gastrointestinale Blutung, Lungenentzündung, Clostridien-Infektion, Herzinfarkt).

Nach 90 Tagen waren 510 Patienten (31,1 %) der Pantoprazol-Gruppe und 499 (30,4%) der Placebogruppe verstorben. Die mediane Aufenthaltsdauer der Patienten auf der Intensivstation betrug 6 Tage, die mediane Dauer der Pantoprazol-Prophylaxe lag bei 4 Tagen. Während des ITS-Aufenthaltes gab es mindestens ein klinisch schweres Ereignis (kombinierter Endpunkt) bei 21,9% unter Pantoprazol und bei 22,6% unter Placebo. Klinisch bedeutsame Magen-Darm-Blutungen hatten 4,2% Patienten der Placebogruppe und 2,5% der Patienten in der Pantoprazol-Gruppe (RR: 0,58). Sonstige Nebenwirkungen, Komplikationen bzw. schwere unerwünschte Ereignisse waren in den Gruppen ähnlich häufig.

Therapieentscheidung nach individueller Risikoabschätzung
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Studie nicht ausreichend gepowert war, um zu zeigen, dass die Gabe von Pantoprazol das Risiko für gastrointestinale Blutungen bei Risikopatienten senkte, und die Intervention nicht zu einer Reduktion der Mortalität führte. Unter Pantoprazol kam es aber auch nicht zur Zunahme des Risikos für Lungenentzündungen oder Clostridien-Infektionen – wie zuvor berichtet und befürchtet. Prof. Huttner kommentiert: „Aus den Studienergebnissen lassen sich keine allgemeinen Behandlungsempfehlungen ableiten. Voraussetzung für die Therapieentscheidung sollte immer eine individuelle Risikoabschätzung darstellen.

Die Ulkus-Prophylaxe erscheint sinnvoll, wenn mehrere der beschriebenen Risikofaktoren zusammenkommen oder bei kritisch kranken Patienten, die über Wochen oder gar Monate auf der Intensivstation behandelt werden müssen.“

Publikationen
[1] Krag M, Marker S, Perner A et al. Pantoprazole in Patients at Risk for Gastrointestinal Bleeding in the ICU. N Engl J Med 2018 Oct 24. doi: 10.1056/NEJMoa1714919. [Epub ahead of print]
[2] „NeuroIntensiv“, Stefan Schwab et al. 2015 Springer-Verlag
[3] Rhodes A, Evans LE, Alhazzani W et al. Surviving Sepsis Campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock: 2016. Intensive Care Med 2017; 43: 304 -77

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Originalpublikation:
Krag M, Marker S, Perner A et al. Pantoprazole in Patients at Risk for Gastrointestinal Bleeding in the ICU. N Engl J Med 2018 Oct 24. doi: 10.1056/NEJMoa1714919. [Epub ahead of print]

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TOP-CAVE: Intensivmedizinische Versorgung: Heilungs- und Rehabilitationssprozess

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bergmannsheil-Forscherin untersucht gesundheitliche Folgen der Intensivtherapie

DGUV fördert neues Projekt mit 214.000 Euro  
  • Anhaltende Sensibilitätsverluste an Händen und Füßen, schmerzhafte Empfindungsstörungen und motorische Schwäche sind typische Symptome einer sogenannten Erworbenen Skelettmuskel- und Nervenschwäche. 
Sie tritt häufig bei Patienten auf, die wegen einer anderen Grunderkrankung intensivmedizinisch versorgt werden mussten. 
Die zusätzlichen gesundheitlichen Probleme beeinflussen die Lebensqualität der Betroffenen und können zugleich ihren weiteren Heilungs- und Rehabilitationsprozess erheblich beeinträchtigen. 




Dr. Christine Meyer-Frießem


Dr. Christine Meyer-Frießem Nachweis: Volker Daum / Bergmannsheil

Forscher am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil wollen herausfinden, wie häufig eine erworbene Skelettmuskelschwäche bei Intensivpatienten auftritt und welche Faktoren die Ausprägung dieser Erkrankung begünstigen. 

Dadurch wollen sie spezifische Biomarker definieren, mit denen eine frühere Erkennung und Behandlung der Erkrankung möglich würden. Das Projekt unter Leitung von Dr. Christine Meyer-Frießem, Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Peter Zahn), wird mit rund 214.000 Euro von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gefördert. Beteiligt sind weiterhin die Neurologische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Martin Tegenthoff), die Abteilung für Schmerzmedizin (Komm. Leitender Arzt: Dr. Dr. Andreas Schwarzer) und die Chirurgische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Thomas A. Schildhauer) des Bergmannsheil. Das Projekt wurde zuvor bereits von der Forschungsförderung der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum (FoRUM-Programm) mit 55.000 Euro unterstützt.

Ernstzunehmende Komplikation moderner Intensivmedizin

Viele Patienten, die aufgrund unterschiedlicher Erkrankungen auf eine Intensivstation aufgenommen werden, verbringen dort je nach Krankheitssituation einige Tage bis zu mehreren Wochen und werden hier im künstlichen Koma beatmet.

Ihre Grunderkrankung bleibt auch im weiteren Behandlungs- und Rehabilitationsprozess stets im Fokus. 
  • Dagegen treten jedoch die gesundheitlichen Folgen, die eine Intensivtherapie auslösen kann, allzu oft in den Hintergrund
  • Mit einer Häufigkeit von 25% bis zu 100% stellt das Krankheitsbild der Erworbenen Skelettmuskelschwäche bei kritisch Kranken (ICU-acquired weakness, ICUAW, auch bekannt als Critical-Illness-Polyneuromyopathie, CINM) während und vor allem nach intensivmedizinischer Therapie eine ernstzunehmende Komplikation moderner Intensivmedizin dar. 
„Derzeit existiert kein verbindlicher Standard zur frühzeitigen Diagnosestellung, Verlaufsbeobachtung und Therapie dieser Erkrankung“, erläutert Dr. Meyer-Frießem.

„Die ICUAW gefährdet somit eine schnelle Rehabilitation und vollständige Genesung betroffener Patienten.“ 




Versorgung auf der Intensivstation
Versorgung auf der Intensivstation Nachweis: Dieter Pfennigwerth / Bergmannsheil

Langzeitfolgen verhindern, Heilungsaussichten verbessern

Ihr Forschungsprojekt verfolgt zwei Ziele: 

In einem ersten Schritt soll erfasst werden, wie häufig die Erworbene Skelettmuskelschwäche bei ehemals kritisch kranken Patienten nach einer Intensivtherapie im Bergmannsheil auftritt.

Dazu werden Patienten und deren Krankheitsverläufe der letzten zehn Jahre analysiert. Im Weiteren sollen anhand modernster Techniken neurophysiologische, morphologische, histologisch-anatomische und molekular-biochemische Profile betroffener Patienten erstellt werden.

