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Furchtgeneralisierung: Spinnen, Ratten, Schlangen, Schaben....?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Behandlung gegen Spinnenangst wirkt auch gegen andere Ängste

Spinnen machen vielen Menschen Angst, und wer Angst vor Spinnen hat, fürchtet sich oft auch vor anderen Tieren wie Ratten, Schlangen oder Schaben. 

Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben nun festgestellt, dass sich der Erfolg einer Behandlung gegen Spinnenangst auch auf andere zuvor furchteinflößende Tiere auswirkt: 

Personen, die ihre Angst vor Spinnen durch ein Konfrontationstraining reduziert hatten, fürchteten auch Schaben deutlich weniger. 

Das Team berichtet im Journal „Neuropsychopharmacology“. 

Sie fürchten weder Spinnen noch Schaben: Armin Zlomuzica und Friederike Preusser 
Sie fürchten weder Spinnen noch Schaben: Armin Zlomuzica und Friederike Preusser Foto: RUB, Marquard

 
Konfrontation ist die beste Strategie

„Befragt man Menschen, denen Spinnen Angst und Ekel einflößen, nach ihrer Angst, schildern sie häufig auch noch weitere Ängste, beispielsweise vor Ratten, Schlangen oder Schaben“, berichtet Prof. Dr. Armin Zlomuzica von der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie der RUB. Die Angst scheint sich also auch auf andere Tiere und Objekte auszuweiten, Experten sprechen von einer Furchtgeneralisierung.

Die erfolgreichste Behandlungsmethode gegen Angsterkrankungen ist die Konfrontationstherapie.

Der zentrale Wirkmechanismus dabei ist das Umlernen der Furcht:

Personen mit einer Spinnenangst lernen durch die Interaktion mit der Spinne, dass Spinnen nicht gefährlich und keine katastrophalen Konsequenzen zu befürchten sind. Unklar war bislang, inwieweit diese Therapiemethode auch den Umgang mit anderen furchtauslösenden Tieren, mit denen die Personen nicht konfrontiert wurden, beeinflussen kann.

Weniger Angst und Ekel

Um das zu untersuchen, teilten die Forscherinnen und Forscher 47 Personen, die gleichermaßen Angst vor Spinnen als auch vor Schaben hatten, nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe erhielt sofort ein Konfrontationstraining mit Spinnen, die andere musste noch warten. Vor und nach der Behandlung befragten die Forscher die Studienteilnehmer nach ihrer Angst und testeten ihr Verhalten und ihre körperliche Stressreaktion.

Personen der ersten Gruppe berichteten im Anschluss an die Behandlung von weniger Angst und Ekel vor Spinnen im Vergleich zu der Wartekontrollgruppe, die noch keine Behandlung erhalten hatte. „Erstaunlich war, dass diese Gruppe auch von weniger Angst vor Schaben berichtete“, so Friederike Preusser aus dem Forscherteam. Die Angstreduktion zeigte sich auch auf der Verhaltens- und biologischen Ebene: Die Probanden zeigten weniger Abwehr gegenüber Schaben und weniger körperliche Stressreaktionen wie Herzklopfen während der Konfrontation mit den Insekten. „Dieser Effekt trat ein, obwohl Schaben während der Konfrontation nie präsentiert wurden“, sagt Friederike Preusser.

„Dieses Ergebnis legt nahe, dass die Konfrontation bei spezifischer Angst auch im Umgang mit anderen ähnlich angstauslösenden Reizen und Objekten helfen kann“, so Armin Zlomuzica. „Es bleibt abzuwarten, ob man diesen Effekt auch bei anderen Angsterkrankungen beobachten kann.“

Studienteilnehmer gesucht

  • In weiterführenden Studien wollen die Forscher nun untersuchen, wie man den Prozess der Generalisierung im Rahmen der Konfrontation gezielt verstärken kann. 
  • Interessierte, die an ausgeprägter Angst vor Spinnen, Schaben, Schlangen und anderen Tieren und Insekten leiden, können sich unter spinnentraining@rub.de für die Studien registrieren. 

Das Training ist kostenlos.

Förderung

Die Studie wurde gefördert durch die Forschergruppe FOR 1581 „Extinction Learning" (TP 9: ZL 59 2/2) der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Originalveröffentlichung

Friederike Preusser, Jürgen Margraf, Armin Zlomuzica: Generalization of extinguished fear to untreated fear stimuli after exposure, in: Neuropsychopharmacology 2017, DOI: 10.1038/npp.2017.119, http://www.nature.com/npp/journal/vaop/ncurrent/abs/npp2017119a.html

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Jetzt Mondfinsterinis

Medizin am Abend Berlin: Partielle Mondfinsternis am 7. August 2017

Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Am Abend des 7. August zeigt sich der eigentlich volle Mond beim Aufgang "angeknabbert": 

Es findet eine partielle Mondfinsternis statt, deren weiterer Verlauf im deutschen Sprachraum gut zu beobachten ist. 
 Verlauf der partiellen Mondfinsternis am 7. August 2017 mit Zeitangaben (MESZ).
 Verlauf der partiellen Mondfinsternis am 7. August 2017 mit Zeitangaben (MESZ).
Grafik: VdS / www.sternfreunde.de


Wenn der Mond am Abend des 7. August gegen 20:50 Uhr MESZ aufgeht, ist die Mondfinsternis schon im vollen Gang:

Auffällig zeigt sich ein Teil des Mondes deutlich verdunkelt. Auf der einen Seite heißt das zwar, dass man im deutschsprachigen Raum nicht die gesamte Finsternis verfolgen kann, auf der anderen Seite steht sich der teilverfinsterte Mond beim Aufgang neben irdischen Objekten und lässt sich entsprechend fotografisch in Szene setzen: eine seltene Gelegenheit.

  • Wer weiter im Osten wohnt, ist leicht im Vorteil, denn dort geht der Mond ein wenig früher auf: in Berlin bereits um 20:37 Uhr MESZ, in Köln dagegen erst um 20:58 MESZ.

Bei der Finsternis handelt es sich um eine partielle Finsternis, das bedeutet der Mond tritt nur teilweise in den dunklen Kernschatten ein, den die Erde auf der von der Sonne abgewandten Seite in den Raum wirft.

Vom Lauf durch den Halbschatten wird man nur wenig mitbekommen, der Mond ist dann nur etwas weniger hell. Die Zeit bis 21:19 Uhr, in der der Mond den Kernschatten der Erde berührt, ist zum Beobachten und Fotografieren weit interessanter.

