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Schutz vor Infektionen - Rohmilch macht den Unterschied

Säuglinge, die rohe Kuhmilch bekommen, werden seltener krank als H-Milch-
Trinker, wie eine Studie von LMU-Allergologen zeigt. Die Forscher
plädieren für neue Verfahren bei der Milchproduktion, um schützende
Inhaltsstoffe zu bewahren.

Rohe Kuhmilch schützt Kinder vor Atemwegsinfekten, Fieber und
Mittelohrentzündung. Das zeigt eine europaweite Studie unter der Leitung
von Professor Erika von Mutius, Professorin für Pädiatrische Allergologie
an der LMU und Leiterin der Asthma- und Allergieambulanz am Dr. von
Haunerschen Kinderspital der LMU, über die aktuell in der Fachzeitschrift
Journal of Allergy and Clinical Immunology berichtet wird. Da Rohmilch
jedoch auch krankmachende Mikroorganismen enthalten kann und ihr Verzehr
daher ein hohes gesundheitliches Risiko birgt, plädieren die Forscher für
neue schonende industrielle Verfahren, bei denen die schützenden
Inhaltsstoffe der unbehandelten Milch erhalten bleiben.

Im Rahmen der Langzeitstudie PASTURE hielten rund 1000 Mütter Ernährung
und Gesundheit ihres Kindes bis zum ersten Lebensjahr wöchentlich fest.
„Kinder, die unbehandelte Kuhmilch tranken, hatten ein deutlich
niedrigeres Risiko für Schnupfen, Atemwegsinfekte, Fieber und
Mittelohrentzündungen als Kinder die kommerziell hocherhitzte Milch
tranken“, sagt Dr. Georg Loss vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU
und Erstautor der Publikation. Ihr Risiko, etwa an Atemwegsinfektionen zu
erkranken, sank um bis zu 30 Prozent. Dieser Effekt schwächte sich etwas
ab, wenn die Milch von den Eltern erwärmt wurde. Pasteurisierte Milch, die
industriell erhitzt wird, schützte noch vor fieberhaften Erkrankungen,
während dieser Effekt bei H-Milch gar nicht mehr bestand. Die Ergebnisse
sind der Studie zufolge unabhängig von anderen möglichen Einflussfaktoren
wie der Ernährung der Kinder.

Schutz im Blut nachweisbar

„Die unterschiedlich schützenden Effekte der Milchtypen beruhen vermutlich
auf bestimmten hitzeempfindlichen Inhaltsstoffen der Milch. Vor allem bei
Atemwegsinfekten und Mittelohrentzündung scheinen Inhaltsstoffe, die in
Rohmilch vorkommen, aber nicht in erhitzter Milch, eine tragende Rolle zu
spielen“, sagt Loss.

Im Alter von zwölf Monaten wurde den Kindern Blut abgenommen, das
immunologisch untersucht wurde. Säuglinge, die Rohmilch tranken, hatten
niedrigere Normalwerte des Entzündungsparameters CRP (C-reaktives
Protein), der Ärzten Auskunft über Entzündungen im Körper gibt. „Höhere
Entzündungswerte hängen mit der Entwicklung chronischer Erkrankungen wie
Asthma und Übergewicht zusammen, wie aus anderen Studien bekannt ist. Der
Konsum von Rohmilch könnte also das Risiko senken, später an Asthma zu
erkranken“, sagt Loss.

Bei der industriellen Verarbeitung wird Milch erhitzt, beim Pasteurisieren
auf Temperaturen zwischen 72 und 75 Grad Celsius, bei der Herstellung von
H-Milch auf Temperaturen um 135 Grad Celsius. Zudem wird die Milch
homogenisiert, damit sich das Fett verteilt und sich kein Rahm bildet.
„Beim Verzehr von Rohmilch ist Vorsicht geboten“, sagt Loss. Unbehandelt
als Rohmilch kann Milch bakteriell belastet sein und verschiedene
Krankheiten wie Listeriose, Tuberkulose und EHEC (enterohämorrhagische
Escherichia coli) basierte Durchfallerkrankungen und schwere
Niereninsuffizienz auslösen. Die Forscher regen daher an, neue Verfahren
bei der industriellen Milchverarbeitung zu entwickeln: „Durch neue
schonende Verfahren könnte ein gesundheitlich unbedenkliches Milchprodukt
erzeugt werden, das noch die schützenden Inhaltsstoffe von Rohmilch
enthält, aber nicht die krankmachenden Mikroorganismen“, sagt Loss.