Anhand der Definition eines Biomarkers soll es in Zukunft möglich sein, Patienten frühzeitig mit spezifischen vorbeugenden und therapeutischen Strategien zu behandeln.
  •  
  • „Damit könnten wir Langzeitfolgen der Intensivtherapie verhindern und zugleich die Heilungsaussichten dieser Patienten verbessern“, sagt Dr. Meyer-Frießem.

Projekttitel: Multimodale prospektive Detektion und Definition von Biomarkern zur Prognoseverbesserung bei Critical-Illness-Polyneuromyopathie

Über das Bergmannsheil

Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil zählt zu den größten Akutkliniken der Maximalversorgung im Ruhrgebiet. 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung verunglückter Bergleute begründet, vereint das Bergmannsheil heute 23 hochspezialisierte Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 707 Betten unter einem Dach. Mehr als 2.300 Mitarbeiter stellen die qualifizierte Versorgung von rund 89.000 Patienten pro Jahr sicher.

Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil gehört zur Unternehmensgruppe der BG Kliniken. In ihr sind neun berufsgenossenschaftliche Akutkliniken, zwei Kliniken für Berufskrankheiten und zwei Unfallbehandlungsstellen verbunden. Mit 12.500 Mitarbeitern und jährlich über 550.000 Patienten ist die Gruppe einer der größten Klinikverbünde Deutschlands. Darüber hinaus ist das Bergmannsheil Teil des Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB). Weitere Informationen: www.bergmannsheil.de, www.bg-kliniken.de

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CAVE: Viren in den Leberzellen: Hepatozyten / Leberendothelzellen LSECs

Medizin am Abend Berlin Fazit: Hepatitis: Störung in der Blutversorgung als Ursache für Leberversagen

  • Eine Infektion mit Hepatitis-Viren kann im schlechtesten Fall zum Leberversagen führen. 

Ein Team der Technischen Universität München (TUM) fand nun den Grund: 

  • Immunzellen greifen Zellen des Blutgefäßsystems an und stören so die Blut- und Nährstoffversorgung des Organs. 

Erst das ruft die massiven Schäden hervor, die zum Leberversagen führen. 

Sie identifizierten im Tiermodell einen Wirkstoff, der diese tödlichen Prozesse verhinderte. 

Percy Knolle, Professor für Molekulare Immunologie an der TUM, untersucht die Ursachen des Leberversagens.
 Percy Knolle, Professor für Molekulare Immunologie an der TUM, untersucht die Ursachen des Leberversagens. Andreas Heddergott / Technische Universität München


Eine Infektion der Leber mit Hepatitis Viren, wie dem Hepatitis B Virus, kann sehr unterschiedlich ablaufen:

  • Die Leberentzündung (Hepatitis) kann problemlos ausheilen, chronisch werden, so dass eine lebenslange Einnahme von Medikamenten notwendig ist, oder sie kann fulminant verlaufen. 

Die immun-vermittelten Schäden in der Leber sind dann so stark, dass es zum Leberversagen kommt und als letzte mögliche therapeutische Maßnahme nur noch eine Lebertransplantation bleibt.

Das Ziel der Viren sind die Leberzellen, sogenannte Hepatozyten. 


Das Immunsystem versucht die Infektion dadurch in den Griff zu bekommen, indem sie mit Hilfe von bestimmten Immunzellen, den T-Killerzellen, die infizierten Leberzellen angreift und abtötet. 

Bisher wurde angenommen, dass dieser Prozess für die starken Organschäden bei einer akuten Hepatitis verantwortlich ist. 

Dr. Dirk Wohlleber, Forschungsgruppenleiter an der TUM und Percy Knolle, Professor für Molekulare Immunologie, haben mit ihren Kolleginnen und Kollegen von der Universität Würzburg und der Universität Bonn, nun eine ganz andere Erklärung für das Problem gefunden: 

Nicht der Tod der Leberzellen, sondern Defekte im Blutgefäßsystem sind die Gründe für das Versagen des Organs.

Störung der Blutversorgung durch Immunzellen

  • In der Leber gibt es wichtige Zellen, die sinusoidale Leberendothelzellen, kurz LSECs. 

Sie sind die Verbindung der Leberzellen zum Blutgefäßsystem und regeln den Austausch von Nähstoffen und Sauerstoff mit dem Blut. 

Sie haben zudem die Fähigkeiten kleine Teile von Viren auf ihrer Außenseite zu präsentieren, ähnlich wie Zellen des Immunsystems.

Die Forscherinnen und Forscher beobachteten, dass die T-Killerzellen diese Virenstücke spezifisch erkannten.

Sie hielten LSECs für infizierte Leberzellen und töteten sie. 

  • Dafür nutzten sie Proteine, die sich in die Zellmembran der Zielzelle einbauen und eine Pore bilden. Diese sogenannten Perforine durchlöchern die Membran und zerstören die Zelle.

„Wir haben beobachtete, dass das Abtöten der LSECs durch die Immunzellen massive Auswirkungen auf das Lebergewebe hat.

Der Blutfluss in der Leber ist massiv gestört und das führt dazu, dass sehr viele - auch nicht-infizierte - Leberzellen sterben. 

  • Die Auswirkung dieser Immunantwort ist sehr viel dramatischer als der Angriff auf die eigentlich infizierten Leberzellen.“, erklärt Wohlleber. 

Möglich war diese Erkenntnis nur, weil die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein neues Mausmodell entwickelten, dass ausschließlich diesen fulminanten Verlauf der Virushepatitis nachbildet.

Perforin-Inhibitoren als therapeutisches Werkzeug

„Erst jetzt, wo wir den eigentlichen zerstörerischen Mechanismus bei einer akuten Hepatitis kennen, können wir auch bei der Hepatitis-Therapie in neue Richtungen denken und diesen Prozess gezielt angreifen.“, so Knolle.

Sie konnten in ihrem Mausmodell zeigen, dass ein neuer Wirkstoff eine fulminante Hepatitis verhindert.

Es handelt sich dabei um einen Perforin-Inhibitor, der die Porenbildung durch Killer-T-Zellen verhindert und damit auch den Angriff auf LSECs hemmte. 

Die Mäuse konnten durch den Einsatz des Wirkstoffs vor einer fulminanten Hepatitis bewahrt werden, weil die LSECs und damit die Blutversorgung der Leberzellen intakt blieben.