Bei Vollmond stehen Sonne, Erde und Mond quasi in einer Reihe. Weil der Mond nicht selbst leuchtet, sondern nur das Sonnenlicht reflektiert, schauen wir von der Erde aus zu dieser Zeit auf eine voll beleuchtete Mondoberfläche.

Der Vollmond steht auf der Nachtseite der Erde und ist die gesamte Nacht zu sehen.

Dass der Mond nicht jedesmal bei Vollmond durch den Erdschatten läuft, liegt daran, dass man die Konstellation nicht nur in zwei, sondern drei Dimensionen betrachten muss. Gegenüber einer gedachten Ebene des Umlaufs der Erde um die Sonne liegt die Mondbahn ein wenig schief. Meistens passiert der Mond auf seiner Bahn den Erdschatten bei Vollmond daher schlicht oberhalb oder unterhalb des Erdschattens und wird nicht verfinstert. Nur wenn der Mond auf seiner Bahn zu Vollmondzeit auch in der Ebene von Erde und Sonne steht, passt räumlich alles, um uns ein himmlisches Schattenspiel zu liefern.

Am 7. August streift der Mond nur den Kernschatten der Erde und wird daher nur teilweise verfinstert, was als partiell bezeichnet wird. Es kommt zu keiner totalen Verfinsterung, weil der Mond nicht vollständig durch den Kernschatten wandert. Der streifende Verlauf ist der Grafik zum Verlauf gut zu entnehmen.

Nur knapp zwei Wochen später am 21. August passt in der räumlichen Anordnung wieder alles:

Dann ist Neumond und der Mond steht dann zwischen Sonne und Erde.

Dann ist der der Schatten des Mondes, der die Erde treffen wird.

Es kommt zu einer totalen Sonnenfinsternis, die vor allem in weiten Teilen der USA zu beobachten sein wird.

  • Die nächste von Deutschland aus beobachtbare Mondfinsternis ist am Abend des 27. Juli 2018, dann steht uns sogar eine totale Finsternis ins Haus. 

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Thema zum Sonntagabend: Grosszügigkeit - Warm glow -

Medizin am Abend Berlin Fazit: Grosszügige leben glücklicher
Grosszügigkeit macht Menschen glücklicher. 

Weniger glücklich sind Menschen, die aus purem Selbstinteresse handeln. 

Dabei ist es zweitrangig, wie grosszügig man sich verhält. 

  • Bereits das feste Versprechen freigiebiger zu sein, löst eine Veränderung im Gehirn aus, die uns glücklicher macht. 

Dies belegen UZH-Neuroökonomen in einer neuen Studie. 

Philippe Tobler
Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Video zur Studie  
 
Für manche schon lange klar, für andere kaum zu glauben: Nicht auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein, sondern sich auch um das Wohlergehen seiner Mitmenschen zu kümmern, macht glücklicher.

Einer anderen Person Gutes zu tun, erfüllt viele Menschen mit einem wohligen Gefühl, das die Verhaltensökonomen «warm glow» nennen. Was dabei auf der neuronalen Ebene passiert, und welche Gehirnareale für diesen Effekt zusammenspielen, haben Philippe Tobler und Ernst Fehr vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit internationalen Forscherkollegen untersucht. Die Ergebnisse erlauben grundlegende Erkenntnisse zum Zusammenspiel von Altruismus und Glücklichsein.

Bereits ein bisschen Grosszügigkeit macht glücklicher

In ihren Experimenten fanden sie heraus, dass Probanden, die sich grosszügig verhielten, danach glücklicher waren als ihre egoistischeren Kollegen. Die Höhe der Grosszügigkeit hingegen spielte keine Rolle für die Zunahme der Zufriedenheit. «Man braucht nicht gleich aufopfernd selbstlos zu werden, um sich glücklicher zu fühlen.

  • Ein bisschen grosszügiger zu werden reicht bereits aus», sagt Philippe Tobler.

Ein Teil der Probanden hatte sich vor den Experimenten zu grosszügigem Verhalten verpflichtet. Diese Gruppe war bereit, höhere Kosten in Kauf zu nehmen, um jemandem etwas Gutes zu tun. Ebenso schätzten sie sich nach diesem grosszügigen Verhalten, nicht aber vorher, glücklicher ein als die Kontrollgruppe, welche sich dazu verpflichtet hatte, sich selber etwas Gutes zu tun.

  • Bereits ein Vorsatz bewirkt neuronale Veränderungen

Während die Probanden ihre Entscheidung für oder gegen grosszügiges Verhalten fällten, wurde die Aktivität in drei Gehirnarealen untersucht. Im temporo-parietalen Übergang wird prosoziales Verhalten und Grosszügigkeit verarbeitet, das ventrale Striatum ist mit Glücklichsein assoziert und im orbitofrontalen Kortex wägen wir das Für und Wider während Entscheidungen ab. Je nachdem, ob sich die Probanden zu Grosszügigkeit oder Egoismus verpflichtet hatten, interagierten diese Gehirnareale anders.

Bereits das Versprechen, sich grosszügig zu verhalten, aktivierte den altruistischen Bereich im Gehirn und verstärkte die Interaktion zwischen diesem und dem Bereich, der für Glücksempfinden zuständig ist. 

«Es ist bemerkenswert, dass bereits der reine Vorsatz eine neuronale Veränderung erzeugt, bevor dieser überhaupt in die Tat umgesetzt wird», erklärt Philippe Tobler.

Versprechen zum Glücklichsein ausnutzen

«Ein kommuniziertes Versprechen zu grosszügigem Verhalten könnte als Strategie genutzt werden, um einerseits das gewünschte Verhalten zu verstärken und um sich andererseits einfach glücklicher zu fühlen», hält Philippe Tobler fest.

Seine Co-Autorin Soyoung Park ergänzt: «Es sind noch einige Fragen offen bzw. zu erforschen. Etwa: Kann die Kommunikation zwischen diesen beiden Hirnregionen trainiert und verstärkt werden? Wenn ja, wie? Hält der Effekt auch an, wenn er bewusst eingesetzt wird? Will heissen: Wenn man sich nur grosszügig verhält, um sich dafür glücklicher zu fühlen?»

