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Das HERZ bei Brustkrebstherapien: Strahlen- oder Chemotherapie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Brustkrebstherapie: Entwarnung für das Herz

  • Viele Brustkrebstherapien schädigen das Herz. 
Doch in der bislang größten Studie ihrer Art zeigen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg nun: 

Die Gefahr für Brustkrebspatientinnen, nach einer Strahlen- oder Chemotherapie an einer Herzerkrankung zu versterben, ist nicht größer als bei der durchschnittlichen Bevölkerung. 

Ein gutes Risikomanagement in den Kliniken sowie engmaschige Kontrollen scheinen die erhöhten Risiken aufzufangen. 

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2018/bilder/Fotolia_175305965_L_Chombosan.jpg
Quelle: Chombosan, Fotolia 
 
Brustkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung weltweit und die häufigste bei Frauen.

Allein in Deutschland trifft die Diagnose jedes Jahr rund 70.000 Frauen. Eine verbesserte Früherkennung und wirksamere Therapieverfahren haben jedoch das Risiko, an Brustkrebs zu versterben, erheblich gesenkt. 

„Allerdings deuten einige klinische Studien darauf hin, dass sowohl Chemotherapie als auch Strahlentherapie mit dem Risiko einhergehen, in Folge der Behandlung eine Herzerkrankung zu erleiden“, sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Über die tatsächlichen Risiken dieser nebenwirkungsbedingten Herzerkrankungen war jedoch noch wenig bekannt.  

  • Doch für einige Patientinnen könnte die Gefahr, nach überstandener Behandlung langfristig aufgrund der Nebenwirkung zu versterben, sogar größer sein als durch die Krebserkrankung selbst.

Doch bedeutet das nicht, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben? Eine aktuelle Studie aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum vermag diese Sorge nun zu zerstreuen.

Brenners Team hat die Daten von annähernd 350.000 Patientinnen aus US-amerikanischen Krebsregistern ausgewertet. Die Frauen waren in den Jahren 2000 bis 2011 an Brustkrebs erkrankt und daraufhin mit einer Strahlen- oder Chemotherapie behandelt worden. Die Wissenschaftler verglichen die Daten der Patientinnen mit Daten zur weiblichen Durchschnittsbevölkerung in den Vereinigten Staaten und kamen zu dem eindeutigen Ergebnis:

Die Gefahr, langfristig an einer Herzerkrankung zu versterben, ist nach einer Brustkrebsbehandlung nicht größer als bei der durchschnittlichen weiblichen Bevölkerung. 

  • Das gilt für Chemotherapien ebenso wie für Bestrahlungen. 
  • Auch spezielle Behandlungsmethoden für die Untergruppe der so genannten HER2-positiven Patientinnen sind nicht mit einem höheren Risiko für den Tod durch eine Herzerkrankung verbunden.

„Wir waren von diesem Ergebnis zunächst selbst überrascht“, sagt Janick Weberpals, Erstautor der Studie. „Doch wir gehen davon aus, dass unsere Untersuchung ein realistischeres Bild von der tatsächlichen Situation der Behandlung zeichnet, als es bei klinischen Studien der Fall ist.“ Für klinische Studien werden Probandengruppen nach speziellen Kriterien zusammengestellt. Die Auswertung der Krebsregister berücksichtigt jedoch alle darin erfassten Brustkrebspatientinnen.

Zum Teil lässt sich der Effekt wahrscheinlich auf ein gutes Risikomanagement in den Kliniken, etwa durch spezielle kardioonkologische Einheiten, zurückführen.

Dabei wird das individuelle Risiko einer Patientin, aufgrund der Brustkrebsbehandlung eine Herzerkrankung zu erleiden, bereits bei der Auswahl der geeigneten Therapie berücksichtigt. 
Engmaschige Kontrollen im Verlauf der Behandlung ermöglichen zudem, Nebenwirkungen auf das Herz frühzeitig zu erkennen, die onkologische Therapie entsprechend anzupassen sowie eine mögliche Herzerkrankung rasch zu behandeln.

„Das Ergebnis unserer Studie werten wir als sehr positiv für die Behandlung von Brustkrebs“, fasst Brenner zusammen. Es zeige, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis für die meisten Patientinnen stimmt.

„Insbesondere ist es aber eine sehr gute Nachricht für die große Zahl der betroffenen Patientinnen, dass sie sich bei einer guten medizinischen Betreuung und nach überstandener Brustkrebserkrankung nicht mehr Sorgen bezüglich tödlicher Herzerkrankungen machen müssen, als Frauen gleichen Alters ohne Brustkrebs.“

Janick Weberpals, Lina Jansen, Oliver J. Müller, Hermann Brenner: Long term heart-specific mortality among 347,476 breast cancer patients treated with radiotherapy or chemotherapy: A registry-based cohort study. European Heart Journal, 2018, DOI:10.1093/eurheartj/ehy167


Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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Dr. Sibylle Kohlstädt
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Biomarker Troponin

Medizin am Abend Berlin Fazit: Biomarker in der Herz-Medizin

Risikoreiche Entwicklungen erkennen und gezielt individuell behandeln

Biomarker bieten immer bessere Möglichkeiten, risikoreiche Entwicklungen nicht nur zu erkennen, sondern auch gezielt zu behandeln. 

In der Herz-Medizin sollen Troponine in Zukunft vermehrt auch zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos, zur Auswahl einer geeigneten individuellen Therapie und zu deren Erfolgskontrolle herangezogen werden 

 „Die moderne Forschung bietet mit den Biomarkern immer bessere Möglichkeiten, risikoreiche Entwicklungen nicht nur zu erkennen, sondern auch gezielt zu behandeln“, sagte Prof. Dr. Hugo Katus (Heidelberg), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) auf einer Pressekonferenz zum Auftakt der 84. Jahrestagung der DGK in Mannheim, auf der vom 4. bis zum 7. April 8.500 aktive Teilnehmer erwartet werden.

Ein viel versprechendes Beispiel in der Kardiologie ist der Biomarkers Troponin.

Biomarker sind körpereigene Moleküle, die bei einem Krankheitsvorgang neu entstehen oder verstärkt gebildet werden. Sie können, sofern sie einen Krankheitsprozess spezifisch anzeigen können und Testsysteme mit ausreichender analytischer Qualität verfügbar sind, für die Diagnostik und Prognose angewendet werden.

 „Seit unser Team in Heidelberg 1987 den Troponin T Assay erfunden und entwickelt hat, wurden die Testsysteme kontinuierlich verbessert“, so Prof. Katus. „Hochsensitive Tests können heute auch sehr niedrige Troponin-Konzentrationen im Blut nachweisen. Sie eröffnen eine neue Dimension in der Erkennung von Krankheits- und Umbauprozessen des Herzens, und sie verändern nachhaltig die Diagnostik des Herzinfarkts und der Herzmuskelschädigungen.“

Rasche und sichere Herzinfarkt-Diagnose verkürzt Zeit bis zum Behandlungsbeginn

Troponin ermöglicht zum Beispiel eine rasche und sichere Herzinfarkt-Diagnose. Während mit konventionellen Troponin-T Tests eine Wartezeit von drei oder sechs Stunden erforderlich wäre, um einen Konzentrationsanstieg einem Herzinfarkt zuzuordnen, ist das mit den neuen hochsensitiven Troponin-Tests durch den diagnostischen Ein-Stunden-Algorithmus bereits nach einer Stunde möglich. 