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Prof. Percy A. Knolle, MD
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M. Welz, S. Eickhoff, Z. Abdullah, J. Trebicka, K.H. Gartlan , J.A. Spicer, A.J. Demetris, H. Akhlaghi, M. Anton, K. Manske, D. Zehn, B. Nieswandt, C. Kurts, J.A. Trapani, P. Knolle, D. Wohlleber & W. Kastenmüller: Perforin inhibition protects from lethal endothelial damage during fulminant viral hepatitis, Nature Communications, 15. November 2018, DOI: 10.1038/s41467-018-07213-x (Open Access)
https://www.nature.com/articles/s41467-018-07213-x

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Untersucher-Studie: Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen: Kognitive Beeinträchtigung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?

Im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena untersuchen und behandeln Ärzte, Neuropsychologen und Ergotherapeuten Patienten mit dem Verdacht einer beginnenden Demenzerkrankung. 

  • Sie erforschen, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern und worin sich diese Veränderungen beim gesunden Altern und der beginnenden Demenz unterscheiden. 

Ihr Ziel ist die frühzeitige Identifikation von Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz, um deren Entwicklung bestmöglich entgegen wirken zu können. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Notfallsanitäter 

Im Gedächtniszentrum am UKJ erforscht die Psychologin PD Dr. Kathrin Finke, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern.
Im Gedächtniszentrum am UKJ erforscht die Psychologin PD Dr. Kathrin Finke, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern.
Foto: Manuela Schacke/UKJ
 
Eine einfache Zeichnung; den abgebildeten Gegenstand zu erkennen und zu benennen ist eine Aufgabe in den umfassenden Tests, die die Patienten im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena absolvieren.

Sie kommen aus eigenem Anstoß, auf Anregung der Angehörigen oder auf Empfehlung des Hausarztes in die Klinik für Neurologie nach Lobeda.

Oft leiden sie unter Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen und befürchten, darin die Anzeichen einer beginnenden Demenz zu erkennen.

Neben den neuropsychologischen Tests werden die Patienten auch neurologisch und labordiagnostisch untersucht, um eventuelle andere Ursachen für kognitive Beeinträchtigungen ausschließen zu können.

CAVE: Mit zunehmendem Alter wird die Wahrnehmung langsamer

Nicht selten können die Spezialisten vom Gedächtniszentrum ihre zumeist älteren Patienten und deren Angehörige beruhigen, weil die Gedächtnisleistungen nicht aufgrund einer Erkrankung verringert sind, sondern dem Alter entsprechend. 

„Wir wissen, dass die Geschwindigkeit aller geistigen Prozesse mit dem Lebensalter kontinuierlich abnimmt“, so die psychologische Leiterin des Gedächtniszentrums, PD Dr. Kathrin Finke.

„Und zwar linear bereits ab dem jüngeren Erwachsenenalter.“ 
  • Die Psychologin erforscht, wie sich die kognitiven Leistungen mit den Lebensjahren verändern, beim Altern in geistiger Gesundheit und bei beginnender Demenz.

Ihr Projekt ist Teil der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten interdisziplinären Forschungsgruppe „Active Perception“ an der LMU München, die mit experimentalpsychologischen, neurowissenschaftlichen und mathematischen Methoden den Zusammenhang von menschlicher Wahrnehmung, Erkennen und Handlung untersucht.

Im Fokus steht dabei die Frage, wie unsere Wahrnehmung von Erwartungen beeinflusst wird. 

Weil die visuellen Leistungen besonders anfällig sind für Altern und Demenzerkrankungen wie Alzheimer, testet die Arbeitsgruppe von Kathrin Finke die Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsgeschwindigkeit in eigens dafür konzipierten Wahrnehmungstests am Computer.

„Nicht alle Aufmerksamkeitsleistungen sind bei gesunden Senioren verringert.

Unsere Untersuchungen zeigen, dass sie sehr gut in der Lage sind, sich auf Wichtiges zu konzentrieren und Hinweise zu nutzen, um ihre Aufmerksamkeit und Wahrnehmung verbessern.“

Biomarker für Demenz-Risiko

Das Nachlassen der Wahrnehmungsgeschwindigkeit im Alter ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dies hängt offenbar damit zusammen, ob und wie stark sich die Organisation von Hirnnetzwerken verändert. Kathrin Finke: „Wir erkennen typische Veränderungen in der sogenannten ‚Konnektivität‘ bestimmter Hirnnetzwerke, die im Zusammenhang mit der Verlangsamung der Sinnesverarbeitung stehen.“ In der Fortführung des Forschungsprojektes können nun im Gedächtniszentrum Jena Patienten mit einem Risiko für eine Alzheimer-Entwicklung untersucht werden. Sie absolvieren die Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitstests als Teil der Diagnostik in der Gedächtniswoche. Die Wissenschaftler erwarten, dass sich die Wahrnehmung und die Hirnaktivitätsmuster bei den Patienten mit Demenz-Risiko auf charakteristische Weise von denen gesunder Senioren unterscheiden. „Daraus wollen wir Biomarker entwickeln, die es erlauben, ein Demenz-Risiko möglichst frühzeitig und präzise zu bestimmen. Individuell abgestimmte kognitive Trainings und medikamentöse Behandlung könnten den Verlauf der Krankheit dann so weit wie möglich hinauszögern“, so Katrin Finke.

Genau das ist auch das Ziel der Behandlung, wenn im Gedächtniszentrum eine beginnende Alzheimer-Demenz festgestellt wird.

Natürlich ist das die Diagnose, die die Patienten und ihre Angehörigen befürchten.

Aber Team des Zentrums beobachtet oft auch eine Erleichterung bei den betroffenen Familien über die nun bestehende Klarheit.

„Anhand der umfassenden medizinischen, neuropsychologischen und ergotherapeutischen Diagnostik erstellen wir für den Patienten einen individuellen Behandlungsplan, der gemeinsam mit dem Hausarzt verfolgt wird, und vermitteln auch weitere Unterstützung“, sagt PD Dr. Christoph Preul, ärztlicher Leiter des Gedächtniszentrums.

Eine wesentliche Rolle spielt die Angehörigenschulung, die das Verständnis für die mit der Erkrankung einhergehenden Veränderungen und den besten Umgang damit fördert.

Kathrin Finke:

„Die Krankheit schreitet sehr langsam voran und die Patienten finden sich in gewohnten Situationen und Umgebungen noch lange gut zurecht.

