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360°TOP-Thema: Zecken in Österreich - FSME und Borreliose

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Neues, vermutlich von Zecken übertragbares Bakterium, in österreichischem Fuchs entdeckt

Zecken übertragen verschiedene Krankheiten auf den Menschen, aber auch auf Tiere. Einige bekannte Krankheiten sind beispielsweise FSME und Borreliose. ForscherInnen der Vetmeduni Vienna sind den Krankheitserregern, die von Zecken übertragen werden, auf der Spur.

In einem Rotfuchs aus Vorarlberg entdeckten die ParasitologInnen nun eine neue Form des Bakteriums Candidatus Neoehrlichia. Der Erreger ist möglicherweise auch auf den Menschen übertragbar. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt Parasites & Vectors veröffentlicht. 

Das gefundene Bakterium wird möglicherweise von Zecken übertragen. Das gefundene Bakterium wird möglicherweise von Zecken übertragen. (Foto: Philipp Berger/Vetmeduni Vienna)
 
Adnan Hodžić vom Institut für Parasitologie an der Vetmeduni Vienna ist auf der Suche nach Krankheitserregern, die von Zecken übertragen werden.

Insbesondere interessiert er sich für wild lebende Fleischfresser (Füchse und Wölfe), die nach einem Zeckenbiss Reservoire von Krankheitserregern werden können.

Ein besonderer Erreger, der erstmals 1999 in einer Schildzecke nachgewiesen wurde, ist Candidatus Neoehrlichia mikurensis.

Eine Erkrankung beim Menschen verursachte der Erreger erstmals im Jahr 2010 in Schweden.

Bisher ist das Bakterium mehrfach bei Menschen aber auch in zahlreichen Tierarten wie Hunden, Igeln, Spitzmäusen, Bären, Dachsen, Gämsen und Mufflons nachgewiesen worden.

  • Bei Menschen macht sich eine Infektion mit diesem Erreger mit Fieber, Muskel- und Gelenksschmerzen, aber auch mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen und Embolien bemerkbar. 
  • Gefährdet sind vor allem ältere und immunschwache Personen.

Ein zweiter bekannter Erreger ist Candidatus Neoehrlichia lotoris. Bisher wurde dieser jedoch ausschließlich in US-amerikanischen Waschbären nachgewiesen.

Neuer Erreger in Österreich aufgetaucht

Nun fanden Hodžić und seine KollegInnen in einem Rotfuchs aus Vorarlberg eine neue Form des Erregers.

Genetisch ist das Bakterium zwischen den beiden bekannten Neoehrlichia-Formen angesiedelt. „Es benötigt weitere Untersuchungen, um das Bakterium genaue systematisch einordnen zu können. Es steht jedoch fest, dass es sich um einen potentiell zoonotischen Erreger handeln könnte, der also vom Tier auf den Menschen übertragbar wäre. Wie sich eine Infektion auf den Menschen oder auf Haustiere auswirken könnte, wissen wir noch nicht“, erklärt der Studienleiter Hans-Peter Führer.

Im Jahr 2014 sammelten die ForscherInnen 164 Milzproben von erlegten Füchsen in Tirol und Vorarlberg. Genetische Analysen offenbarten eine Füchsin aus Feldkirch als Trägerin des neuartigen Erregers.

  • Infektion mit Candidatus Neoehrlichia mikurensis bleibt häufig unentdeckt

  • Das Bakterium verursacht bei Menschen und auch bei Haustieren wie etwa dem Hund grippeähnliche Symptome. 
  • „Die Erkrankung ist bei Ärztinnen und Ärzten jedoch noch wenig bekannt und bleibt deshalb oft unentdeckt“, so Hodžić. 
  1. „Wir möchten Bewusstsein für diesen Erreger schaffen. Medizinerinnen und Mediziner sollten bei entsprechenden Symptomen wissen, was zu tun ist. 
  2. Mit dem Antibiotikum Doxycyclin kann eine Infektion behandelt werden.“

In Zukunft will der Parasitologe Hodžić weitere Untersuchungen an Wildtieren vornehmen. Auch die Verbreitung der Zecken in Europa bedarf noch intensiver Forschung.

  • „Ein Monitoring der von Zecken übertragbaren Krankheiten gewinnt stetig an Bedeutung“, betont Hodžić.

Service:

Der Artikel „Candidatus Neoehrlichia sp. in an Austrian fox is distinct from Candidatus Neoehrlichiamikurensis, but closer related to Candidatus Neoehrlichia lotoris“ von Adnan Hodžić, Rita Cézanne, Georg Gerhard Duscher, Josef Harl, Walter Glawischnig and Hans-Peter Fuehrer wurde im Journal Parasites & Vectors veröffentlicht. DOI 10.1186/s13071-015-1163-0
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4608319/


Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
 
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni Vienna ihr 250-jähriges Bestehen. http://www.vetmeduni.ac.at

 
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360°TOP-Hinweis: Jäger, Jägerfamilie und das Hepatitis E-Virus (HEV) im Wildschweinfleich / Rothirsche im Winter

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Tragen von Handschuhen beim Ausweiden schützt Jäger vor Hepatitis E

Studie bestätigt die Notwendigkeit sorgfältiger Hygienemaßnahmen bei der Gewinnung und Zubereitung von Wildschweinfleisch 

 


 
 
Wildschweine können Träger des Hepatitis E-Virus (HEV) sein. 
  • Für Jäger besteht durch direkten Kontakt zu Wildschweinen bei der jagdlichen Gewinnung von Wildschweinfleisch deshalb ein erhöhtes Infektionsrisiko. 
 „Dieses Risiko kann durch das Tragen von Handschuhen beim Aufbrechen und Zerlegen des Wildkörpers und der anschließenden Zubereitung von jagdlich gewonnenem Wildschweinfleisch erheblich verringert werden“, zieht BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel als Fazit aus den Ergebnissen einer neuen Studie, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen durchführte. 