 „Das bedeutet bei positivem Befund eine stark verkürzte Zeit bis zum Beginn der Behandlung, und bei einem Herzinfarkt ist jede gewonnene Minute wichtig“, so Prof. Katus. „Bei negativem Befund bedeutet das den Ausschluss eines Herzinfarkts sowie eine starke Kosteneinsparung, weil dann Patienten wieder nach Hause gehen können, ohne die Infrastruktur der Notfallstation unnötig zu belasten.“
  • So wurde in einer Studie gezeigt, dass auch ohne EKG-Befund mittels eines hochsensitiven Troponin-Tests bei der Krankenhausaufnahme wirksam und sicher bei einem Drittel der Patienten mit Infarkt-Verdacht ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden konnte.
Hinweise für die richtige Therapieentscheidung – Identifizieren von „Mikroinfarkten“

„Wichtige Hinweise liefern die Troponin-Werte nicht nur für das individuelle Risiko eines Patienten, sondern auch für die Wahl der Therapie“, sagte Prof. Katus. „Mittels hochsensitiver Troponin-Tests lassen sich auch so genannte ‚Mikroinfarkte‘ feststellen, die riskant sind und entsprechend behandelt werden müssen.“

  • Weil Troponin durch jede Form der Herzmuskelschädigung freigesetzt werden kann, gibt es auch Troponin-Erhöhungen, die nicht durch einen Herzinfarkt entstehen, erklärt Prof. Katus

„Die Diagnose Myokardschädigung ist in jedem Fall sehr bedeutsam, weil sie mit einem hohen Herz-Risiko einhergehen kann ist. Diese Einsicht eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Risikobestimmung und Therapiekontrolle.“

Erhöhte Troponin-Werte können auch auf Myokardschädigungen bei Patienten mit akuten oder chronischen nicht-kardialen Erkrankungen hinweisen:

Zum Beispiel bei Pneumonie, COPD, Niereninsuffizienz, Lungenhochdruck, Chemotherapie oder Gefäßentzündungen (Vasculitis).

  • Unabhängig von der Ursache der Herzmuskelschädigung steht bei diesen Erkrankungen eine Beteiligung des Herzens, erkennbar an den Troponin-Erhöhungen im Blut, mit einer erhöhten Sterblichkeit von bis zu 40 Prozent im ersten Jahr in einem Zusammenhang.

Troponin-Werte im Blut haben sich darüber hinaus auch als Prädiktoren für das Herz-Kreislauf- und Gesamt-Sterblichkeits-Risiko sowie das Risiko einer Krankenhauseinweisung in Niedrigrisiko-Gruppen oder auch bei vermeintlich gesunden Probanden (Nicht-Sekundärprävention und Sekundärprävention) erwiesen.

Das Ergebnis war, dass hochsensitives Troponin T eine ausgezeichnete Risikobewertung (Risikostratifikation) ermöglichte, die prognostischen Ergebnisse waren besser als bei den etablierten PROCAM Score und drei FRAMINGHAM Unter-Scores, so Prof. Katus.

Risikoabschätzung bei hohem LDL-Cholesterin, Verlaufskontrolle bei Statintherapie

Neue Studienergebnisse geben Hinweise darauf, dass Troponin-T Tests auch bei der Abschätzung des individuellen kardiovaskulären Risikos eines hohen LDL-Cholesterins in der Primärprävention unterstützen können, oder bei der Verlaufskontrolle einer Statintherapie.

Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie im Journal of the American College of Cardiology hin.

„Wir hoffen, kardiale Troponine in Zukunft vermehrt auch zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos, zur Auswahl einer Therapie und zu deren Erfolgskontrolle heranzuziehen zu können“, bilanziert Prof. Katus.

„Zunehmend erforscht wurde auch der Umstand, dass Troponin geschlechtsspezifisch ist. Frauen haben niedrigere Werte als Männer, was durch die neuen hochsensitiven Tests auf-gedeckt werden kann.“

Quellen:

H. Katus, E. Giannitsis: Published in Cardiology; Journal Scan / Research · October 05, 2017; Car-diac Myosin-Binding Protein C Comparable to Troponins for Diagnosis of MI

Nicht nur zur Infarkt-Diagnostik – taugt kardiales Troponin auch als Marker des Infarkt-Risikos in der Primärprävention?, Medscape 3.1.2017

M. Biener, E. Giannitsis, et al: Prognostic Value of High-Sensitivity Cardiac Troponin T Compared with Risk Scores in Stable Cardiovascular Disease; The American Journal of Medicine, 130(5), 572-582, 2017; DOI: https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2016.11.028

Ford et al.: High-Sensitivity Cardiac Troponin, Statin Therapy, and Risk of Coronary Heart Disease Journal of the American College of Cardiology; Volume 68, Issue 25, 27 December 2016, Pages 2719-272

R. Body et al.: The Use of Very Low Concentrations of High‐sensitivity Troponin T to Rule Out Acute Myocardial Infarction Using a Single Blood Test; Academic Emergency Medicine, 14 May 2016; https://doi.org/10.1111/acem.13012

Mini Review Matthias Mueller-Hennessen and Evangelos Giannitsis: Do we need to consider age and gender for accurate diagnosis of myocardial infarction? DOI 10.1515/dx-2016-0023 Received June 30, 2016; accepted November 4, 2016; published online November 23, 2016


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Prof. Dr. Eckart Fleck Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.


Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
Hauptstadtbüro der DGK: Leonie Nawrocki, Tel.: 030 206 444 82

 Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

Herzzentrum Vorpommern: Prof. Stephan Felix Einladung zum 02. Juni 2018

Medizin am Abend Berlin Fazit: Universitätsmedizin Greifswald und Klinikum Karlsburg gründen „Herzzentrum Vorpommern“

Medizin am Abend Berlin ZusatzTerminHinweis: Prof. Dr. Felix Einladung für 02. Juni 2018

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachTermin: Einladung Prof. Dr. Felix für 30. Juni 2018 Herztage  

Versorgung von Patienten mit Herzerkrankungen wird deutlich verbessert

Wollen die Versorgung von Patienten mit Herzerkrankungen in Vorpommern weiter verbessern (Namen s. Pressetext). Fotos: UMG/Manuela Janke
Wollen die Versorgung von Patienten mit Herzerkrankungen in Vorpommern weiter verbessern: der Ärztliche Direktor des Klinikums Karlsburg, Prof. Wolfgang Motz (v. li.), Oberärztin Dr. Sybille Scheler vom Klinikum Karlsburg, der Direktor der Zentrums für Innere Medizin B an der UMG, Prof. Stephan Felix, der Ärztliche Vorstand der Unimedizin Greifswald, Prof. Claus-Dieter Heidecke sowie Gesundheitsminister Harry Glawe und der Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Klinikums Karlsburg, Prof. Hans-Georg Wollert. 