Auch später sind sie Menschen mit eigenen Vorlieben, Wünschen und Bedürfnissen, mit denen man gemeinsam Freude empfinden kann.“

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PD Dr. Kathrin Finke
Gedächtniszentrum Jena, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 9323474
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Dr. Uta von der Gönna
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Originalpublikation:
Adriana L. Ruiz-Rizzo u.a. (2019). Decreased cingulo-opercular network functional connectivity mediates the impact of aging on visual processing speed. Neurobiology of Aging, https://doi.org/10.1016/j.neurobiolaging.2018.09.014
Haupt, M., Sorg, C., Napiórkowski, N., & Finke, K. (2018). Phasic alertness cues modulate visual processing speed in healthy aging. Neurobiology of Aging, https://doi.org/10.1016/j.neurobiolaging.2018.05.034

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https://www.for2293.uni-muenchen.de/index.html Homepage der Forschungsgruppe

CED - Chronisch-entzündliche Darmerkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bessere Versorgung von Patienten mit Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Der Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) fördert mit rund 5,4 Mio. Euro ein neues Projekt im Bereich „Neue Versorgungsformen“ zur Verbesserung der Therapiebegleitung für Menschen mit Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). 

PD Dr. Bernd Bokemeyer (Gastroenterologe in Minden u. Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel) erhielt als Projektleiter den Förderbescheid des G-BA. 

Wesentlicher Partner ist die Klinik für Innere Medizin I (Direktor Prof. Dr. Stefan Schreiber) des UKSH, Campus Kiel. 

Zusammen mit anderen Konsortialpartnern wird das neue Versorgungskonzept in den kommenden vier Jahren umgesetzt und in einer randomisierten Studie evaluiert. 

 PD Dr. med. Bernd Bokemeyer
 PD Dr. med. Bernd Bokemeyer privat

  • Die Zahl der an CED erkrankten Menschen nimmt kontinuierlich zu, vor allem in Nordeuropa sind immer mehr Menschen betroffen – in Deutschland derzeit ungefähr 400.000 Menschen. 
  • Die beiden häufigsten Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. 
Bei beiden Erkrankungen sind die Symptome ähnlich: 
  • Patienten leiden unter Bauchschmerzen, häufigen, zum Teil blutigen Durchfällen sowie bei länger anhaltenden Schüben unter Gewichtsverlust und Schwäche. 
  • Darüber hinaus können Beschwerden auch außerhalb des Magen-Darm-Traktes auftreten, z.B. an den Gelenken und der Haut. 
  • Heilbar sind die Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht, die Krankheitsschübe lassen sich jedoch mit medikamentöser Behandlung und einer Anpassung der Lebensgewohnheiten an Häufigkeit und Intensität reduzieren und langfristig kontrollieren.
„Die psychosoziale Dimension ist neben den körperlichen Beeinträchtigungen ein wesentlicher Faktor Chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen“, sagt PD Dr. Bokemeyer.

„Daher planen wir, für Patienten mit CED, die auf Grund eines schwereren Krankheitsverlaufs einer Therapie mit Biologika bedürfen, nun ein verbessertes Versorgungskonzept mit einer intensiven Betreuung zu etablieren.“

Kern des Konzeptes ist es, dem Patienten eine spezialisierte pflegerische, bzw. im ambulanten Bereich eine spezielle mitbetreuende Assistenz („CED-Versorgungsassistenz“) an die Seite zu stellen.

Dabei werden wertvolle Erfahrungen aus dem Ausland („IBD-Nurse - Inflammatory Bowel Disease Nurse“) genutzt.

  • Die Delegation ärztlicher Leistungen unter Berücksichtigung krankheitsbezogener körperlicher, seelischer wie psychosozialer Probleme wird die Versorgungsqualität erhöhen und dem Patienten mehr Zeit für die gegenseitige Interaktion innerhalb des Betreuungskonzeptes geben. 

Zugleich soll eine stärkere Einbeziehung der Patienten in Planung und Organisation der eigenen Behandlung diese zu einer aktiveren Rolle bei medizinischen Problemsituationen befähigen, z.B. bei der Therapieeinleitung, einer Therapieumstellung bei Wirkungsverlust der Biologika-Therapie oder beim Auftreten von Nebenwirkungen.

„Eine solche patientenzentrierte Betreuung unter Einbeziehung der individuellen somatischen wie psychosozialen Belastungen und Risiken entspricht exakt dem Anspruch unserer Klinik, ein umfassendes, integriertes Versorgungskonzept für CED-Patienten zur Verfügung zu stellen.

Diese intensive Begleitung kann u.a. die krankheitsspezifische Lebensqualität der Patienten steigern“, sagt Prof. Schreiber.

Die Umsetzung der neuen Versorgungsform in die Praxis wird durch eine entsprechende Schulung der CED-Fachassistenz vorbereitet sowie durch ein kollegiales Beratungsangebot für die am Projekt teilnehmenden Ärzte begleitet.

Im Rahmen des Projektes erfolgt eine wissenschaftliche Evaluation mit Durchführung einer randomisierten Studie, um den Stellenwert einer Begleitung durch eine spezialisierte CED-Fachassistenz für Therapieverlauf, definierte klinische Outcomes, krankheitsspezifische Lebensqualität, psychosoziale Beeinträchtigungen und Selbstmanagementfähigkeiten zu erfassen.

Medizinischer Leiter des Projektes ist PD Dr. Bokemeyer, die Projektkoordination erfolgt durch das vom UKSH ausgeründete Kompetenznetz Darmerkrankungen e.V. mit Sitz in der Hopfenstraße in Kiel. PD Dr. Bokemeyer betreibt eine Gastroenterologische Praxis in Minden.

Die Klinik für Innere Medizin I mit den Schwerpunkten Gastroenterologie, Hepatologie, Pneumologie, internistische Intensivmedizin, Endokrinologie, Infektiologie, Rheumatologie, Ernährungs- und Alterungsmedizin ist mit seinem Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin (ab 2019 „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen/Precision Medicine in Chronic Inflammation“) Teil des Exzellenzclusters Entzündungsforschung.

Weitere Projektpartner sind: Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e.V. (bng), Fachgesellschaft für Assistenzpersonal Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen e.V. (FA-CED), Techniker Krankenkasse, Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg, Institut für Sozialmedizin/Zentrum für Bevölkerungsmedizin und Versorgungsforschung, Universität zu Lübeck (Prof. Dr. med. Dr. phil. Heiner Raspe, Dr. phil. Angelika Hüppe).



Prof. Dr. Stefan Schreiber
Prof. Dr. Stefan Schreiber UKSH


Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erhielt mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz den Auftrag, neue Versorgungsformen und Projekte zur Verbesserung der bestehenden Versorgung zu fördern. Übergeordnetes Ziel des Innovationsfonds ist eine qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland.

Die Bundesregierung hat zu diesem Zweck einen Innovationsfonds aufgelegt. Die zur Verfügung stehende Fördersumme beträgt in den Jahren 2016 bis 2019 jeweils 300 Millionen Euro jährlich.

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Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Klinik für Innere Medizin I
PD Dr. Bokemeyer
Tel.: 0431 500-15101
E-Mail: bernd.bokemeyer@t-online.de

Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
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Oliver Grieve
Telefon: 0431 / 597 - 5544
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Deine Schmerzwahrnehmung - Chronische Schmerzpatienten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schmerz: Wahrnehmung und Handlungsimpuls entstehen unabhängig voneinander im Gehirn

Schmerz ist ein negatives Gefühl, das wir schnell loswerden wollen. 