„Jäger können sich durch das Tragen von Handschuhen folglich vor einer HEV-Infektion wirksam schützen.“ Das BfR nimmt diese Studie deshalb zum Anlass, auf seine Empfehlungen zu verbesserten Hygienemaßnahmen beim Aufbrechen, bei der Zerlegung und der Zubereitung von Wildschweinen - auch im Hinblick auf den Schutz vor anderen Infektionserregern - hinzuweisen.

  • Die Hepatitis E ist eine akute Leberentzündung, die durch das Hepatitis E-Virus (HEV) hervorgerufen wird. 

In den letzten Jahren stieg die Zahl der gemeldeten Hepatitis E-Fälle in Deutschland stark an.

Bereits frühere Studien haben gezeigt, dass das Hepatitis E-Virus (HEV) in Haus- und Wildschweinen in Deutschland weit verbreitet ist.

Die infizierten Tiere zeigen keine Erkrankungszeichen, können das Virus aber auf den Menschen übertragen.

Anlass für die Studie war ein Fall von akuter Hepatitis E bei einem Familienangehörigen eines Jägers.

Im Jahr 2012 initiierte das zuständige Veterinäramt des Kreises, in dem die Jägerfamilie lebt, eine Studie, die durch das BfR koordiniert und in enger Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt, dem Friedrich-Loeffler-Institut und dem Robert Koch-Institut durchgeführt wurde.

Ziel war die Ermittlung der Verbreitung des Hepatitis E-Virus und von HEV-spezifischen Antikörpern bei Jägern des Landkreises sowie bei den Wildschweinen ihrer Jagdgebiete.

Darüber hinaus sollten Risikofaktoren und Schutzfaktoren hinsichtlich einer HEV-Übertragung auf die Jäger identifiziert werden. Hierfür wurden zum einen das Blut der Jäger und der erlegten Wildscheine untersucht. Zum andern wurden die Jäger hinsichtlich ihres Jagdverhaltens mittels eigens dafür erstellter Fragebögen befragt. Das Ergebnis der Untersuchungen: Insgesamt hatten 21 % der 126 untersuchten Jäger Antikörper gegen HEV im Blut, was etwa mit der für die Allgemeinbevölkerung in Deutschland ermittelten Prävalenz (17 %) vergleichbar ist.

Besonders die Altersgruppe der über 70-jährigen Jäger zeigte eine sehr hohe HEV-Antikörper-Nachweisrate von 67 %, deren genaue Ursache bisher ungeklärt ist. Bei den 46 erlegten Wildschweinen zeigten sich deutliche lokale Unterschiede beim Nachweis von HEV und HEV-spezifischen Antikörpern. Abhängig vom Ort ihrer Erlegung wurden Antikörper in 22 % bis 47 % der Tiere vorgefunden. Träger von HEV waren 0 % bis 33 % der Tiere, wobei das Virus sehr häufig in der Leber und in einem Fall auch in der Muskulatur nachgewiesen wurde.

Die Auswertung der Fragebögen zeigte: In einem Gebiet mit sehr hoher HEV-Durchseuchung bei den Wildschweinen hatten Jäger, die beim Ausweiden der Tiere häufig Handschuhe trugen, eine um 88 % niedrigere Nachweisrate HEV-spezifischer Antikörper als Jäger, die darauf verzichteten.

Das Tragen von Handschuhen beim Ausweiden und Zerlegen von Wildschweinen ist daher ein wirksamer Schutz vor einer Übertragung des Hepatitis E Virus.

Generell ist auch im Hinblick auf andere Infektionserreger beim Aufbrechen von Wildtieren auf sorgfältige Hygiene zu achten.

  • Der HEV-Nachweis in Leber und Muskelfleisch der Wildschweine weist auch auf die Möglichkeit einer Virus-Übertragung durch vom Wildschwein gewonnene Lebensmittel hin. 
  • Sorgfältige Küchenhygiene und ein vollständiges Durcherhitzen des Wildschweinfleisches und der Fleischprodukte vor dem Verzehr stellen den wirksamsten Schutz vor einer Virusübertragung auf diesem Weg dar. 

Das BfR hat verschiedene Hygiene-Empfehlungen zum Umgang mit Wild und Wildfleisch zusammengestellt, die auf der BfR-Homepage zu finden sind.

Die Studie wurde im Oktober 2015 im Journal BMC Infectious Diseases veröffentlicht

http://www.biomedcentral.com/1471-2334/15/440

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.




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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
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http://www.bfr.bund.de/cm/343/fachgespraech-wildbrethygiene-am-20-maerz-2013.pdf

http://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps-schutz-vor-viralen-lebensmittelin...

http://www.bfr.bund.de/cm/343/tipps_fuer_jaeger_zum_umgang_mit_wildfleisch.pdf


Medizin am Abend Berlin Fazit:  Rothirsche fressen im Winter weniger als im Sommer, verwerten Nahrung aber besser

Im Winter ist das Nahrungsangebot für Pflanzenfresser in unseren Breiten geringer und qualitativ schlechter. Wie Rothirsche mit diesen extremen Bedingungen umgehen, wurde am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni Vienna in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht. Das Ergebnis: Die Hirsche fressen im Winter nur halb so viel wie im Sommer, selbst wenn gutes Futter unbegrenzt zur Verfügung steht. Sie verkleinern ihren Verdauungstrakt und verwerten die aufgenommene Nahrung trotzdem effizienter. Die Ergebnisse wurden im American Journal of Physiology veröffentlicht. 
 