Unterschrieben den Kooperationsvertrag: Prof. Wolfgang Motz (vorne li.) und Prof. Claus-Dieter Heidecke.

Unterschrieben den Kooperationsvertrag: Prof. Wolfgang Motz (vorne li.) und Prof. Claus-Dieter Heidecke, dahinter der Vorstandsvorsitzende der Unimedizin Greifswald, Prof. Max P. Baur (li.) und Gesundheitsminister Harry Glawe.

Die bereits seit längerem intensivierte Zusammenarbeit zwischen der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) und dem Klinikum Karlsburg auf dem Gebiet der Herzmedizin wird mit einem gemeinsamen „Herzzentrum Vorpommern“ auf ein neues Niveau gehoben. Wollen die Versorgung von Patienten mit Herzerkrankungen in Vorpommern weiter verbessern
 
Am Vortag der 14. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock haben gestern die Vorstände der beiden Einrichtungen im Beisein von Gesundheitsminister Harry Glawe einen entsprechenden Kooperationsvertrag in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald unterzeichnet.

Mit dem Herzzentrum Vorpommern soll die hochspezialisierte herzmedizinische Versorgung in Vorpommern auch angesichts der demografischen Entwicklung weiter ausgebaut und verbessert werden.


„Mit diesem Schritt werden neue Maßstäbe in der Kooperation von Häusern der Spitzenmedizin in Mecklenburg-Vorpommern gesetzt“, betonten der Ärztliche Vorstand der Unimedizin Greifswald, Prof. Dr. Claus-Dieter Heidecke und der Ärztliche Direktor des Klinikums Karlsburg, Prof. Dr. Wolfgang Motz.„Mit der Vereinbarung gehen die Kooperationspartner neue Wege. Die Versorgung von Patienten mit Herzerkrankungen wird deutlich verbessert. Gerade für ein Flächenland ist die intensive Zusammenarbeit von großem Nutzen. Davon profitieren die Ärzte durch einen engen fachlichen und praktischen Austausch. Patienten werden noch optimaler versorgt. Besonders wichtig ist der enge Schulterschluss mit den Krankenhäusern der Region sowie den niedergelassen Haus- und Fachärzten. So wird die Versorgung des ländlichen Raumes mit ärztlichen Leistungen in Mecklenburg-Vorpommern zukunftssicher aufgestellt“, sagte Gesundheitsminister Harry Glawe.

Schwerpunkt chronische Herzschwäche

Die beiden Ärztlichen Direktoren stellten heute erstmals die vereinbarten Inhalte vor, die weit über die bisherige Kooperation bei Herzklappen (TAVI), in der Transfusionsmedizin und den Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen hinausgehen. 

 „Unter dem Dach des Herzzentrums Vorpommerns soll eine flächendeckende und qualitätsgebundene wohnortnahe Versorgung von Patienten mit Herzerkrankungen sichergestellt werden, gemeinsam im Verbund mit den Krankenhäusern und niedergelassen Haus- und Fachärzten“, sagte der der Direktor der Zentrums für Innere Medizin B an der UMG, Prof. Dr. Stephan Felix.

„Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit bei der Behandlung der weit verbreiteten chronischen Herzschwäche.“  

Unter einer Herzinsuffizienz, einer eingeschränkten Pumpleistung des Herzens, leiden in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen. Laut aktuellen Statistiken ist die Herzinsuffizienz bei Männern die vierthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Todesursache. 

Auf Grund der demographischen Entwicklung erkranken in Vorpommern besonders viele Patienten an einer Herzinsuffizienz. Sowohl die Universitätsmedizin Greifswald als auch das Klinikum Karlsburg haben frühzeitig die Probleme einer alternden Gesellschaft erkannt. 

  • Beide Einrichtungen besitzen heute auf dem Gebiet der Herzinsuffizienz international eine hervorragende Reputation.

Die Universitätsmedizin Greifswald richtete Schwerpunkte der Forschung auf entzündliche und nicht entzündliche Erkrankungen der Herzmuskulatur (Myokarderkrankungen) aus und behandelt Patienten mit Ausfall der Herz- und Lungenfunktionen.

Die extrakorporale Membranoxygenierung, kurz ECMO, ist eine technische Methode, das Blut eines Patienten mit einem Lungenversagen mittels einer externen Maschine und über einen Venenzugang künstlich mit Sauerstoff zu versetzen.

Die Intensivstation der Universitätsmedizin verfügt als einzige Klinik in MV über ein zertifiziertes ECMO-Zentrum. Die Universitätsmedizin Greifswald ist zudem Mitglied im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und hier in der Grundlagenforschung und klinischen Forschung auf dem Gebiet der Herzinsuffizienz mit mehreren Projekten vertreten.

Das Klinikum Karlsburg hat ebenfalls die schwere chronische Herzinsuffizienz als einen Behandlungsschwerpunkt inkludiert und bietet das gesamte Spektrum an Herztherapien an.

Wenn sämtliche medikamentösen und Schrittmacher-Therapien ausgeschöpft sind, kommt für die Patienten die Herztransplantation oder die Implantation eines sogenannten LV Assist Systems (LVAD) in Betracht.

Erfolgreich konnte im Klinikum Karlsburg im Jahr 2013 das Kunstherzprogramm installiert werden, das Patienten im Endstadium der Herzinsuffizienz mit linksventrikulären Assist-Systemen versorgt.


Bei den LVAD-Systemen handelt es sich um eine mechanische Miniherzpumpe, die in die Spitze der linken Herzkammer eingesetzt wird und die das Blut in den Kreislauf pumpt.

Die Pumpe wird über eine Driveline, die aus dem Bauchraum herausgeführt wird, mit Energie aus Batterien versorgt. „Die mechanischen Pumpen haben sich wegen des eklatanten Mangels an Spenderorganen zu einer tragenden Säule der Herzinsuffizienz-Therapie entwickelt“, betonte Prof. Dr. Wolfgang Motz. Das Klinikum Karlsburg bietet dieses medizin-technische Know-how als eine von wenigen Kliniken im Norden Deutschlands an. Mittlerweile wurden in Karlsburg 49 Patienten mit den mechanischen Miniherzpumpen versorgt. Die LVAD-Patienten werden engmaschig von einem Team aus Ärzten, Kardiotechnikern und Psychologen betreut.

  • Dazu wurde unter anderem ein bundesweit einmaliger Hausbesuchsservice „Schwester Karla“ eingerichtet.