Um den Körper zu schützen, handeln wir, indem wir beispielsweise die Hand zurückziehen. 

Diese Handlung wird üblicherweise als Folge der Schmerzwahrnehmung aufgefasst.
  • Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat nun gezeigt, dass Wahrnehmung, Handlungsimpuls und Energiebereitstellung gleichzeitig und nicht, wie erwartet, nacheinander im Gehirn entstehen. 

Laura Tiemann, Erstautorin der neuen Studie zur Schmerzwahrnehmung, bereitet zusammen mit Markus Ploner, Heisenberg-Professor für Human Pain Research an der TUM, eine Person für die EEG-Messung vor.
Laura Tiemann, Erstautorin der neuen Studie zur Schmerzwahrnehmung, bereitet zusammen mit Markus Ploner, Heisenberg-Professor für Human Pain Research an der TUM, eine Person für die EEG-Messung vor. Kurt Bauer / Technische Universität München
 
Unter der Leitung von Markus Ploner, Heisenberg-Professor für Human Pain Research, haben sich Forscherinnen und Forscher der Klinik für Neurologie des TUM-Universitätsklinikums rechts der Isar angesehen, wie genau im Gehirn ein schmerzhaftes Ereignis verarbeitet wird.

  • Sie konnten erstmals zeigen, dass das Gehirn auf einen Schmerzreiz mit mindestens drei unterschiedlichen Antworten reagiert – und dass diese gleichzeitig und nicht abhängig voneinander ablaufen. 

Die Ergebnisse könnten grundlegende Auswirkungen auf das Verständnis und die Behandlung von Schmerzpatientinnen und -patienten haben.

Schmerz besteht aus mindestens drei Faktoren: 

  • der Wahrnehmung, der Handlung - zum Beispiel dem Zurückziehen der Hand von einer heißen Herdplatte - und der Reaktion des autonomen Nervensystems, das die notwendige Energie für das Handeln bereitstellt. 
Über das autonome Nervensystem werden die lebenswichtigen Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel gesteuert.

Zusammenspiel aus Verhaltens- und EEG-Messungen

In ihren Versuchen setzten die Forscherinnen und Forscher Freiwillige kurzen, unterschiedlich starken Schmerzreizen auf dem Handrücken aus. Um die Schmerzwahrnehmung zu bestimmen, sollten die Personen die wahrgenommene Stärke des Reizes auf einer Skala bewerten. Die Handlungskomponente untersuchte das Team um Markus Ploner anhand der Reaktionszeit, die die Patienten benötigten, um ihre Finger als Antwort auf die Reize zurückzuziehen.  

Um auch die dritte Schmerzkomponente, die Reaktion des autonomen Nervensystems, zu bestimmen, maßen sie die Schweißproduktion in den Handinnenflächen.

Gleichzeitig wurde während des Versuchs die Hirnaktivität mit Hilfe der Elektroenzephalographie (EEG) registriert. Mit dieser Methode lässt sich sehr genau sichtbar machen, wann und wie Nervenzellen auf einen Schmerzreiz reagieren.

Schmerzkomponenten entstehen unabhängig voneinander


Für die Auswertung verwendeten Ploner und sein Team ein statistisches Verfahren, die sogenannte Mediationsanalyse. Dieses Verfahren ist in den Sozialwissenschaften inzwischen gut etabliert und wurde von ihnen erstmals auf EEG-Daten angewendet. So konnten sie herausfinden, welche Hirnantworten an der Umsetzung der drei Schmerzkomponenten beteiligt sind, und wann genau diese stattfinden.

Das Ergebnis der Auswertungen überraschte die Forscherinnen und Forscher:

„Wir konnten erstmals sehen, dass die Hirnantworten für die Schmerzkomponenten nicht nacheinander ablaufen, sondern teilweise gleichzeitig. 

Das heißt, dass die Handlungsvorbereitung und die Energiebereitstellung nicht vollständig von der Schmerzwahrnehmung abhängen, sondern teilweise unabhängig davon umgesetzt werden“, erklärt Laura Tiemann, Erstautorin der Studie.

Umfassende Schmerztherapie für chronische Schmerzpatienten

Was zunächst abstrakt klingt, könnte auch für Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen wichtig sein.

Ploner empfiehlt für eine umfassende Schmerztherapie alle drei Komponenten des Schmerzes im Auge zu behalten: 
  • „Bei chronischen Schmerzpatienten sind möglicherweise nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Vorbereitung und Durchführung von Handlungen gegen den Schmerz sowie die Energiebereitstellung verändert. 
Unsere Befunde sind somit ein biologisches Argument für eine Schmerztherapie, die den Schmerz ganzheitlich mit allen seinen Komponenten umfasst.

Das würde sowohl psychotherapeutische und medikamentöse als auch physiotherapeutische Therapien beinhalten“, erklärt Ploner.

Am Interdisziplinären Zentrum für Schmerzmedizin der TUM werden solche sogenannten Multimodalen Schmerztherapien bereits angeboten.

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Prof. Dr. Markus Ploner
Neurologische Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Tel.: 089 4140-4608
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Dr. Ulrich Marsch
Telefon: 089 / 289 - 22778
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Originalpublikation:
Laura Tiemann, Vanessa D. Hohn, Son Ta Dinh, Elisabeth S. May, Moritz M. Nickel, Joachim Gross and Markus Ploner: Distinct patterns of brain activity mediate perceptual and motor and autonomic responses to noxious stimuli, Nature Communications, October 2018, DOI: 10.1038/s41467-018-06875-x (Open Access).
https://www.nature.com/articles/s41467-018-06875-x

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.professoren.tum.de/de/ploner-markus/ - Profil von Prof. Markus Ploner

https://www.painlabmunich.de/ - Forschungsgruppe von Markus Ploner



Vakuumstanzbiopsien: Brustkrebs, Läsionen, Kalbablagerungen,

Medizin am Abend Berlin Fazit: Verbesserte Diagnostik bei Brustbiopsien | Gewebeproben mit neuem System präziser entnehmen 

Um Läsionen der Brust, wie sie zum Beispiel bei Brustkrebs oder dessen Vorläufern auftreten, zuverlässig bestimmen zu können, werden im Bereich der diagnostischen Radiologie häufig kleinste Gewebeproben entnommen.

Oftmals ist die Entnahme, eine so genannte Biopsie, jedoch für die Patientin nicht sehr komfortabel.