In einem groß angelegten Fütterungsversuch wurde an 16 Rothirschkühen über einen Zeitraum von drei Jahren untersucht, ob die Tiere ihre Nahrungsaufnahme und -verwertung je nach Jahreszeit unterschiedlich regulieren.

Rothirsche fressen im Winter halb so viel wie im Sommer

Tatsächlich fraßen die Hirschkühe im Winter täglich nur halb so viel wie im Sommer, trotz unbegrenzter Verfügbarkeit von sonst bei den Tieren beliebten Futterpellets. Gleichzeitig schrumpften die Verdauungsorgane der Tiere beträchtlich. 

 „Offenbar verhindert reduzierter Appetit im Winter, dass Rothirsche zu viel Zeit und Energie für wenig ergiebige Nahrungssuche verwenden“, meint der Erstautor und Leiter des FIWI, Walter Arnold.

„Weniger Nahrungsaufnahme ermöglicht die Verkleinerung des Verdauungstraktes, was wiederum Energie einspart“.

Nährstoffaufnahme im Winter effizienter

Weiter wurde die Aufnahme von Glukose und Proteinbestandteilen aus dem Nahrungsbrei durch die Dünndarmzellen untersucht. 

Es zeigte sich, dass der aktive Transport dieser Nährstoffe im Winter schneller abläuft als im Sommer. 

Eine Hirschkuh frisst an der Futterstation.

Eine Hirschkuh frisst an der Futterstation.  (Foto: Manuela Habe/Vetmeduni Vienna)

Der Nachweis gelang mit zwei unabhängigen Methoden: Einmal indirekt durch die elektrophysiologische Messung des Nährstofftransportes im frischen, noch aktiven Darmwandgewebe von erlegten Hirschen. Zum anderen durch die direkte Messung der Nährstoffaufnahme über die Zellmembran der Darmwandzellen. Dazu wurden Zellmembranen aus Darmwandgewebe isoliert. Sie bilden im Reagenzglas Vesikel, die noch funktionsfähige Transportproteine enthalten. Diese Proteine transportierten hinzugegebene, radioaktiv markierte Nährstoffe schneller in Vesikel, die aus Darmzellen von Wintertieren präpariert worden waren.

Als Resultat der intensiveren Verdauung fanden sich im Kot von Wintertieren - bei vergleichbaren Mengen aufgenommenen Rohproteins - geringere Konzentrationen von Rohprotein als im Kot von Sommertieren.

„Die Extraktion von Nähstoffen aus dem Futter funktioniert im Winter effizienter als im Sommer.

Die wenige und magere Winternahrung wird von den Rothirschen maximal ausgebeutet. Es zählt jede Kalorie, denn die Energiebilanz im Winter ist notorisch negativ und Fettreserven sind nur begrenzt vorhanden“, so Arnold.

„Rothirsche sind im Winter darauf eingestellt, wenig und nährstoffarme Nahrung zu sich zu nehmen, diese aber umso intensiver auszubeuten. 

Im Sommer halten sich die Tiere mit der Verdauung des aufgenommenen Futters nicht lange auf.

  • Die Energieaufnahme wird maximiert indem sie viel fressen und rasch Platz für erneute Nahrungsaufnahme schaffen, die bei dem üppigen Nahrungsangebot im Sommer leicht zu bewerkstelligen ist“.


Service:
Der Artikel “Contrary seasonal changes of rates of nutrient uptake, organ mass, and voluntary food intake in red deer (Cervus elaphus)” von Arnold W, Beiglböck C, Burmester M, Guschlbauer M, Lengauer A, Schröder B, Wilkens MR und Breves G. ist im American Journal of Physiology - Regulatory and Integrative Comparative Physiology erschienen (Band 309, Seiten R277-R285).
http://ajpregu.physiology.org/content/309/3/R277

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Hormonell wirksame Substanzen: Endokrine Disruptoren


Hormonell wirksame Substanzen sind Thema einer Kleinen Anfrage (18/6982) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Die sogenannten endokrinen Disruptoren kämen in vielen Alltagsprodukten wie Spielzeug, Kleidung, Kosmetika oder auch Möbeln vor. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzInformationen  

  • Es seien bis zu 800 Stoffe bekannt, für die eine endokrine Wirkung nachgewiesen oder vermutet werde. 

Dazu gehörten Weichmacher in Kunststoffen. 

Die Substanzen fänden sich aber auch in Pestiziden und Bioziden.

In einer Studie würden die Kosten, die aus Gesundheitsschäden und Krankheiten im Zusammenhang mit endokrinen Disruptoren resultierten, allein für Deutschland auf mehr als 100 Milliarden Euro beziffert.

Die Abgeordneten wollen nun wissen, wie die Bundesregierung die Gefahren einschätzt und wie sie mit dem Problem umzugehen gedenkt.


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Der Hausarzt: Abhängigkeitserkrankungen und passgenaue Versorgungsangebote für Betroffene

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Sucht als Krankheit ernst nehmen

 

Suchtkranke haben in Deutschland nach wie vor mit großen Vorurteilen zu kämpfen. Viele Betroffene versuchen ihre Sucht zu verbergen und verzichten dadurch auf eine frühzeitige Hilfe. Neben dem gesellschaftlichen Stigma stoßen sie zusätzlich auf Barrieren im Gesundheitswesen. Auf dem DGPPN Kongress in Berlin fordern Suchtexperten deshalb heute einen offenen Umgang mit Abhängigkeitserkrankungen und passgenaue Versorgungsangebote für Betroffene. 
 
  • Sucht ist eine schwerwiegende Krankheit. Bei ihrer Entstehung spielen biologische, genetische, psychische und soziale Faktoren eine wichtige Rolle.