Vorteile des Landlebens

Kuhmilch liefert neben Fett und Kohlenhydraten Proteine, die das
Immunsystem beeinflussen können. „Die Zusammensetzung von Kuhmilch und
Muttermilch ist in vielen Aspekten sehr ähnlich“, sagt Loss. Es ist schon
länger bekannt, dass Stillen Kinder vor Infektionen schützt. Die
Mechanismen, wie Mutter- oder Kuhmilch das Immunsystem des Kindes
beeinflussen, um vor Infektionen zu schützen, sind noch ungeklärt. Möglich
ist zum Beispiel, dass Inhaltsstoffe direkt mit Viren agieren oder dass
sie einen Einfluss auf die Darmflora haben, wodurch sich das Immunsystem
positiv entwickelt.

Die Gabe von Kuhmilch ist heute umstritten, weil Säuglinge und Kleinkinder
auch allergisch darauf reagieren können. In der PASTURE-Studie hatten bis
zum ersten Geburtstag nur zwei Prozent aller Kinder Allergien auf Kuhmilch
oder andere Nahrungsmittel.

Die positiven Effekte des Landlebens auf die Immunabwehr wurden bereits in
mehreren Untersuchungen bestätigt. „Kinder, die auf einem traditionellen
Bauernhof mit Milchvieh aufwachsen, sind am besten vor allergischen
Reaktionen geschützt“, fasst Erika von Mutius die bisherigen Ergebnisse
zusammen.

An der PASTURE Studie nahmen 1000 schwangere Frauen aus ländlichen
Regionen in Bayern, Finnland, Frankreich, der Schweiz und Österreich teil,
etwa die Hälfte lebt auf Bauernhöfen. Ihre Kinder werden bis zu ihrem
zehnten Lebensjahr wissenschaftlich begleitet, um die Umwelteffekte bei
der Entstehung von Asthma und Allergien zu untersuchen. Auch die Ernährung
der Mütter während der Schwangerschaft wurde berücksichtigt. Neben der LMU
sind das Deutsche Zentrum für Lungenforschung und die Universitäten in
Ulm, Marburg, Basel, Helsinki, Kuopio (Finnland), und Besançon
(Frankreich) beteiligt sowie Wissenschaftler der Kinderspitäler in St.
Gallen und Schwarzach (Österreich).

Publikation:
Loss et al:
„Consumption of unprocessed cow’s milk protects infants from common
respiratory infections“
In: Journal of Allergy and Clinical Immunology
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0091674914012743

Ihre Medizin am Abend DirektKontakte sind: 

Dr. Georg Loss
Dr. von Haunersches Kinderspital am Klinikum der Ludwig-Maximilians-
Universität München
Telefon: +49 89 4400 5 7798
E-Mail: georg.loss@med.uni-muenchen.de

Dr. Markus Ege
Dr. von Haunersches Kinderspital am Klinikum der Ludwig-Maximilians-
Universität München
Telefon: +49 (0) 89 4400 5 7709
E-Mail: markus.ege@med.uni-muenchen.de

TOP - 360° MFA - Thema: mmer mehr Autofahrer unter Drogen unterwegs

Rostocker Institut für Rechtsmedizin hat 2014 bereits 1000 Blutproben von
Konsumenten untersucht

Cannabis rangiert bei den illegalen Drogen obenan, gefolgt von Amphetamin
und Cocain. „Dieser Trend ist zwar nicht neu. Allerdings spielt
„Ecstasy"“ wieder eine größere Rolle und die Anzahl der im Straßenverkehr
erwischten Drogenkonsumenten erreicht eine neue Qualität.

Bekifft am Steuer: Drogenkonsum scheint in Mecklenburg, also im westlichen
Teil des Bundeslandes von Mecklenburg Vorpommern, nicht nur bei
Autofahrern zu einem immer größeren Problem zu werden. „Die Zahl
derjenigen steigt, die beispielsweise beim Fahren unter
Rauschmitteleinfluss ertappt werden". Zu diesem Schluss kommt Jörg
Nowotnik, Doktorand im Arbeitsbereich Forensische Toxikologie am Institut
für Rechtsmedizin der Universität Rostock.