Um diesen Prozess, etwa bei Vakuumstanzbiopsien, schneller, angenehmer und genauer zu gestalten, setzt die Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Ulm seit dem Herbst 2018 einen Biopsietisch der neuesten Generation ein.

v.l.: Prof. Meinrad Beer, Dr. Benedikt Schwab und Stefanie Lorenz
        
v.l.: Prof. Meinrad Beer, Dr. Benedikt Schwab und Stefanie Lorenz
Foto: Universitätsklinikum Ulm

Das Team um Stefanie Lorenz, Assistenzärztin und Bereichsleitung Interventionelle Mammographie, sowie Dr. Benedikt Schwab, Facharzt und Bereichsleitung CT Michelsberg, hat den Biopsietisch am Ulmer Michelsberg in Betrieb genommen.

Es stößt mit dem neuen System sozusagen in die dritte Dimension vor.

Denn zuvor war die Diagnostik der Brustbiopsien am Universitätsklinikum Ulm auf eine 2D-Bildgebung beschränkt.

Der Ärztliche Direktor der Klinik für Interventionelle und Diagnostische Radiologie, Professor Dr. Meinrad Beer, sagt:

„Wir freuen uns sehr, mit dem neuen System sowohl präziser als auch schneller arbeiten zu können. Aber vor allem, den Patientinnen die notwendige Prozedur zu erleichtern.“

Der Biopsietisch bietet zusätzlich eine höhere Bildauflösung, einen 360° Brustzugang und auch mehr Komfort für die durchführenden Ärzt*innen.

Selbst kleinste Läsionen und Kalkablagerungen können somit zuverlässig biopsiert werden, was die Diagnostik-Möglichkeiten noch weiter verbessert.

Wichtigster Faktor:

Die Zeit, die die Patientin auf dem Tisch verbringen muss, wird verringert.

Innerhalb von Sekunden werden Bilder erzeugt, die Aufschluss über die Gewebeveränderung der Brust geben.

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Stefanie Lorenz, Assistenzärztin und Bereichsleitung
Interventionelle Mammographie der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie,
 Tel. 0731- 500- 61183, stefanie.lorenz@uniklinik-ulm.de

Albert-Einstein-Allee 29
89081 Ulm
Deutschland
Baden-Württemberg

Nina Schnürer
Telefon: 0731 500 43025
Fax: 0731 500 43026
E-Mail-Adresse: nina.schnuerer@uniklinik-ulm.de




 

Ultraschalluntersuchung: Funktionsstörung der Schildrüse

Medizin am Abend Berlin Fazit: Funktionsstörung der Schilddrüse eindeutig entdecken? Ultraschall macht’s möglich

 Rund 600 000 Frauen in Deutschland sind von der Schilddrüsenerkrankung Morbus Basedow betroffen.

Bei Männern tritt sie deutlich seltener auf.

  • Emotionale Verletzbarkeit, Haarausfall, innere Unruhe, Schwitzen, Zittern und Durchfall sind einige der typischen Symptome.

Da die Anzeichen denen einer Schilddrüsenüberfunktion ähneln und nur manche Patienten die bekannten hervortretenden Augen zeigen, können die Erkrankungen leicht verwechselt werden.

Um rechtzeitig eine Therapie einleiten zu können, führen Ärzte diverse diagnostische Untersuchungen durch.

Eine wesentliche Rolle fällt hierbei der Ultraschalluntersuchung zu.
        
Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) machen darauf aufmerksam, dass mittels Ultraschall das Schilddrüsengewebe und seine Durchblutung besonders exakt bestimmt werden können.

Zudem können Fachärzte durch eine spezielle Technik – die Feinnadelpunktion – andere Schilddrüsenerkrankungen eindeutig ausschließen.
Die Schilddrüse (Thyroidea) ist eine wichtige Hormondrüse.

„Sie übernimmt als Stoffwechselorgan eine Vielzahl von Funktionen im Körper“, sagt Professor Dr. med. Josef Menzel, Leiter der DEGUM-Sektion Innere Medizin. „Sie bildet unter anderem die jodhaltigen Hormone T3 (Triiodthyronin) und T4 (Thyroxin), die den Stoffwechsel, den Kreislauf und die Stimmung beeinflussen.“ Gesteuert wird die Aktivität der Schilddrüse durch ein im Gehirn gebildetes Hormon, das TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon).

Bei der Schilddrüse sind in erster Linie folgende Erkrankungen bekannt:

Zum einen die krankhafte Vergrößerung des Organs, der sogenannte Kropf (Jodmangel), und zum anderen Knoten in der Schilddrüse.

Auch bösartige Tumore können in und an der Schilddrüse auftreten.

Neben den strukturellen Veränderungen werden bei der Schilddrüse auch funktionelle Veränderungen festgestellt.

So gibt es eine Unterfunktion (Hypothyreose) und eine Überfunktion (Hyperthyreose) des hormonproduzierenden Organs.

  • Bei einer Überfunktion kommt es zu Haarausfall, Reizbarkeit, Schwitzen (Wärmeunverträglichkeit), Zittern, Bluthochdruck, schnellem Puls, Heißhunger, Durchfall und Muskelschwäche“, erläutert Menzel, Leiter der Medizinischen Klinik II am Klinikum Ingolstadt.
  • Die Symptome der Unterfunktion sind Haarausfall, Depression, Kältegefühl, verlangsamter Puls, niedriger Blutdruck, Gewichtszunahme, Verstopfung, erhöhte Blutfette und Muskelschwäche.
„Eine weitere, weniger bekannte Erkrankung der Schilddrüse, die leicht mit einer Überfunktion verwechselt werden kann, ist der Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung“, erklärt Menzel.
 
„Normalerweise bilden die Immunzellen des Körpers Antikörper gegen Bakterien oder Viren; bei einer Autoimmunkrankheit wie dem Morbus Basedow greifen sie jedoch körpereigene Zellen an.“ Es kommt zu einer unkontrollierten Freisetzung von Schilddrüsenhormonen.
  • Bei Morbus-Basedow-Patienten binden sich Antikörper an die Zellen der Schilddrüse und zwar an den Rezeptor für das im Gehirn gebildete Hormon TSH; man nennt die Antikörper deshalb TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK).
 
Die TRAKs können sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion auslösen:
 
  • „Wenn sie den TSH-Rezeptor blockieren, „denkt“ die Schilddrüse, sie hat eine Unterfunktion und muss gegensteuern, das heißt sie fängt an zu wachsen und es entsteht ein Kropf, also eine Vergrößerung der Schilddrüse“, so der Experte.
„Wenn die TRAKs die Schilddrüse aber anregen, schüttet die Schilddrüse vermehrt Hormone aus – dann kommt es zu einer Überfunktion.“
„Um eindeutig herauszufinden, ob ein Patient tatsächlich an einem Morbus Basedow oder an einer anderen Schilddrüsenerkrankung leidet, führt der Arzt diverse Untersuchungen durch“, sagt Menzel.
 