Literatur:

Soyoung Q. Park, Thorsten Kahnt, Azade Dogan, Sabrina Strang, Ernst Fehr, and Philippe N. Tobler. Nature Communications. July 11, 2017. DOI:10.1038/ncomms15964

Über das Experiment

Zu Beginn des Experiments wurde den 50 Probanden eine Geldsumme zugesprochen, die sie in den nächsten Wochen erhalten würden und ausgeben sollten. Die eine Hälfte der Probanden verpflichtete sich, das Geld für eine ihnen bekannte Person auszugeben (Experimentalgruppe, Versprechen zur Grosszügigkeit), die andere Hälfte verpflichtete sich, das Geld für sich selbst auszugeben (Kontrollgruppe).

Anschliessend trafen alle Probanden eine Reihe von Entscheidungen zu grosszügigem Verhalten, bei denen sie einer (anderen) ihnen nahestehenden Person ein Geldgeschenk machen konnten.

Die Grösse dieses Geschenks und sein Preis variierte:

Sie konnten etwa der Person fünf Franken zukommen lassen und dafür zwei Franken bezahlen – oder zwanzig Franken und dafür fünfzehn bezahlen.

Während die Probanden diese Entscheidungen trafen, wurde die Aktivität in drei Gehirnarealen untersucht.

Im temporo-parietalen Übergang wird prosoziales Verhalten und Grosszügigkeit verarbeitet, das ventrale Striatum ist mit Glücklichsein assoziert und im orbitofrontalen Kortex wägen wir das Für und Wider während Entscheidungen ab. 

Vor und nach dem Experiment wurden die Probanden mündlich zu ihrem Glücklichsein befragt.

Das Experiment fand im Labor zur Erforschung sozialer und neuronaler Systeme (SNS Lab) am Institut für Volkswirtschaftslehre statt. Das Forschungsprojekt wurde von der Templeton World Charity Foundation unterstützt.


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Die Signale der «Infektion» in Signale der «Blutbildung» übersetzt


Medizin am Abend Berlin Fazit: Blutstammzellen reagieren selbst auf schwere Infektionen

Forschende der Universität Zürich zeigen erstmals, dass Blutstammzellen Infektionserreger auch selbst bemerken und sich zu teilen beginnen – also ohne die Signale von Wachstumsfaktoren. 

Allerdings schädigt diese direkte Produktion von Abwehrzellen die Blutbildung längerfristig, was im Alter zu bösartigen Erkrankungen der Blutstammzellen führen könnte.  
  • Kommt es zu schweren Infektionen, muss der Körper vermehrt weisse Blutzellen bilden, um die Krankheitserreger abzuwehren. 
Zuständig für deren Produktion sind Blutstammzellen im Knochenmark. 

Diese Zellen, die sich lebenslang selbst erneuern, bilden sämtliche Zellen des Blutsystems. Wie es die komplexe Blutbildung schafft, je nach Bedarf die notwendigen Zellen in geeigneter Zahl zu produzieren, untersucht die Gruppe von Markus Manz, UZH-Professor für Hämatologie und Direktor der Klinik für Hämatologie des Universitätsspitals Zürich. Mit anderen Worten: 

Wie die Signale der «Infektion» in Signale der «Blutbildung» übersetzt werden.

Blutstammzellen nehmen Infektionen direkt wahr

In Arbeiten der letzten Jahre konnte Manz und sein Team zeigen, wie die Zellen der Gefässwände bei der Infektabwehr beteiligt sind:

Sie produzieren Wachstumsfaktoren (Zytokine) und kurbeln damit die Blutbildung an.

Nun zeigen die Forschenden, dass Blutstammzellen auch selbst in der Lage sind, bakterielle Infekte wahrzunehmen und darauf zu reagieren. «Im lebenden Organismus konnten wir erstmals beweisen, dass Blutstammzellen Rezeptoren haben, die Infektionen wahrnehmen. Dadurch werden ruhende Zellen aktiviert, beginnen sich zu teilen und produzieren so mehr Abwehrzellen» sagt Manz.

Dies ist erstaunlich, da man bisher annahm, dass sich Blutstammzellen in einem völlig von Umweltsignalen geschützten Raum im Knochenmark, der sogenannten Blutstammzellnische, befinden.

Reaktion auf Infektionserreger schädigt die Blutstammzellen

Verantwortlich für die Detektion des Infekts ist ein Rezeptor namens TLR4 (engl. toll-like receptor). Diese Antennen auf der Zelloberfläche erkennen Strukturen, die ausschliesslich bei Krankheitserregern vorkommen wie beispielsweise Lipopolysaccharide (LPS). Verabreichten die Wissenschaftler den Mäusen LPS, begannen zuvor «schlafende» Blutstammzellen Immunzellen zu produzieren.

Dieses Wahrnehmungssystem dürfte sich in der Evolution als vorteilhaft erwiesen haben, um dem Organismus einen Überlebensvorteil zu verschaffen, schätzt Manz. Wie sein Team nun zeigt, hat dieser Prozess allerdings eine Kehrseite:

Längerfristig treten durch die Reaktion auf Infekte Schäden in den Blutstammzellen auf, die ihre Regenerationsfähigkeit beeinträchtigen und sie weniger fit für die weitere Blutbildung macht.

Altersbedingte Schädigungen der Blutstammzellen verhindern

Diese Erkenntnisse im Mausmodell könnten gemäss den Wissenschaftlern erklären, weshalb chronisch wiederkehrende Entzündungen bzw. Infekte dazu führen, dass sich im Alter häufiger bösartige Erkrankungen der Blutstammzellen entwickeln. 

In den Experimenten mit Mäusen gelang es ihnen, diesen schädlichen Prozess medikamentös aufzuhalten.

Und zwar ohne den indirekten Weg der Stammzellaktivierung via Wachstumsfaktoren zu beeinträchtigen.

 «Wenn der Körper mit einer starken Reaktion überleben kann, nimmt er einen späteren Schaden in Kauf. 

Unser Ziel ist es, solche Schäden durch präventive Interventionen zu verhindern», so Manz. Ob dies tatsächlich möglich ist, müssen nun weitere Forschungsarbeiten zeigen.


