Medizin am Abend Berlin Fazit: ‚Hypo‘ gegen Bienenstiche teilweise unvollständig
Die Präparate, die zur Hyposensibilisierung bei Bienenstichallergien
eingesetzt werden, enthalten nicht immer alle relevanten
Giftbestandteile.
Das ergab eine Untersuchung von Allergieexperten am
Helmholtz Zentrum München und an der Technischen Universität München
(TUM).
Wie sie in ‚Human Vaccines and Immunotherapeutics‘ berichten,
könnte das möglicherweise einen Einfluss auf den Therapieerfolg haben.
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Der Sommer ist im Anmarsch, und mit ihm beginnt für viele Allergiker
auch die Angst vor Bienenstichen.
- „Allergische Reaktionen gegen
Insektengifte sind potenziell lebensbedrohlich und eine der
schwerwiegendsten Hypersensitivitätsreaktionen“, erklärt PD Dr. Simon
Blank, Arbeitsgruppenleiter am Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM),
welches vom Helmholtz Zentrum München und der TUM betrieben wird.
Hier kann
die Allergen-spezifische Immuntherapie – im Volksmund besser
bekannt als Hyposensibilisierung – helfen.
Dafür wird den Patienten das
Gift in sehr geringen Dosen unter die Haut gespritzt.
Das soll dazu
führen, dass sich der Körper daran gewöhnt und eine überschießende
Reaktion des Immunsystems im Falle eines Bienenstichs ausbleibt.
Jedoch
gibt es laut Blank und seinem Team bei dem Verfahren möglicherweise
Verbesserungsbedarf.
Allergene stark unterrepräsentiert
„Mittlerweile ist bekannt, dass es sich beim Bienengift um einen
Cocktail handelt.
Darin sind
vor allem fünf Komponenten besonders
relevant für Allergiker“, erklärt Blank.
„In unserer aktuellen
Untersuchung von kommerziellen Präparaten konnten wir allerdings zeigen,
dass diese sogenannten Major-Allergene nicht überall in ausreichender
Menge vertreten sind - manche Allergene sind stark unterrepräsentiert!“
Während in manchen Präparaten alle Giftkomponenten gleichmäßig vorkamen,
seien in anderen bis zu drei der fünf Allergene in zu geringen Mengen
vorhanden gewesen, so die Autoren.
Was das genau für den Therapieerfolg
bedeutet, das können die Wissenschaftler noch nicht konkret benennen.
„Bisher kann durch Studien nicht belegt werden, wie groß die Bedeutung
für die Therapie ist.
Da aber rund sechs Prozent der Patienten
ausschließlich gegen diese drei Allergene sensibilisiert sind, könnte
deren Unterrepräsentation in den Präparaten zumindest für diese
Patienten Einfluss auf den Therapieerfolg haben.“
Maßgeschneiderte Hyposensibilisierung gegen Bienenstiche?
Wenn also Patienten nun auf bestimmte Allergene im Bienengift reagieren,
diese aber eventuell nicht in ausreichender Menge in den Präparaten
vorkommen, ergibt sich die Frage, wie stark die Hyposensibilisierung
gegen Bienenstiche dem Einzelnen nutzt.
Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber, Direktor des ZAUM, sieht es so: „Die
überwiegende Mehrheit der Patienten profitiert von einer solchen
Behandlung. Allerdings wäre eine wünschenswerte Zielsetzung, die sich
aus dieser Arbeit ergibt, dass Patienten künftig eine maßgeschneiderte
Behandlung bekommen. Also ein Präparat mit genau den Allergenen, auf die
sie reagieren.“ Aufgrund der Kosten und der relativ kleinen
Patientenzahlen lägen individuelle Therapien jedoch noch in weiter
Ferne.
Weitere Informationen
Hintergrund:
Die Forscher hatten für ihre Analyse zunächst Antikörper gegen die fünf
einzelnen Bienengift-Allergene hergestellt, um diese nachweisen zu
können.