Dazu gehören nach der genauen Feststellung der klinischen Symptome, die körperliche Untersuchung, die Analyse verschiedener Laborwerte – zum Beispiel der TRAKs –  TAKs und ft3 und ft4 und TSH und die Ultraschalluntersuchung.
 
„Mit Hilfe des Ultraschalls können wir die Diagnose schnell und sicher stellen“, betont Menzel.
 
„Besonders wenn die sogenannte Farbdopplersonografie eingesetzt wird, kann die Struktur des Gewebes sehr exakt dargestellt werden.
 
  • So lässt sich dann beispielsweise die für die Krankheit typische, massiv gesteigerte Durchblutung des gesamten Organs feststellen.“
Endgültige Sicherheit gewinnt der Spezialist mit der einfachen, sicheren und schnellen ultraschallgezielten Feinnadelpunktion“, so Professor Menzel. Hierbei entnimmt der Arzt der Schilddrüse unter Ultraschallüberwachung ein kleines Gewebestück und lässt es histologisch untersuchen.
 
Mit diesem Verfahren kann er andere Erkrankungen der Schilddrüse eindeutig ausschließen.
 
„Damit ist die Ultraschalluntersuchung neben der klinischen Symptomatik und den Laborparametern eine tragende Säule der Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen“, sagt Menzel.
Die Behandlung des Morbus Basedow kann zunächst mit Tabletten erfolgen, die die Aktivität der Schilddrüse herabsetzen (Thyreostatika).
 
 „Wenn es nach einem Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren nicht zu einer nachhaltigen Besserung kommt, muss die Schilddrüse langfristig entweder durch eine Operation oder durch eine Behandlung mit radioaktivem Jod (Radiojodtherapie) verkleinert werden,“ so der Experte abschließend.
Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de 
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Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM)
Friederike Gehlenborg
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-295
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: gehlenborg@medizinkommunikation.org

Untersucher-CAVE: Mütterlicher Stress am Wochenende wieder heftig erlebt? https://kinderarztpraxis-st-hedwig.de/

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gestresste Mütter – übergewichtige Kinder

Jedes zehnte Kind ist übergewichtig, jedes zwanzigste sogar fettleibig. 

Wissenschaftler*innen des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung / Berlin Institute of Health (BIH) haben gemeinsam mit Kolleg*innen von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig nun einen bisher wenig untersuchten Zusammenhang aufgeklärt: 

In der Mutter-Kind-Studie LiNA, die am UFZ koordiniert wird, fanden sie heraus, dass der empfundene Stress der Mutter im ersten Lebensjahr des Kindes Übergewicht im Kleinkindalter begünstigt. 
 
  • Mütterlicher Stress wirke sich vor allem auf die Gewichtsentwicklung von Mädchen aus und führe zu einer langfristigen Prägung, schreiben die Forscher*innen des BIH, der Charité, des UFZ sowie der Universität Bristol im Fachmagazin BMC Public Health.

Seit 2006 kooperieren UFZ-Forscher*innen mit Kolleg*innen aus dem Städtischen Klinikum St. Georg sowie dem Universitätsklinikum Leipzig in der LiNA-Studie:

LiNa steht für „Lebensstil und Umweltfaktoren und deren Einfluß auf das Allergierisiko von Neugeborenen“. 

In der aktuellen Studie werteten die Forscher*innen um Irina Lehmann und Saskia Trump, die beide seit Anfang 2018 am BIH forschen, Daten von 498 Mutter-Kind-Paaren aus.

Aus den Angaben zu Größe und Gewicht ermittelten die Forscher*innen den Body Mass Index (BMI) der Kinder und normierten ihn auf Alter und Geschlecht. 

,Den empfundenen Stress der Mütter während der Schwangerschaft und während der ersten beiden Lebensjahre der Kinder erhoben sie mithilfe validierter Fragebögen, der die Themen Sorgen und Ängste, Anspannung, allgemeine Zufriedenheit sowie den Umgang mit täglichen Anforderungen umfasste. Anschließend setzten sie beide Datensätze miteinander in Beziehung.

Gestresste Mütter haben häufiger übergewichtige Kinder als entspannte Mütter.

„Wir haben dabei deutlich gesehen, dass der empfundene Stress der Mutter während des ersten Lebensjahres des Kindes mit der Gewichtsentwicklung des Kindes in den ersten fünf Lebensjahren zusammenhängt“, sagt Irina Lehmann, die gemeinsam mit Saskia Trump die Untersuchung konzipiert und geleitet hat.

„Gestresste Mütter haben häufiger übergewichtige Kinder als entspannte Mütter.“ 

„Besonders auffällig ist der Einfluss von mütterlichem Stress auf Mädchen“, ergänzt Saskia Trump.

  • Studien hätten gezeigt, dass Jungen möglicherweise den Stress der Mütter besser kompensieren.
  • Keinen Einfluss auf das Gewicht der Kinder hatte mütterlicher Stress während der Schwangerschaft oder während des zweiten Lebensjahrs der Kinder. 

„Das erste Lebensjahr scheint eine sensible Phase und für die Neigung zu Übergewicht prägend zu sein“, sagt Kristin Junge vom UFZ, eine der beiden Erstautorinnen der Studie.

„In dieser Zeit sollte dem Befinden der Mutter daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden“, ergänzt sie.

Ursachen für mütterlichen Stress

„Um herauszufinden, warum die Mütter während der Schwangerschaft und in den ersten beiden Lebensjahren der Kinder gestresst waren, haben wir uns die Daten noch einmal intensiv angeschaut“, berichtet Beate Leppert, ebenfalls Erstautorin der Studie, die mittlerweile an der Universität Bristol arbeitet. „Insbesondere haben wir die Lebensbedingungen der Mütter unter die Lupe genommen.“ Dabei entdeckten die Wissenschaftler*innen, dass die gestressten Mütter häufiger als nicht-getresste Mütter in einem einfachen Wohnumfeld lebten, häufiger Lärm und Straßenverkehr ausgesetzt waren und im Durchschnitt über ein niedrigeres Haushaltseinkommen verfügten.

  • Gestresste Mütter nicht allein lassen
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Situation der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiAs

„Wir wollen mit unserer Studie auf das Problem der gestressten Mütter aufmerksam machen“, sagt Irina Lehmann. 
  • „Keineswegs sollte man sie mit ihrem Problem alleine lassen.“ Kinderärzt*innen könnten bei den Untersuchungen der Kinder im ersten Lebensjahr immer auch einen Blick auf die Mütter werfen und sie bei Anzeichen für Stress auf ihre Situation ansprechen. 
„Es gibt bereits viele gute Hilfsangebote für junge Mütter, viele wissen aber nichts davon.