  • „Auf Grund der fachlichen Entwicklungen beider Einrichtungen bietet sich hier eine optimale Voraussetzung zur Bildung eines überregionalen Schwerpunktes auf dem Gebiet der Herzinsuffizienz“, unterstrich Prof. Stephan Felix

„Beide Kliniken werden unter dem Namen ‚Herzzentrum Vorpommern‘ bei der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) einen ‚Überregionalen Schwerpunkt Herzinsuffizienz‘ beantragen“, kündigte der Greifswalder Mediziner an.

„Bei unserer Kooperation streben wir auch eine bessere Vernetzung mit den Haus- und Fachärzten sowie Krankenhäusern in der Region Vorpommern an“, unterstrich der Karlsburger Herzspezialist Prof. Dr. Wolfgang Motz. „Gemeinsam können wir für die herzinsuffizienten Patienten viel erreichen.“ Im Einzelnen ist auch geplant, analog zu den Tumorboards in der Onkologie ein „Herzinsuffizienz-Board“ in Vorpommern zu etablieren.

Die Telemedizin wird in Zukunft eine immer bedeutendere Rolle in der medizinischen Versorgung spielen, so auch im Herzzentrum Vorpommern.

Die Universitätsmedizin Greifswald verfügt seit 2009 über einen Integrierten Funktionsbereich Telemedizin (IFT), der neue technische Möglichkeiten der Patientenbetreuung erforscht, auch im Bereich der Herzinsuffizienz.

Gerade bei Patienten mit einem fortgeschrittenen Stadium einer Herzinsuffizienz gilt es, unnötige Krankenhausaufenthalte möglichst zu verhindern.

Im Rahmen der Zusammenarbeit soll ein Konzept mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie den Kliniken der Region zur Nutzung der Telekardiologie erarbeitet und umgesetzt werden.



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Gehör- und Gleichgewichtssinn

Medizin am Abend Berlin Fazit: Das Innenohr ist ein Kompass für die Ausbreitung des Menschen

Das Innenohr des modernen Menschen unterscheidet sich leicht zwischen verschiedenen Populationen. Aus diesen Formunterschieden lassen sich Erkenntnisse über die globale Ausbreitung des Menschen von Afrika aus ableiten, wie UZH-Paläoanthropologen belegen. 
 
Die Ausbreitung des Menschen von Afrika aus über die ganze Welt kann anhand genetischer und morphologischer Analysen belegt werden.

Allerdings lassen morphologische Daten des Schädels und Skeletts oft nur bedingt Rückschlüsse auf das geographische Ausbreitungsmuster zu, vor allem wegen der vielfältigen Anpassungen des menschlichen Skeletts an die örtlichen Umweltbedingungen. Nun zeigt ein internationales Forscherteam unter der Leitung von UZH-Paläoanthropologen, dass die Morphologie des Innenohrs ein geeigneter Indikator für die Populationsgeschichte und Ausbreitung des Menschen ist.


Formunterschiede innerhalb einer Population grösser


Wie bei allen Wirbeltieren ist auch beim Menschen der Gehör- und Gleichgewichtssinn in einem Hohlraumsystem in der Schädelbasis enthalten, dem knöchernen Labyrinth des Innenohrs. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten die Labyrinthstrukturen in menschlichen Populationen von Süd- und Nordafrika über Europa, Asien, Australien und Amerika bis nach Patagonien. Mittels Mikro-Computertomographie konnten sie die dreidimensionalen Daten des knöchernen Labyrinths zerstörungsfrei erfassen.


Dabei zeigte sich, dass die Form des Labyrinths stark variiert: Die Variation innerhalb einer Population ist bedeutend grösser als die Variation zwischen Populationen. «Dieses typisch menschliche Variationsmuster ist auch von genetischen Vergleichsdaten bekannt. Es zeigt, dass alle Menschen sehr nahe miteinander verwandt sind und ihre Wurzeln in Afrika haben», erläutert UZH-Anthropologin Marcia Ponce de León.


Morphologie des Labyrinths korreliert mit Ausbreitungsdistanz zu Afrika


Das Team fand weiter heraus, dass die dreidimensionale Form des Labyrinths wichtige Informationen über die globale Ausbreitung des Menschen vom afrikanischen Kontinent aus enthält. Je weiter eine Population geographisch von Südafrika entfernt ist, desto mehr unterscheidet sie sich in der Form des Labyrinths von südafrikanischen Populationen.

Überdies stimmen die Labyrinth-Daten mit jenen von DNA-Untersuchungen überein, die zeigen, dass die genetische Distanz mit der geographischen Distanz zu Afrika zunimmt.


Rückschlüsse auf innerkontinentale Ausbreitungsgeschichte

Die Labyrinth-Daten lassen auch Schlüsse auf Populationsbewegungen innerhalb der Kontinente zu. So ist etwa die Labyrinth-Form von prähistorischen Populationen auf den Sunda-Inseln (Indonesien) ähnlich zu jener der Ureinwohner von Papua und Australien, während die heutige Bevölkerung grösstenteils aus dem malaiischen Archipel zugewandert ist. Andererseits lässt sich aus dem Labyrinth ablesen, dass die heutigen Europäer und Japaner ihre Vorfahren mehrheitlich in den jeweiligen lokalen Bevölkerungen der Jungsteinzeit haben.


Zufällige Erbgutveränderungen wirken sich funktionell nicht aus


Die neuen Resultate überraschen, weil bisher angenommen wurde, dass die Form des Labyrinths hauptsächlich durch seine Funktion bestimmt wird. Nun zeigt sich, dass trotz sehr hoher funktioneller Anforderungen an Gleichgewichts- und Hörsinn die Natur eine erstaunlich weite Variation des Labyrinths zulässt. «Dies beruht wohl auf zufälligen Veränderungen im Erbgut. Solche Veränderungen haben funktionell wenig bis keine Konsequenzen, aber die damit einhergehenden strukturellen Veränderungen sind ein Dokument der menschlichen Ausbreitungs- und Evolutionsgeschichte», resümiert Letztautor Christoph Zollikofer, Professor für Anthropologie an der UZH.


Computertomographische Erfassung soll der DNA-Extraktion vorausgehen

Der kompakte Knochen, der das Labyrinth umgibt, ist auch für die Paläogenetik interessant, da er grosse DNA-Mengen enthält.

Hier besteht ein akuter Interessenkonflikt: 

Während computertomographische Untersuchungen nicht-invasiv sind, wird bei der DNA-Gewinnung das Labyrinth zerstört.

«Die Paläogenetik ist ein rasant wachsendes Forschungsgebiet, und es wurden bereits hunderte Labyrinthe aus archäologischen Skelettsammlungen ohne vorgängige Dokumentation zu Knochenstaub zermahlen», so Christoph Zollikofer. Das Forschungsteam setzt sich deshalb dafür ein, dass routinemässig computertomographische Daten erfasst werden, bevor Knochen für die DNA-Extraktion freigegeben werden. «Diese Daten bilden ein unersetzliches Archiv der Geschichte von fossilen und heutigen menschlichen Populationen», schliesst Marcia Ponce de León.