Literatur:

Hitoshi Takizawa, Kristin Fritsch, Larisa V. Kovtonyuk, Yasuyuki Saito, Chakradhar Yakkala, Kurt Jacobs, Akshay K. Ahuja, Massimo Lopes, Annika Hausmann, Wolf‐Dietrich Hardt, Álvaro Gomariz, César Nombela-Arrieta, and Markus G. Manz. Pathogen­induced TLR4­TRIF innate immune signaling in hematopoietic stem cells promotes proliferation but reduces competitive fitness. Cell Stem Cell. 20 July 2017. DOI: 10.1016/j.stem.2017.06.013

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Die Moral bei Männern: Cortisol und der Stressspiegel

 am Abend Berlin Fazit: Gestresste Männer entscheiden selbstloser
Psychologinnen der UR erforschen die Auswirkungen von akutem Stress auf Moralentscheidungen im Alltag  
  • Viele moralische Entscheidungen im Alltag müssen schnell und unter Stress getroffen werden. 
Man denke beispielsweise an folgende Situation: Nach einem anstrengenden Arbeitstag möchte man unbedingt den Bus erwischen, um rechtzeitig zu einem wichtigen Termin zu Hause zu sein. Kurz bevor der Bus abfährt, lässt ein älterer Herr versehentlich seine Tüte mit Einkäufen fallen und alles purzelt auf den Gehsteig. Was macht man? Hilft man dem Mann beim Einsammeln oder steigt man in den Bus?

Inspiriert durch derartige Fragestellungen hat eine Forschergruppe um Prof. Dr. Brigitte Kudielka, Lehrstuhl für Medizinische Psychologie, Psychologische Diagnostik und Methodenlehre an der Universität Regensburg, in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe „Kognitive Neurowissenschaften“ am Bezirksklinikum Regensburg unter der Leitung von Dr. Monika Sommer untersucht, welchen Einfluss akuter Stress auf das moralische Entscheidungsverhalten in Alltagssituationen hat.

Dazu wurden insgesamt 50 gesunde junge männliche Versuchsteilnehmer zunächst entweder mit dem „Trierer Sozial Stress Test“ (TSST) oder einer nicht-stressenden Kontrollbedingung konfrontiert. Der TSST stellt ein inzwischen weltweit verwendetes Standardprotokoll zum absichtlichen Erzeugen von moderatem psychosozialen Stress im Verhaltenslabor dar. Anschließend beantworteten die Probanden 28 alltagsbezogene moralische Dilemmata mit selbstloser oder egoistischer Antwortalternative. Die Teilnehmenden sollten zudem ihre Sicherheit und ihr Gefühl bei den Moralentscheidungen angeben. Außerdem füllten die Probanden verschiedene Selbstberichtsfragebögen aus und gaben zu mehreren festgelegten Zeitpunkten Speichelproben zur Messung des Stresshormons Cortisol ab.

In der Studie zeigte sich, dass sich die Versuchsteilnehmer der Stressbedingung bei den moralischen Dilemmata im Mittel weniger egoistisch entschieden als die Probanden der Kontrollbedingung.

Zudem waren selbstlose Entscheidungen durch eine höhere Entscheidungssicherheit und durch positivere Emotionen charakterisiert als egoistische Entscheidungen. 
  • Die Forscherinnen fanden darüber hinaus einen positiven Zusammenhang zwischen dem Cortisolspiegel und altruistischem Entscheidungsverhalten. 
Womöglich könnte das Stresshormon Cortisol also für die gefundenen Effekte verantwortlich sein.

Weiterhin zeigten die Studienergebnisse, dass vor allem die Persönlichkeitseigenschaft „Verträglichkeit“ eine wichtige Rolle bei moralischem Entscheidungsverhalten in Alltagssituationen zu spielen scheint.

Zusammenfassend verdeutlicht die Studie der Arbeitsgruppe um Professorin Dr. Brigitte Kudielka, dass das allgegenwärtige und oft negativ konnotierte Phänomen Stress also durchaus auch prosoziale Konsequenzen haben kann und nicht automatisch nur mit negativen Auswirkungen in Verbindung gebracht werden sollte.

Die Studie ist derzeit in der Fachzeitschrift „Hormones and Behavior“ im Druck. Publikation: Singer, N., Sommer, M., Döhnel, K., Zänkert, S., Wüst, S., & Kudielka, B. M. (2017). Acute psychosocial stress and everyday moral decision-making in young healthy men: The impact of cortisol. Hormones and Behavior, 93:72-81. [Epub ahead of print]. DOI: https://doi.org/10.1016/j.yhbeh.2017.05.002

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Erreichen der Dialysepflichtigkeit“, „Tod wegen Nierenversagens“ oder Abfall der Nierenfunktion

Medizin am Abend Berlin Fazit: IgA-Nephropathie: Erhöhtes Risiko für schwere Infektionen unter oraler Steroidtherapie

Am 1. August ist im internationalen Fachjournal JAMA eine randomisierte, placebokontrollierte Studie [1] zur oralen Steroidtherapie (Methylprednisolon) der IgA-Nephropathie erschienen (TESTING-Studie). 

Im Ergebnis zeigte sich zwar ein Vorteil der Therapie im Hinblick auf die Erreichung des primären Endpunkts, die Behandlung erhöhte aber signifikant das Risiko für schwere Nebenwirkungen, insbesondere für schwerwiegende Infektionen. 

Zwei Patienten verstarben sogar, so dass die Studie aus Sicherheitsbedenken abgebrochen wurde. 
 
  • Die IgAN ist bei Erwachsenen vor dem 50. Lebensjahr die häufigste Ursache, die eine Nierentransplantation notwendig macht. 
  • Seit über 50 Jahren wird eine entzündungshemmende, immunsuppressive Therapie eingesetzt, u.a. Kortikosteroide, Immunsuppressiva oder Zytostatika.

Die jüngst publizierte Arbeit untersuchte den Einsatz einer oralen Steroidtherapie (Methylprednisolon in einer Dosis von 0,6-0,8 mg/kg/Tag; Maximaldosis 48 mg/Tag). 

262 Patienten (mittleres Alter 38,6 Jahre, eGFR von 59,4 mL/min/1.73m2; Proteinausscheidung im Urin betrug 2,4 g/Tag) wurden randomisiert und erhielten entweder Methylprednisolon oder Placebo. Das Follow-up betrug im Median 2,1 Jahre. 

Der zusammengesetzte primäre Endpunkt umfasste „Erreichen der Dialysepflichtigkeit“, „Tod wegen Nierenversagens“ oder „40%iger Abfall der Nierenfunktion“ und wurde von 20 Patienten aus der Placebogruppe, aber nur von acht Patienten aus der Verumgruppe erreicht. 