Wenn man hier ansetzt, könnte man den Müttern helfen und damit womöglich ihren Kindern späteres Übergewicht ersparen“, so Saskia Trump.

In zukünftigen Forschungsarbeiten will das Team untersuchen, welche weiteren Risikofaktoren die kindliche Gewichtsentwicklung prägen können und welche Mechanismen an der langanhaltenden Fehlsteuerung des Stoffwechsels beteiligt sind.

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Über das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung | Berlin Institute of Health (BIH) widmet sich der Übertragung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in die Klinik, der so genannten Translation. Ziel ist eine personalisierte Präzisionsmedizin für Menschen mit progredienten Krankheiten, um ihre Lebensqualität zu erhalten oder wiederherzustellen. Dies soll gelingen dank präziser Diagnosen, besserer Vorhersagen und neuartiger Therapien. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

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Originalpublikation:
10.1186/s12889-018-6110-5

Mikrobiom, die Bakterien im Darm: CAVE: Trimethylaminoxid

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie Darmbakterien das Herzinfarktrisiko beeinflussen

Wissenschaftler von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung / Berlin Institute of Health (BIH) haben gemeinsam mit Kollegen*innen von der Cleveland Clinic in Ohio in den USA gezeigt, dass bestimmte bakterielle Stoffwechselprodukte aus dem Darm das Risiko erhöhen, einen Herzinfarkt bzw. Schlaganfall zu erleiden. 

Dies galt insbesondere für Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten hatten. 

Die nun veröffentlichten Erkenntnisse könnten dazu beitragen, eine völlig neue Art der Prävention zu entwickeln. 
 
Allein in Berlin erleiden jedes Jahr 10.000 Menschen einen Herzinfarkt, in ganz Deutschland sind es rund 280.000, etwa 50.000 von ihnen sterben an den Folgen.

Zu den bekannten Ursachen gehören Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte im Blut, Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung oder eine Häufung von Herzinfarkten in der Familie. 

 
 Plaqueruptur mit Gerinnselbildung in einem Herzkranzgefäß. Quelle: Landmesser, BIH


Besonders gefährdet sind auch Patient*innen, die bereits ein "kardiovaskuläres Ereignis" erlitten haben, also einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. BIH-Professor Ulf Landmesser, Direktor der Klinik für Kardiologie am Campus Benjamin Franklin der Charité und ärztlicher Leiter des CharitéCentrum für Herz-, Kreislauf- und Gefäßmedizin an der Charité - Universitätsmedizin Berlin, hat mit Kolleg*innen vom Department of Cardiovascular Medicine der Cleveland Clinic in Ohio in den USA sowie Professor Matthias Endres und Kolleg*innen der Klinik für Neurologie der Charité und von der Medizinischen Hochschule Hannover in zwei Studien mit insgesamt über 600 Patient*innen, die kürzlich einen Schlaganfall erlitten hatten, einen bisher weniger bekannten Risikofaktor untersucht:

Das so genannte Mikrobiom, die Bakterien im Darm.

Dabei hatten sie insbesondere die Konzentration eines Stoffwechselprodukts der Bakterien, das Trimethylaminoxid, gemessen und mit dem Risiko verglichen, einen Herzinfarkt bzw. Schlaganfall zu erleiden. 

  • "Wir haben herausgefunden, dass Patient*innen mit einer hohen Trimethylaminoxid -Konzentration im Blut ein doppelt bis fünffach so hohes Risiko für einen Herzinfarkt bzw. Schlaganfall hatten wie Patient*innen mit einer niedrigen Konzentration des Metaboliten", sagt Ulf Landmesser. 

Das Trimethylaminoxid regt offenbar die Zellen auf der Innenschicht der Blutgefäße, die Endothelzellen, dazu an, Faktoren zu bilden, die die Blutgerinnung und Gefäß-Entzündung begünstigen. 

  • Das wiederum lockt entzündungsfördernde Blutzellen an, Monozyten, die ihrerseits in den Blutgefäßwänden die Atherosklerose und Thrombose fördern. 

Eine ganz und gar nicht neue Idee, berichtet Landmesser: "Die Idee, dass Entzündungen mit Arteriosklerose verbunden ist, geht auf Rudolf Virchow zurück, der das schon vor 160 Jahren hier in Berlin beschrieben hat."

  • Die Erkenntnis, dass Mikrobiom und Herzinfarkt bzw. Schlaganfall zusammenhängen, bietet allerdings auch ganz neue Möglichkeiten, Herzinfarkt und Schlaganfall vorzubeugen. 

Die Berliner Mediziner*innen haben dazu mit ihren Kolleg*innen aus Cleveland ein internationales transatlantisches Forschungsnetzwerk of Excellence gegründet, um nach Substanzen zu suchen, die die Bildung der schädlichen Metaboliten in den Bakterien hemmen können.

"Herkömmliche Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, verringern zwar das Herzinfarktrisiko, erhöhen aber gleichzeitig auch das Blutungsrisiko", erklärt Landmesser.

"Das Interessante an diesem neuen Ansatz ist, dass man durch die Beeinflussung der Bakterien das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko senken könnte, ohne dass man gleichzeitig das Blutungsrisiko erhöht. Also möglicherweise eine besonders elegante Methode, das Ziel zu erreichen."

Landmesser plant, die gewonnenen Erkenntnisse bereits in den nächsten drei Jahren in einer klinischen Studie an Patient*innen zu testen.

Doch damit nicht genug:

 "Wir haben noch weitere interessante Metaboliten im Mikrobiom gefunden, die etwa den Cholesterinstoffwechsel positiv beeinflussen.

Man könnte einen solchen Bakterien-Metabolit oral verabreichen, als Nahrungszusatzstoff, und so das Herzinfarktrisiko senken." 

Von daher wäre es völlig falsch, die Mitbewohner im Darm allesamt zu verteufeln, sagt Professor Ulf Landmesser.

"Wir haben mehr Bakterien in uns, als wir Körperzellen haben. Und diese Bakterien tun eben auch viele Dinge, die gut für uns sind. Und die wollen wir natürlich auch erforschen und möglicherweise in präventiven Ansätzen nutzen."

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Dr. Stefanie Seltmann
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Originalpublikation:
Haghikia A, et al.,… Landmesser U. Gut Microbiota-Dependent Trimethylamine N-Oxide Predicts Risk of Cardiovascular Events in Patients With Stroke and Is Related to Proinflammatory Monocytes. Arterioscler Thromb Vasc Biol. 2018 Jul 5. pii: ATVBAHA.118.311023. doi: 10.1161/ATVBAHA.118.311023.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte 
https://www.ahajournals.org/doi/pdf/10.1161/ATVBAHA.118.311023