Der Toxikologe hat für den Bereich Mecklenburg über einen Zeitraum von 11
Jahren (2002 bis 2012) etwa 40 000 Untersuchungsaufträge zum Nachweis von
Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten und deren Befunde ausgewertet.
Die Proben (zumeist Blut) stammen hauptsächlich von Verkehrssündern,
Räubern, Dieben, Sexualstraftätern, Schlägern und von Personen, die
Widerstand gegen die Staatsgewalt leisten. Dabei hat der Wissenschaftler
eben den neuen Trend ausgemacht: Der Konsum von illegalen Drogen, mit
denen beispielsweise Autofahrer im Straßenverkehr unterwegs sind, steigt
(übrigens auch in vielen anderen Bundesländern).

E-Zigaretten in Deutschland

Jeder kennt sie, jeder Fünfte probiert sie aus: E-Zigaretten in
Deutschland

Eine Umfrage des Deutschen Krebsforschungszentrums

Praktisch jeder in Deutschland kennt E-Zigaretten und fast zehn Prozent
der 16- bis 19-Jährigen probieren sie auch aus – das sind etwa so viele,
wie in dieser Altersgruppe Tabakzigaretten rauchen. Es sind auch vor allem
Raucher, die sich für die E-Zigarette interessieren: Rund ein Viertel der
16- bis 39-jährigen Raucher probiert sie zumindest einmal aus, dauerhaft
verwendet sie allerdings nur weniger als ein Prozent der Raucher. Im Jahr
2014 wurden E-Zigaretten in Deutschland seltener für einen Rauchstopp
verwendet als Nikotinersatzprodukte und nur 0,2 Prozent der Exraucher
gaben an, sich mithilfe von E-Zigaretten das Rauchen abgewöhnt zu haben.

Zuzahlungen für Arzneimittel

Änderungen der Zuzahlungen für rezeptpflichtige Arzneimittel erfolgen zum 1. und 15. eines Monats. Neben pharmazeutischen Informationen fließen auch neue gesetzliche, vertragliche oder wirtschaftliche Fakten zu diesen Terminen in die Software der Apotheken ein. Der Apotheker erkennt anhand seines Computerprogramms, wie hoch die Zuzahlung für ein ärztlich verordnetes Präparat ist. Ob ein Medikament zuzahlungsfrei ist, kann jeder Patient auch aktuell in der Zuzahlungsbefreiungsliste des Verbraucherportals APONET unter www.aponet.de nachschlagen.

Kontrastmittelinduziertes Nierenversagen:

Nierenversagen-Individualisierte-Volumensubstitution-wirkt-praeventiv

Fazit: Die hämodynamisch gesteuerte Volumenexpansion zur Prophylaxe eines Kontrastmittel-induzierten Nierenschadens wegen Koronarangiographie ist gut verträglich und senkt das Risiko für einen Nierenschaden effektiver als die Standardgabe. Alscher: „Die Ergebnisse sprechen für eine individualisierte Hydrierungsstrategie, orientiert an hämodynamischen Parametern, die ein akutes Nierenversagen durch Kontrastmittel besser verhindert und eine erhöhte Letalität und Morbidität durch Nierenversagen in den folgenden Monaten signifikant reduziert.“

Brar SS: Haemodynamic-guided fluid administration for the prevention of contrast-induced acute kidney injury: the POSEIDON randomised controlled trial. Lancet 2014; 383: 1814–23.
*POSEIDON: Prevention of Contrast Renal Injury with Different Hydration Strategies


http://www.aerzteblatt.de/archiv/162866/Kontrastmittelinduziertes-Nierenversagen-Individualisierte-Volumensubstitution-wirkt-praeventiv

TOP-Einladung: Erworbene Gerinnungsstörung im OP und auf der Intensivstation, am Mittwoch, den 12.11.2014 um 17.30 Uhr