 „Eine Suchterkrankung basiert auf einer Fehlsteuerung des Belohnungssystems im Gehirn.

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink: Mehrarbeit + Überstunden  


Suchtmittel aktivieren verschiedene Botenstoffe, die zum Beispiel Wohlbefinden oder Euphorie auslösen. Dadurch lernt das Gehirn relativ schnell, ein bestimmtes Suchtmittel als positiven Reiz wahrzunehmen. Fehlt dieser Reiz, empfindet es eine Art Belohnungsdefizit – mit der Folge, dass der unkontrollierte Wunsch nach dem Suchtmittel entsteht.

Sucht ist also keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit, die im Gehirn nachgewiesen werden kann“, erläutert Prof. Falk Kiefer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Obwohl sich die Ursachen und Mechanismen von Suchterkrankungen heute wissenschaftlich erklären lassen, sind suchtkranke Menschen gesellschaftlich immer noch stark stigmatisiert. Sie erleben immer wieder Diskriminierung – zum Beispiel bei der Suche nach Arbeit und Wohnung. Rund 36 Prozent der Bevölkerung halten Sucht für eine selbstverschuldete Krankheit.

  • Die Folge: Suchterkrankungen werden von den Betroffenen und ihrem sozialen Umfeld totgeschwiegen. Therapeutische Interventionen erfolgen daher oft erst in einem sehr späten Stadium der Abhängigkeit.

„Doch auch das Gesundheitswesen ist noch nicht ausreichend für Abhängigkeitserkrankungen sensibilisiert.

Vor allem in der primärmedizinischen Versorgung ist der Grad an Awareness verbesserungsfähig, gleichzeitig ist auch zu wenig Zeit für Diagnostik und Behandlungsplanung vorgesehen.

Die kurative Therapie, die Entzugsbehandlung, die vorwiegend in spezialisierten Abteilungen der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie stattfindet, wird durch Eingriffe der Kostenträger – etwa in Bezug auf Behandlungsdauer und Therapieziele – noch nicht voll ausgeschöpft.

Die gesetzlich geregelten Zuständigkeiten befördern keine leistungsfähige Vernetzungen mit dem Suchthilfesystem.

Hilfeleistungen werden den Betroffenen noch zu wenig differenziert angeboten. So erhalten zum Beispiel nur rund 10 Prozent der Alkoholabhängigen pro Jahr eine rehabilitative Behandlung.

  • Das standardmäßige Screening von Abhängigkeitserkrankungen ist in der ambulanten und stationären Versorgung immer noch nicht Realität. 
In der Therapie werden zwar gute Resultate erzielt, doch die öffentliche Meinung setzt Therapieerfolg meistens mit Abstinenz als Erfolgskriterium gleich und übersieht, dass diese Therapieziel aus unterschiedlichsten Gründen nicht für alle Suchtkranke geeignet ist“, stellt Dr. Heribert Fleischmann fest, stv. Leiter des DGPPN-Fachreferates für Abhängigkeitserkrankungen und Vorsitzender der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Durch Ausgrenzung der Patienten und Defizite in der Versorgung entsteht für die Betroffenen und deren Familien viel Leid.

Hinzu kommen hohe Folgekosten für die Gesellschaft. „Wir müssen Suchterkrankungen qualifiziert in das Gesundheitssystem integrieren und neben einem verbesserten Behandlungszugang auch einen nahtlosen Übergang in die Nachsorge sicherstellen.

So genannte Stepped Care-Modelle könnten hier zukunftsweisend sein.

Gleichzeitig müssen wir Suchterkrankungen noch stärker thematisieren. Dabei sind alle Berufsgruppen gefordert, die mit Suchtkranken in Kontakt kommen – und dies schon sehr frühzeitig.

  • Durch gezieltes Fragen – zum Beispiel beim Hausarzt – lassen sich ein riskanter Konsum oder eine Abhängigkeit frühzeitig eruieren und Gegenmaßnahmen oder die Überweisung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie einleiten. 

Ein offensiver Umgang mit der Erkrankung trägt längerfristig auch zu deren Entstigmatisierung bei“, so DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth.


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Leiharbeitnehmer öfter krank als andere


Medizin am Abend Berlin Fazit:

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink 

Arbeitnehmer aus der Leiharbeitsbranche sind offenbar häufiger und länger krank als Beschäftigte aus anderen Berufszweigen. Das geht aus einem Bericht der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, wie die Bundesregierung in ihrer Antwort (18/6950) auf eine Kleine Anfrage (18/6758) der Fraktion Die Linke mitteilt.

Demnach liegen die sogenannten Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) bei Beschäftigten der Leiharbeitsbranche "merklich über denen von Beschäftigten in anderen Branchen".

  • In der TK-Statistik von 2012 kommen die Leiharbeitnehmer im Schnitt auf 1,42 Arbeitsunfähigkeitsfälle (AU-Fälle) bei 18 Fehltagen, während es in den übrigen Branchen nur 1,08 AU-Fälle und 13 AU-Tage sind.

Allerdings resultierten die Ergebnisse zum Teil aus dem unterschiedlichen Berufsspektrum zwischen Leiharbeitern und Beschäftigten in anderen Branchen.

Zudem sprächen höhere Verordnungszahlen beispielsweise von Antidiabetika dafür, dass der Gesundheitszustand von Leiharbeitern und Beschäftigten aus anderen Branchen grundsätzliche und von der Art ihrer Beschäftigung unabhängige Unterschiede aufweise. Repräsentative Daten zu der Fragestellung lägen nicht vor.