Literatur:

Marcia S. Ponce de León, Toetik Koesbardiati, John David Weissmann, Marco Milella, Carlos S. Reyna-Blanco, Gen Suwa, Osamu Kondo, Anna-Sapfo Malaspinas, Tim D. White, and Christoph P. E. Zollikofer. Human bony labyrinth is an indicator of population history and dispersal from Africa. PNAS. April 2, 2018. Doi: 10.1073/pnas.1717873115


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Neurotransmitter-Stoffwechsel: Botenstoff Acetylcholin ist für Gedächtnis und Aufmerksamkeit

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neurotransmitter-Stoffwechsel bestimmt Wirksamkeit von Medikament bei früher Alzheimer-Erkrankung

Gedächtnisstörungen bei der Alzheimer-Erkrankung werden unter anderem auf einen Mangel des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn zurückgeführt. 

  • Medikamentöse Behandlungen der Erkrankung zielen daher meist auf eine Erhöhung der Acetylcholin-Spiegel ab, sind aber nur in späten Erkrankungsphasen nachweislich wirksam. 

Forscher der Uniklinik Köln, des Forschungszentrums Jülich und des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung haben nun gemeinsam herausgefunden, welche Patienten bereits in frühen Erkrankungsstadien von der Behandlung profitieren könnten. 
 
Der Botenstoff Acetylcholin ist für Gedächtnis und Aufmerksamkeit von zentraler Bedeutung.

Dies zeigt sich auch daran, dass bei der Demenz vom Alzheimer-Typ Acetylcholin-produzierende Nervenzellen besonders früh und schwer betroffen sind.

In einem pharmakologischen Experiment haben Wissenschaftler aus Köln und Jülich nun den Zusammenhang zwischen dem Acetylcholin-Stoffwechsel individueller Patienten und der Wirkung eines Alzheimer-Medikamentes untersucht. Mit einer Kombination mehrerer bildgebender Verfahren wurde die Wirkung auf die Hirnaktivität während der Gedächtnisbildung bei Patienten mit früher Alzheimer-Erkrankung und gleichaltrigen Gesunden dargestellt.

Es konnte erstmalig gezeigt werden, dass das Alzheimer-Medikament Rivastigmin bei einer frühen Alzheimer-Erkrankung nur dann gedächtnisrelevante Nervenzellaktivität normalisiert und die Gedächtnisleistung verbessert, wenn ein Acetylcholinmangel vorliegt. 

  • „In frühen Phasen der Alzheimer-Erkrankung liegt allerdings nicht bei jedem Patienten ein relevanter Acetylcholin-Mangel vor“, erläutert Dr. Nils Richter von der Arbeitsgruppe „Kognitives Altern und Demenz“ an der Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln. 

„Mit den angewandten Verfahren ließen sich in Zukunft diejenigen genauer identifizieren, die von einer solchen Behandlung profitieren.“

Prof. Dr. Juraj Kukolja, Leiter der Arbeitsgruppe, fügt hinzu: 

„Die Studie ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer individualisierten Behandlung der Alzheimer-Erkrankung. Diese Ergebnisse sind deshalb besonders spannend, da die Entwicklung neuer Therapien für die Alzheimer-Erkrankung bislang nicht erfolgreich war.“

Originalpublikation:
Richter, Beckers, Onur, Dietlein, Tittgemeyer, Kracht, Neumaier, Fink und Kukolja. Brain. 2018 Jan 4. doi: 10.1093/brain/awx356.

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Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom: Tookad-Verfahrens

Medizin am Abend Berlin Fazit: Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom erstmals in Deutschland mit Laserfasern behandelt

Ein Operationsteam um Prof. Manfred Wirth, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, wendete erstmals in Deutschland das sogenannte „Tookad“-Verfahren außerhalb von klinischen Studien an. 

  • Diese fokale Therapie, bei der lediglich die vom Krebs betroffene Seite der Prostata therapiert wird, nutzt den fotosensitiven Wirkstoff Padeliporfin („Tookad“). 

Im Rahmen einer Operation werden Laserfasern in die Seite der Prostata eingebracht, die vom Tumor befallen ist.

Der Laser regt das „Tookad“-Medikament an, wodurch es zur Gefäßzerstörung sowie einer verminderten Blutzufuhr kommt, was das betroffene Gewebe absterben lässt. 

Beim „Tookad“-Verfahren werden Laserfasern zur Aktvierung des fotosensitiven Wirkstoffs Padeliporfin genutzt.
Beim „Tookad“-Verfahren werden Laserfasern zur Aktvierung des fotosensitiven Wirkstoffs Padeliporfin genutzt. Foto: Uniklinikum Dresden / Thomas Albrecht
 
Bisher hatten Patienten mit einem Prostatakarzinom geringen Risikos in Deutschland lediglich drei Therapieoptionen: 

Eine Bestrahlung des Tumors, eine Entfernung der Prostata oder aber eine aktive Überwachung ohne therapeutische Eingriffe. 

Am Donnerstag (3. Mai 2018) ist nun eine vierte, minimalinvasive Möglichkeit hinzugekommen.

„Das ‚Tookad‘-Verfahren ist ein Meilenstein der Urologie: Erstmals können Patienten in Deutschland mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom auch risikoarm behandelt werden“, betont Prof. Manfred Wirth die Bedeutung der neuen Operationstechnik.

„Gravierende Eingriffe wie die Bestrahlung des Tumors oder eine radikale Prostatektomie, also die Entfernung der Prostata, sind für Prostatakarzinome mit geringem Risiko nur im Ausnahmefall zu empfehlen, da sie erhebliche Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz hervorrufen können. 

  • Das bisherige Standardverfahren der aktiven Überwachung des Tumors durch regelmäßige ärztliche Kontrollen ohne therapeutischen Eingriff stellt für viele Patienten jedoch eine fortwährende psychische Belastung dar“, erklärt der erfahrene Tumorexperte.

Minimalinvasive Prostatakarzinom-Behandlung

Im Rahmen einer multizentrischen Studie, an der sich auch das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus beteiligte, wurde die Wirksamkeit des 2016 am renommierten israelischen Weizmann-Institut für Wissenschaften entwickelten „Tookad-Verfahrens“ bestätigt. 

Die Klinik für Urologie des Dresdner Universitätsklinikums ist deutschlandweit die erste Klinik, die dieses Verfahren jetzt in der Regelversorgung anwendet. 
Im Rahmen des „Tookad-Verfahrens“ setzen die Ärzte auf den fotosensitiven Wirkstoff Padeliporfin, der im „Tookad“-Medikament enthalten ist. 

Weil Lichtquellen mit einer bestimmten Wellenlänge den Wirkstoff anregen, muss der Patient während der rund eineinhalbstündigen Operation komplett verhüllt werden. 

Durch Laserfasern, die die Chirurgen minimalinvasiv über den Dammbereich in die Prostata einbringen und so das Medikament aktivieren, kommt es zur Zerstörung von Gefäßen und zum Absterben des mit dem Tumor befallenen Gewebes. 