Link: Gerinnungstörung


Sehr geehrte Damen und Herren,
gerne möchten wir Sie zum
Interdisziplinären Symposium – Erworbene Gerinnungsstörung im OP und auf der Intensivstation
am 12.11.2014 in der Charité Universitätsmedizin Berlin – Campus Virchow Klinikum einladen.
Beginn der Veranstaltung ist 17:30 Uhr und die Teilnahme ist kostenfrei. Weitere Informationen zum Ablauf und Organisation der Veranstaltung entnehmen Sie hier
Die Anmeldung erfolgt per E-Mail: fortbildung-chs@charite.de oder per Fax: +49 (0) 30 450 7 578 009. Bitte nutzen Sie das integrierte Anmeldeformular im Flyer (eine gesonderte Bestätigung Ihrer Anmeldung erfolgt nicht).
Wir würden uns freuen, wenn Sie diese Einladung an interessierte Kolleginnen und Kollegen weiterleiten würden.


Team Medizin am Abend - Treffpunkt vorher, 16.00 Uhr
(bitte telefonische Vorabinfo an 0172-388 49 60)
Rankestraße 8 in 10789 Berlin

Ihr Günter K.V. Vetter

TOP-MFA Thema: Geistig-seelische Hilfe am Lebensende

Die Diskussion um die „aktive Sterbehilfe“ ist wieder aufgeflammt. Haben
unheilbar kranke Menschen das Recht auf „assistierten Suizid“ – also
darauf, dass Mediziner ihnen auf Wunsch ein tödliches Mittel verabreichen?
Der Moraltheologe Professor Dr. Gerhard Höver von der Universität Bonn ist
Mitherausgeber eines neuen, grundlegenden Buches zum Thema. Er sagt: Am
Ende ihres Lebensweges brauchen Menschen keine Giftspritze, sondern
individuelle Hilfe – zum Beispiel durch das neue Konzept der „Spiritual
Care“.

Einladung zum Workshop ‚Datenschutz in der medizinischen Forschung – Herausforderungen und Lösungen‘ am 29.10.2014 in Berlin

Medizinische Forschung: Vertrauen ist unverzichtbar

Das Vertrauen von Patienten und Probanden ist eine unverzichtbare
Voraussetzung für den Erfolg medizinischer Forschungsprojekte, die ohne
die Erhebung, langfristige Speicherung und Analyse von klinischen Daten
und Proben nicht durchgeführt werden können. Tragfähige
Datenschutzkonzepte sind hierfür unerlässlich. Deren Erarbeitung,
Abstimmung und Umsetzung unter Berücksichtigung aller gesetzlichen
Vorgaben auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene ist jedoch komplex
und aufwändig. Die TMF unterstützt die medizinischen Forscher in
Deutschland deshalb seit vielen Jahren mit Verfahrenshilfen,
Rechtsgutachten und Beratungsangeboten. In einem Workshop am 29. Oktober 2014, 9-18 Uhr, in Berlin stellen Akteure der TMF neue
Unterstützungsangebote und Aktivitäten zum Datenschutz in der Medizin vor und laden zur Diskussion ein.


Generische Datenschutzkonzepte 2.0

Die generischen Datenschutzkonzepte der TMF, seit Jahren eine Grundlage
für medizinische Forschungsprojekte, sind aufbauend auf bisherigen
Erfahrungen mit ihrer Anwendung grundlegend weiterentwickelt worden. Sie
tragen nun der Vielschichtigkeit medizinischer Forschung durch einen
modularen Aufbau Rechnung und sind in einen Leitfaden eingebettet worden.

Die Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder hat im
März 2014 medizinischen Forschungseinrichtungen und -verbünden die neuen
generischen Konzepte der TMF als Basis für die konkrete Ausgestaltung von
Datenschutzkonzepten empfohlen. Sie liegen zum Workshop auch als
Publikation in der TMF-Schriftenreihe vor.

Rechtsgutachten zur Sekundärnutzung von Behandlungsdaten

Zunehmend greift medizinische Forschung auf Daten aus der Versorgung
zurück. Deren systematische Analyse ist eine vielversprechende Methode,
die nicht zuletzt auch für die Qualitätssicherung im Gesundheitsbereich
bedeutsam ist. Diese ‚Sekundärnutzung‘ von Behandlungsdaten bringt jedoch
zahlreiche Rechtsfragen mit sich, die im Auftrag der TMF in einem
umfassenden Gutachten beantwortet werden konnten.