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Entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems/Rückenmark/Gehirn

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Therapien für die Autoimmunerkrankung Neuromyelitis optica im Vergleich

In einer deutschlandweiten Studie haben Mediziner verschiedene Behandlungen der Neuromyelitis optica verglichen, einer entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. 

Die konventionelle Therapie mit Steroiden schnitt dabei nicht am besten ab. 

Das Team berichtet unter Leitung der Ruhr-Universität Bochum und der Medizinischen Hochschule Hannover in der Zeitschrift „Annals of Neurology“. 
 

In einer deutschlandweiten Studie haben Mediziner verschiedene Behandlungen der Neuromyelitis optica verglichen, einer entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die konventionelle Therapie mit Steroiden schnitt dabei nicht am besten ab. Das Team berichtet unter Leitung der Ruhr-Universität Bochum und der Medizinischen Hochschule Hannover in der Zeitschrift „Annals of Neurology“.



Die Standorte der deutschlandweiten Neuromyelitis-Optica-Studiengruppe, kurz NEMOS gennant
Die Standorte der deutschlandweiten Neuromyelitis-Optica-Studiengruppe, kurz NEMOS gennant
© NEMOS-Netzwerk

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Rentenbericht 2015 


Schubförmiger Krankheitsverlauf

Die Neuromyelitis optica verläuft schubförmig.

Daten über die Behandlung von 871 Schüben von 185 Patientinnen und Patienten gingen in die Untersuchung ein. Sie wurden an verschiedenen Standorten der Neuromyelitis-Optica-Studiengruppe (NEMOS) gewonnen, einem Zusammenschluss von neurologischen Universitätskliniken und Versorgungskrankenhäusern. Prof. Dr. Ingo Kleiter von der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität am St. Josef Hospital und PD Dr. Corinna Trebst von der Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover leiteten die Studie.

Konventionelle Therapie nicht am wirksamsten

Die Analyse bestätigte frühere Erkenntnisse, dass sich die Schubsymptome nur in einem Fünftel der Fälle komplett zurückbilden.

  • Insbesondere Entzündungen des Rückenmarks lassen sich schwer heilen. 

„Angesichts dieser schlechten Prognose ist eine möglichst frühzeitige und intensive Behandlung der Schübe wichtig“, sagt Prof. Dr. Ingo Kleiter.

  • Eine Kombination verschiedener Behandlungen ist dafür besser geeignet als einzelne Therapien, lautet ein Fazit der Studie. 

Bei Rückenmarksentzündungen erwies sich die konventionelle Therapie mit Steroidpräparaten als weniger wirksam als Blutwäscheverfahren. 

Für diese Austauschverfahren wird das Blut der Patienten ähnlich wie bei der Dialyse über Filter gereinigt und dem Patienten über eine Infusion wieder zugeführt, oder es wird durch Blutersatzmittel wie Albumin ersetzt.

Über die Krankheit

Die Neuromyelitis optica ist eine seltene Autoimmunerkrankung des Rückenmarks und Gehirns, die lange Zeit als Unterform der Multiplen Sklerose galt. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass es bei der Krankheit zu einem Angriff der Immunzellen auf den Wasserkanal Aquaporin-4 der Gehirnzellen kommt.

Während der Schübe kommt es häufig zu einer Entzündung der Sehnerven oder des Rückenmarks. Langfristig können die Patienten daran erblinden oder schwere Behinderungen davontragen.

Titelaufnahme

I. Kleiter et al. on behalf of NEMOS (2015): Neuromyelitis optica: evaluation of 871 attacks and 1153 treatment courses. Annals of Neurology, DOI: 10.1002/ana.24554





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Prof. Dr. med. Ingo Kleiter
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E-Mail: ingo.kleiter@rub.de
Dr. Julia Weiler Ruhr-Universität Bochum


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Angeklickt

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Gesundheitsplanung mit dem Karriereziele 2016: Jeder dritte Deutsche möchte nach Feierabend besser abschalten

Medizin am Abend Berlin Fazit:   17 Prozent wollen effizienter arbeiten, 15 Prozent sind auf dem Sprung / Weniger Gehaltsforderungen als im Vorjahr

Mehr Gelassenheit und eine stärkere Abgrenzung zwischen Beruflichem und Privatem sind die Top-Ziele der deutschen Arbeitnehmer für das kommende Jahr 2016. Mehr als ein Drittel der Deutschen haben sich zum Ziel gesetzt, nach Feierabend besser abzuschalten, um sich ihrem Privatleben widmen zu können. Mehr Gelassenheit im Job nehmen sich 32 Prozent vor. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Karriereziele 2016" des Personaldienstleisters ManpowerGroup Deutschland. Hierfür wurden 1.004 Deutsche ab 18 Jahren zu ihren beruflichen Vorsätzen und Karrierewünschen befragt.

Medizin am Abend Berlin Zusatzlink: StudienErgebnisse  


Auf Platz drei der guten Karrierevorsätze folgt eine erstaunlich ehrgeizige Antwort: 17 Prozent haben sich selbst zum Ziel gesetzt, effizienter zu arbeiten. "Die zunehmende Komplexität am Arbeitsplatz erfordert neue und effizientere Arbeitsweisen. Mitarbeiter erkennen, dass sie mit Hilfe von Flexibilität und neuen Technologien ihre Arbeit besser erledigen können, ohne dafür das Privatleben zu opfern", sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. Wunschlos glücklich und ohne gute Karrierevorsätze ist nur noch etwa jeder zehnte Deutsche (elf Prozent). Das waren vor drei Jahren noch 19 Prozent. Die Ansprüche der Arbeitnehmer an ihr Arbeitsumfeld und ihre berufliche Entwicklung sind gestiegen. Einen Jobwechsel zu einem neuen Arbeitgeber planen wie in den Vorjahren 15 Prozent der Befragten. Innerhalb des Unternehmens wollen weitere fünf Prozent die Position wechseln.