Aufgrund der schonenden Therapie ist es den Patienten bereits am dritten Tag nach der Operation möglich, das Krankenhaus zu verlassen.  

Um auszuschließen, dass auch die nicht behandelte Hälfte der Prostata betroffen ist, ermitteln die Mediziner neun bis zwölf Monate nach der Operation im Rahmen einer Biopsie den Gesundheitszustand des verbliebenen Prostatagewebes.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes und dessen zweithäufigste durch Krebs hervorgerufene Todesursache. 

Jährlich erkranken deutschlandweit rund 57.000 Männer neu an Prostatakrebs. 
  • „Anders als Patienten, bei denen die gesamte Prostata entfernt werden musste, tritt beim ‚Tookad‘-Verfahren keine Inkontinenz auf. 
Auch Einschränkungen bei der Potenz sind sehr selten“, erklärt Prof. Manfred Wirth. 

„Doch bisher kann nur ein geringer Anteil aller Prostatakarzinom-Patienten – nämlich solche mit einem geringen Risiko – von der neuen Therapie profitieren. 

Deshalb gilt es nun, im Rahmen weiterer Studien die Anwendungsfelder der neuen Operationstechnik gegebenenfalls auszuweiten, damit perspektivisch auch Patienten, die an Prostatakarzinomen mit höherem Risiko erkrankt sind, von der neuen Methode profitieren können.“

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Lungenkrebs (auch Bronchialkarzinom genannt): Treibermutation - www.nngm.de

Medizin am Abend Berlin Fazit: Nationales Netzwerk soll Versorgung von Lungenkrebs-Patienten verbessern

Über ein bundesweites Netzwerk sollen in Deutschland künftig alle Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs Zugang zu molekularer Diagnostik und innovativen Therapien erhalten. 

Dafür schließen sich 15 universitäre Krebszentren im „nationalen Netzwerk Genomische Medizin (nNGM) Lungenkrebs“ zusammen – darunter alle 13 onkologischen Spitzenzentren, die aktuell von der Deutschen Krebshilfe gefördert werden. 

Diese unterstützt das Vorhaben, das am 1. April 2018 gestartet ist, mit insgesamt 2,94 Millionen Euro. 

Das Leitunggremium -  siehe Text
Das Leitunggremium - Uniklinik Köln
Das Leitungsgremium des neuen Nationalen Netzwerkes Genomische Medizin: (v.l.) Sprecher Prof. Dr. Jürgen Wolf, Ärztlicher Leiter CIO/Uniklinik Köln, Prof. Dr. Christof von Kalle, Direktor Nationalen Tumorcentrums und Leiter Abteilung für Translationale Onkologie/DKFZ Heidelberg, und Prof. Dr. Reinhard Büttner, Direktor Pathologie/Uniklinik Köln.
 
Das nNGM ist eine Weiterentwicklung des regionalen Netzwerkes NGM, das im Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) an der Uniklinik Köln angesiedelt ist und sich seit 2010 erfolgreich für die Implementierung personalisierter Therapien in der Routineversorgung von Patienten mit Lungenkrebs einsetzt. Ziel des bundesweiten Netzwerkes ist es, den schwer kranken Patienten Zugang zu modernster molekularer Diagnostik und neuesten Therapien zu ermöglichen – auch im Rahmen klinischer Studien.

Lungenkrebs (auch Bronchialkarzinom genannt) ist weltweit die häufigste Krebserkrankung und die häufigste Krebstodesursache.

  • Jahrzehntelang standen Patienten im fortgeschrittenen Stadium außer Chemotherapien und Bestrahlungen keine weiteren Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.  

Dank der Fortschritte im Bereich der Genomforschung können nun mehr und mehr personalisierte, das heißt maßgeschneiderte, Therapien zum Einsatz kommen.  

Diese setzen eine umfassende molekulare Untersuchung vor der Therapie voraus. Hierauf basierend können dann bei einem Teil der Patienten sogenannte Treibermutationen gezielt angegangen werden.

Aber auch für die Immuntherapie werden zunehmend prädiktive molekulare Marker charakterisiert, die einen gezielteren Einsatz dieser neuen Therapieform ermöglicht. Bei der häufigen Form des nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) existieren mittlerweile für circa 25 Prozent der Patienten in inoperablen Tumorstadien zielgerichtete Therapien – hochgerechnet für Deutschland entspricht dies mehr als 7.000 Patienten, die von diesen Therapien profitieren könnten.

„Durch eine konsequente Diagnostik der molekularen Veränderungen und der Therapie mit den entsprechenden Inhibitoren können wir bei vielen Patienten im fortgeschrittenen Stadium ein um Jahre verlängertes Überleben erreichen.

Wir müssen diese komplexen Innovationen deshalb schnell zu den Patienten bringen und dafür brauchen wir überall in Deutschland kompetente Brückenköpfe“, so nNGM-Sprecher Prof. Jürgen Wolf, Ärztlicher Leiter des CIO an der Uniklinik Köln, und zusammen mit Prof. Dr. Reinhard Büttner, Direktor der Pathologie an der Uniklinik Köln, Gründer und Sprecher von NGM. Beide bilden mit Prof. Dr. Christof von Kalle, Direktor des Nationalen Tumorcentrums und Leiter der Abteilung für Translationale Onkologie am DKFZ in Heidelberg, das Koordinationsteam des neuen Nationalen Netzwerkes Genomische Medizin.

  • Bei den richtigen Patienten angewendet sind die neuen Therapien der Chemotherapie hinsichtlich Tumorkontrolle, Verträglichkeit, progressionsfreiem Überleben und Gesamtüberleben deutlich überlegen

Für Nicht-Lungenkrebsspezialisten sind Therapiemöglichkeiten beim Lungenkrebs aber unübersichtlich und ihre Zahl steigt stetig:

Aktuell stehen – je nach genomischem Profil des Tumors – für einen Teil der Patienten bereits zugelassene Medikamente zur Verfügung, für einen weiteren Teil kommen Off-Label-Therapien zum Einsatz (also Medikamente, die zwar zugelassen sind, allerdings für andere Indikationen).

Weitere Möglichkeiten sind personalisierte Therapien im Rahmen klinischer Studien. 

Und für Erkrankungen ohne Treibermutationen drängen die Immuncheckpoint-Inhibitoren in die klinische Anwendung. „Wir werden künftig auch immer häufiger prädiktive diagnostische Verfahren wie zum Beispiel Genmutationssignaturen anwenden, um bereits vor Verabreichung einschätzen zu können, bei wem die Substanzen besonders gut wirken“, sagt Prof. Büttner.