Das Rechtsgutachten zeigt sehr deutlich die Heterogenität des
Datenschutzrechts: Vorgaben finden sich beispielsweise nicht nur in den
Bundes- und Landes-Datenschutzgesetzen, sondern auch in den Landes-
Krankenhausgesetzen. Das Gutachten schlüsselt für jeden Fall auf, welche
gesetzgeberischen Vorgaben maßgeblich sind.

EU-Datenschutzgrundverordnung

Mit dem aktuellen Entwurf einer EU-Datenschutzgrundverordnung ist eine
umfassende Neuordnung des Datenschutzrechts in Vorbereitung. Die TMF hat
den Entwurf hinsichtlich des notwendigen Ausgleichs zwischen
informationeller Selbstbestimmung und Forschung in ihrer im Juli 2014
veröffentlichten Stellungnahme ausführlich bewertet. Die für die
medizinische Forschung kritischen Punkte werden diskutiert und der weitere
Verlauf des europäischen Gesetzgebungsverfahrens erläutert.

Datenschutzkonzept für Cloud-Computing

Neue datenschutzrechtliche Herausforderungen ergeben sich auch durch die
Möglichkeit, Datenverarbeitungsprozesse in die Cloud auszulagern. In dem
vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderten Projekt ‚cloud4health‘
ist hierfür ein generisches Konzept erarbeitet worden, das den
medizinischen Forschern in Deutschland jetzt zur Verfügung gestellt wird.

Über die Schwierigkeit und Notwendigkeit, den Bürger vor Datenmissbrauch
zu schützen, zugleich jedoch medizinische Forschung zu seinem Nutzen zu
ermöglichen diskutieren im Rahmen des Workshop Forscher,
Rechtswissenschaftler, Datenschützer und Patientenvertreter gemeinsam in
einer Podiumsdiskussion.

Zu dem Workshop haben sich bereits mehr als 160 Teilnehmer angemeldet,
darunter Vertreter fast aller Ethikkommissionen sowie fast alle
Datenschutzbeauftragten der Universitätskliniken in Deutschland.

Workshop im Überblick:

• Termin: Mittwoch, 29. Oktober 2014, 9-18 Uhr
• Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter <www.tmf-ev.de/anmelden>
• Ort: Kaiserin Friedrich-Haus, Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin
• Akkreditierung von Journalisten bitte per Mail an presse@tmf-ev.de

Ihr Medizin am Abend DirektKontakt lautet:

Ansprechpartner für fachliche Fragen:
Dr. Astros Chatziastros, Tel.: 030 – 22 00 24 745, E-Mail:
astros.chatziastros@tmf-ev.de | Dr. Johannes Drepper, E-Mail:
johannes.drepper@tmf-ev.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.tmf-ev.de/Termine/ctl/Details/Mid/785/ItemID/969.aspx - Informationen zum Workshop und Anmeldung
http://www.tmf-ev.de/tabid/107/articleType/CategoryView/categoryId/88/Thema--Recht--Ethik.aspx - Lösungen der TMF zu rechtlichen und ethischen Fragen der medizinischen Forschung

www.gendermedizin.de als Wochenendthema für die GenderFamilie: Männer mögen fröhliche Frauen

Studie zum geschlechtsspezifischen Lesen von Körpersprache aktuell in
Cerebral Cortex veröffentlicht.

Unsere Körperbewegungen sagen oft mehr über uns aus, als wir wahrhaben
wollen. So ist es nicht nur schwieriger, bei non-verbaler Kommunikation zu
täuschen, es kann sogar zuverlässig auf den emotionalen Zustand
geschlossen werden.
Eine Forschergruppe um Prof. Dr. Marina Pavlova von der Radiologischen
Universitätsklinik Tübingen ging Geschlechtsunterschieden bei der
Wahrnehmung von Körpersprache auf den Grund und fand, dass es dabei auf
die Emotion ankommt.

Körpersprache ist in unserem Alltag von größter Bedeutung, sei es bei non-
verbaler Kommunikation oder sozialer Wahrnehmung. Obwohl nach gängiger
Auffassung Frauen beim Verstehen non-verbaler Signale den Männern
überlegen sein sollen, sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern kaum
erforscht. Dabei besteht unter anderem eine klare medizinische Relevanz.
Die Mehrzahl neurologischer Entwicklungsstörungen sowie psychiatrischer
und psychosomatischer Erkrankungen, bei denen auch die non-verbale
Wahrnehmung und Kommunikation beeinträchtigt sind (wie Autismus, ADHS,
Schizophrenie, Depression, Angst- und Essstörungen), betrifft die
Geschlechter in unterschiedlichem Ausmaß und Verhältnis. Ohne die zugrunde
liegenden neurobiologischen Geschlechtsunterschiede zu verstehen, ist aber
eine personalisierte Medizin undenkbar.