Auch Arbeitgeber bekommen To-do-Liste

An den Arbeitgeber stellen die Bundesbürger ebenfalls Forderungen: 45 Prozent fordern mehr Gehalt. Dieser Anteil ist innerhalb eines Jahres um sechs Prozentpunkte gesunken. "Das Gehalt ist nicht mehr das Maß aller Dinge, es zählen viele weitere Faktoren", sagt Brune. So wünscht sich jeder vierte Angestellte mehr Wertschätzung für seine Leistungen. 20 Prozent würden ihre Arbeitszeit gern selbstständig einteilen dürfen. Gesunken sind die Wünsche, vielseitigere Aufgaben zu erhalten (17 Prozent im Vergleich zu 21 Prozent im Vorjahr) sowie mehr Verantwortung übertragen zu bekommen (neun Prozent, vorher 14 Prozent). "Zu mehr Leistungen sind die Arbeitnehmer nur bereit, wenn das Gesamtpaket stimmt und sie in ihrer Entwicklung gefördert werden", sagt der Deutschland-Chef des Workforce Solutions Anbieters. So wünschen sich 18 Prozent der Angestellten, ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern, 13 Prozent wollen mehr IT-Know-how erwerben und neun Prozent haben Interesse an einem Coaching in sozialen Kompetenzen. "Wünsche nach Qualifizierung sollten die Arbeitgeber erfüllen, zum Beispiel auch mit Kooperationspartnern. Für Unternehmen gibt es doch nichts Besseres als motivierte Mitarbeiter, die ihre Fähigkeiten erweitern", so Brune. Die ManpowerGroup stellt ihren Mitarbeitern ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm zur Verfügung.

Die Top 15 der Karriereziele für 2016 

   1.  Nach Feierabend besser abschalten (36 %)
   2.  Die Arbeit lockerer sehen (32 %)
   3.  Effizienter arbeiten (17 %)
   4.  Weniger arbeiten, z.B. Stunden reduzieren, um mehr Freizeit zu
       haben (15 %)
   5.  Sich bei einem anderen Arbeitgeber bewerben (15 %)
   6.  Besser mit den Kollegen zusammenarbeiten (12 %)
   7.  Die eigenen Kompetenzen selbstbewusster präsentieren (12 %)
   8.  Sich stärker im Job engagieren (11 %)
   9.  Mehr Zeit in die Karriere investieren (10 %)
   10. Studium oder Ausbildung beginnen bzw. fortzuführen (10 %)
   11. Mehr Networking zu betreiben (9 %)
   12. Weiterbildung bzw. neben dem Job weiterzubilden (9 %)
   13. Um eine Beförderung bemühen (7 %)
   14. Berufliche Auszeit / Sabbatical zu nehmen (5 %)
   15. Innerhalb des Unternehmens Position wechseln (5 %) 

Hintergrundinformation 

Die Studie "Karriereziele 2016" basiert auf einer Online-Befragung unter 1.004 Deutschen ab 18 Jahren. Sie wurde im Auftrag der ManpowerGroup Deutschland im November 2015 durchgeführt. Die Ergebnisse sind gewichtet und repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.



Über die ManpowerGroup
Die ManpowerGroup ist weltweit führend in der Bereitstellung innovativer Lösungen und Dienstleistungen, mit denen Unternehmen in der sich verändernden Welt der Arbeit erfolgreich sein können. Unter dem Dach der ManpowerGroup agieren in Deutschland an 160 Standorten die Gesellschaften Manpower, Experis, ManpowerGroup Solutions und Right Management. Zusammen mit den Joint Ventures Bankpower, AviationPower und Vivento Interim Services ist die Unternehmensgruppe Vorreiter in der Branchen- und Fachspezialisierung.
Mehr Informationen erhalten Sie unter http://www.manpowergroup.de.

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Faktenkontor GmbH

Juliana Hartwig

Ludwig-Erhard-Straße 37

20459 Hamburg

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Unternehmenskontakt ManpowerGroup:

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Lungenerkrankung Primary Ciliary Dyskinesia, kurz PCD

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Erstes internationales Patientenregister für seltene Lungenerkrankung PCD online

Wissenschaftler um Prof. Heymut Omran von der Universität Münster haben das erste internationale Patientenregister für die seltene Lungenerkrankung PCD eingerichtet. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse durch die Dokumentation möglichst vieler Fälle betroffener Patienten. 
 
Der erfolgreiche Online-Start des ersten internationalen Patientenregisters für die seltene Lungenerkrankung PCD durch ein internationales Wissenschaftlerteam um Prof. Heymut Omran von der Universität Münster eröffnet neue Heilungschancen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: HIV positive Menschen  


  • Die Lungenerkrankung Primary Ciliary Dyskinesia, kurz PCD, verursacht lang anhaltende und immer wiederkehrende Atemwegsinfekte. 

Bislang steht keine erfolgreiche Therapie zur Behandlung der Erkrankung zur Verfügung, vor allem besteht keine Aussicht auf Heilung.

Trotz Fortschritten in der Erforschung der seltenen Erkrankung konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler viele Aspekte wie die unterschiedliche Symptomatik bei Patienten und die Auswirkungen einzelner therapeutischer Interventionen noch nicht vollständig verstehen. Zur Generierung grundlegend neuer Forschungserkenntnisse wird eine Vielzahl von dokumentierten Fällen benötigt. Patientenregister sind gerade bei seltenen Erkrankungen effektive Instrumente zur Dokumentation der gesundheitlichen Konstitution der betroffenen Patienten, des Krankheitsverlaufs und der Reaktion auf die angewandten Therapien.