„Dieser Therapieerfolg hatte allerdings seinen Preis“, erklärt Professor Dr. Jürgen Floege, Aachen, Ko-Autor der Studie und Past-Präsident der DGfN, „denn das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen war unter der oralen Therapie mit Methylprednisolon signifikant höher. Es ist also Vorsicht geboten. Unverändert liegt der Schwerpunkt der Therapie auf supportiven Maßnahmen, die leider in der TESTING-Studie nicht voll ausgeschöpft wurden.“

Schwerwiegende Nebenwirkungen, darunter vor allem schwere Infektionen, traten bei 20 Patienten (14,7%) in der Methylprednisolon-Gruppe auf, aber nur bei vier Patienten (3,2%) in der Placebogruppe (p= 0.001). 

Laut Studiendesign sollten 750 Patienten in die Studie rekrutiert werden, aus Sicherheitsgründen wurde die Studie jedoch vorzeitig abgebrochen.

„Derzeit sieht es so aus, als ob wir unseren Patienten mit dieser Therapie potenziell mehr schaden als nutzen“, so Floege. „Die höhere Wirksamkeit geht offensichtlich zu Lasten der Sicherheit“.

[1] Lv J; Zhang H; Wong mH et al. Effect of Oral Methylprednisolone on Clinical Outcomes in Patients With IgA Nephropathy
The TESTING Randomized Clinical Trial. JAMA 2017. Epub Aug 1.

Hintergrundinformationen zur IgA-Nephropathie

Die IgA-Nephropathie (IgAN) ist die häufigste der idiopathischen Glomerulonephritiden

Diese stellen in Europa nach der diabetischen und hypertensiven Nephropathie die dritthäufigste definierte Ursache einer terminalen Niereninsuffizienz dar
  • Eine „Glomerulonephritis“ ist eine Nierenentzündung, die vorwiegend die Nierenkörperchen („Glomeruli“) betrifft. 
Die Glomeruli sind die eigentlichen Filtereinheiten der Niere. 
Bei einer entzündlichen Schädigung sind sie nicht mehr in der Lage, wichtige Blutbestandteile wie Albumin (Eiweiß) bzw. ganze Blutzellen wie Erythrozyten zurückzuhalten, es kommt zur Proteinurie, ggf. zur (Mikro)-Hämaturie. 
  • Die gestörte Urinproduktion führt zum Ungleichgewicht von Salz und Wasser im Körper, häufig kommt es daher zu Ödemen. 
Im Gegensatz zur Nierenbeckenentzündung, die bakteriell verursacht wird, haben Glomerulonephritiden immunologische Ursachen, das weiß man heute, wenn auch die Einzelheiten der Pathomechanismen an manchen Punkten noch nicht vollständig geklärt sind. 

  • Das macht die Therapie nicht einfach, Antibiotika helfen hier im Gegensatz zu anderen, bakteriellen Entzündungen nicht.

Bei der IgAN werden aus unbekannten Gründen Immunkomplexe, die IgA enthalten, im Glomerulum abgelagert. 

Diese Ablagerungen führen zu einer komplexen Entzündungsreaktion mit Einwanderung von Granulozyten und Proliferation von Mesangium-Zellen. 

Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. 

Ca. 20% der Patienten entwickeln innerhalb von 10-20 Jahren ein dialysepflichtiges terminales Nierenversagen. 

Risikofaktoren für einen solchen progredienten Verlauf sind Bluthochdruck, ausgeprägte Proteinurie, männliches Geschlecht, und Nikotinkonsum. 

In Europa beträgt der Anteil der IgAN an der Gesamtzahl der Glomerulonephritiden ca. 30%, im asiatischen Raum ist der Anteil deutlich höher, in den USA möglicherweise geringer. 

Solche Populations-Unterschiede sprechen immer für eine genetische Prädisposition. 

  • Da die Erkrankung schmerzlos und in der Regel auch symptomfrei ist, wird sie in vielen Fällen nur zufällig oder gar erst im Stadium der fortgeschrittenen Niereninsuffizienz entdeckt. 

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Dr. Bettina Albers Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)

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Dr. Bettina Albers
Mobil 0174/ 2165629

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CAVE: Schwangere und der Umgang mit Salaten, Kräutern, Tees, Smoothies ...

Medizin am Abend Berlin: Lebensmittel aus Blättern und Gräsern können Krankheitserreger enthalten

BfR gibt Hygienetipps zum Umgang mit Salaten, Kräutern, Tees, Smoothies und anderen pflanzlichen Lebensmitteln 

 Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Detaillierte Ansage

 
In Deutschland werden zunehmend Blatt- und Grasprodukte verzehrt.

Diese können mit verschiedenen Krankheitserregern belastet sein.

Deshalb veröffentlicht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) jetzt eine ausführliche Stellungnahme zur Belastung von Blatt- und Grasprodukten mit Bakterien, die beim Menschen Erkrankungen verursachen können.

„Salate, Blattgemüse, Kräuter, Tees und grüne Smoothies werden von den meisten Menschen als rundum gesunde Nahrungsmittel wahrgenommen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

„Umso wichtiger ist es darauf hinzuweisen, dass auch bei diesen Lebensmitteln Hygienemaßnahmen notwendig sind.

Unabhängig davon ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse tatsächlich die beste Ernährungsstrategie.“ Zu den vom BfR bewerteten Produkten gehören frische Blattgemüse einschließlich Blattsalate und Kräuter, getrocknete Blatt- und Grasprodukte wie Nahrungsergänzungsmittel, getrocknete Kräuter und Teeblätter sowie grüne Smoothies.

Blattsalate und frische Kräuter werden in Deutschland fast von der gesamten Bevölkerung sehr häufig verzehrt. Tee wird häufiger von Frauen als von Männern getrunken, der Teekonsum steigt mit zunehmendem Alter an.  

Bakterielle Krankheitserreger, die in Gras- und Blattprodukten vorkommen können, sind u. a. Salmonellen, Campylobacter, Yersinien, Listerien und EHEC.