Ausgehend von den universitären Spitzenzentren sollen für den angestrebten Know-How-Transfer regionale Netzwerke aufgebaut werden, die möglichst umfassend Kliniken und Praxen zusammenführen, in denen Lungenkrebspatienten versorgt werden. Die Spitzenzentren beziehungsweise entsprechend qualifizierte universitäre Zentren führen in diesen Netzwerken eine dezentrale, aber deutschlandweit harmonisierte molekulare Multiplex-Diagnostik durch und beraten die Kooperationspartner bezüglich der therapeutischen Relevanz der Ergebnisse. Die Behandlung der Patienten erfolgt immer möglichst heimatnah bei den Kooperationspartnern.

Die Deutsche Krebshilfe unterstützt die Anschubfinanzierung der molekularen Diagnostik, die Koordination der regionalen Netzwerke, das Datenmanagement und die Qualitätssicherung der NGS-basierten Diagnostik.

Die Krankenkassen und der Medizinische Dienst der Kassen sind im Beirat von nNGM vertreten, um die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen schrittweise in die Regelversorgung zu überführen. Das Projekt nNGM soll außerdem Strukturen zur Implementierung und Weiterentwicklung personalisierter Krebstherapien in Deutschland beispielhaft etablieren, um diese später auf andere Krebserkrankungen übertragen zu können. Offizieller Projektstart war  der 1. April 2018.

Der Aufbau der Netzwerke soll letztlich aber den schwer kranken Patienten zu Gute kommen: „Vorrangiges Ziel von nNGM ist die Verbesserung der Versorgung Betroffener mit innovativen, besser wirksamen und weniger toxischen Medikamenten und damit letztlich die Verlängerung der Überlebenszeiten von Patienten mit Lungenkrebs“, fasst Prof. Kalle zusammen.


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Der Pfingsfestbraten: (LEPR) Leptin - Rezeptor: Dein Sättigungsgefühl - starkes Hungergefühl

Medizin am Abend Berlin Fazit: Den unstillbaren Hunger abschalten

Ein neuer Wirkstoff soll jungen Patienten mit genetisch bedingter Adipositas helfen 
 
Im Rahmen einer aktuellen Studie haben Forscher des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin Übergewicht erfolgreich behandelt, das durch einen Gendefekt verursacht wurde.

Die jungen Patienten profitierten von einem Wirkstoff, der gleichzeitig neue Erkenntnisse über die grundlegenden Signalwege des Sättigungsgefühls ermöglicht. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Journal Nature Medicine*.
  • Eine Mutation in der genetischen Bauanleitung des Leptin-Rezeptor (LEPR) führt bei den Betroffenen bereits in den ersten Lebensmonaten zu einem starken Hungergefühl. 
Die Folge ist eine ausgeprägte Fettleibigkeit bereits in der Kindheit. 
  • In der Regel gelingt es den Patienten nicht, durch vermehrte Bewegung und reduzierte Kalorienaufnahme, das Körpergewicht längerfristig zu stabilisieren. 
  • Darüber hinaus ziehen die Patienten häufig keinen Nutzen aus einer Adipositaschirurgie. 
  • Umso wichtiger ist der medikamentöse Behandlungsansatz für die Betroffenen.
Bereits vor zwei Jahren konnte Dr. Peter Kühnen mit der Arbeitsgruppe an der Charité zeigen, was für eine zentrale Rolle der Melanocortin-4-Rezeptor (MC4R) für den Energiehaushalt des Organismus und die Regulierung des Körpergewichts spielt. 

Im Gehirn führt normalerweise die Bindung des sogenannten „Sättigungshormons“ Leptin an den LEPR über mehrere Schritte zur Produktion des Melanozyten-stimulierendes Hormons (MSH). 
  • Die Bindung von MSH an MC4R löst dann das eigentliche Sättigungssignal in den Zellen aus. 
  • Ist der Rezeptor LEPR jedoch defekt, wird die Signalkaskade der Sättigung unterbrochen und ein ungestilltes Hungergefühl begünstigt das Entstehen einer Adipositas. 
Das im Rahmen der jetzt veröffentlichten Studie zur Behandlung eingesetzte Peptid bindet im Gehirn der Patienten an MC4R und löst das Sättigungssignal wieder aus. 

In Zusammenarbeit mit der Clinical Research Unit des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) konnte das Team eine deutliche Gewichtsreduktion der behandelten Patienten mit LEPR-Gendefekt beobachten.

Dr. Kühnen: „Wir haben außerdem untersucht, weshalb das eingesetzte Peptid so wirksam ist und im Vergleich zu anderen Präparaten mit einem ähnlichen Wirkprinzip zu keinen schweren Nebenwirkungen führte.

Hier konnten wir zeigen, dass ein besonderer Signalweg des MC4R aktiviert wird, der eine wichtige und bisher unterschätzte Rolle spielt.“

Im Rahmen der kommenden Untersuchungen will das Team von Dr. Kühnen ermitteln, ob es weitere Patienten gibt, die von dem Wirkstoff profitieren können:

„Denkbar ist, dass es Patientengruppen mit einer Funktionsstörung in diesem Signalweg gibt, die für eine derartige Therapie in Frage kommen.“

*Clément K, et al., MC4R agonism promotes durable weight loss in patients with leptin receptor deficiency, Nature Medicine (2018), doi:10.1038/s41591-018-0015-9.

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Originaltext der Publikation:
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Schrot - Pfingstbraten: Bleivergiftung, Eisenvergiftung, Kupfervergiftung, Zinkvergiftung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Munition mit Risiken und Nebenwirkungen

Wegen der Vergiftungsgefahr für Vögel und Umwelt ist die Jagd mit Bleischrot inzwischen in vielen Ländern stark eingeschränkt oder ganz verboten. 

Doch muss alternative Munition nicht unbedenklich sein, belegt ein Team der Technischen Universität München (TUM) in einer aktuellen Studie. 
 
Aufgrund ihrer ballistischen Eigenschaften galten Bleischrote bislang als optimale Munition für die Jagd auf Wasservögel.

In die Kritik geriet dieses Material, als Bleivergiftungen bei Enten und Seeadlern beobachtet wurden, die die Schrotkugeln beim Gründeln oder mit der Beute aufgenommen hatten.

Inzwischen bieten die Munitionshersteller eine Reihe alternativer Jagdschrote an, die Eisen, Kupfer, Zink, Wolfram oder Wismut als deklarierte Hauptbestandteile enthalten.

Ein Team der TU München um Prof. Dr. Axel Göttlein und Prof. Dr. Jürgen Geist kommt jedoch zum Ergebnis, dass einige der Alternativen für Gewässerorganismen sogar toxischer sind als die konventionelle Bleimunition.

Überraschende Resultate bei der Messung der Metallwerte

Im Rahmen der Studie wurden Schrotkugeln der verschiedenen Materialtypen unter jeweils gleichen Bedingungen in Wasser exponiert.  