PCD tritt bereits bei Kindern auf und wird durch einen Gendefekt ausgelöst. 

  • Die Flimmerhärchen in den Atemwegen, Nasennebenhöhlen und dem Mittelohr werden unbeweglich. In der Folge sammelt sich Schleim in diesen Organen an, der nicht abtransportiert werden kann. Es entstehen irreversible, sackförmige Bronchienweiterungen, die langfristig auch zu Lungenversagen führen können. 

In der aktuellen Studie, heute im European Respiratory Journal online publiziert, beschreiben Wissenschaftler, wie sie das neue Register als eine internationale Online-Plattform zur systematischen Dokumentation von PCD-Diagnosen, -Symptomen, -Therapien und -Krankheitsverläufen einsetzen. Die münstersche Arbeitsgruppe um Prof. Heymut Omran, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Münster (UKM), kooperierte eng mit international führenden Wissenschaftlern und Patientenorganisationen.

Bis heute wurden 201 Patienten nach ihrer Zustimmung im PCD-Register durch Gesundheitsexperten aufgenommen.

Dr. Claudius Werner, Erstautor der Studie am Universitätsklinikum Münster fasst die Erwartungen der Wissenschaftler zusammen: "PCD ist eine seltene, langsam die Atemwege zerstörende Erkrankung, bei der noch immer Unsicherheiten hinsichtlich der Diagnose und Therapie bestehen.

Wir glauben, das neue Online-Register wird das Verständnis dieser seltenen Erkrankung verbessern und uns helfen, Patienten für klinische Studien zu gewinnen, um schließlich die Heilungschancen von PCD zu steigern.“

Dr. Werner weiter: „Durch die Rekrutierung weiterer Referenzzentren werden wir mehr Patienten einbeziehen können, um damit die Basis für weitere wissenschaftliche Analysen zu schaffen. 

Wir planen auch, regionale Registrierungs-Koordinatoren zu etablieren, um den Forschungsstand breiter zu kommunizieren und den Patienten-Zugang aus Ländern außerhalb des Konsortiums zu erleichtern.“




Dr. Claudius Werner, Leiter des Bereichs Pädiatrische Pneumologie in der münsterschen Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Erstautor der Publikation zum PCD-Online-Register

Dr. Claudius Werner, Leiter des Bereichs Pädiatrische Pneumologie in der münsterschen Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Erstautor der Publikation zum PCD-Online-Register Foto: FZ


Originalpublikation:

Werner C. et al. (2015): An international registry for primary ciliary dyskinesia. European Respiratory Journal online; DOI: 10.1183/13993003.00776-2015

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http://erj.ersjournals.com/content/early/2015/12/08/13993003.00776-2015 Originalpublikation

Lebermetastasen von Patienten mit Dickdarmkrebs streuen

Medizin am Abend Berlin Fazit:   .....intakte Tumorzellen in die Blutbahn

Die Größe der durch einen Dickdarmkrebs gebildeten Lebermetastase ist dabei entscheidend für das Risiko, ob von dieser Metastase Tumorzellen in die Blutbahn gestreut werden, welche möglicherweise zu Fernmetastasen in weiteren Organen, wie zum Beispiel der Lunge führen können. 

Das spricht für eine besonders engmaschige Überwachung nach der Operation und gegebenenfalls eine Chemotherapie bei Patienten, denen große Metastasen chirurgisch entfernt wurden. 

Zu diesen Erkenntnissen kommt ein Forscherteam um die Dresdner Chirurgen PD Dr. Nuh Rahbari, Dr. Ulrich Bork und Dr. Sebastian Schölch von der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzfachThema: Elektronische Gesundheitskarte    

 

Die Studie, für die bei über 100 Patienten zirkulierende Tumorzellen in unterschiedlichen Blutkompartimenten intraoperativ untersucht wurden, fand unter der Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Jürgen Weitz in Kooperation mit Heidelberger Kollegen der Klinischen Forschergruppe KFO 227 statt. Das angesehene Fach-Journal „Annals of Surgery” veröffentlichte die Studie vorab online.

Metastasen bilden die Todesursache Nummer eins beim Dickdarmkrebs. 

Das Verständnis der metastatischen Aktivität von Metastasen und welche Patienten ein hohes Risiko für die Verbreitung von Tumorzellen haben können, hat daher maßgeblichen Einfluss auf die individualisierte Krebsbehandlung in der Zukunft.

Durch Blutentnahmen während der Operation konnten die Dresdner Ärzte in ihrer aktuellen Studie die Anzahl von frei zirkulierenden Tumorzellen vor und nach dem Durchfluss der Leber in Pfortader und Lebervene ermitteln.

So konnten sie aufzeigen, dass die Lebermetastasen selbst intakte Tumorzellen freisetzen, die ihrerseits auch Fähigkeiten einer metastasierenden Tumorzelle besitzen, und somit möglicherweise zur weiteren Metastasierung des ursprünglichen Darmkrebses beitragen können. Dabei entdeckten die Wissenschaftler auch einen Zusammenhang zwischen der Größe der Metastasen und dem Nachweis freigesetzter Tumorzellen.

„Das spricht in unseren Augen für eine stärkere postoperative Überwachung von Patienten mit großen Lebermetastasen sowie – wegen des besonders hohen Risikos einer weiteren Streuung – gegebenenfalls für eine postoperative Chemotherapie“, unterstreicht Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Erstautor der Studie.

Die Forscher planen deshalb genau dazu Folgestudien, um einen Nachweis für den Vorteil von postoperativen Chemotherapien bei großen Lebertumoren zu erbringen und um zu untersuchen, ob bestimmte Operationstechniken das Risiko für weitere Metastasen bei diesen Patienten senken können.