Bisher gibt es in Deutschland nur wenige belegte Fälle bakterieller Lebensmittelinfektionen durch den Verzehr von Gras- oder Blattprodukten. Dennoch spricht das BfR zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher die nachfolgenden allgemeinen Empfehlungen zur Risikominimierung aus:

  • • Frische Blattprodukte sollten vor dem Rohverzehr gründlich gewaschen und möglichst schnell verbraucht werden. Zerkleinerte frische Blattprodukte sollten bis zum Verzehr möglichst bei maximal 7 °C gelagert und schnell verbraucht werden. 
  • • Frisch hergestellte grüne Smoothies sollten bis zum Verzehr möglichst bei maximal 7 °C gelagert und am Tag der Herstellung verbraucht werden. Durch eine starke Säuerung der Smoothies, beispielsweise durch Verarbeitung von Zitrusfrüchten oder Zugabe von Zitronensaft, lässt sich die Vermehrung der Bakterien verlangsamen bzw. ganz verhindern.
  • • Kräutertees sollten mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegossen werden. 
  • Schwangere und Personen, deren Abwehrkräfte durch hohes Alter, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme geschwächt sind, sollten auf den Verzehr von vorgeschnittenen und verpackten Salaten besser vorsichtshalber verzichten und stattdessen Salate aus frischen und gründlich gewaschenen Zutaten kurz vor dem Verzehr selbst zubereiten. 
  • Nahrungsergänzungsmittel aus getrockneten Blatt- und Grasprodukten sollten diese Personen nur nach ärztlicher Rücksprache verzehren.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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Koffeinbedingte Magensäureausschüttung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bitterrezeptoren in Mund und Magen wirken regulierend auf koffeinbedingte Magensäureausschüttung

Der anregend wirkende Bitterstoff Koffein kann die Freisetzung von Salzsäure im Magen sowohl stimulieren als auch verzögern, je nachdem, ob er Bitterrezeptoren im Magen oder im Mund aktiviert. 

Dies ist das Ergebnis einer europäischen Kooperationsstudie, an der auch Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) beteiligt waren. 

„Wie unsere Ergebnisse zeigen, spielen Bitterrezeptoren generell eine Rolle bei der Regulation der Magensäureausschüttung. 

Es wäre daher denkbar, dass sich Bitterstoffe oder Bitterblocker zukünftig als Therapeutika einsetzen ließen, um eine Übersäuerung des Magens zu behandeln“, sagt Studienleiterin Veronika Somoza von der Universität Wien. 

Sensoriklabor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Sensoriklabor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Till Budde/DIfE
 
Das Team um die Ernährungsphysiologin Somoza und Erstautorin Kathrin Liszt vom Institut für Ernährungsphysiologie und Physiologische Chemie der Fakultät für Chemie an der Universität Wien, zu dem neben DIfE-Forschern auch Jakob Ley von der Symrise AG in Holzminden und Wissenschaftler des Blizard Instituts London gehören, publizierte seine Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS; Kathrin Liszt et al., 2017; DOI: 10.1073/pnas.1703728114).

Was war zu Studienbeginn bekannt?

Koffein ist die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Droge. Sie wirkt nicht nur anregend auf das zentrale Nervensystem und erhöht den Blutdruck, sondern sie stimuliert auch die Freisetzung von Magensäure. 

Ebenso weisen neuere Studien darauf hin, dass neben Koffein auch andere Bitterstoffe, zum Beispiel aus Hopfen, die Säureproduktion im Magen ankurbeln. Über welche Mechanismen dies geschieht, ist allerdings noch nicht hinreichend erforscht. +


Zudem ist bekannt, dass der Mensch Bitterstoffe über rund 25 verschiedene Bitterrezeptor-Typen wahrnimmt, die sich im Mund und Rachenraum auf den Spitzen der Geschmacksrezeptorzellen befinden und vor dem Verschlucken giftiger Substanzen warnen sollen.

Fünf von ihnen reagieren unter anderem auf Koffein. Seit kurzem häufen sich die Studien, die zeigen, dass sich Geschmacksrezeptoren für Bitteres auch an anderen Orten des Verdauungssystems finden, so zum Beispiel im Magen. Welche Funktion die Rezeptoren dort erfüllen, ist weitgehend unbekannt und noch ebenfalls wenig erforscht.

Welcher Fragestellung gingen die Wissenschaftler nach?

Die bestehenden Fakten lassen annehmen, dass Koffein die Magensäureausschüttung über Bitterrezeptoren im Mund und Magen beeinflusst. Daher gingen die Forscher in der aktuellen Studie der Frage nach, ob tatsächlich ein solcher Zusammenhang besteht. Hierzu führten die Wissenschaftler an gesunden weiblichen und männlichen Studienteilnehmern pH-Wert Messungen im Magen durch. Zudem verwendeten sie menschliche Gewebeproben des Magens sowie ein etabliertes zelluläres Modellsystem (HGT-1-Zellen) zur Untersuchung der Magensäurefreisetzung, um den Zusammenhang auch auf zellulärer und molekularer Ebene überprüfen zu können.

Zu welchen Ergebnissen kamen die Forscher?

Nahmen die Studienteilnehmer 150 mg Koffein verkapselt in Form einer Pille ein, die sich erst im Magen auflöste, führte dies nach etwa 30 Minuten zu einer verstärkten Ausschüttung von Magensäure.

Erhielten die Teilnehmer dagegen eine entsprechende Koffeinlösung, die neben den Rezeptoren im Magen auch die Bitterrezeptoren in der Mundhöhle stimulierte, verzögerte sich die Magensäureausschüttung.

Dabei korrelierte die empfundene Bitterkeit des Koffeins mit der Menge der ausgeschütteten Magensäure. Darüber hinaus wiesen die Forscher sowohl in menschlichen Gewebeproben des Magens, als auch in den HGT-1-Zellen Bitterrezeptoren nach, die auf Koffein reagieren. Am Modellsystem der HGT-1-Zellen zeigten sie zudem, dass der Bitterrezeptor TAS2R43 zumindest einer der Rezeptoren ist, über den Koffein die Magensäureausschüttung reguliert. Ein Ausschalten des TAS2R43-Rezeptors auf Genebene (knock out-Modell) bestätigte dieses Ergebnis zusätzlich. Ebenso verminderte sich der stimulierende Effekt des Koffeins durch Zugabe von Homoeriodictyol*, einem Bitterblocker, der auch TAS2R43 hemmt. Anschließend mit Studienteilnehmern durchgeführte Tests, bei denen die Teilnehmer den Bitterblocker gemeinsam mit Koffein einnahmen, führten ebenfalls zu einer Reduktion der Koffeineffekte.