Konkret ging es um die Proteine Api m 1, 2, 3, 5 und 10. Die
Abkürzung Api m stammt vom lateinischen
Fachbegriff für die Honigbiene
Apis mellifera.
Ihr Gift heißt entsprechend Apitoxin. Im Anschluss
testeten sie deren Anteil in vier verschiedenen Präparaten zur
Hyposensibilisierung und untersuchten dabei auch verschiedene Chargen.
In manchen Präparaten waren alle Allergene in ausreichender Menge
vorhanden, in manchen nicht.
Hinsichtlich der Auswirkungen auf die Therapie müssen konkrete Studien
Ergebnisse liefern. Kürzlich konnte allerdings eine andere Studie (Frick
et al., JACI 2016) zeigen,
dass eine Sensibilisierung vornehmlich gegen
Api m 10 ein erhöhtes Risiko für einen Misserfolg der Immuntherapie
darstellt. Ob das mit einem geringen Anteil von Api m 10 in den
Präparaten zusammenhängt, wurde in der Studie nicht untersucht.
Original-Publikation:
Blank, S. et al. (2017): Component-resolved evaluation of the content of
major allergens in therapeutic extracts for specific immunotherapy of
honeybee venom allergy. Human Vaccines and Immunotherapeutics, DOI:
10.1080/21645515.2017.1323603
Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum
für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die
Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie
Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür
untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und
Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden
Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300
Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18
naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische
Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören.
http://www.helmholtz-muenchen.de
Das Zentrum Allergie und Umwelt (Leitung: Prof. Dr. Carsten
Schmidt-Weber) in München ist eine gemeinsame Einrichtung von Helmholtz
Zentrum München und Technischer Universität München. Die in der
deutschen Forschungslandschaft einzigartige Kooperation dient der
fachübergreifenden Grundlagenforschung und Verknüpfung mit Klinik und
klinischen Studien. Durch diesen translationalen Ansatz lassen sich
Erkenntnisse über molekulare Entstehungsmechanismen von Allergien in
Maßnahmen zu ihrer Vorbeugung und Therapie umsetzen. Die Entwicklung
wirksamer, individuell zugeschnittener Therapien ermöglicht betroffenen
Patienten eine bessere Versorgung.
http://www.zaum-online.de
Die Technische Universität München (TUM) ist mit mehr als 500
Professorinnen und Professoren, rund 10.000 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern und 39.000 Studierenden eine der forschungsstärksten
Technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunkte sind die
Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und
Medizin, ergänzt um Wirtschafts- und Bildungswissenschaften. Die TUM
handelt als unternehmerische Universität, die Talente fördert und
Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie von starken
Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit einem
Campus in Singapur sowie Verbindungsbüros in Brüssel, Kairo, Mumbai,
Peking, San Francisco und São Paulo vertreten. An der TUM haben
Nobelpreisträger und Erfinder wie Rudolf Diesel, Carl von Linde und
Rudolf Mößbauer geforscht. 2006 und 2012 wurde sie als
Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In internationalen Rankings gehört
sie regelmäßig zu den besten Universitäten Deutschlands.
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Das Institut für Allergieforschung (IAF) erforscht molekulare
Entstehungsmechanismen von Allergien, weltweit zunehmenden Erkrankungen.
Das IAF will die epidemiologische Ausbreitung aufhalten, indem
Wissenschaftler und Kliniker zusammen intensiv an individuellen
Präventionsansätzen forschen. Im therapeutischen Bereich wollen
Wissenschaftler des Instituts neue auf den Patienten abgestimmte Ansätze
entwickeln. Das IAF kooperiert dabei mit der Technischen Universität
München in der gemeinsamen Einrichtung Zentrum Allergie und Umwelt
(ZAUM). Außerdem ist das IAF Mitglied des Cluster für Allergie und
Immunität (CAI) und des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL).
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Sonja Opitz,
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