Publikation
Rahbari NN, Bork U, Schölch S, Reissfelder C, Thorlund K, Betzler A, Kahlert C, Schneider M, Ulrich AB, Büchler MW, Weitz J, Koch M.: Metastatic Spread Emerging from Liver Metastases of Colorectal Cancer - Does the Seed Leave the Soil Again?; in: Annals of Surgery, 2015, Oct 22. [Epub ahead of print]

Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Arzt und Wissenschaftler an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.
Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Arzt und Wissenschaftler an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.
Foto: TU Dresden / Stephan Wiegand


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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Privatdozent Dr. Nuh Nabi Rahbari
Tel.: +49 (0)351 458 19260
E-Mail: Nuh.Rahbari@uniklinikum-dresden.de
Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.uniklinikum-dresden.de/vtg

Laboruntersuchung für Schüler und Studenden: Vorhersage über Lernerfolge möglich

Medizin am Abend Berlin:  Neurotransmitter GABA sagt Lernerfolge vorher

In einer internationalen Kooperationsstudie mit der Johns Hopkins Universität in Baltimore haben Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität untersucht, wie die Konzentration des Neurotransmitters GABA im Gehirn Lernprozesse beeinflusst.

Mithilfe der Magnetresonanzspektroskopie konnten sie zeigen, dass Lernerfolge durch das Basisniveau des Botenstoffes GABA vorhergesagt werden können. Das Fachjournal „Cerebral Cortex“ hat die Ergebnisse der Studie veröffentlicht. 
 
Botenstoff GABA spielt entscheidende Rolle in neuronaler Verarbeitung

  • Bei der Informationsverarbeitung im Gehirn kommunizieren die meisten Nervenzellen über chemische Botenstoffe, die sogenannten Neurotransmitter. 

Sie werden von den Synapsen der Nervenzellen entsendet und passen wie ein Schlüssel ins Schloss eines Rezeptors an der empfangenden Nervenzelle.

  • Dort erzeugen die Botenstoffe ein erregendes oder hemmendes Signal, das anschließend weiterverarbeitet wird. 
  • Der wichtigste hemmende Neurotransmitter im zentralen Nervensystem ist die γ-Aminobuttersäure, kurz GABA genannt. 

Studien zur synaptischen Plastizität, also zur Anpassungs- und Lernfähigkeit des Gehirns, haben gezeigt, dass GABA eine entscheidende Rolle bei der Regulierung neuronaler Erregung spielt.

Zusammen mit Wissenschaftlern an der Johns Hopkins University und des Kirby Center for Functional Brain Imaging in Baltimore, haben Forscher der Ruhr-Universität nun zum ersten Mal beim Menschen eine Verbindung zwischen sensorischen Lernerfolgen und dem Basisniveau der GABA-Konzentration nachgewiesen.

Passive Stimulation erzeugt Lernprozesse

Für ihre Forschung stützen sich die Neurowissenschaftler auf Erkenntnisse früherer Studien. Diese haben gezeigt, dass passive Stimulation, ähnlich wie aktives Training, Lernprozesse im Gehirn auslöst. Für ihre eigene Studie erzeugte das Forscher-Team bei einer Gruppe von Probanden über passive Stimulation der Fingerspitzen durch elektrische Impulse, eine Verbesserung des Tastsinnes. Durch die Passivität dieses Vorgangs konnten Lernprozesse im Gehirn und ihr Zusammenhang mit dem Botenstoff GABA unter Laborbedingungen beobachtet werden. Die Konzentration von GABA lässt sich dabei durch die Magnetresonanzspektroskopie bestimmen. Sie ermöglicht es den Wissenschaftlern, chemische Substanzen im Gewebe zu identifizieren und zu messen.

Vorhersage über Lernerfolge möglich

Die Messungen der interdisziplinären Arbeitsgruppe Neurowissenschaftliche Bildgebung am Bergmannsheil Universitätsklinikum, zeigen, dass sich die Konzentration von GABA im Laufe des Lernprozesses nicht ändert.

Vielmehr ist das Basisniveau des Neurotransmitters entscheidend dafür, wie erfolgreich der Lernprozess sein wird. 

  • „Neben anderen genetischen und anatomischen Faktoren, nimmt der Botenstoff GABA eine wichtige Rolle beim Lernen ein. Die Basiskonzentration dieses Neurotransmitters lässt uns vorhersagen, wie erfolgreich jemand lernen wird“, erklärt die Arbeitsgruppe. 

Kollaboration im DFG-geförderten Sonderforschungsbereich
Die Studie wurde, unter anderem, durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft für den Sonderforschungsbereich 874 „Integration und Repräsentation sensorischer Prozesse“ an der Ruhr-Universität Bochum ermöglicht. Sie ist das Ergebnis einer Kollaboration von Prof. Dr. Martin Tegenthoff, PD Hubert Dinse und Prof. Dr. Tobias Schmidt-Wilcke, die jeweils eigene Teilprojekte im SFB 874 leiten.

Titelaufnahme

Heba, S, Puts, N A J, Kalisch, T, Glaubitz, B, Haag, L M, Lenz, M, Dinse, H R, Edden, R A E, Tegenthoff, M, Schmidt-Wilcke, T (2015) Local GABA Concentration Predicts Perceptual Improvements After Repetitive Sensory Stimulation in Humans Cerebral Cortex doi: 10.1093/cercor/bhv296.

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Dr. Stefanie Heba
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Neurologische Klinik und Poliklinik
Forschungsgruppe Plastizität
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel: (0234) 302-3866
Stefanie.heba@rub.de
Annegret Kalus Ruhr-Universität Bochum