Dabei zeigte sich zum einen, dass die Metallionenabgabe in die Lösung sehr unterschiedlich ist:

Während Schrote aus Wolfram, Wismut und ein beschichteter Bleischrot fast keine Metallionen in die Wasserlösung abgaben, wurden für Schrote aus Kupfer und Zink bedenklich hohe Konzentrationen gemessen.
  • Zum anderen stellten die Forscherinnen und Forscher fest, dass nicht unbedingt die Hauptkomponente des Schrotmaterials die Ionenfreisetzung dominiert. 
  • Besonders auffällig war hier ein Eisenschrot, der große Mengen an Zink freisetzte, welches offensichtlich aus einer Beschichtung stammte.

Verbote neu überdenken

In einem nach DIN standardisierten Immobilisierungstest mit dem Großen Wasserfloh gilt die Mobilität der Tiere als Indikator für ihre Vitalität. 

  • Wie die Studie zeigte, führten schon geringe Mengen von Kupfer und Zink stets zu einer sehr hohen bis totalen Immobilisierung der Wasserflöhe, während Schrote aus reinem Eisen, Wismut und Wolfram die Mobilität der Wasserflöhe nicht beeinflussten. 
Auch Bleischrote führten zu keiner signifikanten Beeinträchtigung der Mobilität der Wasserflöhe im Vergleich mit einer Kontrollgruppe.

  • Wenn aus Umweltschutzgründen ein Verbot von Bleischrot gefordert wird, müssten nach aktuellem Wissensstand unbedingt auch die Metalle Kupfer und Zink für die Schrotherstellung verboten werden, so das Fazit der Studie. 
  • Da aber in der Natur sehr verschiedene Bedingungen der Wasserqualität mit den entsprechend angepassten Organismen vorkommen, seien unbedingt weitere Studien nötig, um Entscheidungen über Alternativen zu Bleischrot auf eine gesicherte Grundlage zu stellen.

Publikation:

Fäth J, Feiner M, Beggel S, Geist J, Göttlein A: Leaching behavior and ecotoxicological effects of different game shot materials in freshwater. Knowledge & Management of Aquatic Ecosystems. (419); 24, 2018. DOI: 10.1051/kmae/2018009
https://www.kmae-journal.org/articles/kmae/abs/2018/01/kmae170148/kmae170148.htm...

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Gelenkersatzoperation: Antibiotika richtig....

Medizin am Abend Berlin Fazit: Infektiologen warnen vor häufigem Fehleinsatz von Antibiotika bei Gelenkersatzoperationen

Gelenkersatzoperationen gehören zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland. 

Um das Risiko einer Infektion zu verringern, erhalten viele Patienten vor dem Eingriff Antibiotika. 

  • In manchen Fällen überflüssigerweise – beispielsweise, weil im Urin des Patienten Bakterien gefunden werden. 

Sofern ein Patient keine Symptome einer Harnwegsinfektion aufweist, sind Bakterien im Urin selten behandlungsbedürftig. 

  • Dennoch wird bei der sogenannten asymptomatischen Bakteriurie (ASB) oft unnötigerweise Antibiotika verabreicht. 

Eine aktuelle Meta-Analyse zeigt: 

Es gibt keine Belege dafür, dass eine Antibiotikabehandlung der ASB vor Gelenkoperationen die Rate von Infektionen senken kann. 
 
Darauf weisen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) hin. Um die Entstehung von Antibiotikaresistenzen zu reduzieren, setzt sich die Fachgesellschaft unter anderem in ihrer Antibiotic Stewardship-Kampagne für einen rationalen Einsatz von Antibiotika ein.

Für die aktuelle Metaanalyse werteten Wissenschaftler acht internationale Studien zur ASB-Therapie bei endoprothetischen Eingriffen aus.

Das Ergebnis: Weder das Screening auf Bakterien im Urin noch die dann oft folgende Antibiotikabehandlung bringt einen Vorteil. 

Die Rate an Protheseninfektionen wird dadurch nicht beeinflusst. (1)

„Wir empfehlen Kliniken deshalb auch, bei Gelenkprothesen-Patienten keine ASB-Screenings durchzuführen“, so Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, DGI-Präsident und Leiter der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln. „Statt dem Patienten zu nutzen, hat dieses Vorgehen oft lediglich einen überflüssigen Einsatz von Antibiotika zur Folge.“ Angesichts der hohen Operationszahlen sei in der Endoprothetik der rationale Einsatz von Antibiotika von besonderer Relevanz.

Nicht nur bei Gelenkoperationen – auch sonst erfolgt bei der asymptomatischen Bakteriurie oft unnötigerweise eine Therapie. Sie gehört zu den häufigsten Fehlindikationen bei der Verwendung von Antibiotika. In einer Metaanalyse, die 2017 im Fachblatt Open Forum Infectious Diseases erschien, wurden internationale Studien zur ASB-Behandlung aus den vergangenen 15 Jahren ausgewertet. In dieser Zeit wurden durchschnittlich 45 Prozent aller Patienten mit ASB unnötigerweise mit Antibiotika behandelt. (2)

  • Tatsächlich sei es jedoch nicht immer einfach, die nicht-behandlungsbedürftige asymptomatische Bakteriurie von einer behandlungsbedürftigen Harnwegsinfektion zu unterscheiden, räumt der DGI-Präsident ein. 

Entscheidend seien auch hier eine gründliche Anamnese und die klinische Untersuchung, Anzeichen für eine Harnwegsinfektion seien üblicherweise häufiger Harndrang oder Schmerzen beim Wasserlassen. 

  • Speziell ältere und multimorbide Patienten hätten mitunter jedoch unspezifische Beschwerden, die als Symptome einer Harnwegsinfektion fehlgedeutet werden könnten. „Dies ist – neben einem falschen Sicherheitsdenken – ein häufiger Grund für die Übertherapie der ASB.“

Umso mehr Bedeutung komme deshalb Antibiotic Stewardship zu, also Programmen zur Gewährleistung einer optimalen Antibiotikatherapie in Kliniken.

Diese beinhalten etwa Schulungen und Beratungen durch Infektionsspezialisten.

Wie erfolgreich schon vergleichsweise einfache Maßnahmen sein können, zeigt auch die Metaanalyse von Flokas und seinen Co-Autoren:

Durch Schulungen und Feedback-Gespräche etwa sank die Zahl der unnötigen Antibiotikagaben bei ASB in einigen Studien um bis zu 80 Prozent. (2)

 „Wenn der rationale Einsatz von Antibiotika und damit die Eindämmung von Resistenzen gelingen soll, dann ist der Ausbau von Antibiotic Stewardship-Programmen und von infektiologischer Expertise in der Versorgung unabdingbar“, so Fätkenheuer.

Literatur:
(1) Zhang et al.:
Research progress of asymptomatic bacteriuria before arthroplasty
Medicine (2018) 97:7(e9810). http://dx.doi.org/10.1097/MD.0000000000009810
(2) Flokas et al.:
Inappropriate Management of Asymptomatic Patients With Positive Urine Cultures: A Systematic Review and Meta-analysis. Open Forum Infectious Diseases, 2017. DOI: 10.1093/ofid/ofx207
- www.antibiotic-stewardship.de

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