Fazit und Ausblick

„Obwohl in vielen Kulturen nach dem Essen ein Gläschen Magenbitter oder ein Kaffee üblich ist, um Verdauungsproblemen zu begegnen, wissen wir heute noch erstaunlich wenig über das molekulare Zusammenspiel von Bitterstoffen und dem Verdauungssystem“, sagt Somoza vom Institut für Ernährungsphysiologie und Physiologische Chemie an der Universität Wien.

 „Diese Zusammenhänge aufzuklären, könnte künftig dazu beitragen, neue Therapeutika gegen die Refluxkrankheit oder Magengeschwüre zu entwickeln“, so die Professorin weiter. 

„Jedenfalls sind unsere Ergebnisse vielversprechend und belegen, dass Bitterrezeptoren über ihre Funktion als Geschmackssensoren hinaus an der Regulation von Verdauungsprozessen beteiligt sind“, ergänzt Koautor Wolfgang Meyerhof vom DIfE. „Die Erforschung der Bitterrezeptoren, die von uns auch schon im Darm, in Herzmuskel- und Schilddrüsenzellen** nachgewiesen wurden, zeigt nicht nur in diesem Zusammenhang ganz neue Perspektiven und Ansatzpunkte auf, denen wir auch in Zukunft mit unseren Kooperationspartnern nachgehen wollen“, so DIfE-Geschmacksforscher Maik Behrens abschließend.

Literatur:
Kathrin Liszt et al., Caffeine induces gastric acid secretion via bitter taste signaling in gastric parietal cells. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 2017; http://www.pnas.org/lookup/doi/10.1073/pnas.1703728114

Hintergrundinformationen:

* Homoeriodictyol ist ein sekundärer Pflanzeninhaltsstoff, der in Yerba Santa (Eriodictyon californicum) enthalten ist. Die Pflanze gehört zu den Heilpflanzen Amerikas und Mexicos. In der Volksheilkunde wird sie innerlich bei Erkrankungen der Atemwege, wie Asthma oder Bronchitis angewendet. Die Indianer Nordamerikas verwendeten die Droge auch bei Magen- und Darmstörungen sowie bei Erkrankungen des Urogenitaltraktes (1).
Homoeriodictyol ist zudem eines der 4 Flavanone, die von der Symrise AG in dieser Pflanze identifiziert wurden, die geschmacksmodifizierende Eigenschaften besitzen. Das Homoeriodictyol-Natriumsalz reduziert die Bitterkeit von Salicin, Amarogentin, Paracetamol und Chinin um 10 bis 40 Prozent (2).

Quellen: (1) http://www.spektrum.de/lexikon/arzneipflanzen-drogen/eriodictyon-californicum/42...
(2) Ley et al., Identification of enterodiol as a masker for caffeine bitterness by using a pharmacophore model based on structural analogues of homoeriodictyol. JAFC 2012

** siehe DIfE-Abteilung Molekulare Genetik (MOGE); Forschungsprojekt: Extraorale Bitterrezeptoren
http://www.dife.de/forschung/abteilungen/projektdetail.php?id=255&abt=MOGE


Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Mehr unter www.dife.de. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Weitere Informationen zum DZD finden Sie unter http://www.dzd-ev.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 91 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.600 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,7 Milliarden Euro. Mehr unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 6.600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 94.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit 174 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. Mehr Informationen unter http://www.univie.ac.at.

Die Symrise AG ist ein globaler Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen, kosmetischen Grund- und Wirkstoffen sowie funktionalen Inhaltsstoffen mit Hauptsitz in Holzminden/Deutschland. Zu den Kunden gehören Parfum-, Kosmetik-, Lebensmittel- und Getränkehersteller, die pharmazeutische Industrie sowie Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln und Heimtiernahrung. Mit einem Umsatz von mehr als 2,9 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2016 gehört das Unternehmen zu den global führenden Anbietern im Markt für Düfte und Aromen. Der Konzern mit Sitz in Holzminden ist in mehr als 40 Ländern in Europa, Afrika und dem Nahen sowie Mittleren Osten, in Asien, den USA sowie in Lateinamerika vertreten. Gemeinsam mit seinen Kunden entwickelt Symrise neue Ideen und marktfähige Konzepte für Produkte, die aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Wirtschaftlicher Erfolg und unternehmerische Verantwortung sind dabei untrennbar miteinander verbunden. Symrise - always inspiring more: http://www.symrise.com.

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Blasenentzündungen ......

Medizin am Abend Berlin Fazit: Blasenentzündungen: Bärentraubenblätter statt Antibiotika?

Klinische Studie der Allgemeinmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen will die Wirksamkeit eines alten Heilmittels bei Blasenentzündungen klären. 

Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert mit 1,5 Mio Euro. 

Wärmflasche Wärmflasche absolutimages/Fotolia
 
  • Bärentraubenblätter gelten seit Jahrhunderten als Heilpflanze mit positiver Wirkung gegen entzündliche Erkrankungen. 
  • Zur Behandlung von Harnwegsinfektionen werden die Blätter des grünen Zwergstrauchs vor allem in der traditionellen Volksmedizin von Europa bis Nordamerika verwendet. 
Doch fehlen bislang wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit der Bärentraubenblätter.

Belastbare Daten zur Wirksamkeit von Bärentraubenblättern in der Behandlung von Blasenentzündungen will jetzt ein Forscherteam unter der Leitung des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gewinnen. In der klinischen Studie REGATTA (Reducing antibiotic use for uncomplicated urinary tract infection general practice by treatment with Uva Ursi – a comparative effectiveness Trial) untersuchen die Göttinger Forscher zusammen mit Kollegen an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universität Bremen die Wirksamkeit des Bärentraubenblätterextrakts (Uva Ursi) in der Behandlung des unkomplizierten Harnweginfekts im Vergleich mit dem Antibiotikum Fosfomycin. 

An der Studie beteiligen sich 38 Hausarztpraxen in Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und Bremen mit ihren Patientinnen. Leiterin der klinischen Prüfung ist Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der UMG. Die wissenschaftliche und koordinatorische Leitung hat Priv.-Doz. Dr. Ildikó Gágyor vom Institut für Allgemeinmedizin der UMG. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Studie mit 1,5 Millionen Euro.

Schon seit Jahren sucht das Forscherteam nach Therapiestrategien für den unkomplizierten Harnweginfekt, die ohne Antibiotika auskommen. Langfristiges Ziel ist es, den Verbrauch von Antibiotika zu senken. Denn die häufige Verwendung von Antibiotika ist ein Grund für die Zunahme resistenter Keime: Bakterien lernen sich zu wehren und verändern sich. Aktuell verfügbare Antibiotika verlieren auf diese Weise ihre Wirksamkeit.