Unter Federführung von Prof. Dr. Marina Pavlova, Abteilung für
Biomedizinische Magnetresonanz am Universitätsklinikum Tübingen, die seit
Jahren international Pionierarbeit auf dem Gebiet der Wahrnehmung von
Körpersprache und sozialer Kognition leistet, wurden
Geschlechtsunterschiede nun differenziert erforscht.
In einer ersten Untersuchung sollten gesunde Versuchsteilnehmer erkennen,
ob eine an der Tür klopfende Person fröhlich, neutral oder wütend gestimmt
war. In der zweiten Studie wurden Emotionen gehender Menschen beurteilt.
In beiden Fällen waren Männer beim Erkennen fröhlicher Körpersprache
besser als Frauen, Frauen wiederum bei wütenden Bewegungen. Insbesondere
konnte gezeigt werden, dass Männer fröhlich gehende Frauen am besten
erkennen.

Mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens (Magnetenzephalographie, MEG)
konnte bei Frauen eine frühere und höhere Aktivität über dem rechten
Temporallappen nachgewiesen werden, einer Gehirnregion, in der die
neuronalen Netzwerke für Bewegungswahrnehmung und Erkennen emotionaler
Körpersprache überlappen. Bei Männern wird eine spätere Gehirnaktivität
über dem Frontalhirn aufgezeichnet, dort, wo sozial relevante
Entscheidungen getroffen werden. Es scheint, dass die Gehirne beider
Geschlechter sich unterschiedlicher spezifischer Strategien zum Lesen von
Körpersprache bedienen.

Trotz neurobiologischer Unterschiede kann das beobachtete Verhalten beider
Geschlechter ähnlich sein. Die unterschiedliche Gehirnaktivität kann sogar
als Anpassungsstrategie gesehen werden. Um eine angepasste soziale
Reaktion zu zeigen, könnten Männer eher auf Entscheidungsebene
zurückgreifen, während bei Frauen reine visuelle Wahrnehmungsprozesse im
Vordergrund stehen könnten. Dennoch können solche Mechanismen oder deren
Ausfall der geschlechtsunterschiedlichen Prädisposition für bestimmte
neuropsychiatrische Erkrankungen zugrunde liegen.

Die weit verbreitete Annahme, dass Frauen generell non-verbale Signale
besser verstehen, konnte also nicht bestätigt werden.
Geschlechtsunterschiede beim Verstehen von Körpersprache gibt es aber
durchaus, und zwar abhängig von der Art der Emotion: Männer erkennen
besser fröhliche, Frauen wütende Körpersignale.

Außerhalb der Medizin und Neurowissenschaften sind diese Ergebnisse auch
für unser Alltagsleben von großer Bedeutung: scheinbar mögen Männer
einfach fröhliche Frauen.

Originalpublikationen
Pavlova MA, Sokolov AN, Bidet-Ildei C. (2014). Sex differences in the
neuromagnetic response to biological motion. CEREBRAL CORTEX advanced
online access. doi: 10.1093/cercor/bhu175. (IF 8.3)

Krüger S, Sokolov AN, Enck P, Krägeloh-Mann I, Pavlova MA. (2013). Emotion
through locomotion: gender impact. PLoS ONE, 8(11): e81716. doi:
10.1371/journal.pone.0081716. (IF 3.5)

Sokolov AA, Krüger S, Enck P, Krägeloh-Mann I, Pavlova MA. (2011). Gender
affects body language reading. FRONTIERS PSYCHOLOGY 2:16
doi:10.3389/fpsyg.2011.00016. (IF 2.8)

Ihr Medizin am Abend DirektKontakt lautet: 

Universitätsklinikum Tübingen
Radiologische Klinik, Abteilung Biomedizinische Magnetresonanz
Professor Dr. Marina A. Pavlova
Tel. 07071/29-8 14 19
E-Mail marina.pavlova@uni-tuebingen.de