BÄRENTRAUBENBLÄTTER STATT IBUPROFEN?

  • Die Forscher konnten bereits belegen, dass bei unkompliziert-verlaufenden Blasenentzündungen die Behandlung mit dem Schmerzmittel „Ibuprofen“ hilfreich ist. 
  • Bei zwei Drittel der behandelten Frauen bildeten sich die typischen Krankheitssymptome auch ohne Antibiotika zurück. 

„Die Erkenntnisse aus der Studie RE-GATTA könnten für Patientinnen eine Alternative zur Behandlung mit Antibiotika eröffnen, die das Schmerzmittel Ibuprofen, nicht gut vertragen oder aus anderen Gründen ablehnen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Ildikó Gágyor vom Institut für Allgemeinmedizin der UMG.

An der Studie REGATTA nehmen Frauen im Alter von 18 bis 75 Jahren mit den typischen Symptomen eines unkomplizierten Harnweginfekts, wie Brennen beim Wasserlassen, Harndrang, häufiges Wasserlassen oder Unterbauchschmerzen, teil. 

Die Behandlung erfolgt nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen:

Eine Gruppe der Frauen wird mit Uva Ursi (Bärentraube) behandelt, die andere Gruppe mit dem Antibiotikum Fosfomycin. 

Die Studie ist verblindet, das bedeutet, weder die Patientinnen, noch die behandelnden Ärzte wissen, welches Medikament gegeben wird.




Wissenschaftliche und koordinatorische Leitung der Studie REGATTA: Priv.-Doz. Dr. Ildikó Gágyor, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsmedizin Göttingen.
 Wissenschaftliche und koordinatorische Leitung der Studie REGATTA: Priv.-Doz. Dr. Ildikó Gágyor, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsmedizin Göttingen. Foto: umg


HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Harnwegsinfektionen gehören nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den häufigsten Infektionen des Menschen überhaupt. Frauen sind vielfach häufiger betroffen als Männer. 

In den meisten Fällen nimmt der Infekt einen unkomplizierten Verlauf und häufig kommt es zur Heilung auch ohne Behandlung.

  • Die meisten Harnwegsinfekte werden aktuell mit Antibiotika behandelt, weil es sich bei den Krankheitserregern überwiegend um Bakterien handelt.

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Arbeitszeiten: Kürzer und flexibler

Medizin am Abend Berlin Fazit: Mit kürzeren und flexibleren Arbeitszeiten können Betriebe rentenberechtigte Mitarbeiter halten

Jeder dritte Betrieb versucht, rentenberechtigte Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. 

  • Kürzere und flexiblere Arbeitszeiten anzubieten waren dabei die wichtigsten Maßnahmen, um die Mitarbeiter zu halten. 

Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. 
 
Im Jahr 2015 erreichten rund 650.000 Mitarbeiter die Rentenberechtigung oder waren bereits rentenberechtigt.

In gut 170.000 Fällen wollten die Betriebe rentenberechtigte Mitarbeiter halten.

Gelungen ist das bei knapp 145.000 Mitarbeitern.

Dies entspricht einer Erfolgsquote von 83 Prozent.

Allerdings haben die Betriebe möglicherweise in Fällen, bei denen sie sich keine Chancen ausrechneten, erst gar nicht versucht, die Mitarbeiter zu halten, merken die Arbeitsmarktforscher zur hohen Erfolgsquote an.

„Danach gefragt, welche Maßnahmen in den erfolgreichen Fällen eingesetzt wurden, gab die überwiegende Mehrheit der Betriebe (60 Prozent) kürzere Arbeitszeiten an, gefolgt von 49 Prozent der Betriebe, die rentenberechtigte Mitarbeiter mit einer Flexibilisierung der Arbeitszeit halten konnten“, schreiben die Arbeitsmarktforscher.

Eine Veränderung des Tätigkeitsprofils stellte für insgesamt 17 Prozent der Betriebe ein erfolgreiches Instrument dar, während 13 Prozent der Betriebe mit einer höheren Entlohnung, Prämien oder einer Beförderung rentenberechtigte Mitarbeiter weiter beschäftigen konnten.

Bei einer Betrachtung nach Wirtschaftszweigen zeigt sich, dass im Bereich der Öffentlichen Verwaltung mit 18 Prozent vergleichsweise wenige Betriebe Versuche unternahmen, rentenberechtigte Mitarbeiter zu halten. 

Die Erfolgsquote fiel hier mit 67 Prozent zudem unterdurchschnittlich aus.

Im Wirtschaftszweig „Maschinen, Elektrotechnik, Fahrzeuge“ waren es dagegen 43 Prozent der Betriebe, die rentenberechtigten Mitarbeitern entsprechende Angebote unterbreiteten. Die Erfolgsquote betrug dabei 86 Prozent.

„Der Wunsch, Mitarbeiter zu halten, wird maßgeblich durch Fachkräfteengpässe bestimmt, welche insbesondere im verarbeitenden Gewerbe eine Rolle spielen: Liegen Fachkräfteengpässe vor, so steigt die Wahrscheinlichkeit, rentenberechtigte Mitarbeiter halten zu wollen, statistisch hochsignifikant um 21 Prozentpunkte“, erklären die Forscher.

Kleinbetriebe versuchten mit 32 Prozent einen erheblich höheren Anteil an rentenberechtigten Mitarbeitern zu halten als größere Betriebe mit elf Prozent. Auch hier spielen Rekrutierungsprobleme eine Rolle: „Kleinbetriebe haben tendenziell schlechtere Chancen, ausscheidende Mitarbeiter durch Neueinstellungen adäquat zu ersetzen“, so die Arbeitsmarktforscher.

Die aufgrund des Flexirenten-Gesetzes seit diesem Jahr geltenden Regelungen zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit werden von den Betrieben überwiegend positiv eingeschätzt. 
Besonders hoch ist die Zustimmung zum Wegfall der Arbeitslosenversicherungsbeiträge für altersrentenberechtigte Mitarbeiter und zu den großzügigeren Hinzuverdienstmöglichkeiten im Rahmen einer Teilrente.

Die IAB-Studie beruht auf einer repräsentativen Befragung von rund 13.000 Betrieben.

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