Krankenhaus als Quelle für gefährliche Virusinfektion

Im Frühjahr dieses Jahres kam es in Saudi-Arabien zu einer dramatischen
Ausbreitung lebensgefährlicher Lungenentzündungen. Auslöser war das neu
entdeckte MERS-Coronavirus. Epidemiologen der Weltgesundheitsorganisation
befürchteten zunächst, das Virus sei mutiert und dadurch gefährlicher
geworden. Virologen der Universität Bonn und des Deutschen Zentrums für
Infektionsforschung haben nun den Ausbruch und das Virus untersucht.
Resultat ihrer Analyse: Das Virus ist nicht mutiert; Hauptproblem scheint
dagegen eine mangelhafte Krankenhaus-Hygiene gewesen zu sein.

Im März und April dieses Jahres alarmierte ein MERS-Ausbruch im saudi-
arabischen Dschidda Gesundheitsexperten aus aller Welt. Innerhalb von vier
Wochen steckten sich etwa 200 Menschen mit dem Virus an – genau soviele
wie seit der Entdeckung des Virus im Jahr 2012 zusammen genommen. MERS
steht für Middle East Respiratory Syndrome. Das Virus verursacht eine
Lungenentzündung, die beim Menschen in jedem dritten Fall tödlich endet.
Angesichts des Ausbruchs befürchteten Epidemiologen, ein mutiertes Virus
könnte im schlimmsten Fall eine weltweite Epidemie auslösen.

Virologen der Universität Bonn haben als erstes Forschungsteam weltweit
den Ausbruch und das beteiligte Virus untersucht. Ihren Analysen zufolge
ist das MERS-Virus aus Dschidda nicht ansteckender als der Stamm, der 2012
isoliert wurde. Auch hat es keine Mechanismen entwickelt, die es ihm
erlauben würden, die menschliche Immunabwehr zu unterlaufen.

Mangelnde Krankenhaushygiene

Ursache war stattdessen wohl ein Problem mit der Krankenhaus-Hygiene. Die
Hälfte der infizierten Patienten wurde im König Fahd Hospital in Dschidda
behandelt. „Wir nehmen an, dass es dort zur massenhaften Übertragung der
Krankheit gekommen ist“, sagt Studienleiter Professor Dr. Christian
Drosten vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn und vom
Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. So müssen MERS-Erkrankte häufig
beatmet werden. Wird der Beatmungsschlauch unsachgemäß entfernt, können
infektiöse Aerosole frei werden, die viele Milliarden Viren enthalten.
Dazu komme, dass das Pflegepersonal in Saudi-Arabien oft schlecht
ausgebildet sei. „Es ist enorm wichtig, an diesem Punkt anzusetzen“, sagt
Prof. Drosten. In Deutschland sei ein ähnlicher Ausbruch wohl kaum zu
befürchten.

Der MERS-Ausbruch galt weltweit als das große infektionsmedizinische
Problem dieses Frühjahrs. Entgegen anfänglicher Befürchtungen blieb er
jedoch auf Dschidda beschränkt und klang schließlich wieder ab. Grund war
wohl unter anderem die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen in den
Krankenhäusern, etwa eine bessere Isolierung von Patienten. „Das zeigt,
wie effizient selbst einfache Methoden gegen ein derartiges Virus sein
können“, betont Prof. Drosten.

Publikation: Christian Drosten, Doreen Muth, Victor Corman, Raheela
Hussain, Malaki Al Masri, Waleed HajOmar, Olfert Landt, Abdullah Assiri,
Isabella Eckerle, Ali Al Shangiti, Jaffar A. Al-Tawfiq, Ali Albarrak,
Alimuddin Zumla, Andrew Rambaut, Ziad Memish: An observational,
laboratory-based study of outbreaks of MERS-Coronavirus in Jeddah and
Riyadh, Kingdom of Saudi Arabia, 2014; Clinical Infectious Diseases; DOI:
10.1093/cid/ciu812

Ihr Medizin am Abend DirektKontakt lautet:

Prof. Dr. Christian Drosten
Institut für Virologie am
Universitätsklinikum Bonn
Tel. 0228/287-11055 oder 0170/3002627
E-Mail: drosten@virology-bonn.de